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und um die Achtung der Rechte anderer Völker. Es ging um die Vergötzung des imperialistischen Staates, der für sich das „Recht des Stärkeren“ auf die Unterdrückung anderer Völker und Men- schen in Anspruch nahm.
Auf diesem Weg waren abgetrennte Volksgruppen wie die Südti- roler nur lästige Stolpersteine, die notfalls durch Umsiedlung aus dem Weg geräumt werden konnten.
Jede Kritik an Hitlers geliebtem Vorbild stieß von Anfang an auf dessen Ablehnung. Bereits am 16. Oktober 1923 brachte die römi- sche Tageszeitung „Corriere Italiano“ ein Interview mit Adolf Hit- ler unter dem Titel „Hitler über seine politischen Ziele“.Darin wurde der damals noch wenig bekannte Politiker zitiert:„Ich kämp-
fe hier einen verzweifelten Kampf, um den Leuten klarzumachen, daß Südtirol zwischen Italien und Deutschland keineswegs ein Zankapfel sein dürfe ... Als Nationalist vermag ich mich durchaus in die italienischen Gedankengänge zu versetzen und verstehe so- gar den italienischen Anspruch auf eine gesicherte Grenze.“
Im Jahre 1926 veröffentlichte Hitler in dem Münchner Parteiverlag Eher einen Auszug aus seinem Buch „Mein Kampf“ unter dem Titel „Die Südtiroler Frage und das Deutsche Bündnis-
Die Sicherung Deutschlands, sagte Hitler, könne nur durch ein Bündnis mit dem starken und vorbildlichen faschistischen Itali- en herbeigeführt werden, dessen„Duce“ Mussolini„als überragen-
mit diesem allerverlogensten Pack“, welches hier „nationale Em- pörung“mime, „die besonders diesen parlamentarischen Betrügern ferner liegt als einer Elster redliche Eigentumsbegriffe.“ (S. 30 f) „Gerade wir Nationalsozialisten aber haben uns zu hüten, in das
Auch heute noch wird gelegentlich die Meinung vertreten, der Nationalsozialismus habe letztlich Südtirol nicht verra- ten wollen. Sein Verhalten gegenüber Italien sei durch die weltpolitische Lage erzwungen und rein taktischer Natur gewesen. Bei erstbester Gelegenheit wäre Südtirol doch an Deutschland angeschlossen worden.
Dies stimmt nachweislich nicht. Es ging Hitler bereits um im- periale Zielsetzungen, die vielfach in Gegensatz zu Volks- und Volksgruppenrechten des eigenen Volkes wie auch anderer Völker stehen mußten.
Der Nationalsozialismus war keine geschlossene Ideologie, bereits die 25 Punkte seines Parteiprogramms waren willkürlich aus ver- schiedenen geistigen Richtungen zusammengewürfelte Thesen. Wenn man „den Nationalsozialismus“ beurteilen will, muß man daher vor allem Adolf Hitler und sein Handeln beurteilen. Er gab in allen Dingen die Richtung vor, auch bei allen ideologischen Schwenks seiner Partei.
Hitlers überraschende politischen Erfolge waren darauf zurück zu führen, daß er seine Bewegung als Befreiungsbewegung in außen- und innenpolitischer Hinsicht darstellte.
Außenpolitisch forderte er die Befreiung des deutschen Volkes von den auch materiell drückenden Ketten der Friedensverträge von Versailles und St. Germain. Innenpolitisch vertrat er einen „na- tionalen Sozialismus“.
Damals werden wohl zahlreiche seiner Wähler und Anhänger noch nicht geahnt haben, daß Hitler keineswegs nur die Befreiung des eigenen Volkes anstrebte, sondern, seinem bewunderten Vorbild Mussolinis folgend, den Weg in die Diktatur und in den Imperia- lismus zu Lasten anderer Völker wählte. Diese Zielrichtung wur- de vielen erst klar, als Widerspruch im totalitären Staat nicht mehr möglich war und während des Krieges auch als Hochverrat ver- folgt wurde.
Eine weitgehend unterlassene Vergangenheitsbewältigung in Ita- lien läßt heute Mussolini vielfach als „halb-so-schlimmen“ Dikta- tor und den faschistischen Terror als vergleichsweise harmlos er- scheinen. So war es aber nicht!
