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Meine total verrückte Welt - Mike Schmitzer

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Mike Schmitzer

Meine total

verrückte Welt

Das Beste aus der Wochenblatt-Kolumne

„Verrückte Welt"

Ein Familienvater zwischen Midlifecrisis,

Teenagerwahnsinn und den Tücken des Alltags

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

ISBN 978-3-86646-752-1

© SüdOst-Verlag in der Battenberg Gietl Verlag GmbH, Regenstauf

Datenkonvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

www.gietl-verlag.de

Alle Rechte vorbehalten.

Titelbild: Fred Fuchs, Köln

In Liebe gewidmet meiner Frau Fidi, meiner Tochter Nina und meinem Sohn Fabian, die mir erlauben, unsere kleinen Familiengeschichten auszuplaudern.

Danke dafür, dass ihr nicht nur meine eifrigsten Leser, sondern auch meine härtesten Kritiker seid. Ohne euch wäre ich nicht der glückliche Mensch, der ich bin.

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www.facebook.com/mike.schmitzer

Inhalt

Ich bin peinlich

Der Reserve-Italiener

Hilfe, Zombies!

Ungst, ungst, ungst

Die Bravo

Der Held meiner Kindheit

Drückdich, Drückmich

Männer mögen es hart, laut und von hinten

Der, die, das?

Herr und Frau „Brauchmaned"

Der Löwe schläft heut’ Nacht

Die gute alte Schulzeit

Störenfriede im Kino

Hundeerziehung

Das peinliche Schweigen

Der Internetpatient

Beziehungsretter Navi

Der Bademeister

Die Magenspiegelung

Die Prä-Facebook-Ära

Der Feind in meinem Kopf

Ist so kalt, der Sommer

Ich packe meinen Koffer …

Wir schenken uns nix

Das neue Auto

„Hmm und „Hallo?

Das Alter ist eine Frage der Perspektive

Der Tennisarm des Nicht-Tennisspielers

Ist denn schon wieder Vatertag?

Warum ist FRAU eigentlich so wasserscheu?

Ich lieb’ dich nicht, du liebst mich nicht

Von Ober- und Niederbayern

Pfui Spinne

Ein magischer Moment

Der Zehn-Jahre-Trick

Der Bayer im Rest der Welt

Aussprüche, die wir nicht hören wollen

Auf Nummer sicher

Mysterien der Kindheit

Rück endlich den Kaffee raus!

Eine Bootsfahrt, die ist lustig

Der Mann als Unfall der Natur

Chaotisches Lagersystem

Die ungeschminkte Wahrheit

Die Holzkohlegriller

Vorname verzweifelt gesucht

Der Puh-Bär – Aufzucht und Hege

Um Leben und Tod

Krücken fürs Leben

Was macht ihr eigentlich Silvester?

Weniger ist nicht immer mehr

All-inclusive

Gleich sind wir da

Nur mal kurz

Immer diese Beifahrer

Wohin verschwinden Einzelsocken?

Vorsicht Frauenfilm

Fremdschlafen

Der erste Kuss

Ein richtiger Hund

Irrglaube und Wissenschaft

Hilfe, Klamotten!

Stubenhocker

Was Frauen wirklich wollen

Geheimnisvolles Lehrerzimmer

Friseurinnen gibt man nicht mehr her

Spricht hier jemand Geschenkisch?

Männlicher Kopfschmuck

„Da ist ein Zigarettenstummel auf meiner Pizza"

Das fliegende Smartphone

Eltern sein

Ich bin peinlich

Jeder Vater einer pubertierenden Tochter weiß genau, wovon ich spreche.

Meine Peinlichkeit beginnt schon am Morgen, wenn ich mich erdreiste, das Bad benutzen zu wollen, welches meine Tochter in Beschlag genommen hat. Als ich darauf bestehe, eingelassen zu werden, schallt es von der anderen Seite der Türe: „Ich muss mich jetzt aber fertig machen für die Schule. Ich habe es ja nicht so schön wie du."

Es kommt wirklich sehr selten vor, dass es mir die Sprache verschlägt …

Nein, sie hat es nicht so schön wie ich, der sich dem puren Vergnügen hingeben kann, die Brötchen für die ganze Familie und den magenkranken Feinschmeckerhund zu verdienen. Der mit Begeisterung jeden Monat die Raten für das Eigenheim und was sonst noch so alles anfällt bezahlt, und sich darüber freut, mit den restlichen Euro die stetig steigenden Ansprüche seiner beiden Sprösslinge zu befriedigen.

