Freyja by Birgit Scheele by Birgit Scheele - Read Online

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Freyja - Birgit Scheele

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Birgit Scheele, geboren 1984 im schönen

Bremerhaven an der Nordsee. Sie lebt noch heute

dort zusammen mit ihrem Mann und ihren gemeinsamen

drei Töchtern.

Seit ihrem 17. Lebensjahr schreibt sie Fantasy-Kurzgeschichten

und lernte über die Schreiberei

später auch ihren Mann kennen.

Ich widme dieses Buch

meinen Kindern Finja, Alina und Telia

frei nach der Edda

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Wanaheim

Hochzeit

Die Menschen

Gullveig

Der Wanenkrieg

Der Austausch

Neuanfang

Der Preis für Weisheit

Asgards Mauern

Kinder

Fenrir

Brisingamen

Mjölnir

Das neue Leben

Unsterblichkeit

Skadi

Visionen

Hyndla

Abschied

Rache

Lokis Verbannung

Vorzeichen

Epilog

Prolog

An einem lauwarmen Spätsommerabend schlenderte eine junge Frau, mit einem eleganten Schritt, an einem einsamen Strand entlang.

Nur vereinzelt traf sie auf ein paar Menschen, die ihre Hunde ausführten oder auf Gruppen, die am Strand feiern wollten. Ihr Auftreten wirkte perfekt, ihr Aussehen war ohne Makel.

Hochgewachsen mit langen, hellen Haar und mit nur einem dünnen, weißen Kleid bekleidet, beobachtete sie die dunkle See vor sich. Ihr kostbarer, goldener, mit Diamanten besetzter Halsschmuck, glitzerte im Licht der untergehenden Sonne.

Obwohl sie so zart und blass wirkte, war ihre Ausstrahlung, ihre Präsenz, so mächtig, dass andere Menschen einen weiten Bogen um sie machten oder den Strand ganz verließen.

Instinktiv, empfanden sie die junge Frau als unheimlich, als sei sie ein anderes Wesen aus alten Zeiten.

Aber die allermeisten Leute nahmen sie gar nicht wahr.

Einst war das anders gewesen. Man hatte sie und ihres gleichen verehrt. Verehrt als Götter. Die Menschen brachten ihnen regelmäßig Opfergaben.

Vorzugsweise Tiere. Aber hauptsächlich kostbare Gegenstände, wie Waffen oder Schmuck.

Manchmal, wenn ihre Not sehr groß war, brachten sie ihren Göttern sogar Menschenopfer. Sie erbauten Tempel, um dort ihre Rituale zu Ehren ihrer Götter abzuhalten. Beeindruckende Gebäude waren das! Sie feierten ihnen zu Ehren große, berauschende Feste mit viel Speis und Trank.

Doch die Zeiten hatten sich verändert. Die Menschen begannen sich immer mehr, anderen Gottheiten zuzuwenden und ihre alten Götter verkamen immer mehr zu Märchengestalten. Die Tempel zerfielen und keine Feste wurden mehr ihnen zu Ehren gefeiert. Kaum noch vernahm die junge Frau von den Menschen einen Hilferuf oder ein Danke für die gute Ernte, für die Fruchtbarkeit oder für die Schönheit der Natur.

Die Frau seufzte und setzte sich an das Ufer, gerade so, dass die kühlen Wellen ihre Füße um schmiegten. Der Wind frischte auf. Elegant hob sie ihre zarte Hand und es schien, als streichelte sie den Wind. Er kam zur Ruhe. Sie lächelte.

Mit einem Zauber holte sie sich ein leeres Buch herbei, eine alte Schreibfeder und natürlich ausreichend Tinte.

Das Wetter war einfach perfekt zum Schreiben. Sie wollte etwas von sich für immer für die Nachwelt hinterlassen.

In Gedanken sah sie zur untergehenden Sonne und dann wieder auf die leeren Seiten. Mit einer Handbewegung erschuf sie ein magisches Feuer neben sich, damit sie ausreichend Licht zum Schreiben hatte.

Ihre Gedanken gingen zurück zu einer Zeit, als die Erde noch jung war. Eine Zeit in der sie noch zu Hause bei ihrer Familie gelebt hatte und sie selbst noch sehr jung war.

Der Tag, an dem sie heiraten sollte.

Sie schmunzelte lächelnd, tauchte die Feder in die Tinte und begann zu schreiben:

Wanaheim

>>Ich bin Freyja. Eine Wanengöttin aus der alten Zeit. Für die Menschen war ich einst die Göttin der Liebe, der Fruchtbarkeit, des Krieges und des Todes.

