/  3
 
Radioüber AllundNetz
 
Mehr Sen-der, besserer Klang und Zu-satzinfos im Display: Digital-radio ist die Zukunft. testsagt, welche Übertragungs-wege und Techniken Sieheute schon nutzen können.
Digitales Radio
Digitales Radioper Satellit
Gratis-Beigabe mit Star-qualitäten
Mehrere HundertRadiosender gibt es zusätzlichzum Satelliten-TV frei Haus.
Verbreitungsweg.
 
Das – schon längst
 digitale – Satellitenfernsehen (DVB-S)bringt als Beigabe mehrere Hundert Ra-dioprogramme ins Wohnzimmer.
Voraussetzung.
Digitalempfänger,auch Receiver oder Set-Top-Box genannt,sowie eine meist auf die Astra-Familieausgerichtete Antenne, sprich Schüssel(siehe Fotos oben). In Haushalten mitdigitalem Sat-TV ist beides vorhanden.
Programme.
Mehrere Hundert, nebendeutschen und deutschsprachigen findensich auch internationale. Jazzfreundeschwören auf entsprechende Sparten-sender aus Frankreich. Meist sind einigeRundfunkangebote auf den oberen Pro-grammplätzen der Receiver schon ein-
 
gestellt. Es lohnt sich dennoch, den Sen-dersuchlauf zu starten und gezielt nach
 Sendern zu fahnden – die ARD etwa will
ab Mitte September ihr gesamtes Hörfunk-angebot via Sat zur Verfügung stellen.
Technik.
DVB-S-Radio nutzt das Kom-pressionsverfahren MPEG-1/Layer 2mit Datenraten von 192 bis 320 Kilobit/Sekunde. Mehrere ARD-Sender strahlenauch Konzerte im Fünfkanalton aus.
Kosten.
Keine, falls der Nutzer Sat-TVhat, andernfalls ab 50 Euro für die Box.Die Programme kosten, abgesehen vonRundfunkgebühren, nichts. Zusätzlichim Angebot sind verschlüsselte Bezahl-Audiokanäle, zum Beispiel von Premiere.
Gut zu wissen. 
Ideal ist eine Box mitdigitalem Ausgang – dann klingt auchStereo noch besser. So landet Musik au-ßerdem in Bestqualität auf MiniDisc-
oder CD-Rekorder. Wer Mehrkanalton via
 Dolby Digital genießen will, braucht
denDigitalausgang ohnehin. Mit einer digita- len
Sat-TV-Empfangskarte für den PClässt sich Musik mitschneiden und fürAudio-CD oder MP3-Spieler aufbereiten.
Digitales Radioper Internet 
Schlaraffenland für Hörermit Entdeckergeist
TausendeSender aus aller Welt lassen sichgratis via Internet und PC hören.
Verbreitungsweg.
Übers Internet: Tau-sende Stationen decken alle Stilrichtungenab: vom Rumba-Radio aus Venezuela (sie-he oben Screenshot) über Tango aus Bue-nos Aires bis zu Volksmusik aus St. Pölten.
Voraussetzung.
Am besten ein schnellerInternetzugang wie DSL mit Pauschaltarif.Außerdem: Computer mit Soundkarteab Windows 95, Linux oder MacOS 9 plusAbspielprogramm (zum Beispiel WindowsMedia Player, Winamp, Realplayer)und Webbrowser (Internet Explorer, Fire-fox, Opera oder andere).
Programme.
Mehrere Tausend. Vieleöffentlich-rechtliche und private Radiosta-tionen weltweit bieten ihr Programm paral-lel zu UKW und Satellit im Netz an, dazukommen reine Webradios. Einen Überblickbieten beispielsweise
www.surfmusik.deoder www.shoutcast.com.
 
