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120612 - Gauck Rede - Bundeswehr

120612 - Gauck Rede - Bundeswehr

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03/23/2014

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ANSCHRIFTTEL / FAXE-MAILINTERNET
 
Bundespräsidialamt11010 Berlin030 2000-2021/-1926presse@bpra.bund.dewww.bundespräsident.de
Die Rede im Internet:
www.bundespräsident.de
 
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Bundespräsident Joachim Gauckbeim Antrittsbesuch bei der Bundeswehram 12. Juni 2012in Hamburg
Ich habe mich auf meinen Antrittsbesuch bei der Bundeswehrganz besonders gefreut. Sie können sich wahrscheinlich nur sehrbedingt vorstellen, warum das so ist und warum ich so gerne zu Ihnengekommen bin, hier an die Führungsakademie der Bundeswehr inHamburg.Soldaten und Militär – das war nämlich in meinem früheren Lebenallgegenwärtig, in den Gesellschaften, in denen ich lebte bis zumeinem 50. Lebensjahr. Es sind keine guten Gefühle, die in mirhochkommen, wenn ich an diese Zeit denke. Wenn ich mich erinnerean all diese Aufmärsche, an die Militarisierung unserer Schulen, an dieErziehung zum Hass auch im Offizierscorps und unter den Soldaten, andie Ablehnung eines Zivildienstes durch Partei und Staat, an diemilitärische „Absicherung“ einer unmenschlichen Grenze – und zwarnicht gegen einen Aggressor, sondern gegen das eigene Volk. Ich habealso in einem Land gelebt, in dem die Armee einer Partei verpflichtetwar. Eine Armee, die „Volksarmee“ hieß, aber es nicht war. Eine Partei,die von sich behauptet hat, den Volkswillen zu vertreten und die sichnicht gescheut hat, Soldaten unter Umständen auch gegen das Volkeinzusetzen. Ich habe das Militärische also kennengelernt als eine –nicht nur physische – Begrenzung von Freiheit.Und nun stehe ich vor Ihnen hier in Hamburg alsBundespräsident des vereinigten Deutschland. Ich stehe vor derBundeswehr, zu der ich seit zweiundzwanzig Jahren auch „meineArmee“ sagen kann. Und bin froh, weil ich zu dieser Armee und zu denMenschen, die hier dienen, aus vollem Herzen sagen kann: DieseBundeswehr ist keine Begrenzung der Freiheit, sondern eine Stütze derFreiheit.Jetzt ahnen Sie vielleicht, wie wertvoll dieser Besuch für mich istund wie wertvoll die Begegnungen mit gebildeten Offizieren, die ichheute haben konnte, für mich sind. Welch ein Glück, dass es uns
 
 
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gelungen ist, nach all den Verbrechen des nationalsozialistischenDeutschland und nach den Gräueln des Krieges, in diesem Land eineArmee zu schaffen: eine Armee des Volkes, diesmal im besten Sinne,kein Staat im Staate in preußischer Tradition, keine Parteienarmee,sondern eine „Parlamentsarmee“, an demokratische Werte gebunden,an Grundgesetz und Soldatengesetz; eine Armee unter derBefehlsgewalt eines Zivilisten, rekrutiert aus eigenverantwortlichenBürgern und heute auch Bürgerinnen, die zu kritischen Geisternausgebildet werden in Institutionen wie dieser; eine Armee, derenEinsätze unter dem Vorbehalt und der Zustimmung durch unsereVolksvertreter stehen und – wenn auch nicht genügend – öffentlichdiskutiert werden.All das kann einer wie ich, der zwei Drittel seines bisherigenLebens in Diktaturen verbracht hat, nicht als selbstverständlichempfinden. In vielen Ländern der Welt ist es leider auch heute keineSelbstverständlichkeit. Und so ist für mich die Bundeswehr Teil dessen,was ich kürzlich in meiner Antrittsrede als „Demokratiewunder“ inDeutschland bezeichnet habe. Ein Demokratiewunder, das sich nachdem Zweiten Weltkrieg im Westen vollzogen hat – und vor etwas mehrals zwei Jahrzehnten dann auch im Osten unseres Landes mit einerganz eigenen Dynamik.Ich denke daran, wie in den Jahren nach 1990 die Bundeswehreine „Armee der Einheit“ wurde – und wie aus Soldaten, die einstvielleicht aufeinander hätten schießen müssen, Kameraden wurden.Daran hat übrigens auch die engagierte Bildungsarbeit der Bundeswehreinen großen Anteil und ich denke an die verantwortlichen Offiziereund Politiker, die daran maßgeblich mitgewirkt haben, mit Dankbarkeit.Und ich möchte mit meinem Antrittsbesuch an diesem Ort, an diesekomplizierte Phase ganz bewusst erinnern. Es gehört mit zu denFührungsaufgaben die Sie begleitet und gestaltet haben.Liebe Soldatinnen und Soldaten, Sie schützen und verteidigendas, was uns am wichtigsten ist, auch über die Grenzen unseresLandes hinaus: Freiheit und Sicherheit, Menschenwürde und das Recht jedes Einzelnen auf Unversehrtheit. Sie handeln dabei im Auftrag einerfreiheitlichen Demokratie. Sie sind als „Staatsbürger in Uniform“ Teildieser Gesellschaft, Sie stehen mit Ihrem Dienst für diese Gesellschaftein.Diese Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten starkgewandelt, und auch Sie in der Bundeswehr stehen vor Aufgaben desWandels. Ich nenne nur ein paar Stichworte: zunehmende finanzielleZwänge, Reformen, damit haben Sie hier natürlich eine jahrzehntelange Übung, technische Neuerungen, Schließung vonStandorten; die vollständige Öffnung der Bundeswehr für Frauen und,erst kürzlich, der Wegfall der allgemeinen Wehrpflicht, was viele inDeutschland noch bis heute nicht richtig verstanden haben, dazu
 
