GURU PADMASAMBHAVA

Herausgegeben, kommentiert und mit Übungsanweisungen versehen von Karl Scher er Mit einem Vorwort von Michael von Brück und einem Nachwort von Chhimed Rigdzin Rinpoche KÖSEL

DEM ÜBERLEBEN DES TAPFEREN TIBETISCHEN VOLKES MÖGEN MITGEFÜHL UND WEISHEIT SIEGEN!

Mit 12 Abbildungen aus tibetischen Tankas - aus der Sammlung von Karl Scherer, Freiburg i.Br. ISBN 3-466-20439-9 © 1998 by Kösel-Verlag GmbH & Co., München Printed in Gernrany. Alle Rechte vorbehalten Druck und Bindung: Ebner, Ulm Umschlag: Elisabeth Petersen, München Umschlagmotiv: Ein tibetischer Tanka aus der Sammlung von Karl Scherer - mit dem Guru Padmasambhava (Mitte), den 3 Buddhas Amitabha, Samantabhadra, Amitayus (oben), dem Abt Shantarakshita (unten links) und dem König Trison Detsen (unten rechts) 1 2 3 4 5 • 02 01 00 99 98 Gedruckt auf umweltfreundlich hergestelltem Werkdruckpapier (säurefrei und chlorfrei gebleicht)

W U R Z E L N D E S E R W A C H E N S (Michael yon Brück)

7

E I N F Ü H R U N G DES H E R A U S G E B E R S BEMERKUNGEN ZUR ÜBERSETZUNG 11

11

DANKSAGUNG 17 GURU PADMASAMBHAVA UND SEINE ZEIT 20 Padmasambhava - Leben und Legende 20 Der Buddhismus in Tibet bis Ende des 8. Jahrhunderts 29 Die Übertragung der Lehren 52

DIE GEHEIMEN UNTERWEISUNGEN DES
AUF DIE FRAGEN DES NYANG WEN TIZING ZANGPO 61 Grundlegende Anweisungen 67 Das große Geschenk 71 Tod und Vergänglichkeit 82 Das Gesetz von Ursache und Wirkung 90 Mitgefühl 97

Was du brauchst 101 Der Glaube 103 Die Hindernisse auf dem Weg 106 Fragen zur Geheimlehre 135 Das Göttliche in uns 140 Der tantrische Weg der Visualisierung 145 Stufen und Pfade des buddhistischen Weges Opfer und Visionen - ein Spiel des Geistes Letzte Anweisungen 160 Essenz 164 150 155

DER WUNSCHERFÜLLENDE BAUM 169
DIE KURZE FASSUNG DER LEBENSGESCHICHTE DES LOTUSGEBORENEN GURU

von Orgyen Chogur Lingpa

169

ANHANG

207

Nachwort des Herausgebers 207 Nachwort von. S.E. Khordong Lerchen Tulku Chhimed Rigdzin Rinpoche 216 Anmerkungen 224 Bibliografie 234 Glossar 236

Der Buddhismus und ganz besonders der Tibetische Buddhismus haben in den letzten Jahrzehnten ein lebhaftes Echo in der westlichen Welt ausgelöst. und er reicht bis an die Wurzeln der geistigen Erfahrung heran. Begriffskonstruktionen und 7 . der sich auf den Übungsweg nach den hier vorgetragenen Anleitungen begibt. Projektionen. der in diesem Band erstmals in deutscher Übersetzung zugänglich gemacht wird. ist im doppelten Sinne ein Wurzel-Text: er ist die Wurzel für die Herausbildung einer Tradition des Geistestrainings. die noch heute gepflegt und authentisch überliefert wird. es ist zu einer Begeisterung für tibetische Riten. Wie kaum eine andere Religion ist der Buddhismus darauf ausgerichtet. ja.hinter dem Schleier von Vermutungen. praktikable Wege zu beschreiben und Übungen zu empfehlen. Dies ist kein Zufall. zu der jeder Mensch reifen kann. wer er ist und was .ZUM GELEIT Der Text Guru Padmasambhavas. Kunstwerke und Schriften gekommen. durch die der Mensch selber erfahren kann. Übungswege.

angesichts der Frage nach der Bedeutung des Lebens. verschiedenen Religionen angehören und mit anderen Traumbildern umgehen! Und wie ähnlich die Hindernisse auf dem Weg des Erwachens und der geistigen Reifung sind . was eigentlich hinter jedem »ismus« steht. ganz unterschiedliche Sprachen sprechen.Irrtümern . ob sich heutige Menschen als Christen. was denn solche Einordnungen genau besagen. das ist die Ausgangssituation.Projektionen. inmitten von Wertewandel. Trägheit. mehr noch. Kurz: das Uralte erweist sich als das ganz Frische! 8 . Selbstbehauptung. stellt sich jedem Menschen irgendwann die Frage: Wer hin ich? Und: Was mache ich aus meinem Leben? Wie sehr doch die Menschen einander ähnlich sind. sondern um eine geduldige Aneignung von Texten.das Bewusstsein eigentlich darstellt. Ganz gleich. des Leidens und des Todes. Ungenauigkeit. Nicht-Gläubige oder als etwas anderes bezeichnen . Buddhisten. Der Mensch auf der Suche nach sich selbst. Es geht dabei in diesem Buch nicht um äußeres Verstehen oder historisches Vergleichen. das zur Zeit der Einführung des Buddhismus in Tibet ebenso bedeutungsvoll war wir heute. um einen möglichst unverstellten Umgang mit spirituellem und psychologischem Wissen. Unsicherheit. auch wenn sie äußerlich heute so anders leben als die damaligen Inder und Tibeter (oder Juden und Griechen). aus der heraus Karl Scherer den alten Text Padmasambhavas für heutige Menschen kompetent und einfühlsam neu interpretiert. Stolz. Leiden und Ängsten. ob die eigene Lebenseinstellung (oder Religion) nur mit vielen Worten eine innere Leerheit verschleiert.jeder muss fragen. den Idealen der alten Meister nachzufolgen und unser Leben entsprechend zu gestalten? Im Bewusstsein der Vergänglichkeit aller Dinge. oder ob wir wirklich versuchen.

und sind daher ständig eifersüchtig auf alle anderen. meditieren weder regelmäßig. Jh. dass diese »Umwelt« in Wirklichkeit »Mitwelt« ist. gewiss. die immer Eins ist. So schreibt Padmasambhava: »Die Menschen schauen nicht auf ihre Wahre Natur. und deswegen glauben sie. Daher können sie auch nicht das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden.und Menschenliebe etwas völlig anderes? Die Sprache ist anders. seine Einsicht in die Einheit von Gottes.18. Würden die Menschen das tun. die den Geist der Texte lebendig macht. Die Menschen lesen wenig Wertvolles. Aber ähnlich ist auch die stumpfe Gedankenlosigkeit. Aber ganau darauf kommt es an. besser zu sein als ihre Mitmenschen. 9 . Doch die Grunderfahrung ist zumindest ähnlich. wenn die Texte aus der Vergangenheit lebendige Anleitung werden sollen. Und dieser Anleitung bedürfen gerade heutige Menschen. n. Die kontemplative Versenkung nach innen ist nicht der Gegensatz. der Übersetzer hat sich nicht zuallererst um die philologisch übliche Wiedergabe der Texte. dann würden sie unermüdlich für das Wohlergehen ihrer Mitmenschen und die Rettung unserer Umwelt arbeiten. gab. Und: ist denn die Haltung Jesu. damals wie heute. sondern die notwendige Kehrseite der liebevollaktiven Tat nach außen! Wie sehr solche Sätze aus der tibetischen Dzogchen-Tradition dem chinesischen Ch'an (Zen) gleichen! Und das nicht nur.« Gewiss. in die wir immer wieder zurückfallen können. die Bilder und die Vorstellungen. weil es enge historische Verbindungen zwischen Ch'an und Dzogchen im 1. sondern vor allem um eine kongeniale Nach-Dichtung bemüht.« Denn in der Meditation erfährt man. noch gehen sie die Neun Stufen des Weges.Chr. sondern weil die Welt des Geistes eine ist. zerstreuen sich.Nur einige Sätze Padmasambhavas seien hervorgehoben: »Erweckt jeden Augenblick den Geist der Erleuchtung und des Mitgefühls für alle Wesen.

für den Meister. für die freundliche Geste. Dankbarkeit als unmittelbare Erfahrung der gegenseitigen Abhängigkeit aller Dinge. Wer sich in dieser Weise bewusst auf die kleinen Dinge des Alltags einlässt. Möge das Buch nicht nur zur Lektüre. findet Frieden. den Padmasambhava erwecken möchte. Fenster und für die funktonierende Stromversorgung im Haus. Ostern 1998 Michael von Brück . Herz und Augen zu öffnen. für den Herausgeber. Dank auch für einen Text wie diesen. Wer aber Frieden gefunden hat.« Besonders eindrucksvoll ist die »Meditation« über die Dankbarkeit. Der Geist. Denn: »Die. Lebewesen und Menschen ~ Dank für den Regentropfen auf der Fensterscheibe. Und wer Frieden ausstrahlt. stiftet Frieden. die ihr Leben für Nichtigkeiten vergeuden. für das Zwitschern des Vogels vor dem. der sich um den Druck bemüht. Darum geht es. sind zu bedauern. die durch uns hindurchgeht und die wir weitergeben an andere Lebewesen. strahlt Frieden aus. mit der die Verkäuferin das Brötchen über den Ladentisch reicht. das sich auch noch im Akt des Dankens selbst bestätigen möchte. mit der Luft. der bereit ist. München. ist ein Geist des Erwachens. aus denen wir bestehen.die sich so schnell vom Konsum in der Gegenwart verwirren oder von der Angst vor der Zukunft lähmen lassen. sondern zur Lebensübung dienen. für den Verlag. der ihn verfasst hat. sondern als ein Mit-Atmen mit den Elementen. für den Leser. der ihn vermittelt. Dankbarkeit nicht als höfliches Echo des Ich. Erwachen ist eine Erfahrung von Auferstehung. wird beglückt. Wer in dieser Freude seine Tage gestaltet.

H. denen jeder auf dem spirituellen Weg begegnet. sondern auch alle Hindernisse und Schlaglöcher. Mir wurde klar. Dilgo Khyentse. welchen Schatz er enthielt. Über die Kluft der Jahrhunderte hinweg zeigt der Text nicht nur alle Stufen und Stadien des spirituellen Weges. mit diagnostischem und 11 . die englische Übersetzung des hier vorliegenden Textes Die Fragen des Nyang Wen Tingzin Zangpo überreichte.BEMERKUNGEN ZUR ÜBERSETZUNG Als mir im April 1987 im Kloster Shechen Ling in Kathmandu Matthieu Ricard im Auftrag von S. verständlich und einsichtig erschienen. Als ich ihn jedoch in meinem Zimmer zu lesen begann. ja sogar wilde Ausgelassenheit. ergriff mich große Freude. dass hier ein Kompendium der Bedingungen spiritueller Übung vorlag: Ein kurzes aber inhaltlich unglaublich umfassendes Handbuch dieses Weges. Buddhismus. zusammen mit den jeweils passenden Lösungen. die mir praktisch. hatte ich keine Ahnung. dem 1991 verstorbenen Oberhaupt der Nyingma-Schule des tibetischen.

das der große Meister Padmasambhava im 8. die sich bewusst keiner Religion und keiner Richtung ausschließlich verschreiben wollen. Nur mit dem Segen eines Meisters wie S. ausgesuchter Kreis Zugang zu diesem Text finden konnte. Ein vollendeter Meister wie er konnte mit seinem allumfassenden Mitgefühl das universell Gültige jenseits der Grenzen der eigenen Tradition sehen. Obwohl sie jeder organisierten Religiosität misstrauen. diesen Text in eine säkulare Sprache zu übertragen. In Retreats. dachte ich mir. So ermächtigte er mich nicht nur. in prophetischer Weitsicht formuliert und zur Wiederentdekkung in unserer Zeit verborgen hatte. Es war mir klar. diesen Schatz auch einem weiteren Kreis von Interessierten zugänglich zu machen.H. Ich empfinde bis heute große Dankbarkeit. sondern auch. die versucht. dass in der vorgelegten Fassung nur ein kleiner. dem Bodhisattva der Weisheit selbst. Natürlich wollte ich meine Freude mit anderen teilen und versuchen. die Essenz dieser Aussage sehr frei in eine moderne Sprache und auf zeitgemäße Probleme bezogen zu übertragen. konnte dieses Projekt gelingen. angesehen wurde und als eine Wiedergeburt von Vimalamitra gilt. Dilgo Khyentse. um damit den mittlerweile sehr groß gewordenen Kreis von Wahrheitssuchenden Menschen im Westen anzusprechen. Jh.therapeutischem Wissen über seine Fallen und Barrieren und deren Überwindung. Es müsste doch möglich sein. Seminaren und Eserzitien arbeite ich vor allem mit Menschen. wenn ich an Dilgo Khyentse Rinpoches Verständnis und Mitgefühl für meine Situation zurückdenke. auf buddhistische Fachwörter und Begriffe aus dem Tibetischen und dem Sanskrit zu verzichten. der von anderen Meistern als Manjushri. 12 . suchen sie dennoch eine direkte Erfahrung ihrer Wahren Natur und hungern nach gelebter Spiritualität. seine mündlichen Unterweisungen in einem westlichen Kontext zu vermitteln.

dass der Dharma die Lehre von der natürlichen Ordnung der Dinge. So habe ich je nach Satzzusammenhang »Dharma« entweder als »Wahrheit« übersetzt. ist. theistisches Gedankengut einzubringen. wie sie in Wahrheit sind. wenn die natürliche Ordnung der Wirklichkeit oder als »Weg der Wahrheit«. in der buddhistischen Sicht aber eine mitfühlende Erscheinungsform der leeren Buddhanatur ist. auf seine tiefere Bedeutung hin untersucht. wenn die Lehre und Praxis dieser Ordnung gemeint war. Den »Sangha« bezeichne ich konsequenterweise dann als die »Gemeinschaft der Weggefährten«. der ansonsten gerne mit »Lehre«. »Lama« oder »Guru« habe ich einfach als »Lehrer« übersetzt. da dies meiner Ansicht nach am ehesten der ungeschaffenen Natur der Wirklichkeit in unserem Sprachgebrauch entspricht.Ich habe z. Da selbst der archetypische Guru Padmasambhava von den Tibetern »Lopön Rinpoche« also »kostbarer Lehrer« genannt wird. dass es nichts Höheres gibt. Darüber hinaus finde ich kein anderes Wort. wo ich den Titel als Teil des Namens beibehalte. außer im Fall von Padmasambhava selbst. und analog schwingt in Sanskrit beim »Guru« die Bedeutung von etwas sehr Gewichtigem mit.B. Den Dharmakaya habe ich als »das Absolute« bezeichnet. was im Hinduismus zwar »Gott« im Sinn der griechischen Olympier bedeutet. »Gesetz« oder »Ordnung« übersetzt wird. Ich habe mich jedoch in diesem Fall mehr an der Sanskritform »Deva« orientiert. Dabei stellte sich heraus. das die tiefen 13 . Kritischer könnte meine Übersetzung von »Yidam« als »Aspekt des Göttlichen« aufgenommen werden und mir den Vorwurf einbringen. aber beide Begriffe sind im deutschen Sprachraum in der allzu großen Sektenhysterie negativ belastet oder unerträglich banalisiert. Der Wortstamm von Lama deutet zwar im Tibetischen darauf hin. halte ich diese Übersetzung für ausreichend. den in buddhistischen Texten häufig in Sanskrit beibehaltenen Grundbegriff »Dharma«.

religiösen Empfindungen der praktizierenden Yogis und des einfachen Volkes deutlicher ausdrückt. der katholischen Kirche und ihrer Marienverehrung oder dem Heiligenkult zu unterscheiden. dass ich..« Diese Haltung wird zwar von John Reynolds kritisiert . dieses Bild des Absoluten ist in Übereinstimmung mit dem Grundgedanken der Yogacharaschule.B. damit nicht die C.G.. Er ist immanent in allen vorhandenen oder entstandenen Phänomenen. wenn ich die visualisierten Yidams gelegentlich als archetypische Formen des Göttlichen bezeichne.Erscheinungen gegründet. Er existierte vor allen Buddhas und allen vergänglichen Erscheinungen. jedoch in der Praxis kaum von der theistischen Heilsgewissheit z.. Sein Gefolge sind die Spiegelungen seiner eigenen Natur und beinhalten die ganze geschaffene Welt. jung'schen Urbilder des kollek14 .auch göttlicher .er führt aus. Schon immer haben Mystiker aller Schulen verkündet. einem wichtigen Tantra der Nyingmaschule aus: »Er ist der Eine am Anfang und am Ende des Universums. dass das Absolute und ihr allerinnerstes Sein von der gleichen Natur seien. dass nach den mündlichen Unterweisungen tibetischer Lamas dieser »König« der ungeschaffene Urzustand des Individuums selbst ist und der Begriff König nur als Indiz für die Priorität dieser »Natur des Geistes« (übet. und zur gleichen Zeit jenseits aller Phänomene. die Vajrayanatradition formulierte ein philosophisch genau definiertes Konzept des Absoluten in theistischer Sprache. So möchte ich betonen.. In diesem Zusammenhang führt Eva Dargyay in ihrer Studie über das Kun-byed rgyalpo (»Der alles erschaffende König«). Denn die kontemplativen Visualisations. sems-nyid) vor allen Phänomenen zu verstehen ist .aber eigentlich besteht hier kein Widerspruch. dass der Geist die Nabe des Universums ist.und Mantraübungen sind zwar fest in der buddhistischen Sicht der Leerheit aller ... die sagt.

Die Wahrheit selbst geht jedoch jeden Menschen an. dass der Wert dieser Aussagen den Horizont einer Festlegung auf ein Jahrhundert oder auf eine Schule überschreitet. und liegt immer jenseits jedes ». Natürlich hängt die Form und die Gestalt einer Aussage von dem Boden ab. und so ist die Klarheit und Prägnanz dieses Textes sicher ein Ergebnis buddhistischer Sichtweise. Querverbindungen zu Entwicklungen in der heutigen spirituellen Szene herzustellen. Ich habe mich bemüht.tiven Unbewussten meine. die authentische Aussage dieses Textes in heute verständliche Formulierungen zu fassen und dabei die bildhafte und lebendige Sprache des Urtextes zu erhalten.ismus«. eine Tür zu diesem geheimen. auf dem sie gewachsen ist. Letztendlich ist es das Feuer der meditativen Erfahrung im Schmelztiegel unseres Geistes. die es dem modernen Leser zusätzlich erleichtern sollen. die das persönliche Innerste und die überpersönliche Manifestation des Göttlichen verschmelzen lässt. Der eigentliche Wurzeltext wurde dabei durchgehend in größeren Typen abgedruckt. großen Feld des New Age in einer enthusiastischen 15 . Reich öffnen zu helfen. wie Padmasambhava selbst sagte. Stellenweise habe ich hier versucht. während ich gleichzeitig die in der Symbolik des esoterischen Buddhismus verschlüsselte Weisheit so frei und direkt wie möglich auszudrücken versucht habe.. den Bezug zu seiner Alltagsrealität herzustellen und die Originaltexte zu meditieren. Auch wenn im. das in Wahrheit die Natur unseres eigenen Geistes ist. sondern die Manifestationen des erwachten Geistes in symbolischen Formen. Religionswissenschaftler und Tibetologen werden auch akzeptieren können.. Meine Absicht bei der Übersetzung war vor allem die. Auf den Text folgen meine Kommentare.

Dieser Schatz prophetischer Unterweisungen ist keine theoretische Schrift. Hier zeigt sich auf das Deutlichste das prophetische Genie Meister Padmasanibhavas. 16 . wenn sie ein Zeitzeuge formuliert hätte. wie sie die alten Traditionen überliefern. alles neu und besser machen zu können. habe ich mich bemüht. Es handelt sich um höchst konkrete Meditationsanweisungen und Lebensregeln. denn viele der Aussagen könnten nicht aktueller sein. Mit der fortscheitenden Verbreitung des Buddhadharma im Westen ist dies heute zum Glück für jeden möglich. die entsprechenden Meditationen und Übungen in zeitgenössischer Sprachform in die Kommentare einzufügen. um die Lehre in unserer Zeit zu erhalten. sondern die geheimen mündlichen Unterweisungen des Guru Padma an seine engsten Schüler.ein wahrer Schatz! Meine Absicht war. damit er als konkrete Anleitung im täglichen Leben genutzt werden kann. Wir haben in diesem Werk alle Anweisungen für die erfolgreiche eigene spirituelle Übung . Wo sich dies nicht deutlich erkennen lässt. auch wenn selbstverständlich für alle höheren Meditationen und Übungen des Vajrayana der Segen und die Begleitung eines autorisierten Lehrers notwendig sind.Aufbruchsstimmung häufig gemeint wird. dass es an Kenntnis der universell gültigen Gesetze des spirituellen Weges. durch die Kommentare das ungeheure Know-how dieses Textes lebendig zu machen. zu mangeln scheint. Von der Idee zu ihrer Umsetzung dauerte es jedoch seine Zeit und viele Einzelschritte und Unterstützung waren nötig. sondern implizite vorausgesetzt wird. zeigt sich gerade bei den bekannt gewordenen Fehlentwicklungen und am Scheitern gut gemeinter Ansätze.

viele wertvolle Anregungen zu geben und ein Geleitwort zu schreiben. das Manuskript zu sichten. Paul Köppler. Wie man die zeitlose Wahrheit des Buddhadharma in deutscher Sprache ausdrücken kann. erlebte ich bei der Zen-Meisterin Dharma Prabasha Roshi.durch Vergleiche mit der Urbedeutung im Pali-Kanon -. Ihre Gabe. Für seine Hilfe danke ich ihm herzlich. Ulrich von Schroeder danke ich für die großzügige und prompte Hilfe bei vielen Fragen bezüglich historischer Einordnung. Dr. Michael von Brück war so freundlich. 17 . half bei der ersten Fassung des Manuskriptes und unterstützte meine Versuche . der mir die englische Rohübersetzung zur Verfügung stellte und über die Jahre ein guter Freund wurde. da er selbst als der Khordong Therchen Tulku die Reinkarnation eines bedeutenden Tertöns und ein zeitgenössischer Finder solcher Schätze ist. Matthieu Ricard (Gelong Könchog Tenzin). der sich als Vorstand des Vereins »Buddhismus im Westen« und als Übersetzer buddhistischer Texte verdient gemacht hat. den tiefen Bedeutungsinhalt buddhistischer Begriffe in zeitgenössischen Ausdrücken wiederzugeben. Er ist ein echter Experte der Termaliteratur. war mir eine beständige Inspiration. Prof. Kerstin Domier schließlich betreute das Manuskript in mehreren Phasen mit kritischem Engagement und besorgte die Erfassung am PC. die unsagbare Erfahrung der Nicht-Dualität durchklingen zu lassen. Ohne ihre andauernde Anteilnahme und Unterstützung wäre das Projekt nie zum Abschluss gekommen. Besonders dankbar bin ich für das Nachwort von Chhimed Rigdzin Rinpoche.DANKSAGUNG Mein größter Dank gilt Dr.

der mit ihm in Berührung kommt. Das von ihm anläßlich der Veröffentlichung verfasste vierzeilige Wunschgebet schließt den Leser direkt an den Segensstrom der gesamten Übertragungslinie von Guru Rinpoche bis heute an. Auf Empfehlung von Shechen Rabjam Rinpoche. wenn mich nicht die Teilnehmer der von mir geleiteten Retreats. der sich. denen ich das Manuskript in verschiedenen Rohfassungen vorlegte. Unschätzbar wertvoll ist der Segen von Khyabje Trulshik Rinpoche.E. Landkarte.Mein Dank gilt auch S. dass dieser Text in der vorliegenden Form jeden. dem Dharmaerben von S. und der mich immer wieder ermutigt hat. Shechen Rabjam Rinpoche und Thrangu Rinpoche wäre ich der Essenz dieses Textes nie näher gekommen.H. Ihnen bin ich für immer dankbar und aufs Tiefste verbunden. Ich hoffe. Möge dieser kostbare Schatztext jedem. um frisch und lebendig zu bleiben. ungeachtet seiner religiösen und geistigen Anschauung. an sein wahres und eigentliches Ziel erinnert. Tulku Pema Wangyal danke ich für seine prompte Hilfe bei der Übersetzung. Ohne die Übertragungen und Ermächtigungen des Konchog Chidu-Zyklus von Jatshon Nyingpo durch S. Dzongsar Jamyang Khyentse Rinpoche. durch ihr enthusiastisches Interesse dazu bewegt hätten. Reiseführer und geistige Nahrung zugleich sein. Dilgo Khyentse und Abt der Shechen Klöster in Boudhanath und Osttibet wurde den Fragen des Nyang Wen Tingzin Zangpo noch der Text »Die kurze Fassung der Lebensgeschichte des Lotusgeborenen Guru« aus dem Chogyur Tersar 18 . Dilgo Khyentse. Dennoch hätte ich dieses Buch nie in Angriff genommen. wenn die zeitlose Wahrheit auf überraschende und intuitive Weise vermittelt werden muss. der selbst jederzeit traditionelle Gepflogenheiten durchbricht. auf diesen Weg begibt.H.

Auch dieser Text ist ein »verborgener Schatz«. Da Guru Rinpoche in diesen von Tibetern als autobiografisch bewerteten Text auch Licht auf scheinbare Widersprüchlichkeiten seiner vielschichtigen Lebensgeschichte wirft. ja kernigen. der im 19. Da dieser Text für die Rezitation durch eine Sangha oder einen Yogi gedacht ist. alle äußeren und inneren Hindernisse auf dem Weg rasch zu überwinden und wahre Errungenschaften zu erlangen. prophetischen Unterweisungen im ersten Teil. so dass sich seine persönliche Identität in der Buddhanatur auflösen kann. eine sinnvolle Ergänzung zu seinen äußerst knappen.angefügt. Jh. Im Vertrauen auf den Segen der Meister der Ubertragungslinie werden sich Sinn und Inhalt durch häufige Rezitation spontan und von selbst im Geist offenbaren. Um den mantrischen Klang des tibetischen Textes zu erhalten. wird der Geist des vertrauensvollen Schülers beim Rezitieren mit dem Geist des großen Meisters vereint! Dies ist das Ziel aller höheren Meditationen. Wer diese visionäre und poetische Biographie wiederholt liest. wurde er so nahe am Original und. erhält von Guru Padma selbst den Segen. wenn auch blumig und barock im Stil. 19 . ist er. wurde hier bewusst auf die Übersetzung von buddhistischen Fachwörtern verzichtet. Denn wie »Die kurze Fassung der Lebensgeschichte des Lotusgeborenen Guru« verspricht. so wortgetreu wie möglich übersetzt. von Chogyur Lingpa wiederentdeckt wurde. Gerade durch die Rezitation in der Ich-Form nimmt der Leser an der archetypischen Entwicklung und Entfaltung des großen Meisters und Kulturhelden teil.

Wichtiger ist. sondern auch die innere Wirklichkeit »gnostischer Erfahrung« symbolisch dargestellt. war in Tibet immer gleich wichtig. Ob es sich bei den vielen verschiedenen Geschichten und Legenden. angekündigt 20 . dass er aus Indien stammte. dass Padmasambhava die Verkörperung des spirituellen Lehrers an sich ist und seine Präsenz bis heute durch jeden Lama der Alten Schule Tibets wirkt. ist schon umstritten. dessen Aufgabe die Verbreitung der geheimen Tantras und des Vajrayana sein würde. um Parabeln der buddhistischen Lehre oder um eine archetypische Darstellung des spirituellen Wegs handelt. sondern.GURU PADMASAMBHAVA UND SEINE ZEIT PADMASAMBHAVA . Sicher ist zwar. Bereits um seine Geburt ranken sich die unterschiedlichsten Legenden. die Dimension der mythischen Zeit und die zeitlose Stimme der absoluten Wahrheit. aber ob aus dem tiefen Süden oder einem kleinen Königreich an den Hängen des Himalaya. In einer Version wurde er von Buddha Shakyamuni prophetisch als zweiter Buddha. Gnosis wird als direkte Erfahrung der Einheit des Geistes als (erkennendes) Subjekt mit dem erkannten Objekt des Geistes verstanden. um historische Fakten. die sich um sein Leben ranken.LEBEN UND LEGENDE In der Person des Meisters Padmasambhava durchdringen sich historische Persönlichkeit. Gnostische Erfahrung ist hier nicht im Sinne der streng dualistischen Gnostik der ersten nachchristlichen Jahrhunderte gebraucht. Er hat durch sein Leben und Wirken nicht nur die Geschichte Tibets nachhaltig beeinflusst.

Der Danakosha-See im Lande Oddiyana ist auch der Schauplatz der schönsten und beliebtesten aller Legenden um die Geburt von Padmasambhava. auf dem Blütenbett einer Lotusblume im makellosen Danakosha-See erscheinen. den die Tibeter Dza nennen. von anderen in Kaschmir oder im pakistanischen Swat-Tal vermutet. einem berühmten Bönmeister des 8. Im Nirvana-Sutra steht: »Zwölf Jahre nachdem ich ins Nirvana übergegangen bin. gewesen sein. um die falsche Sicht. Zwei von allen gläubigen Tibetern als Buddhaworte akzeptierte Zitate aus dem tibetischen Kanon belegen sowohl den frühen Zeitpunkt der Geburt. Das Land Oddiyana. um die ebenso falsche Sicht des Nihilismus aufzulösen. wird ein Wesen.« Nach der Bön-Üb er lieferung wiederum ist der Ur-Guru des tibetischen Buddhismus einer der beiden Söhne von Drenpa Namkha. als auch die wundersame Erscheinung Padmasambhavas.oder Geburtsort vieler großer Meister. zu zerstören. von manchen Gelehrten in Westafghanistan. aber zwölf Jahre später werde ich. 171). wieder auf einem Lotus im Danakosha-See erschei4 nen. dass Dinge eine dauerhafte Existenz haben. war eines der Zentren buddhistischer Gelehrsamkeit und Aufenthalts. das alle anderen übertrifft. Nach anderen Legenden kam er als Prinz von Oddiyana im 5.und schon zwölf Jahre nach Shakyamunis Tod als Kind einfacher Leute in Indien geboren. zur Welt.S. der sich auch 21 ..« Im Sutra der Vorhersagen in Magada verkündet der historische Buddha selbst die Kontinuität seiner Heilsgeschichte als symbolische Belehrung: »Ich werde sterben. Jh. Hier soll er aus einer Wolke aus Licht und Mitgefühl als sechsjähriges Kind auf dem Pollenbett eines Lotus ohne menschliche Geburt erschienen sein (s. Sein Vater soll nach dieser Legende der in allen tantrischen Übertragungslinien erscheinende König Indrabhuti. Jh.

so dass sie in späteren. Leider wurden alle bekannten Ausgaben in der Kulturrevolution von den Chinesen zerstört. Die Handlungen der Erleuchteten sind unerklärlieh. sondern erschien entsprechend (den Vorstellungen) derjenigen. überreichte sie Padmakara. auf den Menschen fixiert sind. um sich auf eine solide und dauerhafte Realität zu einigen. ein bedeutender tibetischer Meister der Nymgmaschule. als sich auf den großen Guru zu beziehen. mich zu empfangen. allerdings indem sie ihn zu einem der ihren machen und seine Herkunft im westtibetischen Shang-Shung ansiedeln. die Verfolgung der Bön voraussehend. der sie versiegelte und versteckte. die er zu 22 . Diese Legende zeigt. dass die umfangreichste Biographie in vier Bänden Bha'Thang Zab Rgyas von einem Bön-Tertön stamme. Tatsächlich hat Padmasambhava sogar eine Reihe wichtiger Böntexte vor der Vernichtung bewahrt. In visionärer Schau wurde dem großen Tertön Orgyen Chogyur Lingpa von Guru Padma selbst die überraschende Lösung dieser scheinbaren Widersprüche offenbart: »Ich kam wie fallender Regen in unendlichen Billionen von Formen auf der ganzen Welt zu denen. wie tief sich Padmasambhava als Archetypus im Bewusstsein der Menschen des Landes verfestigt hat: Selbst die vom Buddhismus beinahe ausgerotteten Bön können nicht anders. Drenpa Namkha. die bereit waren. wer könnte sie bestimmen oder messen!« Tsele Natsok Rangdrol. Deswegen verweilt er nicht in dem engen Bereich. unterstützt diese Sicht: » Meister Padma war die höchste Verkörperung aller Buddhas.in der buddhistischen Überlieferung unter den 25 engen Schülern von Padmasambhava wiederfindet. So wird Guru Rinpoche heute auch von den Bön sehr verehrt und der zeitgenössische Dzogchenmeister Tulku Urgyen Rinpoche berichtete. ruhigeren Zeiten wiedergefunden und -belebt werden konnten.

miteinander in Übereinstimmung zu bringen sind oder ob die Zeitangaben seines Tibetaufenthalts inkonsistent sind. denn es zeigt.« Einmal von der Notwendigkeit eines Lehrers überzeugt. Jamgon Kongtrul I.bekehren versuchte. Nach jamgon Kongtrul I. dass Guru Padmasambhava von einer großen Anzahl bedeutender Meister und yogischer Adepten Einweihungen und Belehrungen erhielt. ob die verschiedenen Taten. einen Lehrer zu haben. die er unter verschiedenen Namen in Indien und anderen Ländern vollbrachte. beschreibt in seiner kurzen Biographie des Meisters Padma den Grund. Konsequenterweise ist deshalb alles Klammern an absolute Aussagen darüber. nur dazu gut. 23 . Als die Menschen daraufhin fragten. Dies ist besonders signifikant. wer er sei. Jh. Chr. So sah er ein. warum er als Manifestation des Mitgefühls aller Buddhas dennoch die Belehrungen vieler Meister suchte: »Dann reiste er nach Bodhgaya und vollbrachte viele Wunder. v. Nach Chogyur Lingpa soll er von Ananda. dem Lieblingsschüler des Buddha Shakyamuni die Einweihung in den buddhistischen Orden erhalten haben und in die Sutren des Pali-Kanon eingeführt worden sein. dass es viele gute Gründe gab. suchte Padmasambhava alle großen Meister der buddhistischen Lehre auf. gelebt haben muss. der aus dem Mitgefühl und der Weisheit aller Buddhas entstanden ist. wurde er von Prabhahasti ordiniert. denn wer kann schon das Unfassbare in die Enge rationaler Konzepte zwängen. dass er bereits im 4. glaubte ihm niemand und er wurde sogar verhöhnt. ob er aus einem Schoß geboren wurde oder auf wunderbare Weise erschien. was bedeuten würde. und er antwortete.« Übereinstimmend sagen jedoch alle Quellen. sich selbst zu erschöpfen und die eigene Verblendung zu beweisen. er sei ein selbstentstandener Buddha. in die ihm innewohnende Buddhanatur durch seine eigenen Meister und Gurus eingeführt werden musste. dass selbst Padmasambhava.

Manche Quellen sagen. einer buddhistischen Reformbewegung. Jh.Von dem Meister Shantigarbha soll er die Sadhanas und Tantras des Mahayana erhalten haben. die die Verantwortung für alle Wesen lehrt und im 1. bis er schließlich in der Asurahöhle von Yangleyshod im heutigen Pharping im Kathmandutal zur vollendeten Erleuchtung gelangte. Sri Singha soll in dem berühmten Höhlenkloster Wu t'aishan gewirkt haben. 24 . dass das Leben von Meister Padma nicht nur alle buddhistischen Schulen. dass er tausend Jahre mit Meditation und kontemplativer Übung verbrachte. sowie in Tun Huang war der Zen-Buddhismus und eine taoistisch beeinflusste Interpretation des Prajnaparamita-Sutras zentrale Praxis der vielen klösterlichen Gemeinschaften. an dem man tantrischen Buddhismus studieren konnte. n. zeigt sich. das auf den großen Bodhisattva Manjushri zurückgeht und einer der wenigen Orte im China der Tang-Dynastie war. 12 Da der erste bekannte Maha Ati~Text im 6. erstmals erwähnt wird. entstand" . Wir können also mit gutem Grund vermuten. dem als Dzogchen bekannten Yoga der großen Vollendung. sondern auch riesige geographischeund Zeiträume umspannte. wurde er in diese höchste aller buddhistischen Meditationen eingeführt und wurde später auch Schüler von dessen Nachfolger. dem chinesischen Meister Sri Singha. der in einer der Oasen der Seidenstraße lebte. wird überliefert. Dort. Jh. Von Garab Dorje. Zen) in seiner vitalsten Urform hatte. Chr. dass Sri Singha die Belehrungen über Sutra und Tantra bei Tag und die geheimen Unterweisungen des Dzogchen bei Nacht gab. und andere. dass Padmasambhava durch diesen Lehrer auch Kontakt mit dem chinesischen Ch'an (jap. dem Wurzellehrer des Atiyoga. Da diese Lehre dem indischen Stufenweg geradezu antagonistisch gegenüberstand. dass er hundert.

um zur vollständigen Erleuchtung zu gelangen. die in den Himmel aufsteigt. heißt.« Sri Singha antwortete : »Worüber bist du so euphorisch? Ich selbst erfahre Nichts. wird folgender Dialog zwischen Padmasambhava und Meister Sri Singha überliefert: Padmasambhava: »Ich hatte die Erfahrung lebendiger Klarheit. die nur initiierten Yogis zugänglich ist. Die Erfahrung der Klarheit war wie die Sonne. die in der Dz ogchen-Sicht die Wurzel aller Verblendung ist. dass er über einen sehr langen Zeitraum meditieren musste. Sich auf eine Erfahrung fixieren. sich von der Täuschung verführen lassen. Hast du etwas Höheres als das erreicht? Deine Erfahrungen sind nicht die Errungenschaften der Buddhas der drei Zeiten. dass jede Belehrung 25 .« Hiermit demonstriert Padmasambhava auch exemplarisch die Grundüberzeugung der Dzogchen-Schule. um die notwendige Zeit zu gewinnen. und die Erfahrung der Wonne fühlte sich wie der große Ozean an. das erfahrene Objekt und den Prozess der Erfahrung ein. Seine Meister schonten Padmasambhava während seiner Schulung trotz aller seiner herausragenden Qualitäten nicht und gingen insbesondere auf die. schon allein durch den Gebrauch einer Sprache konditionierte. Du musst den Knoten dualistischen Denkens auflösen [das Erfahrenden und Erfahrenes trennt]. denn übereinstimmend heißt es.Davor musste er jedoch zuerst in der Maratikahöhle in Ostnepal lebensverlängernde Yogaübungen durchführen. aber die direkten Anweisungen meines Meisters haben mich endgültig befreit. Deine Erfahrungen sind aus Konzepten fabriziert.« Die Biographie schließt nach vielen solcher Begegnungen mit seinem Meister mit folgendem Satz: »Die Belehrungen von Sutra und Tantra haben mir nicht die dauerhafte Erlösung gebracht. völliger Reinheit und totaler Freiheit. gewohnheitsmäßige Trennung in den Erfahrenden. In einer geheimen Autobiographie.

die Mahasiddhas Dombi Heruka und Virupa. die heute noch als wichtige Glieder der Übertragungslinie der vier Schulen Tibets bekannt sind. So soll er der Mönch gewesen sein. verwirklicht. sondern manifestierte sich. sieht auch andere bekannte buddhistische Meister. 13 jamgon Kongtrul I. einerseits. Die lange Dauer seiner Übung erkläre sich aus der immensen Vielfalt buddhistischer Lehren und Meditationen. indem er betont. dessen in Stein gehauene Edikte bis heute richtungsweisende soziale und ökologische Impulse geben. den großen Kaiser Ashoka zum Buddhismus bekehrte und aus dem grausamen Tyrannen einen überzeugten Pazifisten und Tierschützer machte.v. ohne üben zu müssen. und andererseits. dass jede Tat ein bestimmtes Resultat bewirkt. Chr.nur durch den persönlichen Kontakt und durch den Segen eines Meisters wirksam wird. der die verschiedenen Stufen des Weges nacheinander durchschreiten musste. sondern dass er diese vielen Übungen und Entwicklungsstufen vielmehr nur als magisches Schauspiel vollführte. dass er nicht als gewöhnlicher Mensch gesehen werden darf. um die buddhistische Grunderkenntnis zu vermitteln. wie etwa den Brahmanen Saraha. als mit Padmasambhava identisch an. Tatsächlich habe er jede Belehrung beim ersten Hören ganz verstanden und. im Laufe seines Lebens auch als eine der wichtigsten Gestalten der buddhistischen Überlieferung. um den Konventionen der Zeit entsprechend glaubwürdig zu sein. 26 . die Widersprüche zwischen Padmasanibhavas vollkommener Buddhaschaft und -seinem langen Weg zur Manifestation dieser Vollendung zu vereinigen. die er alle vollendet verwirklichte. laut Jamgon Kongtrul I. Aber Guru Rinpoche verwirklichte nicht nur das jeweils höchste Ideal aller buddhistischen Schulen.. Jh. Tsele Natsok Rangdrol versucht. der im 3.

Gilgit ('Bru sha) und Khotan (Li) weit verbreitet waren. ist tatsächlich eine Querverbindung von Padmasambhava und der Bön-Dzogchenlinie allein schon deshalb vorstellbar. dass Tibetern im Allgemeinen. und es wird vermutet. sagt sogar. Die einzig gültige Wahrheit ist die Essenz der inneren 27 . als Lichtkörper in der Form eines achtjährigen Knaben zeigte. an diesen Orten gelehrt. weil die Bön auch in Kaschmir (Kha Che). und den Anhängern von Dzogchen und den höheren Tantras im Besonderen die ganze Welt der Erscheinungen ohne essentielle Wirklichkeit erscheint. habe sich Padmasambhava dort als König Ngonshe Chen und als der Yogi Tobden manifestiert. Man mag sich über die Vielzahl der Legenden mit ihren tatsächlichen oder scheinbaren Widersprüchen wundern. Jh. dass Padmasambhava sich im Lande ShangShung im 8. insbesondere wenn sie von einer geistigen Größe wie Jamgon Kongtrul gleichrangig mit historischen Fakten wiedergegeben werden. sie könnten das legendäre Oddiyana sein. Auch wenn dies als Antwort auf die oben beschriebene Vereinnahmung des Lotusgeborenen Gurus durch die Bön gewertet werden kann. Der große Jamgon Kongtrul. der in der Bön-Dzogchenschule die archetypische Figur des Ur-Gurus verkörpert. Außerdem haben wichtige Lehrer Padmasambhavas. Das liegt daran. war es das Prinzip des archetypischen Ur-Gurus.Um das Buddhadharma in der Mongolei und China zu verbreiten. wie etwa Sri Singha. Kurzum. Dzogchen sei als eigenständige Lehre zuerst dort entstanden. das seine segensreiche Wirkung entfaltete. der selbst aus einer Bon-Familie stammte. und von all diesen Gegenden schon angenommen wurde. Dieser Name erinnert sehr an Tapihritsa. wo immer die Entwicklung des Buddhismus neue Impulse erhielt oder wiederbelebt wurde. Unter dem Namen Tavi Hricha verkündete er dort die Dzogchen-Lehren.

Die Frage. ob sich ein Ereignis tatsächlich so abgespielt hat. die eine spirituelle Wahrheit symbolisch darstellen. welches die Dzogchenlehre symbolisiert. u. Jh. Konflikte zwischen spirituellen Schulen zu lösen. ein herausragender tantrischer Meister und gelehrter Pandita. unabhängig von der historischen Wirklichkeit. den Ruf hatte. die sich als Folge seiner überragenden spirituellen Praxis freigesetzt hatten. den Ganges-Strom aufwärts fließen zu lassen. Deshalb sind für Tibeter die Legenden und Mythen. der den Buddhismus bereits mehrfach vor Angriffen durch Häretiker gerettet hatte.Siddhis -. zumindest ebenso authentisch wie historische Fakten.erfolgreich gelöst ist. An der ikonographischen Darstellung zeigt sich. Er ist tatsächlich die »Einheit aller Buddhas«. stellt sich erst gar nicht. wie auch der mächtigste Magier seiner Zeit zu sein. Er trägt die drei Roben der drei Fährzeuge übereinander: das orangefarbene Flikkengewand des Hinayanamönchs. Darunter trägt er das weiße Untergewand des tantrischen Adepten geheimer Übertragungen. 28 . unbeschadet in einem Scheiterhaufen zu überleben. Gift trinken. wenn die wichtigere Aufgabe . auf Wasser wandeln und selbstverständlich auch fliegen zu können. unter anderem in seinem Ursprungsort Bodhgaya. die symbolische Bedeutung des Meisters Padma. indem er in seiner Person das Wertvollste aller buddhistischen Schulen in Vollendung vereinigt und dadurch die Reinheit und Tiefe der ursprünglichen Intentionen und Ideale jedes der drei Fahrzeuge offenbart.eine innere Wirklichkeit zu vermitteln . n. Dabei waren seine.a. Sicher ist. bewies er die Fähigkeit. wichtigsten Argumente die Manifestation wunderbarer magischer Kräfte . dass er im 8. Dies war bis Anfang dieses Jahrhunderts in Asien die überzeugendste Weise. Chr. wie berichtet.Wirklichkeit. das blaue Gewand des Yogis der Mahayanatradition und den königlichen Brokatmantel des Vajrayanameisters.

