Zwölf Jahre DDR by Steffen Hartmann by Steffen Hartmann - Read Online

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Zwölf Jahre DDR - Steffen Hartmann

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Inhaltsverzeichnis

Einschulung, August 1971

FKK …und ich mit nichts

Timurhilfe – Dritte Klasse

Wandertag der vierten Klasse

Die Wandzeitung

Klassenfahrt 4. Klasse - Sternwarte Radebeul

Das Sportfest

Pioniernachmittag

Lernpatenschaft Jens – Erster Tag

Lernpatenschaft Jens – Zweiter Tag

Mein elfter Geburtstag

Der besondere Pioniernachmittag

Lernpatenschaft Jens – Dritter Tag

Lernpatenschaft Jens – Vierter Tag

Schulweihnachtsfeier der fünften Klasse

Lernpatenschaft Jens – Fünfter Tag

Lernpatenschaft Jens – Sechster Tag

Lernpatenschaft Jens – Siebenter Tag

Klassenfahrt 5. Klasse - Berliner Fernsehturm

Lernpatenschaft Jens – Achter Tag

Lernpatenschaft Jens – Neunter Tag

Lernpatenschaft Jens – Zehnter Tag

Ferienlager - Anreise

Ferienlager – Die Schnipseljagd

Ferienlager – Im Freibad

Ferienlager – Das Sportfest

Ferienlager – Neptunfest

Ferienlager – Geschichten

Ferienlager – Die Nachtwanderung

Ferienlager – Der Abschied

Der neue Schüler

Silkes dreizehnter Geburtstag

Drei Tage nach Silkes 13tem Geburtstag

Mein zwölfter Geburtstag

Mein Vortrag über Freundschaft

Klassenfahrt sechste Klasse – Hygienemuseum

Mein bester Freund Mischa

Mein bester Freund Steffen Hartmann

Der Tag nach dem Vortrag (Zungenbrecher)

Die Schwester von Karsten

Ein Luder auf Löschblatt

Das Luder auf Löschblatt – Die Zweite

Jetzt also auch noch Heike

Silke mit der Zwille

Spielstraße für die Gören der zweiten Klasse

Mein dreizehnter Geburtstag

Das Buch von Simone

Mandys elfter Geburtstag

Schuldisko

Christiene und das eingelöste Versprechen – Teil 1

Christiene und das eingelöste Versprechen – Teil 2

Schulweihnachtsfeier 1978

Jugendweihe im April 1979 – Teil 1

Jugendweihe im April 1979 – 2. Teil

Jugendweihe im April 1979 – 3. Teil

Jugendweihe im April 1979 – 4. Teil

Tanzstunde – Der Beginn

Tanzstunde – Die Zweite

Steffi und Pythagoras

Tanzstunde – Die Dritte

Tanzstunde – Abschlussball

Nachhilfe bei Jens 1980

Jens und die Löschblätter

Eine Stunde Aushilfslehrer in der siebenten Klasse

Und noch einmal Ines

Begleitung einer zweiten Klasse beim Wandertag

Nachhilfe für Grit

Nachhilfe für Grit – Die Zweite

Eine neue Schule

Schulalltag der elften Klasse

11. Klasse- Silvia - Teil 1

11. Klasse – Silvia Teil 2

11. Klasse - Ménage à trois

11. Klasse – Klassenfahrt

Drei Tage nach der Klassenfahrt –

Drei Tage nach der Klassenfahrt –

Klassentreffen

Klassentreffen – Feierstunde die Erste

Klassentreffen – Feierstunde die Zweite

34 Jahre danach – Als ich Peggy wiedertraf

Einschulung, August 1971

Ich sitze an meinem Schreibtisch, schaue aus dem Fenster und beobachte die Vögel, die vorbeifliegen. Ich erinnere mich zurück in der Zeit, in eine längst vergangene, mir allerdings bestens bekannte Dimension. Ich konnte nicht ahnen, dass dieser achtundzwanzigste August des Jahres 1971 der Beginn der wohl schönsten Zeit meines Lebens bedeuten würde. Eine kleine, unscheinbare Träne bahnt sich den Weg über mein Gesicht, ehe sie auf mein weißes Hemd tropft.

Und so schickte ich, Steffen Hartmann, geboren an einem ersten November eines Jahres, das diese Zeitrechnung längst verlassen hat, mich an, an jenem wundervollen Spätsommermorgen ein Pionier der Deutschen Demokratischen Republik zu werden. Ich erinnere mich, mächtig aufgeregt gewesen zu sein. Mein ganzes Ich war nur auf zwei Dinge fixiert: den Schulbüchern und die Zuckertüte, die ich bekommen sollte. Es war nicht verwunderlich, dass ich an jenem Morgen keinen Appetit auf irgendein Brot hatte. Meine Mama allerdings bestand darauf und so würgte ich mir eher schlecht eines der kleinen Brote mit Marmelade herunter, die meine Mama mir gemacht hatte. Nach dem Frühstück machte meine Mama mich zurecht. Haare gekämmt, das Hemd zurechtgezupft. Alles perfekt. Und so konnte sie beginnen, diese meine Schulzeit.

