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Magazin 51°, Ausgabe 2/2009: Klimawandel

Magazin 51°, Ausgabe 2/2009: Klimawandel

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Hier gibt es die Möglichkeit das Magazin kostenlos zu beziehen: http://www.stiftung-mercator.de/mediathek/publikationen/magazin.html

In dieser Ausgabe mit dabei:

Neben einem Interview mit Klimaexperte Hans Joachim Schellnhuber finden Sie in dieser Ausgabe einen Gastbeitrag von Lord Anthony Giddens zur ersten Mercator EssensZeit, wir stellen Ihnen zwei Schulprojekte im Bereich Klimawandel vor und der Vorsitzende des IPCC, Rajendra K. Pachauri, äußert sich zum Thema.
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In dieser Ausgabe mit dabei:

Neben einem Interview mit Klimaexperte Hans Joachim Schellnhuber finden Sie in dieser Ausgabe einen Gastbeitrag von Lord Anthony Giddens zur ersten Mercator EssensZeit, wir stellen Ihnen zwei Schulprojekte im Bereich Klimawandel vor und der Vorsitzende des IPCC, Rajendra K. Pachauri, äußert sich zum Thema.

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UNSERE KOORDINATE FÜR IDEEN ZWISCHEN KULTUR UND WISSEN
AUSSENANSICHT
Rajendra K. Pachauri
Vorsitzender des Intergovernmental Panelon Climate Change (IPCC)
Der Klimawandel stellt möglicherweise diegrößte Herausorderung ür die Mensch-
heit dar, da er nicht nur erhebliche Inno- vationen sowie den Einsatz von neuenTechnologien voraussetzt, sondern auch von uns ordert, dass wir unseren Lebens-
stil und unsere wirtschatlichen Strukturen
  verändern, um den ökologischen Fuß-abdruck der Menschheit mit Blick au dieEmission von Treibhausgasen schnells-tens zu verkleinern. Angesichts der Träg-heit des Systems und der bereits erolgtenklimatischen Veränderungen müssen wirdarüber hinaus einigen der ärmsten Völ-kern der Welt, die zu den am schwerstenbetroenen Opern des Klimawandels ge-hören würden, beim Aubau von Kapazi-täten ür die Anpassung an die Auswir-kungen des Klimawandels helen.
AUSGABE 02.2009
SCHWERPUNKT KLImAWANDELSCHWERPUNKT KLImAWANDEL51°: Ihr Sohn ist ein Jahr alt. machen Siesich Soren u die Welt, in der er in zehnoder 20 Jahren leben wird?
Schellnhuber:
Ich mache mir nicht unbedingtSorgen über das, was in zehn oder 20 Jahrensein wird. Ein Kind, das heute in Deutsch-land in eine Wohlstandsgesellschat hinein-geboren wird, hat bei vernüntigem medizi-nischen Fortschritt die Chance, 90 Jahre oderälter zu werden. Das heißt, es könnte im Prin-zip das Ende des Jahrhunderts erleben. Bisdahin – mit Sicherheit –, wahrscheinlich aberschon zur Mitte des Jahrhunderts wird der Kli-mawandel dramatische Auswirkungen zeigen, wenn wir ihn denn nicht bremsen können. Inden nächsten zehn bis 20 Jahren erwarten wirallerdings drastische Vorboten von Klimawir-kungen vor allem in den Ländern der Dritten Welt. Diese Wirkungen werden das Alltagslebenschließlich von Grund au verändern. Sorgenmache ich mir also eher um die zweite Lebens-hälte meines Sohnes.
