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Timo Tolkki:Die Einsamkeit Von Tausend Jahren

Timo Tolkki:Die Einsamkeit Von Tausend Jahren

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Published by Timo_Tolkki
German translation of my book "Loneliness of a Thousand Years"
German translation of my book "Loneliness of a Thousand Years"

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Published by: Timo_Tolkki on Apr 25, 2012
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04/25/2012

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 T I M O T O L K K IDIE EINSAMKEIT VON TAUSEND JAHRENDieses Buch ist Mika gewidmet.Ins Deutsche übersetzt von Felix S. Bednarek
Nur in der erdrückenden Einsamkeit, kannst du es endlich verstehen.Ich erinnere mich nicht daran, wann es passierte. War es, als meine Mutter mirmit sieben Jahren sagte, dass ich meinen Teller leer essen soll? Nein, das warnicht so schlimm. War es der Tag, an dem wir meinen Vater nach all den Jahrender Angst und Gewalt verließen? Als wir seiner Wut entkamen? Nein, denn andiesem Tag war ich glücklich. War es, als ich begriff, dass im ZweitenWeltkrieg 70 Millionen Menschen getötet worden sind? Und dass unter ihnenauch kleine K
inder waren, deren einziges “Verbrechen” es war, einer anderen
Rasse anzugehören? Nein. Auch das war es nicht. Es machte mich lediglichnachdenklich. War es, als mein Vater an einem Wintermorgen beschlossenhatte, hat seine Arme in einer leeren Badewanne mit einem Filetmesseraufzuschneiden? Als er vom vierten Stock seiner Wohnung aus in den Todsprang? Nein. Denn da hatte für mich der Lauf des Lebens begonnen. Und diesläuft nun seit 32 Jahren. Es war keines dieser Dinge. Es war, als ich den Glaubenan mich selbst verloren hatte. Denn das ist das Schlimmste, was geschehenkann.DAS JAHR IN DEM ICH STARBEs war an einem Wintermorgen im März 2004. Ich fühlte ein wachsendesGefühl der Panik in meinen Kopf. Ich fühlte gewaltige Hände, die gegen meinenKopf drückten. Ich verzweifelte. Ich rief um Hilfe, doch keiner antwortete mir.Die Panik wurde größer und größer. Dies war keine gewöhnliche Panikattacke,oder wie auch immer man dies nennt. Dies war der Tribut, den ein Leben der
 
Lüge nach all den Jahren forderte. Und es wollte mich vernichten. Wollte meinLeben zerstören.Zu diesem Zeitpunkt besuchte ich seit sieben Jahren mehr oder weniger einePsychotherapie. Was ich nun verstand war, dass es diese Therapie war, die michzu den Ursprüngen meines Schmerzes gebracht hatte. Es hatte die Schleusengeöffnet und die Flut des Hochwassers konnte nun nicht mehr gestoppt werden.Und ich begriff, dass ich sterben musste um leben zu können.Schließlich wurde ich in ein privates Krankenhaus gebracht, in welchem ich einehalbe Stunde in einem Wartezimmer mit anderen Leuten warten musste. Es wareiner der schrecklichsten Momente in meinem Leben. Ich konnte dem Terrorkaum standhalten, während ich wartete meinen Namen zu hören. Schließlich rief mich der Arzt endlich zu sich und fragte mich, was er für mich tun könne. Ichantwortete, dass ich es nicht weiß. Das ich einfach das Gefühl der Verzweiflungund ständige Panik in mir trug. Dass ich dachte, ich würde verrückt werden unddann mich emotionale Schmerzen von Kopf bis zum Fuß überrannten. EinGefühl des Terrors.Aus dem Augenwinkel konnte ich sehen, wie er folgendes in seinem Notizheftnotierte: Musiker einer berühmten Rockband.Es lag keine Empathie in seiner Haltung als er mir sagte, dass er es für ratsamhält, mich in das staatliche Krankenhaus für mentale Erkrankungen zuüberweisen. Ich hatte von diesem Ort gehört.Ich wusste, welche Art Ort es war, da sie einen Freund von mir dort hinbrachten. Und er begann nach einiger Zeit Suizid. Es war ein Ort ohneWiederkehr. Der ultimative Ort für Leute, ohne Hoffnung auf Genesung. Als ichden Arzt fragte, ob ich nicht in seinem Krankenhaus bleiben könne, leuchteten
seine Augen auf. “Selbstverständlich können Sie das. Warum haben Sie das
nicht gleichgesagt. Wir lassen Sie umgehe
nd hier”. Was er mir nicht sagte, war es, dass ein Tag Aufenthalt und Behandlung hier 1000€ kostete. Aber vielleicht
hat mich das ja gerettet.Ich bekam mein eigenes Zimmer und zum ersten Mal in meinem Leben bekamich ein Beruhigungsmittel verabreicht. Ich fühlte mich schwer und taub. Ichfühlte mich, als würde ich gar nicht existieren. Ich war in meinem Bett, in einemweißen Raum und konnte einen Baum außerhalb des Gebäudes sehen. Ich fühltedie vergangenen Schrecken nicht mehr. Ich fühlte kein bisschen aufgrund derMedikamente. Ich verstand nicht was geschah. Denn trotz meinerGefühllosigkeit hatte ich Angst.Ein Arzt besuchte mich. Es war eine Frau, die sehr glücklich aussah. Icherinnerte mich nicht daran, jemals einen Menschen gesehen zu haben, der so
 