Aber ich war auch eine Geisel der Asengötter.

Und dies ist meine Geschichte:

Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich in Wanaheim. Es grenzt direkt an Midgard, aber damals gab es noch keine Menschen und Midgard wurde nur von Tieren und Pflanzen besiedelt. Wir Wanen halfen, gemeinsam mit den kleinen Lichtalben, dabei, dass die Natur im Gleichgewicht blieb und keine Art überhand nahm. Von den anderen Göttern, den Asen, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nichts.

Ich hatte keine ruhige Kindheit. Gemeinsam mit meinem Zwillingsbruder Frey wurde ich auf ein Leben als Königin der Wanen vorbereitet.

Mein Vater Njörd herrschte zur Zeit über Wanaheim. Meine Mutter Nerthus hatte uns schon früh verlassen. Eigentlich habe ich kaum eine Erinnerung an sie und Vater sprach nicht gern über meine Mutter.

Ich weiß nur, dass sie eines Tages nach Midgard reiste und nie wieder kam. Sie hat sich dort an einem See niedergelassen und genoss ihr neues Leben in der Stille der Natur Midgards.

Ihre Entscheidung war damals schwer für uns alle gewesen, aber mit der Zeit genoss ich es, mit meinem Vater und mit Frey allein in unserem großen, goldenen Palast zu wohnen.

Mein Vater war doch ganz anders als sie. Er ist eher der Gemütliche, aber Nerthus? Die paar Erinnerungen, die ich an sie habe, sind die, an eine sehr strenge Mutter, die keine Fehler akzeptierte. Aber ich hasste sie nicht. Nein, ich liebte sie. Ich verstand, dass sie nur das Beste für uns wollte. Wie alle Mütter, nur das Beste für ihre Kinder wollen.

In meiner Kindheit lernte ich die Magie der Natur und die Magie der Elemente zu kontrollieren. Ich lernte, wie man kämpft und vor allem wie man ein Volk anführt.

Ganz wichtig ist es auch seine eigenen Gefühle zu kontrollieren, was mir doch am meisten schwerfiel.

Aber meine Eltern hatten leider recht, wenn sie sagten, dass man als Anführer vor allem sich selbst beherrschen muss. Das sollte ich im Laufe meiner Geschichte noch schmerzlich lernen.

Mein Bruder Frey ist mir in allen Dingen ebenbürtig. Schon früh stand fest, dass wir eines Tages heiraten und gemeinsam über die Wanen und den Lichtelfen herrschen werden.

Und dieser Tag war schneller gekommen, als ich gedacht hatte:

An einen warmen, sonnigen Morgen probierte ich in meinem Saal aufgeregt sämtliche Gewänder an die ich besaß, lies mich immer wieder neu frisieren und lief ab und zu, unruhig vor meinen großen Spiegel auf und ab.

Ich kann mich kaum noch an meine Räumlichkeiten in Wanaheim erinnern. Aber ich weiß noch, dass mein Saal wunderschön war.

Direkt an meinen Saal lagen meine dichtbewachsenen Gärten, mit vielen Teichen, Brunnen und Skulpturen. Teilweise aus Gold, teilweise aus Marmor.

Ja.. Wir Wanen besaßen viel Gold, aber genau deswegen war es für uns auch nicht wertvoll.

Wanaheim selbst ist von allen der neun Welten, die Heimat mit den meisten Pflanzen und Tierarten und sie strahlen dort eine unglaubliche Ruhe und eine heilende Magie aus!

Doch nun wieder zu meinem Hochzeitstag:

Ich hielt meine Nervosität nicht mehr aus.

Nachdem mein Hochzeitsgewand gut saß, meine Haare wunderschön frisiert waren, verließ ich aufgebracht meinen Saal und betrat meinen großen Garten. Ich lies mich auf die beruhigenden Energien der Pflanzen und Bäume ein, lauschte dem Vogelkonzert und spürte, wie ganz langsam die ganze Anspannung von mir abfiel.

Da war mein ganzen Leben schon so früh verplant und durch gedacht und doch malte ich mir in meinen Träumen das Leben als Königin der Wanen genau aus.

Ich nahm mir vor, immer das Richtige für die Wanen und für die Natur zu tun. Ich wollte, dass sich hier in Wanaheim alle wohlfühlten. Viele Kinder wollte ich mit Frey haben. Und ihnen eine gute, liebevolle Mutter sein. Sie sollten anders aufwachsen, als ich es musste. Liebevoller. Wir Wanen waren generell ein sehr friedliebendes Volk.

