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Männlichkeit leben: Die Stärkung des Maskulinen

Männlichkeit leben: Die Stärkung des Maskulinen

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Männlichkeit leben: Die Stärkung des Maskulinen

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4/5 (4 ratings)
Length:
472 pages
7 hours
Released:
Aug 1, 2010
ISBN:
9783831910014
Format:
Book

Description

Dieses "Männerbuch" bezieht eine eindeutige Position. Es bringt eine neue Sicht in die Geschlechterdiskussion und stellt einen konkreten Leitfaden dar, wie Männer in ihrer Männlichkeit und Identität gestärkt werden.
Männer sollen sich aus der Rolle des netten, lieben Frauenverstehers befreien. Um als Mann autonomer, emotional und sexuell unabhängiger von Frauen zu werden, muss er seine Aggressionen in positiver Form leben, anstatt diese zu unterdrücken. Aggressionen sind eine starke Qualität von Männern, die dazu dienen, sich abzugrenzen und männliche Ecken und Kanten auszubilden. Dazu ist auch ein Zugang zum eigenen Herzen nötig, das bei vielen Männern durch Angst oder Verletzung verschlossen ist, um mehr Liebe, Herzlichkeit und Mut zu entwickeln. Das Buch richtet sich an Männer, die ihren Abenteuergeist und Freiheitsdrang auch in einer guten Partnerschaft ausleben wollen.
Bjørn Thorsten Leimbach entwirft die Vision einer neuen kraftvollen und positiven Männlichkeit.
Released:
Aug 1, 2010
ISBN:
9783831910014
Format:
Book

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Inside the book

Top quotes

  • Wenn ein Mann seinen erigierten Penis in der Hand hält, fühlt er sich stark und männlich und fühlt seine Identität als Mann. Und so verwundert es nicht, dass viel- fältige Umfragen und Forschungen bestätigen, dass Männer ständig an Sex den- ken.

  • Was sind in Ihrem Leben die großen Kieselsteine? Ihre Ge- sundheit, Ihre Familie, Ihre Freunde, die Realisierung Ihrer Träume, das zu tun, was Ihnen Spaß macht, dazulernen, eine Sache verteidigen, Entspannung, sich Zeit nehmen oder etwas ganz anderes?

  • Aber wenn jede Konkurrenz und Aggression vermieden wird, werden diese Gruppen zu einem Sammelbecken von jammernden Opfern, die sich gegenseitig ihr Leid klagen und sich trösten. Die sich über die bösen Frauen beklagen, ohne sich gegenseitig zu stärken.

  • Denn nur wenn ein Mann sich immer wieder, möglichst täglich, an den Gren- zen seiner Komfortzone bewegt, wird seine Männlichkeit gestärkt. Dafür muss er sich zum Sport aufraffen, Risiken eingehen, Neues wagen und sich mit sich selbst konfrontieren.

  • Nur eine ängstliche Frau wird ihren Mann stets loben. Eine mutige Frau, die ihre wahre Größe und Stärke kennt, lässt sich nicht so leicht beeindrucken. Sie testet ihren Partner, ob er stark genug ist, für seine Ideen einzutreten.

Book Preview

Männlichkeit leben - Björn Thorsten Leimbach

Bjørn Thorsten Leimbach

Männlichkeit

leben

Die Stärkung des Maskulinen

Ellert & Richter Verlag

Dieses Buch widme ich in Liebe und Dankbarkeit meinem Vater Eckhard Leimbach und meinem Sohn Joshua Andrej Conens.

Für wichtige Inspirationen zur Männerarbeit möchte ich John Bellicchi, meinem Zenmeister Roshi Sama und meinem Karatelehrer Sensei Otto Rumann danken.

Mein Dank für konkrete Unterstützung gilt Leila Bust, mit der ich seit zwölf Jahren zusammen Seminare konzipiere und leite, Karsten Kümmerlein als meinem „Manager", meinem Freund Olaf Weißenborn, meinen Assistenten und speziell dem Männer-Team mit ihren Anregungen in der Reflektion der Seminare sowie zahlreichen Teilnehmern und meinen Klienten. Ihre Berichte und Erlebnisse finden sich anonymisiert in diesem Buch wieder.

Der Herzenskrieger – für eine neue und selbstbewusste Männlichkeit

Die meisten Männer haben ihr Herz an die Frauen verloren: an die Mutter, die Erzieherin, die Freundin, die Ehefrau. Was viele dabei übersehen: Solange Männer auf Bestätigung durch Frauen hoffen, bleiben sie in einer abhängigen und isolierten Position. Und ohne es zu bemerken, opfern sie das Beste, was sie besitzen: ihre Männlichkeit.

Die männliche Rolle war über Jahrtausende geprägt von Jagd, Kampf und Aggression – Fähigkeiten, die das Überleben der Menschen in der Evolutionsgeschichte überhaupt erst möglich machten. Männliche Werte und Eigenschaften waren Mut, Disziplin, Willensstärke, Verantwortungsübernahme und Zielstrebigkeit. Entsprechend war auch die männliche Sozialisation ausgerichtet. Die Weitergabe „männlicher Eigenschaften" und Tugenden war bis vor zwei bis drei Jahrzehnten gesellschaftlich ausdrücklich erwünscht und wurde für einen Jungen und Mann als notwendig angesehen.

Die weibliche Rolle hingegen war in der Geschichte der Menschheit vorrangig auf die Reproduktion, die Erziehung der Kinder, auf Ernährung und Fürsorge ausgerichtet. Hingabe, Einfühlungsvermögen und Anpassungsbereitschaft waren die klassischen weiblichen Werte. Die Rolle der Frau war außerdem meist durch die Abhängigkeit vom Mann geprägt, der auch ihren gesellschaftlichen Status bestimmte.

