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Jung Stilling-Szenen Aus Dem Geisterreich

Jung Stilling-Szenen Aus Dem Geisterreich

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Published by André Rademacher
Erste Szene
Das große Erwachen
Hanon, Pelon, Avith und Azuriel
Hanon. Mein Erwachen ist furchtbar oder ein Traum? Welch eine ernste Stille;
schweigende Dämmerung in dieser endlosen Weite! Dort über dem fernen
Gebirge ein sanftes Licht, gleich dem Erstlinge des Maimorgens. Gott, welch
eine feierliche Ruhe! Nirgends Leben und Odem, kein Regen, kein Bewegen!
Alles däucht mir bloß Schatten zu sein; ich walle einher wie auf einem
Wolkenboden, unter mir keine Erde mehr, über mir kein Gestirn, kein sanfter
Mondstrahl! Ich allein in dieser schauerlichen Wüste! Wie ist mir? Ich schwebe
leicht weg, wie Nebel auf dem Fittich des Windes, sanft schweb' ich hin, erhebe
mich, sinke, nach dem leisesten Winke meines Willens. - Mein träger Körper ist
nicht mehr! - Ist das Träumen, so hab' ich noch nie in so hohem, deutlichem
Bewußtsein geträumt! Allmächtiger Gott! Nein, ich träume nicht - es ist mein
Erwachen zum ewigen Leben.1) Sie standen um mein Bette, die Geliebten, und
weinten. Ach, jetzt erinnere ich mich meines ganzen Lebens. Das war also das
hochgepriesene Erdenleben, das große Menschenglück! Wo sind sie nun
hingeschwunden, die holden Tage des Genusses, die frohen Stunden im Schoße
der Freude und Wohllebens. Meine durchlebten sechzig Jahre sind nur ein
Schattenspiel; alles ist hin, alles verschwunden, und nun stehe ich da im
unendlichen Leeren, auf dem großen entscheidenden Punkte meines Daseins;
was wird nun aus meinen zurückgelassenen Geliebten, nur zärtliche
Rückerinnerung; auch sie werden den Traum bald ausgeträumt haben! Ich
überschaue mein Leben, ich sehe eine ungeheure Menge Mängel und
Gebrechen; dagegen ist des vollbrachten Guten sehr wenig, und doch wohnt in
meinem Innern tiefer Friede, Friede der Wehmut. Vater der Geister, vollende
meine Geliebten, und erbarme dich mein! - Du wirst ja doch hier ebenso
allgegenwärtig sein, als in dem bunten, rauschenden Gebäude, das ich verlassen
habe! - Wie einsam! - Ich muß Wesen suchen, denen ich mich mitteilen kann;
vielleicht finde ich sie dort in der Gegend des ewigen Morgens! Ha, wie
erquickend ist's hier! Stärkende Kühlung, Maienluft säuselt aus diesem ewigen
Osten; welch' ein sanftes Licht! - Gott, ich werde verklärt!
Erste Szene
Das große Erwachen
Hanon, Pelon, Avith und Azuriel
Hanon. Mein Erwachen ist furchtbar oder ein Traum? Welch eine ernste Stille;
schweigende Dämmerung in dieser endlosen Weite! Dort über dem fernen
Gebirge ein sanftes Licht, gleich dem Erstlinge des Maimorgens. Gott, welch
eine feierliche Ruhe! Nirgends Leben und Odem, kein Regen, kein Bewegen!
Alles däucht mir bloß Schatten zu sein; ich walle einher wie auf einem
Wolkenboden, unter mir keine Erde mehr, über mir kein Gestirn, kein sanfter
Mondstrahl! Ich allein in dieser schauerlichen Wüste! Wie ist mir? Ich schwebe
leicht weg, wie Nebel auf dem Fittich des Windes, sanft schweb' ich hin, erhebe
mich, sinke, nach dem leisesten Winke meines Willens. - Mein träger Körper ist
nicht mehr! - Ist das Träumen, so hab' ich noch nie in so hohem, deutlichem
Bewußtsein geträumt! Allmächtiger Gott! Nein, ich träume nicht - es ist mein
Erwachen zum ewigen Leben.1) Sie standen um mein Bette, die Geliebten, und
weinten. Ach, jetzt erinnere ich mich meines ganzen Lebens. Das war also das
hochgepriesene Erdenleben, das große Menschenglück! Wo sind sie nun
hingeschwunden, die holden Tage des Genusses, die frohen Stunden im Schoße
der Freude und Wohllebens. Meine durchlebten sechzig Jahre sind nur ein
Schattenspiel; alles ist hin, alles verschwunden, und nun stehe ich da im
unendlichen Leeren, auf dem großen entscheidenden Punkte meines Daseins;
was wird nun aus meinen zurückgelassenen Geliebten, nur zärtliche
Rückerinnerung; auch sie werden den Traum bald ausgeträumt haben! Ich
überschaue mein Leben, ich sehe eine ungeheure Menge Mängel und
Gebrechen; dagegen ist des vollbrachten Guten sehr wenig, und doch wohnt in
meinem Innern tiefer Friede, Friede der Wehmut. Vater der Geister, vollende
meine Geliebten, und erbarme dich mein! - Du wirst ja doch hier ebenso
allgegenwärtig sein, als in dem bunten, rauschenden Gebäude, das ich verlassen
habe! - Wie einsam! - Ich muß Wesen suchen, denen ich mich mitteilen kann;
vielleicht finde ich sie dort in der Gegend des ewigen Morgens! Ha, wie
erquickend ist's hier! Stärkende Kühlung, Maienluft säuselt aus diesem ewigen
Osten; welch' ein sanftes Licht! - Gott, ich werde verklärt!

