Unermessliche gestiegen. Meine Glossen in der Schülerzeitung waren gefürchtet und selbst alsich an?ing, unter einem Pseudonym zu schreiben, wurde ich als Autor an meinen üblichenhaarsträubend verschraubten Sätzen erkannt.Neben unzähligen Artikeln für die Schülerzeitung verkochte ich alle verbleibenden Ideen ineinem groß angelegten Werk, dass sich auf der Titelseite noch Roman nannte, aber bereitsnach etwa 40 Seiten endete. Bald darauf endete auch meine Schreibphase, der zweite Teildieses Romans regte meine Kreativität genau in dem Moment nicht mehr an, als ich mit derHandlung beginnen wollte und liegt nun seit etwa 12 Jahren so auf der Festplatte. Somit konnte ich für immer meine Unkreativität beweinen und stellte die Schreibtätigkeit mit wenigen Ausnahmen bis heute ein.Vor wenigen Wochen schenkte ich mir dann zu Weihnachten eine neue Tastatur, die mich auf einen neuen Gedankengang brachte: Nicht nur das Schriftbild war entscheidend für meinenAusstoß, sondern das reine Gefühl des Schreibgerätes an meinen Fingern, und das meinte vorallem: Die präzise Art und Qualität der jeweils verwendeten Tastatur. Der Tastenhub, dieOber?lächenbeschaffenheit, das Geräusch, der Widerstand, selbst der Sauberkeitsgrad warenbei allen meinen Tastaturen Parameter, die das Schreiben beein?lussten. Kurz: Ich waranspruchsvoll geworden. Hatte mich in den ersten Jahren die stete Weiterentwicklung derGestaltung von Zeichen auf dem Papier zum Schreiben animiert – ich war fasziniert wie einsehr junges Kind, das zum ersten Mal die Welt abschreitet, darüber dass es möglich war,einzelne Buchstaben in einer de?inierten Schriftart auf das Papier zu bringen und denMasterplan eines Satzes in mehreren Iterationen mit Schönheit und Sinn auszustatten – hatteich mich irgendwann daran gewöhnt und verspürte kein Interesse mehr am reinen Schreiben.Selbst an die verwendeten Schriftarten gewöhnte ich mich im Laufe der Zeit. Heute bin ichdafür bekannt, meinen Mitarbeitern das Schreiben in Standardschriftarten konsequent zuverbieten.Mittlerweile zähle ich sieben verschiedenen Tastaturen, zuzüglich die Tastensammlungen auf diversen Notebooks und an meinen Arbeitsplätzen. Die erste von Ihnen war schwer, hatteeinen großen Hub und war laut. Ich machte mir keinen Gedanken und schrieb, entdeckte diedamals noch neue digitale Zeichenwelt und war glücklich. Anschließend kaufte ich kurz nachmeinem Auszug aus dem Elternhaus eine Tatstatur, die weich, sanft und freundlich meinenFingern schmeichelte. Dennoch ging mit dieser Zeit das Ende meines Schreibens einher. Zwarbegann ich, textuell zu kommunizieren, und auch diese Tätigkeit bremste meinen Bedarf amTexten, doch letztlich war ich auf der Suche nach der zu mir passenden Tastatur. Die erstenbeiden waren es noch nicht gewesen.Seltsamerweise schwärmte ich von dieser Tastatur, war jedoch geblendet von ihrem Geräuschund dem Gefühl, ohne zu Wissen, dass das wahre Glück für mich ganz anders auszusehenhatte. Es folgte die teuerste Tastatur des selben Herstellers in der Hoffnung, dass es nur nochbesser werden konnte, jedoch verlor das Gerät die Präzision und den hölzernen Klang desVorgängers. Eine Rückkehr war unmöglich, da sich das Anschlusssystem am aktuellen Rechnergänzlich geändert hatte. Nach einen Unfall mit einem süßen, klebrigen Getränk, dass sichunterhalb der Tasten sammelte, wurde diese Tastatur wiederum durch dasselbe Modellersetzt, wurde erneut zerstört (nach einer Reinigung wollten sich nicht mehr alle Tasten inihren Halterungen festkrallen) und durch eine belanglose Funktastatur ersetzt, die zufällig zurHand war.An dieser Stelle muss ein größerer Absatz eingefügt werden, den es kam zum Bruch mit meinem langjährigen Vertrautem, dem Windows‐PC. Und alles wurde besser. Denn nunprangte ein Apfel, das Symbol der Kreativen auf der Notebook‐Klappe. Nur auf der zusätzlichangeschlossenen Tastatur fehlte dieses Zeichen noch, stattdessen ?latterten an jener Stellenoch immer mehrere Flaggen, die gemeinsam ein Fenster darstellten. Zu meiner kreativen
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