Nein, so schön hat es mein Töchterchen natürlich nicht. Denn sie muss ja zeitig zum Schulbus …

Bei den höchst selten stattfindenden gemeinsamen Spaziergängen achtet Fräulein Tochter auf einen Sicherheitsabstand von mindestens 15 Metern. Der peinliche Alte dort vorne? Das ist nur irgendein Fremder. Beachten Sie ihn einfach nicht.

Das Töchterchen erinnert sich erst wieder an die Familienbande, wenn sie in einem Schaufenster etwas Schnuckeliges entdeckt und ihr in diesem Zusammenhang einfällt, dass der fremde Alte im Besitz des Bargelds ist.

„Papa, schau mal, ist das nicht eine coole Hose?"

Als könnte ich das beurteilen. Die jungen Mädchen von heute tendieren dazu, grün und blau zu kombinieren und sich alles irgendwie eine Nummer zu klein zu kaufen. Aber das ist ja nur die Meinung eines peinlichen Alten.

Ist es für meine Tochter schon problematisch, wenn fremde Leute mich als ihren Vater identifizieren, so ist das bei Gleichaltrigen ein absolutes „No-Go".

Wenn ich das große Vergnügen habe, sie und ihre Freundin am Sonntag in die Jugenddisco chauffieren (und wieder abholen) zu dürfen, dann muss ich das Auto um die Ecke parken. So als wären die beiden mit dem Privatjet eingeflogen worden.

Ich bin ja, wie erwähnt, nicht nur peinlich. Ich bin auch noch alt – 50 um genau zu sein. Ein Greis quasi. Jenseits von Gut und Böse.

Interessanterweise findet meine Tochter Johnny Depp ziemlich cool. Und sie ist der Ansicht, dass er ziemlich gut aussieht.

„Der ist übrigens ein Jahr älter als ich, halte ich ihr vor. „Warum bitte ist Johnny Depp cool und ich bin peinlich?, möchte ich jetzt schon mal gerne wissen.

Aber sie verdreht nur die Augen.

„Hallo – du bist ja auch kein Schauspieler. Und was soll die komische Frage überhaupt?"

Dieses aufmüpfige „Hallo" benutzt mein Töchterchen bei unseren Gesprächen in jedem zweiten Satz, so als wäre ich etwas schwer von Begriff.

Meine These ist, dass man als Eltern nicht viel dagegen tun kann, in den Augen der pubertierenden Tochter als alt und peinlich zu gelten. Man kann nur hoffen, dass diese Phase schnell vorübergeht.

Wissen Sie, gestern war sie noch mein kleines Mädchen, das in meinem Arm Bücher mit Tierbildern angesehen hat. Das mit mir in der Badewanne geplanscht und mir quietschend einen Schaumbart angeklebt hat. Das meinen selbst erfundenen Gutenachtgeschichten gelauscht hat.

Und auch wenn ich jetzt peinlich bin: Ich lieb’ sie noch immer über alles.

Der Reserve-Italiener

Als Kellner eines italienischen Restaurants in Deutschland muss man ein echtes Sprachtalent sein. Es reicht nicht mehr, Bairisch und Deutsch zu verstehen, man muss auch bewandert sein im „Reserve-Italienisch".

Neulich beim Italiener: Eine vierköpfige Gruppe wichtig erscheinender „Business-Leute macht sich an meinem Nachbartisch auf den Plastikstühlen breit. Als der Kellner erscheint, begrüßt ihn einer der Männer – offensichtlich der Anführer – schon von weitem mit einem langgezogenen „Tschaaaaauuuuu. Ich wette, dass der Typ normalerweise darauf besteht, von jedem gesiezt zu werden. Zumindest die anderen drei Tischgenossen siezen ihn brav. Aber mit dem Kellner ist er per Du. Ich habe mich schon oft gefragt, warum unbedingt jeder mit dem Italiener und dem Griechen ums Eck per Du sein muss?

Der Kellner schauspielert Wiedererkennungsfreude (was tut man nicht alles für ein ordentliches Trinkgeld), hebt die buschigen Augenbrauen und flötet: „Ciao Signori, darf es schon etwas zu trinken sein? Und jetzt läuft unser Anführer zur Hochform auf: „Äh, drei Dings, ähm, Aqua Minerale ohne Gas – schee caldo – e una Birra äh spina – also alkoholfrei.

Der Kellner verzieht keine Mine und wiederholt die Bestellung auf Deutsch: „Drei kühle Mineralwasser und ein alkoholfreies Bier. Sehr gern."