Auf gings zu Fuß zum Kulturhaus. Nur nicht Mischa. Den brachte sein Westbesuch mit dem Auto dahin. Alle glotzten neugierig aus ihren Wohnungen, als wäre Tag der Republik. Oma Albrecht, bei der ich oft war, winkte mir mit dem Taschentuch zu. Ich konnte nicht erkennen, ob es frisch war. Dann rief sie mir noch zu, ich solle später bei ihr vorbeikommen und das Geschenk abholen. Ich dachte so bei mir, ein Taschentuch wird es ja nicht sein, lächelte und winkte ihr fröhlich zu und ging weiter. Meine Oma blieb bei Oma Albrecht stehen um sich mit ihr über die neuesten Dinge das Dorfes auszutauschen. Meine Mama ruft ihr zu, sie solle sich beeilen, wir wären spät dran. Auch mal gut.

Endlich am Kulturhaus angekommen. Alle waren schick gekleidet. Nur ich fühlte mich in den viel zu kurzen nicht so richtig wohl. Die Hosen waren noch übrig vom Schulanfang meines Bruders. Da war ich aber nicht dabei, weil ich noch zu klein war und noch Windeln trug und mit Windeln durfte man nicht an so einer immens wichtigen Veranstaltung teilnehmen. Es war wohl wegen des Geruches. Jetzt nahm meine Mama ihr Taschentuch, spuckte einmal hinein und wischte mir über den Mund. Das war so eklig, dass mein Magen sich meldete und fragte, ob er das Brot von eben wieder hervorbringen darf. Ich schüttelte instinktiv mit dem Kopf, schlucke einmal kräftig und schwupps …war das Brot wieder da, wo es auch sein sollte. Außerdem durfte ich mich jetzt einfach nicht übergeben, denn Simone und Evi standen genau vor mir. Die beiden hatten schicke Kleidchen an und ich hätte denen wohl dann den wichtigsten Tag ihres bisherigen Lebens versaut. Jetzt fährt meine Mama noch einmal und mit der gleichen Flüssigkeit ihres Mundes durch meine Haare. Noch einmal schlucke ich kräftig. Jetzt drehte sich Simone zu mir um und lächelte mich an. Und doch würde sie nie mit mir gehen. Dazu später mehr, viel mehr. Ich würde zu gern an ihren Zöpfen ziehen, wie ich es im Kindergarten das eine oder andere Mal und sehr zur Belustigung meiner Freunde gemacht hatte. Aber auch das würde ihr den Tag versauen und das wollte ich einfach nicht, obwohl es mächtig in meinen Fingern kribbelte. Ich stecke meine Hand schnell in meine Hosentasche und meine Mama sagt, dass man das nicht tut. Auch gut.

Die Mamas bringen uns zu unseren Stühlen. Wie sich herausstellte, saß ich nur unweit der aufgereihten und gut sichtbaren Zuckertüten. Eigentlich wollte ich, dass meine Mama sich neben mich setzt, das ging aber nicht, weil da nur Platz für Jungs- und Mädchengören war. Jetzt ging es los. Paar kleine aus dem Kindergarten tanzen und singen eher ziemlich durcheinander auf der Bühne und ich zappele immer noch hin und her. Eine ältere frau kam und schrieb etwas an die Tafel, die aufgebaut war. Dann fragte sie uns, wer das denn schon lesen könne. Evi meldete sich und der Mischa auch. wie sich herausstellte, war die Tante da vorn unsere Lehrerfrau, sah ein bisschen aus wie meine Oma, nur etwas älter aber war mal richtig nett. Vielleicht konnte die auch so gut kochen, wie meine Oma? Ich könnte sie in der Schule fragen. Oh nein, nur nicht an Essen denken. Mein Magen meldete sich kurz.

Jetzt war es soweit. Jeder wurde einzeln aufgerufen und durfte sich Bücher und Zuckertüte abholen. Beim Vorgehen drehte ich mich gekonnt zu meiner Mama. Die musste geflennt haben, weil sie das Taschentuch in der Hand hielt. Und es war genau das Taschentuch, das sie noch vor Minuten benutzte, um mir den Mund …um Gottes Willen. Mein Magen meldete sich plötzlich wieder und mit ihm das Frühstücksbrot. Es wollte einfach nicht in mir bleiben. Schnell blickte ich zu der Oma, also der Lehrerfrau. Die lächelte mich an und drückte mir die Bücher in die Hand. Jetzt war auch das Frühstücksbrot wieder da, wo es hingehört und die Zuckertüte in meiner Hand. Ich war nun der glücklichste Pionier, den diese Schule jemals gesehen hatte. Und ich war mir in diesem Moment sicher: an mir würde diese Schule, würde diese Welt, die da draußen auf mich wartete, viel Freude haben.