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Published by: André Rademacher on Jan 03, 2009
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05/09/2014

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Jung-Stilling - Szenen aus dem Geisterreich
 
Wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit ein jederdas, was er sich in seinem irdischen Leben erworben hat, auch empfangen möge,es mag dann gut oder böse sein. 2. Cor. 5. V. 10
.
Erste Szene
 
Das große Erwachen
 Hanon, Pelon, Avith und Azuriel 
 
 Hanon.
Mein Erwachen ist furchtbar oder ein Traum? Welch eine ernste Stille;schweigende Dämmerung in dieser endlosen Weite! Dort über dem fernenGebirge ein sanftes Licht, gleich dem Erstlinge des Maimorgens. Gott, welcheine feierliche Ruhe! Nirgends Leben und Odem, kein Regen, kein Bewegen!Alles däucht mir bloß Schatten zu sein; ich walle einher wie auf einemWolkenboden, unter mir keine Erde mehr, über mir kein Gestirn, kein sanfterMondstrahl! Ich allein in dieser schauerlichen Wüste! Wie ist mir? Ich schwebeleicht weg, wie Nebel auf dem Fittich des Windes, sanft schweb' ich hin, erhebemich, sinke, nach dem leisesten Winke meines Willens. - Mein träger Körper istnicht mehr! - Ist das Träumen, so hab' ich noch nie in so hohem, deutlichemBewußtsein geträumt! Allmächtiger Gott! Nein, ich träume nicht - es ist meinErwachen zum ewigen Leben.
1)
Sie standen um mein Bette, die Geliebten, undweinten. Ach, jetzt erinnere ich mich meines ganzen Lebens. Das war also dashochgepriesene Erdenleben, das große Menschenglück! Wo sind sie nunhingeschwunden, die holden Tage des Genusses, die frohen Stunden im Schoßeder Freude und Wohllebens. Meine durchlebten sechzig Jahre sind nur einSchattenspiel; alles ist hin, alles verschwunden, und nun stehe ich da imunendlichen Leeren, auf dem großen entscheidenden Punkte meines Daseins;was wird nun aus meinen zurückgelassenen Geliebten, nur zärtlicheRückerinnerung; auch sie werden den Traum bald ausgeträumt haben! Ichüberschaue mein Leben, ich sehe eine ungeheure Menge Mängel undGebrechen; dagegen ist des vollbrachten Guten sehr wenig, und doch wohnt inmeinem Innern tiefer Friede, Friede der Wehmut. Vater der Geister, vollendemeine Geliebten, und erbarme dich mein! - Du wirst ja doch hier ebensoallgegenwärtig sein, als in dem bunten, rauschenden Gebäude, das ich verlassenhabe! - Wie einsam! - Ich muß Wesen suchen, denen ich mich mitteilen kann;vielleicht finde ich sie dort in der Gegend des ewigen Morgens! Ha, wieerquickend ist's hier! Stärkende Kühlung, Maienluft säuselt aus diesem ewigenOsten; welch' ein sanftes Licht! - Gott, ich werde verklärt! Ich fange an zu
 
schimmern; mein Wesen zieht das Licht an, ich ahne Seligkeit! Aber welcheMenge wandelt dort unten im Schattengefilde, am Fuße des Gebirges! Ich mußhin! Ohne Gesellschaft gibt's keine Seligkeit.
(Er nähert sich einem einsam für sich wandelnden Geiste.)
Friede sei mit dir, mein Bruder! Wer bist du?
Pelon.
Mein Name ist
Pelon.
Ich bin mir selbst verborgen,Und kenne mich noch nicht!Doch dieses merk' ich zwar,Ich bin nicht wie ich war.Indessen fühl' ich wohl.Ich bin nicht, wie ich soll.
 Hanon.
Dir fehlt nur die erste Zeile dieser Strophe, sie heißt:
"Erleucht mich, Herr, mein Licht!"
2)
Und siehe, wie dieses Licht über jene Schattenhügelherstrahlt!
Pelon.
Mir ist's eben, als wenn mich das Licht nichts anginge. Im sehe, daß essich in dir spiegelt; du schimmerst wie Silberflor durch einen weißen Nebel,oder wie ehemals der Vollmond durch Lämmerwolken; aber sieh, wie dunkelich bin!
 Hanon.
Was warst du denn im vergangenen Leben? Entdecke dich mir, meinlieber
Pelon!Pelon.
Ich war ein Arzt, meine Erziehung war gut, ich begriff die Grundsätzeder Religion. Nein, ich begriff sie nicht, ich lernte sie nur, aber ich glaubte sie,und wandelte untadelhaft; nun kam ich auf die hohe Schule, ich las Schriften,die mir das Ziel verrückten; kurz, ich ward ein Zweifler, ich bin's noch.
 Hanon.
Woran zweifelst du denn?
Pelon.
Erst an der Wahrheit der christlichen Religion, nachher auch am DaseinGottes. an der Unsterblichkeit und an der Freiheit der menschlichenHandlungen; endlich ward ich ein vollendeter Determinist!
3)
 
