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Brasilien will Zuckerrohr noch besser nutzen

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20 ENTDECKEN

Die bedeutsame Nation bei der Produktion von Bioalkohol Netzwerk Die heftig kritisierte automatische Gesichtserkennung setzt vor allem auf neue Verfahren. Von Alexander Mäder wird abgeschaltet.
Technik
acebook stoppt nach Kritik von Datenschützern die umstrittene Gesichtserkennungs-Funktion in Europa. Das Online-Netzwerk erklärte sich bereit, bis 15. Oktober alle bisher dafür erstellten Nutzerprofile zu löschen, wie die irische Datenschützbehörde am Freitag mitteilte. Die Funktion sei bereits für alle neuen Nutzer in der EU abgeschaltet gewesen und werde nun ganz auf Eis gelegt. „Wir glauben weiter, dass man Gesichtserkennung in Europa legal anbieten kann“, sagte danach Facebook-Europachef Richard Allan. Er teilte nicht mit, wann die Funktion wieder eingeführt werden könnte. Die automatische Gesichtserkennung soll nach der Vorstellung von Facebook den Nutzern helfen, ihre Freunde in Fotos zu finden und zu markieren. Dabei werden die Bilder von einer Software analysiert und dem Nutzer werden Namen seiner Bekannten vorgeschlagen. Unter anderem der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar hatte kritisiert, eine Datenbank mit dem „Gesichtsabdruck“ von Millionen Mitgliedern habe ein immenses Missbrauchspotenzial. Er forderte, dass Nutzer ausdrücklich um ihre Zustimmung zur Freischaltung der Funktion gefragt werden müssten. Als Facebook im Juni 2011 die Gesichtserkennung in Deutschland einführte, war sie standardmäßig eingeschaltet und musste erst in den Einstellungen abgewählt werden. Das Bundesverbraucherschutzministerium sprach von einem Erfolg für den Verbraucherschutz: Dass Facebook unter massivem Druck der europäischen Datenschutzbehörden seine Praxis ändere, zeige, dass es schon nach geltendem Recht Möglichkeiten gebe, auch globale Player zur Einhaltung des Rechts zu verpflichten. dpa

