/  4
 
Europa auf dem Weg zur Stabilitätsunion
Antragsteller:Dr. Philipp Rösler, Hans-Dietrich Genscher, Rainer Brüderle, Dr. Hermann Otto Solms, Dr. GuidoWesterwelle, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Daniel Bahr, Dirk Niebel, Birgit Homburger, Hol-ger Zastrow, Patrick Döring, Jörg-Uwe Hahn, Elke Hoff, Christian Lindner, Alexander Alvaro, Jörg vanEssen, Dr. Wolfgang Gerhardt, Nicola Beer,Christian Ahrendt, Uwe Barth, Lasse Becker, Gregor Beyer, Dr. Stefan Birkner, Ernst Burgbacher,Christian Dürr, Angela Freimuth, Thomas Hacker, Manuel Höferlin, Dr. Werner Hoyer, Michael Kauch,Dr. Heinrich L. Kolb, Jürgen Koppelin, Wolfgang Kubicki, Michael Link, Oliver Luksic, HorstMeierhofer, Gesine Meißner, Christoph Meyer, Dr. Oliver Möllenstädt, Jan Mücke, Hans-Joachim Otto,Cornelia Pieper, Gisela Piltz, Dr. Birgit Reinemund, Florian Rentsch, Rolf Salo, Mieke Senftleben,Katja Suding, Linda Teuteberg, Johannes Vogel, Dr. Volker Wissing, Hartfrid Wolff, Martin Zeil
1.Wir wollen ein Europa der gemeinsamen Stabilität.
Die FDP ist der Garant für den konsequentenWeg in eine europäische Stabilitätsunion mit Werten, Regeln und Sanktionen. Europa braucht eineWirtschaftsverfassung der Sozialen Marktwirtschaft, die Selbstverantwortung der Mitgliedstaaten undWettbewerb stärkt. Die FDP lehnt eine zentralistische Wirtschaftsregierung ab, die Schulden undWohlstand umverteilt und bürokratisch regiert.
2. Wir entscheiden über Europas Zukunft.
Europa lebt von der Beteiligung seiner Bürgerinnen undBürger. Deshalb ist der Mitgliederentscheid der FDP ein Gewinn für die demokratische Meinungsbil-dung.
3. Wir wissen, dass Deutschland von Europa profitiert.
Wir verdanken der europäischen EinigungFreiheit, Frieden, Sicherheit und Wohlstand. Der gemeinsame Markt und die gemeinsame Währungsind für Deutschland als wichtige Volkswirtschaft in Europa von besonderer Bedeutung.
4. Wir wollen Änderungen der Europäischen Verträge.
Die Bürgerinnen und Bürger wollen eineharte Währung. Die Schuldenpolitik vieler Euro-Staaten und der Bruch des Stabilitätspakts durch Rot-Grün haben die derzeitige Krise verursacht. Ein verbindlicher
Stabilitätspakt II
muss zukünftigeSchuldenkrisen in Europa verhindern. Wir sorgen für strikte Regeln, automatische Sanktionen undfordern „Schuldenbremsen“ in allen Verfassungen der Euro-Staaten.
5. Wir gewähren Hilfe nur bei Gegenleistung.
Jede Form von Nothilfe darf nur das letzte Mittelsein, wenn die Stabilität der Euro-Zone insgesamt in Gefahr ist. Hilfen dürfen nur unter strengen Auf-lagen gewährt werden, deren Einhaltung ständig überprüft wird. Jeder haftet für seine Schulden selbst.Eine wechselseitige Schuldenübernahme findet nicht statt. Nur die FDP garantiert, dass dieVergemeinschaftung von Schulden, zum Beispiel durch Eurobonds, ausgeschlossen bleibt. Die FDPhat durchgesetzt, dass das deutsche Haftungsvolumen der Höhe nach klar begrenzt bleibt (bei derEFSF 211 Milliarden Euro) und vor jeder Hilfszusage die Zustimmung des Deutschen Bundestageseinzuholen ist. Ausweitungen des deutschen Haftungsvolumens der Rettungsschirme durch finanz-technische Maßnahmen lehnt die FDP ab. Diese Prinzipien sind die Voraussetzung dafür, dass dieFDP einem langfristigen europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) zustimmt.
 6. Wir werden Risiko und Haftung wieder verbinden.
Die FDP will die Möglichkeit eines geordne-ten Insolvenzverfahrens für überschuldete Staaten in den Verträgen verankern. So kann ein betroffenesLand seine wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Schuldentragfähigkeit zurückerlangen. Die FDPhat eine Haftung der privaten Gläubiger durchgesetzt. Mit Einführung des ESM wird diese verpflich-tend. Notwendig sind weitere Maßnahmen zur effektiven Regulierung der Finanzmärkte: Dazu gehö-ren eine unabhängige europäische Ratingagentur, mehr Transparenz, klare Haftungsregeln und wirk-samere Kontrollen durch eine schlagkräftige Bankenaufsicht und eine effektive internationale Finanz-marktarchitektur.
7. Die FDP hat Verantwortung für Deutschland und Europa.
Wir sind die Partei, die das HausEuropa mitgebaut hat, und die für die Werte der Sozialen Marktwirtschaft kämpft. Die FDP steht füreine Stabilitätsunion und lehnt eine Haftungsunion ab.
Es entspricht unserer liberalen Haltung und Tradition, nicht nur Nein zu sagen, sondern denWeg für ein stabiles Europa mit Leidenschaft und wirtschaftlicher Vernunft mitzugestalten.
 
