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Peter Pörtner PRÄLIMINARIEN ZU EINER GESCHICHTE DES DENKENS IN JAPAN

Peter Pörtner PRÄLIMINARIEN ZU EINER GESCHICHTE DES DENKENS IN JAPAN

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Peter PörtnerJapanzentrum der LMU München; p.poertner@lrz.uni-muenchen.dePräliminarien zu einer Geschichte des Denkens in Japan- Acht vorläufige Anläufe in der Form von Vorlesungsnotizen;werden demnächst durch redigierte, verbesserte & stark ergänzte Fassung ersetzt. -(Unkorrigiertes „work in progress“;
 zum Zitieren nicht geeignet 
!)
 
 2
VorbemerkungDas (vormoderne) Japan kennt keine (platonische) Zweiweltentheorie, es kennt keinen(platonischen) Demiurgen - und es kennt auch keine Weltschöpfung durch einen perso-nal gedachten Schöpfergott. Es kennt folglich auch nicht das Schreckensbild eines om-nipräsenten Wächter-Gottes, dessen AUGE nichts, aber auch nichts verborgen bleibt.Im japanischen Mythos ist es vielmehr so, dass die Welt dadurch („draw a distinction“), dass „Himmel und Erde sich voneinander trennen“ (wie es ganz am Anfang des japani-schen Weltentstehungs-Mythos heißt) und damit eine Welt-Bühne öffneten, - Novalishätte vielleicht von einem „Gesamt- oder Universal-Schauplatz“ gesprochen -, auf dersich das kosmische Geschehen seither abspielt. Auch die Götter entstehen erst, nachdemsich Himmel und Erde getrennt und die Welt-Bühne eröffnet haben.Ein stichwortartiger Vergleich Abendland – Japan könnte so aussehen:i) Welt-Schöpfung (Abendland) versus Welt-Entstehung (Japan) und Fehlen der Vor-stellung von einer Schöpfergottheit, die ihre ganze Schöpfung („ex nihilo“) im Blick hat, absoluter Ursprung und Fluchtpunkt aller Dinge ist – und zugleich Modell für sein starkreduziertes Ebenbild, den „kleinen Gott der Welt“, den Menschen und seine Vorstellun-gen von sich und seinen Blick auf sich selbst.Die kultur- und geistesgeschichtlichen Konsequenzen dieser Tatsache kann gar nichtüberschätzt werden, wird zumeist aber unterschätzt: Was bedeutet es zum Beispiel, wenn Japan das abendländische Rechtssystem übernimmt, ohne je in der GeschichteVorstellungen von „Universalien“ im alt-europäischen Sinne entwickelt zu haben? DieJapaner mussten und müssen den angesprochenen „klassischen Universalismus“ nichtabwerfen, können es auch gar nicht, - weil sie nie damit gesegnet oder belastet waren.Nicht nur Japanologen, auch die Japaner/innen selbst wären in größter Verlegenheit, wenn sie bekennen sollten, was ihre „kollektive Mneme“ sei. Auf keinen Fall etwas in-haltlich Greifbares; vielleicht gerade noch ein jederzeit vom Absturz bedrohtes „Pro-gramm“. Mnemosyne ist keine Japanerin.
 
 3
ii.) Zweiweltentheorie (inklusive Chorismos) (Abendland) versus kosmisches Konti-nuum (Japan), das sino-japanisch einfach banbutsu, die „Zehntausend Dinge“ genanntwird, was soviel bedeutet wie „Alles“, außerhalb dessen nichts existiert, vor allem aberkeine adamantine Ideenwelt oder dergleichen.Aus dieser doch sehr unterschiedlichen Grund-Situation und Disposition ergeben sichzwei wesentlich verschiedene Vorstellungen von „Sinn“:Im abendländischen Kontext wird der Sinn überwiegend präsentativ gedeutet: etwasver-weist auf etwas anderes, in der Regel auf etwas Abwesendes.Im japanischen Kontext wird der Sinn präsentativ (oder „topisch“) gedeutet, im Sinnevon: Etwas steht ANSTELLE von etwas oder STELLT etwas VOR AUGEN.Der abendländische Sinn sagt tendenziell: „Irgendwo da!“, der japanische Sinn sagttendenziell: „Schau hierher, Schau dir diese Konfiguration, Konstellation von Dingenan!“Sündhaft verkürzend aber bildhaft gesagt: Der abendländische Blick sucht nach demSinn, wie es ja auch idiomatisch heißt, „hinter“ den Dingen. Der japanische Blick siehtden Sinn in den Dingen und ihren Konfigurationen, Konstellationen, in dem was mit
chin. wen, jap. bun, mon, fumi, gemeint ist.

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