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Die Letzte Sünde
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Die Letzte Sünde

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About this ebook

Deputy Sheriff Commander Jake Carlson hat alle Hände voll zu tun ... er ermittelt in einem brutalen Mehrfachmord, sein Sohn hat Probleme in der Schule und er selbst hat eine rachsüchtige Exfrau am Hals. Er trifft die junge, freigeistige Notfallsanitäterin Julie Jennings. Als Julie zum Objekt einer Obsession wird, schweben sie beide in Gefahr ...

Für Matt und Julie hatte ihr Dienst begonnen wie viele andere. Sie wurden zu einem kleineren Verkehrsunfall gerufen, zu jemandem mit Schmerzen in der Brust und zu einem Krebspatienten, der zur Behandlung ins Krankenhaus musste. Viele der Gemeinschaften im Norden des Staates New York hatten Notfalldienste unter Vertrag, um dem bestehenden Rettungsdienst unter die Arme zu greifen und auf medizinische Notfälle zu reagieren. Ob bezahlt oder nicht, der qualifizierte Dienst schickte immer Rettungsassistenten, die mit den meisten Notfällen umgehen konnten. Wenn die Notfallsanitäter ausgesandt wurden, machten ein weiteres Paar Hände und Infusionen oft den kritischen Unterschied.

Dieser Notruf kam über Funk für ein Brandopfer, also war keiner der Polizisten, Feuerwehrmänner, ehrenamtlichen Rettungshelfer oder Sanitäter darauf vorbereitet, was sie in diesem abgelegenen Werkzeugschuppen vorfanden. Von außen wirkte das ergraute Holz friedlich genug, und das eine kleine Fenster war schmutzverkrustet. Julie dachte nicht, dass sie unter normalen Umständen den Schuppen eines zweiten Blickes gewürdigt hätte. Aber das hier war alles andere als normal. Niemand hatte mit der Horrorszene im Inneren gerechnet.

LanguageDeutsch
Release dateMay 12, 2016
ISBN9781507140802
Die Letzte Sünde
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Author

Chelle Cordero

Chelle loves writing stories of Passion & Suspense and has the following novels currently on the market: Bartlett’s Rule; His Lucky Charm; Within the Law; Courage of the Heart; Hostage Heart; A Chaunce of Riches; Common Bond, Tangled Hearts; Final Sin; Hyphema; Karma Visited; and Annie’s Karma. Her other works include the EMS Novels Bundle Pack (contains both Final Sin and Hyphema); Until the Ambulance Arrives (a layman’s guide to help deal with a medical emergency); The Many Faces of Chelle Cordero (a short story anthology); and 60+ Days to Live, Breathe and Write (based on the former long running and successful Amazon Kindle blog Living, Breathing, Writing)Several of Chelle Cordero’s books have won various accolades including:Hyphema won the Dec 9, 2011 Friday Book Cover Vote on the Shades of Love website & was recommended in the book Summer Reading: 2012 Blue Ribbon Selection published by the Ewen Prime Co.Final Sin was an Honorable Mention in the Fiction Category of the 2010 NY Book Festival & a 2009 Pushcart Prize nominee.Popular trade magazine EMSWorld posted about Final Sin & Hyphema.Bartlett’s Rule was named one of Carolyn Howard Johnson’s Top Ten Reads for 2009A Chaunce of Riches was Winner of D. Renee Bagby’s readers’ choice for The Best Overall First Chapter, April 201060+ Days to LIVE, BREATHE, & WRITE Writer’s Book Selected as Writer’s Groups ‘Textbook’Karma Visited was featured in USA Today – Happy Ever After – Nov. 7, 2013She also writes non-fiction articles for several newspapers and magazines.

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    Die Letzte Sünde - Chelle Cordero

    Die letzte Sünde

    von Chelle Cordero

    Copyright 2016 Chelle Cordero

    Herausgegeben von: Vanilla Heart Publishing

    E-Book-Edition, Anmerkungen zur Lizenz

    Dieses E-Book ist nur für Ihre persönliche Unterhaltung bestimmt. Dieses E-Book darf nicht weiterverkauft oder an andere Personen weitergegeben werden. Wenn Sie dieses Buch mit jemandem teilen möchten, kaufen Sie bitte eine zusätzliche Ausgabe für jede Person, mit der sie es teilen möchten. Wenn Sie dieses Buch lesen und nicht gekauft haben, oder es nicht für Sie gekauft wurde, dann sollten Sie zum Einzelhändler zurückkehren und Ihre eigene Ausgabe kaufen. Danke, dass Sie die harte Arbeit der Autorin respektieren.

    Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buchs darf ohne schriftliche Genehmigung des Herausgebers in irgendeiner Form oder mit jeglichen Mitteln, ob elektronisch oder mechanisch, reproduziert oder übertragen werden, eingeschlossen das Fotokopieren und Aufzeichnen durch Speichermedien oder Abfragesysteme. Davon ausgenommen ist die Einbindung kurzer Zitate in Rezensionen.

    Die letzte Sünde

    von Chelle Cordero

    Widmung

    ––––––––

    Für die Helden, die mich umgeben und täglich inspirieren – meine Tochter, mein Sohn & mein Ehemann.

    Danksagungen

    ––––––––

    Ich möchte den Mitgliedern unserer Notfalldienste für ihre Hingabe und ihren Einsatz danken - den Leuten, die auf die Hilferufe Fremder reagieren. Manche als Freiwillige, manche als Angestellte; jeder Einzelne von ihnen riskiert sein Leben für jemand anderen. Dies sind die Menschen, die bereit sind, 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche auf Notfälle zu reagieren, ungeachtet aller Unannehmlichkeiten und Gefahren, denen sie sich vielleicht stellen müssen. Diese Helden machen unsere Welt zu einem besseren Ort.

    Dieses Buch ehrt jeden Namen auf jeder Gedenktafel der Rettungsdienste, der Polizei und der Feuerwehr in unserer Nation.

    Ich möchte erneut meinen Vater erwähnen, Marcy Cordero, der bis zu seinem Tode 1977 Hauptmann der Hilfspolizei des 52. Bezirks war – sein Gemeinschaftsgeist war ein wundervoller Wegweiser für seine Kinder und Enkel.

    Danken möchte ich erneut Kimberlee Williams, die mich immer wieder ermuntert, diese Geschichten zu schreiben.

    Inhaltsverzeichnis

    Die letzte Sünde

    Buchklub Diskussionsanregungen

    Romane voller Leidenschaft und Spannung

    Chelle Cordero

    Vanilla Heart Publishing

    PROLOG

    Ausnahmslos allen Anwesenden stand der Brechreiz ins Gesicht geschrieben. Julie taten die ehrenamtlichen Mitglieder des örtlichen Rettungsdienstes leid. Sie und Matt wurden wenigstens für ihre Anwesenheit bezahlt. Allerdings war kein Geld der Welt den Anblick des Blutbads zu ihren Füßen wert.

    Matt hatte die unliebsame Aufgabe übernommen und bereits eines der Mädchen für tot erklärt. Sie war offensichtlich tot, das konnte jeder sehen. Julie tat ihr Bestes, nicht in Blutlachen zu treten oder irgendetwas anderes zu berühren, das wichtig für die Tatortuntersuchung war, und beendete die Vorbereitung zum Transport des überlebenden Mädchens.

    Ein junger Mann Ende Zwanzig oder Anfang Dreißig, das konnte Julie ohne das Lesen des Einsatzprotokolls nicht mit Sicherheit sagen, hatte Verbrennungen erlitten, als sein Hemd Feuer fing. Er saß zusammengekauert und schützte seinen schwer verbrannten Arm, während Matt ihn behandelte. Er schien verängstigt und aufgrund der Ereignisse unter Schock zu stehen. Er vermied es, die Polizeibeamten anzusehen, die auf den Notruf reagiert hatten. Julie vermutete, dass dies an seinem Bedürfnis lag, das Trauma zu verleugnen.

