DAISETZ TEITARO SUZUKI

Zen und die Kultur Japans

ROWOHLT HAMBURG

Herausgeber: Ernesto Grassi Redaktion: Ursula Schwerin Eginhard Hora / Ragni M. Gschwend München Titel der englischen Originalausgabe ‹Zen-Buddhism and its Influence on Japanese Culture› / Übertragen von Otto Fischer Umschlagentwurf Karl Gröning jr. / Gisela Pferdmenges unter Verwendung eines Bildes ‹Kuchenkorb mit Zweig der Nandina domestica› China 14. Jahrhundert, aus Fischer, Die Kunst Indiens, Chinas und Japans, Propyläen-Kunstgeschichte, mit freundlicher Genehmigung der Ostasiatischen Kunstabteilung der ehemaligen Staatlichen Museen Berlin Schriftgestaltung des Umschlages Werner Rebhuhn Satz aus der Aldus-Linotype und der Palatino (D. Stempel AG) Gesamtherstellung Clausen & Bosse, Leck

1.-30. Tausend 31.-33. Tausend 34.-38. Tausend

April 1958 August 1967 Januar 1970

Veröffentlicht im Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Hamburg, April 1958 Leickt gekürzt herausgegeben in der Reihe ‹rowohlts deutsche enzyklopädie› mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Verlags-Anstalt Stuttgart Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks und der fotomechanischen Wiedergabe, vorbehalten Printed in Germany ISBN 3 499 55066 0 Digitalisiert von Xela

ZEN UND DIE SCHWERTMEISTERSCHAFT 5.INHALTSVERZEICHNIS ENZYKLOPÄDISCHES STICHWORT GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DES ZEN (Zur vorherigen Lektüre empfohlene Einführung in den Problemkreis. STEIGERUNG DES JAPANISCHEN NATURGEFÜHLS DURCH ZEN 3. RIKYU UND ANDERE TEEMEISTER II. DER ZEN-BUDDHISMUS UND DIE JAPANISCHE NATURLIEBE 1. ALLGEMEINES ÜBER DIE KÜNSTLERISCHE KULTUR JAPANS 3. ZEN UND DER SAMURAI 4. DER ZEN-BUDDHISMUS UND SEIN EINFLUSS AUF DIE KULTUR JAPANS 1. JAPANISCHE KIRSCHBLÜTEN-DICHTUNG ALS AUSDRUCK JAPANISCHER NATURLIEBE ANHANG I: FRAGEN DER RELIGION UND PHILOSOPHIE ANHANG II: DAS NO-SPIEL ÜBER DEN VERFASSER LITERATURHINWEISE 147 162 194 208 224 243 245 7 17 38 67 102 133 . EINFÜHRENDES ÜBER ZEN-BUDDHISMUS 2. ZEN UND DER TEEKULT 6. KUNST UND KOSMISCHES BEWUSSTSEIN 2. dem das Thema entstammt) 234 I.

Pavia / Massimo Pallottino. Göttingen / Hans Sedlmayr. Madrid / Karl Löwith. v. Rom / Adolf Portmann. Hamburg / Romano Guardini †. Rom / Francisco Javier Conde Garcia. Zürich / Lawrence S. Zürich / G. Hamburg / Alexander Mitscherlich. Rom / David Riesman. München / Hermann Heimpel. Tübingen / Enzo Paci. Baltimore / Pedro Lain Entralgo. Rio de Janeiro / Karl Kerényi. München / Mircea Eliade. Paris (Sorbonne) / Ernst Benz. Bukarest-Chicago / Vicente Ferreira da Silva. Berlin / M. Harvard / Jan Romein †. Köln / Percy Ernst Schramm. Frankfurt-Main / Werner Kemper. Heidelberg / Eugenio Garin. Heidelberg / Arthur March †. Otto †.WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT Franz Altheim. Burckhardt. Freiburg / Adolf Meyer-Abich. München / Salvatore Riccobono †. P. Basel / Emil Preetorius. Köln / Helmut Schelsky. Princeton / Walter F. Innsbruck / Hans Marquardt. Weinberg †. Heidelberg / J. Florenz / Juan Gomez Millas. Hornik. Boars Hill – Oxford . München / Hans Rheinfelder. Ulm / Giorgio del Vecchio. Rom / Thure von Uexküll. Madrid / Alois Dempf. Rom / Centre International des Études Humanistes. Rom / Centro Italiano di Studi Umanistici e Filosofici. Göttingen / Georg Henneberg. Marburg / Carl J. Paris (Sorbonne) / Rudolf Großmann. Robert Oppenheimer †. Münster / Henri Bedarida †. Kubie. Sao Paulo / Hugo Friedrich. Amsterdam / Fritz Schalk. Santiago de Chile / Henri Gouhier. Oxford / Ernst Howald †. Freiburg / Giuseppe Tucci. Basel / Enrico Castelli. Freiburg / Hans-Georg Gadamer. München / Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel / Lincombe Lodge Research Library. Salzburg / Wilhelm Szilasi †. Münster / Günter Schmölders. Kaschnitz Frhr.

DER ZEN-BUDDHISMUS UND SEIN EINFLUSS AUF DIE KULTUR JAPANS 1. Japaner wie Ausländer. die andere über japanische Kultur. An anderer Stelle habe ich Äußerungen über dieses Thema von dem verstorbenen SIR CHARLES ELIOT und von SIR GEORGE SANSOM angeführt. hier ein paar Worte über Zen selber zu sagen. möchte ich bitten. als von zwei der jüngsten und kenntnisreichsten ausländischen Schriftsteller: die eine über japanischen Buddhismus. die überhaupt unparteiisch und verständnisvoll über das sittliche. die sich speziell mit Zen beschäftigen. denn ich denke. der noch gar nichts darüber gehört oder gelesen hat. meine Leser wissen darüber nur sehr wenig. Es scheint mir überflüssig. daß die meisten Sachverständigen. Näherliegend und notwendiger ist es. Diejenigen. die über das Tatsächliche des Zen-Einflusses auf das Volk Japans alle gründlich unterrichtet sind. kulturelle oder geistige Leben des japanischen Volkes schrieben. schwer zu begreifen. Das ist aber keine ganz leichte Aufgabe.I. und es ist auch noch niemals in allgemein verständlicher Weise dargestellt worden. EINFÜHRENDES ÜBER ZEN-BUDDHISMUS Zen eine besondere Form des Buddhismus Es ist bekannt. . denn es erhebt den Anspruch. Zen ist nämlich für jeden. mich auch noch auf ältere oder neuere japanische Autoren zu berufen. von der Bedeutung des Zen-Buddhismus für den Aufbau des japanischen Wesens in gleicher Weise überzeugt sind. jenseits aller Auslegung durch Worte und Begriffe zu stehen.