STUTTGARTER ZEITUNG Nr. 221 | Samstag, 22. September 2012

Facebook lenkt ein

Brasilien will Zuckerrohr noch besser nutzen
uiz Jutell versteht die Welt nicht mehr. „Alle Besucher aus Übersee machen sich Sorgen über Bioethanol“, klagt der junge Brasilianer, der als Sprecher am neuen Forschungsinstitut CTBE arbeitet, das sich ganz dem Thema Biosprit widmet. In Brasilien habe man keine Probleme mit Korrosion im Motor, obwohl es dort an den Tankstellen nur Benzin mit mindestens 20 Prozent Bioethanol zu kaufen gibt. Auch der wissenschaftliche Direktor des CTBE versteht nicht, warum E10 in Deutschland unbeliebt ist – gerade in einem Land, das eigentlich viel von Autos verstehe, wie Marcos Buckeridge betont. In Brasilien werden zwar praktisch nur noch Autos mit Flex-fuel-Motoren gebaut, die gleichermaßen für normales Benzin und Biosprit ausgelegt sind, doch auch bei importierten Wagen kenne man keine Proble- Riesige Zuckerrohrfelder sind in Brasilien seit Langem die Grundlage für die Herstellung von Bioalkohol. Foto: Werner Rudhart/Greenpeace me, sagt Buckeridge, er selbst fahre einen. Dieser Optimismus ist in Brasilien verMarcos Buckeridge berichtet von einer breitet. Man sieht sich als führende Nation „Superpflanze“, die er durch genetische IMMER MEHR BIOKRAFTSTOFF in Sachen Biosprit, seit die frühere Militär- Veränderungen erzeugen will. Dieses Zuregierung in den 70er Jahren die Destillie- ckerrohr soll schneller wachsen und besrung von Alkohol aus Zuckerrohr forcierte. ser mit Wassermangel und Schädlingen Damals ging es vor allem um die Unabhän- umgehen können. Das Genom des ZuckerVENEZUELA Regenwaldgebiet gigkeit von Ölimporten, doch heute auch rohrs zu entziffern sei allerdings schwieZuckerrohrplantagen um Kosten und Klimaschutz: Brasiliani- rig, da die DNA nicht, wie beim Menschen, KOLUMBIEN scher Biosprit liefert achtmal so viel Ener- doppelt vorliege, sondern zehn- bis zwölfmögliches Erweiterungsgebiet gie, wie zu seiner Herstellung gebraucht mal. Außerdem sucht er nach Wegen, die wird – im globalen Vergleich ein sehr guter Wände der Pflanzenzellen leichter aufzuWert. So reduziert er die CO2-Emissionen brechen. Das ist nötig, um Biosprit der ECUADOR Manaus um 70 Prozent. Das bestätigt eine kürzlich zweiten Generation zu erzeugen. Bei dieBelém veröffentlichte Studie der Nasem Kraftstoff wird derjenige onas Amaz tionalen Akademie der Wis- Auch in den Fasern Zucker in Alkohol umgewandelt, der in pflanzlichen senschaften in Deutschland des Zuckerrohrs Recife (die StZ berichtete). befindet sich noch Überresten steckt, die übliUnd Brasilien will mehr. cherweise nicht mehr geB R A S I L I E N Schon vor einigen Jahren hat viel Zucker. nutzt werden. So enthalten PERU sich die Regierung das Ziel gezum Beispiel die Fasern des setzt, zehn Prozent des Benzins weltweit Zuckerrohrs, die nach dem Auspressen durch brasilianisches Bioethanol zu erset- des Zuckersafts übrig bleiben, genauso Brasilia BOLIVIEN zen. Obwohl es schon einige Labore und viel Zucker wie der ausgepresste Saft. Um diese Forschung voranzubringen, Institute gab, die sich mit Biosprit beschäfBelo Horizonte tigten, wurde vor zwei Jahren das CTBE ge- suchen die Brasilianer den Kontakt auch zu gründet, um die Forschung zu verstärken. deutschen Forschern. Eckhard Dinjus vom PARAGUAY Das Institut hat seinen Sitz in der Universi- Karlsruher Institut für Technologie ist derCHILE Rio de tätsstadt Campinas im Norden der Metro- zeit auf einer Fachkonferenz in São Paulo. São Janeiro Pazifischer Ozean Paulo pole São Paulo, wo auch rund die Hälfte der Er sieht in den Abfällen der Zuckerprodukbrasilianischen Destillerien zu finden sind. tion ein großes Potenzial: Es sei kein Problem für eine Destillerie, daraus rund ARGENTINIEN Porto 100 000 Tonnen zusätzlichen Biosprit zu Atlantischer Ozean AUS ZUCKER WIRD BIOALKOHOL Allegre erzeugen. „Die Entwicklung zu BiokraftURUGUAY 500 km Produktion In Brasilien werden 600 Millionen stoffen der zweiten Generation könnte in Quelle: Leopoldina Tonnen Zuckerrohr im Jahr geerntet. Etwa Brasilien rascher verlaufen als bei uns“, die Hälfte davon geht in die Produktion von sagt er. Dinjus hat ein entsprechendes VerZuckerrohr ist reicher im Ertrag Bioethanol. Nachdem der Zuckersaft ausgefahren mit dem Namen Bioliq mitentwi- Steigendes Angebot von Biokraftstofen Treibstofertrag in Tausend Litern je Hektar presst worden ist, bleiben 15 Prozent faserige ckelt, das in der Nähe von Karlsruhe in in Millionen Barrel pro Tag Reste übrig, die Bagasse. Der Zuckersaft wird einer Pilotanlage erprobt wird. Wirtschaftmit Hefe fermentiert und der Alkohol anschlielich ist der Biosprit aus Abfällen bis jetzt al- 2,5 5 ßend per Destillation gewonnen. lerdings nicht. Am CTBE hält man sich 4 auch mit Prognosen zurück. Da die brasilia- 2,0 Forschung Die Bagasse wird üblicherweise nische Regierung aber mehrere Demonst3 rationsanlagen bauen lasse – auch am 1,5 verbrannt, um Strom zu gewinnen. Gute Destillerien produzieren mehr Strom, als sie benötigen CTBE steht eine –, werde man in drei Jah2 und speisen den Überschuss ins Stromnetz ein. ren verlässliche Aussagen machen können. Biodiesel übrige Länder 1,0 Forscher suchen derzeit nach effizienten Von der Debatte „Tank oder Teller?“ haBiodiesel Europa 1 Methoden, den in der Bagasse enthaltenen ben die brasilianischen Forscher gehört – Ethanol übrige Länder Zucker zu verwerten und daraus Bioethanol und sie versichern fast unisono: „Das Prob- 0,5 Ethanol Brasilien Soja der zweiten Generation herzustellen. lem spielt bei uns keine Rolle, da unser ZuckerÖl- Mais Mais Soja Ethanol USA rohr palmen USA China USA Brasilien Land groß genug ist.“ Destillerien dürfen in Brasilien Malaysia 09 10 11 12 13 14 15 Kritik Zuckerrohr wird in Brasilien derzeit auf Brasilien nur in ausgewiesenen Gebieten StZ-Grafiken: zap Quelle: IAEA, Commerzbank Quelle: FAO, Commerzbank zwei bis drei Prozent der Ackerfläche angebaut. errichtet werden, die nicht im Regenwald Auch Kritiker gestehen zu, dass dies keine oder in der Savanne liegen (siehe Karte). Konkurrenz zur Produktion von Nahrungsmitteln Einer der wenigen Forscher, die diesen nols in Brasilien an. Sie führt diese Kritik Janeiro kürzlich von einer Kakerlake bedarstellt, wie sie hierzulande diskutiert wird. Optimismus nicht teilen, ist Gilberto Jan- aber so wenig aus wie Jannuzzi. Der brasi- richtete, die allein von den Überresten des Brasilianische Forscher rechnen damit, dass der nuzzi, der an der Universität Campinas lianische Energieexperte wagt vielmehr Zuckerrohrs leben könne, holte er sich eiMarkt für Bioethanol im Land um fünf Prozent arbeitet und das CTBE mitgegründet hat. eine Prognose: Der Markt für Bioethanol nige Exemplare in sein Labor. Das Verdauim Jahr wachsen wird. Es gebe zwar genug Ackerland, um mehr werde lange nicht so deutlich wachsen, wie ungssystem dieser Kakerlakenart ist offenBioethanol herzustellen, gibt er zu, doch er es viele seiner Kollegen vermuten. Er wür- bar in der Lage, den Zucker aus den ÜberEuropa Die EU will nach der jüngsten Debatte sehe auch die ökologischen Nachteile: etwa de vielmehr darauf setzen, aus der Biomas- resten zu verwerten. Inzwischen hat er über Biosprit den Anteil an Biokraftstoff im einen hohen Wasserverbrauch und den se Strom zu erzeugen – etwa für Elektro- einige Moleküle entdeckt, die im Magen Verkehr bis 2020 auf fünf Prozent begrenzen. Einsatz von Düngemitteln. Auch die Natio- autos. Diese Idee wird wiederum am CTBE des Tieres die Zellwände des Zuckerrohrs Die EU-Kommission fürchtet unter anderem, nale Akademie der Wissenschaften in als „Spielzeug für Reiche“ abgetan. aufbrechen. Ob sich diese Moleküle vieldass für den Anbau Waldflächen weichen müs- Deutschland meldet in ihrer Studie Zweifel Marcos Buckeridge lässt indes nichts leicht einmal industriell werden nutzen sen, was den Klimanutzen zunichtemache. amd an den ökologischen Vorzügen des Bioetha- unversucht. Als ihm ein Kollege aus Rio de lassen, weiß er aber noch nicht.

