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Architecture Of The Mind: «118-11» von Kerim Seiler

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Essay zu Installation «118-11» im öffentlichen Raum von Kerim Seiler
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05/14/2014

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Architecture Of The Mind: 118 - 11 Kerim Seiler kreiert mit seinem neuesten Werk im öffentlichen Raum mitten in diesem

hochverdichteten Ort urbaner Funktionen ein eigengesetzliches Universum. Der Zürcher Künstler präsentiert eine architecture of the mind, ein Konstrukt jenseits der physikalischen Bedingungen. 118 - 11 durchdringt die Topografie, taucht scheinbar bis auf die molekulare Ebene ein und rezitiert zwischen grossmassstäblichen Architekturen und den Gleisen eine poetische Narration. Der funktionale Raum wird zum Ort, der Ort zum sinnlichen Marker. Die städtische Tagesszenerie des Übergangs, rhythmisiert durch Stagnation und Hektik, wird gebrochen. Das sequenzielle Werk erweitert den Raum um Zeitdimensionen gibt ihm einen entschleunigten Puls. Während der Öffnungszeiten des Hauptbahnhofs ist die Skulptur in kristallinen Clustern strukturiert, die sich spät nachts bis in die frühen Morgenstunden auf 250 Metern in einer Ebene horizontal auffächern. Dabei oszilliert  118 - 11 virtuell zwischen den Aggregatzuständen, abhängig von den äusseren Lichtbedingungen. Die einzelnen Cluster erinnern mit ihren prismatischen Formen an einfache molekulare Strukturen, hinter deren abstrakten Oberfläche als Ganzes das Eigentliche des Werkes liegt. 118 - 11 ist eine architecture of the mind, die sich in der Möglichkeit der mannigfaltigen Kombination ihrer Grundbausteine ins Unendliche ausdehnt, vergleichbar dem Periodensystem der chemischen Elemente, welches unsere Umwelt in 118 Zeichen fasst.

Der Funktion des Nachtabschluss des Bahnhofs opponiert die visuell transparente, temporäre Kunstintervention. Sie lässt den jeweils abgegrenzten Raum trotz durchlässiger Qualitäten der Konstruktion und Materialwahl ins Nichts laufen. Der Raum, der sich im Nichts verliert ist jeweils jener jenseits der skulpturalen Ebene, weg vom Betrachter, der Betrachterin. Dieses räumliche Verschwinden erreicht Seiler in der Werkpräsenz. Die Verankerung im Jetzt manifestiert sich nicht im schieren Mass, sondern ist im Werden des Immateriellen charakterisiert: im Auflösen der Masse, der einzelnen Elemente, des

Materials. Dem funktionellen Abgrenzen begegnet der Künstler mit der scheinbaren Auflösung des Werkes. Gerade in diesem Entrückten liegt die Behauptung und das Faszinierende von 118 - 11. Wollte man eine Kategorie für die Kunstwerke Kerim Seilers bestimmen, so wird man grundsätzlich immer von seinem künstlerischen Selbstverständnis als Maler ausgehen müssen. Der Künstler weiss um die Farben und die Komposition. Dieses bestimmte, oft überraschende ins Verhältnis-zueinander-Setzen, ist denn auch ein ästhetischer Wesenszug seiner Werke. Seine Eingriffe im Raum oder Raumkreationen liessen den Zürcher auch in die Nähe einer Land Art positionieren. Als geografisch verankerten Kunst, die sich in und mit der Topografie der Stadt und ihren je eigenen Bedingungen auseinander setzt, sie gestaltet. Seiler legt im Werden seines jüngsten Werkes vom Detail bis ins grosse Ganze Hand an, springt leichtfüssig vom Kleinen in den Masterplan, in ständiger Tuchfühlung zum künstlerischen Coup.  Kerim Seiler beschert dem öffentlichen Raum der zukünftigen Europaallee ein visuell zugängliches Werk. Die Welt hinter diesem nahezu frivolen Spiel mit der Farbe und dem Licht will aber entdeckt und immer von neuem entdeckt werden. 118 - 11 rezitiert in klarer Sprache eine Ode auf utopische, raum- und zeitentrückte Gedankenkonstrukte. Das Murmeln Zürichs ist für einige Jahre um eine ausdrucksstarke Stimme reicher.  evtixia bibassis, September 2012

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