es nahm mit der Ankunft BODHIDHARMAS aus Südindien in China in der ersten Hälfte des 6. (Anm. Zentralasien und China selber angehäuft hat. Kambodscha usw. entwickelt hat. Siam. in China. 1934 (deutsch unter dem Titel: Die große Befreiung. 1935. Leipzig 1939). das sich um die Lehre des Meisters während ihrer Fortentwicklung in Indien. Introduction to Zen-Buddhism. Essays in Zen Buddhism I. beiseiteschiebt. Im folgenden aber können nur die nacktesten Grundlinien aufgerissen werden.) 1 . indem es alles Oberflächenhafte. Allein Zen macht den Versuch. daß wir unmittelbar den Geist BUDDHAS erfassen. das heißt im 8. Nepal usw. ihr Inhalt ist kein anderer als die Predigt BUDDHAS. Seine Lehre unterscheidet sich nicht von der allgemeinen Lehre des Mahayana2-Buddhismus. d. herrschend. Korea. die sich in China in der frühen T’ang-Zeit. ein leidliches Verständnis für seine Einwirkung auf den Charakter und die Kultur Japans zu eröffnen. Dieses ‹Oberflächenhafte› mag im Ritus. Jahrhunderts seinen Anfang. Jahrhundert.meine früheren Arbeiten über dieses Thema zu Rate zu ziehen1. Hinayana (= kleines Fahrzeug) seine südliche Form. 2 Mahayana (= großes Fahrzeug). den wesentlichen Sinn der BUDDHA-Lehre den Menschen zu öffnen. A Manual of Zen-Buddhism. II und III. der nördliche. Seine Ursprünge sind weit älter. verbreitete Buddhismus. in der Doktrin oder auch im Wesen der verschiedenen Rassen begründet sein. 1927. Red. Japan. Zen ist eine besondere Form des Buddhismus. die vielleicht hinreichen mögen. 1933. 1934. Burma. Zen aber verlangt. in Ceylon. Vietnam.

Karuna aber ist dadurch frei geworden. so verschmäht Zen die Logik und bleibt sprachlos. daß Liebe ungehemmt von ihren selbstischen Verhüllungen sich über alle Dinge ausbreiten kann. Prajna schenkt uns die Einsicht in die Wirklichkeit der Dinge jenseits ihrer Erscheinungsformen. Zen aber revoltiert gegen diesen Zustand der Dinge. eine Erkenntnis von der grundlegenden Bedeutung des Lebens und der Welt. Das bedeutet. wenn zuvor das Wesen der Dinge erfaßt ist. und wir brauchen uns nicht mehr um die Anliegen und Leiden des Einzelmenschen zu bekümmern. die gewöhnlich unter einem dicken Gewölk von Unwissenheit und Karma in uns schläft. was immer die Form ihres gegenwärtigen Zustandes und Daseins ist. Prajna kann man als transzendentales Wissen. sobald Prajna erlangt wird. unser Inneres zu bilden zur Erweckung der transzendentalen Weisheit (prajna). sobald die Liebe sie durchdringt. daß wir uns bedingungslos der Herrschaft des Verstandes ergeben haben. Prajna zu erwecken. Die Würde des Verstandes gilt erst. denn der Buddhismus glaubt. Unwissenheit und Karma kommen daher. Zen unternimmt es. Karuna mit ‹Liebe› oder ‹Mitleid› übersetzen. besonderen Weg finden muß. das will sagen. darum haben wir. wenn man verlangt. die Buddhaschaft zu erreichen. Im Buddhismus erstreckt sie sich sogar bis zu den unbeseelten Wesen. ihr eigenes Wesen zu entfalten. . alle Wesen. seien letzten Endes dazu bestimmt. das die wesentliche Lehre des Buddhismus ausmacht? Es ist Prajna und Karuna.Der Geist des Buddhismus Was ist nun dieser Geist? Was ist es. Und da das Verstandeswesen sich in Begriffen und ihrer Logik ausspricht. daß es sich erkläre. Prajna und Karuna sind Begriffe des Sanskrit. daß Zen den gewohnten Lauf des Wissens umkehren will und seinen eigenen.

und der war einverstanden. wie grausam sein Vater an ihm gehandelt habe. ‹Wenn die Leute mich fragen. stürzte der Gefangene heraus. wie die Kunst des Einbrechers erlernt wird. Sowie er drinnen war. bis ihm plötzlich ein trefflicher Einfall kam. die Methode und den Geist von Zen zu begreifen. Er sprach mit seinem Vater darüber. Der Vater ging jetzt in den Hof hinaus. wer soll dann der Familie das Brot schaffen außer mir selber? Ich muß also sein Handwerk erlernen. Er war ganz verzweifelt. blies das Licht aus. berichtet. öffnete eine der großen Truhen und hieß den Sohn hineinsteigen und die Kleider herausholen. so möchte ich sagen. und dachte bei sich: Wenn er bald nicht mehr imstande ist. wird uns eine gute Hilfe sein. was die Art von Zen sei. ein Priester der Sung-Dynastie. wie sein Vater älter wurde. die FA-YEN (gestorben 1104). Am Weg sah er einen Brunnen. daß der Einbrecher schon entwischt war. pochte laut an die Tür und weckte das ganze Hauswesen auf. brach durch die Mauer. fanden aber. Eines Nachts nahm der Vater den Sohn mit zu einem reichen Hause. Er machte ein Geräusch wie das Nagen einer Ratte. Einst sah der Sohn eines Einbrechers. Die Leute rannten ihm nach. Die Hausbewohner gerieten in große Aufregung und suchten mit Kerzen nach dem Dieb. seinem Beruf nachzugehen. und die Schlösser wurden befestigt. Logik und Worte gegründete Lehre sich wenden. Der Sohn steckte die ganze Zeit in der verschlossenen Truhe und dachte. stieß die Magd beiseite und entfloh.Methode und Geist von Zen Die folgende Geschichte. drang in das Haus ein. worauf er stillschweigend durch das Loch in der Mauer sich davonmachte. Die Leute im Hause hießen die Magd eine Kerze nehmen und die Truhe untersuchen. Wie sie den Deckel auf schloß. die gegen jede auf Verstand. schlug der Deckel zu. es gleiche der Art. hob einen schweren Stein auf und warf ihn .

Inzwischen aber kehrte er heil in seines Vaters Haus zurück. ist ein gutes Beispiel für die Methodenlehre von Zen. So scheint es. womit man sich ja nicht abgeben dürfe. erzähl mir. die Kunst des Einbrechers zu lehren. ihm Zen zu erklären. während doch ein jeder frei und ungehindert alles selber zu prüfen hat. wird er sagen: ‹Nein. ich verstehe sie nicht. Da heißt es nicht nur: ‹Schön ist häßlich. widerspricht er grundsätzlich der gewohnten Weise. hier ist einer. der. so schlägt dieser ihm vielleicht ins Gesicht und schreit ihn an: ‹Was für ein nichtsnutziger Bursche bist du!› Wenn einer zum Meister kommt und sagt: ‹Ich habe einen Zweifel über die Wahrheit. der einen Zweifel hegt!› Er verbannt vielleicht den armen Mönch aus seiner Gegenwart und zieht sich gleichgültig in seine Behausung zurück.ins Wasser. im Dunkeln sich selbst ertränkt hätte. wie sie meinten. ob er die Buddhalehre verstehe. ihr Mönche. zu denken und zu bewerten.› Diese Radikalmethode. und ich bin du›. bemerkte der Vater: Du bist so weit. . Tatsachen gibt es nicht. deutet er bloß auf den Holzpfeiler vor seiner Hütte. so führt ihn der Meister vielleicht vor die versammelte Mönchsgemeinde und erklärt: ‹Schaut her. du hast meine Kunst gelernt. oder ähnliche Fragen stellt. und häßlich ist schön›. wer denn die Buddhalehre verstehe. Wenn der Zen-Meister seine Logik veranschaulichen will. Die Verfolger sammelten sich alle um den Brunnen und suchten den Einbrecher herauszuholen. mein Sohn. daß er so mit knapper Not davongekommen war. Sprach der Vater: Nichts für ungut.› Und weiter befragt. wie du es angestellt hast! Als der Sohn ihm nun sein ganzes Abenteuer berichtet hatte. Und wenn der Meister gefragt wird. als wäre Zweifeln ein Verbrechen oder mindestens etwas. Wenn ein Schüler den Meister bittet. Er machte dem Vater schwere Vorwürfe. sondern ‹du bist ich. die uns von den Fesseln der Leidenschaften befreien soll›.