Besonders bei der Überlieferung der Dzogchentradition scheint es entweder synchronistische Parallelen oder Berührungen gegeben zu haben. Tatsache ist. Schon vom 1. mehrere Tausend Jahre alt war. an waren wandernde Yogis und Siddhas aus Indien. ob wir es hier mit dem Begründer der buddhistischen Dzogchen29 . und dieses Vorhaben sowohl am Widerstand der Bevölkerung wie auch an schwarzmagischen Störmanövern scheiterte. den Buddhismus in Tibet als Staatsreligion durch den Bau eines Klosters einzuführen. als er zu dem Schluss kam. nach Tibet kam. Jh. dass es Hinweise auf eine kulturelle Bereicherung in allen Richtungen gibt. die zu dem Zeitpunkt ihrer eigenen Überlieferung zufolge bereits. So findet sich in der Linie der 24 Bönpatriarchen ein Shang-Shung Garab. DER BUDDHISMUS IN TIBET BIS ENDE DES 8. sondern auch der geistige Mittelpunkt des alten Königreichs Shang-Shung war. JAHRHUNDERTS Als Meister Padma. dass dem damaligen König von 1R Tibet. zum heiligen Berg Kailash in Westtibet gepilgert. Es gibt eine lebhafte Diskussion unter Gelehrten. Dort trafen sie auf die hoch entwickelte Bönkultur. was zu einem fruchtbaren geistigen Austausch führte. Trisong Detsen. hatte es dort bereits drei Wellen buddhistischer Missionstätigkeit gegeben. (Regierungszeit 755-97) Padmasamb- hava die einzige Rettung schien. König Trisong Detsens Ruf folgend. wer nun wen beeinflusste. was die Frage aufwirft.Es nimmt kaum Wunder. genau wie Hindu-Sadhus es heute noch tun. der nicht nur allen asiatischen Religionen als Achse der Welt galt.

ganz im Widerspruch zu den früheren. sondern ein Verständnis.Linie. Hier finden wir. Es ist jedenfalls nahe liegend. und 8. der mit den Shiva-Sutras von Vasugupta eine erste Blüte fand. Hier entstand ein eigenständiger zentralasiatischer Buddhismus. ob nicht auch der Kashmir-Shaivismus von tibetischen Bön-Meistern aus der Shang-Shung-Zivilisation am oberen Sutlejtal oder von buddhistischen Dzogchenlehrern aus 22 Oddiyana berührt wurde. Garab Dorje. der als Quelle der 23 Dzogchentradition vermutet werden kann. 30 . Hochwüsten und Kältesteppen mit ihren wenigen blühenden Oasen ist damit zugleich die Heimat einer äußerst vitalen Spiritualität. dass sich die ganze relative Welt als Energie (shakti) oder Spiel (lilas) von chit. zu tun haben. die allesamt die orthodoxen Konventionen ihrer Zeit sprengten. Diese scheinbar so lebensfeindliche Umwelt aus Schneebergen. auf einmal keine Ablehnung der Welt als maya. die sich in einigen der kühnsten geistigen Entwürfe der Menschheitsgeschichte ausdrückte. die die ganze manifeste Welt als Energie der Gewahrheit (Rig-pa'i rtsal) begreift. was auf einen Einiluss aus dem nahe gelegenen Kashmir deuten würde. eine Zone kultureller Diffusion anzunehmen. Wobei es durchaus offen bleibt. denn dort entstand ungefähr zwischen dem 6. Auch wenn der große Bönmeister Tapihritsa laut Jamgon Kongtrul eine Ausstrahlung Padmasambhavas gewesen sein soll. dualistischen shivais tischen Schulen. Jh. die vom nordöstlichen Afghanistan im Westen über Kashmir und Ladakh bis zum Kailash im Osten. also Täuschung. Dies erinnert an die Dzogchenlehre. über Khotan im Norden und die Wüstenklöster entlang der Seidenstraße bis nach Ostturkestan reicht. könnte der Name ebenso als Tapiraja gelesen werden. in einer höchst erstaunlichen Parallelentwicklung der revolutionäre Kashmir-Shaivismus. also der ursprünglichen Gewahrheit manifestiert.

da es in diesem offenen System jederzeit auf seinen Zustand Einfluss nehmen kann. in die alle drei Yanas in ihrer Essenz integriert sind. Deshalb ist es auch für das eigene Wohlergehen selbst verantwortlich. sondern eine Art offener Prozess im beständigen Wandel (Annicca. da die grundlegenden Lehren und Praktiken bereits zwei Jahre nach Buddhas Tod in einem großen Konzil aller Schüler unter Vorsitz von Ananda kanonisiert wurden. Diese Möglichkeit der Gestaltung des eigenen Schicksals unterliegt dem karmischen Gesetz von 31 . worauf Dzogchen als die höchste Praxis der Buddhas selbst offenbart wurde. Wesentlich dabei ist die Einsicht. Nun war das Vajrayana die Antwort auf das immer intellektueller werdende Geschehen an den großen buddhistischen Klosteruniversitäten. Pali) ist. von der Mahayanabewegung gesprengt worden. Doch auch das Vajrayana war im 6. Jahrhundert schon von so vielen kulturellen und sozialen Interessen geprägt. 37 im Haupttext). war und ist der geistige Höhepunkt des Vajrayana. oder Dzogchen auf Tibetisch. des diamantenen Fahrzeugs. dass das Individuum kein eigenständiges und abgegrenztes Selbst besitzt (Anatta). wo Doktrin und Ideologie die Suche nach der Erleuchtung im Hier und Jetzt verdrängt hatten. wie es sich im Hinayana oder Theravada entwickelt hatte.Maha Ati. Die wesentlichen Lehren sind die von den Vier Edlen Wahrheiten und die wesentlichen Praktiken sind in dem Edlen Achtfachen Pfad zusammengefasst (siehe Kommentar Nr. Jahrhunderte zuvor war in Indien das immer enger werdende Netz aus monastischen Regeln im Äußeren und innerer Verfangenheit in eine private Erlösungssuche. wie es die Siddhas und Adepten der großen tantrischen Revolution selbstbewusst nannten. Das Hinayana oder Kleine Fahrzeug wird von seinen Anhängern selbst Theravada oder die Schule der Älteren genannt. dass es sich oft in reiner Magie oder Esoterik erschöpfte. indem es den Pfad betritt.

des sich seiner wahren Natur bewussten 32 . dessen Wohlbefinden von äußeren Umständen abhängig zu sein scheint. beim Tod im Nirwana. Hier erkennt man. bereits erlöst zu sein. sondern alles immer nur Ausdruck des Absoluten gewesen ist. die man bisher als Selbst erfahren hat. Das Karma ist demzufolge nicht determiniert und wird somit selbst gestaltet. gesucht. schafft sich dadurch leidvolle Erfahrungen (Duhkha) und verstrickt sich tiefer in den leidvollen Kreislauf des Samsara. die eines selbst erlösten Arhats ist. Das Mahayana oder Große Fahrzeug sieht dagegen die Realisierung der allen Lebewesen immanenten Buddhanatur (Tathagatagarbha) als Ziel an. dass die höchste Stufe. dass es noch nie ein eigenständiges Selbst gegeben hat. Wer dies nicht erkennt und sich aus seiner Verblendung heraus an ein Selbst klammert. Deshalb ist die wesentliche Praxis die innere Reinigung. deren Ziel die Auflösung der blinden Verstrickung in Ablehnung und Begierde ist. die auf diesem Weg erklommen werden kann. Dennoch wird im Hinayana klar gesagt. Tatsächlich mündet in dieser Sicht die Buddhaschaft mit dem Erlöschen aller Prozesse. die mit der Erleuchtung zum Ende kommt. was zum Nirvana führt. In diesem Zustand ist man zugleich auch mit der wahren Natur aller anderen Wesen verbunden und erkennt klar. Über die Befreiung aus den samsarischen Zwängen oder Verstrickungen hinaus wird die direkte Erfahrung der bereits vorhandenen Einheit mit dem Absoluten (Dharmakaya) und damit die Erkenntnis. da sie nie objektiv existent waren. Auch wird der Buddha nur als historische Person gesehen. dass auch ihre Verstrickungen und daraus resultierenden Leiden völlig überflüssig sind.Ursache und Wirkung. Keine Spur bleibt zurück. der noch weit von der Buddhaschaft entfernt ist. Dies führt zum allumfassenden Mitgefühl (Mahakaruna).

ein abgetrenntes Selbst zu sein. Der mutige Entschluss des Mahayana-Anhängers ist es. Vajra wird' hier nicht wie im. sondern auch die äußere Wirklichkeit leer und damit wandelbar ist. Klarheit und Reinheit 33 . der auf einem hohen Erleuchtungsniveau die eigene Erlösung zurückstellt. für alle Zeiten wirken werden und heilsame Umstände für die leidenden Wesen schaffen. Von der Illusion befreit. dass nicht nur die eigene Person leer von einer abgetrennten Identität. So weiß der Bodhisattva.und Berufsleben bereits auf dem Pfad des Bodhisattvas bewegen kann. Hinduismus als Donnerkeil. Im Lauf der Zeit wurden nun auch noch die magischen Praktiken der prähinduistischen Mutterkulte des ursprünglich drawidischen Indiens einbezogen. Hatten die Hindugottheiten Buddha Shakyamuni' bereits bei seiner Erleuchtung Ehrerbietung für seine höchste Errungenschaft erwiesen. die mit der . Der Bodhisattva schöpft aus der Erkenntnis Mut. Diese waren äußerst wirkungsvolle psychologische Methoden. ein Bodhisattva zu werden. der auch Gottheiten unterliegen. arbeiteten.Identifikation des Yogis mit Gottheiten und heiligen Silben. wenn sie aus einer liebevollen Motivation erfolgen.Erleuchtungsgeistes oder Bodhicitta. die das Absolute widerspiegeln. diese Erleuchtungsaspekte im Hier undjetzt selbst zu verwirklichen. Die Aufliebung jeglicher Dualität ist das Ziel des Vajrayana oder Diamantenen Fahrzeugs. dass alle seine Handlungen. wurden nun auch die ältesten Gottheiten Indiens zum Buddhismus »bekehrt« und verkörperten nun einzelne Aspekte der Erleuchtung. sondern als Diamant aufgefasst. so genannten Mantras. um Unzerstörbarkeit. fand das Mahayana großen Zulauf unter den Laien. Sich selbst als eine dieser Gottheiten zu visualisieren wurde nun zum potenten Mittel. um alle anderen Wesen zu erretten. Da man sich aus dieser Sicht auch im alltäglichen Familien. wurden sie nun zu Sambhogakaya-Erscheinungen.

sondern alles schon immer rein und frei war. in dem die Buddhanatur nur als »Embryo« oder »Erleuchtungssame« (Tathagatagarbha) aufgefasst wird. die in 6 aufeinander aufbauenden Tantras realisiert wird. alle Klänge Mantras und alle Gedanken das ungeschaffene Absolute sind. in dem alle Orte Mandalas. alle Wesen Buddhas. Auch die Welt der Erscheinungen bedarf keiner Transformation oder anderer 34 . Damit geht das Vajra. da. dass die Übenden außerordentlich begabt sein müssen und nur nach der Ermächtigung durch Initiation (abisheka) von einem Meister die .Methoden anwenden dürfen. der sich dadurch auszeichnet. gilt im Vajrayana die Natur des Geistes bereits als Buddha selbst. Es ist die Übung des Buddhas selbst. wo die phänomenale Wirklichkeit letztendlich negiert wird. denn während im Mahayana die Natur des Geistes zu erkennen die Ursache für spätere Buddhaschaft ist. Allerdings wird auch betont. Deshalb heißt das Vajrayana auch das »Fahrzeug des Resultates«. dass es noch nie eine »gesonderte« Erleuchtung zu erringen gab.geheimzuhaltenden . der Yogi auf dem Weg der geheimen Tantras die Erscheinungswelt zum reinen Buddhafeld transformiert. anders als im Mahayana. Im Vajrayana ist die Buddhanatur als inhärente Weisheit oder ursprünglich reines Gewahrsein bereits voll entwickelt und enthüllt sich als die wahre Natur unseres eigenen Geistes. Aus dieser Sicht ist es offensichtlich. Dies ist besonders wichtig. den es zu entwickeln gilt.des Geistes zu symbolisieren. so viele Methoden und geschickte Mittel zu haben. So wird Vajrayana auch als »unverhüllter und müheloser« Weg beschrieben. wie es menschliche Anlagen gibt. Die innerste Essenz des geheimen Vajrayana schließlich ist die Große Vollendung (Maha Ati) oder Dzogchen.oder Tantrayana einen Schritt weiter als das Mahayana.

die ich je gab. Da alle Wesen diese Buddhanatur haben. der alle Neun Stufen der Wege übersteigt. und die störenden Emotionen befreien sich selbst. Da es für den Yogi nichts mehr zu erringen gibt. Dies Lehre bringt dir die Frucht der Verwirklichung ohne eine vorherige Ursache. denn sie ist das natürliche Erstrahlen der absoluten unaussprechlichen Wahrheit. Wer durch die Gnade seines Meisters die Geistübertragung (dgongs gynd) erhielt. Padmasambhava selbst habe gesagt: »Dies ist eine Lehre. in der die wahre Natur aufgezeigt wird. Sie bringt augenblicklich die spontan manifestierte Verwirklichung und befreit den Körper aus Fleisch und Blut am Ende des Lebens in die strahlende 35 . aber sehr wenige dies direkt erfahren. die anders ist als alle. Wenn alle karmischen Impulse sich so selbst befreit haben. Befreit von Hoffnung oder Angst erlebt er. löst sich der Körper in regenbogenfarbige Lichtstrahlen auf. So schreibt Longchen Rabjam im »Khandro Yangthig«. wenn man diesen Pimkt erkennt. Alle geistigen Konstrukte und mental fabrizierten Meditationen werden zerschmettert. Auch wenn sie schon immer Buddha war. wie sich der Knoten aus Spannungen und Neurosen löst und sich dabei alle karmischen Verstrickungen mit auflösen. Alle Stufen und Wege vollenden sich mühelos von selbst. wurden wir ohne den Segen des Meisters weiterhin auf das illusionäre Selbst starren. ist dieser Segen das Entscheidende.auch wenn die Buddhanatur jenseits von Ursache und Wirkung ist und keiner Entwicklung bedarf . ohne sie ändern oder unterdrücken zu müssen.bedarf es der Initiation. dass der ganz alltägliche Geist bereits das Absolute ist. Es ist der Gipfel. Allerdings . kann sich ohne Anstrengung oder Zielsetzung in seiner wahren Natur entspannen. wenn sich alle Phänomene als gleichwertig zeigen und die gewohnheitsmäßigen Reaktionen von Anhaftung und Ablehnung sich beruhigen.geistiger Anstrengung. erkennt er.

konnten neuen Wege erforscht und beschritten werden. König Lhatotori. verbargen das rätselhafte Geschenk als Zeichen magischer Macht in der Schatzkammer. Ich besitze diese Lehre und werde sie dir übertragen«. Der erste König dieser Dynastie. des Lesens unkundig. Es ist deshalb gar nicht erstaunlich. Diese Aussage musste in der damaligen buddhistischen Welt. Der König und seine Ratgeber. Nachfolgers. er und der Vater wären eins. dass diese revolutionäre Entwicklung in kleinen spirituellen Gemeinschaften abgelegener Randgebiete stattfand. Während zwischen Shang-Shung. der Gegend des heutigen Lhasa. für die Gott gänzlich außerhalb der Welt ein rein transzendentes Prinzip war. so schockierend und ketzerisch gewirkt haben. 254 n. Khotan. Oddiyana. die bereits den späteren Anspruch. Frei vom sozialen und kulturellen Druck der großen Zentren und ihrer Machtinteressen. in der Sicht der orthodoxen Juden seiner Zeit. Tun Huang in der Wüste Takla Makan und Chang-An in Nordchina die kreative Entwicklung einiger der bis heute bedeutendsten buddhistischen Lehren und Meditationspraktiken wie Dzogchen. wie die Aussage Jesu.eine Genealogie. Nyatri Tsenpo. Kashmir. zur größten politischen Macht Zentralasiens auf. Chr. sollen Wandermönche aus Turkestan dem König mehrere buddhistische Sutras und Ritualgegenstände überreicht haben.Gestalt eines Buddhas aus reinem Licht. angegeben. Zen oder Shingon stattfand. deren Hauptdoktrin das Gesetz von Ursache und Wirkung war. Die erste Begegnung mit dem Buddhismus wird zur Zeit des 28. Dharmakönige zu sein. vorwegnimmt. stieg langsam aber unaufhaltsam eine Dynastie tibetischer Stammesfürsten im oberen Yarlung-Tal in Zentraltibet. soll ein Flüchtling aus dem nordindischen Geschlecht der Shakyas und damit ein Blutsverwandter Buddha Shakyamunis gewesen sein . zusammen mit der Anwei36 .

Dennoch lamentieren zeitgenössische chinesische Quellen: »Wie können wir unsere Klassiker diesen barbarischen Feinden im Westen überlassen?.sung. Dieser vierte Nachfolger Lhatotoris und 32. Nicht an Sesshaftigkeit gewöhnt. die letzteren beiden unter der Bedingung. die bis nach Turkestan im Westen. den buddhistischen Kanon und Werke über Astrologie und Architektur. Kham und dem Kokonorsee im Osten und Nepal und Bengalen im Süden reichte. ließen die nomadischen Reiter keine Garnisonen zurück. Zunächst vereinigte er die noch unabhängigen tibetischen Stämme und machte Lhasa zur Hauptstadt. Die Handwerker. Sowohl der Herrscher von Shang-Shung wie der chinesische Kaiser und der nepalesische König nahmen Songtsen Gampo zum Schwiegersohn. Die chinesischen T'ang-Annalen bezeichnen Songtsen Gampo zwar als primitiven Wilden. Gelehrten und buddhistischen Mönche in ihrem Gefolge bauten für diese Statuen die ersten buddhistischen Tempel Lhasas: Ramoche und Rasa Trulnang. aber dennoch lag den überlegenen Kulturen an einem guten Verhältnis mit dieser neuen Großmacht. der bis heute als Jokhang Tibets heiligster Schrein ist. Mit einem riesigen Reiterheer von mehr als hunderttausend Mann führte er dann Feldzüge. als Banditen Waffen oder Dieben das -je Eigentum zu überlassen?«" Die chinesische Prinzessin Weng Cheng und die nepalesische Prinzessin Bhrikuti brachten als Mitgift schließlich nicht nur kostbare Seiden und Brokate und andere Luxusgüter. dass erst der vierte Nachfolger des Königs diese wieder hervorholen möge. König der Yarlung-Dynastie war Songtsen Gampo (608-649). Die metallene Buddhafigur 37 . dass er sich zum Buddhismus bekehren lasse. sondern auch zwei berühmte Buddhastatuen nach Tibet mit.Wäre das anders. die Mongolei und Burjätien im Norden. sondern forderten Tribut und zogen wieder ab...

Architektur. getraute sich Songtsen Gampo. die die ShangShung-Schrift beherrschten. Er entwickelte dafür ein eigenes Alphabet und eine neue Grammatik und Syntax. dazu geeignet. weil die Verwaltung des Königreichs von den Schriftgelehrten der Bön abhängig war. eine tibetische Schrift zu entwickeln. den letzten Shang-Shung-König. Nepal und Kashmir zurück ins tibetische Herzland. Geomantie und Astrologie sowie Bön-Rituale aus der Sprache von Shang-Shung übersetzt. Mit der zunehmenden Ausdehnung der Macht flössen immer mehr kulturelle Strömungen aus China. die darauf zugeschnitten war. Der zeitgenössische tibetische Meister Chögyal Namkhai Norbu sieht die Einführung des Buddhismus durch Songtsen Gampo als den Versuch. die komplexe Sanskrit-Terminologie exakt auszudrücken. seinen Schwiegervater. zu ermorden. Im Jahre 645 wurde dann das bis dahin unabhängige Shang38 . Die neue Schrift sei deswegen kreiert worden. Zur gleichen Zeit wurden von ihm auch chinesische Werke über Medizin.der Prinzessin Weng Cheng ist bis heute als Jowo Rinpoche die meistverehrte Statue Tibets. sich von dem Machtmonopol der Bönpriester aus Shang-Shung zu befreien. Im Auftrag des Königs schuf Sambhota auch einen Gesetzeskodex. Darüber hinaus überzog der König das Land mit einem Netz von 108 Tempeln. die auf geomantI~ sehen Kraftorten gebaut wurden und Tibet in ein riesiges Mandala verwandelten. die buddhistischen Texte aus dem Sanskrit zu übersetzen. Zuvor schon war der geniale Minister Tonmi Sambhota mit der Aufgabe betraut worden. die Macht auf sich zu vereinigen und die Verwaltung in Lhasa zu zentralisieren. dessen Gebote auf den zehn tugendhaften Handlungen des Buddhismus beruhte. Erst als die buddhistische Kultur hinreichend stark verankert war.

Ab Beginn des 39 .Chr. Tadschikistan und Kirgisistan vor. entschloss er sich zur Bekehrung mit Waffengewalt. Mit dieser griffigen Losung vereinte er die Beduinenstämme Arabiens. die unter seiner Führung bald die ganze arabische Halbinsel erobert hatten und nach seinem Tod darangingen. Bereits um 700 n. seine Offenbarungen als »letztgültige Wahrheit« wegen zahlreicher Ungereimtheiten nicht glauben konnten. er sei als »Siegel der Propheten« dazu berufen. annektiert. Als Juden und Christen. die jetzt nur noch in Besitz genommen werden müsse. Während Songtsen Gampo seine Machtbasis in Zentralasien ständig erweiterte. Im Ramoche-Tempel gab es sogar einen Raum für Darstellungen aus der Bon-Religion. Tatsächlich kam es durch diese Begegnung zu einer kulturellen Blüte: Das zu kühnen metaphysischen Schlüssen neigende Naturell der Tibeter fing an. einzugliedern. Nord. die letztgültige Botschaft Gottes an die Welt zu verkünden. das West-.Shung. ereignete sich tief in der arabischen Wüste etwas. den Rest der Welt in die Umma. wenn sie sich nicht freiwillig bekehre. an die er sich ursprünglich wandte. das kaum hundert Jahre später die Entwicklung Tibets fundamental beeinflussen sollte. die islamische Gemeinde. Trotz allem verlief zu dieser Zeit die Begegnung zwischen Buddhismus und Bon in Zentraltibet äußerst friedlich.und Nordosttibet sowie große Teile des indischen Himalaya und Westnepals umfasste. standen islamische Eroberer am Indus und 711 drangen sie nach Transoxanien ins Gebiet des heutigen Usbekistan. Einem zur Epilepsie neigenden jungen Mann namens Mohammed wurde in einer medialen Trance verkündet. dass Allah bereits die ganze Welt dem Islam geschenkt habe. Dazu verkündete er die Doktrin. auf einer hohen Ebene der Abstraktion die vielfältigen und komplexen Einflüsse zu einem einheitlichen geistigen Entwurf zu synthetisieren.

wie die Höhlenklöster von Bamiyan. und Afghanistans blühende buddhistische Zentren.000 Mönche und buddhistische Gelehrte von den Moslems massakriert wurden.und Zentralasien gezogen. Aber als die islamischen Eroberer 713 zum ersten Mal tibetischen Truppen in Zentralasien gegenüberstanden. in die Allmacht Allahs einzu40 . bis ihn die tibetischen Flüchtlinge 1959 auf ihrem Exodus nach Indien zurückbrachten. Viele Mönche und Meister flohen in den Himalayaraum oder über die Seidenstraße nach China. die den größten Einfluss auf Tibet ausgeübt hatte. Jh. waren bereits teilweise zerstört worden. und die nicht-islamischen Religionen fielen mehr und mehr ihren durchgreifenden Zerstörungsmaßnahmen zum Opfer. hatten beide Seiten noch keine Ahnung. brachten islamische Eroberer immer größere Teile Indiens in ihre Gewalt. Hier schloss sich ein Kreislauf.8. wo sie die mitfühlende Botschaft vom Weg der Befreiung aller Wesen zu bewahren suchten. In Khotan und entlang der Seidenstraße waren Klöster geplündert worden und erste arabische Vortrupps hatten sich auf dem indischen Subkontinent im Sind festgesetzt. bis 1203 das Kloster Vikramashila und. von Mohammed zu einem disziplinierten Heer von Gotteskriegern geeinten. arabischen Wüstenräuber erklären. Vielmehr ist es die religiöse Ermächtigung. denn es war gerade diese letzte Hochblüte des indischen Vajrayana-Buddhismus gewesen. Nur im Osten Indiens blühte der Buddhismus noch. welche Entwicklungen aus dieser Konfrontation entstehen sollten: Der noch nicht einmal 100 Jahre alte Islam hatte bereits eine Spur der Verwüstung quer durch Vorder. was das Ende des Buddhismus in Indien bedeutete. 1230 die buddhistische Universität Nalanda zerstört und über 20. Diese explosive Geschwindigkeit der kriegerischen Expansion lässt sich nur zum Teil durch den Hunger nach Reichtümern der.

wird in den spärlichen Quellen das Bild eines unentschlossenen Mannes gezeichnet. aber mehr noch nach Expansion und Tributen hungerte. war da als Schutzherrin die beste Zuflucht in Zentralasien. denn »Keine Gewalt und keine Macht außer durch Gott«. dass Gott euch unterworfen hat. der vom Koran gehört hat.Von Dusong. die buddhistisches Ideengut interessierte. aber nicht zum Islam übergetreten ist. vor dem sie nach Tibet flohen. Dieser neue Gott. Denn der Koran sagt klar aus: »Hast du nicht gesehen. 41 . Insbesondere. als das Reich seines Großvaters zu erhalten. In Tibet hatte sich bereits in der Zwischenzeit einiges vom Elan des Großen Dharmakönigs verloren. sondern zu assimilieren versuchten. Eine aufstrebende Dynastie. die so erfolgreich begeisterte. in ein Reich.gehen. der unter dem Einfluss machtgieriger Minister stand. da die tibetischen Könige und ihre Heere nur an Reichtum und Einfluss interessiert waren und die Kultur der unterworfenen Gebiete nicht zu vernichten. packt sie und tötet sie. die erfolgreich ist. bis ihr sie niedergemacht habt und (sonst) legt sie in Fesseln. denen kurzfristige Vorteile für ihren eigenen Clan mehr bedeuteten. schlagt ihnen die Hälse ab. dann auch keine Gnade erfahren. was auf Erden ist?« 33 Dabei darf jeder. »Wenn sie sich abwenden. der 25 Jahre nach dessen Tod den Thron bestieg. wo ihr sie findet« »Wenn ihr die Ungläubigen trefft. die Welt zu beherrschen. der unter seinen »99 Namen« solche wie »Der Eroberer« oder »Der Rächer« hat. indem man ihm hilft. Songtsen Gampos Enkel. um sie später zu begnadigen oder zu verkaufen.« Die Legitimation des Islam war und ist die Legitimation durch Macht. war den friedlichen buddhistischen Bewohnern des mittleren Ostens ein Alptraum. das gerade selbst hegemoniale Ansprüche auf Zentralasien zu stellen begann.

In diesem Machtvakuum gab es 704 einen Aufstand im tributpflichtigen Nepal, und Tibets Einflusssphäre wurde von Revolten in Shang-Shung und Umwälzungen, die durch den islamischen Druck in Zentralasien entstanden waren, geschmälert. In Tibet selbst verfolgten die Minister in einem großen konservativen Rollback sowohl Buddhisten als auch die reformierten Bön, die ihre Lehren mittlerweile durch die Auseinandersetzung mit buddhistischer Dialektik und Metaphysik als ein hierarchisches Lehrgebäude durchstrukturiert und ihre magischen Praktiken und uralten Meditationsformen philosophisch untermauert hatten. Me Aktsom, der seinem Urgroßvater, Songtsen Gampo, folgend auch eine chinesische Prinzessin heiratete und sein Reich beständig vergrößerte, gelang es zwar 714, Nepal zurückzuerobern, aber er hatte mit der Einführung des Buddhismus kein Glück. Auch trat er ein schwieriges politisches Erbe an. König Lalitaditya von Kashmir griff ihn offen an und korrespondierte mit dem chinesischen Kaiser, um ihn zu einem Bündnis gegen Tibet zu bewegen. Der chinesische Kaiser reagierte diplomatisch und beehrte Lalitaditya mit dem Titel eines »Fürsten von Kashmir« , was ihn zu einem Vasallen machte, ging aber kein Bündnis gegen seinen Schwiegersohn ein. So gelang es Me Aktsom, die Einflusssphäre Tibets nach Magadha, Bengalen und Uttar Pradesh in Indien zu erweitern. Politisch noch brisanter war die wachsende Verschiebung des Machtgefüges im mittleren Osten durch den Einbruch der islamischen Eroberer. In dem bislang schon von allen durchziehenden Eroberern und ihren ständig wechselnden Herrschaftsansprüchen gezeichneten Gebiet war die Invasion des Islam der erste Einbruch einer doktrinären und von ideologischer Begeisterung fanatisierten Armee, die Flüchtlingsströme, wie wir sie eigentlich nur in der 42
39

Moderne kennen, auslöste. Hier ging es nicht mehr allein um Macht, sondern um ein Weltbild mit Alleinvertretungsanspruch, dem man sich entweder beugen oder vor dem man fliehen musste. Nikolazzi führt dazu Folgendes aus: »Unter der Herrschaft von König Me Aktsom (712-755) wurde auch Tibet von wichtigen Ereignissen gezeichnet. In der ersten Hälfte des 8. Jh. vertrieben Muslime Massen von buddhistischen Mönchen aus Khotan. Die buddhistisch gesinnte Gattin des Königs von Tibet ließ diese freundlich aufnehmen. Sieben neue Klöster wurden gebaut. Dies war ein ungeheurer Aufschwung für den Buddhismus.« Die chinesische Prinzessin hatte bereits zahlreiche Zenmönche aus ihrer Heimat zur buddhistischen Mission ins Land gebracht und nahm nun die Flüchtlinge aus den von islamischen Raubzügen zerstörten Klöstern entlang der Seidenstraße und aus Afghanistan wie Bamiyan großzügig auf. Indem sie den neuen Klöstern gar zu große Pfründe stiftete, brachte sie aber das Volk gegen sich auf. Dem Herrscherpaar misslang es also, den Buddhadharma so zu präsentieren, dass er den Bedürfnissen der Bevölkerung entsprach. Er blieb ein elitäres Hobby der königlichen Familie, das ihren Untertanen als Verschwendung erschien und sie um so mehr entfremdete, als die ausländischen Mönche hinter den Klostermauern sich nur um ihre eigenen Meditationen und Rituale zugunsten ihrer hochgestellten Gönner bemühten. »Als die Prinzessin 740 starb und anschließend im ganzen Land eine Seuche ausbrach, wurde dies als ein Zeichen der erzürnten Geister gedeutet.« Das Resultat war, dass König Me Aktsom ermordet wurde und die mächtigen Adelsfamilien viele Buddhisten aus Furcht vor dem Einfluss der Mönche
43

vertrieben. Sein Sohn, Trisong Detsen, war damals gerade 13 Jahre alt, und wurde unter die Regentschaft der aufständischen Minister 43

und Adligen gestellt. Daraufhin musste er fünf Jahre lang hilflos die antibuddhistischen Ausschreitungen, die Zerstörung von Klöstern und Tempeln, angeführt von seinem Minister Ma-zhang, mit ansehen. Es scheint, dass er sich diesen Ereignissen schließlich dadurch entzog, dass er an der Spitze tibetischer Armeen daranging, Zentralasien zu erobern. Als China 763 den Tribut verweigerte, stürmte er die kaiserliche Hauptstadt Chang-An und setzte anstelle des Kaisers einen eigenen Kandidaten ein. 783 gab China offiziell seine Ansprüche auf die Mongolei und Turkestan an Tibet ab und Trisong Detsen war auf der Höhe seiner Macht. In dieser Zeit besann sich der König auf seine buddhistischen Wurzeln und lud 764 den Abt von Nalanda, Shantarakshita, und auf Anraten von diesem, im darauf folgenden Jahr Guru Padma nach Tibet ein, um dem Buddhismus in Tibet einen neuen Anfang zu ermöglichen. Aus verschiedenen Quellen wird deutlich, dass der König den Buddhismus aus durchaus machtpolitischen Gründen zur Staatsreligion machen wollte. Keith Dowman kommt nach ausführlichem Quellenstudium zu dem Schluss: »Die buddhistischen Legenden würden uns gerne glauben machen, dass diese Inkarnation Manjushris von da an darauf bedacht war, Tibet in ein buddhistisches Elysium zu verwandeln, aber sogar der Termatext >The secret Life and Songs of the Lady Yeshe Tsogyeh stellt den König als zwiespältig in seiner UnterStützung des Dharmas dar.« Die Eroberung von Tun Huang im östlichen Tarimbecken mit seinen berühmten Höhlenklöstern mag Trisong Detsen zu einigen Überlegungen angeregt haben. Er fand in Tun Huang eine buddhistische Hochburg voller gelehrter Mönche, frei von Familienbanden und Clan-Loyalität vor, die zugleich eine der 44

wichtigsten Verwaltungszentralen im westlichen Einflussbereich Chinas war. Sicher ist, dass er den dort lebenden siebten ZenPatriarchen Meister Hua Shang Mahayana mit einer Gruppe seiner Mönche nach Samye einlud, wo er ihn mit höchsten Ehren empfing und ihn bat, beim Aufbau des Buddhismus zu helfen. Offensichtlich suchte der König eine des Lesens und Schreibens kundige Beamtenschaft, die allein ihrem königlichen Gönner Loyalität schuldete und unabhängig vom einheimischen Adel eine zentralistische Verwaltung ermöglichen würde. Dazwischen hatte der als Dharmakönig kanonisierte Trisong Detsen lange Phasen, in denen er sich aus politischem Kalkül wieder seinen Ministern beugte. In diesen Phasen wurden nicht nur wichtige Übersetzer und Meister wie Vairocana und Namkhai Nyingpo, sondern sogar Guru Padma wiederholte Male für wechselnde politischen Koalitionen geopfert und in die Verbannung geschickt. Wie wir wissen, nutzte Padmasambhava diese Zeiten im Exil, so z.B. in den Jahren 766-770, um durch Tibet zu wandern und Meditationshöhlen sowie alte Kraftorte für den Buddhismus zu segnen und magisch »aufzuladen«. Die Legenden, wie er auf seinen Wanderungen die einheimischen Zauberer und Dämonen Tibets im magischen Wettstreit besiegte, sind ohne Zahl. So soll er dabei unter anderem die Fähigkeit zu Materialisation, zum Auftauchen an zwei Orten gleichzeitig - der Bilokation - und die Kunst des Fliegens demonstriert haben. Besonders hoch angerechnet wird ihm dabei, dass er die Erdgeister, Lokalgottheiten und Dämonen nicht nur bezwang, sondern sie zum Buddhismus bekehrte und sie durch Eide zum Schutz der Lehre verpflichtete. Auf magische Weise bereiste er ganz Tibet und segnete Meditationshöhlen und Einsiedeleien durch die Kraft seiner eigenen Übung, um zukünftigen Yogis den Weg zur Erleuchtung zu erleichtern. 45

das ich nicht besucht habe.. Bei seinem Abschied aus Tibet konnte er deshalb sagen: »Ich. Jahrhunderts retteten. um Tibet zu nützen .« Die längste und von ihrer Auswirkung bedeutungsvollste Rückzugszeit musste er 774 antreten. Wahrscheinlich ist. Pässe und Täler. Es gibt keinen Ort in Tibet.« und er verkündete: »In ganz Tibet. kam. Sicher ist.. und mäße es nur eine Armspanne. wissen wir nicht genau. die die tantrischen Übertragungslinien durch die Wirrungen des 9. von der Mitte bis zu seinen Grenzen. den ich nicht mit liebender Güte schütze. durch Tibet wandern musste. dass dort Meditation erfolgreich sein kann. die Prinzessin eines der sieben tibetischen Fürstentümer. dass er noch Anfang des neunten Jahrhunderts in Tibet weilte. gibt es kein Tal.Wie oft und wie lange er. denn das gab ihm nicht nur Zeit zur Meditation. Padmasambhava als Guru-Dakshina zum Geschenk machte. Padmakara. Vor allem durch diese Anbindung der ländlichen Bevölkerung an den Buddhismus wurde sein einzigartiger Ruhm als Heiliger und Erlöser begründet. als der König eine seiner Frauen. da er noch Trisong Detsens zweitem Sohn. dass er die Abwesenheit aus Samye nicht ungern hatte. Berge und Höhlen allerorten bis hinunter zur Größe eines Hufs habe ich gesegnet. den Dharma bei Nomaden und Bauern zu verbreiten. und 10. Yeshe Tsogyal. dass es ihre Hingabe und Treue war. Mutri Tsempo als Ratgeber diente. als ihm die Clanhäuptlinge und Minister nach dem Leben trachteten. Dieser offene Bruch mit altehrwürdigen 46 . Diese einfachen Dorfpriester und Schamanen verehrten ihn für die Verbreitung der tantrischen Lehren und des Dzogchen so sehr. Zum offenen Eklat mit dem einheimischen Adel war es gekommen. am Hof in Ungnade gefallen. sondern auch die Gelegenheit. Verschiedene Biographien sprechen von drei oder auch 50 Jahren. als in Klöstern und Städten der Buddhismus verfolgt wurde.

Diese vertraten. dem Thing der Germanen ähnlich.. um den König und die 25 Mahasiddhas in die höheren Tantras zu initiieren. Auch wenn dies erst in Umrissen zu ahnen war. sondern um die Neuverteilung von Macht und Reichtum. Yeshe Tsogyal blieb in Tirdrom zurück. Nun musste Trisong Detsen selbst um sein Leben fürchten. Padrnasambhava kehrte bereits 776 nach Samye zurück. Tatsächlich ging es aber auch hier wieder nicht allein um konservative Werte. ein hierarchisches Modell sowohl der Welt als Ganzes. wie die päpstliche Legitimierung für Karl den Großen in Europa zur gleichen Zeit. die den tibetischen Buddhismus bis heute entscheidend geprägt hat. die binnen weniger Jahrhunderte fast allen Besitz zugunsten der Klöster umverteilte. wie des spirituellen Weges im Besonderen. was politisch opportun war. Doch standen die Ziele der Pandits 47 . denn der König hatte für jeden buddhistischen Mönch sieben Familien zum Tribut verpflichtet und damit eine Entwicklung in Gang gesetzt. Hier kommen wir zu einer weiteren Widersprüchlichkeit in der Vorgehensweise des Königs. herrschen wollte. muss dies ähnlich attraktiv erschienen sein. hatte er zwar äußerst gelehrte. einen monastischen Beamtenapparat einzuführen.Traditionen und die Unterwerfung des Königs unter einen »vagabundierenden Wandermönch« führte zur offenen Rebellion der Minister unter Führung seines alten Widersachers M. Nun mussten der Guru und die Prinzessin für drei Jahre nach Tirdrom flüchten. widersetzten sich die mächtigen alten Adelshäuser instinktiv jeder Untergrabung ihrer Machtbasis. Als Legitimation für einen »himmlisch« autorisierten König.a-zhang. aber auch orthodoxe Pandits und Äbte aus Indien eingeladen. wo sie in einer bis heute als Pilgerziel berühmten Höhle die Erleuchtung fand. der unabhängig von der mächtigen Versammlung der Adeligen. In seinem Bemühen.

mussten sie diese Methoden nachts und im Geheimen praktizieren. dass es als innerstes. unaussprechliches Geheimnis für immer vor dem einfachen Volk verborgen blieb und der Yogi sogar in sich selbst eine innere Spaltung zwischen seinem wahren Wissensstand und dem. sogar Äbte unter den Yogis der »Großen Vollendung« gab. der besonders von den geheimen Tantras und der Dzogchen oder Maha-Ati genannten höchsten aller Meditationen angezogen wurde. die das unvereinbare. Dabei wurde vor allem der Zugang zu diesen Lehren und Meditationsmethoden nur denjenigen eröffnet. So waren die größten ihrer Vertreter. Diesen radikalen Ansatz zusammen mit genau der orthodoxen Hierarchie. manchmal als Häretiker geächtete vagabundierende Yogis. 48 . nondualistischen Sicht den Stufenweg zur Erleuchtung und verkündete im Gegensatz zu den grundlegenden buddhistischen Lehren. Auch wenn es einige angesehene Gelehrte. da es keinen getrennten Standpunkt gebe. von dem aus man sie erlangen könnte. die berühmten Mahasiddhas. Es wurde eine Vorschulung eingeführt. dass die Erleuchtung akausal sei.im Widerspruch zu den persönlichen spirituellen Neigungen des Königs. alle Rahmen sprengende Befreiungselement so kanalisierte. führte zu einer äußerst bemühten Umerklärung und Entschärfung der höheren Tantras und besonders der Dzogchen-Lehren zumindest in ihrer Darlegung nach außen. die alles als Wirkung früherer Ursachen beschreiben. was er davon zeigen durfte. manchmal als verrückt geltende. vollziehen musste. die ihn ablehnte. die völlig ins orthodoxe System integriert waren. Diese Schulen und ihre radikale Philosophie waren in Indien im Zuge der tantrischen Revolution gerade als Gegenentwurf für die verkrusteten Hierarchien monastischer Institutionen entstanden. Insbesondere Dzogchen verwarf aus einer radikalen. äußerst unorthodoxe. nach Tibet zu importieren.

49 . Metzgern und anderen verachteten Kasten praktiziert. Fischern. die. Gleichzeitig benutzte die tantrische Praxis Methoden. Die tantrische Revolution eröffnete die Möglichkeit zur Erleuchtung für das ganze Volk.B. die direkte Erfahrung suchten. die ihre Praxis im Geheimen im Rahmen einer monastischen Gemeinschaft ausübten. gesteinigt oder verbrannt zu werden. Maha-Ati und Mahamudra ob ihrer revolutionären Einfachheit sowohl von Hirten. die als unrein geltende Berufe ausübten. die im Untergrund operierte. Codenamen und geheime Treffpunkte (hier waren z.Dies war besonders für die breite Bevölkerung fatal. dass sie zu einem heilsamen Schock aus dem konditionierten Konsensusbewusstsein führten. die alle hinduistischen Glaubensvorstellungen nicht nur so verletzten. In Indien waren Tantra. Deswegen wurden die tantrischen Praktiker sowohl von hinduistischen Brahmanen wie buddhistischen Pandits verfolgt. Im besten Ealle wurden sie verstoßen. Verbrennungsstätten. Tantriker. wenn sie enttarnt wurden. anstatt den Mönchsstand und ein Jahrzehnte währendes Philosophiestudium vorauszusetzen. denen Ruf und Status wichtiger als die Erleuchtung war. in der oft das Gegenteil des Gesagten impliziert war. auf denen es spuken sollte. Notwendigerweise war Tantra in seiner Urform eine Art spiritueller Revolution. Adelige und wiederverkörperte Meister beschränkt. als auch von bedeutenden Pandits und Gelehrten. der Theorie überdrüssig. sondern damit auch bewusst eine Hemmschwelle für pharisäerhafte Gelehrte bildeten. liefen Gefahr. sehr beliebt) sowie eine metaphorische Geheimsprache benutzte. Nun wurden die befreienden Lehren den unteren Bevölkerungsschichten vorenthalten und auf Äbte. Webern. was für einen Gelehrten im rigiden Kastensystem Indiens ein Dasein als bettelnder Paria bedeutete. ja sogar entwickelt worden. einschließlich der niedrigen Kasten.

die diese geheimen Überlieferungen zusammen mit den kanonisierten buddhistischen Werken nach Tibet gebracht hatten. oder sich mittlerweile im Zuge des Jahrhunderte langen Außenseitertums ein gewisses elitäres ßewusstsein entwickelt hatte.Nun wären die Yogis der Großen Vollendung in Tibet gar nicht in Gefahr gewesen. die in Tibet seit dem 6. auf diese Lehren angesprachen. Vimalamitra und Vairocana. So mussten nun Padhmasambhava. sie überhaupt zu kennen. leugnen. dass das Gefängnis. Obwohl die meisten tibetischen Quellen von einer vernichtenden Niederlage der Zen-Fraktion in dieser mehrjährigen Debatte sprechen. Bis heute kann der Neuling im tibetischen Buddhismus deshalb erleben. und verteidigten ihn in langen Debatten gegen die radikale Lehre der jähen Erleuchtung des Zenbuddhismus. Es ist eine Ironie des Schicksals. von ihnen selbst mitgebracht wurde. diesen verinnerlichten Druck mit sich herum. Jh. Ob die Geheimhaltung nur noch eine romantische Verbrämung war. die die herausragenden Vertreter der Dzogchen-Übertragungslinie in Tibet waren. doch unglücklicherweise trugen die buddhistischen Mönche und Pandits. dem die tantrischen Yogis zu entrinnen versuchten. dass berühmte Meister. Lehrern und Meistern. von chinesischen Wandermönchen verbreitet wurde. Währenddessen lehrten in dem neu gegründeten Kloster von Samye die orthodoxen indischen Pandits im Auftrag des Königs den Stufenweg und seine Hierachie von Mönchen. den König und einen Kreis ausgewählter Herzensschüler im geheimen in der Klause von Chimpu unterrichten. da das hinduistische Kastensystem und seine rigiden Gesetze hier keinen Einfluss hatten. dass die Schule der stufenlosen Erleuch50 . zeigen die in den Höhlen von Tun-huang gefundenen Protokolle. dass diese Aufspaltung zusammen mit den Lehren nach Tibet expor46 tiert wurde. Tatsache ist.

ihre Dzogchenpraxis geheim. In der Institution eines Klosters gibt es Regeln. Ebenso radikal wurden ab 788 die einheimischen Bönlehren verfolgt. Auch von König Trisong Detsen wurde von Anfang an ein 51 . Dzogchen zuzulassen. da er in Samye seines Lebens nicht mehr sicher war. aber es entspricht nicht der Ordnung eines Klosters. da sie viele Aspekte klösterlicher Machtpolitik ad absurdum führen würden.. Der Zenpatriarch Mahayana Hua Shang musste um 800 verkleidet bei Nacht und Nebel fliehen. die besseren Argumente vortrug. Es gibt eine echte Entsprechung.. die zu überwinden sie aufgebrochen war... bricht das alles zusammen. Programme. ist es schwer. Systeme. die sich dort in die äußere Form hüllte. Der an der Universität von Neapel lehrende tibetische Meister Namkhai Norbu drückt es so aus: »Wir können in den Lehren Buddhas tatsächlich Dzogchen spüren. obwohl der König deren Dzogchen-Lehren ausdrücklich schützte und die Übersetzung aus der Shang-Shung-Sprache durch buddhistische Gelehrte durchaus förderte.tung. dass die höchsten Lehren und damit auch die das größte Potential zur Befreiung für alle Wesen beinhaltenden Methoden geheimgehalten werden. Dies rührte zu der bis heute anhaltenden schizoiden Praxis des Tibetischen Buddhismus. Aus diesem Grund halten einige Lehrer . Wenn du Dzogchen folgst.. wie Zen in Tibet auch genannt wird. das sich beinahe reflexartig auf das Alte Testament bezog.. Wenn du ein sehr großes Kloster mit präzisen Regeln möchtest.« So wurde also eine spirituelle Erneuerungsbewegung nach Tibet exportiert. das Jesus soeben durch ein »neues Gebot« überwunden hatte. der König aber aus Staatsräson die demokratischeren und unkontrollierbaren Zenlehren verbot und den Stufenweg indischer Prägung zur Staatsreligion erhob. Als Europäer könnten wir uns hier an das junge Christentum erinnert fühlen.

Mit bestem Gewissen versuchten sie nur das. zusammen mit dem Abt Shantarakshita. nämlich das unverfälschte Dharma vor Vermischung mit der indigenen Böntradition und den »häretischen« Zenlehren zu schützen.einmalig in der Geschichte dieser toleranten Religion . sondern fing nach dem Bau von Samye 786 damit an. denen sie entronnen waren. Das war eine in der Kürze der Zeit 52 . dass sich unter dem Eindruck der islamischen Bedrohung die buddhistischen Gelehrten . wie er liebevoll von den Tibetern bis heute genannt wird. Man kann das nur in dem Zusammenhang verstehen. was ihrer Überzeugung nach dem Wohl aller Wesen am förderlichsten wäre. dem Übersetzer Vairocana und Hunderten von Übersetzern und Gelehrten. Bedauerlich ist.inhärenter Widerspruch zwischen politischem Kalkül und spiritueller Sehnsucht eingeführt. dem großen Gelehrten Vimalamitra. reflektiert in dieser Rolle auch hier wieder durch sein Leben die ganze Bandbreite aller buddhistischen Schulen und Entwicklungen. dass hier höchst engagierte Menschen alles tun wollten. den riesigen Kanon aller buddhistischen Schriften ins Tibetische zu übersetzen.beinahe genauso ideologisch doktrinär verhielten wie die mohammedanischen Eroberer. DIE ÜBERTRAGUNG DER LEHREN fadmasambhava oder Guru Rinpoche . um den Vajrayana-Buddhismus indischer Prägung vor der Zerstörung zu bewahren und zum Nutzen zukünftiger Generationen in einer geschützten Enklave möglichst rein zu erhalten. an dessen Spannungen der tibe52 tische Buddhismus bis heute leidet. Er gab nicht nur die esoterischen Lehren weiter.»Kostbarer Lehrer« -.

und chinesische Zenmeister. begründen. Als tibetische Truppen 790 die islamische Expansion aufhielten und bis tief ins persische Sassanidenreich eindrangen. Mit Sicherheit war ein anderer Faktor die bereits erwähnten ersten Einfälle islamischer Horden in Indien. jahrelang in ein kaltes Barbarenland zu gehen. die seit 53 . Um diese Zeit herum tauchten bereits die ersten prophetischen Schriften wie das Kalachakra-Tantra über die islamische Bedrohung des Buddhadharma in Indien auf. dort die buddhistische Lehre für die Nachwelt zu erhalten. das für eine kurze Zeit zu einem Treffpunkt der geistigen Größen Asiens wurde. gigantische Unterfangen brachte einige der größten Meister des Buddhismus aus Indien und China nach Tibet. Deren erklärtes Ziel war neben Plünderung und Landnahme die Zerstörung des Buddhismus.' Die Tibeter wurden erst durch eine Koalition zwischen den Chinesen und dem Kalifen Harun AI Raschid in ihrem Vormarsch an den Ufern des Oxus gestoppt und konsolidierten ihre Macht in »Splendid Isolation« in ihrem Schneeland.D Dieses Jahrzehnte dauernde. die im Licht der Ereignisse in Afghanistan glaubhaft erschienen. das Buddhadharma im Schneeland einzuführen. Deren Begeisterung darüber. Diese großen Meister Indiens und Chinas verbrachten Jahre im Kloster Samye. dass Tibet das in dem Kalachakra-Tantra und dem Shambala-Mythos beschriebene verborgene Reich sei. Neben den buddhistischen Panditas aus Bengalen waren es die berühmten Ati-Yogis aus Kaschmir und Turkestan. So erschien es wichtig. schien es. lässt sich nur teilweise mit dem Enthusiasmus.heute kaum mehr vorstellbare Hochleistung der menschlichen G eistesgeschichte. in dem der Buddhismus den islamischen Sturm überleben und von wo aus er sich am Ende der Zeit wieder zum Wohle aller Wesen verbreiten würde.

die Tun Huang-Chroniken 775) und der unglücklichen Debatte zwischen den indischen Anhängern des Stufenweges und den chinesischen Zenmönchen (Dowman nennt das Jahr 808. durch die kulturelle Entwicklungen und neue spirituelle Ideen pulsierten. die sich hier auf engstem Raum begegneten. Afghanistan und Turkestan ein einziger großer kul54 . verstehen. wenn wir die wichtige kulturtragende Funktion Zentralasiens durch das Medium der Seidenstraßen. Drenpa Namkha und andere im Geheimen die Dzogchenlehre der Großen Vollendung aller neun Yanas oder Wege zur Erleuchtung formulierten. Wir können den Einfluss des Zusammenlebens so vieler Meister in Samye auf die ganze asiatische Geistesgeschichte nur erahnen. In der Zeit zwischen dem Bau Samyes (Dowman nennt das Jahr 769. dessen Auswirkung bis heute spürbar ist. war das ganze Gebiet »Mittelasiens« zwischen dem Iran. fanden hier Zuflucht. China und Indien miteinander verbanden. die Tun Huang-Chroniken 794). sowie die einheimischen Schamanen Tibets und Burjätien. Vimalamitra. welche positive Auswirkung die offene Begegnung verschiedener spiritueller Traditionen haben kann. fand ein fast 30 Jahre währendes Experiment gegenseitiger geistiger Befruchtung statt. Wie Daisaku Ikeda in »Buddhismus. die diesen Geist der Offenheit beendete. während dessen Padmasambhava.wenn auch nur umständehalber — das erste ökumenische Konzil der Welt statt. Sie waren über ein Jahrtausend lang nicht nur die wichtigsten Handelsstraßen. Vairocana. die dem mohammedanischen Druck im Iran entflohen waren. die die wirtschaftlichen und politischen Zentren von Rom. und zwar über große Zeiträume hinweg. das erste Jahrtausend» darlegt. Selbst Zarathustra-Anhänger.Jahren in Tibet missioniert hatten. In der Tat fand in Samye . Die kurze Zeit. mag auch für heute ein Beispiel geben. die es währte. sondern auch die Schlagadern.

das auf griechisch und aramäisch. wenn es anderen Wesen nützen könnte. die das Allerbarmen und die Erlösung aller Lebewesen zu ihrem Leitmotiv gemacht hatte. der Muttersprache Jesu. die bereits seit Alexander dem Großen die hellenische Geisteswelt beschäftigten und von Kaiser Ashoka ganz aktiv auch nach Westen verbreitet wurden. In diesem Bestreben. die Erleuchtung nur zur Selbstbefreiung zu suchen.. ist es äußerst unwahrscheinlich. niedergeschrieben wurde. setzte sich das Mahayana über die frühere Sicht. dem Mahayana.tureller Bereich. alle Wesen zu erlösen. dass Jesus von Nazaret nichts von den buddhistischen Lehren gewusst haben soll. Hier verschmolzen einzelne Entwicklungen und Einsichten der verschiedenen Räume zu einem Ganzen und wurden von hier aus verbreitet. diese einengenden Gesetze zu durchbrechen. Indien und dem Mittelmeer sogar als die kulturelle »Zentralregion« Eurasiens. Eine Reihe bedeutender japanischer Buddhismus-Forscher folgen dieser Sichtweise und versuchen. es an der wechselseitigen Beeinflussung von Buddhismus und Christentum zu beweisen. Beleg dafür sind ihnen unter anderem der Fund eines Ediktes des Kaisers Ashoka in Afghanistan. Besonderes Indiz ist die große Übereinstimmung der frohen Botschaft Jesu mit der gerade hundert Jahre alten Erneuerungsbewegung im Buddhismus. Hier formulierte das Mahayana ganz kühn. der »fortschrittlicher und weltmännischer« war als die Machtzentren. so wäre dies ein ganz besonders 55 . Wenn wir bedenken. hinweg und verwarf viele der engen Regeln des Theravada-Buddhismus als egozentrisch. dass es erlaubt sei. die er verband. dass bereits zehn Jahre nach seinem Tod die ersten christlichen Gemeinden an der indischen Südküste entstanden. Sollte man dabei selbst die negativen Folgen solcher Transgressionen zu tragen haben. Der japanische Kulturanthropologe Tadao Umesao betrachtet das Gebiet zwischen der Seidenstraße.

sondern brachte höchstwahrscheinlich auch die bei dem großen Konzil in Samye neu formulierten Synthesen der bisher separat erfolgten Entwicklungen und Erkenntnisse in den weit auseinander liegenden Zentren der buddhistischen Welt als Maha Ati zurück nach Arya Desha. die manche Forscher an den christlichen Abendmahlsritus nestorianischer Christen erinnern. Dies alles zeigt. dass Zentralasien nicht nur ein Knotenpunkt für den Handel war. Auch scheinen buddhistischen Forschern die Gleichnisse Jesu. Tatsächlich findet sich auch heute noch. und tatsächlich gab es über längere Zeiträume hinweg nestorianische Bischöfe in Tibet. wie diese Beispiele uns zeigen. auch neue Ideen und kulturelle Neuerungen verbreitet. Es gibt weitere Beispiele für die Diffusion tantrischer Riten 56 . das »noble Land«. wie Indien noch heute bei den Tibetern heißt. Dies erinnert sogleich an die ebenso kühne Auseinandersetzung Jesu mit dem alle Aspekte des Lebens reglementierenden jüdischen Gesetz. sondern dass entlang der Karawänenstraßen. die China im Osten. Genauso wenig transportierte diese Ader den kulturellen und spirituellen Pulsschlag nur von Indien nach Tibet. Andererseits gibt es Elemente in den tantrischen Langlebenspujas. dem er Liebe und Barmherzigkeit als »neues Gebot« gegenüberstellte. Es wäre äußerst kurzsichtig. bei hinduistischen Sadhus eine Tradition des »Ati-Marga« oder höchsten Weges. eine Buddhastatue sogar in Schweden entdeckt wurde. dass Entwicklungen nur in eine Richtung gehen. ja sogar entwickelt und selbstbewusst zu einer Synthese verschmolzen wurden. Indien im Süden und Rom im Westen verbanden. wie das vom Sämann oder vom Senfkorn (Mt 13) und das Gleichnis vom verlorenen Sohn CO (Lk 10) direkt aus buddhistischen Lehrreden übernommen . Tatsache ist. wenn auch in einer leicht degenerierten Form. zu glauben.tugendhaftes Opfer. dass sich Buddhabildnisse auf griechischen Münzen finden.