    Ein breitschultriger Beamter trat durch die Tür und übernahm die Führung am Tatort. Er schien abgehärtet gegen das Gemetzel, fast so, als habe er schon zu viele grauenhafte Szenen wie diese gesehen. Gekleidet in eine dunkelblaue Baseballjacke, ein T-Shirt mit offenem Kragen und Khakihosen, zog er ein Paar Latexhandschuhe über, die er aus seiner Hosentasche holte, und begann eine fast gleichgültige visuelle Inspektion des Raumes. Das Quietschen der elastischen Handschuhe, die sich ausdehnten, um auf seine großen Hände zu passen, stand in starkem Kontrast zu seiner ruhigen Art. Andere Beamte am Tatort fügten sich seinem Urteil und folgten seinen Anweisungen, während er gefasst den gesamten Tatort auf sich wirken ließ. Er sorgte sich, wie man am besten angemessenes Beweismaterial sammeln konnte, um die Ereignisse des Tathergangs herzuleiten.

    Während Julie und einer der Rettungssanitäter das überlebende Mädchen auf die Trage hoben, riskierte sie einen schnellen Blick auf die dunklen Augen des hochgewachsenen Beamten und bemerkte einen Anflug von Bestürzung. Sein versteinerter Ausdruck, die scheinbare Unnahbarkeit angesichts des Horrors und seine vollkommene Konzentration auf das Sammeln relevanter Hinweise hatten sie neugierig gemacht. Irgendwo in den Tiefen ihres Bewusstseins war es ein Trost für Julie, dass der Polizist nicht völlig gleichgültig gegenüber diesem Schrecken oder dem Verlust an Menschenleben war.

    Für Matt und Julie hatte ihr Dienst begonnen wie viele andere. Sie wurden zu einem kleineren Verkehrsunfall gerufen, zu jemandem mit Schmerzen in der Brust und zu einem Krebspatienten, der zur Behandlung ins Krankenhaus musste. Viele der Gemeinschaften im Norden des Staates New York hatten Notfalldienste unter Vertrag, um dem bestehenden Rettungsdienst unter die Arme zu greifen und auf medizinische Notfälle zu reagieren. Ob bezahlt oder nicht, der qualifizierte Dienst schickte immer Rettungsassistenten, die mit den meisten Notfällen umgehen konnten. Wenn die Notfallsanitäter ausgesandt wurden, machten ein weiteres Paar Hände und Infusionen oft den kritischen Unterschied.

    Dieser Notruf kam über Funk für ein Brandopfer, also war keiner der Polizisten, Feuerwehrmänner, ehrenamtlichen Rettungshelfer oder Sanitäter darauf vorbereitet, was sie in diesem abgelegenen Werkzeugschuppen vorfanden. Von außen wirkte das ergraute Holz friedlich genug, und das eine kleine Fenster war schmutzverkrustet. Julie dachte nicht, dass sie unter normalen Umständen den Schuppen eines zweiten Blickes gewürdigt hätte. Aber das hier war alles andere als normal. Niemand hatte mit der Horrorszene im Inneren gerechnet.

    Zwei junge Frauen waren an Pfähle im dreckigen Boden gebunden worden, beide hatten heftig aus einer Vielzahl an Wunden geblutet. Eine lebte noch, sie atmete nach schweren Verstümmelungen und dem großen Blutverlust nur schwach. Die andere wurde verbrannt und bestand nur aus verkohlten Überresten ihres früheren Selbst. Julie war in ihren Gebeten, dass der Tod der jungen Frau eintrat, lange bevor die Flammen ihren Körper zerstörten, nicht allein. Es sah nicht aus, als habe sie sich gewehrt, und doch war ihr Mund offen. Julie fürchtete, dass sie schreiend gestorben war. Sie schwelte noch, als die Feuerwehr ankam, und die Wasserpfütze um sie war schnell zu Matsch geworden.

    Der junge Mann hatte ihnen unter Tränen erzählt, wie er versuchte, die Flammen zu löschen, und wie er verletzt wurde, als sein eigener Ärmel Feuer fing. Wenn er nicht von dem abgelegenen, kleinen Gebäude in die Nacht gerannt wäre, hätte sie vielleicht niemand entdeckt, bevor sie alle den Tod gefunden hätten. Ein Autofahrer mit Handy erblickte den Mann in der brennenden Kleidung und wählte den Notruf, bevor er ausstieg, um zu helfen. Anscheinend war ein zweiter Mann, das Monster, das für die Gefangenschaft und Folter dieser drei jungen Leute verantwortlich war, bereits in die unergründliche Dunkelheit verschwunden.