Was kann die Wissenschat leisten? Woranarbeitet die Wissenschat erade und wasversprechen Sie sich von den neuesten Er-kenntnissen?
Die Wissenschat arbeitet an zwei Dingen:Das eine sind Bestandsaunahmen und Analy-sen – das System wird untersucht. Das anderesind Strategien – Lösungsansätze. Aber zu-nächst einmal muss die Diagnose durchgeührt werden. Und diese Diagnose ist immer un- vollständig.Dass der Mensch das Klima beeinusst, istmit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich-keit nachgewiesen. Aber welche Auswirkungendas genau haben wird und insbesondere, obnicht dadurch in unserem planetarischen Sys-tem eine Dynamik ausgelöst wird, die dannnicht mehr beherrschbar wäre, ist noch nichthinreichend erorscht. Das liegt ganz einachdaran, dass man sich vor 20 Jahren noch garnicht vorstellen konnte, dass man so tie in dasSystem eingreien könnte. Über die globale Erd-erwärmung wurde damals nachgedacht. Aber esschien immer ein Umweltproblem unter vielenzu sein. Das hat sich völlig verändert. Es ist jetztdas Thema Nr. , und die Frage ist, wiestabil das ganze System überhaupt ist. Imschlimmsten Fall könnte durch eine unge-bremste Erwärmung ein galoppierender Treib-hauseekt ausgelöst werden. Dabei hätten wires mit einer Kettenreaktion im Klimasystem zutun, bei der durch selbstverstärkende Prozesseein Subsystem nach dem anderen kippt – etwader Amazonas-Regenwald, die Permarostbödenoder der grönländische Eisschild. Das würdedann in der Tat unsere bisherige Form der Zivi-lisation beenden. Wir alle hoen, dass das nichteintreten wird. Aber es ist sehr bedrückend,dass wir nicht mit Sicherheit sagen können:„Das geschieht nicht.“Das Zweite ist, dass erkannt wurde, dass wir jetzt deutlich gegensteuern, also die Emissi-onen von Treibhausgasen massiv reduzierenmüssen. Aber welche Strategien kann man da-
 Wir brauchen Kreativitätund Phantasie
Klimaexperte Hans Joachim Schellnhuber über die Welt von morgen, die Rolle von Stiftungenund über Apollo-Projekte
EDITORIAL
2
 KLImAWANDEL
Hans Joachim Schellnhuber imInterview über die Welt von morgen Schulprojekt: „Klima-Macher!“ 3
Lord Anthony Giddens stellt neues Buch
„The Politics o Climate Change“ vor 4Schulprojekt: Deutschland und China 6Forschungsprojekt zur Modellierungzuküntiger Energiesysteme 6
INTEgRATION
Gunilla Fincke über dasExpeditionsboot Sachverständigenrat 7Das Zukuntskonzept desFörderunterrichts 8
BILDUNg
Erste Mercator Bildungskonerenz 9
WISSENSCHAFT
 Antje Vollmer über Konlikt-reduzierung als Augabe der Politik 0
STIFTUNg mERCATOR
Jahrespressekonerenz derStitung mit Jürgen Rüttgers Publikation: Jahresbericht 2008 
NEUE PROJEKTE
2
 
