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Becker-Hinfälligkeit

Becker-Hinfälligkeit

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Oskar Becker, "Von der Hinfälligkeit des Schönen und der Abenteuerlichkeit des Künstlers", Husserl-Festschrift (1929).
Oskar Becker, "Von der Hinfälligkeit des Schönen und der Abenteuerlichkeit des Künstlers", Husserl-Festschrift (1929).

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11/06/2012

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text

original

 
Von
der
Hinfälligkeit
des
Schönen
undder
Ahenteuerlichkeit
des
Künstlers.·
Eine
ontologische Untersuchung im ästhetischen
Phänomenbereich.
Von
Oskar
Becker
(Freiburg
i.B.).
I.
Die
"Hinfälligkeit
des Schönen",
ein
von
So
1 g
er
stammender
Ausdruck, ist
hiernicht in
einem lyrischen Sinn gemeint: es
wirddamiteine
ontologisch-hyperontologische
Grundkategorie
des Ästhe·tischen bezeichnet, die terminologisch als
Fra
g i I i t ä t fixiertwerden soll.Was ist
"Fragilität"
als Grundzug des Ästhetischen als solchen?Diese Kategorie scheint
neu
und ohne
genaue Motivierung
ihrer
Ein·
führung
in
die
alte
Wissenschaft
der
Ästhetik
bedenklich.
Fragilität
heißt
"Zerbrechlichkeit".
Zerbrechlich ist alles allzu·
sehr
Zugespitzte, Überschärfte -zumal, wenn es
unter
einer
ge·waltigen
inneren
Spannung
steht. Das Schöne
ist
das Seltene,
Er·
lesene. Als
Werk
gedacht ist es eine "Spitzenleistung". (Man
halte
die diesen Ausdruck belastende
Trivialität
nach Möglichkeit fern!)Und jede solche
"Spitze"
ist zerbrechlich
*
Das
"Ästhetische"
ist zunächst, wie
der
Name sagt,
"aisthetisch"
(
ala.'J.tjTfJ1'),
sinnlich-anschaulich,
unmittelbar.
Aber es
ist
offenbarnicht das
Unmittelbare
schlechthin; es
ist
das im
Unmittelbaren
Aus•gezeichnete. Diese Auszeichnung ist
formal
-
paradox
genug -
dadurch charakterisiert,
daß
sie,
in extremen
Fällen,
"Spitzen·
charakter"
hat, d. h.
daß
das
"Extremum",
das
der konkrete
ästhe·tische Gegenstand
innerhalb
der
Fülle
der
ihm ähnlichen anschaulichen Gebilde darstellt,
nicht
stetig
erreicht
wird,
sonderndurch
einen Sprung.
Extrema
habe~
im allgemeinen die Eigentümlichkeit,
 
28
Oskar Becker,
[2
daß
sie
in
stetiger,
immer
langsamer
werdender
Annäherung
erreicht
werden:
in
unmittelbarer
Nähe des Berggipfels
steigt
man
nur
noch ganz wenig. Die Spitze
aber ragt
steil auf, bis
zur
Grenze
der
völligen
lsoliertheit
von
ihrer
Umgebq,ng, bis
zur
völligen Unzugänglichkeit.
Der
Spitzencharakter
des Ästhetischen
bedeutet
also nichts
an·
deres als seine
"mikrokosmische"
Struktur
1
),
seine Eingehegtheil
durch
"rein
von
innen
geset_zte Grenzen, die nichts
Schrankenhaftes
an
sich
haben",
die nichts
anderes
als das
"Maximum
innerer
Erfüllt
heil"
bezeichnen. Die
Immanenz
des ästhetischen
Erleheus
und
des
Kunstwerks
selbst (die
Korrelate
sind) ist so
stark,
"daß
ihr
nicht
einmal
ein
polemischer
Akzent
zur
,ausgeschlossenen'
Wirklichkeitzukommt"
-dies
trotz der echten
Korikretheit
von
Werk und
ästhetischem
Erleben.Dennwenn
das ästhetische
Erlebnis
mit
beabsichtigter
Paradoxie
als
"normatives
Erlebnis"
gekennzeichnet
wird
2
),
so
heißt
das,
daß
es zugleich ganz
und
gar
die
Farbe der
lebendigen
Wirklichkeit
trägt
und
doch vom
Strom
der
Alltäglichkeit ganz
getrennt
ist.· Die
Paradoxie liegt
also
in der
Vereinigung
der
an·
schaulichen
Unmittelbarkeit
mit der
gekennzeichneten
isolierendenAuszeichnung, die
metaphorisch
durch
das Bild
der "Spitze"
dargestellt wurde.
Inwiefern
ist
nun
ein
solches
"spitzenartiges"
Gebilde zerbrechlich,
"fragil"?
Es
ist
äußerst
empfindlich gegen
jede
noch so
kleineVeränderung seiner
inneren
Beschaffenheit.
Der
kleinste
Fehltritt
genügt,
um
von dem spitzen
Gipfel steil
in
den
Abgrund
hinabzustürzen. Daa Schöne
steht
unter
dem
Gesetz des "Alles
oder
Nichts".Das schlechthin
"Vollendete" wahrhaft großer
Kunstwerke bestehtgerade darin,
daß
jede
gedachte
Fortsetzung
der
Arbeit
an
ihnen,
diedoch notwendig eine
Änderungirgendwelcher
Art
an ihnen
hervorbringen, würde, sie
unwiderruflich zerstörenmüßte.
Sie sind
auch
nicht
so
entstanden
zu
denken,
daß ein nimmermüder
Fleiß
sie instetig
fortschreitender Arbeit
Schritt für
Schritt
sozusagen
"her-
1)
Ich beziehe mich
hier und
im folsenden auf den außerordentlich auf&chlußreichen Aufsatz von
G.v.
Lu
k
ai
c
1,
,.Die Subjekt-Objekt·Beziehuus in
der
Ä&thetik", Loso• Bd. VII,
S.
1
ff.
2) Diese von
Lu
k
ai
c s
(I.
c.) stammende
Formel
ist deshalb para1lox, weilNorm (Wert, Ideal)
und
die seelische ,.Wirklichkeit" des Erleben• (in
der
Ricke
r t sehen Terminologie, die Lukaics weitgehend
benutzt)
äußerste Gegen·
&ätze
&ind,
die demselben Gesenstend ohne Widerspruch eisentlieh
nicht
zuseschrieben werden können.
lndeuen
bewest
sich die Lukaicssche Explikation inan die 1\letbode
der
,.Dialektik" gemahnender Weise ab&ichtlich
in
solchen Wider·sprlichen.
 
