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Becker-Realismusproblem

Becker-Realismusproblem

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Oskar Becker, Zwei phänomenologische Betrachtungen zum Realismusproblem.
Oskar Becker, Zwei phänomenologische Betrachtungen zum Realismusproblem.

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03/13/2013

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original

 
Oskar
BedcerZWEI PHÄNOMENOLOGISCHE BETRACHTUNGENZUM REALISMUSPROBLEM
Die beiden folgenden
Versudle
beschäftigen
sidl
mit dem erkenntnistheoretischen Realismusproblem, wie es
von
JOHANNES THYSSEN
emeut
mit spekulativer Energie aufgenommen worden ist.
Dererste Versudl
bemüht
sidl
um einen
.rein"
phänomenologischenStandpunkt,
der
durdleine
r a d i k a 1 e Auslegung
der
Husserlsdlen phänomenologischen Reduktion gewonnen wird.
Man kann von da
aus
naturgemäß
nidlt
zur
realistischen Position gelangen.
Aber
man
kommt
audl
nidltzur
.idealistischen• Gegenstellung -entgegen
der
Meinung
HUSSERLS
selbst
und der
meisten
seiner
Sdlüler
-,
sondern zu
einer .neutralistisdlen
Auffassung (im
strengen
Sinn),
das heißt
zu
einer
Leugnung aller Erkenntnismetaphysik.Der zweiteVersum·
ist
dem (sdlon
von
DESCARTES angedeuteten) Ge
danken
gewidmet, mittels
der
Hermeneutik,
der
methodischen Wissenschaftdes Verstehens, unabhängig
von der
.elementaren•
Betrachtungsweise
der
überlieferten Erkenntnistheorie die Wirklichkeit" v i e 1 e r geistiger Aktzentren zu erweisen.
I. Der Sinn
der
phänomenologischen Reduktion
und
das Realismusproblem
1.
Die phänomenologische Reduktion,
jene
berühmte grundlegende Methode
E.
H u s s e r 1 s ,
ist
schon früher
und
auchjetzt
sehr
verschieden verstanden
und
beurteilt worden. Auch
ihr
Urheber selbst scheint
in
ihrer
Auslegung
und
in
der
Beurteilung
der
aus
ihr
zu
ziehenden Folgerungen geschwankt zuhaben.
Es
soll
nun
hier
nicht
der
Versuch gemacht werden, dieversdliedenen möglichen Deutungen
der
phänomenologischenReduktion kritisch auseinanderzusetzen
odergar
zwischenihnen zu entsdleiden. Ebensowenig soll
der
historischen Fragenachgegangen werden, welche Interpretation Husserl selbstseiner Grundmethode
in
den verschiedenen Phasen seines Philosophierens gegeben hati denn dazu
wäre
die Durcharbeitungeines
sehr
umfangreichen Materials notwendig. Vielmehrmöchte ich versuchen, als einer derjenigen älteren Phänome-
 