Die Frauenbewegung hat in den letzten Jahrzehnten eine deutliche Veränderung im Selbstverständnis von Männern und Frauen bewirkt. Traditionelle Werte, die mit stereotypen Denk- und Verhaltensweisen einhergegangen sind, wurden infrage gestellt. Ein neues Bewusstsein etablierte sich. So akzeptieren heute nur noch wenige gebildete Frauen die Rolle der Ehefrau, die sich für den Mann an Heim und Herd aufopfert. Frauen stellen immer stärker ihre persönliche Entwicklung und berufliche Karriere in den Vordergrund. Das Motto lautet: Selbst ist die Frau – unabhängig und selbstbewusst. Klassische Machos sind dementsprechend out.

Frauenbewegung und Emanzipationsbestrebungen haben in den letzten 30 Jahren jedoch nicht nur die gesellschaftliche Rolle der Frauen verändert, sondern entsprechend auch bei den Männern, ihrem geschlechtlichen Pendant, massive Veränderungen bewirkt.

Dabei hat dieser Wandel in den Geschlechterrollen keinesfalls nur längst überfällige verkrustete Strukturen aufgebrochen, sondern hat bei beiden Geschlechtern auch zu einer zunehmenden Rollendiffusion geführt. Frauen stehen oftmals ratlos vor der Frage, ob sie sich für Kinder oder Karriere entscheiden sollen, denn sie finden beide Rollen meist kaum miteinander vereinbar. Soziodemographisch zeigt sich dieses Dilemma deutlich in dem starken Geburtenrückgang, insbesondere bei Frauen mit gehobenem Bildungsabschluss.

Noch dramatischer wirkt sich der Wertewandel allerdings auf die Männer aus. Männliche Tugenden, wie Aggressivität, Mut und Durchsetzungskraft, werden heute in der Gesellschaft nicht mehr wie vor 30 Jahren uneingeschränkt wertgeschätzt. Im Gegenteil. Sie werden sehr kritisch betrachtet. Es ist sogar so weit gekommen, dass Jungen und Männern typisch männliche Eigenschaften zunehmend aberzogen werden.

Frauen übernehmen die Führung

In meiner mittlerweile 20-jährigen Erfahrung in der Seminararbeit und therapeutischen Beratung beobachte ich diese kontinuierliche Veränderung und ihre Folgen. Immer mehr Männer entwickeln statt ihrer männlichen Seite ihre weibliche Seite. Sie entdecken Qualitäten wie Emotionalität, ihr Harmoniebedürfnis, Ruhe und Einfühlungsvermögen. Sie lernen auf Frauen einzugehen, Karriere nicht als oberstes Ziel zu sehen und ihr Selbstverständnis als Mann von der Bestätigung durch Frauen abhängig zu machen.

Immer mehr Frauen entwickeln und stärken dagegen ihre männlichen Anteile. Sie gewinnen an Stärke und Selbstbewusstsein, entwickeln ihre Durchsetzungsfähigkeit und ihre Willenskraft.

Auf den ersten Blick mag es so erscheinen, dass diese Veränderungen zu mehr Annäherung und Verständnis zwischen den Geschlechtern führen. In der Praxis jedoch zeigt sich eine tiefe Verunsicherung, die insbesondere die Männer betrifft.

Immer mehr Männer leiden in Partnerschaften unter emotionaler Abhängigkeit oder ziehen sich in die Einsamkeit zurück. „Wer bin ich als Mann?" ist eine Frage, die viele Männer beschäftigt. Klassische männliche Qualitäten wie Disziplin, Ehrgeiz, Aggression und Pflichtbewusstsein werden abgelehnt – meist einhergehend mit einer Ablehnung des eigenen Vaters, dem ersten Vorbild für Männlichkeit im Leben. Viele Männer bemühen sich sogar darum, jegliche Aggressivität, Kraft und auch ihre Sexualität zu verstecken. Einer Frau wehzutun – im realen wie im übertragenen Sinn – ist ein ultimatives Tabu. Sie selbst aber sind bereit, sich emotional verletzen zu lassen – wie kleine Jungen, die auf eine Anerkennung durch ihre Mutter hoffen, wenn sie lieb sind, und mit Strafe rechnen, wenn sie unartig waren. Doch je netter die Männer werden, umso mehr verlieren sie sich selbst als Mann, wie ein Wolf, der sich in einem Schafspelz versteckt und irgendwann vergisst, dass dies nur eine Verkleidung ist.

Das Paradoxe ist: Die meisten Frauen haben auf Dauer wenig Interesse an einem „netten Mann. Sobald eine Frau die Dominanz über „ihren Mann hat, befindet sie sich in der Mutterrolle und betreut ihn als großen Jungen. Eine Rolle, die nur wenige Frauen auf Dauer attraktiv finden. Viele suchen sich lieber einen „richtigen" Mann, um etwas Aufregendes zu erleben. Unsere interaktive Umfrage zum Sexualverhalten (nachzulesen unter: www.sexualtherapie.biz) ergab beispielsweise, dass Frauen mittlerweile genauso treu oder untreu wie Männer sind. Eine Umfrage in der Märzausgabe 2007 der Zeitschrift Player zeigt auf, dass 67 Prozent der Frauen fremdgehen, weil sie mit ihrem Sexleben unzufrieden sind, 23 Prozent aus purer Abenteuerlust.