Es war geschafft. All das Tanzen und Singen hatte ein Ende und alle gingen heim. Meine Mama sprach noch mit der Lehrerfrau, die mir zuwinkte. Ich konnte ihr nicht zurückwinken, da ich die Hände voller Süßigkeiten hatte. Auf dem Nachhausweg ließ es sich meine Mama nicht nehmen, mich noch einmal mit besagtem Taschentuch und der ekelerregenden Flüssigkeit zurecht zu machen. Und nun war es endlich soweit. Ich konnte nicht mehr und kotzte alles aus mir heraus, was sich Lustiges in meinem Magen angesammelt hatte. Was es im Einzelnen war, war nicht mehr zuzuordnen. Allerdings war es eine ganze Menge. Meine Mama strich mir über die Haare und meinte, dass ich wohl sehr aufgeregt sein müsse. Ich schüttelte heftig den Kopf, konnte allerdings in diesem Moment nicht sprechen. Jetzt noch der Halt bei Oma Albrecht, Geschenk eingepackt, Schmatz von der Wange gewischt, den sie …also die Oma Albrecht mir gegeben hatte und weiter ging es.

Zu Hause angekommen, warteten schon eine Menge lustige Menschen nur darauf, eingelassen zu werden. Das waren im Einzelnen meine Tante mit meinem Onkel, meine zweite Tante, meine erste Cousine, meine zweite Cousine, meine dritte Cousine, noch ein Onkel und ein Mensch, den ich nicht kannte und der irgendein Essen dabeihatte. Und tatsächlich verspürte ich so etwas, wie einen Hunger, denn auch mein Magen knurrte mächtig. Der war nun leer und bereit, für all die wundervollen Dinge, die eine Zuckertüte in sich trägt.

Und so war ich angekommen …angekommen in meiner kleinen Pionierwelt. Ich, Steffen Hartmann, geboren an einem ersten November eines Jahres, das diese Zeitrechnung längst verlassen hatte. Die Vögel flogen noch immer vor meinem Fenster und ich war bereit für all die Geschichten, all die Abenteuer meiner Kindheit. So wie ich an diesem Schulbeginn meine Süßigkeiten mit meinen Geschwistern teilte, so uneigennützig möchte ich auch all die an meinen Geschichten teilhaben lassen, die Interesse an einem kleinen, niedlichen Jungen zeigen, der so niedlich niemals sein wollte. Aber er war ab jetzt …Pionier der Deutschen Demokratischen Republik.

FKK …und ich mit nichts

Sommer 1973. Mein erster, allererster Besuch an einem Strand, wo man sich vorher Badesachen anzieht um sie dann gleich wieder auszuziehen. Das nannte sich FKK und hatte irgendwas mit nackig sein zu tun. Das machten ziemlich viele Leute und die schämten sich noch nicht einmal dabei. Auf jeden Fall waren wir da im Urlaub an irgendeinem See in irgendeiner Gegend unserer sozialistischen Heimat. Ostsee, glaube ich.

Mein kleines und noch ziemlich unvollendetes Hirn wollte nicht begreifen, warum ich erst die Badehose anziehen sollte um sie dann am Strand wieder auszuziehen. Das klang ziemlich nach Erwachsenen, denn die verstand ich manchmal wirklich nicht. Ich fragte also meine Mama, warum wir nicht gleich ohne Sachen, also nackig zum Strand gehen würden. Das würde schneller gehen und außerdem würden wir ihr dann viel Arbeit ersparen, weil wir doch die Sachen, die wir tragen würden, nicht einsauen müssten. Meine Mama meinte, dass man nicht einfach ohne Sachen am Konsum vorbei und an der Bushaltestelle und dass man auch nicht ohne Sachen mit dem Bus fahren könnte. Ich sagte daraufhin, dass wir doch Sachen dabeihätten, also Badetasche und den Korb für essen und trinken. Außerdem sagte ich ihr, dass Monis Schwester auch schon mal so, also nackig Moped gefahren sei. Das war am See unseres Ortes und mit so 'nem großen Arschloch und das hatte auch allen gefallen, weil alle eben irgendwie hingeschaut und auch gestaunt hätten. Zumindest hatten die meisten den Mund offen. Meine Mama meinte daraufhin, dass das etwas Anderes sei und sich sowas nicht gehöre. Daraufhin meinte ich noch, dass es mir aber auch gefallen hatte, weil die sich eben mal was getraut hätte, die Schwester von der Moni also. Meine Mama schüttelte daraufhin den roten Kopf und packte die Badetasche. Vielleicht hatte ich einfach auch zu viel erzählt. Manchmal ist eben weniger mehr.

Wir gingen also bei sengender Hitze mit unseren Klamotten den langen Weg bis zum Strand. Ich hatte vorsichtshalber unterwegs schon die Knöpfe meines Hosenstalls aufgemacht. Meine Geschwister machten mir alles nach und meine Mama meinte, dass man nicht mit offenem Hosenstall rumläuft. Ich erzählte ihr von Peter und dem Wandertag und dass auch Karsten öfters mal den Hosenstall aufhätte und es niemanden stören würde. Es wäre sogar so lustig, dass die Mädels aus der Klasse kichern würden. Meine Mama schüttelte wieder den Kopf und murmelte irgendwas von Erziehung und falsch gelaufen und so.