Als einst ein Schüler zu einem Meister kam. In der Fechtkunst gab er ihm keinerlei rechte Unterweisung. der sich in eine Hütte in den Bergen zurückgezogen hatte. hatte fortwährend sich in acht zu nehmen. Wenn er mitten im Kehren war. die Stube und den Garten zu kehren und überhaupt für den ganzen Haushalt zu sorgen. Um zu zeigen. Er hatte keinen Frieden mehr. erschien der Meister und schlug ihn von hinten mit dem Stock.und Worte werden auf den Kopf gestellt. Nach einiger Zeit wurde der junge Mensch unzufrieden. Eines Tages war der Meister dabei. Er hielt den Schüler dazu an. von wo immer er kommen mochte. bis er mit Erfolg einem Hieb ausweichen konnte. wie entgegengesetzt die Zen-Methode der Erörterung unserer gewohnten Weise der Überlegung ist. Holz zu spalten. ihn zu lehren. spürte er plötzlich wieder einen Hieb von irgendwoher. sein eigenes Gemüse am Feuer zu kochen. Reis zu kochen. um dem alten Herrn als Knecht zu dienen. Denn wenn er früh am Morgen den Reis zu kochen anfing. Wasser aus der Quelle zu holen. Reisig zu sammeln. sondern um die Kunst des Schwerts zu erlernen. Zentrale Bedeutung persönlicher Erfahrung Der japanische Fechtmeister bedient sich zuweilen der Zen-Methode im Unterricht. erklärte sich der Meister. um die Fechtkunst zu erlernen. Feuer zu machen. Ein paar Jahre vergingen. Der Schü- . denn er war nicht gekommen. In der Folge aber konnte der junge Mann gar keine Arbeit in Ruhe mehr verrichten. Dem war es recht. gebe ich im ersten Anhang ein oder zwei Beispiele aus einem Zen-Text. aus unbekannter Richtung. bereit. Aber der Meister war noch immer nicht recht mit ihm zufrieden. So trat er eines Tages zu seinem Meister und bat ihn um Unterricht.

‹unübertragbar›. Nun ging dem Schüler das Geheimnis der Kunst auf. um Baseball zu spielen. die Zen eigentümlich ist und darin besteht. Diese befaßt sich nur mit technischen Einzelheiten. welcher Art sie auch sei. um den Inhalt umzurühren. ohne irgendeine verstandesmäßige. In der Tat ist alles. über den Kopf. innerste Bestimmung erfüllt.ler dachte. nun wolle er auch einmal die Gelegenheit nutzen. das ihm bisher verborgen und fremd geblieben war. Jetzt zum erstenmal erkannte er. das ein unmittelbarer Ausdruck der Menschenseele ist oder ein Leben zu führen. das heißt jenseits des unterscheidenden Verstandes. Wissenschaft unpersönlich. jede Wahrheit. persönlich zu erfahren. wie klug und freundlich der Meister sich gegen ihn bezeigte. sie genügt aber nicht. Doch der Meister parierte den Stock mit dem Topfdeckel. entgegengesetzt. Hierin liegt etwas von der Schulungsweise. Daher der ZenWahrspruch: ‹Kein Verlaß auf Worte!› Unvereinbarkeit von Wissenschaft und Zen In dieser Hinsicht ist Zen allem. das seine eingeborene. was mit dem Schöpferischen im wahren Sinne zu tun hat. bleibt daher an der Oberfläche und führt nie in den Mittelpunkt ihres Gegenstandes. Zen ist persönlich. Das Persönliche ist ganz . systematische oder theoretische Lehre. Festungen zu errichten. der sich gerade über den Kochtopf beugte. Er griff nach seinem großen Stock und schlug ihn dem Meister. Fabriken zu bauen. Das Unpersönliche ist abstrakt und hat mit der Erfahrung des Einzelmenschen nichts zu schaffen. Die theoretische Bemühung mag ausgezeichnet sein. um Kunstwerke zu schaffen oder etwas hervorzubringen. Industriewaren oder Mordinstrumente der verschiedensten Art zu erzeugen. was Wissenschaft oder wissenschaftlich heißt.

die andere für uns ausgearbeitet haben. Wenn Zen sich der Worte bedient. um Hunger oder Durst zu stillen. Sie besitzt . Die zweite Art Wissen ist das. Weise sind wir vielleicht.dem einzelnen zu eigen und bedeutet gar nichts ohne das eigene Erlebnis. Warum? Weil Worte Vorstellungen und nicht Wirklichkeiten sind. Dies ist das Ergebnis von Beobachtungen und Versuchen. so haben sie ihm keinen höheren Wert als Geldmünzen für den Handel. Worte sind notwendig für Wissenschaft und Philosophie. Wissenschaft bedeutet Systematik. Analyse und Spekulation. Hätte sie einen Wert. wirkliche Wolle und wirkliches Wasser umgesetzt werden. um einen wirklichen Wert für das Leben zu gewinnen. Wir können kein Geld anziehen. was Zen am höchsten bewertet. spielen mit Vorstellungen und halten uns deshalb für weise. wir können kein Geld essen. Ganz ebenso lernen wir Worte auswendig. was man unter Wissenschaft zu verstehen pflegt. müßte dann nicht das Tausendjährige Reich schon gekommen sein? Überlegenheit intuitiven Wissens Im großen ganzen genommen gibt es drei Arten von Wissen. um uns vor der Kälte zu schützen. darum sind wir für das Wissen von der Erde auf eine Karte angewiesen. sammelt sie im Gedächtnis und hält sie gewöhnlich für einen wertvollen Besitz. die Masse des sogenannten Wissens ist von dieser Art. Wir vergessen fortwährend diese einfache Wahrheit und sammeln immer wieder das Geld zu Haufen. Geld muß in wirkliche Speisen. aber sie sind ein Hindernis für Zen. Die erste gewinnt man durch Lesen oder Hören. aber Wirklichkeiten das. aber diese Art Weisheit ist wertlos gegenüber den Wirklichkeiten des Lebens. und Zen ist genau das Gegenteil. Wir können nicht über die weite Erde wandern und alles selber prüfen.

