Historische Tatsachen Nr.

17
- Wissenschaftliche Zitschrift -
Dip!. Pol.
Udo Walendy
Einsatzgruppen im Ver ban d e
d e s He e r e s
Ditses Heft ist vor Druckl egung juris­
tisch dahingehend ii berpriift worden,
daß weder Inhalt noch Aufmachung
ig ndwelc hc BR].St rafgesetzt oder
maßgebende Richtersprche verl etzen.
2. Teil
D•
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D•D•D•D•D•D•O•O•D•O•D•D•D

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• " Durch unsere Konzentration auf Atom und ähn- _
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liehe Waffen haben wir öffentlich kundgetan, daß wir in


::
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einem Kriege die Gebräuche des Krieges beiseite lassen


und zur völligen Ausrottung der feindlichen Bevölkerung


shreiten würden. Die genaue Bezeichnung hierfür ist 0
0 Völkermord, ist Verbrechen ggen die Menshlichkeit ....
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Aber kaum eine Stimm ließ sich in den USA hören,
• als wir von unserer alten Methode des gezielten Bombar-
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dements auf militärishe Ziele abgingen und versuchten,

[ die ganze Bevölkerung der feindlichn Städt zu verder-

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1983
ben."
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Juli 1949
"Die historishe Wahrheit gebietet die Feststellung,
daß es nicht die deutshe Seite war, die mit diesem
unbeschränkten Luftkrieg (ohne Beschränkung auf mili­
tärische Ziele) den Anfang machte."
Frankfurter Allgemeine Zitung, 7. Juni 1962
Copyright by

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Stellungnahme
In den zahlreichen alliierten "Kriesverbrecherpro­
zessen" nach einseitig alliiertem Recht, bei dem aus­
geklammert wurde, was den Siegervertretern nicht paß­
te, und bei dem "allgemein bekannte historische Tat­
sachen von Amts wegen zur Kenntnis zu nehmen waren"
(amtliche alliierte Schriftstücke vermittelten jeweils sol­
che "historischen Tatsachen"!), haben alle ehemaligen
deutschen Generale der Wehrmacht sowie der Waffen­
SS, sofern sie in Gefangenschaf geraten waren, so auch
der ehemalige oberste Richter des SS-Gerichtswesens, zu
dem Fragenkomplex "Einsatzgruppen" Stellung ge­
nommen. Niemand von ihnen hat von dem gewußt, von
dem die Siegermächte nach Kriegsende behauptetn, es
handele sich um "historische Tatbestände". Einige Aus­
züge dieser Verehmungen seien hier wiedergegeben:
Der ehemalige Reichsaußenmiister
Joach im v. R ibbentrop:
"Nie bis zum 22. April 1945, als ich ihn zum letzten Male in
der Reichskanzlei sah, hat er auch nur mit einem Wort von der
Tötung der Juden gsprochen. Er könnte es auch heute noch
nicht glauben, daß der Führer Judentötungen angeordnet habe."
1)
Reichsmarchall Hermann Göring in seinem Schluß­
wor am 31.8.1946:
"Ich habe keinen Krieg gwollt oder herbeigeführt. Ich habe
ales getan, ihn durch Verhandlungen zu vermeiden. Als er
ausgebrochen war, tat ich alles, den Sieg zu sichern. Da die drei
gößten Weltmächte mit vielen anderen Nationen gegen uns
kämpften, erlagen w schließlich der gewaltigen üermacht. Ich
stehe zu dem, was ich getan habe. Ich weise aber auf das
entchiedenste zurick, daß meine Handlungen diktiert waren von
dm Willen, fremde Völker durch Krieg zu unterjochen, zu
morden, zu raubn und zu versklaven, Grausamkeiten oder Ver­
brechen zu bgehen. - Das einzig Motiv, das mich leitete, war
heiße Liebe zu meinem Volk, sein Glück, seine Freiheit und sein
Leben .....
Ich habe niemals, an keinem Menshen und zu keinem Zeit­
punkt einen Mord befohlen und ebensowenig sonstige Grausam­
keiten angordnet oder geduldet, wo ich die Macht und das
Wissen ghabt hab, solche zu verhindern. Für die von Herrn Dadd
in seinem Schlußplädoyer neu aufgestellte Behauptung, ich hätte
Heydrich befohlen, die Juden zu töten, fehlt es an jedem Beweis;
sie ist auch nicht wahr. Es gibt nicht einen einzigen von mi, oder
in meinem Auftrag unterzeichneten Befehl, daß feindliche Flieger
erschossen oder dm SD übergeben werden sollten. Es ist auch
kein einziger Fall festgestellt, wo Einheiten meiner Luftwaffe
derartiges ausgefhrt haben .... "
der Generale
SS-Obergruppenfhrr Karl Wolff, Angehöriger des
persönlichen Stabes von Heinrich Himmler, erklärt nach
dem Krieg, daß er weder von Plänen Himmlers zur Aus­
rottung der Juden etwas gewußt habe, noch von der
Tätigkeit der Einsatzkommandos, noch etwas von "Ver­
nichtungslager" und er auch überzeugt sei, daß "Hitler
von der Verichtung der Juden nichts wußt". Karl
Wolff, der sich gegen Kriegsende Verdienste um die
Kapitulation der N erditalienfront erworben hatte,
wurde von alliierten Miitärtribunalen nicht angeklagt.
Hingegen - wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung
vom 1.10.1964 schreibt- zog er "das neuerliche Intr­
esse der Justibehörden 1961 auf sich, als in einer
llustriertn eine von ihm verfaßte Studie über Heinrich
Himmler veröffentlicht wurde. Am 17. Januar 1962
wure er verhaft. Nach langwierigen Ermittlungen
wurde shließlich Anklage gegen ihn erhoben".
"Was Himmler mir sage, erschien mir unverdächtig. Wenn man
die Juden fr die Rüstungsindustrie braucht, bringt man sie doch
nicht um ....
Vorsitzender: Sie waren doch wirklich kein kleiner Mann,
sonder ein ganz großer. Das alles war doch für Sie hochinteres­
sant. Da haben Sie viel hören müssen.
Wolff: Sicher. Aber nicht, was mir die Staatsanwaltschaft zur
Last leg." 2)
Verteidiger Dr. Latrser führe vor dem alliierten
Militärgercht aus: 3)
" Vor dem Hohen Gericht sind 3 Generalfeldmarschälle als
Zeugen aufgetreten. 'Hat man von diesen Männern den Eindruck
gewonnen, daß sie etwa Verbrecher gegen die Regeln des Kriegs­
rechtes und der Humanität waren? Diese Ofiziere wußten aus
dem Ersten Weltkrieg, daß Verstöße gegen das Kriegsrecht sich
immer gegn die eigenen Soldaten kehren. Sie haben bis zuletzt
den Kampf gegen die bewaffneten Streitkräfte der Gegner nach
den Regeln des Kriegsrechts geführt.
Kein geringerer als der britische Feldmarschall Alexander hat
bestätig, daß die deutschen Truppen 'ritterllich und anständig'
gekämpft haben.
Die gleiche Einstellung hatten die Generale auch gegenübe der
Zivilbevölkerung und bei der Verwaltung der besetzten Feind­
gebiete.
1) Joachim von Ribbntrop, "Zwischn London und Moskau", Leoni
1954, s. 276.
2) Frankfurer Allgemeine, 16.7.1964 + 1.10.1964 +
Gerald Reitlinger, "Die Endlösung", Berlin 1953, S. 126.
3) Laternsr, "Verteidigung deutscher Soldaten - Plädoyers vor alliierten
Gerichten", Bonn 1950, S. 34.
3
Der mili tärische Führer, der fr den Kampf an der Front die
Verantwortung trägt, hat nur ein Interesse, nämlich, daß in
seinem Rücken Ruhe herrscht. Schon aus diesem Grund wird e
alles tun, um j egliche Beunruhigung der Bevölkerung zu ve­
meiden. Er weiß zu genau, daß alle unnötigen Zwangsmaßnahmen
nur z u feindlichen Reakti onen, diese zu verschärfte n Repressalie n
und diese wiederum zum Aufstand führe n müssen."
Generalfeldmarschall von Manstein
"DR. LATERNSER: Nun zu den Einsatzgruppen. Was wußten
Sie von den Aufgabe n der Einsatzgruppen?
VON MANSTEIN: Von den Aufgaben der Einsatzgruppen
wußte ich nur, daß sie zur Vorbereitung der politischen Verwal­
tung, also für ei ne politische Überprüfung der Bevölkerung der
bsetzten Gebiete im Osten vorgesehen waren und daß si e nach
Sonderanweisung unter Verantwortu"g von Himmler arbeiteten.
DR. LA TERNSER: Haben Sie
jemals von der Absicht und dem
Auftrag der Ausrott ung der Juden
und anderen Te il en der Bevöl ker ung
er fahe n? ...
VON MANSTEIN: Als ich i m
September 1941 die Arme e i n Ni
kolaj ew überahm, bin ic h nur zwei
bis dre i Tage im Hauptquarti er ge­
wesen und hab dann e inen vorge­
schobnen Gefec htsstand mit ei nem
kleinen Teil meines St abes in der
Nähe der Front bezogen. In den
zwei oder drei Tagn in Ni kolaj ew
habn mir die verschie de nen Abtei­
l ungsc hefs des Oberkommandos
übr ihre Aufgbe n vorgetragen. Ich
nehme an, daß dabei auch mir vor­
getragen worde n ist, daß sich also
Teile des SD im Operationsgebiet
mit besondere n Aufträgen von
Himmler befande n. Di e Organisa­
ti on der Einsatzgruppen, so wie sie
in eine m Dorf bei Si mferopol. Daß Truppenteil e meiner Armee an
Judenerschießungen teilgenommen habe n, halte ich für völlig
ausgeschlossen. Ohlendorf hat i m übrigen auch von Heeresgefolge
gesprochen, also Poliz ei oder OT, oder was ras gewesen sein mag.
Wenn ein Truppent eil oder ein Offizier meiner Armee sich an so
etwas beteil igt hätte, dann wäre das sein Ende gewesen ... .
DR. LA TERNSER: Wie war die Unterstel l ung der Einsatz­
guppen?
VON MANSTEIN: Bei der Unterstell ung, überhaupt bei jeder
miitärischen Unterstell ung, untersc heidet man entweder eine
taktische Unterstel l ung - das ist die Unterstellung für den Kampf
an der Front - oder eine wirtschaftliche Unterstellung - das ist
die Unterstellung für di e Versorgung mit Verpfl egng, mit Be­
triebsstoff und die Unterbri ngung -, dritte ns eine trup­
pendienstli che Unterstell ung- das heißt also die Unterstell ung für
die Ausbil dung, für die Ausrüstung, in Personalfragn: disziplinar
und gerchtlich. Diese l etztere truppendienstlic he Unterst ell ung ist
uns nie, in keine m Fall e - selbst nicht für die Verbände der
Waffe n- SS - zugebilligt worden. Wirtsc haftlich und taktisc h, das
heißt für den Kampf, war eine solche Unterste ll ung möglic h. Der
mi heute klar ist, ist mi damals
abr keineswegs in der Form klar­
geworden und ihre Aufträge in gar
kei nem Fal l e ....
Vielfah tägliche Verhältnisse in Rußland, denen auch die Einsatzgruppen gegenüberstanden
Als ich die Arme e übernahm - es war a m Tage, wie ich dies
vorhin schon sc hil dert e, als ich von Nikolajew zu meinem Ge­
fechtsstand ging - wurde erzählt, die SS - aber ohne nähere
Angaben - hätte angebli ch in rckliegender Zei t, also vor meiner
Zeit , ich glaube , es war in Bessarabien, ein paar Juden erschossen.
Das war ein Gerücht über einen Einzelfall. Ich habe, da ich am
nächst en Morgen früh wegfuhr, me inem Ordonnanzoffizier be­
fohlen, daß dem Führer der SS zu übermittel n wäre, daß da, wo
ich Oberbe fehlshaber wäre , i ch derartige Schweinerei en nicht
dulden würde. Und dami t war die Sache - da es sic h nur um ein
Gerücht handel te und ein Befehl von mir, den ich ausgegeben
habe, man solle nachforschen, ob was Wahres dran wär, keinen
be ibri ngen konnte, der das gesehen hatte - tatsäc hlich erledigt.
Ich bin dann glei ch in die sc hwersten Kämpfe gekomme n und
habe seit her ni e mehr et was über Judenersc hießungen gemeldet
bkommen . . . .
Nein, i n Si mfcropol lag nur di e Oberquartiermeisterabte il ung.
Ic h sel bst l ag mit der Führerabteil ung etwa 20 Kil ometer entfernt
4
SD ist uns wirtschaftl ich, das heißt für den Marsch, Unterbrin­
gung und Versorgung unterstellt gewesen. Eine fachliche Unter­
stellung, von der mal gesprochen worden ist von dem Zeugen
Schell enbrg, die gab es gar nicht, die gab es bei uns nur zum
Beispiel für Ärzt e, wo der kleinere Arzt dem Divisionsarzt auf
sei nem Fachgebiet unterstand Poliz eiliche Fachgebiete hatten wir
aber nicht, und eine fachliche Unterstel l ung des SD für seine
Poli zeiaufgaben kam schon gar nicht i n Frage. Was die Unterstel ­
l ung für Marsch und Versorgung anght, so ware n das Ding, die
der Oberquartiermeister bearbeitete. Ei n Oberbefehlshaber wird
mit der Marschregelung von solc hen kleinen Einheiten nicht
befaßt.
DR. LATERNSER: Ohlendorf hat von ei nem Befehl des
Armeeoberkommandos gesprochen, nach dem J udenerschießun­
gen nur zweieinhalb oder nach einer anderen Aussage von ihm
200 Kil ometer vom Armeehauptquartier entfernt vorgenommen
werden sol l ten. Sti mmt das?
VON MANSTEIN: Nein, ein solcher Befehl wäre auch völliger
Unsinn. Was sollen zweieinhalb Kilometer Entfernung von einem
Oberkommando, was soll das für einen Sinn haben, und 200
Kilometer, das wäre schon außerhalb des Operationsgebietes
gwesen. An solcher Stelle hatten wir gar nicht zu befehlen. Ein
solcher Befehl ist von meiner Seite auch bestimmt nicht gegeben
worden; ich habe ihn jedenfalls nicht gegeben.
DR. LATERNSER: Haben Sie bei der Panzergruppe Höppner
mit den Einsatzgruppen zusammengearbeitet?
VON MANSTEIN: Ich war bei der Panzergruppe Höppner
Kommandierender General des I. Panzerkorps. Ich entsinne mich
nicht, daß da bei mir jemas SD aufgetreten ist. Ich habe mich mit
dem Panzerkorps damals - das war in den ersten Monaten des
Rußlandkrieges - teilweise bis 100 Kilometer vor der Front
befunden. Zwischen mi und den nachfolgenden deutschen Infan­
teriearmeen waren noch die zurückgehenden russischen Armeen.
Daß in dieser Lage, wo uns die Russen auf dem Fuß folgten, der
SD Judenerschießungn in meinem Bereich vorgenommen hätte,
ist völlig ausgeschlossen, das hätte er nie riskiert. Und wie gesagt,
kam ich mal nach vorne, da habe ich keine SO-Leute gesehen.
DR. LATERNSER: Kannten Sie den Generaloberst Höppner?
VON MAN STEIN: Ja, natürlich.
DR. LATERNSER: Wie war seine Einstellung zu solchen
Gewaltmethoden?
VON MANSTEIN: Höppner war ein anständiger, gerader, sehr
offener Soldat. Daß der solche Sachen mitgemacht hätte, halte ich
fr vollkommen ausgeschlossen. Im übrigen zeigt ja auch sein Tod
im Verfolg des 20. Juli, daß er nicht auf der Seite solcher Leute
gstanden hat.
DR. LATERNSER: Hat bei der 11. Armee eine taktische
Zusammenarbeit mit den Einsatzgruppen stattgefunden?
VON MANSTEIN: Ja, von der SS, oder SD, oder Polizei haben
wir zum Partisanenkampf, soviel ich mich entsinne, Hilfskräfte
bekommen. Es gab damas auf der Krim im Jaila-Gebirge kleine
unzugängliche Teie des Gebirges, wo sich Parisanen befanden.
Wir kamen nicht an sie heran, weil wir keine Gebirgstruppen
hatten. Es blieb uns nur übrig, zu versuchen, diese Banden
auszuhungrn, indem wir verhinderten, daß sie die tatarischen
Dörfer überfielen und sich so das Leben weiter erhielten. Dazu
haben wir die Tataren bewaffnet, und zur Erkundung, ob diese
Dörfer in unserem Sinne zuverlässig waren, dazu hat der SD
mitgeholfen ....
DR. LATERNSER: Ist es auch schon ma vorgekommen, daß,
wenn sich Teile des SD oder SS oder Einsatzgruppen an einem
derartigen Bandenkampf beteiligt haben, sie dann eine Auszeich­
nung bekommen haben für diese Tätigkeit?
VON MANSTEIN: Das ist durchaus möglich, dann war es aber
die Auszeichnung für die Tätigkeit im Kampf und nicht etwa fr
Judenerschießungen. " ...
GENERALMAJOR G.A. ALEXANDROW,HILFSANKLÄ­
GER FüR DIE SOWJETUNION::
Herr Zeuge! Ich habe an Sie zwei ergänzende Fragen zu
richten, die im Zusammenhang mit der Tätigkeit der Einsatz­
gruppe D stehen. Sie haben hier behauptet, daß Sie die Möglich­
keit der Teilnahme Ihrr Truppe an den von dieser Gruppe
ausgeführten Erschießungen ausschließen. Haben Sie denn nichts
darüber gewußt, daß die den Erschossenen abgnommenen Uhren
auf Befehl des Obekommandos an die Armee abgeliefert wur­
den?
ZEUGE VON MANSTEIN:
Nein, davon habe ich nichts gewußt. Was die Uhren angeht, so
ist einmal der Armeeintendant bei mir gewesen und hat mi
gemeldet, soweit ich mich entsinne, daß er eine goße Uhren­
sendung aus Deutschland beschafft habe. Er hat mi auch eine
slche Uhr vorgeleg - es war eine fabrikneue deutsche Uhr -
und daß er die an die Truppe ausgeben wollte. An die Ausgabe
von beschlagnahmten Uhren kann ich mich jedenfalls nicht
erinnern, keinesfalls aber, daß ich von den Uhren erschossener
Juden gehört habe .....
GENERALMAJOR ALEXANDROW:
Ist Ihnen bekannt, daß über diese Tatsachen hier vor dem
Gerichtshof der Zeuge Ohlendorf in seinen unter Eid gemachten
Aussagen bekundet hatte? Halten Sie die Aussagen Ohlendorfs
über diese Tatsachen fr lügenhaft?
VON MANSTEIN:
Ich kenne die Aussage von Ohlendorf und erinnee mich, daß
e sagte, es hätten an den Erschießungen in der Nähe von
Simferopol Soldaten teilgenommen. Er hat aber gesagt, er wisse
nicht genau, welche es gewesen seien. Es wäre wohl hauptsächlich
Wehrmachtsgef olge, also keine Truppen meiner Armee gewesen.
Ich habe jedenfalls seinerzeit auf der Krim nie etwas davon
gehört, daß sich ein Soldat an einer Judenerschießung beteiligt
hat.
GENERALMAJOR ALEXANDROW:
Ich möchte, daß Sie mi auf meine Frage antworten. Halten
Sie die Aussage Ohlendorfs fr richtig oder lügenhaft?
VON MANSTEIN:
Ich nehme an, daß er sich dabei geirrt hat. Jedenfalls steht für
mich fest, daß Truppenteile meiner Armee an solchen Juden­
erschießungen nicht teilgenommen haben. Was er von Wehr­
machtsgefolge gesagt hat und was er damit meint, weiß ich nicht.
GENERALMAJOR ALEXANDROW:
Er meint dabei die Truppen der 11. Armee, die unter Ihrem
Befehl standen. Ich stelle an Sie nun folgende Frage: War Ihnen
bekannt, daß mehr als 195.000 Einwohner der Stadt Kiew von
der deutschen Wehrmacht und Polizei umgebracht worden sind?
Davon wurden 100.000 Menschen allein in Babi Yar umgebracht.
VON MANSTEIN:
Ich habe das hier durch das Dokument der Russischen Anklage
zum estenmal ghört.
GENERALMAJOR ALEXANDROW:
Aber Sie wußten, daß solche Massenvernichtungen der Zivil­
bevölkerung stattfanden?
VON MANSTEIN:
Nein, das habe ich nicht gewußt, und Kiew hat ja auch zu der
Zeit, wo anscheinend Erschießungen stattgefunden haben, nicht
zu meinem Bereich gehört.
GENERALMAJOR ALEXANDROW:
War Ihnen der Befehl bekannt, der im August 1941 vom OKW
durch den Generalquartiermeister Wagner überreicht wurde und
welcher verbot, russische Kriegsgefangene aus den Vorräten der
Armee zu verpflegen? Wurde denn das Massensterben durh
Verhungern der Kriegsgefangenen nicht durch diesen Befehl her­
vorgerufen?
VON MANSTEIN:
Dieser Befehl ist mir nicht gegenwärtig. Im August 1941 war
ich Kommadierender General eines Panzerkorps weit vorn an der
Front, und ich kann diesen Befehl auch gar nicht bekommen
haben. Ich kann mir auch nicht denken, daß der Befehl in dieser
Form gegeben worden ist ; denn wir haben ja, wenigstens in
meinem Bereich, die Gefangenen immer verpflegt, und ich glaube
deshalb auch nicht, daß in meinem Bereich Gefangne durch
Hunger umgekommen sind.
GENERALMAJOR ALEXANDROW:
Aber Sie gaben doch selbst zu, daß unter den Kriegsgefangenen
ein Massensterben war und daß dieses Massensterben durch
Verhungern hervorgerufen wurde. Das haben Sie doch hier zu­
gegeben?
5
VON MANSTEIN: 4)
Ich hab nicht gesagt, daß es so bei meiner Armee war,
sndern daß ich aus den Dokumenten der Anklage ersehen habe,
daß nach den goßen Kesselschlachten im Bereich der Heeres­
gruppe Mitte, wo viele Hunderttausende von Gefangenen gemacht
worden sind, daß da anscheinend viele an Hunger gestorben sind,
einmal, weil sie schon halbverhungrt aus den Kesseln herausge­
kommen sind, und zweitens habe ich gesagt, daß keine Armee in
der Lage ist, die Verpflegung und Versorgung für, sgen wir mal,
eine halbe Million plötzlich anfallender Gefangner mitzufhren
und daß dadurch natürlich Schwierigkeiten entstanden sind, die
angesichts des körperlichen Zustandes,in dem die russischen Sol­
daten sich schon befanden, sicherlich auch zu örtlichen Sterbe­
fällen in größerer Zahl geführt haben können. Das bezog sich aber
auf die Gefangenenzahl aus den Kesselschlachten und nicht aus
meinem Bereich."
Ge neraoberst Alfred Jod I als eh. Chef des Wehrmachts­
fthrngsstabes am 4. und 5. Juni 1946 i Kreuzverhör
i n Nümberg:
" JODL: Ich kann natürlich nicht genau beurteilen, was in der
Praxis des Zusmmenlebens an der hont die Oberbefehlshaber
dort erfahren haben oder nicht; aber ich kann mit aller Bestimmt­
heit sagen, daß ich niemals einen Befehl gesehen habe, der etwas
anderes enthalten hätte, als daß diese Polizeitruppen zu dem
Zweck in das Operationsgebiet geschickt seien, um dort für
polizeiliche Ruhe und Ordnung, für die Aufdeckung von Auf­
ständen und von Partisanentätigkeit zu sorgen. Ich habe niemals
weder eine Meldung noch einen Befehl darüber gesehen, der etwas
anderes enthalten hätte.
DR. LATERNSER: Herr Generaloberst! Glauben Sie, daß die
Oberbefehlshaber der Armeen oder Heeresguppen stillschweigend
derartige Zustande hingenommen hätten?
JODL: Ich halte es für ausgeschlossen, weil sie in viel kleineren
Vorfällen den heftigsten Protest erhoben haben. Hunderte von
Dokumenten, die hier von der Anklage vorgelegt wurden, be­
weisen unaufhörlich Satz für Satz, wie an der Front und von der
Truppe Einspruch erhoben wurde gegen Maßnahmen, die sie
entweder für menschlich unzulässig oder für gefährlich hielten fr
die Ruhe und Ordnung in den besetzten Gebieten. Ich erinnere
nur an die Denkschrift von Blaskowitz. Das war eine der ersten ....
Was wir über den Partisanenkrieg gewußt haben, und zwar
zunächst wie er von der Gegnseite geführt wurde, das liegt dem
Gericht bereits vor, nämlich in meiner von mir unterschriebenen
Vorschrift über die Bandenbekämpfung in diesem Dokument
F-665. Dort ist auch im Eingang eine längere Abhandlung, wie die
Partisanen diesen Krieg führten. Das haben wi uns natürlich nicht
aus den Fingern gesogen, sondern das war der Extrakt von
Hunderten von Meldungen. Daß nun eine Truppe in diesem
Kampfe, wenn sie persönlich unter dem Eindruck dieser Kampf­
weise der Gegner steht, auch ihrerseits nicht gerade sehr milde
verfährt, das konnte man sich denken. Aber trotzdem enthielten
die Vorschriften, die wir herausgaben, niemals ein Wort darüber,
daß in diesem Partisanenkampf keine Gefangenen zu machen
seien; sondern im Gegenteil, es war auch aus den Meldungen
ersichtlich, daß die Zahl der Gefangenen weitaus größer war, wie
die der Toten. Daß der Führer selbst der Auffassung war, es dürfte
der Truppe in der Führung dieses Gegenkampfes gegen die
Partisnen keinerlei Einschränkung gemacht werden, das ist
authentisch durch meine vielen Auseinandersetzungen und auch
4) IMT, Bd. XXI, S. 9- 10-12.8.1946.
6
die des Generalstabs des Heeres mit dem Führer darüber be­
wiesen .... s)
JODL: Ich kann nur kurz sagen, von Konzentrationslagern
wußte ich von Dachau und Oranienburg. Oranicnburg hatten i
Jahre 1937 auch einmal Offiziere einer Abteilung besucht und mir
sehr begeistert davon berichtet. Den Namen Buchenwald habe ich
im Frühjah 1945 zum erstenmal gehört. Ich hielt ihn für einen
neuen Truppenübungsplatz, wie das Wort gefallen ist, und habe
mich danach erkundigt. üer die Insasen ist niemals eine andere
Dastellung gegeben worden, als daß sich die deutschen Berufs­
verbrecher und einige politische erbittete .einde dort befinden,
die aber, wie zum Beispiel Schuschnigg oder Niemöller, in einer
Art Ehrenhaft dort lebten. Niemals ist auch nur mit einem Wort
die Rede gewesen von Quälerei, von Deportierten, die dort sind,
von Kriegsgefangenen, von Verbrennungöfen, von Gaswagen, von
Matern wie in Zeiten der Inquisition, von medizinischen Ver­
suchen. Ich kann nur sagen, selbst wenn ich es gehört hätte, ich
hätte es nicht geglaubt, bevor ich es mit eigenen Augen gesehen
hätte." 6)
DR. LATERNSER: Was wissen Sie über die Gründe des
Massensterbens russischer Krieggefangener im Winter 1941?
JODL: Darüber bin ich unterrichtet, weil die Adjutanten des
Führers, und zwar mehrere Adjutanten, persönlich dort hinge­
schickt waren und dem Führer in meiner Gege nwart darüber
berichteten. Es drhte sich vor allem jetzt um das Massensterben
nach der letzten großen Kesselschlacht von Wjasma. Der Grun
für dieses Massnsterben wurde von diesen Adjutanten des Führers
folgendermaen geschildert: Die eingeschlossenen russischen Ar­
meen hatten einen fanatischen Widerstand geleistet, und zwar
bereits die letzten acht bis zehn Tage ohne jede Verpflegung. Sie
hatten buchstäblich von Baumrinden und Wurzeln gelebt, denn sie
hatten sich in die ungangbarsten Waldgebiete zurückgezogen und
fielen nun in einem Kräftezustand in unsere Hände, in dem sie
kaum mehr bewegungsfähig waren. Es war unmöglich, sie fortzu­
schaffen. Es wa in dieser angespannten Versorgungslage, in der
wi uns mit dem zerstörten Bahnnetz befanden, unmöglich, sie
alle zu fahren. Unterkünfte waren nicht in der Nähe. Der größte
Tei wäre nur durch eine sofortige sorgfältige Lazarettbehandlung
zu retten gewesen. Sehr bald setzte dann der Regen ein und später
die Kälte; und das ist der Grund, warum ein so großer Teil dieser,
gerade dieser Gefangenen von Wjasma, gestorben ist.
So lautete der Bericht der dorthin entsandten Adjutanten des
Führers. Die gleichen Meldungen kmen vom Generalquartier­
meister des Heees . ... (IMT, Bd, XV, S. 444 ¯ 445)
PROF. DR. EXNER: Nun sagen Sie, da wir gerade von Juden
sprechen, was wußten Sie überhaupt von Judenvernichtungen?
Ich erinnere Sie dabi an Ihren Eid.
JODL: Ich weiß, wie unwahrscheinlich alle diese Erklärungen
klingen, abr sehr oft ist eben auch das Unwahrscheinliche wahr
und das Wahrscheinliche unwah. Ich kann nur im vollsten
Bewußtsein meiner Verantwortung hier zum Ausdruck bringen,
daß ich niemals, mit keiner Andeutung, mit keinem Wort, mit
keinem Schiftstück, von einer Verichtung von Juden gehört
habe. Ich bin ein einziges Mal mißtrauisch geworden und das war,
als Himmler über den Aufstand im jüdischen Ghetto vortrug. Ich
glaubte nicht recht an diesen heroischen Kampf, aber Himmler
legte daraufhi sofort Photographien vor über die Bunker, die
dort gebaut waren, er sagte: ' Ja, das sind auch nicht nur die
Juden, da haben sich polnische Nationalisten hineingerettet, es ist
ein erbitterer Widerstand.' Und damit beseitigte er zunächst
meinen Argohn.
5) !MT, Bd. XV, S. 444-445
6) I MT, Bd. XV, S. 36
VORSITZENDER: Sprechen Sie von Waschau?
JODL: Ich spreche von dem Aufstand im Ghetto in Warschau,
den ich erfahren habe durch eine persönliche Meldung Himmlers
in unserer Gegenwart, in Gegenwart der Soldaten beim Führer
und in der er kein anderes Wort sprach als von einem Aufstand
mit erbitterten Kämpfen. üer die Tätigkeit der Polizei, dieser
sogenannten Einsatzgruppen und Einsatzkommandos - übrigens
ein Begriff, den ich erst hier genau kennengelernt habe -, über
diese Polizeikräfte ist durch den Führer selbst niemals eine andere
Erklärung abgegeben worden, als daß sie dazu notwendig wären,
Aufstände, Rebellionen, Partisanenkrieg in der Entstehung zu
verhinder; das könne die Wehrmacht nicht, das sei eine polizei­
liche Aufgabe, und deswegen müßte die Polizei auch in das
Operationsgebiet des Heeres hinein. Ich habe niemals eine private
Mitteilung über die Vernichtung von Juden gehört, sondern ich
habe alle diese Dinge, so wahr ich hier sitze, zum erstenmal nach
Beendigung des Krieges erfahren . ... (IMT, Bd. XV, S. 365- 366)
PROF. DR. EXNER: Die Anklage behauptet, der Banden­
kampf si nur ein Code gewesen, um die Juden und Slawen zu
vernichten. Ist das richtig?
JODL: Der Bandenkampf wa eine ungeheuerliche Realität.
Ich darf nur, um eine Zahl zu nennen, darauf hinweisen, daß im
Juli 1943 = 1.560 Eisenbahnsprengungen in Rußland vorkamen,
i September 2.600. Das sind im Tage 90. Es ist das Buch von
Ponomarenko erschienen, aus dem eine amerikanische Zeitung
zitiert hat, daß 500.000 Deutsche durch diese Banden getötet
worden sein sollen. Wenn man eine Null wegstreicht, so ist das
immerhin noch eine beachtliche Leistung für eine friedliche
Sowjetbevölkerung. Aber in diesem Buch soll ja stehen, daß die
Bevölkerung unaufhörlich feindseliger wurde,
'
Mord und Terror
nahmen zu und die friedlichen, die Quisling-Bürgermeister wurden
getötet. Also es war schon ein ungeheuerlicher Kampf, der sich
hier im Osten abspielte .... " 7)
SS-Br igadefü hrer Wal ter Schellenberg
SSBrigadefüher, Chef des Auslandsnachrichten­
dienstes und letzter Chef des deutschen Geheimdienstes,
Walter Schellenberg, dem nachgewiesen ist, seit 1942
hinter dem Rücken des Führers - notfalls auch unter
Ausschaltung Hitlers - Friedensmöglichkeiten mit den
westlichen Mächtn zu schaffen, persönlich aber einge­
schatet gewesen war in die 1941 zwischen Heydrich und
dem Generalquartiermeister Wagner geschaffene Rege­
lung der Einsatzgruppnführung, bekundete 1946 als
Gefagener in Nürnberg:
"Mir ist weder von diesem Befehl (einem Befehl zur "End­
lösung der Judenfrage") noch über den Inhalt der späteren
Einsatzgruppenberichte etwas bekanntgeworden." s)
Zur Aussage von Walter Schellenberg hat Verteidiger
Dr. Laternser vor dem Nürnberger Gerichtshof beacht­
liche Ausführungen gemacht:
7) I MT, Bd. XV, S. 370.
8) Walter Schel/enberg, "Memoiren" , Köln 1956, S. 176 + 401 sowie
Heinz Höhne, "Der Orden unter dem Totenkopf - Die Geschichte der
SS", München o.J., S. 481.
"Schellenberg, der eine der maßgeblichen Stellungen in der
berüchtigsten Behörde Deutschlands - dem RSHA - innegehabt
hat, ein Freund von Himmler, kann keine positiven Tatsachen
angeben, aber er stellt Vermutungen auf.
Er glaubt vermuten zu können, daß im Juni 1941 General
Wagner von Heydrich über geplante Massenvernichtungen aufge­
klärt worden sei.
Wann kommt diesem Zeugen diese belastende Vermutung? -
Ende des Jahres 1945, als er in Haft gekommen ist. Er kann,
durch mich im Kreuzverhör danach befragt, keine Tatsachen aus
dem Jahre 1941 über diese Vermutung angeben, aber er stellt sie
dennoch auf, und zwar erstmals im Jahre 1945.