Frauen übernehmen immer mehr die Führung und Verantwortung in Ehe und Beziehungen, während Männer zu „Problemfällen" werden, die sich nicht verändern wollen. Sie werden zu braven und lieben Jungen, die keiner Frau wehtun wollen. Jungen, die bereit sind, ihre eigenen Wünsche und Visionen, ihre Freiheit und Aggression aufzugeben, manchmal sogar ihre Sexualität, um eine Frau glücklich zu machen.

Diese aktuelle Rolle des Mannes wird auch in deutschen und amerikanischen Spielfilmen sehr anschaulich dargestellt: Der Mann wird meist als netter, trotteliger Partner in Beziehungen dargestellt. Die Frau hat die Macht, die Führung und Kontrolle. Der Mann punktet höchstens durch liebenswerte „Marotten". Männer werden als große Jungen dargestellt – ohne Biss, ohne Macht und völlig abhängig von ihrer Partnerin – ein Spiegelbild vieler realer Beziehungen.

Der gesellschaftliche Wertewandel hat dazu geführt, dass Frauen heute intensiv gestärkt werden. Jede größere Stadt unterhält heute eine städtische Gleichstellungsstelle, deren Gleichstellungsbeauftragte darauf achten sollen, dass Frauen nicht benachteiligt, sondern gefördert und besonders geschützt werden. In den Kulturangeboten der Städte finden sich öffentlich geförderte geschlechtsspezifische Angebote, die ausnahmslos Frauen vorbehalten sind. Die Erziehung in den Sozialisationsinstanzen Kindergarten und Schule verfolgt in den letzten beiden Jahrzehnten mit ihren pädagogischen Konzepten bevorzugt die Förderung von Mädchen.

Mit durchschlagendem Erfolg: Mädchen verfügen heute flächendeckend über die besseren Schulnoten und besseren Abschlüsse. Sie gelten als sozial kompetenter und besitzen Qualitäten und Fertigkeiten, die für ein späteres erfolgreiches Berufsleben sehr wichtig sind.

Dieser umfangreichen Mädchen- und Frauenförderung stehen allerdings die Verlierer des Wertewandels gegenüber: die Jungen und Männer. Jungen werden Aggression und Freiheitsdrang abtrainiert, damit sie ungefährlich, demokratisch und einfühlsam werden. Die Jungen werden die besseren Mädchen – sanft und verständnisvoll bis hin zu naiver oder einfach feiger Angepasstheit an die vermeintlichen Wünsche der anderen. Und die anderen – das sind im Leben von immer mehr Jungen die Frauen, denen der Junge gefallen will und deren Werte er auch als erwachsener Mann übernimmt.

Die Folgen dieser Entwicklung sind weitreichend: Jungen und Männer sind zum Problemfall der Gesellschaft geworden. Lernschwierigkeiten, schlechte Schulabschlüsse, Drogensucht, Selbstmord – auf fast allen gesellschaftlichen Ebenen machen Jungen und Männer negative Schlagzeilen.

Die Abhängigkeit der Männer von Frauen

In meine therapeutische Praxis kommen in den letzten Jahren immer mehr Männer, die sich von Frauen in ihrem Leben emotional abhängig fühlen. Hans ist ein typisches Beispiel:

Hans ist ein attraktiver und gepflegter Mann, ein erfolgreicher Rechtsanwalt. Er kommt zu mir in die Beratung, weil er in seiner Ehe unglücklich ist. Nach der Geburt seines mittlerweile vierjährigen Sohnes, den er sehr liebt, häufen sich die Konflikte in der Ehe mit seiner intelligenten Frau, die selbst therapeutische Erfahrungen hat. Obwohl er sich redlich bemüht, sie glücklich zu machen, sich nach einem langen und anstrengenden Arbeitstag noch Zeit für das Kind nimmt und sogar im Haushalt hilft, nimmt ihre Kritik an ihm immer mehr zu. Gleichzeitig sinkt ihr sexuelles Interesse an ihm in drastischem Maße. Auf meine Nachfrage hin gesteht Hans, dass sie kaum noch Sex zusammen haben, weil sie ihn stets abweist oder „Sachzwänge" vorschiebt. Er gesteht mit schlechtem Gewissen, dass er eine Affäre angefangen hat, obwohl er seine Frau liebt und eigentlich lieber mit ihr sexuell zusammen wäre.

Hans ist in einer „Frauenwelt" aufgewachsen, mit wenig männlichem Einfluss und mit einem Vater, den die gesamte Familie ablehnt, weil er sein Leben nicht gemeistert hat. Hans hat früh gelernt, was Frauen von ihm erwarten. Dem gerecht zu werden bemüht er sich seitdem, aber das macht weder ihn noch seine Partnerin glücklich. Sie wird immer mehr zur dominanten Mutter, die ihn lobt oder bestraft. Er hat gelernt, sich ihren Launen anzupassen. Sie bestimmt, wie die Atmosphäre zu Hause ist. Sie bestimmt, wie viel Nähe oder Distanz zwischen ihnen ist. Und sie bestimmt, wann sie Sex haben, nicht er. In Auseinandersetzungen fühlt er sich meist als der Verlierer. Und diese Auseinandersetzungen belasten ihn weit mehr als seine Partnerin. Um diesem unerträglichen Gefühl der Unterlegenheit und des Selbstzweifels an sich als Mann etwas entgegenzusetzen, sucht er das Weite. In der Bestätigung seines Mannseins durch eine andere Frau. Leider kommt er dadurch vom Regen in die Traufe: Die Ablenkung und Entlastung durch seine Affäre führt zu einem schlechten Gewissen. Selbstzweifel und innere Zerrissenheit holen ihn bald ein. Wie so oft schon im Leben sucht er sich als Mann an der falschen Stelle: bei einer Frau.

