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Offene Tore: Jahrbuch 2009

Offene Tore: Jahrbuch 2009

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Published by Thomas Noack
Zeitschrift der Swedenborgianer
Zeitschrift der Swedenborgianer

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Published by: Thomas Noack on Dec 08, 2011
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12/08/2011

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OFFENE TORE
BEITRÄGE ZU EINEM NEUEN CHRISTLICHEN ZEITALTER
1 / 2009
Eine neue Seite im Buch des Lebens
von Thomas Noack
 Jedes neue Jahr ist wie eine neue Seite im Buch des Lebens. Das Lebensbuch ist ein Bildaus der heiligen Schrift. Emanuel Swedenborg deutete es als »das innere Gedächtnis«,das im Unterschied zum äußeren Gedächtnis lückenlos ist. Bekannt ist, dass Menschen,die ein Todesnäheerlebnis hatten, in wenigen Minuten ihr gesamtes Leben überschauenkonnten. Das innere Gedächtnis oder das Lebensbuch lag gewissermaßen offen vorihnen.Sie stehen nun am Anfang eines neuen Jahres. Jedoch wird auf den neuen Seiten desLebensbuches nicht unbedingt etwas Neues stehen. Zwar werden viele Eindrücke auf sie einstürmen, auch viele Neuigkeiten, aber ebenso gewiss werden sich Themen desalten Jahres fortsetzen. Und selbst wenn sie nicht nur eine neue Seite, sondern auch einneues Kapitel beginnen, wird es wieder ihre Handschrift tragen und vor allem dasThema ihres Lebens fortsetzen. Mit dem neuen Jahr beginnt eben nur eine neue Seiteim Buch des Lebens, das die Kontinuität nicht unterbricht.Denn die Jahre sind wie Perlen einer Kette. Die einen sehen die Perlen und begrüßendas neue Jahr als etwas Neues; die anderen sehen die Kette und suchen daher dasVerbindende in den verschiedenen Zeiten des Lebens.Das Leben ist keine zufällige Abfolge von Ereignissen. Vielmehr gibt es ein Lebensthe-ma. Wie jedes Buch hat auch das Lebensbuch ein Thema. Wer schon eine Weile gelebthat, kann erkennen, dass sich bestimmte Themen, Situationen und Problemstellungenwiederholen oder längere Zeit durchhalten. Man erkennt das besonders gut, wenn manregelmäßig zum Jahreswechsel Rückblick hält und das Vergangene noch einmal be-wusst betrachtet. Bei der Entdeckung des Lebensthemas ist es wie bei der Lektüre einesRomans. Man muss schon mehrere Kapitel gelesen haben, um zu verstehen, worum esgeht. Die Entdeckung des Lebensthemas ist daher in der Regel der zweiten Lebenshälfte vorbehalten.
 
OFFENE TORE 1 / 20092
Schreiben sie doch einmal die Geschichte ihres Lebens auf! Dazu müssen sie zunächsteine passende Überschrift finden. Und dann können sie anhand markanter Einschnittedie Kapitel bestimmen und auch ihnen eine Überschrift geben. Vielleicht merken sie beidieser Arbeit, dass sie nicht allein der Autor ihrer bisherigen Lebensgeschichte waren,sondern dass eine höhere Intelligenz mit im Spiel war. Auf jedem Fall aber ist das einegute Vorbereitung auf die einstige Konfrontation mit ihrem inneren Gedächtnis oderihrem Lebensbuch. Nutzen sie das neue Jahr, um dem alten Thema ihres Lebens einwenig mehr auf die Spur zu kommen!
Textkritik und neukirchliche Exegese
von Thomas NoackWelchen Urtext soll die neue Kirche auslegen?
Swedenborg enthüllte den inneren Sinn des Wortes auf der Grundlage von Urtext-ausgaben der hebräischen Bibel und des Neuen Testaments, die in der Zwischenzeitdurch bessere ersetzt worden sind. Swedenborg legte daher zuweilen einen Text aus,der gar nicht der Urtext war. Die neue Kirche sollte bei ihrer Exegese von den wissen-schaftlichen Grundtextausgaben von heute ausgehen. Sie sollte sich einen Überblicküber die wichtigsten Unterschiede zwischen ihnen und den von Swedenborg benutzten verschaffen und seine Schriftauslegung gegebenenfalls korrigieren. Die Umstellung derneukirchlichen Exegese auf die heutigen Grundtextausgaben könnte als Angriff auf denOffenbarungscharakter der Schriften Swedenborgs aufgefasst werden. Denn was bedeu-tet es, wenn der erleuchtete Swedenborg einen geistigen Sinn in einer Bibelstelle ent-deckte, die so gar nicht im Urtext stand? Doch fundamentalistische Abschottung ge-genüber den Erkenntnissen der Textkritik ist nicht die richtige Antwort und entsprichtauch nicht der Arbeitsweise Swedenborgs, der auf der Suche nach Weisheit immer auchdie Empirie (experientia) einbezog. Was ich im Folgenden am Beispiel des textkriti-schen Problems veranschaulichen möchte, ist Teil einer umfassenderen Aufgabe. ImGrunde genommen geht es darum, die neukirchliche Exegese in allen Bereichen an denKenntnisstand unserer Zeit heranzuführen.
Swedenborgs Bibeln und die Urtextausgaben von heute
Swedenborg besaß mehrere hebräische Bibeln und griechische Neue Testamente, dasheißt mehrere Urtextausgaben. Außerdem besaß er mehrere lateinische Übersetzungen
 
