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Determinanten, Dynamiken, Direktiven der Deliktverarbeitung

Determinanten, Dynamiken, Direktiven der Deliktverarbeitung

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Published by Dr. Ulrich Kobbé
Kobbé, Ulrich (2006): Subjektivierung & Signifizierung: Determinanten, Dynamiken, Direktiven der Deliktverarbeitung. Vorarbeit zum forensisch-psychoanalytischen Lehrforschungsprojekt ›Subjekt im Nessoshemd – Zur Klinik des forensischen Subjekts im institutionellen Diskurs‹ 2005-2007. Universität Duisburg-Essen.
Kobbé, Ulrich (2006): Subjektivierung & Signifizierung: Determinanten, Dynamiken, Direktiven der Deliktverarbeitung. Vorarbeit zum forensisch-psychoanalytischen Lehrforschungsprojekt ›Subjekt im Nessoshemd – Zur Klinik des forensischen Subjekts im institutionellen Diskurs‹ 2005-2007. Universität Duisburg-Essen.

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02/05/2013

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: Subjektivierung
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Signifizierung
 – Determinanten, Dynamiken, Direktiven der Deliktverarbeitung –
Vorarbeit zum forensisch-psychoanalytischen Lehrforschungsprojekt
›Subjekt im Nes- soshemd – Zur Klinik des forensischen Subjekts im institutionellen Diskurs‹
2005-2007
Subjektdynamik der Deliktverarbeitung 
Wenn es für das forensische Sub- jekt darum geht, als »Kronzeuge« seiner»festen, gegliederten, furchtbaren Wahrheitder Delinquenz« dieses gewalttätige, de-struktive, anarchische Selbst selbstidentifi-katorisch anzunehmen, so stellt sich dieFrage nach den psychologischen Gesetz-mäßigkeiten, denen eine solche paradox er-scheinende Bewegung folgt. Entsprechendder zeitlichen Konstitution des Subjektsund dessen »verzeitlichter Beziehung vonsich auf den anderen« (Lacan 1945, 118)können Prozesse in Vergangenheit, Ge-genwart, Zukunft nicht abgelöst voneinan-der erlebt werden, sodass das verdrängteDelikt als noch nicht – hineichend – verar-beitete Vergangenheit in der Gegenwartandrängt. Denn die Verdrängung der eige-nen Delinquenz beinhaltet nicht nur dieAbwehr einer unerträglichen psychischenRealität, bei der die Straftat ein nicht assi-milierbares »Angstobjekt par excellence«repräsentiert. Zugleich geht es auch um dieAufrechterhaltung eines idealisierten Bildesvon sich selbst, einer selbst-idolisierendenAntizipation von Autonomie und Vollkom-menheit. Insofern stellt die unmöglich in diepsychische Struktur zu integrierende Delikt-realität eine Traumatisierung dar, die alsprimärprozesshafte, unbewusste Realitätdes begehrenden Subjekts dem Wiederho-lungszwang unterliegt (Lacan 1964b, 64-65).
Therapeutische ›Instituierung‹ und ›Destituierung‹ • 
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Legendre bezeichnet unter Bezug-nahme auf das römisch-antike Grundprin-zip des ›
vitam instituere‹
die institutionellenEffekte – die Effekte der Institution ›Gesell-schaft‹ – als einen für die Subjektivierungwesentlichen Aspekt der ›Instituierung‹, der›Einsetzung‹ des Menschen als sozialesund ethisches Subjekt, da die Verinnerli-chung der Begrenzung dem Subjekt dievon diesem gesuchte Beschränkung gibtund so fundamentale Identifizierungsmög-lichkeiten eröffne (Schneider 2001). Ganzim Sinne dieses subjekt- und institutions-theoretischen Modells unterliegt das foren-sische Subjekt im Maßregelvollzug dadurcheinem Prozess der ›Instituierung‹ (Elchar-dus & Elchardus 1995), dass es nicht nurder symbolischen Ordnung als herrschen-dem Sprach- und Be-Deutungssystem un-terworfen wird bzw. sich im selbst unter-wirft, sondern indem es dazu angehaltenwird, sich als Subjekt aktuell bewusst zu er-innern und auseinander zu setzen, umnachreifend der werden zu können, den dieeigene delinquente Lebensgeschichte unbe-wusst vor(g)reifend aus ihm gemacht hat.Forensische Behandlung besteht folglich in
 
