Fürstenkrone 2 - Adelsroman by Norma Winter by Norma Winter - Read Online

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Fürstenkrone 2 - Adelsroman - Norma Winter

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Fürstenkrone –2–

Die Frau, die er liebt – einem anderen versprochen

… darf sich Felix wirklich keine Hoffnung machen?

Roman von Norma Winter

»Willst du es dir nicht doch noch einmal überlegen, Laura? Ich weiß, dein Flug ist gebucht und die Koffer sind gepackt. Außerdem hast du bereits deine Papiere abgeholt und dich von allen Leuten verabschiedet. Doch glaub mir, das alles kann man mit ein paar Telefonanrufen rückgängig machen!«

Der junge Mann, der Laura Lorentz an einem Tisch in der Hotelhalle des großen amerikanischen Hotels gegenübersaß, sah sie erwartungsvoll und bewundernd zugleich an.

Sie war ein bildhübsches junges Mädchen mit schulterlangen dunkelbraunen Haaren, großen tiefblauen Augen und einer Haut wie Porzellan, und er mochte sich gar nicht vorstellen, wie es sein würde, wenn er sie nicht mehr jeden Tag hier im Hotel – ihrem gemeinsamen Arbeitsplatz – sah.

Baroness Laura schüttelte mit einem verzagten Lächeln den Kopf.

»Mach es mir doch nicht so schwer, Tom«, sagte sie. »Du weißt selber, wie gern und mit wie viel Freude ich in eurem Team gearbeitet habe.«

»Fahr nicht weg, Laura!«, bat er. »Es wäre großartig, wenn du bleiben und weiter bei uns im Hotel arbeiten würdest! Du weißt, du wirst hier gebraucht. Wir können uns wahrhaftig nicht vorstellen, wie es ohne dich gehen soll. Und außerdem haben wir alle dich sehr, sehr gern.«

»Es ist nett, dass du das sagst, Tom«, antwortete Laura lächelnd.»Mir hat es auch Spaß gemacht, und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Aber nun möchte ich endlich wieder nach Hause. Sieh mal, ich bin sowieso einige Monate länger geblieben, als ich eigentlich vorhatte.«

»Und ich kann dich wirklich nicht umstimmen?«

Sie schüttelte lachend den Kopf.

»Wirklich nicht, Tom. Mein Flug ist gebucht, meine Koffer sind gepackt. Es war schön bei euch, aber jetzt will ich nur noch nach Hause.«

Im gleichen Moment fiel ihr ein, dass es so etwas wie ein richtiges Zuhause für sie nicht mehr gab.

»Nach Hause«, murmelte sie, und es klang bedrückt. Sie vermied es, Tom anzusehen, und sie schob ihre Kaffeetasse von sich, der Kaffee darin war kalt geworden.

»Ich freue mich darauf, meinen Vater wiederzusehen, meine Heimatstadt, das Haus, in dem ich aufgewachsen bin«, sagte sie mit gespielter Munterkeit. »Und ich kann es kaum erwarten, meine Mutter zu besuchen.«

»Leben deine Eltern getrennt?«, fragte Tom verwundert.

»Ja«, sagte sie kurz, und irgend­etwas in ihrem Tonfall verbot es ihm, weiterzufragen. Laura stand auf und griff nach ihrer Tasche. »Ich muss gehen, sonst verpasse ich noch mein Flugzeug«, meinte sie. Sie umarmte Tom und küsste ihn abwechselnd rechts und links auf beide Wangen.

»Ich kann dich leider nicht begleiten, es gibt einfach zu viel zu tun«, erwiderte er bedauernd. »Aber ich habe unseren Fahrer gebeten, dich mit der Hotellimousine zum Flughafen zu bringen. Und der Abschieds-Kaffee geht natürlich aufs Haus!«

»Danke, Tom, du bist ein lieber Kerl«, sagte Laura, und sie konnte nicht verhindern, dass sie auf einmal Tränen in den Augen hatte. »Ich werde dich schrecklich vermissen. Euch alle …«

»Wir dich auch – und ich ganz besonders«, gestand er leise und wollte sie gar nicht aus seiner Umarmung loslassen. Noch lange sah er ihr nach, wie sie mit flotten Schritten die Hotelhalle durchquerte und im Vorbeigehen den Kollegen, die am Empfang arbeiteten, zuwinkte.