Hans kann als Paradebeispiel für die Erlebnisse von vielen Männern gelten. Inzwischen ist die Verunsicherung bei Jungen und Männern schon so groß, dass immer mehr Frauen sich nach einem Mann sehnen, der Integrität und Rückgrat hat und den Mut, ihnen in ehrlicher und respektvoller Form Kontra zu bieten. Ein Mann, den frau auch mal anschreien kann und der nicht weinend zusammenfällt oder ängstlich wegläuft, sondern dagegenhalten kann. Ein Mann, der Konflikte, Schmerzen oder Verluste riskiert, um sich selbst und seinen Visionen treu zu bleiben. Immer mehr Frauen sehnen sich nach Männern, die wissen, was sie wollen, und bereit sind, dafür zu kämpfen, Männer, die entschieden JA, aber auch NEIN sagen können und nicht ihre Fahne mit einem lauwarmen „mal schauen" in den Wind hängen. Frauen vermissen einen Mann, der auch einen emotionalen Sturm aushält und den Kontakt zu seinem eigenen Herzen nicht verliert. Ein Mann, den sie respektieren und an den sie sich anlehnen können.

Wie konnte es passieren, dass die Männer ihre Identität und damit ihre Kraft verloren haben? Frauen sind die Menschen, mit denen Männer von Kindheit an emotionale Nähe zulassen: Mutter, Großmutter, Kindergärtnerin, Lehrerin, Partnerin, Geliebte, Freundin – die Liste der weiblichen Bezugspersonen ist bei den meisten Männern lang. Das letzte Jahrhundert war jedoch aufgrund der beiden Weltkriege geprägt durch die physische oder emotionale Abwesenheit der Väter und durch einen Mangel an männlichen Bezugspersonen und Vorbildern. Das Ergebnis: Die Männer isolieren sich in ihren Gefühlen. Kontakte zu anderen Männern reduzieren sich auf Hobbys, Sport oder Alltagsgespräche. Dieses Verhalten kann man als Spiegel für das Verhältnis zum eigenen Vater deuten: Wirkliche emotionale Nähe, Herzlichkeit und verbindliche Freundschaft fehlen den meisten heutigen Männern, ganz zu schweigen von Körperkontakt.

Dabei kann die Erfahrung, sich mit der Kraft und Unterstützung des Vaters, des Großvaters und der ganzen Linie der männlichen Ahnen zu verbinden, überwältigend sein – hier gilt es die Kraftquelle der eigenen Wurzeln zu entdecken, von der die meisten männlichen „Einzelkämpfer" unserer Kultur abgeschnitten sind.

Freiheit, Stärke und Selbstbewusstsein als Mann leben

Was muss also passieren, damit die Männer ihre Identitätskrise überwinden? Damit sie wieder selbstbewusst und emotional stark werden. Damit sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen – unabhängig von den Frauen. Dieses Buch zeigt Wege zu einer zeitgemäßen und neu verstandenen Männlichkeit auf, durch die aus großen Jungen Männer werden. Dieser Weg beginnt mit dem Verlassen der Komfortzone, dem Verlassen der weiblichen Nestwärme und führt in eine oft raue, aber herzliche Männerwelt. Denn der Weg eines Mannes führt aus dem meist dominanten Einfluss des Weiblichen zu einem neuen Kontakt mit Männern. Hin zu echten Männerfreundschaften. Herzlich, schonungslos ehrlich und emotional stärkend. Wie aus einem Jungen ein Mann wird, kann er nur von Männern lernen, aber niemals von Frauen. Hier liegt ein häufiger Irrglaube: Immer mehr Männer besprechen ihre persönlichen Themen und Probleme mit Freundinnen – aber als Mann erfährt man sich nur im ehrlichen Spiegel von anderen Männern, jenseits von Konkurrenz, oberflächlicher Ablenkung und intellektueller Besserwisserei. Im ehrlichen Kontakt mit anderen Männern wird der Junge zum Mann. Im Austausch mit Männern erfährt er seine Initiation in die Männerwelt. Ein anwesender Vater, der Reibungsfläche, aber auch Wärme bietet, männliche Vorbilder und Bezugspersonen in Kindheit und Jugend sowie ältere Mentoren erfüllten traditionell diese Aufgabe. Dies ist heute leider immer seltener der Fall. Einige besonders emanzipierte Frauen sind außerdem der Ansicht, dass sie ihren Sohn alleine ohne Vater großziehen können. Ein fataler Fehlschluss: Denn aus dem Kind wird ohne Vater ein großer Junge werden, aber kein Mann.

Vielen Männern fehlt heute eine Initiation ins Mannsein, und so laufen sie verloren den Frauen hinterher. Sie bleiben ewiger Rebell gegen den Vater oder ziehen sich auf eine emotionslose und arrogante Position als „intellektuelle Besserwisser" zurück.

Dieses Buch will nicht Frauen die Schuld an den „verweichlichten" Männern geben, sondern es will Männer aufrütteln und ihnen den Weg weisen, wie sie ihre männliche Identität entdecken können. Es will bei Männern Selbstbewusstsein und emotionale Autonomie stärken, damit sie Verantwortung für ihr Leben als Mann übernehmen. Erst ein Mann, der seine männlichen Qualitäten wie Mut, Ehrlichkeit und Selbstdisziplin entwickelt hat, ein positives Verhältnis zu seinem Aggressionspotential entwickelt und Führung über sein Leben hat, kann auch in den Genuss seiner weiblichen Anteile kommen. Dasselbe gilt in umgekehrter Weise auch für die Frauen – aber dies ist hier nicht das Thema, denn dies ist ein Männerbuch.

