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Bald sechshundert Jahre sind verflossen, seit Caterina von Siena, die in der Welt lebende Dominikanertertiarin, von ihrem Landsmann Aenea Silvio Piccolomini, Papst Pius II, heilig gesprochen wurde. Die Verehrung, die der Färberstochter aus der Contrada dell Oca in Siena schon zu ihren Lebzeiten und in steigendem Maße nach ihrem Tode zuteil wurde, ließ sie zu einer der großen Heiligen der Christenheit werden; Pius IX. ernannte sie im Jahr 1866 zur «zweiten Patronin Roms» nach den Apostelfürsten.
In Rom ist sie gestorben, für Rom hatte sie gekämpft und gelitten.
Für eine Frau des Mittelalters hat Caterina in ganz ungewöhnlicher Art auf ihre Zeitgenossen gewirkt. Ihr einfaches, zunächst ausschließlich dem Dienst der Armen und Kranken gewidmetes Leben weckte bald die Aufmerksamkeit und Bewunderung ihrer Mitbürger. Von der Gewalt ihres Wortes, der sich keiner, der mit ihr zusammenkam, entziehen konnte, ahnen wir etwas beim Lesen ihrer Briefe, von denen uns 373 erhalten sind. Sie sind an zwei Päpste, an geistliche und weltliche Würdenträger, an ihre Mitbürger, an Weltpriester und Ordensleute beiderlei Geschlechts gerichtet. Im reinen Idiom ihrer sienesischen Heimat geschrieben, zählen diese Briefe zu den Perlen der italienischen Literatur, und die Überzeugungskraft ihrer Sprache findet noch immer den Weg zu den Herren.
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