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Ueber Den Unmut Sich Mit Autofahrern Anzulegen - Cames-2012

Ueber Den Unmut Sich Mit Autofahrern Anzulegen - Cames-2012

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Published by Michel Cames
Luxemburg verdankt seinen rekordverdächtigen Anteil der Dieselflotte dem Tanktourismus. Quasi als Nebenprodukt wurde der nationale Fuhrpark stark „verdieselt“.
Luxemburg verdankt seinen rekordverdächtigen Anteil der Dieselflotte dem Tanktourismus. Quasi als Nebenprodukt wurde der nationale Fuhrpark stark „verdieselt“.

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02/15/2012

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Über den Unmut sich mit Autofahrern anzulegen
Stickstoffdioxid ist ein giftiges und stechend chlorähnlich riechendes Gas.Empfindliche Nasen orten es vor allem im Straßenverkehr. Es wirkt sichnegativ auf die Lunge aus und erhöht die Empfindlichkeit gegenüberAtemwegsinfektionen. Der Europäischen Umweltagentur nach zu urteilen,sinken NO2-Belastungen seit 1990 in Europa, stagnieren jedoch seit 2002oder nehmen nur wenig ab. Im urbanen Straßenraum und dort, wo vieleDieselfahrzeuge unterwegs sind, sind die Belastungen gar gestiegen.So auch in Luxemburg. Hierzulande sind auch Dieselfahrzeuge äußerstbeliebt. Um die 70% des PKW-Fuhrparks wird inzwischen von Dieselangetrieben. 1990 lag dieser Quotient bei 20%. Leider emittierenDieselfahrzeuge um die 10x mehr Stickoxide als Benziner. NeuesteFahrzeuge stoßen gar noch mehr NOx aus da der sich kontinuierlichregenerierende Partikelfilter mit NO2-Überschuss arbeitet.Kürzlich liest man in der Presse, dass die Stickoxid-Belastungen in derHauptstadt gesenkt werden müssen, ansonsten „deutsche“ Maßnahmenergriffen werden müssten wo Umweltplaketten den Zugang zur Innenstadtgewähren. In der Tat, seit 2003 werden regelmäßig und mit steigenderTendenz die Stickoxid-Grenzwerte am Boulevard Royal überschritten.Noch höher lagen 2010 die Werte im Bahnhofsviertel und an der EicherPlace Dargent (Luftqualitätsplan für den Großraum Stadt Luxemburg,Umweltministerium, 2011). Studien belegen, dass bereits eine Erhöhungvon zehn Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft mehrMenschen sterben lässt. Dabei übertrifft der durchschnittliche Jahreswertim Stadtzentrum inzwischen um 20 Mikrogramm den Grenzwert von 40
μg/m3.
 Der Dieselboom der letzten 20 Jahre lässt grüßen. Zu sehr hat man inEuropa und ganz besonders in Luxemburg die Mobilität des Dieselautosstaatlicherseits mit niedrigeren Kraftstoffakzisen gefördert. Es galt einvermeintliches Win-win-Prinzip: Dieselkraftstoff ist billiger,Dieselfahrzeuge verbrauchen weniger (allerdings nur im Volumen, daDiesel schwerer ist als Benzin) und als Sahnehäubchen dazu lassen sichauch noch Treibhausgase einsparen, da Dieselfahrzeuge anscheinendweniger CO2 emittieren.Leider ein Trugschluss. Zwar stößt tatsächlich unter idealen Bedingungenein Dieselmotor leicht weniger Kohlendioxid aus als ein Ottomotor. DieserVorteil wird jedoch teuer erkauft durch weit höhere Stickoxidemissionenund trotz Partikelfilter nicht zu vernachlässigende Feinstaubbelastungen.Dabei wird dieser in der Praxis meist aufgezehrt durch das größereGewicht des Dieselmotors und dem Phänomen des „Rebound effect“:Preiswerter Sprit verleitet Autofahrer zu größeren Fahrzeugen undstärkeren Motorisierungen sowie höherer Kilometerleistung. So stoßenheute Dieselfahrzeuge im Schnitt europaweit mehr klimaschädliche Gaseaus als andere Fahrzeuge.
 