Der große Lehrmeister seines Zauberlehrlings Hitler war jedoch Mussolini gewesen. Bereits Anfang der Zwanzigerjahre des 20. Jahrhunderts begeisterte sich Hitler an Mussolinis Konzept der Staatsallmacht, an dessen Ablehnung der Demokratie und an dem Ausschließlichkeitsanspruch der Faschistischen Partei. Hitlers Verehrung für den „Duce“ kam auch in der Übernahme des „römi- schen Grußes“ und in der Errichtung öffentlicher Bauten im Stile faschistischer Pseudo-Römertempel zum Ausdruck.
Hitler übernahm von seinem bewunderten Vorbild Mussolini das Führerprinzip mit streng hierarchischer Durchorganisation und Gleichsetzung von Partei und Staat. Er richtete nach Mussolinis Vorbild eine terroristische Geheimpolizei und Konzentrationsla- ger ein – in den italienischen KZs in Lybien und Äthiopien sollten immerhin Hunderttausende Menschen umkommen.
Hitler schätzte an Mussolini auch dessen Rassenwahn der angeb- lichen Überlegenheit der „italischen Rasse“ über die anderen Mittelmeervölker und dessen Idee der Errichtung eines Mittel- meerimperiums nach altrömischem Vorbild. Ähnlich gedachte Hitler, seine Herrschaft nach Osten auszuweiten. Er übernahm von dem „Duce“ auch die Idee der Zwangsassimilierung sowie der Umsiedlung und Vertreibung ganzer Völkerschaften.
über Kleinigkeiten hinweg auf das Größte zu sehen, sich nicht in Nebensächlichkeiten zu zersplittern“. (Seite 41) Derzeit führe das „faszistische Italien“ den Kampf gegen das Judentum (Seite 43).
heit ... dem allgemeinen Zorn zu weihen“. Dies müsse an die Stelle „des blöden Hasses gegen Arier“treten, „mit denen uns jedoch ge- meinsames Blut oder die große Linie einer gemeinsamen Kultur verbindet.“ (Seite 47)
Am 28. September 1930 veröffentlichte die faschistische Zeitung „Gazzetta del Popolo“ in Rom aus einer Unterredung ihres Korre- spondenten mit Adolf Hitler dessen Stellungnahme zu Südtirol:
In einer im Verlag „Vorwärts“ in Wien erschienenen Broschüre mit dem Titel „Südtirol verrecke!!“ (angeblich hatten reichs- deutsche Nationalsozialisten am 1. Dezember 1931 bei der Spren- gung einer christlichsozialen Versammlung im Innsbrucker Stadt- saal diesen Ruf ausgestoßen) beklagten die österreichischen Sozi- aldemokraten die Unterdrückung der Südtiroler durch den Fa- schismus: „So schmachtet deutsches Land in grausamer Unterjo-
fenen Verrat an den nationalen Grundsätzen. So habe es in einem Kommentar zu der ersten Auflage des NS-Parteiprogrammes noch geheißen, daß ein künftiger deutscher Nationalstaat auch die Deutschen „in Südtirol“ umfassen müsse. In der 5. Auflage des Jahres 1929 seien die Worte „in Südtirol“ gestrichen worden. Da- mit würde Hitler „die Deutschen in Südtirol einfach dem italieni-
dergeburt erlebt und eine große Zukunft hat, muß Deutschland zusammengehen. Dazu ist nötig ein klarer und bündiger Verzicht Deutschlands auf die Deutschen in Südtirol. Das Geschwätz über Südtirol, die leeren Proteste schaden uns nur, da sie uns Italien entfremden. In der Politik gibt es keine Sentiments, sondern nur Kaltschnäuzigkeit.“(Anm.: Hier hatten die Sozialdemokraten wörtlic h
konsulat in München vermittelten Geheimtreffen des faschisti- schen Senators Ettore Tolomei mit dem emporstrebenden NSDAP- Parteiführer Adolf Hitler.