3]
Von
der
Hinfälligkeit des Schönen und
der
Ahenteuerlichkeit des Künstlers.
29
gestellt"
hätte, sondern
sind
durch
einen
unbegreiflichen schöpferischen
Sprung
-wie
PallasAthene
aus
dem
Haupte
ihres
Erzeugers -
entsprungen.Aber noch
darüber
hinaus: Ästhetische Gegenstände
"sind"
garnicht
"in
Wirklichkeit"
(8vecryElq)
"an
sich",
sondern
stellen
nur
Potenzen
dar,
die
erst
im ästhetischen
Erleben
aktuell werden,
wobei
dann
zum
Problem
des Schaffens des Werkes
(oder
auch
des
"Er-
wachsene" des ästhetischen Naturgegenstands) das weitere
Problem
des
adäquaten
Erfassen&
kommt, in dem
das
Werk
erst
eigentlich zuseinem (ästhetischen) Sein gelangt. Auch dieses
adäquate
Erfassen
ist
nur
durch
einen
Sprung erreichbar,
ist isoliert als
"normativesErlebnis" vonaller
Alltäglichkeit,
aber
auch
von
allem
"eigentlichen
Dasein". Die
Strukturder
ästhetischen
Sphäre
ist
"heraklitisch",
d. h.
"dasselbe"
Erlebnis
"desselben"
Subjekts
"demselben"
ästhetischenGegenstand gegenüber ist
nicht
mit Sicherheit
wiederholbar. Also
ist
das Ästhetische schließlich
nur in
dem
äußerst
verletzlichen
"momen-
tanen"
Erleben
eines seinerseits
äußerst
verletzlichen
und
dazu
bloß
"potentiellen"
Gegenstands. -Dies
bedingt
seine
"Fragilität".
2.
Die
Frage
liegt
nahe, ob
diese Dinge in
der
Geschichte
der
Ästhetik noch
nie
bemerkt
worden
sind. Es wäre
da
in
erster
Liniehinzuweisen
auf
So
I g
er,
der
die
"Hinfälligkeit
des
Schönen"
an
die
entscheidende
Stelle
seiner
ontologischen Auslegung des · ästhetischen
Phänomens
gestellt
hat.
Das Schöne ist
"ganz Erscheinung"
und
soll
"sich
als solche
mitten
inWidersprüchen
schön
erhalten"
1
),
es
"schwebt frei
in der
Mitte zwischen Gemeinem
und
Göttlichem".
Das Schöne
muß
als
"ganz
wirkliches, einzelnes
Ding"
betrachtet
werden,
"als
solches
jenem
ewigen Zustand, wie es hei
Gott
ist, entgegengesetzt, und, wenngleich
mit
Wesen
erfüllt,
der
Zeitlichkeit
und
Vergänglichkeit gänzlich
unterworfen".
Diese
"wehmütige Betrach-tung
über
das
hinfällige
(!)
Schöne"
läßt
aber
doch
"recht
sehen,welch
ein
wunderbares
Ding
das Schöne
ist".
"Indem
es
in dem
Gewühl
der
anderen, erscheinenden
Gegenstände
durch
die
ihm
inne
wohnende
Herrlichkeit
des göttlichen Wesens
erhöht
wird",
"ver-
sinkt"
es doch
"vor
Gott
mit
der
ganzen
übrigen Erscheinung
in
Nichtigkeit".
"Dieserherrliche Widerspruch
bewältigt
jeden
...
mit
einem
nicht
nur
innigen,
sondern
allgewaltigen
...
ewigen
und
un-
1)
So
I g
er,
"Erwio"
(neu herausgegeben voa R.
Kurz,
Berlin
1907),
S.
183.

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