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Fundstück der Woche
Die Ig-Nobelpreise sind vergeben
In den USA sind jetzt an der Harvard-Universität die Fundstücke des Jahres ausgezeichnet worden. Sozusagen. In einer bierernsten (ja, Bier ist immer beteiligt, ebenso wie andere Alkoholika) Zeremonie mit Papierfliegern und einem Haufen echter Nobelpreisträger wurden dort Forschungsergebnisse mit den Ig-Nobelpreisen – ein Wortspiel mit dem englischen „ignoble“ für unwürdig – prämiert, die eine hohe Punktzahl auf der Skurrilitätsskala erreichen. Als da wären – Trommelwirbel –: die Entdeckung, dass der Eiffelturm kleiner aussieht, wenn man beim Anschauen den Kopf etwas nach links hält, ausgezeichnet mit dem Preis für Psychologie. Den Preis für Neurowissenschaften gab es für den Nachweis, dass die moderne Technik in der Hirnforschung immer irgendwas nachweisen kann – selbst im Hirn toter Lachse. Ebenfalls als preiswürdig, Kategorie Anatomie, wurde die Entdeckung erachtet, dass Schimpansen ihren Artgenossen nicht ins Gesicht sehen müssen, um sie zu erkennen – ein Blick auf ein Foto vom Allerwertesten reicht. Die Welt weitergebracht haben sicher auch die Preisträger im Bereich Medizin: Sie haben ausgeklügelt, wie man bei Darmspiegelungen das Risiko für eine Explosion des Patienten minimiert. Der Chemiepreis geht nach Schweden – für die Aufklärung des Rätsels, warum einige blonde Schweden nach einer heißen Dusche plötzlich grüne Haare hatten (dank der nicht beschichteten Kupferrohre in neu gebauten Häusern). Auch die Physiker sind vertreten, diesmal mit einer Analyse des delikaten Kräftegleichgewichts, das die Haare in einem – menschlichen – Pferdeschwanz schwingen lässt. Einen Preis für Akustik gab es für ein Gerät, das unermüdliche Redner mit Hilfe eines irritierenden Echos stoppt. Und in der Kategorie Strömungslehre wurden die Bemühungen gewürdigt herauszufinden, warum es offenbar unmöglich ist, mit einer vollen Kaffeetasse herumzulaufen, ohne etwas zu verschlabbern. Nicht unterschlagen möchten wir Ihnen auch die Preisträger für Frieden und Literatur, obwohl diese eigentlich nicht so in unserem Fokus stehen: Der Friedens-Ig-Nobelpreis geht an eine russische Firma, die Diamanten aus alter Munition herstellt. Und den Literaturpreis bekam der US-Rechnungshof – für einen Bericht über Berichte über Berichte, die über die Vorbereitung eines Berichts über Berichte berichten. ilb
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Hummeln navigieren mit eingebautem Computer
Biologie