Der Strand war noch ziemlich leer aber die, die da waren, sahen sowieso alle gleich aus. Es gab zwar dicke und dünne, kleine und große Nackige, aber sonst war alles gleich, also bei den Jungs. Bei den Mädchen war das bisschen anders. Die waren zwar eigentlich auch gleich, aber eigentlich auch nicht. Also oben waren die verschieden. Hmm …wie soll ich das jetzt erklären? Also …naja, also so, wie Onkel Dieter und Papa. Onkel Dieter hatte Haare, also Haare oben. Also da, wo die Mädels unterschiedlich waren. Und mein Papa hatte da keine Haare. Warum das nun wieder so war, verstand ich auch nicht. Aber sonst waren alle Jungs gleich. Und das wusste ich nicht erst wegen dem nackig baden und so. In der Schule wusste ich das auch schon, weil Peter und die anderen Jungs auch im Stehen pullerten, was darauf schließen ließ, dass da an der Stelle alles gleich sein musste, also da, wo man …naja, wo man eben muss, wenn man muss. Deswegen mussten ja die Mädchen auch im sitzen müssen, weil da eben nicht alles gleich war. Hmm …jetzt bin ich raus. Egal.

Langsam füllte sich der Strand. Ich lag im Sand und hatte mein schönes blaues Badetuch so auf mir liegen, das nicht jeder gleich erkennen konnte, dass ich ein Junge war. Außerdem war ich nicht der Einzige, denn einige, meist erwachsene Jungs lagen auf dem Bauch. Und somit konnte man auch nicht eindeutig feststellen, ob es Jungs oder Mädchen waren, weil die …also die Jungs lange Zotteln, also Haare hatten. Vielleicht gab es auch einen andren Grund, warum die gerade auf dem Bauch lagen und nicht auf dem Rücken. Aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. meine Mama meinte, ob ich gebraten werden möchte und warum ich nicht mal ins Wasser ginge, wie meine Geschwister auch. Ich schüttelte den hochroten Kopf und tat so, als gäbe es nichts Schöneres, als sich von der Sonne verbrennen zu lassen.

Ich beobachtete eine Weile das Treiben am Strand, wartete auf einen günstigen Moment und …zack, rannte ich, so schnell ich nur konnte, ins Wasser. Jetzt konnte ich in aller Ruhe das Treiben am Strand verfolgen. Die Jungs mit den langen Zotteln lagen noch immer auf dem Bauch und beobachteten ein paar erwachsene Gören. Dabei kicherten die dämlich. Das hatte ich an unserem Strand auch schon einmal beobachtet. Alle Jungs immer auf dem Bauch und am Kichern. Petra, was die Schwester von unserem Karsten war, meinte mal, dass die Jungs sich schämen würden. Das verstanden wir auch nicht. Warum müssen sich große Jungs auf dem Bauch schämen? Die könnten sich doch auch auf dem Rücken liegend schämen. Vielleicht wollten die auch vorn auf dem bauch nicht braun werden. Wer weiß.

Jetzt stand ich bereits eine ganze Stunde im kalten Wasser und alles an mir begann zu zittern. Meine Lippen zitterten, meine Arme zitterten, meine Beine auch und mein …, dass nicht unbedingt. Eigentlich sollte ich aus dem Wasser gehen, weil ich auch schon blaue Lippen hatte, wäre da nicht die Göre, die gerade um die Ecke kam und sich anstellte, ihr Lager neben uns, direkt neben meinem Badetuch aufzuschlagen. Ich schaute ihr heimlich zu und …tatsächlich. Die legte ihre Decke glatt neben mein Badetuch. Ich konnte unmöglich meinen Zufluchtsort verlassen. Gekonnt aber leise rief ich meine Mama und bat sie, mir mein Badetuch zu reichen. Die fragte mich eher laut, ob ich mich vielleicht schämen täte und doch sowieso alle gleich wären. Da musste ich meiner Mama energisch widersprechen, denn von allen, die hier am Strand lagen, sah keine so aus, wie Monis Schwester. Also obenrum halt. Da ich das Tuch also nicht erhalten hatte, schlich ich mich langsam aus dem Wasser. Dabei hielt ich meine Hände gekonnt über kreuz und vor meinem…na ihr wisst schon. Die Göre glotzte mich von oben bis unten an und grinste. Ich fragte mich, was es zu grinsen gab, wo doch eh alle gleich waren. Aber was verstand so eine kleine Göre schon vom Leben und den Jungs.

Was hatte ich also nun an diesem Tag gelernt? Erstens: Dass man sich ruhig schon auf dem Weg zum Bad den Hosenstall aufmachen kann, weil man dann der erste im Wasser wäre. Zweitens: Das man immer ein Badetuch ans Wasser legen sollte. Es könnte ja sein, dass mal jemand aufkreuzt, den man kennen würde. Evi oder Simone oder vielleicht meine Lehrertante. Denn wenn die einen nackig sehen würden, dann könnte man auch gleich nackig in die Schule gehen, denn die würden dann wissen, wie man unter den Schmetterlingsschlüpfern aussieht und Klamotten am Leib eines kleinen Pionieres hätten dann ihren Sinn verloren. Und Drittens: dass eben doch nicht alle gleich sind, obwohl es in der Schule manchmal den Anschein hatte.