Technik.
Viele Radiostationen nutzen„Real Audio“ oder „WMA“ (Windows Me-dia Audio). Diese Verfahren reduzieren dieDaten stark. Das stört aus den Mini-Boxenam PC als Hintergrundmusik beim Briefe-schreiben nicht, über eine hochwertigeHiFi-Anlage aber schon. Nur mit Tricks undQualitätsverlust lassen sie sich in MP3umwandeln oder als CD brennen. Attrak-tiver: Die reinen Webradios, die häufig imMP3-Format senden. Ab einer Übertrag-ungsrate von 128 Kilobit/Sekunde klingensie auch über die Anlage gut.
Kosten.
Fallen nur für die Datenüber-tragung an, bisher sind dafür noch keineRundfunkgebühren zu zahlen.
 Gut zu wissen.
Mit manchen Abspiel-programmen lässt sich Internetradio imMP3-Format bequem auf die Festplattetransferieren – als Futter für MP3-Spieler.Programme gibts beispielsweise unterwww.quinnware.com (unentgeltlich) oderwww.radiotracker.de (14,90 Euro).
Sat-Radio kontra Kurzwelle:Lesen Sie auf Seite 46 mehr darüber,wohin die Reise geht.
 
Verbreitungsweg.
Auch für Kurz-,Mittel- und Langwelle gibt es eine digita-le Betriebsart. Sie trägt den Namen
„Digital Radio Mondiale“ (DRM) und ging
 im Juni 2003 in den Regelbetrieb.
Voraussetzung.
Ein spezielles DRM-fähiges Radiogerät oder ein Spezial-USB-Empfänger für Betrieb an PC oder Note-book. Von beiden Typen gibt es bishernur eine Handvoll. test hat je einen Ver-treter unter die Lupe genommen und warenttäuscht. Sowohl der USB-Empfänger„Digital World Traveller“ von CodingTechnologies (siehe Foto, Gerät links) alsauch der Mayah DRM 2010 schwächelnin der Empfangsleistung: Zwar fehlte dasfür Kurzwelle typische Rauschen und
Pfeifen, dafür neigen beide bei schwachem
 Signal zu Aussetzern. Selbst ein PC kannzu Störungen führen. Ein analoger, wirk-lich hochwertiger Weltempfänger ist des-halb auch heute noch die bessere Wahl.
Programme.
Etwa 15 deutschsprachigeSender, rund 60 in Europa. Mit dabei:
der Bayerische Rundfunk und die Deutsche
 Welle, die Kurzwellenprogramm in DRM-Norm senden. Im Bürohaus am BerlinerLützowplatz empfingen wir nur Deutsch-landradio, dessen Sender in Berlin steht.
Technik.
DRM ermöglicht im Prinzipdie Ausstrahlung mit sehr großer Reich-weite: Ein oder zwei Sendemasten könn-ten ganz Europa versorgen.
Kosten.
Zur Rundfunkgebühr kommtder Gerätepreis – und der ist hoch. Die
beiden Spezialradios kosten rund 235 Euro(Digital Traveller) und 800 Euro (Mayah).
Gut zu wissen.
Mit einer hochwertigenAußenantenne lässt sich der Empfang
ver-bessern. Ob analoge oder digitale Kurz-welle
– ob man was hört, hängt auch vonder Tageszeit ab. Der Empfang ist nachtsvielfach besser als am Tag.
Digitales Radio überMittel-/Kurzwelle 
„Weltradio“ für den großenGeldbeutel
Beachtliche Reich-weiten sind möglich, Empfängeraber kostspielig und unausgereift.
Digitales Radioper DVB-T 
Stiefkind mit Zukunfts-chancen
Bald sollen die ersten30 Hörfunkprogramme alsBeigabe zu DVB-T starten.
Verbreitungsweg.
Auch im Verbundmit Digitalfernsehen via Antenne (DVB-T)kann digitaler Hörfunk gesendet werden.Fernsehempfang über diesen Weg ist be-reits in vielen Ballungsräumen Deutsch-lands Realität. Die Übertragung von Hör-funk dagegen ist im DVB-T-Standard zwarvorgesehen, aber bisher nicht realisiert.
Voraussetzung.
Ein Spezialempfänger,genannt DVB-T-Receiver oder -Box (siehetest 5/05, Seite 61), und eine Haus- oderZimmerantenne, abhängig vom Emp-fangsgebiet. Außerdem muss der Nutzerin einem DVB-T-Sendegebiet wohnen.Wer bereits DVB-T sieht, kann die alteBox nutzen. Für den mobilen Einsatz gibtes auch Sets aus Steckkarte und Minian-tenne fürs Notebook (siehe Foto oben).
Programme.
Bisher keine. In der Regi-on Berlin/Brandenburg soll es mit Er-scheinen dieses Hefts im Testbetrieb andie 30 Hörfunkprogramme geben – zu-nächst auf ein Jahr befristet. Daruntersind zwölf Sender des Digitalreceiver-Her-stellers Technisat wie Star*Sat Country,oder Euroklassik 1. Davon abgesehenherrscht bis auf weiteres in Deutschlandaber auf dieser Welle Funkstille.
Technik.
DVB-T-Radio ist eine Erwei-terung des Fernsehbegleittons.
Kosten.
Außer den Rundfunkgebührenkeine, falls der Nutzer bereits DVB-T emp-fängt. Ansonsten fallen ab 80 Euro füreinen Empfänger an. Falls der Radio-freund per Zimmerantenne empfangenwill, kommen noch ab 10 Euro dazu.
Gut zu wissen.
Selbst wenn sich ande-re DVB-T-Regionen anschließen, bleibtdieser Übertragungsweg von Hörfunk denRadiofreunden auf dem flachen Land ver-sperrt. Denn außerhalb der Ballungs-räume soll DVB-T aller Voraussicht nachgar nicht eingeführt werden.
Digitales Radioüber DAB 
UKW-Ersatz kommt nichtin Fahrt
Seit Jahren schondümpelt DAB vor sich hin:zu wenig Sender, teure Geräte.
Verbreitungsweg.
Über das
 
