MEINUNGSBAROMETER DIGITALER RUNDFUNK | Juni 2008
NACHRICHTEN
Seit Mitte Juni ist Deutschlands erster DVB-H-Radiosender auf Sendung. Der Comedy-und Karaoke-Kanal „MyFun Radio“ wirdüber die Plattform Mobile 3.0 übertragen.Hinter dem Sender steht das Radiokonsor-tium DIGITAL 5. „Wir sind den deutschenLandesmedienanstalten dankbar, dass sieauch innovatives Radio für diese neuedigitale Plattform vorgesehen haben“, soHans-Dieter Hillmoth, Geschäftsführer beiDIGITAL 5. Momentan ist das DVB-H-Signalnur in Hamburg, Hannover, Frankfurt/Mainund München aufgeschaltet. Der eigentlicheStart der DVB-H-Plattform soll im Herbsterfolgen. „MyFun Radio“ überträgt Zusam-menschnitte aus den Comedy-Redaktionender sechs am Konsortium beteiligten Radio-stationen sowie Aktuelles zu den Ereignis-sen des Tages und Live-Programme nam-hafter Künstler. Abends wird ein Karaoke-Programm gesendet. Durch die DVB-H-Technik wird es möglich, parallel zur Musikden Song-Text auf dem Handy-Displaydarzustellen. Auf einem Fachsymposium sind Ende Maiin Kaiserslautern die Ergebnisse einesDRM+-Feldversuchs vorgestellt worden. SeitMärz dieses Jahres läuft an der Fachhoch-schule Kaiserslautern ein UKW-Versuchs-sender, der den neuartigen digitalen Stan-dard „Digitale Radio Mondiale Plus“ (DRM+)ins Stadtgebiet und ins Umland abstrahlt.Nach Auskunft der FH Kaiserslautern ist esin dem Projekt weltweit erstmals gelungen,die komplette Übertragungskette für DRM+zu realisieren. Joachim Lehnert von der eben-falls am Projekt beteiligten Landeszentralefür Medien und Kommunikation (LMK)Rheinland-Pfalz erklärte, DRM+ könnte dasSystem sein, das gerade für den regionalenund lokalen Hörfunk den Weg in die digitaleWelt weise. DRM+ ist konform zum UKW-Raster.Die derutec GmbH & Co. KG, ein Dienst-leister für den Betrieb von UKW-Sendern,hat Klage gegen die von der Bundesnetz-agentur (BNetzA) im April veröffentlichten„Eckpunkte zur Vergabe von Frequenzendes terrestrischen Rundfunkdienstes“ ein-gereicht. Das Gemeinschaftsunternehmenvon RTL Radio Deutschland und der REGIOCAST begründet die Klage mit demfehlenden Wettbewerb beim Sendernetz-betrieb in Deutschland. Laut derutec-Ge-schäftsführer Florian Fritsche hätten dieRadiosender bisher keine Chance, auf die Auswahl des Sendernetzbetreibers Einflusszu nehmen. Außerdem kritisiert die derutec,dass laut dem Eckpunktepapier der BNetzAdem Bewerber, der eine „maximale Versor-gung“ sicherstelle, der Vorzug zu gewährenist. Dies diskriminiere Wettbewerber, diekeinen Zugang zu den höchsten Sender-standorten hätten, aber dennoch von demVersorgungsanspruch genügenden Stand-orten sendeten.
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Interview
Helwin Lesch, Leiter Hauptabteilung BR-Programmdistribution
DLM oder gegenseitige Einladungen zwischenPrivatfunkverbänden und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind weitere Beweisedafür, dass beide Seiten des dualen Rund-funks in dieser Frage eng zusammenwirken.So konnte ein Konsens über das Frequenz-nutzungskonzept, die Anforderungen anEndgeräte und den zukünftig zu verwenden-den Standard sowie die Leitlinien zur Migra-tion auf ein effizienteres Codierverfahrenerzielt werden. Problematisch bleibt, dassdie Finanzierung für diesen langen Umstiegsowohl für den privaten wie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk derzeit noch nicht be-friedigend gelöst ist.