Timurhilfe – Dritte Klasse

23. April 1974. Ein Dienstag im Frühling. An diesem Tag sollten wir mal wieder Timur spielen. Früh morgens in der Schule, Einteilung in Gruppen, weil man alleine nicht so viele Kohlen bei den Omas und Opas schleppen konnte. Außerdem gab es bei den alten Menschen immer Unmengen an Limonade und die konnte man schließlich auch nicht alleine trinken. Peter vielleicht, weil die, also die Limo sowieso wieder gleich aus dem kommen würde. Anderes Thema. Ich wollte eigentlich mit Mischa, doch meine Lehrertante, was die Daniela war, hatte etwas dagegen. Die ahnte wohl schon, dass wir nur Blödsinn machen täten und setzte, also stellte den Jens an meine Seite. Und so war ich schon am frühen Morgen bedient für den gesamten Tag, denn mit dem Stinktier wollte ich mal überhaupt nicht zu den alten Leuten gehen. Schließlich war ich in unserem Ort als lustiger, kleiner und hilfsbereiter Junge bekannt und beliebt und wenn ich mit dem Jens kommen würde, könnte sich mein Beliebtheitsgrad eventuell in Luft auflösen. Doch alles rumjammern half nichts. Die Lehrertante und die Konstanze, was unsere Pionierratsvorgesetzte war, hatten gesprochen und der Jens grinste mal saudämlich. Dieses Grinsen war bei dem Jens Ausdruck allerhöchster Freude, was ich in diesem Moment leider nicht erwidern konnte. Der Tag war gegessen, bevor er richtig begann. Ich seufzte ein was soll's in mich hinein und fertig. Und dann dachte ich mir, dass es vielleicht ja doch noch ganz lustig werden könnte, denn der Jens war immer für eine Überraschung gut und längst nicht so langweilig, wie Peter oder Karsten.

Vierzehn Uhr. Treffpunkt auf dem Dorfplatz. Und während alle Gruppen schon unterwegs waren, kam der Jens genüsslich und viel zu spät geschlendert. Der hatte mal die Ruhe weg und zu allem Überfluss auch noch dreckige Hosen an. Das hatte ich wirklich nicht anders erwartet. Ich sagte Jens, dass ich ihn nicht verpetzen würde, er allerdings wenigstens den Hosenstall zu machen sollte, weil der offenstand, wie Monis Mund, wenn die gähnte. Der Jens meinte, dass das nicht ginge, weil da mal ein Knopf fehlen täte. Ich klatschte mir mit der rechten Hand an die Stirn, flüsterte auch das noch und schnappte mir den Handwagen den wir brauchten, um die ganzen Altstoffe darin zu verstauen, die wir nebenbei zur Aufbesserung unserer Klassenkasse sammeln sollten. Unser Ziel: Oma Albrecht, Talstraße 31. Nette Oma, die immer Süßigkeiten hatte. Leider wohnte die am Ortsausgang. Wir hatten also den weitesten Weg zurückzulegen, konnten uns allerdings auf ein Fünf-Mark Stück freuen, denn die Oma bekam eine gute Rente. Mischa durfte zu Opa Redlich. Was für ein Glück. Opa Redlich wohnte Parterre und Kohlen schleppen mussten die da auch nicht. Der, also der Opa hatte Elektroheizung.

Auf dem Weg durchs Dorf kamen uns Evi und Simone entgegen. Auch mit Handwagen und Pionierbluse. Die sahen mal richtig schick aus. Allerdings sollte sich der gute bis sehr gute Eindruck, den beide auf mich ausübten, jeden Moment ins Gegenteil verkehren. Denn es war Evi, die neunmalklug und schon von Weitem feststellte, dass mein Knoten falsch gebunden sei. Dabei meinte die nicht etwa den von meinen Schuhen, sondern den von meinem schicken, allerdings etwas zerknittertem Halstuch. Ich sagte ihr eher genervt, dass ich den erst vor Minuten sorgfältig vorm Spiegel gebunden hatte. Die Evi meinte, dass ich mich nicht wundern müsse, denn wenn man Knoten oder auch andere Dinge vor einem Spiegel bindet, dann könnte es vorkommen, das selbige verkehrt, also spiegelverkehrt wären. Ich verzog mein Gesicht und murmelte ein neunmalkluge Göre in mich hinein. Jetzt kicherte die Simone, wegen dem Jens seiner offenen Hose. Ich sagte ihr, dass man nicht lacht, wenn einem Pionier was Peinliches passiert ist. Und außerdem würde Oma Albrecht den fehlenden Knopf schon irgendwie annähen. Jetzt schüttelte der Jens aber mal so richtig den Kopf und meinte, dass er sich niemals vor Oma Albrecht ausziehen würde und ihm der fehlende Knopf mal so richtig egal sei. Jetzt musste ich dem Jens Recht geben, denn das war eine wirklich dämliche Idee von mir. Na egal. Die Mädels kicherten und liefen weiter. Das waren mal richtig blöde Hühner. Ich gab Jens die Sicherheitsnadel, die ich immer einstecken hatte, weil meine Mama das so wollte. Der sollte sich den Hosenstall irgendwie zumachen …sicherheitshalber. Jens murkste an der Hose …aufgepasst, dass da nichts daneben geht …fertig. Nadel drin …in der Hose, wo sonst. Weiter ging's.