Ich stelle hier meine Erfahrungen als Seminarleiter für Persönlichkeitsentwicklung, als Coach sowie als Paar- und Sexualtherapeut zur Verfügung. Mit diesem Buch möchte ich auf eine gesellschaftliche Entwicklung aufmerksam machen, durch die Männer ihre Männlichkeit und Frauen ihre Weiblichkeit immer mehr verlieren. Ich zeichne einen Weg für Männer zu einer neu verstandenen Männlichkeit auf. Ein Weg mit kraftvollen Initiationen, der zu einer neuen Männerkultur führt. Für diesen neuen Mann habe ich das Bild des „Herzenskriegers" gewählt. Er steht für eine Vision von Mannsein: Ein Mann, der selbstbewusst seine Männlichkeit lebt, stolz und unabhängig ist. Er hat eine Verbindung zu seiner Kriegerenergie ebenso wie zu seiner Herzenskraft. Er kämpft für seine Wünsche und Visionen. Der Herzenskrieger spürt die Kraft der Liebe in sich und trägt sie kraftvoll in die Welt.

Warum Männer verweichlichen und Frauen verhärten

Der Mann wird zum Problemfall

Mit dem Beginn der Frauenbewegung in den späten 1960er-Jahren nahmen gesellschaftliche Veränderungen ihren Lauf, die das Leben von Frauen und Männern bis heute prägen. Die Frauen der Emanzipationsbewegung brachen veraltete gesellschaftliche Strukturen auf. Sie erkämpften sich den Zugang zu Bildung, Beruf und Karriere. In den meisten Berufsfeldern sind Frauen heute deutlich vertreten. Zunehmend bekleiden sie auch Positionen als Vorgesetzte. In der Politik erregt es kaum noch Aufsehen, dass eine Frau zur Bundeskanzlerin gewählt wird.

Um die Rechte von Frauen und Mädchen zu stärken, gibt es Frauenförderungsprogramme, Frauenbeauftragte, Frauengleichstellungsstellen und Quotenregelungen. Es gibt frauenspezifische Beratungs- und Rehabilitationsangebote und Frauenhäuser zum Schutz vor schlagenden oder misshandelnden Männern. Frauen stellen 52 Prozent der Wahlberechtigten in Deutschland und sind sich ihrer Rechte immer deutlicher bewusst. Die Frauen von heute sind „die privilegierteste Frauengeneration der Geschichte, konstatiert die Journalistin und Therapeutin Astrid v. Friesen in ihrem Buch „Schuld sind immer die anderen!.

Trotz all dieser Erfolge in der Emanzipation der Frau trägt das kollektive Bewusstsein unserer Gesellschaft noch immer das klassische Bild einer Männergesellschaft in sich. In diesem Bild sind die Frauen als Opfer schwach und unterdrückt, die Männer als Täter dominant.

Wie passt das zusammen? Als Erstes möchte ich den Blick auf die „Täter" lenken, die Männer, die angeblich das Sagen und die Macht haben. Eigentlich müssten sie dann ja auch das bessere Leben haben, vielleicht sogar glücklicher sein. Dass dem nicht so ist, zeigen die Statistiken sehr deutlich:

Problemfall Mann – das starke Geschlecht kommt mit dem Leben schlecht zurecht:

• Männer sterben durchschnittlich sieben Jahre früher als Frauen.

• Nach Scheidungen nehmen sich Männer sechsmal so häufig das Leben wie Frauen.

• Selbstmord ist die dritthäufigste Todesursache bei Männern im Alter zwischen 15 und 65 Jahren. 74 Prozent der Suizide in Deutschland werden von Männern begangen.

• Männer erleiden 95 Prozent aller tödlichen Berufsunfälle.

• 24 der 25 gefährlichsten Jobs in den USA sind Männerjobs.

• Über 95 Prozent der Gefängnisinsassen sind Männer.

• 78 Prozent der Prügelopfer sind Männer.

• 84 Prozent der Mordopfer sind Männer.

• In Kriegen werden überwiegend Männer getötet.

• 84 Prozent der Drogenabhängigen sind Männer und mehr als fünfmal so viele Männer wie Frauen sterben an den Folgen von Drogen.

• Viermal so viele Männer wie Frauen sterben an den Folgen von Alkohol- und Tabakkonsum.

• 75 Prozent der Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten und 68 Prozent der Kinder mit Lernschwierigkeiten in Schulen sind Jungen.

Der Mann ist zum Problemfall unserer Gesellschaft geworden. Diese Statistiken spiegeln die bestehende Realität in fast allen gesellschaftlichen Lebensbereichen wider. Ich führe sie an, weil die Zahlen meinen Beobachtungen und Erfahrungen in der Arbeit mit Männern in Therapie, Beratung und Seminaren entsprechen.

Männer werden immer labiler, kraftloser und lebensuntauglicher. Ihre Hilflosigkeit drückt sich in Verhaltensauffälligkeit, Leistungsabfall oder Verweigerung, in Drogenkonsum, Kriminalität, Gewalt und schließlich auch in Selbstmord aus.

