Dr. Laurin 167 – Arztroman by Patricia Vandenberg by Patricia Vandenberg - Read Online

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Dr. Laurin 167 – Arztroman - Patricia Vandenberg

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Dr. Laurin

– 167–

Unsichtbare Tränen

Tanjas große Liebe ein Traum – oder Albtraum?

Patricia Vandenberg

»Tanja Breken!«, rief Dr. Leon Laurin überrascht aus, als eine schlanke, sehr elegant gekleidete junge Frau sein Sprechzimmer betrat.

»Seit drei Wochen Tanja Dallberg«, berichtigte sie ihn mit einem charmanten Lächeln. »Ist die Überraschung gelungen?«

»Die Überraschung ist sogar hundertprozentig gelungen«, erwiderte Dr. Laurin, »und ich darf gleich gratulieren.«

Das tat er allerdings nur mit halbem Herzen, während er dachte, dass sie also auch das erreicht hatte. Ihr war es tatsächlich gelungen, Peter Dallberg zum Standesamt zu zitieren. Nur war es seltsam, dass man davon gar nichts gehört hatte, selbst seine Schwester Sandra nicht, die doch sonst immer bestens informiert war.

»Zum Baby können Sie hoffentlich auch gleich gratulieren«, sagte Tanja fröhlich. »Ich möchte es von Ihnen bestätigt wissen.«

Also das ist der Grund, ging es Leon durch den Sinn, und gar so fröhlich war ihm nicht zumute, als er es Tanja bestätigen konnte, dass sie im zweiten Monat schwanger war.

Tanja dachte gar nicht daran, ihn zu täuschen. »Manche Männer muss man zu ihrem Glück zwingen«, lächelte sie hintergründig, »und Peter ist ein solcher Mann. So ganz geheuer ist es ihm zwar noch immer nicht, Ehemann zu sein, deshalb haben wir auch in England geheiratet, aber ich werde ihn zähmen. Es wird eine Lebensaufgabe sein.«

Ist sie davon tatsächlich überzeugt, oder gaukelt sie sich nur etwas vor?, fragte sich Dr. Laurin. Er war nicht überzeugt, dass es ihr gelingen würde, Peter Dallberg zu zähmen, und irgendwie tat ihm diese schöne, charmante und reiche Tanja leid, die immer bekommen hatte, was sie wollte.

Er hatte sie durch die junge Ärztin Dr. Viola Rotteck kennengelernt, die ein paar Wochen in der Prof.-Kayser-Klinik praktische Erfahrungen gesammelt hatte, bevor sie selbst eine Praxis eröffnete. Es handelte sich um eine Gemeinschaftspraxis mit Tanja Brekens Bruder Victor, mit dem sie auch verlobt war. Heiraten wollten sie nicht, bevor sie nicht erprobt hatten, ob sie Beruf und Privatleben unter einen Hut bringen konnten. Viola dachte da ganz anders als Tanja, wie es nun schien, und Dr. Laurin fragte sich, was die junge Kollegin wohl zu dieser Heirat sagen würde.

Leon hatte also mancherlei Gründe, über Tanja nachzudenken, die ihn so überglücklich verlassen hatte. Von Viola und ihrem Bruder hatte sie nicht gesprochen, nur immer von Peter.

Peter Dallberg war ein berühmter Filmschauspieler. Antonia Laurin wusste über ihn besser Bescheid als ihr Mann, aber sie war erst einmal fassungslos, als Leon ihr berichtete, dass Tanja mit Dallberg verheiratet sei.

»Das kann doch nicht wahr sein«, staunte sie. »Ist ihr denn gar nichts Besseres eingefallen? Sie könnte doch jeden Mann haben.«

*

»Du hast es erreicht«, sagte Tanja zu ihrem frisch angetrauten Mann, »ich bin schwanger. Na, nun freu dich doch, du großer Künstler. Trink die nächste Flasche leer.«

»Du hast es gewollt«, erwiderte er zynisch. »Du warst doch versessen darauf, meine Frau zu werden.«

Sie schleuderte ihre Jacke zu Boden. »Ich Idiotin!«, stieß sie hervor. »Konnte ich nicht vorher erfahren, dass du ruiniert bist, dass du nur hinter meinem Geld her warst? Aber ich lasse mich nicht lächerlich machen. Du wirst den braven Ehemann spielen, oder ich werde dafür sorgen, dass du kein Bein mehr auf den Boden bringst. Viola hat mich vor dir gewarnt, immer wieder gewarnt, aber ich wollte ihr nicht glauben.«

»Sie war doch nur eifersüchtig, weil sie nicht bei mir landen konnte«, sagte er von oben herab.

Tanja kniff die Augen zusammen. »Viola würde dich nicht mal mit der Kneifzange anfassen«, sagte sie. »Und die Tränen, die andere deinetwegen vergossen haben, werden Freudentränen gewesen sein, weil sie schlauer waren als ich.« Sie legte den Kopf in den Nacken. »Nun, ich habe heute mein schauspielerisches Talent bei Dr. Laurin bewiesen, und ich werde es weiterhin beweisen. Ich habe deine Gläubiger befriedigt, und du wirst jetzt das tun, was ich von dir verlange. Du wirst spielen, bis du umfällst.«

»Benimm dich nicht so kindisch, Tanja«, sagte er.