und mit sicherer Wirkung. denn es ist auf den Umkreis seiner eigenen Grenzen eingeschränkt. Was Zen erreichen will. auf ihren Vorrat von Wissen und Berechnung zurückzugreifen. ist diese dritte Art Wissen. Ich bin ein wenig vom Thema abgeschweift. soweit es sich darum handelt. 2. namentlich ein persönlicher Notfall. erklärt uns. Oder besser: in den Formen jeglicher Bezeichnungsweise entdeckt es die Gegenwart des Sinnes. Seine Konzentration auf den Sinn führt zur Vernachlässigung der Form. Aber in Wirklichkeit ist das sogenannte wissenschaftliche Begreifen keineswegs erschöpfend und bedarf immer neuer Berichtigung. denn hier ist in einem gewissen Umfang etwas Persönliches und Selbsterlebtes. denn dem Verstand kann es mißlingen. mit gewissem Erfolg steht es auf und meistert die Not. . wie in der geistigen Zen-Atmosphäre bestimmte bezeichnende Gedanken. den Geist des Buddhismus wirklich zu machen. die an der zweiten Art Wissen hängen. vor allem des religiösen Glaubens. Für alle. nämlich: 1.und Gefühlsrichtungen den Dingen der Welt gegenüber entstanden sind. so haben Wissenschaft und Logik keine Zeit mehr. Die dritte Art Wissen wird durch ein intuitives Begreifen erlangt. Allein diese grundsätzliche Einstellung von Zen gegenüber dem Verstandesmäßigen. Das intuitive Wissen aber bildet die Grundlage einer jeden Art von Glauben. hat die intuitive Wissensform keine feste Grundlage in Tatsachen und ist daher nicht unbedingt verläßlich.eine festere Grundlage als die erste Art. die tief in die Wurzeln des eigenen Daseins hinabreicht. Wenn ein Notfall eintritt. oder besser: die aus den Tiefen unseres eigenen Wesens emporwächst. alles das früher im Gedächtnis Aufgespeicherte heraufzurufen. auch das Gedächtniswissen ist nicht zur Hand.

im Studium und der Ausbreitung der konfuzianischen Lehre wie überhaupt der Erziehung. Diese zeigt sich besonders in den Künsten ganz allgemein. Wenn Einsamkeit im buddhistischen Sinn des Worts unbedingt geworden ist. Auch auf einige andere Punkte wird bei Gelegenheit hinzuweisen sein. und im Aufkommen des Teekults. die der Zen-Buddhismus in der Formung der japanischen Kultur und des japanischen Wesens gespielt hat. 5. denn die Vollkommenheit der Form lenkt die Aufmerksamkeit auf die Form selber und nicht auf ihre innere Wahrheit.3. bedeutet Nichthaften und Freiheit. Einsamkeit. den Sinn auszusprechen. 6. vom geringsten Gras auf dem Felde bis zu den höchsten und herrlichsten Erscheinungen der Welt. daß er in seiner Nacktheit oder Einsamkeit ganz in sich selber steht. versetzt sie sich selber in alle Dinge. Diese transzendentale Erhabenheit oder Einsamkeit des Unbedingten ist der Geist der Askese. Nach dieser Einführung möchte ich auf den folgenden Seiten die Rolle behandeln. 7. 4. des Konventionellen und Rituellen führt den Sinn dahin. . in der Entwicklung des Bushido (‹des Weges der Krieger›). Die Verachtung der Form aber. in die Sprache des Weltlebens übertragen. Die mangelhafte oder unvollkommene Form scheint ihm besser geeignet. der die Ausschaltung jeder möglichen Spur des Unwesenhaften bezweckt.

– Liegt es vielleicht an der rassischen Eigenart des japanischen Volkes. daß Zen so intensiv und gründlich von ihm aufgenommen wurde. wollen wir versuchen. den Zen zum Aufbau der japanischen Kultur geleistet hat. auch mit den sittlichen Lehren des Konfuzianertums. daß alle anderen Schulen des Buddhismus ihren Einfluß fast ganz auf das geistliche Leben unseres Volkes beschränkt haben. Jahrhunderts. In China war dies nicht notwendig der Fall. daß Zen der Entwicklung der chinesischen Philosophie unter der Sung-Dynastie und auch der Entfaltung einer bestimmten Schule der Malerei einen starken Antrieb gegeben hat. ALLGEMEINES ÜBER DIE KÜNSTLERISCHE KULTUR JAPANS Zens Beitrag zum Aufbau der japanischen Kultur Nach den oben gegebenen Erläuterungen der geistigen Atmosphäre. aber es hat die Kultur Chinas nicht so tief berührt. Es ist eine bezeichnende Tatsache. (Anm. Red. Zen hat sich hier in großem Umfang mit dem Glauben und der Praxis des Taoismus verbunden. Eine große Zahl von Werken dieser letzteren wurde seit der Kamakura-Zeit1 im 13. als ein beständiges Hinund Herreisen der Zen-Priester zwischen den beiden Ländern vor sich ging. daß es so innerlich auf sein Leben eingewirkt hat? – Immerhin ist auch in China die bemerkenswerte Tatsache nicht zu übersehen.2. die von Zen ausgeht. wie dies in Japan geschehen ist. d. Zen ist darüber hinausgegangen.) . bis Mitte des 14. den Beitrag zu begreifen. Die Bilder der Südlichen Sung fanden so ihre glühendsten Bewunderer auf dieser Seite des Meeres und gehören heute zu den 1 Ende des 12. Zen ist innerlich eingedrungen in jede Phase des kulturellen Lebens in Japan. Jahrhundert nach Japan gebracht.

letzten Endes aus ihr abzuleiten ist. Bevor wir weitergehen. Es ist ein höchst primitives Fahrzeug ohne mechanische Einrichtung. die mit der Weltanschauung von Zen eng verknüpft. Scheinbar schwebt das Boot hilflos in der Weite. wenn das Licht karger wird und die Natur die Prachtgewänder ihres üppigen Som- . keine Schattierung. Unter den für das japanische Kunstschaffen besonders charakteristischen Zügen ist der sogenannte ‹Eineckstil› zu erwähnen. Beides ist ganz in Harmonie mit dem Zen-Geist. mit der kleinstmöglichen Anzahl von Linien oder Strichen sichtbare Formen auf der Seide oder dem Papier festzuhalten. genügt vollkommen. an dem kein Strich. Oder: ein einsamer Vogel auf dem dürren Zweig. Dieser ‹Eineckstil› ist psychologisch verknüpft mit der japanischen Malertradition des sparsamen Pinsels. ausgegangen ist. um im Sinn des Betrachters ein Gefühl der Weite des Meeres und zugleich des Friedens und der inneren Stille aufzuwecken – das Zen-Gefühl der tiefen Einsamkeit. während man in China keine Beispiele dieser Art Malerei mehr findet. mögen einige allgemeine Bemerkungen über eine besondere Eigentümlichkeit der japanischen Kunst am Platze sein.japanischen Nationalschätzen. kein Fleckchen zuviel ist. um allen Unbilden des Wetters zu trotzen – ganz im Gegensatz zum modernen Dampfer von soundsoviel Tonnen. die es stabil und kühn über die wilden Wogen zu steuern erlaubt. Aber gerade in dieser Hilflosigkeit liegt die Stärke des Fischerboots. das über das Boot und alle Dinge regiert. die darauf ausgeht. ohne wissenschaftliches Gerät. der von MA YUAN. uns die Verlorenheit eines Herbsttages fühlen zu lassen. Ein einfaches Fischerboot mitten im leichtgewellten Wasser ist genug. einem der größten Meister der Südlichen Sung. und im Gegensatz zu ihr empfinden wir die Unbegreiflichkeit des Unbedingten. ja.

