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Bataille, Georges - Die Aufhebung der Ökonomie

Bataille, Georges - Die Aufhebung der Ökonomie

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Ausnahmsweise überlebte der 13. Dalai-Lama. Vielleicht
wegen eines auch anderweitig spürbaren Rückgangs des
chinesischen Einflusses. Der Amban hatte sich schon nicht mehr
an der Wahl des Kindes beteiligt. Dieser neue Gott war 1876
geboren und erhielt 1895 seine vollen religiösen und weltlichen
Machtbefugnisse. Tibet war damals nicht besser bewaffnet als
vorher, aber das Land ist im allgemeinen durch seinen äußerst
schwierigen Zugang geschützt. Die faktische Machtausübung
durch den Dalai-Lama ist immer dann möglich, wenn das
Interesse der Chinesen nachläßt, aber auch dann ist sie stets
prekär. Das begriff der junge Herrscher schnell trotz der
Weltfremdheit, in der ihn seine Abschirmung und seine
Erziehung zu einem Idol, einem in Meditationen versunkenen
Mönch gehalten hatte. Er beging jedoch zunächst einen Fehler.
In einem Brief bat ihn der indische Vizekönig um die Öffnung
der tibetischen Märkte für die Inder. Der Dalai-Lama schickte
diesen Brief ungeöffnet zurück. Das war an sich keine
Angelegenheit von großem Interesse, aber die Engländer
konnten neben sich kein Land dulden, das ihnen verschlossen
blieb und sich dafür dem russischen Einfluß öffnen oder sogar,
wie gemunkelt wurde, von den Chinesen an Rußland abgetreten
werden konnte. Die indische Regierung entsandte also eine
politische Mission, die befriedigende Beziehungen zu Lhasa
herstellen sollte. Die Tibeter verweigerten den Gesandten das
Betreten ihres Hoheitsgebiets. Daraufhin verwandelte sich die
Mission in eine militärische. An der Spitze einer Truppeneinheit
brach Colonel Longhusband den Widerstand und marschierte
auf Lhasa. Die Chinesen rührten sich nicht, der Dalai-Lama
floh, übergab aber zuvor das Regierungssiegel einem Mönch
von allgemein anerkannter Heiligkeit und Erfahrung. Die

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Engländer hatten, als sie Lhasa wieder verließen, nur
durchgesetzt, daß drei tibetische Städte für den Handel geöffnet
wurden, ihr Protektorat über die Grenzprovinz Sikkim anerkannt
wurde und daß keine andere ausländische Macht in Tibet
intervenieren durfte. Der entsprechende Vertrag legte zwar eine
englische Einflußzone fest, erkannte aber implizit die
Souveränität Tibets an: er ignorierte die Oberlehnsherrschaft
Chinas. Die Chinesen erklärten daraufhin durch Plakate in
einigen Städten Tibets den Dalai-Lama für abgesetzt, aber die
Bevölkerung beschmierte die Plakate mit Dreck. Der Dalai-
Lama hielt sich vier Jahre lang in China auf, wobei er von der
Mongolei erst nach Chansi und dann nach Peking ging. Die
Beziehungen des lebenden Buddha zum Sohn des Himmels
blieben die ganze Zeit über unbestimmt (die Chinesen schienen
die Absetzung zu vergessen) und gespannt. Ziemlich plötzlich
kehrte der Dalai-Lama wieder nach Tibet zurück. Aber als er
Lhasa erreichte, hatte er eine chinesische Armee auf den Fersen,
die Befehl hatte, seine Minister zu töten und ihn selbst in einen
Tempel einzusperren. Wieder ging er ins Exil, diesmal nach dem
Süden. Mitten im Winter, zur Zeit der Schneestürme, erschien er
zu Pferde, zusammen mit einigen Getreuen, völlig erschöpft an
einem Grenzposten und bat zwei englische Telegraphisten, die
er in der Nacht aufwecken ließ, um Schutz. Dadurch
demonstrierte er, daß auch die bestetablierte religiöse Macht
einer weltlichen Macht ausgeliefert ist, die sich auf eine
Streitmacht stützt. Er selbst konnte sich nur auf die Ermüdung,
allenfalls auf die Klugheit der Nachbarländer stützen. Die
Engländer nahmen den Flüchtling, der selbst nicht hatte regieren
können, ohne den jede Autorität jedoch hinfällig war, mit
Freuden auf. Der Dalai-Lama aber, durch seine bitteren
Erfahrungen belehrt, sah jetzt den Vorteil, den er aus einem
Antagonismus zwischen Britisch-Indien und China ziehen
konnte. Aber er überschätzte ihn. Der Antagonismus zwischen
Nachbarn und die souveräne Autorität sind für die Autonomie

