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Chaldäeis im Platonismus

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Michael Erler Chaldäer im Platonismus

1. Platon und die Weisheit der Alten „Griechenland ist groß, Kebes, und es gibt dort tüchtige Männer. Groß sind auch die Nationen der Barbaren, die ihr … alle durchforschen müsst, und dabei dürft ihr weder Geld noch Mühen scheuen, gibt es doch nichts, wofür ihr euer Geld besser ausgeben könntet“ (Üb. Ebert).1 Sokrates’ Aufforderung ist in der Antike als Auftrag verstanden worden, für fremde Traditionen – gerade auch aus dem Orient – offen zu sein, fremde Völker aufzusuchen und sich belehren zu lassen.2 Platon selbst führt diese Offenheit in seinen Dialogen vor. An nicht wenigen Stellen beruft sich Sokrates auf Lehren der ‚Alten‘, auf Dichter oder Weise der Vorzeit – auch aus östlichen Ländern – und führt sie als Beleg für eigene – d.h. platonische – Lehren an, freilich nicht ohne sie auf eine Weise zu modifizieren und zu transformieren, so dass sie ins eigene Gedankengebäude passen.3 Denn die Dialoge zeigen auch: Die Bedeutung alter Weisheit wird zwar akzeptiert, dies jedoch nicht kritiklos und ungeprüft. Ein Automatismus „alter Logos gleich Wahrheit“ besteht für Platon nicht. Dieses kritische Rezeptionsverhältnis gilt für Platon, aber auch in anderen Bereichen des kulturellen Lebens seiner Zeit: Ein Satz aus der pseudo-platonischen Epinomis bringt es auf den Punkt. Demnach waren sich die Griechen bewusst, vieles der Weisheit der Barbaren, der barbaros philosophia wie es heißt, zu verdanken, aber auch dieses Übernommene zu schönerer Vollendung geführt zu haben.4 In dieser Haltung gegenüber der barbaros philosophia spiegelt sich jenes Selbstbewusstsein, das seit Marathon, Salamis und Plataiai im 5. Jahrhundert v. Chr. zu beobachten ist und das Christian Meier glücklich als „Könnensbewusst-

1 Vgl. Platon, Phaidon 78a (T. Ebert, Phaidon. Übersetzung und Kommentar von T. Ebert, [= Platons Werke Bd. I 4], Göttingen 2004, 39); zur Stelle vgl. M. Erler, Kontexte der Philosophie Platons, in: Platon. Handbuch, hg. von C. Horn u.a., Stuttgart 2009, 61–99, bes. 61ff.; noch in der Spätantike wurde dieser Forschungsauftrag des Sokrates aufgegriffen, vgl. L.G. Westerink (Hg.), Olympiodorus Alexandrinus. Olympidori in Platonis Gorgiam commentaria, Leipzig 1970, 41, 6. 2 Vgl. M. Baltes, Der Platonismus und die Weisheit der Barbaren, jetzt in: M. Baltes, EPINOHMATA. Kleine Schriften zur antiken Philosophie und homerischen Dichtung, hg. v. M.-L. Lakmann, München/Leipzig 2005, 1–26, bes. 11; H. Dörrie, Platons Reisen zu fernen Völkern. Zur Geschichte eines Motivs der Platon-Legende und zu seiner Verwendung durch Lactanz, in: W. den Boer u.a. (Hgg.), Romanitas et Christianitas, Studia I.H. Waszink, Amsterdam/London 1973, 99–118. 3 Vgl. M. Erler, Legitimation und Projektion. Die ‚Weisheit der Alten‘ im Platonismus der Spätantike, in: D. Kuhn/H. Stahl (Hgg.), Die Gegenwart des Altertums, Heidelberg 2001, 313–326. 4 Vgl. Pseudo-Platonische Epinomis 986e.

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M. v. die großen Mauern und die ‚hängenden Gärten‘ als Weltwunder.6 Hier kommt ein Selbstbewusstsein zum Ausdruck. Fragment 48. Frankfurt 1983. dient dort als Söldner. ob im mesopotamischen oder ägyptischen Kontext ein „Oidipous Tyrannos“ wie der des Sophokles möglich gewesen wäre. Herodot 1. Erler. 9 Vgl. aber auch in Mesopotamien zu beobachten sind. wenn Platon auf der Suche nach Vorbildern für die ideale Verfassung Athens im Dialog Timaios zunächst auf die alte ägyptische Stadt Sais verweist.226 Download Date | 7/23/12 11:22 AM . dazu W. München/Leipzig 2005. Baltes. Antimenidas. dazu M. Die Entstehung des Politischen bei den Griechen. das Offenheit gegenüber fremdem Wissen – vornehmlich aus dem Osten – mit souveräner Fähigkeit zu dessen Anverwandlung und Transformation verbindet. vgl. Baltes. EPINOHMATA. Voigt. Kleine Schriften zur antiken Philosophie und homerischen Dichtung. Königs-Ellen bei Alkaios. das uns schon früh in der griechischen Literatur begegnet. Amsterdam 1963).1.-L. Denn jenes Sais in Ägypten galt Platon als eine Kopie des 1000 Jahre zuvor gegründeten Ur-Athen. Herodot berichtet von ihrer Größe und über seltsame Bräuche. M. Griechen am Rand der östlichen Monarchien.sein“ charakterisiert hat. sondern einem jeden Bürger. in: Sappho et Alcaeus. Schon Hesiod überträgt in den Werken und Tagen auf die Göttin Dike Vorstellungen östlichen. 12.7 Indem er jedoch diese Verehrung nicht mehr einer Person – dem König – anvertraut.-M. wie dies in der ägyptischen oder in östlichen Gesellschaften der Fall war. dazu M.B. hg. 6 Vgl. in Ägypten.5 Es passt z. 226 MICHAEL ERLER Brought to you by | Staats. Erler. ins Bild. Der Platonismus und die Weisheit der Barbaren. E. erweist sich schnell als Beleg für den Ruhm Athens. 5–36.Oidipous Tyrannos‘ des Sophokles in: Würzburger Jahrbücher für die Altertumswissenschaft 28a (2004). mit der das Stück beginnt. 178ff. ‚magischen‘ Königtums.8 2.und Universitaetsbibliothek Hamburg (Staats. 469ff. Fragmenta. 9–19. hg. 50. jetzt in: M. 7 Vgl. Der Bruder des Dichters Alkaios. Alkaios. Babylon galt als bedeutende Metropole.a. Burkert.9 Auch wenn seine Angaben wenig zuverlässig scheinen. Meier. C. Lakmann. 8 Vgl. wie sie u. formuliert er mit Hilfe alter östlicher Vorstellungen etwas Neues und für das Verständnis griechischer Polisgemeinschaft Grundsätzliches: Jedes Mitglied trägt Verantwortung für ‚Wohl und Weh‘ aller anderen Mitglieder und der Natur: In Sophokles’ Oidipous Tyrannos wird deshalb nicht automatisch der König für jene Pest in Theben verantwortlich gemacht. in: Studi Italiani di Filologia Classica 5 (1987). Die drei Gebote des Aischylos im . indem er die Verehrung Dikes für das Wohlergehen von Mensch und Natur in der Polisgemeinschaft verantwortlich macht. 69–72. Was freilich wie ein Beitrag ad maiorem gloriam Aegyptiorum aussieht.und Universitaetsbibliothek Hambu Authenticated | 172. Journal of Medieval History 53/2 (1996). 350 (Voigt. sondern es wird der Verursacher unter allen Bürgern gesucht – man darf darüber spekulieren. v.16. Das Recht (Dike) als Segensbringerin für die Polis. – später wird manches von Ktesias zurechtgerückt und auch 5 Vgl. Platons Timaios 23d. doch auch Babylonien spielt eine wichtige Rolle. Babylon als Quelle alter Weisheit Als wohl wichtigste Quelle alter Weisheit galt Ägypten. vor allem jenes Babylon. Die Wandlung eines Motivs von Hesiod zu Kallimachos.