Wir besaßen nur einfache Waffen.

Auseinandersetzungen mit Riesen oder Trollen versuchten wir weitgehendst zu vermeiden.

„Freyja? Verzeiht, aber.. es wird langsam Zeit.." hörte ich plötzlich eine Dienerin zögernd sagen.

Ich hatte ihr Kommen gar nicht gehört. So tiefen entspannt war ich mittlerweile.

Die Zeit hatte ich komplett vergessen. Die Aufregung kam wieder hoch und ich hatte Mühe es vor der Dienerin zu verbergen. Ich nahm einen tiefen Atemzug und nickte ihr nur kurz zu.

„Ich weiß, ich komme sofort!"

Sie nickte und ich wandte meinen Blick von meinem Garten ab. Ein letztes Mal betrat ich meine Räumlichkeiten. Dort richtete nochmal meine Frisur und das feine, silberfarbene Gewand und lies mich anschließend von einigen Waninnen zu unserem Festplatz begleiten.

Mein Herz schlug mir bis zum Hals und konnte das leichte Zittern meiner Hände nicht mehr verbergen, als wir zu unserem heiligen Festplatz gingen.

Das Wetter war herrlich. Die Sonne stand hoch am Himmel, aber es war nicht zu heiß.

Frey wartete schon auf mich und konnte sich ein fröhliches Lachen nicht verkneifen, als er mich so aufgeregt sah. Vor ihm konnte ich nie meine Gefühle verbergen. Die Last, wenn man einen Zwilling hatte.

Er kam mir entgegen und nahm meine Hand.

„Es wird alles gut." flüsterte er leise und küsste zärtlich meine Hand.

Ich sah ihm an, dass ich ihm gefiel und auch er sah wirklich wundervoll aus. In einer goldenen Seidenrobe, wirkte er so warm und herzlich, wie die Frühlingssonne.

Unser Vater Njörd sah sichtlich stolz aus. Er hatte sich ebenfalls eine festliche, tiefblaue Seidenrobe angezogen. Er liebte die Farbe des Meeres.

„Ihr seid, wie immer, ein wunderschönes Paar! sagte er stolz zu uns. „Kommt, die anderen Wanen warten schon!

Ich nickte. Meine Aufregung legte sich. Ich war bei meiner Familie. Wir drei vereint. Da konnte nun gar nichts mehr schiefgehen.

Die Hochzeit

Bei meinem Volk ist es vollkommen normal, dass sich auch Geschwister verheiraten, warum auch nicht? So ergänzen sich unsere magischen Fähigkeiten einfach am besten. Liebe ist eben Liebe und da gibt es keine Regeln, keine Vorschriften. Zumindest gibt es sie bei uns Wanen nicht.

Auf dem Weg zu unserem heiligen Weiher, richtete ich nochmal gefühlte hundert Mal mein Kleid und meine Haare. Ich zog meinen goldfarbenen Stoffgürtel nach und richtete meinen goldenen Stirnreif.

Ich hatte einfach Sorgen, dass irgendetwas nicht absolut perfekt war. Aber die Sorgen waren umsonst.

Die bewunderten Blicke meines Volkes, während ich mit Frey durch den dichtbewachsenen Wald schritt, vor allem die Blicke der Männer, erfüllten mich mit Stolz. Und doch war ich noch immer furchtbar aufgeregt, aber das lies ich mir nicht anmerken.

„Du siehst einfach wundervoll aus." beruhigte mich Frey und drückte meine Hand vorsichtig.

Mein Bruder Frey. Ihm konnte ich nie etwas vormachen. Und er mir auch nicht. Wir kannten uns einfach zu gut!

Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir an unserem heiligen Weiher an. Der Ort war einfach wunderschön. Die Sonne trat gerade zwischen den Bäumen hervor und warf ihr rötliches Licht auf das klare Wasser. Die Vögel sangen ihre Lieder für uns.

Mein Vater Njörd ging voran zu den kleinen Wasserfall. Ich spürte sämtliche Blicke der Wanen auf uns gerichtet.

Hoffentlich ging jetzt nichts schief!

Unser Vater nahm uns das gegenseitige Versprechen ab, immer füreinander da zu sein, weise und gerecht zu herrschen.

Ich hörte kaum zu, war ich doch viel zu beschäftigt mit meiner Aufregung.

Das Versprechen wurde mit einem Kuss besiegelt.

Anschließend wurde noch ein wenig Wasser aus der Quelle über unseren Händen gegossen und so war unsere Ehe nun endgültig geschlossen.

