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Das Schrumpfende Paradies Der Raumplaner

Das Schrumpfende Paradies Der Raumplaner

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03/13/2012

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Abbildung 1: Bevölkerungsentwicklung in Die Niederlande (1993-2003)
Das schrumpfende Paradies der Raumplaner
Was können die Niederländer von Deutschland lernen?
Ritske Dankert (2004)Schrumpfende Städte? Aber Städten wachsen doch immer? Das war eine der Reaktionen alsich Freunde aus den Niederlanden sagte an einem Seminar über dieses Thema in Berlinteilgenommen zu haben. "Nein, Städte wachsen nicht immer" muss die Antwort heißen. ImOsten Deutschlands gibt es zurzeit Städte, die mit enormen Bevölkerungsverlusten zukämpfen haben. Die Stadt Halle hat zum Beispiel zwischen 1992 und 2001 ein Fünftel derGesamtbevölkerung verloren (Schädlich, 2004). Sollte das in Den Haag stattfinden, könnteman das ganze Stadtteil"Zentrum" ausradieren. Mankönnte behauptenOstdeutschland sei einSonderfall da durch dieWende ein totalerStrukturumbruchstattgefunden hat. Das ist abernur zum Teil Ursache desProblems. Auch inWestdeutschland und sogar inden Niederlanden gibt es jetztschon Beispiele vonschrumpfenden Städten.Städte wie Essen und Bremensind Beispiele ausWestdeutschland.In den Niederlanden ist Delfzijl ein Beispiel einer schrumpfenden Stadt. Diese Stadt hatzwischen 1992 und 2001 7,6% seines Einwohners eingebü
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t (CBS, 2004). Das ist zwar nichtso viel wie etwa in Halle, aber trotzdem sorgt es für Probleme. Übrigens ist Delfzijl in denNiederlanden kein Sonderfall. Auch ganze Regionen schrumpfen, obwohl die Darstellungdieser Entwicklung vom
 Rijksinstiuut voor Volksgezondheid en Milieu
(RIVM, 2004) imInternet noch optimistisch "Bevölkerungswachstum" heißt (Abbildung 1).
 
In diesem Essay möchte ich beschreiben, inwiefern die Situation aus Ost- undWestdeutschland auch in den Niederlanden aktuell ist, oder in die Zukunft existieren wird,und was die niederländischen Planer von ihren deutschen Kollegen lernen können. Zunächstmöchte ich aber auf die Historie der Schrumpfung eingehen, damit klar wird, dassschrumpfende Städte eigentlich gar nicht so ungewöhnlich sind wie man denken würde.
Geschichte der Schrumpfung
Durch unterschiedliche Krisen hat es schon immer schrumpfende Städte gegeben. DerNiedergang des Römischen Reichs im 4. bis 7. Jahrhundert hat zum Beispiel dafür gesorgt,dass die schrumpfenden Städte ihre Kontinuität meistens nicht mehr erhalten könnten (Benke,2004). Etwas später in der Geschichte waren es Epidemien, Stadtbrände, Kriege oder andereKrisen, die dafür gesorgt haben, dass Städte und Dörfer geschrumpft sind. Ohne dieZuwanderung aus die Dörfer, wären Städte seit dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert immerschrumpfende Städte. Die niedrige Lebenserwartung in den Städten könnten nur durch dieseZuwanderung ausgeglichen werden (Benke, 2004).In der frühen Neuzeit waren besonders monofunktionale Städte von Schrumpfung betroffen(Benke, 2004). Ein gutes niederländisches Beispiel ist Leiden. Diese Stadt konzentrierte sichim 17. Jahrhundert auf das Textilgewerbe. Als für die produzierten Textilien keine Nachfragemehr bestand, nahm die Einwohnerzahl der Stadt von 70.000 auf 29.000 ab.Seit der industriellen Revolution wachsen die meisten Städte. Es gibt jedoch auch hier nochimmer Schrumpfungen und Stagnationen (Benke, 2004). Textil- und Bergbaustädte habenzum Beispiel unter den industriellen Strukturumbruch gelitten. Auch Städte, die keinenAnschluss an die Eisenbahn fanden, sind meistens gar nicht oder nur wenig gewachsen. Undauch manche Städte, die zuerst noch von der industrielle Revolution profitiert hatten, habenspäter Probleme bekommen, insbesondere wenn sie ein "einseitiges Wirtschaftsprofil" hatten(Benke, 2004).Die Frage, ob schrumpfende Städte ein neues Phänomen sei, ist mit diesem kurzen Überblickbereits ausreichend beantwortet: Das Phänomen der Schrumpfung war schon immer da. Auchwenn man nur die Zeit seit der industriellen Revolution betrachtet treten immer wieder
 
Schrumpfungsprozesse auf. Seit dem Fall der Berliner Mauer haben vor allem die Städte inder ehemaligen DDR mit gro
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en Bevölkerungsverlusten zu kämpfen.
Ursachen der Schrumpfung in Ostdeutschland.
Biologische, politische, ökonomische und soziale Faktoren beeinflussen den demografischenWandel in den ostdeutschen Städte (Breitfuss, 2003). Darüber hinaus beeinflussen sich dieseFaktoren auch gegenseitig. Herauszufinden was die Schrumpfung einer Stadt oder Dorf verursacht ist also eine komplexe Aufgabe. Christine Hannemann (2003) hat versucht dieDeterminanten für Ostdeutsche Städte zu beschreiben.Infolge der Deindustrialisierung schrumpfen schon seit Ende der siebziger Jahre Städte(Hannemann, 2003). Das gilt nicht nur für die frühere DDR, sondern auch für andereIndustriezonen in Westeuropa. Seit der Wende ist das Problem der Schrumpfung in den neuenBundesländer durch verschiedene Ursachen aber massiv geworden.Die Städte in Ostdeutschland haben seit der Wende nicht nur mit Deindustrialisierung zukämpfen, sondern mit einem allgemeinen wirtschaftlichen Strukturabbau (Hannemann, 2003).Die Landwirtschaft kann seit der Wende nur noch einer geringen Beitrag zur Wirtschaftskrafteiner Region liefern, die Demilitarisierung bedeutete für viele Städte einer weiterenVerschlechterung deren Wirtschaftskraft und auch die De-Administrierung hat für mancheStädte zu weniger Arbeitsplätzen geführt. Hannemann (2003) schlagt deswegen vor nicht vonDeindustrialisierung, sondern von Deökonomisierung zu reden.Ein weiteres Problem ist die Alterung der Bevölkerung. Die Deökonomisierung hat dieErwerbswanderung der jungen, qualifizierten Bevölkerung der neuen Bundesländer zur Folge(Hannemann, 2003). Auch ist die Zahl der Geburten seit der Wende extrem gesunken.Schließlich ist auch die höhere Lebenserwartung ein Faktor, welcher die Alterung in derehemaligen DDR beschleunigt.Die DDR hat die Innenstädte jahrzehntelang verfallen lassen. Auch sind kleinere Städte undDörfer in der DDR-Zeit meistens nicht gewachsen. Man konzentrierte sich auf den Plattenbauin den städtischen Zentren. Bis 1989 verlief die Wanderung der Bevölkerung von den Dörfernin die Städte (Hannemann, 2003). Nach der Wende ist Sub- und Deurbanisierung der

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