    Die Polizei befragte das männliche Opfer, während Matt seinen verkohlten Ärmel entfernte. Er sagte, sein Name sei Andrew und dass er und der andere Mann die zwei Mädchen in einer Bar in Westchester aufgegabelt hatten. Mit den zwei Mädchen auf dem Rücksitz folgte Andrew der Wegbeschreibung des zweiten Mannes in das nördliche Hudson-Tal. Andrew sagte, er kenne den Namen des anderen Mannes nicht. Er hatte mehr als einen benutzt und Andrew glaubte, keiner davon sei echt. Sie schnupften etwas Koks, das seinem Glauben nach der andere Mann mitgebracht hatte, und hatten Sex. Dann zog der andere Mann eine Waffe und zwang Andrew, die zwei Mädchen an Pfähle im Boden zu binden. Im Anschluss wurde Andrew nach draußen geführt und in den Kofferraum des Autos gesperrt.

    Er hörte gedämpfte Schreie, konnte aber nicht sagen, von wo. Er war desorientiert und glaubte, er drohe in dem Kofferraum zu ersticken, aber er sagte, es klang, als hielten die Schreie stundenlang an. Er wurde endlich freigelassen und wieder mit vorgehaltener Waffe in die Räucherkammer geführt, um das grausame Resultat zu sehen. Als der Angreifer das erste Mädchen mit Benzin übergoss und ein Streichholz entzündete, versuchte Andrew endlich, sich zu wehren. Der Mann wehrte die Attacke ab und warf Andrew zu Boden. Dann flüchtete er. Andrew blieb und versuchte die Flammen zu löschen und das arme Mädchen zu retten.

    Julie funkte die Zentrale über ihr Funkgerät an und bat um einen Helikopter, um ihren Patienten in die Unfallklinik zu transportieren. Die Stimme über Funk krächzte, dass sich auf der örtlichen Autobahn ein Verkehrsunfall mit mehreren Fahrzeugen und mehreren Patienten ereignet hatte, und der Helikopter bereits auf dem Weg dorthin sei, und somit nicht für ihre Anfrage zur Verfügung stand. Es gab auch keinen weiteren Wagen, um ihre Patienten separat zu transportieren. Matt, der über sein eigenes Funkgerät mithörte, gab ihr ein Zeichen, dass sie die Opfer zusammen transportieren könnten, da sein Patient trotz Verbrennungen stabil war.

    Sie bewegten ihre Patienten zum Krankenwagen, während das überlebende Mädchen regungslos auf der Trage lag. Julie begann einen Tropf zu legen, um ihrer Patientin dringend notwendige Flüssigkeit zuzuführen. Sie hielt ihre Hände ruhig, als sie die erste von zwei großen Infusionsnadeln in den Arm des Mädchens einführte und den Tropf mit der Kochsalzlösung anbrachte. Matt kletterte in den Wagen, als sie vorsichtig einen Schlauch für die Intubation in den Hals des Mädchens einführte.

    Der breitschultrige Beamte folgte Matt zu den offenen Hintertüren des Krankentransports, als dieser Andrew auf die Bank des Wagens setzte. Matt stellte sicher, dass sein Patient, dessen Arm in feuchte Mullbinde gewickelt war, angeschnallt war. Der Polizist sah Julie ruhig beim Anpassen der Tropfgeschwindigkeit des Kochsalzlösungsbeutels, der zum Arm des jungen Mädchens führte, zu. Eine Flasche mit sterilem Wasser wurde in der Nähe abgestellt, um den Verband des Verbrennungsopfers auf dem Weg zum Krankenhaus feucht zu halten.

    Offensichtlich gab es Fragen, die gestellt werden mussten, aber die Notfall- und Rettungssanitäter hatten wichtige Arbeit zu erledigen und der Polizist versuchte diskret, nicht im Weg zu sein. Als der Beamte schließlich sah, dass Julie etwas auf ihrem Klemmbrett notierte, betrat er den Krankenwagen. Matt warf ihm einen verärgerten Blick aufgrund seines Eindringens in sein Territorium zu. Der Polizist musste sich ducken, um genug Raum für seine hochgewachsene Gestalt zu finden. Er trat näher an Julie heran und bat sie leise, nach ihrer Rückkehr im Polizeirevier vorbeizuschauen, um ihm beim Ausfüllen von Patienteninformationen zu helfen, die er für seine Berichte brauchte. Obwohl er diesen Vorschlag höflich als Bitte formulierte, war es nicht wirklich eine. Er ließ sie wissen, dass er später mit ihrem Besuch rechnete.