TERmINE
2
 
2
51˚
 
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02.2009Ende des Jahres soll au der UN-Kliakone-renz in Kopenhaen der Nacholer des soe-nannten Kyoto-Protokolls verhandelt werden.Welche Erwartun oder welche Honun ver-knüpen Sie it dieser Konerenz? Wie sehendie Vorzeichen aus?
 Wissenschatler werden drei Dinge erwarten.Erstens, dass ein langristiges Schutzziel ür dasKlima estgelegt wird. Die globale Erderwär-mung sollte insgesamt nicht um mehr als 2 °Cgegenüber dem vorindustriellen Niveau anstei-gen. Zweitens, dass über einen globalen Koh-lenstomarkt gesprochen wird – entweder überein Emissionshandelssystem, wie es etwa dieEuropäische Union schon betreibt, oder ein in-ternationales System ür die Besteuerung vonKohlensto. Und drittens sollte über die Ge-rechtigkeitsproblematik diskutiert werden.Meine Grundannahme wäre die, dass jederMensch au diesem Planeten den gleichen An-spruch hat, die Atmosphäre zu verschmutzenbzw. zu nutzen. Werden all diese Aspekte ernst-hat diskutiert, dann stehen die Chancen gut,dass sich die Weltgemeinschat au ein mög-liches Kyoto-Nacholgeprotokoll einigt.die Wirkungen des Klimawandels werden in den kommenden Jahren deutlich sichtbar werden.Unser Klimasystem gerät in Geahr umzukippen. Forscher warnen vor langen Dürreperiodenund zunehmend katastrophalen Regenällen, vor schmelzenden Polkappen und Gletschern
sowie einem Ansteigen des Meeresspiegels. Diese Entwicklungen werden unser Zusammenleben
 grundlegend verändern, unsere Wirtschat, unsere Gesellschaten und unsere Kultur. Wirmüssen jetzt die Grundlage ür einen gesellschatlichen und wirtschatlichen Transormations-prozess schaen, um negative Folgen des sich vollziehenden Klimawandels zu minimieren.Gleichzeitig ist die Diskussion von einer großen Dynamik und einem Veränderungsdruckgeprägt. Beste Voraussetzung ür das wirkungsvolle Agieren von Stitungen. Die StitungMercator legt deshalb innerhalb ihrer neuen Strategie einen Schwerpunkt au das ThemaKlimawandel. Mit dem Cluster Klimawandel wollen wir Verständnis ür die Chancen einesUmsteuerns schaen und mit konkreten Praxisprojekten Wirkung erzielen. Deshalb widmetsich diese Ausgabe von 5° dem Schwerpunkt Klimawandel.
EDITORIAL
Die Wissenschat muss sich von ganz unterschiedlichen Seiten dem Klimawandel nähern, umeine Vorstellung davon zu entwickeln, welche weitreichenden ökologischen und gesellschat-lichen Veränderungen er mit sich bringt. Au dem Weg zur UN-Klimakonerenz Ende desJahres in Kopenhagen hat die Stitung Mercator deshalb gemeinsam mit dem Kulturwissen-schatlichen Institut Essen, dem Potsdam-Institut ür Klimaolgenorschung und dem Wuppertal Institut ür Klima, Umwelt, Energie Anang Juni die dreitägige internationale,interdisziplinäre Klimakonerenz „The Great Transormation“ in Essen veranstaltet. Ree-renten verschiedenster Disziplinen wie der Politikwissenschatler Thomas F. Homer-Dixon von der University o Toronto, der Berater von Präsident Obama, John Podesta, sowieBill Antholis von Brookings diskutierten über kulturelle, soziale, politische und wirtschatliche Aspekte des Klimawandels. Gleichzeitig entwickeln wir in der Stitung Mercator eine Klima-strategie ür das eigene Haus. Auch wir beleuchten in dieser Ausgabe das Thema Klimawandel aus unterschiedlichen Blick- winkeln: Hans Joachim Schellnhuber spricht in einem Interview über die neuesten Erkennt-nisse der Wissenschat im Bereich Klimawandel, über notwendige Maßnahmen zur Ver-meidung geährlicher Folgen des Klimawandels und über die Rolle von Stitungen bei derBekämpung dieses Problems. Der Soziologe Lord Anthony Giddens stellt in einem Gastbeitragsein neues Buch „The Politics o Climate Change“ vor, das er Anang Juni in den Räumender Stitung Mercator präsentiert hat. Und wir geben Ihnen einen Einblick in unsere neuenProjekte in diesem Bereich. Lesen Sie zu diesen Themen au den olgenden Seiten mehr.Mich persönlich erinnert unsere Diskussion dieses wichtigen Themas ot an Bob DylansZeile aus dem Album „Planet Waves“: „May you have a strong oundation when the winds o changes shit“.Mit den besten Grüßen