1. F. Musik und Traumdeutung erfahren sowie sich ihre Theologie und ihre Rituale angeeignet habe. Vita Pythagorae 6 (= Dörrie-Baltes 67. um die Herkunft ihrer Weisheit zu erklären und die Wahrheit ihres Wissens zu legitimieren. De re publica. Stuttgart/Bad Cannstatt 1990. In Somnium Scipionis 2. Dörrie/M. Merkur. sondern auch als Ort der Weisheit bewundert. Es wundert vor diesem Hintergrund nicht. Baltes. 17 Vgl. König. Der Platonismus in der Antike Bd. Leiden 1977. 342f. 2. Unterricht in Mathematik. 6. darunter von 10 Ob in Aristophanes’ Aves 549ff. auch F. CHALDÄER IM PLATONISMUS 227 Brought to you by | Staats. Mit Babylon verband man Errungenschaften der Astronomie und Astrologie ebenso wie mit solchen der Psychologie.B. Der Platonismus in der Antike.v. 6. 616d ff. 17 und Macrobius. München 2002. Astronomie. den Indern und Äthiopiern. Astrologie. 12. Flamant. die Babylonier und Assyrer ihre Chaldäer. RE 11 (1922). vielmehr macht er Babylon zum Gegenstand des Spottes – so zeigt dies alles doch: Babylon war Teil des literarischen Diskurses und Gegenstand des Interesses. De re publica. also den babylonischen Priestern. Cicero. 119. 182 mit 465). 6.Aristophanes zeigt sich weniger beeindruckt. Baltes.12 Noch bei Macrobius findet sich eine Planetenordnung (Saturn. Pythagoras and the Pythagoreans.13 Rechentechniken hatten eine große Blüte erreicht und gingen wie später bei Pythagoras mit Zahlenmystik Hand in Hand – aber auch die Philosophie wird mit Babylon in Verbindung gebracht. Dörrie/M. dazu C. Sonne.10 Es wurde zudem nicht nur wegen seines Reichtums und seiner Macht.und Universitaetsbibliothek Hamburg (Staats. Macrobe et le néo-platonisme latin à fin du IV siècle.W. Pausanias 4. Die Persika des Ktesias. 6. 14 Vgl. zu den Ägyptern und dann schließlich zu den Chaldäern und Magiern in Babylon. Diogenes Laertius 8.. Riedweg. 179).. 11 Vgl. 421ff. Wir hören z. ist umstritten.17 Ähnliches hören wir von weiteren griechischen Weisen. J. danach aber zwölf Jahre in Babylon aufgehalten habe und dort von den Chaldäern. dass sich Pythagoras zunächst in Ägypten. in: H. in: H. Jacoby. Platon.und Universitaetsbibliothek Hambu Authenticated | 172. Ktesias. Mond). Lukian. die nicht der platonischen (zu finden in Platons Politeia). z. vgl.11 Nach Pausanias stammt sogar die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele von den Chaldäern und den indischen Magiern. sondern der chaldäischen Reihung folgt. und 1124–38 wirklich eine Parodie der Beschreibung der Stadtmauer von Babylon wie bei Herodot vorliegt (vgl. 2. Dörrie/M. Diogenes Laertios 1. A Brief History. 176 mit 454). 2032–2073. Baltes. Porphyrius. Graz 1972. Jupiter.H. 3. s. vgl. 13. und die Gallier ihre so genannten Druiden und Semnotheten.1. Noch Diogenes Laertios weiß von solchen. C.16.15 Zuerst sei sie zu den Barbaren gegangen. 191. Zu Ktesias’ „Persika“ und seiner – durchaus problematischen – Herodotkritik vgl. Herodot 1. 4 (Dörrie-Baltes 66. Venus. Stuttgart/Bad Cannstatt 2002. die man griechischen Weisen teilweise andichtete.B. H. die so auch bei Cicero und den Platonikern zu finden ist. Stuttgart/Bad Cannstatt 1990. Bd.226 Download Date | 7/23/12 11:22 AM .14 Lukian lässt die personifizierte Philosophie dem Gott Zeus von ihrem Weg nach Griechenland berichten. der Theologie und der Mathematik – denn der grundlegende Satz des Pythagoras war offenbar schon seit Jahrhunderten bei den Babyloniern im Gebrauch. 13 Vgl. 32. zu den Brahmanen.16 Demnach hatten die Perser ihre Magier. Kahn. Der Platonismus in der Antike Bd. Pythagoras. 12 Vgl. 2. nach deren Meinung die Entwicklung der Philosophie ihren Anfang bei den ‚Barbaren‘ genommen hat. Mars. fug. Indianapolis 2001. 15 Vgl.. 16 Vgl. dass Babylon als ein Quell der barbaros philosophia zur Station jener Bildungsreise wurde. 1.

