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Carson McCullers

Carson McCullers

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05/03/2014

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Carson McCullers, The Ballad of the Sad Café (1944)
 
Inhaltsangabe
:In der Hauptstraße einer Kleinstadt im Süden der USA steht ein unheimliches Haus.Das Haus sieht völlig verlassen aus. Im ersten Stock ist jedoch ein Fenster nicht mitBrettern vernagelt, und manchmal in den späten Nachmittagsstunden, wenn dieHitze am schlimmsten ist, kommt es vor, dass eine Hand langsam die Läden öffnetund ein Gesicht auf die Stadt niederblickt. Es ist ein Gesicht, wie es einem inTräumen begegnet, von schrecklicher Unbestimmtheit, bleich und geschlechtslos, mitgrauen, schielenden Augen, die beide so stechend einwärts gerichtet sind, alstauschten sie untereinander einen langen Blick verschwiegenen Grams aus.Das Haus gehört Miss Amelia Evans. Sie hat es von ihrem Vater geerbt. Früher warunten ein Laden, in dem sie Futtermittel, Guano, Maismehl, Schnupftabak u.a.verkaufte. Außerdem schenkte sie illegal Schnaps aus, den sie im Sumpf, drei Meilenentfernt, selbst brannte. Obwohl sie reich war
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denn sie besaß auch noch eineBaumwollplantage
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nutzte sie jede Gelegenheit, andere zu übervorteilen. Undständig strengte sie irgendwelche Gerichtsverfahren gegen andere Bürger der Stadtan. Kranke behandelte sie allerdings kostenlos mit Heilmitteln, die sie selbst brauteund an sich selbst ausprobierte. Aus Männern machte Miss Amelia sich nichts. AnWerktagen trug sie einen Overall, am Sonntag ein dunkelrotes Kleid, "dasmerkwürdig komisch an ihr herunterhing". Sie war 1,85 m groß und androgyn.Sie war eine dunkle, hochgewachsene Frau und hatte Muskeln und Knochen wie einMann.Im Frühling des Jahres, in dem sie 30 wurde, tauchte plötzlich ein buckliger Zwergauf, den manche auf 12, andere auf 40 schätzten. Er behauptete, Lymon Willis zuheißen und mit Miss Amelia verwandt zu sein:"Meine Mutter war Fanny Jesup, und sie stammte aus Cheehaw. Vor dreißig Jahren,als sie zum ersten Mal geheiratet hat, ist sie aus Cheehaw weggezogen. Ich kannmich noch erinnern, wie sie oft erzählt hat, sie hätte eine Stiefschwester namensMartha. Und in Cheehaw ist mir heute gesagt worden, die Martha wäre Ihre Muttergewesen. Fanny und Marthy Jesup waren also Stiefschwestern. Und ich bin der Sohnvon Fannys drittem Mann, und Sie und ich ... wären ... also ..."Zur Verblüffung der Umstehenden holte ihn Amelia ins Haus und gab ihm zu essen. Als der Fremde am anderen Morgen das Haus immer noch nicht verlassen hatte,befürchteten die Nachbarn, Miss Amelia habe ihn umgebracht. Merlie Ryan setzte dasGerücht in die Welt: "Ich weiß, was Miss Amelia getan hat. Sie hat den Fremdenumgebracht, weil er etwas in seinem Koffer hatte." Acht oder zehn Männer lungerten unschlüssig auf der Veranda des Ladens herum,dann traten sie ein, um nach dem Buckligen zu sehen. Der war bester Laune, fand
 