Die Ohnmacht der Männer und die Macht der Frauen

Männer leiden in zunehmendem Maße unter Leistungsdruck, Orientierungslosigkeit, Sinnlosigkeit, emotionaler Abhängigkeit von Frauen und Vereinsamung. Doch sie sind überraschend duldsam, schweigsam und enorm leidensfähig. Vor allem in Beziehungen halten Männer unhaltbare Zustände, Demütigungen, Schikane und Gewalt durch ihre Partnerin aus. Weder wehren sie sich noch beenden sie die Beziehung. Viel häufiger ducken sie sich, haben ein schlechtes Gewissen und hoffen, dass ihre Partnerin sie endlich in Ruhe lässt. Sie verharren als Opfer in Lethargie und Passivität.

Besonders deutlich sichtbar wird diese Macht der Frauen sowie die Ohnmacht der Männer im Bereich von Partnerschaft und Familie. Männer werden immer häufiger auf eine Rolle als Geldgeber, Sexpartner und Samenspender reduziert. Sogar als Väter werden sie oft nicht akzeptiert. Viele Mütter ziehen ihre Söhne alleine auf – häufig mit Rückendeckung von Gerichten und Jugendämtern. Man kann sagen, dass Männer in der zunehmenden „Femokratie" (Frauengesellschaft) immer stärker ausgeschlossen und als überflüssig abgestempelt werden. Männer sind zu Opfern der gesellschaftlichen Entwicklung geworden.

Die allgemeine Welt- und Mediensicht stellt jedoch weiterhin die Männer als Täter und die Frauen als Opfer dar. Ein Bild, das schon lange die privaten und gesellschaftlichen Realitäten verkennt. Aber die Wortkombination von Mann und Opfer passt in den meisten Köpfen nicht zusammen, wie Bastian Schwithal in seiner Dissertation „Weibliche Gewalt in Partnerschaften" treffend bemerkt.

Die Frauen, das „schwache Geschlecht, sind dagegen in den letzten Jahrzehnten unabhängiger und autonomer geworden. Viele Frauen haben in der Partnerschaft und Kindererziehung die Führung übernommen, zunehmend sogar das Monopol. Frauen lassen es sich in der Öffentlichkeit nicht gerne anmerken, aber meist ist es für jeden auf den ersten Blick sichtbar, wer in der Beziehung „die Hosen anhat.

Die größere Unabhängigkeit von Frauen zeigt sich auch darin, dass 80 Prozent der Scheidungen von Frauen eingereicht werden. Nach Trennungen schimpfen die meisten Frauen auf ihren Expartner, machen ihn für das Scheitern der Beziehung verantwortlich. Sie fühlen sich im Recht und kritisieren ihren Expartner gnadenlos. Häufig wird Rache geübt. Beispielsweise indem die Frau die gemeinsamen Kinder instrumentalisiert, schlecht über den Vater spricht oder es ihm unmöglich macht, seine Kinder zu sehen.

Männer dagegen reagieren auf eine Trennung meist mit Rückzug, Selbstkritik und Depression. Sie haben häufig gravierende Probleme, mit der Situation fertig zu werden und leiden oft jahrelang darunter. Nicht selten führt ihre Verzweiflung auch zu einem zerstörerischen Verhalten.

Interessanterweise beschweren sich immer mehr Frauen genau darüber, dass Männer nicht mehr ihren Mann stehen und sich alles gefallen lassen. Der Ruf nach starken Männern wird immer lauter, je stärker die Frauen werden.

Gewalt in Beziehungen – zu mindestens 50 Prozent weiblich

„Spätestens seit dem Kinofilm ,Der Feind in meinem Bett‘ mit Julia Roberts ist das Thema häusliche Gewalt in aller Munde. Es existiert mittlerweile eine wahre Flut von Fernsehfilmen, die das Motiv der von ihrem brutalen Mann gehetzten Frau zum Inhalt haben. Als Folge davon entstehen immer mehr Initiativen und Gruppen wie ,Männer gegen Männergewalt‘, bei denen versucht wird, dem Aggressionstrieb des maskulinen Geschlechts auf die Spur zu kommen und ihn unschädlich zu machen, beginnt Arne Hoffmann seine Studie „Häusliche Gewalt ist weiblich (In: Novo-Magazin Nr. 45, 03/04 2000).

Ein wichtiger Grund für die allgemein verbreitete Annahme, dass Männer die Täter und Frauen die Opfer sind, die es zu beschützen gilt, beruht auf der Überzeugung, dass Männer in Beziehungen gewalttätiger sind. Diese Annahme ist falsch. „Alle 44 Sekunden schlägt irgendwo ein Mann auf der Welt seine Frau … Aber: Alle 41 Sekunden rasten im Gegenzug Frauen aus und verprügeln ihre Männer oder machen sie psychisch fertig, konstatieren Peter Beck und Uwe Seebacher in ihrem Buch „Rambo-Frauen.

Viele internationale Studien zum Thema häusliche Gewalt kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Sie belegen, dass das Gewaltpotenzial zwischen Männern und Frauen ausgeglichen ist, sogar mit leichter Tendenz zur Frauenseite. Männer werden also mindestens genauso oft von ihrer Frau verprügelt oder körperlich misshandelt wie umgekehrt. Kinder werden mindestens genauso oft von ihrer Mutter wie von ihrem Vater geschlagen oder misshandelt.

Die umfangreichste Zahl von Studien hat vermutlich Bastian Schwithal in seiner Dissertation „Weibliche Gewalt in Partnerschaften" ausgewertet. In der Analyse von zirka 300 internationalen Studien kommt er zu folgenden Ergebnissen:

• Frauen wenden genauso häufig oder häufiger emotionale und körperliche Gewalt gegen ihren Partner an.

• Auch in Fällen schwerer Gewalt ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ausgeglichen.