 
Begründung:Wer für eine stabile Währung, für sichere Arbeitsplätze und Wohlstand inDeutschland und Europa ist, sollte jetzt den Europäischen Stabilitätsme-chanismus (ESM) unterstützen.
Damit übernimmt die FDP in schwierigenZeiten Verantwortung für die Gestaltung der europäischen Stabilitätsunion.
Die Staatsschuldenkrise ist eine Bedrohung für unsere Währung, unsereArbeitsplätze, unser Wohlstand und ein gemeinsames starkes Europa.
Eini-ge Euro-Staaten haben sich seit Jahren hemmungslos verschuldet. Weil dringen-de, grundlegende Reformen verschleppt wurden, sind sie auch wirtschaftlichzurückgefallen. Jetzt stehen diese Euro-Staaten am Rande der Zahlungsunfähig-keit.
 
Über Staatsanleihen werden verschuldete Staaten abhängig von Banken – undBanken abhängig von Staaten. Staatspleiten hätten weitreichende Auswirkungenauf den Finanzsektor und die Realwirtschaft. Dass sie sich nicht national ein-dämmen oder verhindern lassen, wissen wir aus einer Zeit, bevor es Rettungs-schirme gab: 2008 wurde deutlich, dass der Zusammenbruch einer mittelgroßenBank in den USA im Domino-Effekt zu einem Einbruch des deutschen Bruttoin-landsprodukts um fünf Prozentpunkte führen kann.Die Insolvenz eines Staates bedeutet mit hoher Wahrscheinlichkeit die Insolvenzdes nächsten und des übernächsten Staates. Wenn in Europa oder DeutschlandBanken umkippen, bedroht das direkt die Stabilität unserer Währung und wirt-schaftliches Wachstum. Die unkalkulierbaren Risiken einer Rezession für Ar-beitsplätze und Wohlstand sehenden Auges in Kauf zu nehmen, wäre unverant-wortlich und würde weiteres Vertrauen in die Ordnung der Märkte zerstören.
Hinter der Staatsschuldenkrise steht ein Versagen der bisherigen Regelnder Währungsunion.
Es gab keinen wirksamen, unhintergehbaren Mechanis-mus, der die hemmungslose Schuldenpolitik von Euro-Staaten verhindert. Wiedie unter einer schwarz-gelben Regierung eingeführten Schuldengrenzen undStabilitätskriterien von Maastricht umgangen werden konnten, demonstriertezwischen 2002 bis 2005 die rot-grüne Bundesregierung.
Auch die Finanzmarktregulierung setzt falsche Anreize.
Sie funktioniertnach dem Motto „Staat vor Privat“: Zwar müssen Banken für Kredite an Unter-nehmen und Verbraucher Kosten zur Risikovorsorge eingehen. Aber für Kreditean Staaten müssen sie keine Vorsorge betreiben und können Kosten sparen. ImErgebnis ist es für Banken attraktiv, Staaten billiges Geld zu leihen.Im Effekt entstand eine Staatsschuldenblase. Es wäre unverantwortlich, dieseBlase durch weitere Schulden aufzupumpen, wie SPD und Grüne das wollen,
 