Sir John Woodroffe beschreibt einen als Chinacara (chinesische Praktiken) bekannten tantrischen Kult. Unter den 25 Mahasiddhas waren. die aus dem buddhistischen Tibet oder Kham stammen sollen. wird es durch viele Indizien untermauert. Die Dzogchen-Philosophie beinhaltet viele Anklänge an andere Schulen Asiens wie Bon. Jh. Darüber hinaus zitiert der Kagyü-Gelehrte Garma C. Agehananda Bharati weist sogar auf über ein Dutzend tantrischer Texte und Traditionen im hinduistischen Indien hin. Kashmir-Shaivismus und den chinesischen Ch'an-Buddhismus. ein buddhistischer Text aus dem Nepal des 12. ein namhafter Bönmeister. Chang 57 . oder Pemakö in Osttibet) stammen soll. beide auch wichtige Glieder in der BönÜb ertr agungslinie.und Texte aus Tibet nach Indien. der in Bengalen weite Verbreitung fand und aus Bhotia (Tibet) oder Mahacina (Kham. die von dem großen indischen Weisen Nagarjuna aus Tibet gebracht worden sein soll. AU dies gibt Anlass zur Vermutung. Besonders interessant ist das Sadhanamala. da es den Ritus der DzogchenSchützerin Ekajata beschreibt. weil sie es als Angriff auf die Authentizität ihrer buddhistischen Übertragungslinie werten. Denn sein wahres religiöses Genie lag in der Integration der verschiedenen Traditionen in die buddhistische Weltsicht und in der Essentialisierung aller buddhistischen Meditationen in der Dzogchen-Lehre und -Meditation. Drenpa Namkha.. und der bedeutende Übersetzer Vairocana. wie bereits ausgeführt. dass Dzogchen tatsächlich zur Zeit Guru Rinpoches in Samye als höchste Synthese aller buddhistischen Meditationen entwickelt und nach Indien reimportiert wurde. Auch wenn die Gelehrten der Nyingma-Tradition dies vehement ablehnen.

die Samen des Verstehens. seine Söhne und die Königin. versiegelt und dann sofort als Terma oder geheimer Schatz verborgen werden. Darin pflanzt er in den großen vollendeten Yogis Tibets. Zusätzlich war Nyang Wen Tingzin Zangpo der persönliche Priester und Zeremonienmeister des Königs und ein führender Vertreter des C'han (Zen)-Buddhismus. bezeichnen. zeigt sich. eines Meisters von nicht geringer Verwirklichung. die er um 775 in der Einsiedelei von Chimpu an die 25 Mahasiddhas gab. des Yogas der Großen Vollkommenheit. Yeshe Tsogyal sowie Nyang Wen Tingzin Zangpo. welche Wertschätzung der Lehrer des Königs diesen profunden Unterweisungen einräumt. 58 . um in der Zukunft verbreitet werden zu können. auf die die verschiedenen Traditionen der Nyingmaschule zurückgehen. Sein größtes Geschenk an Tibet. der selbst der Nachfolger Vimalamitras und damit der erste Linienhalter der tibetischen Dzogchentradition war. Deshalb musste auch Padmasambhava seine eigenen Belehrungen nach der Vertreibung der Zenmeister aus Tibet in der Form von Termas und Schatztexten verstecken (s. die Formulierung und Übertragung der Dzogchenlehre. Die Belehrungen erfolgten auf die Einladung des Nyang Wen Tingzin Zangpo.historische tibetische Quellen. Aus dem Respekt. zusammen mit Vimalamitra und Vairocana blieb auf diese Weise der Welt erhalten. die die Dzogchen-Lehre als »chinesisches Dharma«. also als Häresie. 69 Der vorliegende Text besteht aus prophetischen Belehrungen des Guru Padmasambliava. Anhang). wie sie bei zukünftigen Wiedergeburten die Probleme der entsprechenden Epoche lösen können. Zu diesem innersten Kreis gehörten der König selbst. Trotz der Schirmherrschaft des Königs bei diesen Belehrungen mußten sie aus politischen Gründen niedergeschrieben. den Zangpo in seinen Fragen ausdrückt.

als in den dunklen Zeiten der Religionskriege die »lange Übertragungslinie« . und Heilkräfte erwachsen dem. wächst über sie 59 . dass historisch ein äußerst erfolgreicher Beitrag Padmasambhavas zur Entwicklung des Buddhismus in Tibet die Vereinigung schamanischer Praktiken mit der buddhistischen Erleuchtungslehre war. Diese besonders wirkungsvollen schamanischen Techniken der Visionssuche waren es.Aus der heutigen Zeit gesehen sind diese Texte nicht nur hochaktuell. Heute ist es gerade diese visionäre Kraft des tibetischen Buddhismus. Unter extremsten Umständen. inmitten eines Genozids unvorstellbaren Ausmasses.der Termas . Beschwörungen und symbolische Magie. die die Kontinuität der Lehre garantierten. der sich bewusst den krankheitsverursachenden Dämonen von Hass. gelingt es den Tibetern.ein Anlass zur Hoffnung für die ganze Menschheit zu sein.selbst verzweifelt . Denn genau wie in der schamanischen Initiation oder bei der tibetischen Chöd-Meditation beginnt die Heilung in der existentiellen Krise der Todeserfahrung. ohne selbst im Bewusstsein von Furcht oder Abwehr überwältigt zu werden.die Lehre erhalten blieb. Angst und Gier opfert. Wer sich von diesen zerfleischen und fressen lässt. sondern es zeigt sich. aller Welt die Kraft des Mitgefühls und des Erleuchtungsgeistes vor Augen zu führen und .weil sie von Meister auf Schüler mündlich über alle Generationen bis heute weitergegeben wurde . die weltweit Inspiration und spirituelle Impulse gibt. Maskentänze und Feuerzeremonien und insbesondere die Visionssuche durch Isolation in der Wildnis oder sogar der völligen Dunkelheit eines eingemauerten Retreats. Denn viele bis heute in Tibet gebräuchlichen Praktiken sind schamanischen Ursprungs: Singen und Trommeln.empfindlich gestört war und nur durch die visionäre Offenbarung der verborgenen Schätze .

dass zu der Zeit. um der Zerstörung. in dunklen Zeiten zu entgehen und zur angemessenen Zeit die richtige Wirkung zu entfalten. dem März 1998 Karl Scherer .. Boudhanath. wenn »eiserne Vögel fliegen.hinaus und kann sie nun beherrschen und die Krankheit zu Wachstumsimpulsen transformieren. deren Same von dem legendären Guru zur Zeit. im wunscherfüllenden ersten Monat. die Menschen zukünftiger Generationen.« Da diese Texte verborgen wurden. wenn ihr mit Hingabe und Vertrauen an mich denkt. Möglicherweise bewirkt die damals vorausgesagte blutrünstige und brutale Zerstörung Tibets eine globale Initiation in das erleuchtete Bewusstsein des Allerbarrnens.. Guru Padmasambhava hatte vorausgesagt. dass dies jetzt und in dieser Form geschehen möge. gelegt wurde. das Dharma nach Westen ginge«. Um mit den Worten Padmasambhavas selbst zu schließen: »Ich habe Glück verheißende Umstände geschaffen und ich werde den Wesen in einen endlosen Strom immer wieder neu erscheinen. ist unser Gebet. Mögen alle Weggefährten schnell zur Verwirklichung des Zieles gelangen. Ihr. Shechen Ling. als diese Texte entstanden. werdet meinen Segen spüren. .

dem 12. Dieses Gebet w u r d e am Glück v e r h e i ß e n d e n 15. anlässlich der Veröffentlichung dieses Buches v o n W a g h e n d h a r a Dharma Mati (Khyabje Trulshik Rinpoche). März 1998. DER DIE VERKÖRPERUNG ALLER OBJEKTE DER ZUFLUCHT UND UNTRENNBAR VON MEINEM EIGENEN WURZELLAMA IST. gesprochen u n d v o n Tulku Pema Wangyal übersetzt. MÖGE ICH DIE FÄHIGKEIT BESITZEN. DIESE DIAMANTENEN WORTE IN DIE TAT UMZUSETZEN.AUF DIE FRAGEN DES NYANG WEN TINGZIN ZANGPO DURCH DIE LIEBENDE GÜTE UND DEN SEGEN DES VIDYADHARA VON ODDIYANA. Tag des ersten Monats des Erd-Tiger-Jahres. 61 .

62 . durch Felsen gehen zu können.Nyang Wen Tingzin Zangpo war Hofpriester und Minister des Königs und zugleich einer der führenden buddhistischen Meister seiner Zeit der Padmasabhavas Geheimlehre niederschrieb. verbarg und in seiner späteren Inkarnation für unsere Zeit offenbarte. Durch seine spirituelle Praxis erlangte er die Kraft.

India) entnommen ist. lotusgeborenen. Der vorliegende Text ist ein Auszug aus dem Könchog Chidu Zyklus. Rinp. entstand. So wird der Text dem.Entnommen aus dem Könchog Chidu Zyklus. Die sechs Bände enthalten die Sammlung aller Schätze. die mich mit meinem Lehrer verbinden. frei von Täuschung. der in der Form von Dorje Thötrengtsal . 63 . als die Verkörperung aller siegreichen Erleuchteten erkannte.T. (T. Voller Verehrung wird die Anwesenheit Guru Rinpoches beim Lesen dieses Textes angerufen. Mögen diese Fragen und Antworten den Geist erfreuen und erhellen. vollendeten Buddha.der unzerstörbaren Kraft befreiter Zwanghaftigkeit . der mit wachem Geist liest. genauso unmittelbar zugänglich wie den ursprünglichen Zuhörern. Ogyan Kunzang Chokhorling. Darjeeling. den ich. Padmasambhava. Nyong Wen Tingzin Zangpo: Durch meine ausdauernden Gebete und den Segensstrom. dem Bewährer des Schatzes allwissender Einsicht.erscheint und die Natur aller Buddhas in sich vereinigt Diese Einführung ist zugleich Quellenangabe und Segenswunsch. bin ich im Alter von 21 fahren dem großen Guru Rinpoche begegnet. Der übersetzte Text findet sich auf den Seiten 307-335. Verehrung dem leuchtenden. der Kraft der heiligen Eide. der dem Band I der Six Volumes of jatshon. der tiefgründigen Lehre von der Großen Vollendung. die von dem großen Tertön Jatshon Nyingpo aufgefunden wurden.

Die Kraft meiner guten Taten führte mich zur Pilgerschaft nach Bodh Gaya. Wie wundervoll! Die folgenden Unterweisungen und Antworten gab Guru Rinpoche. als Begründer der tibetischen Dzogchen bzw. In diesem Leben verwirklichte ich die vollkommene "Erleuchtung. Da ich König Trisong Detsen durch Einweihung zur Reife geführt habe. als der König und die Königin Tsogyal. Dann würde die Dunkelheit. an dem Buddha Shakyamuni unter dem Bodhibaum die Erleuchtung fand. viele Schüler und ich. wie Padmasambhava in Tibet genannt wird. und als Schüler zu vielen der Weisen Indiens. Anhang) wiederfinden würde und sie großen Nutzen für alle. bringen würdeii. die alle Wesen unter dem Himmel einhüllt. wurde ich sein Lehrer und gewann seine Verehrung. Allgemein gilt Dzogchen in Tibet als die schnellste und unkonventionellste Methode zur Erleuchtung. Es wurde vorausgesagt. in der Einsamkeit der Klause Chimphu 64 . Das »Vima Nyingthig« ist einer ihrer essentiellen Texte und Üb ertrag ungslinien. Ati-Yoga-Schule. Auch wurde allein mir anvertraut. Ich übersetzte zahlreiche ihrer Lehren ins Tibetische. Bis ins hohe Alter von 84 fahren erfuhr ich den Segen. durchbrochen werden. die sich mit diesen Lehren befassen. beinahe beständig bei Meister Padma verweilen zu dürfen. dass ich in Zukünftigen Zeiten die verborgenen Schätze spiritueller Unterweisung (s. Vimalamitra gilt neben Guru Rinpoche. dem diamantenen Thron. das »Herz der Lehre von Vimalamitra« zu übertragen.

den Buddhismus zu etablieren 65 . Er lud Hunderte von buddhistischen Lehrern. den Abt Shantarakshita und den Dzogchenmeister Vtmalamitra. nach Tibet ein.Tnsong Detsen war der mächtigste König Tibets aller Zeiten. darunter auch Padmasabhava.

Solchermaßen fing er zu sprechen an: 66 . um die geheimen Unterweisungen des tantrischen Wegs zu erhalten. Auf meine Bitte hin lehrte Guru Rinpoche und klärte anschließend all unsere Zweifel und Fragen. Kloster Samye versammelt waren.nahe dem.

wie schwierig es ist. dass sie in dem ewigen Kreislauf von bedingtem Entstehen und Vergehen gefangen sind. Erkennt die Vorteile und den Segen. die ein verantwortungsvolles und 67 . würden sie nur noch tun.GRUNDLEGENDE ANWEISUNGEN ort bitte alle genau und aufmerksam zu! Die Wahrheit der Lehren hat das Leben der Menschen dieses Landes. dass sie das Anhaften am Materiellen loslassen müssen. um frei zu sein. Sie haben nicht erkannt. dass sie zu weiterem Leid führen. Erkennt das Gesetz von Ursache und Wirkung und übt deshalb etwas Zurückhaltung bei euren Handlungen. wenn ihr merkt. Ihr Wesen wird von meditativen Einsichten über Tod und Vergänglichkeit nicht im Geringsten berührt. noch in keiner Weise durchdrungen. Wenn sie bedächten. die sich spirituell nennen. Wie wäre es sonst möglich. dass sie ziemlich gleichgültig und faul sind und sich nur gelegentlich ernsthaft bemühen. was wirkliche Bedeutung hat. sehen deshalb nicht. derart günstige Bedingungen für eine spirituelle Praxis zu haben.

hat nichts mit Moralismus zu tun. Dann wird. unter den Myriaden von fühlenden Wesen einen kostbaren Menschenkörper zu erhalten. tatsächlich zur Erleuchtung zu gelangen. selbst die Lehre der Wahrheit zu unserem Verderben. die ja immer eine Einheit ist. so verletzen wir letztlich uns selbst und ziehen uns von. zurück. Gute Taten zu tun und zu vermehren. dass Mitgefühl und Erbarmen die einzigen realistischen Voraussetzungen dafür sind. 68 . Wenn wir jemanden verletzen. Sonst kann der spirituelle Weg leicht zur Sackgasse von Selbstbespiegelung und -Verliebtheit werden oder zum Irrweg. Wenn wir uns gegenseitig gut behandeln. Die erste ist die Kontemplation über die verschwindend geringe Chance. In äußerster Knappheit umreißt Guru Rinpoche hier die vier grundlegenden Kontemplationen. und wir bewegen uns auf die Erleuchtung zu. offenbart sich diese Einheit.ethisches Handeln bringt und vermehrt täglich das Konto eurer guten Taten. sondern ist der Schlüssel zur Erleuchtung. Deshalb weist Guru Padmasambhava in den nächsten Zeilen darauf bin. Das Anhäufen guter Taten für eine bessere Wiedergeburt oder sonstige materialistische Vorteile jedoch verstärkt letzten Endes diesen Geist der Getrenntheit. der Erfahrung der Erleuchtung. weil wir essentiell nicht voneinander getrennt sind. mit dem tatsächlich die Erleuchtung leichter als in allen anderen Lebensformen erfahren werden kann. sein Leben der Erkenntnis der Wahrheit und ihrer heilenden Kraft für alle Wesen zu widmen. die unseren Geist aus der Verstrickung in die relative Welt bedingter Existenz lösen und zum Absoluten hinwenden. Das Resultat dieser Kontemplation ist der feste Entschluss. egoistische Vorteile aus ihm gewinnen zu wollen. wie Patrul Rinpoche sagt.

Das Resultat dieser Übung wurde von einem chinesischen Zen-Meister so formuliert: »Gutes tun. dass es nichts festzuhalten gibt und dass damit auch alles offen ist! Die dritte Kontemplation ist darüber. wie alle Dinge und Erfahrungen aus mehreren Ursachen. sich reiben und zerfallen. das wir eines Tages selbst erfahren werden. dass jede Handlung . Böses lassen und den eigenen Geist klären . was jede unserer Handlungen bei anderen bewirkt hat. zu vergegenwärtigen. bevor er initiiert wird! Alle Beispiele der nächsten Kapitel dienen 69 . deren Teilchen ständig aufeinanderprallen. haben sie keine Eigennatur. Diese Kontemplation ist durchaus analytisch und wissenschaftlich und führt durch alle Lebensbereiche.ob positiv oder negativ . von ihrer Umwelt abhängig und dem Wandel unterworfen sind. Wir führen uns am Beispiel irgendeiner Handlung des Tages vor Augen.Die zweite Kontemplation ist die Vergegenwärtigung der Vergänglichkeit aller Erscheinungen. Da sie eine oder mehrere vorausgehende Ursachen haben. was in dieser Welt besteht. Sie sind leer von einer unabhängigen Identität oder einem eigenständigen Selbst. welche Wirkungen sie auf andere hatte und wie wir uns in ihrer Haut fühlen würden. Faktoren und Elementen zusammengesetzt sind. ist frei von einem intrinsischen Leiden! Alle vier zusammen entsprechen den grundlegenden Übungen der alten Schule. Nichts. sich das Leiden aller Lebensformen. die aus verschiedenen Faktoren zusammengesetzt. Schritt für Schritt versuchen wir nachzufühlen. Am Schluss müssen wir erkennen.ist die Essenz der Lehren aller Buddhas.« Die vierte Kontemplation besteht darin. Hier meditiert man darüber. Wir erkennen als Ziel dieser Kontemplation. die jeder spirituelle Sucher absolvieren muss. Da sie zusammengesetzt sind. werden sie auch wieder zerfallen. dass sogar die Atome.zu einem Resultat führen wird.

besser zu sein als ihre Mitmenschen. auf dem Weg der Wahrheit zu gehen. Fangt an. Daher können sie auch nicht das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden. und deswegen glauben sie. Erweckt jeden Augenblick den Geist der Erleuchtung und des Mitgefühls für alle Wesen. um eine ernsthafte Motivation für den spirituellen Weg zu haben. das heißt.für diese Übungen als Vorstellungshilfe. Würden die Menschen das tun. Die Menschen lesen wenig Wertvolles. Die wahre Natur aller Erscheinungen ist ihnen fremd und sie identifizieren sich mit ihren Wünschen und Handlungen. und sind daher ständig eifersüchtig auf alle anderen. Sie sollten in der eigenen Imagination nachvollzogen und reflektiert werden. Die Menschen schauen nicht auf ihre Wahre Natur. Selbst wenn sie sich bemühen. den Weg zur Vollendung des Menschen bis zum Ende zu gehen. sie haben sich einer inneren Sicht noch nicht einmal genähert. würden die Menschen unendlich viel Nutzloses einfach sein lassen. meditieren weder regelmäßig. unterscheiden sie im Allgemeinen zwischen einer anzustrebenden Erleuchtung und dem normalen Alltag. 70 . bis ihr euer Ziel erreicht habt. die immer Eins ist. zerstreuen sich. Wäre es anders. dann werdet ihr ohne Kontemplation und Meditation nicht mehr leben können. noch gehen sie die Neun Stufen des Weges. Kurzum. der Weg der Wahrheit interessiert sie nicht im Mindesten. dann würden sie unermüdlich für das Wohlergehen ihrer Mitmenschen und die Rettung unserer Umwelt arbeiten. Kaum jemand aber hat den Wunsch.

seine ganze Arbeitskraft und Intelligenz dem Überlebenskampf zu widmen. und fuhr dann fort: Es ist aber unbedingt notwendig. möge sich vor Augen halten. oder politische oder religiöse Unterdrückung. den Weg der Wahrheit zu gehen.B. der die Erlösung aus dem Ozean der Leiden unserer bedingten Existenz mit sich bringt.unter ungünstigen Umständen wird sie fast unmöglich. Die Erleuchtung ist nicht nur an sich schon schwer zu erlangen . Wer also meint. die den Menschen zwingen.: Extreme Armut und Hunger. dass in Tibet seit der Invasion der Chinesen über zwei Millionen Tibeter wegen der Ausübung ihres Glaubens ermordet wurden. Ansonsten wird man dieses Leben hier als freier Mensch und unter derartig günstigen Bedingungen nicht noch einmal geschenkt bekommen.DAS GROSSE GESCHENK %^Jo sprach Guru Rinpoche. dass die Erleuchtung zu erlangen unabhängig von äußeren Voraussetzungen möglich ist. Ungünstige Umstände sind z. Ähnlich erschrekkende Zahlen von Opfern religiöser Verfolgung finden wir in 71 .

Eine Gesellschaft muss also schon ein gewisses Ausmaß an Überfluß und Entwicklung besitzen. eine Erbse nach oben zu werfen. Eher wird es einer Schildkröte gelingen. um sich das überhaupt leisten zu können. die die Religionsfreiheit auf ihre Fahne geschrieben haben. die ihr Wissen teilen und Plätze. ihren Kopf durch ein zufällig auf der Wasseroberfläche dahintreibendes Joch zu stecken. so dass sie an der glatten Oberfläche eines waagerecht an der Decke hängenden Spiegels kleben bleibt.Kambodscha und bis heute sogar in Europa. die Halbgötter wären gerade die Oberfläche und die Menschen und Götter wären nur die oberste Spitze. dass es einen Weg gibt. Selbst in den USA. ein Sesamkorn durch die Luft zu werfen und damit genau durch das Öhr einer Nadel zu treffen. Es wird dir eher gelingen. sie zu erreichen. um sich mit solchen Sinnfragen zu beschäftigen. als dieses Geschenk ein zweites Mal zu erhalten. von der Erleuchtung zu hören. Zu den günstigen Bedingungen zählt darüber hinaus die Möglichkeit. wo man ungestört und mit deren Unterstützung üben kann. Wenn alle Lebewesen aus allen vorstellbaren Existenzbereichen eine Pyramide bildeten. die alle hundert Jahre aus den Tiefen des Meeres auftaucht. so wären die gequälten Geister der Hölle und die Tiere der ganze Körper. Eher wird es dir gelingen. und eine gewisse materielle Sicherheit. konnten bis 1979 Indianer für die Ausübung ihrer traditionellen Religion mit. kompetente Lehrer. 72 . Gefängnis bestraft werden.

Wo sind denn Odin und Freya. dass auch Götter und Halbgötter hier zu den Wesen mit geringeren Chancen für die Erleuchtung gezählt werden. aus dem sie aus Mangel an Erleuchtungserfahrung auch nicht entkommen können. sind auch die Götter selbst ständig einem giftigen Gemisch von Hinterlist. die von unerfüllten Begierden und von dem unersättlichen Verlangen geplagt sind. Machtkämpfen. Ein Unterfangen. dass die Halbgötter in einem ständigen und frustrierenden Kampf gegen die Götter befindlich sind.? 73 . Ehebrüchen und Eifersucht ausgesetzt. Intrigen.Unter gequälten oder hungrigen Geistern kann man sich die Teile unseres Bewusstseins vorstellen. Es mag erstaunen. bei dem sie beständig unterliegen. Aphrodite und Apoll heute geblieben. sehen wir. der umso frustrierender sein rnuss. In dem Maße. Ein Umstand. Befriedigung zu finden. der wenig Chancen zur Erleuchtung gibt. je mehr Kontrolle man zuvor über das eigene Leben ausüben konnte. Wahrlich kein beneidenswerter Zustand. Aber. Zudem sind Götter trotz ihrer ungeheuren Machtfülle und Langlebigkeit doch auch sterblich.. So führen all ihre außergewöhnlichen Kräfte nur zu Groll und Enttäuschung. Wenn wir jedoch nur an die nordischen und griechischen Göttersagen denken.. In der Hoffnung auf die Erfüllung ihres Verlangens irren sie auf der Erde als die so genannten »Gespenster« umher. haben sie eine eigene Existenz entwickelt und können sich im Augenblick unseres Todes »selbstständig« machen. wie wir aus jeder Sage wissen. deren himmlische Hallen sie ihnen neiden und abtrotzen wollen.ein Seinszustand. da sie niemand mehr anbetet. wie wir mit diesen Begierden verwoben waren. Ein guter Teil der heutzutage »gechannelten« Wesenheiten sind solche von unerfülltem Ich-Verlangen zerfressenen »hungrigen Geister« .

Hier wendet sich Guru Rinpoche gegen die auch heute in esoterischen Kreisen populäre aber schlecht verstandene Ansicht von Reinkarnation.und das Mittelalter dauerte in Tibet immerhin bis zur Mitte dieses Jahrhunderts —jeder Westeuropäer in einer Götterwelt lebt. erleuchtet zu werden. dass es aus buddhistischer Sicht kein getrenntes Indivi74 . Denkst du daran. und es genügend Freiraum gibt. so dass genügend Leidensdruck entsteht. diesen Vorsatz zu verwirklichen. dass unsere Kontrolle über die Naturgewalten. Zunächst müssen wir festhalten. dass die Chancen auf ein menschliches Leben nicht so groß sein können. weil auch Götter unter der falschen Vorstellung. dass für uns westliche Praktizierende das größte Problem darin besteht. ein getrenntes Selbst zu besitzen. so wirst du einsehen. leiden. die Verfügbarkeit materieller Güter und die vielfältige Auswahl sinnlicher Genüsse dem Erlebensstand von Göttern entspricht. Bei ihm halten sich Freiheit der Wahl und Leiden an der Bedingtheit die Waage. dass aus mittelalterlicher Sicht . wie es Menschen auf dieser Welt gibt. Der verstorbene Meditationsmeister Kalu Rinpoche hat darauf hingewiesen. den Weg der Erleuchtung zu betreten. die zur Verschiebung der Lösung von Problemen in zukünftige Leben einlädt. dass in einer Schaufel Erde so viele Tiere enthalten sind. die Erleuchtung tatsächlich zu suchen. Dies ist auch der Grund. Ein Problem ist dies deshalb.Besonders sollte man hier noch bedenken. und ihre überwiegend angenehmen Sinneswahrnehmungen sie nicht dazu motivieren. warum der Mensch unter allen Wesen die größten Chancen hat.

gilt es diese Chance zu nutzen. Da diese Erleuchtung aber fast nur im menschlichen Leben zu verwirklichen ist. hat man also eine außerordentliche Gelegenheit. zwangsläufigen Leiden entkommen. die man nutzen sollte. der sich aus vielen Faktoren ständig neu zusammensetzt. in einem Menschenleben Erleuchtung zu erlangen. Mit den ungeheuer schnellen Methoden der Alten Schule. dass Energie nie verloren geht. so dass die Frage und Suche nach einem beständigen Ich. Als Tier ist man mit den instinktgesteuerten Überlebenskampf beschäftigt. das irgendwann wiedergeboren wird. der erleuchtet werden kann.duum gibt. Kurz gesagt. an sich absurd ist. will man dem ständigen. wenn keine Lehre der Wahrheit bekannt ist oder nur falsche Ansichten vorherrschend sind. das in Form einer Seele von Körper zu Körper wandert. das nicht als kontinuierliche Persönlichkeit begriffen werden kann. die es möglich machen. es gibt zwar die Erleuchtung aber letztlich niemanden. Genau genommen verwandelt sich der Mensch jeden Augenblick. So zum Beispiel. Der Mensch ist vielmehr als ein Prozess zu sehen. bevor man im ständigen Strom der Wandlungen wieder von den Umständen bestimmt oder verhindert wird. wenn du körperlich und geistig behindert bist. Im zahlenmäßigen Verhältnis ist also eine Geburt als Mensch unwahrscheinlicher als sechs Richtige im Lotto. Aber auch im menschlichen Lehen gibt es noch fast unüberwindliche Hindernisse auf dem Weg der Wahrheit. wird jeden Augenblick neu geboren. so verwandeln sich diese Faktoren zu immer neuem Sein. wenn du in schwierigen materiellen und geistigen Bedingungen und Unfreiheit lebst. Auch dann hast du wenig Möglichkeiten. in die Lehre von 75 . Ähnlich wie die Wissenschaft festgestellt hat.

dann solltest du nach den höchsten Lehren der Wahrheit leben. während wir stattdessen Bequemlichkeit. die Erleuchtung zu suchen und gleichzeitig das weltliche Leben zu verfolgen. die zu Aufstieg oder Niedergang führen. dem größten aller Yogis. Fatrul Rinpoche. man könne mit einer zweispitzigen Nadel nähen oder Feuer und Wasser in einem Gefäß aufbewahren. wie zu behaupten. Wenn du also in dieser Welt lebst. dass wir die Spiritualität neben unseren weltlichen Aktivitäten üben können. das wir heute besser wissen? Bevor wir jedoch die Notwendigkeit spiritueller Praxis erkennen können. zu halten. die völlige Entschlossenheit des Herzens für dieses Ziel zu entwickeln. um dann auf der Basis unserer eigenen Erfahrung die Prioritäten neu setzen zu können. sind zu bedauern. Doch dies ist so ähnlich. autorisierte Lehrer da sind und du frei deinen Wünschen folgen kannst. 76 . um nicht von der Kontemplation über den Tod abgelenkt zu werden .« Selbst für den unvergleichlichen Buddha Shakyamuni war es unmöglich. einen gesunden Körper hast. der von nichts anderem als Brennesseln und Wasser lebte. Und was ist von Milarepa. einer der größten tibetischen Meister des letzten Jahrhunderts. ohne die geringste Notwendigkeit. sonst ist dein kostbares menschliches Leben verschwendet. Wohlbefinden und menschliche Anerkennung suchen und genießen. drückte es noch drastischer aus: »Heutzutage denken wir gerne. Hier trennen sich die Wege. Die. die Lehre der Wahrheit hören kannst.ist ihm etwas entgangen.der Erleuchtung einzutreten. die ihr Leben für Nichtigkeiten vergeuden. welche ungeheure Dimension sie erschließt. müssen wir erleben.

einige der philosophischen Grundlagen zu verstehen. Man könnte sagen. obwohl sie nur zweimal am Tag 10 bis 15 Minuten unserer Zeit kostet. Auf Sanskrit heißen die Augenblicke der Einheit mit dem Absoluten Turiya. Im tibetischen Buddhismus sind die Wechsel von einem Bardo zum anderen die Augenblicke. die im Bardo Thödol seit CG.h. Sein-Nichtsein. An jedem dieser Übergänge. in denen Erleuchtung mit der richtigen Übung möglich ist. ein Zustand bedingt den anderen und entsteht aus ihm. entsteht ein solcher Augenblick der Macht. Für einen kurzen Au~ 77 . zwischen zwei bedingten Zuständen. die jedem tibetischen . Es sind diese Praktiken.. d. Entspannung und jähem Schreck. ja vielleicht sogar als genetische Erinnerung völlig klar sind.oder Indianerkind durch seine gesamte Sozialisation. die tiefe Stille nach einem. Das ganze Universum ist aus Gegensätzen zusammengesetzt: Hell-Dunkel. Deswegen müssen wir uns erst die Mühe machen. Der Übergang zwischen den Zuständen gilt in allen alten Traditionen als heilig. Gesang oder das unerwartet laute Geräusch eines Glockenschlags. diese tiefe Dimension unmittelbar zu erfahren. und die Indianer nennen sie ganz einfach »Zeiten der Macht«. Jung die westlichen Psychologen faszinieren. bzw. Oben-Unten. In den Übergängen zwischen zwei Zuständen wird das Grundbewusstsein offenbart. Sie beinhaltet die wichtigsten Kernbelehrungen des spirituellen Weges. Sterben und Wiedergeburt. oder zwischen Tag und Nacht. Doch finden sich diese Bardos nicht nur zwischen Leben und Tod.Die folgende Übung ermöglicht es uns. Doch sind diese Gegensätze immer dynamisch miteinander verbunden. In diesen Übergängen stirbt der vorherige Zustand tatsächlich. geheimnisvoll und voller Schöpfungskraft. sondern auch zwischen Wachen und Schlafen. Materie-Geist. LebenTod etc. sei es morgens der erste Augenblick des Aufwachens.

über den Milarepa »Hunderttausend Lieder« sang. Dass es eine Erde gibt. wird auf Sanskrit Siddhi Sankalpa genannt. die gleichzeitig von Schöpfungs-Impulsen überquillt. ist auch der exakte Moment. sind es vor allem die natürlichen Dinge. natürlichen Zustand und wird still. in Spiralen durch das Nichts treiben. eine Leerheit. ein Augenblick der Macht. was war. Die Erde zentriert uns und schenkt 78 . auf der wir stehen. Materie. Ohne Erde würden wir einfach durch den Raum fallen. was »wunscherfüllende Kräfte« bedeutet. Neben dem vielen. und dem. Die aus dieser Leerheit entstehenden Gedanken bewusst zu erleben und zu formen. in dem sich alle natürlichen und geistigen Kräfte freisetzen. bzw. in dem die Sonne über den Horizont kommt. Diese Kräfte zum Wohl aller Wesen zu erringen. wenn sie ihn beim Untergang berührt. Anstatt eines Abgrundes erleben wir eine fruchtbare Stille. Äther und Geist sind in einem Zustand von Ausgeglichenheit und wechselseitiger Durchdringung. die wir als Selbstverständlichkeiten auffassen. Die Traditionen der Indianer und die Weisheit der Veden stimmen diesbezüglich völlig überein! Beim Aufwachen versuche dir als erstes bewusst zu machen. liegen und sitzen. Der natürlichste und einfachste dieser Bardozustände wird uns zweimal täglich von Mutter Natur geschenkt: Der Sonnenaufgang und Sonnenuntergang! So wie der Augenblick des Todes in der Tradition der Nyingma-Schule zu einem Durchbruch in die vollständige Erleuchtung genutzt werden kann. Für einen Moment ist der Geist in seinem ursprünglichen. erscheint uns selbstverständlich. Trotzdem ist es ein ungeheures Wunder.genblick entsteht eine jähe Lücke zwischen allem. ist das Ziel der Yogis und allein dafür gehen Medizinmänner auf Visionssuche. Dies ist der Zustand des Mahamudra. das allein für dich wichtig ist. wofür du heute morgen dankbar sein kannst. was im Entstehen begriffen ist.

Leben ist. ist unfassbar. um die Dankbarkeit für all das. selbst wenn es sich um vegetarische Rohkost handelt. selbst wenn wir es im Supermarkt in Dosen verpackt kaufen. welche Gnade und welcher Segen jeder Schluck Wasser. was man ganz selbstverständlich das Jahr über verzehrt und trinkt. wächst auf dieser Erde. wir leben. Die vier Tage ohne Wasser sind aber noch lange im Verhältnis zu der Zeit. was es heißt. Dass das. dass sich anderes Leben opfert. die Basis und Hintergrund für alle anderen Beziehungen und Begegnungen ist. Danach ist es völlig klar. aber vier Tage ohne Wasser auszuhalten. 79 . die wir ohne Luft aushalten können. der die lebensnotwendige Luft anzieht. Hunger zu haben und wie dankbar wir für Essen sein dürfen. Die Erde schenkt uns natürlich auch all unsere Nahrung. Da wir alles im Laden kaufen können. für uns in so einem Überfluss beständig zur Verfügung steht. was wir am nötigsten brauchen. Erst wenn wir unfreiwillig lange unter Wasser sind oder uns bei einem Sturz plötzlich die »Luft wegbleibt«. dass alles. ja jeder Tau. wie selbstverständlich wir die größte Lebensnotwendigkeit nehmen und dabei ignorieren. Häufig vergessen wir auch.oder Regentropfen ist. weiß kaum einer. das sich hingibt und opfert. Unser Leben lebt davon. in denen man vier Tage ohne Wasser und Essen meditiert. ohne dass wir uns darum kümmern müssen. dass sich in unseren Lungen Unterdruck aufbaut.uns eine grundsätzliche Bezogenheit. durch bewussten Verzicht zu erlernen. Beim Fasten halten wir vier Wochen ohne Essen schon für eine Herausforderung. Dankbarkeit ist die einzige und natürliche Antwort auf dieses Geschenk des Lebens. von dem. ist bereits lebensbedrohlich. bemerken wir. Alles was wir essen. Gerade deshalb gibt es in der indianischen Tradition spezielle Zeremonien. was für ein unvorstellbares Wunder es ist.

Die Straßenarbeiter. die Vierfüßer. Selbst die Verkäuferin.Ebenso wunderbar ist es. könnten wir nicht sehen. und deren Ausscheidung unser geschätzter Sauerstoff ist . dass unsere verbrauchte Luft für Pflanzen Leben bedeutet. Je öfter wir diese Übung durchführen. Wenn wir einmal mit Danken angefangen haben. die im Sommer zur Ferienzeit endlos die Autobahn auszubessern scheinen. ist noch mehr Grund zum Danken. desto mehr erkennen wir. könnten wir uns nicht bewegen. Dass diese gleiche Luft auch die Lebensgrundlage für alle anderen fühlenden Wesen. sondern immer ein Geschenk und unendlich kostbar ist. die noch auf uns wartet. dass eigentlich nichts in unserem Leben selbstverständlich. Deshalb sind sie umsichtig und reparieren wohlweislich die' Straße in allen vier Himmelsrichtungen. kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Doch. und das obwohl wir meistens 80 . und die Bedienung. Wenn wir uns nur einen Augenblick lang vorstellen. nicht allein sein zu müssen. nicht einmal denken oder fühlen. ob wir überhaupt in diesem Jahr diese Route fahren. wenn wir schon Feierabend haben. im Geschäft steht.dabei wissen sie noch nicht einmal. Welche Mühe sich der Rest der Welt mit uns macht. Dies zu erkennen. auch wenn das Feuer der Sonne. wie leer die Welt ohne all die anderen Wesen wäre. die Kriechenden und Grabenden und die Flügelschlagenden. tun es nur für uns . haben wir Grund zur Dankbarkeit. sind nur für uns persönlich da. die Welt nicht erwärmen und beleuchten würde. so dass wir auch diesem Feuer dankbar sein müssen. nicht zuletzt für alle anderen Zweibeiner ist. bevor wir zur Arbeit gehen. die schon morgens. auf das wir jetzt warten. heiligt die scheinbar profansten Bestandteile und Ereignisse unseres Lebens.

81 . so dass auch für einen Moment lang die Zeit wegfällt und wir ganz offen im Hier und Jetzt sind. dass es sie wirklich gibt. der zum Inbegriff all des Guten wird. dass die Grenzen zwischen innen und außen durchlässig werden. dass die ganze Welt uns liebt und ausfüllt. das uns geschenkt wird. und wir spüren. und unser Geist gleichzeitig alles zu berühren. um in dem exakten Augenblick. So besiegeln wir die Danksagung und bauen innere Wertschätzung für das Leben und die vergängliche Kostbarkeit jeden Augenblicks in uns auf.übellaunig oder achtlos alles Angebotene als selbstverständlich hinnehmen! Manchmal kommt uns dann sogar der Verdacht. an dem die Sonne den Horizont übersteigt. dass selbst unsere Sehnsucht nach Liebe und Wahrheit ein Indiz dafür ist. so wie unser Hunger und unser Durst uns wissen lassen. dass es tatsächlich Nahrung und Wasser gibt. Diese Dankbarkeit kann so stark werden. sogar zu durchdringen scheint. Mit dieser inneren Haltung warten wir auf den Sonnenaufgang. zuerst nach Osten und dann im Uhrzeigersinn in die anderen Himmelsrichtungen unseren Dank in die Vier Winde zu senden.

die dirjür die Befreiung zur Verfügung stand. dieses Jahr. in der Dämmerung. Von Augenblick zu Augenblick und ohne jede Rast kommt der Tod näher und näher. Wenn du nur wartest. ob du im Angesicht des Todes 82 . diesen Sommer. Letztes Jahr. diesen Herbst. eine Minute.. vor Sonnenaufgang . wirst du es vielleicht bereuen. aber nur wenige wollen es hören. einen Tag. geht jedes menschliche Wesen an. einen Monat. geht dein Lehen seinem Ende zu. Die folgende Übung hilft. eine Stunde.TOD UND VERGÄNGLICHKEIT V fas ich zu sagen habe. hast du die kostbare Zeit vertan. heute abend. diesen Frühling. dies zu vergegenwärtigen. bis der Tod dich packt. diesen Winter. Ohne ein Jahr. der Sonnentanzhäuptling der Absaroka. Tom Yellowtail. gestern. ja auch nur eine Sekunde zu warten. in diesem Monat. Wenn du in der Stunde deines Todes erkennst.. dass du nicht nach der Wahrheit gelebt hast. pflegte immer wieder zu sagen: »Frage dich bei jeder Handlung und Entscheidung im Leben.

über diese Frage zu reflektieren. dich in Bezug auf einzelne Ereignisse des Tages zu fragen: Habe ich mich zurückgehalten? Habe ich mich ganz eingebracht? Habe ich Dankbarkeit gespürt und das jemandem mitgeteilt? Habe ich mich um die Wahrheit gedrückt? Habe ich vielleicht die Wahrheit gesagt. wenn ich heute Nacht im Schlaf sterben würde? Habe ich an diesem Tag meinen eigenen Maßstäben entsprechend gelebt? Wenn der heutige Tag mein letzter wäre. üben wir achtlosen Wesen langsam bei jedem Sonnenuntergang neu ein. Milarepa. aber auf eine harte Weise ohne Mitgefühl? Hatte ich irgendwo die Möglichkeit.« Was diese großen Meister beständig leben. der Kette von Ereignissen.dazu stehen kannst. da wir.« Und von dem größten tibetischen Yogi. hätte aussteigen können? 83 . tagsüber kaum Zeit haben. mutig Mitgefühl zu zeigen und konsequent zu sein. von der Vielfalt der Ereignisse unseres hektischen Lebens überwältigt. Jeden Abend im Angesicht der untergehenden Sonne lassen wir den Tag vor uns ablaufen und fragen uns als Erstes: Wäre ich mit mir zufrieden. und habe ich sie genutzt? Sind mir an einigen Stellen im Tagesablauf Freiräume aufgefallen. und ich nichts mehr daran verbessern könnte. sich im Angesicht des Todes nicht schämen zu müssen. ist der Ausspruch bekannt: »Das herausragendste Zeichen unserer Übertragungslinie ist es. wäre ich mit mir uneins oder beschämt? Was habe ich Positives oder Negatives bewirkt? Habe ich die Ereignisse bewusst wahrgenommen? Habe ich einfach alles abgelenkt konsumiert? Versuche weiter. wo ich aus dem zwanghaften Ablauf der Dinge. morgen nichts mehr wieder gutmachen könnte.

sondern so zu leben. dass ich der Welt zeigen musste. für immer auszuatmen. nicht da zu sein in meinem Leben. indem ich mich geweigert habe. um einen Moment lang eigene Entscheidungen zu treffen und meiner eigenen Wahrnehmungen zu trauen. dass sie nicht so ist. sind meistens ganz einfach: Unachtsamkeit. oder habe ich den Begründungen und Zwangsläufigkeiten geglaubt? Habe ich mein Leben gelebt oder mich wieder leben lassen? Mit anderen Worten. Für den Rest von uns geht der Prozess jetzt eine Stufe tiefer mit den folgenden Fragen: Wie habe ich es fertig gebracht. nach den falschen Dingen zu schauen. dass jeder Augenblick immer ganz ist. Sie ist das wertvollste Geschenk. mit denen ich heute in Kontakt war? Für die Verkäuferin? Für meine Kinder. hat es für die Welt etwas bedeutet. Was vorher gedrängt und eng er84 .? Hatte mein Leben irgendeine Bedeutung? Wer das mit ja beantworten kann.. den man beliebig oft wiederholen kann. das ich heute gelebt habe? Für mich? Für die Menschen. War es Angst oder gar Trotz. meine Mitarbeiter. als ob ich unwichtig sei. Als ob man das Drehbuch im Nachhinein umschreiben könnte. wenn wir nicht in jedem Augenblick anwesend sind. Doch diese Zeit kommt nicht zurück. Selbstbezogenheit usw. so zu tun. das uns unwiderruflich verloren geht. als ob alles nur ein Probelauf wäre. Sterblichkeit wahrzunehmen bedeutet zu erkennen. kann ruhig schlafen und das Risiko eingehen. wie ich sie haben möchte.Habe ich den Freiraum tatsächlich genutzt. die Gewohnheit.. dass wir das Leben ganz zulassen. die verhindern. sie anzunehmen? Die Dinge.

Wenn sie es hin und wieder durch Aufgaben bedingt doch tun. dass wir sterben müssen. Unser Leben wird zum Abenteuer. und jeder Augenblick leuchtet. Sie verdrängen sogar.schien. können wir es beeinflussen. Erkennst du das nicht. Du verschwendest dein Leben voller Freiheit und günstiger Umstände . werden sie wieder rasch von. zwanghaft und vorherbestimmt war. Die christliche Weisheit sagt uns: »Herr lehre mich bedenken.eine Chance unter Millionen . Nicht einmal alle spirituellen Lehrer. während du Pläne für die Zukunft schmiedest. auf dass ich weise werde. Die eigene Sterblichkeit zur Kontemplation zu machen. Eine Wahrheitslehre ohne die Betrachtung der Gegenwart des Todes ist wie ein Haus ohne Fundament.der Macht materialistischer Anziehungskraft getäuscht. offenbart sich in jedem Augenblick neu und unverbraucht.sinnlos. ist paradoxerweise durch und durch lebensbejahend und realistisch. Was vorher langweilig. Plötzlich können wir Risiken eingehen. die wir sonst für immer auf später verschieben würden. dass all ihre 85 . die glauben nicht. wird auf einmal unendlich weit. Priester und Mönche bedenken beständig die Gegenwart des Todes. dass der Tod jemals zu ihnen selbst kommt. indem ich andere Wesen berühre. So strahle ich in meine Lebensumstände hinein und verwandle die Welt. Die Sterblichkeit ermutigt uns Schritte zu gehen. fließt dein Leben ständig an dir vorbei. Erst wenn wir unser Leben mit jeder Faser unseres Seins liebevoll ausfüllen. Es gibt Menschen. unsere eigenen Entscheidungen fällen und nach der Liebe leben.

Ma Rinchen Chog war unter den ersten 7 Tibetern. Er konnte Steine essen. . um die illusionäre Natur aller Erscheinungen zu demonstrieren. die die buddhistische Mönchsweihe empfingen und einer der 25 Hauptschüler von Padmasabhava.

dass der Tod sie je selbst treffen wird. und diese Diskrepanz und die daraus entstehende Unglaubwürdigkeit ist sicher eine der Ursachen der neuen spirituellen Bewegungen. dass wir Leiden und Tod entkommen können. Jedes Mal. Wenn der Körper stirbt. Tatsächlich hat die moderne Wissenschaft der Thanatologie festgestellt. So werden sie niemals den Weg zur Befreiung finden. Trotzdem kennen wir alle Priester oder Pfarrer. als der Indio im Urwald voller Jaguare. 87 . die ständig auf Friedhöfe geschafft werden. Statistisch gesehen lebt der moderne Mensch mit mehr Gefahren. kann es unsere letzte Fahrt sein. gerade solche Methoden vermehrt Bedeutung gewinnen. Giftschlangen und Piranhas. Der Radikalität dieser Aussage ist eigentlich nichts hinzuzufügen. wenn wir auch nur mit dem Auto einkaufen fahren. im spirituellen Aufbruch der NewAge-Bewegung. obwohl sie einmal in der Woche einen Mitmenschen beerdigen. dass auch in der heutigen Zeit. Dennoch ist es bezeichnend für die Macht der Illusion. wenn wir feststellen. ihre eigenen Eltern. Ihr Realitätsgehalt lässt sich unschwer an der Verkehrstotenstatistik erkennen. fällt unsere Möglichkeit zur Verdrängung weg und unser ganzes Unbewusstes wird offenbar. Sie glauben nicht. doch ihr Leben so voller Kompromisse leben. die. dass uns im Augenblick des Todes unser ganzes bisheriges Leben bewusst wird. Großeltern und Ehegatten sterben oder schon gestorben sind.Vorfahren. Sie ignorieren all die Leichen. unser Leben soweit unter Kontrolle zu bringen. Daran haben wir uns gewöhnt. die versprechen. als ob es ewig währte. Ein Tibetisches Sprichwort sagt: Es ist ungewiss was näher liegt. der nächste Morgen oder der Tod.

