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Harzer Persönlichkeiten - Bernd Sternal

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Inhalt

Carl Christian Agthe (1762 - 1797)

– der Mozart des Harzes

Luise Aston (1814 - 1871)

– eine Schriftstellerin und Frauenrechtlerin

Eulalia Therese Merx (1811 - 1908)

– eine Harzer Schriftstellerin

Ernst (1857 - 1923) & Hans (1890 - 1917) Röver

– Orgelbauer, Flieger, Konstrukteure und Erfinder

Dietrich Wilde (1909 - 1984)

– alias Dietrich Güstrow

Julius Barheine (1897 - 1976)

– ein Halberstädter Maler

Johann Christian Ruberg (1746 - 1807)

– ein Pionier der Metallurgie

Friedrich Schell (1818 - 1889)

– der Dynamiterfinder

Caroline Bardua (1781 - 1864)

– eine Malerin aus Ballenstedt

Benno von Meißen (1010 - 1106)

– der Heilige Benno

Polykarp Kusch (1911 - 1993)

– ein Physik-Nobelpreisträger

Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil (1783 - 1859)

– ein Begründer der Forstwissenschaften

Theodor Heinrich Wilhelm von Lerche (1791 - 1847)

– der Leibarzt des Zaren

Papst Clements II. (1005 - 1047)

– der Papst aus dem Harz

Martin Bormann (1900 - 1945)

– Hitlers Sekretär und Dämon des Teufels

Gustav Adolf Dippe (1824 - 1890)

– der Quedlinburger Züchterkönig

Friedrich Heine (1863 - 1929)

– der Erfinder der Dosenwürstchen

Henning Calvör (1686 - 1766)

– der Vater der Technischen Universität Clausthal

Christian von Braunschweig (1599 - 1626)

– der Tolle Halberstädter

Justus Jonas der Ältere (1493 - 1555)

– ein Harzer Reformator

August Ephraim Kramer (1817 - 1885)

– der Erfinder der elektrischen Telegraphie

Johann Karl Ehrenfried Kegel (1784 - 1863)

– der Kamtschatka-Forscher

Literaturnachweis

Bildnachweis

Carl Christian Agthe (1762 - 1797)

– der Mozart des Harzes

Das 18. Jahrhundert hat eine ganze Anzahl bedeutender Komponisten hervorgebracht. Herausgehoben seien genannt: Gluck, Beethoven, Hayden, Mozart und Bach. Jedoch gab es zahlreiche weitere außergewöhnliche Komponisten, mit gutem Ruf und großer Bekanntheit. Leider sind einige von ihnen heute in Vergessenheit geraten, was sie sicherlich nicht verdient haben. Einer dieser erfolgreichen Komponisten war Carl Christian Agthe.

Agthe wurde am 16. Juni 1762 in Hettstedt geboren. Sein Vater war der Praeceptor (Lehrer) an der Mägdlein-Schule in Hettstedt, Johann Friedrich Agthe. Über den Verlauf seiner Kindheit und Jugend, über seine musikalische und schulische Ausbildung, gibt es keine Nachweise. Jedoch ist bekannt, dass die Vorfahren der Familie in Hettstedt als Kantoren und Organisten tätig waren, zudem blühte in der Stadt ein reges Musikleben.

Nun kann man Vermutungen äußern, wovon ich jedoch hier Abstand nehmen möchte. Daher wenden wir uns den Tatsachen zu: Über seine Jugend finden wir urkundlich nur die Nachricht, dass Agthe in der Konfirmanden-Liste des Jahres 1776 als vierter genannt wird. Damit reißt der Faden seines Lebens in Hettstedt völlig ab.

Wir finden Agthe jedoch schon kurze Zeit später in Reval wieder, der heutigen estnischen Hauptstadt Tallinn. Dort war er bereits als Vierzehnjähriger Musikdirektor der Hündelbergerschen Theatergruppe. Er wirkte dort bis zu seinem 20. Lebensjahr und gastierte in zahlreichen Städten, so auch in St. Petersburg. In dieser Zeit – man muss es hervorheben, denn er war erst zwischen 15 und 20 Jahre alt – schrieb Agthe fünf Opern, eine Operette, ein Divertimento sowie ein Ballett. Das klingt in unseren Ohren etwas unwahrscheinlich, ist jedoch durch mehrere seriöse Quellen bestätigt.