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eines Staates zwar nützlich, können sie aber nicht allein
garantieren. Die Engländer entsprachen der ängstlichen
Erwartung des Exilierten wenig. Sie verweigerten ihm ihre
Unterstützung und beschränkten sich auf den freundschaftlichen
Wunsch, daß Tibet einst stark und vom chinesischen Joch frei
sein möge. Nur die inneren Schwierigkeiten Chinas (der Sturz
des Kaiserreichs im Jahre 1911) kehrten die Situation
schließlich um. Die Tibeter verjagten eine Garnison aus Lhasa,
deren Offiziere keine Autorität mehr besaßen. Der Amban und
der Kommandant der chinesischen Truppen ergaben sich. Der
Dalai-Lama kehrte in die Hauptstadt zurück und kam nach
einem siebenjährigen Exil wieder zur Macht, die er bis zu
seinem Tod (1934) sehr geschickt zu bewahren verstand.
Das unterscheidet den 13. Dalai-Lama, daß ihm durch sein
Überleben die Erfahrung der Macht zuteil wurde. Allerdings
unter den widersprüchlichsten Bedingungen. Es gab keine
Tradition, von der er sich hätte leiten lassen können. Seine
Lehrer hatten ihm die Kenntnisse eines Mönchs vermittelt, er
hatte fast nur die betörende und friedliche Kunst lamaistischer
Meditation gelernt, die von minutiösen Spekulationen und einer
tiefen Mythologie und Metaphysik verlangt wird. Die in den
tibetischen Lamaklöstern betriebenen Studien sind
außerordentlich gelehrt, und die Mönche glänzen in
schwierigsten Disputen. Aber von einer solchen Ausbildung
kann man erwarten, daß sie ein Gefühl für politische
Erfordernisse eher einschläfert als weckt. Vor allem in diesem
unzugänglichen und bewußt nach außen abgeschlossenen Teil
der Welt. Vor allem in einer Zeit, in der die einzigen in Tibet
zugelassenen Ausländer Chinesen waren, die weder das
Bedürfnis noch die Möglichkeit hatten, irgend jemandem etwas
beizubringen.

Der 13. Dalai-Lama machte langsam, aber mit anhaltendem
Fleiß und Scharfblick, die Entdeckung der Welt. Er profitierte
von seinen Exiljahren, in denen er jede Gelegenheit wahrnahm,