*

Zur gleichen Zeit saß Harro Baron von Lorentz im obersten Stockwerk eines Bürogebäudes aus schimmerndem Stahl, spiegelndem Glas und Beton einem Mann mit kantigem Gesicht und kalten Augen gegenüber. Sein dunkelgrauer Anzug aus feinstem Tuch verriet den erstklassigen Schneider, und seine Schuhe waren Handarbeit. Eine überdimensionale Schreibtischplatte aus schwarzem poliertem Holz trennte sie, aber es hätte nicht dieser Trennung bedurft, um zu sehen, wie gegensätzlich die beiden Männer waren.

Baron Harro hatte sichtlich Sorgen, die ihn niederdrückten und dem anderen konnte man ansehen, dass er auf einer Woge des Erfolgs schwamm. Der Baron hatte kaum einen Blick für den elegant eingerichteten Raum, durch dessen Fenster man einen atemberaubenden Ausblick über die Dächer der großen Stadt hatte. Er saß bedrückt und mit hängenden Schultern in dem schwarzen Ledersessel, wagte kaum aufzusehen, während sein Gegenüber ihn unbarmherzig musterte und dabei mit einem gläsernen Lineal spielte.

»Ich kann Ihnen keinen Kredit mehr geben, Lorentz, tut mir leid!«, sagte er kühl. »Sie sind zu tief verschuldet, ich kann das nicht mehr verantworten.«

»Aber – meine Mitarbeiter, meine Arbeiter, meine Angestellten – sie verlieren ihre Arbeitsplätze«, sagte Harro von Lorentz. »Herr Cohnen, meine Firma steht vor dem Bankrott.«

»Daran hätten Sie früher denken sollen«, sagte Pieter Cohnen.

»Bitte, Herr Cohnen, können Sie mir nicht noch einmal, nur einmal noch, helfen?«, bat Harro Lorentz mit flehender Stimme.

»Ich habe Ihnen oft genug aus der Patsche geholfen, mein Lieber«, entgegnete der andere mit kalter Stimme. »Aber diesmal ist es genug. Ich kann nicht immer und immer wieder die Fehler ausbügeln, die Sie machen.«

… und zu denen Sie mich getrieben haben, dachte Baron Harro bitter, aber er sprach es nicht aus.

Zu immer neuen, verlockenden Projekten, zu immer neuen Krediten in schwindelerregender Höhe hatte Pieter Cohnen ihn verleitet, in Unternehmungen einzusteigen, die hohen Gewinn versprachen, aber deren Dimensionen er am Ende nicht mehr überschauen konnte. Als Baron Harro merkte, dass die Dinge schiefzulaufen begannen, griff er sein eigenes, beträchtliches Vermögen an. Als das nicht mehr ausreichte, nahm er Kredite auf, um damit an der Börse zu spekulieren – und verlor.

»Ich … ich bin … am Ende«, murmelte er, und Verzweiflung klang aus seiner Stimme. Pieter Cohnen musterte ihn mitleidlos.

»Wer hoch hinauswill, der fällt manchmal tief«, sagte er ungerührt. »Wie geht es eigentlich Ihrer hübschen Freundin?«

Harro zuckte zusammen. Dieser Mann schien aber auch alles über ihn zu wissen. Er gab keine Antwort. Er hasste es, wenn Pieter Cohnen in seinem Privatleben herumschnüffelte. Aber der ließ nicht locker.

»Hübsche Frauen kosten Geld – und nicht nur das. Sie kosten auch Zeit, nicht wahr? Sehen Sie, lieber Herr Baron, Sie waren in den letzten Monaten wirklich sehr mit ihren privaten Angelegenheiten beschäftigt – und das rächt sich«, meinte er herablassend. Er lächelte bei seinen Worten. Es war ein Lächeln, das nur um seinen schmalen Mund spielte, aber seine Augen nicht erreichte. »Ist es nicht so?«

Harro von Lorentz bewahrte bei Cohnens Worten mühsam die Ruhe. Die private Angelegenheit, auf die sein Gegenüber anspielte, war seine Beziehung zu der schönen Ingrid Benedikt. Er hatte Ingrid vor zwei Jahren auf einem Golfturnier kennen gelernt, und er war ihr vom ersten Augenblick an verfallen gewesen.

Ingrid, dachte er und spürte ein fast schmerzliches Ziehen in seiner Brust. Noch immer konnte er es nicht fassen, dass diese wunderschöne, wundervolle junge Frau sich von ihm, der nicht mehr der Jüngste war, hatte erobern lassen. Wie besessen war er von dem Verlangen gewesen, ihr nahe zu