Eintrag im Kirchenbuch in Hettstedt über die Geburt von Carl Christian Agthe am 16. Juni 1762

Scherenschnittporträt von Carl Christian Agthe Abbildungen: Georg Faulhaber (1890 - 1974), Carl Christian Agthe - ein vergessener Musiker, Unser Harz 1962 Nr. 6, Seite 4-6

Leider gelten diese Werke, obwohl sie bis weit ins 19. Jahrhundert mehrfach mit großem Erfolg zur Aufführung gekommen sind, heute als verschollen. Bei diesen Kompositionen war nachweislich auch eine Vertonung von Goethes Werk „Erwin und Elmire" dabei.

Durch seine Kompositionen und seine Erfolge wurde Fürst Friedrich Albert von Anhalt-Bernburg auf den begabten, jungen Musiker und Komponisten aufmerksam. Er holte Agthe in seine Hofkapelle, wo er als Schloss-Organist und Kammermusiker tätig wurde.

Aus den Kammerrechnungen erfahren wir, dass er mit einem Gehalt von monatlich 5 Talern angestellt war. Zusätzlich bezog er freien Kammertisch, freie Wohnung, Licht und Feuerung.

Im Jahr 1788 fand Agthe die Frau seines Herzens. Es war Juliane Christiane Sieger, die zweite Tochter des Chirurgen Johann Zacharias Sieger, aus Ummendorf, nahe Schöningen, die er als seine Ehefrau nahm.

In dieser Lebensphase entwickelte Agthe, neben seinen Aufgaben am fürstlichen Hofe, erneut eine unglaubliche Schaffenskraft. Aus dieser Zeit sind folgende Werke bekannt, wie Georg Faulhaber aus Wernigerode recherchierte: zwei Konzerte, zwölf Sinfonien, vierzehn Tänze für Orchester, einige Klaviersonaten, drei Orgelfugen und eine Kantate.

G. Schilling schreibt in seiner 1835 veröffentlichten „Encyclopädie der gesamten musikalischen Wissenschaften über ihn: „Agthe, Carl Christian, Hof- und Schlossorganist der Fürsten von Bernburg zu Ballenstedt, gehörte zu den besten Orgelspielern und zugleich zu den unterrichtetsten und gebildetsten Tonkünstlern des vergangenen Jahrhunderts. In allen seinen Compositionen verbindet sich mit einer gewissen leichten Natürlichkeit wiederum ein reicher Strom von erhabener und kühner Fantasie, und wäre er vielleicht nicht so verschwenderisch mit dieser letzteren gewesen und etwas sparsamer verfahren mit der unverkennbaren Masse von Ideen und Einfällen, höchst wahrscheinlich würde dann die übrigens nicht kurze Reihe seiner Dichtungen noch um eine bedeutende Zahl sich vermehrt haben; an Fleiß fehlt es ihm nicht.

Agthes Opern und auch zahlreiche seiner Kompositionen sind nachweislich im Ballenstedter Schlosstheater mit großem Erfolg und viel Anerkennung aufgeführt worden.

Für Agthe folgten glückliche Jahre. Er erhielt von seinem Fürsten zweimal eine beachtliche Besoldungszulage, einmal 190 Goldtaler und einmal 100 Goldtaler. 1790 wurde sein Sohn Albrecht Wilhelm Johann geboren und 1792 folgte noch eine Tochter.

Plötzlich und unerwartet, im blühenden Alter von 35 Jahren verstarb Carl Christian Agthe am 27. November 1797 in Ballenstedt. Leider ging ein großer Teil seiner Werke – man bezeichnete Agthe auch als „Mozart des Harzes" – im Zweiten Weltkrieg verloren.

Nachfolgend einige seiner erfolgreichen Werke, die uns überliefert sind:

Für die Bühne

Erwin und Elmire, Singspiel. Text: Johann Wolfgang von Goethe. Uraufführung: 1776 Reval, Schauspielhaus; 1790 Ballenstedt, Schlosstheater.

Acontius und Cidippe, Singspiel. Libretto: Bober, nach Ovid. Uraufführung: 1777 Reval, Schauspielhaus.

Das Milchmädchen, Singspiel. Uraufführung: 1777 Reval; 1782 Ballenstedt.

Martin Velten, Komische Oper in 3 Akten. Uraufführung: 1778 Reval, Theater im Gildenhaus.

Philemon und Baucis, Ballett-Divertissement. Uraufführung: 1778 Reval; 1791 Ballenstedt.

Der Barbier auf dem Lande, Komische Oper in 3 Akten. Uraufführung: 1779 St. Petersburg.

Die Spiegelritter, Oper in 3 Akten. Text: August von Kotzebue. Uraufführung: 1795 Ballenstedt.