Dr. Bernhard Lorentz
 Vorsitzender der Geschätsührungossilen Energien wie Kohle und Gas, am besten
mit Kohlenstoabscheidetechniken; ein System,
das aber auch Räume miteinander integriert.sie von der Gesellschat wirklich augegrienoder implementiert würden. Dennoch wird die-ser strategische Charakter der Forschung im-mer wichtiger. Es hilt ja nichts, die Politik vorsich herzutreiben und zu sagen, die Welt könnteuntergehen. Jemanden an die Wand zu drücken, wenn man nicht gleichzeitig eine Fluchttüraumacht, ist ür eine Gesellschat nicht sehrkonstruktiv. Man muss immer zeigen, dass eseinen Ausweg gibt – soern er tatsächlich exis-tiert.
Sie sprechen von einer anzheitlichen Strate-ie. Doch welche sind die konkreten Klia-schutzaßnahen, die innerhalb einer sol-chen Strateie notwendi sind, u eineneährlichen Kliawandel zu verhindern?
Das Wichtigste ist sicherlich der Umbau desEnergiesystems. Gerade hier in der RegionRhein-Ruhr wurde nach dem Krieg ein neuesEnergiesystem entwickelt, das massiv au ossileBrennstoe wie Braunkohle setzt. Dieses Sys-tem ist heute 50 Jahre alt. Natürlich wurde dieEfzienz von Kratwerken erhöht, aber das sindnur Fortschritte im einstelligen Prozentbe-reich. Wir müssen jetzt im Wesentlichen eine völlig neue Energie-Inrastruktur entwickeln,die weit über die ossilen Vorräte hinausreicht.Das wäre auch ohne Klimawandel notwendig.Denn Erdöl wird wahrscheinlich in spätestens20 Jahren seinen Förder-Peak erreichen. Wirmüssen uns also au eine nachhaltige Energie-zukunt vorbereiten.Idealerweise ist das ein System, das verschie-dene Energiequellen miteinander kombiniert:erneuerbare Energien in Kombination mit noch
„mein Trau, ein Lieblinsprojekt istder europäisch-nordarikanische Solarstro-verbund.“
(Fortsetzung von Seite 1)
ür entwickeln? Wir wissen, dass wir ossileBrennstoe durch erneuerbare Energien erset-zen können. Aber dies muss in eine stimmigeStrategie eingebettet werden, statt einach zuordern: Ersetzt den Benzinmotor durch Elek-troenergie und alles wird durch Windenergieangetrieben. Gut und schön, aber man musseben auch rechnen: Wie schnell zeigen die Maß-nahmen Wirkung? Was kostet es? Reichen dieMaßnahmen aus, um die Menschheit mit Ener-gie und sauberem Trinkwasser zu versorgen? Esgilt, systemische Vorschläge zu unterbreitenund ganzheitliche Strategien zu entwickeln, dieeine Gesellschat transormieren können. Unddas heißt dann wiederum noch lange nicht, dass
 Wir brauchen Kreativitätund Phantasie
„Ich hätte vor der Wahl Obaas esat, dieChancen sind leich null. Jetzt sehe ich siebei ün Prozent.“SCHWERPUNKT KLImAWANDEL
Mein Traum und mein Lieblingsprojekt ist nach wie vor der europäisch-nordarikanische Solar-stromverbund. Man transportiert die Energieaus der Sahara nach Europa, was technologischabsolut machbar ist. Und das ist nur eines von einer Reihe von Apollo-Projekten, die wirbrauchen, um diese große Transormation zuerreichen.Ein weiteres Apollo-Projekt wäre die Verla-gerung des gesamten Frachtverkehrs au Hoch-geschwindigkeitszüge – TGVs ür den Güter-transport. Energiehäuser sollten entstehen, dieüberschüssige Energie ins Netz einspeisen, stattEnergie herauszuziehen. Auch wird man die Inrastrukturen vonStädten völlig neu denken müssen. Wenn Siesich die zerbombten deutschen Städte nachdem Zweiten Weltkrieg ansehen, zum BeispielOsnabrück, Kassel, Dortmund: Diese wurden ineiner Weise wiederaugebaut, die vor allemdaür geeignet war, den Durchuss von Autoszu maximieren. Damit ging nicht nur dieUrbanität verloren, sondern es wurde auch dermassive Verbrauch von Energie geördert. DerUmbau der modernen Industriegebiete stehttatsächlich an. Aber wie sehen die Chancen ür eine Einigung
 wirklich aus? Das sind extrem ehrgeizige Ziele –
 das Kyoto-Protokoll kann in keiner Weisediese Ansprüche erüllen. Es müsste also ein
 