Und General Wagner, ein besonders qualifizierter Offizier, der
im Verlaufe des 20. Juli 1944 sein Leben im Kampf gegen den
Nationalsozialismus eingebüßt hat, soll seinem direkten Vorge­
setzten, dem Generaleldmaschall v. Brauchitsch, dem er lange
Jahre besonders nahe stand und zu dem er als Generalquartier­
meister jederzeit Zutritt hatte, nichts von dieser abscheulichen
Aufklärung gemeldet haben? Unmöglich diese Annahme-, das
hat auch Generalfeldmarschall v. Brauchitsch auf dem Zeugen­
stand bestätigt.
Schellenberg glaubt weiter, die Vermutung aufstellen zu
können, daß die Ic-Offiziere auf einer Tagung im Juni 1941 über
die Aufgaben der Einsatzgruppen, was Massenvernichtungen anbe-
7
langt, unterrichtet worden seien. Er beläßt es nicht bei diese
Vermutung, nein, er fügt noch die weitere Vermutung hinzu, daß
diese Je-Ofiziere die Oberhefe hishab er davon in Kenntnis gesetzt
haben. Also zwei von Schellenberg aneinander gereihte Ver­
mutungen sollen den Beweis dafür erbringen, daß die Oberbefehls­
haber Kenntnis von diesen geplanten Massenvernichtungen gehabt
haben! ...
Ich lege ihm eine beschworene Aussge eines Teilnehmers
dieser Je-Besprechungen vor, in de General Kleikamp ausdrück­
lich bekundet, daß von geplanten Massenvernichtungen nicht die
Rede gewesen sei ... " 9)
Rüstu ngsmi nister 1942- 1945 Al bert Speer:
Als veridigtr Zeuge erklärte der ehemalige Minister
für Bewaffnung und Munition, Albert Speer, in einem
Schwurgerichtsverfahren gegen sieben ehemalige Polizei­
angehörige im Januar 1971:
"Ich habe von der sogenannten Endlösung nichts gewußt."
10)
Chef des Sicherhei tsha upta mtes und des SD
Ernst Kalt enbrunner
"
KALTENBRUNNER: Ich habe von der Existenz dieser von
Ohlendorf beschriebnen Einstzkommandos keine Ahnung ge
habt. Ich hab davon, daß sie bestanden hatten, später, und zwar
viele Monate später gehört. Ich muß hierzu folgendes ausführen. Es
ist dem Gerichtshof bekannt aus der Aussage Ohlendors und aus
hier besprochenen Erlassen Hitlers und Himmlers, daß Befehle zur
Tötung von Menschen gegeben waren. Diese Einsatzkommandos
sind in meiner Amtszeit nigends zu einer Neuaufstellung gekom­
men. Die bis dorthin tätig gwesnen Einsatzkommandos sind
abr ebenfalls vor meiner Dienstübernahme aufglöst gwesen
oder in neue Unterstellungsverhältnisse gekommen ....
KALTENBRUNNER: Ich möchte nur noch ergänzen, daß die
Einsatzkommandos fr mich deshalb nicht mehr in Erscheinung
getreten sind, weil das gsamte Personal, ich glaube, auf den Tag
genau, zum seihen Zeitpunkt in die Bandenbekämpfung bezieh­
ungsweise zum Höheren SS- und Polizeiführer gekommen sind, an
dem ich slbst das Amt in Berlin angetreten habe. Ich glaube,
mich bstimmt zu erinnern, daß von dem Bach-Zelewski zum
Chef der Bandenbekämpfung am 30. Januar 1943 ernannt worden
ist. Darin mag auch die Ursache liegn, daß ich keinerlei Berichte
der Einsatzkommandos selbst gsehen habe ....
KALTENBRUNNER: Ich habe, wie ich schon einmal erklärte,
nimals Befugnis gehabt, einen sogenannten Exekutionsbefehl,
daß heißt ein Todesurtei, selbständig zu unterzeichnen. Eine
diesbezügliche Befugnis hat im ganzen Reich, außer Hitler, nur
Himmler und der Reichsjustizminister gehabt ....
KALTENBRUNNER: Wenn ein Exekutionsbefehl die Unter­
schrift Müller getragen hat, so kann er sich damit nur auf einen
Befehl Himmlers gstützt haben, oder auf ein vorliegndes Ge­
richtsurt eil.
" ...
11)
9) Laternsr, "Verteidi gung deutscher Soldaten - Pläd oyers vor alliierten
Gerichten", Bann 1950, S. 38 · 39 +!MT, Bd. XXII, S. 94 · 95.
10) Deutsche Nationalzeitung, Münch en v. 22.1.1971, S. 9
11) \MT, Bd. XI. S. 273- 275
12) IMT, Bd. XLII, S. 253
8
Rüstungsministe a.D. Albert Speer
im Schwurgerichtssaal Hannover, Jan. 1971
- "Von Endlösung nichts gewußt" -
General major von Gersdorff
Generalmajor von Gersdorff in einer eidesstattlichen
Erklärung vom 28.5.1946:
"Ich, Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff, geboren am
27. März 1905 in Lüben/Schlesien, erkläre zu der eidesstatt lichen
Erklärung des Walter Schellenberg vom 26. November 1945
Affidavit No. 12 an Eidesstatt:
Ich war von April 1941 bis September 1943 dritter General­
stabsoffizier der Heeresgruppe Mitte an der Ostfront . ...
Ich füge hinzu, daß die an der Ostfront eingesetzten Kom­
mandobehörden aus keinem Befehl und keiner Besprechung vor
Beginn des Feldzuges ggen Rußland entnehmen konnten, daß
umfangreiche Vernichtungsaktionen gegen die Bevölkerung oder
das Judentum von igendeiner Stelle beabsichtigt waren, noch daß
während meiner Zughörigkeit zur Heeresgruppe derarige Befehle
erteilt worden sind,"
1
2)
Feldmarschall Küchler äußerte sich im direkten Ver­
hör:
daß es Krisenlagen gab, wo schließlich der letzte Mann ...
eingesetzt werden mußte, und da hat sich der SD in diesen
Krisenlagen auch zur Verfügung gestellt zum Fronteinsatz, und
wenn hier in diesem Bericht erwähnt ist, daß die Zusammenarbeit
mit der Wehrmacht gut war, so wid es sich auf diese enge
Kameradschaft, die sich aus dem Frontgeschehen herausgebildet
hat, handeln . ...
Es handelt sich in allen diesen Berichten um den Fronteinstz
von SD-Abteilungen, und dabei war der Zusammenhalt und die
Zusammenarbeit vom SD mit der Wehrmacht gut. Es waren halt
Deutsche, die sich in Kameradschaft gegen den äußeren Feind
zusammenfanden . ... Es gab sicher auch ähnlich gelagerte Fälle,
wo der SD feiwillig die Wehrmacht unterstützte, wie ... in de
Erkundung von Leningad, in dem Verhör von Agenten, Ober­
läufern usw." (Protokoll S. 2858 f, deutsch) -Fall XI I .
Generalfeldmarschall Maximiian Frhr. v. Weichs in
Nürnberg am 8.7.1 946, ebenalls unter Ei d:
"Ich war ... vom 15.7.1942 bis
26.3.1945 Oberbefehlshaber der
Heeresguppe B, vom August 1943
bis 26.3.1945 Oberbefehlshaber der
Heeresgruppe F (O.B. Südost) ....
Mir ist weder vor dem Krieg
noch während desselben bekannt ge­
worden, daß die Absicht bestand
oder daß Weisungen von irgendeiner
Stelle ausgegeben worden sind, daß
die Juden in irgendwelchen Gebiets­
teilen ausgerottet werden sollten.
Daß solche Absichten vorhanden ge­
wesen sein und sog. Vernichtungs­
lager bestanden habn sollen, habe
ich erst in der Gefangenschaft erfah­
ren. Während des Krieges gingn ge­
legentlich Gerüchte, daß im Reichs­
kommissariat Ukraine/Kiew einzel­
ne Juden getötet worden sein soll­
ten. Beweise dafür konnte mi aber
niemand erbringen. Es war nicht
klar, ob es sich bei diesen Nachrich­
ten um Ausstreuungen der feind­
lichen Kriegspropaganda, um wilde
Gerchte, wie sie im Kriege häufig
umlaufen, oder um Wahrheit han-
Generaloberst Hoth sage im OKW-Prozeß aus:
"Eine solche enge Zusammenarbeit war ja angeurdnet durch
den Befehl des OKH, eine Zusammenarbeit zwischen SD und
Ic-AO betone ich. Und eine solche Zusammenarbeit ergab sich aus
der praktischen Arbeit �anz von selber. (Protokoll S. 3145;46,
deutsch) ...
F.: Ich frage Sie über den SD, angenommen, daß dieser die
delte. Auf eine allgemeine Ausrot­
tungsabsicht konnte man daraus kei­
nesfalls schließen. Ich bin auch gar
Nachgewiesene Ermordete des zivilen Bombenkrieges
- hier in Kassel, Beispiel für tausende -
nicht auf diesen Gedanken gekom­
men.
Sicher ist, daß die in meinen Befehlsbereichen eingesetzten
Truppen der 3 Wehrmachtsteile sich an derartigen Ausrottungs­
maßnahmen nicht beteiligt haben. Denn die Truppe lehnte von
sich aus schon den Kampf gegen wehrlose Menschen ab. Zudem
war sie auch immer wieder belehrt worden, daß wir den Krieg
gegen die bewaffneten Streitkräte des Feindes führen und nicht
ggen die Bevölkerung, gleichgültig welcher Rassen, Patei usw. sie
angehört. Die mir unterstellten Pfarrer haben auf meine Weisung
wiederholt in ihren Predigten darauf hingewiesen, daß die christ­
liche Nächstenliebe auch aufJuden anzuwenden si . .. . " 1
3)
Generaloberst Woehler
"Wenn ich aber die Aufgaben des SD .. zu Ende schilden darf,
so war es auf Grund der Bandenlage sehr bald notwendig, den SD
im Bandengebiet einzusetzen, ... wobei uns diese SD-Kräfte sehr
willkommen wren, und es geht aus den Dokumenten hervor, daß
Zusammenarbeit zwischen Teilen des Heeres, Geheimer Feld­
polizei und SD stattgefunden hat, wobei aber klar befohlen war,
daß bei solchen Partisanenerkundungsunternehmen ein Offizier
des Heeres, d.h. die Wehrmacht, die Führung hatte." (ProtokollS.
5879, deutsch)
13) I MT, Bd. XLII, S. 283
Straße patroullierte und Leute erschoß lediglich deshalb, weil sie
ihm nicht sympathisch waren, konnten Sie etwas dagegen unter­
nehmen?
A.: Wenn der SD so etwas tat, dann hätte ich ihn an Ort und
Stelle abführen können, ... das hätte ich ganz bestimmt getan.
(Protokoll S. 3162, deutsch)"
Generaloberst v. Salmuth:
"Als Anfang Juni Woronesch genommen wurde und zwar
durch das VII. Korps, hat der SD versucht, sich auch in das
vordere Gebiet hineinzudrängen, Gefechtsgebiet des Korps, und
mein Vorgänger ... hat ... verboten, daß der SD das Gefechtsgebiet
betrete." (Protokoll S. 4046, deutsch)
Generalleutnant Harteneck atwortete im Kreuz­
verhör :
F.: Wenn der SD irgendeine Störung hervorrief, dann hätte
doch die Armee die Macht gehabt, dem SD Einhalt zu gebieten?
A.: Wenn der SD z.B. Juden-Erschießungen vorgenommen
hätte, dann hätte er die Kampfmoral de Truppe untergraben und
damit die Operationen der Armee gestört. Wenn wi also von
9
Juden-Erschießungen gehört hätten, hätten wi auf Grund dieser
Vereinbarung die Möglichkeit gehabt, den SD daran zu hindern."
(Protokoll S. 4263 f, deutsch)
Selbst der dem Widerstand gegen Hitler angehörende
Generaloberst Haider erklärte unter Eid als Zeuge i
Nümberg:
"Von einer beabsichtigten Verichtung der Juden und anderer
'Unerwünschter' im künftigen Okkupationsraum war in dem von
Wagner mit Heydrich vereinbarten OKH- Befehl mit keinem Wort
die Rede. Hätten OKW und OKH über vage Äußeungn Hey­
drichs hinaus - wonach seine Kommandos im besetzten Gebiet
Zentren des Widerstandes gegen die Wehrmacht oder gegen die
künftige deutsche Zivilverwaltung aufspüren und bekämpfen
sollten - die eigentlichen und vollständigen Aufgaben der Einsatz­
gruppen gekannt, so würden sie sicherlich versucht haben, jede
Möglichkeit der Durchführung zu verhindern. Wohl sei man schon
wegen de offenbaren Verheimlichung bestimmter Aufträge dieser
Formationen sowie auf Grund de Erfahrungen mit dem SD i n
Polen äußerst mißtrauisch gewesen; doch man habe niemals
während des Krieges etwas Konkretes gehört, das einem vielleicht
die Augen darübe geöffnet hätte, was eigentlich vorging .... Nein,
darüber haben wir nie etwas Authentisches gehört ... Wir hatten
auch keine handgreiflichen inoffiziellen Informationen': 14) 1s)
In der Urteilsbegründung vom 27. Oktober 1948 im
Prozeß gegen das deutsche Oberkommando der Wehr­
macht (OKW-Prozeß, Fall XII, Militärgerichtshof Nr. 5)
sind im vorliegenden Zusammenhang folgende Passagen
beachtlich:
"Die Verteidigung behauptet, daß die Tätigkeit der Einsatz·
gruppen der Sicherheitspolizei und des SD außehalb ihrer Be­
fehlsgewalt als Kommadeure des Besatzungsheeres gelegen habe,
da ja der Staat die rechtswidige Tätigkeit dieser Polizeieinheiten
angeordnet und auf diese Weise die Vollzugsgewalt der Be­
satzungskommandeure eingeschränkt habe. Die Besatzungs­
kommandeure in diesem Falle waren aber Inhaber der voll­
ziehenden Gewalt; sie haben ausnahmslos bestritten, daß sie
irgendwelche Befehle empfangen hätten, aus denen zu ersehen
war, daß der Staat planmäßig Anordnungen für die rechtswidrige
Tätigkeit der Einsatzgruppen gegben hatte, oder daß ' � ander­
weitige Kenntnis von diesen Anordnungen gehabt hätten.
Eine der Aufgaben eines Besatzungskommandeurs mit Voll­
zugsgewalt bestand darin, daß er die Ordnung aufrechtzuerhalten
und die Zivilbevölkerung gegen rechtswidrige Handlungn zu
schützen hatte. Solange keine amtlichen Richtlinien seine Voll­
zugsgewalt in Bezug auf diese rechtswidrigen Handlungen in
seinem Gebiet einschränkten, hatte er das Recht und die Pflicht,
Maßnahmen zu ihrer Verhinderung zu ergreifen. Er kann sicher·
lieh nicht behaupten, daß diese Handlungen durch seine Vor­
gesetzten seiner Vollzugsgewalt entzogen worden seien, wenn er
14) Aussage von Gener al oberst F ranz Haider i m OKW- Prozeß, Nürnberg
1948, Si tzungsproto kol l S. 1900, deutsch.
15) Krausn i ck I Wi l heim, " Di e Truppe des We l ta nschauungskri eges" aaO. S.
132.
16) Di ese Be hauptung i st n i cht bewi esen. Di e St ücke Papi er, die das I MT al s
"Bewei se" herangzogn hatte, si nd i n Wi r kl i chkei t ke i ne echten Do­
kumente. Siehe Ausfü hrungn übr " Einsatz befe h l Nr. 1", "Stah l ec ker­
Be r i cht" u.a. S. 29 ff. He ft " Ei nsatzgruppen 1. Tei l "
10
nichts davon gewußt haben will, daß diese Vorgesetzten Hand·
Iungen dieser Art angeordnet hatten.
Danach bleibt nur die Frage, ob die herreffenden Angeklagten
von der verbrecherischen Tätigkeit der Einsatzguppen der Sicher·
heitspolizei und des SD Kenntnis gehabt, es aber unterlassen
haben, sie zu verhinder .....
Bei der Tätigkeit der Einsatzguppen muß auch noch ein
weiterer Umstand in Betracht gezogen werden, nämlich ihre
zweifache Aufgabe, gewisse Elemente auf verbreche.ische Weise
zu liquidieren; auf der anderen Seite hatten sie jedoch völlig I egale
polizeiliche Aufgaben zur Sicherung der Verbindungslinien der
Heere mit dem Hinterland und arbeiteten so vor allem gegen die
Freischärler.
Weiterhin sind die Bemühungen zur Geheimhaltung der ver·
brecherischen Tätigkeit dieser Polizeieinheiten vor der Wehrmacht
zu berücksichtigen. In den ersten Stadien des Krieges wurden, wie
aus den Akten ersichtlich ist, viele Massenhinrichtungen zwar von
der SIPO und dem SD in die Wege geleitet 16)
, aber tatsächlich von
den Einheimischen in Form von Pogromen durchgeführt. Rassen·
haß und Pogrome hat es in Europa seit Jahrhunderten ggeben. Es
gab sie wähend der Zeit der Kreuzzüge, und sie erscheinen immer
wieder in der Geschichte Europas, sogar in unserer Zeit. Es ist
bewiesen, daß die Einsatzgruppe A, die im Gebiet der Heeres­
gruppe Nord und im Kommissariat Ostland arbeitete, sich der
Programe als Mittel ihrer verbrecherischen Tätigkeit bedient hat.
In manchen Fällen ist bewiesen, daß die örtliche Miliz, die ihr
Dasein notwendigerweise der deutschen Armee verdankte, an
solchen Pogromen teilgenommen hat.
Eine weitere Informationsquelle waren die von den Einsatz­
guppen dem Armeehauptquartier erstatteten Berichte; es ist aber
erwiesen, daß diese Berichte hauptsächlich ihre legale Tätigkeit,
nämlich die Partisanenbekämpfung und die Aufrechterhaltung
von Ordnung und Sicherheit betrafen. Trotzdem wiesen auch
diese Berichte Hinrichtungen von Juden, Zigeunern und anderen
Gruppen auf, die unter den liquidierten Personen speziell aufge
führt waren. Die Berichte über die Massenmorde, die von diesen
Polizeieinheiten durchgeführt wurden, wurden jedoch dem RSHA
in Berlin auf eigenen Dienstwegn übermittelt und wurden weder
den Kommandostellen des Heeres vorgelegt, noch über sie geleitet.
Der Befehlshaber eines Heeres hat zwei zuverlässige und
umfassende offizielle Informationsquellen: ( 1) Höhere Befehle,
(2) Berichte von untergeordneten Stellen.
Es ist richtig, daß kein höherer Befehl an die angeklagten
Truppenführer als Beweismaterial vorgelegt worden ist, aus dem
das Massenmordprogramm des Dritten Reiches ersichtlich wäre,
mit Ausnahme des Kommissarbefehls, bei dem nicht der SD,
sondern das Heer selbst ausführendes Organ war.
. Offizielle Berichte von unterstellten Einheiten liefern gewöhn­
lich eine Menge Informationen. Berichte über einzelne rechts­
widrige Handlungen werden aber üblicherweise nicht nach oben
brichtet, schon weil die Verhinderung solcher Handlungen die
Aufgabe des Untergebenen ist und die Tatsache, daß sie vorge­
kommen sind, ihm eine Maßregelung zuziehen könnte . ...
Aus unserer Darstellung ergibt sich, daß wir nicht zu einer
allgemeinen Feststellung ihrer Kenntnis in dieser Angelegenheit
(Massenmorde der SIPO und des SD, - d. Verf.) kommen können
und notwendigerweise das gegen die einzelnen Angeklagten vor­
liegende Beweismaterial heranziehen müssen, um diese Frage zu
entscheiden.
Es sei weiterhin darauf hingewiesen, daß ein strafrechtlich
erhebliches stillschweigendes Einverständnis mit den Taten der
SIPO und des SD nur dann festgestellt werden kann, wenn nicht
nur die Tatsache der Kenntnis der Angeklagten. sondern auch der
Zeitpunkt des Erwerbs dieser Kenntnis bewiesen ist .....
Feldmarschall Wilhelm von Leeb
"Feldmarschall Wilhelm von Leeb ist i m Jahre 1876 geboren,
1895 in di e Armee ei ngetreten und i m Jahre 1940 nach versc hie­
denen Beförderu ngen Feldmarschall geworden. Er war Ober­
befehlshaber der Heeresgruppe Nord im Fel dzug gegen Rußland,
bis er am 16. Januar 1942 um seinen Abschied ei nkam; haupt­
sächlich, weil Hi tler sic h in technisc hen Fragen eingemischt hatte.
Er wurde dann der Führer- Reserve zugeteil t . . ..
Die Heeresgruppe des Angeklagten war von Ostpreußen bis vor
Leningrad vorgedrungen. Er hatte 500.000 bis 600.000 Mann
unter seine m Kommando. Sei ne Operatio nen hatten einen sehr
großen Umfang . . . .
Di e Beweismi ttel , auf di e si ch di e Anklagebehörde stützt, um
Leebs Kennt nis von de n verbrecherischen Taten der Ei nsatz­
guppen gegen di e Zivilbevöl kerung in seinem Befehl sbere ic h zu
erweisen, fi nden sic h teilweise in Berichte n, die einzel ne Offiziere
der Einsatzgruppe A ihre n Vorgesetzten in Berlin erstatteten.
Diese Berichte si nd weder an Leeb gesandt worden, noch haben
sie seine Kommandostelle durchlaufen. Sie bewei�en, daß diese
Einsatzgruppe gewisse Ausrottungsmaßnahmen durchgführt hat,
si nd aber von einer Art, daß si e genauester Prüfung bedürfen. In
einem Bericht heißt es, daß 135.000 Menschen ausgerottet wor­
den sei en, aber wo die se Ausrottungen stattgefunden haben,
bleibt durchaus zweifel haft . . . .
Abgesehen von den Massentötungen in Kowno si nd keine
Massenhi nri chtungen erwiesen, die sich im Befehlsberei ch des
Angklagte n ereignet haben und z u seiner Ke nntni s gebracht
worden sind. Die Aktio' in Kown o wurde, �bwohl sie offen­
sichtlich vo n den Ei nsatzguppen veranlaßt worden war, in Form
eines Pogroms durchgeführt und der örtlichen Lettischen Selbst-
• •
h
. . .
d' s h h h
16)
sc utzorgamsatwn m Je c u e gesc oben. Als Leeb von dieser
Aktion hörte, ergriff er Maßnahmen, um eine Wi ederhol ung
ähnlicher Vorfälle im Gebiet der 16. Armee zu verhindern, in der
Kowno lag . ...
Daher können wir aus dem vorliegenden Beweismaterial nicht
entnehmen, daß der Angeklage von Leeb von der Ermordung von
Zivilpersonen durch die Einsatzgruppen in seinem Befehlsbereich
Kenntnis hatte oder daß er sich mit sol chen Handlungen still­
schweigend einverstanden erklärt hat. . .. "
Generalfeldmarschall von Leeb erhielt dri Jahre Ge­
fängnis. die das Gericht jedoch als von 1945 bis 1948 für
verbüßt ansah. Nach Urteilsverkündung wurde General­
feldmarschall von Leeb auf freien Fuß gesetzt.
1
7) Die
Argumentation des amerikanischen Militärgerichts ist
höchst aufschlußreich:
Tatbestand ist, daß nach dem Einmarsch der deut
schen Truppn sich ein mehrtägiges Judenpogrom sei­
tens der litauischen Selbstschutzverbände ereignet hat.
Die wahren Ursachen dieses Pogroms hat das ameri­
kanische Militärgericht nicht zur Sprache gebracht, weil
es den sowjetischen Verbündeten nicht verärger wollte.
(Wir geben anschließend einige Hinweise auf diese Ur­
sachen.)
Das amerikanische Militärgericht hat kurzerhand die
Einsatzgruppe A für dieses Pogrom verantwortlich ge­
macht, wobei es sich auf "Dokumente" bezog, die
nachweislich gefälscht warn.
16)
Wahre Uberraschungen
Einen sachkundigen Hinweis für die wahren Vorgänge
i Bal ti kum zur Zeit des Einmarsches der Deutschen
Truppen im .Juni 1941 entnehmen wir der politischen
Monatszeitschrift "Nation Europa", Coburg, Jahrgang
1967, Heft 5, S. 35
f
. Die Namen, die in dem folgenden
Bericht erwähnt sind, sowie des aussagenden Zeugen
sind dem dortigen Verlag bekannt. Die erwähnten
Zahlen geben wir so wieder, wie sie dort vermerkt sind,
ohne sie jedoch prüfen zu können.
"Ich bin gerne bere it, I hnen aus eigenem Erleben während des
Ostfeldzuges 1941 über Judenverfolgungen durch Litauer, Weiß­
rut henen und Le t ten im Jahre 1941 nach bestem Wissen und
Gewissen zu berichten. Di e richtige Wi edergabe versic here i ch an
Eides stat t. In der Berichtzeit war ich Unteroffizier und
Panzerbüchsentruppenführer im lnf. -Reg. 284 der 96. Inf. - Div.
und habe folgendes erlebt:
I. unser Bataill on war bis 13. Juli 1941 Wachbataill on OKH.
Im Raum Wil na bezoge n wi r Bi wak. Ein Obergefreiter mei nes
Trupps, gebürt iger Schlesier und der pol nischen Sprache mächti g,
hatte si ch be i mi r abgemeldet , um nach Möglichkeit bei Einwoh­
nern zusätzl iche Lebensmi t t el für mei ne Männer zu kaufen. Nach
Rückkehr meldete er folgendes: Er kam an ein verschl ossenes
Haus. Nach längerem Klopfen öffnete si ch di e Tür und heraus
traten ein Mann und eine Frau, dere n verzweifeltes Gehaben den
Obergefrei ten, der doch nur nach Lebensmittel fragn wol l te, zu
Fragen veranl aßte. Danach wurde i hm von dem Ehepaar gesagt , es
habe angenommen, nunmehr zur Exekution durch l i tauische
Polizei abgehol t zu werden. Litauische Polizei und l i taui scher
Selbstschutz - die ser entstand aus Angehörigen des litauischen
Korps, das i m Rahmen der Roten Armee zur Njemenvertei digung
eingesetzt gewesen war, sich aber seiner sowjeti schen Offiziere
und Kommi ssare entledigt hatte - holten j ede Nacht Polen und
Juden, die als Mi nderheit im Raum Wil na l ebte n, aus den Häusern
heraus, um sie irgendwo zu erschießen. - Hierzu erfuhre n wir
ergänzend: Auf Grund dieser Vorfäll e hatte sic h der deutsche
Ortskommandant gezwungen gesehen, di e l i tauische Poliz ei und
die l i tauischen Selbstschutzei nheiten in Wilna zu entwaffnen.
2. Das Batail l on erreichte i m weiteren Vormarsch di e Stadt
Dzisna an der Disna und Düna. Das Batail l on biwakiert e in Dzi sna.
Obergefreiter L. {bere its in I. erwähnt) streifte als Beglei ter von
Leutnant T. in dem stark zerstörten Ort her um, über dem i n der
brütenden Sommerhi tze der Verwesungsgeruch unbestatteter
Lei chen l ag. Überall lagen tote Zivilpersonen. Der Obergefreite
berichtete nach Rückkehr sinngemäß fol ge ndes: Dzi sna sei eine
Stadt von etwa 12.000 Einwohnern gewesen, davon 10.000
Juden, die - soweit sie nicht vom ill egal en Grenzhandel l ebten,
überwiegend als Handwer ker tätig waren. Ei n verstörter und
überlebender älterer Jude erzähl te, daß in der kurzen Zeit zwi­
schen dem Absetzen der Roten Armee hinter di e Düna und dem
Ei ntreffen der deutsc hen Panzerspi tze di e in und um Dzi sna
ansässigen Weißruthenen an den Juden wegen deren Haltung nach
dem Einmarsch der Roten Armee 1939 bl utige Rache geübt
hätten, indem sie alle gei fbaren Juden in der Düna ertränkten
und j eden, der sich ans Ufer retten konnte, erschlugen. Die noch
unter den Trümmern der Holz häuser liegenden J uden und die , die
noch in den Gärten, Feldern und auf den Straßen lagen, waren so,
17) "Die Tat", Zürich, 30.10.1948.
1 1
wie sie von uns gefunden wurden, von der aufgebrachten weiß­
ruthenischen Bevölkerung umgebracht worden. - Hierzu schribt
auch General der Panzertruppen a. D. Otto von Knobel sdorff ( s. Z.
Kdr. der I 9. Pz. - Div. ) in der Geschichte der nie dersächsischen 19.
Panzer- Division ( im Verlag Hans-Henning Podzun, Bad Nauheim,
1958) auf Sei te 81 u. a. : ' Dzisna war nach Einwohneraussagen
ein Ort von etwa 12.000 Menschen, von denen etwa 75 Prozent
Juden waren. Ehe die Division in Dzisna eintraf, hatte die
weißrussische Bevölkerung den größten Teil der fast 9.000 Juden
umgebracht. Die Erbit terung der Bevöl kerung gegn die J uden
war sehr groß, weil diese sie sehr häufig an die Russen verraten
hätten. Die Division traf keinerl ei Juden mehr im Ort an, wohl
aber viele Tote. '
3. Nach kurzer Kommandierung zum Ersatztruppenteil kehrte
ich im Herbst zur 96. Inf. - Div. zurück, die an der Leningrader
Front eingesetzt war. Auf dem Weg dorthi n kam ich i n der Stadt
Rositten - letti sch: Rezekne (an der Bahnlinie z wi schen Düna­
burg und Pleskau) - mit ei nem alte n Letten i ns Gespräch. Dieser
erzähl te folgendes: Nachdem Rositten von der Roten Armee
geräumt war, brachten letti sche Ei nwohner etwa 3.000 Juden aus
Rositten um. Nachdem, was man in der Stadt darüber hörte ,
erschien mir die se Aussage glaubwürdig, dabei i st hervorzuhebe n,
daß auch hier die Exekutionen - die Art des Umbringens der
Juden ist mi nic ht be kannt � stattgfunden haben, b e v o r
deutsche Truppen die Stadt bestzten.
Dies Tatsachen beweisen, daß der bei den Ostvölkern be­
stehende Judenhaß zu Aussc hre itungen gfü hrt hat, ohne deut­
sche Beteiligung oder Billigung. Die Massaker der Juden, von
denen einige hier aufgezählt worden sind, können dem deutschen
Vol k nicht z ur Last gel egt werden. Di e Ostvölker sind von
altersher j udenfeindli ch gwesen. Die Haltung der Juden gegen­
über ihren Gastvölker, be sonders nach de m Ei nmarsch der Roten
Armee sowie de r Anteil ds Judentums an der bol schewistisc hen
Revoluti on machen diese Einstellung der Ostvöl ker verständlich,
wenn auch nicht entsc huldbar. ", . .
Das amerikani sche Militärgericht hat zur Kennt ni s
genommen, daß die Ei nsat zgruppen den Armeekomman­
dos unter stl lt waren, somit auch die Ei n sat zgruppe A
den Armeen des Generalfel dmar schal l von Leeb; es hat
auch festgestellt, daß Kowno damas im Bereich der 16.
Armee la.
Das amerikani sche Militärericht hat weiter festge­
stellt, daß Generalfel dmarschall von Leeb sofort einge­
schritten i st, al s er von dem Mas saker i n Kowno hörte,
um Vorkommni s se dieser Art zu vehi ndern.
Das I nteres sante aber ist : Generalfel dmar schal l von
Leeb war nicht gegen die Ei n sat zgruppenführung oder
das Reichs sicherheit shauptamt ei ngeschritten, sondern
a Or gegen die litaui schen Parti sanenverbände. Dies
jedoch hat das amerikani sche Militärgericht ver schwie­
gen. Mit keinem Wort hat es Generalfeldmaschall von
Leeb vorgeworfen, daß dieser nicht wenig sten s die Ab­
berufung des Ei n sat zgruppenleiter s Dr. Stahlecker ge­
forder hatte. I n vielen anderen Fällen hat es ei ne solche
"Pfichtverlet zung" eines Oberbefehl shaber s scharf ge­
ahndet. Offenbar war es selbst nicht von der Authen­
ti zität der die Ei n sat zgruppe A belastenden "Dokumen­
t" überzeugt, obgleich es auf Grund des " Lo ndoner
Statut s " vom 8.8. 1945 ( des politi schen Vertrages
zwi schen London, Pari s, Moskau und Washi ngton) ge-
1 2
nötigt war, die ihm mittel s dieser " Dokumente" ver ­
mittelte "hi stori sche Tat sache von Amts wegen zur
Kenntni s zu nehmen".
Es mußte auch dem ameri kani schen Militärgericht
bekannt gewesen sein, daß die Sowjet s im ,Jare 1940
nicht nur die balti schen Staaten unter Zwang gegen
ihren ei ndeutigen Willen miitäri sch beset zt und die
berüchtigte " friedliebende Ord nung" bei gewaltsamer
Entferung der gesamten bi sher tragenden Mittel- und
Ober schichten der Bevölker ung herbeigeführt und in der
Nacht vom 1 3. zum 14. Juni allein über 30. 000 Li tauer
(i n Estland und Lettland ge schah Gleiches) in da s Innere
Rußland s zwangsdeportiert hatten, sondern auch kur z
vor dem Ei nmasch der deut schen Trppen nahezu
sämt liche politi schen Gefangenen in Gefängi s sen und
Konzentration slagern liquidiert hatten. Zwei Dokumen­
tationen aus dem Deut schen Weißbuch "Bol schewi sti­
sche Verbrechen gegen Krieg srecht und Menschlichkeit
Dokumente zusammengestellt vom Auswärigen
Amt", Berli n 1942 seien hier bei spielhaft aufgeführ. Bei
so bestellter Sachlae bedurfte es dann keiner "geheimer
deut scher Wei sungen von Strekenbach vom RSHA",
von Heydrich oder son stwem. Die Kettenreation entlud
sich durch die betroffenen Angehörigen von selb st .
" Hi nwei se" seiten s der Ei n sat zgruppe A wären ange­
sicht s der sichtbaren Tragödien völlig fehl am Plat ze
gewesen. Men schen, die solches Leid erlebt haben, wäen
fr "Hi nwei se" ihnen völlig Unbekannter total unzu­
gä nglich. Allei n hieraus ergibt sich die totale Abwegig­
keit zahlreicher i n den "Stahlecker- Bericht " hineinge­
mogelten Ausfhrungen. ( Vergl. Analy se S. 34 ff im 1 .
Teil, Heft 16 ) .