    Schrille Töne quietschen aus den Funkgeräten an den Gürteln der Notfallsanitäter und dem Funk des Krankenwagens. Matt machte sich auf den Weg, den anderen Notruf zu beantworten und ließ Julie und die zwei Rettungssanitäter mit den Patienten im Wagen zurück. Er wurde woanders gebraucht. Matt eilte an dem Beamten vorbei, gerade als dieser den Weg freigab und von der Stufe an den großen Doppeltüren trat. Julie streckte ihre Hand nach einem der Griffe aus und der Polizist half, indem der die Türen zuwarf. Durch die Glasfenster formte er das Wort „später" mit seinen Lippen. Der Krankenwagenfahrer wartete auf Julies Zeichen, bevor er den Gang einlegte.

    Das Mädchen, Andrew hatte sie Holly genannt, überlebte die 35-minütige Fahrt zum Krankenhaus nicht. Ihr Herz hörte auf zu schlagen. Einer der Rettungssanitäter begann mit der Reanimation, während der andere die Kabel der Monitore anschloss. Sie teilten einen kurzen, hoffnungsvollen Moment, als der Bildschirm einen normalen Sinusrhythmus anzeigte, nur um ihren Optimismus zu verlieren, als die Wiederbelebung kurzzeitig ausgesetzt wurde, um zuverlässige Werte zu erhalten. Im selben Moment, in dem der Rettungssanitäter Stolz für seine fachkundige Reanimation empfand, verlor er den Mut, weil das Herz des jungen Mädchens den Rhythmus nicht selbst beibehalten konnte.

    Julie injizierte in dem Versuch, ihr Herz wieder zum Schlagen zu bringen, zweimal Adrenalin und Natriumbikarbonat, konnte sie aber nicht zurückbringen. Sie hatte zu viel Blut verloren und zu viele Traumata erlitten. Es war beinah so, als ergebe sie sich der friedvollen Umarmung des Todes. Es waren frustrierende 25 Minuten, in denen das Team versuchte, das Leben der jungen Frau zu retten.

    Andrew saß still auf der Bank, während die Besatzung des Krankenwagens ohne Unterlass arbeitete und seine Augen glitzerten vor nicht vergossenen Tränen.

    Julie warf ihm über ihre Schulter einen Blick zu und bemitleidete den jungen Mann. Er litt offensichtlich unter den Schmerzen seiner eigenen Verletzungen, blieb aber still sitzen und tat sein Bestes, sie nicht zu behindern, während sie erfolglos versuchten, Holly wiederzubeleben. Die Rückmeldezahl wurde dem Krankenhaus mitgeteilt und die Ärzte bewegten das arme Mädchen nicht einmal von der Trage, bevor sie sie für tot erklärten.

    ERSTES KAPITEL

    ––––––––

    Auf dem Rückweg vom Krankenhaus verlangte ein anderer Notruf nach Julie. Die Töne über den Äther teilten ihr mit, dass ein siebenjähriges Mädchen an unkontrollierbarem Nasenbluten litt. Es handelte sich lediglich um gewöhnliches Nasenbluten, verursacht durch eine lästige, aber harmlose Erkältung und verschlimmert durch eine überfürsorgliche Mutter. Es wäre eine Verschwendung an Mitteln gewesen, sie einzuliefern. Die Rettungssanitäter im Krankenwagen waren bestens gerüstet, diese Art Notfall selbst zu behandeln.