Halten Sie das Verfahren der KEF, diePrivaten in die Konsensfindung einzu-beziehen, insgesamt für geeignet?
Grundsätzlich hat die KEF an einigen Stellenrichtige Fragen gestellt. Auch der Ansatz,ein breites und abgestimmtes Vorgehen vonöffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunkzu fordern, ist nachvollziehbar und richtig.Tatsächlich findet diese Abstimmung ja, wiegeschildert, bereits auf vielen Ebenen statt.Zu bezweifeln ist allerdings, ob die KEF-For-derung nach einer Zustimmung privater Wett-bewerber zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks der richtige Weg ist.
Welche Signale hinsichtlich der Entwick-lung des Gesamtkonzeptes kommenbisher aus der Politik sowie aus Industrieund Handel?
Mit dem erfolgreichen Abschluss der Funkver-waltungskonferenz stehen für den digitalenterrestrischen Hörfunk weitere Frequenzenin beachtlichem Umfang zur Verfügung.
Herr Lesch, wie muss aus Ihrer Sicht dasneue Gesamtkonzept für den digitalenHörfunk in Deutschland aussehen?Helwin Lesch:
Konsens zwischen allen Markt-beteiligten ist, dass der digitale terrestrischeHörfunk einen eigenständigen Verbreitungs-weg benötigt, um seine besonderen Stärkenausspielen zu können.Die für DAB errichtete Senderinfrastruktur ist technologieneutral, das heißt, darüber kön-nen Programme und Dienste in DAB, DAB+und/oder DMB verbreitet werden. Daher spricht viel dafür, diese Netzinfrastruktur wei-ter zu verwenden.Schon angesichts der Vielzahl existierender UKW-Empfänger ist von einem längerenUmstellungszeitraum auszugehen. Politik,KEF, öffentlich-rechtliche und private Pro-grammanbieter benötigen also einen langen Atem, um dieses Ziel zu erreichen.
Wie ist der derzeitige Stand? Auf welcher Ebene werden Gespräche innerhalb der ARD, mit dem Deutschlandradio und denPrivaten geführt und was sind die erstenErgebnisse?
Seit Jahren finden intensive Gespräche zwi-schen öffentlich-rechtlichem und privatemRundfunk zu diesem Thema statt. Die Pro-duktions- und Technik-Kommission von ARD,ZDF und Deutschlandradio (PTKO) und dieTechnische Kommission der Landesmedien-anstalten (TKLM) haben gemeinsam sehr weitreichende und detaillierte Vorschläge für den neuen digitalen terrestrischen Hörfunkerarbeitet. Auch im Rahmen des von Bundund Ländern eingesetzten Forums DigitaleMedien wurden gemeinsame Konzepte er-arbeitet. Spitzengespräche zwischen dem ARD-Vorsitzenden und dem Vorsitzenden der
Zweifel am KEF-Verfahren zur künftigenFinanzierung des digitalen Radios
Der Leiter der Hauptabteilung Programm-distribution beim Bayerischen Rundfunk, Hel-win Lesch, hat das Verfahren kritisiert, welchesdie Kommission zu Ermittlung des Finanz-bedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) anwen-det, um ARD und Deutschlandradio zusätz-liche Mittel für digitales Radio freizugeben.„Zu bezweifeln ist, ob die KEF-Forderungnach einer Zustimmung privater Wettbewerber zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichenRundfunks der richtige Weg ist“, sagte Leschim Interview mit dem Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk. Die KEF hat die Freigabevon 30 Mio. Euro für die ARD und 12 Mio.für das Deutschlandradio an ein Gesamtkon-zept zur Entwicklung des digitalen Hörfunkgeknüpft, das sowohl von öffentlich-rechtlichenals auch privaten Sendern mitgetragen wird.
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