»Kindisch? Ich war kindisch, als ich mich in dich verliebte, ausgerechnet in dich. Ich war kindisch, als ich mit dir in deine Wohnung ging, als du mich mit deinen Drinks betäubtest, um das möglichst schnell zu erreichen, was du wolltest. Ich hätte es mir ja noch anders überlegen können, wenn ich bald erfahren hätte, wie es um deine Finanzen steht, wenn ich die eiserne Jungfrau geblieben wäre.« Sie dreht sich um und ging zur Tür. »Jetzt hasse ich dich, aber du wirst mich nicht mehr loswerden. Du wirst keinen Cent mehr von meinem Geld bekommen, nicht einen einzigen Cent. Du hast dich verkalkuliert, Peter Dallberg.«

»Du Biest!«, rief er ihr nach.

»Du Schuft!«, schrie sie zurück.

Dann verschwand sie in ihren Räumen und schloss die Tür ab.

Tanja und ihr Mann bewohnten ein herrliches Haus. Tanja war darin aufgewachsen – zusammen mit ihrem Bruder Victor. Die beiden hatten eine unendlich glückliche Kindheit und Jugend darin verbracht. Der tragische Tod der Eltern, die vor fünf Jahren bei einem Flugzeugunglück ums Leben kamen, hatte ihr Leben verändert, aber Tanja hatte nie gezeigt, wie tief sie getroffen war. Victor hatte sich ganz vom geselligen Leben zurückgezogen, sein Medizinstudium vollendet und sich nur seinem Beruf gewidmet, um sich dann der ernsten, zurückhaltenden Viola zuzuwenden.

Tanja hingegen hatte sich mehr und mehr in eine Rolle hineingelebt, die ihrem eigentlichen Wesen widersprach. Sie hatte jede Wehmut, jede Erinnerung zu überspielen versucht, bis sie in Peter Dallberg einen Ersatz für den lebensfrohen, geliebten Vater zu finden meinte. Es war die grausamste Enttäuschung gewesen, die ihr widerfahren konnte. Aber so, wie sie nach dem Tod der Eltern ihre wahren Empfindungen verleugnet hatte, so war sie jetzt bereit, dies in der Öffentlichkeit auch zu tun – aber nur in der Öffentlichkeit.

*

»Es ist nicht zu fassen«, sagte Viola zornerfüllt, »sie hat ihn tatsächlich geheiratet.«

»Warum regst du dich auf?«, meinte Victor nachsichtig. »Sie war nun mal versessen auf ihn. Wenn du daran Anstoß nimmst, dass er so viel älter ist, muss ich sagen, dass sie eben eine Vaterfigur braucht.«

»Dallberg und Vaterfigur«, ereiferte sich Viola, »dieser Lebemann, oh, ich bin wütend.«

Und bis sie mal wütend wurde, dauerte es lange und brauchte es viel. Victor Breken hatte es noch nicht erlebt, dass Viola vor Zorn geradezu kochte – so wie jetzt, und er kannte sie immerhin schon vier Jahre. Er hatte Viola gerade da kennengelernt, als er die Eltern verlor, und das war für ihn gut gewesen.

Viola war jetzt achtundzwanzig, sah aber bedeutend jünger aus. Sie war ein sportlicher Typ, und sie betrieb auch manche Sportart sehr intensiv. Sie hatte Victor mitgezogen, der eher zum Phlegma neigte.

»Na, wenigstens haben sie kein Tamtam um die Hochzeit gemacht«, stellte Victor gemächlich fest.

»Er kann doch seine Verehrerinnen nicht verärgern«, sagte Viola spöttisch, »und ich bin sehr gespannt, wie viele Weiber Tanja auf den Pelz rücken werden.«

»Sie ist nicht blind, sie wird schon wissen, was auf sie zukommt. Aber sie braucht ja immer Spannung.« Victor zeigte sich gelassen, unbegreiflich gelassen für Violas Begriffe.

»Er wird Tanja ausnehmen wie eine Weihnachtsgans und sie fallen lassen wie eine heiße Kartoffel«, orakelte Viola mit gereizter Stimme.

»Deine Vergleiche sind unfreundlich, Viola«, meinte Victor leicht pikiert. »Dallberg ist doch kein armer Mann, und wenn es ums Geld geht, verliert Tanja nicht so rasch den Verstand. Sie gerät unserem Vater nach.«

Viola gelangte zu der Überzeugung, dass mit Victor im Augenblick nicht zu reden war. Sie aber machte sich ehrliche Sorgen um Tanja, die sie sehr gernhatte und besser zu kennen glaubte als jeder andere Mensch – Victor eingeschlossen. Sie wusste, dass Tanja zwei Seelen in ihrer Brust trug und dass sie sich nicht gern ins Herz blicken ließ.

Es hatte ihr zu denken gegeben, als Tanja am Morgen anrief und nur ganz kurz erklärte, dass sie und Peter in England