 Europa war und ist weltweiter Marktführer in dieselbetriebenenFahrzeugen. Es gibt jedoch Stimmen, die für ein Umdenken plädieren. Hatdie europäische Automobilindustrie sich zu sehr auf den Dieselantriebfokussiert und deshalb die Entwicklung hin zu Hybrid- undElektrofahrzeugen verschlafen? Was Zukunftstechnologien angeht, so istsie der Konkurrenz aus Fernost unterlegen. Zusätzlich hat die überausstarke Expansion des Dieselfahrzeugmarktes trotz Schrumpfung desHeizölabsatzes den Markt in Europa für Mitteldestillat leergefegt beigleichzeitigem Überangebot an Benzin. In dem Sinne ist auch der EU-Kommissionsvorstoß von Kommissar Semeta zu verstehen, welcher hiereinen Ausgleich anstrebt und Diesel im Vergleich zu Benzin wieder „korrekt“ besteuern will.Luxemburg verdankt seinem rekordverdächtigen Anteil der Dieselflotte vorallem dem Tanktourismus. Steuerliche Mindestsätze auf Diesel lotenLastwagen im Transitverkehr vor allem nach den Aires de Berchem oderCapellen. Doch auch der hiesigen Kundschaft wurde durch vergleichbarhöhere Benzinakzisen die Lust auf Benzin-PKWs im Laufe der Jahreverdorben. Dies nahmen vor allem Finanzstrategen um Minister LucFrieden in Kauf. Quasi als Nebenprodukt des Tanktourismus wurde dernationale Fuhrpark stark „verdieselt“.Drei von vier heutigen luxemburgischen Autobesitzern fahren deshalbDiesel. Eine Kundschaft, vor der Politiker sich in Acht nehmen sollten.Umweltminister Lucien Lux hat die Wut der autobesitzendenEinwohnerschaft vor Jahren am eigenen Leibe erfahren, als er sicherdreiste, die Fahrzeugsteuern anzupassen. Deshalb ist trotz knappenStaatsfinanzen die Zurückhaltung nachzuvollziehen, welche Politiker sichauferlegen, wenn laut darüber nachgedacht wird, wie man auf sinkendeEinnahmen aus der Fahrzeugsteuer reagieren könnte. Und dies vor allemder stärksten Gruppe gegenüber, den Dieselfahrern. Zwar wird bei derAutosteuer, welche vor Jahren reformiert wurde, der Abgasproblematikdes Dieselmotors Rechnung getragen mit einem höheren Multiplikator „b“(0,9 anstatt von 0,6), doch tat dies dem Dieselboom keinen Abbruch. Seit2007 stabilisiert sich der Anteil von Dieselfahrzeugen auf hohem Niveau.Das Festhalten der Politik am Diesel offenbart sich aber am klarsten beimWiderwillen den vom parlamentarischen Haushaltsberichterstatter GillesRoth vorgeschlagenen jährlichen 50-Euro-Abschlag für Feinpartikelfilterabzuschaffen (d‘Land vom 6. Januar 2012). Dieser unsinnige Abschlagprämiert eine End-of-pipe-Luftreinhaltungsmaßnahme, welche bereits seitder Einführung von Euro 5 vor mehr als zwei Jahren Standard ist. Dabeiwäre er einfach zu beseitigen: Das Gesetz vom 29. Dezember 2006 überdie Autosteuer sieht lediglich im Artikel 36 vor: „La taxe (…)
peut être
 réduite, d’un montant maximal de 50 euros …“. Fast wäre man geneigtden Benzinautobesitzern zu raten auch eine Prämie für ihren Kat zufordern.

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