Greuelta ten in dn fri heren Bal tisc hP n Staa te n
Nr. 24
Beric ht
De r Vertre ter des Aus wärtigen Amts
bei ei nem Armee- Oberkommando
an ds Auswärtige Amt
Ortsunterkunft, 28. ]uni 1 941
Ich ha be soe ben ds fii here s owje tischP Kon zen trationslager
be i Pravieniske besichtigt, in de m am 25. ]un i 1 941 e twa 200
Litauer ermorde t worden sirH L Das Konzen trationslager befinde t
sich in einer einsa men Waldefnd, einie Kilo metPr von der
Bahnlinie Kowno- Wil na entfern t. Die Bolsche wis te n ha tte n in
de m Lager ihnen politisch ve rdicht ige Utauer aus Ko wno und
Umge bung, vor alle m Fa brikan te n, Bea mt e, Offizien' und Ge­
schäftsin haber, in Haft gehal t en. Die Gefangenen wurde n in der
Nähe ds Lagers mit der Gewi nn ung von Torf besc häftit.
Das Konzen trationslager besteht aus einer großen Holzbaracke,
die mi t e inem e t wa 1 0 Mete r hohe n Stacheldraht umge ben ist. An
den v ie r Ecken des Lagers befin dn sich Schil derhäusc hen, davor
Mas te mi t Holzkisten, in denen auf d Ge bäude gericht ete
Sc hein werfer ange bracht ware n. In den Räume n der Baracke
herrscht noch i mmer ein wi drliche r Geruch. Di e einzel nen
Zimme r sind fas t ganz ausgefll t von de n i n zwei Reihen ii ber­
einander anwbrachten Be tts telle n und eine m Tisch mi t zwei
Bänken. In je de m solche n Raum muß te n 20 Me nsche n hausen.
Zwe i Blechrinnen I' Or dr Baracke bil dt en die einzige Wasc h­
gelegenhei t fir fas t 200 Personen. Da ne ben bPfin den sich zwei
primitive Aborte.
Die litauischen Gefangene n wurde n von einem russisc hen
Kommissar, dm ftnf andere Russen beiegben waren, und 25
litauichen Beamten und Soldten bewac ht. Als am 24. ]uni
deutsche Vorausa bteilungen in Kowno e indrangen, versc hwanden
der Kommissar un d die ii brie n finf Russen. Am 25. ]uni kehrte
der Kommissar in dssen in Beglei tung von russisc hen Truppen
zurick. Gegen 1 5 Uhr wurdn dnn die Gefange nen vor der
Baracke hinter de m Drahtverhau zusammenge tri eben und mit
Gewehren u nd Maschinenge wehre n zusa mme ngeschossen so daß
die Leichen un d die Sterben dn buchs täblich auf einem großen
Haufen ibere inandrlgen. Wen ien Gefangenen ist es ge l ungn,
zu entko mmen, und ii ber die Ermordu ngn zu beric hte n. Noch
heute is t vor de m Zaun die Stelle deutlich erkennbar, wo der
Sandboden rot un d feucht is t von dem Blu t der hier vor 3 Tage n
hinge morde ten Li taue r. Die Le ic he n selbs t sind inzwischen ! ' un
de r litauischen Bevöl kerung in eine m Mass engrab beiesetzt wor­
dn. Das Massengrab bigt die Le ichen von 1 93 Männern, 1 Frau,
1 jungen Mädchen und 1 Kin de von 1 2 fahre n. 5 wei te re Frauen,
die die Bolschewisten ermordet liegngelassen hatten, sin d auf
de m Frie dhof von Rumsis ke begra ben worde n.
Frauenfel d
Poto koll
Ko wnv, de n 1 0. Juli 1 94 1
" 'Auf Anordnung ersc heint der An tanas Garmus, Dr. med. ,
Prak tischer Arzt , ge b. a m 1 9. 02. 1 891 in Pone mun, wohnhaft in
Kowno, ]ono- Bil nno- Strße 35, und sagt mit de m Gegenstan d der
Vernehmung bekann t ge mac ht a ns:
"A m 27. 6. 1 94 1 et wa um 6 Uhr abends benachrichtigte mich
der Kommandant von R lm tsc hisc hke, Oren tas, ich möchte sofort
zu m Lager ko mmen und Verwundeten Hilfe bringen. Ich konnte
am gle ichen Tag die.em Verlangen nicht nachkommen, d
Rumsc hisc hki noch von Russen besetzt war. Am 28. 6. sc hickte
ds Rote Kreuz in Kowno ein Sani tätsauto nach dm Lager und
brachte von dort dre i bis vier Ve rwundete. Am 29. 6. um 10 Uhr
bin ich dan n selbs t zum Lagr gefahre n. Zunächst organisierte ich
hier einen Sel bstsc hutz, weil sich in de r Nähe noch russische
Banden heru mtrieben. Mit sechs Mann von diesem Sel bstschutz
besetzte ich dann das Arbeitslager, in dem die Gefangenen
un terge brcht warn, und fand noch 15 Überleben de, die nic ht
verle tz t waren. Urspringlic h ha ben sich in dem Lagr 450 Pe r­
sonen lu nde n Sie setzt en sich zusammen aus Arbeitern, Fabri­
kan te n und Hauern. Außerdem noch einie gefangene politische
Soldaten.
·
Am 25. 6. ersc hi en am Arbeitslager ein russischer Panzer­
wae n Auf Befe hl des Fihrers des Panzerwagens mußten alle
Insassen ds Lars auf den Hof hinaustre ten. Auc h die litauische
Lagerbewachung. Es wurde nun auf die Le ute aus dem Panze r­
wagn Masc hinenge we hrfe uer eröffnet. Die Zahl der Ermordete n
beträgt ungefähr 300. Genau läß t sich die Zahl nicht fests tellen,
d vor mei nem Eintreffe n an Ort und Stelle Angehörie der Opfer
dort ge wesen sind und vielleicht noch diesen o der jenen le bend
aufgefunden haben. Ich möchte noc h zusetzen, daß von den
Bolsche wiken auf die ersc hossen daliege nde n Opfer noch Hand­
grna te n ge worfen wurden. In einer Ze lle wurde die Leiche e ines
durc h Bajonettstiche er morde te n Mannes gefunde n. Un ter den
Ermorde te n fand ic h e ine im ne unten Monat schwangere Fru.
Die Bolsc hewis ten wollten dnn noch den Haufe n Leichen mit
Dynamit in die Luft spre ngn. Es gelang ih nen aber nicht, und bei
fühze itie m Explodieren der Ladung wurde n zwei Bolsche witen
gtötet
Die Pe rsonalakte n dr Ermorde te n sind bei dem Kommun-
dntn von Rumsc hisc hke zu erhalte n.
1 8) Dutsches We i ßuch - " Bol schewi sti sche Verbrechen ggn Kri egs­
rcht und Menschl i chkei t " , Be rl i n 1 942, 1 . Fol ge , S. 83 · 86.
1 9) Deutsche Hochschul l ehrerzei tung, Tübi ngen 1 963, Nr. 4, S. 20 Kapi tel :
"Zur Geshi c hte der Jude ner mor du ngen i m Bal ti kum i m Jahre 1 94 1 "
Bauern aus der Ume bung, die die Sache be merkt hatten,
wollte n de n noch am Le ben Ge blie benen helfe n. Sie wurdn aber
von den Bolschewi ken daran gehindert.
Der bolsc he wis tische Le iter der Exek •t tion sagte nch der­
sel ben zu dnen, die sic h in ihre m Blute wälz ten und noch bei
Besinnung waren: "So, je tzt wißt ihr, was das Sowje tregi me
bedeute t ".
Die Iden tifizierung der Ermordete n war nur in zwe i Fällen
möglich. Es handel t sich hier bei um
1. Herrn Strimas, Dire ktor der Fabrk Drohe,
2. den Landwirt Gerulaitis
Da die Fes ts tellung der Persönlichkeite n nicht möglich war,
veranfaßte ic h die Bestattung der Le ichen, ge tre nnt nach Männern
und Frauen.
DiP Wahrhei t meiner 4 ussage n bekräftie ich mi t meinem
Eide.
gez. Dr. Garmus gez. Tittel bach
t s)
Geschlossen Hauptmann der Schutzpolize i
Einem Heft des Instituts für deutsche Nachkriegs­
geschichte in Tübingen entnehmen wir den Bericht eines
Balten-Deutschen über die 1940 - 1941 infolge der
sowjetischen Besetzung des Baltikums durchgesetzten
Verhältnisse:
"Die Russen besetzten zuerst einige militärische Stützpunkte.
Dann wurden die nationalen Regierungen der baltischen Staaten
unter Druck gesetzt. Mit der Zeit und unter der Mitwirkung
örtlicher Kommunisten wurden Staatsstreiche vorbereitet und
durchgeführt, die die Macht im Lande eindeutig in die Hand der
Bolschewisten brachten. Die jüdische Intelligenzia war hierbei
maßgblich beteiligt. Bei einem Bevölkerungsanteil von ein paar
Prozent besetz te sie z. B. in Riga bis zu 60% de Stellen in den für
die innere Sicherheit zuständigen Ministerien. Dann wurde der
Kampf gegn die nationalen Gruppen in Litauen, Lettland und
Estland begonnen. Es erfolgten Verhaftungen, Hinrichtungen und
Deportationen ins Innere Rußlands, die im Baltikum in einem
Jahr fast 190. 000 Opfer ergaben.
Exhumierungen solcherart Ermordeten ergaben nach der Be­
friung 1941, daß durchweg Angehörige des Ofizierskorps, des
Selbstschutzes und anderer nationaler Gruppen die Opfer waren,
zum Teil auf sehr grausame Weise umgebracht. Die in der Nähe
der Exekutionsstätten lebenden Letten erzählten übereinstim­
mend, daß vorwiegnd jdische Kommissare dies Verichtung
veranlaßt und durchgeführt hätten.
In der lettischen, estnischen wie auch in der litauischen
Bevölkerung bildeten sich Abwehrfronten, die durch Verstecken
und Flucht das Leben Gefährdeter zu schützen versuchten und die
andererseits sich die Personen merkten, die als Ha.uptgegner
anzusehen waren. Wie jetz t in der Zone waren es nicht die Russen,
es waren die viel radikaleren einheimischen Bolschewisten, unter
ihnen die Juden mit ihrem ins Maßlose gesteigerten üerlegen­
heitsgefühl. ... ,
Mit dem Einmarsch deutscher Truppen entlud sich der ange­
sammelte Haß der einheimischen Bevölkerung in wilden Pogo­
men und Abschlachtungen. Nach Listen wurden diejenigen ge­
sucht und ausindig gemacht, die sich ' gegen das Volk' vergangen
hatten. In Estland war die Erbitterung gegen die Juden schon
deshalb groß, weil sie sehr günstige Bedingungen als Minderheit
genossen hatten. Es bildeten sich spontan Vergeltungsguppen
und Hilfspolizeieinheiten, die möglichst schnell ihre Justiz durch­
zuführen trachteten, ehe die Deutschen das Heft in die Hand
nehmen konnten. So kam es, daß in Kowno Juden mit der
Eisenstange totgeschlagen wurden, so km es, daß lettische Poli­
zeieinheiten in Lettgallen Verhaftungn und Ershießungn vor­
nahmen, ehe überhaupt die deutsche Sicherheitspolizei eigene
Maßnahmen ergeifen konnte . . . . " 19)
1 3
über die Besetzung von Kowno am 24. Juni 1941 finden wir folgende
wirkl ichkeitsgetreue
" Der fei ndlic he Widerstand versteifte si ch erst 1 8 km vor der
Stadt. Die Schnelle Abtei l ung Hol m bl i eb l i egen. I n Kowno selbst
spiel ten si ch i ndessen turbulente Szenen ab. Die litauische Zivilbe­
völ kerung revoltierte und ging te ilwei se mit Waffe ngewalt gegen
die ' Rote Armee ' l os. Die Sowjets grifen energisch durch und
nahmen die Unruhe zum Anlaß, tausende l itauischer Bürger zu
verhaft en. Trotzdem gelang es einigen ei nhei mi schen Trupps, die
Rundfunkstati on zu besetze n. Gegen 1 9. 30 Uhr verbrei tete der
Sender eine Bitte de s ' l itauischen Heereskommandos ' an den ' Stab
der deutshe n Wehrmacht in Litauen' um Luftangi ffe auf die sic h
durc h Kowno zurückziehenden sowjeti schen Truppen! . . .
Das I I . AK. am rec hten Flügel der 1 6. Armee drang am 24. 6.
um 1 7. 1 5 Uhr mit der Schnell en Abteil ung unter Oberst Hol m i n
Kowno ei n. Hier hatte am frühen Morgen Leutnant Fl oret von der
AA. 1 23 brei ts Fühl ung mi t der l i taui schen ' Bdre i ungsarmee '
aufgenommen und konnte durc h den Sender dem AOK über die
Lage i n Kowno Mel dungen erstatt�n. Das II. AK. schob bis zum
Abend Te il e der IR. 89 und 405 , sowie di e AA. 1 2 1 in die Stadt.
Di ese Kräfte beganne n sofort mi t dem Brückenschlag, da alle
Übergänge gespre ngt waren. Das Kors setzte am 25. 6. seine
Verbände über den Nj emen und erkämpfte si ch bi s zum 26. 6. den
Raum um J onava. Das XXVIII. AK. war ebenfalls herange­
kommen und sta nd auf glei c her Höhe. Der Sender Kowno wurde
am Abend de s 26. 6. von der Pk. 5 0 1 in Betrieb genommen und
sendete 2 1 . 00 Uhr das erste deutsche Programm. " 2 0)
" Manste i n macht eine n Panzervorstoß, den kei n Taktiklehrer
für möglic h gehalt en hätt e. Wird er mit sei nem Korps Dünaburg
übrrashe n ? Wird er 350 km -- so weit wie von Harburg nac h
Düssel dorf -- mi tten durc h stark besetztes Fei ndesland fahren
könne n und trotz de m die Dünabrüc ken i ntakt i m Handstreich
ne hmen?
Daß dieser Panzerkri eg der ersten Tage im Baltikum kein
fröhli c he s Abenteuer i st, kei ne Bli tz kri egslust gegen ei nen unter­
l egenen Fe i nd, wird schon nach 48 Stunden klar. Auch die Russen
habe n Panzer, und was fr welc he ! . . .
Mehr als hundert sc hwerste sowjeti sche Panzer rollte n von
Osten her de m XXXXI. Panzerkorps entgegen und prallten zuerst
auf General Landgrafs 6. Panzerdivi si on. Rossie nie, noch weiß
niemand, daß der Name dieses Dorfes i n die Kriegsgesc hichte
eingehen wird. Er bezeic hnet die erste große Krise an der
deutsc he n Nordfront im Rücken des bere i ts wei t vorgestoßenen
Panzerkorps Manstei n . . . .
Tagelang tobte die kri senreic he Sc hlacht a i der Dubysa
zwi shen de m deutschen XXXXI. und dem sowj etischen I I I .
Panzerkorps , das 400 meist überschwere Kampfwagen in die
Sc hlac ht warf. Es ware n die Elitepanzerdivisi onen, di e General­
oberst Fj edor J. Kusnezow ei nsetzte, . . .
I n de n frhen Morgenstunden des 26. entschei det si ch die
Schlacht. Die Russen greifen an . . . .
Am 2 7. 6. setzten die Russen zum massierten Ausbruch i n
Libau an, risse n sogar di e deutsche Einsc hl i eßungsfront auf,
brachen mit Kampfgruppen a der Küstenstraße durch und
brac hten die deutsche Front in gefährliche Krisen . . . .
I m Morgengrauen des 2 6. J uni prescht die Spitze der Lausitzer
8. Panzerdi vi si on die große Fernstraße entlang, die geradewegs
von Kowno nach Leningrad führt . . . . " 2 1 )
Allein dieser Kurzbericht vermittelt einen Eindruck
14
Berichte
davon, daß auch eine Einsatzgruppe an vorerster Front
aderes zu tun hatte, als sich darum zu kümmer, wie
ma der Bevölkerung "Hinweise" fr Judenpogrome
gibt.
Generalfeldmarschal l von Küchler
Generalfel dmarschall Georg Kar! Friedrich-Wilhelm von
Küc hler ist im Jahre 1 88 1 geboren, im Jahre 1 900 i n die Armee
eingetrete n und mehrfach befördert worden, bi s er im Januar
1 942 den Rang ei nes Generalfel dmarschal l s erreichte und von
Leebs Nac hfolger als Befe hl shaber der He eresgruppe Nord wurde.
Er behielt di eses Kommando bis zum Jahre 1 944, dann wurde er
zur Führereserve versetzt . . . . .
Dann kam der russi sche Fel dzug i m Jahre 1 941 . Damals war
Küchler Befehlshaber der 1 8. Armee auf dem Nordflügel , zuerst
i m Bal ti kum, dann auf dem ganzen Vormarsch bis nach Lenin­
grad . . . . .
I m Befe hlsbereich der 1 8. Armee, die unter dem Kommando
des Ange klagten stand, befand sich eine Heilanstalt, i n der 230
irrsi nnige und kranke Frauen untergebracht ware n. Nach ei ner
Debatte, in der die Ansicht vertreten wurde, daß diese Unglüc k­
l i chen ' nach deutschen Begriffe n kein Iebenswertes Leben mehr
vor si ch hätten' , wurde der Vorschlag gemac ht, sie hi nzurichten.
Ei ne Ei ntragung i m Tagebuch des XXVIII AK vom 25. - 26.
Dezember 1 9 41 zeigt, daß ' der Oberbefehlshaber di eser Lösung
zugesti mmt' und ihre Durchführung durch den SD angeordnet
hat. Obgl eic h Küchl er alles ableugnet, sind wi überzeugt , daß
diese Handl ung mit sei ner Ke nntnis, Zusti mmung und seinem
Ei nverständnis erfolgt ist. Wir glauben dem Angeklagten nicht,
daß diese grauenhafte Ei ntragung, wie er behauptet, von irgend­
ei nem jungen und überarbei teten Offiz ier herrührt. Die Handlung
i st ein Bewei s für die wo hlüberlegte Durchführung ei ner Staats­
poli ti k, die de m Angeklagten ebenso wie der ganze n übrigen Wel t
ge nau bekannt war. 22)
Wi si nd der Ansicht, daß außer in den bereits er­
örterten Fällen das Beweismaterial nicht ausreicht , um von
Küchlers strafrec htliche Verantwortung fr die Ausrottungs­
akti onen der Ei nsatzgruppe A in sei nem Befehlsbereich festzu­
stellen, und zwar im wesentlichen aus den in diesem Urteil für von
Leebs Strafl osigkeit gegebe nen Gründen.
20) Werner Haupt , " Bal t i ku m 1941 " , Neckargemünd 1963, S. 55 + 57.
21 ) Paul Carel l , " Unter ne hmen Barharossa", Frankfurt/M - Ber l i n 1963 S.
28 - 32.
22) E rwä h nt wi r d h i e rbe i ni c ht , d a ß zahl re i che de ra rt i ge r Anst al t en
"von de n Ru ssen be i m Rückzug al l er Verpf l egungsvorräte beraubt
wurde n, das Bewachungs- und Pfl egepersonal gef l üchtet und di e I nsassen
ausgbrochen und z u ei ner Gefahr für di e Si cherhei t geworden wa ren. "
- I MT, Bd. XXXV I I , S. 691, sog. "Sta hl ecker- Ber i cht" v, 15. 10. 1941.
- We r hi er Vergl ei che zi ehen wi l l , sol l te si ch di e Verhäl tn i sse bei m
Vor marsc h nach Deutschl and durch die sowjeti sche n oder westal l i ie rten
Tru ppen 1945 vor Augn hal t en, der j edoch i m Gegensatz zum de ut­
schen Vormarsc h 1941 i n Ru ßl and ni cht meh r gegen ei nen kampf star­
ken Gegner zu erzwi ngn war, somi t di e E x i stenzfrage für di e ei gene
Tru ppe n i cht zur Debatte stand.
Genera l oberst Herma n n Hot h
Herman n Hot h ist am 1 2. April 1 885 i n Neu- Ruppi n gebore n.
Er hat den ersten Wel t krieg i n versc hi edenen Die nststell en mit·
gemac ht und ist nac h Kriegsende i n der Rei chswehr gebl i ebe n. Im
Jahre 1 93 8 befehl igt e er al s General- Leutnant die 1 8. Divi si on, di e
i ns Sudetenland ei nmarschi ert e . . . . I m Januar 1 940 wurde er zum
Generaloberst befördert , und das XV. Panzer-Korps wurde i n di e
Panzergruppe 3 umgewandelt. Für den Fel dzug gegen Rußland
wurde die Panzergruppe 3 der Heeresguppe Mi tte zugetei lt und
unterstand zuerst der 9. und später der 4. Armee. Hot h behiel t
das Kommando der Panzergruppe 3 bi s zum 9. Oktober 1 94 1 , am
1 0. Oktober 1 940 wurde er zum Oberbefe hlshaber der 1 7. Armee
ernannt, die zur Heeresguppe Süd gehörte. Am 1 5 . Mai 1 942
wurde er zum Oberbefehl shaber der 4. Panzerarmee ernannt und
verblieb in di eser Stell ung, bi s er am 1 2. Oktober 1 943 zur
Führer-Reserve versetzt wurde . . . . .
General oberst
Herman n Hoth
Wie die Akte n ergeben, hat der SD am 1 4. Dezember 1 9 4 1 in
Artomowsk eine Massenerschi eßung von 1 . 2 2 4 Juden, 63 pol i ti ­
schen Hetzern und 30 Saboteuren und Parti sanen durchgeführt.
Dieser Ort l ag damals innerhalb Hoths Befehlsberei ch. Der Vorfall
kam unverzügl ic h zu seiner Ke nntni s. Er hat angegeben, daß er
damals sei nem Stabsc hef Vorwürfe gemacht habe, weil di eser i hm
vo n der Anwesenheit des SD in sei nem Befehl sberei ch kei ne
Kenntni s gegeben hatte ; der Stabschef habe erwidert, daß er di e
Angel egenhei t erledigen werde. Der Stabsc hef erli eß ei nen Befehl
des Inhal ts, daß ' di e Judenakti onen in Artomowsk vertagt si nd,
bis die Lage an der Front geklärt ist' .
Wi e di e Akten ergeben, hat der S D ungef ähr sechs Wochen
später eine großangel egt t Säuberungsakti on i n Kramat orskaja
ausgeführt. Kramators kaja war damals Ho t hs Haupt quartier. Aus
den Akt en ergibt s i ch nic ht, ob i m Verlauf der Akt i on Hi nnch­
tungen vorgekommen si nd. Zweifell os wußte Hot h nac h dem
Vorfall in Artomowsk, daß der SD nic ht nur pol i zei li che Auf­
gaben hatte, sondern auch als Mordorgani sat ion wikte. Nachdem
Hoth di ese Kenntni s erlangt hatte, hat sei ne eigene Mil i t ärpol i zei ,
die unter sei nem Befehl stand, auswei sl ic h der Aktt n Gefangene
und Juden regel mäßig dem SD ausgel iefert . . . .
Obwohl e r das Wesen und die Aufgaben de s SD kannt e,
obwohl er di e Macht und di e Pflic ht hatte, dem SD Ei nhal ! ·� U
gbiet en, hat er sic h um gar ni chts gekümmer t und den SO in
seinem Befehl sberei ch nac h Belieben schalte n und wal l en l as:; en.
Auf Grund des Ergebni sses der Bewei saufnahme haben \\ 1 di e
Überzeugung gewonnen, daß der Angeklagte Hot h in den ob·� n
gschi lderten Fäll en si ch gemäß de n An klagepunkte n Zwei und
Drei sc huldig gemacht hat.
22 a )
Genera l l eut na nt Hans R ei n hardt
Der Angeklagte Hans Re inhardt i st am 1 . März 1 8 8 7 in
Bautzen in Sachsen gebore n. Er war im er sten Wel tkrieg ein
Kompagnie- Offi zi er und verbl i eb nac h Kriegsende i n der Rei chs­
wehr. Als General- Leutnant und Kommandeur dtr 4. Panzer­
di visi on nahm er an dem pol ni schen Vormarsc h tei l und führte das
XLI. Panzerkorps bei de m Ei nmarsch in Belgi en und Hol land. Mi t
diesem Korps marschi erte er auch i n Jugoslawien ei n. Den
Rußlandfeldzug begann er i mmer noc h an der Spi tze des XLI.
Panzer korps, das damals zur He eresguppe Nord gehörte. Am 5.
Oktober 1 941 wurde er zum Oberbefe hlshaber der Panzergruppe
3, i m März 1 942 der 3. Panzerarmee und am 1 6. August 1 944 der
Heeresgruppe Mi tte ernannt. Infolge von Mei nungsversc hi eden­
heiten mit Hi tl-r über sei ne mil i täri schen Maßnahmen wurde er
von diesem Posten am 26. Januar 1 945 ent hoben . . . .
Rei nhardt war Träger der Vollzugsgewalt für sei nen Befehls­
bere ic h, und es war sei ne Pfli cht , diese Vol l zugsgewalt zum
Schutz e der Bevöl kerung auszuüben. Er hatte di e Verpfli c htung,
daür z u sorgen, daß si e nicht verschl eppt oder i hres Eigentums
braubt, und daß die Unschul dige n ebenso wi e die sogenannten
Parti sane nhelfer nic ht in die Konzentrati onsl ager verschic kt wur­
den; ebenso wäre es seine Pfl i cht gewesen, zu verhi ndern, daß di e
Al tersgruppen 1 9 25 und 1 926 z ur Zwangsarbeit i ns Reich über·
führt wurden. Die Befehle , i n denen di ese Di nge angeordnet
wurden, ware n rec htswidrige Befe hl e, und s ie si nd vo n Rei nhardt
in vol l em Maße durchgeführt worde n . Er i st strafre chtlic h ver­
antwortl i ch für den Erlaß di eser Befehle und für di e Handlungen
zu i hrer Ausführung.
Ob Reinhardt gewußt hat , daß Lubl i n und Ausc hwi tz Ermor·
dungszentralen waren, i st ni cht von Bedeutung. Es l i egt kein
direkter Bewei s dafür vor, daß er es gewußt hat. Aus einem der
von ihm er lassenen Befehle ergibt sic h sei ne Ke nnt nis der Tat·
sche, daß de Zwangsarbeit hart war. Er wußte, daß es Straflager
waren. Tro tz de m hat er Grei se, Frauen und Ki nder i n diese
22 a) Di ese Beu rtei l u ng des Genera l obrst Hot h hat der vom Bu ndesa ußen­
mi n i steri u m hono ri erte Ve rtei di ger, Rechtsa nwal t Eber hard Engl hardt
auf Grund neue r Bewei se r hebu ng wi der l egt, i nde m er Hot h' s völ l i ge
Sc hul dl osi gkei t i m Zusa mmenhang mi t Verbrchen gegen Juden nach­
gewiesen hat .
1 5
Straflager versc hic kt. Durc h seine Zeugenaussage in eigener Sache
i st erwiesen, daß er von der Tötung von Krüppeln durch de n SD
gewußt hat. Er hat das zwei Jahre lang gewußt. Er wußte, daß der
SD seine Tätigkeit mit selbständiger Machtbefugnis ausübte, und
daß de m SD die se Machtbefugnis auf Grund vo n Befehlen über­
tragen worden war, von deren Ursprung und Wesensart Reinhardt
vorgi bt, keine Kenntnis gehabt zu haben; totzdem hat er ei ne
große Anzahl von Zivilpersonen, über di e er Vollzugsgewalt hatte
und die zu schütze n er verpflic htet war, dem SD überstellt. . . .
General der I nfanterie von Salmuth
Hans von Sal muth wurde am 21. November 1888 in !letz
geboren. I m September 1907 wurde er Offizi ersanwärter und
machte den ersten Wel tkrieg mit , z uerst als Bataillons- und
Regi mentsadjutant und dann al s Generalstabsoffizier. Nach
Kriegsende verbl ieb er i n der Reic hswehr . . . . . I m September 1939
wurde er Chef de s Generalstabes der Heeresgupp Nord und
machte i n di eser Stellung den polni schen Fel dzug mit. Ungefähr
zur gl eichen Ze it wurde er zum Ge neral der Infanterie befördert,
Vom Mai bi s Deze mber 1941 war eT kommandierender General
des Korps und machte als sol cher den russischen Feldzug mit . . . .
Im Oktober 1943 wurde er zum st ellvertretenden Oberbefe hl s­
haber der 15. Armee erannt, wurde späte r Oberbefe hlshaber
dieser Armee und behielt diese Stellung bi s zum August 1944 . . ..
Am 21 . November 1 941 gah Sal mut h an die i hm unterstell t en
Einheiten eine n Befehl über die Partisanenbekämpfung weiter, i n
dem besti mmt wurde: ' 'Jede . Zivil person und ebenso jeder
verspre ngte Soldat, de r i nnerhalb de s vom XXX. Korps besetzten
Gebi etes im Besi tz von Waffe n angetroffen wird, ist sofort zu
erschießen. ' '
Vo n Sal mut h hat di esen Befehl unterei c hnet, der nach unse­
rer Überzeulung rechtswidrig i st. . . . .
Die Beric hte ergebe n, daß Kriegsgefangene dem SD, einer
Poli zeiorgani sation, zugeführt worden si nd, und daß nach dieser
Oberstel l ung di e Armee kei ne wei t ere Aufsic ht über di e Gefange­
nen führte und ansc hei nend weder wußte noch besti mmen konn­
te, was mi t i hnen gesc hah.
Ob sie umgebrac ht wurde n, was bei vi elen zweifelsohne der
Fall gewesen ist , oder nie ht, darauf kommt es nicht an.
Di e Rechtswi drigkeit besteht in ihrer Überstell ung an eine
Organisati on, die, wie der Angeklagte zweifel sohne i nzwischen
gemer kt hatte, verbrecheri sch war. . . .
Die Beweisaufnahme hat ergeben, daß der Angeklagte für den
Ei nsatz der Zivi lbevölkerung in sei nem Befe hl sberei ch, sowie für
di e recht swidrige Aushebung und Überführung von Zivilpersonen
zur Sklavenarbei t i m Rei ch verantwortl i ch zu machen i st. . . .
Di e Be weisaufnahme hat j edoch ergebe n, daß Zivilpersonen in
vielen Fälle n von den de m Angeklagten unterstellte n Ei nhei ten i n
rechtswi driger Weise hi ngeri chtet worden si nd. Zu dem zu di esem
Punkt vorgel egt en Bewei smaterial werden die folge nden
Bewei sstücke angeführt :
Aus ei nem Beri cht der Fel dkommandantur an das XXXXIV.
Korps, das zur I 7. von Salmuth befehl i gen Armee gehörte, für
die Ze i t vom 1 5. bis 30. April 1943 ergibt si ch, daß Personen
erschossen wurden, weil sie partisanenverdächtig oder Kom­
muni sten ware n, oder weil si e He eresei gentum gestohle n hatten,
oder weil si e Juden waren; außerde m ergi bt sich aus diesem
Beric ht, daß jüdi sche Frauen dem SD zugeführt worden sind.
Aus einem Beri cht vom 2. September 1942, de n der Korück
( Kommandeur des rückwärtigen Armeegebi etes, - d. Verf. ) 580
an das von Salmuth befehli gte AOK 2 erstattete, ergibt sich, daß
1 6
Personen er schossen wurde n, die unter dem ' dringenden Ver­
dacht' der Sabotage standen.
Ein Beri cht ergibt, daß von all en beteiligten Stel len ( außer dem
SD) 6.000 Personen als Parti sanen und Agenten hi ngerichtet
wurden.
I n dem Kri egstagebuch der von Sal muth befehli gten 17. Armee
heißt es unter dem 24. Ju li 1942, daß das Konze ntrati onslager
Gorlowka am 22. Jul i aufgel öst wurde, und daß von de n 655
Zivilpersonen, die das Lager passiert hatten, 1.58 umgebracht und
23 an den SD überstellt wurden. . . . Diese rechtswidrigen Hin­
ric htungen wurden lange Zei t hi ndurch fortgesetzt, und zahlreiche
dem 1ngeklagten unterstellte Einheite n haben bei ihnen mitge­
wir kt.
Die Bewe isaufnahme hat auch ergeben, daß i n vi elen Fällen
Befehle erlassen worde n si nd, die naturgemäß zu derartigen
St raftate n seiner Untergebenen führen mußten. Aus ihrer Zahl
zitiere n wir ei nen OKW- Befehl vom 1 6. September 1942, de n der
Angeklagte zur Kenntnisnahme und wei teren Veranlassung ver­
teilt hat . . . . In diesem Befe hl ist weiter gesagt :
' Wenn dieser Kampf gege·n die Banden sowohl im Oste n wie
auf dem Balkan nicht mit den allerbrutalsten Mi ttel n geführt wird,
so reic hen in absehbarer Zeit die verfügbaren Kräfte nicht mehr
aus, um dieser Pe st Her z u werde n.
Die Truppe ist daher berechtigt und verpflichtet , in diesem
Kampf ohne Einsc hänkung auch gegen Fraue n und Kinder j edes
Mi ttel anzuwenden, wenn es nur zum Erfolg führt. '
.. . . Am 7. August 1 94 1 erhielt Salmuths XXX. Korps vom
AOK 11 ei nen OKH Befehl vom 25. Jul i 194 1 über die Be hand­
lung von fei ndlichen Zivilpersonen und Kriegsgefangene n. Diesen
Befeh verteilte der Angeklagte nach vorn bi s zu den Bataill onen
sei nes Korps. Die hier wesentlichen Besti mmungen l auten folgen­
dermaßen:
' Angiffe und Gewalttaten aller Art gegen Personen und
Sac hen, auch all e Versuche, sind rücksichtsl os mit der Waffe bis
zur Vernichtung des Gegners niederzukmpfen . . . .
Angiffe und Tätlichkeiten gegen di e von uns z ur Arbeit ( z. B.
Straenbau, Landwirtschaft , gewerbl ic he Betri ebe, Fabriken) ein­
gesetzten Landeseinwohner und gegen das Aufsichtspersonal sind
Angiffe gegen die Besatz ungsmacht und entsprechend zu
ahnden. '
Das erwähnte und weiteres zu diesem Punkt vorgelege Beweis­
material bescheibt die Anwendung der rücksichtslosen Kollektiv­
und Terrormaßnahmen gegen die Zivilbevölkerung . . . .
Am 2. August 1 94 1 zeigte eine ukrainische Frau eine geheime
Ver smmlung von ungefähr 50 ortsansässigen Juden und Bol sche­
wisten an . . . .
' Auf Grund dieser Angabe wurde sofort das i n Olschanka
befindl i che SS- Einsatz kommando Xa verständigt und gebeten,
sofort eine Abteilung nach Kodyma in Marsch z u setzen . . . .
I nsgesamt wurden 400 männliche Personen fe stgenommen,
mei stens Juden, die dann auf dem Marktplatz in Kodyma einem
Verhör unterzoge n wurde n . . . . .