Tolomei, der fanatische Urheber der Entnationalisierungspläne gegen Südtirol, berichtete am 30. September 1928 in einem Schrei- ben an Mussolini:
„Ich trug von der Person einen im wesentlich guten Eindruck da- von. Hitler ist ein junger und von großer und reifer Energie beseel- ter Politiker, mit feuriger Redegewandtheit, einem unbegrenzten Vertrauen in sich selbst; bestimmt, über jedes Hindernis hinweg- zugehen, mit der Sicherheit, das Ziel zu erreichen. Er will sich ei- nes Tages an der Spitze Deutschlands sehen, ihm sein Programm auferlegen ...
Er sprach sich sehr rüde in Worten, die ich geradezu als grob be- zeichnen könnte, aus (‚ganz wurst‘, ‚ich pfeif darauf‘); jene vier Älpler von Bozen und von Meran dürfen Deutschland nicht hindern, das im Spiel seiner außenpolitischen Beziehungen frei sein will ..., wobei man sich von der Behinderung durch kleine gefühlvolle Rückstän- de befreien muß, wie es gerade die irritierende Frage des Alto Adige ist ... Er legt sich Rechenschaft ab, daß in einem kurzen Zeitraum die größeren Zentren des Alto Adige soweit italianisiert sein wer- den, daß sogar die Pangermanisten den Eindruck einer verlorenen Partie erhalten werden und daß folglich die Assimilierung der Hochtäler und der abgelegenen Täler nur eine Frage der Zeit sein wird. Er möchte lediglich, daß die Aktion der italienischen Regie- rung gegen die deutschen Zeitungen und Zeitschriften lebhafter wäre, um auf diese Weise dem Überhandnehmen der wütenden anti- italienischen und antifaschistischen Anschuldigungen einen Damm entgegenzustellen ... Hitler findet persönlich ein Hindernis in sei- ner Kampagne für eine offene Übereinstimmung mit Italien und auch im allgemeinen für den Fortschritt seines politischen Ein- flusses nicht in den ‚Maßnahmen‘ für das Alto Adige selbst oder im realen Fortschritt in der Assimilierung, sondern in dem Lärm der böswilligen Pangermanisten, die seinen Einfluß auf die Massen bekämpfen, indem sie ihm die Zustimmung zu den behaupteten italienischen Greueln vorwerfen ...
Hitler wünscht, einmal den Chef der italienischen Regierung ken- nenzulernen und mit ihm zu sprechen. Die Bewunderung für die historische italienische Persönlichkeit ist in ihm durch das leiden- schaftliche Ideal eines gleich geführten Deutschland gewachsen, eines Deutschland, das stark und einig sein soll.“
Die sozialdemokratische Broschü-
re, in welcher das Bündnis
zwischen Nationalsozialismus
und Faschismus und der Verrat
an Südtirol scharf angegriffen
wurden.
Die Sozialdemokraten wandten sich in
diesem Flugblatt an die Nordtiroler
Bevölkerung und forderten sie auf, die
nationalsozialistischen und Heimwehr-
Führer an einem Verrat an Südtirol zu
hindern und in dieser Frage zu einem
Zusammengehen mit den Sozial-
demokraten zu bewegen.
Pistoia, einem engen Verwandten des italienischen Königs, die Hand schütteln. Fotos dieser Schande sind im Innsbrucker Stadt- archiv erhalten.
sche Siegesdenkmal als Sinnbild der Unterdrückung des dortigen Deutschtums errichtet wurde und daß an seiner Stirn das Bild einer Kriegsgöttin angebracht ist, die ihren Pfeil nach Norden schießt. Der Andreas-Hofer-Bund stellt weiter fest, daß zum Bau des Siegesdenkmals gerade jener Platz gewählt wurde, wo sich bis zum Jahre 1926 das Ehrenmal für die gefallenen Tiroler Kaiser- jäger befand, und daß dieses Ehrenmal zerstört wurde, um jenem für den angeblichen italienischen Sieg Platz zu machen.
Der Andreas-Hofer-Bund stellt endlich fest, daß auf dem Gelände des Siegesdenkmals vor 120 Jahren eine der edelsten Gestalten des Tiroler Freiheitskampfes, Peter Mayr, der Wirt an der Mahr, am gleichen Tage erschossen wurde, an dem Andreas Hofer zu Mantua starb.
