Fürstenkrone 68 - Adelsroman by Gitta Holm by Gitta Holm - Read Online

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Fürstenkrone 68 - Adelsroman - Gitta Holm

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Fürstenkrone –68–

Rätsel um ein Findelkind

Wer ist der Vater des kleinen Hubertus?

Gitta Holm

Graf Eberhard von Rosenburg beobachtete fasziniert das Anlegemanöver der ›Poseidon‹. An Bord des hochmodernen Luxus-Liners der Mittelmeer-Route befand sich Silvia, seine innig geliebte Gattin, die nach einjährigem Aufenthalt auf der Insel Capri wieder deutschen Boden betrat.

Sein Blick glitt an der Bordwand empor. Er suchte unter den Passagieren, die sich an der Reling drängten, das Gesicht der Frau, der sein ganzes Herz gehörte. Endlich hatte er es entdeckt.

Mit einem abwesenden Lächeln ließ Gräfin Silvia den Trubel der Ankunft über sich ergehen. Sie schien mit ihren Gedanken in unbekannten Fernen zu weilen.

Ob der Klimawechsel sie von ihren schrecklichen Depressionen geheilt hat? fragte sich der Graf bangen Herzens. Und dabei schien der Beginn ihrer Ehe unter einem wahren Glücksstern zu stehen.

Er begegnete dem Top-Model Silvia Morena, die als eine der schönsten Frauen der Welt galt, auf einem Wohltätigkeitsball der UNICEF. Eine Tatsache, die ihn stark verwunderte. Er vermutete sie in einem völlig anderen Milieu. Erst später erfuhr er durch die Presse, daß ein Großteil der Traumgagen aus ihrer Laufstegkarriere an hilfsbedürftige Kinder in aller Herren Länder floß. Ein von ihr gestiftetes SOS-Kinderdorf wurde nach ihr benannt.

Es war Liebe auf den ersten Blick. Das Schicksal hatte Silvia Morena und Graf Eberhard, von Freunden und Verwandten stets Hardy genannt, füreinander bestimmt. Die Hochzeit auf Schloß Rosenburg wurde zu einem gesellschaftlichen Ereignis ersten Ranges. Dem gräflichen Paar schien eine glückliche Zukunft beschieden zu sein

Aber was so wundervoll begonnen hatte, schien sich in das Gegenteil zu verkehren. Gräfin Silvia erlitt mehrere Fehlgeburten. Der innigst ersehnte Schloßerbe blieb aus. Es stand zu befürchten, daß das gräfliche Paar niemals gesunde Kinder sein eigen nennen durfte. Der Kummer machte aus der einstmals so strahlenden Schönheit, die so gerne lachte und scherzte, eine blasse, verhärmte, zu schweren Depressionen neigende Frau.

Wenn der Graf an diese Veränderung dachte, erfaßte ihn eine große Verbitterung. Er liebte Kinder über alles. Eine Ehe ohne Kinder galt für ihn als nicht vollkommen. Aber er liebte auch Silvia über alles und würde sie um nichts in der Welt hergeben. Und deshalb bemühte er sich, seine große Enttäuschung mit Würde und Anstand zu tragen.

Sie versuchten, das heikle Thema zu umgehen. Aber manchmal trafen sich ihre Augen zu stummer Zwiesprache. Und jeder konnte in dem Blick des anderen lesen, wie ihm innerlich zumute war.

Silvia fiel in einen Zustand tiefer Melancholie. Sie mochte keine Nahrung mehr zu sich nehmen und magerte bis auf die Knochen ab. Ihre Umgebung machte sich die größten Sorgen. Da verfiel ein Arzt, der als Kapazität für psychosomatische Erkrankungen galt, auf die Idee, die junge Gräfin einem ganz radikalen Klimawechsel zu unterwerfen.

Er empfahl, die graue Wolkenlandschaft des deutschen Nordens gegen die heiteren Gefilde des sonnigen Südens einzutauschen. Am Fuß der Landungsbrücke darauf harrend, seine nach einjähriger Abwesenheit heimkehrende Frau in die Arme zu schließen, fragte der sich ängstlich, ob die Therapie des Arztes ein voller Erfolg gewesen war.

