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Das Buch Karl: Erleuchtung und andere Irrtümer

Das Buch Karl: Erleuchtung und andere Irrtümer

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Das Buch Karl: Erleuchtung und andere Irrtümer

Length:
214 pages
3 hours
Released:
Mar 12, 2018
ISBN:
9783958832626
Format:
Book

Description

Nirgends wird so viel gelacht wie in seinen Talks. Karl Renz hat dieselbe Leidenschaft für Wahrheitssuche im Gespräch wie einst Sokrates. Und denselben Spaß an Witz und Wortspiel wie Heinz Ehrhardt. Weil er selbst ohne Lehrer erwachte, ist er unbeschwert von heiligen Traditionen. Eine muntere Gesprächsatmosphäre voll Widerspruchsgeist und Zwischenrufen ist ihm lieber als jede weihevolle Aura. Dafür erteilt er auch keinen therapeutischen Rat. Statt dessen führt er alle Ideen von persönlicher Entwicklung ad absurdum. "Erst die Erkenntnis, vor dem Ich-Gedanken zu sein, entfernt die Wurzel aller Probleme."

Bei seinen Zuhörern stellt sich diese Erkenntnis mit plötzlicher Verblüffung ein. Allerdings immer erst, nachdem der Verstand wie im Hamsterrad im Kreis gelaufen ist. Dieses Rad treibt Karl pointenreich und unnachgiebig zu atemraubender Geschwindigkeit - bis dem Zuhörer nur der Absprung bleibt. Das ist der Absprung in die Freiheit. In die Erkenntnis, vor dem Verstand zu sein.

Dietmar Bittrich, Autor des "Gummibärchen Orakels", hat Dialoge und Gesprächspassagen aus den Talks von Karl Renz ausgewählt. Nach Themen zusammengestellt - Partnerschaft, Gesundheit, Meditation, Karma, Rolle des Lehrers - führen sie den Leser in dieselbe Atmosphäre von Fröhlichkeit und leichtem Sein wie den Live-Zuhörer.
Released:
Mar 12, 2018
ISBN:
9783958832626
Format:
Book

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Das Buch Karl - Karl Renz

1.

Was bringt das hier überhaupt?

Warum sitzt du da vorne?

Frage: Was entscheidet, dass du da vorn sitzt und ich hier hinten?

Karl: Das, was dich dahin gesetzt hat, ist das, was mich hierher gesetzt hat. Aber was das ist, weiß ich nicht. Es ist kein Handelnder. Es hat keine Richtung. Es ist die Willenlosigkeit, die sich hier und da willenlos in zwei verschiedenen Aspekten zeigt.

F: Dann könnten wir ja tauschen.

K: Natürlich. Auch das wäre Teil der Inszenierung. Das Bewusstsein spielt all diese Rollen: Welt, Raum, Zeit. Jede Figur, die hier sitzt, ist vom Bewusstsein gespielt. Das, was hier spricht, ist das, was da hört. Alles Bewusstsein, keine Trennung.

F: Alles das gleiche Bewusstsein.

K: Nicht das gleiche Bewusstsein, sondern dasselbe Bewusstsein. Da ist nichts Getrenntes.

F: Aber das Bewusstsein spielt da vorn einen Erleuchteten.

K: Nein, es spielt eine Tasse. Einen Erleuchteten gibt es hier nicht. Anderswo übrigens auch nicht. Eine Tasse wird nie erleuchtet werden. Sie ist nur eine Form. Sie ist als Erscheinung da. Genauso ist das Ich eine Form. Ich bin wie eine Tasse und genauso hilflos in der Erleuchtung wie alle, die wir hier sitzen. Wir sind absolut hilflos.

F: Dann kann das ja ein heiterer Abend werden. Geklärt wird hier nichts?

K: Nein. Du brauchst dich also nicht anzustrengen. Es gibt nichts mitzunehmen, nichts zutragen. Wenn du merkst, dass du dich anstrengst, heißt das, du willst für dich etwas mitnehmen. Du willst etwas klären, überflüssigerweise, wie ein heißlaufendes Klärwerk, das versucht etwas zu klären, was schon absolut klar ist.

F: Ist es verboten, so etwas wie Hilfe für den Alltag zu erwarten?