Jetzt hielten wir bei Opa Friedrich um nach Altstoffen zu fragen. Der, also der Opa meinte, dass gerade irgendwelche Mädels dagewesen wären und alles mitgenommen hätten. Konnte nur Konstanze gewesen sein, weil die immer besonders gierig auf altes Papier war. Wahrscheinlich wollte sie die beste von uns allen sein um im nächsten Schuljahr wieder als Pionierratsvorsitzende fungieren zu können. Jetzt meinte der Opa noch, dass es ihm leid täte und er das alte Zeugs das nächste Mal ausschließlich Jungs rausgeben würde. Wir bedankten uns auch schön und gingen weiter. Keine drei Minuten später und Mischa und Karsten kamen uns entgegen. Ich wollte wissen, was die hier zu suchen hätten, wo die doch ganz woanders sein müssten. Die meinten, dass sie schon fertig wären und jetzt in den Kuhstall gehen würden um im Stroh rumzuspringen. Ich wusste, warum ich mit Mischa gehen wollte. Wir beeilten uns jetzt, da wir auch hüpfen wollten.

Endlich bei Oma Albrecht angekommen, wartete die schon mit zwei leeren Eimern auf uns. Kohle holen …alles klar dann. Schnell hochgeschleppt. Oma Albrecht hatte zwei Gläser Limonade auf den Tisch gestellt und begann vom Krieg zu erzählen. Nein, bitte nicht das. Wir wollten ins Stroh. Ich zappelte und meinte, dass wir noch einen wichtigen Termin bei unserer Lehrertante haben täten und nicht so lange bleiben könnten. Die Oma meinte, dass sie Jens aber nicht gehen lassen könne, mit Sicherheitsnadel am Hosenstall. Da müsse ein Knopf dran und dass es sowas zu ihrer Zeit nicht gegeben hätte. Und jetzt wurde es interessant. Jens, feuerrot im Gesicht, die Hose runter. Beim Anblick seiner Schlüpfer wurde mir auch klar, warum der seine Hose nicht ausziehen wollte. Ich tat so, als wäre mir seine Unterwäsche völlig egal und grinste. Die Oma nähte langsam und erzählte immer noch vom Krieg. Ich stellte mir jetzt vor, dass Jens den Timurtag mit Evi oder Konstanze gemacht hätte. Die kannten zwar die Unterwäsche von uns, weil wir uns vorm Sportunterricht gemeinsam umziehen mussten. Aber so 'ne Schlüpfer hatten die sicher noch nicht gesehen. Ich hatte mir vorgenommen, Jens später zu sagen, dass er ein altes Ferkel sei. Aber später. Ich wollte ihn nicht vor der Oma blamieren und ihm den schönsten Moment seines bisherigen Lebens kaputt machen. Weiter so, Jens. Fertig genäht. Schnell die Hose drüber, bisschen gezappelt, Süßigkeiten eingesteckt, Fünf-Mark Stück in meine Hose und weg.

Auf dem Weg zur Scheune kam uns Uta mit Moni entgegen. Die hatten den Wagen voller Flaschen und Papier. Aha, die also. Monika grinste zu mir und zupfte sich am Kleidchen. Uta hatte Stroh an ihrer Bluse hängen. Die hatten doch nicht? Doch, hatten die und zwar mit Mischa und Karsten. Ich war stocksauer und fragte die Uta, ob der kleine Timur früher auch mal im Stroh war. Uta meinte, dass Oma Sethmacher mit 'ner Lungenentzündung im Krankenhaus wäre und sie deswegen auch Zeit für Mischa und Stroh hatten. Moni zupfte noch immer an ihrem Kleidchen rum und war feuerrot im Gesicht. Eingebildete Göre, dachte ich. Uta putzte sich das Stroh von der Bluse und meinte, wenn wir nicht petzen täten, dann würden die uns was von ihren Altstoffen abgeben. Abgemacht. Zehn Flaschen und zwei Päckchen (vielleicht fünf Kilo) wechselten den Besitzer. Danke Moni, danke Uta. Jens zeigte den Mädels noch den neuen Knopf an seinem Hosenstall. Die Hühner kicherten und zogen weiter. Ich sagte dem Jens, dass es nicht gerade klug gewesen wäre, den Mädels den Hosenstall vor die Nase zu halten. Der grinste und ich dachte mir weiter so, Jens. Aus dem Stroh wurde nichts mehr, weil der Jens nach Hause musste. Ich war stocksauer auf den Jens und nahm mir vor, der Lehrerfrau am nächsten Tag meinen Unmut zum Ausdruck zu bringen.