dies freilich erst kurz vor seinem Tod. Es handelt sich um eine Partie im Kontext jener berühmten Geschichte über den Betrug Heras an Zeus (der Dios Apate) im 14.. Dorandi. 31. E. interessant die „nota addizionale“ von R. Zeller. Gesang. West Asiatic elements in Greek poetry und myth.1.E.. Storia dei Filosofi. 1. von T. Bd. hg. Oxford 1997. 7.22 18 Vgl. dass chaldäische Priester auch zu ihm pilgerten. Florenz 1959. 9–89. 176ff. 1. und komm. Jahrhundert der bedeutende Philosophiehistoriker Eduard Zeller wieder vehement vertritt.16. Seneca.und Universitaetsbibliothek Hamburg (Staats. Academica. Auflage. zu Platon vgl. Philodem. erweiterte Fassung in: ders. Münster 1972. West. Burkert.keinem geringeren als Platon. Anf ängliches Fragen. bedeutende Lehren mit der Weisheit des Ostens in Verbindung zu bringen und eigenen Errungenschaften auf diese Weise Autorität zu verleihen. wenn er alles sich aus den „Voraussetzungen des griechischen Volkslebens entwickeln lässt“. Die Wertung der Barbaren im Urteil der Griechen. Basel 2007.. Die Philosophie der Antike Bd. dazu H. Flashar. die besonders im 19. Epistulae morales 58. Platon war so bedeutend.226 Download Date | 7/23/12 11:22 AM . Plato. insbesondere auch Philosophen der klassischen Zeit.1. Neapel 1987). 3. Mondolfo. 3.. v. ein Beleg für den Respekt. Freilich. Anaximander und der Anfang der Philosophie. übers. 385–418. Stiehl/ A. Antike und Universalgeschichte. Tarán. Neapel 1991). M.21 Babylon und Babylonien erweisen sich in diesem Kontext als wichtige Station und als Bezugspunkt – auch im Bereich der Philosophie. 3. Gaiser. Philip of Opus and the Pseudo-Platonic Epinomis. 31. München/Zürich 2003. H. Seneca.19 Gewiss. Lehmann (Hgg. 22 Vgl.20 Gleichwohl sind die Versuche. La filosofia dei greci nel suo sviluppo storico. in Homers Ilias. U. Stier. 20 Vgl. in: R. so dass er nicht mehr viel von ihnen lernen konnte. dort 43. Fragment 5 Tarán (in: L. Philipp von Opûs. Die Griechen und der Orient. Philadelphia 1975). 36ff. Knechtsnaturen? Oder Bewahrer und Künder heilbringender Weisheit?.und Universitaetsbibliothek Hambu Authenticated | 172. Burkert. Erler. Stuttgart/Bad Cannstatt 1988. W. in: Grundriss der Geschichte der Philosophie. ders. Philodems Academica. 19 Vgl.L. W. Dorandi. 228 MICHAEL ERLER Brought to you by | Staats. Hier hat die moderne Forschung Reminiszenzen mesopotamischer theologischer Vorstellungen erkannt. dem Wissen der Alten entgegen gebracht haben und wie sehr sie es gewürdigt haben. 21 Vgl. 257–277. 63–99. The east face of Helicon. wie Philipp von Opûs uns wissen lässt. Leipzig 1923. Oxford 1971. Platone e l’Academia (PHerc. mit 421ff. 21–52. in: Filodemo. De Léodamas de Thasos à Philippe d’Oponte. Hermes 81 (1953). hg. insbesondere M. München/Zürich 2003. Hölscher. Auflage. diese Geschichten sind zumeist Fiktion. col. Zeller/R. Lasserre. Mondolfo in: E. Fragment 14a Lasserre (in: F. (= K. Die Philosophie der Griechen in ihrer geschichtlichen Entwicklung. 48.18 Seneca zufolge sollen Magier in Athen dem Verstorbenen Platon geopfert haben. 1021 e 164). Early Greek philosophy and the Orient. Bd. vgl. Dörrie.. 36ff.2. Göttingen 1968. Epistulae morales 58.). Academicorum ind. Zudem protestiert der antike Philosophiehistoriker Diogenes Laertios gegen die Orientverbindung und lässt die Philosophie in Griechenland beginnen – eine Position. Platon. 2. Festschrift für H. 36ff. 3. Die Griechen und der Orient. Homer und der Beginn der Philosophie Ein Beispiel für eine solche Beziehung lässt sich in der Tat sogar für den Anfang der griechischen Philosophie ausmachen und dies an prominenter Stelle des ersten Werkes europäischer Literatur. den die Griechen. 146–175.

dass sich beide des Beilagers im Streit enthielten. 27 Vgl. Dicht und üppig und weich. Cambridge 1950. R.und Universitaetsbibliothek Hambu Authenticated | 172. 200ff.. Ilias. Denn schon lange Zeit vermeiden sie einer des andern Ehelager und Liebe. übertragen von dems. und Tethys. München/Zürich 2003. 95–116. CHALDÄER IM PLATONISMUS 229 Brought to you by | Staats. Natürlich wäre es nicht zuträglich. Homer.1.23 Hera plant deshalb ein Schäferstündchen mit ihrem Gemahl. Beide lagerten dort und deckten sich zu mit den schönen Goldenen Wolken. 24 Vgl. Homer. Rupé).16. helfen zu wollen. Zuvor freilich holt sie sich bei der zuständigen Göttin und Expertin in Liebesdingen. Leipzig 1887. dem Ahnen der Götter. und ders. Gruppe. in: The Unwritten Philosophy and other Essays. 83–93. Opladen 1970. 153ff. 25 Vgl. Die orientalisierende Epoche in der griechischen Religion und Literatur. wird signalisiert. Ilias 14. wer das Opfer ihres Verführungsvorhabens sein soll. Rupé). Hera . Rupé. A Ritual Basis for Hesiod’s Theogony. Übersetzung: H. […] Diese will ich besuchen. getrennt durch bittere Feindschaft“ (Üb. Vgl. Homer. Ilias 14. Burkert. der edel klingt. Homer. und Hera kann Zeus mit Hilfe von Aphrodites Liebesmittel zu einem Schäferstündchen überreden. Übersetzung: H.26 besonders aber aus inhaltlichen Gründen von Interesse. die an den Grenzen der bewohnten Erde lebten: „Denn ich mache mich auf zu den Grenzen der fruchtbaren Erde. 7ff. 26 Vgl. München 1989.24 Der Trug gelingt. übertragen von dems. Die Griechen und der Orient. Tauigem Lotosklee. Unten erblühte die heilige Erde von sprießenden Gräsern. taktischen Rat und Hilfe.. „Also sprach der Kronide und schloß in die Arme die Gattin. Homer. Sie sei deshalb auf dem Weg zu ihnen. beide.In der berühmten Passage versucht Hera durch eine Täuschung Zeus vom Kampfgeschehen vor Troja abzulenken.und Universitaetsbibliothek Hamburg (Staats. Will nach Okeanos sehn. Bezüge stellt bereits her O. A. Die mich in ihrem Palast erzogen und hüteten. 346ff. Okeanos und Tethys. Die griechischen Culte und Mythen in ihren Beziehungen zu den orientalischen Religionen.226 Download Date | 7/23/12 11:22 AM . Dihle.. es fielen herab die Tropfen des Taues“ (Üb. Cornford. Doch bleibt der Eindruck. Okeanos und Tethys werden vorgestellt als Ursprung der Götter und Mutter und Okeanos als Ursprung für alles.25 Diese Stelle ist wegen stilistischer Besonderheiten. Heidelberg 1984. Aphrodite. München 1989. 57ff. Ilias 14. Sie gibt vor. wenn sie der anderen Göttin zu erkennen gäbe. dass die Vereinigung von Zeus 23 Vgl. dass das Werden – auch der Götter – zum Stillstand kommt. die dauernden Händel zu schlichten. die über den Boden sie hoben. Homer-Probleme. Wenn es heißt. ihren Eltern. weil dies sich so gar nicht nach ihren eigenen Vorstellungen und zum Nachteil der Griechen zu entwickeln scheint.27 Zwar findet sich die Bemerkung im Kontext einer Trugrede. W. Hyazinthen und saftigem Krokos. Ilias. die nicht so recht zum mündlichen Stil passen wollen. 614–622.improvisiert‘ deshalb eine Erklärung für ihren Wunsch. Rupé. 477. 485.