OFFENE TORE 1 / 20093
der Bibel.
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Bei der Beurteilung seiner Bibeln ist es ratsam, die hebräische Bibel und dasNeue Testament getrennt zu betrachten.Die hebräischen Bibeln Swedenborgs und unserer Zeit enthalten den masoretischenText. Wir gehen also im Prinzip heute von demselben Text aus wie Swedenborg. Dermasoretische Text wurde aus uns nicht mehr bekannten Quellen um 100 nach Christus(nach der Katastrophe des Jahres 70 nach Christus) zusammengestellt. Seit dieser Zeitdürfen wir mit einem ziemlich konstanten Konsonantentext rechnen. Die Punktation(Vokalisierung) und Akzentuation ist hingegen das erst im Laufe des 9./10. Jahrhun-derts erreichte Ergebnis jahrhundertelanger Studien, Versuche und Vorarbeiten. Swe-denborg würdigte die Masoreten als Instrument der göttlichen Vorsehung zur bis in dieEinzelheiten der Buchstaben hinein unveränderten Bewahrung des Textes der hebräi-schen Bibel (siehe LS 13, De Verbo 4). Die von Swedenborg viel benutzte Biblia Hebrai-ca von Christian Reineccius enthielt den Text der Antwerpener Polyglotte (1569-1572).
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Bereits 1901 hatte Rudolf Kittel (1853-1929) auf »die Notwendigkeit und Mög-lichkeit« einer neuen hebräischen Bibel hingewiesen.
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Den ersten beiden Auflagenseiner Biblia Hebraica lag noch der Text der zweiten Rabbinerbibel von Jakob ben Cha- jim zu Grunde. Die Textbasis der dritten Auflage von 1929 war jedoch erstmals derCodex Leningradensis
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aus dem Jahre 1008 nach Christus, der die älteste vollständigerhaltene Handschrift des masoretischen Textes ist. In dieser Tradition steht auch die 
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Swedenborgs »hebräische Bibeln waren: Bib. Heb. cum interpret. Pagnini et Montani (1657); Bib.Heb. Punctata cum Nov. Test. Graec. ed. Manasse Ben Israel (1639); Bib. Heb. cum vers. Lat. Schmi-dii (1740); Bib. Heb. cura Reinecii (1739). Über das zuletzt genannte Werk schreibt C. F. Nor-denskjöld (New Jerusalem Magazine 1790, Seite 87): ›Swedenborgs Exemplar dieses Werks ist mitBemerkungen und mit lateinischen Übersetzungen mehrerer hebräischer Wörter angefüllt, wie auchmit einigen Beobachtungen zum inneren Sinn. Das Buch ist viel benutzt. Ich füge es der Sammlung von Manuskripten hinzu.‹« (Alfred Acton, An Introduction to the Word Exlained, 1927, Seite 125f.).Der griechische Text des NT war Swedenborg u.a. in Gestalt der griechischen und lateinischen Aus-gabe des Neuen Testaments von Johann Leusden, Amsterdam 1741 zugänglich. Von seinen lateini-schen Übersetzungen der Bibel (Vulgata 1647; Castellio 1726 und 1738; Tremellius und Junius1596 und 1632; Schmidius 1697) bevorzugte er die des Straßburger Theologen Sebastian Schmidt.Meine Quellen sind Alfred Acton (s.o.) und das Dokument »Swedenborg's library« (siehewww.swedenborg.org oder »The New Philosophy« January 1969).
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Ich konnte bisher nicht abklären, auf welcher Grundlage der hebräische Text der AntwerpenerPolyglotte erstellt wurde. Zum allgemein anerkannten Text wurde die zweite Rabbinerbibel von Ja-kob ben Chajim (Bombergiana), die 1524/25 erschien.
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In seiner Programmschrift »Über die Notwendigkeit und Möglichkeit einer neuen Ausgabe derhebräischen Bibel. Studien und Erwägungen« (1901) hatte er dargelegt, dass eine von augenschein-lichen Irrtümern, Schreibfehlern und Verstößen aller Art »kritisch gereinigte Ausgabe des hebräi-schen Bibeltextes ein Bedürfnis für Schule, Universität und Privatstudium« sei (Seite 2f.).
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Der Codex Leningradensis (oder Codex Petropolitanus) wurde im Jahre 1008 nach Christus in Kairoals Abschrift des Textes des Aaron Ben Mosche Ben Ascher geschrieben. Er ist die älteste vollständigerhaltene Handschrift der hebräischen Bibel in der Originalsprache. Seit Mitte des 19. Jahrhundertsbefindet er sich in Sankt Petersburg in der Russischen Nationalbibliothek.

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