 
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gemeinsame Auslandseinsätze mit verbündeten Nationen und neueArten von Bedrohungen und asymmetrischen Kriegen.Vieles haben Sie gemeistert, vieles müssen Sie noch meistern.Sie werden es meistern, da bin ich mir sicher. Denn Sie stellen sichhier professionell und mit einem hohen Ethos darauf ein.Diese Bundeswehr hat nie auf starre Strukturen und Prinzipiengesetzt. Sie hat sich bewusst und bedacht von vielen ungutenmilitärischen Traditionen abgesetzt, auch wenn das in der Geschichteder Bundeswehr sicher manchem alt gedienten Offizier andererArmeen nicht immer leicht gefallen ist. Sie hat mit ihrer Kultur der „inneren FührungDiskussion und Reflexion möglich gemacht unddamit auch Veränderungsfähigkeit. Bei meinem Rundgang hier in derFührungsakademie war ich sehr beeindruckt von dem, was Sie „Veränderungsmanagement“ nennen. Diese Lernfähigkeit beigleichzeitig fester Wertebasis ist das Fundament, auf das dieBundeswehr auch in Zukunft bauen kann.Die Welt um uns verändert sich rasant. „Wir übernehmen jetztVerantwortung für Dinge, über die wir früher nicht einmal nachgedachthätten“, so hat es kürzlich General Carl-Hubertus von Butlerausgedrückt, bis vor kurzem Befehlshaber desHeeresführungskommandos. Vor wenigen Tagen ging durch die Presse,wie sich die Bundeswehr für den sogenannten „Cyberkrieg“ rüstet. Undwährend wir hier sitzen, stehen Tausende von Soldatinnen undSoldaten der Bundeswehr auf drei Kontinenten in Einsätzen ihren Mannund ihre Frau.Die Bundeswehr auf dem Balkan, am Hindukusch und vor demHorn von Afrika, im Einsatz gegen Terror und Piraten – wer hätte soetwas vor zwanzig Jahren für möglich gehalten? Sie, liebe Soldatinnenund Soldaten, werden heute ausgebildet mit der klaren Perspektive, insolche Einsätze geschickt zu werden – mit allen Gefahren für Leib,Seele und Leben. Sie haben einen Anspruch darauf, dass wir, dieZivilen, uns bewusst machen, was Ihnen abverlangt wird und welcheAufgaben wir von Ihnen in der Zukunft erwarten. All das darf nichtallein in Führungsstäben und auch nicht allein im Parlament debattiertwerden. Es muss da debattiert werden, wo unsere Streitkräfte ihrenOrt haben: in der Mitte unserer Gesellschaft.Sie werden jetzt vielleicht – und zu Recht – sagen: bitte, an unssoll’s nicht liegen, das kann ja geschehen. Wir hätten gerne mehr alsbloß das heute sprichwörtliche „freundliche Desinteresse“, das schonder frühere Bundespräsident Horst Köhler bedauernd festgestellt hat.Die Bundeswehr steht zwar mehr denn je unter Beobachtung derMedien. Und doch ist sie im öffentlichen Bewusstsein nicht sehrpräsent.

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