Von den 400 Per sone n ware n 98 nachweisbar aktive Ange­
hörige der kommunistisc hen Partei ( Funktionäre u. ä. ) bzw. einer
Teina hme an den verübten Anschlägen dri ngend verdächtig. Bei
den übrigen 300 Personen handel t es si ch zum goßen Tei l um
asoziale El eme nte jüdi scher Rasse. Di e ersteren 98 Personen
wurden nach nochmalige r kurzer Oberprüfung und Verhör auf
Anordnung des SS- Hauptsturmführers Prast außerhalb des Orte s
erschossen. '
Der Angeklagt e hat als Zeuge in eigener Sache sei ne Teilnahme
an die sem Vorfall bestr itten und behauptet, er hätte erst nac hträg­
l i ch davon erfahren . . . .
Wie die Akten ferer ergeben, hat der Ange klagte nach der hi er
beschriebenen Hi nric htung, also am Abend des I . August und
zwar vor 8. 30 Uhr, eine Bekanntmachung an die Bevöl kerung von
Kodyma erlassen, die folgendermaßen l aute t :
'1.) Am heutigen Tage wurde ei ne Anzah vo n Personen
erschossen, weil dem deutsc he n Kommando bekannt geworden
war, daß sie hei mlic he Anschläge gegen die i m Ort l i egende
Truppe der deutschen Wehrmacht vorbereitet hatten.
2. ) Darüber hinaus wurde eine wei tere Anzahl Personen als
Geiseln festgenommen und i n das Gefangenenlager gebracht.
Diesen wird nichts geschehen, wenn di e Bevölkerung der Stadt
sich gegenüber den hier l iegende n Truppente ile n und den deut·
schen Soldaten gegenüber ruhig und loyal verhält . . . . '
Sel bst wenn wi den recht fadenschei nigen Vorwand al s wahr
hinne hmen, daß ei n paar J uden i n Kodyma ei nen Angriff gegen
di e Wehrmac ht geplant hatten, so bl eibt i mmer noch di e er·
wi esene Tatsache , daß die Hi nri chtungen wei t über die Bestrafung
der an einer solchen Versc hwörung bete iligten Personen hinaus­
gingen und daß es si ch in Wahrhei t um ei ne Mordakti on gehandelt
hat ; das erkennende Gericht kommt auf Grund dieser Urkunde n
und andere m vorgelegten Bewei smaterial z u der Feststellung, daß
der Angeklagte diese Straftaten geduldet und gebill igt hat.
Zweifellos muß von diesem Tag an der Angeklagte von der
Mordtätigkeit der Sipo und des SO Kenntnis gehabt haben. Wenn
er später Kriegsgefangene und Zivilpersonen an di ese Organi­
satione n überstell t e, dann gesc hah das in Kenntnis des Schic ksal s,
das si e erwartete. Wenn Operati onen di eser Ei nheite n i n sei nem
Gebi et stattfanden, dann wußte der Angeklagte, daß Morde verübt
wurden.
Ni c htsdestoweniger hat er am 7.
August den OKH- Befehl vom 25.
Juni 1 94 1 weitergel eitet, in dem
besti mmt war:
' Verdächtige Ele mente , denen
zwar ei ne schwere Straftat nicht
nachgewiese n werden kann, die aber
hi nsic htlic h Gesi nnung und Hal tung
gefährli ch er sc hei nen, si nd an die
Einsatzgruppen bzw. Kommandos
der SP ( SD) abzugeben. Das Umher­
zi ehen von Zivilpersonen ohne Pas·
siersc hei n ist zu unterbi nden. '
. . . . Aus den Akten ergi bt si ch
ni cht, i n welchen Örtli chkei ten und
i n wel chem Ausmaß die Hi nri chtun·
gn stattgefunden haben, di e auf
Grund di eses Programmes i n dem
erwähnten Gebiet durchgeführt wur·
den, aber die Zusammenarbei t des
Ange klagte n mit den Ei nsatzgrup­
pen in Kenntnis ihrer mörderischen
Tätigkei t i st durch die Akten ei n­
de uti g erwiesen.
Am 24. Mai verteilte der Ange klagt e, der damals den Ober·
befehl über die l 7. Armee hatte , ei nen Befehl an die i hm
unterstellten Ei nhei ten, der di e Mel depfl i cht aller Bürger mi t
Ausnahme der .J uden, Ausländer, Rotarmi sten und besti mmter
anderer Klassen anordnete und di e folgende Besti mmung enthiel t :
' Quarti ergeber, die ohne di e Beschei nigung, oder mi t ei ner
gefäl sc hten Be sc heinigung neu Zugerei sten ( auch Familienange­
hörigen) Quartier geben, werden ebenso erschossen, wi e di e­
jenigen Persone n, welc he in einem Orte Quarti er nehmen ( s ic h
über Nac ht versteckt aufhalten) , o hne si ch die sc hri ftl iche Erlaub­
ni s des Bürgermeisters zu besorgen. '
Mit anderen Worten : der Befehl e nthielt die Besti mmung, daß
gewisse Zivilpersone n l istenmäßig zu er fassen sei en, und daß
andere, darunter die Juden, bei der Erfassung auszuschl i eßen
seien; di es sollten dann offensi chtlic h mit der Begründung er·
schossen werden, daß sie sie h nie ht im Bes itz des Auswei ses
befanden, de n man i hne n vore nthalten hatte.
Aus den hi er angeführten Gründe n sprechen wi den Ange­
klagten in Punkt Zwei und Drei der Anklageschrift schul di g.
General oberst Kar l Hol l i dt
Karl Hol l i dt wrde am 28. April 1 89 1 i n Speyer am Rhei n
gebore n. . . . I m ersten Wel tkri eg war er Frontsoldat und wurde
ver wundet. Nac h de m e rste n Wel tkr ieg di ente er beim Frei korps
und wurde später als Hauptmann i n die Rei c hswehr überno mmen.
. . I m Nove mber 1 940 erhielt er den Befe hl über die 50.
Infanterie- Di vi sion. Er nahm an der Invasion von Gri echenl and
teil und machte später, von Rumäni en aus, de n Ei nmarsch nach
Rußland mit. Im Februar 1 942 wurde er zum General der
I nfanterie befördert und erhi elt den Oberhefe hl über das XVII .
Korps der 6. Armee. I m Januar 1 943 wurde er zum Befehlshaber
der Armeeabt eil ung Hollidt ernannt, di e später unter sei nem
Kommando i n die 6. Armee umgewandelt wurde. I m Februar
1 943 wurde er Generaloberst . Im April 1 944 wurde er sei nes
Befehls ent hoben und i n den Ruhestand versetzt . . . .
Was di e Verantwortl ic hkei t des Angeklagten für di e Hand­
l ungen der Ge hei men Fel dpoli zei betrifft , so haben die i n Bezug
5. August 1944: Untergang der "Mefkure"
mit 300 j üdi scen Flüctli ngen. An di esem Tag
peilte die deutsce Peilstelle Pomorie das so·
wjetische U-Boot SC-215 an: der Peilstrahl scnitt
genau die Stelle, on der sic die .,Mefkure"
befand.
Untergang der ,.Struma"
Flüchtl i ngen. Zu di esem Zeit­
keine vol l seefähi gen deutscen
im Schwarzen Meer.
M E E
genommenen Urkunden ni cht ergeben, daß er nach dem Völ ker­
re cht in di esem Punkt strafbar i st.
Nach unserer Ansic ht i st nic ht erwi esen, daß die SO- Akt i onen
bei der 8. Armee über re chtl ic h zulässige Pol i zei- Maßnahmen
gegen di e Freischärlerei i n dem von dem Angekl agten befehli gten
Gebi et hi nausgegangen si nd.
Aus den angeführten Gründen i st der Angeklage strafrechtl i ch
verantwortl i ch für den verbotswi drigen Ei nsatz und di e rechts­
widrige Deportati on von Zivi lper sonen. Er wird daher in di esen
Fäll en der Punkte Zwei und Drei der Ankl agesc hrift schuldi g
gesprochen,
1 7
Genera l Ka rl vo n Roqu es
Der Angeklagte Kar! von Roques wurde am 7. Mai 1 880
geboren. Währe nd des ersten Weltkrieges war er General stabs­
offiz ier, und blieb nach de m Kriege bei der Rei chswehr . . . . Von
Mitte März 1 94 1 bi s zum 1 5. Juni 1 942 war er Befe hl shaber des
rüc kwärt ige n Gebietes der Heeresgruppe Süd . . . . Ende J ul i 1 942
wurde er zum Befehl shaber des rückwärtigen Gebiete s der Heeres­
gruppe A ( Kaukasus ) ernannt . . . .
I m Urteil des Tribunals No. 5, Fall No. 7, US, gegen Wilhelm
Li st und andere , ist die Verantwortung, welche mit dem Besi tz
der Vollz ugsgewalt zusammenhängt , besonders treffe nd wie folgt
beschrieben: ' Diese Pflicht erstrec ke sich ni cht allein auf die
Einwohner des besetz ten Gebi etes, sondern auch auf seine ei genen
Truppen und Hilfstruppen. Es kann de m kommandierenden Gene­
ral eines besetzten Gebiete s, de sowohl die vollziehende Gewal t
al s auc h de n mi li täri schen Obebefehl hat , ni cht erlaubt werden
zu erklären, daß eine Einheit, die ungesetzliche Befehle von j e­
mand anderem as ihm selbst entgegennimmt , für das Verbrechen
verantwortl ic h war und daß er aus diesem Grunde von der
Verantwortli chkei t befre it ist. Es wird hier z. B. behauptet, daß
gewisse SS- Ei nhei ten unter dem dire kten Befehl von He inri ch
Hi mmler besti mmte hi er zur Last gelegte Grausmkeite n be­
gingen, ohne Ke nntni s, Erlaubnis oder Billigung dieser Ange­
klagten. Dies kann j edoch kein Verte idigunggund für de n kom­
mandierende n General ei nes besetzten Gebi etes sei n. Die Pflicht
und Verantwortlichkeit für die Aufrechterhal tung von Ruhe und
Ordnung und di e Verhütung von Verbrechen obl i egen dem kom­
mandi ere nden General. Er kann offensichtliche Tatbestände nicht
unbeobachtet lassen und Unwissenhei t al s Verte idigung anführen.
Die Beweisaufnahme hat ergeben, daß der Angeklagte Befehl e
elassen hat, die zur Begehung von Straftaten durch die ihm
unterst ellte n Truppen und durch Di enststellen in seinem Gebiet
fhrten, durch die die gundlegende n Verpfl i chtungen verletzt
wurden, welche der mit Be fehl sgewalt und Vollz ugsgewalt ausge­
statte te Befehlshaber ei ner Besatzungsarmee den Kriegsge­
fangenen und der Zivi lbevölkerung gegenübe hat ; es ist weiter
erwiese n, daß der Angeklagte von solchen Straftate n gewußt, sie
gebilligt und geduldet hat.
I . Der Kommi ssarbefehL
Wir haben di esen Befe hl bere its als rechtswidrig erklärt und
brauchen uns daher in di esem Zusammenhang nicht wei ter auf ihn
ei nlassen . . . .
Ei n Fernsc hrei ben vom 25. Jul i 1 94 1 von Roque s' rück­
wärtigem Heeesgebi et an die Si c herungsdivisio n No. 2 1 3 bestätigt
die Ankunft ei ner SS- Brigade am 24. J ul i und stel l t fe st, daß sie
vom 26. J uli bis 2 8. J uli zum Ei nsatz kommen sollt e. Zu
derselbe n Zei t, am 2 5. Juli 1 94 1 , erließ Jec kel n, der Befe hlshaber
der SS- Brigade ei nen Befehl für ei ne Säuberungsakti on, i n wel­
cher Städte und Ortsc haften erwähnt si nd, welc he nach den
Gefechtskarten vom 20. J ul i und 5. August 1 94 1 währe nd dieser
ganzen Ze it in von Roques' rüc kwärtigem He eresgebi et lagen . . . .
Sechs Tage später erstattete derselbe SS- und Poli zeiführer
Jeckei n den folgenden Bericht :
• 1 . ) Auf Anforderung des Ge neralfeldmarsc halls von Reichenau
hat der Rei c hsführer- SS die 1 . SS- Brigade zu einer Säuberungs­
akti on im rückwärtigen Armee- bzw. Heeresgebi et zur Verfügung
gestellt.
Di e Durc hführung dieser Akti on im Raume Zwiahel , Slucz-Tal,
Nw. Mi ropol , Szepetowka, Zaslaw, Ostrog, Horyn-Tal, Hoszeza
1 8
efolgte gemäß den Weisungen des Chefs des Stabes A. O. K. 6 und
im Ei nvernehmen mit dem Befehl shaber des rückw. Armee­
gebietes, Generalleutnant von Putkammer und de m Befehlshaber
des rückw. Heeresgebietes , General von Ro ques.
2. ) Di e mir unterstellten Verbände hatten, �oweit sie für di e
Akti on zur Verfügung standen, den Auftrag:
Festnahme bz w. Vernichtung von
a) Restteilen der 1 24. sowj etischen Schütze ndivision
b) bewaffneten Banden
c ) Freischärlern
d) Personen, di e dem bolschewisti sche n System Vorschub
geleistet haben . . . .
9. ) I nsgesamt wurden gefangengenommen:
1 3 .� Sol daten ukrai ni�cher Volkszuge hörigkeit, abgegeben an
Dulag, ( Durchgangslager)
ersc hossen:
3 7 r ussische Sol dat en ( Freischärler)
1 65 Funktionäre und sonstige Personen, di e dem bolschewisti­
schen System erhebl i chen Vorschub geleiste t haben, darunter 4
Frauen.
1 658 J uden, die dem bolschewisti schen System erheblichen
Vorschub gel eistet haben und Ukrainer den bolschewisti schen
Machthabern auslieferten. '
Hieraus geht klar hervor, daß von Roques' Heere sgruppe Süd
von diesem Einsatz Ke nntnis hatte, ihn i n sei nem Gebiet zul ieß
und nach seiner Beendigung eine 1el dung darüber erhalten hat .
Wi r wissen, daß 7 3 russi sche Sol daten als Partisanen er schossen
worde n sind, fer ner 1 65 Funktionäre und 1 658 Juden. Nach
Wortlaut der Mel dung handelt es sich bei diesen 1 896 Hinrich­
tungn offensi chtl i ch um Verstöße gegen das Völkerrecht. Von
Roques behauptet, daß für diese Erschießung ni cht er , sondern
Reichenau di e Verantwortung trage, j edoch ist ein großer Tei l der
Hi nrichtungen in dem ihm unterste hende n Gebiet ausgeführt
worden. Er gibt zu, daß er di e SS- Brigade untergebracht, und daß
sein Stabsc hef ihm über die vollendete Tatsache berichtet hat. Auf
jeden Fal l konnte Roques nac h dem 1. August 1 94 1 ni emal s
behaupten, er habe keine Kenntnis davon gehabt, daß es die
Aufgabe der SS und des SD war, Kommissare und Juden auszu­
rotten.
Aus einem Bericht des Chefs der Sicherheitspolize i und des SD
vom 1 7. J uli 1 942 geht hevor, daß der SD i n Wladi mir -Wol nysk
36 Kommissare aus ei nem russ ischen Offizierslager und 76 rus­
sisch-jüdische Offiziere, di e einen Fl uchtver such geplant hatten,
der Sonderbehandlung zugeführt hat . . . .
Ei n Tätigkeitsbericht der 454. Sicherungsdivision für No­
vember 1 94 1 besagt, daß 24 Politruks und Beamte des NKWD
wegen illegaler Betätigung erschossen worden waren.
Am 24. August 1 941 , nur 24 Tage nac h dem obenerwähnte n
Massenmord an J uden und Fun ktionären, unterzei chnete von
Roques ei nen Befe hl , in de m er anordnete, daß der SD sich an der
Sichtung von Kriegsgefangene n zum Zwecke der Aussonderung
etwaiger unerwünsc hter Ele mente beteiligen sollte. Dieser Befehl
befaßte sic h mi t Richtlinien für die Partisanenbekämpfung . . . .
Der Name des Befehls habers des rückwärtigen Heere sgebiete s,
Heeresguppe Süd, des Ange klagten von Roques, erscheint als
vierter auf dem Verteiler des OKH- Befe hles, mit dem wir uns nun
befassen müssen. Dieser Befehl vom 7. Oktober 1 94 1 sieht ganz
klar vor, daß der SD die Lager in den rückwärtigen Heere sgebi eten
betreten solle, und darüber, was mit de njenigen Personen ge­
schehen sollte, welche der SD aussonderte und aus den Lager n
entfernte, können nic ht die lei sesten Zweifel bestehen. Der Befehl
enthielt unte anderem die folgenden Sätze:
' In den Dulags der rückwätigen Heeresgebiete werden zur
Aussonderung untragbarer Elemente Sonderkommando s der
Sicherheitspolizei u. d. SD in eigener Verantwortlic hkei t nach
anliegenden Ric htl i ni en eingesetzt werden . . . .
b) Der Ei nsatz der Sonderko mmandos ist i m Einvernehmen
mit den Befehlshaber de s rückwärtigen Heeresgebietes ( Kriegs­
gefangene nbezir ks- Kommandanten) so zu regeln, daß die Aus­
sonderung möglic hst unauffällig vorgenommen und die Liquidie­
rung ohne Verzug und soweit absei ts von den Dulags und von
Ortsc haften durchgeführt werden, daß sie den sonstigen Kriegs­
gfangenen und der Bevölker ung nic ht bekannt werden . . . .
d) I n solc hen Dulags de s rückwärtigen Heeresgebi etes, i n denen
eine Aussonderung durc h die Sonderkommandos noch nicht
erfolgen konnte, i s t unter Verantwortung der Kommandanten
nach den bi sherigen Besti mmungen zu verfahren. Mi t Ei ntre ffen
der Sonderkommandos ist die Aussonderung untragbarer El emen­
te ausschließlic h deren Aufgbe. Gemeinsam durc hgeführt e Aus­
sonderungen usw. haben z u unterbleiben.
3. Eine sc hriftlic he - auch ausz ugsweise - Wei tergabe dieses
Befehl s hat zu unterbleiben. Die Bekanntgabe an die Kgf. Bez.
Kommandanten und Kommandnten der Dulags hat mündlic h zu
efolgen.
'
Wie aus diesem Befe hl selbst ganz klar hervorgeht, wurde er für
so be stialisch gehal ten, daß nur die unmittelbaren Empfänger i hn
l esen durften, und zu diesen gehörte der Angeklagte von Roques.
Ob Roques diesen Befehl tatsächlich zu Augen bekommen hat,
ist unerheblic h, da diese Aktionen i n den Lagern, die seiner
Gerichtsbarkeit und Kontrolle unterstanden, von dem SD, der
diese Lager nur mit seiner Erlaubni s betreten durfte, nach den
Grundsätzen des Befehls ausgeführt wurden.
Aus ei nem Bericht des Dirktors
der Feldpolize i beim Korueck 1 03 ,
der von Roques unterstand, geht
hervor, daß 49 Fallschirmjäger als
Guerillas ersc hossen worden sind.
Das Kriegstagebuch der 444.
Sic her hei tsdivision enthält unter
de m Datum des 21 . März 1 942, also
zu einem Zeitpunkt, an welchem
di ese Division nach der Krieggliede­
rung von Roques unterstellt war,
eine n Bericht über die Erschießung
von ' 9 Fallschi rmjägern und Sabo­
teuren ' durch die Feldpolizei.
Ein Bericht der Ei nsatztr uppe
vom 1 2. November 1 94 1 enthält die
folgenden Sätze :
' I n dr Summe der in der zwei­
ten Hälfte des Monats Oktober
1 941 bis zum Beric htstage durch
das Sonderkommando 4a Exe­
kutierten sind wiederum neben
Infanterie- Divi sion vo m 1 8. Okto her 1 94 1 . Di eser Bericht enthält
die folgenden Sätze :
' Gefangene nabschub verläuft unter höchster Anspannung der
Kräfte befe hl sgemäß. Wider setzlic hkeit , Fluchtversuch und Ent ­
kräftung der Gefangenen ersc hweren Marsc h sehr. I nfolge Er­
schießung und Erschöpfung berei ts über 1 . 000 Tote . In Alexan­
drija von Dulag 1 8 2 bisher für Dauer unterkunft vo n 20. 000 nicht s
geschehen. Nowoukrainka angeblic h nur fiir 1 0. 000. ' . . .
Der folgende Absatz, aus dem die allgemei nen Ver hält nisse im
rückwärti gen Gebi et der Heeresgruppe Süd hervorgehen, i st dem
Bericht der Armee von Roques an das OKH vom 20. Dezember
1 94 1 entnommen; Zitat :
' Kriegsgefangene.
Das Massensterben der unterernährten Kgf. in den Dulags
erregt zunehmend unliebsame Aufmerksmkei t in der Bevölke­
rung. Die Masse der Kgf. ist aus Ent kräft ung arbei tsunfähig. ' . . .
Di e Beweisaufnahme hat ergebe n, daß vieie, ja die Mehrzahl
di eser Kriegsgefangenen in den Schl achten von Kiew und Uman
gefangengenommen worden waen, die Mitte Septe mber statt­
gfunden hatten. Dies war nur 6 Woche n, bevor von Roques das
Gebiet zeitweil ig verließ ; Zustände wie die oben besc hri ebenen
hätten während de s einen Monats sei ner Abwesenhei t unmöglic h
einreißen können, wenn für die Kriegsgefangenen richtig gesorgt
worden wäre. All dies geschah in dem Gebi et, wel ches von Roque
befe hl igte, und beweist grobe Nachlässigkeit in der Ausführung
der vom Völkerrecht auferlegten Pflichten, wie si e in der Genfer
und Haager Konve nti on festgelegt s ind . . . .
ei ner relativ geringen Anzahl von
poli tisc hen Funktionärn, aktiven
Kommunisten, Sabote uren usw. in
erst er Linie Juden, und hier wieder
ein großer Teil von durch die Wehr­
macht überstell ten jüdisc hen Kriegs­
gefangnen enthalten.
Postkarte ei nes i m Arbei tsl ager Li ebenau ( Süddeutschl and) i nter ni erten pol ni shen
Juden an den Kai rektor des Ge nfer Pal ästi nabüros; der Absender bi ttet um di e Aus­
stel l ung ei nes Pal äst i na- Zerti fi kats für sei ne vi erj äh ri g Tohter, deren Fotografi e er
auf di e Rücksei te der Karte gekl ebt hatte. Di e Karte trägt sowohl den Stempel der
Lagerverwal tung al s auch den des deutschen Zensors. ¬ Quel l e : Mart i n Gi l bert
YYY##YY#Y#Y##YY#YYYYY#YYY##Y##YYYYYYYY#Y#Y##YW#Y##YYYYY ÝYYY YYYYYYYYYY^Y#YYY#
^
In Borispol wurden auf Anforderung des Kommandan­
ten der dort igen Kriegsgefangene nlager durch einen Zug des
Sonderkommandos 4a am 1 4. 1 0. 41 = 7 52 und am 1 8. 1 0. 4 1 =35 7
jüdische Kriegsgefange ne , darunter ei nige Kommissare und 7 8
vom Lagerarzt übrgebne j üdi sche Verwundete ersc hossen' . . .
Ei n wei t erer Fall der Ermordung von Kri egsgefa ngenen ist aus
ei ne m Fernschreiben ersic htlich, das von Ro ques zugestandener­
maen gele sen hat. Es handel t si ch um einen Beric ht der 24.
I n e inem Bericht des Sanitätsoffi z iers beim Befe hlshaber des
rückwärtigen Heeresgbietes, Heeresgruppe Süd , über eine Be­
sic htigung des Kriegsgefangenenlazaret t es und der Kriegsge­
fange ne nl ager de s Dulag 20.1 findet sic h die Fest stel lung, daß ' die
sanitären Verhältnisse in den Lage rn unmöglic h' sei en und ' die
Kriegsgefangenen sich in ei nem fortgesc hri t t enen St adi um des
Verhungerns' befände n.
Ein Bericht de s Kommandeurs des rückwärt ige n He eres-
1 9
gebietes, Heere sgruppe Süd, an de n General- Quartiermeister des
OKH, der von Roque s gegengeze ic hnet ist und das Datum 1 6.
Januar 1 942 trägt, erwähnt, daß sic h am 1 3. Januar 1 942 in de n
Lagern 46. 3 7 1 Kriegsgefangene befanden. Der Mangel an
Nahrungsmitteln wird be sonders hervorgehoben, und dann heißt
es :
' Bis zum 1 . Apr il wird also voraussic htlich durch die große
Sterblichkeit ein Abgang von c a. 1 5. 000 Kgf. hierdurch eintrete n. '
Der Beric ht, welcher von dem Chef des Generalstabes des
rückwärtigen Heeresgebietes der Heeresguppe Süd unterzeic hnet
ist, schließt mit der folgende n Feststell ung:
' Es besteht gar kei n Zweifel, daß vorerst so gut wie voll ständig
auf den Arbe itseinsatz der noch vorhandenen Kgf. verzic htet
werden muß. Nur dadurch, unter gl eic hze itiger Verbesserung der
Ernährung, wird es möglich sein, wenigstens einen Teil der i n den
Kgf. l iegenden großen Arbei tskraft zu erhalten. Andere nfalls muß
damit gerechnet werden, daß die j etzt noch im Gebiet des Bfh.
rückw. H. Geb/ Süd untergebrachten rund 46. 000 Gefangenen in
wenigen Monaten durc h Tod und Krankheiten sich von selbst
aufgelöst habe n. ' . . .
Ei n Befehl der 2 1 3. Si cherheitsdivi si on vom 22. August 1 941
enthiel t die folgenden Sätze :
' Zivilpersonen, die hinreic hend der Spionage, Sabotage oder
des Partisane nturs verdäc htig sind, sind nac h Vernehmung durch
G. F. P. zu erschießen. Ortsfremde, die nicht glaubwüdig ihre n
Aufenthaltsort nachwe isen können, sind, wenn mögli ch, an die
SO- Kommandos ei nzuliefern. Knabe n und j unge Mädchen, die
vom Gegne r mit Vorlieb angesetzt werden, sind nic ht ausz u­
nehmen. '
Um si ch von de m Ei fer s einer Division bei der Durchführung
de s Barbarossa- Gerichtsbarkeitsbe fehl s nic ht i n den Schatte n
stell en zu lassen, erließ Roque s selbst am 23. August 1 9 41 ei nen
Befehl, de die folgenden Sätze enthält :
' Werden dann noch Waffen gefunden, so sind die Schul digen
nach den gegebenen Ric htlinien wegen Freischärlerei mit dem
Tode zu bestrafe n. I st di e Beteiligung weiterer Krei se der Be­
völ kerung wahscheinlich, oder handelt es si ch um Waffenlager, so
i st auf Befe h ei nes Offiz iers in der Di enststellung mindestens
eines Batl. Kdrs. di e Durc hführung koll ektive Strafmanahmen
anzuordnen, z. B. Massenexekutionen ode r das teilweise oder
ganze Niederbrennen von Dörfern, l etzteres kommt j e doch nur in
Frage, wenn die Unterbringungsmöglichkeit der Tmppe nicht
beeinträchtigt wird. Die Sicherheit der Truppe verlangt von j edem
Vorge setzte n bei der Eigenart der russischen Verhäl tnisse rück­
sichtsl oses Vorgehen. Die Durchführung kollektiver Strafmaß­
nahmen ist als besonderes Vorkommnis tägl i ch mit der Abend­
meldung zu mel den. ' . . .
Wi r habe n bereits allgemei n ausgeführt, daß die sogenannt en
Geisel- und Vergel tungs befehl e und die damtt in Zusammenhang
ste henden Ermordungen i Wahrheit nichts sind als
T
eror­
Drohungen und Teror- Morde. Am 1 . Oktober 1 94 1 erhielt
Roques ei nen Befehl von der Heeresguppe Süd, den er auch
gel esen hat, denn er hat ihn abgezeichnet ; es heißt dor:
' 1 . ) Fe stnahme von Geiseln und aller nicht ortsansässigen
Männer in allen an Strec ke Kaziatin- Fastow- Smela-Krementschug
-Alexandrij a- Dnjepropetrowsk liegenden Ortschaft en.
2. ) Aufhängen von Geisel n am Bahngelände bei neuen Sabo­
tagekten.
3. ) Bei weiteren Sabotageakten restl ose Räumung einer
Strecke von 1 - 2 km Breite bei desei ts der Bahnstrecke und
Schießen auf alle di e si ch de m Bahnkörper nähernde n Zivil­
personen. ' . . . .
I n den hier erörter ten Fällen spreche n wir auf Grund des
Ergebnisses der Beweisaufnahme den Angeklagten von Roque s
schuldig i m Sinne der Anklagepunkte Zwei und Drei der Anklage­
schrift . . . .
20
General der I nfanteri e Hermann Re i necke
Hermann Reinecke wurde am 1 4. Februar 1 8 88 in Witte nberg
gboren. Er war Berufsoffizi er im deutschen Heer. . . . Nach
Kriegsende hatte er verschiedene Stellungen inne, bis er im Jahre
1 938 zum Chef der neugebil deten Amtsgruppe Allgemeine Wehr­
machtsangelegenheiten { AWA) ernannt wurde. 1 939 wurde diese
Gruppe umbenannt in Allgemeines Wehrmac htsamt {AWA) , und
Reinecke wurde Amtschef und behielt diese Stellung bis Kriegs­
ende bei.
1 93 8 wurde er zum General major, 1 940 z um Generalleutnant
und 1 942 zum General der Infanterie befördert.
Zusätzlich zu sei ner Stel l ung als Chef des AWA wurde er im
Dezember 1 943 durch ei nen Führerbefehl zum Cehf de s
NS- Führungsstabes im OKW erannt . . . .
Ei n weiterer von Reinecke unterzeichneter Erlaß stammt vom
Juni 1 942. Der Erlaß bezei chnet sich al s ' Richtlinien für Kom­
missare und Politruks' und bestimmte die ' Beseitigung' der Kom­
missare und Politruks inner halb des General- Gouvernements. Er
be stimmte ferner :
' I m Gen. Gouv. geschi eht die Aussonderung weiterhin durch
die Sicherheitspolize i nach den i n der Verügung Az. 2f 24 7 3
AWA/Kriegsgef. Allg. { Ia) Nr. 389/ 42 g. vom 24. 3. 42 gegebenen
Anweisungen. Die von den S. D. Kommiss i onen Ausgesuchten
werden künftig i n hierfür besonders vorbereite te Lager der Sicher­
heitspolizei i ns Gen. Gouv. oder ins Reich überführt und bleiben
dor in Verahrung. Sonderbehandlung wie bisher finde t nicht
mehr statt, es sei denn, daß es sich um Leute handelt, de nen eine
strafbare Handlung, wie Mord, Menschenfre sserei und dgl . nac hge­
wiesen ist.
Zur schnelleren Durchführung wir d die Sicher heitspolizei ihre
Ei nsatz kommandos im Gen. Gouv. verstärken. '
Hier findet sich der Ausduck ' Sonderbehandlung' , und es
ergibt sich, daß dieser Ausdruck ei ndeutig die Liquidierung
bedeutet. Ferer hat die Aussage viel er Zeugen, darunter die des
Angeklagen selbst, zweifel sfrei erwiesen, daß der Angeklagte das
von der SIPO und dem SD gegen die ihm unterstel l ten Kriegs
gfangenen durchgeführte Aussonderungs- und Liquidati ons­
Programm gekannt, gebil igt und durc h eige ne Handlungen unter­
stützt hat. Das vorliegende Beweismaterial ergibt weiter, daß die
Aussonder ung und Liquidierung si ch ni cht auf poli tische Kom­
missare beschränkt, sondern viele andere Gruppen von Kri egs­
gefangenen einschließlich der Juden umfaßte . . .
Es bleibt die Tatsache, und es ist klar erwiesen, daß der
Angklagte ein aktiver Teilnehmer bei diesem Programm der
Aussonderung und rechtswidrigen Liquidation der i hm unter­
st ellten Kriegsgefangenen gewesen ist, daß er gewußt hat, daß die
den Polizeiorganen über stellten Kriegsgefangenen beseitigt werde n
sollte n, und daß er Vorkehrungen für die Obestellung an solche
Organe zu diesem Zwecke getroffen hat. . .
General der Artille ri e Walter Warli mont
Wal ter Warli mont wurde am 3. Oktober 1894 geboren. Er
machte den ersten Wel tkrieg als Front offi zi er bei der Artillerie
mit . . . .
Am 10. November 1938 wurde er zum Chef der Abteilung
Landesverteidigung ernannt und hatte gleichzeitig · den Che des
Wehrmachtführungstabes, ei ner kurz z uvor errichteten Abteilung,
zu vertreten . . . .
Am 1. Juli 1942 wurde Warl i mont z um Generalleutnant, am 1.
April zum General der Artillerie befördert.
Am 6. J uni 1941 ging der sogenannte Kommissarbefe hl an
OKH, OKL, OKM und andee Dienststellen mit dem Ersuchen,
den Befehl nur bis zu den Kommandeure n der Armeen und
Luftflotte n zu verteilen und di e anderen Kommandeure und
Stabschefs mündl ic h z u unterrichte n. Das Begl ei tschreiben ist von
dem Angeklagten, Generalmaj or Walter Wali mont, unterzeichnet.
Am 8. J uni wurde dieser Befehl durch von Brauchitsch mit
einigen Zusätzen verteilt, die folge ndermaßen l auten:
' Zu I Zi ffer 1:
Das Vorgehe n gegen ei nen politischen Kommissar muß zur
Voraussetzung habe n, daß der Betreffende durch eine be sonders
erkennbare Handlung oder Haltung sich gegen die deutsche
Wehrmacht stellt oder stell en wil l .
Zu I Zifer 2:
Di e Erledigung der politischen Kommissare bei der Truppe hat
nach ihrer Absonderung außerhalb der eigentlichen Kampfzone
unaufäll ig auf Befehl ei nes Offiziers z u erfolgen. '
Der Gedanke, Kriegsgefangene im Namen ei ner weltanschau­
lichen Kri egsführung zu er morden, stammte nic ht von Warl i mont.
Di e Beweisaufnahme hat j edoch ergebe n, daß er sein Teil dazu
bitrug, diesem Gedanken die endgültige Fassung zu geben.
Das Schriftstück wurde ' Auf Befehl ' unter seiner Unterschrift
verteilt. Es l iegen keine Anhaltspunkte dafür vor, daß Warl i monts
Beiträge die Härt e de s Befehls in irgendeiner Weise milderten. Der
Angeklagte ist nach unserer Oberzeugung der Teil nahme am
Entwurf di eses verbrecherischen Befehls schuldig. . . Der Ange­
klagte Warl i mont ist nach unserer Oberzeugung überführt, an dem
von den Führern des Dritte n Reichs entworfenen rechtswidrigen
Plan zur Förderung der Lynchj ustiz an alliierten Fl iegern mitge­
arbe itet und dieses verbrecherische Vorhaben in wesentli che n
Punkten gefördert z u habe n . . . .
