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34. Jahrestagung der AG Jüdische Sammlungen 2008 in Potsdam
Bericht: Katrin Clever (LVR)
Die Jahrestagung der AG Jüdische Sammlungen fand in diesem Jahr vom 16. bis 19. Sep-tember 2008 statt. Das Moses Mendelssohn Zentrum (MMZ) als Gastgeber des diesjährigen34. Treffens konnte ca. 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Bereichen jüdischerMuseen, Bibliotheken, Archive, Gedenk- und Begegnungsstätten und anderer Forschungs-einrichtungen zur jüdischen Kultur und Geschichte in Potsdam begrüßen.Den Auftakt der Tagung leistete Jascha Nemtsov, MMZ, mit seinem Eröffnungsvortrag über
Archäologie in Musikarchiven. Projekte zur Geschichte jüdischer Musik an der Universität Potsdam 
. Am Beispiel verschiedener jüdischer Musiker aus dem Berlin der 1930er Jahrebeschrieb er die teilweise schwierige Suche nach den Musikernachlässen, die heute in Ar-chiven oder bei Privatpersonen weltweit zerstreut lagern. Einige Hörproben von Liedern, dieJascha Nemtsov erstmalig vertont hat, boten einen Einblick in die Neue Jüdische Schule inder Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
1. Arbeitssitzung: Museen
Die erste thematische Sitzung am folgenden Mittwoch widmete sich den Museen.Dr. Rotraud Ries und Dr. Andreas Kennecke, beide Jüdisches Museum Berlin (JMB), stelltenden im EMIKA-Projekt entwickelten mobilen, multimedialen Museumsguide für die Dauer-ausstellung des Jüdischen Museums Berlin vor. Dieser Guide wurde in einer Projektlaufzeitvon 1 ½ Jahren unter der Mitarbeit von bis zu 15 Beteiligten erarbeitet und bietet Besucherndie Möglichkeit zum interaktiven Lernen. Bei automatischer Ortung innerhalb der Ausstellungwerden einzelne, repräsentative Objekte angezeigt und um zusätzliche Informationen wieBildergeschichten, Interviews oder Archivobjekte ergänzt. Anna Rabin, Jüdisches Museumder Schweiz, berichtete über die derzeitige Sonderausstellung
Endingen-Lengnau. Auf den Spuren der jüdischen Landgemeinden im Aargau 
, die Geschichte und Alltagsleben inSchweizer Judendörfern nachzeichnet. Dr. Otto Lohr, Landesstelle für die nichtstaatlichenMuseen in Bayern, berichtete über einige
neue Projekte jüdischer Museen in Bayern 
. Dr.Werner Transier, Historisches Museum der Pfalz, sprach unter anderem über die Bemühun-gen, den Speyerer Judenhof bzw. die Shu’’m-Städte insgesamt in die Liste des UNESCOWeltkulturerbes eintragen zu lassen. Dr. Marion Méndez, Museum Synagoge Gröbzig, be-richtete über die
Eröffnung des zweiten Dauerausstellungsbereichs und der Ausstellung „Dies sind die Feste des Ewigen, die heiligen Berufungen“ 
. Als Präsentationsfläche wurdehier die Frauenempore gewählt, um den eigentlichen Synagogenraum unverstellt zu belas-sen. Besondere Beachtung fanden die zeitgenössisch von Kunststudenten hergestelltenKultgegenstände sowie das Kulturprogramm des Museums, das durch die Direktorin maß-
 