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02.2009
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51˚
Quantensprung in der Thema-Diplomatie Kli-mapolitik stattfnden. Ich hätte vor der Wahldes US-Präsidenten Barack Obama gesagt, dieChancen sind gleich null. Jetzt sehe ich dieChancen bei etwa ün Prozent. Höher würdeich sie nicht einschätzen; ich lasse mich abergerne vom Gegenteil überzeugen. Es könntesein, dass man in Kopenhagen zumindest den Wagen au die Straße bringt und ihm einenersten Schubs gibt. Vielleicht wird es auchnächstes Jahr eine zweite Konerenz geben, au der man das weiter verhandeln wird.Manchmal bezweie ich, ob die Politik schonähig, willens und bereit ist, adäquat au dieHerausorderungen zu reagieren. Es kann abersein, dass in den nächsten Jahren diese Bereit-schat weiter wachsen wird; weil die Wissen-schat nicht lockerlässt, neue Wege auzuzei-gen. Oder weil vielleicht auch zivile Akteure wieStitungen einach das Het in die Hand neh-men und sagen: Wir wollen ür das Gemeinwohl vermitteln zwischen Wissenschat und Politik. Wir geben uns nicht zurieden mit dem, wasbislang politisch au den Weg gebracht wurdeangesichts der Bedrohung ür unsere Zivilisati-on. Was ist die ganze Kultur wert, wenn wir dieGrundlage daür zerstören?Insoern hoe ich, dass die Zivilgesellschatinsgesamt mit ihren verschiedenen Akteureneinen solchen politischen Druck entwickelt,dass auch die ofzielle Politik die Kurve be-kommt – in den nächsten zwei oder ün Jahren. Wenn wir aber 5, 20 Jahre warten, dann wer-den uns die Naturgesetze lehren, dass wir dasSteuer nicht mehr rumreißen können. Dannhätte man möglicherweise die Zukunt im wahrsten Sinne des Wortes verspielt.
Der Kliawandel ist eine hochkoplexe Her-ausorderun. Welche Rolle können Ihrermeinun nach Stitunen in diese Theen-ebiet spielen?
Stitungen müssen im Grunde „Wild Cards“ausspielen. Ideen kosten zunächst einmal garnichts. Stitungen können nicht mit der Deut-
ZUR PERSON
Pro. Dr. Hans Joachim Schellnhuber (59) isteiner der ührenden Klimaexperten der Welt.Der Physiker leitet das Potsdam-Institut ürKlimaolgenorschung (PIK) seit der Gründungim Jahr 1992. Er ist Vorsitzender des Wissen-schatlichen Beirats der Bundesregierung Glo-bale Umweltveränderungen (WBGU) und Mit-glied einer hochrangigen Expertengruppe zuEnergie- und Klimaragen, die den EU-Kom-missionspräsidenten José Manuel Barrosoberät. Schellnhuber wirkte zudem als Leit-autor an mehreren Berichten des Weltklima-rates (IPCC) mit, der 2007 mit dem Friedens-nobelpreis ausgezeichnet wurde. 2007, imJahr des Doppelvorsitzes Deutschlands in derEU und bei den G8-Staaten, war er wissen-schatlicher Cheberater der Bundesregierungin Fragen des Klimawandels und der interna-tionalen Klimapolitik. Schellnhuber ist seit2005 Gastproessor an der Oxord University.
 //  The great Transoration
Hans Joachim Schellnhuber war im Rahmender internationalen Konerenz „The GreatTransormation“ in Essen. Vom 8. bis 10. Junibeassten sich ührende Experten aus Wis-senschat, Politik und Wirtschat mit vier The-menkomplexen: Ökonomie des Klimawandels,weltweites Regieren, kognitive Dissonanzen(Warum tun wir nicht, was wir wissen?) undpolitische Partizipation. Weitere Redner dergemeinsamen Konerenz der Stitung Merca-tor, des KWI, des Potsdam-Instituts ür Klima-olgenorschung und des Wuppertal Institutsür Klima, Umwelt, Energie waren u. a.: LordAnthony Giddens, Klaus Töper, John Podestaund Bill Antholis.
www.reattransoration.eu