Kratylos 402b (orphisches Gedicht). Aristoteles. eine kosmische Dimension hat und geradezu Teil einer Kosmogonie wird. J. 30 Vgl.31 An eben jener Stelle also erkennt Aristoteles erste Ansätze der Philosophie. 230 MICHAEL ERLER Brought to you by | Staats. Burkert.und Universitaetsbibliothek Hambu Authenticated | 172. dazu R. Pritchard. dass unsere Partie in der Tat enge Parallelen zu Wasserkosmogonien orientalischer Herkunft. da war. Auflage..und Universitaetsbibliothek Hamburg (Staats. Aristoteles. dass seine Vorstellungen – soweit wir das erkennen können – mit solchen aus dem Orient.30 Homer also als Kosmologe und Vorgänger des Vorsokratikers Thales. Timaios 40e (mit Unterschieden). Bd.und Hera. dass hier. Aristoteles. Man denkt an Apsu – wie Okeanos ein Süßwassermeer.28 Beide aber vermischten ihre Wasser bis Apsu eingeschläfert und Tiamat erschlagen wird. das Salzmeer als Gebärerin von allem. kann nicht erstaunen. The Iliad. 2. Enuma Elisch 1. den Himmel.226 Download Date | 7/23/12 11:22 AM . aber auch. u. welche lange vor unserer Zeit und zuerst über die göttlichen Dinge geforscht haben. Platon. Ancient Near Eastern Texts Relating to the Old Testament. Heidel. In der Metaphysik des Aristoteles lesen wir: „Manche meinen auch.a. Übersetzt und herausgegeben von H.. Metaphysik. Bonitz u. 3.1. Homer. 16. auch Platon. Die orientalisierende Epoche in der griechischen Religion und Literatur. vgl. Bonitz). The Babylonian Genesis. vgl. man denkt an Tiamat.a. Diese Vorstellung ist Homers Anthropomorphismus ansonsten fremd und nur hier zu beobachten. 4. Metaphysik 983b27. Dass Aristoteles bei Homer Theologisch-Philosophisches zu finden glaubt. Janko. das die Welt umgibt und Untergrundquelle aller Quellen und Flüsse ist. Heidelberg 1984.16. 31 Vgl. das nicht nur die literarische Darstellung Homers beeinflusst hat. Wenn beide ihre Wasser vermischen. bringen sie die Götter hervor. 88. als der Himmel oben und die Erde noch nicht existierten. dass auch die Alten. und die Erde. Princeton 1969. derselben Ansicht seien. denn den Okeanos und die Tethys machten sie zu Erzeugern der Entstehung …“ und dann: „Thales jedoch soll sich auf diese Weise über die Grundursache ausgesprochen haben“ (Üb. Books 13–16. W. aus Babylonien konvergieren. mit Thales. ein Echo dieses babylonischen Mythos zu vernehmen ist – ein Echo. Hesiod oder Pherekydes aus Syros bezeugten. der. 180ff. die ein Aufblühen der Natur bewirkt. 61. dass Philosophie und Theologie schon in der Urzeit existiert haben. in Verbindung. dass bei ihm entsprechende kosmologische Vorstellungen in mythologisch-anthropologischer Form 28 Vgl. Auflage. A Commentary. insbesondere aber zum babylonischen Weltschöpfungsmythos „Enuma Elisch“ aufweist. 29 Vgl. wie es heißt. vgl.B. Auch bei Thales selbst hat man beobachtet. wie z. Kosmologien bei Autoren wie Orpheus. Metaphysik 1074a38ff. Schon Gladstone hat dies 1890 erkannt. und nach ihm haben andere darauf hingewiesen. Weitere Entsprechungen im Kontext der Homerischen Dios Apate bestärken zudem den Eindruck. 1ff. durch Sintfluten aber immer wieder in Vergessenheit geraten und nach der letzten Sintflut in rudimentärer mythischer Form tradiert worden seien. A. Denn schon die Homerleser Platon29 und Aristoteles bringen Heras Hinweis auf Okeanos und Tethys mit den Anf ängen der griechischen Philosophie. Chicago 1951. ist er doch der Meinung. Cambridge 1992. Hamburg 1966. am Beginn der griechischen Literatur.B. an der moderne Forschung ein Echo altorientalisch-babylonischer Vorstellungen ausgemacht hat.

