Toni der Hüttenwirt 87 - Heimatroman by Friederike von Buchner by Friederike von Buchner - Read Online

Book Preview

Toni der Hüttenwirt 87 - Heimatroman - Friederike von Buchner

You've reached the end of this preview. Sign up to read more!
Page 1 of 1

Toni der Hüttenwirt –87–

Amelie baut gerne Luftschlösser …

… bis sie ein Bergler unter seine Fittiche nimmt

Roman von Friederike von Buchner

Bello, der junge Neufundländerrüde, lag auf der Terrasse der Berghütte und döste in der Sonne. Toni und Anna saßen an einem Tisch in der Nähe. Sie machten eine kleine Pause und tranken ihren Kaffee, wie jeden Morgen, wenn die Hüttengäste zu ihren Wanderungen aufgebrochen waren.

Plötzlich hob Bello den Kopf und stand auf. Er wedelte mit dem Schwanz, bellte kurz und rannte los. Er stürmte laut bellend über das Geröllfeld in Richtung der Einmündung des Bergpfades, der von der Oberländer Alm heraufführte. Noch bevor sich Toni, Anna und der alte Alois fragen konnten, was der Grund für Bellos Verhalten war, sahen sie Mira auf Bello zurennen. Mira war die junge Pointerhündin von Doktor Martin Engler, dem Arzt aus Waldkogel. Er war ein guter Freund von Toni.

Bello und Mira tobten ausgelassen über das weitläufige Geröllfeld. Dann kam Martin den Pfad herauf. Er trug einen Rucksack und eine Bergsteigerausrüstung. Mit großen Schritten ging er auf die Berghütte zu.

Toni stand auf und wartete an der Treppe auf ihn, die mit wenigen Stufen zur Terrasse der Berghütte heraufführte.

»Grüß Gott, Martin!«

»Grüß Gott, Anna! Grüß Gott, Toni und Alois!«

Martin streifte seinen Rucksack ab und stellte ihn auf den Boden.

»Du willst eine Bergtour machen?« fragte Toni.

»Ja, ich dachte, wenn ich euch besuche, dann kann ich von hier aus mal wieder auf den ›Engelssteig‹. Ich war schon lang’ nimmer oben. Was ist mit dir, Toni? Willst net mitkommen?«

»Wollen schon! Wie kannst des fragen, Marin? Können! Ich werde es mir überlegen.«

Anna mischte sich sofort ein.

»Toni, geh’ ruhig mit. Alois und ich kommen gut ohne dich aus!«

»Hast du gehört, Martin? Meine Anna will mich loswerden. Ich bin hier überflüssig!«

Alle lachten. Martin setzte sich mit an den Tisch. Toni holte ihm auch einen Kaffee.

»Wann willst du rauf auf den Gipfel?«

»Morgen früh! Habt ihr noch einen Schlafplatz?«

»Wir sind voll, aber für dich haben wir immer einen Platz. Kannst bei uns im Wohnzimmer nächtigen. Bist ja ein Freund der Familie.«

Alois sah Martin neugierig an.

»Kannst du deine Praxis alleine lassen? Bist schon lange nimmer über Nacht bei uns gewesen.«

»Des stimmt! Aber ich hab’ mir eine Vertretung besorgt, eine junge Ärztin.«

»Aha, eine junge Ärztin! Was hör’ ich da? Soso, und da läufst davon? Ist sie häßlich?«

Der junge Arzt schüttelte den Kopf.

»Alois, ich weiß schon, was dir im Kopf herumgeht«, lachte Martin. »Ihr denkt alle, daß es an der Zeit ist, daß ich heirate. Doch es ist net so einfach. Dazu muß erst noch die Richtige kommen.«

»Und die junge Ärztin ist net die Richtige? Ist sie net fesch?«

»Mei, fesch ist sie schon. Aber die ist in festen Händen. Sie ist verlobt mit einem Studienkollegen. Da ist nix zu machen. Die beiden wollen bald heiraten. Ich muß mich eben noch ein bissel gedulden. Es scheint noch net der Augenblick gekommen zu sein, daß ich an der Reihe bin, einem passenden Madl zu begegnen.«

Eine leise Traurigkeit lag in Martins Stimme. Toni versuchte ihn zu trösten.

»Kannst ja mal mit den Engeln auf dem ›Engelssteig‹ reden, wenn du oben bist!«

»Ja, des ist vielleicht keine schlechte Idee«, sagte Martin leise, dann wurde seine Stimme wieder fester. »Was ist jetzt, Toni? Kommst morgen mit?«

Toni warf Anna einen Blick zu. Diese nickte ihm aufmunternd zu.