*

Graf von Rosenburg hatte seine leidende Gemahlin zwischenzeitlich einige Male besucht. Der Arzt hatte ihm geraten, mit diesen Besuchen sparsam umzugehen. Das gegenseitige Wiedersehen geriet jedesmal zu einem Fest. Sie genossen ihre Zweisamkeit in vollen Zügen. Silvia hatte ihre zeichnerische Begabung entdeckt.

Sie ließ den Grafen die Ergebnisse ihrer künstlerischen Arbeit sehen.

Sie malte stets nur Kinder – spielende Kinder am Strand..., beim Orangenpflücken..., beim Eselreiten..., immer wieder Kinder. Dieses ständig sich wiederholende Motiv hatte den Grafen zutiefst gerührt und gleichermaßen beunruhigt. Waren die Zeichnungen das Spiegelbild einer kranken Seele? Er wußte darauf keine Antwort.

Da kam Silvia. Mit der anmutigen Haltung einer jungen Königin schritt sie über die Gangway. An ihrem rechten Handgelenk hing ein kleiner Lederkoffer. Er enthielt einen Teil des kostbaren Schmucks, den er ihr im Lauf der Ehe geschenkt hatte. Die Familienjuwelen wurden in einem Spezialtresor des Schlosses verwahrt und immer nur zu besonderen Anlässen getragen.

Silvia hatte ihren Mann erst im letzten Moment in der wartenden Menge erblickt. Als sie ihn erkannte, war es, als würde ein unsichtbarer Schleier von ihrem Gesicht entfernt. Ihre dunkelbraunen Augen, die einen so aparten Kontrast zu ihrem schulterlangen Blondhaar boten, leuchteten auf. Ihre Lippen öffneten sich zu einem strahlenden Lächeln.

»Hallo, Liebster! Da bin ich...«

»Silvia, mein Herz!« Die Stimme des Grafen klang rauh vor innerer Bewegung. Dann schloß er sie mit einem unterdrückten Jubellaut in seine Arme und küßte sie stürmisch auf den Mund.

»Herrgott, bin ich froh, dich wieder bei mir zu haben«, gestand er mit einem jungenhaften Lächeln. »Du ahnst nicht, wie sehr ich dich vermißt habe. Es war eine schreckliche Zeit ohne dich und ich habe mich verdammt einsam gefühlt.«

»Ich auch«, bekannte Silvia offen. »Manchmal war ich nahe daran, den nächsten Flieger zu nehmen und zu dir zu kommen. Aber dann habe ich an den Rat des Arztes gedacht und mich in das Unvermeidliche gefügt.«

»Und wie fühlst du dich? Ist dir die Schiffspassage gut bekommen?«

»Mir geht’s phantastisch. Das Wetter war herrlich und das Essen köstlich. Ich glaube, ich habe auf der Route mindestens zwei Kilo zugenommen. Wäre ich noch in meinem alten Beruf, müßte ich sofort eine Fastenkur einlegen.«

»Um Himmels willen! Das fehlte noch. Ein paar kleine Rundungen können dir nicht schaden.«

»Lieb, wie du das sagst.« Silvia küßte ihn flüchtig auf die Wange.

Unterdes war man bei der Zollkontrolle angelangt.

»Etwas zu verzollen?« fragte der Beamte förmlich.

»Meine Frau hat nur ihr persönliches Gepäck bei sich«, antwortete der Graf an Stelle seiner Frau.

»Bitte öffnen Sie diesen Koffer!« sagte der Beamte und deutete auf einen mittelgroßen roten Saffiankoffer.

Silvia ließ die beiden Schlösser aufschnappen und klappte den Deckel hoch. Zuoberst lag ein hauchzartes, spitzenbesetztes Negligé.

»Es ist nur Wäsche, wie Sie sehen«, sagte sie hastig und versuchte den Deckel wieder zu schließen.

Ihre offenkundige Nervosität schien den Beamten mißtrauisch zu machen.

»Nicht so hastig, meine Dame«, sagte er, zog den Koffer zu sich heran und begann, den Inhalt zu durchsuchen. Unter dem Negligé kam eine komplette Babyausstattung zum Vorschein. Windeln, Strampelhöschen, Jäckchen, alles, was man für die Ankunft eines neuen Erdenbürgers benötigt.