schen Forschungsgemeinschat (DFG) oder derMax-Planck-Gesellschat konkurrieren und na-türlich auch nicht mit großen Industriebetrie-ben und ihren Forschungslabors. Aber was inunserem System ot untergeht, sind Kreativitätund Phantasie. Und auch Risikokapital wirdnicht genügend bereitgestellt – ür wilde Ideen,die möglicherweise nicht tragen, vielleicht aberdoch.Man muss aber viele Perde ins Rennen schi-cken. Dann kommen vielleicht zwei ins Ziel und vielleicht auch der völlige Außenseiter. An die-ser Stelle ist unser derzeitiges System noch vielzu konservativ und ormal. Und genau dort seheich Stitungen: als unkonventionelle Förderer von Ideen, die nur in absoluter intellektuellerFreiheit entstehen können. Stiter sagen ein-ach: Wir setzen au diese Karte. Wir kreierenkein ormales System. Wenn man diese großeTransormation erreichen will, muss die not- wendige Unruhe ins System gebracht werden.Daür müssen plötzlich Außenseiter vorbeiie-gen an den Favoriten. Für diese Art der kultu-rellen Unruhe braucht man das Stitungswesen.So würde ich es mir jedenalls wünschen: dassStitungen die geistige Anarchie ördern, dienotwendig ist, um diese ungeheuren Herausor-derungen zu bestehen.
„Das Syste braucht Unruhe –durch Stitunen.“SCHWERPUNKT KLImAWANDELDie Stitun mercator ördert den Forschuns-schwerpunkt KliaKultur a Kulturwissen-schatlichen Institut Essen. Hier wird derKliawandel nicht aus naturwissenschat-licher Sicht betrachtet, sondern aus sozial-und kulturwissenschatlicher Perspektive.Wie wichti ist es, das Thea anzheitlich zubetrachten?
Mit der Anamnese der Bedrohungen kommendie Naturwissenschaten ganz gut allein zu-recht. Aber wenn es um die Lösungen geht,können die Naturwissenschaten herzlich wenigalleine erreichen. Wir haben dies vor einigerZeit bei der Royal Society diskutiert: Was istzurzeit das wichtigste Forschungsthema über-haupt? Und unsere Antwort war: Das ist die ge-sellschatliche Absorption von Neuerungen. EinBeispiel: Ich ühre ein neues Gesetz ein. Wieschnell kann ich das in der Gesellschat wirklichimplementieren, so dass es tatsächlich augeso-gen wird? Es geht also um „Akzeleration“, dieBeschleunigung von Innovationsprozessen.Diese ist so wichtig, weil uns praktisch keineZeit mehr verbleibt.Es müssen insbesondere Konzepte ürdie Augabe entwickelt werden, wie die breiteSchicht der Bevölkerung au dieser großenTransormationsreise mitgenommen werdenkann. Das ist bisher völlig vernachlässigt wor-den. Transormationsorschung – und das ist im weitesten Sinne Kulturorschung – halte ich ürüberragend wichtig. Ich glaube, dass sowohl dieSozial- als auch die Naturwissenschatler bisher wenig davon verstehen. Es ist ein großes Aben-teuer, das da beginnt und au das wir uns da ein-lassen – und ich bin gerne bereit, mitzudisku-tieren.
www.stitun-ercator.de/kliawandel
Klima-Macher! Wir sind die Zukunt
Jugendliche sind ein wichtiger Teil des Globalisierungsprozesses, da sie an einer weltweitenJugendkultur partizipieren, als Konsumenten in global vernetzten Handelsstrukturen ver-ochten sind und mit ihren Lebensstilen zum stetigen Anstieg von Klimagasen in der Atmosphäre und damit zur Klimaerwärmung beitragen – und das unabhängig vomBildungsniveau und sozialen Status in der Gesellschat. Die Stitung Mercator rut deshalbmit dem Projekt „Klima-Macher!“ Teams aus Schülern, Lehrern und außerschulischenPartnern im Ruhrgebiet au, Projektideen zum Thema Klimawandel einzureichen. EineExpertenjury wählt anschließend 5 bis 20 Schulprojekte aus, die dann von der Stitunggeördert werden. Die Unterstützung umasst neben fnanziellen Mitteln ür die Projekt-arbeit umangreiche Schulungen zum Thema „Klimawandel“, die Möglichkeit zum Aus-tausch mit Experten und den anderen Projektteams sowie eine intensive Begleitung in derUmsetzungsphase. Ziel des Projekts ist es, vor allem sozial- und bildungsbenachteiligteJugendliche an die Klimaproblematik heranzuühren sowie das Thema „Klimawandel“nachhaltig in das Unterrichtsgeschehen einzubinden. Die Stitung Mercator investiert rund230.000 Euro in das Projekt.
www.stitun-ercator.de/kliawandel
Ideen rund um den Klimawandel: zwei Mitarbeiter des PIK im Gespräch.

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