Telefon (02 01) 1 83 2232
 
Fax (02 01) 183 – 3141E-Mail
 
ulrich.kobbe@uni-essen.deulrich@kobbe.deGebäude Universitätsstr. 12, Raum R11 T03 C32Datum 01.10.2006
Fachbereich BildungswissenschaftenProfessur für Klinische PsychologieDr. Ulrich Kobbé
Campus Essen
 
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diesem Aspekt darin, das rechtsbrechendeSubjekt dazu zu motivieren und dabei zuunterstützen, »die geschichtliche Aktualisie-rung der Tatsachen zu vollenden, die imLaufe seines Lebens eine gewisse Zahlvon historischen ›Wendepunkten‹ bestimmthaben« (Lacan 1953, 139).Dabei besteht das Ziel keineswegsin einer quasi ›archäologischen‹ Wieder-herstellung der genauen Erinnerung objek-tiver Geschehnisse, sondern in der »Auf-nahme seiner Geschichte durch das Sub- jekt, so wie sie durch ein an den anderengerichtetes Sprechen konstituiert wird«(Lacan 1953, 134). Wenn es demzufolgedarum geht, vergangene Ereignisse immerweiter zu resubjektivieren, sich erinnerndzu ver-innerlichen, so handelt es sich umetwas definitiv Anderes als eine detailge-naue Rekonstruktion des Tatgeschehens.Die forensisch-psychotherapeutische Formder Deliktverarbeitung impliziert somit eindem tatortanalytischen Ansatz der Auswer-tung objektiver, subjektunbezogener Tat-bestandsmerkmale geradezu entgegenge-setztes psychotherapeutisches Vorgehen.Diese »Kriminalpsychologie« nimmt für sich»die Möglichkeit« in Anspruch, »anhandeiner abgeschlossenen Tatortanalyse dieDynamik eines Verbrechens und damit diedarunter liegenden Bedürfnisse des Täterszu erkennen«, um über »derartig definierteMerkmalscluster […] neue Erkenntnisse bei[…] den einzusetzenden Therapiemöglich-keiten [zu] bieten« (Müller 2002). Doch dasIndizienparadigma der Tatortanalyse ver-fehlt mit seiner Konzentration auf objektiveFakten das Subjekt der Tat innerhalb fo-rensischer Behandlungen vollends. Nichtaus dessen unbewusster, subjektiver Wahr-heit wird dabei versucht, die »Affektlogik«,das heißt, die Logik der Affekte wie die Af-fektivität der Logik (Ciompi 1999, 46), dieBeziehungsdynamik, den – bewussten wieunbewussten – subjektiven ›Sinn‹ zu er-schließen, sondern es sollen in der Traditi-on naturwissenschaftlich-deterministischerFaktenanalyse mit linearem Abfolgemodelleine Tatmotivation bzw. eine tatdeterminie-rende Psychodynamik verobjektivierendkonkretisiert werden, wie sie innerhalb phy-sikalischer Gegebenheit nicht zu erfassenist. Objektiv(ierend)e Wissenschaft ist je-doch »nicht in der Lage […], meine ›objek-tive subjektive‹ phantasmatische Identität,diesen