Wolfgang Wachata, Übersetzung Lektion 49 Die Geschichte des Wanderers: Die Vidyādharī.

Es war einmal ein König in irgendeiner Stadt. Von dessen Gerichtshof wurde ein gewisser verängstigter Barbier von zwei königlichen Dienern zum Exekutionsplatz geführt. Aber ein religiöser Wanderer fragte die beiden königlichen Diener: „Warum verdient es dieser, getötet zu werden?“ Die beiden Diener sagten: „Er hat seiner Frau die Nase abgeschnitten.“ Dann sprach der Wanderer: „Er hat nicht verdient zu sterben.“ Die beiden Diener sagten: „Warum soll er nicht verdient haben, getötet zu werden?“ Da erzählte der Wanderer diese Geschichte: Ich bin der Sohn des Königs von Sri Lanka. Auf dieser Insel habe ich zuvor mit irgendeinem Händler zur See gemeinsam Zeit verbracht. Einmal dann habe ich aus dem Mund dieses Händlers gehört, dass sich inmitten des Ozeans ein sagenhafter Baum befindet. Und am Fuße dieses Baumes, in einem goldenen Bett war ein gewisses wunderschönes, die Veena spielendes Mädchen gesehen worden. Und ich fragte aus Neugier: „Gibt es eine Möglichkeit, diese junge Frau zu sehen?“ Der Händler sagte: „Komm mit mir und ich führe Dich zu ihr.“ Dann bestieg ich mit dem Händler ein Boot und fuhr dorthin. Plötzlich erblickte ich sie, so wie sie beschrieben worden war, in einem Bett inmitten des Ozeans. Daraufhin versank ich angezogen durch ihre Schönheit im Wasser. Gleich darauf trat ich in eine goldene Stadt ein, und in einem goldenen Palast erblickte ich sie mit ihren Begleiterinnen am Bett, so wie sie beschrieben worden war. Und sie schickte eine ihrer Begleiterinnen zu mir, die ich fragte: „Madame! Wer ist diese Schönheit?“ Und die Begleiterin sprach: „Sie ist die Tochter des Königs der Vidyādharen. Und sie hat ein Versprechen gegeben: ‚Der Erste, der diese goldene Stadt betritt und mich erblickt, genau der heirate mich.‘ So werde nun der Herr dieser Vidyādharī.“ Dann heiratete ich die schöne Prinzessin. Und sie sprach zu ihren Begleiterinnen: „Würdigt diesen Prinzen. Was er sich wünscht, das macht für ihn. Von da an bleibe ich gemeinsam mit der Vidyādharī für eine lange Zeit sehr glücklich in dieser Stadt. Dann einmal zeigte sie mir heimlich ein Bild und sprach: „Herr! Sieh dir dieses Bild an. Auf diesem Bild habe ich die Form einer gewissen wunderschönen Vidyādharī gesehen.“ Dann sprach meine Frau: „In dieser Stadt ist alles Dein. Aber diese Vidhyādharī in dem Bild berühre niemals!“ Und ich gab der Königstochter das Versprechen: „Du Schöne! Genau so soll es sein. Ich werde die Kleider dieses schönen Vidhyādharī niemals berühren.“ Danach aber aus Neugier berührte ich die Vidhyādharī in dem Bild auf der Brust. Und obwohl sie nur eine Abbildung war, schlug sie mich mit ihrem Lotusfuß, sodass ich aus der Vidhyādharen-Stadt geworfen wurde und auf mein eigenes Land herunterfiel. So wurde ich zum leidgeplagten, religiösen Wanderer und auf der Erde umherstreifend erreichte ich diese Stadt. Hier nun bin ich in das Haus irgendeines Hirten zum Schlafen gegangen.

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