terres-trische Verfahren DAB (Digital AudioBroadcasting): Es steht in Konkurrenzzum analogen UKW-Rundfunk.
Voraussetzung.
Ein spezielles DAB-Radio. Davon gibt es in Deutschland der-zeit rund 50, darunter Autoradios, Tisch-und tragbare Geräte, meist auch fürUKW. Wir haben zwei erprobt. Das Er-gebnis: Die DAB-Empfangseigenschaftenließen sowohl beim tragbaren „Elan“von Pure (150 Euro) als auch beim„DigitRadio DAB“ von Technisat für 160 Euro(Foto oben rechts) zu wünschen übrig.Was den Klang angeht, ist das Technisat-Gerät zwar ausgeglichen, erzeugt aberkeinen sehr hohen Schalldruck. Und dertragbare Elan taugt nur fürs Strandbad –Kofferradio bleibt eben Kofferradio.
Programme.
Je nach Standort zwi-schen etwa 4 und 16. Das Angebot istnicht nur von Bundesland zu Bundes-land, sondern auch innerhalb der Länderunterschiedlich. Was gesendet wird,hängt vom Willen örtlicher Programm-veranstalter und Landesmedienanstaltenab. Ergebnis: Der Deutschlandfunk istbundesweit per DAB zu hören, aber jenach „lokalem Ausstrahlungspaket“ istder Sender zu wechseln. DAB kranktnoch an geringer Sendeleistung und zuwenigen Kanälen, was im Alltag stört:Im Bürogebäude am Lützowplatz in Ber-lin fanden wir nur zehn Programme.
Technik.
DAB kommt als digitalesÜbertragungsverfahren der CD-Qualitätvergleichsweise am nächsten. Es eignetsich auch zur Übermittlung von Grafiken,Verkehrsdaten und Videosequenzen.
Kosten.
Ab 130 Euro für das Gerät. Da-zu kommen die Rundfunkgebühren.
Gut zu wissen. 
Für Empfang im
 
Autoist oft eine spezielle Antenne nötig.
DIGITALES RADIO
Bild
+
Ton
9/2005
ts
45

Share & Embed

More from this user

Add a Comment

Characters: ...