Nächster Tag in der Schule. Auswertung. Konstanze hatte nur zwei Mark für die Klassenkasse. Das konnte nur zwei Gründe haben: entweder, der ist unterwegs schlecht geworden und musste früher heim oder aber die hat sich von restlichen Geld Streuselkuchen beim Bäcker gekauft, weil die den fast täglich zu sich nahm. Letzteres würde ich in Erfahrung bringen, weil den Timo sein Papa der ortsansässige Bäckermeister war. Mischa und Karsten hatten nichts. Dafür hatte der Mischa noch immer Stroh im Pionierhemd. Die Lehrerin zog es raus, grinste mal kräftig und meinte, dass sie ja auch mal Kind gewesen sei. Und für einen winzigen Moment stellte ich mir die Frage, mit wem die Lehrerfrau wohl damals im Stroh gewesen sein könnte. Das allerdings, würde ich wohl niemals erfahren. Peter und Timo hatten auch nur eine Mark und fünfzig. Das wunderte mich nicht. Peter war sicher oft …naja, in irgendwelchen Büschen. Uta lächelte und zwinkerte mir zu. Die hatte mit Moni ordentlich was gesammelt. Allerbeste allerdings waren wir. Die Lehrerin war stolz und meinte, dass es doch gut war, den Jens an meine Seite zu stellen. Ich verzog das Gesicht, während Jens von seinem neuen Knopf erzählte, den ihn Oma Albrecht angenäht hatte. Nach dem Unterricht nahm ich mir den Jens noch einmal vor und sagte ihm, dass ich sauer wäre, weil ich doch wegen ihm das Stroh verpasst hätte. Außerdem teilte ich ihm höflich aber bestimmt mit, was für ein altes Ferkel er sei und ob er seine Unterhosen nicht vielleicht alle drei Tage statt alle zwei Wochen wechseln könnte. Der grinste frech und meinte, dass das sein Beitrag zur Haushaltshilfe sei. So hätte seine Mama nämlich nicht allzu viel Wäsche und müsste sich nicht so plagen. Ich fasste mir ziemlich heftig an die Stirn und ging dahin, wo Peter sechs Mal am Tag ging: auf das Jungsklo der Schule.

Wandertag der vierten Klasse

Oktober 1974. Was sich so wunderschön anhörte, war bei uns und in dieser Altersstufe Langeweile pur. Wandertag. Wir ahnten, dass es wieder mal in die heimischen Wälder gehen würde. Blätter sammeln, Bäume zeichnen, Vögel beobachten. Zweites zählte noch zu den interessanteren Dingen eines Wald- und Wiesenbesuches, denn zeichnen war meine große Leidenschaft. Ich wusste selbst nicht, welche Vorstellungskraft ich beim Betrachten der jeweiligen Bäume entwickeln konnte und war wohl an jenem Tag für Momente meinen Schulgenossen um Längen voraus. Was ich damit sagen, also schreiben will ist, ich sah Bäume in einem anderen Licht. Jeder Baum stellte für mich etwas anderes, etwas Besonderes dar. So sah zum Beispiel einer aus, wie Moni, der andere wie …ach, lasst euch überraschen, was ich an Bäumen so alles entdecken konnte. Dieser Tag jedenfalls, sollte der Beginn einer Zeichenleidenschaft der ganz besonderen Art sein, denn von nun ab wollte ich sie zeichnen …all die wunderschönen Körper dieser Schule. Das auch ein Lehrkörper dabei sein sollte, dieses monumentale Ereignis sollte mich alsbald ereilen.

Treffpunkt Schulhof. Die Kleinen aus der Ersten schauten neidisch auf uns. Würden wohl selber gerne. Wir könnten ja tauschen. Mimi und Omi und so Zeugs wäre mir sowieso lieber, als das Gekicher der Hühner. Susanne aus der Neunten stand bei Christian. Das war das Arschloch, das vor paar Tagen so 'nen Kleinen in den Dreck schubste. Dem könnte ich jetzt wirklich so richtig eine in die Fresse hauen, traute mich aber dann doch nicht und dachte mir, vielleicht warte ich noch paar Jahre. Ich meine, bis ich größer bin. Und dann dachte ich mir noch, dass es doch schön sei, so einen nicht als Bruder zu haben, auch wenn dann die Susanne meine Verschwägerin wäre. Man kann eben nicht alles haben.

Jetzt ging es los, Daniela, was unsere Lehrertante war, zählte durch …einer fehlte. Peter, wer sonst. Der war noch schnell auf Klo. Jetzt setzte sich der Trott langsam in Bewegung. Die Gören vorn, wir Jungs hinten. Während Mischa sich einen Kaugummi in den Mund stopfte, erzählte mir Timo, dass er am Vortag und beim Schach einen aus der achten geschlagen hätte. Ich stellte mich völlig doof und fragte den Streber, wo er ihn denn hingeschlagen hätte. Daraufhin erzählte der mir was von C1 und D2, von Figuren und so Zeugs. Das war mal mächtig langweilig. Plötzlich schrie 'ne Göre. Es war Moni. Der Jens hatte einen alten Socken gefunden und den der Moni unter die Nase gehalten. Die Lehrertante ermahnte den Jens, er sollte doch das alte Pfuideibel wieder dahin befördern, wo er es herhatte. Der schmiss die Socke in hohem Bogen ins Gebüsch und grinste …natürlich mal wieder dämlich.