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Kenntnisse zu erwerben, die zum Regieren nützlich waren.
Während eines Aufenthalts in Kalkutta, bei dem er vom
Vizekönig empfangen wurde, lernte er die Quellen der
fortgeschrittenen Zivilisation kennen. So überwand er die
Unkenntnis der übrigen Welt, in der er seine Rolle spielen sollte.
In seiner Person wurde Tibet sich des äußeren Kräftespiels
bewußt, das nicht ungestraft ignoriert oder geleugnet werden
konnte. Jene religiöse und göttliche Kraft, die er darstellte,
erkannte also ihre Grenzen: daß sie ohne Streitmacht nichts
vermochte. Seine Macht war so eindeutig auf die innere
Souveränität, auf das Reich der heiligen Zeremonien und
stummen Meditationen beschränkt, daß er die äußere
Souveränität und die Entscheidungsbefugnis über die
Beziehungen Tibets zur Außenwelt ganz naiv den Engländern
anbot; nur im Inneren sollten sie weiterhin abwesend bleiben.
(Bhutan hatte diese Bedingungen akzeptiert, aber dieses kleine
Land im Norden Indiens ist ein Staat, dessen Angelegenheiten
kaum von Bedeutung sind.) Die Engländer gingen auf diesen
Vorschlag gar nicht ein: sie wollten in Tibet keinen anderen
Einfluß als den ihren, sie wollten vor allem Rechte, die die der
anderen einschränkten, und keine Funktionen. Fast ohne Hilfe
und Macht also mußte der Dalai-Lama der übrigen Welt
entgegentreten, und diese Aufgabe lastete schwer auf ihm.
Aber niemand kann zwei Herren dienen. Tibet hatte sich
seinerzeit für die Mönche entschieden: es hatte seine Könige
vernachlässigt. Alles Ansehen war auf Lamas übergegangen, die
von Legenden und heiligen Riten verklärt waren. Das hatte zur
Preisgabe der militärischen Macht geführt. Oder besser, die
militärische Macht war erstorben: die Tatsache, daß ein Lama
das Ansehen eines Königs aufwog, hatte diesem die Macht
genommen, äußeren Pressionen Widerstand entgegenzusetzen.
Er hatte nicht mehr die zum Aufstellen eines Heeres nötige
Anziehungskraft. Aber der Herrscher, der ihm unter diesen
Umständen gefolgt war, hatte das nur scheinbar vermocht: jene

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militärische Macht, die er zerstört hatte, hatte er nicht erben
können. Die Welt der Gebete hatte über die der Waffen gesiegt,
aber sie hatte die Macht zerstört, ohne sie zu erringen. Um
siegen zu können, hatte er auf das Ausland zurückgreifen
müssen. Und so blieb er den ausländischen Kräften ausgeliefert,
weil er im Innern zerstört hatte, was Widerstand leisten konnte.
Jene zufälligen, immer wieder unterbrochenen Lockerungen des
äußeren Drucks, die dem 13. Dalai-Lama ermöglicht hatten, zu
überleben, hatten ihm letztlich nur seine Wehrlosigkeit beweisen
können. Er hatte in Wirklichkeit gar nicht die Macht, zu sein,
was er darstellte. Es lag vielmehr in seinem Wesen, an dem
Tage, an dem ihm die Möglichkeit der Macht gegeben war,
wieder zu verschwinden. Vielleicht waren der 9., 10., 11. und
12. Dalai-Lama, als sie nach ihrem Mündigwerden getötet
wurden, gar keinem widrigen Schicksal erlegen. Und das
offensichtliche Glück des 13. Dalai-Lama war vielleicht sein
Unglück. Er übernahm dennoch gewissenhaft jene Macht, die
nicht ausgeübt werden konnte, die wesensmäßig nach außen hin
geöffnet war und von außen nur den Tod erwarten konnte. Er
beschloß daher, sein Wesen aufzugeben.

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5. DIE REVOLTE DER MÖNCHE GEGEN
DEN VERSUCH EINER MILITÄRISCHEN
ORGANISATION