Die Wanen waren begeistert. Sie bewarfen uns mit Rosenblättern und zwei Diener brachten uns unsere Reiteber.

Mir fiel ein großer Stein vom Herzen. Endlich war es vollbracht! Aber egal was auch passierte, niemals wurde ich noch mal heiraten und mir so einen Nervenkitzel antun. Das schwor ich mir, als ich mit Frey auf einen riesigen, breiten Eberrücken kletterte.

Wir ritten auf dem Eber zurück zu unserem großen Festplatz, in der Nähe meines Palastes. Es wurde mit dem kostbarsten Wein angestoßen und die besten Speisen wurden aufgetischt. Einige Wanen spielten fröhliche Lieder auf ihre Musikinstrumenten.

Alles war perfekt, alles lief so, wie es geplant war, aber dann betrat eine Wanin den Feier, die ich schon fast vergessen hatte.

Alle verstummten, die Musik hörte auf zu spielen und es stellte sich binnen Augenblicke eine beängstigende Totenstille ein.

Njörds Blick verfinsterte sich immer mehr, während die Wanin stolz auf uns zu schritt. Die Blicke meines Volkes störten sie nicht im Geringsten.

Wir haben ein Problem! begann sie ruhig und musterte uns kurz.

„Wie groß muss ein Problem sein, dass du Midgard verlassen hast und so dreist bist, die Hochzeit unserer Kinder zu stören?" fragte Njörd ruhig. Aber ich sah, dass er kurz vorm Ausrasten war.

Ganz gelassen, stellte er dabei seinen Becher Wein auf den Tisch.

„Midgard hat neue Bewohner. Sie nennen sich Menschen und nun ratet mal, wo sie herkommen? fragte Nerthus aufgebracht. „Sie erzählten, dass sie von ihren Göttern geschaffen wurden. Den Asen. Diese sollen in einer Welt im Norden leben, über den Regenbogen! Asgard wird diese Welt genannt.

Nerthus setzte sich einfach neben Njörd und nahm ein Schluck von dem Wein aus seinem Becher.

Wir beobachteten sie eine Weile. Als Frey und ich schließlich lachen mussten, konnten sich die anderen auch nicht mehr zurück halten.

„Nein... Nein, das ist kein Scherz! Ich habe für ein paar Tage eine Siedlung der Menschen beobachtet und sie belauscht. Tatsächlich habe ich auch die Asen gesehen. Drei Männer, viel größer, breiter und kräftiger als wir. Bei weitem nicht so groß, wie die Riesen, aber diese Asen sehen auch nicht so aus, als könnte man mit ihnen spaßen! warnte und Nerthus. „Diese Menschen kann ich noch nicht einschätzen. Aber noch können sie uns nicht gefährlich werden, sie besitzen nicht den Hauch von Magie und sind Kräfte mäßig wohl ähnlich wie wir.

Ihr strenger Blick ruhte auf uns. Es störte sie, dass wir sie nicht ernst nahmen.

Njörd nahm darauf noch ein Schluck Wein und überlegte.

„Also, dann haben wir in Midgard nun ein Volk der Menschen, im Osten liegt Jotunheim mit unseren Feinden den Riesen, im Westen die Welt Lichtelfen, in Swartalfheim leben die Zwerge und Trolle und nun noch die Asen in Asgard und keiner weiß, auf welche Seite diese Asen stehen.

Wenn sie nun Verbündete der Riesen sind…? Na dann gute Nacht." sagte er seufzend und fuhr sich durch sein schulterlanges Haar.

„Also die Menschen sind auf jeden Fall keine Verbündete mit den Riesen. Eher das Gegenteil.

Die Riesen, vor allem die Sturmriesen, zerstören ihre Siedlungen. erwiderte Nerthus. „Und erst die Frostriesen im Winter! Nein, Menschen sind wahrlich keine Freunde der Riesen.

Es wurde wieder still auf den Festplatz. Ich sah Frey lange an und nahm seine Hand.

Nicht alle Riesen waren unsere Feinde, aber vor allem die Sturm- und Frostriesen machten öfters Chaos in Wanaheim und Midgard. Wir halfen den Pflanzen, Tieren und die Erde (meine Freundin Jörd) mit unserer Kraft. So gut es eben möglich war.

„Also gut, wir gehen dem nach.. entschied Frey schließlich entschlossen. „Freyja und ich nehmen ein paar Wanen mit und stellen uns den Asen vor.

Aber Njörd nahm