88 . Dies geschieht.In diesen zeitlosen Augenblicken erfüllt sich der Sinn unseres Lebens: Jeder Mensch hat in sich ein ureigenes Gefühl von Richtigkeit. Meditiere über den Tod und die Vergänglichkeit. Begabte Meditierer versuchen in der Tretmühle des Lebens voranzukommen. weil er sie als unvergänglich ansieht. wird sich in dir Licht und Freiheit ausbreiten. in der der Geist an allen möglichen Dingen haften bleibt. sowie das Urteil über unser Leben schaffen wir durch die Art und Weise. Aber auch Menschen. suhlen sich in Dummheit und Gemeinheit und gehen sich müßig der Gleichgültigkeit hin. wenn die Kontemplation der Vergänglichkeit deinen Geist nicht durchdringt. Wenn man das vergisst. Die Grundlage jedes rechten Verhaltens ist es nämlich auch. Fehlt dieses Bewusstsein. die nach Wahrheit suchen und große Lehrer — werden sich in trivialen Geschäften und in der Sorge um Gewinn und Verlust. Paradies und Fegefeuer. von der wir nie getrennt sind. sonnen sich die gewöhnlichen Menschen in angeberischem Stolz und Hochmut. Ruhm und Vergessenheit verlieren. anstatt den Weg der Befreiung zu suchen. Wenn das Bewusstsein darüber tief in deinem Geist verankert ist. Freude und Leid. breitet sich eine geistige Dunkelheit aus. wie man sein Leben nach diesen Maßstäben ausgerichtet hat. Himmel und Hölle. Dieses ist eine Reflexion der ewigen Wahrheit und ihrer ethischen Maßstäbe. dass man um den Tod und die Vergänglichkeit weiß. Erfüllung empfindet man in dem Ausmaß. somit selbst. Loh und Tadel. sind gefesselt durch ihre Gier nach Reichtum. und selbst wirklich ernsthafte Jünger werden nachlässig. wie wir unser Leben leben.

verlieren und erkennen. Du wirst die Wahrheit aus den großen Lehren der Menschheit heraushören. Du wirst die Vorstellung. dass der Körper mit einem »Seihst« ausgestattet ist. Integrität. Jeder große Weise und Erleuchtete. der eine ernsthafte Meditation überhaupt erst möglich macht. Du wirst nicht mehr so fasziniert von Besitztümern sein. viele positive Eigenschaften entwickeln und schnell befreit werden. wird alle Eigenschaften erwerben.Wer jedoch Tod und Vergänglichkeit verinnerlicht. Unerschöpflicher Fleiß. indem sie über Tod und Vergänglichkeit kontemplierten. Du wirst das gewöhnliche Streben aufgeben und den Weg der Wahrheit unermüdlich und geschwind gehen. dass Zerstreuungen nichts anderes als Dämonen sind und begehrenswerte Objekte nur zur Täuschung führen.« 89 . alle Erlöser und Meister der Vergangenheit fanden die Erleuchtung. Wahrhaftigkeit. klare Absichten und reine Konzentration erwachsen dir. die man auf dem Weg der Befreiung braucht: Du wirst einen ruhigen und ausgeglichenen Geist entwickeln. Dir wird unerschütterliches Vertrauen zuteil.

Es ist sehr wichtig. Karma. und fuhr dann fort: Freude und Leid. Es sind vielmehr Bewegungsimpulse.DAS GESETZ VON URSACHE UND WIRKUNG iL %. iw/o sprach Guru Rinpoche. Gutes und Schlechtes in diesem Lehen sind ausschließlich das Ergebnis vergangener Handlungen. ähnlich wie die Waagschalen der justitia. Die Summe vergangener Absichten und Handlungen. die freigesetzt werden und wie 90 . wirklich einzusehen. Der indische Weise Shankaracharya verwendet Karma im Sinne des westlichen Begriffs von Neurose als unbewusster Wiederholungszwang. dass du unmöglich den Folgen deiner Handlungen entkommen kannst. und wie jede Handlung ihre Früchte trägt. Die größten Lehrer der Menschheit haben nichts anderes als das Gesetz von Ursache und Wirkung gelehrt. darf man sich also nicht als einen mechanischen Ausgleichsmechanismus. Das Sanskritwort »Karma« heißt einfach »Tat« oder »Werk« und wird im Sinne von gewohnheitsmäßigen Verhaltensabläufen und Gedankenmustern verstanden. vorstellen.

Wenn wir uns gegen diese negative Entwicklung zur Wehr setzen.alle Dinge im Universum einem Zyklus unterliegen: Sie entstehen. die umständehalber beitragenden Gründe sowie die eigenen 91 . zur Wirklichkeit werden. Das Problem so genannter negativer Absichten und Handlungen ist. das die Früchte des Karmas reifen lässt. dass der Impuls noch nicht die Umstände getroffen hat.« Manche fragen sich trotzdem. jetziges Verhalten an. wie wir auf die selbst in Bewegung gesetzten Entwicklungen reagieren. wieso gewissenlose Schurken in Saus und Braus leben. dass sie auch auf einen Höhepunkt zustreben. in deren Resonanzkörper er manifestiert wird. andere anzugreifen oder überhaupt ablehnende Bewertungen aufkommen zu lassen.schau dir deine jetzige Lebenssituation an. so dass sich die Entwicklung potenziert. alles was an negativen Lebensumständen auftaucht. während gute Menschen. verstricken wir uns noch mehr in die Negativität. An dieser Stelle sollte man bedenken. bevor sie sich auflösen können. Es müssen die gegenwärtigen Handlungen. Die Lösung kann nur heißen. schau dir dein. Wenn du etwas über deine zukünftigen Leben wissen willst. die Ursache. Wenn Resultate manchmal länger auf sich warten lassen. von einer Katastrophe in die nächste geraten. ohne sich groß dagegen zu wehren. dass es an dieser Stelle unsere Verantwortung ist. Es bedeutet nur. muss sich erst entwickeln. sie erreichen einen Höhepunkt und sie lösen sich wieder auf. die an der Wurzel liegt. Das heißt. bevor es sich auflösen kann. Ein tibetisches Sprichwort sagt: »Wenn du etwas über deine vergangenen Leben wissen willst . widerlegt das dieses Gesetz nicht. dass es ein Zusammenspiel vieler Faktoren ist. alles was wir in Bewegung setzen. Heilige fast. so gut wie möglich anzunehmen. Diese Dynamik bringt also mit sich.

Ob jemand die höchsten Stadien der Weisheit erreicht oder in die niederen Existenzebenen rein instinktmäßiger Realität fällt. die von dir geschaffenen Ursachen und die Umstände zusammen. Auf unheilsame Handlungen folgt Leiden. Der spirituelle Weg . außer wenn du aktiv die Erleuchtung suchst. Diesen dynamischen Aspekt des Karma versucht der historische Buddha mit folgendem Beispiel auszudrücken. bis Ursachen. Irgendwann kommen deine Handlungen. dass jede Ursache ihre eigenen Resultate hat.kann durch den Segen eines Lehrers diese Samen sogar schneller erblühen lassen. ab. denn es gibt keinen Heiligen ohne Vergangenheit und keinen Halunken ohne Zukunft. warum dieselben Taten nicht immer das gleiche Ergebnis bringen. auf heilsame Handlungen folgt Glück. Doch unter der Obhut eines Lehrers werden selbst aus den schlimmsten Unkräutern noch nützliche Heiltees gebraut und unsere Karmas wickeln sich ab. 92 . Es ist ganz einfach. Begleitumstände. um das Ergebnis zu bewirken.emotionalen Verstrickungen allesamt übereinstimmen. hängt ganz allein vom unfehlbaren Gesetz. in eine Süßspeise. antwortete er mit dem Bild. die konditionierten Emotionen. Handlungsweise und Gefühlslage zusammenschwingen. der Same geht nie verloren und kommt sicher zur Reifung. ohne allzu großen Schaden anzurichten. und du musst die Konsquenzen erleiden. uns vom Gesetz von Ursache und Wirkung durch eigene Erfahrung zu überzeugen. Doch egal wie lange es auch dauert.einmal angefangen . um den Samen reifen zu lassen. verschiedene Resultate bringt. Vielleicht helfen sie sogar. dass die gleiche Prise Salz in einen Becher mit Wasser. in ein Reisgericht oder gar in den Ozean hineingeworfen. Auf die Frage.

Wer sich nicht aus diesem Kreislauf befreit. Dementsprechend überpro93 . wie wir daran verhaftet sind und uns auf einen bestimmten Aspekt oder vergangenen Augenblick festzuschreiben versuchen. In dem Maße. Da Leben sich aber ständig wandelt. In allen sechs Seinsweisen gibt es nichts. Dem Kreislauf des Lebens und des Leidens zu entkommen heißt nicht. der wird im Grunde überall sein Gefängnis mit sich herumtragen und sich irgendwann so fühlen. das über den endlosen Kreislauf von Werden und Vergehen hinausreicht. da wir nun die Realität in Konzepte und Ideen zwingen müssen. das wir in Wahrheit nicht sind oder mit einem begrenzten Aspekt des Lebens. in dem die Wesen gefangen sind. verändert sich das Selbst ständig mit. kann man sich viel besser an sie verhaften als an unser wackliges Konstrukt von Selbstbildern aus der Kindheit. Eine der gefährlichsten Identifikationen ist die mit spirituellen Erfahrungen. sich aufzulösen oder Leben auszulöschen. In allen Existenzbereichen gibt es nur einen endlosen Kreislauf des Lebens. Da sie immer bis zu einem gewissen Ausmaß eine Einheit mit der Wahrheit widerspiegeln. leiden wir an dieser Vergänglichkeit. Älter. ihr zu entkommen. als ob er auf einem Haufen glühender Kohlen sitzt. Krankheit und Tod sind unvermeidlich. Die Summe dieser Identifikationen nennen wir »Selbst-«.und hergeworfen werden. Leiden ist vielmehr die Folge der Identifikation mit etwas. führt zu mehr Leiden. Der Versuch.Daher gibt es Leben ohne Leiden nicht. in dem die Wesen von den Wellen ihrer eigenen geistigen Gifte und widerstreitenden Emotionen in einem wahren Ozean des Leidens hin.

was sich gewohnt und Heb anhört. sich ohne qualifizierten Lehrer auf den spirituellen Weg zu begeben. uns aber genau in den von Anhaftung und Abneigung konditionierten Kreislauf der unerleuchteten Existenz weiter verwickelt. weil im Herzen der Vergänglichkeit alle Phänomene leer sind! Vergänglichkeit ist also gleichzeitig der Quell von Leiden. Aber auch der weit verbreitete Glaube an den inneren Meister kann zum Fallstrick werden. sondern hoffnungsvoll. zu. O Die Vermehrung von guten Taten. wohin es führt. selbst spirituelle Erfahrungen. das man sich und anderen auf diese Art zufügen kann. O Rüchzug an einen einsamen Ort. wenn wir anhaften. 94 . und die größte Gnade. denn alle anderen Orte reizen die Geschäftigkeit. Erinnere dich an eine vergangene. Dies ist keine Tragödie.portional nimmt auch das Leiden. unterworfen sind. Hier hilft wieder die Kontemplation der Vergänglichkeit. Häufig sagt dann die »Stimme des höheren Selbst« das. ist: Eine ernsthafte Praxis. denn alles andere überträgt den Keim der Verwicklung. denn alles sonst O üherlässt die Zügel deines Geistes dem Ego. umwerfende Einsicht ~ und wie sich deine Einsicht und Erfahrung seitdem verändert und vertieft hat. und die zahllosen Skandale aus dem Umkreis der vielen selbst ernannten Gurus und Meister ohne Autorisierung oder Übertragungslinie zeigen. was dich retten kann. der auch Meinungen. wenn wir den spirituellen Weg gehen! P a s . Im Zen wird dies deshalb als »Vorgarten der Hölle« bezeichnet. Dieser Wandel war nur möglich.

Tatsächlich befand er sich unter den 25 engsten Schülern und bewahrte so die Bönschriften vor der Zerstörung. 95 .Drenpa Namka war ein Prinz des annektierten Königreiches Zhang Zhung und einer der größten Dzogchenroeister und Siddhas der Bon-Schule .den Bön gilt er außerdem als Vater von Padmasabhava.

Der Verstand. dem du vertrauen kannst. in der Leid und Glück untrennbar miteinander verwoben sind. Denn auch in unserer relativen Welt der sich gegenseitig bedingenden Polaritäten. der schon gelernt hat. durch die das Absolute hindurchscheint. gibt es doch in den Kausalketten immer wieder Lücken. der ja aus dem Gewebe der Polaritäten besteht. O Die heiligen Lehren der Weisheit. Deswegen ist es völlig klar. dass es einer vorübergehenden Abwendung von unserer relativen Wirklichkeit bedarf und vor allem der Unterstützung eines Menschen. denn jeder andere Rat zieht dich nur nach unten. 96 . kann das Absolute nie verstehen. denn alle anderen Gefährten fuhren dich aus Eigennutz in die Irre. Dann können wir auch wieder zurück in unseren Alltag gehen. um diese Einsicht unter allen Umständen zu überprüfen. ähnlich wie die Tischplatte unter einer gehäkelten Tischdecke als ständiger Hintergrund zu sehen ist. jenseits des Verstandes zu schauen.in qualifizierter Lehrer.

um den Geist des erleuchtenden Mitgefühls für alle Wesen zu erwecken. Es genügt nicht. die einmal deine Eltern waren. Deshalb ist es notwendig. Arbeite deshalb beständig an der Entwicklung von liebender Güte.MITGEFÜHL . kann man sagen. Denke immer und immer wieder daran. dass du nur die unkonditionierte Leerheit deines Geistes erkennst .jLJ^ie guten Taten vieler Millionen Jahre können in einem einzigen Augenblick des Ärgers zerstört werden. Es gibt nämlich unter all den unendlich zahlreichen Wesen kein einziges. Auf diese Art gesehen. allen Menschen zur Erleuchtung zu verhelfen. dass dir jedes Wesen schon einmal Mutter oder Vater war. dass du in den Nihilismus verfällst. sich selbst zu retten. Mitgefühl und dem unschätzbar wertvollen Wunsch. dass du über die Einheit von Leerheit und Mitgefühl meditierst. wie diese Wesen.ohne das große Mitgefühl entstehen zu lassen besteht die Gefahr. ^6 97 . aus dem du nicht schon einmal entstanden bist. Deshalb meditiere ununterbrochen. keine Chance haben.

Schritt für Schritt gelingt es. bis ich dazu auch in der Lage bin!« Eine der schönsten Übungen dafür ist es. Hingabe und Fürsorge. ist. sowohl genetisch in unserer ewig langen Ahnenreihe bis zurück zum Einzeller. wie belastet die Beziehung sich später auch entwickelt haben mag. gibt es zumindest aus der frühesten Kindheit Erinnerungen an die Süße und Liebe. geht soweit. das Leid von mehr und mehr Wesen in uns aufzunehmen und mehr und mehr von unserem Glück zu teilen. Auf geheimnisvolle Weise sind wir tatsächlich aus allen anderen Wesen entstanden. sich bei jedem Einatmen vorzustellen. wie selbst bei den meisten Tieren die Mütter ihre Jungen aufopfernd versorgen. sondern zu. allein daran gehen. unsere Liebe. Nun versuchen wir. zu sagen: »Ich werde. Kraft und Gesundheit zu widmen. der als Oberhaupt der Nyingma-Schule der direkte Nachfolger von Guru Rinpoche war. finden wir mehr und mehr Lebensmut und -kraft. Mitgefühl auch tatsächlich freizusetzen. dass dies eine der höchsten Formen der Liebe ist.Tibetische Meister sagen. Erstaunlicherweise nimmt dabei unser Glück nicht ab. ohne die wir gewiss nicht überlebt hätten. Eine weitere Übung. Wenn wir anschauen. alle Wesen zu befreien und mich so lange üben. uns vorzustellen. Egal.H. guten Lebensumstände. in dem jedes Wesen aus dem Leben der anderen entsteht. dass 98 . und anstatt niedergeschlagen zu werden. dass man in sich den Mut finden muss. S. dass das Ausmaß des spontan befreiten Mitgefühls die Tiefe der Erleuchtung anzeigt. es in uns zu heilen und ihm beim Ausatmen unsere schönsten Erinnerungen. das Leid eines anderen Wesen in uns aufzunehmen. So wächst unsere Kapazität dafür. wenn es sein muss. ist es klar. sich an die Güte unserer Mutter zu erinnern. Dilgo Khyentse Rinpoche. die tibetische Meister empfehlen. wie auch jetzt aus dem Kreis des Lebens.

Versuchen wir. Wenn sich schon unser Körperempfinden die ganze Zeit aus äußeren Einflüssen zusammensetzt. Indem wir diese erkennen. verarmen wir nach innen und stellen uns mehr und mehr in Widerspruch zur Welt außen. Versuchen Sie. gelingt es uns selbst. uns zu verändern und Verantwortung für unser eigenes Leben zu übernehmen. die es uns ermöglicht. da so ein 99 . ist unser Geist noch mehr durch vorherige Einflüsse geprägt. das heißt. Sympathie und Verständnis aufzubringen. Hätten wir ein festgefügtes. denn die ist für unser fragiles Selbstbild eine ständige Bedrohung. So schafft unser künstliches Selbstbild neue Leiden für uns und andere. wenn auch die irrtümliche Identifikation mit einem abgetrennten Selbst diese mit Vorstellungen von Mangel oder Begrenzungen überlagert.jedes Wesen dieselbe selbstlose Liebe wie unsere Mutter als seinen tiefsten Grund hat. Auch neutrale Begegnungen mit Verkäuferinnen oder Bankangestellten gewinnen so eine menschliche Dimension. diese Übung in jeder freien Minute zu machen! Eine Voraussetzung für diese Erfahrung von Mitgefühl ist die Erkenntnis der Leerheit. mehr Güte. könnten wir uns nie verändern. mehr Liebe und Güte in bislang scheinbar ablehnungswürdigen oder bedeutungslosen Worten und Taten unseres Gegenübers zu erkennen. Paradoxerweise ist es gerade die fundamentale Offenheit. können wir auch an keiner Stelle eine feste Grenze zur Umwelt ziehen. ein getrenntes Selbst aufrechtzuerhalten. Da wir bei jeder auch noch so intimen Empfindung immerzu von sowohl geistigen Faktoren als auch äußeren Ursachen geformt werden. So kann auch eine belastete oder kühle Beziehung sich verbessern. sondern gibt den Raum für die Fülle aller Erfahrungen. getrennten Selbst sind. Diese Leerheit ist dabei nicht öde. Schon gelingt es uns tatsächlich. dass alle Wesen leer von einem eigenen. wenn man die Leerheit erkannt hat. die entsteht. abgegrenztes Selbst.

und umgekehrt die neurotische Fixierung auf ein getrenntes Selbst die Ursache des Leidens. Mitgefühl entsteht spontan. Gleichzeitig löst die Erkenntnis der eigenen Freiheit von einem begrenzten Selbst ein so tiefes Glücksgefühl und eine reine Liebe aus. unser Leben in die Hand zu nehmen. Je mehr sich die eigenen Grenzen auflösen. Leerheit ist also die Voraussetzung zum Wandel und die Möglichkeit. dass wir überströmen und allen Wesen die gleiche Erfahrung wünschen. um so tiefere Potentiale zur Heilung setzen sich frei. Dies ist die Einheit von Leerheit und Mitgefühl. wenn wir erkennen. 100 . dass unsere Mitmenschen ganz überflüssig an ihrem illusionären Selbst leiden und ihrem eigenen Glück im Wege stehen.Selbst ja ewig und unberührbar wäre.

was erscheint. ist die Erinnerung an die Unvollkommenheit des ewigen Daseinskreislaufes. die du brauchst. doch haben die Wesen dieser kranken Zeit nur eine kurzlebige Hingabe. ist das Bewusstsein •von der Vergänglichkeit. ist die Zuflucht zur großm Freude. den du brauchst. Die einzige Erleuchtung. deswegen erleben sie alle Arten von selbst verursachten Schwierigkeiten. dass alles. die du brauchst. Ach. die du brauchst. ist die Erkenntnis. 101 . mit der du alle Wesen erfüllst. Dann brauchst du keinen anderen Erlöser mehr. Das Absolute ist bereits in dir. Wenn du das alles zusammen erkennst. Die einzige Zuflucht. alle Gedanken schon an der Wurzel zu erkennen und abzuschneiden. ist der. Der einzige Lehrer. wenn es dir gelingt.WAS DU BRAUCHST I ie einzige Ermahnung. nur ein Spiel des Geistes ist. die du brauchst. dem du dich aus der liefe deines Herzens anvertraust. Die einzige Ermutigung. dann gibt es tatsächlich keinen Unterschied mehr zwischen dem ewigen Daseinskreislauf und der Erleuchtung.

Ach. und wenn. Weil ihre Faulheit so groß ist wie die Ablenkungen vielfältig sind. ihrem Geist die Zügel der geistigen Übung anzulegen. dann halten sie nicht lange durch. 102 . wie traurig das alles ist. können sie sich kaum zur Meditation und zu ethischem Handeln motivieren.Sie sind zu achtlos und schwach.

103 . So werden die wunderbaren Eigenschaften des Glaubens in vielen alten Schriften und Lehren beschrieben! Es mag seltsam anmuten.DER GLAUBE . V Schließlich fuhr Guru Rinpoche fort: Die einzige Wurzel aller Qualitäten eines Erleuchteten ist der Glaube. dass Erleuchtung unsere ureigenste Natur ist. wirst du von allen Fehlern und Hindernissen befreit werden. wie es Atome im Universum gibt. den Glauben als die Grundlage aller Eigenschaften eines Erleuchteten zu bezeichnen. Wenn unwandelbarer Glaube aus den Tiefen deines Herzens aufsteigt. Glauben jedoch eher mit diffusen Gefühlen und Hoffnungen zu tun zu haben scheint. Wenn du nur einen Augenblick lang an die Möglichkeit der vollkommenen Erleuchtung für alle Wesen glaubst. wie wenn du so viele Erlöser anbetest. so ist das so verdienstvoll. da doch Erleuchtung eher mit Erkenntnis und Gewissheit durch direkte Erfahrung assoziiert wird. Die geheimen Lehren des tibetischen Buddhismus offenbaren ganz eindeutig.

. weil sie wirklich von einem Stein bewegt wurden. Konditionierungen und Zweifel befreit werden. Der Glaube an unsere Erleuchtung ist also ganz natürlich. bedarf es immer eines Aktes des Glaubens oder des Vertrauens. genauso wie die Sehnsucht. in der wir uns selbst täglich neu hypnotisieren. um unsere erleuchtete Natur zu verleugnen. Wenn die Schilfhalme deswegen an einen großen Stein glauben. dass selbst der Glaube nicht als Aktivität des Menschen. So orientiert uns Glauben in die richtige Richtung. die sich ausdehnen und die Schilfhalme bewegen. dass Glaube nicht von uns ausgeht. dass die Erleuchtung schon in uns wirkt und der Glaube das offenbart. sondern nur von dem Schutt unserer Ablenkungen. Tatsächlich befinden wir uns in einer Trance. sondern als Resultat der Gnade des Buddhas Amitabhas entsteht. Wenn ein Stein ins Wasser fällt. so erzeugt er Wellen. immer ein Echo dessen.so wie das hässliche Entlein schon immer ein Schwan war. ohne ihn zu sehen. Es ist unmöglich. sondern ist nur möglich. um den Abgrund zwischen Verstand und Wahrheit zu überspringen. Genauso kann man nicht sagen. wenn man in die andere Richtung schaut. Der Glaube ist. gerade weil Gott durch nichts zu beweisen sei. der sie bewegt. kann sie nicht verwirklicht werden. sondern eine Spiegelung dessen ist. denn er orientiert uns nur in die richtige Richtung. etwas zu sehen. glaube er an ihn und der japanische Mönch Shinran ging so weit zu behaupten. was schon von sich aus ist. dass unser Glaube die Erleuchtung schafft. woran wir glauben oder wonach wir uns sehnen. sondern nur. Thomas von Aquino hat gesagt. so geht dieser Glaube tatsächlich nicht von ihren Hoffnungen aus. Sie kann deshalb nicht erworben oder gemacht werden. Paradoxerweise ist es so. woran wir glauben. Ohne an die Möglichkeit der Erleuchtung zu glauben. Da Erleuchtung nie vom Verstand erfasst werden kann.

in der Meditation und im Alltag dieses gnostische Bewusstsein als einzige Realität zu sehen. ist das unerschütterliche Vertrauen des Schülers in die höherrangige Wahrheit der Erleuchtung nötig. sie unter wechselnden Umständen zu aktualisieren und über längere Zeit aufrechtzuerhalten. Danach ist es die beständige Übung des Schülers. um die in der Initiation erlebte Vereinigung mit dem erleuchteten Geist in der Meditation zu stabilisieren.In der Alten Schule Tibets ist es die Initiation. Da dies anfänglich oft nur für kurze Perioden gelingt. und die relative Wirklichkeit geradezu zynisch das Gegenteil zu beweisen scheint. 105 . in der der Meister dem Schüler die erleuchtete Natur seines Bewusstseins zum ersten Mal erweckt.

um die Lehre für die zukünftigen Generationen zu erhalten. deren Verwirklichung ihre Ausdauer überschreitet.DIE HINDERNISSE AUF DEM WEG enn du seihst Wesen helfen willst. sonst sind sie selbst für die Fehler der Schüler verantwortlich. und keine Einweihungen. was die Übungen bewirken. ist es wichtig. und ihnen keine Unterweisungen zu geben. einen Augenblick vom spirituellen Weg abzukommen. müssen sie geschickt darin sein. Am besten nimmst du die alten Schriften und Überlieferungen als Maßstab und erfährst für dich selbst. die Fähigkeiten ihrer Schüler zu erkennen. die ihr Verständnis überfordern. die ihrer Natur entsprechen. die fünger nur zu solchen Übungen und Regeln zu verpflichten. die die heiligen Meister gelehrt haben. 106 . Dann überwinde den Dämon derAnhaftung an den Ich-Sinn und entwickle unbegrenztes Mitgefühl für alle Wesen und erlaube weder deinem Geist noch deinen Worten oder Taten. Wenn die Lehrer die Wahrheit verbreiten. selbst ein Lehrer zu werden. Das sind die ersten Schritte auf dem Weg.

ein Meister zu werden. der ältesten schriftlichen Aufzeichnung der Lehrreden des historischen Buddha. wenn tatsächlich eine bestimmte Stufe der Verwirklichung erreicht ist. entsteht spontan als eines der Zeichen. Sich selbst zum Lehrer zu ernennen oder gar spirituelle Praxis mit dem Ziel zu betreiben. Schließlich darf man nichts mehr für sich selbst erhoffen. noch sich selbst in der Spiegelung erkennen. anderen Wesen zu helfen.. die in Tausenden von Jahren entwickelt worden sind. besonders die Möglichkeit. die eigene Motivation von Resten alter Konditionierung zu reinigen und die geschickten Mittel beherrschen zu lernen. Im klassischen Palikanon aus dem 3. in den verschiedene Farben geschüttet sind. Der Impuls. werden vor allem fünf Hemmnisse beschrieben. da Ehrgeiz die wahre Verwirklichung für immer verhindert. Die Sinneslust oder das Begehren der Sinne nach angenehmen Eindrücken. endlich so weit zu sein! Hindernisse und Hemmnisse zu erkennen ist ein wesentlicher Bestandteil der buddhistischen Lehre. sich daran zu erinnern. günstigen Umstände und alles Gute in unserem Leben. der die Übungen bis zur direkten Erfahrung ihres Ziels vervollkommnet und dann von seinem eigenen Meister den Lehrauftrag erhalten hat. Das kann schön und interessant sein. Sie wird verglichen mit einem Teich. 107 . aber man kann weder auf den Grund sehen. Als Zweites hilft Dankbarkeit: Also danken wir für die freien und. nicht einmal. und dass wir selbst sterblich sind und nur die positiven und negativen Eindrücke in unserem Geist mitnehmen. den Weg der Wahrheit gehen zu können. Dann gilt es immer noch. wäre undenkbar. dass alle Objekte unseres Begehrens vergänglich sind. Jahrhundert vor Chr. 1. Als Gegenmittel hilft.In der Tradition des tibetischen Buddhismus kann nur derjenige selbst Lehrer werden.

. '?.u]i iilui.i 108 .it hu . uiig zmiii'i D (Kims _.1.in :i.n'.V'>ka—i k. rln.

dass wir sterben müssen und dass wir nicht wissen. Die Faulheit oder Müdigkeit. Ein buddhistisches Sprichwort sagt: »Sicher ist nur.2. 5. alle als unsere Mütter zu sehen. Dabei ist es wichtig. der jede meditative Konzentration verhindert. das Bekenntnis gegenüber konkreten Wesen. In kürzester Zeit glättet dies alle Wogen. aber nur ein ruhiges und klares Wasser ermöglicht wirkliche Einsicht und Erkenntnis des Grundes.vor allem an der Lehre und den Lehrern. Lass die Unruhe. wann. Hier hilft nur. kommen Ärger und Hass zur Ruhe und wir können die guten Seiten in anderen und in unseren Lebensumständen erkennen. dessen Wasser kocht und brodelt. Ärger und Hass. Die Faulheit wird überwunden. Dieser wird mit einem trüben und schlammigen Wasser verglichen. Unruhe und Aufgeregtheit. der von Algen durchwachsen und mit Pflanzen bedeckt ist. Zuletzt steht der schwer zu überwindende Zweifel . Ärger und Hass entstehen. weil wir uns die umgebenden Umstände und Wesen als fremd und feindlich gesonnen vorstellen.-« 3. Dies ist ein Zustand. indem man sich die Endlichkeit des Lebens vor Augen hält. aus denen wir entstanden sind. wie sie ist und konzentriere dich nur auf deinen Atem. Sie werden verglichen mit einem Teich. wider besseres Wissen gegen die eigenen ethischen Regeln oder Verpflichtungen zum Schaden anderer gehandelt zu haben. 4. wegen dem wir uns schuldig fühlen. Beim Einatmen sage dir selbst: »Steigen« und beim Ausatmen notiere innerlich »Sinken«. die wir 109 . Üben wir. Schwere Zweifel verbergen meistens ein schlechtes Gewissen. Er wird verglichen mit einem von Wind und Wellen gepeitschten Wasser. echte Reue zu entwickeln und alles zu bekennen. Sie wird verglichen mit einem Teich. sich an das Gesetz von Ursache und Wirkung zu erinnern.

von nun an nur Gutes zu tun und das zu meiden. Doch wenn die moderne Psychotherapie von Suhpersönlichkeiten. dann wäre es leichter. abzulegen. die Erleuchtung zu erlangen. auch gegen unsere Interessen. Von Dämonen zu reden hört sich für moderne Menschen vielleicht seltsam an. Darüber hinaus heißt es in vielen asiatischen Texten. Am Schluss wird das Wasser ruhig und klar und ermöglicht wahre Einsicht und die Erkenntnis des Urgrundes! Wenn all diejenigen. Anschließend braucht es unbedingt das Versprechen. so zahlreich wären wie die Sterne am Himmel. als ein Jahr lang gute Taten zu tun. Deshalb müssen wir zuerst wissen. so wären diejenigen. So können wir den Begriff »Dämonen« vielleicht besser verstehen. die in unserer Psyche relativ eigenständig leben und sich weitgehend selbstständig. Gäbe es diese Hindernisse nicht. der einen inneren Weg 110 . Bleibt dies aus. dass ein Mensch. ** Sehr bald schon entwickeln sich positive Gedanken und Vertrauen. wie wir diese Dämonen erkennen und dann überlisten können. was anderen schadet. die den Weg der Wahrheit gehen. fixierten Geisteshaltungen oder Komplexen spricht. denen die Dämonen keine Hindemisse in den Weg legen. die Dämonen und Gottheiten eine eigene Existenz außerhalb unserer Psyche zuschreiben. weniger als Sonne und Mond. geht sie auch von Energiemustern aus.hochschätzen. verhalten. seien es ein Baum im Wald oder die Buddhas der drei Zeiten. so haben wir bei unserem Bekenntnis etwas übersehen.

111 . Indem du dich ständig an die so genannte Realität anklammerst. Während du noch in der Stadt des Leidens eingekerkert bist und einen Ausweg suchst. der dir unerschütterlichen Glauben und stetes Bemühen einpflanzt. Reflektiere über Tod und Vergänglichkeit. die immer schwerer zu durchbrechen ist. wenn du nach einem qualifizierten Lehrer suchst. dabei ist. die Geschäftigkeit. Dieses kann dir jedoch ganz schnell wieder von einem Dämon namens Faulheit gerauht werden. fängt dich stattdessen der andere Aspekt des Dämons. entwickelst du vielleicht etwas Vertrauen in den Weg zur Erleuchtung. ein. und das genau ist das Hindernis. während du andere liebst und an ihnen hängst. die Quelle unerschütterlichen Eifers! Stelle alles Nebensächliche zur Seite und widme dich nur dem großen Ziel der Erleuchtung. um ihn auf seinen menschlichen Stand zurückzuwerfen. unbewussten Mechanismen und Komplexen beschrieben. sich über alle Götter und Dämonen (die himmlischen und höllischen Hierarchien im christlichen Sprachgebrauch) zu erheben. Wenn du den Wettbewerbsgeist aber beibehältst. bist du zu beschäftigt. Deswegen legen diese ihm jeden möglichen Fallstrick in den Weg.geht. So verschiebst du die Erleuchtung für immer auf später. Wenn du es dir einmal angewöhnt hast. diese Faulheit zu entschuldigen. Das kannst du nur überwinden. Andererseits wird so auch das Abwehrverhalten gegenüber verdrängten Erinnerungen. wird sie zur Gewohnheit. um an Tod und Vergänglichkeit zu denken und verstrickst dich in alles Mögliche. und indem du einige Wesen als Feinde bezeichnest und sie ablehnst.

wohlmeinenden Freunden und Partnern annehmen. Um diese Hindernisse zu überwinden. ins 112 . um uns mit Ausreden zu "überlisten. wirst du auch wieder die Erleuchtung auf morgen verschieben. und am Ende sitzt du immer noch im Schlamm des Leidens fest. diszipliniert aufzustehen. wird er nach einiger Zeit »überlaufen« und uns helfen. um ein problematisches Kind zu heilen. früh aufzustehen. Die moderne Familientherapie hat beobachtet. in dem wir stehen. vertraue auf den Rat deines Lehrers. weil das Kind all die unterdrückten und unbewussten Emotionen der ganzen Familie ausdrückt. Aber wenn wir es einmal fertiggebracht haben. können wir den Verstand überlisten und ihn für unsere Zwecke einsetzen. warum wir morgens nicht zum Meditieren aufstehen können. Er kann die Form von Familienmitgliedern. So ist es auch mit uns. Als Nächstes taucht der Dämon namens »Wechselhaftigkeit« auf. So geht ein Lehen voller Illusionen schnell vorbei. Da er nämlich ungern auf der Seite des Verlierers steht. prüfe genau die Ratschläge deiner Mitmenschen und entscheide für dich seihst. Hörst du darauf.Der zeitgenössische Siddha-Yogi Swami Muktananda pflegte zu sagen: »Der Verstand ist immer zur Stelle. die ganze Familie in die Therapie einbezogen werden muss. dann auf den Tag danach und so weiter. gerät das ganze soziale Netz. die dir sagen: »Hör doch auf mit dieser Erleuchtungsgeschichte« und dir alle möglichen Schwierigkeiten machen. dass. nimm Zuflucht zur höchsten Wahrheit. Wenn wir eine tiefe spirituelle Erfahrung erleben. und dafür sogar noch gute Argumente anführen«.

Wanken. du entwickelst entgegengesetzte Ansichten und bezweifelst sogar. Deswegen sehen sie es als ihre oberste Pflicht an. Deine eigene spirituelle Praxis wirst du vorwiegend dazu verwenden. Mache dir klar. kommt der nächste Dämon in der Form des Zweifels. Lebenslügen. bist blind für seine Fähigkeiten. Dann kommt der Dämon in Form eines Rüchfalls in die Gier. ob irgendeine seiner Handlungen von Weisheit bestimmt wird. um Reichtümer anzuhäufen. nur noch als Mitteilung deines Gesprächspartners über seine eigenen Ängste und Unsicherheiten zu verstehen. an Geschäfte. dass dein Lehrer und der vollkommene Weisheitsgeist eins sind. Obwohl du zu einer spirituellen Reise aufgebrochen bist. lass dich nicht davon abbringen. wirst du so in einer selbst geschaffenen Hölle landen. Machtstrukturen und alle anderen Spiele werden durch solche tiefe Erfahrungen bewusst und in Frage gestellt. dich wieder auf den »Boden der Tatsachen « zurückzuholen und dir zu helfen. Freunden und Kollegen als bedrohlich empfunden. Sage laut oder leise: »Danke für die Mitteilung« und übe Mitgefühl für den Sender. alles was dir gesagt wird. egal ob andere dich beeinflusst oder beraten haben! Wenn du trotz alledem bei deinem Lehrer bleibst. Du fühlst dich deinem Lehrer gleichrangig. Übe an dieser Stelle. denkst vorwiegend an Geld. 113 . dass nur du die Konsequenzen deines Handelns erleben wirst. Seine Zeichen sehen so aus: Du hungerst nach Sex und Alkohol. Gegenseitige Abhängigkeiten. diese »spirituellen Spinnereien« zu überwinden. während dir die kleinsten Fehler auffallen. Um diesen Dämon zu vertreiben. Das wird natürlich von Familien.

die dich inspiriert hat.Karriere. bleibe dabei. Um diesen zu überwinden. Um diesen Dämon zu unterwerfen. Auf diese Weise gehst du immer am wahren Sinn der Lehren vorbei. dann behauptest du nur: »Das kenne ich alles schon«. Erfolge und diverse Machenschaften. musst du die unerschütterliche Entschlossenheit entwickeln. Obwohl du nur wenige Sätze behalten hast. Wenn du tiefgründigen. verkündest du die geheimen Lehren lauthals und beginnst. du verstehst nur die Theorie. 114 . Halte dir das Leben all der hedigen und weisen Menschen vor Augen. echten Lehren begegnest. nur den Lehren der Wahrheit zu folgen. die offensichtlich im Gegensatz zur Lehre der Wahrheit stehen. Welche Lehre auch immer es ist. Aus dieser Haltung kann niemals ein sicheres Verständnis erwachsen. Das ist sehr wichtig! Der nächste Dämon heißt »Einbildung« und verleitet dich dazu. Du strebst. gibst Lehrer und Begleiter auf dem Weg auf und übst überhaupt nicht mehr. Halte dich fern von allen Ablenkungen und vermeide Handlungen. Du behauptest. diese oder jene Lehre erhalten zu haben. die Lehren auf die leichte Schulter zu nehmen. aber du verstehst ihre wahre Bedeutung nicht wirklich. bis du wirklich in ihre wahre Bedeutung eintauchst. die vor dir dem Weg der Wahrheit gefolgt sind und ihr Ziel erreicht haben. musst du die erhaltenen Unterweisungen und die Weisheitslehren immer aufs Neue und von allen Seiten und ohne Vorurteile studieren und bedenken. dich als Lehrer aufzuspielen. nur noch nach weltlichen Genüssen und Herausforderungen und verlierst jedes Interesse an der Wahrheitslehre. Darüber hinaus lässt du alle spirituellen Bestrebungen fahren. Gerade das ist der Dämon.

um dann die Lehre zu »verbessern«. Dabei werden ausgefeilte Methoden und Systeme. Wer sich dann mit solchem unvollständigen »Kartenmaterial« auf den Weg macht. geht natürlich das Risiko ein. Wenn du beim Lesen müde wirst. dass viele der heutigen »Lehrer« und Gruppenleiter von ihren eigenen Lehrern nie autorisiert wurden und sich häufig sogar nach einem Bruch. bis du die letzte Stelle findest. hast du eine wesentliche Stelle. Um sicher zu gehen. Im Zuge des New Age gehen manche Menschen in drei Workshops an drei Wochenenden und bieten am vierten einen eigenen Workshop im Vertrauen auf ihre »innere Führung« an. Besorgniserregender noch ist es. die dir unverständlich war. bei der du wach und klar 115 . nie anzukommen oder schlimmer noch. Um unserem kurzfristigen Nutzen zu dienen. die über Jahrtausende hinweg entwickelt und tradiert wurden. Dieses Denken ist ähnlich kurzsichtig wie aus lauter Bequemlichkeit bei einem Auto nie Motorenöl nachzugießen und dann das rote Warniämpchen mit Leukoplast zuzukleben. trennten.Gerade dieser Dämon scheint in unserer heutigen Zeit sein Unwesen zu treiben. ohne die sie nie zum Ziel führen. überlesen. sich böse zu verirren. dass unsere »heutigen Bedürfnisse« vor allem Inkonsequenz und Bequemlichkeit sind. werden dabei ganz unbedacht die essentiellen Punkte einer Lehre oder Methode verkürzt oder ganz weggelassen. ohne Zögern einfach verändert und unseren »heutigen Bedürfnissen« angepasst. gibt es mehrere einfache Regeln: 1. dass man mündlich erhaltene Unterweisungen und die Weisheitslehren der heiligen Schriften wirklich verstanden hat. Leider stellt sich dabei nur zu häufig heraus. weil es »nervt«. der auf ihrem Mangel an Verständnis beruhte. Gehe zurück. Gutgläubige Teilnehmer ihrer Kurse erhalten dann das Resultat ihres Unverständnisses als »geistige Führung«.

3. einem spirituellen Freund. Stelle dir für beide Möglichkeiten Beispiele vor. was du verstanden hast. So macht man sich die kostbaren Lehren der Weisheit wirklich ganz zu Eigen. Lies dann langsam weiter. wie tief dein Verständnis wirklich ist. 116 . Geschieht das Gleiche bei mündlichen Belehrungen. Das hält dich von weiteren Übungen ah und wird zu einem neuen Hindernis auf dem Weg. und stelle dir dann vor. schreibe sie nieder und stelle sicher. Wiederhole die erhaltene Information möglichst genau. Stelle dir ein konkretes Beispiel vor. taucht schon der nächste Dämon namens »Begehrlichkeit« in der Verkleidung von Gönnern und Schülern auf. dass alles. die dir beim ersten Lesen unverständlich war. Versuche. dass alles. Erkläre. Du fühlst dich geschmeichelt. deine Fragen gleicli klären zu lassen. große Reichtümer stünden dir zu. 5. dass du später die Gelegenheit zum Fragen hast. was du gelesen oder gehört hast wahr ist. bis du sie verstehst. dann entdeckst du.warst. Erkenne. Bleibe so lange an dieser Stelle. 4. bist in dich seihst verlieht. kommst dir sehr weise vor und denkst. was du gelesen oder gehört hast unwahr ist. Das einzige Heilmittel dagegen ist. Stelle alle anderen Aktivitäten zugunsten der Erleuchtungsübungen zurück. die Bedeutung innerlich nachzuvollziehen. Wenn dir das gelingt und du schon einige Qualitäten entwickelt hast. wenn du in Retreat gehst und dich in die Einsamkeit der Berge zurückziehst. bis du an die Stelle kommst. versuche. 2. Stelle dir vor. dass alle Urteile selbst geschaffen sind! 6. Stört das den Ablauf.

Der nächste Dämon, der dich angeht, sind die metaphysischen Theorien der verschiedenen spirituellen Systeme. Du beginnst in einer gefährlichen Art und Weise, zwischen deinen eigenen Ansichten und denen anderer zu unterscheiden und zu bewerten. Damit verwandelt sich selbst die Wahrheit in Gift. Um das zu verhindern, lass jedes Vergleichen und jede Rivalität sein und übe dich darin, ohne Vorurteil den Kern der reinen Wahrheit in allen Systemen zu erkennen.

Da die absolute Wahrheit und die Welt der Dinge nicht wirklich voneinander getrennt sind, ist in jeder Lehre zumindest ein Körnchen Wahrheit. Wenn du dies anzweifelst, rufst du nur Argumente und Widerspruch auf den Plan, auf die du wiederum eingehen und weiterargumentieren »musst«. Ziemlich bald bist du weit weg von jeder eigenen direkten Erfahrung von Wahrheit und nur noch mit toten Meinungen im Verstand identifiziert. Wenn du schon Schüler hast, werden auch die von der Krankheit des dualistischen Denkens angesteckt. Versuche lieber zu erkennen, wer es ist, der all das wahrnimmt. Welcher Geist unterscheidet zwischen Richtig und Falsch, mein und dein? Suche diesen Geist und nicht die Unterschiede.

Wenn du in deiner Meditation Fortschritte machst, kann ein neuer Dämon auftauchen, der deine eigenen Erfahrungen anzweifelt und sie in gut oder schlecht unterscheidet. Wenn du auf eine bestimmte Erscheinung des Göttlichen meditierst, indem du deinen Geist mit ihr identifizierst, um ihre Qualitäten einzuüben und ihr Verständnis zu erlangen, 117

und du dann zu zweifeln anfängst, wirst du auch die verschiedenen Aspekte Gottes in »gut« und »schlecht« unterscheiden und sie nach ihren Nutzanwendungen bewerten. * Dieses Unterscheiden hingt dich wieder in einen Zustand der Dualität, mit der Versuchung, deine bereits gewonnenen spirituellen Kräfte zu deinem eigenen Nutzen zu verwenden und den Lauf der Dinge durch Rituale und Beschwörungen zu manipulieren, anstatt hingebungsvoll um Erleuchtung zu beten. Damit verfällst du der Magie. Um diesen Dämon, der das Gegenteil von Erleuchtung ist, zu besiegen, erlaube der natürlichen Gewahrheit des Geistes zu erblühen, ohne dich auf Form und Inhalte der Objekte des Bewusstseins zu konzentrieren, und verstärke die heiligen Eide für Körper, Sprache und Geist, die zur Erleuchtung führen.

Vielleicht nicht überraschend, verspricht ein Großteil der gängigen Systeme und Methoden auf dem spirituellen »Markt« nicht die Erleuchtung, die als zu »abgehoben« abgetan wird, sondern stattdessen die erfolgreichere Manipulation der Lebensumstände. Ob es um Geld, Liebe, Karriere oder auch nur um Parkplatzsorgen geht - alles ist möglich durch »positives Denken«. Das Problem ist jedoch, dass, wer nach gut und böse, begehrenswert und ablehnungswürdig unterscheidet, seinem eigenen Verstand ausgeliefert ist. Je mehr Erfolg er mit dieser Methode hat, umso tiefer verstrickt er sich in ein Netz von Wunschgebilden, verdeckten Neurosen und Egoprojektionen. Die Grenzlinie zwischen hilfloser Zwanghaftigkeit und Magie wird dann immer fließender. Denn nicht die Erfüllung aller Wünsche ist das Ziel des Weges, zumal sie in nicht endenwollender Flut über jeden 118

hereinfallen, der sie zu befriedigen sucht, sondern innere Freiheit und Klarheit darüber, wer wir in Wahrheit sind. Hier ist besonders wichtig, alle im Verlauf der Übung entstehenden Kräfte und Fähigkeiten nur zur Vertiefung der Übung zu verwenden, um tatsächlich die Erleuchtung zu verwirklichen. Ansonsten ist es so, als ob wir mit einem gestohlenen Auto auf der Autobahn falsch fahren - sicherlich spannend, aber letztendlich selbstzerstörerisch. Nur der erleuchtete Geist kann alle Gesetze erkennen und wann der Eingriff in den Lauf der Dinge mittels spiritueller Kraft für das allgemeine Wohl erlaubt ist oder nicht.

Wenn du dich auch von diesem Dämon befreit hast, wirst du sehr sensibel und kannst die feinstofflichen Kanäle und das Strömen der Energien und den subtilen Fluss des Atems in deinem Körper wahrnehmen. Das kann den Dämon »Abbruch der Übung« herbeirufen. Da du nämlich so feinfühlig geworden bist, wirst du nicht einmal mehr die geringste Unbequemlichkeit ertragen und nicht mehr meditieren wollen. Willst du diesen Dämon besiegen, musst du dich immer wieder daran erinnern, dass es die Natur der bedingten Existenz ist, leidvoll zu sein.

Gerade die esoterischen oder spirituellen Phänomene, die im Verlauf konzentrierter Übung auftreten, bereiten ein großes Problem. Faszinierend wie sie auch sein mögen, sind sie doch nur indirekte Auswirkungen unserer Absicht, das Absolute zu erreichen. Man kann die auftretenden Phänomene mit dem Fahrtwind bei einer Fahrradfahrt vergleichen. Er tritt auf als Resultat des Fahrens, und wenn du fasziniert anhältst und 119

absteigst, um den Fahrtwind ungestört genießen zu können, hört der Wind auf und du kommst nicht ans Ziel. Was bleibt, ist nur die Erinnerung. Gleichermaßen sind die vielen spirituellen Phänomene, die im Verlauf einer tiefen Praxis entstehen, sozusagen nur ein Nebenprodukt der Reibung unserer Persönlichkeit mit dem Absoluten. Selbst so faszinierende Phänomene wie das Erleben der Chakras und femstofflichen Kanäle oder das Sehen der Aura, sind genau genommen Begleiterscheinungen der Auflösung von unseren psychischen und physischen Unreinheiten. Wer völlig rein ist, wird keines dieser Phänomene spüren, sondern nur lichte Klarheit. Deswegen ist es geradezu närrisch, an ihnen festzukleben. Die wichtigsten dieser Phänomene sind: Die Wahrnehmung von Aura, Chakren und Energieströmen, das Gefühl in Vergangenheit und Zukunft sehen zu können, die Fähigkeit, andere Wesen oder Umstände beeinflussen und. Gedanken lesen zu können sowie extreme Feinfühligkeit und intensive, schwankende Emotionen oder Sinnerfahrung wie grundlose Trauer oder Zorn, aber auch große Hitze und Kälte, Schwere oder Leichtigkeit und »innere Filme« voller bunter Farben. Ebenso sind auch die meisten visionären Zustände sowie die so genannten »mystischen Klänge« nur Phänomene. Die Grundübung bei all diesen Phänomenen ist sich zu fragen: »Wer erfährt dies eigentlich? « oder »Welcher Geist nimmt das wahr?« anstatt sich durch die schillernden Erfahrungen von der Übung der eigenen Gewahrheit abhalten zu lassen.