Notenblatt eines Stückes von Carl Christian Agthe

Abbildung: Georg Faulhaber (1890 - 1974),

Carl Christian Agthe – ein vergessener Musiker,

Unser Harz 1962 Nr. 6, Seite 4 - 6

Lieder

Abgewelkt, des bangen Lebens müde, Text: Ribbeck

Ach, mir ist das Herz so schwer, Text: Stolberg

Euch jungen Weiberchen (Romanze), Text: Philippine Gatterer

Hast du nicht Liebe zu gemessen, Text: Gottfried August Bürger

Holder Mai, die Lämmer springen, Text: Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Ich sehe mit Schmerzen, Text: Stolberg

Leb wohl, bis wir uns wiedersehn, Text: Friedrich Schlegel

Mir tut's so weh im Herzen, Text: Gottfried August Bürger

Nichts kann mir Freude geben, (Das verliebte Mädchen), Text: Philippine Gatterer

Schließe gütig meine Augenlider (An den Schlaf), Text: Philippine Gatterer

Schon hat des nahen Frühlings Güte (Minna an ihren Geliebten), Text: Philippine Gatterer

Schön ist's, wenn die braune Kluft (Selino und Alcinna), Text: Philippine Gatterer

Trinklied im Mai, Text: Ludwig Christoph Heinrich Hölty

Wann die Hochzeitsfackel lodert, Text: Ludwig Andreas Gotter

Wie selig, wer sein Liebchen hat, Text: Gottfried August Bürger

Louise Aston (1814 - 1871)

– eine Schriftstellerin und Frauenrechtlerin

Louise Aston war die jüngste Tochter des evangelischen Theologen und Konsistorialrats Johann Gottfried Hoche; eine ältere Schwester war Eulalia Merx. Sie wurde am 26. November 1814 als Luise Franziska Horche in Gröningen an der Bode geboren. Luise war das jüngste von acht Kindern. Sie wurde zusammen mit ihren Geschwistern im Elternhaus durch den Vater und Privatlehrer sorgfältig erzogen und besonders durch die Mutter, Louise Charlotte geb. Berning, in ihren musikalischen und literarischen Interessen befördert.

Von ihren Eltern wurde die bildhübsche, gebildete und wohlerzogene Siebzehnjährige in die Ehe mit dem reichen englischen Maschinenfabrikanten Samuel A. Aston gezwungen, der mehr als 20 Jahre älter war als Louise. Schon nach gut einem Jahr bekam Louise eine Tochter. Dennoch war es eine problematische und wohl auch unglückliche Ehe und Louise betrieb die Scheidung von ihrem Mann, mit dem sie in Magdeburg und Burg lebte. 1838 hatte sie sich durchgesetzt und die Ehe wurde geschieden.

Sie verließ die gemeinsame Wohnung und hielt sich mit ihrer kleinen Tochter im Harz sowie in kleineren Orten Anhalts auf und ging dann nach Berlin. Im September 1841 wurde sie zur erneuten Eheschließung mit Samuel Aston überredet. Unüberbrückbare Gegensätze führten 1844 jedoch zur endgültigen Trennung. Inzwischen hatte Louise zwei weitere Töchter bekommen.

1845 siedelte Aston mit ihrer zweiten Tochter Jenny Louise nach Berlin über, um dort literarisch tätig zu werden. Sie schloss sich der Vereinigung revolutionärer Demokraten „Die Freien" um die Junghegelianer Bruno und Edgar Bauer sowie Max Stirner an, die bald zum engeren Freundeskreis Astons zählten. Ihre neuen Freunde machten sie mit den programmatischen Vorstellungen der absoluten Emanzipation des Individuums vertraut. Ihr emanzipierter und für diese Zeit freizügiger sowie provozierender Lebensstil führte zu anonymen Anzeigen, die die Polizei veranlasste Aston zu überwachen.

Luise Aston um 1848

Lithographie, Urheber unbekannt

Aston hatte inzwischen die Bücher „Aus dem Leben einer Frau und „Meine Emanzipation sowie einen Gedichtband „Wilde Rosen" herausgegeben; alle drei Werke erregten großes Aufsehen. Zudem orientierte sie sich an der französischen Schriftstellerin George Sand, trug Männerkleidung und rauchte auf der Straße.

Artikel über Luise andere emanzipierte Frauen in Berlin April 1848 Abbildung: Archive Werner Hartmann, Halberstadt

Mit ihren Forderungen der völligen Gleichstellung der Geschlechter, der Freiheit der Liebe und der Liebeswahl auch für die Frau, erregte sie in der Berliner