von C. 34 Vgl. der in der zweiten Hälfte des 4. Anaximander und der Anfang der Philosophie. Amsterdam 1966). z.und Universitaetsbibliothek Hambu Authenticated | 172.1. und zu Anaximander. Epimenides (mit Aer und Nyx) und Pherekydes (mit Zeus und Chronos) behandelt. Die Griechen und der Orient. Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike. Ein Hinweis des Damaskios auf Eudemos macht nämlich deutlich. A. verbunden mit Transformation also auch hier – Babylonisches am Beginn der griechischen Philosophie: Gewiss. dem Süßwasser. In seinem Werk Geschichte der Theologie – einer Pionierarbeit der Religionsgeschichte – hat dieser Aristoteles-Schüler nämlich die Grundlagen der griechischen und der orientalischen Theologie dargestellt. 6–7. Fragment 150 Wehrli (in: F. Peripatos. 9. wenn er nämlich von zwei Prinzipien spricht:34 Von Tauthe.. Chr. Bd. dass auch das Referat über babylonische kosmologische Vorstellungen schon von diesem stammt. 1.33 Demnach ist Eudemos in seinem Werk bei der Darstellung von Prinzipienlehren vorphilosophischer. Bd. wirkte. zu Thales als Astronom. darauf Hesiod (mit dem Chaos). Eudemos. 33 Vgl. 558–563. Apson entspricht Apsu. dass Heras improvisierte Trugrede Bezüge zu babylonischen Vorstellungen erkennen lässt. 74. Akusilaos (auch mit dem Chaos). Basel 2004. Chr. Die Schule des Aristoteles. Das Werk ist uns durch den verkürzten Bericht des Neuplatonikers Damaskios aus dem 5. Basel 1953) = Damascius 124 (in: Damascius Diadochus.B. Übersetzung und Erläuterungen von ders.226 Download Date | 7/23/12 11:22 AM . antiker Dichter offenbar chronologisch vorgegangen. stellt einen solchen Bezug her.h. Text und Kommentar. Burkert. bekannt. Enuma Elisch 1. Jahrhundert n. U. Ruelle. M. 2. Moderne Interpreten haben nun darauf hingewiesen.gleichsam ‚physikalisch‘ werden. 3. Gemelli Marciano. dass sich Damaskios’ Darstellung der babylonischen theologischen Prinzipienlehre konkret auf den Anfang des Enuma Elisch bezieht. Bei Damaskios folgt sodann separat eine Besprechung der kosmologischen Prinzipien bei den Babyloniern. dem Salzwasser. München/Zürich 2003. 1. CHALDÄER IM PLATONISMUS 231 Brought to you by | Staats.a. und Apason. Aristoteles wie auch Platon mag wohl kaum bewusst gewesen sein. die Sonnenfinsternis 586/5 v. 385–418. der Mutter der Götter. Hermes 81 (1953). Auswahl der Fragmente und Zeugnisse. dazu W. 30–72. Düsseldorf 2007. siehe dazu auch Damascius 123–125 (ebenfalls bei Ruelle). hg. Jahrhundert v. F. Die Vorsokratiker Bd.16. Die Stelle bei Damaskios wird deshalb gern als ein – freilich spätes – Zeugnis für Kenntnisse babylonischer Mythologie im Griechischen herangezogen. bei den persischen Magiern und den Ägyptern. Er hat Orpheus (bei dem die Nacht als Prinzip gilt)..32 Offenheit für Altes. 22ff. dubitationes et solutiones in Platonis Parmenidem. dass wir uns mit diesem Zeugnis keineswegs nur in der Philosophie der Spätantike bewegen. Eudemos aus Rhodos. nach Herodot 1. Tauthe entspricht dabei Tiamat. Hölscher. zu Eudemos aus Rhodos und Babylon vgl. zu Problemen dieser Stelle und zu babylonischen Vorbildern vgl. Wehrli. Bd. 4. Wir befinden uns also auch mit seinem Hinweis auf die Kos32 Vgl. Eudemos und Enuma Elisch Ein Schüler des Aristoteles jedoch. dann Homer mit Hinweis auf Okeanos und Tethys – d. hg. L. Auflage.und Universitaetsbibliothek Hamburg (Staats. Gesang –. Flashar. von H. Doch darf darauf hingewiesen werden. unsere Stelle im 14. Wehrli u. Chr. 56. 257–277.

Aristoteles Pseudepigraphus. Basel 1944). 3. übersetzt und erläutert von. 36 Vgl. 3. Rhetorik. Bd. Apollodoros und Juba diente. wurde dann Chrysipps Nachfolger in der Schulleitung der Stoa und nahm in hohem Alter gemeinsam mit Karneades und Kritolaos (156/5 v. Hildesheim/New York 1971) = Diogenes Laertios 1. verfasst ein Werk mit dem Titel Chaldaika in drei Bänden und widmet es Antiochos Soter – ein Werk. De bono Fragment 30 (in dems. Die Schule des Aristoteles. 5.1. Native traditions in Ancient Mesopotamia and Egypt. Fragment 29 Rose (in dems.und Universitaetsbibliothek Hambu Authenticated | 172. die in Rom in schwieriger politischer Lage für Athen gut Wetter machen sollte 35 Vgl. Chr.mogonie des Enuma Elisch bereits in der Zeit des vierten bis dritten Jahrhundert v. Ktesias setzt sich kritisch mit Herodots Bericht über Babylon auseinander und Berossos. Jacoby.) = Diogenes Laertios 1.C1. Berossos. Leipzig u. Verbrugghe/J. Aristoteles. Chr. Stellvertretend sei hier auf die Stoa und jenen Diogenes aus Seleukia hingewiesen. vgl. Wehrli. The Babyloniaca of Berossus. zu Aristoteles selbst. Berossos und die babylonisch-hellenistische Literatur. 81. P. Die Fragmente der griechischen Historiker. Ann Arbor 1996.) = Diogenes Laertios 1. Auflage.B. Wickersham: Berossos and Manetho. 133. Leiden 1940).8 mit H. Flashar/U. De bon.a. ein Priester des Bel. Berlin 2006. Die Schule des Aristoteles. in der wir ein generelles Interesse für fremde Kulturen im Frühhellenismus. Gerade auch die Schule des Aristoteles folgte Sokrates’ Aufforderung zur Offenheit gegenüber Fremdem und sammelte Material der barbaros philosophia. antreffen.und Universitaetsbibliothek Hamburg (Staats. Dichtung. Bd. Poetik. FGrH 680 (in: F. Introduced and Translated. weil die Einwohner dieser Stadt der Landschaft den Namen gaben. P. Bd. Mayer Burstein. Dubielzig/B. Malibu 1980.1. De philosophia Fragment 9 Rose (in: V. Breitenberger. G. Dikaiarch. 1923. Wehrli. Texte und Kommentar. Jacoby. bei den Magiern suchte. Aristoteles.1 und dazu Aristoteles. haben in ihren Werken Über Erfindungen auch diese Barbaren berücksichtigt. Fragmente zu Philosophie.35 Dikaiarch behandelt neben den Ägyptern auch die Leistungen der Chaldäer. 232 MICHAEL ERLER Brought to you by | Staats. wie wir bei Diogenes Laertios lesen. Hekataios von Abdera. Texte und Kommentar. Schnabel. das wiederum als Quelle für Alexander Polyistor. Flashar. wo Aristoteles anders als in der „Metaphysik“ die Anf änge der Philosophie u. FGrH 264 F 25 (in: F. Aristoteles. Fragmente 55–58 Wehrli (in: F. Megasthenes verfasst Berichte über Indien.a.) an jener Philosophengesandtschaft teil. Basel 1978). nicht zuletzt infolge der Alexanderzüge und der mit ihnen verbundenen ‚Globalisierung‘ vornehmlich bei Historikern. Diogenes Laertios 6. Supplement 2.37 Jener Diogenes war Schüler des ersten Schulgründers Zenon.. Rose.16. Leiden 1958). Diogenes aus Seleukeia am Tigris In der griechischen Philosophie begegnen wir zu dieser Zeit sogar bedeutenden Figuren. 2.36 Auch in der Literatur wird Babylon zum Thema: In einem Roman des Chariton aus Aphrodisias. 37 Vgl. mit dem Titel Chaireas und Kallirhoe wird Babylon zu einem wichtigen Schauplatz des Geschehens. der auch der Babylonier genannt wurde. die aus Babylon oder dem Umland nach Griechenland kamen.226 Download Date | 7/23/12 11:22 AM . M. 1. S. Hekataios von Abdera schreibt ein Buch mit dem Titel Über die Philosophie der Ägypter. zu Berossos vgl. Theophrast und Straton z. Die Fragmente der griechischen Historiker. jener Zeit also. Fragment 36 Wehrli (in: F. H. 6–7 = Sotion.