• Frauen setzen Gewalt überwiegend zum Angriff statt zur Verteidigung ein.

• Medien und Informationspolitik der Regierungen tragen zu einem völlig verzerrten Bild von den Opfer- und Täterrollen von Männern und Frauen bei.

• Männliche Opfer finden bei Aufklärungs- und Interventionsprogrammen gegen häusliche Gewalt auch weiterhin kaum Beachtung.

Erwachsene Männer als Opfer sexueller Gewalt durch Frauen sind seit einigen Jahren Thema in renommierten akademischen Fachmagazinen. So veröffentlichten die „Archives of Sexual Behavior" allein im Jahr 2003 zwei Untersuchungen, denen zufolge jeder vierte Mann bereits einmal unfreiwilligen Sex hatte.

Bereits 1989 sind die ersten wissenschaftlichen Publikationen erschienen, die das Vorurteil vom Mann als Täter und der Frau als Opfer häuslicher Gewalt widerlegten. Damals untersuchte Anke Habermehl in ihrer Dissertation „Gewalt in der Familie 553 Frauen und Männer in Deutschland: „Von allen Männern und Frauen zwischen 15 und 59, die schon einmal einen Partner hatten bzw. die einen Partner haben, waren 63,2 Prozent schon einmal Gewalt ausgesetzt: 68,1 Prozent der Männer und 58 Prozent der Frauen haben schon einmal Gewalt in der Partnerschaft erlebt. 43,3 Prozent der Männer und 34,7 Prozent der Frauen sind schon einmal von einem Partner misshandelt worden, d. h. sie waren einer Form von Gewalt ausgesetzt, die ein Verletzungsrisiko einschließt.

Habermehl fand auch heraus, dass Jungen häufiger von ihren Eltern gewalttätig behandelt werden als Mädchen. Sogar von ihren weiblichen Geschwistern werden die Jungen häufiger geschlagen oder misshandelt: „Darüber hinaus konnte festgestellt werden, dass sich bereits im Kindesalter weibliche Individuen gewalttätiger verhalten als männliche – zumindest ihren Geschwistern gegenüber. Diesen leichten Vorsprung, den sie schon als Kinder erringen, behaupten die Frauen auch als Partnerinnen und Mütter."

Der Journalist Arne Hoffmann kommt in seiner vergleichenden Untersuchung „Häusliche Gewalt ist weiblich auf internationalem Niveau zu ähnlichen Zahlen: „Insgesamt 95 wissenschaftliche Forschungsberichte, 79 empirische Studien und 16 vergleichende Analysen in kriminologischen, soziologischen, psychologischen und medizinischen Fachzeitschriften aus den USA, Kanada, England, Dänemark, Neuseeland und Südafrika zeigen auf, dass in Beziehungen die Gewalt entweder überwiegend zu gleichen Teilen von beiden Partnern oder aber hauptsächlich von der Frau ausging.

Arne Hoffmann beleuchtet in seiner Untersuchung auch die spezielle Situation in Deutschland: „Die Zeitschrift Focus (Artikel „Das privilegierte Geschlecht, Heft 15 vom 7. April 2003), ließ ihre eigene Befragung durchführen und gelangte zu einem noch deutlicheren Resultat: In den alten wie in den neuen Bundesländern lag die Zahl der Männer bei den Opfern mittelschwerer bis schwerer Gewalt in der Partnerschaft um einige Prozent höher als die der Frauen. Sogar eine Pilotstudie „Gewalt gegen Männer" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahr 2004 belegt, dass etwa die Hälfte der Gewalttaten von Frauen ausgeht. Außerdem gaben 50 Prozent der betroffenen Männer an, dass sie sich nicht gewehrt haben. Kein einziger erstattete Anzeige bei der Polizei.

Aufgrund dieser Ergebnisse vertritt Hoffmann die Ansicht, dass es höchste Zeit sei, dem Gewaltpotenzial von Frauen in der öffentlichen Diskussion mehr Aufmerksamkeit zu schenken. „Die Studien stimmen in ihren Erkenntnissen so deutlich überein, dass in der Fachwelt an diesen Verhältnissen nicht der geringste Zweifel mehr existiert. Dass weder Öffentlichkeit noch Politik diese wissenschaftlichen Ergebnisse bisher zur Kenntnis genommen haben, ist vermutlich einer der größten Skandale in der Geschlechterdebatte überhaupt."

Diese Informationen werden jedoch bewusst verschwiegen oder verleugnet, weil sie einfach nicht in das Konzept der durch das Patriarchat unterdrückten Frau passen. Frauenpolitisch geprägte Interpretationen verschweigen diese Zahlen, um weiterhin an ihrer „Politik gegen Männergewalt" festzuhalten. In Leitfäden und Beratungsstellen wird immer noch davon ausgegangen, dass Frauen die Opfer und Männer die Täter sind. Würden die Fakten allgemein bekannt, müsste ein radikales Umdenken von Opferdasein und Täterschaft stattfinden. Dann müssten folgerichtig auch Männerbeauftragte und Männerhäuser eingerichtet werden.

Arne Hoffmann resümiert in seiner Untersuchung: „In den nächsten vier Jahren möchte die EU 20 Millionen Euro für Projekte zur Ächtung von Gewalt ausgeben – von Gewalt gegen Frauen natürlich. 1993 verabschiedeten die Vereinten Nationen folgende Erklärung: ‚Jede geschlechtsbezogene gewalttätige Handlung, die einer Frau Schaden oder Leid körperlicher, sexueller oder seelischer Art zufügt oder wahrscheinlich zufügen wird, einschließlich der Androhung solcher Handlungen, der Nötigung oder der willkürlichen Freiheitsberaubung im öffentlichen oder privaten Leben‘, wird als Menschenrechtsverletzung definiert. Auch diese Erklärung bezieht sich ausschließlich auf das weibliche Geschlecht. Von Männern ist nicht die Rede."