Auch Insekten machen sich das Leben nicht unnötig schwer: Sie finden den kürzesten Weg zu leckeren Blüten verblüffend schnell.
ritische Forscher haben herausgefunden, dass Hummeln auf ihren Sammelflügen nur dann eine Route beibehalten, wenn diese kürzer war als eine bereits zuvor ausprobierte. War die neue Route dagegen länger als die alte, suchten die Hummeln nach einer anderen Streckenvariante. Durch dieses simple Prinzip mussten die Hummeln nicht erst alle möglichen Routen ausprobieren. Stattdessen fanden sie die kürzeste Strecke bereits, nachdem sie nur 20 von 120 möglichen Streckenvarianten abgeflogen waren. Das einfache Auswahlprinzip ermögliche den Insekten trotz ihres kleinen Gehirns eine komplexe Navigation, berichten die Forscher im Fachmagazin „Plos Biology“. „Die Geschwindigkeit, mit der die Hummeln auf diese Weise durch Versuch und Irrtum lernen, ist außergewöhnlich“, sagt Studienleiter Lars Chittka von der Queen Mary University of London. Für ihr Experiment hatten die Forscher auf einer Wiese fünf künstliche Blumen mit einer Zuckerlösung hingestellt. Jede Futterstelle war von der anderen mindestens 50 Meter entfernt – zu weit weg, um für eine Hummel aus dieser Entfernung

Weitere Informationen unter www.improbable.com

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Kontakt
Redaktion Wissenschaft
Telefon: 07 11/72 05-11 31 E-Mail: wissenschaft@stz.zgs.de

sichtbar zu sein. Alle Futterstellen waren mit Webcams ausgerüstet, die durch Bewegungsmelder aktiviert wurden. Die Forscher hatten zuvor alle Hummeln eines nahe gelegenen Nestes mit Nummernschildern auf dem Rücken markiert. Zusätzlich bekamen einige Hummeln kleine Radar-Transponder auf den Rücken geklebt, mit deren Hilfe ihre Flugrouten genau verfolgt werden konnten. Wie erwartet, entdeckten die Tiere die beiden dem Nest am nächsten stehenden Futterstellen als Erstes und nahmen dann nach und nach auch die ferner stehenden in ihre Sammelroute mit auf. Je kürzer und direkter dabei der Weg war, desto höher war die Wahrscheinlichkeit, dass die Hummeln diese Route auch beim nächsten Sammelflug nutzten, wie die Forscher

berichten. Längere Umwege wurden meist nicht wiederholt. „Nach durchschnittlich 26 Sammelflügen hatten die Hummeln durch dieses Auswahlprinzip die optimale Route herausgefunden“, schreiben Chittka und seine Kollegen. Das zugrunde liegende Auswahlprinzip – nämlich kürzere Strecken behalten und längere verwerfen – lasse sich in einem einfachen mathematischen Modell nachbilden. Gaben die Forscher einem Computerprogramm die Aufgabe, mit Hilfe dieses Prinzips fünf Orte in optimaler Reihenfolge anzusteuern – ähnlich wie Handlungsreisende ihre optimale Fahrtroute austüfteln –, dann schaffte die Simulation dies nach durchschnittlich 25 Durchgängen. Das decke sich gut mit den Ergebnissen der Hummeln, sagen die Wissenschaftler. dapd

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