Aus den Akten in diesem Falle geht auf Grund verschie dener
Mitteilungen, Berichte und Sitz ungsprotokoll e hervor, daß der
Angeklagte Warl i mont sehr gut über die verbrec herisc hen Pläne
des Dritten Re ic hes z ur Verschleppung der Zivilbevölkerung aus
den besetzten Gebieten und zu ihrer Verwendung für Sklaven­
abei t in Deutschland Bescheid gewußt hat. . . . Das Gericht
erklärt den Ange klagten der verbrecherischen Tei l nahme und
Mitwirkung an der Verschleppung und Versklavung von Zivil­
personen schuldig. . . Auf Grund der vorliegenden Akte n, die
Aufklärung geben über die Dienststellung des Angeklagten, seine
Mitabe iter, Vorgesetzte sowohl wie Untergebe ne , auf Grund der
vielseitigen Tätigkeit, über die er uns ber ichtet hat , und auf Grund
der uns vorliegenden Urkunden ist das Gericht zweifel sfrei davon
überzeugt , daß der Angeklagte Kenntnis hatte von dem Ver­
nichtungsprogramm, das von si nen Vorgesetzten und Mit­
arbeitern durchgefüht wrde. Es ist aber unmöglich, den genaue n
Zeitpunkt fe stzustellen, in dem er davon Kenntnis erhi el t; wir
kö nne n auch nicht aus dem uns vorliegenden Beweismaterial
zwe ifelsfre i feststellen, daß er wissentl ich mit der Durchfü hrung
des Vernic htungsprogramms in Verbindung stand oder daran
teil hatte.
Generalobest Otto Woehler
Otto Woehl er wurde am 12. Juli 1894 geboren. Er nahm als
Truppenführer am l . Weltkrieg teil und wurde drei mal ver wundet.
Nach dem Krieg wurde er Offiz ier i n der Rei chswt hr, dtm
Hunderttausend-Mann-Heer, und di ente in verschiedenen St el ·
I ungen bi s zum 1. April 1939, dann wurde er zum Stab de s vol
General Li st befehl igten Heeresgruppen-Kommandos 5 i n \ wn
ver setzt . .. .
I m Herbst 1940 wurde er versetzt und zum Stabschef dn
neuaufgestell ten 11. Armee ernannt. Am l . Mai 1942 wurde er
wieder versetzt und zum Stabschef de Heeresgruppe Mitte er­
nannt ; in dieser Stel l ung ver bl i eb er 10 Monate. Im März 1943
wurde er al s stellvertretender kommandiere ndtr General mit dem
Befehl des 1. Armee- Korps betraut, und später, am l . J uni 1943,
wurde er zum ko mmandierenden General dieses Korps ernannt.
Am 1. Juli 1943 übernahm er den Befe hl über das 2 6. Korps, den
er ungefähr bis z um 14. August 1943 behielt. Ungefähr um diese
Zeit wurde er zur Heeresgruppe Mitte versetzt und zum Befehls­
haber der Armeeabtei l ung Kempf ernannt, die nach dem 15.
August, als er de n Befehl übe rahm, manchmal Gruppe Woehler
genannt und sc hl i eßlich in die 8. Armee umgewandelt wurde.
Woehler war Oberbefe hl shabe r der 8. Armee bis zum Dezember
1944. Am 22. Deze mber wurde er zum Oberbde hlshaber der
He eresgruppe.
Aus dem z u di esem Punkt vorgelegten Beweismaterial ergibt
sic h, daß zu der Zeit , als Woehler Stabschef war, sogenannte
unerwünschte El emente , meistens Juden, im Befehlsbereich der
11. Armee ausgerottet worden si nd. Dieses Mordprogramm wurde
unter der Leitung von Ohl endorf durchgeführt, der in die sm
Verfahren als Zeuge für die Verteidigung aufgetreten ist. Di e Zahl
der in diesem Befehlsbere ich begangenen Morde betrug r und
90. 000 Männer, Frauen und Ki nder. Die Beweisaufnahme hat
ergeben, daß dieses Mordprogramm den Stabsoffi zieren unter
Woehl er wenigstens teilweise bekanntgewesn i st. Der Angeklagte
bestreitet, von diesem Programm Kenntnis gehabt zu haben . . . .
Ausführende Organe waren die Ei nsatzgruppen und Sonder­
kommandos der Sipo und des SD, die dieser Armee zugeteilt
waen und von der Armee untergebracht, verpfl egt und an ihre
Standort e gesandt wurden . . . .
Di e Akten ergebe n, daß der Angeklagte von der Ausrottungs­
tätigkei t dieser Einsatzgruppen- Ei nheite n Kenntnis gehabt hat . . . .
Generaloberstabsr i c hter Rudolf Lehma nn
Rudolf Lebmann wurde i m Jahre 1890 i n Posen geboren . . . .
Am 15. Jul i 1938 wurde er Chef der in den Urkunden als WR
bezeichneten Reichsabteilung des OKW, und diese Stellung be­
hielt er bis zur Kapitulation Deutschlands. Er bekleidete diese
Stel lung al s Beamter. Am 1. Mai 1944 erhielt er den mil i tärischen
Rang ei nes Generaloberstabsrichters . . . .
2. Der Barbarossa- Geric htsbarkeits- Befe hl.
In ei nem früheren Teil dieses Urteils haben wir die Frage der
Rechtmäßigkeit des Barbarossa- Geric htsbarkeits- Befehls erörtert
und si nd zu der Entscheidung gekommen, daß der Befehl rechts­
widrig war . . . . .
21
3. Der Kommando- Befehl . . .
Di e Straftat besteht i n der grundsätzl ic h unerläßl i chen Arbeit ,
di e ei n Stabsoffiz ier dadurch l ei stet, daß er das rechtswidrige
Ganze i n ei ne prakti sch wirksame Form gebracht hat.
Dies war ein rechtswidr iger Befehl, an dem der Ange klagte
Warl i mont , wie schon ausgeführt, in maßgebli cher We ise betei l i gt
war, und di e Täti gkei t des Angeklagten Lehmann war zum
größten Teil nur untergeordneter Natur. Der Angeklagte war si ch
über di e Rec htswidri gkei t di eses Befehl s völlig im Klaren . . . . .
' Terror kann nur mi t Gegenter ror begegnet werden, KriegS·
gericht surteile dagegen sc haffen Märtyrer und Nati onalhelden.
Wird deutsche Truppe oder ei nzel ner Soldat i n irgendei ner Form
angegri ffen, so ist der Führer der Truppe, bzw. ei nzel ner Sol dat
verpfli chtet , sofort von sic h aus selbständig Gegenmaßnahmen zu
treffe n, insbe sondere Terroriste n zu vernic hten. Werden nach
In dem kurz-bemessenen Platz, der uns im Hahmen
dieses Heftes zur Verfugung steht, haben wir es dennoch
fr notwendig erachtt, diese Auszüge aus den Gerichts­
begründungen des US- Militärgerichts im sog. OKW ­
Prozeß, Nürnberg 1948 wörtlich zu zitieren, obgleich
uns bewußt ist, daß diese Begründungen ohne Stellung­
nahme der Verteidigung nicht " die ganze Wahrheit"
aufzeigen bzw. di e einseitige Beureilung des Si egers
darstellen. Daher wäre zur Sache noch vielerlei festzu­
stellen, so z. B. daß
a) sich die Sowetunion unter Stalin nie an die Genfer
und Haager Völkerrechts- und Landkriegskonventionen
gebunden hat und in ihem Verhalten weitgehend, wenn
nicht sogar grundsätzlich von vomherein die Voraus-
Otto Ohl endor
2 2
Ansc hlägen Terroristen oder Sabote ure erst später ergriffe n, sind
sie dem SD zu überstel l en. '
Auf Grund di eser Anwei sung mac hte er si ch daran, di l r echt s­
widrigen Absi c hten sei ner Vorgesetzten in ei ne prakti sch wi rk­
same Form zu fassen, und das Ergebni s sei ner Bemühn ngen war
ofensi chtl i ch der von Hitler unterzeic hnrt e ferror- und Sabo­
tage- Erlaß vom 30. J uli 1 944. I m .\ ugust 1 944 wirkte Lehmann
ansc hei nend i n Zusammenarlei t mit der Qu- Ahteil ung des OKW,
bei dem Erl aß des Ergämng�befehl s mit , durch den der Gelt ungs­
berei ch des ursprün�: i chen Erlasses erwei tert wurde. Später hin
war er i n unter�eordneter Wei se sowohl an dem Befehl wie an de n
Ausführungsbesti mmungen bet ei li g.
Auf Grund des Ergebni sses der Beweisaufnahme ist der An­
ge klagte Lehmann in den erwähnte n Einzelfälle n nac h Punkt Zwei
n11d Drei der Anklageschrift sc huldig.
setzungen für die deutschen militärischen Reaktionen
geschaffen hat, wobei bestialische Verstümmel ungen und
Massenmor de an deutschen Kriegsgefangenen, ja selbst
an zivilen Landeseinwohnern - vor allem auch zu
Beginn des deutsch-sowj etischen Krieges - nahezu täg­
lich gemel det wur den,
b) das internationale Judentum als Kriegsteilnehmer
aufgetreten war,
c) das amer ikanische Militärgericht vielfach Sach­
verhalte für "erwiesen" unterstellt, die es lediglich
mittels eines Stücken Papier oder einer Zeugenaussage
zum "historischen Tatbestand" erklärte, wobei es weder
krminaltechnische Untrsuchungen über die Echtheit
solcher "Dokument" anstellte, noch sich sonderliche
Mühe gab, für Verhältnisse zu sorgen, die für unab­
hängi ge Zeugenaussagen unerläßlich gewesen wären, -
noch sonstige Nachprüfungen unternahm. wie sie bei den
hier anstehenden Fällen im Bereich der Tatorte not­
wendig gewesen wärn;
d) j ede Sieger macht über die Generale des besiegten
Gegners ein gleichartiges Anklage- und Urteils­
vokabularium vorlegen kann, wobei die Darstell ung
gegnerischer Taten bei Ausklammerung j ener der eigenen
Kriegsparei die totale Kulissenveränderng ermöglicht
und in jedem Fall geeignet ist, dem Zuhörer ein
Schaudern über den Rücken laufen zu lassen.
Dennoch sind diese Ausführungen des US- Militär­
gerichts außeror dentlich aufschlußreich: Nicht einmal
die Kenntnis von in die Zig-tausende gehenden Massen­
morde an Zivilisten bzw. "Massenmord aus rassischen
Motiven" ist einem der deutschen Generale nach­
gewiesen wor den, geschweige denn eine Mitwirkung an
solchen Vorhaben oder Befehlen! Jegliche Vorhalte be
ziehen sich auf konkrete Einzelfälle sogar mit spzi­
fischen Zahlen, die zwar - wie in dem einen Beispiel -
1. 896 (zweifellos erschreckend hoch, wenn man die
Begleitumstände nicht kennt) erfaßten, sich j edoch weit
von den unvorstellbaren Übersteiger ungen abheben, die
forwährend den Einsatzgruppen angelastet wer den.
Ve r n ehmu n g d e s Ob e r s t e n
S S= R ic ht e r s
in N ü r n b e r g ,
Die Einsatzgruppenthematik wird durch einen
weiteren Aspekt beleuchtet, den ebenfalls das alliierte
Militärgericht in Nürnbeg festgehalten hat, und zwa in
den beeideten Bekundungen des Chefrichters beim
Obersten SS- und Polizeigericht, SS-Oberfthrer Günther
Reinecke. Um den dokumentarischen Wert dieser Be­
fragung zu erhalten und einen Gesamtzusammenhang
der Kriegsorganisation und -lage zu gewährleisten, wurde
das Wesentliche hier übernommen. Auch wenn diese
Aussagen weit übe das Thema "Einsatzgrppen" hinaus­
gehen, vermitteln sie doch einen Eindruck von Gesamt­
zusammenhängen, von denen der Einstz von ca 2. 000
Mann Polizeikommados i n Rußland ein kleiner Teil
war. Sie geben außerdem Kenntnis von den unglaub­
lichen Schwierigkeiten, denen die deutsche Führung
gegenüberstand, alle ihre Anordnungen "im Grff zu
behalten". Kontrollen waren nicht überall möglich, auch
nicht j uristisches Einschreiten, Spontanreationen bisher
bewährter Unterführer nicht mit bürgerlich-fredlichen
Maßstäben zu reglementieren. Mit verzweifelt werdender
Kregslage verschlimmerten sich insbesondere diese Zu­
stände, die ihrerseits wiederum nur zu begreifen sind,
wenn man die Vernichtungsziele und Verichtungs­
methoden der Gegner Deutschlands zur gleichen Zeit
ihres weitren Vorrückens mit gleichen Maßstäben mit­
berücksichtigt und nicht nur die eine Seite sieht, wie das
bisher immer geschehen ist.
In den Aussagen Reineckes - insbesondere wenn er
auf Höß und Eichmann zu sprechen kommt - ist zu
berücksichtigen, daß er damas , wie all e Gefangenen in
Nürnberg 1945/1946, unter dem Schock der Aussagen
von Höttl und Höß stand, 6 Millionen Juden vergast,
und Ohlendorfs Aussagen, 90. 000 bzw. über 2 Millionen
Menschen durch die Einsatzgruppen ermordet zu haben,
Sachverhalte, die nachzuprüfen für die Gefangenen in
Nümberg nicht möglich war, die sich inzwischen aber
durch die Geschichtsforschung - teiweise sogar bereits
in den nachfolgenden amerikanischen Militärtribunas­
prozessen - als unzutreffend eriesen bzw. durch Indi­
zienvergleiche nicht bestätigt haben.
In diesem Zusammenhang ist von erheblicher Bedeu­
tung, daß der sowjetische Ankläger in Nürnberg, Oberst
Pokrowsky am 14. 2. 1946 ( IMT, Bd. VII, S. 483 ) selbst
erklärte, daß die "Greueltaten der deutsch-faschistischen
Verbrecher jeweil s mit dem Vorrücken der Roten Armee
nach dem Westen aufgedeckt" wurden, - somit also
nicht etwa schon von den Parisanen vorher. Und dann,
als sie schließlich "aufgedeckt" wurden, gab es keine
Spuren mehr, weil dann bereits alles "enterdet, ver-
D r. Re in e c l< e
brannt, zermahlen und bepfanzt" war, dann gab es n ur
noch " Zeugen" und ihre Geschichten ! Vergl . die Fäl l e
Katyn, Lemberg, Majdanek S. 33 ff, " Seife aus Men­
schenleichen", IMT, Bd. VII S. 656 usw.
Daher sind den diesbezügl ichen Passagen Reineckes
gegenüber Vorbehalte angebracht. Beachtlich bleibt aber
dennoch, daß trotz dieser damaigen von den Siegern
geschaffenen Militär-Trbuna-Atmosphäre der Oberste
SS-Richter seinen persönlichen Beobachtungen zufolge
als höchste Verntwortungsträger fr geheim durch­
geführte Mordaktionen Pohl als Chef des Wirschafts­
und Verwaltungshauptamtes, Grawitz als obersten
SS- Ärzteführer und Müller als Chef der Geheimen Staats­
polizei nannte, nicht hingegen Himmler al s Reichsführer­
SS oder Adolf Hitl er als Führr und Reichskanzler.
"
REINECKE : Ich war S S- Oberführer, Amtschef i m Haupt­
amt SS- Geri cht und Chefri chter des Obersten SS- und Polizei­
gerichts . . . .
Ich habe mei ne juri sti sche Ausbi l dung an den Universität en
i n Innsbruck und München genossen, habe im 1 ahre 1 93 1 mein
erstes Staatsexamen gemacht, i m 1 ahre 1 9 34 das Asse ssorexamen,
womi t i ch di e Befähigung zum Richteramt erhi el t. 1 93 3 wurde
ich i n München zum Doktor der Rechte promovi ert . . . .
Die SS- Richter kamen aus Stel l unge n i n der allgemei nen J usti z,
waren vor de m Krieg hohe G�ri chtspersonen, Staatsanwälte oder
Rechtsanwälte oder kamen währ end de s Krieges von der Geri chts­
barkei t der Wehrmac ht zu der Gerichtsbarkeit der Waffen- SS . . . P)
Das Geri chtswesen der SS war für di e "Allgemei ne SS"
überhaupt nicht zuständig. Es war i n erster Li ni e für di e Waffen­
SS gemacht worden. Es war ferner zuständig für die Poli zei , und
zwar deshalb, weil Hi mml er di e Pol i zei während der Dauer des
Krieges als i m Einsatz be findli ch er klärt hatte. Zu Begi nn des
Krieges gab es nur ei nige wenige Pol i zei ei nheiten, di e al s truppen­
mäßige Einhei te n i m Kampfe standen. Mit der zunehmenden
Dauer des Krieges, vor allem auch des Luftkri eges, wurde die
gesamte deutsche Pol i ze i einheitl ich als i m besondere n Einsatz
stehend erklärt und unterstand damit der SS- Gerichtsbarkei t.
Das gleiche gi lt für di e S icherheitspol i z ei. Auch hi er ist ei n
Erlaß Himmler s aus dem 1 ahre 1 940 vorhanden, daß die gesamte
Sicherheitspolizei i m Krieg in besondere m Ei nsatz steht. Dadurch
wurde si e dem Gerichtswesen unterstel l t. Daß aber gerade das
RSHA mi t de n i hm angegliederten Di enststel l en organi satorisch
voll kommen selbständig bl i eb und keinerl ei Zusammenhänge zur
"Al lgemei nen" oder
"
Waffe n- SS" aufwi es, geht auch daraus her­
vor , daß Hi mml er zur gl ei chen Ze it die gesamte Untersuc hungs­
führ ung in Geri chtsangelegenhei ten, sowei t sie das RSHA betref­
fen, aus der Hand des Gerichtswesens herausnahm und einer
eige nen Untersuchungsführungsorgani sati on des RSHA übergab
mi t der Folge, daß zwar Gerichtsverfahren gegen Angehöri ge des
RSHA durchgeführt werden konnten und auch Urte il ssprüche
gefällt wurden, ein Einblic k aber in die Di nge de s RSHA selbst
dem Gerichtswesen versagt bl i eb und eine Kontrolle unmöglich
war . . . . 24)
-
23) I MT, Bd. XX, S. 454.
24) I MT, Bd. XX, S. 465 - 466.
2 3
Die Gerichtsbarkeit der SS ist im Oktober 1939 in Kraft
getrete n zu einer Zei t, wo die Allgemeine SS beeits im Ver­
schwinden begrife n war. In der Zeit zuvor war die Allgemei ne SS
den Justizbehörden gerichtlich unterstel l t. Straftaten von Ange­
hörige n der Allgemei nen SS wurde n von den orde ntlichen Straf­
gerichtsbehörden verfolg und abgeurteilt. Der gl eiche Zustand
blieb währe nd des Kriege - al s es schon eine Gerichtsbarkeit der
SS gab, soweit eben noch Angehörige der Allgemeinen SS in der
Hei mat verblieben waren ....
Wenn eine Organisation verbrecherische Ziele hat und ver­
brecherische Tätigkeit entwickel t, so muß folgerichtig die Ge­
richtsbarkeit einer solchen Organisation durch ihren Aufbau,
ihren I nhalt und ihre Tätigkeit erkennen lassen, daß sie solche
verbrecheri schen Zwecke und Tätigkeiten abdeckt. Genau das
Gegenteil ist der Fall. In der SS herrschte seit ihrem Beste he n der
Grundsatz der Verbrechensbe kämpfung um jeden Preis und eine
durchaus geordnete Rechtspflege . . ..
Es war dies Disziplinarrecht ei n internes und Ausschlußrecht,
wi e es jeder zi vi le Verein hat. Dieses Ausschlußrecht sah vor, aus
dem Grundsatz der Auslese heraus, daß Vorbe strafte in die SS
überhaupt nicht hi nei nkamen und sowei t sie in der SS straffällig
wurden, aus der SS wieder ausscheiden mußte n. Dieses Prinzip
war an sich die beste Auslese, weil dadurch Straftaten automa­
tisch verhindert wurden.
Die Rechtserziehung innerhalb di eses Disziplinarrechte s und
die Anwendung des Disziplinarrechtes sorgte ihrerseits, also neben
Strafrechtspflege durch die allgemeinen deutschen J usti zbehör­
den, daß die SS frei von unsauberen El ementen blieb.
Es war zwischen dem Rei chsjusti zministeri um und der Reichs­
fhrung- SS e ine Vereinbarung getroffe n worden, nach der auf der
einen Seite die all gemeine deutsche J ustiz der SS Mitteilung
machen mußte, wenn die allgemeine J ustiz Straftaten eines
SS- Angehörigen entdeckt hatte, und auf der anderen Se ite die SS
dem Reichsjusti zministerium Mitteilung machen mußte , wenn sie
eine Stratat eines SS- Angehörigen aufgedeckt hat te.
Diese Vereinbarung wurde strikte eingehal t en. Es war dafür ein
eigener Verbindungsführer zum Justiz mi nisteri um gest e l l t mit der
Folge, daß tatsächlic h ei nmal all e strafare n El ement e aus der SS
entfernt wurde n und daß z weitens St raftate n gegen di e deut schen
Strafgesetze auch wirklic h durch di e allgemei nen deut schen
J ustizbehörden abgeurteilt wurden . . . .
Die eigene Strafgeric htsbarkeit wurde gesc hafft· n, weil SS­
Verbände als Truppenverbände eingesetzt ware n und des halb fii�
diese Verbände Kri egsgerichte vorhanden sein mußte n. Die Ei n­
führmal war durch Gesetz geschehen, nic ht durch irg .. ndc ine
Verordnung Hi mml ers. Es wurde mit diesem Gesetz das gki c he
Recht eingeführt, wie es für die Wehrmacht bere i ts gal t , und es
wurde mit di esem Gesetz für die SS die gleiche Geri chts­
organisation gesc haffen, die die Wehrmacht bereits hatte. Es kann
also keineswegs davon gesprochen werden, daß die Ei nführung
dieser Geri chtsbarkeit zum Vertusc hen von strafbaren Handlun­
gen erfolgt war. Das genaue Gegenteil wa der Fall . . . . 2 s )
Die Erziehung i n der SS ging planmäßig auf Anstand, Recht
und Sitte. Es ware n auch Einrichtungen vorhande n, die es ge­
wähleisteten, daß diese Erziehung in vollem Umfange durch­
geführt wurde. Es wurde das Recht einshl ießlic h der inter­
nationalen Konventi onen nicht nur auf den Junkerschulen der SS
gelehrt, es wurden Gerichtsverhandlungen vor versammelter
Mannschaft abgehalten. Das Hauptamt SS-Gericht als Zentrale des
Gerichtswesens sorgte durch ein eigenes Schrifttum dafr, daß
die se Grundsätz e der Sauberkeit und des Rechts Allgemeingut
aller SS- Angehörigen wurden. Die Rechtserzi ehung in der SS, so
wie sie gehandhabt worden war , stellt das genaue Gegenteil der
Anklagebehauptung dar.
RA. PELCK.ANN: Die Anklagebehörde könnte vi elleicht
sagen, diese stre nge Rechtserziehung und Verbrechensbe­
kämpfung vor und währe nd des Krieges beweist gerade, wie
notwendig das war, weil ja in der SS lauter Verbrecher ware n . . . .
Dr . Joseph Goebbel s, Rei chsmi ni ster für Vol ksaufk l ärung und Propaganda, anl äßl i ch ei ner Ausstel l ung, i n der ei n Foto sei nes
Auftretens i m Wahl kampf 1 931 zu sehen i st , gal t für Setton Del mer, Schwarzmei ster se i ner Maj estät von Großbri tanni en, al s
"Propaga ndazwerg".
Er fre i l i ch muß es beurei l en können.
Sefto n Del mer , " Di e Deut s chen und i ch " , Na nnen- Ver l ag Hamburg 1962, S. 497
25) I MT, Bd. XX, S. 465 · 467.
24
REINECKE : Nei n ! Dami t hätte si e ni cht recht. Es waren in
der SS besondere Auslesegrundsät ze . Die SS war durc h sogenann­
te Grundgesetze z u ei ner bsonders ethischen Haltung verpflich­
tet. Die Rechtsbreche r in der SS lude n mit ei nem Rechtsbruch
eine schwerere Sc huld auf sich und verdienten deshalb auch eine
schwerere Sühne. Aus diesem Grunde heraus er klärt sich die
härt ere Bestrafung der SS- Männer im Vergleich be ispielsweise zur
We hrmacht oder zur deutschen Zivilgeric htsbarkeiL
RA: Hi mmler war Gerichtsherr. Welche Stellung hat er ein­
genommen? Konnte er z. B. ei n Gericht anweisen, ein bestimmtes
Urtei l zu fällen?
REI NECKE : Ne i n, das konnte Hi mml er nic ht. Er hat si ch an
die gestzl i c hen Besti mmungen im a llgemeinen gehalten. Er hatte
als Geric htsherr zwar das ihm von Hitler verli ehene Recht zum
Niedersc hlagen von Verfahren; von diesem Recht hat er nur i n
ganz seltene n Fäll en Gebrauch gemacht. Der Richter selbst war
unabhängig und nur dem Gesetz unterworfe n. Seine Unabhängig­
keit war gesetzlic h garantiert. Di e Urte ile der SS- Gerichte wurden
durch Absti mmung erzi elt, bei der das Mehheitspri nzip ausschlag­
gebend war. Ei n Ei ngriff des Geric htsherrn kon)te i nsofem nicht
erfolgen. Der Geri chtsherr hatte abr das Rec hr der Bestätigung
bzw. der Urteilsaufhebung. Er konnte also ei nen Fall zu wieder­
holten Malen, falls er mit de m Urteil nie ht ei nvers tande n war, zur
Behandlung bringen. Aber auch hier haben sich die SS-Gerichte
stets nach den bestehenden Gesetze n durchgesetzt. Es sind Urteil e
vorgekommen, be i denen der Geric ht sherr bis z u drei- und viermal
das Urteil aufhob, wei i hm die Strafe zu hoch oder zu niedrig
war. Die Richter habe n stet s wi eder das gleiche Urteil gefäll t,
wenn es gesetz li ch vorgeschrieben war, und sie haben sich l etzten
Endes auch durchgesetzt .. . . ( IMT, Bd. XX, S. 468 -469)
RA. : . . . Hat die Wafen- SS in de n besetzten Gebieten und an
der Front Verbrechen gegen die Zi vil bevöl ker ung begangen, und
zwar i n systemati schrm Vorge hen unter Verletz ung i nterationa­
ler Abmachungen, einhei mischer Strafgesetze und allgemeiner
Grundsätze de s Strafrecht- aller zivilisierten Völ ker ? ·
REI NECKE : Je in, davon kann gar keine Rede sein. Es ist klar,
daß auch auf se iten de r Waffen- SS in Ei nzelfällen Verstöße gegen
das Völkerrecht vorge kommen sind, genau so, wi e das auf der
anderen Se i te auch der Fall war. Das all es aber sind Ei nzelerschei­
nungen und keine Syste mati k. Alle diese Einzeltate n sind vom
Gericht swese n de r SS und Poli zei aufs schärfste bekämpft
worden. Im Hauptamt SS-Geri cht selbst war eine Einrichtung, die
die z entrale Überwac hung des gesamte n Gerichtswesens garan­
tierte. Von diesem Blickpunkt aus kann ic h bezeuge n, daß in
so lchen Einzelfällen von den Gerichten an allen Kriegsschau­
plätzen un d währe nd der ganzen Zeit des Krieges Urte ile ge­
sprochen wurden wegen Mordes, wege n Plünderung, wegen Tot­
schlags, wegen Vergewaltigung, wegen Mißhandlung und auch
wegen Tötung von Kriegsgefangenen, wobei die Völker- und
Rassenzugehörigkei t de s Betroffenen kei nerl ei Einfluß hatte. Es
sind dies alles Ei nzel tate n und ni cht ei ne Syste matik, wi e auch di e
Kri minalität sstati sti k de s Hauptamtes SS- Geric ht beweist. Bei
strengster Durchführung der Rechtspflege schwankte di e Kri­
minalität zwi sc hen 0, 8 Prozent zu Begi nn und 3 Proze nt zum
Sc hluß des Krieges und hi elt sich dami t unter dem normalen
Rahmen.
RA: Durc h Be fehl Hi tl ers vom 13. :ai 1941 - das Dokument
i st hi er vorgel eg worde n - war do ch aber wohl ein Verbot zur
Verfolgung solcher Strafhandlungen ausgesprochen. Steht das
nicht in Widerspruch zu I hre n Bekundunge n ... ?
REI NECKE: Nei n. Das ist kein Widerspruch, weil dieser Befe hl
Hitlers zwar den Zwang zur Stafverfolgung aufhebt, aber die
Strafverfolgung selbst in das Ermessen des Geri chtsherrn stellt . ...
( IMT, Bd. XX, S. 47 0)
RA. : Hi er i n diesem Geri chtssaal ist ei n grauenerregender Fil m
über di e Greuel i n de n KZs abgelaufe n. Die Anklage behauptet
hierzu, daß diese Zustände die Folge ei ner konsequenten Politik
der SS gewesen seien . ...
REINECKE: Von einer konsequente n Poli ti k der SS im Hi n­
blick auf die in diesem Fil m gezeigte n Zustände kann keine Rede
sein. Es sind in den Konzentrati onslagern furchtbare Greuelta­
ten begangen worden. Der Film aber zeigt die Auswirkung des
totalen Zusammenbruchs rlc s Deutschen Reiches auf die Kon­
zentrationslager, stellt also nicht deren Normalzustand dar; dieser
war ganz anders. .. .
I ch kann mir hi erüber deshalb ein Urteil erlaube n, weil das
Gerichtswesen der SS und Polize i mit allen ihm zu Gebote
stehenden Mittel n, und teilweise unter überschreitung der eigenen
Zuständigkeit gegen diese Greuel gerichtlich eingeschritten ist.
Wir haben in den Konze ntrationslagen Untersuchungs­
kommissionen gehabt, die mir wiederholt über die Zustände in
diesen Lagern Bericht erstatteten. Wenn das Gerichtswesen der SS
und Polizei in der Lage gewesen ist, gegen solche Zustände
einzuschreite n, so nur deshalb, weil es sich hier eben nicht um
ei ne konsequente Pol i ti k der SS handel t, sondern um verbreche­
ri sche Tate n einzel ner Personen und kleinerer Gruppen und
einzel ner höchstgestellter Vorgesetzten, nicht aber um die Taten
der SS als Organisation. Um gegen diese Verbrechen anz ukämpfen
und um die SS von diesen verbrecherischen Elementen zu reini­
ge n, ist das Gerichtswesen tätig geworden.
RA: Ich z itiere aus dem bereits von der Anklagebehörde
überreichten Dokument der Ankage, E- 168 . ...
Darin heißt es unter anderem:
' Mit einer deratig hohen Todesziffer kann ni emal s die Zahl
der Häftlinge auf die Höhe gebracht werden, wie es aber der
Rei chsfüher- SS beohlen hat. Die ersten Lagerärzte haben sich
mit allen i hnen zur Verfügung stehenden Mittel n dafür einzu­
setzen, daß die Sterblichkeitsziffer in den einzel nen Lagern
wesentlich herabgehe. Nicht derjenige ist der beste Arzt i n einem
Konzentrationsl ager, der glaubt, daß er durch unangebrachte
Härte auffal l en muß, sondern derenige, der die Arbeitsfähigkeit
durch Überwachung und Austausch in den einzel nen Arbeits­
stellen möglichst hoch hält.
Die Lagerärzte müßten öfter als bisher das Essen der Gefange­
nen über wachen und mit der Zusti mmung der Verwal tung Ver­
besserungsvorschläge dem Lagerkommandanten unterbreiten. Dies
dürfte natürl i ch nicht nur auf dem Papier erscheinen, sondern
müsse regelmäßig durch die Lagerärzte überprüft weden, außer­
dem sollen die Lagerärzte dafür sorgen, daß die Arbeitsbedingun­
gen an den verschiedenen Arbeitsplätzen soweit als möglich
verbesset werden. Deshalb ist es notwendig, daß die Ärzte die
Arbeitsplätze gründli ch besichtigen und sich von den Arbeits­
bedingungen überzeugen. Der Reichsführer- SS hat befohlen, daß
die Sterblichkeit unbedingt geri nger werde n muß.'
REI NECKE : Di e Untersuchungs kommissionen des Haupt­
amtes SS-Geri cht haben mi r wiederholt in persönl i chen Vorträgen
bestätigt, daß solche Anordrungen in den Konzentrationslagern
auch in die Tat umgesetzt wurde n. Sie haben mir berichtet, daß
die Unterbringung, die hygi enischen Verhältnisse, die ärztliche
Versorgung, die Verpflegung und auch die Behandlung der Häft­
ling zum großen Te il gut war, ebenso das körerl i che Aussehen
der Häftlinge. Si e haben ebenfalls be stätigt, daß die strengen
Verbote gegen Mißhandlungen von Häftlingen wiederhol t in den
Lagern bekanntgemacht wurden und auch eingehalten wurden.
Das Bild der Konzentrationslager im Normalz ustand ist daher ein
ganz andere s. Von außen her fällt auf Sauberkei t, die reibungslose
Abwicklung des Arbeitsprogrammes. Wenn in den Konzentra­
tionslagern Verbrechen begangen worden sind, so geschahen diese
so, daß sie der Umwel t verborgen blieben und auch selbst von den
Lageri nsassen, soweit si e daran ni cht bet eilig waren, ni cht wahr­
gnommen werden konnten . . . .
2 5
RA. : Also dann wußte n si e, daß
i m Dezember 1 942 von 1 36. 000
Eingewiesenen 70. 000 im Ko nz en­
trationslager gestorben s ind.
. .
.
26)
REI NECKE : Nein, das ist mir
ni cht bekannt gewesen. Ich muß
hier zur Ergänzung mei ner Aussage
anführen eine Antwort , die in einer
spätere n Frage ko mme n soll te , daß
das Hauptamt SS- Geric ht erst seit
der zweiten Hälfte des Jahres 1943
mit diesen Untersuchungskommis­
SIOnen zur Aufde ckung von Ver·
brechen in den Konze ntrati onsla­
gern tätig geworde n ist. . . .
Der Zuständigkeit des SS- Ge­
richtswesens ware n entzoge n die
Häftlinge der Konzentrati onsl agr
sl bst. Für di ese war ausschl i eßlich
die all ge meine deutsche J ustiz zu­
ständig. In gewisse m Umfang oblag
die Rechtsprechung der SS- Gerichts­
barkeit auch bezüglic h der i n den
Konzentrationsl agern befi ndlichen
politischen Abteilungen mi t der
Maßgabe, daß die Untersuchungs-
führung des Reichssic herheitshauptamtes hi er den Vortritt hatte .