rasch Kontakt zu jedem Einzelnen und unterhielt sie durch ein paar Späße undKunststücke. Man holte die Bank aus Miss Amelias Büro und ein paar Stühle dazu. Sowurde aus dem Laden ein Café, in dem die Leute der Kleinstadt sich trafen. Miss Amelia stellte Tische auf und begann, den Whisky glasweise auszuschenken. DasCafé florierte. Der Bucklige verbreitete gute Laune, doch er selbst genoss Krawallund hetzte immer wieder Leute gegeneinander auf, um Unheil zu stiften. Dabei warer wehleidig und hatte Angst, im Dunkeln zu schlafen.Sechs Jahre nach seiner Ankunft erhielt Henry Macy einen Brief, in dem ihm seinBruder Marvin mitteilte, er werde auf Bewährung aus dem Zuchthaus entlassen.Marvin und Henry Macy waren zwei von sieben ungewollten Kindern einer Familie.Die Eltern arbeiteten in der Baumwollspinnerei und kümmerten sich nicht um sie. Derälteste Sohn, der damals acht war, ging nach Cheehaw und kehrte nie zurück. Dreider Geschwister starben. Die beiden jüngsten, Marvin und Henry, kamen bei Mrs.Mary Hale unter. Sie entwickelten sich sehr verschieden: Henry wurde scheu undgutmütig, Marvin dagegen dreist, furchtlos und grausam. Zum Spaß hackte erEichhörnchen den Schwanz ab.Schon als junger Bursche hatte er jahrelang das getrocknete und eingepökelte Ohreines Mannes mit sich herumgetragen, den er im Messerkampf umgebracht hatte.Marvin Macy wurde Webstuhlmechaniker. Trotz seines bösartigen Charakters fielenimmer wieder Mädchen auf den 1,82 m großen, stattlichen Mann herein und wurdenvon ihm geschändet. Als er 22 war, entschied er sich für die drei Jahre jüngere Amelia, deren Vater seit vielen Monaten tot war. Zwei Jahre lang liebte er sie, ohnesich zu erklären. In dieser Zeit besserte er sich und besuchte sogar den Gottesdienst.Eines Abends brachte er Amelia einen Strauß Sumpfblumen, einen Sack Gekröse,einen silbernen Ring
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und hielt um ihre Hand an. Ohne lang zu überlegen, willigtesie ein.Nach der Trauung ging sie nicht am Arm ihres Mannes, sondern rannte zwei Schrittvor ihm aus der Kirche. Nach dem Abendessen las wie, wie gewohnt, die Zeitung undkümmerte sich um ein Verzeichnis der Vorräte im Laden. Um 23 Uhr nahm sie dieLampe und ging nach oben. Macy folgte ihr. Aber nach weniger als einer halbenStunde kam sie wieder herunter, setzte sich für den Rest der Nacht in die Küche, lasim Farmerkalender, trank Kaffee und rauchte die Pfeife ihres Vaters.Die Geschenke, die Macy ihr am nächsten Morgen kaufte, stellte sie zum Verkauf auf den Ladentisch. Er kam mit einem Rechtsanwalt und überschrieb Amelia den Wald,den er von seinen Ersparnissen gekauft hatte. Doch es änderte sich nichts. Als er ihrbetrunken die Hand auf die Schulter legte, schlug sie ihm mit der Faust so heftig insGesicht, dass er gegen die Wand taumelte und einen Schneidezahn einbüßte.Daraufhin putzte er ostentativ sein Gewehr, aber Amelia ließ sich nichteinschüchtern: Sie fuhr zum Gericht in Cheehaw, um ihn wegen Hausfriedensbruchszu verklagen. Zehn Tage nach der Hochzeit verließ er die Stadt.
 
Macy vergaß die guten Vorsätze und wurde endgültig zum Verbrecher: Er raubte dreiTankstellen aus und überfiel ein Warenhaus. Schließlich wurde er zu einerZuchthausstrafe verurteilt.Die Liebe ist erstens einmal ein gemeinsames Erlebnis zweier Menschen; dieTatsache jedoch, dass es ein gemeinsames Erlebnis ist, bedeutet noch nicht, dass esfür die beiden Beteiligten ein ähnliches Erlebnis ist. Es geht immer um den Liebendenund den Geliebten
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doch stammen die beiden aus verschiedenen Landen. Oftmalslöst der Geliebte nur all die aufgespeicherte Liebe aus, die bis dahin so lange imLiebenden geschlummert hat. Und irgendwie ahnt das auch jeder Liebende. Er fühltes in seinem Herzen, dass seine Liebe ihn vereinsamt. Er erlebt eine neue, seltsameEinsamkeit, und er leidet unter dieser Erfahrung.Marvin Macy kam als Anhalter auf einem Lastwagen. Vor dem Café sprang er ab. Amelia war gerade nicht da, aber der Bucklige erspähte ihn und folgte ihm neugierig.Seit der Bucklige zum erstenmal Marvin Macy erblickt hatte, war er von einemunnatürlichen Geist besessen.Macy nistete sich wieder bei Mary Hale ein. Wenn es Essen gab, stieß er ihre Kinderwortlos beiseite und häufte sich den Teller voll, obwohl es kaum für alle reichte.Sonntags zog er stets ein rotes Hemd an.Seit der Rückkehr des Galgenvogels trug Amelia ihr rotes Kleid auch an Werktagen.Obwohl Macy den Buckligen immer wieder wegstieß und demütigte, lief dieser ihmwie ein geprügelter Hund nach. Eines Tages kam er mit Macy ins Café. Der hatteseinen metallenen Koffer und seine Gitarre bei sich, und Amelia glaubte schon, erwürde wieder abreisen. Aber Lymon Willis erklärte ihr: "Marvin Macy bleibt einWeilchen bei uns zu Besuch."
 Am nächsten Morgen schnitt Amelia den Sandsack ab, mit dem sie seit einiger Zeit trainiert hatte. Marvin rieb sichden nackten Oberkörper mit Schweinefett ein. Ein Habicht mit blutroter Brust flogüber der Stadt. Man holte die Tische aus dem Café und stellte sie auf die Veranda,damit Platz genug war für den Kampf. Es wurde ein harter Schlagabtausch. Ameliaund Marvin bluteten und waren benommen, doch am Ende erwies Amelia sich als dieStärkere. Zentimeter um Zentimeter drückte sie ihren Gegner auf den Boden.Doch im gleichen Augenblick, gerade als der Sieg errungen war, ertönte im Café einSchrei, der jedermann einen eisigen Schauer über den Rücken jagte. Was eigentlichgeschah, ist bis auf den heutigen Tag ein Rätsel geblieben. Die ganze Stadt waranwesend und Zeuge, und doch waren einige darunter, die ihren eigenen Augennicht trauen wollten. Denn die Theke, auf der Vetter Lymon gestanden hatte, war jamindestens drei Meter von der Mitte des Cafés und von den Kämpfenden entfernt.Im Augenblick jedoch, als Miss Amelia ihre Finger um Marvin Macys Kehle legte,sprang der Bucklige los und segelte wie auf Habichtsflügeln durch die Luft. Er landete

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