2
nologen, die mit
der
phänomenologischen Reduktion noch praktisch
gearbeitet
haben, diese so darzustellen
und
auszulegen,wie es sich bei einer "handanlegenden Arbeit" mit
ihr
ergab.Heutzutage wird
ja
zwar
viel
über
Phänomenologie nachgedacht
und
in historischen
und
kritischen Darstellungen geschrieben -Phänomenologie wirklich getrieben wird
abet
kaum
noch. Der visionäre Traum Husserls
selber
von
dem zukünftigen
.Newton der
Philosophie" und seinen Nachfolgern-
während
er
sich selbst in
der
bescheidenen Rolle eines Galilei, eines Vorläufers
und
Bahnbrechers
sah
-ist,
wie
so oftin
einer
ähnlichen Lage
in der
Philosophiegeschichte, nicht inErfüllung gegangen. So mag eine Erinnerung
an
jene
früheZeit
der
Phänomenologie
der
zwanziger
Jahre
nicht ganz ohneInteresse und Nutzen sein.Damals
war
es
das
erste
Problem für
den
jungen
Phänomenologen, "phänomenologisch sehen zu lernen". Es
wurde
ihm
gesagt, die Zeit des Bauens großer philosophischer Systeme sei vorüber, "Tiefsinn" und "Spekulation"
hätten
stren
ger
philosophischer Wissenschaft Platz zu machen, die Schrittfür Schritt die Probleme vorzunehmen
und
sie "in erledigenderArbeit" zu lösen hätte.
Von
den
großen
aber
leeren
Worten
solle
er
sich zu
den
Sachen selbst wenden.
Aber
was
waren
das für .Sachen"?
Es
waren
die
reinen
Phänomene, diese galt es zu erblicken. Denn
der
naive Mensch
des
Alltags (so wurde gesagt) laufe durch die Welt, die
von
Phänomenen voll sei, mit geblendeten Augen.
Es
gelte also,
<:lie
Phänomene sehen zu lernen, nicht anders als
wie
der
angehende Biologe mikroskopisch
sehen
lernen
müsse.Das Instrument
nun
gleichsam,
das
diese Sicht
der
Phänomene ermöglichte,
war
die phänomenologische Reduktion. Ge
lang
es dem
jungen
Phänomenologen, sie (wenigstens einigermaßen) zu vollziehen, so öffnete sich dem geistigen Auge
des
staunenden
Adepten
eine ganze
neue
Welt, durch die
er
bis
her
gleichsam als Blinder gelaufen war.
Es
war
das unbedingtFaszinierende
an
der
phänomenologischen Methode, daß sieimstande war, wirklich eine Fülle
von konkret
"sichtbaren•,obschon nicht empirisch beobachtbaren Gestalten
und
Struk
turen
vor
das geistige Auge zu führen.
Es
war
eine ganz an-
 
3
dere Welt, die
da
zutage trat, als die
Welt
der
sonstigen Philosophie, jene
Welt
der endlosen Argumentationen auf sduna
ler
Basis
der
klassischen Tradition,
der
Spitzfindigkeiten der"Erkenntnistheorie• des
19.
Jahrhunderts oder
der
"Dialektik•
der
verspäteten Hege1stben Schule. Man fühlte sich an GoethesVerse erinnert:
"ldl
sag es dir: ein Kerl,
der
spekuliert,Ist wie ein Tier auf dürrer Heide.Von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt,Und ringsumher liegt schöne grüne Weide."
2.
Was
war
nun
die Zauberformel, die dieses Wunder zustandebrachte?
Es
war
nichts weiter als ein sdllidltes Verbot, alsoetwas rein Negatives: das Verbot nämlich,
sichallseiner
theoretischen wissensdlaftlidlen,pseudo-und vorwissensdlaftlidlen Kenntnisse zu bedienen. Man sollte sich streng auf dasbeschränken, was man unmitte1bar im weitesten Sinne desWortes "sah•,
d.
h. sich erlebend zum Bewußtsein brachte. Dabei wurden die vorerwähnten Kenntnisse nicht etwa für falscherklärt oder auch
nur
bezweifelt, sie wurden
nur
"eingeklammert•. Man nahm sich lediglich vor, von ihnen keinen Gebrauch zu machen, sie nicht in Argumentationen zu verwenden.Eine
der
reinsten Formen, das zu beschreiben, was
hier
gemeint war,
war
der
Hinweis auf die Situation
der
Gesprächs
partnerin
einer philosophischen oder überhaupt wissenschaftlichen Diskussion. In einer solchen müssen die sich Unterredenden von ihren Uberzeugungen,
von
dem
von
ihnen eingenommenen Standpunkt abstrahieren,
ihn
für den Augenblick (ohne ihn innerlich preiszugeben) in
der
Schwebe lassen,um Ciberhaupt argumentieren zu können. Man darf ja, willman einen wissenschaftlichen Beweis führen, nicht das zu
BP.-
weisende schon voraussetzen,
ehe
man seinen Beweis zu Endegeführt hat. Ein solches In-der-Schwebe-Lassen (die sogenannteEpoche)
war
nun
gerade die Haltung, die
von
der
phänomenologischen Reduktion gefordert war.

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