Hast du auch diese Stufe überwunden, wirst du in den Zustand der »Großen Wonne« gelangen. Hier besteht die Gefahr, dass ein Dämon in Form von sexueller Energie über dich kommt. Du empfindest dich selbst als so fortgeschritten, dass du jenseits von allen Regeln und aller Moral 120

sondern des Energiehaushaltes. Selbst die sehr lebensbejahenden Indianer kennen Zeiten strenger sexueller Enthaltsamkeit vor und während wichtiger Zeremonien. Sie hilft dir zu erkennen. Grundlegend gilt: Diese Wonne ist Beiprodukt und nicht Ziel geistiger Übung.stehst. nicht zwei sind. Schlimmer noch ist es. was in deinem Körper und was außerhalb deines Körpers ist. Es ist die Energie gnostischer Gewahrheit. entlädt sie sich nicht. Das ist der Hauptgrund. Es ist also keine Frage der Moral. Wenn du aber erkennst. Daraus folgende unverantwortliche sexuelle Aktivitäten werden zu vielen neuen leidvollen Folgen führen. um einer ungeheuren Glückseligkeit Raum zu schaffen. Diese Glückseligkeit ist ein Aspekt der universellen Kraft. deren Folge sie sind. Wenn du diese Kraft dann als Sexualität auslebst. dass diese Kraft universell ist und nur unter anderem auch die Gestalt von Sexualität annehmen kann. weshalb weltweit spirituelle Praxis und Zölibat in Verbindung gebracht werden. die außerhalb des Körpers als die Welt und all ihre Prozesse in Erscheinung tritt und in unserem Körper als Sexualität wahrgenommen wird. wenn du dabei Kinder zeugst und dich dann nicht um sie kümmerst. auf. verlässt sie deinen Körper während der sexuellen Entladung. wenn sie nicht zur erleuchteten Einsicht genutzt wird. Wenn du unbeirrt von allen vorher erwähnten Phänomenen weiter übst. sondern steigt auf und gibt dir genau die Energie. die es zur Erleuchtung braucht. weil sie deine »geistige Entwicklung hemmen«. 121 . dass das. lösen sie sich zusammen mit den Unreinheiten.

entsteht in deiner Meditation eine große Leere. was ich sehen kann. tatsächlich außerhalb von mir. Mit der Behauptung. und sich dabei die Frage stellen: »Wer fühlt sich getrennt? Wo ist dieses Ich. das wiederum weiteres Begehren auslöst. ist die Idee. j e stärker wir versuchen. diese aufzuheben usw. ganz und vollständig sind. die Illusion der Getrenntheit zu überwinden. oder befindet sich alles in meinem Bewusstsein?« Versuche diese Frage durch genaues und sensibles Erfassen der unmittelbaren Erfahrung zu ergründen und lass davon ab. Lüsternheit ist immer ein Resultat von Trennung. aus dem es nur ein Entkommen gibt: Gar nicht auf Entfremdung und Begierden eingehen. ein illusionäres Bedürfnis zu befriedigen. weil es eine Ablehnung und Verdrehung der Wahrheit ist. das sich getrennt fühlt? Wo ist die Grenze? Woran erkenne ich. Verlangen wird deswegen als Knoten bezeichnet. verlierst du jeden Maßstab für ethisches 122 . Das heißt auch.und Ausatmen bleiben. in mir oder außen? Ist das. »nichts existiert wirklich«. Also nimmt auch das Gefühl der Entfremdung zu. Wenn du dich aus diesen Verwirrungen gelöst hast. den Knoten des Verlangens endgültig durchzuschneiden. Ein Teufelskreis. Da wir aber schon längst eins. und die Leere seihst wird zu deinem Gegner. was innen und was außen ist? Ist es zu spüren oder zu sehen? Ist das. was ich von der Außenwelt spüre. desto mehr verstricken wir uns im Wahn der Getrenntheit.Jetzt ist es an der Zeit. sondern einfach beim bewussten Ein. die auftretenden Impulse in Handlungen auszuagieren. etwas außerhalb von uns brauchen zu müssen. Begehren ist der Versuch. eine Illusion.

Verstehe. und höre auf. Daraus entsteht ein Gefühl von großer Freiheit. kultiviere dein ethisches Verhalten und bekenne deine Verfehlungen. Wer die ersten Erleuchtungserfahrungen erlebt hat. dass die Erfahrung der wahren Leerheit nicht vom großen Mitgefühl getrennt werden kann. die Lehre vom Weg dorthin. die ja die Grundlage der Erkenntnis der Freiheit ist. ein Gefühl von Ungebundenheit und der Ungültigkeit jeglicher Regel kann aufkommen. Übe dich ausdauernd und hingebungsvoll darin. oder an diejenigen. alle Erscheinungen als rein zu erkennen. glauben. Wenn wir unsere Erkenntnis der inneren Freiheit dazu verschwenden. man müsse mit der Einsicht auf die Erde kommen und das ethische Verhalten bis zum Himmel steigen lassen. gilt aber nur in Bezug auf unseren eigenen inneren Zustand. erkennt häufig. denn alles entsteht bedingt auseinander. Aber der Dämon kann auch in Gestalt des Mitgefühls selbst erscheinen. In Bezug zu unserer Außenwelt und unseren Mitmenschen gelten auf alle Fälle andere Maßstäbe. So verschwindet auch schnell jede anfängliche Erleuchtungserfahrung.Verhalten und relativierst Gutes mit Bösem. andere zu verletzen. dass alles schon vollkommen ist. nach positiven Erfahrungen zu greifen. wirst du ungeduldig darauf brennen. anderen zu helfen. noch an die Erleuchtung. Wenn das geschieht. Tulku Urgyen Rürpoche pflegte zu sagen. Dieses Gefühl mag subjektiv stimmen. Du wirst kein Mitgefühl für die Menschen mehr haben. die auf diesem Weg sind. verletzen wir gleichzeitig unsere Erfahrung von Einheit. aber auch Verantwortungslosigkeit. Ohne selbst erleuchtet zu sein. so wie es ist. und deine eigene 123 .

Wenn das Ausmaß des Leidens und der Illusion der Menschen. ehe unsere Erleuchtungserfahrung stabilisiert und vollendet ist. wo er will. dass nicht nur man selbst. bis dein Lehrer dich zu lehren beauftragt. und da sie noch fest mit dem Frosch verbunden ist. Dieser wertvolle Schritt kann uns aber auch zum Verhängnis werden. Wenn das geschieht. Der nächste Dämon erscheint in der Gestalt einer Vision deines Lehrers oder der großen Erlöser und spricht falsche Prophezeiungen aus. wie zum Beispiel: »Geh und erlöse 124 . die einen sehr großen Frosch zu verschlingen versucht. So erfahren wir das Leiden der anderen als unser eigenes. aber dennoch gefangen in ihren dualistischen Illusionen dies nicht wahrnehmen können. Vielleicht gelingt es zur Hälfte. wenn wir vom Mitgefühl motiviert zu helfen versuchen. denen wir helfen. stelle stattdessen deinen Wunsch voreilig zu handeln zurück und erwecke in dir den Wunsch. sondern stattdessen leiden. so entsteht tiefes Mitgefühl. zu groß ist. dass wir nicht voneinander getrennt sind. Verweile stattdessen bei der Kontemplation. verlieren wir uns wieder in den Zustand aus dem wir sie befreien wollten. Es geht dir wie einer sehr kleinen Wasserschlange. und tiefes Mitgefühl ist die natürliche Folge. zieht sie der noch zur Hälfte freie Frosch dahin. sondern auch alle anderen in ihrem Wesen bereits frei sind. den Erleuchtungsgeist zu entwickeln. Wir werden uns bewusst. was automatisch mehr Mitgefühl mit sich bringt Wenn man bemerkt.Erleuchtung zurückstellen. aber dann geht es nicht weiter.

ob im Traum. Hier gilt es den Unterschied zwischen Seher. Zum einen. Wenn sie dadurch noch klarer wird. Vision und 125 .deine Nächsten« oder »Arbeit statt Meditation ist auch eine Übung«. in die Illusion der Dualität zurückzukehren. Auch bei den Prärie-Indianern Nordamerikas gilt es als unbedingt nötig. und der Seher als getrennt gesehen werden. dass nur ein Medizinmann dir alle darin enthaltenen Erkenntnisse aufschlüsseln kann. Wenn nicht. fehlt einem selbst meistens das klare Entscheidungsvermögen. wäre es nur ein Dämon. diese zunächst zu beleidigen. ist es nur wieder der Dämon. Oft beginnt die wahre Arbeit erst nach der Vision und kann sich über Monate und Jahre hinziehen. einer Vision oder als Erscheinung. wenn ihnen eine Engelsgestalt erscheine und »himmlische Weisungen« verkünde. Da man so sehr von ihnen beeindruckt wird. ist es wirklich eine göttliche Eingebung. und zum anderen. Visionen auf ihre Echtheit hin zu prüfen. Der schlimmste Dämon aber liegt darin. Wenn sie solche Prophezeiungen aussprechen. wenn sie aber wütend würde. indem man ihr zurufe: »Du hast Dreck auf der Zunge«. was es ist. verschmelze die tiefste Weisheit deines Herzens mit dieser Vision. Außerdem meinen Indianer. und man muss sie einem Lehrer berichten. Du solltest auf jeden Fall selbst zweifelsfrei entscheiden können. Selbst Franz von Assisi empfahl seinen Brüdern. weil die Erscheinung. bis man den verborgenen Keim zum Sprießen gebracht hat. Wenn die Gestalt dann gütig lächle. dass Visionen wieder einen Anreiz geben. der dir Hindernisse in den Weg legt. wäre es ein Engel. weil sich der Empfänger als auserwähit vor allen anderen Menschen empfindet. der deine reine Gesinnung kennt.

strömt er gerade aus. Allein dieser simple Vorgang des Beobachtens. »Worin liegt er? Wo sind die Grenzen zwischen dem. ob der Atem jetzt gerade ein. Wenn dies geschieht. notiere ich innerlich »steigen«. und dich so außerhalh jeder Norm bewegen. zu bemerken. Der erste Schritt ist. bis du keinen Unterschied mehr zwischen Glück und Leid. was ich sehe? Ist es dann auch in mir?« Dies sind einige der Fragen. Strömt er ein. was einen innerlich bewegt. Gewinn und Verlust oder Lob und Tadel verspürst. Wenn du auch diesen Dämon überwunden hast. Saufend durch die Dörfer ziehend wirst du dich wie ein Verrückter benehmen. 126 . ohne die Folgen deiner Handlungen zu bedenken. Frkennens und Benennens trainiert bereits die Konzentrationsfähigkeit und setzt geistige Klarheit frei. oder unsicher zu sein. zieh dich wieder einmal in die Stille zurück und übe dich in der Atembetrachtung. bei Konzentrationschwäche und der Empfindung. die kontemplativ untersucht werden sollten. und dem.oder ausströmt. wird dein nächster Feind in Form von spiritueller Freiheit und Ungebundenheit erscheinen. was außerhalb ist. sich nicht mitteilen zu können.dem Serien selbst zu untersuchen. notiere ich »sinken«. Die Beobachtung des Stroms des Atems ist die einfachste Übung zur Überwindung jeder Form geistiger Unklarheit. was sich in mir abbildet? Bin ich getrennt davon? Werde ich geformt durch das. jeder momentanen Eingehung gehorchend.

ist die unmittelbare Erfahrung des Augenblicks gleichzeitig mit einer Vielzahl von abgerufenen Erinnerungen an frühere Erfahrungen überlagert. ist. Die Erinnerungen überlagern also nicht nur die Gegenwart und verhindern eine angemessene und wertfreie Reaktion auf die Herausforderungen des Augenblicks. Dadurch entsteht eine ständige Spannung und innere Zerrissenheit. wie es sich 127 . die in unserem Gehirn als gleichwertige elektrochemische Impulse ablaufen. Dass die unmittelbare Wahrnehmung der augenblicklichen Realität auf diese Weise rudimentär und wenig erfolgreich bleibt. Was die wenigsten Menschen aus eigener Erfahrung wissen. Wer völlig konzentriert jedes Ein. die jedoch wieder verloren geht. Verwirrung oder Unklarheit herrschen. Da unser Bewusstsein alles nur gerade jetzt erlebt. bevor du weiterliest. in der sie ablaufen. sondern mit allen früheren ähnlichen Situationen verglichen und auf dieser Basis beurteilt wird. Hinzu kommt. Dieser innere Vorgang erfolgt immer in fünf Schritten. die im Widerspruch zu unseren bewusst erkannten und formulierten Zielen stehen können. dass die ständigen Bewertungen und Urteile wegen der blitzartigen Geschwindigkeit. ist offensichtlich. sondern führen auch noch zu Bewertungen. entwickelt erstaunliche Klarheit und Geistesgegenwart.und Ausatmen beobachtet. Zunächst kommt die reine. die die Verwirklichung unserer Ziele hintertreiben und wahres Glück und Erfolg oft unmöglich machen. wenn unbewusste Gefühle oder Gedanken im Spiel sind. wenn urteilende Gedanken und reaktive Gefühle unerkannt auftauchen. unverstellte Wahrnehmung der Realität.Bitte versuche. Ganz unschuldig versuchen wir dann zu erkennen. dass jeder Sinneseindruck in Bruchteilen von Sekunden nicht nur wahrgenommen. eine oder zwei Minuten lang dies durch eigene Erfahrung zu überprüfen. unbewusst bleiben. erkennt und benennt.

deren Resultate unsere Realität formen. die bereits von der Unmittelbarkeit des Seins trennt. solange sie unerkannt in uns ihre Kreise drehen. warum sich Schwierigkeiten immer wiederholen. Auf dieser Basis erfolgen dann reaktive oder zwanghafte Handlungen. wenn sie erst einmal bewusst sind. durch angemessenes Handeln unsere Realität positiv zu gestalten. und dabei das Steigen und Sinken des Atems erkenne und benenne. 128 . Wobei die Urteile jede Empfindung in zwei einfachen Kategorien einteilen. was wir als angenehm empfinden. Wenn ich nur ein. Die Aufmerksamkeit auf den Atem zu lenken kann diesen Kreislauf an jeder Stelle unterbrechen und uns damit die Möglichkeit geben. was wir als unangenehm ablehnen und Verwirrung. die sich auf Begehren und Ablehnen reduzieren. so beängstigend automatisch und zwanghaft er auch ist. Diese wiederum führen zu Gefühlen. können wir sie leicht beeinflussen. So projizieren wir unsere Vergangenheit auf die Gegenwart und wundern uns.was wir da wahrnehmen. und ich tue spontan das Richtige. Diese Realität wiederum ist es. was wir wahrnehmen. Gerade weil diese Gesetze so mechanisch sind. Diese Empfindungen werden dann die Basis von urteilenden Gedanken. solange er unbewusst abläuft. während sie uns als überwältigendes Schicksal oder Zwangsläufigkeit erscheinen. die auf drei Grundemotionen zurückzuführen sind: Begierde nach dem. Daraus erwächst die Empfindung von angenehm und unangenehm.anfühlt. sind die Wahrnehmungen einfach. wodurch sich der Kreis schließt und die unbewussten Urteile und Erinnerungen sich selbst beweisen. wenn diese Urteile unbewusst und im Widerspruch zu unseren rationalen Zielen und Plänen sind.und ausatme. Hass auf das. klar und unverwirrt. Dieser Kreislauf ist jederzeit zu unterbrechen.

nicht höher als die Hüftgelenke sind. musst du als Erstes mit einer möglichst aufrechten Wirbelsäule möglichst entspannt täglich mehrmals 10-20 Minuten mit der Atembetrachtung verbringen. Beim Sitzen auf einem Stuhl sollten die Fußsohlen parallel auf dem Boden stehen. spüre. erlebe ich. mit jedem Ausatmen den Geist mit fallen zu lassen. das Brustbein und das Kinn sind dabei auf einer Linie. kannst du mehrere zusammengefaltete Dekken oder ein festes Meditationskissen verwenden. Brustraum und Flanken dehnen und weiten und sogar 129 . ohne dabei ein Hohlkreuz zu machen. Wenn du im Schneidersitz sitzt. dass du dich nicht anlehnst. Beim Einatmen konzentriere dich auf das spontane Einströmen des Atems. da sonst das Zwerchfell blockiert wird und dein Schwerpunkt vor den Sitzhöckern Hegt. Da wir uns durch das Sitzen auf Stühlen und Sesseln ein unnatürliches Zurücklehnen angewöhnt haben. Das Schambein. ist meine Aufmerksamkeit bereits vom Atem abgelenkt. zur Ruhe zu kommen. Um es für dich selbst zu erleben. solange die Knie beim Sitzen. wie leicht er aufsteigt und wie sich Nase. Nun kannst du deine Aufmerksamkeit ganz auf den Atem lenken. Versuche. Wichtig ist. hilft es. einem Kissen oder kleinen Hocker oder auf dem Boden sitzt. vergangenheitsorientierte Gedanken und widersprüchliche Gefühle zu haben. ein bisschen vorwärts und rückwärts wiegst. ist dabei gleich. Wenn es mir gelingt. um das Becken zu erhöhen. wenn du dich.Fange ich an. Das genügt. Ob du auf einem Stuhl. um dann etwas weiter vorne. so bewusst werden können und sich dann beim Weiteratmen einfach auflösen. als du normalerweise sitzen würdest. wie sich Schritt für Schritt alle unbewussten Urteile und reaktiven Gefühle erst zeigen. bis du ganz schwer wirst und dich tief gegründet und weit offen fühlst. einfach nur in der Atembetrachtung zu verweilen.

Schritt für Schritt gelingt es dir so. so entspannt sich der Geist nun mit jeder neuen Welle des Atems tiefer in seine erleuchtete Weite. Wie ein verheddertes Fischernetz. ob sie kurz oder lang. die ständigen Aktivitäten deines Geistes überhaupt erst wahrzunehmen. Der oben beschriebene ständige Ablauf von Wahrnehmungen. Mit wachsender Konzentration ist es möglich. Wohlbefinden und Gelassenheit ausbreiten. kannst du langsam merken. Dann gelingt es auch 130 . ins Wasser geworfen. sich selbst entwirrt. dass wir ihn nur in einem Zustand von entspannter Wachheit bemerken. Gelingt dies schon ganz gut. Wenn deine Konzentration gut ist und du dir deutlich bewusst bist. gewinnt der Geist die ihm innewohnende. Lass diese Bewegung ganz von selber aufhören ohne sie zu verlängern oder zu vertiefen. wann du ein.und wann du ausatmest. Dann merkst du. ist die Grundlage geschaffen. tief oder flach sind. ein.bis zweimal am Tag eine halbe Stunde lang zu üben. Empfindungen. schnell oder langsam. Gelingt dir dies. wie dein Gewahrsein immer größer wird und gewissermaßen auf dem Atem »reitet«. Wenn du dies bereits eine Zeit lang aufrechterhalten kannst. dir deines ganzen Körpers von innen gewahr zu werden. Urteilen und Reaktionen findet nämlich so schnell statt. breitet sich auch im Geist eine heitere Zufriedenheit und innere Ruhe aus. wie sich im Körper immer mehr Ruhe. kannst du deine Aufmerksamkeit auch auf die Länge der Atemzüge richten. ohne sie zu verändern. Nimm einfach wahr. wache Klarheit zurück und befreit sich nun Schritt für Schritt von selbst aus allen inneren Verstrickungen.der Rücken länger zu werden scheint. Aus dem Hamsterrad der automatischen Reaktionen befreit. dass du dich Schritt für Schritt von diesen letztendlich unbefriedigenden Automatismen loslöst. Dies führt dazu.

Wenn wir Vorgänge im Geist nicht klar erkennen. ist die Beobachtung des Atems der unmittelbarste und am einfachsten zugängliche. anerkannt und abgelehnt zu werden. wann immer die Konzentration schwindet oder die Herausforderungen zu überwältigen drohen. aufzuspalten. 131 . Das Sanskritwort »Prana« und das tibetische »Lung« heißen sowohl Atem oder Wind als auch psychische Energie oder geistige Kraft. Probleme kehren in die richtigen Proportionen zurück und durch den gewonnenen Abstand und Überblick lassen sie sich erstaunlich einfach lösen. zum Beispiel halten wir den Atem an. Durch feine Regelkreisläufe führt jede Veränderung im einen zu Reaktionen im anderen. was sich etymologisch in dem lateinischen Wort »spiritus« und dem griechischen »pneuma« zeigt. wenn wir bedenken. dass in allen alten Traditionen Atem und Geist identisch sind.in alltäglichen Situationen. wird auch der Atemrhythmus unregelmäßig. gewinnen und verlieren. ist tatsächlich befreit davon. Von den möglichen Zugängen. das eigene Sein in Erfahrungen von Glücklichund Unglücklichsein. beliebt oder bedeutungslos zu sein. Dies können auch wir nachvollziehen. die Funktionsweise des Geistes zu erkennen und die Entstehungskette aller verwirrten Gedanken und. Handlungen an der Wurzel aufzulösen. während man seine Tätigkeiten fortführt. Dabei stellt sich schon nach wenigen Atemzügen ein Gefühl innerer Befreiung ein. Wer in der Gegenwärtigkeit reiner Gewahrheit im Rhythmus des sinkenden und steigenden Atems verweilt. die Aufmerksamkeit reflexartig aufs Atmen zu richten. wenn wir etwas im Geist nicht wahrnehmen wollen. Buddha Shakyamuni sagt im Anapanasati Sutta. dass die Kontemplation über den Atem auf direktestem Wege zur Erleuchtung führt.

bei den von Shakyamuni Buddha beschriebenen »göttlichen Verweilungen« jeweils ein ferner und ein naher Feind genannt. wenn wir darauf stolz sind und dabei zu verweilen versuchen. Wenn du dich jedoch mit der festen Absicht. die uns in der Freude über den Erfolg leicht überwältigen können. deinen Übungen widmest. Freude. Kreativität und tatkräftiges Mitgefühl sind die natürliche Folge dieser »Inspiration« . können dich kein Hindernis und kein Dämon in deiner Praxis stören. 132 . bewusst jedes Ein. So werden z.Deswegen hat. setzten sich alle fünger und schrieben seine Worte nieder. fallen alle Projektionen in den Urgrund des klaren Geistes zurück wie die Fontäne eines Springbrunnens. wenn das Wasser abgestellt wird.und Ausatmen wird der Geist klarer und weiter. bis zur Vollendung weiterzumachen. Der Weg ist ohne Ende und muss jeden Augenblick neu begonnen werden. wer befreit atmet. Sobald wir anfangen. werden Hindernisse und Dämonen in endloser Reihenfolge auftauchen. Kurzum ist jede Errungenschaft ein Hindernis. Zuletzt kann man sagen: Solange du die vollkommene Befreiung nicht erreicht hast. auch einen freien Geist. Sofort nachdem Guru Rinpoche mit dem Sprechen aufgehört hatte. Außerdem gibt es bei jeder Stufe des Fortschritts zwei inhärente Feinde.B. welche der Meister dann weihte und als »Schätze« verbergen ließ.und Ausatmen wahrzunehmen und zu benennen. Mit jedem Ein.

leicht zu verwechseln mit dem Gleichmut jedoch ist die Gleichgültigkeit. Der ferne Feind von Mitgefühl ist Grausamkeit. Einsichten und Erfolge am Ende jeder Meditationssitzung.Der ferne Feind der allumfassenden Liebe ist Hass. ist der. Der Mitfreude entgegengesetzt ist der Neid. der nahe Feind ist die Schmeichelei. mühelos Fortschritt zu verzeichnen und nicht an vergangenen Erfahrungen hängen zu bleiben. der nahe Feind ist falsches. anhaftende Liehe. Der ferne Feind des Gleichmuts ist die Aufgeregtheit. der nahe Feind ist die persönliche. berechnendes Mitleid. Der vortrefflichste Weg. jeden Gebetes und jeder guten Tat dem Wohlergehen aller Wesen zu widmen und sich und ihnen allen zu geloben. weiterzuüben bis wir allesamt die vollendete Erleuchtung verwirklicht haben! 133 . alle Errungenschaften.

Prinzessin von Kharchen. wurde von König Trisong Detsen zunächst geheiratet. einem der sieben tibetischen Fürstentümer. 134 .Yeshe Tsogyal. aber dann als Würdigung seiner Verdienste dem Padmasambhava zur Seite gestellt. Unter seiner Leitung erlangt sie Erleuchtung und gilt den Tibetern bis heute als weiblicher Buddha und Verkörperung der weiblichen Erleuchtungsenergie.

weil keiner das Geheimnis der Wahrheit erfahren dürfte . sind nicht deshalb geheim. in dem man die geheime Unterweisung zur Erleuchtung erhält.FRAGEN ZUR GEHEIMLEHRE i. solle man in seinem Herzen nur noch seinem Lehrer vertrauen.diese ist immer offenbar -. fingen Nyong Wen Tingzin Zangpo und die Prinzessin Yeshe Tsogyal an. sondern weil der Verstand seine letzte verzweifelte Abwehrschlacht vor der Enthüllung der Wahrheit schlägt. dem großen Meister ihre Fragen zu stellen: Es heißt. Wäre jeder Schritt schon bekannt. zynisch alles zu verneinen. 1 achdem dies geschehen war.sie ist die Einfachheit selbst -. Im Übrigen hat 135 . wäre der Verstand schon im Vorhinein in der Lage. sondern weil unser Verstand ein kunstvolles Gespinst um die Wahrheit gelegt hat. Nicht weil die Erleuchtung kompliziert wäre . aufweiche Weise kann man sich ihm anvertrauen und was darf man sich erhoffen? Das Lüften der letzten Schleier vor der Erleuchtung bringt sehr viel Verwirrung mit sich. Diese letzten Unterweisungen. von dem Moment an. Was sind dann die Qualitäten eines echten Lehrers.

Milarepas engstem Schüler ~~ berichtete ein Schüler seine neuesten »Erleuchtungserfahrungen«. sagte Gampopa ruhig: »Alle deine meditativen Erkenntnisse sind nicht mehr wert als dieser Teig in meiner Hand. die tatsächlich zum Durchbruch führte.« Dem Schüler brach Schweiß aus allen Poren. Den Zen-Meister Tozan fragt jemand nach der höchsten Weisheit. während er die Ernte wog. Er antwortete knapp: »3 Pfund Flachs«. und die größte Weisheit kann unpassend geäußert auf taube Ohren stoßen. Die überlieferten initiatischen Dialoge zwischen Meister und Schüler sind heute als Köans. bekannt. zusammen eine Atmosphäre von Echtheit. Deshalb muss das. seine große Begeisterung über seine »Erfahrungen« und Gampopas Weisheitsgeist.h. Als der Schüler geendet hatte. während er weiterhin Brotteig knetete. vertraulich bleiben. Die gleiche Erfahrung ist aber in einer ähnlich intensiven und ausgerichteten Atmosphäre im ganz persönlichen Kontakt auch heute vermittelbar. Das banalste Wort kann an der richtigen Stelle die Schleier der Illusion vernichten. der exakt den Fehler in den geistigen Konstruktionen des Schülers durchschaute. Dies zu tun ist die wesentliche Aufgabe des Meisters und ist nur aus dem jeweils einmaligen und unwiederholbaren Kontakt von Lehrer und Schüler im Augenblick möglich. um anderen Weggefährten nicht die Chancen zu nehmen. Den Abgrund überwindet man nur. Gampopa hörte ungerührt zu. Die Anekdote jedenfalls bewirkt das nicht automatisch. Offenheit und Zielgerichtetheit aufbauen.das Absolute weder eine Eingangstür noch eine Brücke von hier nach dort. d. Dem großen tibetischen Meister Gampopa . wenn sich einen Augenblick lang alles Bekannte und Gewusste auflöst. was in diesen Begegnungen an Unterweisungen gegeben wird. Zweifel oder Rätsel. sonst wären wir jetzt auch erleuchtet. 136 . Schlagartig wurde er erleuchtet! Offensichtlich konnten das besondere Vertrauen des Schülers.

sind auch Feuer und Wasser nutzlos. der wird keinen Nutzen aus ihnen ziehen können oder er wird sich sogar Schaden zufügen. Wenn du dich auf einen solchen Lehrer verlässt. Wenn es aber mit Beton verschalt ist.Geheimhaltung der innersten Anweisungen hat deshalb höchste Priorität im tibetischen Buddhismus und dem indianischen Weg. zusammen mit den geheimen mündlichen Erläuterungen. So müssen also diese Unterweisungen geheim bleiben und dürfen weder verglichen noch geändert werden. Hier ist Sprengstoff vonnöten. was jeweils die richtige Methode für jeden Schüler zur richtigen Zeit ist. er sollte eine gründliche Erfahrung in der Übung der Meditation haben. Und manch einer muss nur in die richtige Richtung gedreht werden. Was mit Seide verhüllt ist. muss nur enthüllt werden. Um dem Schüler zu helfen. Das ist die Essenz von Vertrauen. Der Meister antwortete: Die Qualitäten eines echten Lehrers sind vielfältig. er sollte durch sein großes Vertrauen selbst die höchste Wahrheit erkannt haben. wenn zum Beispiel ein »Seidentyp« die geheimen Unterweisungen für Betonköpfe versucht und Sprengstoff nimmt. Die wesentlichen Punkte sind: Er sollte die wichtigsten Schriften gemeistert haben. er sollte von Mitgefühl durchdrungen sein und unbeschränkte Weisheit besitzen. muss gewaschen oder verbrannt werden. die exakt dem spezifischen »Verschleierungsstil« des Schülers angemessen sind. wird er wie ein wunscherfüllender Edelstein sein und dir die Verwirklichung all deiner Ziele ermöglichen. wenn du 137 . Für wen auch immer die Anweisungen nicht gelten. Er sollte genau wissen. muss der Lehrer Worte und Wege finden. Jedoch. was mit Papier verklebt ist. so dass er sehen kann.

sondern ob er den Mut hat. ob ihr vorheriges Studium sie nicht doch darauf »vorbereitet« hat. die wir hegen. durch einen Analphabeten. dich weiter führen kann . der wohl tiefe Erfahrungen hat. der die Wahrheit intuitiv erkannt hat. Was für uns moderne Mitteleuropäer. Die Initiation zerreißt die Schleier geistiger Verdunkelung und erfüllt dich mit dem Segen und der spirituellen Ermächtigung. vor Augen zu halten. den Segen für deine Übung durch die Initiation zu erhalten und du dann die Eide. vielleicht befremdlich klingt. Andererseits sind schon oft große Gelehrte. zur Erleuchtung geführt worden . wird immer wieder betont. dass der Lehrer am besten sei. Sie ist zusammen mit den heiligen Eiden. In vielen alten Traditionen. die lebendige Erfahrung suchen. die dich mit deinem Lehrer verhinden. ist die Betonung von Gelehrtheit und umfangreichem Wissen. und ob er genug Konsequenz und Ausdauer besitzt. aber keine Ahnung von ihrer Bedeutung und Anwendbarkeit. du selbst suchst unbedingt die Erleuchtung . uns Schritt für Schritt alle Illusionen.als ein Lehrer. kommst du nie zur wahren Erleuchtung. der die verborgenen Fehler des Schülers ans Tageslicht bringt. Das Wichtigste an einem Lehrer ist nicht so sehr.anfänglich versäumst. die der eigenen Erfahrung entbehrten. die entsprechende Übung auszuführen. Der große Meister Atisha hat gesagt. 138 . die dich an die Erleuchtung binden. dem zwar die eigene Erfahrung fehlt. nicht hältst. von äußerster Wichtigkeit. sondern uns zur endgültigen Befreiung führt. uns nicht auf irgendwelchen Zwischenstufen verweilen zu lassen. die die Jahrtausende überlebt haben.vorausgesetzt. der aber alle Theorie verstanden hat. ob er unseren Vorstellungen entspricht. dass ein Lehrer.was auch die Frage nahe legt.

der Langlebensbuddha. Tsepame. 139 .Amitayus. tib.

deren spezifische Eigenschaften exakt darauf abzielen. hat? in dessen Meditation dich dein Lehrer initiiert Diese Frage ist eine Trickfrage des dualistischen Verstandes! Kurz gesagt ist der Yidam in Essenz der eigene Lehrer.DAS GÖTTLICHE IN UNS Ä^J^arauf stellten sie die zweite Frage : Was ist wichtiger: der Lehrer oder der Aspekt des Göttlichen. die so genannte Yidam-Meditation. der die absolute Wahrheit in der Form einer Meditationsgottheit darstellt. das einzigartige Potential des Schülers zu befreien. ist das heilige Band zwischen Lehrer und Schüler die Quelle der Erkenntnis. denn wie Guru Rinpoche gerade ausführte. so kann der Schüler jederzeit sagen: »Meine Erfahrungen sind jetzt tiefer als deine-«. ist die Identifikation unseres Geistes mit einem archetypischen Aspekt des Göttlichen. Da die Natur unseres Geistes mit diesem Yidam 140 . Jeglicher Form der Irreführung durch den Ehrgeiz des Verstandes ist damit Tür und Tor geöffnet. und sich für überlegen halten. der Yidam. Die Praxis der Visualisation. Ist die Meditation wichtiger als der Lehrer.

dass der Lehrer über deinem Kopf schwebend immer bei dir ist. indem die Gestalt des Yidam sich in Licht auflöst. der sich sonst dem alltäglichen Bewusstsein entzieht. was am Yidam »wirkt« also der erleuchtete Geist des Lehrers. Der erste Schritt jedoch ist die Initiation durch den Lehrer. können die Übenden durch diese Projektion einen Aspekt ihrer wahren Natur konkret und begreifbar machen. was in uns selbst schon immer heilig. Der visualisierte Aspekt des Göttlichen ist also ein Symbol für das. Wenn du dir vorstellst. Wenn am Ende der Visualisation die Projektion wieder zurückgenommen wird. und andererseits ist das. 141 . mit dem der Übende verschmilzt. die erleuchtete Dimension des Bewusstseins. werden wahre Segensströme durch dich hindurchfließen und alle Hindernisse wegspülen. Wieder antwortete der Meister: »Der Lehrer und die Meditation sind letztendlich gleich ~~ aber es ist der Lehrer. deren Bilder nicht mehr bedeuten als das Flimmern des Fernsehers. was an dem Yidam als göttlich erfahren wird. der im Lauf der Übung als essentiell gleich mit der Natur des eigenen Geistes erkannt wird. der der Schüler bei der Übertragung teilhaftig geworden ist. kann er diesen Aspekt seiner wahren Natur nun auch bewusst integrieren. gut und rein war. ohne die die Praxis der Visualisation nichts anderes als mentale Gymnastik ist. Insofern ist das. die die Natur des Göttlichen zur erlebten Wirklichkeit macht.in Wahrheit identisch ist. der dir zuerst die Natur des Göttlichen offenbart und dich dadurch in die Meditation initiiert hat.

Sie werden in der eigenen Vorstellung durch die Poren und andere Körperöffnungen als teerig schwarze oder eitrige Flüssigkeit ausgeschieden. dass der Lehrer über dem eigenen Kopf schwebt. dass der eigene Lehrer mit dem archetypischen Meister . In der Alten Schule Tibets gilt dies als die wirkungsvollste aller Meditationen. Dann heilt uns der nektargleiche Segensstrom. Dann stellten sie die dritte Frage: Ist die Meditation über einen visualisierten Aspekt des Göttlichen eine Schöpfung des eigenen Geistes. Von ihm fließen wie aus einer Quelle Segnungen und Heilung in unseren Scheitel. fliegen dir spontan und mühelos zu«. Sie waschen alle alten. Deshalb sagen viele Traditionen: »Wenn du dir allein den Lehrer mit Liebe vorstellst. verletzten Erinnerungen und zwanghaften Muster aus unserem. die Methode und das Absolute eins.Der Lehrer sollte die Meditation.Padmasambhava in dieser Tradition . indem er uns bis zum Scheitel ausfüllt und mit Wonne und Klarheit erfüllt. so hast du bereits das Absolute. sagte wiederholt S. Dabei stellt man sich auch gerne vor. Dann sind der Lehrer. und alle Errungenschaften geistiger und weltlicher Art.H. bis zu ihrem Ende geübt und Erleuchtung erfahren haben.eins sei. den Weg und seine Vollendung in dir. System aus. das dir als Inbild des Absoluten gilt.« In tibetischen Traditionen wird deshalb vorgeschlagen. die er lehrt. und dabei 142 . sich vorzustellen. und warum gibt es verschiedene Objekte der Meditation? Guru Padma antwortete: Zunächst musst du dir ein Objekt deiner Meditation auswählen. und sie wird zumindest kurz vor dem Beginn jeder anderen Übung durchgeführt. »Betrachte deinen Lehrer als Diadem auf deinem Haupt. Dilgo Khyentse.

verstanden. sondern das ungeschaffene Absolute selbst ist. sind eins. dass du und das Objekt deiner Meditation eins sind und du dann noch einsiehst. Wenn du kein Objekt der Meditation hast. auch 143 . tatsächlich aber macht es keinen Unterschied. dass du immer wieder in der Gewohnheit. dass das Objekt nicht nur ein Aspekt des Göttlichen. dann kommst du der Essenz des Göttlichen schon sehr nahe. und du bleibst weiterhin gefangen im steten Wechsel deiner Bewertungen. ob du eine oder mehrere übst. hast du auch nichts. angenehm und unangenehm aufspaltest. sich auf eine Meditation zu konzentrieren. an dualistischen Subjekt-Objekt-Beziehungen festzuhalten. Wenn du durch eine Methode die Einheit und die damit verbundenen wunderbaren Kräfte verwirklicht hast. Da im Bereich des Absoluten alles aus dem gleichen Stoffe ist. muss es auch eine Vielfalt von verschiedenen Methoden und Meditationsgottheiten geben. gut und schlecht. Sie bringen zwar alle verschiedenen Aspekte zu Tage. Wenn du erkennst. was dich aus dem gewöhnlichen Zustand der Verstrickung herausführt. Damit entstehen wieder Vorlieben und Abneigungen. Es ist jedoch ein schwerer Fehler. genügt es. Dies ist ein schwer wiegender Fehler. den sie zu verwirklichen versuchen. Dann werden dir alle anderen Früchte von selbst zufallen. wenn du dich ganz darauf einlässt. Eine Übung bis zum Ende zu machen heißt zum einzigen Ziel aller Übungen zu gelangen. Alle Erleuchteten. bestärkt wirst. wenn du dir das Bild des Göttlichen so weit außerhalb von dir erschaffst. hast du auch alle anderen Meditationen und den göttlichen Aspekt. Um die unterschiedlichsten Menschen anzusprechen und zu ändern. in dem du alle Wahrnehmungen in innen und außen. die in der Wonne des Absoluten aufgegangen sind.bleiben.

144 . Erleuchteten und göttlichen aber größer noch ist der Segen. Alle gewonnenen Einsichten. zeigen.wenn sie sich in verschiedenen geistigen Familien zeigen. wenn du auf allein alle zu Erscheinungen meditierst. die Wahrheit und das Leben«. Erscheinungsformen und wirst du großen Segen erfahren. Dies gilt unabhängig von der laufenden Diskussion. mit ihm im Absoluten jenseits von Begrifflichkeit zu verschmelzen. Aussagen Jesu wie: »Ich bin der Weg. Am Schluss der Übung löst sich das visualisierte Objekt in das strahlende Leuchten des Absoluten auf und wir stellen uns vor. Übrigens ist diese Visualisation auch für jeden Christen möglich. dem man die entsprechenden Mantras und Gebete widmet. dass diese Übung im Orient allgemein bekannt war und von allen Religionen gepflegt wurde. auf einen heiligen meditieren. bis er sich wieder verflüchtigt und das Alltagsbewusstsein wieder einsetzt. Wenn du dies erkennst. Dann verweilen wir in diesem Zustand. ob Jesus in den »verlorenen Jahren« ein buddhistisches Training durchlief oder nicht. denn jeder getaufte Christ hat diese Ermächtigung bereits für Jesus als Meditationsobjekt erhalten. Dies ist eine der wichtigsten tibetischen Praktiken: Die Visualisation eines göttlichen Aspektes oder eines Buddhas. Segnungen und Glücksmomente widmen wir allen Wesen. für die man durch Einweihung ermächtigt wurde.

wenn wir. erreicht hast. über die vielarmigen und mehrköpfigen rasenden Buddhas meditieren. die wir so visualisieren sollen. kommt man dann ohne ein Objekt der Meditation aus? Der Meister antwortete: Wenn du die völlige Gewissheit in der vollkommenen reinen Einsicht. alle Phänomene als Erscheinungen des Geistes zu sehen. dass sie sogar Brahma und die anderen Hüter der Himmelsrichtungen unter ihren Füßen zertrampeln? 145 . ist das an sich schon das Göttliche. Die untrennbare Einheit von Meditationsgottheit und erleuchteter Einsicht bedeutet nämlich. dass er selbst schon das ungeschaffene Absolute ist. über den du meditierst.DER TANTRISCHE WEG DER VISUALISIERUNG f # eiterhin stellten sie die vierte Frage: Wenn man einen hohen Grad an Einsicht hat. nicht als Form zu verstehen. den Aspekt des Göttlichen. sondern zu erkennen. wie es im geheimen tantrischen Weg geschieht. Dann stellten sie die fünfte Frage: Ist es nicht ungehörig.

Gyalwa Chokyang konnte durch die tantrische Praxis des Hayagriva einen Pferdekopf aus seinem Scheitel wachsen lassen wie die Gottheit des Mandalas selbst. 146 .

Auch dies ist nur ein Hinweis auf die Vielfältigkeit ihrer Qualitäten. Wenn sie nur ein Gesicht und zwei ineinander ruhende Hände haben. eingefrorener und undurchsichtiger Irrtum ist. denn sie werden von den in sexueller Vereinigung dargestellten männlichen und weiblichen 147 . sechs Arme bedeuten die sechs Paramitas. denn jedes Tier symbolisiert einen bestimmten Charakterzug. der nichts anderes als ein einziger. die drei Kayas. Sie werden auch als Kreuzungen oder Hybride bezeichnet. Was dergestalt als Fundament der rasenden Gottheit unterlegt wird. die sie tragen. die allen Wesen die Erlösung bringt. Worüber du auch immer meditierst.B. Darüber hinaus haben alle Attribute der Meditationsgottheit. wie die dualistschen Gedanken im Raum des Absoluten niedergetrampelt werden. ist der gewöhnliche Geist. jeder Aspekt ist Ausdruck des Absoluten. Vor allem aber darf man die visualisierten Buddhas nicht für berührbare Körper halten. Die Vielfalt der symbolischen Objekte. Zwei Beine repräsentieren die Untrennbarkeit von Raum und Gewahrheit. ebenso dafür. Drei Köpfe bedeuten z. wie Arme und Köpfe. jedes Objekt steht für eine der Qualitäten des erleuchteten Geistes. und vier Beine sind gleich den vier Unermesslichkeiten. zeigt die mannigfachen Aspekte des Buddhadharma. das alle Gegensätze von klein oder groß. Einige tantrische Gottheiten werden tierköpfig dargestellt.Guru Rinpoche antwortete: Diese Visualisation ist nur ein Symbol für die Aufgabe aller Anhaftungen an die Unterscheidung zwischen Selbst und anderen. symbolische Bedeutung. steht dies für das eine unwandelbare Absolute und die darin enthaltene Vereinigung von Weisheit und geschickten Mitteln. gut oder böse überwindet. und für die Vernichtung von Arroganz und Zweifeln.

Buddhas als »Fresser und Zerstörer von Hindernissen« ausgestrahlt. die sonst entstehen. Meditationen und Visualisationen. Die populären TantraWorkshops sind nach tibetischer Ansicht das beste Beispiel für die Fehler.und der Weisheit der Mutter der Erkenntnis. Der esoterische Buddhismus hat ein System hoch konzentrierter Symbole für sehr komplexe Konzepte und tiefer geistiger Zustände entwickelt. Diese Ausführungen sind für die Initiierten des Vajrayana. Nur zum Wohle aller Wesen mit ihren vielfältigen Bedürfnissen und unterschiedlichen Anlagen erscheinen all diese Aspekte des ungeborenen Absoluten in jeder erdenklichen Form. wie eine Intarsienarbeit aus Gold und Silber werden sie aus dem Mitgefühl des Vaters ~~ den Mitteln und Methoden . wie es den Glaubensvorstellungen des jeweils Übenden entspricht. Ornamenten und Gefolge. Deshalb wird er auch als »Pfad der Transformation« bezeichnet. des geheimen tantrischen Weges im tibetischen Buddhismus bestimmt. in jedem unheilsamen. verdrängten oder neurotischen Teil des Geistes den gesunden Kern freizulegen. denn. von jedem Geschlecht und mit Attributen. So sind die drei Kayas die drei Aspekte vollkommener Buddhaschaft: 148 . dass alles ohne ein getrenntes Ich ist zusammengesetzt. Deshalb werden sie auch Legierung oder Intarsie genannt. Im esoterischen Buddhismus gibt es eine Unzahl von Methoden. und die darin gebundene geistige Energie dem Erleuchtungsweg zur Verfügung zu stellen. die dabei helfen. Er gilt jedoch als äußerst gefährlich und darf nur mit größter Disziplin und Achtsamkeit und unter der Anleitung eines erleuchteten Meisters begangen werden.

ähnlich wie Meister Eckharts »wüster Gott«. was »Vater-Mutter« heißt. Dieses Allerbarmen verkörpert sich so oft und so vielfältig wie nötig. Mitgefühl. Mitfreude am Glück anderer und Gleichmut. Wer sich in diesen sechs Vollkommenheiten geübt hat. Konzentration und Weisheit. alle Wesen. Beharrlichkeit. so lange zu üben. 149 . das sich in Form jedes Weltenlehreres. Die in Vereinigung meditierenden männlichen und weiblichen Buddhas werden auf tibetisch »Yab-Yum« genannt. Sie ist immer Mitgefühl. Der Samboghakaya ist leuchtende Klarheit. Buddhas. Jesus als Menschensohn ist die christliche Ausformung. Transzendent heißen sie deshalb. bis es fähig ist. Die sechs Paramitas sind die sechs transzendentalen Vervollkommnungen: Großzügigkeit.Der Dharmakaya ist das ungeschaffene. das gelobt hat. zu erretten! Die vier Unermesslichkeiten sind: Liebende Güte. einem Wesen. mit denen es in Berührung kommt. Sie symbolisieren nicht nur die Aufhebung der Dualität von Geist und Materie. von Ego freie und von Eigenschaften leere Absolute. Er entspricht dem verklärten Erscheinen Christi nach seiner Wiederauferstehung. Disziplin. Der Nirmanakaya ist die Energie der Buddhaschaft. die erkennt. die unbehindert und spontan alles erkennt. Absolutem und Relativem. weil nur der sie vervollkommnen kann. Geduld. bis jedes Wesen erlöst ist. dass alles aus allem anderen entsteht und so nirgendwo ein separates Selbst ausgemacht werden kann. wird zum Bodhisattva. sondern auch die zwei Aspekte des buddhistischen Weges: Die Vielfalt geschickter Mittel von Meditation bis Rezitation und die alles durchdringende Einsicht höchster Weisheit. Erlösers und Erleuchteten als Fleisch gewordener Logos manifestiert. und wird auch als himmlischer oder visionärer Körper bezeichnet. der die Leerheit von Ego erkannt hat.

als ob sie ihr Augenlicht hüteten.einhalten. Seine Übung beinhaltet. da die monastische Gemeinschaft die Grundlage des Buddhadharma ist. Entsprechen diese den Anlagen der verschiedenen Wesen? Guru Rinpoche antwortete: Als Erstes gibt es den weltlichen Pfad der Götter und Menschen. 150 . die für sich allein in Höhlen die Erleuchtung suchen. die über die vier edlen Wahrheiten meditieren und. und zwar so sorgfältig. Dann kommt der Pfad der Hörer . auch die 253 Regeln der ordinierten Mönche — die Vinaya . sich die zehn heilsamen Handlungen zu Eigen zu machen und die zehn unheilsamen abzulegen. Es folgt der Pfad der Pratyekahuddhas.STUFEN UND PFADE DES BUDDHISTISCHEN WEGES ann stellten die Schüler die sechste Frage: Wn sprechen von neun aufeinander folgenden Stufen oder Pfaden. indem sie die »Zwölf Glieder der Kette des bedingten Entstehens« kontemplieren.der Sravakas -.

insbesondere nicht an die Vergänglichkeit. Nehmen. Großzügig sein 3. Diziplin. Die wahre Sicht der Dinge in sich verankern. Um sexueller Befriedigung willen sich oder anderen schaden 4. Harte Worte sagen 7. Zwietracht säen 6. Böswilligkeit und Schadenfreude 10. Leben nehmen 2. andere wichtiger zu nehmen als sich selbst 4. das Gesetz des Karmas und die Möglichkeit der Erleuchtung zu glauben wobei 1. und sich darüber hinaus der zehn positiven Gegengifte zu bedienen. Streitigkeiten schlichten 6. wobei allen unheilsamen Handlungen entsagt wird. Zuflucht zu einem autorisierten Lehrer zu nehmen. Freundliche und sanfte Rede 7. Anderen helfen 10. Leben schützen 2.Die zehn unheilsamen Handlungen sind: 1. Wertloses Geschwätz 8. Begehrlichkeit 9. Lügen 5. als die schlimmsten Verfehlungen angesehen werden. was nicht gegeben ist 3. Die Wahrheit sagen 5. und 10. Falsche Sichtweisen . als da sind: 1. Die zehn heilsamen Handlungen zu begehen heißt zunächst. Teilen lernen 9. Beten und wahre Worte sprechen 8. 151 .

rechter Sammlung in den vier Stufen der Meditation besteht. •* 2.Die vier edlen Wahrheiten sind: 1. rechter Rede. die jeder körperlichen. dessen Qualitäten mit den Mustern seiner früheren Tatabsichten resonieren. schließlich. das alle relativen Erfahrungen durchdringt. Als viertes Glied entsteht dann im Mutterschoß eine neue Form mit einem neuen Namen. Die Lehre von den »zwölf Gliedern der Kette des bedingten Entstehens« erklärt. geistigen oder sprachlichen Tat vorausgehen. die Wahrheit vom Weg. Schmeckens. rechter Achtsamkeit und. der das Leiden beendet. 4. Die Wahrheit vom Leiden. Riechens. Diese Absichten werden gespeichert und formen als drittes Glied das Bewusstsein für das nächste Leben jedes fühlenden Wesens. der das Leid beendet. die Wahrheit von der Aufhebung des Leidens. Dieses Bewusstsein wird nach seinem Tod von einem Mutterschoß angezogen. Hörens. relativen Wirklichkeit verstricken. rechtem Handeln. Aus dieser Unwissenheit über unsere wahre Natur entstehen als zweites Glied Tatabsichten. Der Weg. 3. rechtem Bemühen. Das erste Glied ist das Nichterkennen der vier edlen Wahrheiten. die von den Sinnesorganen nach der Geburt wahrgenommen werden. Es handelt sich um die Objekte des Sehens. 152 . der aus rechter Einsicht. die Wahrheit von der Entstehung des Leidens durch das Gesetz von Ursache und Wirkung. rechter Entscheidung. rechtem Lebenserwerb. der Berührung und der geistigen Vorgänge. wie sich die Lebewesen in der leidvollen. Das fünfte Glied sind die sechs Bereiche der Sinnesorgane. ist der so genannte achtfache Pfad.

