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Martin Kretschmer
Steffen Richter
Einleitung
2 — Martin Kretschmer, Gründer der Bonnewitzer Einrichtung
Wer war eigentlich Martin Kretschmer? Eine,
selbst nach langen Recherchen, nicht ganz einfach
zu beantwortende Frage. Denn viel ist verloren
gegangen aus einer Zeit, über die lange Jahre nicht
geredet wurde. Die Menschen, die nun heute aus der
Verantwortung heraus aulären wollen, haben es
damit schwer. Denjenigen, die leugnen wollen, wird
es dadurch etwas leichter. Doch Martin Kretschmer
ist nicht vergessen. Vor allem, dank einer Initiative von
Heilpädagog_innen, die nach 1990 seine Einrichtung
in Bonnewitz wiedereröffneten. Sie tragen die Ideen
von Martin Kretschmer mit sich.
Doch was gibt es über einen Menschen zu sagen,
der schon viele Jahre tot ist. Wie kann sein Wirken
interpretiert werden? Können wir ihm überhaupt
gerecht werden? Klar ist eins, diese Broschüre gibt
nur den jetzigen Erkenntnisstand wieder, nicht alle
Fragen werden somit beantwortet. Denn es wird leider
kaum noch Menschen geben, die Martin Kretschmer
begegnet sind. Viele werden seinen Namen gar nicht
mehr kennen. Und dennoch war er eine wichtige
Person für Pirna und die heilpädagogische Arbeit.
Sein Einsatz und seine Standfestigkeit in der Zeit des
Nationalsozialismus musste Kretschmer mit dem
Leben bezahlen, weil er einer von denen war, die
weder Ideale noch Mut verloren. Er engagierte sich
für Menschen, die nach dem Willen der Nazis nicht
„lebenswert“ waren. Deshalb gehört ihm unsere
Erinnerung, weil er den Grundstein legte für die
Arbeit, die seit 1995 wieder in Bonnewitz durchgeführt
wird.
Etwa sechs Kilometer nördlich von Pirna liegt
das kleine Dörfchen Bonnewitz, in dem heute
etwa 250 Menschen leben. Am Rande des Dorfes
stehen mehrere Gebäude der Heilpädagogischen
Einrichtung. Hier wohnen Kinder und Jugendliche
mit so genannten geistigen Behinderungen. Die
Einrichtung hat Tradition, denn bereits im Jahre 1935
eröffnete hier erstmalig ein „Heilerziehungsinstitut“ –
wie es damals hieß. Der Leiter des Hauses war Martin
Kretschmer. Er wird beschrieben als „eine körperlich
nicht sehr große, schlanke Person mit vollem Haar,
graublauen Augen und sicherem Auftreten, der den
Menschen in seinem grauen Samtanzug freundlich
und mit Warmherzigkeit begegnete, von manchen
aber auch als unnahbar und zurückhaltend erlebt
wurde.“

1 Bär (1997)
4 — Bonnewitz um 1920
3 — Bonnewitz um 1920, Zufahrt zur Heilpädagogischen Einrichtung