Die Wachmannschafte n und die Kommandanturangehörigen der
Konze ntrati onslager unterlagen der Re chtsprechung des Geric hts­
wesens in voll em militärgerichtlich bestimmtem Umfange . . . .
I n der zweite n Hälft e de s Jahres 1943 kam das Geri chtswesen
anläßlich ei nes Korruptionsfal l es gegen den seinerze i tigen Lager­
kommandanten Koch auf Spuren von Verbre chen, die in andere
Lager führte n. Von diesem Ze itpunkt an wird das Gerichtswesen
tätig.
RA: Wi e ko mmt es, daß das Gerichtswesen erst so spät täti g
geworden ist ?
REI NECKE: In den Konze ntrati onslagern befanden sich so·
genannte Gerichtsoffiz· iere als Überwachungsorgane. Di ese Ge­
richtsoffiz iere, die I nstrumente de s jeweiligen Geri chtsherrn
ware n, hatte n die Aufgabe, bei irgendwelchen vorgekommenen
Verbrechen sogenannte Tatberichte anzufertigen und diese Tat­
ber ichte den Geri chte n zwecks Verfolgung der strafbaren Hand­
l ungen z u übergeben . . . .
Der Gerichtsoffizier unterstand ni cht der Orgni sati on des
Gerichtswesens, sondern war ein F unkti onär de s Gerichtsherrn, in
dessen Hand die Untersuchungsführ ung sich befand . . . .
Bei den Konze ntrationslagern i n der Hand de s gestern schon
ge nannten Oswald Pohl.
RA: Und nun fahren Si e fort mit der Beantwortung der Frage :
Wie kam es, daß das Gerichtswesen s o spät von diesen Greuel tat en
Kenntnis erhielt?
REI NECKE : Es kam daher, daß das Gerichtswesen früher
keinen Verdacht geschöpft hatte, und dies begründet sich wie der
darin, daß diese Gerichtsoffiz iere während der Jahre 1 943 fort­
laufe nd solche Tatberichte bei den Gerichte n eingerei cht hat t en.
Diese Tatber i chte ware n sehr exakt ausgearbeitet. Es befande n
sich bei den unnatürlichen Todesfäl l en von Häftlingen darin
Li chtbilder des Tatortes, des Tot en, ärztl i che Untersuchung­
ergebni sse, Zeugenaussagen von Häftl i ngen und Wachmann­
schaften. Diese Arbeit war so exakt, daß nicht der Ve rdacht
entste hen konnte , daß hier auc h hi nter dem Rücken der Geri cht s-
26) Thypus- E pi de mi e i n Ausc hwi t z
2 6
Al l tag des deutschen Landsers i n Rußl and
offiz iere Verbrechen begngen sei n kii nnt en.
Di es e ei ngereic ht en Tatberi c ht e führt e n i n j edem Fal l e zur
geri cht lic hen Aburte il ung des Tät e rs. Sol che Aburte i lungTn s i nd
di e ganzen J ahre hi ndurch vorge nommen worden.
RA. : Könnt en di e Tat beri c ht e nic hl gefäl sc ht s ei n. und
könnten dadurc h di e t at sächl i c hen Verhäl t ni sse versc hl ei er t
werden ?
REI NECKE : Das t ri fft t ei l we i se zu. I c h habe gerade sc hon gesagt ,
daß wir i n der zwei t en Häl ft e des .J ahres 1 9- im Lager Buchen­
wald mi t den Unt erschungen began nen . Wi r hat t e n i m .J ahre 1 94 1
i n Buchenwald sc ho n e ine sol che Unt ersuchung l aufe n, die aber
ergebnislos verl i ef.
In der spät eren Un tersuchung 1 943 st el l t e si e h t a t säc hl i ch
heraus, daß i m J ahre 1 94 1 von de m Komman dant en Koch mi t
gefäl schten Tat beric ht en , gest el l t en Zeugen, fals chen ärzt l i chen
Gutachten und so we i t er gearbei t et worden war, wod urc h di e
u ntersu c henden Ri chter get äusc ht wurden. Wi r haben nun Cber­
priifu ngen auch i n ande re n Lage rn vo rgeno mme n und dabei
fe st gest ell t , daß i n andere n Lager di ese Tat beri chl t i n Ordnung
waren . . . .
Di e Spure n vom Lager Buchenwal d ware n sehr vi e l fäl t i g und
führ t e n i n vi el e Lager. Der Kompl ex wuchs von Vonat z u \lonat .
Es stellte s i c h h eraus , daß di e Unt ersuc hungsorgane des Ger i c h t s­
wesens völl i g ungeei gnc l ware n, um ei ne solc he rei n kri mi nal i s t i ­
sc he Unters uchung vorzune hmen, wei l dem Geri cht swesen auf
Grund sei ner Ei ge nart al s mi l i t äri sches Geri chl swesc n der li nter­
bau, näml i ch ei ne e i gene St ra fverfol gungs behörde fc hi l e . Es wur­
den deshal b Ri chter i n Kurzkursen kri mi nal i s t i s ch ge schul t und
gl ei c hze i t ig i m Zusammenwi rken mi t dem Re i chssi cherhei t s­
hauptamt Fac hkräft e aus dem Rei chs kri mi nal pol i ze iamt zur t: n­
tersuchung di eser Verbrechen abgest el l t . S ol che Kormi ssi onen
wurden i n vi el en Lagern ei ngesl' t zt und arbe i t e! cn ununter­
brochen bi s z um Zusammenbruc h. Das Haupt amt SS- Geri cht
selbst sc huf ei n ei ge nes Ge ri cht zur be.sondere n Vnwendung, das
fast auss chl i eßl i ch di e Aufgabe hat h ' , dies e Ve rbrechen i n de n
Konze ntrat i onsl agern gni c hl l i ch abzuurt e i l en. I m Haupt amt
SS- Gcri cht al s der z en t ral en Fii hrungss l el l e des Geri ch t swesens i st
ei ne ei gene Haupt abt t- i l ung ei nger i c ht et worde n, von der aus
ze ntral di e Un tersuchungsführung in de n Konze ntrationslager n
gesteuert wurde, und die di e Aufgaben der fehlenden General­
staatsanwal tsc haft übernehmcn sol l te.
RA. PELCKMANN: Was war nun, kurz z usammengefaßt, das
Ergebni s dieser Verbreche nsbe kämpfung i n den Konzentrati ons­
lagern durch die SS- Geric htsbarkei t ?
REI NECKE : Es wurde n i nsgesamt ungefähr 800 Fälle unter­
sucht. Von di ese n 800 Fäl l en wurden 400 bei den Gerichten
anhängig, von diesen 400 Fäl l en si nd 200 durch geri chtliches
Urte il zum Absc hl uß geko mmen. Unter den untersuchten Fäl l en
befanden si ch Ve rfahre n gegen fünf Konze ntrationslager kom­
mandante n. Das Verfahre n gegen zwei Kommandanten konnte
zum Abschl uß gebrac ht werden und endete mit Tod durch
Erschi eßen.
RA. : Si nd Ihre n Kommissi onen bei dies en Untersuchungen
Schwieri gkeiten gemacht worden?
REI NECKE: Di esen Kommissionen s i nd di e erhebli fhsten
Schwierigkei ten gemac ht worden. Di ese Schwierigke ite n hatt e n
ihre n Anfangspunkt be i Pohl, der mit allen Machtmitteln ver­
suchte , das weitere Vordringen der Untersuchungsko mmi ssionen
i n di e ei gentli c he Mater ie des Verbrechenskomplexes zu ver hin­
dern. Dadurc h wurde das Gerichtswesen gez wunge n, nachdem es
nun nur schrittwei se vorwärts kam und sich aus dem Ge hei m­
hal tu ngskompl ex ein Stück nac h dem anderen herausbrechen
mußte, mi t Häftli ngn z usammenzuarbei ten. E� si nd fast i n allen
Lagern , wo si ch solc he Untersuchungskommis si onen befanden,
unter de n Häftlingen Vertrauensl e ute angeworben worde n, die
den untersuchenden Ri c htern Mater ial brachten. Es war aber auch
sehr schwer, diese Häftli nge z u einer Mitarbeit zu bewegen, wei l
si e bei ei ner Aufdeckung i hrer Tätigkeit ihre Vernichtung befürch­
teten.
RA. : Konnten Si e rle nn nic ht di ese Wi derstände durc h Meldun­
gen, zum Beispi ei bi Hi mml er, kurzerhand brechen? Pohl war
doch, soviel i c h we iß, Hi mmler dire kt unterstellt, so daß Hi mmler
ihm doch entspr echende Refe hle hätt e erte ile
n
können.
REI NECKE . So plump i st dieser Pohl nic ht vorgegangen. Er
hat nach außen hi n so getan, al s ob er die Untersuchungsarbei t des
Haupta mtes SS Geri cht mi t all en Kräfte n unterstützen würde und
sie begrüßen würde . So hat er es auch Himmler wi ederholt
dargest el l t, nachdem wi r Hi mmler auf die z weifelhafte Rolle Pohl s
hingewi esen habe n. In Wirklichke it torpedierte Pohl mi t allen
Mi tt ei n sei ner ungeheure n Mac htposition di ese Untersuchunge n
und abe i tete mi t de n Häftli ngen und den verbrec her ischen
Kommandante n Hand in Hand, wie wi an Ei nzeltatbeständen
nac hgewi esen habe n . . . . .
Da e r nic ht nur i n der Tötungs masc hi neri e der Konzentrations
l ager verf angen war, sondern i m Gl eichmaß damit zum kor­
ruptesten Mann des Reic hes überhaupt ge worden war , wofr wir
gegen Ende des Kri eges die Nachweise erbrac ht haben durch die
verschiedensten Verfahr en, die wir gege n von i hm geleite te Orga­
ni st i onen auf pri vat wirt schaftlic her Grundlage angestre ngt
hben . . . .
So arbe i tete di eser Verbrec her Pohl. Die wic htigste Stütze i n
seine m Kampf gegen das Geri c htswesen war aber der Führerbefe hl
Nr. I über die Gehei mhaltung, der i n alle n Di enststellen der SS
und Pol i zei plakati ert war. Nac h di esem Befehl durfte von
gehei mhal tungsbdürft i ge n Di ngen nur der erfahre n, der unmittel­
bar be tei l igt war und der auch nur soviel, als er unbedi ngt wi ssen
mußte, und di es auch nur in der Ze i t, i n der die Tätigkeit erfolgte.
In de n Konze ntrationslagern war all es ge heim. Nur mit beson­
deren Auswe isen und Vol l machten konnte man sie betre te n. Di e
Arbeit der Häftl i nge wa gehei m, angebl i ch für "V- Waffe n
"
. Das
sons t i ge Leben der Häft linge war gehei m, angeblic h aus Spionage­
abwehrgründen. Der Schritwechsel lief unter "Geheime Reic hs­
sac he" und war de shalb übe rhaupt ni cht ei nzusehen. Hi nter dieser
dichten Gehei mhal tungssphäre konnte si ch Pohl j ahrelang ge­
schi c kt zurückziehen, und er g-ab de m vordri ngnde n Geric hts­
wesen stets nur dann ei n klei nes Stück nach dem a ntleren prei s,
wenn er auf Grund von Einzel tat bestände n ;yste matisc h i n die
Enge ge trieben war.
RA. : Glauben Si e nun, Herr Zeuge , daß si e mit diesen von
I hnen eben gesc hi lderte n Erge bni ssen an den tatsäc hlic h vor­
hande ne n Verbrec hen�umfang herangekommen si nd, wie wir i hn
hier durc h di e HauptYerhandl ung erfahren haben?
REI NECKE : So, wie i ch i hn heute wei ß, nein. Das hat sei nen
Grund dar;n, daß das Geri chtswesen der SS und Pol izei al l e diese
Verbrechen als einzel ne Verbrechen bekämpfte, und das System
der Verbrecherischkei t, wi e es heute erkennbar i st, lange Jahre
nic ht durc hschaue n konnte . Als es de m Geri chtswesen gegen Ende
des J ahres 1 944 gelungen war, auf Grund sol cher Einzeltatbestän­
de den Verbrecher Pohl und auch Grawitz und den manc he
Verbre chen abdeckenden Müller aus der Gestapo i n die Enge z u
treiben, da bri efen s i e s i c h das erstemal auf Befe hle von oben.
Di e ansetzenden Ermittlungen de s Geric htswesens si nd im Zu­
smmenbruch der deut sc hen Kriegsführung mit untergegangen.
RA. PELCK.'ANN: Sind Si e dann Ende 1 944 auch herange­
kommen an den ei gentl i chen Verbrec henskomplex, nämlich Mas­
senverni chtungen?
REI NECKE: Es war Ende 1 944 klar, daß Befe hle von oben
vorhanden sein mußt en. Daß es sic h aber um Massenvernic htun­
gen mi t e ine m ungeheurem Umfange handeln würde, dies war
auch damals ni c ht er kennbar.
RA. : Wer war nach den Ergebni ssen der Untersuchungen, die
Sie eben geschildert haben, verantwortl i ch für die bekanntgewor­
dene n Verbrechen?
REI NECKE : An höchste n Vorgesetzte n : Pohl, neben i hm der
ehemalige Rei c hsarzt- SS und Polizei , Grawi tz, und neben i hm der
Chef der Gestapo, Müller.
Darüber hinaus di e Konzentrati onslagerkommandanten, An­
gehörige der Kommandanturen, Konzentrati onslagerärzte, und zu
e inem ganz großen Teil krimi nelle Häftl i nge der Konzentrati ons­
l ager.
RA. PELCKMANN: Ist es ri chti g, demnach z u sagen, daß alle
Angehörigen dieser Personenkre i se, die Si e eben genannt haben,
an den Verbrec he n ohne Untersc hi ed beteil igt s ind?
REI NECKE : Nei n, das ist nic ht ri chtig. Unsere Untersuchun­
gen haben den klaren Nachwei s ergeben, daß ei nige Lager voll­
kommen i n Ordnung waren, daß nic ht alle Kommandante n
Verbrec her waren, daß vi ele K0mandanturangehörige von Ver­
brechen ni chts wuß ten, desgleichen
Ä
rzte, daß vor allem die
Bewachungsmannsc hafte n der Konzentrati onslager mi t den Ver­
brechen nichts z u tun hatten, weil i hnen selbst ei n Ei nbli c k in die
i nternen Vorgänge der Konze ntrat i onslager verwehrt war . . . . .
Be i A
u
deckung des Ver brechens i n Buc henwald Ende dieses
Jahres 1 943 wurde Hi mml er sofort Bericht erstattet. Hi mmler
wurde über das Weitergehen des Verfahre ns laufend Beri cht
erstattet. Hi mml er l ege eine sehr große Aktivität an den Tag. Er
selbst befahl die strikte Durchführung der Untersuchungen. Nur
mi t seine n Voll machten war es möglich, überhaupt di e Tore der
KZs zu über schre iten. Mi tte de s Jahres 1 944 kommt pl ötzli ch ei n
entgegengesetzter Befe hl Hi mmlers. Er befi ehlt al s Geric htsherr,
nt i t dem Verfahre n Koc h haben alle geric htlichen Untersuchungen
in den Konzentrati onslagern aufzuhören. Koch wäre zum Tode
verurtei l t und werde öffentl i ch vor den angetretenen Häftlingen
erhängt. Pohl hät te die Erhängung persö nlic h zu le ite n und an die
angetetenen Wachmannsc haften entsprechende Worte z u richten.
Die anderen Täter hätte n ihre Verbrechen freiwillig zu melden.
Bei einer sol chen frei wil l ige n Mel dung würde er i hnen ei ne
eventuelle Begnadigung z usic hern.
Wer si ch ni cht rechtze itig mel det , habe nur den Tod durch ein
2 7
Geric ht surt eil zu erwarten. Gegen di esen Befe hl Hi mmlers erhob
der Chef de s Haupt amtes SS- Geri cht Wider spruch. Er erlangte
keine endgül t ige Ent sche idung Hi mmlers. Hi mmler duldete aber in
Zukunft die we iteren Verfahren. Das Hauptamt SS- Gericht brach­
te den Fall Koch absi chtlic h in di eser Zei t noch nicht zum
Abschluß, um die Mögli chkei t zu habe n, di e weitere Ausdehnung
der Ermi ttl ungstäti gkei t auf andere Lager vornehmen z u können,
was auch gelang. Di e auf Grund der Anwei sung Hi mmlers schon
zurüc kgezogenen Untersuchungs kommi ssione n des Reichskri mi­
nalpol i zeiamtes traten wieder in Tätigkei t, und es wurde von
Herbst 1 944 auf breiter Grundlage weiteruntersucht. Vollmach­
te n, di e wegen des dauernde n Widerstandes von Pohl notwendig
waren, ertei lte der persönli che Richter de s Rei chsführers. An
diesem konnte auc h Pohl ni cht vorbei gehen . . . .
RA. PELCKMANN: Si nd Ihnen Herr Zeuge, i m Laufe der
Unter suchungen Maßnahmen oder Befe hl e Hitlers oder Hi mmlers
zur bi ologisc hen Ausrottung des J udent ums bekanntgeworden :
REI NECKE : Nei n, wi haben
weder solc he Befe hle jemals ge ­
shen, noch ist es uns auf Grund
unserer Untersuchungsarbei t gl un­
gen, i hrer habhaft zu werden oder
sie anderswie zur Kenntni s zu be­
kommen. Solc h unghe uerl i che Be­
fehle warn uns unvorste ll bar. Uns
gegenüber hatte Hi mmler ste ts nur
sei n ideales Gesicht gezei gt : Sauber­
kei t, Anständi gkei t, Verbrec hens­
bkämpfung um jeden Prei s. Mi r
persönli ch hat er Ende des J ahres
1 943 i n e i nem Vortrag ausführl i c h
diese Grundsätze bestäti gt. Daß hier
ein Syste m der Masse nvernicht ung
vorliegen würde , auf diese Idee
konnte nach den vorhandene n Um­
ständen und di eser Si tuati on nie-

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R
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4
REINECKE: Davon war mir ni chts bekannt. Ich wußte , daß
si ch di e Sicherheitspoli ze i im Operati onsgebi et des Ostraums
befand und dort Si cherungsaufgabe n durchführte. Das schi en mir
als di e Aufgabe der Sicherhei tspolize i in diesem Ei nsatz. Andere
Befehle si nd im Geric htswesen nie bekanntgewordtn. Wir haben
diese Di nge hier zuerst gehört . . . .
RA: Es sind 1 3 6. 2 1 3 Affidavi ts ausgewertet worde n, die in
mehrere n Aktenbänden auf firmularen ei ngetragen si nd . . . . .
REI NECKE: Die Au�wertung i st unter mei ner Leitung vor­
genommen worden von 1 5 zum Ric hteramt befähigten SS- I nter­
nierten. Ausgewertet wurden ca. 1 70. 000 ei ngere ichte Erklärun­
gen. Davon sind 1 3 6. 2 1 3 ei desstattliche Versicherungen und
Zeugensc haftanträge zu ei ner Dokumente nsammlung zusmmen­
gestellt worden. Der Rest sind bl oße Bi tten um Vernehmung und
5l weiter. Di ese 1 36. 000 Erklärungen si nd i n der zusammenge­
stel l ten Dokumentenmappe aufgeteil t i n verschiedene Teilgebiete ,
die die Beantwortung der Fragen der Vertei digung von gegen die
SS erhobenen Vorwürfen darstel l t.
mand ko mmen. Wi r haben in den
Konzentati on sl agrn grauenerre­
gende Zustä nde vorgefunden. Wir
haben manche Di nge erfahren, die
uns erschütt ert haben. Aber dieser
Gedanke war nicht vorhande n. Na­
men wie Höß und Ei chmann ware n
uns aber Namen wie bei spielswei se
Müller oder Mai er. Kei n Me nsch
!
Verantwortlicher für den zivilen Massenmord : Luftmarshall Sir Arthur Harris:
! wurde Großoffizier der Ehrenlegion. - Ein Kriegsverbreherprozeß wär angbracht gewesn.
R
PPPÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝPÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝPÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝ ÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝÝPÝÝÝÝPÝÝÝ^
konnte ei ne Ahnung davon haben, daß hi nter diesen Personen sich
die Handlanger ei nes f urchtbare n Ausrottungsystems vebargen.
Als wir um di e Jahreswende 1 944/ 1 945 annähernd an den
ei gentli chen Verbrechenskompl ex in de n Konzentrationslagern
herankamen, nämlic h daß Verbrechen auf Befehl begangen wur­
den, auch da erschi en dieses Verte i digungvorbringe n von Pohl ,
Müller und Grawi t z zunächst unglaubwürdig.
Denn wenn tatsächli ch Befe hle von oben vorgel egn hätt en,
di e di ese dre i Personen ausgeführt haben, dann wäre es ihne n wohl
ein lei chtes gewesen, zu Hi mmler zu gehen, und di e Ausschaltung
des Geric htswesens aus di esen Di ngen zu erreichen.
So kam es, daß wir selbst trotz dieser erarbei teten, mühsamen
Ergebnisse kei ne j usti zmäßig einwandfrei en Belege dafür hatten,
daß Massenverni chtungen großen Stil s - gar nicht zu denken an
die bi ologi sche Ausot t ung des J udent ums - vorge nommen wor­
den sei en und wir nac h wi e vor die Verbrchen, allerdings in
ersc hreckende m Umfange und erschrec ke nder Vielzahl, aber von
de m St andpun kt des Ei nzel verbrechens aus, untersuc hten. . . .
RA: War I hnen etwas über die Täti gkei t der " Ei nsat zgr uppe n"
und " Ei nsatzko mmandos" der Sipo und des SD i m Oste n be-
kannt, wie si e hi er zur Sprache gekommen si nd?
2 8
REI NECKE : Die Afidavits kamen vorehml i ch aus den La­
gern der Amerikani schen Zone und der Englisc hen Zo ne, zum
geri ngeren Teil aus der Französi schen Zo ne, überhaupt keine
Affidavits aus der Russischen und aus Österrei ch . . . . .
Aus der Masse der abgegebenen Affidavi ts ist klar zu erkennen,
daß di e Masse der SS- Angehörigen der Anklage ohne Verständni s
gegenübersteht. Sie können sic h nic ht vorstellen, um ein Beispiel
zu nennen, daß sie in ei ner Verschwörung tätig gewesen sind; sie
können sich nicht vorstel l en, daß sie einen Angiffskrieg vorberei­
tet haben. Deshalb sagten die SS- Angehörigen nur aus über das,
was ihne n aus ihrer Tätigkeit i n dr SS als typisch erschei nt, der
Frontsoldat zum Beispiel über Erlebni sse an der Front, der Mann
der Allgeme inen SS über die Art sei nes Di enstbetriebes i n den
Jahren von 1 933 bis 1 939 . · . . " 27) 28)
27) Di e über 150. 000 ei dl i chen Be kundungn hatte n ehemal i ge Waffn-SS
Anghöri ge i n a l l i i erter Gefangnschaft dahi ngehend schri ft l i ch n i edr ­
ge l egt , daß si e wedr di e Si cherhei tspol i zei näher ge kannt und von den
i hr sowi e der Waf fe n-SS n achgesagten Verbrechenstate n kei ne Kennt ni s
ghabt hätten.
Übr den Verbl ei b die ser Doku mentati on i st l ei der n i chts bekannt
gewordn . Si e paßte wohl n i cht i ns Ko nzept.
28) I MT, Bd. XX, S. 47 5 · 488.
Wi gaben die Ausführungen des ehemaligen obersten
Richters des 58-Gerichtswesens wörtlich wieder als
Zeitdokument, ohne damit eine detailierte historische
Überprüfung seiner Aussagen für überfüssig zu erachten.
Zweifellos hat Herr Reinecke in der nervenzer­
mürbenden Nürnberer Prozeßatmosphäre, die j a zeitlich
auf die Katastrophenlage des deutschen Zusammen­
bruchs unmittelbar aschoß und mit der "größten
Menschenjagd der menschlichen Geschicht" ( Ausspruch
des britischen Außenministers Anthony Eden im Unter­
haus am 28. 3. 1945) verbunden war, manches ausgesagt,
was subj ektiv gefärbt sein dürfte und auf Nachrichten
zurückzuführen war, dern Richtigkeit er nicht über­
prüfen konnte, z. B. die Höß- , Ohlendorf-, Höttl- Aus­
sagen und andere . Von derlei Aussagen zog er offensicht­
lich Schlußfolgerungen, die historisch nicht korrekt sind.
Das gesamte Ausmaß der von seinen Aussagen betrof­
fenen Sachgebiete kann zweifellos auch heute noch
nicht historisch einwandfrei beantwortet werden, weil
im Jahre 1983 auch noch viele Dokumente über dieses
Thema nicht zugänglich sind, auf der adern Seite
jedoch wer weiß wie vieleo gefälschte Stücke die Literatur
und sogar Dokumentenbestände angereichert haben und
ein offizieller Wille, dies zuzugeben, die Falsifikate
auszumerzen und eine ehliche Sezierung der wirklichen
Vorgänge i n diesem Themenbereich vorzunehmen, nicht
erkennbar ist. Wer as damaiger Erlebniszeuge sich
öffentlich zu Wort meldet, "zieht die Staatsanwatschaft
auf sich", wie es die Presse dann anschließend nach
Prozeßeröffnung ( siehe Karl Wolff, Frankfurter Allge­
meie) formuliert, - wer hingegen nicht Erebniszeuge
ist, steht der mangel haften f�uellenlage sowie dem
Kartell beamteter Historiker und der gleichgerichteten
"öffentlichen Meinung" und außerdem einer möglichen
wirtschaftlichen Existenzgefährdung gegenüber, was die
meisten veranlaßt, "die Finger davon zu l assen".
Aus diesen und manchen anderen Grnden sind viel e
Urteil e, die in Nürnberg 1945 - 1946 über das IMT und
die nachfolgenden Mil itärgerichte " in die Geschichts­
wissenschaft eingeführt" worden waren, und zwar
vielfach mit zweifelhaftesten Methoden, bis heute nicht
revidiert worden, obgleich sie revisionsbedürfig sind.
Dies wirkt sich dann natürlich besonders ruf­
schädigend für Männer aus, die nicht in der ersten,
sondern i n der zweiten, dritten oder vierten Führungs­
rihe des untergegangenen Reiches gestanden hatten, tot
sind, sich daher nicht gegen die erhobenen Vorwürfe zur
Wehr setzen können. Dem Historker fehl en zudem zu
viele Mosai ksteinchen, weil das Handeln gerade dieser
Männer - und dies gar erst gegen Kriegsende - zu wenig
Publ izität erlangt hatte.
So muß es unbefriedigend bleiben, wenn Herr
Reinecke Verbrechensvorwürfe gegen den obersten
29) Deutsc he Hochsc h u l l eh rerzei t u ng, Tüb i ngen 1 963, N r, 1 /2, S. 2 1 f ,
Kapi te l : ' Das Nac h k ri egss chi cksal ei nes de utschen Ge ner al s "
SS- Arzt Dr. Grawitz und Oswald Pohl al s Leiter des
WVHA erhebt, ohne daß man Konkrtes erfähr, ohne
etwas nachprüfen zu können und ohne da von den
Betroffenen dazu Stellung genommen werden konnt.
Zweifellos ist viel Schreckliches angesichts der sich
abzeichnenden Kriegsverlust- Katastrophe und der i mmer
grausamer werdenden Verichtungsstrategie der
Alliierten geschehen. Hiervon pflegen siegrei che
Nationen grundsätzlich verschont zu werden, weil si e
nicht ihrer Lebensvernichtung entgegensehen. Das all e�
sind weniger politische " System"- Erscheinungen, as
vielmehr menschliche. Welche Größenornung an
grauenvollen nachgewiesenen Verbrechen steht dem auf
sowjetischer Seite zu einer Zeit gegenüber, al s entweder
das Sowj etsystem überhaupt nicht bedroht war oder
beispielsweise nach dem 22. Juni 1941 nicht vor der
Verichtung stand !
Grundsätzlich kann man bis heute niemandem attes­
tieren, daß er die vorsthenden Themenbereiche ohne
engagierte parteiliche Emotion und damit sachlich beur­
teilt hätte. Wer dogmatisch Adolf Hitler die aleinige
Kriegsschuld und dann noch ftr alle Feldzüge, die
Schuld am zivilen Luftkrieg, die Schuld an den Kriegs­
verbrechen überhaupt, j a die Schuld schlechthin an alem
zuweist, zeigt allein damit, daß er gar nicht gewillt ist,
sachliche Zusammenhänge zu berücksichtigen und wahr­
haftie Auskunft zu ermittel n und zu geben. Wie soll
ma von solchen Leutn erwarten, daß sie in Einzel­
fragen der deutschen Innenpolitik sachlich sind? Wir
benötigen aber Sachlichkeit auch in diesen Fragen!
Da wir im Rahmen des vorliegenden Heftes ohnehin
keinen Platz zur V erftgung haben, das gesamt Thema
erschöpfend zu behandel n, es andererseits aber wichtig
erscheint, der Öffentlichkeit zur eigenen Urteilfindung
Dokumentationen vorzulegen, halten wir es für geboten,
an dieser Stelle zumindest einige Auszüge aus einem
Schreiben Oswad Pohs 3 Jahr vor seiner Hinrichtung
zu zitieren: 29)
"Am 3. März 1 94 2 wurde mi r al s wirt sc haft l iche Aufgabe di e
Überwachung de s Arbei tsei nsatzes der KZ- Insassen für die Rüst­
ungs industrie al s Mi ni sterial i nstanz übert ragen . . . .
I n Sonderhei t hatte ic h als Ve rwalt ungschef ni chts mi t der
Durchführ ung der Eut hanasi e und der Ausrot t ung der J uden zu
t un . . . .
Ich war nach den vorausgegangenen brutal en körperl ichen
Mißhandlungen in Nenndorf u nd i nfolge der Behandl ung in
Nürnberg seel i sch vol l kommen zusammenge brochen. I ch war 54
Jahre alt , hatte 33 Jahre mei nem Vaterland makellos gedient und
war mi r kei nes Verbrechens bewußt. . . .
Anklage gegen mic h erfolgte am 1 3. 1. 1 94 7 . . . .
Man hat mic h i n Nürnberg zwar nicht wi e m Ne nndorf
körperlic h mißhandel t , wenn i c h vo n der monatel angen Hand­
fessel ung absehe , . . . . man wandte viel mehr die unauffäl l ige und i n
i hrer Art vi el brutal ereMet hode seel i scher Quäl ere ien an . . . . .
Noc h gemei ner war die Methode manc her Vernehmer ( z. B.
He rrn Rapp) : ' 30 Mi l l ionen :enschen haben Si e umgebracht ! ' ,
' 1 0 Mi ll i one n Todesurte i le haben Si e untersc hri eben ! ' , '3 Mi llio-
2 9
nen Menschen haben Sie sterilisiert ! ' . Mi t solc hen und ähnl ichen
Behauptungen mühten s ic h die Vernehmer, mich i n den Verhöre n
weic h z u machen, obwohl sie genau wußten - denn sie besaßen ja
all es an Dokumenten, was es über mich gab ! -, daß ihre
Behauptungen unwahr und Tricks waren. Da ich keine seelische
Elefantenhaut besitze , verfehlten solche teuflische n Ei nschüchte­
rungn ihre Wirkung nic ht. Und die Vernehmer erreichten das,
was sie wollten: nic ht die Wahrheit, sondern ihren Zwec ken
entsprechende Aussagn . . . . .
Wo die ec hten Unterlagen der Anklagebehörde nicht i n den
Kram paßten oder zur Errichung der von ihr erstrebte n Verurtei­
lung nicht genügten, wurde n ' Affidavi ts' zusammengeschustert.
Das Auffallende an diesen merkwürdigen Prozeßunterlagen ist,
daß die Angeklagen in ihnen sich oft s el bst beschul digten.
Verständlich ist das nur demjenigen, der die Techni k des Zu­
standekommens solcher ' Affidavits' selbst erlebt und kennenge­
lernt hat . . . .
Be i de n l etzten auf diese Weise erpreßten Affidavi ts nahm ich
meinen Verteidiger (Dr. Seidl) zu Hilfe mi t, der bezeugen kn,
wie di e Anklagebehörde operiert hat . . . .
Oswald Pohl
Auf di ese Wei se si nd Affidavi ts zustandege kommen und einge­
führt worden, die tat säc hli ch erwie sene Unric hti gkeit en in wesent­
li chen Punkten enthalten . . . .
Wo aber selbst di eses Mac hwerk nicht den vo n der Anklage­
be hörde erstrebten Erfolg sichert e, l i eß sie i hre sogenannten
' Kronzeugen ' (auf deutsch: gekaufte Zeugen) aufmarschieren. Es
hat - zur Sc hande des deutsc hen Wesens muß e s gesagt werden ­
auch in Nürnberg eine ganze Re ihe di eser dunklen, traurigen
30
Gestalten ihr erbärmliches Spiel getrieben. I n ihre n Reihen be­
fanden sich hohe Regierungsbeamte, Ge neräle und I nt ell ektuelle
ebe nso wie Zuchthäusler, Geisteskranke und echt e Sc hwerer­
bre cher . . . .
Im Prozeß gegen das WVHA trat als ' Kronzeuge' ei n gewisser
Otto auf, der aus einem Irrenhaus entsprungen war und dessen
Vorleben j edem zünftige n Sc hwerverbrecher zur Ehre gereicht
hätte. Das gleic he gil t von de m Anklagezeugen Krusial . der dem
Gericht unter Ei d die tollsten Schauermärchen aufti scht e und
natürlich auch Glaube n fand . . . . .
Daß die i n den WVHA- Prozeß eingeführten Fil me als Beweis ·
mi ttel , die zudem mi t dem Gegenstand der Anklage gar nichts ¿ U
tun hatten und trotz des Ei nspruchs der deutschen Verteidigung
vom Gericht angenommen wurden, zum Teil ' gestellte ' Auf­
nahmen wiedergbe n, sei nur am Rande vermerkt . . . .
Nac hdem die Anklagebehörde fast 2 Jahre lang i n dem ihr zur
Verfügung stehenden, viele Kisten umfassenden erbeute ten Do­
kumenten- und Aktenmaterial herumgewühlt hatte, drängten die
deutschen Vertei diger fortgesetz t, daß ihnen das gleiche Recht
eingeräumt werde. Die Anklagebehörde l eugnete hartnäckig, daß
sich di eses Material in ihren Händen befinde. . . . Mi t zi eml i ch
betretener Mi ene stell ten di e drei amerikanisc hen Richter nach
Rüc kkehr aus ihrer Kellervisite im Justizpalast fest, daß di e
Anklagbehörde geschwindel t habe und di e Behauptung der deut­
schen Verteidigung richtig se i. Nunmehr konnte dieser ni cht
länger das Rec ht vorent halt en werden,
-
ihrerseits dieses amtli che
Material zu benutzen. Leider ( oder natürlich) fiel diese Entschei­
dung erst gegen Ende des Prozesses, so daß die Sie htung und
Ausbeute dieses umfassenden amtlic hen Materials durch die de ut­
shen Verteidiger im Interesse der Ange klagten nur ganz flüchtig
und oberflächli ch möglich war. In dieser Tat sache lag die stärkste,
ja die ganze Lähmung und Behi nderung der Verte i digung der
Angeklagten, denn i n diesen Kisten befand sich auch das ent­
lastende Material, dessn Vorlage die Anklagebehörde somi t ver­
hindert hatte. ' Ordentl i ches' Verfahren?