dass Babylon auch in philosophicis keinen schlechten Namen hatte. Stahl (Hgg.und Universitaetsbibliothek Hamburg (Staats.16. CHALDÄER IM PLATONISMUS 233 Brought to you by | Staats. 39 Vgl.226 Download Date | 7/23/12 11:22 AM . individuelle Empfindungen bei der Musik geben könne. ‚altes Wissen‘ mit einer geradezu religiösen Verehrung zu verbinden und anzunehmen. 313–326. Doch belegt die bedeutende Rolle. Kuhn/H. Der Platonismus und die Weisheit der Barbaren. sich in Sprachphilosophie. warum es unterschiedliche. v. Die ‚Weisheit der Alten‘ im Platonismus der Spätantike. was im 2. Mit Diogenes begegnen wir einem Stoiker. Diese Ausführungen – und damit die Positionen des Diogenes – sind uns jetzt durch eine neue Edition mit verbesserten Lesungen in ihrer Bedeutung besser kenntlich. übersetzt und kommentiert von D. besonders Bd. Heidelberg 2001. hg. Neben der Ästhetik setzte Diogenes auch in der Theologie eigene Akzente. EPINOHMATA. 6. Er unterschied bei ihr zwei Wahrnehmungsvermögen: Die Wahrnehmung der Sinneseindrücke und die Wahrnehmung der Lust oder Unlust.1. München/Leipzig 2005. einmal mehr jene Offenheit. 8ff.). Die Gegenwart des Altertums. M. in: D. der diese Lehre vorsichtig weiterentwickelte.und in der Tat einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Jedenfalls wird immer wieder deutlich.38 Ob man bei Diogenes Einflüsse jenes orientalisch-babylonischen Hintergrundes ausmachen kann. 2. M.39 Freilich weicht nun gerade in der Philosophie jene von Platon propagierte kritische Rezeptionshaltung einer Bereitschaft. eine Form der Rezeption. Philodème de Gadara. jetzt in: M. vor allem aber in Ästhetik und insbesondere in der Musiklehre einen Namen machte.40 Gerade im Platonismus der Kaiserzeit lässt sich dieser Umgang mit der barabaros philosophia beobachten. insofern er monotheistische Aspekte stärkte. Jahrhundert n. Paris 2007. die ein Babylonier wie er im intellektuellen Leben Griechenlands spielen konnte. die Platons Sokrates einfordert.und Universitaetsbibliothek Hambu Authenticated | 172. weil sich der Epikureer Philodem intensiv und kritisch mit seiner Auffassung auseinandersetzte. Erler. Lakmann.-L. Legitimation und Projektion. 40 Vgl. Baltes. scheint zwar fraglich. Das positive Babylon-Bild im Platonismus der Kaiserzeit Babylon also als eine Quelle alter Weisheit: Nachdem im Hellenismus babylonisches Wissen durchaus gewürdigt worden war. Baltes.. Kleine Schriften zur antiken Philosophie und homerischen Dichtung. Programmatisch ist. hg. begegnen wir in der Kaiserzeit einem sogar noch wachsenden Interesse an orientalischem Gedankengut – an ägyptischer Offenbarungsweisheit ebenso wie am babylonisch-chaldäischem Bereich. Denn er trat vehement für eine musisch-ethische und besonders für eine ‚psychagogische‘ Funktion der Musik ein. Mit letzterer erklärt er. M. von dem er stammt. Chr. und die Rolle. die diese Sinneswahrnehmung belgeitet. der es weniger um transformierende Anverwandlung als vielmehr um Legitimation des Eigenen mit Hilfe eines Rekurses auf die Autorität des Alten geht. Wir sind gerade über seine Musiktheorie und ihre Bedeutung gut unterrichtet. der Platoniker 38 Vgl. Sur la musique Livre IV. Delattre. die Babylonien dabei spielte. 91ff.

41 Denn jene weisen Männer und Völker verdankten ihre Weisheit göttlicher Inspiration. in: Th.226 Download Date | 7/23/12 11:22 AM . Bd. in der er Philosophie und Bildung der Hellenen gegen das Christentum verteidigte. Celsus philosophus Platonicus.Erler (Hgg.. München/Leipzig 2002. wie es heißt. 36.und Universitaetsbibliothek Hamburg (Staats. welches Platon und noch später hellenistische Philosophen auszeichnete und das zu souveräner Offenheit.Kelsos aus Alexandrien in seiner Schrift Wahrer Logos. erhielten im 1. Und wieder wird Mesopotamien. Der Alethes Logos des Kelsos. die Assyrer. sondern die Schwäche des Menschen konstatieren und von menschlicher Nichtigkeit sprechen. Kelsos 1. 41 Vgl. Hilfe der Götter und Erkenntnis des Selbst. Erler. Jahrhundert n. alte religiöse Vorstellungen im Kontext der barbaros philosophia wachsenden Einfluss. Stuttgart/Berlin 1940. gerade auch Babylon. wonach der Mensch aus eigener Kraft Glück erlangen kann. über eine barbaros philosophia von höchster Autorität. 2. Eben in diesem Kontext treten Babylonier. Bader. Kelsos 7.42 Merkmal der neuen.a. aber auch das Verlangen nach Autoritäten. weil sie weniger verdorben waren als spätere Menschen. 16 Bader (in: R. 42 Vgl. in: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. 387–414. dass jenes ‚Könnensbewusstsein‘ immer mehr abnimmt. sich religiösem Kult und sogar magisch-theurgischen Praktiken und Gebeten zu öffnen und hier Hilfe zu suchen. die als Fachleute der Astronomie. 2.1. die eng mit Orakelkunst in Verbindung gebracht wurden und die nicht zuletzt für die zeitweilige. Sie waren einer derartig intuitiven Erkenntnis zugänglich. Kelsos spricht ausdrücklich von einem Urwissen bei den Alten. dazu M. Zur Signatur spätantiken Denkens. ausführt. 43 Vgl. jene Chaldäer in den Vordergrund. Bader. Metaphysik und Religion. als Ort des Wissens gewürdigt. die Perser oder die Inder u. Berlin/ New York 1994. Sokrates als Göttergeschenk bei Platon und den Platonikern. Das Bewusstsein des Unvermögens. Frede. intensivierten Offenheit für alte Weisheit ist also die Suche nach Wahrheit und Erkenntnis.43 Da die Platoniker zudem kulturelle Gegebenheiten jedweder Epoche als Manifestation einer den Menschen von alter Zeit her zugeteilten und zugänglichen Wahrheit verstanden. Stuttgart/Berlin 1940). sich aus eigener Kraft Wahrheit und Erkenntnis wenigstens annähern zu können. nicht zuletzt wohl auch infolge der Konkurrenz mit dem wachsenden Einfluss des Christentums. 5183–5213. des Kalenderwesens und anderer Wissenschaften galten. 45 Bader und auch Kelsos 1. diese traditionelle Weisheit in systematischer Weise zu behandeln. Der Alethes Logos des Kelsos. und 2. In der Kaiserzeit hingegen finden sich immer mehr Philosophen. auch und vor allem bei barbarischen Völkern. Schon vor Platon verfügten demnach Völker wie die Ägypter. Das Verdienst der Griechen habe dann darin bestanden. 44–45). die den früheren Optimismus.und Universitaetsbibliothek Hambu Authenticated | 172. 234 MICHAEL ERLER Brought to you by | Staats. ist platonischen Philosophen der Kaiserzeit Anlass und Grund. vgl. deren Weltsicht von Determinismus und göttlicher Providenz geprägt war. 14.16. 2 Bader (in: R. nicht mehr teilen. Kobusch/M. Gerade im Platonismus dieser Zeit ist zu beobachten. Chr.). genauer. aber auch zu einer durchaus kritischen Anverwandlung fremden Wissens bef ähigte. M. besonders 5194.