Sogar in den Gesetzestexten werden die alten Vorurteile weiter gepflegt: Im Januar 2002 wurde in Deutschland ein Gesetz verabschiedet, das Betroffene von häuslicher Gewalt stärker schützen soll. Das Gewaltschutzgesetz ermöglicht den Opfern häuslicher Gewalt, den Täter zeitlich befristet oder dauerhaft aus der gemeinsamen Wohnung zu weisen. Das Zivilgericht kann dem Peiniger unter Androhung von Strafe verbieten, sich der Wohnung oder dem Opfer zu nähern. Damit kann die betroffene Frau den gewohnten Lebensraum für sich – und gegebenenfalls mit den Kindern – allein beanspruchen. Das Schutzgesetz gilt auch für nichteheliche Lebensgemeinschaften – sogar dann, wenn es sich um die Wohnung des gewalttätigen Partners handelt. Außerdem kann jede weitere Form der Belästigung, zum Beispiel durch Telefonterror, Nachstellungen, Verfolgung durch Fremde vom Zivilgericht verboten werden. Hält sich der Täter nicht daran und terrorisiert die Betroffene weiterhin, drohen ihm eine Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Haft. (Hervorhebungen durch den Autor)

Der Kriminologe Prof Dr. Dr. Michael Bock schreibt in seinem Gutachten 2001 im Auftrag des Deutschen Bundestags dazu: „Das Gewaltschutzgesetz geht von einem Feindbild „Mann aus, das empirisch nicht haltbar ist. Es fördert nicht den konstruktiven Dialog der Geschlechter, sondern ist ausschließlich auf Enteignung, Entmachtung, Ausgrenzung und Bestrafung von Männern gerichtet. Sein Ziel ist nicht, häusliche Gewalt zu bekämpfen, sondern ausschließlich Männergewalt.

Die Gewaltbereitschaft von Frauen ist groß

Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass Frauen enthemmter sind in ihrer Aggression und Gewaltbereitschaft, die Wirkung ihrer Schläge aber oft nicht einschätzen können. Hierzu ein persönliches Beispiel aus einem Karate-Training:

Im Karate-Training sind die erfahrenen Männer mit Schwarzgurt in Übungen mit Anfängern vorsichtig und zurückhaltend, um sie nicht zu verletzen. Wenn ein Anfänger aufgrund fehlerhafter Blocktechnik doch einmal einen Schlag abbekommt, entschuldigen sie sich für die mangelnde Kontrolle. Immer wenn ich aber eine Übung mit einer Schwarzgurt-Frau machte, wusste ich, dass ich höllisch aufpassen musste: Frauen platzieren Schläge ungehemmt mit voller Kraft und nehmen auch Verletzungen in Kauf – wehe dem, der einen Fehler macht. Ich selbst habe auch einiges einstecken müssen. Ein männlicher Trainingskollege musste einmal mit eingerissener Lippe ins Krankenhaus. Eine Entschuldigung von der Frau hat er aber nie gehört.

Frauen brauchen keine körperliche Überlegenheit, um sich in der gewalttätigen Auseinandersetzung durchzusetzen. Der entscheidende Faktor ist, dass sie oft weniger Hemmungen haben, Gewalt gegen einen Mann einzusetzen. Sie sind diesbezüglich geschichtlich nicht vorbelastet und ernten für ihre Gewalttätigkeit bei Freundinnen eher Sympathie und Verständnis als Kritik. Und sogar die Öffentlichkeit akzeptiert Gewalt von Frauen in bestimmtem Umfang: Frauen können einen Mann an einem öffentlichen Ort beschimpfen oder ihm eine Ohrfeige geben, ohne dass jemand einschreiten würde. Dagegen ist die Empörung meistens groß, wenn ein Mann eine Frau in der Öffentlichkeit beschimpft oder gar schlägt.

Sogar die Domäne der gewalttätigen Straßengangs ist längst nicht mehr den Männern vorbehalten. Der Spiegel berichtet in seiner Ausgabe vom 28. April 2006 von prügelnden und gewalttätigen Mädchenbanden in Berlin: „18 Jahre, brutal, weiblich: Junge Mädchen reißen anderen Haare und Ohrringe aus, boxen sie mitten ins Gesicht und treten noch zu, wenn die Opfer schon am Boden liegen. Jugendliche Gewalt ist längst keine Männersache mehr. Die Polizei warnt davor, die ,Engelsgesichter‘ zu unterschätzen."

„Mit Mädchen haben wir reichlich zu tun, sagt auch Nadine Koschnick, eine Polizistin aus Berlin-Wedding. „Da stellen sich die Mädels mit den Jungs auf eine Stufe. Nicht nur, weil sie sich prügeln. Auch in ihrem Gehabe unterscheiden sich die weiblichen Schlägerinnen kaum von ihren männlichen Vorbildern.

Die vielen internationalen Studien ebenso wie die einzelnen Fallbeispiele zeigen: Das Ziel der Forschung und Bekämpfung von Gewalt kann nicht länger die Stigmatisierung und Ausgrenzung von Männern sein. Die einseitige Darstellung und das fehlende Bewusstsein für die grundlegende Verschiebung der Gewaltanwendung zwischen den Geschlechtern macht ein Umdenken erforderlich. Nur dann können realistische Strategien und

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