glücklich zu sein schien. Sie stellte mir einige Fragen und machte mit mir einenTest um eine mögliche Depression zu diagnostizieren. Im Grunde waren eslediglich Fragen. Wie die meisten Ärzte, versuchte sie auf eine typischmechanische Art und Weise herauszufinden, was mit mir los ist. Doch ich warbereits an diesen Vorgang gewöhnt. Ich sagte ihr, dass ich plötzlich sämtlicheEmotionen gefühlt habe. Sie offenbarte mir, dass sie keine Psychiaterin war unddass sie mich erneut konsultieren würde. Ich erzählte ihr von meiner, vonPausen unterbrochenen, Therapie, welche ich sieben Jahre lang hatte. Sieäußerte sich nicht dazu.So verbrachte ich den Rest des Tages wie ein Zombie. Nichts zu fühlen, nichtetwas zu sehen, nichts hören. So starrte ich auf diesem Baum. Und hoffte einesTages so lebendig zu sein, wie er.Am nächsten Tag traf ich den Psychiater. Er war ein älterer Mann, in denSechzigern, und er hat mich viele Sachen aus einem Fragebogen gefragt. Icherzählte ihm von meinem Leben und ich bemerkte ein paar Tränen die überseine Wangen glitten. Seine Diagnose, wie die Ärzte es nennen, war, dass ichbipolare Störung habe. Ich hatte keine Ahnung, was das ist, bis er es mirerklärte. Und es machte Sinn. Ich erinnerte mich daran, dass ich die Symptomedieser Krankheit seit 10 Jahren hatte. Und der Arzt meinte, es wäre nichtungewöhnlich, dass diese Art der Krankheit so lange unerkannt blieb. Warenetwa all die Therapien umsonnst? Nein.Das Ergebnis war, dass ich in den folgenden Wochen unter eine Vielzahlverschiedener Medikamente gesetzt wurde. Die meisten hatten schrecklicheNebenwirkungen. Oder keine Wirkung.Schließlich bekam ich ein modernes und sehr teures Antidepressiva bzw.Beruhigungsmittel. Ich hatte keine Ahnung davon, dass Antidepressiva fürbipolar gestörte Menschen eine tickende Zeitbombe ist. Es bringt einenironischer Weise in depressive und manische Episoden. Das nächste halbe Jahrlag ich die meiste Zeit im Bett mit zugezogenen Vorhängen. An manchen Tagenwar der der Vorhang einen Spalt geöffnet. Ich weinte jeden Tag. Ich verstandnicht woher es kam. Doch ich verstand, dass es tief in mir war. Es war einverzweifeltes und tiefgehendes Weinen. Es kam aus dem Inneren meinesWesens. Ich verstand, dass all dies nur bedingt etwas mit einer bipolarenStörung zu tun hatte. Es war etwas, vordem ich mich versteckt hatte. EtwasSchreckliches aus meinem Leben, insbesondere meiner Vergangenheit.Ich hatte nie um meinen Vater oder meine verlorene Kindheit getrauert. Dochdann wurde dies für mich zu einem Ausgangspunkt.

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