Ablehnung des »Hellsehers«, »Schwärmers«, ja »Spiritisten« gegenüber dieWirkung gerade dieses Swedenborg auf viele bedeutende Menschen, so auf Goethe und die Romantiker, z.B. Schelling und Jean Paul, auf Lavater undOberlin, auf Balzac, der ihn den »Buddha des Nordens« nennt, und Baudelaire,auf Helen Keller — »O Lichtbringer meiner Blindheit!« —‚ in Schwaben auf Oetinger und Gustav Werner, den Gründer des Reutlinger Bruderhauses.Im Gegensatz zu England und Amerika, wo es große Swedenborggemeindengibt, wo Emerson ihn als den »Seher« in seine »Repräsentanten des Menschen-geschlechts« einreihte, ist Swedenborg in Deutschland weithin unbekannt trotzseiner, freilich »unterschwelligen«‚ Wirkung. Daran war neben der Aufklärungdie Ächtung durch Kant schuld, auf die hier näher eingegangen werden muß.Von Kant sind drei Urteile über Swedenborg überliefert. Sein anfänglich starkesInteresse ließ ihn umfangreiche Nachforschungen anstellen, die seiner Meinungnach die Glaubwürdigkeit dessen, was an sein Ohr gedrungen war, ausreichend bewiesen. Auch bemühte er sich damals, mit Swedenborg in Briefwechsel zutreten und seine Bekanntschaft zu machen. Der Bericht über seine Erkundi-gungen, ein Brief an Charlotte von Knobloch aus dem Jahr 1763, beginnt mitden Sätzen: »Ich weiß nicht, ob jemand an mir eine Spur einer zum Wunder- baren geneigten Gemütsart oder von einer Schwäche, die leicht zum Glauben bewogen wird, sollte jemals haben wahrnehmen können. Soviel ist gewiß, daßungeachtet aller Geschichten von Erscheinungen und Handlungen des Geister-reichs, davon mir eine große Menge der wahrscheinlichsten bekannt ist, ichdoch jederzeit der Regel der gesunden Vernunft am gemäßesten zu sein erachtethabe, sich auf die verneinende Seite zu lenken ... Dieses ist die Stellung, inwelcher sich mein Gemüt von langer Zeit her befand, bis die Geschichte desHerrn Swedenborg mir bekannt gemacht wurde.« Er erzählt nun einige bestens bezeugte Vorfälle, aus denen hervorgehe, daß Swedenborg wirklich Umgangmit Verstorbenen hatte, dann folgt das Resultat der Erkundigungen über denMenschen Swedenborg, der demnach »ein vernünftiger, gefälliger und offenher-ziger Mann« sei, »ein Gelehrter«, er gibt den Bericht vom Brand Stockholmswieder, den Swedenborg gleichzeitig, obwohl fünfzig Meilen davon entfernt, bisin die Einzelheiten geschildert hatte, und schließt mit der Frage: »Was kann manwider die Glaubwürdigkeit dieser Begebenheit anführen?«Viele Jahre später, in seinen fast in Vergessenheit geratenen »Vorlesungen über Psychologie«, 1788, sagte er bei der Beschäftigung mit der »Doppelnatur« desMenschen und mit der »anderen Welt«: »Der Gedanke des Swedenborg isthierin sehr erhaben«, und skizzierte dann dessen Lehre. In dieser Vorlesungübernahm er zudem Swedenborgs metaphysische Erklärung des Menschen.
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Diese beiden Urteile, besonders das gewichtigere letzte — vergessene oder geflissentlich ignorierte — wurden aber völlig überschattet von dem dazwischenliegenden in der Schrift »Träume eines Geistersehers« von 1766, die Sweden- borgs Ruf in Deutschland ruiniert hat.
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Man hielt sich mehr an das in ihr, wasder beginnenden Aufklärung entgegenkam, nämlich die Diffamierung jeglicher Schau in die andere Welt, als an die andere Seite der Schrift, an die Gedanken — 2 —