    Julie unterschätzte nie den Wert der Ehrenamtlichen, die in örtlichen Krankenwagen mitfuhren. Obwohl sie nicht bezahlt wurden, hatte Julie stets das Glück, mit einigen der professionellsten Leute in diesem Fachgebiet zu fahren. Sie waren gut ausgebildet und nahmen ihre Verpflichtung ernst. Julie war zwei Jahre lang mit einem bezahlten Dienst als Rettungssanitäterin unterwegs gewesen, bevor sie die Entscheidung traf, die Ausbildung zur Notfallsanitäterin zu beginnen. Sie ließ sich selbst nie vergessen, wer sie war oder wo sie herkam, und verabscheute diejenigen, die Rettungssanitäter und Ehrenamtliche schlecht behandelten. Viele Mitglieder des Rettungsdienstes, die mit Julie fuhren, wussten den gegenseitigen Respekt zu schätzen. Sie hatte oft gehört, dass für die Besetzung einiger Stationen speziell nach ihr gefragt wurde.

    Sie überließ die Patientenversorgung dem Team für lebensrettende Sofortmaßnahmen und machte sich wieder auf den Weg zum Revier. Bevor sie dort ankam, nahm Julie das Motorola-Funkgerät von ihrem Gürtel und fragte Matt nach seinem Aufenthaltsort. Er war auf dem Weg zu einem der Krankenhäuser in der Gegend und behandelte Atembeschwerden hinten in seinem Wagen. Es würde eine Weile dauern, bis er alle benötigten Papiere im Krankenhaus ausgefüllt haben würde. Wann immer ein Notfallsanitäter eine Infusion legen musste, waren die Formalitäten langwierig und jedes Detail musste stimmen. Sie sagte ihm über Funk, sie würde ihn später sehen.

    Der Beamte begegnete ihr, sobald sie den Eingangsbereich des Reviers betrat. Er hatte ihre Ankunft in dem einem Van ähnelnden Einsatzwagen auf der Videoüberwachung beobachtet. Julie dachte, das Foyer wirkte durch ihn noch kleiner – sie hatte vergessen, wie breit seine Schultern wirklich waren, und wunderte sich, wie er überhaupt hinten in einen Rettungswagen gepasst hatte. Ihr fiel auf, dass seine Größe sehr gut zu diesen breiten Schultern passte. Das Poloshirt und die Khakihosen betonten seinen hohen und schlanken Wuchs. Er war eindeutig ein attraktiver Mann.

    „Hallo, ich konnte mich vorhin nicht vorstellen: Ich bin Deputy Sheriff Jacob Carlson. Bitte nennen Sie mich Jake." Er streckte ihr seine Hand zur Begrüßung entgegen. Ihre Hand verschwand völlig in seiner und seine Wärme jagte ihr ein Kribbeln über den Arm.

    „Julie Jennings." Sie erwiderte seine Begrüßung mit einem Nicken. Sein anhaltender Griff war fest und angenehm robust. Julie überkam ein Gefühl der Geborgenheit, als seine Hand die ihre umschloss. Er hielt ihre Hand ein wenig länger, als er es vorgehabt hatte.

    „Warum setzen wir uns nicht hin?" Er gab ihr mit einer Handbewegung zu verstehen, ihm den engen Flur hinunter zu folgen. Als sie ihm durch den Korridor folgte, fiel ihr wieder auf, was für ein großer Mann er war. Er sah kräftig und muskulös aus und sein Gang war behände und sicher. Er bewegte sich selbstbewusst und, trotz seiner Größe, mit einer Eleganz, die nur wenige Männer ausstrahlten. Er war ein eindrucksvoller Mann, schoss es Julie durch den Kopf, und der Gedanke, dass er der Arm des Gesetzes war, der ihre Welt ein klein wenig sicherer machte, war tröstlich.

    Er stoppte an einer Tür und ließ Julie vorbei. „Lassen Sie mich kurz das Licht anmachen. Er langte an ihr vorbei und legte den Lichtschalter in dem kahlen Befragungszimmer um. Die nackte Glühbirne an der Deckenbefestigung tauchte den Raum in grelles Licht. „Kann ich Ihnen einen Kaffee oder irgendetwas anderes bringen?

    „Nein, danke." Julie betrat das kleine Zimmer und setzte sich auf einen der grün gepolsterten Stühle am Holztisch.