Wie par excellence i n de n Dachauer Prozessen, s o kam auch in
den Nürnberger Prozessen unverkennbar und schlecht verhohl en
zum Ausdruck, daß nicht die Ermi ttlung der Wahrheit, sondern
die Vernichtung möglichst vieler Gegner das Ziel der von bli ndem
Haß und offensichtlic her Rachsucht getriebenen An klagebehörde,
in welcher jüdische Vertreter domi ni erten, gewesen ist. Der Gott,
der den Sieger blendete , hat uns Besi egten di e Augen ge öffnet.
We nn diesem Haß nicht Ei nhalt geboten wird, werden s ich die
Gräberrei hen der auc h unschuldig geric hteten De ut schen noch
mehren.
Am l . Juni 1 948 gez. Oswald Pohl "
Zwei Tage vor seiner Tötung durch die Amerikaner
schieb er an den Vorsitzenden des Bundes deutscher
Soldaten, Admiral a. D. Gottfried Hansen
u. a. :
"Auf mei ne Ini ti ative i st kei n ei nziger .J ude deporti ert oder
vernichtet worden . . . .
Ich war mit I 7 mei ner ehe malige n Mi tarbei ter angeklagt . 3
wurden fre igesprochen, 4 zum Tode verurt eil t ; die restli chen
erhielten F rei hei tsstrafe n. Von den 4 Todesurteil en hob das
Gericht, das sie verhängt hatte, selbst ei nes wieder auf; das zwei te
änderte General Cl ay in l ebenslängl ich ( i nzwi schen auf 20 Jahre
re duziert ) ab; der drtte Todeskandidat ist am 23. Mai 1 9 5 1
entlassen worde n, nac hde m sei n Todesurteil auf 9 Jahre herabge­
setzt worden war ! So spri ngt man mit Köpfen um. Als ei nziger
Todverurteil ter bin ich übriggebl i eben. Von all en 1 5 Verurtei l ten
befi nden si ch nur noch 7 in Haft ; die übrigen si nd bereits
entlassen . . . . "
Ve r t e i d i g e r RA . D r . As c h e n a u e r
Einige Auszüge aus der Stellungnahme des Rechts­
awaltes Dr. Rudolf Aschenauer zur Erklärung des
amerikanischen Hohen Kommi ssars Mr. John J. McCloy
und des us-Gnadenausschusses vom 31 . 1 . 1 951 in bezug
auf die von den Nürnberger Militärgerichten Veruril tn
mögen helfen, Sachverhalte richtig zu stllen.
Wir zitieren diese Auszüge wortgetreu, obgleich das
seinerzeitige Verteidigungsvorbringen darauf ausgerich­
tet wa, Schuldvorwürfe auf einen behaupteten bzw.
eingestandenen " Führerbe fehl " abzuwälzen. Dieser
" Führrbefehl " wiederum wurde sowohl im Prozeßver­
fahren als auch noch danach vielfach in einer Weise
dargetan, daß er j ene Auslegungen zuli eß, die den Rich­
tern genehm ZD sein schienen. Inzwischen ist j edoch
durch vielerlei Rechersehen erwiesen, daß es einen
Führerbefehl zur Verichtung von Slawen oder Juden
oder Zigeuner nur deshalb, weil sie einer anderen Rasse
angehörten , nicht gegeben hat, sondern daß sämtliche
Befehle für Wehrmacht, SS, Polizei und Einsatzgruppen
sich auf die Gewährleistung der Sicherheit fir die eige­
nen Tmppen bezogen.
Dr. Aschenauer führte i n seiner offenen Stellung­
nahme aus :
"Teil B
Bei Behandlung der Taten, di e von den Einsat zgruppen i m
Osten vorgenommen wurde n, sol l nicht das grausige Geschehen i n
Abrede ge stellt we rde n. Aber mi t Recht sagt McCi oy:
' Sorgfalt ist erforderl ich, da mi t die Roll e, die ein Angeklagt er
bei ei nem Unt erne hmen ge spi elt hat, nic ht entstel l t wi rd durch
de U nge heuerlic hkeit di eses Unternehmens. '
Sorgfalt i st abe r auch notwendig bei der Prüfung der Zahlen,
di e bei den Tötungen durc h di e Einsatzguppen in Frage stehen.
Auf Sei te 4 des Beri c hts des Gnadenaussc husses hei ßt es:
' Nicht weni ger al s zwei Mil l ionen hi l fl oser Menschen wurden
bei die se m Unt erne hmen umgebracht . '
Das Geri cht i m Fal l I X sel bst zi t iert auf Seite 6 8 5 3 di e
An klage, daß die 23 Angeklagt en übe r ei ne Mil l i on i hrer Mi tmen·
schen umgebrac ht hät t en. Der Gnadenaussc huß stützt sich an­
schei nend auf di e Fest st el l ung de s IMT, daß ' zwei Mill i onen von
36 Ei nsl zguppen und anderen Ei nhe i ten der Sic herhe itspoli z ei
getötet wurden' , ob wohl diese Feststel l ung des I MT aussc hl ießl ic h
auf einer einz igen Aussage eines Zeugen und diese auch noch auf
Hörensagen beruht, während das Gericht auf Seite 6881 selbst
feststellt, daß die Ei nsatzgruppen ' bei weitem über eine Million'
Me nschen töteten. I n Wirkl ichkeit ergebe n die Zahlen aus sämt­
l i chen in diesem Einsatzgruppenprozeß vorgelegten Dokumenten
eine Zahl, die kl einer ist als eine halbe Mill i on Toter. In dieser
Zahl sind sämtliche kriegsrechtlich z ulässigen Erschießungen von
Partisanen und Freischärlern, Plünderern und Saboteure n sowie
sämtliche Sühne· und Vergel t ungsnaßnahmen mit enthalten. Hier
zu kommt noch, daß im Prozeß nachgewiesen wurde, daß viele
der in den Dokumenten genannten Zahlen Übertre ibungen dar­
stellten.
Man muß sich daher fragn, wie das Geric ht und der Gnade n·
ausschuß zu derartigen Feststel lungen kommen konnten, die im
krassen Widerspruch zu dem gesamten Beweismaterial stehen.
Der Gnadenausschuß dürfte sic h, außer auf das IMT- Urteil auf
S. 6883 stützen, wo das Gericht ausfhrt :
' Manchmal umfaßte das Vernichtungsgebiet ei n ganzes Land,
wie Estland, oder ein goßes Gebiet wie die Krim Um die Zahl
der Getöteten in eine m auf diese Weise bezeic hneten Gebiet
festzustel l en, braucht man l edigl ich den Atl as und die betreffen­
den Volkszählungslisten zu studieren. '
Diese Feststelung traf das Gericht, obwohl von der Anklage
dokumentarisc h nachgewiesen wurde ,
a) daß von den 4. 500 J uden, die bi s 1 941 in ganz Estland
wohnten, beim Einmarsch der deutschen Truppen nur etwa 950
noch i m Lande anwesend waren bzw. erfaßt wurden.
( Anklage- Dokument 41 80, Ereignismeldung 1 1 1 i m Dok.- Buch
II A)
b) daß i m Oktober 1 941 von hunderttausend Jude n i n Dnj epr­
petrowsk rund 7 0. 000 flohen.
( Anklage- Dokument Band II C, S. 50 engl . Text)
c) im August 1 941 in Kischinew von 60 · 80. 000 Juden bei der
Besetzung der Stadt nur noch etwa 4. 000 vorhanden ware n.
( Anklagedokument Band 111 D, S. 1 8 engl.
T
ext)
d) im Oktober 1 941 i n Czerikow von 1 0. 000 Juden nur 620
zurückblieben.
( Anklage- Band 11 C, S. 45 eng!. Text)
und von der Verteidigung unter Bewei s geste llt wurde,
daß z. B. von etwa 50. 000 Vol ksdeutschen der Kri m nur noc h
600 übrig geblieben waren, alle anderen von den Bolschewi sten
getötet oder nach Sibirie n versc hleppt worden waren.
Es ist mi t ei nem gerechten, unpartei i schen Verfahre n ni cht zu
vereinbae n, daß das Gericht die obige Feststell ung traf, trotz des
sei tens der Anklage unterbre it eten Bewei smaterials, daß all ei n i n
dre i Städten von 1 70 - 1 9 0. 000 Juden nur noch etwa 34. 000, also
knapp 20% vorhanden waren. Das Gericht durfte ni emal s die
Tötungsziffern mit den Zahlen einer Volkszählung i n Fri edens­
zei ten gl ei chsetzen. Aber hier l ie gt ei ner der Schlüssel für di e
Mi ll i onenziffe rn, mit denen der Gnadenaussc huß operiert, obwohl
sie durch ni chts bewi esen si nd.
31
Dr. Werner Braune
Wenn wir den Fall Braune sorgfälti g prüfe n, dann mussen wrr
folge ndes fe st ste I I en:
Braune wurde nach dem Urt eil zum Tode ver urteil t wegen
a) Judenersc hi eßungen in Si mferopol ,
b) der Durc hkämmung der Stadt Si mferopol nach unzuverläs­
sigen El ementen,
c) der Ersc hie ßungen von Hec kenschützen und Parti sane n i n
Eupatoria, obwohl di e Punkte b und c gar nicht i n der Anklage­
sc hrift erwähnt sind . . . .
BRACNE: ' Bere i ts die erst e Sei te die ses Dokument s z ei gt klar
und ei nde ut ig, daß es sich hier um ei ne Maßnahme handelt, die
auf Befe hl - ich zi t iere - des AOK 1 1 OQU durchgeführt wurde,
und z war am 1 2 . Februar 1 942. I ch darf auch hier wie der auf die
be sondere Si tuati on hi nwei sen, denn ic h eri nnere mich genau, daß
dieser Be fehl durch die se Si tuati on ausgelö st wurde. ' . . .
In Si mferopol wurden von den rüc kwärtigen und Nachschub­
ei nheiten, ei ne bunt zusammengewürfel te Menge, fieberhaft
Kampfstände gebaut, di e Stadt in Vert ei di gungsbezir ke geteil t
und all es auf den Kampf ei nger ichtet gegen die aus Ric htung
Feodosia vordringenden Russen. In die sem Augenbl i ck befahl die
Armee, die Stadt zu durc h kämmen, um weni gstens bewahrt zu
sein vor überraschungen aus der Stadt herau�, und so km es zu
diesem Befehl. Daß es si ch hier um ei ne re i n mil itäri sch be di ngte
Maßnahme handel te, ergi bt si ch aus wei t ere m:
I n dem Original dokument , Dok. Nr . NOKW 1 863 hei ßt es:
' 0. U. , den 1 2. Januar 1 942: Ei nsatzbefe hl
l . Auf Be fehl de s AOK 1 I , Oberquarti er mei ster, wird am
1 2. 1 . I 942 um 1 1 Uhr sc hlaga rtig ei ne Akti on zur Erfasssung
unz uverlässiger Elemente durc hge führt. . - .
3. Die Führung der Akti on hat der Führer des Sonder­
kommandos 1 1 b, SS- Sturrnbannführer Dr. Braune. Die Befehls­
stelle befi ndet sie h i n der Ortskommandant ur. . . .
5. Zur Durc hführung des Ei nsat zes i n die sen Bezi rken stehen
zur Ve rfügung
Bezi rk I = 350 Wehrmac htsangehörige des ei genen Bezirks,
Bez irk II = .500 Wehrmachtsangehörige des eigenen Bezi rks . . .
8 . . . .
Besonders wicht ige, verdäc htige Personen, die sofort vernom­
men und übe rprü ft werden müssen, werden von den Sammel­
plätzen dt·r ei nzel nen Bezirke unmit t elbar zum Sonder kommando
1 1 b, Student enstraße 1 2, gebracht. '
Aus Proto koll und Dokument geht hervor, daß die Akti on
einzig und all ei n i m Rahmen ei ner Abwehr gege n die Parti sanen
zu sehen ist, also i m Rahmen der Parti sanenkriegsführung l i egt.
Die Si tuati on wurde ausgel ös t durc h die Landung der Russen auf
der Halbinsel Krim . . . .
Ot t o Ohl endorf
Die i m Falle Otto Ohlendorf vom Hoc hkommissar gegebene
Begründung nimmt nicht zu der Frage St ellung, ob Ohlendorfs
Tätigkeit als Einsatzgruppenchef überhaupt ursächlic h bewirkend
für die im Bere ic h sei ner Ei nsatzgruppe vollz ogenen Taten ge­
wesen i st.
Zwei Fragen i nsbesondere hätten gestellt und bej aht werden
müssen, wenn man die unmit t elbare Verantwortung fr die
Tötungen, die Ohlendorf von seinen Ric htern und j etzt wieder
vom Begnadigungsaussc huß zugesc ho ben worde n ist, rec htl i ch
unangre ifbar begründen wollt e:
a) Hat Ohlendorf den grundlege nden Tötungsbefe hl selbst
gegeben?
b) Hat Ohlendorf auf Grund ei nes aUgemei nen Tötungsbefe hl s
einzel ne Tötung�akt i onen befohle n?
32
Bei de Fragen si nd ei nwandfrei zu vernei nen.
Der die Tötung anordnende Grundbefehl gi ng von Hitler, dem
damaligen Staatsoberhaupt und oberste n Kriegsherrn aus, und war
mi t Notwendi gkei ten der Sicherhei t· für die dtutsche Truppe
begründet.
Die unter Üblendorf operierenden Ei nsatz kommandos er­
hiel ten von Ohlendorf kei ne spezidi en Befe hle. Die Führer dieser
Kommandos hatten den ' Führerbefehl ' ni cht durch Ohlendorf,
sondern von i hrem Ei nsa t z unmi ttelbar, d. h. ohne Einschalt ung
von Ohlendorf als Befehlsvermit tler bekommen . . . .
I m Falle Ohlendorf steht die Frage z ur Debatte, ob die
ei nwandfre ie Feststellung ei ner indivi duellen verbrecheri schen
Sc huld ersetzt werden darf durch die Begründung ei ner Kollektiv­
haftung, die all e persönli chen Elemente der strafrchtli chen
Schuld ei nes ei nzel nen außer acht läßt.
Dr. Shuster behauptet , Ohl endorf habe ' all es z ugegeben' und
sich zu sei ner Verteidigung l edigl i ch auf die ' damal s herrschende
Staatsmoral' berufen.
Ist das ric htig?
Was hat Ohlendorf z ugegeben? Hat er wi rkli c h erklärt , er habe
hunderttausnd Menschen gewi ssenlos in den Tod gejagt : auf
sei nen Befe hl hi n sei en diese Me nschen getötet worden, ' nur weil
sie ei ner anderen reli gi ösen und pol i ti schen Gruppe' angehört
hätten?
So l i ege n die Di nge ni cht. Der wahre Sac hverhalt war fol­
gender: Selbst von der Ankage ist im Prozeß gegen Ohl endorf
nic ht behauptet und auch nic ht unterstellt worden, daß er jemals
ei nen Befehl zur Tötung einzelner Personen oder ganz er Personen­
guppen gegeben oder auc h nur wei tergegeben hätte.
Dagegen i st i m Prozeß durch Zeugenaussagen oder Dokumente
ohne Widerspruc h sei tens der Anklage belegt worden,
daß Ohlendorf ales Menschenmögliche getan hat, um sich
ei nem Kriegsei nsatz bei der SS oder Poliz ei überhaupt z u ent­
z iehen,
daß Ohlendorf i m J uli 1 941 in Pretzsc h gegen den
Führerbefehl z ur Tötung verschiedener Menschengruppen vor den
zum Befehlsempfang angetretenen Ei nsatzgruppen- und - Kom­
mandoführern laut prot esti ert hat ;
daß er ei n zwe it es Mal die Aufhebung des Befehl s bei Himmler
selbst i m Oktober 1 941 in Nikolajew zu erreichen suchte;
daß er i hn einschränkte und z u mil dern suchte, soweit es i hm
unter den gegebenen Verhäl t nissen mögli ch war.
Als er Anfang Jul i 1 942 aus Rußland nach Berli n zurückge­
ke hrt war, nahm er den Kampf ggn die Vernic htungspoli t i k
Kochs, Thomas' und Gl oboczni ks i n Polen und Rußland i n
entsprechenden Berichten an die oberst e Führungsstelle des
Re i ches so nachdrückli c h auf, daß Himmler die ' Dezi mi erung'
sei nes Amtes befah und Ohlendorf i m Falle von weiteren der­
arti gen Versuchen mi t Verbringung ins Konzentrati onsl ager be­
drohte. Trot zdem hat Ohlendorf sei nen Kampf fortgesetzt. . . . "
Sowj et i s c h e ·· ool< u m e n t a t i o n"
B e i s p i e l : I< A T Y N , L E MB E R G , MAJ D A N E I<
Bei Beurteilung der Einsatzgruppentätigkeit in Ruß­
land - wie grundsätzlich des Verhaltens j eglicher deut­
schen Kampf- und Verwaltungseinheiten im Ostfeldzug
- steht die Geschichtswissenschaft vor vier grundlegen­
den Tatsachen:
1 . ) Die sowj etischen Behörden haben bis zur Stunde
jegliche unabhängige wissenschaftliche Forschung in
ihrem Territorium unmöglich gemacht. Daher konnten
weder sachgerechte Überprüfungen von dort vorgefun­
denen und bis j etzt unzugänglich gemachten Dokumen­
ten vorgenommen werden, noch Zeugen unvorein­
genommen und ohne Zwangshintrgrund verommen
werden, noch behauptete Verbrechenstatorte in unver­
ändert vorgefundenem Zustand eingesehen werden.
2. ) Die sowj etischen Behörden haben sich seit j eher
und insbesondere seit 1945 der hemmungsl osesten Do­
kumentenfälschungen und Sachverhaltsverdrehungen
bedient.
3. ) Ein Teil dieser sowj etischen Dokumenten­
flschungen ist von den westlichen Mächten stilschwei­
gend verworfen, somit als Fälschung registriert worden,
ei anderr Teil jedoch nicht, wie es gerade dem durch
gemeinsame Waffenbrüderschaf herbeigeführten poli­
tischen Ziel entsprach.
4. ) Der Teil jener Dokumentnfälschungen, der ent­
weder aus sowetischer oder aber auch aus amerikanisch­
brtisch-französischer Quell e stammt , und nach wie vor
as "dokumentarischer Nachweis" gehandhabt wird, ist
nicht de shal b echt, weil er auch von westlichen Histori­
kern oder dem Institut für Zeitgeschichte als authentisch
bezeichnet wird.
Da viele dieser Deutschland anklagenden "Doku­
mente" bereits in den Jahren 1 945 und 1946, vorehm­
lich mit Hilfe des Hauptprozesses in Nürberg und seiner
Nachfolge- Militärtribunale in die Öffentlichkeit und in
die "Wissenschaft" " eingeführt" wurden, sind die Me­
thoden besonders kennzeichend für das ganze System,
wie dor mit der Wahrheit und "Dokumentationen"
herumgesprungen wurde . Wurde bereits in der Zeit-
schrift "Historische Tatsachen" Nr. 18 auf die sowjeti­
sche Anklage hinsichtlich der fantasierten " Seifenpro­
duktion aus Menschenleichen" hingewiesen, so möge
hier im Zusammenhang mit der Einsatzgruppenthematik
auf den Fall Katyn sowie auf die Fälle Lerber und
Majdanek aufmerksam gemacht werden, weil dieses
System der hemmungslosen Greuelagitation mit Hife
von " Zeugenaussagen", "Dokumentn" und " Sachver­
ständigenkommi ssionsbefunden" geradezu unvorstell­
bare Ausmaße angenommen hat, die keinerlei Gewissens­
grenzen kennen. Diese Handhabung macht aber auch
deutlich, wie groß der Rahmen der Verleumdung ist, wie
weltweit er sich auf Grnd der Mächtlage publizistisch
auswirken kann, wie aber auch auf der anderen Seite
jeder Wahrheitsforschung die Grundlagen entzogen wer­
den. Eine westliche offiziele Geschichtsschreibung, die
"um des Friedens wilens" mit der sowj etischen Remis­
sphär und auch zur Verbrämung eigener imperalisti­
sher Machtsicherung einen umfangreichen Teil gefälsch­
ter Behauptungen über historische Vorgänge im Verlauf
des Zweiten Weltkrieges übernommen hat, keinerlei Vor­
behalte übr zweifelhafte und offensichtlich gefälschte
"Dokumente" äußert, allenfall s einies zwischenzeitlich
verschweigt, ist nicht geignet, diese wirklich schwi eri­
gen Fragen zu klären, die mit dem Verhalten der
deutschen Truppen in Rußland zusammenhängen. Wer
sie indessen klären will, muß ohne jegliche Einschrän­
kung und Abshwächung auf die vorenannten Punkte
aufmerksam machen.
Somit sei darauf hingewiesen, wi e und mi t welchen
Ausführungen die sowj etischen Ankläger in Nürnberg
1946 der deutschen Führung Verbrchen vorgeworfen
habn.
Zunächst der sowjetische Ankläger Oberst PO­
KROWSKY am 14. 2. 1946 zum Fall Katyn:
"
Aus dem ge samt en Material, das der Sonderkommission zur
Verfügung steht, nämlic h aus de n Aussagen von mehr als I 00
Zeugen, aus den Angaben der gerichtsmedizini schen Sachverstän­
digen, aus den Dokumenten und Beweisstücken der Gräber i m
33
Walde von Katyn, ergaben sic h mi t unwiderlegbarer Klarhei t
folgende Schlußfolgerungen :
I . Kriegsgefangene Polen, die sic h in drei Lagern westlic h von
Smol ensk be fanden und die zu Straßenbauarbei te n vor Kriegs­
ausbruc h verwendet wurden, blieben dort auc h nac h dem Ei nfall
der deutsc hen Eindringl inge in Smolensk bis ei nschl i eßli ch
September 1 94 1 .
I m Walde von Katyn wurde n von den deutschen Okkupati ons­
behörden im Herbst 1 941 Massenerschi eßungen an pol nische n
Krieggefangene n aus de n obengenannte n Lagern begngen.
3. Di e Massene rsc hießungen der pol nischen Kri egsgefangenen
i m Walde von Katyn wurden von ei ner deutsc hen Militärbehörde
ausge führt, di e sic h unter dem Dec kname n ' Stab des Baubataill ons
5 3 7 ' verborgen hielt, und an dere n Spi tze der Oberl eutnant Arnes
und seine Mitarbeiter, Oberleutnant Rex und Leutnant Hott,
standen.
kriegsgefangenen Pol en durc h di e Deutschen i m Herbst 1 94 1
gez oge n wurden, werden durch die i n den Gräbern von Katyn
aufgefundenen Bewei sstücke und Dokumente i n vollem Umfang
bestätig.
8. Indem die deutsch- faschi sti schen Ei ndringli nge die polni­
sc hen Kriegsgefangenen im Wald von Katyn erschossen, führten
sie folgeric htig i hre Politi k der physi sche n Ausrottung der slawi­
schen Völ ker durch.
Mit den Massenmurreu von Katyn werden die Hitler-Ver­
brechen an den Angehörigen der pol nischen Armee nicht er­
sc höpft. In dem Bericht der Polnischen Regierung, der mit als
Dokument USSR- 93 vorgel egt wurde , finde n wir . . . . . "
I ch konnte dem Gerichtshof nur in stark zusammengefaßter
Form �he Art und Weise zeigen, i n der di e knnibalischen
fasc histi schen Befehl e ausgefhrt wurden, die die Mißhandlung
4. 1m Zusammenhang mit der
Versc hlechterung der allgeme i nen
mil i täri sc hen und polit isc hen Lage
für Deutsc hl and trafe n die deut­
sc he n Besatzungsbehörden bis An­
fang 1 943 e i ne Rei he von Provoka­
ti onsmaßnahmen, um ihre eigenen
Bestialitäte n im Hi nbl ic k auf de n
Stre it zwisc he n den Russen und den
Pol en den Sowjetbehörden zuzu­
shieben.
London:
5. Zu diesem Zwec k versuchten
a) die deutsc h- fase histischen Ei n­
dringl i nge auf dem Wege dn Über­
redung, der Bedrohung sowi e bar·
barischer Fol terungen unte r den
Sowjetbür grn ' Zeugt n' zu tindcn,
denen sie die lügneri schen Aussagn
erpre ßten, daß die kri egsge fangenen
Polen von den Sowjetbehörden i m
Frühjahr 1 940 erschossen worde n
waren.
Hitler Murdered
Three Million
Jews In Europe
Hl t ler has murdcrcd or Cc­
stro,·ed by pl anned st arvn tion.
proms. forccd Jabur. and de­
prtat J Ons. mor� than 3. 000. 00 of
Europp's J�ws. arcordi ng t o a
statement o! t h� Irst i t ute o!
Jcwis!1 Afai rs pulhshrd m thc
Um: ed Statr.
Rusi a and ot her count rie! have
given ns.vl um to 2.00.00 �xi les.
s.vs the reprt. lraving only
3. 30. 000 of Europe' s pre-w1r
Jewih ppul atl on of 8, 300,00 un­
accoutd for.-B. U. P.
b) Die dn tts. · hen Besatzungs­
behörde n habe n im Frühjahr 1 943
aus andere n Ort en die Le ic hen der
von i hnen ersc hossenen kri egge fan­
gnen Pol en herbe ige sc hafft und si e
in die ausgehobenen Gräber des Wal­
de s von Katyn gel egt, um die Spur
i hrer ei gnen Bestialität zu ver­
wi sc he n und die Zahl der ' Opfer der
bolsc he wi st i schen Bestialität en' t m
Wal de von Katyn zu vergrößer n.
t Di eser kl ei ne Ausschni tt ist rechts vergrößert
Beachtl i ch an di eser Ausgabe
"The Peopl e" vom 1 7 . Oktober
1 943 ist, daß di e Erwähnu n der
3 Mi l l i onen ermorderter Juden der·
arti g kl ei n publ i zi ert worden war,
außerdem ohne ei ne ei nzi ge nähere
Ei nzel heit, daß man annehmen muß,
di e Herausgeber gl aubten sel bst ni cht
an di e Ernsthafti gkei t di eser Mel ­
dung. - Es handel t s ich hi erbei um
ei ne ni cht bestäti gte I nformati on
ei nes jüdi shen I nsti tuts i n den USA.
I mme rhi n: 2 Mi l l i onen Juden ge­
l angten mi t Hi lfe Rußl ans u nd
anderer Länder i ns Exi l .
.. .......................... ...................... .... ........ ..
c ) Währe nd die deut schen Besatzungsbehörden die Provoka­
tionen vorbere i t et en, benutzten sie et wa 500 russi sche Kriegs­
gefangene für die Arbei te n zur Aushebung der Gräber von Katyn
und zur Ent fernung der sie bl oßstellende n Dokumente und
Beweisstücke. Die russischen Kriegsgefangenen wurden glei ch
nac h Beendi gung dieser Arbei ten erschossen.
6. Durch die Angaben der geric htsmedi zi ni schen Sac hverstän­
digenkommi ssi on wird außerhalb j eden Zweifel s fe stgestel l t:
a) die Zeit der Ersc hießung, nämli c h Herbst 1 94 1 ;
b) die deutschen Henker haben bei der Erschi eßung der
polnisc he n Kri egsgefange ne n dieselbe Methode ( Pi stolenschuß i ns
Genie k) angewandt, wi e bei den Massenmorden an den Sowj et­
bürgern i n anderen St ädt en, i nsbesondere in Orel , Woronesch,
Kras nodar und Smoknsk.
7. Die Schl ußfolgerungen, die aus de n Zeugenaussagen und aus
dem geri c ht s medi zi ni schen Gutacht en über di e Erschie ßungen der
34
von Kriegsgefangenen und dere n Massenhinrichtung betrafen, und
die alle Schrec ken des Mittelalters in den Schatten stellen . . . .
Di e Sowjetanklage behauptet, und ich bringe dem Gerichtshof
daftir Beweise, daß längs der ganzen Ri esenfront von der Barents­
see bis zum Schwarze n Meer, überall, wo nur ein deutscher Soldat
oder ein SS- Mann aufgetrete n ist, unerhörte, grausame Ver­
brechen begangen worden si nd, dere n Opfer friedl i che Menschen,
Frauen, Kinder und Greise ware n.
I
Die Greueltaten der deutsch-fasc histischen Verbrecher
wurden jeweil s mit dem Vorrücken der Roten Armee
nach dem Westen aufgedec kt . . . . . ••••••
Diese ungeheuerlichen Greueltaten wurden nach einem eigenen
verbrecheri sche n System begangen. Es gab ei nhei tli che Methoden
der Tötung: überall die glei che Ei nri chtung der Gaskammern, die
gleic hen Massenstanzen der runden Büchsen mit dem Giftstoff
' Zykl on A' oder ' Zykl on B' , die nach den gl ei chen Serienentwür-
fen gebauten Krematoriumsöfen, die gleiche Planung der ' Ver­
nichtungslager' , der gleiche Bau der übelriechenden ' Todesma­
schinen' , die von den Deutschen ' Gaswagen' , von unseen Leuten
' Seelentöter' , ' Dushegubka' genannt wurden, die te chnische
Ausarbeitung der Konstrukti on der Waudermühlen zur Zer­
mahlung der Menschenknochen . . . . " 3o)
Als Beweis für das alles soll Dokument USSR-64
dienen. Uns fehlt hier der Plat z, die Geschichte zu
berichten, wie sich der "Fall Katyn" wir klich zugetragen
hat. Dafür möge man das Buch des Engländers Louis
FitzGibbon, "Das Grauen von Katyn - Verbrchen
ohne Beispiel", deutsche Ausgabe London 1980 3 1) im
einzelnen durcharbeiten. Berits während des Nürber­
ger Prozesses sind derart viele Bewei smaterialien aus dem
westlichen Ausland dem IMT in Nürberg zugeleitet
worden, aus dem ohne jeden Zweifel hervorgi ng, daß die
Sowjets es selbst waren, die über 15. 000 polnische
Offi ziere, davon über 4. 500 im Wal d von Katyn im
Apri/Mai 1940 mit Genickschuß liquidiert hatten. Der
Nürberger Gericht shof i st dann auf den Fall Katyn
nicht mehr zurückgekommen und die sowjeti sche An­
klage ebenfalls nicht mehr, obgleich sie anfangs jedoch
noch "Zeugen" vorgeführt hatte.
Der nächste Fal bezieht sich auf Lembe rg, wo
nachgewiesenermaßen kurz nach Beginn des Rußland­
feld zuges die Sowjet s ale politi schen Gefangenen in den
Gefngni ssen erschossen und so zurückgelas sen hatten.
Der sowjetische Ankläger SMIRNOW wßte mit Be­
weisstück USSR-6(c) indes sen anderes zu berichten, die
" Zeugenaussage des Manussewitsch", der von der "Au­
ßerordentlichen staatlichen Kommission" in bezug auf
ein angebliches Lager nahe Lerberg vernommen worden
sei :
"Manussewitsch wurde von den Deutschen im Janovskylager
gfangengehalten, wo er in j ener Gefangenengruppe arbeitete, die
die Leichen von ermordeten Bürgern der Sowjetunion zu ver­
bre nnen hatte. Nach Beendigung der Verbrennung von 40. 000
Leichen der im Janovskylager Ermordeten wurde die Gruppe für
ähnliche Zwecke in ein Lager geschickt, das sich im Lissenit zky­
wald befand . . . .
Ich verlese nun das Prot okoll über das Verhör . . . .
' I n die sem Lager wurden i n der Todesfabrik besondere zehn­
tägige Kurse zur Verbrnnung von Leichen ei ngerichtet . . . .
Er erklärte an dem Ort, wo die Leichen ausgegaben und
verbrannt wurden, wie es praktisch zu machen sei, wie die
Maschine zur Zermahl ung der Knochen eingerichte t ist, wie man
die Grube ebnen soll, wie an dieser Stelle Bäume gepflant wer de n
und wie di e Asche von den Me nschenleichen zu verstreuen und zu
verbergen ist . . . . '
Dem Geric htshof weden später Photographien über diese
Maschine zusammen mit einer Beschreibung, oder besser gesagt,
einer technischen Gebrauchsanwei sung, vorgelegt werden. " 32)
Um diesen Fall ist es dann bereit s in Nürber
ebenfalls wieder sehr still geworden. Niemand hat solche
30) Di e Hi nwei se auf Katyn f i nde n si ch in den ! MT- Bände n : VI I , 470 ff,
482 f, 508; I X, 9 f; X I I I , 477; XV, 318 f ; XVI I , 298, 303 - 312, 326 -
330, 335, 338 - 345, 352 - 360, 363 - 382 f, 387 - 404; X I X, 681.
31 ) Deutsche Ausgabe ; Al l ei nvert ri eb Verl ag für Vol kst um und Ze i tge­
schi chtsforschung, 4973 Vl ot ho.
"Maschinen zur Zermahlung der Knochen' ' je gesehen.
Auch im Westen hat man das dann nicht ernst genom­
men. Die "40.000 Leichen" hingegen geistern frilich
weiter in der Literatur. Nach den Funden sucht man
nicht, von der Asche spricht man nicht, es könnte sonst
doch vielleicht jemand Fragen stellen.
Das dritte Beispiel bezieht sich auf Maj danel< , das wir
bereits in den "Historische Tat sachen" Nr. 9 behandelt
und den Bachgutachter Dr. Scheffer zitiert haben, des ·
sen Zahlenangaben von 200.000 bis 250.000 Opfer auf
"unvollständigen Anhaltspunkten" und " Schät zungen"
ohne j egliche Beweis fthrung beruhen. In Nürnberg ließ
sich indessen der sowjetische Ankläger SMIRNOW am
1 9.2. 1946 wie folgt vernehmen:
" Ic h zi tiere de n entsprechende n Teil des Berichts der Polnisch­
Sowjetischen Außerordentliche n Kommi ssion über Maj danek . . . .
' Die Polnish- Sowjetisc he Außerordentliche Kommi ssi on hat
festgestellt, daß die hitlerisc hen Henker während des vi erjährigen
Bestehens des Verni chtungslagers Maj danek auf dire kte n Befehl
i hrer verbrecheri sc hen Regierung durch Massenerschießungen und
Massentötungenn in Gaskammern ungefähr 1,5 Millionen Men­
schen vernichtet haben . . . .