Halbe Stunde gelaufen und Pause. Jeder nahm jetzt sein Brot aus der Tasche. Timo hatte wie immer Blutwurst drauf, ich Käse und der Jens Leberwurst. Man konnte also sagen, dass es von allen Seiten anders roch, nur nicht nach Wald. Die Daniela sagte jetzt Ferkel zu dem Jens, weil der in sein Brot biss, ohne sich die Hände im vorbeiziehenden Bach zu waschen, wo er doch noch vor Minuten so einen alten Socken in genau der Hand hielt, wo sich jetzt das Brot befand. Der Jens ließ sich allerdings nicht stören und aß genüsslich weiter. Was für ein Ferkel. Moni sah ziemlich weiß im Gesicht aus und hatte auch keinen Hunger mehr. Anscheinend ist ihr der Socken auf den Magen geschlagen. Die tat mir ein bisschen leid, weil die auch gleich zu flennen begann. Konstanze ging mit der Lehrerfrau ins Gebüsch, etwas abseits von unserem Lager. Die musste mal und traute sich alleine nicht. Na dann.

Alle waren fertig mit Essen. Jetzt Blätter ausgepackt und Bäume gezeichnet. Und meine geistigen Inspirationen konnten beginnen. Vor mir ein Nadelbaum. Ich dachte mir, was für ein langweiliges Gehölz. Nichts dran an dem. Ich wollte einen anderen Baum nehmen. Da stach mir eine Eiche ins Auge. Unten fehlte die Rinde, glatt wie ein Hintern. Ich steckte meinen Stift in den Mund, wie es Künstler zuweilen machen, stützte meinen Kopf auf meine Arme und betrachtete den Baum. Dabei träumte ich ein wenig vor mich hin. Er war schön und hatte etwas von Evi, denn der untere Teil war wohlgeformt und rund. Evi sah untenrum auch so aus. Mein Blick ging etwas höher. Und tatsächlich entdeckte ich zwei kleine …wie soll ich sagen. Also ich entdeckte …es waren, es sah aus wie zwei kleine Brüste eben. Ein wundervoller Baum. Und wie ich auf das Blatt sah, bemerkte ich, dass ich keinen Baum, sondern Evi selbst gemalt hatte. Schnell ließ ich das Blatt ganz nach unten verschwinden und nahm ein neues hervor. Die Lehrertante kam vorbei und bemerkte, dass ich noch nicht begonnen hatte. Sie meinte, ich solle doch die Eiche malen, die vor mir Stünde. Die wäre wirklich schön. Ich grinste in mich hinein und biss mir auf die Zunge. Jetzt nur nichts verraten. Ich begann von neuem …dieses Mal wurde es ein Baum, doch auch diese Zeichnung hatte eher weibliche denn pflanzliche Züge. Egal, es war ein baum und fertig. Mein Blick ging am Wald entlang. Ich entdeckte noch viele interessante Bäume, die es Wert waren, mit Gören aus unserer Schule verglichen zu werden. Einer sah der Susanne total ähnlich, weil er oben richtig rund war. Das war die Susanne schließlich auch. ich kritzelte noch etwas Gras neben den von mir gezeichneten Baum und fertig.

Jetzt ging es weiter. Die Lehrertante erzählte nebenbei was von Eiche, Ahorn und Buche und die Mädels sammelten fleißig Blätter. Die sollten wir dann in unser Heimatkundebuch kleben. Peter fragte, wann wir etwas essen könnten. Die Daniela meinte, dass wir doch eben erst gegessen hätten und er, also der Peter doch nicht schon wieder Hunger haben könne. Der meinte, dass er am Abend zuvor nichts gegessen hätte, weil es bei seinen Eltern Sülze gegeben hätte und er sich hat übergeben müssen. Die Lehrertante verzog das Gesicht, nickte dem Peter zu und erlaubte ihm, zu essen. Karsten sagte der Lehrerin, dass er erst vor ein paar Tagen mit seinen Eltern an diesem Fleckchen Erde gewesen sei und wenn er gewusst hätte, dass wir hierher gehen würden, dann hätte der die Blätter gleich mitgebracht. Dann bekräftigte er noch mit seinem Pionierehrenwort, das er auch an die Mädchen gedacht hätte. Die Daniela lachte herzlich, schüttelte mit dem Kopf und fuhr dem Karsten mal kurz durch die Haare.

Jetzt noch einmal Pause. Wieder die Blätter raus und zeichnen. Birkenwäldchen. An den Birken konnte ich so gar nichts weibliches erkennen. Hätten die noch Blätter, dann vielleicht, aber so waren die kahl wie der Kopf von Timos Papa. Und den wollte ich bestimmt …ganz bestimmt nicht zeichnen. Ich malte also die langweiligen Birken, die mir jedoch außerordentlich gut gelungen waren. Meine Lehrertante kam zu mir und lobte mich vor all den anderen. Ich könne gut zeichnen und dann meinte sie noch, das ja aus mir vielleicht einmal ein berühmter Maler werden könnte. Da wusste allerdings weder ich noch sie, dass ich ihren wundervoll erwachsenen Körper irgendwann zeichnen würde. Das aber später. Für den Moment nur die Bäume …nur die.

Jetzt ging es wieder heim. Mir taten die Füße weh und ich fragte, ob wir noch einmal Pause machen täten. Die Lehrerin meinte, dass wir noch ein Stück laufen könnten. Konstanze, was die Pionierratsdingsbums war meinte, das Jungs alte Jammerlappen seien. Karsten zeigte der 'nen Vogel und Peter meinte, dass er niemals nicht jammern tut. Auch tut …ähh gut. Mischa, der jetzt