b) Geist der Neuzeit
Fragt man nach der charakteristischen Eigenart der neuzeitlichen Philosophie, im Unterschied besonderszum Denken des Mittelalters, so zeigt sich, daß manhierbei leicht der Suggestion des Namens dieser Epo-che erliegen kann. Man sieht nämlich gern das We-sentliche der Neuzeit in den »neuen« und angeblichganz anderen philosophischen Problemen, die nun-mehr auftauchen sollen. In den weltanschaulichen undreligiösen Auseinandersetzungen zu Beginn unserer Epoche wurde diese Meinung von den »Neuerern«grundgelegt und unterstrichen. Allein wie in allemgeistigen Leben die einzelnen Phasen sich nur lang-sam umschichten und die Wurzeln des Werdens ge-wöhnlich tiefer hinabreichen, als es einem erstenBlick scheinen möchte, so zeigt die Forschung auchhier, daß sich sehr viel Neuzeitliches schon im Mittel-alter findet, besonders in der Spätscholastik, bei Ock-ham und den Nominalisten, Eckhart und Cusanus,und sogar früher noch, bei Scotus etwa und Abælard.Umgekehrt gehen die wesentlichen Probleme des mit-telalterlichen Philosophierens im neuzeitlichen Den-ken nicht verloren. Eine Untersuchung über die sechsgroßen Themen der abendländischen Metaphysik konnte nachweisen, daß diese Themen der ganzen
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