objektalen Kontrapunkt meiner Sub- jektivität, formulieren zu können« (Žižek1998, 47).Mit diesem strategisch und interven-tionistisch zu charakterisierenden Ansatzgerät Psychologie zu einer Art »Vehikel«(Lacan) gesellschaftlicher Interessen, in-dem sie weder als ethisches Erkenntnis-noch als Behandlungsinstrument genutzt,sondern sich gesellschaftlichen Interessenin einer Form »als Dienerin anbietet« (La-can 1964a, 197), bei der sie sich als Wis-senschaft selbstinstrumentalisierend denGesetzen des (Meinungs-)Marktes unter-wirft (Lacan 1964a, 196). Das heißt, indemdie sonst als Wissenschaftsstandards selbst-verständliche Objektivierung und Objektivi-tät vereinseitigt werden, produziert diesefetischistisch fixierte kriminalpsychologischeWissenschaft »ein Wissen ohne Wahrheit,d. h. ein Wissen, das dem Subjekt nichtssagt und es nicht bindet« (Waltz 2001,108).Bei einem reflektierten subjekttheo-retischen Behandlungsmodell müsste esdarum gehen, sich der zwischenmenschli-chen Anstrengung zu unterziehen, dem Tä-tersubjekt zuzuhören, sich auf das Spre-chen wie auf das Schweigen und Ver-schweigen dieses Subjekts einzulassen,darin die unbewussten Anteile seines Erle-bens, Phantasierens, Denkens, Handelnsund Verhaltens, deren Wunsch- und Ab-wehraspekte zu erfassen und zu verste-hen.
»Hier beginnt ein Sprechen über die Taten,und auch das Unerträgliches des Hörens, denn zu-erst werden die Taten meist lapidar und nebensäch-lich dargestellt und es ist schwierig, nicht darauf zureagieren, sondern das Gesagte erst einmal imRaum stehen zu lassen. Nur bestimmte Wörter auf-zugreifen und ein weiteres Sprechen ermöglichen,um eben nicht durch Entrüstung und Gegenargu-mente« einen verbalen Schlagabtausch zu beginnen,sondern Augenblicke zu ermöglichen, in denen »dasimmer gegenwärtige routinierte,
leere 
Sprechendurchbrochen wird und das Gesprochene in seinerZweideutigkeit überrascht« (Schwaiger 2003, 40-41).
Gerade indem kriminalistisch orien-tierte und zugleich behandelnd tätige Psy-chologen und Psychiater »das Verbrechenmit all seinen grauenvollen Details« be-weisführend präsentieren und mit der Be-gründung, die Tat »gehöre […] zur Persön-lichkeit des Täters« (Klingst 2003, 3), alsobjektivierbares Charaktermerkmal festle-gen, nutzt diese kriminalistische Praxis die – Scheußlichkeit der – Tat als einzigen oderwesentlichen Ausgangspunkt von Thera-pie. Anstatt sich das forensische Subjekt,das »die (Natur)Wissenschaft um der Ob- jektivität willen auszuschalten bemüht ist«(Gondek 2001, 133), zum Ausgangspunkt
 