 Hanon.
Und an dem allen zweifelst du noch? - Bist vielleicht auch jetzt noch einDeterminist?
Pelon.
Ja, leider!
 Hanon.
Zweifelst du denn auch an der Unsterblichkeit?
Pelon.
Ja, ja, an der Unsterblichkeit.
 Hanon.
Aber du warst ja gestorben und siehe, du lebst wieder!
Pelon.
Weiß ich denn, wie lange auch dieses Leben dauert? Sind wir derVernichtung nicht näher gekommen, als wir im vergangenen Leben waren? Wasist denn
die
Welt, worin wir jetzt sind? - Ein bloßer Schatten; hier keimt keinHälmchen unter unseren Füßen. Alles ist schwarzgraues Dunkel, eineunaussprechliche Aussicht nach allen Seiten! Nenne, was du willst, wenn es nurein Etwas, eine Möglichkeit vom Etwas ist, so findest du es hier nicht; hierwürdest du den Schritt der Käsmilbe und das Odemholen des Infusionstierchens
 
hören, wenn's in dieser Welt lebte. Wie nahe sind wir hier nicht derVernichtung! Noch einen Schritt, und wir sind nicht mehr.
4)
 Hanon.
Armer
Pelon !
Ich glaube und hoffe. dein Zweifel werde sich bald inunaussprechliche und frohe Gewißheit auflösen. Blieb dir aber das ewige undunveränderliche Gesetz der Liebe Gottes und des Nächsten immer heilig?
Pelon.
Ja, und ich suchte es nach allen Kräften zu erfüllen.
 Hanon.
Du warst also tugendhaft? - Würdest du dich also freuen, wenn diechristliche Religion in ihrem ganzen Umfange wahr wäre?
Pelon.
Ja, unaussprechlich!
5)
 
 Hanon. Pelon!
Du fängst an zu schimmern!
Pelon.
Großer Gott! Ich empfinde es, und ich fühle das entfernte Wehen derBeruhigung! Ich ahne dunkel und harre des großen Aufschlusses. Aber wer bistdu denn?
 Hanon.
Ich heiße
 Hanon
und war Ratsherr in einer kleinen Stach; ich ernährtemich und die Meinigen durch einen kleinen Kramhandel.
Pelon.
Du hast also nie gezweifelt? .
 Hanon.
Nein! Ich hörte viel von Aufklärung und von Büchern, aus denen mansie lernen könne; allein ich gab immer auf die aufgeklärten Leute acht und dafand ich denn, daß sie weniger wußten als ich, und auch viel weniger Gutestaten, als ein braver, gemeiner Mann, der nicht so aufgeklärt war; mir fiel danndie große Wahrheit ein:
 ,.An ihren Früchten sollt ihr sie
 
erkennen!"
6)
 
Pelon. O
 
 Hanon,
wie glücklich bist du nun!
 Hanon.
Ich hoffe, wir werden beide selig und glücklich werden. Aber bist duschon lange hier?
Pelon.
Das weiß ich nicht; hier ist keine Sonne, kein Mond, überhaupt keinZeitmaß, folglich auch keine Zeit; wenn ich aber nach der Menge meineraufeinander folgenden inneren Vorstellungen urteilen soll, so bin im schon einegeraume Zeit hier.
 Hanon.
Hast du dich denn noch nie dort dem Lichte genähert?
Pelon.
O ja, mehrmals, aber je näher im komme, desto beängstigter werde ich;es wird mir als einem Lebenden, der nicht mehr zu Odem kommen kann.
 Hanon.
Hast du denn noch nie in dieser endlosen Weite umhergestreift?
Pelon.
Ich habe mit der Schnelle des Sturmwindes ungeheure Weitendurchstrichen; aber es ist allenthalben gerade so wie hier; dort Gebirge, darübersanftes Licht und vor dem Gebirge Millionen Menschenseelen, die desAusgangs harren!
 Hanon.
Sind denn, so lange du hier bist, noch keine Menschenseelen aus dieserDämmerung zum Licht hinübergegangen?
Pelon.
O ja, sehr oft. Von Zeit zu Zeit schweben von furchtbarer Majestätstrahlende Fürsten vom Gebirge herüber; diese sammeln ein HeerMenschengeister um sich und schwingen sich mit ihnen hinüber. Viele werdenauch in den endlosen Raum weggehaucht oder vielmehr hingeblitzt; einSchauspiel, das einem noch lebenden Erdensohne das Blut in den Adern starren

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