»Ja, ich komme mit! Wir brechen gleich bei Sonnenaufgang auf. Dann sind wir oben die Ersten! Dann haben wir den Gipfel eine Weile für uns alleine. Das Wetter scheint auch gut zu sein. Es wird morgen früh keinen Nebel geben, denke ich.«

»Des ist doch ein Wort, Toni. Mei, ich freue mich! Weißt noch, wie wir als Buben oben waren?«

»Martin, sicher! Wie kannst fragen? Als wir das erstemal alleine oben waren, hatten wir vorher niemand etwas gesagt. Richtige Schulbuben waren wir noch. Mein Vater hätte mich nie ohne einen erwachsenen Bergführer auf den Gipfel gelassen.«

»Wir mußten es uns beweisen, Toni. Wir wollten erwachsen sein, nimmer als kleine Schulbuben angesehen werden! Mei, wenn ich heute daran denke, dann muß ich schon sagen, daß wir ein bissel leichtsinnig waren.«

»Des stimmt. Aber der Drang nach Abenteuer war eben stärker.

An des Donnerwetter von meinem Vater kann ich mich noch gut erinnern. Mei, hat der gebrüllt!« Toni grinste. »Aber stolz auf mich war er doch. Einige Tage später erzählte er mir, daß er des als Bub auch so gemacht hat.«

»Bald wird der Sebastian raufwollen, Toni!« warf der alte Alois ein.

»Möglich! Aber ich denke, er hat noch ein bissel Zeit. Wenn es soweit ist, dann bemerken wir hoffentlich etwas. Ich rede dann mit ihm und gebe ihm noch einige gute Ratschläge. Es ist besser, er klettert mit unserem Einverständnis hinauf als heimlich.«

»Rede doch mal mit dem Leo. Die Bergwacht bietet in den Ferien Freizeiten an, da lernen die Kinder – meistens sind es nur Buben – alles über die Berge. Sie lernen dabei auch viel über die Gefahren aus der Sicht der Bergwacht. Ich habe in solchen Ferienfreizeiten auch schon Vorträge gehalten, Toni.«

»Das ist eine gute Idee, Martin! Der Leo will ohnehin die Tage vorbeikommen und Bier herauffliegen.«

»So, Toni! Kommen wir zu der anderen Sache. Du weißt schon, weshalb du mich angerufen hast.«

»Du meinst die ärztliche Untersuchung wegen der Adoption vom Sebastian und der Franziska?«

»Genau! Kannst du mir mal die Papiere zeigen?«

Anna stand auf und eilte hinein. Bald kam sie mit dem Ordner zurück. Sie schlug ihn auf und legte ihn Martin vor.

»Hier, schaue selbst! Das sind die Vorgaben für das medizinische Gutachten.«

Martin schmunzelte, als er erst einmal die vielen Seiten durchblätterte und überflog.

»Was sich diese Bürokraten da alles so ausdenken!«

Doktor Martin Engler schüttelte den Kopf.

»Aber es hilft nix! Da müßt ihr eben durch, Toni, und du auch, Anna! Aber des sieht schlimmer aus, als es ist.«

Martin holte seinen Kugelschreiber aus der Innentasche seiner Wanderjacke.

»Wir haben erst mal alles mit Bleistift ausgefüllt, Martin. Der Fellbacher will sich des ansehen. Als Bürgermeister hat er auch die richtigen Kontakte, um im Vorfeld unsere Angaben prüfen zu lassen. Wenn des irgend etwas mißverständlich oder net günstig für uns ist, dann können wir im Original etwas anderes reinschreiben. So hat es sich der Fritz Fellbacher gedacht.«

Martin verstand. Aber er beruhigte Toni und Anna. Bei seinen Angaben gäbe es ohnehin nichts mehr zu ändern. Dann fragte er Toni und Anna ab. Alles wurde erfaßt, Gewicht, Größe, überstandene Krankheiten, Krankheiten in der weiteren Familie und so weiter.

Anschließend ging Martin zuerst mit Toni, dann mit Anna ins Schlafzimmer der Berghütte. Dort untersuchte er die beiden. Maß Puls und Blutdruck.

»Mußt kein Blut abnehmen?«

»Naa! Des schenke ich mir bei euch! Die wollen von mir nur wissen, ob alles im Normalbereich ist. Des ist es! Des Leben hier auf der Berghütte ist kein Zuckerschlecken. Wer des so bewältigt wie ihr, der ist net krank. Weißt, da machen wir gar net so viel Theater. Ich erkläre euch für gesund. Außerdem, was soll des ganze Getue? Ob ein Mensch die nächste Woche noch genauso gesund ist wie heute, des weiß doch allein nur der Herrgott! Da helfen auch alle Untersuchungen net. Des ganze Zeugs hier!« Martin deutete auf den Ordner. »Des ganze Zeugs hier, des halte ich für einen Schmarrn – besonders in eurem Fall. Die sollen froh sein, daß ihr beide euch der Bichler Kinder so angenommen habt.«

Martin füllte die Seiten aus. Dann setzte er Datum und Unterschrift darunter. Er holte aus dem Rucksack seinen Praxisstempel und drückte ihn darauf. Er hatte ihn extra aus der Praxis mitgebracht.

»So, des war’s! Ich habe auch hier noch einige Atteste geschrieben, eines über dich, Toni, eines über Anna und eines über die beiden Kinder. Die tut ihr dazu. Damit dürften die Vorschriften mehr als erfüllt