Red. das hoch über Zeit und Rang den Wert des Unbedingten besitzt – das ist die wesentliche Bedeutung von Wabi. das man auf dem nächsten Feld aufgelesen hat. d. und doch im Innersten die Gegenwart eines Etwas empfinden. den Blick auf das innere Leben zu lenken. Hier ist das ‹Fischerboot› als eines der bezeichnendsten Beispiele abgebildet. Arm sein. mit einer kleinen Hütte zufrieden sein. Es ist in Wahrheit die VerÜber Bilder ähnlicher Art vgl. ‹Wabi› heißt eigentlich ‹Armut› oder. was das Wörterbuch der japanischen Kulturbegriffe ‹Wabi› nennt. und mit einem Pflanzengericht. Reichtum. das heißt unabhängig sein von den Dingen der Welt. mit einem Raum von zwei oder drei Tatami (Matten) gleich der Hütte THOREAUS3. Macht und Ansehen. 3 HENRY DAVID THOREAU (1817–1862). breitet es all seine reichen Schätze willig vor unsere Augen. verbrachte 2 Jahre in völliger Einsamkeit in einer Blockhütte am Walden-See und berichtete darüber in seinem berühmten Tagebuch: ‹Walden or the Life in the Woods›. Und wenn man diesem sich zuwendet. (Anm. meine Zen-Essays II und III. hier aber nur feststellen. und vielleicht dem Tropfenfall eines zarten Frühlingsregens lauschen. daß die Liebe zu Wabi tief in die Kultur des japanischen Volkes eingedrungen ist. amerikanischer Philosoph und Schriftsteller.merwachstums abzulegen beginnt2. so heißt Wabi. Vor einem solchen Bild wird man nachdenklich und empfindet die Veranlassung. Der Hang zum ‹einfachen Leben› Hier sehen wir ein Erkennen des transzendental Erhabenen inmitten des tausendfach Mannigfaltigen – das. negativ ausgedrückt. Später will ich noch etwas mehr über Wabi sagen.) 2 . Will man es in Worten des täglichen Lebens ausdrücken. ‹der feinen Gesellschaft fremd sein›.

die an der Oberfläche des Lebens liegen. so glauben wir es in all seiner scheinbaren Unendlichkeit der Vielfalt . So ‹zivilisiert› wir sein mögen und aufgewachsen in einer künstlichen Umwelt. scheint uns ein tiefer beglückendes Geschäft. Schwimmen wir aber selber in seinem Strom. Wir möchten ab und zu heimkehren an den Busen der Natur und ihren Herzschlag unmittelbar vernehmen. Sogar im geistigen Leben streben wir nicht nach Reichtum der Gedanken. Die ZenGeistesrichtung. Still zufrieden zu sein in der mystischen Anschauung der Natur und mit dem weiten All sich eins zu fühlen. Zen hat keinen Geschmack an Kompliziertheiten. hat den Japanern geholfen. nicht nach Glanz oder Strenge in der Führung von Ideengängen und im Aufbau philosophischer Systeme. die über uns gekommen sind. die dem natürlichen Lebenszustand nahe bleibt. die alle künstlichen Formen der Menschheit durchbricht und festhalten möchte. Bei allem modernen Luxus und allen Annehmlichkeiten des Westens. zum wenigsten manchen von uns. haben wir immer noch eine unausrottbare Sehnsucht nach der Liebe zu Wabi. daß sie den Mutterboden nicht verloren. Mit dem ganzen Kontrollapparat der Wissenschaft haben wir die Geheimnisse des Lebens noch nicht ergründet. was hinter ihnen liegt. haben wir doch wohl alle eine angeborene Sehnsucht nach schlichter Einfachheit. sondern mit der Natur immer auf freundschaftlichem Fuße blieben und ihre ungekünstelte Einfalt zu schätzen wissen. bietet es dem analysierenden Geist einen Anblick von unglaublicher Verworrenheit. Das Leben selber ist einfach genug.ehrung der Armut – vermutlich ein höchst angebrachter Kultus in einem armen Lande wie dem unseren. Darum schlagen die Stadtmenschen im Sommer ihr Zelt in den Wäldern auf oder wandern in die Einöden oder suchen die unbetretenen Pfade. nur wenn es vom Verstand aus betrachtet wird.

Eine Mißachtung der Form ergibt sich. das die japanischen Kenner so hoch schätzen. das dem betreffenden Werk den Rang einer künstlerischen Schöpfung verleiht. ein Gegengewicht zu finden. da fehlt es. Sehr wahrscheinlich ist es der eigentümlichste Zug an der Menschheit des Ostens. liegt Sabi in ihm. empfindet man sie doch nicht als solche. Altertümliches und Ursprüngliches brauchen nicht zeitgemäß zu sein. und letzten Endes hat es etwas Unerklärbares in sich. Wenn ein Kunstwerk auch nur oberflächlich das Gefühl des Vergangenen aufweckt. die gewiß nicht fehlen. Dies ist ein beliebter Kunstgriff der japanischen Meister gewesen: Schönheit in der Gestalt des Unvollendeten oder sogar des Häßlichen zu verkörpern. Man pflegt eben dieses aus dem Zen-Charakter abzuleiten. . und doch verursacht gerade dies ein unverhofftes Gefühl der Befriedigung. Sabi besteht in ländlicher Anspruchslosigkeit oder archaischer Unvollkommenheit. Wo diese Schönheit des Unvollendeten mit dem Altertümlichen oder Ungehobelt-Ursprünglichen verbunden ist. wenn die Allbedeutung des Geistes zu sehr beachtet oder betont wird. und gerade dieses Unvollendete wird zu einer Form des Vollendeten. Und Zen hat gerade in diese Kerbe geschlagen. daß sie das Leben von innen statt von außen erfassen möchte. findet man den Hauch des Sabi. das Sicherhabenfühlen über konventionelle Regeln zu fördern. Wo man erwarten möchte.und Verwicklungen doch zu begreifen. eine Masse. Offenbar bedeutet Schönheit nicht notwendig Vollendung der Form. einen Linienzug. Trotz aller Mängel und Unebenheiten. anscheinender Schlichtheit oder Mühelosigkeit der Ausführung und Reichtum an historischen Erinnerungen – die aber nicht immer vorhanden sein müssen –. Auch der ‹Eineckstil› und die Sparsamkeit mit dem Pinselstrich tragen dazu bei.

Man nehme irgendeine japanische Sumi-ye-(Tusche-) Skizze.Die Geräte. besonders wenn man sie gegen eine moderne oder abendländische Umgebung stellt. . Zen-Dichter und Einsiedler der T’ang-Dynastie. Nicht allein das Fischerdorf am herbstlichen Abend entspringt diesem Gefühl der Einsamkeit. Das künstlerisch Wesenhafte. und hänge sie in eine europäische oder amerikanische Gemäldegalerie. allein unter unendlich wechselnden Formen und Farben – das ergibt eigentlich überhaupt nichts Sehenswertes.4› Einsamkeit lenkt in der Tat zur Beschaulichkeit und eignet sich nicht zu irgendeiner Schaustellung. sind zumeist von dieser Art. vielleicht mit HAN-SHAN und SHI-TE5. wo es entstanden ist. Sie mag höchst armselig. Das Ideal der Einsamkeit ist dem Osten eigentümlich und ist nur da heimisch. so wird man sehen. ob sie irgendeine Wirkung auf den Sinn der Besucher ausübt. auch ein Flecken Grün im beginnenden Frühling – und vielleicht drückt dieses noch besser als jenes das 4 5 Von FUJIWARA SADAIYE (1162 – 1241). die man im Teeraum verwendet. Allein sein ohne wehende Fahnen und krachendes Feuerwerk. unbedeutend und erbarmungswürdig aussehen. Da finde ich keine Blumen Und kein leuchtendes Ahornlaub. das Sabi ausmacht – wörtlich bedeutet dies Alleinsein oder Einsamkeit – hat ein Teemeister mit folgenden Versen angedeutet: ‹Wenn ich herauskomme In dies Fischerdorf Spät am herbstlichen Tag.