Nun heißt „caldo eigentlich „warm und „Birra alla spina steht für „Bier vom Fass, aber woher soll das der Kellner wissen, denn er ist ja mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit selbst kein Italiener. Die Italienerquote unter den Kellnern in italienischen Restaurants ist nach meiner Erfahrung erstaunlich gering. Aber der deutsche Gast kennt ja ohnehin keinen Unterschied zwischen Italienern, Slowenen, Ungarn oder Kroaten. Hauptsache ein südländischer Typ serviert die Speisen. Apropos Speisen: Unser sprachkundiger Gast hat sich fest vorgenommen, die Sache durchzuziehen, und übernimmt jetzt für seine drei Kollegen die Bestellung. Und das klingt dann in etwa so:

„Also für mich einen Insalada mista, aber ohne Tomaten bitte, also senza Pomodori, und una Pizza Regina, aber nicht mit so viel Käse. Dann, ähm, uno mal Calamari alla griglia – die sind ja frisch, oder? – aber ohne Knoblauch. Wie heißt Knoblauch gleich wieder auf Italienisch? Egal. Dann brauchen wir noch uno Cotoletta Milanese, also paniert, mit Patatine fritto. Und was wollten Sie jetzt gleich wieder, Herr Dings? Ah ja genau: Rigatoni alla casa überbacken."

Der Kellner (inzwischen ist mir wieder eingefallen, dass er mir mal erzählt hat, aus Mazedonien zu stammen) nickt verständig, wiederholt abermals die Bestellung auf Deutsch und wendet sich nach einigen Schritten nochmal schwungvoll um: „Ketchup zu den Pommes?"

„Prego – ähm, per favore". Unser Reserve-Italiener lehnt sich zufrieden mit sich zurück und grinst in die Runde.

Gut, dass er dabei war, sonst hätte die Bestellung wahrscheinlich in einem völligen Chaos geendet …

Also ehrlich, ich würde mir wünschen, dass die Volkshochschule sich von jedem Teilnehmer eines Italienischkurses per Unterschrift bestätigen lässt, dass dieser das Gelernte unter gar keinen Umständen beim Italiener in Deutschland anwenden darf!

Hilfe, Zombies!

Welch ein Albtraum! Die Szenen erinnern an einen postapokalyptischen Horrorstreifen.

Die gesamte Innenstadt ist lahmgelegt, verlassene Autos blockieren die Wege, der Verkehr ist vollständig zum Erliegen gekommen. Menschenmassen strömen zu Fuß panisch einem Ziel entgegen, jammernde Kinder hinter sich her zerrend.

Auf den Parkbänken und Grünstreifen liegen reglose Körper, die Augen geschlossen, die Münder weit aufgerissen. Zombies! Eine der Kreaturen trägt ein besudeltes T-Shirt mit dem Aufdruck einer Lederhose. Der junge Mann liegt hilflos auf dem Rücken, nur noch einen Schuh am Fuß. Daneben ein weiterer Zombie, ein junges Mädchen, in die Hocke zusammengesunken, vom Kinn tropft ihm ein Speichelfaden. Das Dirndl der Untoten ist nach oben gerutscht und gibt den Blick auf eine beige Wollstrumpfhose frei. Angewidert wenden sich die vorbeiströmenden Menschen ab. Eine Strumpfhose unter dem Dirndl ist ein Anblick, den nur hartgesottene Gemüter ertragen können.

Ich lasse mich von der Menschenmenge weitertragen und erreiche schließlich das Ziel des seltsamen Pilgerzugs: einen großen Platz, auf dem schaurig anmutende Hütten und Zelte aufgebaut sind. Mir wird schlagartig bewusst: Die Menschenmassen haben mich wie die Lemminge direkt an die Brutstätten der Zombies geführt.

Wankend und mit weit aufgerissenen Augen schlurfen die Untoten über den großen Platz. Sie rempeln sich an und treten sich gegenseitig auf die Füße. Eine Gruppe männlicher Gehirntoter mit zerzausten Haaren kommt direkt auf mich zu, kreist mich förmlich ein. „Ole, ole, ole, ole, FC Bayeeeern" dringt es heiser aus ihren Kehlen. Sie tragen versiffte rotkarierte Hemden und abgerissene Lederhosen. Ihr Gestank nach Bier und Schweiß raubt mir den Atem.

Grunzend streckt einer der Zombies seine Arme nach mir aus. „Wo gehts’n do zum Klooo?" Aber bevor ich antworten kann, hat mich die Menge weitergespült. Neben mir taucht die Silhouette eines Bierzelts auf. Dem Geruch nach zu urteilen, haben mehrere Zombies den Weg zur Toilette nicht gefunden. Neben dem Zelteingang hocken