Überall , wo es möglic h war, verbrannte n sie die Leichen . . . . Die
Asche der verbrannten Leichen wrde auf den Feldern verstreut,
die nicht verbrannten Knoche n wurden durc h besondere Maschi­
nen gemahlen und zur Herstell ung von Düngmi ttel n mit Dung
vermischt . In großen Lagern wurden die gema hl enen Knoc hen
der Opfer an deutsc he Fi rmen ver kauft, um Superphosphate
herzustellen.
Ich lege dem Geri chtshof als Beweisstücke für die Tarnung der
ungeheuerlichen Verbrechen der Nazi- Banditen eine Reihe von
Dokumenten vor. Erstens den Bericht der Polnisch- Sowjeti schen
Außerordentlichen Kommission über Maj danek. Dieses Dokument
wurde dem Gerichtshof als USSR- 29 vorgelegt. . . . " .B)
In diesem Stil ging es weiter, stundenlang, monate­
lang. Kein Wunder , wenn vieles dann hängen blieb, was
nicht gar so fantastisch war , und alle Zahlen zu den
großen Summen immer wieder hinzugezählt wurden.
Leider hat sich bis heute niemand gefunden, der nun
endlich einmal Schluß mit dieser Art "Bewältigung"
macht und zur Sachlichkeit zurückruft und zurück­
findet. Denn schließlich müssen wir Menschen begreifen,
daß die ungeheuren Tragödien des 20. Jahrhunders
Menschheitstragödien sind, und nicht etwa gewollte
Verbrechen einer verbrcherischen Rasse, eines ver­
brcherischen Volkes oder eines ' "verbrecherischen
nationalsozialistischen Systems". Das, was geschehen ist,
ist erschütterd genug, dazu bedarf es weder Lügen
noch gefälschter Dokumente, noch einseitiger entstellen­
der Anklagen. Um das zu erfassen, dazu bedarf es
aler dings Sachlichkeit und Ehrlichkeit vor alem bei
jenen, die meinen, auf Grnd ihrer Machtposition gerade
dies nicht nötig zu haben und weiterhin imperialistische
Politik betreiben und sich leisten zu können.
32) J MT, Bd . V I I , S. 492.
33) J MT, Bd . V I I , S. 648.
35
T ö t e t ,
T . . T " "
I I
o t e t , o t e t . .
-
A l l i i e r t e r
S c h l a c h t r u f
t
a b e r l< e i n d e ut s c h· e r
Auf deutsc he r Sei te be stand weder der Wunsch noch der Pl an, noch gi bt es i rgendei n Zi tat noch ei nen
Befe hl ä hnl i c her Art ei nes fü hre nden deutsc hen Pol i ti kers oder Mi l i tä rs, mögl i chst vi el e E ngl ä nder, Fra nzosen,
Russe n oder Jude n zu töten oder auszurotten
"Ei ne bemerkenswerte Reakti on stellte si ch sogar bei Georges
Clemenceau ein. Nach Unterzeichnung des Vertrages V. 28. J uni
1 91 9 war dies für ihn, nac h sei nen eigenen Worten, ' ei n schöner
Tag'. Aber ein paar Monate später warnte er Herbert Hoover, den
Präsidenten der Veri nigten Staaten:
' Es wird noc h e inen Weltkrieg geben zu Ihrr Zei t und man
wird Sie wi eder in Europa brauc he n. " 14)
Die "Münchener Neueste Nachrichten" vom
3. 1 0. 1930 zitierte die dem damaigen polnischen Dikta­
tor Pilsudski nahesthende Zeit ung "Die Liga der Groß­
macht " ; - es war mehr als zwei Jahre vor der Kanzler ­
schaft Hitlers und hatte mit Nationasoziaismus ebenso
wenig zu tun wie mit irgendwelchen Führungsverhält­
nissen i n Deutschland. Di e hier zum Ausdruck ge­
brachten Forder ungen beschränkten sich nicht auf
Soldaten, sondern bezogen sich auf die gesamte deutsche
Bevölkerung jenseits von Oder und Neiße. Man könnte
einwenden, dies sei ja nur ein Zeitungsartikel oder das
Programm einer Zeitung, und Pisudski ist ja dann später
davon abgekommen. Doch muß historisch festgestellt
bleiben, daß sich der hier zum Ausdruck gebrachte Geist
in der polnischen Vorkriegspolitik leider bis zum Kriegs­
ausbruch 1939 erhalten und politisch durchgeset zt
hatte. Die Dokumentationslage hierfür ist erdrückend
(siehe Walendy, " Wahrheit ftr Deutschland -- Die
Schuldfrage des Zweiten Weltkrieges") :
" Der Kampf zwi schen Pol en und Deutschland ist unausbleib­
lich. Wir müsen uns dazu syste mati sch vorberei ten. Unser Ziel i st
ein neues Grunwald, aber diesmal ei n Grunwald in den Vorort en
Berl i ns, d. h. die Niederlage Deutschlands muß von polnischen
Truppen in das Ze ntrum des Territori ums getragen werden, um
Deutschland im Herzen zu treffen. Unser Ziel ist ei n Polen im
Westen mi t der Oder und Neiße als Grenze. Preußen muß für
Pole n zurückerobert werden und zwar das Preußen an der Spree.
In ei nem Kriege mi t Deutschland wi rd es keine Gefangenen geben
und es wird weder für menschli che noch kulturelle Gefhle Raum
34) Her mann Lutz , " Ver brec hervol k i m Herze n Europas? ", Tübi ngen
1 959, S. 97.
36
sein. Di e Wel t wird zittern vor dem Deutsch-polnischen Krieg. I n
die Rei he n unserer Soldaten müssen wir übermenschlichen Opfer­
mut und den Geist unbarmherziger Rache und Grausamkeit
tagen. Vom heutigen Tag an wird, j ede Nummer dieses Blattes
dem kommenden Grunwald in Berlin gewidmet sein. " ðb)
Der Völkerbundshochkommissar von Danzig, Carl J.
Burckhardt erwähnt i n sei nem Buch "Meine Danziger
Mission 1937 - 1939" ein bedeutendes Gespräch mit
dem damaligen Präsidenten des Jüdischen Welt­
kongresses, Nahum Gol dmann:
"I hre Beschwichtigungsmanöver i n Danzig sind schädich. Der
öffentli che Protest gegen die Danziger Zustände ist notwendig,
um des Ganze n willen, wegen der allgemeinen Lage des jüdischen
Vol kes. " ðÚ)
Der us-amerikanische Sonderbotschafter Roosevelts ,
Wiliam Bul litt erkläre am 19. November 1938 dem
polnische n Botschafer in den USA, Jer zy Potocki :
"Es würde der Wunsch der dembkrti sc hen Staaten sein, daß es
dort im Osten zu krieger isc hen Auseinandersetz ungen zwischen
dem Deutsc hen Reic h und Rußland komme. " 37)
Kriegsverbrecher ist jener, der ohne Not und Zwang
ei ne den Kreg erzwinge nde Politik betreibt :
Stalin am 8. 2. 1945 i n Jalta zum OS-Präsidenten
Roosevelt :
"Obwohl sein Land nicht unmittelbar gefährdet gewesen sei,
sei C doch de r hauptsächl ichste Schmied der Werkzeuge gewesen,
die zur Mobilisierung der Welt gegen Hitler geführt hätten. " 38)
35) Ger hard Mül l er , " Angek l agt das deutsche Vol k - Tatsachen und
Urte i l e" , Pähl 1964, S. 55. - Unte r " Grunwal d" verste hen die Pol en di e
"Sch l acht bei Tannen ber g 1410, a l s de r deutsche R i tte rorden von der
Verei ni gten Li tau i sch- Pol n i schen Un i on geschl agen worden war.
36) Carl J. Burck hardt , "Me i ne Danzi ger Mi ssi on 1937 - 1939" , Münc hen
1 960, s. 1 04.
37 ) Deut sches We i ßbuch Nr. 3, " Pol ni sche Doku mente z ur Vorgeshi chte
des Kri eges", Berl i n 1940, Dok. 4, Potocki nach Warschau am 21,11 .
1938.
38) Jal ta Dok u mnte, Gött i ngn 1 956, S. 225.
Winston Churchill schrieb in seinen Memoiren über
die britische Garantie an Polen vom 31. 3. 1 939, die
Polen gar nicht erbeten hatte :
"Di e Geschic hte durc hsucht man vergebl i ch nach emer
Parallele zu diesem plötzlichen und voll ständige n Richtungs­
wec hsel ei ner Pol i ti k, die sei t 5 oder 6 Jahren bequeme, versöhn­
liche Befri edung anstrebte und dann fast über Nac ht die Bereit­
sc haft entwic kelte , einen offensichtlic h nahe bevorstehende n
Kri eg von größtem Ausmaß und unter den all erschl i mmsten
Umstände n auf sic h zu nehmen. Die Pol en- Garanti e war em
Markstei n zum Verhängnis . . . .
Endlic h war e s z u ei ner Entscheidung gekommen, i m un­
günstigsten Auge nblick und unter den unbefriedigsten Verhält­
nissen, zu einer Entscheidung, die mit Gewi ßheit zum Nieder­
metzeln von Mil l i onen Mensche n führen mußte . . . . " 39)
Und ergänzte am 3. 4. 1939 im britischen Unterhaus :
"Ist diese neue Pol i ti k begonnen worden, so kann es kein
Zurück mehr geben. . . . Wir müssen nun vorwäts gehen . . . . .
Es i s t z ur Frage von Leben und Tod geworden ! "
4
0)
Es war nicht zur Frage von Leben und Tod "ge­
worden", sonder von der britischen Regierung un­
ausweichlich dazu gemacht worden, und Churchill
forderte "vorwärtszugehen" und den Tod des Deutschen
Reiches durchzusetzen! Churchil l hat sich bis zum effek­
tiven Kriegsausbruch nicht nur nicht revidiert, sonder
wurde immer "blutdürstiger", um die Konferenzsprache
der spätren Bündnispartner zu verwenden ! Und das soll
Friedenspoliti k sein? Solche Leute sind berufen, sich al s
Richter zu maskieren? ?
Wie begann eigentlich sein politischer Werdegang?
Winston Churchill in seinem Buch "My early Life",
s. 146:
"I ndi en 1 898, September. Wir gingen systemati sch vor : Dorf
um Dorf zerstört en wi r. Wir zert örten alle Häuser , schütteten
Bmnnen z u, sprengten al l e Türme, schl ugen al l e Bäume um und
verbrannten di e Ernten . . . . Das ganze Gebi et war nac h 1 4 Tagen
eine Wüste . . . . "
Dieser Mann machte danach eine "steil e Karriere" ­
bis das Britische Weltreich zerstört war.
Associated Press l eitete am 9. 10. 1939 folgende von
Moskau kommende Meldung weiter :
" Sowjetrußland bekräftigte heute in einem Leitartikel der
Regi erungszei tung I swestia Adolf Hitlers Fri ede nsgeste, indem es
Großbritannien und F rankrei ch anklagte, ' zum Mittelal t er zurück­
zukehren' , um eintn Krieg zur ' Ausrottung des Hi tleri smus' z u
wagen.
Di e von der Iswesti a verwendete n briti sch-französi schen Argu­
mente, daß der Krieg verlängert werden müsse, um den Hi tl er­
ismus zu verni chten, ' lassen uns zu den düstere n Zeite n des
Mi ttelalters zurückkehre n, als verni chtende Rel igi onskriege ausge­
fochten wurden, um Ketzer und Menschen anderer Rel i gi on
auszurotten' .
Das Blatt fuhr fort:
' Es i st unmögl i ch, irgendei ne Idee oder Mei nung mit Feuer und
39) Wi nston Chur chi l l , "der Zwei t e We l t kr i eg, 1 . Buch, Bd, I " De r Stu r m
zi eht auf " , Ha rbu rg 1 949, S. 421 - 423.
40) W, Jedrzej ewi c z, " Pol and i n the Br i t i s h Parl i a ment 1 939 - 1 945" ,
London 1 946, Bd, I S. 1 5 - 1 6.
Schwert ausz urotten . . . . . Man mag den Hitler i smus respektieren
oder hassen oder irgendei n andere s Syste m ei ner pol i ti schen
Mei nung. Das i st ei ne Frage des Geschmacks. Aber ei nen Kri eg ZQ
begi nnen zur ' Ausrottung des Hi tleri smus' bedeut et, kriminel l e
Dummhei t i n der Pol i t i k zuzulassen. ' "
Winston Churchill - britischer Premier - in einem
Brief an Stalin am 24. 1 . 1944 :
"Wir hätten 1 9 40 mit Lei chtigkeit Fri eden schli eßen könne n
und zwar ohne wesentl i che Ei nbuße für das bri ti sche Empire . .
Warum sollten wir j et zt (Jan. 1 944) daran denken, da die Sacht:
für uns drei dem Siege entgegengeht? " 4 1)
Theodore Nathan Kaufmann, Präsident der "Ameri­
can Federation of Peace" ( "Friedensliga" ) , Mitglied des
" Brain Trst" ( Gehirtrust zur Beratung des OS-Präsi­
denten) , veröffentlichte 1940 - also schon über ein
ganzes Jahr b e v o r die Behandlung der Juden in
Deutschland eskal ierte, b e v o r der Rußlandfeldzug
begonnen hatte, b e v o r die USA in den Krieg einge­
treten warn ! ( seine Vorarbeiten für dieses Buch lagen
noch weit früher ! ) - das Buch "Germany m ust perish"
( " Deutschland muß untergehen") . Dieses Buch hatte in
den USA eine außerordentliche Publizität - natürlich
mit Unterstützung einflußreicher Kreise! - erlangt. Das
ganze Buch tri efte von Haß und Ausrottungswill en. Wir
können hier nur einiges zitieren:
"Der jetzige Krieg i s t kei n Krieg gegen Hi tler all ei n. Er wird
auc h nicht gegen di e Nazis geführt. . . . Es gibt für Deut schland nur
eine Strafe : Deutschland muß für i mmer verni ehtet werden ! Es
muß sterben ! Und zwar tatsächli ch ! Nicht nur i n der Ei nbi l dung:
. . . Wir wol l en zugunsten Deutsehl ands vorausset ze n, daß et wa
20% der deutschen Bevöl kerung kei nerlei Schul d tragen. Wi r
geben z u, daß etwa 16 Mil l i onen Deutsche völli g unschuldig si nd.
. . . Aber di e 1 6 Milli one n Deutschen si nd nicht so wert voll und für
die Me nschhei t ni cht so unent behrli ch, daß man sie verschonen
müßte . . . .
Di e Deutschen si nd wilde Tiere , e i n Knäuel gift iger Repti lien
. . . und müssen al s solc he behandel t werden. "
Der britische Gewerkschaftsführer George Gibsan am
29. 9. 1941 in einer Rede in Leeds :
"Wir müssen di e Deutsc hen töten ! . . . Und man kann s1e am
bsten t öten, wo si e in di ckst en Haufen si tze n ! " 4
2
)
Auch gegen diesen "Arbeiterertreter' ' wurde kein
Kriegsverbrecherprozeß durchgeführt !
Die angl oamerikanische Auffassung hielt den Zweiten
Weltkrieg nicht für eine Auseinanderetzung der Streit­
kräfte feindl icher Staaten. sonder "der Völker selbst ".
Die Kri egführung war daher darauf abgestellt worden,
nicht nur di e militäri sche Kraft des Gegners zu über­
winden, sonder die gesamte völkische Kraft. In dieser
Strategie tritt die Verichtungsabsicht auch gegenüber
der fredlichen Zivilbevölkerung zynisch zutage. 43)
41 ) Sc hr i f t wechse l zwi sc hn Sta l i n , Roosevel t und Churc hi l l 1 941 - 1 945,
Moskau 1 957, Bd, 1 . , S. 1 89, russ.
42) Franz Schei dl , "Gesc hi chte de r Ve rfe mung Deutschl ands" . Wi en o. J . ,
Bd. V, S. 1 25.
37
Winston Churchill in einer Geheimrde vor dem
Unterhaus am 23. 4. 1 942 :
"I n diesem Sommer und Herbst - ja auc h im nächste n Wi nter
wird Deutschl and ein wissenschaftl i ch präzi ses Bombardement
von einem Gewi cht, i n ei nem Umfang und i n ei ner Heft igkeit
erl eben, wi e es kei nes der von i hm mißhandel ten Völ ker zu
erdulden hatte. Wi r dürfe n uns nicht durch fal sche Freunde von
diesen sc hwerste n und furchtbarsten Kri egsmaßnahmen abhal ten
lassen. ' ' 4)
Winston Churchill am 21 . September 1 943 im
britischen Unterhaus :
"Die Zwil l i ngswur zel n aller unserer übel , Nazi tyrannei und
preußisc her Mil i tari smus, müssen ausgerottet werde n. Bevor dies
nic ht errei cht ist, wird es kei n Opfer geben, zu dem wir nicht
bereit wären, und kei ne Gewalt maßnahmen, di e wi r nicht cn··
wenden werden. "
Russel Grenfell faßte die politischen Ziele Winston
Churchills während der Kriegsj ahre in Churchills eigenen
Worten folgendermaßen zusammen :
"Es kam nur darauf an, Deutsche umzubringen, Deutschland
zu besiegen, und um bei des zu errei chen, gab es keine Gewaltmaß­
nahmen, die wir nicht ergreifen wollten . .
,
4s)
Winston Churchill nach der Entdeckung der Grber
von Katyn zum britischen Botschafter in London,
Raczynski i m Mai 1 943:
" ' Die Bolsc hewisten können sehr grausam sei n' .
Er fügte jedoch hi nz u, daß i hre Unbarmherzigkeit ei ne Quelle
der Stärke sei , und die s sei uns von Nutzen, soweit es die Tötung
von Deutsche n betrifft. " .,)
Der US- Oberkomandierende in Europa, General
Eisenhower, erklärte bei Eröffnung der Roer- Offensive
i Herbst 1 944, was mit umgekehtem Vorzeichen nie
ein deutscher Pol itiker oder militärischer Oberbefehls­
haber je geäußert hat :
"U nser Hauptanli egen ist die Vernie htung von so vielen Deut­
sc hen wie mögl ic h. I ch hoffe , daß jeder Deutsche westlich des
Rheins und i n den Bere ic he n, i n denen wir angreifen, vernichtet
wird. "
4
7)
Am 1 5 . 1 2 . 1 944 hielt Winston Churchil im Unter­
haus eine Rede, in der e die Vertreibung von über 12
Milionen Deutshen aus ihrn östlichen Heimatgebieten
als "staatsmännische Tat" pries und der Hoffnung Aus­
druck gab - ebenso wie zwei Monate später auf der
Jalta- Konferenz gegenüber Stalin -, daß bis Kriegsende
Deutschland über die bereits 6 Millionen Toten hinaus
eine weitere Mill ion werde zu erwarten haben. Hierbei
setzte er seine " Hoffnung" auf die all iierten Bomber-
43) Eberha rd Spt zl er , " Luft kr i eg und Men schl i chkei t - di e völ kerrecht­
l i c he Stel l ung der Zi vi l personen i m Luft kr i eg" , Berl i n - Fr ankf urt -
Gött i ngn 1 956, S. 1 33.
44) W. Chur chi l l , " Ge hei mrdn", Züri ch 1 947, S. 1 1 6.
45) Rus sl G renfe l l , " Bedi ngu ngsl oser Haß? " , Tübi ngn 1 956, S. 96.
46) Edwa rd Raczy ns ki , " l n Al l i ed Lon don ", London 1 962, S, 1 41 ,
47) R . F . Keel i n g, " Cr uesome Harvest - The cost l y Atte mpt t o exter mi ­
nate the Peo pl e of German y", Chi cago 1 947, S. 3 + 45.
38
fotten sowie auf die ihm wohl bekannten "blut­
dürstigen" Methoden seines Bundesgenossen Stalin.
" In di eser Rede bez eichnete Churchil l di e " t ot'l e Austreibung
der Deutshe n . . . aus dem Gebi ete, das Po! Pn 1m Norden und
Westen erhalten soll . . . , soweit wir dies zu beurteilen vermögen, al s
di e be friedigendste und dauerhafte ste Methode". Auf die Frage
ei ngehend, ob dnn das restlic he Deutschland überhaupt i n der
Lage sei, Mill i onen von Menschen aufzunehmen, wies Churchil l
darauf hin, daß im Verlaufe des Kri eges bereits sechs bi s sieben
Mil l ionen Deutsche gttÖtet worden sei en und daß etwa zehn
bis zwölf Mi l l ionen Kriegsgefangene und Zwangsarbei ter das Land
verl assen würden:
' Daüber hi naus müssen wir erwarten, daß in den Kämpfen
während des }' rhjahrs und Sommers, di e nach unseren Erwar­
tu nge n die größten und wildesten Schlachten darstell en werden,
noch vi el me hr Deutsche getötet werden . . . . ' " 48)
Winston Churchill , der kurz zuvor seine Mordbefehe
gegenüber der Bevölkerung von Dresden erteit und über
350. 000 Menschen einen grauenvollen Tod gebrcht hat
- von allen andern Begleitumständen, daß z. B. der
Kriegsausgang l ängst entschieden war, gar nicht zu
sprechen! - , um, wie er sich ;usdrückt, zur Konferenz
von Jata "eine aufmuntmde Nachricht" mitzubringen,
am 27. Februar 1945 im britischen Unterhaus :
"Darber hi naus sind die drei Mächte übeei ngekommen, daß
Polen i m Norden und Westen wesentlichen Gebietszuwachs auf
Kosten Deutschland erhält. Wir brauchen nicht zu fürchten, daß
die Aufgbe, die neue Grenzl i ni e zu halten, sich als zu schwer für
die Polen erweisen, oder eine neue deutsche Revanche heraufbe­
schwören wid oder künftige Kri ege in sich tragen werde. Wir
gedenken weitaus drastischere und wirksamere Maßnahmen als
nach dem l etzten Kri eg zu ergeifen, weil wi jetzt mehr von
diesem Geschäft verstehen, so daß ein ofensives Vorgehe n von
siten Deutschands auf Generationen hinaus gänzlich unmöglich
gemaht werden wird . . . . Wir lassen uns gegenüber Polen und der
UdSSR von dem Grundsatz lei ten, daß wi jeden unterstützen, der
. . . diese Hunnen ( Deutschen) töten kann. "
4
9)
Winston Churchil auf der Konferenz in Jata im
Februar 1945 :
" ' Da ist dann noch das Probl em, wie sie (di e Deutschen) in
Deutschland zu behandel n sind. Wir haben sechs oder sieben
Mill i onen getötet und werden warschei nlich noch eine Milli on
töten, bevor der Krieg aus ist. '
Stal i n: ' Ei ne oder zwei ? '
Churchill : ' Oh, ich habe nicht die Absicht, dies irgendwie zu
begrenzen. Auf diese Weise müßte in Deutschland Raum genug für
jene sein, die die Lücken fllen müssen. '
" so)
"Der Präsident sagte , i hm sei besonders das Ausmaß an
Zerstörung durch die Deutschen in der Kri m aufgefall en und er sei
daher blutdürsti ger hi nsic htlich der Deutschen als noch vor Jahres­
frist. Und so hoffe er, daß Marschall Stalin wiede rum ei nen
Trinksprch auf die Hinri chtung von 50. 000 Offi zi eren der
deutschen Arme� ausbri ngen werde. " s 1 )
48) " Deut schl ands Ostprob l em" , Herausgeber : Gött i nger Ar bei tskre i s,
Würzburg 1 957, S. 1 1 7.
49) Charl es We bster + Nobl e Fran kl an d, "Strateg i sche Luftoffensi ve gegen
Deut sc hl and 1 939 - 1 945" , verfaßt i m Auftrag des br i t i schen Verte i di ­
gungsmi n i st er i u ms, 1 961 ,
Der Exilpolnische Ministerpräsident Mikolajczyk
wurde von Winston Churchill hinsichtlich der deutschen
Ostgebiete mit folgenden Worten "beruhig":
"Machen Sie sich keine Sorge über die fünf oder mehr
Millionen Deutscher .... Stalin wird sich darum kümmern. Sie
werden mit Ihnen keine Schwierigkeiten haben: Sie werden zu
existieren aufhören!" s2)
Der sowetische Mordhetzer Ilja Ehrenburg in der
"Prawda" am 24.5.1942:
"Wenn Du einen Deutschen getötet
hast, töte einen Zweiten! Es gibt nichts
Schöneres für uns, als deutsche Leichen! ...
'Zähle nur die von Dir getöteten Deut­
shen!', bittet Dich die alte Mutter. 'Töte
die Deutschen!', fleht das Kind. 'Töte die
Deutschen!'. schreit die Heimaterde. Ver­
fehl e sie nicht! Laß sie nicht entkommen!
Töte!"
Dieser Mordhetzer Ilja Ehren­
burg, dessen Flugblätter zu Millio­
nen an die Rotarmisten verteilt und
in ständigen Radioaufrufen wieder­
holt wurden, wurde auch nicht we­
gen Kriegsverbrechen angeklagt und
verrteilt, im Gegentil interational
hoch gehrt!
''Tötet! Ihr Rotarmisten! Tötet! Es
gibt nichts in Deutschland, was unschuldig
ist, was zu schonen ist: die Lehenden nicht
und die Ungeborenen nicht. .. . Tötet!
Brecht den Rassenhochmut der germani­
schen Frauen! Nehmt sie als rechtmäßige
Beute! Tötet! Ihr Rotarmisten!"
"Wir sagen nicht mehr 'Guten Morgen!'
oder 'Gute Nacht!' wir sgen morgens
'Töte den Deutschen!' und abends 'Töte
den Deutschen!' -- Die Deutschen sind
keine Menschen, Deutsche sind zweibeini­
ge Tiere, widerliche Wesen, Bestien. -� Sie
haben keine Seele, sie sind einzellige Le­
bewesen, 'eelen[ose Mikroben, die mit Ma­
schinen, Waffen und Minenwerfern ausge­
rüstet sind. -- Wenn Du einen Deutschen
erschagen hast, schlage einen anderen tot!
Es gibt fiir uns niehts Lustigeres, als deut­
she Leichen."
Der tschechische Staatspräsident
Eduard Benesch, Totengräber der
Sudetendeutschen, nach seinen
Mordaufrufen am 11.5.1945 in
Brnn:
"Es ist Ihnen und allen von uns klar,
daß die Liquidierung der Deutschen hun­
dertprozentig sein wird."
Und am 3.6.1945 in Tabor/
Böhmen auf einerGroßkundgebung:
wollten wir alle Deutschen abschieben. Deutschland aber war
noch nicht vernichtet, und England hielt uns die Hände."
Seine Aufrufe und über 200.000 Morde, die Verrei­
bung von über 3 Millionen Sudet8ndeutschen erfolgten
nach Kregsende!
US-Hauptankläger Robert H. Jackson erklärte am
26.7.1946 in seinem Nürnberger Plädoyer-
"Als Miitärgerichtshof stellt dieses Gericht eine F ortsetzung
der Kriegsanstrengungen der alliierten Nationen dar."
Die Grundsatzhaltung, die allen diesen hier nur
lückenhaf zusammengestellten Zitaten der maß
The Sinking Swastika
Los An
g
eles Times 1942/1943
"Was wir 1918 schon durchfhren woll­
ten, erledigen wir jeüt. Damals schon
(uns liegt das Original, aber leider nicht das genaue Datum vor)
39
gebenden Politiker aus dem aliierten Lager zu ent­
nehmen und die zur weltpolitischen Realität von
Mill ionen von Menschen geworden ist,
- wurde konzipiert, geprägt und umgesetzt zu einer
Zeit, in der entweder noch gar kein Krieg ausgebrochen
war oder der Rußlandfeldzug noch nicht begonnen
hatte,
- wurde konzipiert, geprägt und umgesetzt unter
grundsätzlicher Negierung jeglicher deutschen Friedens­
bemühungen
- und sie wurde konzipiert, geprägt und umgesetzt
mit Motiven, die überhaupt nicht Bezug nahmen auf
irgendwelche Morde oder Greueltaten seitens irgend­
welcher Deutschen, somit auch nicht auf igendwelche
Einsatzgruppen-tätigkeiten, ' Vernichtungslager' oder
ähnliches ! Diese Grundsatzhaltung konnte somit auch
nic ht - und es ist auch nicht geschehen - als "Ver­
geltung" fr völkerrechtswidrige Handlungen seitens der
deutschen Regierung oder irgendwelcher anderer Deut­
schen begründet werden, sondern sie wa selbst Ursache
und Anlaß für daruf erfolgende Reationen!
Man mige also aufören mit der Methode, die Reak­
tionen als Verbrchen anzuprangem, sie propagandis­
tisch i unermeßliche, unmögliche Größenordnungen zu
übersteiger und jede Menge Faschdarstellungen zu
kolporiern, - und di e Ursachen und Anlässe der
Vergessenheit anheimzugeben oder sie gar nachträglich
ihrerseits als Reaktionen vorzustellen!
Man möge also aufhören mit der Method e, daß
diejenigen, die selbst Ursachen und Anlässe für Reak­
tionen geschaffen haben, die sich aus dem Existnz­
kampf von Menschen und Völkern zwangsläufig ergeben
müssen, sich sel bst noch zu Anklägern und Richtern und
dogmatischen Hüter über die Geschichtsschreibung für
diese Reaktionen machen! Das alles bliebe unglaub­
würdig, unmoralisch und stünde einer dauerhaften Aus­
söhnung der Völker im Wege. Mit einer solchen Ver­
wilderng aller sittlichen und moralischen Maßstäbe l äßt
sich kein Friede in der Welt herbeiführen oder erhalten !
" Reitlinger l i efert zu dieser Aussage selbst eine überzeugende Bestätigung: alle von ihm in seiner jahrelangen Forschungs­
arbeit im Zusammenhang mit der ' Endl ösung' festgel egten Namen stellt er am Schluß seines Werkes in ei nem Verzeichnis
zusammen. Es umfaßt � vom völlig unbekannten Untersturmführer X bis zum Generalfeldmarschall von Manste in � i nsgesamt
208 Namen und ist, wie man schon aus dem genannten Beispiel sieht, rec ht unkriti sch z usammengestell t ; offenbar wurde einfach
jeder Name erfaßt, der nur irgendwie greifbar war. Bei einigen kommen selbst Reitli nger Bedenken und er erwähnt si e nur i n
kleiner Schrift � wi e de n Generalfeldmarsc hall von Brauchitsch oder den in der deutschen Presse vielgenannten, aus der
Sowjetuni on zurüc kgekehte n Professor Clauberg. Klei ngedruckt sind 52 von den 2U� Namen, so daß es nach Reittingers
Meinung 1 56 verantwortlic he Beteiligte gibt. Von 3 2 sei keine Spur gefunden worden: ' darunter befinden sich Hei nrich Müller
und Adolf Eichmann, die beiden gößten Massenmörder nach Hi mmler' ( Reitli nger S. 5 7 4 � " Die Endl ösung") .
I 7 wurden, obwohl ihr Aufenthalt bekannt ist, nicht vor Gericht gestellt. Rei tti ngr berichte t das im Tone der Entrüstung;
er i st Ankl äger und mag das tun.
Wi r aber schli eßen mi t bessere n Gründe n daraus: wenn es nic ht ei nmal bti 208 namentl i ch Genannte n
zu einem Strafverfahre n ausreicht � wo ble ibt da das K O 1 1 e k t i V s L h u I d v o r b r i n g e n , das nach
1 945 z uerst der Ausgangspunkt e iner jahrelange n Verfolgungswell e geworden i s t und sei ther i mmer noch
das i nnerdeutsche Leben vergi ftet ? " 5 3)
WÐÐWWWMWNÐÐMWWNÞ NÑNÑMMMMMNÞNNNNNNNWNWÐØ
Loui s Fi tzGi bbon
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Das Grauen von Katyn � Verbrechen ohne Bei spiel l
Di es es Buch i s t de m Ande nke n von 1 4. 500 pol n i scher
Off i z i ere ge wi dme t u n d dokume nt i ert, wi e d i ese Off i zi ere
nac h Auf l ös u ng der sowj et i schen Gefa ngene nl ager Ko
s i e l s k , Sta robi e l s k und Os t as h kow i m Apr i l / Ma i 1 940
s pu r l os ver s chwu nden s i nd. 4. 2 53 Lei chen des Lager s
Kos i e l s k wu r de n i m F ru hj a hr 1 943 i m Wa l d von Katyn
du r ch de u t sc he Tr· u ppe n entdec k t und ex hu mi er t .
350 Sei te n, Dok. , Reg. , Ln 32, - DM, Cov. 26, · DM.
50) Jal t a Doku ment e, Göt t i n�n 1 956, S. 1 66.
5 1 ) Jal t a Dok ument e, aa O. S. 55, - 4. 2. 1 945.
52) E . J . Rei che n be r ger . " Wi de r Wi l l kür und Macht r ausch" ,
Göt t i n gen 1 955. S. 400 z i t i e rt :
" Revi ew o f Worl d Att a i rs " , 5 . 1 0. 1 945.
53) Hel mut Sunder man n , " " Das Dr i t te Rei c h - E i ne Ri cht i g­
ste l l u ng i n Umr i sse n " , Leon i 1 964, S. 2 1 7 .
40
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4
4
Wi sse nsc haft! i che Schr i fte nr ei he "H i stari sche Tatsachen"
Nr. 2 Di e Methode n der Umerzi ehung von Udo Wal endy
Nr. 3 Der Nürnbrger Prozeß von Richard Harwood
Nr. 4 Der Verrat an Osteuropa von Udo Walendy
Nr . 5 NS - Bewäl ti gu ng von Dr. Wilhelm Stäglich
Nr. 6 Real i täten im Dri tte n Rei ch von Hans Kehr!
Nr. 7 Der moder ne I ndex von Udo Waendy
Nr. 8 Zu m Untergang des Dri tten Rei ches von Hans Kehr!
Nr . 9 Hol ocaust nun untri rdi sch? von Udo Wal endy
Nr . 1 0 Deutsch- i srael i sche Fakten von Udo Wal endy
Nr. 1 1 Deutsches Sch i cksal Westpreußen von Udo Wal endy
Nr. 1 2 Das Recht, i n dem wi r l eben von Udo Wal endy
Nr . 1 3 Behörden contra Hi stori ker von Udo Walendy
Nr. 1 4 Moskau 1 940 kri egsentshl ossen von Udo Walendy
Nr. 1 5 Kenntni smängel der Al l i i erten von Udo Wal endy
Nr. 1 6 Ei nsatgruppen i m Ver bande des Heeres von Udo Wal endy
Nr . 1 7 Ei nsatzgruppen ¬ 2 . Tei l von Udo Walendy

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