Begünstigt durch eine Ruhepause (die Ermüdung und
anschließende Revolution in China), die dem Dalai-Lama
ermöglicht hatte, die Gefahr der Entmachtung zu überdauern
und schließlich zu überwinden, kam er auf die Idee, Tibet die
Macht zurückzugeben, die ihm der Lamaismus genommen hatte.
Bei dieser Aufgabe wurde er von seinem englischen Biographen
beratend unterstützt. Als politischer Beauftragter der indischen
Regierung brachte es Charles Bell schließlich fertig, England zu
einer freundschaftlichen Politik zu bewegen. Eine direkte
Militärhilfe wurde zwar weiterhin verweigert, und es wurden
nicht einmal Waffenlieferungen erwogen, aber während seiner
einjährigen offiziellen Mission unternahm es Charles Bell auf
eigne Faust, den Dalai-Lama bei dem Versuch einer
militärischen Organisation zu unterstützen. Das Heer sollte in 20
Jahren schrittweise von 6000 auf 17000 Mann gebracht werden.
Eine Besteuerung des weltlichen und klösterlichen Eigentums
sollte die Kosten dieses Unternehmens decken. Die Autorität des
Dalai-Lama zwang die Notabein zum Nachgeben. Aber es ist
zwar leicht, persönliche Einbußen hinzunehmen, und es ist sogar
möglich, Minister und Würdenträger dazu zu bringen, doch eine
Gesellschaft kann man nicht auf einen Schlag ihres Wesens
berauben. Nicht nur die Masse der Mönche, sondern das ganze
Volk war betroffen. Selbst eine geringe Vergrößerung Heeres
würde die Bedeutung der Mönche vermindern. In diesem Land
gibt es nun aber keine Worte, Ri-Feste, kein Bewußtsein, kurz,
kein menschliches Leben das sich nicht auf die Mönche bezieht.
Alles dreht sich um sie. Und würde sich jemand, was undenkbar
ist, von ihnen abwenden, so würde auch er noch seine
Ausrichtung und Ausdrucksmöglichkeit von den Mönchen

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herleiten. Das Aufkommen eines neuen Elements, das sich nicht
darauf beschränkte, zu überleben, sondern sich vergrößern
wollte, konnte dem Volk gegenüber durch keine andere Stimme
als die der Mönche gerechtfertigt werden. So sehr war die
Bedeutung einer Handlung oder einer Möglichkeit durch und für
die Mönche gegeben, daß die wenigen Verfechter des Heeres es
als das einzige Mittel zur Erhaltung der Religion darstellten. Die
Chinesen hatten 1909 Klöster niedergebrannt, Mönche getötet,
heilige Bücher vernichtet. Aber Tibet war seinem Wesen nach
mit den Klöstern identisch. Wozu aber für die Erhaltung eines
Prinzips kämpfen, wandte man ein, wenn dieser Kampf zunächst
die Aufgabe jenes Prinzips war? Ein bedeutender Lama erklärte
Charles Bell: "Es ist müßig, das Heer Tibets zu vergrößern: die
Bücher sagen ja, daß Tibet von Zeit zu Zeit von Fremden
erobert wird, daß sie aber nie lange bleiben werden." Gerade das
Bemühen der Mönche um die Erhaltung ihrer Stellung, das sie
gegen die Unterhaltung eines Heeres protestieren ließ (welches
die Fremden abgewehrt hätte), brachte sie dazu, auf einer
anderen Ebene zu kämpfen. Im Winter 1920-21 drohten überall
Meutereien und ein Bürgerkrieg auszubrechen. Eines Nachts
wurden an verschiedenen Orten in Lhasa Schilder aufgestellt,
auf denen die Bevölkerung dazu aufgefordert wurde, Charles
Bell zu töten. Am 22. Februar begann das Fest des großen
Gebets, zu dem 50000 bis 60000 Mönche nach Lhasa strömten.
Ein Teil dieser Menge lief durch die Stadt und rief: "Kommt mit
uns und kämpft mit. Wir sind bereit, unser Leben hinzugeben."
Das Fest verlief in großer Spannung. Die Verfechter des Heeres
und Charles Bell selbst wohnten märchenhaften Zeremonien bei,
mischten sich auf der Straße unter die Menge und machten gute
Miene zum bösen Spiel, das sie einer Erregung auslieferte, die
jeden Moment in Tätlichkeiten umschlagen konnte. Es folgte
eine ziemlich leichte, in Wirklichkeit außergewöhnliche
Säuberung, und die Rebellion war bald zu Ende. Die
Heerespolitik des Dalai-Lama war vernünftig: sie beruhte auf

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einem elementaren gesunden Menschenverstand, und die
allgemeine Feindseligkeit konnte ihr nichts Konkretes
entgegenhalten. Die Bewegung der Mönche ging in die
Richtung des Verrats, und zwar nicht nur an Tibet, sondern auch
am Mönchtum selbst. Sie zerbrach an der Entschlossenheit einer
innerlich starken Regierung, sie war von Anfang an aussichtslos.
Nicht ihr Scheitern ist jedoch verwunderlich, sondern, daß sie
von einer ersten Massenbewegung so begeistert unterstützt
worden war. Dieses Paradox verdient, daß man seine tieferen
Gründe sucht.