    Julie hatte das Revier bereits besucht; sie war zuvor hergeschickt worden, um das Wohlbefinden von Häftlingen zu überprüfen. Sie erkannte das Zimmer als einen der Befragungsräume. Es war kahl, abgesehen von einem kleinen Holztisch aus blassem Eschenholz und drei Metallstühlen mit grünem Polster. Normalerweise verursachte ihr das Zimmer Gänsehaut. Der Mann, der hinter ihr den Raum betreten hatte, schien irgendwie die Temperatur um einiges anzuheben.

    Er stand neben ihr und nahm entschuldigend etwas, das wie eine quadratische Plastikfolie aussah, vom Tisch. „Ich muss Sie um Ihre Schuhabdrücke bitten, da Sie am Tatort waren. Dafür muss ich auch Ihren Partner herbitten. Er wartete auf eine Reaktion auf seine Bitte, bevor er sich hinhockte. „In dem Schuppen gab es so viele Abdrücke, dass wir jegliche Schuhabdrücke isolieren wollen, die uns vielleicht bei der Suche nach dem Täter helfen.

    „Kein Problem. Julie stand auf und trat auf die Vinylfolie, die er vor ihr auf den Boden gelegt hatte. Ihr fiel auf, dass er ein Paar Latexhandschuhe angelegt hatte. „War’s das?

    Er kniete vor ihr und versuchte angestrengt, sich nicht auf die sanften Kurven ihrer Hüften zu konzentrieren. „Ja." Nachdem sie einen Schritt zurücktrat, nahm er vorsichtig die Folie an den Ecken auf und deckte sie mit einer anderen, durchsichtigen Folie ab, bevor er sie in einem großen, braunen Umschlag unterbrachte. Er verschloss den Umschlag, schrieb ihren Namen in Filzstift darauf und legte ihn in einen Drahtkorb auf dem Tisch. Julie setzte sich wieder hin.

    Jake nahm auf der anderen Seite des Tisches Platz und entfernte die engen Handschuhe. Er krümmte seine Finger, damit das Blut wieder zirkulierte. Er sah sie mit einem Lächeln an, „Ich hasse diese Dinger."

    Sie nickte voller Anteilnahme.

    „Ich habe die Namen und Informationen der Patienten hier. Sie zog ein gefaltetes Stück Papier aus der Tasche ihres Arbeits-T-Shirts. „Das Mädchen hat es nicht überstanden. Sein Poloshirt war am Kragen gerade so weit offen, dass es eine großzügige Menge dunkler Locken enthüllte. Julie bemerkte, wie sich seine sehnigen Nackenmuskeln anspannten, als sie ihm vom tragischen Schicksal des armen Mädchens berichtete.

    Jake atmete laut aus und fluchte leise. „Hat der Typ ..., er warf einen Blick auf die Papiere vor ihm, „Andrew Larkin Ihnen irgendetwas erzählt?

    Sie zuckte mit den Schultern. „Im Prinzip was er Ihnen und den anderen Polizisten am Tatort gesagt hat. Julie nahm sich einen Moment Zeit, jegliche Unterhaltungen, die auf dem Weg ins Krankenhaus stattgefunden hatten, in ihren Gedanken zu wiederholen, ohne dass sie vertrauliche Informationen über die Patienten verriet. Sie wollte helfen, wo sie nur konnte. „Er sagte, dass er, nun, dass er mit Holly zusammen gewesen war. Der andere Mann, er nannte ihn John, zumindest war das einer der Namen, die er benutzt hatte, war mit Beth zusammen. Er kannte die Nachnamen der Mädchen nicht.

    Jake saß auf der gegenüberliegenden Tischseite und machte sich Notizen auf einem gelben Schreibblock, der vor ihm lag. „Das war ein echtes Fiasko." Er lehnte sich auf seinem Stuhl zurück, verschränkte seine muskulösen Arme und studierte Julie.

    Sie wirkte jung. Sie war von durchschnittlicher Größe und schlank, doch wenn er so drüber nachdachte, war nichts an ihr durchschnittlich. Es war nicht leicht zu ignorieren, dass alle Kurven am rechten Fleck waren. Selbst in gestärktem weißem T-Shirt mit glänzendem Sanitäterabzeichen und der Unisex-Hose mit den sich wölbenden Taschen war sie eindeutig ganz Frau. Er schätze ihre Größe auf einen Meter fünfundsechzig oder einen Meter siebzig. Sie wog eindeutig nicht viel. Er würdigte ihre Figur, wie es nur ein Mann konnte, und gestand sich selbst, dass er sie gerne hochgehoben hätte, um ihr Gewicht zu raten.

