Die großen Western 177 by R. S. Stone by R. S. Stone - Read Online

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Die großen Western 177 - R. S. Stone

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Die grossen Western –177–

Flammende Colts

Roman von R. S. Stone

Der Himmel war sternenklar. Nicht eine einzige Wolke zeigte sich am Himmel. Ein leichter Windhauch trug den würzigen Duft von Salbei heran. Ein angenehmer Geruch, den Ben Fuller wohlwollend registrierte und tief in seine Lungen sog. Er langte nach dem Kaffeetopf, der am Dreibein über den Flammen des Lagerfeuers hing. Mitten in der Bewegung hielt er inne. Es knackte in den Zweigen und raschelte im Gebüsch. Ein Blick zu den Pferden, die etwas weiter vom Feuer angepflockt waren, und er bemerkte, dass sich ihre Ohren steil nach oben richteten. Bens Falbe stieß mit dem Vorderhuf auf.

Ben sah zu Pete Nelson, der ihm gegenüber am Feuer saß. Ihre Blicke trafen sich. Pete nickte stumm, erhob sich langsam und und griff nach seinem Karabiner. Ben zog seinen 51er aus dem Holster und legte den Abzugshahn mit dem Daumen nach hinten. Das klickende Geräusch hallte unnatürlich laut in die Nacht hinein. Dann traten sie einen Schritt vom Feuer weg und spähten in die Richtung, aus der die Geräusche erklangen, zu denen sich dumpfer Hufschlag mischte.

Die Silhouette eines Reiters tauchte auf; dann brach er durch das Dickicht. Genau auf das Lager der beiden Männer zu. Ben erkannte sofort, dass mit dem Kerl etwas nicht stimmte. Er saß schief im Sattel und konnte sich kaum noch auf dem Pferd halten. Sein Atem ging keuchend, als er das Tier einige Yards vor dem Lagerfeuer zum Stehen brachte. Krampfhaft versuchte der Mann sich im Sattel zu halten. Mit schmerzverzerrtem Gesicht starrte er zu Ben und Pete herüber.

»Hab ’ne Kugel abgekriegt. Sind ein paar Meilen hinter mir und machen Jagd auf mich …, diese verdammten Hunde …, wenn die mich in die Finger kriegen, ist’s aus mit …«

Der Mann begann im Sattel zu schwanken und kippte seitwärts vom Pferd. Mit ein, zwei Sätzen war Ben bei ihm und fing ihn gerade rechtzeitig ab, bevor der schwere Körper den Boden berührte. Pete Nelson kam herbei. Gemeinsam schafften sie den Verletzten zum Lagerfeuer und legten ihn auf den sandigen Boden. Der Mann hatte das Bewusstsein verloren. Die rechte Seite war blutgetränkt.

»Hat mächtig was abbekommen«, stellte Pete Nelson fest. »Was machen wir nun mit dem Burschen? Der muss dringend zu einem Doc.«

Ben rieb sich übers stoppelige Kinn.

»Hast recht, Pete. Hier liegen lassen können wir den nicht. Auf keinen Fall. Hast du gehört, was der vorhin gefaselt hat? Irgendjemand muss mächtig scharf darauf sein, ihn zu erledigen. Du, warte mal …, den Kerl kenne ich!«

»Du kennst ihn?«

Ben beugte sich näher über das Gesicht des Bewusstlosen, welches bleich und mit schwarzen Bartstoppeln übersät war. Ein Nicken unterstrich seine Vermutung. Er sah zu Pete auf.

»Kein Zweifel, Pete. Habe ihn lange nicht gesehen. Das letzte Mal vor dem Krieg. Da waren wir Compadres. Hölle, dieser Mann ist Jason Ward.«

Pete pfiff durch die Zähne. Dieser Name war auch ihm nicht unbekannt. Wenngleich er den Mann nicht persönlich kannte. Jedenfalls bis jetzt nicht.

»Hast ja wahrhaftig richtige Berühmtheiten in deinem Bekanntenkreis. Alle Achtung, Fuller. Vielleicht bist du auch ein Freund von Wild Bill Hickok, was?«

»Quatsch nicht dämlich rum, Trail­scout. Sieh lieber zu, dass du eine Decke, ein paar Leinentücher und den Rest deiner verdammten Whiskeypulle heranschaffst.«

Pete hob beschwichtigend die Hände.

»Schon gut, Fuller. Schon gut. Reg dich nicht auf, Vormann.«

»Hau schon ab, Mann.«

Pete hatte recht; Ward musste dringend zu einem Arzt. Einige Meilen hinter ihnen lag Sunbow Flat. Nun, für Ben nicht gerade in allerbester Erinnerung. Die Leute in dieser Stadt waren sehr unfreundlich gewesen. Besonders dieser kleine giftige Storehalter, bei dem Ben und Pete eine ganze Liste an Proviant einzukaufen gedachten. Der Kerl war Ben schließlich mit seiner Unfreundlichkeit so sehr auf die Nerven gegangen, dass er ihn kurzerhand am Schlaffitchen gepackt und ihn an einen Wandhaken gehängt hatte. Wie einen Kartoffelsack. Anschließend hatten sie dann in aller Seelenruhe ihren Einkauf auf die Pferde verteilt und waren eiligst aus der Stadt geritten.

Auf keinen Fall gedachten sie, die Nacht in dieser komischen Stadt zu verbringen. Deshalb hatten sie hier draußen in der Wildnis ihr Nachtlager aufgeschlagen, um dann am nächsten Morgen in aller Frühe wieder zur Herde zurückzukehren.

Eine steile Sorgenfalte zeigte sich zwischen Bens Brauen, als er auf Jason Ward niederblickte.

