Der Nordpol-Preis by Caroline Mickelson by Caroline Mickelson - Read Online

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Der Nordpol-Preis - Caroline Mickelson

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Mickelson

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Kapitel Eins

„Der Weihnachtsmann will mich sehen? Garrett McCree sah von seinem Schreibtisch auf und musterte den Elf, der vor ihm stand. „Sicher, Rapz?

Der Elf nickte mitfühlend. „Jupp, positiv. Der Boss hat mich gebeten, Sie persönlich zu seinem Büro zu geleiten."

„Ein persönlicher Begleitservice? Das kann nichts Gutes bedeuten." Garrett lehnte sich in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Hände hinter seinem Kopf, während er nachdachte. Er wusste vom Hörensagen, dass Rapz es grundsätzlich schaffte, jeden einzelnen Befehl, den er jemals erhalten hatte, durcheinanderzubringen. Aber jetzt, unter Garretts prüfendem Blick, schien Rapz sich seiner Sache ziemlich sicher zu sein. Garrett war noch nie in das innerste Heiligtum von Christmas Central bestellt worden, aber es gab für alles ein erstes Mal, nicht wahr?

„Na los." Rapz bedeutete ihm, aufzustehen, aber Garrett Angus McCree war keiner, der sich für irgendjemanden beeilen würde. Nicht einmal für den Weihnachtsmann.

„Alles zu seiner Zeit, Rapz, alles zu seiner Zeit. Mit äußerster Sorgfalt rollte Garrett die Pläne zusammen, an denen er gearbeitet hatte, und ließ sie in eine Papphülse gleiten. Mit ebenso viel Liebe zum Detail sammelte er seine Zeichenstifte ein und ordnete sie in eine Schublade. „Und Sie haben keine Ahnung, was der Weihnachtsmann mit mir besprechen möchte?

Rapz zuckte die Schultern. „Mr. C weiht mich üblicherweise in so einige seiner Geschäfte ein, aber nicht dieses Mal. Er beugte sich vor und stützte seine Hände auf Garretts Schreibtisch ab. Seine Augen wurden größer. „Haben Sie Angst, dass Sie in der Klemme stecken?

Garrett nickte ernst. „Jo, wenn es Sie interessiert, Rapz, ich bin äußerst besorgt, dass meine vielen Sünden mich schließlich doch eingeholt haben. Er rutschte vom Schreibtisch zurück und schaltete die Lampe aus. „Ich habe immer gewusst, dass meine Verfehlungen eines Tages ans Licht kommen würden.

Rapz, dessen filzbedeckte grüne Puschen plötzlich am Boden festgewurzelt schienen, machte keine Anstalten, Garrett zur Tür zu folgen. Seine Augen weiteten sich noch mehr. „Was genau haben Sie getan?"

„Das wage ich Ihnen nicht zu erzählen, Rapz. Ich würde nicht wollen, dass Sie als Komplize angeklagt werden. Er öffnete seine Bürotür und zeigte auf die Treppe, die zum Zentralen Büro des Weihnachtsmannes führte. „Ich werde Ihnen folgen und verspreche Ihnen, dass ich nicht abhauen werde.

Rapz schüttelte den Kopf und ging durch die Tür, die Garrett ihm aufhielt. „Ich weiß nie, wann ich Sie ernst nehmen soll und wann nicht. Ich persönlich finde, Sie sehen harmlos aus, aber die Leute sagen –"

„Ich weiß, was sie sagen."

Rapz hielt plötzlich inne und sah ihn an. „Das wissen Sie?"

„Jo, das tue ich."

„Und es kümmert Sie nicht?"

Garrett schüttelte den Kopf. „Warum sollte es? Irgendjemand muss doch der Miesepeter des Nordpols sein. Warum nicht der Schotte in den Tiefen des Kerkers?"

Rapz begann sich wieder in Bewegung zu setzen, die Glöckchen an seinen Pantoffeln bimmelten bei jeder Stufe. „Ich würde Ihr Büroensemble kaum einen Kerker nennen. In Wahrheit würde ich sagen, haben Sie ein ziemlich nettes Setting, Herr McCree."

Garrett war ganz seiner Meinung, sagte aber nichts, während sie den verwinkelten Flur durchquerten, der zum Büro des Weihnachtsmannes führte. Die Gerüchte, dass er ein mürrischer Einsiedler sei, kümmerten Garrett nicht im Geringsten, weil sie ihm Privatsphäre verschafften. Privatsphäre bedeutete Ruhe und Frieden, und das war ihm wichtiger als alles andere. Sein Leben bot ihm kaum einen Grund zur Beschwerde.

„Werter Herr, bei allem Respekt, ich möchte eine offizielle Beschwerde einreichen."

Der Weihnachtsmann lachte herzlich. „Lehn´ dich zurück, Garrett, und vergiss diesen „Werter Herr-Quatsch. Ich kenne dich, seit du ein Kind warst. Seit wann siezen wir uns?

„Seit... noch nie." Garrett sank zurück in den roten