Als Nächstes folgt der Pfad der Bodhisattvas. bildet das zwölfte Glied. Der Pfad des Kriyatantra dann. wobei Begehren auch als gewohnheitsmäßige Reaktionsmuster verstanden werden muss. Krankheit und Tod endet. und weder zu sein noch nicht zu sein. Dieser ruft als siebtes Glied eine Empfindung hervor. Zusammen mit dem Begehren entsteht auch intensive Ablehnung von unangenehmen Empfindungen. Die Empfindung ruft als achtes Glied Begehren hervor.Das sechste Glied ist der Kontakt mit der Umwelt. aus denen sich unser illusionäres Selbstbild zusammensetzt. 153 . Im neunten Glied führt dies nach dem Tod zum Wunsch nach einem neuen Körper und damit zur erneuten Anziehung durch einen Mutterschoß. gleichzeitig zu sein und nicht zu sein. Dieses leidvolle Leben. sondern Prozesse sind. der Wesen des erleuchteten Mitgefühls. allen Wesen zu helfen. nicht zu sein. Darauf folgt als elftes Glied die Geburt in ein wiederum von Unwissenheit gezeichnetes und damit leidvolles Leben. die immer mit allem verbunden sind. arbeitet mit der Reinigung durch die Befreiung von den vier extremen Standpunkten: zu sein. sowohl die relative wie die absolute Wahrheit zu verstehen und zu erkennen. dass sowohl Seihst als auch Phänomene nicht aus sich selbst entstehen. womit der Kreislauf von vorn beginnt. Sie bemühen sich darum. in sich wachgerufen haben und dies tatsächlich tun. die den Wunsch. das wieder mit Alter. also Hass oder auch Verwirrung. Das Werden im Mutterschoß ist das zehnte Glied.

die untrennbare Einheit von Raum und gnostischer Erkenntnis durch Übung zu erkennen. Meditation über Aspekte des Göttlichen.Upatantra vereint die Methoden des Kriyatantra mit der Sichtweise des Yogatantra. Mahayana und Vajrayana in nichtsektiererischer Weise. 4. die Visualisation von: 1. die unübertreffliche höchste Stufe. Die neun Stufen oder Pfade sind schließlich die Gesamtheit des buddhistischen Weges der Alten Schule Tibets.und Mondscheibe Der Keimsilbe Diesen drei zusammen. Dies geschieht durch die fünf wahrhaftigen Reinigungen. namentlich die Vereinigung und Befreiung. 2. Yogatantra ist der Pfad der Reinigung des Geistes durch. Der Meditationsgottheit Im Mahayoga werden die Entwicklungs. Sie umfassen alle Bereiche von Hinayana. Lotus Sonnen. 154 . Atiyoga schließlich. 5. Im Anuyoga gilt es. alles durchdringende Energie und die Erschöpfung des dualistischen Intellektes. 3. ist uranfängliche Reinheit. spontane Verwirklichung.und Vollendungsstufen geübt.

mit der du die Gottheiten visualisierst. das sie bewegt? Andererseits. und die Buddhas sich darüber freuen. wäre das dann auch gewöhnliches Begehren. Denn deine Hingabe löst deinen Geist von Änhaftungen und weltlichen Verstrickungen und macht dich für den Segen empfänglich.OPFER UND VISIONEN EIN SPIEL DES GEISTES Fl J i ^ a n n stellten die Schüler die siebte Frage: Wenn wir den verschiedenen Aspekten des göttlichen Absoluten Opfer darbringen und Gebete sprechen. um den Weg zu vollenden. Der Zweck ist vielmehr der. und zwar durch die glühende Hingabe. 155 . den du brauchst. deinen eigenen Geist zu reinigen. wenn sie die Gottheiten nicht erfreuen? Der Meister antwortete: In der Tat werden die Gottheiten weder durch die Lobpreisungen noch durch Opfer beglückt. sie einlädst und ihnen Lob und Opfer anbietest. sind diese rituellen Handlungen nicht überflüssig.

diese Visionen nur für Erscheinungen zu halten. Wenn sich deine Meditation vertieft und du erkennst. solltest du erkennen. Deswegen ist es ein Irrweg. dass sie nur Spiegelungen deines eigenen Geistes sind. in denen man göttliche Vollmacht und Belehrungen erhält? Der Meister . wenn aus der Meditation Visionen entstehen. Wenn du göttliche Erscheinungen auf diese Weise erkannt hast. Im ungeborenen Absoluten gibt es keine Vergleichsmaßstäbe. führt das dazu. verwandeln sie sich in Dämonen. Lass diese Einsicht nie mehr los. dass Meditationsgottheiten dir in Visionen die göttliche Wahrheit verkünden. wie sie alle gehabt zu haben. bis du die unübertreffliche Erleuchtung erreicht hast. darfst du auf keinen Fall mehr den Weg verlassen.antwortete: Obwohl diese Visionen in der Welt der Formen erscheinen. Ohne euphorisch zu werden. Visionen sind nichts als ein Spiel des Geistes. dass die Visionen keine unabhängige Existenz haben. Wenn du aber solche Ereignisse herbeisehnst und an ihnen hängst. ^6 156 . Tatsächlich sind diese Visionen das Absolute selbst und ihre Formen entstehen aus dem Ungeschaffenen wie die Spiegelung des Mondes im Wasser.Schließlich fragten sie: Was soll man tun. kommen sie aus dem Absoluten. Mit diesem festen Entschluss verwirklichen sich alle Absichten von allein. Eine Vision zu haben ist so gut. und koste es dich dein Leben.

157 .Narakhai Nyingpo durchschaute nach der tibetischen Überlieferung die illusionäre Natur aller Erscheinungen und demonstrierte dies. indem er auf Sonnenstrahlen lief.

was der zeitgenössische Meditationslehrer Chögyam Trungpa »spirituellen Materialismus« nannte. auf die unser ganzes Leben hinstrebt. Wer in diesem Augenblick Seher und Gesehenes trennt. Wenn du in diesem Bewusstsein stirbst.uns so ein neues »Selbst«-bild zu gestalten. wird im Augenblick des Todes nicht von seinem verdrängten Unterbewusstsein überfallen.Hier wendet sich Guru Rinpoche gegen das. wer alle Unreinheiten geläutert und alle psychischen Knoten gelöst hat. die Selbstauflösung heißt. um. klammern wir uns an die »spirituellen« Erfahrungen. in dem du den Körper verlässt. ja sammeln sie geradezu. Wer in diesem Augenblick vollkommene Gewahrheit aufrechterhält. Deswegen wird in vielen Märchen dem Helden geraten. erscheint im gleichen Augenblick das Göttliche so wie eine Glocke. Wer ohne Anhaftung stirbt. hält dann dein Geist immer noch die Einheit mit dem Göttlichen aufrecht. sondern findet nur das Absolute. verliert die Gelegenheit. verschmilzt mit dem Absoluten. Das nennt man dann »Das Netz des Körpers auflösen«. so mag dein Körper immer noch der eines normalen Menschen sein. Du lässt den Körper hinter dir und gehst ein in das Absolute. Anstatt tiefer und tiefer in die Essenz der Erfahrung hineinzugehen. aber dein Geist ist zum Göttlichen gereift Im Augenblick. Wenn du Beständigkeit sowohl in der Entwicklung als in der Vollendung deiner Übung erreicht hast. wenn man die Gussform zerschlägt. wenn er in das Reich des Todes 158 .

oder in die Höhle des Teufels gehen muss. um dort seine Heldentat zu vollbringen: »Schau immer nur geradeaus und gehe immer nur vorwärts. 159 . was auch im Augenblick des Todes nötig ist: Bist du frei von Anhaftungen. verschmilzt du mit dem großen Licht. setzt der dualistische Verstand ein und die Möglichkeit der Einheit ist dahin. Das allein schon ist ausreichend Inspiration für spirituelle Praxis. schaust du zur Seite oder drehst dich nochmals um. Zögerst du einen Moment. Schaue nicht zur Seite und drehe dich nicht um!« Das ist eine sehr schöne Intuition unseres Bewusstseins von dem.

wird es dir schwerfallen. wirst du jede Motivation verlieren und du wirst wieder in das weltliche Leben zurückgeworfen. solange du die Erfahrungen nicht in Handlungen umsetzen kannst Darum vermeide den Weg der gewöhnlichen Menschen. Deshalb kümmere dich zuerst um einen ruhigen Ort und fördernde Umstände für deine eigene Vollendung. Freude oder Leid und Lob oder Tadel 160 . wird dich das alltägliche Gift immer wieder krank machen. Gewinn oder Verlust. Selbst wenn du schon einige Male die absolute Wahrheit direkt erfahren hast. wenn du dort übst.LETZTE ANWEISUNGEN •Selbst wenn du dich noch so sehr anstrengst. wo es laut und hektisch zugeht. Wenn du nur so tust. Deswegen verschwende keine Gedanken und keine Bemühung mehr an rein weltliche Angelegenheiten wie Ruhm oder Schande. als ob dir etwas an dem Weg und der Übung der liebenden Güte läge. mit anderen Übenden Schritt zu halten.

wie du auch schwierige Lebensumstände zu einem fruchtbaren Teil deines Weges machen kannst. dass wir weitabgewandt asketisch leben müssen. wird der Strom der gewohnheitsmäßigen Muster und Geisteshaltungen niemals aufhören. sondern dass wir an angenehmen Empfindungen haften und unangenehme ablehnen. Es ist nicht das Problern. Jede alltägliche und unscheinbare Handlung wird so zur sakramentalen Handlung. dass wir Leid und Freude.Wir müssen verstehen. von Natur aus eins mit dem Absoluten zu sein. wenn du dich von der Bemühung trennst. im Alltag! 161 . solange du nicht weißt. Was aber zuvor gewöhnlich war. Lust und Schmerz empfinden. Deshalb heißt das Weltliche aufgeben die Dualität aufgeben. der zur direkten Erfahrung führt. ist nun heilig. die Fortschritt gewähren. Sich vom Weltlichen. wird der Pfad. Dann verschwindet das so genannte Weltliche. Selbst wenn du schon eine ganz gute Konzentration beim Meditieren erreicht hast. Diese Trennung ist der Quell immer neuer Illusionen. gesperrt. Also halte dich an die Methoden. Also erhalte dir deine Einsicht. abzuwenden heißt nicht. obwohl wir immer noch in der gleichen Welt leben. dass weltlich nichts anderes als dualistisch heißt. sondern dass wir uns nicht länger durch ständiges Bewerten aus der Einheit von Erfahrung und Erfahrendem trennen. Obwohl du vielleicht tiefgründige Meditationsanweisungen erhalten hast.

dem es nie schlecht geht. unterscheidet. das letztlich doch nur zu besseren Illusionen führt. Die Idee. wie sie tatsächlich sind. wie sie wirklich sind. um dann angemessen auf sie zu reagieren. Alle Dinge sehen zu können. dem alles gelingt. an dem sich echte Erleuchtungsarbeit vom. Dann wird der Alltag tatsächlich zum Weg. etc. ist der Schlüssel zur Verwirklichung. muss seine eigenen Schuldgefühle auf eine andere Religion projizieren.und Sollzustand der Verstand mit seinem dauernden Unterscheiden und Abwägen wieder an Macht gewinnt. sie erwartet von uns. der alles weiß und kann und vor allem. der Idealismus ist auch der tragische Hintergrund fast aller Religionskriege. Nicht von ungefähr spricht Meister Eckehart von »Istigkeit« und der Buddha von »Soheit« als Synonym für die direkte Erfahrung von Wahrheit oder Erleuchtung. Denn dann werden Grenzen zu Berührungspunkten mit der und Hindernisse zu Sprungbrettern in die Dimension des Absoluten. Denn wer selbst ständig scheitert. Im Gegenteil. »Ich bin immer und überall sicher und wohl behütet«. Der historische Buddha starb an einer Lebensmittelvergiftung. Die Wahrheit schließt Schwierigkeiten und Rückschläge nicht aus. Herumkurieren an Symptomen. Keine Spur von mystischer Voraussicht oder positiver Affirmation. Nicht nur. dass diese idealistische Falle viele von uns der Erleuchtung wieder entreißt. ist eine Fabrikation unseres Verstandes.Dies ist der entscheidende Punkt. dass die Erleuchtung alle Probleme aus der Welt schafft und man ein spiritueller »Superman« wird. 162 . indem durch die Spannung zwischen Ist. dass wir unser Netz aus Konzepten öffnen und die Dinge so sein lassen.

Wenn du die Hoffnung hegst. 163 . dass du nach wie vor ein normaler Mensch bist mit allen Fehlem und Unvollhommenheiten. denn Erleuchtung ist jenseits von Zweifel oder Gewissheit. dass du dich ohne innere Verpflichtung und ethisches Verhalten vollenden kannst. ohne deinen Intellekt von Ideen und Konzepten zu befreien. Bist du auf einer mittleren Ebene. dann verschleudere deine Einsichten nicht mehr durch Geschwätz. wirst du den Weg zu tiefen Erfahrungen versperrt finden. Wenn du schon eine hohe Ebene erreicht hast. solange du nicht im natürlichen Zustand der Erleuchtung bist. wenn du dich nicht immer wieder aufrichtig bemühst. dann untersuche den Strom deines Bewusstseins und verwickele dich nicht in negative Gefühle. Also suche die direkte Erfahrung. dann wird die Frucht deiner Bemühungen von Hoffnung und Furcht aufgefressen werden. Selbst wenn dir die tiefsten Unterweisungen zur Verfügung stehen. dass deine Übung nicht durch Gleichgültigkeit zum Stocken kommt. Befreie dich deshalb von bewertenden Konzepten und zerschlage den Knoten der Dualität. Also halte dich an Gebote und Eide. Bist du auf der Grundstufe. musst du akzeptieren.Wenn du deine Meditationspraxis fortsetzt. Selbst wenn du bereits ein weit reichendes Wissen der Lehren der Wahrheit hast. wirst du dich auch trotz beständiger Übung in der Meditation zuletzt wieder im unterscheidenden Bewusstsein verfangen. dann gib Acht.

Der Gipfel der Meditation ist die Ruhe des Geistes. Sobald er gesprochen hatte. Handeln und Vollendung. schrieben die Schüler jedes seiner Worte nieder. Meditation.ESSENZ .1 Alle Lehren können in Sichtweise. Die Essenz ethischer Verpflichtung ist die Abwesenheit von Heuchelei. für die zukünftigen Generationen in Schatztruhen verborgen. Die Majestät allen Handelns ist die Freiheit von Anziehung und Abneigung. Dann wurden diese kostbaren Lehren. Die absolute Verwirklichung ist die Einheit von Einsicht. Die höchste Sichtweise ist die Freiheit von Überzeugungen. ^6 164 . Meditation und Handlung zusammengefasst werden.

Möge alles glückverheißend sein! Durch den Segen von Khyäbje Dilgo Khyentse wurden die Worte von Gelong Könchog Tendzin. an einem Seil aus Regenbogenlicht vom Himmel stieg. Mögen alle grausamen Kriege dieser Zeit beendet werden. Von Padmasambhava selbst stammt die Prophezeihung. die Lehren der großen Vollendung mögen im Westen Wurzel fassen. Monat des Affenjahres entnahm Rigdzin Jatshon Nyingpo in einem exaltierten Zustand. einem abgerissenen französischen Vagabunden im Dharmaschloss der großen Wonne. Nyatri Tsenpo. Diese Lehren sind durch heilige Eide dreifach versiegelt.. im wunscherfüllenden ersten Monat des Feuer-Maus-Jahres im Shechen hing Kloster in' Nepal von dem Yogin Könchog Dorje ins Deutsche übertragen und mit Kommentaren versehen. der. dass Tingzin Zangpo in der Zukunft im Lande Nyang als Jatshon 165 . in der Hoffnung. diesen Schatz aus dem eisernen Tor von Hom Trang in Kongpo. so die Legende. Dechen Choling Phodrang. hochfliegend wie ein Vogel und flink wie ein Fisch. Terton jatshon Nyingpo (Die Essenz des Regenbogens) gilt selbst sowohl als Wiedergeburt von Nyang Wen Tingzin Zangpo als auch als Ausstrahlung von Padmasambhava selbst. in Bhutan 1982 ins Englische übersetzt und 1996. Samaya Gya Gya Gya. Mögen die Sonnenstrahlen des Meisters aus Oddiyana die Dunkelheit der Verblendung durchdringen.Kolophon Im 12. Für die Tibeter ist er außerdem zuvor bereits ihr erster König. gewesen.. in die sich die Wesen der Welt verirrt haben.

als einer der drei Begründer der ökumenischen Rime-Bewegung Osttibets bekannt. Buddhastatuen und heiliger Ritualgegenstände hervorzuholen.Nyingpo wiedergeboren werden würde. Der folgende Text ist ebenfalls ein verborgener Schatztext. müsse er die wieder gefundenen Schätze der prophetischen Unterweisungen wachsam hüten. als ob sie aus Joghurt wären. wie er vor großen Menschenmengen in Felsen hineinlangen konnte. der. und lebte von 1829 bis 1870. gyur-Dechen Lingpa vor einer großen Menschenmenge aus einem Felsen gesogen wurde. Da jedoch »Götter. um aus ihnen Schatzladen voller Texte. in einem Schatzkästchen liegend. werde er mit 25 Jahren dahingerafft. Es wird berichtet. Kathmandu 1982). Seine Biographie wurde von Orgyen Tobgyal auf Englisch veröffentlicht (vgl. Sollte er sich den weltlichen Wissenschaften zuwenden und der Spiritualität gegenüber gleichgültig sein. den er meditierend in einem »reinen Land« verbringen wird. von dem großen Tertön Cho~. Dämonen und Menschen Hindernisse in den Weg legen werden«. Wenn er jedoch einen authentischen Yogi der Dzogchentradition träfe. Wenn er dann »die Rüstung der Geduld« anlege und Meister Padma um Hilfe anflehe. Nach nur einer weiteren Inkarnation im Lande Dogo soll Nyang W~en Tingzin Zangpo nach einem unbestimmt langen Zeitraum. Chogyur Lingpa. war einer der größten Finder solcher verborgener Schätze. Orgyen Tobgyal: »The Life and Teachings of Chogyur Lingpa« Rangjung Publications. selbst zu einem Buddha werden. Einmal 166 . würden seine mitfühlenden Handlungen unendlich vielen Wesen helfen. würde er diese kritische Phase überwinden und seine Bemühungen für das Wohl aller Wesen auf der ganzen Welt zum höchsten Ziel führen.

Heute werden seine Lehren vor allem von der Karma-Kagyüund der Nyingmaschule am Leben erhalten. Seine Sammlung wieder gefundener Lehren von Guru Padmasambhava war immens. bemerkte. in Visionen übertragen worden. So wird es auch wegen der mantrischen Macht. Alle späteren Karmapas blieben mit den Nachfolgern Chogyur Lingpas auf das Engste verbunden.und tibetischen Begriffen abgesehen. dass selbst der 14. Als einfacher Fürte war ihm das Geistmandat Guru Rinpoches. rezitiert. Karmapa. Der vorliegende Text soll einerseits das Guruprinzip . wann immer in kritischen Situationen Hilfe benötigt wird. Von da an setzte sich die ganze Weisheit der buddhistischen Überlieferung in seinem Geist frei und seine Verwirklichung war so vollkommen. 167 . Um diese Kraft zu bewahren. wurde hier auf die Übertragung von Sanskrit. beinahe ein Analphabet war. Gyalwa Karmapa. um 10 Minuten später völlig unbenetzt mit einem Schatztext wieder aus den Fluten aufzutauchen. obwohl er selbst. Kyabje Urgyen Tulku war sogar der Wurzellehrer des 16. Den Text laut zu rezitieren. seine Stellvertretung zu übernehmen. Thekchog Dorje.ritt er voll bekleidet mit seinem Pferd in die gewaltigen Fluten der Tsangposchlucht.also die Verbindung zum Geist zeitloser Wahrheit in uns selbst stärken und dadurch andererseits in Zeiten von Not und Gefahr alle äußeren und inneren Hindemisse überwinden helfen. Sein Urenkel. wird hier mehr erhellen als erklärende Worte. wie Jamgon Kongtrul I. die in dem Text ruht. sein Schüler wurde. Auch die Namen der Meister und Buddhas bleiben unkommentiert.

. auch Padma oder Padmakara sowie Guru Rinpoche genannt.Padmasambhava.

werde in dieser Darstellung meiner spirituellen Praxis und selbstbefreienden Existenz darlegen. 169 . DIE WIE EIN WUNSCHERFÜLLENDER BAUM IST. wie ich die geheime Unterweisung der drei Wege meisterte und beständig zum Glück und Wohl aller Wesen wirkend in Vergangenheit. SIE STAMMT AUS DEN 7 TIEFGRÜNDIGEN THEMEN DES GROSSEN TERTÖN ORGYEN CHOGYUR LINGPA. der Lotusgeborene Guru. Gegenwart und Zukunft unablässig das Rad des Dharma drehe. Padma. Sei willkommen Freude! Ich.DIE KURZE FASSUNG DER LEBENSGESCHICHTE DES LOTUSGEBORENEN GURU VON ORGYEN CHOGYUR LINGPA HIERIN IST DIE SELBSTBEFREIENDE LEBENSGESCHICHTE DES LOTUSGEBORENEN GURU VON ORGYEN.

Titanen. Verwirrung. Menschen. dem »eisernen« Kaliyuga der Konflikte und der Zwietracht. suhlen sich die Wesen unterschiedslos in einem giftigen Schleim aus Hass. Worin er in dieser Welt erscheint und in den Künsten und Wissenschaften geschult wird \ h^J'chon immer sind fühlende Wesen in Unwissenheit und Verblendung in den samsarischen Bereichen der Götter. In diesem Zeitalter jedoch.DAS ERSTE KAPITEL DER SELBSTBEFREIENDEN LEBENSGESCHICHTE DES LOTUSGEBORENEN GURU VON ORGYEN. gefolterten Geister und Höllenwesen herumgeirrt. WELCHE EIN WUNSCHERFÜLLENDER BAUM IST. Wollust. Tiere. Eifersucht und Stolz170 .

denen am schwersten zu helfen ist. der Buddha des grenzenlosen Lichts. einige glauben. mich zu empfangen. erschufen mich die Buddhas. denn ich hin in vielen Formen erschienen. in dieser Welt. die bereit waren. So erschien ich. dass ich hei Blitz und Donner auf dem Gipfel des Namchak-Hügels erschien: Es gibt viele unterschiedliche Ansichten. den Gedanken der Erleuchtung in Gestalt des Großen Mitfühlenden . Padma. die die absolute Wahrheit verkörpern . Orgyen Padma.und aus dem Herzen des Großen Mitfühlenden strahlte ich. dass ich als Prinz von Orgyen geboren wurde. Ich kam wie fallender Regen in unendlichen Millionen von Formen auf der ganzen Welt zu denen. als die Silbe HRJ aus. die Buddhas. die ihre mitfühlende Grundhaltung ausdrückt und die Buddhas inkarnierten Mitgefühls — alle Erscheinungen nämlich — bekräftigten meine Verkörperung durch die Macht ihrer Vereinigung. der Lotusgeborene Guru.Avalokitesvara . wer könnte sie bestimmen oder messen! Eine meiner Formen inkamierte als Prinz von Orgyen in 171 .Besonders um jenen Weseii zu helfen. dass ich zuerst auf einer Lotushlüte auf dem Dhanakoscha-See im Land Orgyen erschien. Die Handlungen der Erleuchteten sind wahrhaftig unerklärlich. die die visionäre Freude . Einige Maischen glauben. die von verschiedenen Menschen und Völkern vertreten werden. und andere glauben. ordinierten mich zu einer Seinsweise. der Lotusgeborene.die leuchtende Klarheit — verkörpern.die unendliche Einfachheit seihst durch die Konzentration des Geistes. Vienindzwanzig fahre nach dem Parinirvana des Buddha Shakyamuni jedoch empfing Amitabha.

bis jedes einzelne Wesen vollkommene Buddhaschaft erlangt hatte. und es war mir bestimmt. 172 . So predigte ich den Dharma dort. Dialektik. Heilung und bildenden Künste erlangte. Metaphysik. namentlich denen der Sprachen.Jambudvipa. das Land Orgyen zu regieren. Danach brach ich nach Indien auf. wo ich Meisterschaft in den »fünf Künsten und Wissenschaften«.

Zu Füßen des Großen Meisters Jampal Shenyen erhielt ich die Tantras von jampal Shinye. die friedlichen und zornvollen Gottheiten. mich mit den drei Yogas von Körper. von Prabhahasti ordiniert und lernte. Dann wurde ich. 173 . Vom Großen Meister Sangyey Sangwa erhielt ich die Hundert Fmanationen des Heiligen Herzens. dem Schüler des Buddhas Shakyamuni. Sprache und Geist zu beherrschen. der Lotusgeborene Guru. dem Zerstörer des Todes.DAS ZWEITE KAPITEL Worin er demütig um die Regeln der buddhistischen Lehre bittet und seine Zweifel beseitigt werden "I ^ Won Ananda. das höchste der Tantras. Zu Füßen des Großen Meisters Sri Singha erhielt ich die Tantras des höchsten Heruka des Geistes mitfühlender Fkstase. erbat ich die Sutren. Danach kam ich mit großer Verehrung zum Meister Garab Dorje und erhielt die Herztropfenbelehrung der großen Vollkommenheit.

Zu Füßen des Großen Meisters Vimalamitra erhielt ich die Sadhanas und Tantras der nektargleichen Vortrefflichkeit des Buddhas Tugend. Zu Füßen des Großen Meisters Hung-Chenkara erhielt \ch% die Sadhanas und Tantras der Realität des Geistes.Zu Füßen des Großen Meisters Ludup erhielt ich die Tantras und Sadhanas der Lotussprache. Adepten und anderen zahlreiche Initiationen. zusammen mit der Erlaubnis. erhielt von vielen großen Meistern. das Brüllende Pferd. inneren und geheimen Traditionen des Vajrayana und der Tripitaka zu studieren und dann auszuüben. Ich. die äußeren. Zu Füßen des Großen Meisters Dhanasamskrita erhielt ich die Sadhanas und Tantras der Vollkommenen Handlung des Heiligen Dolches. Zu Füßen des Großen Meisters Shantigarbha erhielt ich die Sadhanas und Tantras der rituellen Verehrung und Besänftigung. 174 . Padma. Erklärungen und Regeln vieler verschiedener Tantras. Wiederum zu Füßen von Prabhahasti erhielt ich die Hunderttausend Verse der Phurha Vitotama. der Lotusgeborene Guru.

Furcht vor den schwarzen Tirthikas aufkam. und die Lehre des Buddha wurde dort 100 Jahre lang bewahrt. Vom König von Zahor missverstanden. Indiens heiligstem Ort. Als in Vajrasana. Die 55 Gelehrten von Vajrasana baten mich. vernichtete ich. Padma. gipfelte meine Praxis in der Offenbamng Glück verheißender Zeichen der Errungenschaft.und Verbrennungsstätten Indiens und anderen heiligen Plätzen. ihr Meister und Lehrer zu werden. vollendete meine Meditation an den acht Begräbnis. Alsdann reiste ich. Padma. nach Zahor. sollte ich lebendig verbrannt werden.DAS DRITTE KAPITEL Worin die Lehre in Indien bewahrt und die Länder mit dem Dharma geschmückt werden J JLch. aber durch die Entfaltung meiner mall 5 . ihre Streitsucht mit meiner Zauberkraft. Padma. während der große Gelehrte Vimalamitra als mein Vertreter zurückblieb. Nachdem ich die Macht des Bösen durch Losgelöstsein bezwungen hatte.

um die relativen Kräfte der Zuneigung und das absolute letztendliche Mitgefühl der Erleuchtung im Mahamudra zu erlangen. löste sich alles. In der höchsten Meditationshöhle in Yangleyshod begann ich mit dem Prozess der Gewahrwerdung der vollendeten Heruka-Realität des Geistes. Danach wurde das Land Zahor übersät mit Yogis und die Lehre des Buddha blieb 200 Jahre im Land erhalten. das mich verschlingen sollte. meine Meditation zu vollenden.gischen Kräfte verwandelte ich das Feuer. um das Sadhana des ewigen Lebens zu üben. um die Trauer der Menschen zu lindern. dass mein eigener Geist der einzige Buddha sei. Buddha Amitayus erschien mir in einer Vision und übermittelte mir die 108 rituellen Texte. die mich lehrten. erhob sich ein Konflikt mit den Tirthikas in Vajrasana. Der Text des Phurbo Vitotama. Unmittelbar. Als ich. den es zu entdecken gilt. auf dem Berg Yah meditierte. die Unsterblichkeit gewähren. wurde mir zugesandt. Ich erbat heilige Schriften von den Sugatas und beriet mich mit den Buddhas des manifestierten Mitgefühls. und ich erlangte das relative und absolute Mitgefühl des Mahamudra. aber das Leid der Menschen in Indien und Nepal wurde zu einem solchen Hindernis. Padma. mir die Mittel zu geben. Ich harn in das Reine Land des Akanistha Himmels und zu den Reinen Landen der fünf Buddhafamilien. und den 500 176 . was den Fortschritt meines Sadhana behinderte. nachdem er über die Grenze Nepals gebracht wurde. da es mich davon ablenkte. dass ich meine Gurus bat. den ein Mann kaum tragen konnte. Von Zahor reiste ich zu der Höhle von Maratika in Nepal. der Rewalsar genannt wurde. in einen See.

Entzücken ausstrahlend.Gelehrten wurde durch die Dakinis geraten. Somit wurde der Buddhadharma für mehrere Zeitalter in Vajrasana gesichert. erzeugt. Der indische König Suryasingha sandte einige Schüler mit einem Hilferufzu mir und. nach Vajrasana zurückgekehrt. mit den acht Vidyadharas zu der »Kühler Garten« genannten Begräbnisstätte und wir meditierten. Ein jeder der Vidyadharas erhielt die ihm entsprechenden und notwendigen Eide und Ermächtigungen. Um Mitternacht am siebten Tag durchgängiger Konzentration wurde spontan eine große Stupa. Die Dakini Senge Dongma persönlich übergab mir eine Schatztruhe und die ursprünglichen Anweisungen über die Einheit der Sugatas. Dann ging ich. um meine Rückkehr zu bitten. 177 . Padma. Indem wir über die Stupa meditierten sahen wir sie voller Licht glitzern und strahlen. unterwarf ich die Tirthikas.

um den Dharma zu etablieren. Padma. den Baugrund zu segnen. obwohl es in seiner Macht stand. Bei seiner Ankunft in dem Tal. 178 . der von religiösen Zielen erfüllt und entschlossen war. denn es war bestimmt worden. um den Buddhadharma in Tibet zu etablieren.DAS VIERTE KAPITEL Worin er nach Tibet eingeladen wird und die Götter und bösen Geister dort unterwirft I l JL-^ie Wohltäter. Durch die Kraft dieses Gebetes wurde einer von ihnen als König Trisong Detsen von Tibet wiedergeboren. täuschte Shantarakshita vor. Shantarakshita. in dem das Kloster erbaut werden sollte. die Aufgabe nicht erfüllen zu können. die die Boudhanath Stupa in Nepal erbaut hatten. Entsprechend diesem Wunsch wurde der Abt von Nalanda. dass ich. nach Tibet eingeladen. dass sie wiedergeboren würden. um den Platz zu weihen. nach Tibet reisen sollte. erbaten als Lohn den Segen. ein großes Kloster zu erbauen.

den König der gemeinen und gierigen Geister. erlaubt werden sollte. Die Boten kehrten mit dieser Nachricht zu König Trisong Detsen zurück. dass ich nach Tibet kommen möge und so bat ich den indischen Dharmaraj und seine brüderlichen Untertanen um Erlaubnis. sie alle wurden unter Eid dem Dharma verpflichtet. dass mir. In Phuru unterwarf ich Dorje Legpa. Ich unterwarf alle Herren der Erde der nördlichen Regionen. in Yasru und Yonru unterwarf ich Gespenster und barbarische. In der Vorhersehung meiner Ankunft in Tibet und ihres Untergangs. Nach einiger Überlegung wurde entschieden. Im Norden band ich Samed. die Schutzgöttin des Weißen Berges und die Schützerin Tinglomen. trotz der durch die Tirthikas in Indien drohenden großen Gefahr.König Trisong Detsen sandte drei Boten aus. die im weiteren Verlauf Glauben und Vertrauen in meine magischen Transformationskräfte entwickelten. zu reisen. An den Ufern des Nyimakhud-Sees in Tibet unterwarf ich die grausamen Berggötter und menschenfressenden Geister: Sie alle wurden unter Eid an den Dharma gebunden. menschenfressende Geister. denn die Prophezeihung über die Verbreitung der Lehre sollte zu dieser günstigen Zeit erfüllt werden. Am Khala Pass unterwarf ich die zwölf Schutzgöttinnen der Pässe. In Tsang unterwarf ich die Pestilenzgeister von Oyug. wurden die menschenfressenden Wilden und Götter jenes Landes von ihrer eigenen Bosheit und ihren Zweifeln gekrümmt. Bald danach verließ ich Indien und reiste ins Kathmandutal in Zentralnepal. mit Geschenken aus Gold und der Bitte. 179 . Dann ging ich weiter zur tibetischen Grenze und wurde dort im Lande Mang von fünf Boten begrüßt.

der vom Buddha geweiht worden war.in Osam unterwarf ich Thanglha. bei Boirong unterwarf ich einen tierhaften Wassergeist: Sie alle wurden unter Eid an den Dharma gebunden. auf dem Melungtrak Fels unterwarf ich den Geist eines abgefallenen Upasaka. In Trigonakpo unterwarf ich die Göttin des Meeres. Am Namtsochukmo-See und am Namtsongonmo-See unterwarf ich mächtige Wassernixen. auch in Tsawarong unterwarf ich die Herren der Erde. bei Wangshumarpo unterwarf ich einen tierfönnigen Gott. bei Rotamnagpo unterwarf ich die Mutter der ansteckenden Krankheiten: Sie alle wurden verpflichtet. den Herrn der Pest und des schwarzen Todes: Sie alle wurden unter Eid an den Dharma gebunden. Auf dem Berg Kaüash band ich die Sternenkräfte der Uerrschaftshäuser des Mondes und auf Targo unterwarf ich die dunklen Einflüsse der Planeten dem Einfluss des Dharma. bei Lawakakchik unterwarf ich die gierigen. bei Shangralhatse unterwarf ich den Schutzgott einer königlichen Linie. 180 . in Changramuhpo unterwarf ich einen hoch entwickelten aber rachsüchtigen Herrn der Erde. gemeinen Geister. am Damtiktrak Fels unterwarf ich den Herrn der Wasserpestilenz. dem Dharma zu dienen. bei Thodkarnakpo unterwarf ich einen tierfönnigen Gott: Sie alle wurden unter Eid an den Dharma gebunden. auf dem Berg Kam unterwarf ich einen bestialischen Wassergeist. In Atarong unterwarf ich die verhexenden Geister.

hei der Feste Namkhadzong unterwarf ich den Gott der Pestilenz. hei Lharutseru unterwarf ich einen hösen Gott. auf dem Dudtrak Fels unterwarf ich die Höchsten der Berggötter. hei Kyirong Chamtin unterwarf ich rasende. hei Khyudonakpo unterwarf ich einen hestialischen Teufel. der in Melungtrak geschworen hatte. dem Dharma zu dienen.Daraufliin wurde ich hei der Burg Anchungdzong von dem Geist des gefallenen Upasaka. lustbesessene Göttinnen: Sie alle wurden unter Eid verpflichtet. und in der Stadt Todlung wurde mir von allen Bewohnern ein Empfang gegeben. hei der Löwenhurg Sengedzong unterwarf ich den Geist von Yahpang. 181 . im Land Mon an der Südgrenze Tihets unterwarf ich viele Geister. hei Trasmosong unterwarf ich den Teufel des Abgrunds: Sie alle wurden unter Eid dem Dharma verpflichtet. Auf der nepalesischen Seite des Mount Everest unterwarf ich vier Dämoninnen. bei Maldro unterwarf ich viele Wassergeister. Bei Buchu unterwarf ich einen kleinen Wassergeist. auf dem Berg Mayo unterwarf ich einen mächtigen Pestilenzgeist. auf dem Poitrakfelsen unterwarf ich eine Teufelin. hei Dudrinakpo unterwarf ich den Herrn des Bösen: Sie alle wurden unter Eid an den Dharma gebunden. die den hösen Blick hatten. Dann wurde ich im Tsang Tal von einem Mann mit einem Pferd empfangen. dem Dharma zu dienen. willkommen geheißen.

Er schmückte für mich den Löwenthron und überhäufte mich mit großen Geschenken. Ich zeigte meine zauberhafte Verwandlungskraft und ließ ihn meine machtvolle Melodie vernehmen. sich vor mir niederzuwerfen. der jedoch. Seine Arroganz und sein Stolz hinderten ihn daran. obwohl er eine Inkarnation von Manjusri war.Deshalb flössen zu jener Zeit die Wasser des Brunnens bei Dongpa wie der Nektar der Allmächtigkeit hervor. Schließlich wurde ich in einem Tamariskengarten am Roten Felsen vom König empfangen. konnte auf Grund der schweren Verdunklungen durch seine Geburt aus einem menschlichen Schoß nicht die Art und die Qualitäten meiner Tugend erkennen. Da verehrten mich alle Götter und Menschen von Tibet. 182 . Glaube wurde in ihm geweckt und er konnte sich vor mir niederwerfen.

DAS FÜNFTE KAPITEL Worin das Kloster von Samyeling errichtet und geweiht wird 1.cht. Dhritarashtra. iLHe untei"worfenen Götter und bösen Geister des Landes versammelten sich gehorsam unter meinem Kommando. 183 . Virupaksha und Vaishravana leiteten und beschützten den Bau. Durch meinen Segen reinigte ich den Boden. war ohrenbetäubend. Virudaka. indem ich die Silbe HUM hervorrief. und der Lärm.versöhnt und sie mit der Aufgabe betraut. zum Gehorsam. Männer arbeiteten bei Tag und Götter und Geister bei Na. indem ich mein Vajra wie im Tanz bewegte. genügend Gold zu sammeln. und. Die vier Wächterkönige. Während der Nacht arbeiteten die Götter und bösen Geister schwerer und bauten die Mauern höher als die Menschen bei Tag. den die Arbeit verursachte.schlangenförmigen Wassergeistern . In der Zwischenzeit hatte König Trisong Detsen sich mit den Nagas . zwang ich die Götter und bösen Geister des Ortes. um die Fundamente von Samyeling zu legen. auf dem das Kloster gebaut werden sollte.

schmückten das Gebiet. das den Ozean symbolisiert. das Zentrum von Samyeling. repräsentierte. die auf vier Steinsäulen ruhten. welche den Ring der Berge. 108 Stupas. in der Zentralkammer ruht Vairochana.um dem Tal Überfluss zu bringen und die königliche Schatztruhe aufzufüllen. innerhalb der kreisförmigen Mauer. und vier in Bronze gegossene Hündinnen. die den Kosmos enthalten. wie Sonne und Mond dem Berg Meru zur Seite stehen. Der große Zentraltempel mit seinen drei Stockwerken wurde dem Berg Meru entsprechend entworfen und der obere und untere Yaksha Tempel flankierten im Osten und Westen den Haupttempel. gerade so. Im höchsten Schreinraum des Tempels ruht der Buddha Saman thabhadra. Chinas und Tibets. so formte der große zentrale Tempel mit seinen drei Stockwerken und den Dächern in den drei unterschiedlichen Stilen Indiens. das zum Mann heranwächst. 184 . in der Mitte des Mandalas sind die Emanationen von Vairochana. Vier große Tempel in den vier Himmelsrichtungen und acht kleinere Tempel dazwischen. Gerade so. wie der Palast der Götter den Berg Meru krönt. wurde nach dem universellen Plan der Dinge an sich gestaltet und seine Entstehung schritt voran wie ein Kind. was so viel bedeutet wie »Das Unbegreifliche«. die alle einen Vajra umschlossen. umgeben von den Emanationen des Vajradhatu Mandalas. welcher auf magische Weise vom Schützer Vajrasadhu materialisiert worden war. Das Kloster Samyeling. t bewachten die vier Tore. erhoben sich auf der Mauer. welche die vier Kontinente und die acht Inselkontinente repräsentierten.

185 . Zimbeln erklangen spontan in den Händen der Göttinnen der Befreiung und. um dem Land Tibet Tugend und Glück zu bringen. war die ganze Welt erfüllt von Glück verheißenden Ankündigungen und Jubel. umgehen von den Schülern des Buddha und allen Bodhisattvas der zehn Richtungen. Bei der Weihe des Klosters wurden überall Blumen gestreut. Die Götter erschienen. Zornvolle Dahinis und Dharmaschützer beehrten wie Brüder und Schwestern die Feierlichkeiten. ihre Weisheit offenbarend. Dreimal fiel alles heilender Nektar vom Flimmel. und sowohl den Menschen als auch den Göttern immer währende Freude zu gewähren.in der Kammer des Erdgeschoßes ruht Mahäbodhi. Das Banner der himmlischen Gäste kündigte im ganzen Universum Pracht und Ruhm an. Aus den vier Steinsäulen loderte Feuer und die vier Hündinnen bellten. alles durchdringende Lichter strahlten. während die Götter Blumen herabregnen ließen und die Schlangen Juwelenopfer darbrachten.

von den Tibetera wird er Khenpo Bodhisattva genannt. war vora König Trisong Detsen 764 eingeladen. Abt von Nalanda. um zusammen mit dem ein Jahr später folgenden Padmasabhava in Tibet den Buddhismus erneut zu etablieren .Shantarakshita. 186 .

Später. die ungeeignete Behältnisse für den Dharma wären und Kannibalen. dass Tibet ein Land böswilliger Wilder sei. die Wünsche d. und wir überlegten. wurden wir unzufrieden. durchkreuzt. wie wenig empfänglich diese Maischen für den Dharma waren. Wir besprachen uns und waren uns einig. in unser eigenes Land zurückzukehren.es Königs zu erfüllen. In ihrer Eifersucht hatten die Minister Tibets unsere Bemühungen. achdem ich. 187 . die nicht zwischen Tugend und Laster zu unterscheiden vermochten. der große Meister Padma. und der Abt Shantarahshita.DAS SECHSTE KAPITEL Wie die Übersetzer und Gelehrten empfangen und die Heiligen Texte der Sutras und Tantras übersetzt werden. Wir sprachen mit dem König über unsere Überlegungen und er war äußerst bedrückt und weinte. bat er uns beide. während er uns mit Goldgeschenken und anderen Wertgegenständen beehrte. wohlwollend seiner Bitte zu lauschen. einige Zeit in Tibet verbracht hatten.

Ich. Chokro Lui Gyaltsen. Ich bitte euch. nicht nach Indien zurückzukehren. um Sanskrit zu lernen. wo der Dharma noch nie vernommen wurde. zur Erfüllung dieser Aufgabe in Tibet zu bleiben. gemäß der Prophezeihung. Obwohl ihr entmutigt seid. König Trisong Detsen. und der Abt Shantarakshita übersetzte die Sutras und das Vinaya. alle jungen Adligen Tibets versammelt. um die Kunst der Übersetzung zu erlernen und einhundert von ihnen wurden ausgewählt und nach Indien geschickt. So wurden. sagte König Trisong Detsen: »Dieses Land Tibet ist die Heimat maischenfressender Wilder. Die Erläuterung der Lehre wird gehört werden können und Viele werden gemäß der Überlieferung Meditation ausüben können.Da sein Geist offen war. die Schuften von Indien nach Tibet zu bringen und sie zu übersetzen. ein Land der Dunkelheit. euch. aber wenn die Heiligen Texte des Sutra und Tantra nach Tibet gebracht und übersetzt werden. 188 . und es gibt kein höheres Werk als anderen die Befreiung zu ermöglichenDeshalb bitte ich. mein Gebet zu erfüllen. Ich bitte euch zwei großen Meister. Bücher geschrieben und Statuen errichtet.« Wir erhörten Trisong Detsens Flehen und entschlossen uns. Unter ihnen waren Kawa Paltsek. übersetzte die inneren und äußeren Tantras. seid doch mitfühlend! Durch eure Erleuchtung seid uns gnädig gesonnen! Bleibt als inharnierte Buddhas in diesem bösen Land! Der Bodhisattva arbeitet zum Wohl anderer. Padma. Ich habe vergeblich Stupas gebaut. sehe ick die Verbreitung des Dharma voraus. Shangpo und besonders Vairocana.

die als Mönche ordiniert worden waren. die unstrittige Lehre. die Sutren und das Abhidharma. die Ashtaguhyamulamaya-Tantras. halfen zusammen mit den hundert tibetischen Übersetzern. Gelehrten. die Gesamtheit der Belehrungen und unzähligen internen und geheimen Montray ana-Tantras. 189 . die prägnante. Die Gelehrten gaben eine gründliche Erläuterung der Texte und die Übersetzer. die Mahaparinirvana-Sutra. Uns wurden Konfekt angeboten und Goldgeschenke überreicht. wo wir auf hohen Thronen mit seidenen Kissen saßen. einschließlich Vimalamitra und Buddhagupta. die Übersetzer. in edle Gewänder gekleidet. Die Heiligen Schriften des Montrayana und der Sutren wurdeii sodann übersetzt: Die drei Teile der Tripitaka: das Vinaya. das Astavachanadharmamula-Tantra in fünf. kurze und umfassende Form der Prajnaparamita. zehn und fünfzehn Tantras. die Schriften über die Geistaspekte der Großen Vollkommenheit. die aus Indien zurückgekehrt waren. die von des Buddhas Übergang ins Nirvana berichtet. zogen uns in das Kloster zurück. in der beständigen Erinnerung an ihre Lehrer bei der Übersetzung mit einhundert indischen Gelehrten. sorgfältig zuhörend. Die Übersetzung dieser Sutras und Tantras schritt Tag und Nacht voran. Wir alle. der Meister. der Kriyayoga-Text von Dorjetsemo und alle äußeren und geheimen Montray ana-Tantras.Elftiundert tibetische Jugendliche. der Abt und ich. die nach Tibet eingeladen worden waren. übertrugen deren Bedeutung ins Tibetische.

Als sie im Halbkreis saßen. je eine Ladung feinen und groben Tuches. die Standarten der Götter. wurde jedem das symbolische Modell des Universums aus Gold überreicht. vor dem Kloster Samyeling. ein männliches und ein weibliches Dzo. Rechts und links der Wagen wehten Siegesbanner. wollene Gei. einhundert Goldstücke und eintausend Silberstücke. Dann stieg König Trisong Detsen von dem Thron. Sie wurden von vollständig geweihten Mönchen hoch gehalten. wurden gepolsterte Sitze für die Übersetzer und Gelehrten aufgestellt. Oberhalb dieser Prozession fuhren die Wagen der Übersetzer und Gelehrten. ein Ewiger Knoten. ein Maultier. entfaltete Akashagarbha seine magischen.vänder. an dem die Schriften im Tempel niedergelegt werden sollten. An diesem Tag. wurden der himmlische Baldachin. das Mandalaopfer und ungezählte Arten von Opfergaben vorbereitet und auf die sorgfältigste und gefälligste Weise angeordnet. Mannigfaltige Melodien erklangen und Weihrauch schwebte der Prozession um den Tempel wie ein Herold voraus. über denen himmlische Baldachine schwebten. In der Yobok Ebene. den 190 . feine Wäsche. die die Übersetzungen auf ihren Rücken trugen. An dem Glück verheißenden Tag. ein Sack Tee. transformierenden Emanationen.Auf diese Weise wurde die erleuchtende Lehre in ganz Tibet eingeführt und unzählige Bände der Sutras und Tantras wurden kopiert. das Siegesbanner. stand vor ihnen und sprach von seiner eigenen Dynastie. ein Pferd. seidene Roben. an dem die Bände der übersetzten Schuften in der Tempelkammer im mittleren Stockwerk niedergelegt wurden.

Er war sowohl der Meister des Nyang Wen Tingzin Zangpo als auch einer der Lehrer des Guru Rinpoche selbst. 191 .Vimalamitra war als direkter Schüler Sri Singhas einer der ersten Dzogchenmeister und einer der größten indischen Gelehrten. Er zählte zu den 8 Vidyadhara genannten »Wissenshaltern« Indiens.

einer der tibetischen Minister. der bedeutendste der Gelehrten. Die Untertanen des Königs opferten alle Luxusgüter.hiesigen Bräuchen und der unermesslichen Großzügigkeit und der heiligen Absicht von Übersetzern und Gelehrten. der bedeutendste unter den Übersetzern. Vimalamitra. Gos. die sie angesammelt hatten und erwiesen den Übersetzern Dienste und Gastfreundschaft. Die Gelehrten kehrten jeder in sein eigenes Land zurück und hinterließen in Tibet die religiöse Überlieferung wie das Strahlen der Sonne. 192 . von der Übermittlung des Dharma durch die Gelehrten. Daraufhin sprach Vairocana. wie erfüllt die Minister des Königs seien. brachte jedem ein Opfer dar und drückte aus. sprach über den Ursprung des Dharma und über seine große Kostbarkeit.

oberhalb des Klosters Samyeling übte. Gyalwa Chokyangs Blume fiel auf Mamo. Als während der Initiation bestimmt wurde. Sangye Yesheys Blume fiel aufjampe Shinjeshey . kamen König Trisong Detsen und Namkhai Nyingpo. gab ich ihnen die Einweihung in die Einheit aller Sugatas. Dorje Dunjom. 193 . Vairocana und andere der fünfundzwanzig Schüler zu mir. welcher der acht Herukas besänftigt werden sollte. Gyalwa Chokyang. Nachdem ich das Mandala eröffnet hatte. Yeshey Tsogyalma. Palgyi Wangchuk. Namkhai Nyingpos Blume fiel auf Yangdak.DAS SIEBTE KAPITEL Wie die Schüler eingeweiht werden. Reife erlangen und sich die Zeichen ihres Erfolgs offenbaren W ¥ f ährend ich. fiel des Königs Blume auf Chemchok Heruka. mein Sadhana in Abgeschiedenheit an den oberen Hängen bei Chimpu. Padma. brachten mir das übliche Goldopfer dar und baten mich inständig um die Entfaltung des Mandalas der Einheit aller Sugatas. Sangye Yeshey.

Vairocana konnte einem Sklaven den Stolz zurückgeben: Diese und viele andere Zeichen wurden von dm Schülern verwirklicht. offenbarte jeder Schüler ein anderes Zeichen des Erfolgs.Dorje Dunjoms Blume fiel aufChoto und Vairocanas Blume fiel auf Drdknäk. in die Einheit des Geistes des Heruka. So erschuf jeder Schüler sein eigenes Mandala. König Trisong Detsen war allein kraft seiner strahlenden Erscheinung in der Lage. Die Übungen wurden durch Meditationsschulen in ganz Tibet verbreitet. Palgyi Wangchuk konnte durch das Erheben seines Phurba Tod durch Fieber bewirken. die sie erhalten hatten. in die Einheit des Geistes des Dharmapala. Namkhai Nyingpo konnte auf den Strahlen der Sonne reiten. Später wurden die erfahrenen Schüler in das allumfassende Mandala der Einheit des Geistes des Lamas eingeweiht. 194 . Dorje Dunjom konnte sich unbeschränkt wie der Wind bewegen. Yeshey Tsogyalma konnte Tote wieder zum Leben erwecken. Nachdem die Übung vollendet war. Sangye Yeshey konnte mit seinem Phurbadolch Felsen zerschmettern. Dann befreiten sie sich vom karmischen Zyklus von Geburt und Tod durch das Befolgen der Regeln. Menschen zu unterwerfen. in die Einheit des Geistes der Dakini. Gyalwa Chokyang konnte aus dem Scheitel seines Hauptes einen Pferdekopf wiehern lassen.

Vairocana war nicht nur einer der ersten Dzogchenmeister, sondern auch Linienhalter der Bön-Tradition und der Wichtigste unter den tibetischen Übersetzern von buddhistischen Schriften.