Sunbow Flat hin oder her.

Wenn Ward am Leben bleiben sollte, mussten sie zwangsläufig wieder dorthin zurück. Bis zur Herde war es zu weit.

Jedenfalls für Jason Ward in seinem Zustand.

Außerdem klang es so, als wären die Verfolger dicht auf Wards Fährte gewesen. Wenn dem so war, nun, dann hätten Ben und Pete sicherlich bald erneut mit Besuch zu rechnen. Keinem sehr freundlichen, wie Ben die Sache einschätzte.

Pete kam zurück. Gemeinsam legten sie Jason Ward auf die mitgebrachte Decke. Dann machten sie sich daran, die blutende Wunde zu versorgen, so gut sie dies konnten. Denn Ärzte waren schließlich beide nicht.

Dabei fing Jason Ward an, im Fieber zu fantasieren.

*

Ben wischte sich den Schweiß von der Stirn. Die ganze Zeit über hatte ihm das Verarzten des Verletzten höllische Anstrengungen bereitet. Weniger körperlich, dafür mehr psychisch. Zum Teufel, er war Viehtreiber, kein Mediziner. Aber er wusste, dass selbst W. W. Dryboone, der Trailkoch, der sich als Experte auf Brüche, Schürf- und Schusswunden gleichermaßen verstand, die Arbeit nicht besser hätte machen können.

»Möchte wissen, was der Bursche die ganze Zeit von dieser Ranch gefaselt hat. Weißt du was von einer Ranch in der Gegend, Fuller?«

Ben schüttelte den Kopf.

»Keinen blassen Schimmer. Aber sie muss hier ganz in der Nähe liegen. So, wie ich’s aus seinem Fieberreden rausgehört habe, weiter südlich von Sunbow Flat. Ein paar Meilen vielleicht. Nicht mehr.«

»Meinst du, er kann reiten?«

Ben Fuller zuckte mit den Schultern.

»Bis hierher hat er’s ja geschafft, oder? Wenn wir ihn auf seinen Gaul binden und ihn dann in die Mitte nehmen …, müsste funktionieren, oder?«

»Eine bessere Idee hätte ich nicht. Im Augenblick jedenfalls nicht.«

Das Trommeln schnell heranjagender Hufe drang an ihre Ohren.

»Verdammt! Das werden seine Verfolger sein. Haben nicht lange gebraucht, um ihn bis hierher zu verfolgen, wie’s scheint. Pete, nimm deine Flinte und lauf rüber zu dem Maulbeerbaum dort hinter den Felsen. Von da aus hast du ’nen guten Blick ins Lager.«

»Okay. Und was ist mit dir?«

»Na, was wohl. Werde mich gemütlich ans Feuer setzen, mir ’ne Lakritzstange zwischen die Lippen schieben und mir anhören, was die Hombres zu sagen haben.«

Pete Nelson runzelte die Stirn. Die Sache gefiel ihm nicht.

»Mitten auf dem Präsentierteller, eh? Wenn die wirklich scharf auf Wards Skalp sind, tändeln die gewiss nicht lange rum. Schon mal daran gedacht?«

»Ja, habe ich. Aber fürs Erste erweckt es den Eindruck, sie hätten’s nur mit einem Mann zu tun. Und nun lauf endlich zu dem verfluchten Baum rüber. Die sind nämlich gleich hier.«

Pete brummte etwas, was Ben nicht verstand, nahm seinen Karabiner auf und verschwand in der Dunkelheit.

*

Vier Männer waren es, die ins Lager geritten kamen. Schwer bewaffnet und mit düsteren Mienen. Sie lenkten ihre Gäule dicht ans Feuer heran und bildeten einen Halbkreis um Ben Fuller.

Zunächst sprach keiner ein einziges Wort. Nur das Schnauben der Pferde und das Klirren der Gebissketten vermischte sich mit dem Prasseln des Lagerfeuers. Die Blicke der Reiter blieben Ben unter ihren tief heruntergezogenen Hüten verborgen. Aber er sah in ihre harten, mitleidlosen Gesichter. Ben wusste sofort Bescheid. Das waren Kerle, die nicht eher aufgeben würden, bis sie ihr Wild gestellt und erlegt hätten.

Einer von ihnen löste sich von der Gruppe und lenkte sein Pferd noch dichter ans Feuer heran. Ein bulliger Bursche mit ausladenden Schultern und Lippen, die wie eine klaffende Säbelwunde aussahen. Eine gezackte Narbe verlief von der rechten Nasenspitze bis zum Ohr. Er trug die typische Kleidung eines Weidereiters. Ben ließ sich dadurch nicht täuschen. Ein Blick auf die beiden Colts in dem Zwillingshalfter gab ihm Aufschluss, dass der Mann alles andere war, nur kein Weidereiter. Der beugte sich nun im Sattel vor und machte eine Kopfbewegung in Richtung Jason Wards, der reglos am Boden lag, sein Körper in eine Decke gehüllt.

»Mein Name ist Jarrod, Mister. Bart Jarrod.«

Das machte auf Ben keinen Eindruck. Er blieb stumm wie ein Fisch und wartete, was folgen würde.

»Die Mühe hätten Sie sich ersparen können, Mister. Ihn zu verarzten, meine ich. Den nehmen wir jetzt mit und hängen ihn gleich am nächstbesten Ast auf.«

Ben sah zu dem Reiter auf. Allerdings so, dass er die anderen nicht außer Acht ließ.

»Halten Sie das für eine gute Idee?«

Ben erntete ein grausames Lächeln.

»Mister, dieser Dreckskerl«,