    Jake rügte sich in Gedanken selbst. Sie waren beide Fachkräfte und er musste seine männliche Bewunderung für ihr Aussehen im Zaum halten, bevor er irgendwelche Grenzen überschritt. Seine Vorstellungskraft lief jedoch auf Hochtouren und er hatte Schwierigkeiten, sich nicht auszumalen, wie sie ohne Uniform aussah. Als er ihr bei ihren fieberhaften Versuchen, das Leben dieses armen Mädchens zu retten, zugesehen hatte, konnte er nicht umhin zu bemerken, dass sie selbst noch sehr jung war. Es war ein Schock für seine üblicherweise reservierte Haltung zu erkennen, dass sie, ob sehr jung oder nicht, auch eine sehr attraktive Frau war. Jake dachte an den Tatort und ermahnte sich selbst, dass dies kein angemessener Ort war, mit jemandem zu flirten.

    Er studierte sie weiter. „Wie ertragen Sie es?" Jake war erstaunt, dass sie unberührt von der beobachteten Brutalität zu sein schien. Er widerstand seiner natürlichen Neigung, ihr Trost in seinen Armen anzubieten. Sie ist so hübsch, dachte er. Ihre Augen waren voller Elan und er fragte sich, wie viele Leben sie bei ihrer Arbeit schon hatte enden sehen. Es musste schön sein, das Leben durch die leidenschaftlichen Augen der Jugend zu betrachten.

    „Ich versuche, nicht daran zu denken. Sie fragte sich, ob er wirklich so abgehärtet war, wie sie zuerst angenommen hatte. „Sie wissen, dass in ein paar Tagen eine SbE-Sitzung angesetzt ist, oder? Sein beherrschter Gesichtsausdruck verriet ihr nichts. „Werden Sie dort sein?" Ihr Vorgesetzter schrieb die Teilnahme aller Notfallsanitäter an den Sitzungen zur Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen vor, wenn einer ihrer Notrufe als besonders verstörend bewertet wurde. Julie nahm stets teil und arbeitete mit – es half ihr beim Umgang mit brutalen oder tragischen Fällen. Ihre erste Sitzung erfolgte, nachdem eine komplette Familie in einem Autounfall und dem daraus folgendem Feuer ums Leben kam, die Kinder eingeschlossen. Es hatte geholfen.

    „Nein. Uns wurde Bescheid gegeben, aber ich habe viel Schlimmeres gesehen. Außerdem möchte ich keine Zeit verlieren, in der ich nach Beweisen suchen könnte. Ich will den Schuldigen finden. So gehe ich damit um." Er zuckte mit seinen breiten Schultern und sah ihr direkt in die Augen. In seine Stimme hatte sich eine gewisse Härte geschlichen.

    „Mein Partner, Matt, glaubt auch nie, dass er sie braucht. Sie wollte ihn vorsichtig überreden. „Aber die helfen wirklich.

    Er schüttelte den Kopf und sah nach unten, während er etwas auf seinen Block kritzelte. „Nee, wenn ich die bräuchte, würde ich hingehen. Ich versuche wirklich nicht, ein Macho zu sein." Er starrte weiter auf den Notizblock. Julie war überzeugt, hätte er aufgesehen, hätte sie ihm die verräterische Betroffenheit von den Augen ablesen können, die sie zuvor kurz erblickt hatte.

    Beide schwiegen eine Weile. „Nun, kann ich Ihnen sonst noch irgendwie helfen?" Julie schob ihren Stuhl zurück und stand auf.

    Jake sprang auf und entfaltete sich zu seiner ganzen Größe. Er stotterte und suchte nach einem Grund, dass sie länger blieb. Er wollte nicht, dass sie ging. Sie faszinierte ihn. Er wusste nicht, warum, aber er musste eine Verbindung zu ihr aufbauen. Seine Augen hatten auf ihr verweilt, selbst an dem blutigen Tatort. „Wie lange sind Sie schon Notfallsanitäterin?" 

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