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6. DIE VERZEHRUNG DES GESAMTEN
ÜBERSCHUSSES DURCH DIE LAMAS

Ich weise zunächst eine oberflächliche Erklärung zurück.
Charles Bell insistiert auf der Tatsache, daß die buddhistische
Religion die Gewalt verbietet und den Krieg verurteilt. Aber
andere Religionen tun das ebenso, und es ist bekannt, wie weit
die Gebote einer Kirche befolgt werden. Ein soziales Verhalten
läßt sich niemals aus einer moralischen Vorschrift herleiten: in
ihm manifestiert sich vielmehr die Struktur einer Gesellschaft,
das materielle Kräftespiel, das sie beherrscht. Diese Bewegung
war ganz eindeutig nicht von einem moralischen Skrupel
bestimmt, sondern von den massiven Interessen der Mönche.
Das ist übrigens auch Charles Bell nicht entgangen, der
wertvolle Informationen darüber liefert, Die Bedeutung des
Lamaismus war schon vor ihm bekannt: ein Mönch auf drei
erwachsene Männer, Klöster mit 7000 bis 8000 Mönchen zu
gleicher Zeit, eine Gesamtzahl von 250000 bis 500000 Mönchen
auf 3-4 Millionen Einwohner. Aber die materielle Bedeutung
des Mönchswesens wird erst von Charles Bell in genauen
Zahlen angegeben.
Seinen Informationen nach betrug das Jahreseinkommen der
Regierung von Lhasa 1917 annähernd 720000 Pfund (wobei er
den Wert der Lebensmittelabgaben und Dienstleistungen zu dem
des Geldes hinzurechnete). Das Budget des Heeres betrug
150000 Pfund, das Budget der Verwaltung 400000 Pfund. Ein
beträchtlicher Teil des Restes war vom Dalai-Lama für die
religiösen Ausgaben der Regierung bestimmt. Aber im
Unterschied zu diesen Regierungsausgaben überschritt das
jährlich von der Geistlichkeit ausgegebene Einkommen (aus
Klosterbesitz, Spenden und Zahlungen für religiöse
Amtshandlungen) nach den Schätzungen von Charles Bell bei
weitem eine Million Pfund. Das Gesamtbudget der Geistlichkeit

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wäre danach also generell zweimal so groß wie das des Staates
und achtmal so groß wie das des Heeres gewesen.
Diese auf privaten Schätzungen beruhenden Ziffern haben
zwar keinen offiziellen Charakter. Aber sie erklären immerhin
die Opposition gegen die Heerespolitik. Wenn ein Land seine
Kräfte fast vollständig dem Mönchswesen widmet, dann kann es
nicht zugleich ein Heer haben. Anderswo mag eine Aufteilung
zwischen Religiösem und Militärischem möglich sein. Aber
diese Ziffern zeigen gerade die einseitige Verwendung der
Mittel. Die Aufstellung eines Heeres mag rational zwingend
sein, sie kann dennoch mit dem allgemeinen Lebensgefühl in
Widerspruch geraten, dessen Wesen berühren, Unbehagen
hervorrufen. Eine so grundlegende Entscheidung rückgängig
machen hieße, sich selbst aufgeben, als wollte man sich
ertränken, um dem Regen zu entgehen. Bleibt zu fragen, wie
dieses Gefühl ursprünglich entstand, was der tiefere Grund dafür
ist, daß ein ganzes Land einst zu einem Kloster wurde, daß
mitten in einer realen Welt dieses Land, das zu ihr gehörte, sich
schließlich aus ihr zurückzog.

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