Denn in dem grünen Fleckchen liegt die Andeutung des Lebenstriebs mitten in der winterlichen Öde. als den leitenden Grundsatz des Teekults. aber wer ein Auge hat. wie man im folgenden Einunddreißigsilbengedicht liest: ‹Wer allein nach der Kirschenblüte sich sehnt. die hier sein Herz berührt. Es ist vielleicht nur eine Ahnung. . der unter der dichten Schneedecke sich schon emporhebt. Wie er aus einem Fleckchen Grün aufglänzt Inmitten des schneebedeckten Dorfs in den Bergen. 6 Von FUJIWARA IYETAKA (1158 – 1237). Ein ganz schwaches Beginnen der Lebenskraft äußert sich in der Form eines winzigen Fleckens Grün. Man kann dies als die mystische Einstellung des Künstlers ansehen. aber dennoch ist es das Leben selber und nicht bloß ein schwaches Zeichen seiner Macht. zu sehen.6› Dies stammt von einem der alten Teemeister und spricht vollkommen das Sabi aus. des Chano-yu. kann darin sogleich den Frühling spüren. Für den Künstler liegt darin das Leben in seiner vollen Kraft und nicht weniger. als wenn das ganze Feld mit Grün und Blüten bedeckt wäre. Dem möchte ich den Frühling zeigen.Ideal des Sabi oder Wabi aus.

wenn man einige buddhistische Tempel in den Bergen besucht. Ein Zeugnis dafür ist auch der Aufbau des Teeraums. oder auch auf die Anordnung der Wegsteine und Steinpforten im Garten. Die klarsten und ausdrucksvollsten Beispiele findet man in den Grundrissen der buddhistischen Tempel. sondern eher im Hintergrund zu bleiben.Vorliebe für das Asymmetrische Asymmetrie ist ein anderer Zug. der die japanische Kunst kennzeichnet. sich nirgends aufzudrängen. und die so entstandene Gesinnung der Selbstauslöschung zeige sich nun in der Kunst . Dieser Grundsatz ist ohne Zweifel aus dem ‹Eineckstil› des MA YUAN abgeleitet. so ist sie auf mindestens drei verschiedene Arten ausgeführt. oft sogar die wichtigsten. Hier liegen vielleicht die Hauptgebäude wie das hochgetürmte Tor. daß Asymmetrie charakteristisch für diesen Teil der japanischen Baukunst ist. Manche japanische Psychologen versuchen diese Vorliebe unserer Künstler für das unsymmetrisch Geformte. die Dharma-Halle. oder auf die Gerätschaften. allein die ergänzenden oder minder wichtigen Baulichkeiten. die Buddha-Halle und andere in einer geraden Flucht. die zur Bereitung und zum Genuß des Tees dienen. dieses Widerstreben gegen die regelhaften oder besser geometrischen Kunstgesetze durch die Theorie zu erklären. Blicken wir nur zur Decke empor. je nach den Besonderheiten des Geländes. Sie liegen meist unregelmäßig über den Klosterbezirk verstreut. Man kann sich leicht davon überzeugen. Es darf gesagt werden. die Menschen seien dazu erzogen worden. gleichsam sich selber zu verwischen. sind nicht symmetrisch wie Flügel zu beiden Seiten der Achse angeordnet. zum Beispiel den Schrein des Jyeyasu in Nikko. Da finden wir ebenso viele Beispiele von Asymmetrie oder sozusagen von Unvollkommenheit oder vom ‹Eineckstil›.

den künstlerischen Antrieb dazu dem beliebten Begriff eines moralischen Asketentums zuzuschreiben. das andere ein ununterdrückbares Sichäußern des Inneren. so bleibt die Asymmetrie gewiß ein bezeichnendes Merkmal japanischer Kunst. Zen ist unlösbar verbunden mit der Kunst. das dem All-Einen zugehört? Das Prinzip einer asketischen Ästhetik ist nicht so grundlegend wie das der Zen-Ästhetik. aber nicht ohne Kunst. Das eine ist ein Anspruch von außen her. so brauchen wir seiner eigenen Auslegung so wenig wie der der Kenner allzuviel Gewicht beizulegen. Würde und Eindrücklichkeit ebenso wie die formale Logik oder der Aufbau abstrakter Gedankensysteme. und wenn er sogar geneigt ist. daß der Künstler die wesentliche Mitte einfach leer lasse. Symmetrie erzeugt ein Gefühl von Schönheit. Die Japaner gelten vielfach nicht für verstandesmäßig und philosophisch einge- . die vom Standpunkt der Form unvollkommen sind. daß der künstlerische Genius des japanischen Volkes durch die Zen-Anschauung geformt worden ist. Die künstlerischen Impulse sind ursprünglicher oder tiefer eingeboren als die moralischen Antriebe. Die Sittenlehre setzt Regeln. Das ist auch einer der Gründe. nach der jedes Einzelding in sich selber vollkommen ist und zugleich das Wesen der Ganzheit in sich verkörpert. Meiner Ansicht nach ist diese Theorie nicht ganz zutreffend.darin. Mag es damit wie immer bestellt sein. Unser bewußtes Verhalten ist im allgemeinen kein sehr verläßlicher Maßstab der Beurteilung. aber die Kunst ist schöpferisch. Ist die Erklärung nicht viel einleuchtender. Wenn der japanische Künstler Dinge schafft. Zen kann ohne Moral bleiben. nicht aber mit einer Sittenlehre. Die Kunst spricht unmittelbarer zum Wesen des Menschen. daß eine gewisse Leichtigkeit und Anmut den japanischen Werken eigentümlich ist.

und der Ashikaga-Zeit7. Die Zen-Priester hatten dauernd Gelegenheit. Diese selber waren Gelehrte. Armut. Red. dem Unausgeglichenen mit Vorliebe sich zuzuneigen. Jh. weil ihre Kultur im ganzen nicht so vom Verstande aus gestaltet und durchdrungen ist. daß Zen die künstlerischen Impulse des japanischen Volks angeregt und gesteigert.) . ja.stellt. glaube ich. und der Japaner ist imstande. daß es ihre Schöpfungen mit seinen Idealen durchdrungen hat. daß sie Reisen unternahmen und die ausländischen Erzeugnisse von Kunst und Handwerk nach Ja7 15. (Anm. d. Einsamkeit und andere verwandte Ideale als die offenbaren und bezeichnendsten Wesenszüge japanischer Kunst und Kultur – sie alle sind Ausstrahlungen des einen zentralen Gedankens der Zen-Wahrheit: des Einen in Allem und des Alls in dem Einen. Der Verstand strebt seinem Wesen nach zum Gleichgewicht. mit fremden Kulturwelten in Berührung zu stehen. Diese Beobachtung hängt. bis Mitte des 16. Die Zen-Klöster waren die Mittelpunkte der Bildung und der Kunst zum mindesten während der Kamakura. Künstler und Mystiker. darauf gar nicht zu achten. Das Volk im allgemeinen und besonders die herrschende Klasse suchte bei den Zen-Priestern Vorbild und Antrieb ihrer schöpferischen Betätigung. Jhs. Asymmetrie. Sie wurden sogar von den staatlichen Machthabern darin unterstützt. Unausgeglichenheit. mit der japanischen Vorliebe für das Asymmetrische zusammen. liegt in folgenden Tatsachen. Vereinfachung. ‹Eineckstil›. Die Klöster als Zentren geistiger und künstlerischer Bildung Eine der Ursachen. Sabi oder Wabi.