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psychotherapeutischer Erkenntnis zu ma-chen, bedeutet ein tatortanalytisches Vor-gehen innerhalb von Behandlungen, dieTat »stärker ins Zentrum von Therapie« zurücken (Klingst 2003, 3). Damit jedochrückt die Behandlung vom Täter und des-sen Subjektivität ab und setzen Behandlerihre (scheinbare) wissenschaftliche Ratio-nalität – wie beispielhaft an Begrifflichkei-ten der »Scheußlichkeiten«, des »Bösen«ablesbar – zur Verwirklichung moralischerMaßgaben, mithin irrationaler Behand-lungsmaxime ein. Das kriminalpsychologi-sche Postulat einer ›objektiven Realität‹des Tatgeschehens und der Tatmotive schafftein paradoxes Apriori, das in seiner ›un-möglichen‹ Objektivität zum objekthaftenKorrelat des Subjekts (Tat als Persönlich-keitseigenschaft) gerät und Fetischcharak-ter annimmt (Tatzentrierung der Behand-lung). Das heißt, der Nexus tatanalytischenVorgehens innerhalb von Therapie ist nichtnur der – unterstellte – objektive Faktor derSubjektivierung, sondern auch das genaueGegenteil: Er impliziert einen – von den Pro-tagonisten unbemerkten – subjektiven Fak-tor wissenschaftlicher Objektivierung (Žižek1998, 90).Anstelle einer auf einer statisch fi-xierten und abgeschlossenen Vergangen-heit ginge es folglich in der Deliktbearbei-tung, innerhalb deliktbezogener forensischerPsychotherapien darum, eine subjektlo-gisch strukturierte Zeitlichkeit des Subjektesund affektlogisch strukturierte Erinnerungder Tat und des Tatvorfeldes wiederherzu-stellen:
»Die Eigentümlichkeit dieser Zeitlichkeitliegt weder in der bloßen Aufeinanderfolge von Er-eignissen noch in einem deterministischen Verhältniszwischen der Vergangenheit als Ursache und derGegenwart-Zukunft als Wirkung. Sie liegt ausschließ-lich in der Möglichkeit, über die das Subjekt verfügt,›sich‹ nachträglich (
après coup 
) ›umzustrukturieren‹,d.h. darin [...] der eigenen Vergangenheit ausgehendvon der Erschlossenheit der Zukunft Bedeutung zuverleihen. [...] Nur so wird verständlich, dass dieStränge der Vergangenheit keinen Sinn in sich tra-gen, sondern ihn durch die gegenwärtige Interpreta-tion des Subjekts erhalten. Der Sinn der subjektivenGeschichte ist in der Tat keine Gegebenheit, keineTatsache, sondern [...] der Effekt der Art und Weise,wie das Subjekt seine eigene Geschichte annimmt«(Recalcati 2000, 23).
Für das forensische Subjekt bedeu-tet dies, dass es immer schon deliktbedingt – ohne sich dieser Tat(sache) vollends be-wusst gewesen zu sein – ein ›anderes‹ warund zugleich dennoch erst das zu werdenhat, was das Delikt aus ihm gemacht hat.
»Es darf […] nicht der Eindruck entstehen,dass es […] so etwas wie einen Moment gab, der dieWende vom leeren Sprechen (also dem
Schlagab- tausch 
) zum subjektiv unbewussten Assoziierenmarkiert hätte. Ganz im Gegenteil ist in jeder Sitzungdie Routine omnipräsent und lässt sich nur durch eingenaues Hinhören, Akzentuieren eines Wortes odereben Versprecher und Fehlleistungen durchbrechen.Das Ritual der wöchentlichen Zusammentreffen gibtdie Sicherheit, dass ein weiteres Sprechen möglichsein wird, aber schützt nie vor dem routinierten Ge-rede, das in einer totalen Institution wie dem Ge-fängnis [oder der Maßregelvollzugsklinik] besondersausgeprägt ist. Und es garantiert eines nicht, wasgegenwärtig als Signifikant zum Gütesiegel für jedeTherapie erhoben worden ist:
Qualitätssicherung 
,denn die
Qualität 
des Sprechens ist eine nachträgli-che, die sich jeder ihr vorausgehenden
Sicherung 
radikal entzieht« (Schwaiger 2003, 43).
Erst diese Form diskursiver Selbst-befragung und Selbstakzeptanz ist Voraus-Setzung für die Antizipation einer Zukunft,für die Vorstellung einer Lebensperspektiveals Projektion des Selbst aus der zur Ver-gangenheit werdenden Gegenwart in dieZukunft. Insofern ist eine ‚lebendige Ge-genwart’ des Subjekts nur in einer Sprach-beziehung, nur in der intersubjektiven Nach-träglichkeit einer forensischen Therapiemöglich.
Vom Begehren des Un-Dings zur Ethik des Realen • 
éééé
 
Konnte therapeutisches Handeln vorJahren noch als primär dialogisch-intersub- jektiver Diskurs verstanden – und dem ent-sprechend auf die individualethischen Stan-dards befragt – werden, so hat sich auf-grund gesellschaftspolitischer Entwicklun-gen in Maßregel- und Strafvollzug wie vordem Hintergrund neuerer Theoriebildungennunmehr ein zunehmend institutionell ori-entierter Zugang zum Verständnis desSubjekts und der therapeutischen Diskurseentwickelt. Wie bereits an anderer Stelleausgeführt, stellt das Delikt das Auftauchenvon angsterregend-unerträglichen, nicht in-tegrierbaren Handlungen innerhalb der ge-sellschaftlichen Alltagspraxen dar: Bezo-gen auf ein Modell des Begehrens, ist diesder Einbruch des Realen in die (inter)sub- jektive Struktur des Symbolischen und desImaginären. Aufgabe von Behandlung wärefolglich die Entwicklung einer ›Ethik desRealen‹. Lacan charakterisiert für die vonihm vertretene Ethik die Dynamik ein »Um-kreisen einer Leere«, die mit der Unmög-lichkeit des Realen wie mit der Struktur desBegehrens verbunden ist. Dieser theoreti-

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