1. 530b. und seinem Vater. 7. besonders 1010–1013.J. in: Recherches d’ Archeologie.und Universitaetsbibliothek Hamburg (Staats. Neuplatonische Philosophen glaubten. „Chaldäer“. diese Aspekte in den sogenannten „chaldäischen Orakeln“ zu finden. weil neuplatonische Philosophen sie eingehender Interpretation unterzogen.F. als Quelle auch von religiöser Weisheit. platonisierenden Heidentums darstellen – an Bedeutung gleich dem platonischen Dialog Timaios. wurden von ihnen auf ihrer Suche nach ‚alter Weisheit‘ als hilfreiche Elemente ‚alter Religiosität‘ empfunden und galten wie orphische Dichtung.47 Diese chaldäischen Orakel sind vermutlich im 2.G.44 Diese Chaldäer wurden infolge ihrer umfassenden Gelehrsamkeit und Reputation als Philosophen bezeichnet und als Lehrer späterer Philosophen angesehen – auf ihre Beziehung zu Platon hatte ich bereits hingewiesen. Auch hier ist in der Tat die Konkurrenzsituation zum Christentum greifbar.intellektuelle Hegemonie Babylons verantwortlich waren. das auf diese Weise gleichsam göttliche Legitimation erfuhr. Marinos. Amsterdam 1966. Breslauer philologische Abhandlungen. Le Caire 1956. 529f. De oraculis Chaldaicis. Es ist kein Zufall.B. hg. Oracles chaldaïques. von G. Cicero. 726f. In der Tat stellen sie 44 Lukrez 5. verfasst worden. Porphyrios z. in: Reallexikon für Antike und Christentum. Koster. de Philologie et d’ Histoire. homerische Hymnen oder Hesiods Gedichte als Zeugnisse von den Göttern eingegebener Weisheit.48 Die ursprüngliche Sammlung der in Hexametern abgefassten Orakel ist freilich nicht erhalten. 48 Vgl. W. Einzelne Orakel sind uns in unterschiedlichen Kontexten überliefert.16. Bd. dazu W. von J.und Universitaetsbibliothek Hambu Authenticated | 172. Lewy. von einem gewissen Julian. Kroll. Paris 1971. ND Hildesheim 1962. 1006–1021.45 Im Bemühen der Platoniker. Jahrhundert n. in ihnen ein dem eigenen verwandtes philosophisches System zu erkennen. 13. und dass man glaubte. De divinatione 1. stellen aber einen Bezug zur alten babylonischen Weisheit her. Vita Procli.. CHALDÄER IM PLATONISMUS 235 Brought to you by | Staats. oder 3. Diese Orakel sind also Produkte spätantiker Religiosität. hg. Art. Bd. Man wollte ein ‚Heiliges Buch‘ des Heidentums der Bibel entgegensetzen. 170. Wolff. Deshalb wurden insbesondere die chaldäischen Orakel gerne herangezogen und interpretiert. spielen die Chaldäer eine wichtige Rolle. Man kann mit einigem Recht sagen. De philosophia ex oraculis haurienda. Chr. dass die Sammlung der chaldäischen Orakel gleichsam die Bibel des ausgehenden. Wortorakel und Physiognomik erlaubten ihnen Aussagen über die Zukunft der Menschen und wurden mit ethischen Empfehlungen verbunden. dass besonders die philosophisch-theologische Seite ihrer Lehre bei Platonikern starke Beachtung gefunden hat. 12. 2. Deshalb trugen sie für die Platoniker der Zeit den Nimbus ‚alten Wissens‘. 46 Vgl.46 Denn im kaiserzeitlichen Platonismus zählten die Chaldäer. der ein Chaldäer war. Boissonade. 2 (1954). Chaldaean Oracles and Theurgy.1. der den Beinamen ‚der Theurge‘ trug. widmete der Auslegung dieser Orakel eine Schrift mit dem Titel Über die aus den Orakeln zu gewinnende Philosophie (De philosophia ex oraculis haurienda). die mit Assyrern gleichgesetzt wurden. Athenaios 12. Symphonie zwischen theologischen und religiösen Anschauungen bei Griechen und Barbaren herzustellen. des Places. H. 47 Porphyrius.W. Breslau 1894. Hildesheim 1962 (unveränderter reprographischer Nachdruck der Auflage Berlin 1856). 45 Vgl E. Bd.226 Download Date | 7/23/12 11:22 AM .