195

DAS ACHTE KAPITEL

Wie der Inbegriff des Dharmaozeans offenbart und in einem geheimen Lager verborgen wird
ch, Padma, entwickelte in meinem mitfühlenden Geist die Absicht, dem König und anderen Schülern die Einweihung in die Kurzfassung vom Inbegriff des Dharmaozeans selbst zu gewähren. Weil die Schüler in Tibet, obwohl sie die Lehre in erhellender Weise erklärt bekommen hatten, Meditation geübt und deren Früchte geerntet hatten, Zeichen der Errungenschaft offenbart hatten, die zeigten, dass sie die Belehrungen des Tripitaka, der Tantras und sowohl die innere als auch äußere und sogar die tiefgründigste Essenz der geheimsten mündlichen Unterweisung des Mantrayana beherrschten, hatten sie dennoch keine Einweihung in die unerlässliche Quintessenz der Belehrung vom Inbegriff des Ozeans des Dharma. Zu dieser Zeit kamen König Trisong Detsen und seine drei Söhne zu mir nach Chimphu mit dem drei Tage alten Leichnam ihrer Tochter und Schwester mit der Bitte, sie wieder zürn Leben zu erwecken, und sie flehten mich um. die Einweihung an. 196

Ich legte ihnen den Inbegriff des Dharmaozeans vollständig dar. Später, als ich die Absicht hatte, die Schätze meines Geistes zu verbergen, indem ich sie in die geheime Schicht des Verstehens einpflanzte, versammelte ich König Trisong Detsen und seine drei Söhne, die Prinzen Munetsempo, Murubtsempo und Mutriktsempo um mich; die Übersetzer Langdro Konchohjungney, Nyakchen Gyana Kumara, Vairocana und Suba Palgyisengey; Nyang Wen Tingdzin Zangpo, Dorje Dunjom, Palgyi Wangjuk, Otren Wangyuk und Atsara Saley; die Yoginis Seikar Dorjetso, Trokpanlo und Yeshey Tsogyal; die drei Gemahlinnen der Prinzen und andere; sie alle kamen zur ätherischen Festung der Provinz Kham. Dort entfaltete ich für sie den Inbegriff des Dharmaozeans und gewährte den reifen Schülern die Einweihung. Sodann setzte ich für sie die essentielle mündliche Unterweisung frei, deren Richtlinien und Regeln vollständige Befreiung von Samsara gewähren, woraufhin sie sieben fähre meditierten, bis sie die Einspitzigkeit der Konzentration des Geistes erreichten, deren Erringen durch große Zeichen geistiger Fähigkeit offenbart wurde. Die Schüler enthüllten große Macht: König Trisong Detsen konnte völlig frei durch Berge hindurchgehen; Munetsempo konnte das Mandala derHerukas visualisieren; Mumbtsempo hatte die Einheit von Einsicht und Glückseligkeit erlangt; Mutriktsempo hatte die wahre Natur seines Geistes gefunden; Vairocana stieg wie ein Vogel in den Himmel auf; Gyalwa Chokyang konnte seinen Körper in eine rasende Feuersbrunst venvandeln; 197

Langdro Konchok Jungney wurde zu einem weiten Raum aus Licht; Sangye Yeshey konnte augenblicklich jedes Ziel erreichen; Nyakchen Yeshey Shonnu erreichte die letztendliche Verwirklichung am Ende des Weges; Kharchen Tsogyal ließ aus Felsen das Wasser ewigen Lebens hervorquellen; Atsara Saley konnte mit seinen bloßen Händen Felsen zerschmettern; Trokmi Palgyiyeshey konnte mit seinem feurigen Auge ganze Wälder verbrennen; Dorje Dunjom konnte mit seinem Blick den Ozean austrocknen; Nyong Wen Tingdzin Zangpo konnte sich ungehindert durch Felsen hindurchbewegen; Selkaza konnte zornige Dakinis einfangen. Die Schüler offenbarten am Ende ihrer Übung viele wunderbare Zeichen ihrer Vollendung, die in der magischen Schrift der Dakinis niedergeschrieben wurden, um dann in geheimen Lagern an sieben heiligen Orten verborgen zu werden. Ich weissagte, dass dieselben Schüler wiederkehren würden, um die Schätze, die sie verborgen hatten, wieder zu bergen und gab ihnen besondere Anweisungen, wie diese geheimen Belehrungen aus den geheimen Lagern mit Wunschgebeten für ihre Verbreitung herauszuziehen seien. Während der degenerierten Zeit des Kaliyuga, wenn das Lebensalter eines Menschen nicht mehr als dreißig Jahre beträgt, wird es weitere Hinweise über die Natur des Pfads geben, wenn die Schätze in der vorletzten Ära vor der letztendlichen Zerstörung wiedergefunden werden.

198

fünf in der 199 . Gangri Lachi. Drakyi Yangdzong. Ungezählte Schätze wurden in geheimen Schichten und Erzlagern in Yarlung. Riwotrazang. Kharchu. Namkechen. fünf im Buddhakörper. Lhotrak. Diese Schatztruhen. Tsangi Zabpuling. Puwoiny und besonders Tidro Drakar verborgen.DAS NEUNTE KAPITEL Wie die Schätze verborgen und ihre Entdeckung vorausgesagt wird _ „ ie Gesamtheit der essentiellen Lehre wurde in den fünf Schriften der fünf Übertragungslinien auf den fünf Arten von Pergament niedergeschrieben und in ausgesucht wunderbare Truhen gelegt. Tsangin Woche. Yerpa Dawaphuk. Yoru und Tradruk versteckt. sowie in den acht Klöstern. wurden in Lhasa. Mongyi Negye. in denen alle Unreinheiten vollständig ausgeräuchert worden waren. In Oberund Unter Kham verbarg ich Schätze an fünfundzwanzig heiligen Orten. Samye. Yamalung. Tsari Gyalasengdam. die teilweise geheiligt worden waren. Yolmo Gangra. den vier Klöstern. sowohl große als auch Meine. Seitrah.

Danach. zuerst kommen würden. Die Reinheit des Geistes der fünfundzwanzig Schüler und die Kraft ihrer Bodhisattvagelühde. die Reinkarnation eines missbrauchten Lasttieres. dass die zwei großen Tertöns. der Unterweisungen benötigte. Karma Lingpa. der Ochshäuptige. wie Orgyen Lingpa. Ich weissagte. gefolgt von zwanzig Tertön Lingpas. bis der rachsüchtige König Langdarma. fünf in seinen himmlischen Attributen und fünf in seiner vollendeten Handlung. auf die Erleuchtung aller Wesen hinzuarbeiten. dass es nur drei Generationen dauern würde. angerichtete Chaos die Basis des Buddhadharma zerstören würde. Ich sagte vorher. den Habichtköpfigen. dass das durch Langdarmas Minister Trayi Gochen. übersetzen würden. meine Sad~ hanas ausübend.Buddhasprache. das Streben der Menschen umkehren würde. Zur Zeit Trisong Detsens und seiner Söhne breitete sich die Lehre über das Land aus wie das Tageslicht in der Morgendämmerung. fünf im Buddhageist. Padma Lingpa und so weiter. verkörperte Ausstrahlungen meiner Seihst. zusammen mit einhundert. Zu dieser Zeit würde der Bedarf für die Lehre groß sein. 200 . bevor ich sie in den Geheimlagern verbarg. würden zweiundzwanzigtausend geringere Tertöns erscheinen und erneut unzählige Schätze finden. aber ich sah vorher. allesamt Meistern der Lehre. welche die Schätze aus ihren Verstecken heben würden und die magische Schrift der Dakinis zum Verständnis eines jeden. Ich verweilte an diesen verschiedenen Plätzen. ihren Vorgängern folgend. Tertöns. Guru Chokyi Wangjuk und Nyong Nyima Özer. würden jedoch zu ihrer Wiedergehurt als Tertöns führen. um die Schätze zu weihen.

unvoreingenommener Wahrnehmung erkennt! 201 . jemand der Verehrung würdig. Auf diese Weise bestimmte ich. Mögt ihr Menschen Vertrauen gewinnen. um die Belehrungen zu meistern und sie zu verbreiten. in jedem Kreis gäbe es einen berühmten Siddha. indem ihr sie mit reiner.Wann immer ein großer Tertön erscheint. einen würdigen Empfänger der Opfergaben. der böse Kräfte unterwirft und austreibt. würden einige verborgene Schätze gefunden werden. wird es Hunderte von Dharmaerben geben. der die spirituelle Disziplin ausübt. und wo immer ich Meditation praktiziert habe. in jedem Haushalt gäbe es einen. dass die Lehre sich bis in den letzten Winkel der Erde durch meine verkörperten Formen ausbreiten würde. Es würde einen Tertön für jedes Tai geben. in jeder Stadt gäbe es einen Meister der Rituale. und außerdem gäbe es in jedem Haushalt einen tantrischen Yogi.

in den Südwesten abzureisen. um den Menschen Tibets zu helfen. 202 . um die kannibalischen Wilden des südwestlichen Inselkontinents zu unterwerfen ff iln dem Sutra der Prophezeiung sagte Buddha Shakyamuni vorher. da die Feinde der Buddhanatur unterworfen worden waren. um jene Wilden zu unterwerfen. der mich tränenüberströmt und voller Trauer anflehte.DAS ZEHNTE KAPITEL Worin den Menschen Tibets ein Vermächtnis hinterlassen wird. Ich teilte meine Entscheidung dem Prinzen Murubtsempo mit. dass die wilden Rakshasas des südwestlichen Inselkontinents nach Dzambuling herabkommen und es zerstör ren würden. indem ich ihnen die wesentlichen Belehrungen für die Zukunft vermittelte. Nun. als Padmasambhava abreist. Aus großem Mitgefühl vertagte ich meine Abreise. da die Menschen nicht ohne mich sein könnten. nicht zu gehen. entschied ich mich.

Eine große Menschenansammlung geleitete mich zu dem Pass des Landes Mangyul. die dem Fortbestand der tantrischen Linie von Trisong Detsen entgegenstanden. meinen Anhängern und jenen.Ich sagte die Erscheinung meiner Stellvertreter voraus. und. welche die bevollmächtigten Vertreter meiner mitfühlenden Macht sein würden. müssen die Ausführungen dieses Textes über meine spirituelle Praxis und selbstbefreiende Existenz in dieser Welt lesen. Wunschgebete. die entsprechend veranlagt waren. die mir nicht begegnen können. die alle als Schatzfinder in der Zukunft wieder geboren werden würden. entschlossen. das ich auf dem Khalarong Pass in Mangyul und an anderen Orten verbarg. Padma. Auf diese Weise beschwichtigte ich den verzweifelten Prinzen. Erinnert euch an mich. während ihr diese selbstbefreiende Geschichte sechsmal täglich lest. meine Erkenntnisse. bestand aus dreizehn Regeln. letzte Anweisungen : Zukünftige Generationen. nun unverzüglich zum Land der Wilden aufzubrechen. ich verbarg das Echo meiner Rede in geheimen Lagern zum Wohl zukünftiger Generationen. innere Übungen und Techniken waren in diesen Texten enthalten. und sprecht folgendes Wunschgebet: 203 . gemäß seinem ihm innewohnenden Befehl leben und dadurch in allen Dingen vollkommen werden. eine klare Sicht seiner Bedeutung gewinnend. Dieses Vermächtnis. Dann gab ich. wo ich dem Prinzen und den Menschen Tibets mein letztes Geschenk übergab. ich übertrug denjenigen meiner Schüler. welche alle Hindernisse überwinden würden.

alles umarmend. mein Geist. und das Usprüngliche Gewahrsein all denen überträgt. der Strahlende Unterwerfer des Bösen. im melodischen Klang der Buddharede sind die zwölf Töne. Mein Buddhakörper istjampey Shinjeshey! Meine Buddharede ist Wangchen Taketserpa! Mein Buddhageist ist Yangdak Heruka! Ich bete zum wunscherfüllenden Guru! Mein göttliches Merkmal.E ma ho! Kuntuzangpo und Dorjechang sind mein Körper unendlicher Einfachheit! Dorje Sempa und Sakya Tuhpa sind meine Lehrer! Tsepame und Chenrezig sind meine Beschützer! Ich bete zum Lotusgeborenen Guru. dem siegreichen Meister der zornvollen Dakinis! In der Sphäre des Buddhakörpers sind zornvolle und friedliche Emanationen. ist Chemchok Heruka! Meine vollkommene Handlung wird von dem Buddhakörper Dorje Shonnus ausgeführt! Ich bete zum glorreichen Thödtrengtsal. ist ohne Hindernis! Ich bete zum erhabenen Herrn der Dakinis! Prophet himmlischer Herrscher. der die geheimen Beleh'ungen verborgen hat. die initiiert sind und entsprechend gutes Karma dafür haben. mit dem sie vereint sind. 204 .

Nochmals sprach ich zu den Menschen: Ich werde am zehnten Tag nach Neumond eines jeden Mondes. kostbarer Guru.Erblasser eines freundlichen Vermächtnisses an die Menschen der Welt. besonders jedoch am zehnten Tag des Affenmonats kommen. gnadenvoller Körper des Mitgefühls! Deiner Liebenswürdigkeit gedenkend. bestieg ich das magische Pferd und wurde sodann von den vier Dakinis empor getragen. so dass wir Buddhaschaft in diesem. sich auf diese Weise um die Buddhaschaft zu bemühen. ich bete zu dir. bitte behalte uns in deinem Geist! Keine andere Hoffnung kann in dieser sorgenvollen Zeit entstehen! Sieh auf uns mit Mitgefühl. allen Wesen durch die Lehre zu helfen. 205 . Gebt nicht auf. ein jeder in sein eigenes Haus. Padma. den Bund mit dir erhaltend. Leben erlangen] Nachdem ich. um das Leid der Menschen auf der Welt aufzuheben. die Menschen ermahnt hatte. ein jeder zu seiner eigenen Übung. zu beten! Dann wandte ich mein Gesicht nach Südwesten und ließ alles zurück. Orgyen Tidku! Weise den Aufruhr und die Verwirrung dieser bösen Zeit durch deine Geschicklichkeit und Macht zurück! Bitte gewähre uns den Segen der Einweihung in das Verständnis unserer wahren Natur! Bitte erweitere unsere Fähigkeit. die Natur unseres Geistes und der Erfahrungen zu verstehen! Bitte gewähre uns die Fähigkeit. Der Prinz Murubtsempo und seine Untertanen kehrten zurück.

Samaya Gya Gya Gya. Möge sie in einer gnädigen Zeit in den Besitz von jemand mit spirituell entwickelter Persönlichkeit gelangen! Möge unendlicher Nutzen daraus entstehen zum Wohl aller Wesen! Diese Lehren sind durch heilige Eide dreifach versiegelt. . Postscript des Entdeckers und Übersetzers: Der große Tertön Orgyen Chogyur Lingpa zog dieses Terma aus dem Karmai Damchen Felsen. Gehorche dem Wort des Guru.Kolophon Diese Lebensgeschichte des Guru Orgyen Padma wurde von Yeshe Tsogyal niedergeschrieben und in einer Geheimlade verborgen. Auf Anraten des Abtes Shechen Rabjam wurde der Text von Könchog Orgyen ins Deutsche übersetzt und von Guru Rinpoches Könchog Dorje überarbeitet. in der Hoffnung. den Segen für alle Wesen zugänglich zu machen und bald die Sonne seiner Emanation wieder aufgehen zu sehen.

die auf den großen Guru Padmasambhava. zurückgehen. 207 .VERBORGENE GEHEIMLEHREN UND VISIONÄRE OFFENBARUNG Die vorliegenden Texte gehören zur Terma-Literatur des tibetischen Buddhismus.oder Neuen Schule war ein Tertön. wurden diese Texte dann wieder entdeckt. Auch der fünfte Dalai Lama. aber selbst der Reformer Atisha. Der erste große Tertön oder Schatzfinder war Sangye Lama (1000-1080). Terma heißt »verborgener Schatz«. Dieser sah in prophetischer Weitsicht die Verfolgung des Buddhismus und die daran anschließende Zerstörung aller buddhistischen Texte im neunten und zehnten Jahrhundert voraus und veranlasste deshalb insbesondere seine Gefährtin Yeshe Tsogyal und seine 25 engsten Schüler. den zweiten Buddha unserer Zeit. Nepal und Bhutan verteilt an geheimen Plätzen zu verbergen. Vom elften Jahrhundert an. Dabei handelt es sich im Regelfall um Belehrungen. und der eigentlich nur originale Sanskrittexte indischen Ursprungs gelten lassen wollte. als in Tibet stabile Zustände das Wiederaufblühen des Buddhismus ermöglichten. entdeckte wohl zur eigenen Überraschung einige Schriftrollen. Meditationsanweisungen und liturgische Texte.TERMA . der sich gegen die mystischen Praktiken der Nyingmaoder Alten Schule wie die Anerkennung visionär offenbarter Texte als eins mit der ursprünglichen Lehre Buddhas aussprach. das Oberhaupt der Gelug. all seine Worte aufzuzeichnen und über ganz Tibet.

obwohl sie bestimmt in Tibet ihre höchste Ausformung und Blüte erlebten. da die meisten Wissenschaftler mit gelehrten Geshes des Gelbmützenordens zusammenarbeiteten.. öffnete Buddha die Augen. mythischer Wesen. halb Mensch. weswegen diese Literaturgruppe auch den Sutras . ist es. Dabei ist die Idee des »Termas-« nicht tibetischen Ursprungs. wurden bereits frühzeitig als offenbarte Worte Buddhas in der Form von Sutras oder Tantras eingeführt.den Lehrreden . sind genau genommen Termas. So fängt das berühmte »Herz der höchsten Weisheit-Sutra«. Einsichten. 208 . halb Schlange. wie du es gesagt hast. entdeckte Avalokiteshvara. Genau. die zu ganz neuen Lehrgebäuden führten". lächelte Avalokiteshvara an und sagte: »So ist es. Auchjanet Gyatso weist in ihrer Studie über Thangston Gyalpo. folgende Wahrheit . Die notwendigen Impulse zur Erneuerung und Integration vitaler neuer Einsichten mussten mit dem legitimen Anspruch. ausgesöhnt werden.«.Gerade die Gelugpa.. den »Leonardo da Vinci« Tibets.« Dieser Ausspruch erhebt die Erkenntnis von Avalokiteshvara in die Klasse der Lehrworte des historischen Buddha selbst. die er dann Shariputra. einem der Hauptschüler offenbarte. lehnten Termas als nicht authentisch generell ab. verbarg und die dann von Arya Nagarjuna im zweiten Jahrhundert wieder entdeckt wurden. Selbst die Prajnaparamita-Sutras. die Buddha Sakyamuni in Höhlen im Reich der Nagas. tief in der Natur des Geistes versenkt. kurz: Herz-Sutra. die einen sehr wissenschaftlich orientierten Ansatz hatten und verhältnismäßig wenig Sinn für das Mystische. mit den erläuternden Worten an: »Einst. weshalb auch bis jetzt sehr wenige »verborgene Schätze« in westliche Sprachen übersetzt wurden. Als die Belehrung zu Ende war. die heute noch in jedem Zen-Kloster und Tempel des Mahayana-Buddhismus täglich rezitiert werden. als Sakyamuni Buddha auf dem Geierberg in tiefer Meditation verweilte. authentisches Buddhadharma und Apokryphen unterscheiden zu können. auf die Kontinuität der visionären Tradition im Buddhismus schon in der klassischen indischen Zeit hin.zugeordnet wurde.

Daraus entwickelten sich mehrere Methoden, die Legitimität eines Textes zu etablieren. Bereits beim 1. Konzil in Rajagriha versuchten die älteren Schüler um Ananda, die Worte des Buddha autoritativ zu kanonisieren, um sie dann niederzuschreiben. Und so beginnt beinahe jeder Text des Palikanon mit »So habe ich es einst vernommen...«, um zu dokumentieren, dass die folgende Lehrrede eine ursprüngliche Aussage Buddha Shakyamunis sei. Sogar die Jahrhunderte später entstandenen Tantras authentisieren sich durch diesen Beginn. In den bereits erwähnten Prajnaparamita-Sutras wird eine weitere Entwicklung eingeleitet. In einem der frühesten Texte dieser Gattung wird gesagt, dass ein echter Jünger des Buddhas die Ermächtigung habe, Belehrungen zu geben, die als direkt aus der Kraft und Weisheit Buddhas stammend angesehen werden sollten. Dass durch diese Ermächtigung, die im Sanskrit adhistana oder auch anubhava genannt wird, auf mystische Weise neue Lehren inspiriert werden könnten, war einer der Gründe, der die aufkommende Mahayana-Bewegung so vital und erfolgreich sein ließ. Nagarjunas Bericht, wie er die Lehren aus dem Reich der Nagas mitgebracht habe , die sie seit Siddharta Gautamas Zeiten sicher- dort verwahrten, diente ohne Zweifel dem Anspruch auf Glaubwürdigkeit ebenso gut wie Asangas Bericht, in den Tushitahimmel geführt worden zu sein und dort die Yogacara-Lehren direkt vom zukünftigen Buddha Maitreya erhalten zu haben. 3 Auch die tibetische visionäre Literatur, die bis ins 20. Jh. im ungestörten Fluss erscheint und sich durch direkte Offenbarung selbst authentisiert, ist ein Beispiel dafür, wie offen und dynamisch die spirituelle Entwicklung der Lehre war und ist. In der Tat führte diese lebendige Fortentwicklung des Lehrgebäudes zu der Notwendigkeit der Klassifizierung der Übertragungslinie, wie Eva Dargyay darlegt. Die erste Klassifizierung ist die Kama-Tradition, die so genannte lange Übertragung, da sie in ungebrochener Folge mündlicher Belehrungen von Meister an Schüler weitergegeben wurde. Der gesamte tibetische Kanon, sowohl Sutras als auch Shastras und Vinaya gehören hierzu. Im Besonderen jedoch wird dieser Begriff für die Vielzahl buddhistischer Tantras - also esoterischer Texte visionärer Natur - verwendet. 209

So enthält die Kamalinie der Übertragung also den ganzen »Kangyur« und »Tangyur«, wie auch die hunderttausend Tantras der Alten Schule, das » Nyingma brgyud 'bum«. Die zweite Klassifizierung ist die der Termas oder verborgenen Schätze. Die Erdschätze - Sa ter - enthalten Schriften, Ritualgegenstände oder Arzneien. Gong ter, die Geistschätze, wurden von einem der Buddhas der Vergangenheit oder einem esoterischen Meditationsbuddha in der Natur des Geistes eingepflanzt und wenn die rechten Umstände entstehen, werden sie spontan im Bewusstsein des Visionärs aktiviert. Weitere Klassen sind die »Erinnerten Schätze«, bei denen sich der Tertön spontan an frühere Leben und darin erhaltene Belehrungen der Buddhas oder Guru Rinpoches erinnert. Manchmal reicht es aus, an dem gleichen Ort zu verweilen, an dem seinerzeit die Belehrungen stattfanden. Auch »Wieder entdeckte Schätze« -Yang ter - gehören hierher. Es handelt sich bei ihnen um Schätze, die eigentlich für einen anderen Tertön zu finden vorgesehen waren und deshalb auch flugs wieder versteckt werden. Der große Jamgon Kongtrul beschreibt Geistschätze mit Begriffen wie »Diamantkörper, der die Essenz der Erleuchtung ist«, um darauf hinzuweisen, dass die Lehren sich in dem Zustand direkter Erfahrung absoluter Wahrheit selbst formen und erklären und zwar aus einem »Platz im Raum, im Zentrum der leuchtenden Klarheit«. An anderen Stellen sagt er: »Manju, genauso wie die vier Elemente aus der Vorratskammer des unendlichen Raumes kommen, so entstehen alle Geistschätze aus der Schatzkammer des Bewusstseins der Buddhas.« Termas vereinigen die Notwendigkeit, das Kontinuum der Lehre zu erhalten, mit dem Bedürfnis, die Anwendung zu aktualisieren. Die dritte Klassifizierung ist als »Reine Vision« - Dagnang bekannt. In dieser Art der Tantrischen Einsicht erhält der Yogi oder Meister seine Belehrungen und Autorisierung direkt von einem himmlischen Buddha oder Meister einer vergangenen Epoche. Das Treffen mag in der realen Welt oder einem der Buddhafelder oder Reinen Länder stattfinden. Im Gegensatz zu Geistschätzen wird hier jedoch nicht aus dem Schatz des Buddhageistes geschöpft, sondern wortgenaue Belehrungen empfangen, 210

und visuelle und auditive Erfahrungen stehen im Vordergrund. Diese Visionen können entweder im Traum, in der meditativen Klarsicht oder in der Alltagsrealität erscheinen. Ein interessanter Aspekt ist der, dass diese Visionen nicht nur das Ziel der Praxis waren, sondern häufig auch Begleiterscheinungen, wenn Yogis enttäuscht über scheinbare Misserfolge ihre Übung aufgeben wollten. Umgekehrt führte die Eindringlichkeit und Wirkungskraft dieser Visionen dazu, dass aus den Erfahrungsberichten der Visionäre ritualisierte Übungsanleitungen - so genannte Sadhanas - formuliert wurden, die den visionären Verlauf nachvollziehen und die Aktualisierung eben dieser Erfahrung zum Ziel haben. 8 So ist also die Visualisation der Visionen früherer Meister eines der bis heute gebräuchlichsten Mittel tibetischer Meditation und gleichzeitig wird die tatsächliche Erfahrung einer solchen Vision dann als Kulmination und Erfolgsbeweis der Übung angesehen! Kongtrul Lödro Thaye erklärt die Erfahrung von reinen Visionen so: »Mögen, alle Wesen den Klang der Wahrheitslehre ständig von den Vögeln, Bäumen, den Sonnenstrahlen und dem ganzen Himmel vernehmen. Da Bodhisattvas ständig für die Erleuchtung aller Wesen beten, hören sie ständig den Klang der Wahrheit in den Geräuschen der Elemente, wilden Tiere und allem. Darüber hinaus zeigen die Buddhas ihr Antlitz und lehren sie. Obwohl die Buddhas in anderen Dimensionen weilen, zeigen sie ihr Antlitz den Bodhisattvas, die mit Hingabe erfüllt sind, sich tugendhaft verhalten und nach Wahrheit dürsten.« Kongtrul Rinpoche zitiert ebenfalls indische Quellen, wie das Samadhisutra, um zu belegen, dass schon dort die Meinung vertreten wurde, dass es einen Überfluss an verborgenen Dharma-Lehren gäbe, die von einem Bodhisattva mit gereiftem Einsichtsvermögen und erwachter Weisheit entdeckt werden könnten. Der Schlüssel ist hier, ganz wie im Märchen, »zur rechten Stunde am rechten Ort« gewesen zu sein, um die Offenbarung zu empfangen! Hier zeigen sich auch die Parallelen zum Schamanismus, wo 211

ebenfalls die visionäre Offenbarung als Zeichen des Erfolges gewertet wird. Die schamanische Tradition Tibets kannte eine Vielzahl der von Padmasambhava, Milarepa und anderen buddhistischen Yogis zur Schau gestellten Wunder wie Fliegen, Hagelstürme abwenden oder Dämonen unterwerfen. Doch wichtiger war die Aufgabe des Schamanen, als Visionär die Verbindung zum Universellen und Göttlichen herzustellen und durch seine Visionen die menschliche Gemeinschaft über den Willen der Götter zu informieren. Insofern tat Guru Padma, was die Kultur erwartete: Er zeigte durch seine schamanischen Darbietungen, dass er aus gleichem Holz wie heimische Schamanen geschnitzt, zugleich jedoch durch seine Vision einer tieferen Dimension spiritueller Erfahrung, namentlich der Einheit von relativ und absolut, Erleuchtung und AUtagsgeist sowie Mitgefühl und Freiheit, mächtiger war. Wie Helmut Hoffmann schreibt, gab es auch indigene Bön-Mythen, in denen junge Schamanen bis zu 13 Jahre lang in den Himmelsraum flogen, um neue Lehren zu erhalten, mit denen sie ihrem Volk helfen konnten. So vereinigte Guru Rinpoche zwei Traditionen und vertiefte dabei die einheimische, warend er der alten indischen eine neue Dynamik gab, die bis heute anhält. Zwei der Hauptkritikpunkte an der Termaliteratur durch die Neue Schule sind zum einen, dass die in ihr beinhalteten & Dzogchen-Lehren deswegen angezweifelt werden, weil sie Anklänge an den chinesischen Taoismus und den Zen~Buddhismus haben, der in Tibet als Häresie abgelehnt wurde, aber auch an den Kashmir Shaivismus und den vorbuddhistischen Schamanismus, und damit eine Verfälschung der reinen Lehre Buddhas seien. Wenn Erleuchtung aber überhaupt existiert, ist die Erfahrung des Absoluten immer dieselbe, und deswegen sprechen diese Parallelen für die Universalität der Dzogchen-Lehre und zeigen eher ihre Tiefe als ihre Unverbindlichkeit. Denn wenn es die Erleuchtung tatsächlich gibt, kann es keine buddhistische, hinduistische oder schamanistische geben - entweder es ist eins oder es ist keins. Zum anderen ist den Gelehrten die Tatsache unheimlich, 212

Das heißt. Interessant dabei ist. So sagt der Finder des vorliegenden Textes von sich selbst: »In einem exaltierten Zustand. die in Höhlen oder Tempeln. Aber damit nicht genug . dem Flackern der Flammen im Feuer. wie Feuer-. 165) 213 . oder in Schriften. entsteht dem Tertön das ganze. erscheinen. wie der von Oddiyana. der ihnen diese Fähigkeit verleiht. er sei sogar ein Analphabet gewesen. Die Schatzfinder sind auch allesamt Ausstrahlungen von Guru Rinpoche selbst. wann sie erscheinen und was sie finden werden. sondern um einen Bewusstseinszustand handelt. hinter Wandverschalungen oder losen Steinen. die so genannten Dakinischriften im Glitzern der Sonne auf den Wellen.dass Termas in verschiedenen Kategorien gefunden wurden. Viele dieser Schätze sind in der so genannten Dakinischrift niedergelegt. ist ihre Authentisierung relativ einfach. angedeuteten Schriftzeichen bestehen können. Wo unsereins nur Wellen oder Flammen sieht.(Vgl. Möge er allen Wesen dienen!«. die nur aus einigen Piktogrammen oder. Da sie physisch manifest sind. oder Wiedergeburten seiner 25 Schüler. Trotzdem kann ein Tertön die Texte genau erkennen und abmalen oder -schreiben. wie Sanskrit oder Apabhramsa. mitten im Fels oder in der Erde verborgen wurden. Normalerweise sind dies Manuskripte oder rituelle Gegenstände. Der große Jamgon Kongtrul bemerkte über Chogyur Lingpa. die dem Schatzfinder unbekannt sind. einen der produktivsten Schatzfinder des letzten Jahrhunderts. hochfliegend wie ein Vogel und flink wie ein Fisch. zum Beispiel aus in eine Baumrinde geritzten. wobei es sich aber nicht um einen erlernbaren Geheimcode.von allen ist auch prophetisch angekündigt.und Geistschätze. dem Flug der Wolken oder in der strahlenden Klarheit ihres eigenen Geistes zu erkennen. einem West-Afghanischen Königreich um die Zeitwende. Diese teilt sich auf in verschiedene Kategorien. Schwierig wird es mit den anderen Termas. Luft-. Für einen initiierten »Tertön« sind sie jedoch lesbar und aufschlüsselbar. sie sind hoch konzentrierte und mit Symbolen kodifizierte Texte. dass sie zum Teil in ausgestorbenen Sprachen. Wasser. S. photographisch genaue Bild einer Schrift. Die bekanntesten sind die »Erd-Schätze«. fand ich diesen Schatz. Diese Schatzfinder sind in der Lage.

oft ganz konkrete Ereignisse und Probleme einer zukünftigen Zeit und ihre Lösungen ansprechen. weshalb Tertöns.Chr. dass der Versuch. das existiert. in der gleichen Weise. Deswegen sind Termas ein dynamischer Prozess. Guru Padma selbst. So sagt einer der besten Kenner der Alten Schule des tibetischen Buddhismus. Dies ist auch der Grund. die »Lehre der Wahrheit« den Händen wissenschaftlicher Totengräber dadurch zu entreißen.Der bedeutungsvollste Aspekt der Termas aber ist. die in ihrer Prägnanz und Aktualität wohl einmalig sind.hier und jetzt . aus hoch konzentrierten Hieroglyphen auf Steinen oder aus inneren Bildern und Symbolen. verbunden sind. Da der Ursprung dieser Texte zum Teil in vergangenen Äonen und Galaxien oder gar in rein geistigen Welten angesiedelt wird. durchaus liberal. der untrennbar mit unserer konkreten Situation . ein hoher Tulku der Nyingma~Schule. die sie den staubigen Fingern der Gelehrten und Kirchenpröbste und Religionsverwalter immer wieder aufs Neue entzieht. dass sie beständig den zeitgenössischen Bedürfnis-. in ihrer geistigen Schau (ähnlich wie aus den Piktogrammen des chinesischen I Ging) Einsichten formulieren. Dies ermöglicht eine ständige Erneuerung und Belebung der Lehren.zu tun hat. gibt im Nachwort eine kurze scholastische Darstellung der tibetisch-buddhistischen Glaubensvorstellung bezüglich der Termaliteratur. 214 . sen entsprechend neu belebt wird. oder gleichzeitig jeder Augenblicks-Punkt der Erfahrung. dass sie. politischen und sozialen Situation. und zwar entsprechend der spirituellen. dessen Code und das Wachstumspotential des gesamten Organismus enthält. in der jeder Lichtpunkt eines Hologramms das gesamte Bild und jede Zelle des Körpers.« Auch Chhimed Rigdzin Rinpoche. so dass sie den größtmöglichen Nutzen bringen. ist eine göttliche Chiffre der Totalität des Seins. sondern ein direkter Zugang zum Buddhageist selbst.« Und er fährt fort:»Jedes Wesen. obwohl schon um 800 n. aufgezeichnet. Keith Dowman: »Die Doktrin der Offenbarung ist viel mehr als ein geschicktes Mittel. aber gleichzeitig auf eine lebendige Art und durch ein pulsierendes Band mit dem Quell aller Schätze. ist es zwangsläufig.

denn es ist ihr spezieller Zweck. ist eine grosse Ermutigung für die Übertragung des Dharmas in den Westen. Dass diese Gattung heiliger Schriften Tibets als authetischer Buddha-Dharma erkannt wird und selbst in der Krise unseres überbevölkerten Planeten am Ende des zweiten Jahrtausends die Hoffnung und das Vertrauen auf die Immanenz des Absoluten erweckt und stärkt. und Viele ermutigt. 215 . Leons/Vezere. obwohl der Wurzeltext weniger wörtlich übersetzt.eine historische Kongruenz und Abfolge zu schaffen. F-24290 . tibetologischen Übersetzung dieses Textes gewachsen ist. Bis zu einer deutschen Veröffentlichung hoffe ich. ist meine Motivation. Keine andere Form der heiligen Schriften der buddhistischen Lehre ist für diesen Übersetzungansatz besser geeignet. der selbst als Tertön solche verborgenen Schätze gefunden hat. als vielmehr freizügig nacherzählt oder sogar »aus dem gleichen Lehm neu getöpfert« wurde. Wenn durch diese freie Übersetzung das Interesse an einer wortgenauen. ist nur eine Annäherung des Mystischen an unser konditioniertes Bewusstsein und seine Zeitorganisation im linearen Ablauf. immer in die mystische Zeit hineinreicht. die Übersetzung und Kommentare authentizitiert. dass die vorliegenden Texte sich für den Leser als »verborgene Schätze« herausstellen. die befreiende Kraft der Termaliteratur durch Praxis zu erschließen. die Wahrheit der Lehren den Gegebenheiten der Zeit entsprechend zu vermitteln. findet man sie bisher leider nur in englischer Sprache bei der Padmakara Translation Group La Sonnevil. Jeder historische Bezug ist in seiner UnvoUkommenheit also immer auch ein Fingerzeig auf einen Manifestationsaspekt des Absoluten. geschichtliche Zeitabfolgen zu schaffen. St. Der Versuch. Dass Chhimed Rigzin. Rinpoche.Montegnac. das per se außerhalb von Zeit und Raum liegt.

erteilte Gautama Buddha zahllose Belehrungen . Diese Auffassung vertritt auch Nga Gyur Kun Jed Gyal Po. ist zu erkennen.NACHWORT VON S. die in der Natur des einen Geistes entstehen. wenn die Erinnerung und das Gewahrsein sehr klar werden. der Geist den großen Raum ~ Dharmadhatu . das andere führt zur Erleuchtung. dass.Dharmas -.wobei sich alle ausschließlich mit der buddhistischen Philosophie und der Auflösung von Geistesgiften. Anuyoga lehrt. Dies ist. Eines ist das weltliche Fahrzeug . Atiyoga oder Dzogchen auf tibetisch. Innerhalb dieses Systems sind viele Übungen überflüssig. aber keine einzige mit den Naturwissenschaften befasste. dass alle verschiedenen Phänomene . die letzte der neun Stufen in der Tradition der Nyingmapas. das wunderbare Schauspiel des eigenen Gewahrseins sind. Kurz gesagt bilden diese Lehren die zwei Fahrzeuge oder Yanas. Davon befassen sich 21. Eines ist das Sutra-Fahrzeug und das andere das tantrische. dem Zorn.000 mit der Unwissenheit und 21. dass unser Geist vom Urbeginn an erleuchtet war. KHORDONG TERCHEN TULKU CHH1MED RIGDZIN RINPOCHE Der Vorstellung des tibetischen Buddhismus und den tibetischen Gelehrten zufolge.000 mit den Begierden. wer sein augenblickliches Bewusstsein versteht. alle drei Geistesgifte zusammen aufzulösen. die tantrische Lehre vom reinen Land. die drei Kayas" ganz spontan und natürlich erkennt und nicht mühselig nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung üben muss. lehrt.E. Zusammen ergeben sie mehr als 84. Von diesen beiden muss das Tantrayana als höherstehend angesehen werden.erkennt und Erleuchtung erfährt.000 versuchen. ganz allgemein gesprochen. Sie wurde nie öffentlich für die Allgemeinheit 216 . 21.000 verschiedene Belehrungen. Mahayoga sagt aus. 21. was man zu tun hat. dass. und darin enthalten ist die besonders wirkungsvolle und kraftvolle Methode des Dzogchensystems. In diesem natürlichen Zustand ist der Geist von Samsara befreit.000 mit. Alles.

Manjusri. zum direkten Verständnis inspiriert. den Vidyadharas . aber durch seine Güte werden die fünf Meditationsbuddhas.den Weisheitsträgern und Dakinis ~. die Essenz der geheimsten Doktrinen und ganz besonders die Dzogchentantras wurden so von den Dhyanibuddhas oder durch von ihnen inspirierte Texte übermittelt. Dies also ist die Übertragungslinie der Dzogchen-Lehren. Indrabodhi. sondern von den großen Bodhisattvas ~ die alle einen erleuchteten Geist haben. Jogpo.gibt es zahlreiche heilige Stätten. Chokyong. Der König des Landes. Er spricht nie und verweilt in seinem natürlichen Urzustand.unserer Welt . Vajradhara und Vajrasattva z. Chodrag Thaben sowie Dragpamitha.). Sie empfingen auch die Lehren König Ja's. Ein kurzer geschichtlicher Abriss Im Dharmadhatuparadies gibt es den Urbuddha Sri Kuntu Zangpo (Samantabhadra. Er meditierte auf vielen ver217 .B.) die Bodhisattvas Garab Dorje (Ananda Vajra).gelehrt. Der große Guru erschien auf einem Lotus im Danakosha-See im Land Oddiyana. In Jambudvipa . insbesondere Oddiyana in Nordwest-Afghanistan. Die Nyingmapalinie des tibetischen Buddhismus geht auf Padmasambhava zurück. und nach ihnen erhielten die acht Vidyadharas die Lehren übertragen. Vimalamitra etc. gab später jedoch den Thron auf und verließ das Land. Diese wiederum kommunizieren ihr Verständnis in die menschliche Welt. Avalokiteshvara und Vajrapani durch Zeichen und Wunder. Malaya usw. Die höchsten Lehren aller buddhistischen Schulen. Skrt. Padmasambhava. hatte keinen Erben und nahm Padmasambhava an Sohnes statt.in ihren jeweiligen Paradiesen bewahrt. unter ihnen die großen Weisen Nagarjuna. Shambala. Singala (Ceylon). Padmasambhava regierte das Land nach spirituellen Grundsätzen. Karda Dong. Sie erhieken diese Tantras auf wunderbare Weise. den weiblichen Adepten . Später belehrte die Sambhogakayamanifestation Dorje Sempa (Vajrasattva. Weiterhin gab es acht Vidyadharas.. Skrt. Diese wiederum hatten fünf Hauptschüler: Dragda. Deshalb sind sie besonders tiefgründig und nicht mit Hindutantras oder anderen Lehren vermischt.

wann sie jeweils in der Zukunft gefunden werden würden und die Dame Tsogyal wies die 25 Weisen an. Khandroma Yeshe Tsogyal. der von Rigdzin Jatson Nyingpo (Rig a Dzin a Ja Tshon sNying Po). Er gab zahlreiche verschiedene tantrische Belehrungen in Indien. Später schrieben Yeshe Tsogyal. Zu dieser Zeit äußerte sich Padmasambhava prophetisch über die genauen Zeiten und Umstände. Eines dieser Termas war der Text: »Könchog Chidu«. weil in dem Fluss von der Quelle bis zur Mündung Gold gefunden werden kann. Nepal etc. Taksang etc. Dorje Dujom. Bedeutsam auch deswegen. Nyang liegt in dem gegenwärtigen Gyaltse Distrikt der Provinz Tsang. Der Ort. wurde gerade dieser Text in Tibet sehr beliebt und bekannt. Ein Mönch namens Tingzin Zangpo lebte dort für einen Monat und gab dem Ort seinen Namen. Padmasambhava zeigte sich in acht verschiedenen Erscheinungsformen (Guru Tshan Gyad). wo er viele Menschen an den verschiedensten Orten belehrte. darunter König Trisong Detsen. Obwohl über die Zeit viele verschiedene Sadhanas (geistige Übungsanleitungen) von Padmasambhava gefunden wurden. Atsarya Säle und Khenchung Lotsa die Belehrungen nieder.schiedenen Friedhöfen und traf den großen Lehrer Garab Dorje sowie andere Weise. weil er sowohl kurz ist als auch eine sehr tief gründige Bedeutung hat und diesen tiefen Gehalt auch zu vermitteln vermag. und Tingzin Zangpo. Allesamt waren sie große Weise und erhielten zahlreiche Einweihungen von Padmasambhava. und wurde später vom tibetischen König Trisong Detsen eingeladen. um die verborgenen Schätze der Belehrungen wieder zu finden. an dem der vorliegende Text gefunden wurde. die ihre Lehren an ihn weitergaben. Insbesondere unterrichtete er seine 25 Hauptschüler in Samye Chimphu. heißt Nyang Ban Tingzin Zangpo. verborgen. Namkhai Nyingpo. wann sie sich als Tertöns zu reinkarnieren hätten. Ein sehr bedeutsamer Fluss fließt durch diesen Ort. Sie wurden von Padmasambhava gesegnet und dann an den wichtigsten heiligen Orten in Bhutan. einer Reinkarnation des Nyang Wen Tingzin Zangpo gefunden wurde. 218 .

der dritte Buddha Kashapa. Er wurde der zweite Buddha Kanikavarma. In dieser Zeit entwickelten alle Söhne spontan den Erleuchtungsgeist des allumfassenden Erbarmens . Der dritte Name war Wangpo Zhiwa (dBang Po Zhi Ba). Dann zog er die Namen aus dem Topf. G u r u u n d Schüler Was ist der Unterschied zwischen Guru und Schüler? Beide haben die eingeborene Buddhanatur. Nudan Dorje schrieb die Namen aller Söhne auf Zettel und warf sie in einen Topf. Der fünfte war Karag Chen (sKa Rags Chan) der kommende Maitreya Buddha und der sechste Name war Chökyi Lodrö (mChog Giblo Gros) der Löwenbuddha Singha. dass alle Söhne Buddhas der zukünftigen Zeiten werden würden. Dann führte er magische Riten durch und meditierte sieben Tage lang. und aus diesem Grunde sind sie in ihrem Wesen nicht verschieden.W e r w a r e n P a d m a s a m b h a v a s Schüler? In einem anderen Äon lebte einst ein großer König Yul Khor Zong. der einst der tausendste Buddha Möpa sein wird. Der Yogi Nudan Dorje war der Lehrer des Königs und seiner Söhne. Jedoch muss der 219 . Eines Tages nun erbat der König Prophezeihungen über die Zukunft seiner Söhne von Nudan Dorje. Laut Nudan Dorje's Prophezeihung wurde er zum ersten Buddha dieses gegenwärtigen Kaipas (Weltzeitalter) namens Cakarvinas. Sowohl Tingzin Zangpo als auch alle anderen Hauptschüler Padmasambhavas waren Verkörperungen der Söhne König Yul Khors und werden alle die Buddhas der Zukunft sein. So kamen alle Namen an die Reihe. Der erste war Namdag Lodrö (rNam GDag blo Gros).Bodhicitta. Daraufhin weissagte Nudan Dorje. Als vierter kam Dondrub (Don Grub) aus dem der vierte Buddha Shakyamuni in unserer historischen Zeit wurde. Als Letzter kam der des Lodrö Thayae (bLo Gros mTha Yas). hatte zahlreiche Königinnen und 1000 Söhne. Er regierte viele Länder. Der zweite Name war Namdag Gyal (rNam Dag rGyal).

Der Schüler darf nicht faul sein. 220 . Dies ist die Minimalvoraussetzung. Er sollte seinen Lehrer wertschätzen und muss die Fähigkeit haben. muss Zuflucht nehmen. den Geist seines Lehrers als Buddha zu begreifen . die bis zum Urbuddha Samantabhadra zurückreicht. Er muss.in allen vier Himmelsrichtungen. wenn es je notwendig würde. dass der Guru nicht verschieden von Deva .der weiblichen Erleuchtungsenergie . zu allen Jahresund Tageszeiten . Er muss wirklich tiefes Vertrauen haben. alles. Auch. seinem Lehrer zu opfern. wenn nötig. Vor allem muss er erkennen.sind die wichtigsten Qualitäten eines Gurus. sein großes Mitgefühl und seinen erleuchteten Geist belehren. dem jeweiligen System des Lehrers gemäß. Außerdem muss er bereit sein. der sich von weltlichen Verstrickungen abwendet. was er hat und eigentlich für sich selbst braucht. Laut dem Sutrasystem muss er zumindest den vierten Weg und die siebte Stufe erreicht haben. Wo immer er sich auch aufhält . Der Schüler wiederum.ist. Erkenntnis der Buddhanatur und Verwirklichung . Zweitens muss er sämtliche geistigen Übungen vollzogen haben und dabei seine eigene Buddhanatur erkannt und verstanden haben. und welche überflüssig. sein Leben für seine Schüler oder alle fühlenden Wesen zu opfern. Nach dem tantrischen System der Nyingmapa muss er die erste Stufe. immerzu üben.muss er lernen und üben.und* Dakini .Übertragungslinie. welche Belehrungen nötig für den Schüler sind. Der Guru muss sowohl gute Lehrmethoden kennen als auch andere durch seine eigene Erfahrung.der Meditationsgottheit . Der Schüler sollte bereit sein. muss er glauben. namentlich Namin Rigdzin (rNam sMin Rig aDzin) gemeistert haben: Diese drei . Auch das ist notwendig.Guru eine ununterbrochene Übertragungslinie haben . dass der Lehrer nichts anderes ist als die drei Kayas. sondern die Erlösung aller fühlenden Wesen sein.seine Sprache als den Dharma (in diesem Fall die Lehre der Wahrheit) und seinen Körper als die Sangha (Gemeinschaft). Sein Ziel und Zweck sollte nicht die eigene Erleuchtung.

Es scheint so. als ob allgemein angenommen würde. in früheren Zeiten gab es aber auch Termas von den klassischen Sutras. rDzas gTer sind verschiedene Ritualgegenstände. die niedergeschrieben und an heiligen Plätzen. Einer der Gründe für das Erscheinen der Termas ist die Reinhaltung der ursprünglichen Lehre. so wie auch der als allwissend verehrte Longchenpa seine Bücher verfasste. deswegen ist es unmöglich. Höhlen oder den fünf Elementen verborgen wurden.Über die N a t u r der T e r m a (gTer) Die wörtliche Bedeutung von gTer wird mit Aufbewahrungsort wiedergegeben. und so konnten sie alle Fragen beantworten und flüssig die ganzen Belehrungen geben. Padmasambhava gab Belehrungen an verschiedenen Orten. So ging die Ursprünglichkeit der Lehren verloren. generell in jedem der fünf Elemente gefunden. Auch medizinische Fachbücher. sie mit falschen Vorstellungen zu vermischen oder zu verderben. können als Terma verborgen und wieder gefunden werden. 4. dass Termas nur in der Nyingmatradition vorkommen. Termas sind die Lehren Padmasambhavas. Es werden vier verschiedene Terma unterschieden: 1. selbst Saatgut. Medikamente. Manchmal konnten große tibetische Gelehrte ihre eigenen Ideen nicht von Buddhas kanonisierten Werken unterscheiden und verfälschten die Lehre. den Felsen oder dem Wasser. Die Termas aber erscheinen von Zeit zu Zeit neu und unverfälscht. Sie befanden sich im Geist des Buddhas und seiner Schüler. 3. den Bergen. wie Dorje oder Phurba. dGongTer sind Geistschätze. der jeweils notwendig ist. Sa gTer werden in der Erde. Statuen und jeder andere Gegenstand. sich dieser Belehrungen erinnern und schreibt sie nieder. 2. Aus diesem Grunde kommt ihnen eine sehr wichtige Funktion bei der Erhaltung der reinen Lehre zu. Der Tertön kann. in Klöstern. 221 . wenn er an diesen Orten meditiert. der Bodhisattvas.