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geblich mitgestaltet wird. Dr. Christian Walda, Jüdisches Museum Rendsburg – Dr. Bamber-ger Haus, stellte
das Haus, seine Sammlung und seine Dauer- und Wechselausstellungen 
 vor. In Rendsburg, das unter dänischer Krone eine sog. Toleranzstadt war, ist ein Gebäude-komplex aus Synagoge, Mikwe, Talmud-Tora-Schule und Wohnhaus des Gemeindevorste-hers aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhalten. Die Sammlung mit SchwerpunktReligion, Geschichte und Kunst vermittelt Besuchern Einblicke in die jüdische Kultur in au-thentischer Atmosphäre. Zum Abschluss der ersten Sektion berichtete Dr. Katharina Rau-schenberger, Jüdisches Museum Frankfurt/Main, über
Ausstellungsprogramm und Zentrum für deutsch-jüdische Geschichte 
. Die beiden Sonderausstellungen Access to Israel I und IIboten bzw. bieten Zugang zu israelischer Gegenwartskunst, die Wanderausstellung Raubund Restitution (z. Zt. JMB) wird neben weiteren geplanten Ausstellungen im Jahr 2009 inFrankfurt zu sehen sein. Mit dem Zentrum für deutsch-jüdische Geschichte soll langfristigunter Zusammenlegung des Fritz-Bauer-Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt eineInstitution geschaffen werden, in der die jüdische Geschichte und der Holocaust gleicherma-ßen erforscht werden. Als problematisch könnte sich dabei, so Rauschenberger, eine Au-ßenwahrnehmung „jüdische Geschichte ist gleich Holocaust-Geschichte“ gestalten.Am Nachmittag hatten die Teilnehmer der Jahrestagung die Gelegenheit, das Albert-Einstein-Sommerhaus in Caputh zu besichtigen, das der Physiker bis zu seiner Flucht alsHauptwohnsitz nutzte.
2. Arbeitssitzung: Bibliotheken, Dokumentationen, Archive
Die zweite Sektion am Mittwochnachmittag nahm Bibliotheken, Archive und sonstige Doku-mentationsprojekte in den Blick. Dr. Rachel Heuberger, Judaica Abteilung der Universitäts-bibliothek Frankfurt/Main, sprach unter dem Titel
Arche Noah der Erinnerung 
über
Digitalisie- rungsprojekte jüdischer Literatur 
. So können mittlerweile rund 800 jiddische Drucke unterwww.literatur-des-judentums.deeingesehen werden, das Portalwww.compactmemory.de  macht eine große Zahl jüdischer Zeitschriften online zugängig. Das derzeit von der DFG ge-förderte Projekt Frankfurter Judaica hat sich das Ziel gesetzt, die ehemals 18.000 Titel starkeSammlung virtuell zu rekonstruieren und zu digitalisieren. Unterwww.judaica-frankfurt.de sind bereits jetzt ca. 2.000 Digitalisate recherchierbar. Sylvia Asmus, Deutsches Exilarchiv1933-1945 bei der Deutschen Nationalbibliothek, berichtete über die
Beschaffung von Nach- lässen von deutschsprachigen Emigranten aus den USA. Eine Zusammenarbeit des Deut- schen Exilarchivs 1933-1945 mit Prof. John M. Spalek 
. Prof. Spalek, amerikanischer Germa-nist und Exilforscher, stellt in der Regel den Kontakt zwischen dem Deutschen Exilarchiv undden meist privaten Nachlassgebern her. So konnten im letzten Jahr 13 Bestände oder Be-standsergänzungen übernommen und teilweise bearbeitet werden. Etta Grotrian und Dr. IrisBlochel-Dittrich, JMB, stellten den
Thesaurus zur deutsch-jüdischen Geschichte 
des JMB vor
 
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und erläuterten seinen
Aufbau, Ausbau und Nutzung 
. Der Thesaurus dient durch sein breitesVokabular als Werkzeug für das Informationsmanagement in den Bereichen Bibliothek,Sammlungen und Learning Center. Die einheitliche Schreibweise von Fachtermini soll zu-künftig eine Verschlagwortung vereinfachen. Im kommenden Jahr soll der Thesaurus auchonline eingesehen werden können. Dajena Schlöffel gab eine Einführung zum
Salon Jüdi- sche Studien. Ein neues internationales Rechercheportal 
und seine Möglichkeiten für dieForschung. Das Portal ist unterhttp://salon-js.blogspot.com/ einsehbar und versteht sich alsHilfsmittel zum Auffinden von digitalen Ressourcen, Archiven, Bibliotheken und Forschungs-einrichtungen. Eine Blogfunktion erlaubt darüber hinaus Austausch und Diskussion zwischenden Nutzern selbst. Das epidat-Projekt, die
digitale Edition jüdischer Friedhöfe 
, wurde vonThomas Kollatz, Salomon-Ludwig-Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte, vorge-stellt. Bereits jetzt sind einige jüdische Friedhöfe aus Deutschland und angrenzenden Regio-nen mit ihren Grabsteinen und -inschriften in der Webdatenbank erfasst, weitere wie derFriedhof Bonn-Schwarzrheindorf sollen bald folgen. Klaus Lehmann, Firma Allegronet.de,erläuterte als letzter Vortragender das Bibliotheksprogramm
Allegro-Ivrit 
zur
Erfassung von Hebraica 
, mit dem Bibliotheken hebräische Veröffentlichungen bibliothekarisch erfassen undkatalogisieren können.Die Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der AG Jüdische Sammlungen durchden Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums, Prof. Dr. Julius H. Schoeps, verbunden mitder Präsentation des von Ines Sonder, Karin Bürger und Ursula Wallmeier jüngst herausge-gebenen Buches
„Wie würde ich ohne Bücher leben und arbeiten können?“ Privatbibliothe- ken jüdischer Intellektueller im 20. Jahrhundert 
rundete den Tag ab.
3. Arbeitssitzung: Synagogen
Thema der dritten Arbeitssitzung am Donnerstagvormittag waren aktuelle Projekte zu Syn-agogen.Dr. Hartmut Heinemann, Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen, informierteüber das geplante
Synagogenbuch Hessen 
. Nach dem Vorbild von Rheinland-Pfalz soll inZusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen eine Auflistung aller hessi-schen Synagogen erfolgen. Bereits geleistete Vorarbeiten werden einbezogen, um so unterzusätzlicher Heranziehung archivischer Quellen (v. a. Entschädigungsakten) eine möglichstvollständige Dokumentation hessischer Synagogen vorlegen zu können. Hansfried Nickel,Träger- und Förderverein Synagoge Memmelsdorf, berichtete in seinem Vortrag
Geschichte in den Ort stellen – Stelen rund um die Synagoge in Memmelsdorf 
über die Initiierung eines„Synagogenwegs“ zusätzlich zu den bereits im Ort existierenden Burgen- und Bibelwegen.Vier Stelen informieren an unterschiedlichen Punkten im Dorf – u. a. an der Synagoge undam jüdischen Friedhof – über das fränkische Landjudentum vom 17. bis zum 20. Jahrhun-

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