die Japaner von Grund aus mit dem Geist des Buddhismus zu durchtränken.und Nichiren-Schule die bedeutendsten Schulen des japanischen Buddhismus. Jhs. Red. um volkstümlich zu sein.pan brachten. zu verwickelt und daher auch zu kostspielig. Nichiren hat unserer Kunst und Kultur keinen besonderen Antrieb gegeben. 9 Anfang des 8.und die Jodo-Schule8 haben vor allem dazu beigetragen. Die Tendai-. Nichiren. Baukunst. Shingon und Tendai haben herrliche Bildwerke. mit all seinem Glanz des Buddhas des unendlichen Lichtes und seines Gefolges von Bodhisattvas. der Nara. Die Jodo-Schule verkündigt die Lehre vom Reinen Lande. sondern auch in stärkster Weise auf die Kultur überhaupt seinen Einfluß aus.und der Heian-Periode9. Gemälde und kunstvolle Gerätschaften für ihren täglichen Gottesdienst geschaffen. (Anm. farbenprächtige Malerei. Die Aristokratie und die politisch einflußreichen Klassen Japans waren die Förderer ihrer Einrichtungen und unterwarfen sich selber gern den Zen-Übungen. edle Gewebe und die Metallarbeit stark entwickelt. Allein die Tendai-Philosophie ist zu abstrakt und verworren. d. die Shin-Schule ist eher bilderfeindlich gewesen und hat an Diese sind mit der Shin. die verschiedene buddhistische Tempel Japans bewahren. Durch ihr Bilderwesen haben sie das Gefühl für Plastik. um von der Menge begriffen zu werden. So übte Zen nicht bloß unmittelbar auf das religiöse Leben Japans.) 8 . Die berühmtesten ‹Kunstschätze der Nation› stammen aus der Tempyo-. während deren diese beiden buddhistischen Schulen im Aufblühen waren und mit den gebildeten Volkskreisen in enger Verbindung standen. und sie begeisterte so die Künstler zu den wundervollen Amida-Bildern. die Shingon. bis Ende des 12.und Shin-Schule sind Schöpfungen rein japanischer Religiosität. das Shingon-Ritual zu reich ausgestaltet.

Im Anfang der japanischen Zen-Geschichte hielt sich Zen darum fern von der Hauptstadt Kyoto und begründete seinen Hauptsitz unter dem Schutze des Hojo-Hauses in Kamakura. benutzte seinen politischen Einfluß und setzte sich Zen entgegen. sie wurde unter den gebildeten Klassen in der alten Zeit ganz allgemein geübt und geehrt. LIANG K’AI. er fand bereitwillige Aufnahme und Nachfolge. verfeinerte und anmutvolle – man möchte fast sagen weibliche – Manier. daß Zen der vornehmen Priesterschaft entgegentrat. Der hohe Adel wollte anfangs auch von der neuen Lehre nichts wissen. Dieses als der damalige Mittelpunkt der Feudalregierung wurde auch zum Hauptquartier der Zen-Schulung. machte den stärksten Eindruck auf sie.Kunst und Literatur nichts Nennenswertes hervorgebracht mit Ausnahme der Wasan-Gesänge und der Sendschreiben. Es war mehr oder weniger ein geschichtlicher Zufall. Viele Zen-Priester aus China ließen sich in Kamakura nieder und fanden die mächtigste Förderung durch HOJO TOKIYORI. die in den Zeiten . die aus China zurückkehrten. Die milde. Der Geist. ihre Nachfolger und Gefolgsleute. besonders des Rennyo (1415 – 1499). und die Japaner. Die chinesischen Meister brachten viele Kunstwerke und Künstler mit sich in das Land. MA YUAN und anderen fanden so ihren Weg nach Japan. In ihm ist etwas Mannhaftes und Unerschütterliches. Die Schrift ist in Ostasien eine Kunst so gut wie die Sumi-ye-(Tusche-)Malerei. der aus den Zen-Bildern und Zen-Schriften sprach. HOJO TOKIMUNE. trugen ebenfalls Werke der Kunst und Literatur nach Hause. Handschriften der berühmten chinesischen Zen-Meister gelangten ebenso in unsere Klöster. Bilder von MU-CH’I. Zen ist nach Shingon und Tendai nach Japan gekommen und sogleich von der Kriegerklasse begeistert aufgenommen worden.

in dem Zen sein Lehrsystem durchführt. Die grundlegende Anschauung. sie sind ihre nahen. das vor allem in der Plastik und der Schrift dieser Zeit seinen Ausdruck findet. das die Meister veranlaßt. die Bäche und alle die Naturerscheinungen. Es ist nicht die eines bloßen Naturforschers. das seine mystische Geistesrichtung. legt den höchsten Wert auf die Willenskraft. welche die Zen-Meister durch ihre Schulung gewinnen. mit denen der Mönch sich beschäftigt. die dem Menschen in der Stadt fremd und unbeachtet bleiben. Dieses ritterliche Wesen. die Vögel. Was für ein Stück Natur er malend wiedergeben mag. In dieser besonderen Hinsicht geht Zen Hand in Hand mit dem Geiste des Bushido. seine Erhabenheit über weltliche Geschäfte betont. das Wild. die Felsen. Die rauhe Mannhaftigkeit. Dazu kommt ein anderer Zug der Zen-Schulung oder besser des klösterlichen Lebens. Den Geist der Berge spürt man leise atmend in seinen Werken. Schönheit zu erschaffen. regt offenbar ihre künstlerische Begabung an.vor der Kamakura-Periode vorgeherrscht hatte. Sie beobachten die Gewächse. es muß unweigerlich seine Intuition aussprechen. Sie dringt in das Leben der Dinge selber ein. so stehen seine Insassen in der innigsten Verbindung mit der umgebenden Natur. Das intuitive Schauen scheint eng mit dem Gefühl für Kunst verbunden zu sein. die den Kriegern der Kwanto-Gegenden eigen ist. ist sprichwörtlich geworden und steht in schroffem Gegensatz zu der Anmut und Verfeinerung der Hofleute von Kyoto. mitfühlenden Schüler und Erforscher. wenn sie überhaupt Sinn für die Kunst besitzen. Da das Kloster zumeist in den Bergen liegt. weicht jetzt dem männlichen Ideal. daß diese ihre Weltanschauung oder besser ihre Intuition tiefsinnig widerspiegelt. Und das Eigentümliche ihrer Beobachtung ist es. das heißt den Sinn für Vollkommenheit selbst durch das Häßliche und Unvollkommene .