K: Überhaupt nicht. Und weißt du, was die absolute Hilfe ist? Das Erkennen, dass es keinen Alltag gibt. Nur das ewige Jetzt. Das, was du bist. Da kommt nichts und geht nichts.

F: Damit kann ich nichts anfangen.

K: Du brauchst nichts damit anzufangen. Du kannst es gar nicht. Denn alles wird mit dir gemacht. Durch dich und mit dir. Du bist die Quelle und das, was ihr entspringt. Du bist das. Was ist da noch Alltag? Alles ist das ewige Jetzt deiner absoluten Existenz.

F: Absolut, total, nichts und Jetzt. Aber es gibt doch auch kleine Erkenntnisse, die einem Luft verschaffen!

K: Das, was sich Luft macht, wird wieder eingeengt. Was Hilfe bekommt, wird wieder hilflos. Was wach werden kann, schläft wieder ein. Darum müsstest du dich ständig kümmern. Aber du brauchst dich darum nicht zu kümmern. Es ist nicht die Realität. Das, was Realität ist, hat kein Kommen und Gehen. Es ist nicht der Zeit unterworfen. Dafür musst du nichts tun. Sei das, was du bist, vor dem, was ist oder nicht ist.

F: Das werde ich tun. Eine wunderbar hilfreiche Beschreibung!

K: Es war keine Beschreibung. Und du kannst auch nichts tun.

F: Das wollte ich damit sagen.

K: Es ist ein Hinweis auf etwas, das sich nicht beschreiben lässt. Es beschreibt sich selbst in Allem und in Nichts. Ganz gleich, wo ich hinzeige, ich zeige immer auf mich selbst. Immer auf das, was ist. Ich kann mich nie verfehlen. Ich kann nur auf mich selbst zeigen. Es gibt keine Richtung, in der das Selbst nicht wäre.

F: Auch ich bin das Selbst?

K: Ja. Deshalb kannst du dich jetzt nach vorne setzen.

Was geschieht hier eigentlich?

Frage: Irgendetwas geschieht hier. Irgendetwas teilt sich mit, in den Worten und ohne die Worte. Etwas steckt an und bleibt.

Karl: Für eine Weile ist dein Schutzpanzer weg. Der Filter deiner Vorstellungen. Da ist nur die Unwissenheit. Nacktheit von jeglicher Definition, was du bist. Und diese Nacktheit bleibt. Sie erkennt sich selbst. In ihr kann keine Idee sich halten. Das schwingt in den Worten mit. Sie löschen deine Vorstellungen aus, jedenfalls für eine Weile, bis sie wiederkommen. Und nach einiger Zeit kann es passieren, dass du die Ideen als Ideen erkennst.

F: Und dieses Erkennen nützt etwas?

K: Nein. Nicht, wenn der Erkennende übrig bleibt.

F: Stimmt. Der Erkennende bin ich – ich bin es ja, der möchte, dass es etwas nützt.

K: Dagegen lässt sich nichts machen. Der Erkennende fällt erst um, wenn er umfällt. Man nennt dies Gnade. Der Erkennende fällt um mit dem winzigen Aha, dass dem, was du bist, nie etwas passiert ist.

F: Nie etwas passiert – aber heißt Nacktheit nicht auch, verletzlich zu sein?

K: Ja, es gibt keinen Schutzpanzer mehr. Selbsterkenntnis bedeutet vollkommene Berührbarkeit. Wehrlosigkeit. Alles, was in deiner Wahrnehmung auftaucht, fühlst du mit. Du kannst nicht mehr Nein sagen. Zu nichts. Du bist vollkommen das, was du erkennst. Du bist vollkommen das, was in deiner Wahrnehmung ist. Da ist keine Trennung zwischen Wahrnehmen und Wahrgenommenem.

F: Das klingt überwältigend.

K: Viele, die das erfahren und nicht wissen, was es bedeutet, landen in der Psychiatrie. Da ist kein Filter namens Ich mehr. Alle Informationen der Außenwelt strömen ungefiltert ein. Und wir reden hier darüber für den Fall, dass es auftreten sollte. Damit dann keiner ausflippt.

F: Oder damit wir wenigstens wissen, warum wir ausflippen.

K: Ich kann nur darauf hinweisen, wie dumm es ist, das abzuwehren. Im Schutzpanzer des Ich-Gedankens gibt es die Vorstellung, dass es etwas anderes gebe als dich. Dass es jemanden gebe, dem etwas passieren könnte. Aber du bist das, was ohne Zweites ist. Und alles, was dich berührt, alles, was du erfährst, bist du selbst. Das ist Selbsterkenntnis.