oder auf eine unkontrolliert platzende Blase zu warten. Die FDP weist den Wegvon Maß und Mitte, bei dem die Blase kontrolliert und nach klaren Regelnabgeschrumpft wird.Schlechte Regeln sind kein Argument gegen die Wirksamkeit von besseren Re-geln mit schärferen Sanktionen. Die gegen die Stimmen von Rot-Grün im Euro-päischen Parlament beschlossenen Regulierungen des „Six-Pack“ haben EndeSeptember 2011 wichtige Regeln korrigiert und verschärft. Weitere Änderungenan den Europäischen Verträgen müssen folgen.
Wir haben einen Plan für eine Stabilitätsunion. Jetzt gilt es, aus denFehlern und Erfolgen der Vergangenheit die richtigen Lehren für morgenzu ziehen und einen Stabilitätspakt II zu vereinbaren.
Wo Krisenmanage-ment noch unvermeidbar ist, muss schon das Fundament der Stabilitätsuniongelegt werden, in der Schuldenkrisen bereits im Ansatz verhindert werden.Kurzfristige Hilfe in der Not und zu klaren Gegenleistungen darf dabei nicht mitHaftung verwechselt werden.Der erste Invesitition in eine umfassende Stabilitätskultur solider Haushaltsfüh-rung ist es, die massive Verschuldung vieler Euro-Staaten abzubauen. Die EFSFund der ESM erleichtern nicht die Verschuldung, sondern sind harte Instrumenteeiner Spar- und Restrukturierungspolitik. Sie verhindern nicht Insolvenzen, son-dern ermöglichen sie in geordneter Weise, um Kettenreaktionen zu vermeiden.Die zweite Investition ist es, mit liberaler Ordnungspolitik für den rechtlichenund marktwirtschaftlichen Rahmen der Stabilitätsunion zu sorgen. Risiko undHaftung müssen wieder zusammengeführt werden, Hilfe kann es nur bei Gegen-leistung geben, nationale Schuldenbremsen müssen greifen. Das erreichen wirüber die Änderungen der Europäischen Verträge und über weitere Maßnahmender effektiven Regulierung der Finanzmärkte.Die Stabilitätsunion ist ein Garant für Europas Selbstbehauptung in der Globali-sierung. Deshalb geht es heute nicht einfach um die Hausaufgaben einiger Euro-Länder, sondern um die Machtverteilung in der Welt von morgen. Nur eine eini-ge Stabilitätsunion kann auch weltweit für Rahmenbedingungen wirken, dieTransparenz auf den globalen Finanzmärkten schaffen und Zügellosigkeit undSpekulationen verhindern. Fehlentscheidungen, wie die Eröffnung von Betäti-gungsfeldern von Hedgefonds durch Rot-Grün müssen vermieden werden.
Wir gehen den von der FDP aufgezeigten Weg zur Stabilitätsunion mit ers-ten Erfolgen.
Seit der Bundeswirtschaftsminister im Juli 2011 erstmals denRahmen für die Stabilitätsunion skizziert und eine öffentliche Diskussion ohneDenkverbote eröffnete, prägt das Leitbild Stabilitätsunion Positionen des Euro-päischen Rates und anderer europäischer Länder. Es ist auch Richtschnur derBundesregierung.

Share & Embed

More from this user

Add a Comment

Characters: ...