Wenn heutzutage Mitglieder einer großen deutschen Partei auf der Treppe dieses Siegesdenkmals inmitten italienischer Frontkämp- fer jeder Waffengattung sich huldigend aufstellen, so reihen sie sich damit von selber unter die Feinde tirolischen Lebens und Er- lebens ein und haben das Recht verloren, sich fortan Sachwalter des deutschen Volkes zu nennen.
Der Andreas-Hofer-Bund spricht seine tiefste Empörung über ein solches Verhalten aus, für das er keine geeignete deutsche Bezeich- nung zu finden vermag.“
(Michael Gehler: „Eduard Reut-Nicolussi und die Südtirolfrage 1918 – 1958“, Teil 2, Schlern Schrift 333/2, Innsbruck 2007, Dokument 258, An- hang)
Reut-Nicolussi im „Braunen Haus“ –
Adolf Hitler im Gleichklang mit heutigen Politikern:
Südtirol hat völkerverbindende Brückenfunktion
Dr. Eduard Reut-Nicolussi, Kaiserjäger, Träger der Goldenen Tap- ferkeitsmedaille, nahm als Südtiroler Abgeordneter zum Öster- reichischen Nationalrat in einer ergreifenden Rede am 6. Sep- tember 1919 Abschied vom Vaterland Österreich und kündigte an, daß nun ein erbitterter Kampf um die Selbstbehauptung Süd- tirols beginnen werde.
SA-, SS-Männer und italienische Faschisten
1932 vereint vor dem „Siegesdenkmal“:
Der SS-Standartenführer Theodor Eicke
darf dem Herzog Filiberto von Pistoia,
einem engen Verwandten des italienischen
Am 28. Oktober 1932 erschien eine etwa 30 Kopf starke unifor- mierte reichsdeutsche Abordnung von SA und SS in Bozen und nahm gemeinsam mit ebenfalls uniformierten Faschisten an dem Festakt zum zehnjährigen faschistischen Regierungsjubiläum vor dem faschistischen „Siegesdenkmal“ in Bozen teil. Das amtliche faschistische Organ von Bozen, „La Provincia di Bolzano“ berich- tete darüber: „Wir wollen auch die sympathische Geste einer
Hitlerischen Gruppe hervorheben, die an der Kundgebung teilge- nommen hat ... Der gesunde Teil des deutschen Volkes empfindet für die Nation, welche heute die Fahne der Gerechtigkeit schwingt, nicht bloß Dankbarkeit, sondern will auch seine Bewunderung und Brüderlichkeit bezeugen. Die starke Abordnung der Hitler-Leute hatte sich auf der Freitreppe des Siegesdenkmales aufgestellt.“
Welchem Geist das faschistische „Siegesdenkmal“ Ausdruck ver- lieh, hatte der Minister für die öffentlichen Arbeiten, Giovanni Giurati, bereits bei der Denkmaleinweihung am 12. Juli 1928 ver- kündet gehabt, als er die angeblich „überlegenen Eigenschaften“ des italienischen Volkes in einer ebenso überheblichen wie dum- men Rede gerühmt hatte:
„Ohne diese klare Überlegenheit der Eigenschaften ließen sich we- der das rasche Vorwärtsschreiten unseres Volkes, noch die Helden- taten erklären, wofür heute an den Grenzen des Vaterlandes das Monument eingeweiht wird, in dieser Stadt, die Drusus gegründet hat, die bis zum Morgengrauen des vorigen Jahrhunderts ihren echt italienischen Charakter behalten hat und die sich nun schnell von jeder ausländischen Schminke befreit ... Ein Volk, das durch den Sieg seine Einheit wiederentdeckte und das im Faschismus sein Gewissen wiedergefunden hat, ein großes Volk von bescheide- nen und klugen Arbeitern, von tapferen Soldaten, kann nicht tole- rieren, daß die von Gott errichteten Grenzen auch nur diskutiert werden.
Es kann nicht zulassen, daß als Vorwand für die kühnen Ansprü- che die unendlich kleinen Minderheiten dienen, die während der vergangenen Jahrhunderte in einige unserer Provinzen eingewan- dert sind.“
Nun, Ende Oktober 1932, drei Monate vor Hitlers Machtergrei- fung, feierte die nationalsozialistische Delegation zusammen mit den Faschisten vor dem „Siegesdenkmal“. Dabei durfte der SS- Standartenführer Theodor Eicke sogar dem Herzog Filiberto von
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