F: Und nur der Schutzpanzer verhindert sie?

K: Ich kann ihn dir nicht nehmen. Das hieße ja auch, dass irgendetwas verkehrt wäre mit dir. Aber es ist nichts verkehrt daran, einen Panzer zu haben, solange er da ist. Irgendwann fällt er. Spätestens im Tod. Er könnte auch jetzt schon fallen. Dann würdest du sehen, dass du dich nicht wehren kannst.

F: Manchmal sehe ich das.

K: Zum Beispiel, wenn du dich verliebst. Du kannst nicht beschließen, dich zu verlieben oder dich nicht zu verlieben. Es kommt einfach. Du bist wehrlos. Das Gefühl des vollkommenen Verliebtseins und der Wehrlosigkeit ist dein natürlicher Zustand.

F: Aber das ist ein Zustand, den ich deutlich erleben kann.

K: Und du wirst ihn, wenn es sein soll, nicht mehr relativ erfahren, sondern absolut. Das heißt: Es wird keinen mehr geben, der den Zustand erfährt. Das könnte auch keiner ertragen. Dieses Mitgefühl, dass alles in dich reinströmt – in dein Wahrnehmen und in deine emotionale Welt – ist für ein Ich unerträglich. Für das Selbst ist es vollkommen natürlich.

F: Hört sich aber anstrengend an.

K: Wenn die Gnade auftaucht, entsteht die Leere, in der die Person nicht mehr sein kann. Mit dem Gewahrsein taucht das Höllenfeuer auf, in dem das kleine Ich nicht existieren kann.

F: Sagtest du Höllenfeuer?

K: Nenne es Gnade oder Höllenfeuer. Keiner kann es verhindern und keiner beschleunigen. Die Gnade ist ein Mysterium und wirkt in einer mystischen Sphäre. Unbedingbar, unkontrollierbar.

F: Aber die Präsenz im Satsang bringt sie doch hervor?

K: Oder auch nicht. Präsenz ist keine Bedingung. Satsang ist keine Bedingung. Es gibt keine Bedingung. Die Möglichkeit besteht immer.

F: Ich merke nur, seit ich häufiger im Satsang bin, habe ich Schlafstörungen.

K: Andere empfinden mich als Schlaftablette. Aber wenn es so sein soll, dass du durch Schlaflosigkeit erfährst, was du bist – und du bist Schlaflosigkeit an sich! –, dann wird es so geschehen. Das, was du bist, erwacht nie und schläft nie. Schlafen und Wachwerden erscheinen darin als Zustände. Aber das, was du bist, kennt keinen Schlaf. ’Awareness’ im Englischen ist Wachheit. Wachheit, die nie schläft und auch im Tiefschlaf vollkommen da ist. Wachheit, Schlaflosigkeit – wenn es so sein soll, und das ist der Weg für dich, wunderbar!

F: Aber ich bekomme Kopfschmerzen

K: Warum sollte es dir besser ergehen als mir? Fünf Jahre Migräne, Schlaflosigkeit, immer in diesen Donner von Licht eintauchen und nur selten abschalten. Wenn die Energie losgelassen wird, kann das passieren.

F: Klingt sehr verlockend.

K: Schlaflosigkeit, elektrische Blitze, der Kopf eine weite dröhnende Glocke, Schmerzgewitter, Zirkusvorstellung. Das Bewusstsein ist reine Energie und wird in jeder Zelle wach, im Kopf, im ganzen Körper. Das ist Höllenfeuer. Die Gedankenwelt wird auseinandergeblasen, der Körper dreht durch. Alles muss gehen. Die absolute Intelligenz wird wach in dir, da kann die Energie nicht schlummern. Wegen der Lichterscheinungen ist das Erleuchtung genannt worden. Materie und Antimaterie fusionieren und werden zu Gewahrsein. Da gibt es Kernreaktionen wie auf der Sonne. Du bist ein Kernreaktor!

F: Früher war ich gegen Atomkraft.

K: Und jetzt bleibst du vielleicht ruhig, weil du weißt, was diese Symptome bedeuten. Es sind nur Begleiteffekte. Die Ruhe und das Schweigen sind immer da. Die Stille ist die

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