Die Seelenlehre der chaldäischen Orakel. Die Chaldäer hingegen behaupteten. Doch ist zu bedenken.eine Art Heilslehre dar. dazu O. dass derartige Projektionen in dieser Zeit nicht zuletzt der Etablierung eigener Identität in einer schwierig gewordenen Welt. Auch wenn die chaldäischen Orakel also keine ‚alten‘ Orakel sind. die Göttliches und Sinnliches verbinden. dieses ‚Babylon‘ ist jetzt nicht mehr nur Quelle anregender Informationen. auch Proclus. wo sie befreit vom Zwang der Bestimmung Erlösung und Ruhe findet. der von der sinnlichen Welt getrennt ist. welche ‚Babylon‘ oder ‚Babylonisches‘ generell als Symbol für einen Hort ‚alten Wissens‘ behalten hat. Denn in diesen Orakeln. von dämonischen Wesen. aber auch der Distanzierung gegenüber dem aufstrebenden Christentum dienten. die der Prüfung bedürfen. Wenn sich die Seele an ihre Herkunft erinnert. dass der griechische Theologe Gregor aus Nazianz einerseits die Seele (noch) zum Göttlichen steigen lässt mit Hilfe der Vernunft. indem sie das Reden über Gott (Theologie) durch Einwirken auf Gottes Handeln (Theurgie) ergänzen und magische Praktiken für religiöse Aspekte funktionalisieren. Ek tes chaldaikes philosophias. so zeigt doch ihre Bedeutung für kaiserzeitliche Platoniker die nachhaltige Wirkung. dass platonische Philosophen Grundlagen ihrer Philosophie wieder erkennen konnten. 132 O’Meara (D.und Universitaetsbibliothek Hambu Authenticated | 172.und Universitaetsbibliothek Hamburg (Staats. fanden die Platoniker jene triadische Struktur der Realität (Vater oder erstem Intellekt. Und eben hier machen die chaldäischen Orakel ihr Hilfsangebot: So hören wir49. Genesis 11. problematisch scheinen. Freilich. Meisenheim am Glan 1971. von A. O’Meara. Babylon als Hort ‚alter Weisheit‘ steht in dezidiertem Kontrast zum Babylon-Bild der jüdisch-christlichen Tradition. Hier wie dort geht es um die Rettung der menschlichen Seele aus der Finsternis der sinnlichen Welt und ihre Rückführung zum Licht des geistigen Bereiches. sondern wird verstanden als Autoritäts.16. 19–22. Vgl. das für die Platoniker der Kaiserzeit bei ihrem Umgang mit alten Wissensinstanzen gängige Praxis war.50 Im 49 Vgl. in der Babylon durchweg negativ konnotiert ist. Doch kann sie dies nach Überzeugung kaiserzeitlicher Platoniker eben nicht mehr allein aus eigener Kraft tun. Michaelis Pselli philosophica minora. Halle 1891.1. hg. 2.J. Geudtner. von der Seele und ihrer Rückkehr in ihre geistige Heimat und vom Kosmos. Die Orakel handeln von Gott.und Legitimationsinstanz.9. die als Gottesgeschenke galten. Einer historisch analysierenden Sichtweise mag dieses Vorgehen. Leipzig 1989. die im späteren Platonismus zum durchgehenden Strukturelement des Seins wird. zweitem Intellekt und Seele) wieder.1. Hahn. dass wir nur mit Hilfe materieller Riten zu Gott gelangen können. um die Seele vom Körper zu befreien. Psellos. Bd. 236 MICHAEL ERLER Brought to you by | Staats. kann sie sich vom körperlichen Bereich lösen und zum göttlichen Ursprung zurückkehren. ja geradezu als Projektionsfläche. mit deren Hilfe man eigene Vorstellungen und deren Wahrheitsanspruch gleichsam sanktionieren zu können glaubte. Das Alte Testament macht Babylon in der Erzählung vom Turmbau zum Symbol menschlicher Hybris und zum Begriff von Gottesfeindschaft. 50 Vgl. Jesaja 13. De Anima p. 1–164).226 Download Date | 7/23/12 11:22 AM . in der orientalische Elemente mit platonischen Vorstellungen auf eine Weise verbunden sind. Eben diese aber bieten jene chaldäischen Orakel an.

D. wie Augustinus zeigt. M. 19. Kleine Schriften zur antiken Philosophie und homerischen Dichtung. 16. von M. Offenbarung 14. 51 Vgl. Frede. Diese hängt nach Ansicht der paganen Platoniker damit zusammen. Der Platonismus und die Weisheit der Barbaren. hg. 5. Kelsos 3. das im pagan platonischen Kontext wirksam war. Celsus philosophus Platonicus. als Hort des Luxus und der Verkommenheit: Die Platoniker hatten eine klare Begründung für diese verfehlte Sichtweise. 1130–1134. Bader. 18. E. Numenios sieht Kelsos den „Abfall“ und die Innovationssuche als Rezeptionshaltung der Juden und dann der Christen. anders als z. Babylon als Hure. Der Alethes Logos des Kelsos. 1 (1950). Christlich“. „Babylon(ia)“. Altaner.226 Download Date | 7/23/12 11:22 AM . Art. 5195. 52 Vgl. Stuttgart/Berlin 1940). Bader. die Platon und die späteren Platoniker propagierten und die ihre kritische Offenheit für Orientalisches begründete. 10. 36. Baltes. die sich auch da durchsetzte. Bd. seien doch die Juden von den Ägyptern. Der Alethes Logos des Kelsos. 5–14. Berlin/ New York 1994. Bd. Stuttgart/Berlin 1940). Art. 53 Vgl.53 Doch sollte darüber das positive Bild von Babylon nicht vergessen werden. Lamirande. 2 Bader (in: R.und Universitaetsbibliothek Hamburg (Staats.51 Nicht Eintracht und Akzeptanz ‚alten Wissens‘. „Babylon. Baltes EPINOHMATA. CHALDÄER IM PLATONISMUS 237 Brought to you by | Staats. B. Bd. als Quelle geistiger Fehlentwicklungen und Fehlverhaltens – eine Sichtweise. 53.B. dazu M. 6. in: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. 8. 2.-L. 2 Bader (in: R. 2.16. in: Reallexikon für Antike und Christentum. jetzt in: M. 2. 1 (1986–1994).christlichen Bereich wird die Stadt zum Decknamen für Rom und die negativ bewertete diesseitige Welt. Dieses Streben nach Neuerung machte dann offenbar den Weg frei für eine negative Sicht Babylons.und Universitaetsbibliothek Hambu Authenticated | 172.1. 7. 8. in: Augustinuslexikon. dazu Kelsos 8. 21. sondern im Gegenteil Aufruhr (stasis) und Neuerungssucht (kainotomia) seien für ihr Verhalten kennzeichnend52 – also eine ganz andere Haltung als diejenige. die Christen von den Juden abgefallen. Lakmann. 566–569. München/Leipzig 2005. 17. dass Juden und Christen mit der Tradition aller alten Völker gebrochen hätten. wo ansonsten Platons Einfluss in anderer Hinsicht durchaus kenntlich blieb.

und Universitaetsbibliothek Hambu Authenticated | 172.238 Brought to you by | Staats.und Universitaetsbibliothek Hamburg (Staats.16.1.226 Download Date | 7/23/12 11:22 AM .

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