Samsara und Nirvana vereinigt und »endgültig«. Mahamudra betont die Idee der Vergänglichkeit und Un~ Wirklichkeit der Erscheinungswelt. weil es die letzten und endgültigen Lehren Buddhas sind. 3. Guru. Nirmanakaya. Sambhogakaya. Nimm Zuflucht zu deinem Lehrer. Dharma. »Vereinigt« deshalb. zu Budhha. Dakini. Pferde. erleben wir immer nur Leiden. ob gut oder schlecht. Wer ist es. einen edlen menschlichen Körper zu erhalten. Chen bedeutet »groß«. Nirvana und Samsara wahrnimmt? Wer begreift diese Objekte. Aus diesem Grund muss der eigene Geist gereinigt werden. Dieses Buch von Karl Scherer steht in vollem Einklang mit den Nyingma Lehrmethoden. 1. In der Mahamudraschule werden alle Objekte unserer Wahrnehmung gereinigt: Häuser. Es ist sehr schwierig. 4. Egal. lehrt und bewirkt. Dazu: 1.Dzogchen Dzog heißt wörtlich so viel wie »vereinigt«. Sangha. Das Resultat jeder Handlung. Alles. 1. »voll«. 2. Aus diesem Grund müssen wir die Verstrickungen mit der bedingten Welt hinter uns lassen. Entwickle Erleuchtungsgeist voller Mitgefühl. in welchem der sechs Bereiche des Samsara (vom Himmel bis zur Hölle) wir uns befinden. »endgültig«. was erscheint ist vergänglich. Deva. Im Dzogchen muss das wahrnehmende Subjekt selbst gereinigt werden. Für den spirituellen Sucher gibt es vier Schwerpunkte der Übung. geht nie verloren. die Menschen und die anderen fühlenden Wesen. was das Dzogchen. Feinde etc. Das ist es. Bäume. weil es alle Lehren Buddhas. der die Welt der Dinge und der Sinnesobjekte. Dharmakaya. benennt sie und wer schließlich denkt? Es ist der Geist des erkennenden Subjekts. 222 . Dzogchen bedeutet also die große oder endgültige Vereinigung oder Vollendung.

Chhimed Rigdzin Lama Geschäftsführender Präsident und Mahavajracharya der Sangha der »International Nyingmapa Buddhist Cultural Preservation Society«. Vishva Bharati University. Dann wird es nirgendwo mehr Leid geben. Mögen die Lehren des Herrn der Weisheit der jina. Wenn der bloße Gedanke. All diese Punkte werden im vorliegenden Text gelehrt. Kham. 4. Segenswunsch Mögen alle Schwierigkeiten und widrigen Umstände ohne Ausnahme mit harmonischen Umständen. gewähre die wahre Errungenschaft erleuchteter Einsicht. Unzerstörbarer Guru Padmasambhava. Tibet. Sie sollten über seine Bedeutung nachdenken und aufkommende Fragen mit hoch entwickelten Lehrern klären. verdienstvoller ist als die Verehrung aller Buddhas. 5. und dass es viele Menschen lesen und danach handeln werden. ist es unnötig zu erwähnen. der die drei Kayas vereinigt hat. dass dieses Buch veröffentlicht wird. Padmasambhava. Übe Guru Yoga. Ich wünsche mir. So hoffe ich. lange währen und strahlend leuchten. Abt der Khordong und Khang Klöster. 223 . wie der Schatz des Himmels. dass sie ihre eigene wahre Natur erkennen und die Erleuchtung erlangen. Übe die Mandalaopferung. Santiniketan. Wenn alle Menschen erleuchtet sind. Reinige dich von den Sünden. Westbengalen. wird diese Welt leer vom Ego. wie großartig das Streben nach dem Wohle aller Wesen ohne Ausnahme ist. befriedet werden und zur Ruhe kommen. Dekan der Fakultät für Indo-tibetische Studien.3. anderen zu helfen.

zit. Manjusrimitra: »Primordial Experience«.12. Nub Sangye Yeshe finden wir dann unter den 25 engsten Schülern von Guru Rinpoche wieder. »Soundings in Tibetan Civilization«. Yeshe Tsogyal: The Lotus-Born. nach: Yeshe Tsogyal: »The Lotus-Born«. L. Autors.Kapstein. 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 Vgl. 173-174. J o h n Reynolds: »The Golden Letters«. Vol. Zit. das »dGongs'dus-Tantra«.16-19.273. 340. S. S. Ebd.23. 1981 S. V g l Keith Dowman: »Sky Dancer«. Per Kvaerne: »AspecLs of the Origin of Buddhist Tradition in Tibet« in: N u m e n Nr. nach: Yeshe Tsogyal: »The Lotus-Born«. S. \ Tsele Natsok Rangdrol: »Die wahre Bedeutung klären«. Rinchen Terdzö in: Yeshe Tsogyal: »Dakini Teachings«. 291-293. S.Vidyadhara Chetsan-Kye von Gilgit . Vgl. nach: Yeshe Tsogyal: »Dakini Teachings« London 1990. S. London 1993.ANMERKUNGEN Einführung des Herausgebers 1 E. denen er die geheimen Unterweisungen gab. Reynolds: »The Golden Letters«. Jamgon Kongtrul L: »The Precious Garland of Lapislazuli«. 19 (1979) und Namkhai Norbu: »The Necklace of gZhi: A Cultural History of Tibet« (Dharamsala: . S. Vgl. Übersetzung d-Autors. S. Ithaca 1996 S. Autors. Aziz u n d M. S.LTWA.XXI.171. Zit. S.220). nach: Yeshe Tsogyal: »The Lotus-Born« London 1993. Übersetzung d. Vgl. Jamgon Kongtrul L:»The Precious Garland of Lapislazuli«. »Buddhismus.243. S. London 1984. wahrscheinlich noch unter der Schirmherrschaft des Lotusgeborenen Guru aus d e m Drusha-Dialekt v o n einem der acht großen Wissenshalter . Daisaku Ikeda. Ebd. Vgl.. I. 19 Vgl. S.17-19). übersetzt v. Namkhai Norbu u n d Kennard Lipman. Vgl.für seinen Schüler Nub Sangye Yeshe ins Tibetische übersetzt worden (vgl.223. S. Vgl. Ithaca 1996. Das erste Jahrtausend«. S. Keith Dowman: »Sky Dancer«. 297. Frankfurt/M 1997. Vgl. eds. Übersetzung d. Dehli 1985 S. S. Autors. Ende des 8 J h . Rinchen Terdzö. S. Dargyay: »A Nyingmapa Text« in: B.6. unten. S.XXV1II. Zusammenfassung d. sowie: Yeshe Tsogyal: »The Lotus-Born« London 1993.'Autors. J. unten.40-41. zit. 224 . S. Übersetzung d. Vol. 57-76. Tenzin Wangyal: »Der kurze Weg zur Erleuchtung«. So ist einer der frühesten Dzogchen-Texte. London 1987.

auch wenn einige Widersprüche unerklärt bleiben. »The History of the T'ang Dynasty«. da sie die meisten Quellen textkritisch. 23 Es wäre jedoch vorschnell zu urteilen. und »Die Religionen Tibets und der Mongolei«. »Abhinavagupta. John Reynolds und andere westliche Autoren folgen im Wesentlichen den Tun Huang-Chroniken bzw. im Karakorum. Zürich 1992. Dudjom Rinpoche allerdings datiert Padmasambhavas Ankunft in Tibet ebenfalls auf das Jahr 810 225 . In der Frage nach der wechselseitigen Beeinflussung von Bön und tibetischem Buddhismus kommt Agehananda Bharati (»The Tantric Tradition«. Wir folgen der Konsistenz wegen Dowmans Schlussfolgerungen. und damit vor dem Kontakt mit dem Buddhismus. John Reynolds. Journal Asiatique. London 1991. Stuttgart 1970). dass die Bönkultur Tibets mit ihrer eigenen Dzogchenübertragung einfach ein Produkt der Auseinandersetzung mit dem frühen Buddhismus in dieser Gegend ist. Dudjom Rinpoches: »The Nyingma School.65. Muktananda. New Dehli 1965. »Chitsliakti Vilas«. Ganeshpuri. Neuere Forschungen belegen. Das für die Nyingmaschule maßgebende Werk ist S. »The Golden Letters«. Übersetzung d. sowie den so genannten roten Annalen. S. Halbjahre gerechnet. Shakabpa und »Cultural History of Tibet« von dem eminenten Tibetologen David Snellgrove (mit Richardson). 22 Der bedeutendste Heilige des Kashmir-Shaivismus. 1972 und Bettina Bäumer. dass die Bön auch bei anderen Beispielen Recht behielten. Keith Dowman. soll einen tibetischen Meister unter seinen Lehrern gehabt haben (vgl. Varanasi. nach den Tun HuangChroniken.H. 1963). a Political History« von W. übersetzt von Gyurme Dorje und Matthew Kapstein. Verschiedene tibetische Quellen differieren in ihren Jahreszahlen bis zu 50 Jahren (z. Mainz 1987 und Giacomella Orofino in East and West 1991).20 Vgl. New York 1965. datiert Dowman. den Tun HuangAnnalen.« 24 Die historische Genauigkeit aller folgenden Daten ist schwer zu verifizieren. in denen sie behaupteten. Kanti Chandra Pandey: »Abhinavagupta: An Historical and Philosophical Study«.. sogar in Gegenden. Paris 1894. Erik Hein Schmidt hingegen folgt Jamgon Kongtrul L und nennt das Jahr 810). So bauten sie bereits vor der Zeitenwende. Abhinavagupta. Swami. part II und Sino-Indian Studies I. die auf die chinesischen T'ang-Annalen aufbauen (vgl.KarlJettmar: »Zwischen Gandhara und den Seidenstraßen«. S. Erschwerend kommt hinzu. die keinen wechselseitigen Austausch pflegten. eine eigene. altindischer Tradition folgend. dass tibetische Autoren nach verschiedenen asiatischen Kalendern kalkulieren. 1971) und beziehen auch die Berechnungen von G. Autors) zu dem folgenden Schluss: »Ähnliche Bemühungen führen zu unabhängig gefundenen parallelen Lösungen in religiösen und mystischen Fragen. Wege ins Licht«.B. verarbeitet haben. präbuddhistische Tradition zu sein. außerdem werden in einigen Chroniken. Tucci ein: »Tibetan Painted Scrolls«. Weitere Daten finden sich in »Tibet.225-227. Rome 1949. Chr. in Ladakh und entlang der Seidenstraße ihre ganz typischen Stupas (vgl. its History and Fundamentals«. 21 Vgl. die Ankunft Padmasambhavas in Tibet 765 n.

sich z u m Vollstrecker des Schicksals »rückständiger« Kulturen machen zu dürfen. Zu einem bestimmenden Kennzeichen der Neuzeit wurde die Selbstgewissheit ihrer Vertreter. historische Fakten aus Legenden zu destillieren. Zeitgeschichte in Zentralasien als aus tibetischen Quellen (vgl. nach: Snellgrove and Richardson: » A Cultural History of Tibet«. Vgl.): »Der Koran« Stuttgart 1960. wies Lama Yönten Goupo darauf hin. Übersetzung d. also 60 Jahre jeweils abgezogen werden müssten. Princeton 1972). S. S. Mitteilung. Michael A. die zugrunde liegenden Muster einer geistigen Entwicklung. Nikolazzi: »Mönche. die einzige Lösung für alle zu haben u n d jede andere Lehre zerstören zu dürfen. Spätere tibetische Autoren behandelten in Ermangelung schriftlicher Quellen die historische Entwicklung mehr als Entfaltung eines metaphorischen Mysterienspiels. München 1990. New York 1978. Geister u n d Schamanen«. Dharamsala 1994. Zit. die den Anspruch erhebt. S. 27 Interview mit Chogyal Namkhai Norbu: Chö Yang VI. Auch unser Exkurs in die sozialen u n d politischen Umstände dieser Zeit versucht deshalb eher. 29 Max Henning (Übers. 30 Zit.29 und Taiko Yamasaki: »Shingon«. 25 226 . dass diese Schrift aus schon vorhandenen tibetischen Schrifteh^synthetisiert und nicht gänzlich neu erfunden wurde (pers.u n d den Bauabschluss Samyes auf 814. räumt aber ein. Was in Tibet geschah. als durch die Aufzählung widersprüchlicher Angaben j e d e n Schluss zur Bedeutungslosigkeit zu relativieren. S. herauszuarbeiten. München 1990. Geister und Schamanen«. Düsseldorf 1995. 31 Vgl. Düsseldorf 1995. Via Roosevelt Town. Beckwith »The Tibetan Empire in Central Asia«. Besonders die Verfolgung des Buddhismus durch Langdarma (836-842) bedeutete eine Unterbrechung in der schriftlichen Überlieferung und die Zerstörung vieler historischer Dokumente. 32 Dies war die erste Auseinandersetzung einer indigenen Kultur mit der Invasion einer doktrinären u n d totalitären Ideologie.U. dass möglicherweise alle Daten um einen 60 Jahre-Zyklus falsch berechnet sind. S. Nikolazzi: »Mönche.. die oft genug in der Vielfalt einzelner Daten verschüttet werden. 12 u n d 14.23. Aus der Betrachtung der heute wirkenden Faktoren. Michael A.31. dazu Mohawk Nation: »A Basic Call to Consciousness«. ergibt sich oft eher aus den allgemeinen Entwicklungen der Kultur-. bzw. erschienen bei Akwesasne Notes. 28 Vgl. nach: Taiko Yamasaki: »Shingon«. Autors. Bei Sichtung des vorliegenden Materials scheint der Versuch. können wir die Keime dieser Entwicklung zu ihrem Ursprung zurückverfolgen.15. Kathmandu 1996). 8 1 . 26 Chagdud Tulku. Christopher I. um uns daraus ein plausibles Bild zu machen. S. der ais Wiedergeburt von Tonmi Sambhota gilt. im besten Fall eine Annäherung an mögliche Zusammenhänge zu liefern. die ab dem 15 J h . S. überall auf der Welt zur Zerstörung uralter Kulturen führte. Dies ist in einer gewissen Weise der erste Einbruch der Moderne.

12) und schließt den. die ihre Ursache in seiner Gründungsphase haben. denn er tötet ja keine Menschen.23. Sure 7. Geister und Schamanen«. aus dem Kreis der Menschen aus: »Die schlimmsten der Tiere vor Gott sind jene Tauben und Stummen. 310-311 und Michael A. 37 Vgl. 215.Ch. Sure 22. nach Yeshe Tsogyal: »The Lotus-Born« London 1993. die nicht begreifen. 40 Agehananda Bharati: »The Tantric Tradition«. 43 Keith Dowman.. Sure 2. S. 42 Ebd. Bürge! »Allmacht und Mächtigkeit«. 38 Der Koran. 1991 und »Die Meister des Tantra.20. die sich der Unterwerfung durch den Islam widersetzten. 46 Keine Religion entsteht aus einem Vakuum. Ch.22). 34 Solchen »Toren«. »Allmacht und Mächtigkeit«. S. J. Sure 8.33 Der Koran. 39 Keith Dowman: »Sky Dancer«. 309-311. 311..63.24. die in Indien durch den Einbruch des Islam nie ihre Wirkung entfalten konnte.180. die sie entfaltet. und außerdem versichert ihm der Koran in diesem Fall: »Nicht ihr habt sie getötet. Sure 8. die in ihrer prägenden Phase herrschten. einer Revolution. 227 . Sure 4. »The Lotus-Born«. S. Insofern streben tausend Jahre lang dormante Entwicklungen auf ihre Entfaltung in der Auseinandersetzung mit den westlichen Werten der Aufklärung und des Humanismus zu. das Buddhadharma im Land des Schnees für das Wohl der Menschen in der Zukunft intakt zu erhalten.« (Ebd. die sozialen und historischen Bedingungen. Nikolazzi: »Mönche. als du schössest. Und nicht du hast geschossen. Bei der Rezeption des Vajrayana im Westen wird es hier unbedingt nötig sein. die in einer tiefen Widersprüchlichkeit zur befreienden Kraft der tantrischen Revolution stand. S. 36 Ebd.« (Ebd.23. Geister und Schamanen« Düsseldorf. S.65 und Sure 14. »Sky Dancer«. bedurfte einer großen Orthodoxie und gesicherten Hierarchie. München 1991).17). München..32 (alle Koran-Zitate nach Bürgel. London 1984.4. 47 Vgl. S. Leben und Legenden der Mahasiddhas«. Yeshe Tsogyal. Autors. S. Nikolazzi: »Mönche. So wirken bei der Begegnung des tibetischen Buddhismus mit dem Westen immer noch Kräfte. 44 Ebd. Übers. S. sondern Gott. Der gläubige Mohammedaner begeht also keine Sünde. der nicht glaubt. 1995 S.89. sondern zeigt in der Form.. Basel 1988. S. 41 Michael A. 48 Vgl. sagt der Koran: »Glaubt wie die Menschen glauben!« (Ebd. die historischen und sozialen Bedingungen dieser Zeit von der Essenz der Lehre zu trennen. Sure 47. d.. J. Keith Dowman:»Die Meister der Mahamudra«. 35 Ebd.. Im Westen wird aber gerade diese grenzauflösende Befreiung in den Lehren des tibetischen Buddhismus gesucht. 45 Zit.. 73-81. Die ausgesprochene Absicht. sondern Gott. München.

Da zuMieser Zeit bereits zwölf »Verkünder« in der indischen Übertragungslinie dieses Tantras gezählt wurden. die die Hindus mit den Buddhisten unter der ökumenischen Flagge des gemeinsamen Gottes der Zeit. 40. Dujom Rinpoche: »rNying-ma'i chos-'byung« übersetzt von Gyurme Dorje and Matthew Kapstein. wie der große Hinduseher Vasistha von dem Gott Vishnu in der Gestalt Buddhas die Anweisung erhielt.49 Vgl. 62 Die Ritualtexte dieser Praxis berichten. S. S. »Atem als Tor«. Als das Kalachakra-Tantra 1027 n. das erste Auftauchen des Kalachakratantra im frühen 8. Sky Dancer. S. Jh. Von n u n an sollte die Göttin als Tara . Denn die in Westtibet heimischen Bön waren nie in dem Spannungsfeld zwischen brahmanischer Orthodoxie u n d radikalem Erleuchtungsweg. in: The Nyingma School of Tibetan Buddhism. um eine geschlossene Front gegen die kulturelle Vergewaltigung durch arabische Völker zu bilden. Taiko Yamasaki »Shingon. S. in dem gezielt dafür geworben wird. Bhattacharyya weist darauf hin. 61 »Shakti and Shakta«. München 1988. Tatsächlich fällt auf. die bereits Zentralasien u n d den Iran überrannt hatten. zu vereinigen suchte. schließlich Tibet erreichte. wie Keith Dowman ausführt(»Sky Dancer«.99-112. DzogchenMeditation nach den Bön-Lehren Tibets«. wie agressiv im Verhältnis zu den pazifistischen Idealen der buddhistischen Frühzeit dieses Tantra formuliert ist. S. n. Freiburg 1991. der Lösung für eine Entwicklung.301. das erste Jahrtausend«. Chr. Mahakala. 58 Vgl. dass eine neue Zeitrechnung darauf begründet wurde. S. 53-83. um das Armageddon am Ende der Zeit zu verhindern. Der esoterische Buddhismus in Japan«. Whalen Lai: »Buddhismus und Christentum«. S. 55 B. Madras 1975. 314. Eine Entscheidung. Agehananda Bharati: »The Tantric Tradition«. die die Chinesen in den letzten tausend Jahren bestimmt schon oft bereuten. 123-130. S. Dowman. 21). 50 Chogyal Norbu Namkhai: Chö Yang VI. 57 Siehe auch: Karl Scherer. & wurde es als so wichtig erachtet. 314). 51 Dies erklärt auch w a r u m die Dzogchenlehren bei den Bön bis heute leicht zugänglich sind u n d ganz unverkrampft vermittelt werden. den Kult der Göttin Kah entsprechend diesem Text zu ändern. dass Kalachakra oder das Rad der Zeit von einer bestimmten Gruppe (von Buddhisten) propagiert wurde. 59 Vgl. S. S.die Mutter aller Buddhas 56 228 . zu vermuten. Tenzin Wangyal »Der kurze Weg zur Erleuchtung. die in Indien durch den Einfall des Islam nie zu Ende gebracht wurde. die islamischen Horden zurückzuwerfen. 60 Vgl. 54 Vgl. Michael von Brück.(zit. liegt es nahe. Daisaku Ikeda:»Buddhismus. Boston 1991. 82. dem die indische Übertragungslinie ausgesetzt war. 14. 53 Vgl. Its Fundamentals and History. München 1997. 52 Insbesondere bei der Rezeption des Vajrayana im Westen mit seinen demokratischen und egalitären Grundwerten brechen hier alte Dichotomien wieder auf u n d verlangen nach.

) u n d das Tara Tantra (10. Autors. u n d erkennt eine indigene Dzogchentradition. 69 70 71 229 . editierte. Jh. doktrinäre Widersprüche zum Hinduismus u n d seinem Kastensystem. sowie das Sammoha Tantra (13 J h . Jh. dass Dzogchen die Essenz hinter jeder Religion ist und somit auch jenseits einer bestimmten Tradition steht. Zit. Bhattacharyya »Indian Buddhist Iconography III S. einschätzt.). Reynolds. Oddiyana u n d Kothan gekommen waren mit der Begründung. Varanasi 1963. 66-84. dass sie dort von »chinesischem Einfluss beschmutzt« worden seien. die in der ersten Übersetzungsphase aus Kashmir. um die Anhänger der Praxis vor Verfolgung zu schützen. die Brahmanamala (8. können sie aber als den Versuch sehen.O. (Vgl. 283. wie sie im tibetisch-buddhistischen Anuttaratantra u n d Mahayoga gefunden werden (vgl. Einführung in den tibetischen Zen-Buddhismus«. »The Lotus-Born«. 63 Darunter befinden sich das Kubjika Tantra (12. Jh. »Sky Dancer«. zu beseitigen oder zumindest vor der brahmanischen Orthodoxie und damit Gerichtsbarkeit zu authentizieren. a. Übers.). der den tibetischen Kanon. 300. die bereits vor Ankunft des Buddhismus in Tibet bestand. die von dieser Praxis aufgerissen werden. 66 67 68 Vgl. 64 Vgl. Vgl. die alle sowohl von Hindus als auch von Buddhisten geübt werden. Wir wundern u n s natürlich über die plötzliche Gleichsetzung von Buddha mit Vishnu. Vgl. Ithaca 1996. S. nach: Yeshe Tsogyal. An Historical and Philosophical Study«. 13-23.C. verwarf die meisten Texte. S. Dowman. Diese Ansicht vertritt auch der vom Dalai Lama sehr geschätzte Bönmeister Lopön Tenzin Namdak.). S. J. Vgl. »The Tantric Tradition«. Reynolds. Die Einzelheiten dieser Praxis erinnern dabei an die von tibetischen Yogis zelebrierten Opferfeste oder Ganachakrapujas. die Rudrayamala. S. Keith Dowman: »Sky Dancer«. S.). Kangyur u n d Tangyur. »Abhinavagupta.angebetet werden u n d die tantrischen Riten einen sehr »linkshändigen«. Wien 1979. 285-288). 23-25. an. S. Mitteilung in Freiburg 1989) gefunden. Daraus folgert er. der fast alle Regeln v o n Kaste u n d ritueller Reinheit für Brahmanen durchbricht und überwindet. unorthodoxen Verlauf nehmen. die er als erheblich älter als die buddhistische Mission in Tibet. 244 ff. Chang »Mahamudra-Fibel. Garma C. B. Kanti Pandey Chandra. »The Golden Letters«. Dowman »SkyDancer« S. d. Vgl. 80« (Sadhanamala No 141). und J. Auch Buton. der die Biographien und Lehren aller Dzogchenmeister der Urreligion Tibets erforscht hat u n d dabei eine Kontinuität von mindestens dreieinhalb Tausend Jahren ununterbrochener Übertragung entdeckte.a. 65 Der zeitgenössische Dzogchenmeister Namkhai Norbu hat im Zug seiner Forschungen in den Ruinen des vorbuddhistischen Zhang Zhung-Königreiches Tontafeln in einer prototibetischen Schrift mit Dzogchentexten (persönl.

Janet Gyatso. 3 Vgl. »Meister des Tantra«. S.h. S. »Sky Dancer«. 2 Vgl. dem Hinduismus zu entsagen .61. gTer rnam rgya rtsa. Samboghakaya. 7 Zit. die deswegen keine Notwendigkeit sahen. sowie Nirmanakaya. S. da der Buddhismus in Indien lange das Steckenpferd der Brahmänensöhne war. 2 D. 4 Tibetische Geschichte kennt keine Differenzierung zwischen den harten Fakten der objektiven historischen Ereignisse und den visionären Zyklen der spirituellen Dimension. 5! »Erleuchtungs-Wesen«. die anderswo als Mythologie bezeichnet wird. Berkeley 1981. auch den Segen und Auftrag des eigenen Meisters zu haben. S. 8 Vgl. 4 Ebd. wenn die Buddhanatur zweifelsfrei erkannt wird und sich liebende Güte und Allerbarmen als Hauptmotivation entwickelt haben. S. 11 in: »The Religion of Tibet«. Dowman.2 Dowman. 61. S.oder Bewusstseinskörper.oder Mitgefühlskörper. S. der Weg.h. Autors. »The Literary Transmission of the Traditions of Thang-Stong rGyal-po. den absoluten. wie das Leben ethisch zu gestalten ist. 3 Ein Vorwurf. Autors. Übersetzung d. 10 Vgl. und die \ Äonen der Weltzeitalter koexistieren mit der exakten Zeitmessung i durch Chronometer.291.aber zu »Angleichungen« der buddhistischen Lehren an hinduistische Vorstellungen führte. »The Rise of Esoteric Buddhism in Tibet«. 6 In: EvaDargyay. nach: Gyatso. 683.. den mentalen oder visionären Lichtkörper.66. New Delhi 1965. Autors.was der Hinduismus als einzige Religion auch nicht verlangte .70. S. Gyatso. 24. 230 . A Study of Visionary Buddhism in Tibet«. 6 Eine essentielle Praxis tantrischer Yogis.35. die ihre eigene Erleuchtung aufschieben. zit. 7 D. London 1971. London 1984. der erst erteilt wird. Basel 1988. Gyatso.67. 1. Übersetzung d.h. So werden mythische Welten wie Shambala als genauso reale Orte angesehen wie geographische Lokalitäten. Nachwort von Chhimed Rigdzin 1 D. S. Übersetzung d. den sich mancher Sutratext gefallen lassen muss.Nachwort des Herausgebers 1 Vgl. nach: Gyatso. Gyatso.91. 9 Jamgon Kongtrul.66. 5 Ebd. den Erscheinungs. um /' allen leidenden Wesen helfen zu können. Dharmakaya. S. S.

Lipman. Gyurme Dorje u n d Matthew Kapstein. London 1971 Ikeda.BIBLIOGRAFIE Bäumer. London 1990 Kvaerne. »The Precious Garland of Lapislazuli«. Norbu Namkhai u.Ch.E.»Meister des Tantra. Varanasi 1963 Chang. ed.v. (Hrsg. Princeton 1972 Bharati.»The Rise of Esoteric Buddhism in Tibet. London 1987 Muktananda. Eva »A Nyingma Text: The Kun-byed rgyl-poi mdo«. das erste Jahrtausend«. Leben u n d Legenden der Mahasiddhas«. Jamgon I. Bettina »Abhinavagupta.C. »Tibetan Texts Conceming Khotan« London 1967 Gyatso. New Delhi 1985. Texte des tantrischen Sivaismus aus Kaschmir«. München 1986 Jettmar. H. »Primordial Experience«. Boston 1991 Emmerick. in N u m e n Nr 19. K. Per »Aspects of the Origin of Buddhist Tradition in Tibet«. M. Karl «-Zwischen Gandhara u n d den Seidenstraßen«. R.). eds. in: »The Nyingma School of Tibetan Buddhism«. London 1991. Calcutta 2nd rev. New Delhi 1985 Manjusrimitra. J. New Delhi 1977 Dowman. in: Yeshe Tsogyal: »Dakini Teachings«. »The Tibetan Empire in Central Asia«. v o l l . »The Religions of Tibet«. pp. Whalen Lai »Buddhismus u n d Christentum« München 1997 Bürgel. 1958 Brück. The Secret Supreme«. »Soundmgs of the Tibetan Civilization«. Swami »Chitshakti Vilas«. »rNying-mai chos-'byung« übers. v. Ganeshpuri 1972 231 . Basel 1988 Dudjom Rinpoche. Michael von. Christopher I. Daisaku. übers.»Sky Dancer. BeTkeley 1981 Henning. London 1984 . »Mahamudra-Fibel. Swami »Kashmir Saivism. Aziz and M. Einführung in den tibetischen Zen-Buddhismus«. Garma C. »Buddhismus. »Die Meister des Mahamudra«. S. K. Zürich 1992 Beckwith. Stuttgart 1960 Hoffman. janet »The Literary Transmission of the Traditions of Thang-stong rGyal-po: A Study of Visionary Buddhism in Tibet«. »Allmacht u n d Mächtigkeit«. Agehananda »The Tantric Tradition«. 1972 Lakshman Jee. »The Nyingma School. München 1991 . Wege ins Licht. München 1991 Chandra. 282-93 . Mainz 1987 Kongtrul. Benoytosh »Indian Buddhist Iconography ». its History and Fundamentals«. B. New Delhi 1965 Bhattarcharyya. »Der Koran«. Kapstein. Wien 1979 Dargyay. Pandey Kanti »Abhinavagupta: An Historical a n d Philosophical Study«.H. The secret Life and Songs of the Lady Yeshe Tsogyel«.

Eine Erklärung der Termatradition der Nyingma-Schule des Buddhismus«. Rome 1949 Thondup Tulku »Die verborgenen Schätze Tibets. »The Lotus. Ithaca 1996 Scherer. London 1994 Rangdrol. »Mönche.981 Orofino. Yeshe »Dakini Teachings. Stuttgart 1970 .]. J. Freiburg 1991 Snellgrove. G. D. A Complete Translation of a Classic Introduction to Tibetan Buddhism«. Sir »Shakti and Shakta«. Geister und Schamanen«.A. München 1994 Wangyal. »Die Religionen Tibets und der Mongolei«. London 1990 . Tsele Natsok »Die wahre Bedeutung klären« in: Yeshe Tsogyal. Taiko »Shingon. London 1993 Reynolds. Dharamsala 1994 »The Necklace of gZhi: A Cultural History of Tibet«. and Richardson FL »A Cultural History of Tibet« London 1968 Tsogyal. Der esoterische Buddhismus in Japan«..»The Lotus Born«. Dzogchen-Meditation nach den Bön-Lehren Tibets«. Padmasambhava's Oral Instruction to Lady Tsogyal«. London 1993 Tucci. München 1988 232 . ETWA 1. Karl »Atem als Tor«. Born«. Namkhai. Chö Yang VI. Tenzin »Der kurze Weg zur Erleuchtung. M.»Tibetan Painted Scrolls. Dharamsala. Düsseldorf 1995 Norbu. Madras 1975 Yamasaki. Frankfurt/M 1997 Woodroffe. Giacomella in: »East and West« 1991 Patrul Rinpoche »The Words of My Perfect Teacher.Nikolazzi. »The Golden Letters«.

Ananda: Der Lieblingsschüler und Cousin von Buddha Shakyamuni. die ihn in der Stunde ihres Todes anrufen.Glossar Akanishta-Himmel (skrt.): Der Bodhisattva des Mitgefühls.): Synonym für jap. Bardo Thödol: Ein Termatext von Padmasambhava. .des Werdens. . Avalokiteshvara (skrt. 4. obwohl er noch kein Buddha ist. das aus Allerbarmen Mahakaruna auf das Erlöschen im Nirvana verzichtet. .): wörtl. Bon (tibet. »Außergewöhnliches Yoga): Synonym für Dzogchen. wird in den Lang-Lebens-Ritualen angerufen.«. .des Sterbens.mre. 233 . Zusammen mit Jamgon Kongtrul Begründer der ökumenischen Rime-Bewegung. zu erlösen. Chhimed Rigzin Rinpoche: Zeitgenössischer Meister der Nyingmaschule. in der Erleuchtungserfahrung erkannt. hält die Übertragungslinie der berühmten Khordong Terchen-Termas. + 231). der als Teil der Dzogchenlehre beschreibt.zig (tibet. Bardo (übet.) Kannon (jap. wie man durch Meditationsübung im Leben im Augenblick des Todes zur Befreiung gelangt . Chimpu: Meditationsklause in den Bergen oberhalb von Samye Ling. 2. Buddhaschaft möglich macht.kann nach dem Tod völlig im Nirvana erlöschen. in Shambala zurückgeht. 5.). Bodhgaya: Ort der Erleuchtung Shakyamuni Buddhas in Nordindien. Da er sich an jede Lehrrede Buddhas wortgenau erinnern konnte. Buddhanatur: Die wahre.) und Kuan-Yi (chin.der Geburt. wörtl. Ch. »Lehre« Vorbuddhistische Urreligion Tibets. Entspricht Chenrezig (tibet. Im Absoluten ist es die eingeborene Gewahrheit der Natur des Geistes.): Zustand zwischen zwei Seinsweisen. Atiyoga (skrt. 3. alle. = »Nichts geht höher«): Das höchste Paradies. beginnt jedes Sutra im Pali-Kanon mit seinen Worten: »Einst habe ich gehört. Ch'an (chin. Amitabha (skrt. der die höchste Stufe im Hinayana. Zen.kann auch Sterbenden vorgelesen werden. Tönpa Sherab.des Traums. . um alle Wesen retten zu können. Es gibt sechs Bardos: 1.. jenseits von Leidenschaften und Befleckungen erreicht hat .. die auf einen früheren erleuchteten.der Meditation. Amitayus: Buddha des ewigen Lebens. Die letzten drei beschreiben den 49 Tage dauernden Prozess zwischen Tod und Wiedergeburt. Bodhicitta (skrt. Arhat: Mönch oder Asket. unveränderliche und ewige Natur aller Wesen. »Liebevolle Augen«): Avalokiteshvara.der höchsten Wirklichkeit und 6. bis alle Wesen erlöst sind.Chr. um sie an die wahre Natur des Geistes zu erinnern.): »Erleuchtungswesen«.): Buddha des unermesslichen Lichtes. die.): »Der erleuchtete Geist«. Sambhogakayaform von Amitabha. im Relativen der mitfühlende Wunsch die Erleuchtung zu suchen. Ashoka: Indischer König (272-236 v. der nach seiner Konvertierung zum Buddhismus den Dharma bis nach Ceylon brachte. Bodhisattva (skrt. der gelobt hat. Chogyur Dechen Lingpa (1829-1879): Bedeutender Tertön..

Dorje Thötrengtsal: Einer der Namen für Padmasambhava. z. »Kleines Fahrzeug«): s. Hier wird der eigene Geist als die Buddhanatur erkannt. z u m Buddhismus konvertierte Götter der Dämonen des Hinduismus. Garah Dorje (tibet. 165). Jamgon Kongtrul I.): Vajradhara. Dzogchen (tibet. Deva (skrt. Guru Padma: Einer der Namen für Padmasambhava. Dakini: Weibliche tantrische Gottheit. Hinayana (skrt.Chogyur Tersar: Sammlung der von Chogyur Lingpa gefundenen Termas. Jatshon Nyingpo: Dzogchen-Yogi und Tertön. Gum Rinpoche: Einer der Namen für Padmasambhava. Die Gestalt des erleuchteten Geistes. die uranfänglich rein ist u n d sich spontan entfaltet.S. Drenpa Namkha: Großer Bönmeister u n d einer der 25 Mahasiddhas. »Dharmas« kann auch die Summe aller Phänomene bedeuten. die Sammlung der NyingmaTermas ist. die den Dharma schützt u n d Yogis zur Erleuchtung führt . die der tantrische Yogi visualisiert.»Der glückliche Diamant« wurde von einer jungfräulichen Nonne als Enkel des Königs von Oddiyana geboren und wurde der erste Mensch.): Kreuzung von Yak u n d Rind. unkonditionierte Aspekt des eigenen Geistes. Vollkommene Erleuchtung ist ohne Unterbrechung in diesen Zustand u n d wirkt ohne Hindernisse. Hayagriva: Eine zornvolle Form von Avalokiteshvara. des Bön. * 234 .): Die Lehre oder auch die Ordnung der Welt.): Kurzform für Dzogpachenpo »Die große Vollendung«. Dorje Sanpa ( ü b e t ) : Vajrasattva.Verkörperung der weiblichen Erleuchtungsenergie. zornvolle Erscheinungsformen der Buddhas u n d Bodhisattvas. Dzo (übet. Dharma (skrt.T. Dharmapala ( s k r t ) : Übermenschliche Schützer der Lehre. Erleuchtung: In der Erleuchtungserfahrung offenbart sich die Urvollkommenheit (Dharmakaya) alles Seienden als Gleichheit von Samsara und Nirvana. etc. Dorje Chang (tibet. kann aber auch die Wahrheit an sich meinen. Heruka: Wörtl. In Dzogchen der selbsterleuchtende. die nie unwissend war und nicht entwickelt werden muss.T. Im Vajrayana Gottheit. Dharmakaya (skrt.): »Körper der absoluten Wahrheit«. Hier meist die buddhistische Lehre. der Lehrer von Sri Singha. der die Dzogchenlehre erhielt u n d zwar direkt von den Buddhas Vajrasattva u n d Vajrapani. Jambudvipa ( s k r t ) : Die uns bekannte Welt nach der indischen Kosmologie. frei von jeder Begriffhchkeit.): »Götter« im klassischen Sinn die höchste der sechs Seinsweisen in Samsara. »Bluttrinker« . dessen Könchog Chidu-Zyklus auch von der Karma-Kagyü-Schule praktiziert wird (s. Das neunte u n d höchste Yana der Nyingmaschule. dessen bekanntestes Werk das 36-bändige Rinchen Terdzö.eine Klasse zomvoller männlicher Gottheiten. Sein Nachfolger war Manjushrimitra. Einführung S. z. (1813-1899): Auch als Lodrö Thaye u n d Yungdrung Lingpa bekannter Meister der Rime-Bewegung.): Auch Prahevajra oder Anandavajra ( s k r t ) .. das alle Kausahtät u n d Dualität übersteigt. 36ff.

Kriyga Yoga (skrt. Mandala (skrt. tibet. Manchmal auch buddhistischer Mönch oder Yogi. in der alle Phänomene als Einheit von Leerheit und Klarheit besiegelt sind. Mahayana (skrt. »Kostbarer Lehrer«): Name für Padmasambhava. Maha-Ati (skrt. Buddhismus. Magischer »Erscheinungskörper«. Lopön (übet.Kaliyuga: Das »Eiserne Zeitalter«. um den leidenden Wesen helfen zu können. Mahakaruna (skrt. 36ff.) oder Orgyen (tibet. Lehrer 2.): einer der Namen für Padmasambhava. »Großes Siegel«): Die höchste Lehre der Kagyüschule. Einführung S. Lopön Rinpoche (tibet.): Die klangliche Manifestation erleuchteter Qualitäten. Oddiyana (skrt. Manjushri (skrt.): Zustand der Befreiung oder Erleuchtung durch das Erlöschen von Hass.): für Samanthabhadra. deren Rezitation den Geist klärt und schützt. Nyingmaschule: Die älteste Schule des tibet. Gier u n d Unwissenheit zerstört werden u n d die Menschen n u r noch • geringe Fähigkeit zur Meditation haben. Spiritueller Meister oder Lama. Padmasambhava (skrt.): »Der Lotusgeborene«.ein Zentrum der buddhistischen Gelehrsamkeit und die Wiege von Dzogchen. die in tiefen Gewässern oder unterirdisch leben und oft große Reichtümer hüten. gegründet wurde. innere u n d geheime Ritualtexte enthält. der ein dreijähriges Retreat absolviert hat. Gier u n d Ignoranz. Nagas (skrt. Mahamudra (skrt. Mandalaopferung: Die Vorstellung. 2.): Das vierte der Neun Yanas. Mantrayana (skrt.): 1. Nirmanakaya (skrt. »Essenz der 3 Juwelen«): Ein Termazyklus von Jatshon Nyingpo. Padmakara (skrt. das Vajrayana zu lehren.): Westafghanisches Königreich . Mantra (skrt. Kreisförmige Ordnung des Kosmos um ein Zentrum. Nirvana (skrt. »Kreis«): Symbolische Repräsentation der Welt einer tantrischen Gottheit. um den als Achse die Welt z u m Mandala wird. welches Reinheit u n d tugendhaftes Verhalten In den Vordergrund stellt.u n d Innenwelt von Hass. den ein Buddha aus Mitgefühl annimmt.a. Dharmaerbe von Vimalamitras Dzogchenlinie. »Schlangen«): Mächtige magische Wesen. »Großes Fahrzeug«): s. Tulku.): Der Bodhisattva der Weisheit. 235 > . die in der ersten Übersetzungsphase in Samye von Padraasarabhava u. Lama (tibet. Könchog Chidu (tibet. den drei Ursachen von Samsara. Kuntuzango (tibet. Die freiwillige Inkarnation eines hohen Meisters. das ganze Universum u n d das eigene Leben als Opfer an die Buddhas d e m Erleuchtungprinzip unterzuordnen. gilt den Tibetern als zweiter Buddha unserer Zeit.): 1.): »Nichts ist höher« Spiritueller Lehrer. Nyong Wen Tingzin Zangpo: Hofpriester u n d Lehrer von König Trisong Detsen. Meru: Mythischer Berg.. der neben Belehrungen und Meditatiortsanweisungen auch äußere. »Großes Erbarmen«): Beiname Avalokiteshvaras. dessen Aufgabe es war. »Fahrzeug des Mantras«): Synonym für Vajrayana. »Große Transzendenz«): Synonym für Dzogchen. in dem Außen.

Sugata (skrt. Samye Ling: Als Mandala gebaute Klosteranlage bei Lhasa im Yarlungtal. und drittes Glied in der Dzogchenübertragung. Siddhi Sankalpa: Die Kraft. Im Vajrayana sind Tantras die Texte. der das ungeschaffene Absolute (Dharmakaya) verkörpert. die die Erkenntnis der Leerheit aller Phänomene vermitteln. Synonym für Buddha. Tod und Wiedergeburt. Wünsche zu erfüllen. Samsara (skrt. verkündete er die Lehre von der Erleuchtung.): Magischer Dolch. die als Beiprodukt spiritueller Praxis entstehen. »Leitfaden«): Die Lehrreden Shakyamuni Buddhas. Sutra (skrt. als Prinz des Shakya-Geschlechts geboren.: Keim des Vollendeten Buddhanatur. Shang-Shung: Mythisches Reich erleuchteter Krieger und Hüter der Erde wird in der Wüste Gobi oder in einer feinstofflichen Dimension vermutet. Tantrayana (skrt. das buddhistische Reliquien enthält und als dreidimensionales Mandala den Buddhageist symbolisiert. Nur die Achte. »Transzendente Weisheit«): Sutras. Prajnaparamita (skrt. die Erleuchtung. Parinirvana (skrt.und Mantrapraxis. Shakyamuni (skrt. um hochentwickelten Yogis und Bodhisattvas zu erscheinen. Tantra (skrt. Er erlangte mit 35 Jahren in Bodhgaya die vollkommene Erleuchtung.): Wörtl. Samboghakaya (skrt. den Buddhas annehmen. Sadhana: Tantrischer Ritualtext zur Visualisations. »Gruppe«): Im engeren Sinn die Gemeinschaft der Mönche und Nonnen. Bis er mit 80 Jahren verstarb. wird als außergewöhnlich und anstrebenswert betrachtet. Shantarakshita: Von Tibetern Khenpo Bodhisattva genannt.): »Der die Glückseligkeit erreicht hat«. den Dharma und gründete den buddhistischen Orden. Kontinuum«): Bezeichnet die Lehre von der Einheitlichkeit der Welt als Spiel des Geistes. »Wanderung«): Der endlose Kreislauf von Geburt.Chr. Vimalamitra etc. Rdkshasa: Sagenhafte. »Körper der höchsten Wonne«): Der Lichtkörper. die den verschiedenen Meditationssystemen zugrunde liegen. Siddharta Gautama. »Der Weise Shakya«): Der historische Buddha. »Vollkommene Fähigkeit«): Acht wunderbare Kräfte. kannibalische Wilde.): »Der Allumfassend Gute«. ist der Urbuddha. Sangha (skrt. Sri Singha: Im chinesischen Westturkestan geborener Meister von Padmasambhava. »Vollkommener«): Ein erleuchteter Heiliger. was zu Weisheit führt. auch ein Art von Dämonen.Palikanon: Erste Sammlung der Lehrreden von Buddha Shakyamuni. den Sangha. Stupa: Ein sakrales Bauwerk. »Fahrzeug der Tantras«): Synonym für Vajrayana. der wundertätig ist und durch sein Verhalten die konventionelle Realität als Illusion zeigt. Tathagatagarbha (skrt. Er kann nur übersinnlich wahrgenommen werden. Siddhi (skrt. Mit Buddha und Dharma eines der drei Fundamente des Buddhismus und der Zufluchtnahme. 236 . Phurba (übet. 563 v. »Gewebe. Siddha (skrt.): Im Hinayana das vollständige Erlöschen nach dem Tod eines Erleuchteten. ca. aus dem nur der Eintritt ins Nirvana befreit. Im Mahayana auch der Tod eines großen Meisters. Abt von Vikramashila in Indien und der erste Abt von Samye Ling. zerstört Hindernisse für die Erleuchtung. im weiteren die Laienanhänger. Samanthabhadra (skrt.

an dem Manjushri lehrte. Vinaya (skrt. der. Vimalamitra: Als einer der. worauf er ihn als Meister annahm u n d schließlich zusammen mit Padmasambhava und Vairocana die Dzogchenlinie der Nyingmas gründete. Meister der Bön-Dzogchenlinie. eine Fülle von Methoden kennt u n d das Resultat zum Weg macht. Vajradhara (skrt. Turiya (skrt. ungeborener Raum.): Die Ordensregeln der buddhistischen Mönche. »Der Lotusthron«.): Die »Schule der Älteren«. das die männliche Seite.): »Der Vajrahalter« ist der Dharmakayabuddha der neuen Schulen. Auch der eigene Lehrer oder die Buddhanatur kann gemeint sein. Padmasambhava. bestehend aus Vinaya. Tsepame (übet. war ein direkter Schüler von Sri Singha u n d war auch Dzogchenmeister der Böntradition. Tripitaka (skrt. Vajradhatu (skrt. S. Tulku (tibet. Vimalamitra. bis er von Sri Singha in einer Debatte besiegt wurde.): Philosophische oder religiöse Gegner des Buddhismus in Indien Theravada (skrt. »Drei Körbe«): Beinhaltet Buddha Shakyamunis Lehren. »Diamantfahrzeug«): Der äußerst schnelle Weg zur Buddhaschaft. Tertön: Finder von Termas (s.): Magische Erscheinung Nirmanakaya. ausgegraben wurde. Prabhahasti und Dhanasamskrita u.): Wörtl. Wird im Vajrayana als Diamant verstanden. . Tun Huang: Höhlenkloster in Nordwestchina. Träumen u n d Tiefschlaf. Tirthika (skrt. die geschickten Mittel des Erleuchtungswegs verkörpert. wörtl.Vajrasana ( s k r t ) : Wörtl. ließ das Kloster Samye Ling erbauen und die buddhistischen Schriften ins Tibetische übersetzen. meist von Yesche Tsogyal verborgen. in dem um 1900 eine große Anzahl von Texten und Kunstwerken aus dem 6. Synonym. Identifikationen oder Kausalität. Vidyadhara (skrt. für Hinayana. Vairocana: Der größte tibetische Übersetzer seiner Zeit. Sutra und Abidharma (Philosophie). Jh. dessen Unzerstörbarkeit die Essenz der Wirklichkeit u n d dessen Klarheit die Leerheit der Phänomene symbolisiert. Einer der fünf Dhyanibuddhas. »Der Vierte« (Zustand der Erleuchtung) jenseits von Wachen.): Amitayus. Vajra (skrt. ohne Begrifflichkeit. Vajrayana (skrt. Vairochana: »Der Sonnengleiche«.Tapihritsa: 24. Synonym für Bodhgaya.a. Tsele Natsok Rangdrol: Meister der Kagyü. den Neigungen der verschiedenen Menschen entsprechend. »Donnerkeil«): Ritualobjekt. Wu t'ai shan: Heiliger Berg in China (Shansi). größten Gelehrtern seiner Zeit war er ein Dzogchen-Gegner. Terma: Spirituelle Schätze. 207-215 u n d 221). Shantigarbha.u n d Nyingma im 17. »Weisheitsträger«): Ein Meister des Mahayoga-Tantra. der in der Bönschule als Vereinigung aller Meister der archetypische Ur-Guru ist. Jh. 237 . Trisong Detsen: König von Tibet (755-797).): Unzerstörbarer. gehören zu den berühmten „Acht indischen Vidyadharas«. Unbeschreibbare Einheit mit dem Absoluten.

der intensiv übt.): »Fahrzeug« (zur Erleuchtung) . die in China im 6. deren Lehre sagt. Jh. während Zen lehrt. Ycshe Tsogal: Prinzessin von Kharchen. alle menschliche Güte aktualisiere sich in der Erleuchtung. Wird ab Dakini und weiblicher Buddha verehrt. schrieb sie alle seine Lehren nieder. Zen (jap. Das Vajryana kennt 9 Yanas. was zum Streit mit der Schule des Stufenwegs der Erleuchtung führte. Spirituelle Gefährtin und HauptSchülerin Padmasambhavas. .. Dhyana = Kontemplation.): Schule des Mahayana. Wahrnehmungen seien immer Projektionen. Yogachara: Mahayanaschule. Mit absolutem Gedächtnis begabt.Im Buddhismus werden Hina-. entstand und die Vorrangigkeit der Erleuchtung gegenüber religiösen Studien oder rituellen Praktiken betont. die ethische Vervollkommnung anstrebte. Yogi: Im Buddhismus ein Laienanhänger ohne Zölibat. Koans genannte. Versenkung) und. die nur jenseits der Dualität von Subjekt und Objekt gelöst werden können. Maha-und Vajrayana unterschieden.): Ein visualisierter Aspekt des GötÜichen Deva. Yi&am (übet. paradoxe Probleme.Yana (skrt. Direkter Weg zu dieser Erfahrung ist das Zazen (skrt. alles Wahrnehmbare sei nur Geist (Cittamatra).

und M. von Brück DIE WELT DES TIBETESCHEN BUDDHISMUS Eine Begegnung Mit einem Vorwort des 14. Zahlr.koesel. Kart. Dieses Buch erschließt die Grundphänomene des tibetischen Buddhismus für westliche Menschen und macht sie vor dem kulturellen und religiösen Hintergrund Tibets verständlich. Fotos.R. Kösel-Verlag München online: wwW. ISBN 3-466-20402-X fer die vom politischen Schicksal bedrängte Welt des tibetischen Buddhismus verstehen will. Religion kennenlernen. Doloi Lama 160S. muß zunächst die Grundelemente tibetischer Spiritualität bzw.de .

BHAGAVAD GITA Mit einem spirituellen Kommentar v. Griffiths Übersetzt. B. M. dem deutschen Leser nahe gebracht. Der Kommentar von Bede Griffiths erschließt die Texte für den christlich geprägten Menschen zur Meditation oder als spirituelle Lektüre.de . ISBN 3466-20373-2 D urch die neue Übersetzung von Michael von Brück wird diese heilige Schrift des Hinduismus. die von frommen Gläubigen täglich rezitiert w i r d . von Brück 424 S. Kösel-Verlag München online: www.koesel. eingeleitet und erläutert v. Geb.

Sign up to vote on this title
UsefulNot useful