sogar ihr technisches Können ist sehr oft vom höchsten Range. werde selber zum Bambus. und 15. uns gerade das Einzigartige und Ursprüngliche zu vermitteln. das er schaffen will. so wird er der Knecht äußerer Bedingungen. Die Zen-Meister geben vielleicht keine guten Philosophen ab. SESSHU (1421 bis 1506) und andere anzuführen. Jahrhunderts sind CHO DENSU (gestorben 1431).auszusprechen. bevor er mit der Ausführung beginnt. SHUBUN (wirkte 1414 – 1465). von denen einzelne noch vorhanden und durch den Wechsel der Zeiten wohlerhalten geblieben sind. was Bambus heißt.’ Und weiter: . jedoch sehr häufig edle und große Meister der Kunst. Unter den bekannten Zen-Malern des 14. entwarf er herrliche Gärten. Wo immer er sich niederließ. Ein Beispiel dafür ist MUSÔ. dem Verfasser von ‹Chinesische Mystik und moderne Malerei›. ein Bild zu schaffen. JŌSETSU (1410). zur Zeit des ‹nördlichen› und ‹südlichen Hofes› im 14. Nach GEORGES DUTHUIT. REISAI (wirkte um 1435). an einer Reihe von Orten in Japan. der ‹Lehrer der Nation› (1275 – 1351). Jahrhundert. wird die wahre Kunst der Malerei gewißlich verfehlen. Dazu aber verstehen sie. der den Geist der Zen-Mystik begriffen zu haben scheint. zuerst als ein Ganzes sehen oder besser empfinden. Zeichne zehn Jahre lang Bambus. Seine Überlieferung heißt ihn das Werk. Dann vergiß alles. .Wer überlegt und den Pinsel bewegt mit der Absicht. kraftvolle Reaktion der Hand auf den leitenden Willen. wenn du malst! Im Besitz eines unfehlbaren Könnens unterwirft sich der Mensch unter die Gnade der Eingebung. Er war ein feiner Schriftkünstler und ein großer Landschaftsgärtner.Sind die Gedanken eines Menschen verworren.› . liegt die Sache so: ‹Wenn der chinesische Künstler malt.’ Diese erscheint wie eine Art selbsttätiges Schreiben. so ist ihm das Wesentliche die Konzentration des Gedankens und die unmittelbare.

. bedeutet ein sicheres Erfassen des Sinnes und doch sich dessen bewußt sein.Zum Bambus zu werden und dann zu vergessen. Wenn die Zen-Meister erklären. Die Leute pflegen sich einzubilden. wenn sie auf dem Gebiet der Kunst und des Glaubens etwas erreichen wollten. TAKUAN. dieser Art Schulung sich zu unterwerfen. Die fundamentale Bedeutung des Satzes vom ‹Einen in Allem und Allem im Einen› Es ist hier von höchster Wichtigkeit. Da das Eine in Allem ist. daß man eins mit ihm ist. und einzelne Gelehrte. das Eine sei in Allem und das All im Einen. während man malt – das ist das Zen des Bambus. scheinen damit einverstanden. Die Menschen des Ostens sind seit der frühen Geschichte ihrer Kultur dazu angehalten worden. es gebe ein Ding. 75 ff. der im Bambus ebenso wie im Künstler selber atmet. Das ist bedauerlich. so bildet man sich ein. die nur nach langer geistiger Übung zu bewältigen ist10. so meinen sie nicht. da ist schöpferisches Genie. Weit 10 Vgl. die über Zen schreiben. Vom Unbewegten Begreifen. das man das Eine oder das All heißt. Zen sei eine pantheistische Lehre. diesen Satz in seinem wahren Sinn zu erläutern. denn Pantheismus ist weit entfernt von Zen und auch von der wirklichen Einstellung des Künstlers zu seinem Werk.› Wo dies vollkommen begriffen wird. Dies ist eine unendlich schwere geistige Aufgabe. Was hier gefordert wird. das heißt im ‹Lebensrhythmus des Sinnes› sich bewegen. S. es bedeute nichts anderes als Pantheismus. Zen hat dies mit dem Wahrspruch angedeutet: ‹Das Eine in Allem und das All im Einen. und es liege das eine im andern oder umgekehrt.

einen Zen-Meister der T’ANG-Zeit: Wenn ich recht verstehe. wo er zergliedern will. hat es niemals einer pantheistischen Weltdeutung zugestimmt. Ist dies richtig?› Der Meister sprach: ‹Es stimmt. wo Zen sich auf eine verstandesmäßige Erörterung einläßt. Alles in Einem› ist als die vollständige Feststellung einer unbedingten Tatsache zu verstehen und nicht in seine Einzelbegriffe zu zerlegen. Das folgende Mondo11 mag deutlicher erklären. sind alle Laute die Stimme des BUDDHA. es zu sein. Wenn Zen überhaupt von dem Einen spricht. und beide sind niemals zu trennen.entfernt! Zen anerkennt weder das Eine noch das All als etwas voneinander Unterschiedenes. der ist kein Zen-Jünger. sich irgendeinem philosophischen System zu unterwerfen. und das genügt. so bedeutet dies nur ein Sichherablassen zum gewöhnlichen Sprachgebrauch. zu seinem Erlebnis.› Und der Mönch fuhr fort: ‹Könnte der Meister nicht aufhören. es ist der Mond. Selbst da. ein Geräusch hervorzu11 Lehrgespräch. Eines ist immer dasselbe wie das andere. Zen steht fest zu seiner Erfahrung. Diese Sobeschaffenheit ist die Leere selbst. Der Satz ‹Eines in Allem. Wenn wir den Mond erblicken. Er hört auf. wenn er es je gewesen ist. Tathata ist Sunyata und Sunyata ist Tathata. Für den Zen-Jünger ist das Eine das All und das All das Eine. . was ich über die Zen-Einstellung zu der sogenannten pantheistischen Deutung der Natur betonen möchte. und zwar in dem Augenblick. und lehnt es ab. Die Dinge sind in und durch Sunyata (Leere) mit all ihrer Sobeschaffenheit (tathata). Denn zum ersten gibt es kein Eines für Zen. Wer die Erfahrung zergliedern und eine Erkenntnistheorie aufbauen will. Ein Mönch fragte T’OU-TZE. als ob es dies anerkenne. so wissen wir.

dieses Mondo in verständlichen Worten zu erklären. häßlich ist schön. Odem und alle Dinge› (Apostelgeschichte 17. in seinen Darlegungen stecke dieselbe Tendenz. Alle Formen des Bösen müssen irgendwie das Wahre. er erinnere einen an einen Esel. weben und sind wir› (Apostelgeschichte 17. Es wird nötig sein. 25) und wiederum: ‹In ihm leben. jeden Lärm. jedes mögliche Gerede als dem Brunnquell der einen Wirklichkeit. Jeden Laut.bringen. so gewöhnlich oder schädlich es auch sei. ist Pantheismus. Das ist in der Tat der Gedankengang jener. das göttliche Wesen sei allen Dingen immanent. das heißt des göttlich Einen entspringend zu erklären. du hast recht. das den Laut einer gärenden Masse Kot widertönt?› Darauf schlug der Meister den Mönch. Wenn dies der Fall ist. Der Mönch fragte weiter den T’OU-TZE: ‹Habe ich recht. Allein T’OU-TZE trat mit dem Fuß auf eben solche verstandesmäßigen Auslegungen und schlug den Mönch. Denn ‹er gab allem Leben. 28). stelle ich mir vor. ein Teil der höchsten Wahrheit ist?› Der Meister sprach: ‹Ja. Gute und Schöne verkörpern und ein Beitrag zur Vollkommenheit der wahren Wirklichkeit sein. wenn ich die Lehre des BUDDHA dahin verstehe. und sogar wenn einem großen Lehrer nachgesagt wird. muß auch diese Beschimpfung als Widerhall irgendeiner höchsten Wahrheit gelten. unvollkommen ist vollkommen und ebenso umgekehrt.› Der Mönch fuhr fort: ‹Darf ich Euch dann einen Esel heißen?› Darauf schlug ihn der Meister. so tönt auch aus eines ZenMeisters rauher Kehle der melodische Widerhall der Stimme. daß alles Reden. er habe den Meister mit seinen Folgerun- . Und man hat Zen oft den Vorwurf gemacht. Um es noch genauer zu sagen: schlecht ist gut. die dem goldenen Mund des BUDDHA entströmt. die meinen. Dieser hatte höchstwahrscheinlich erwartet.

es wäre nutzlos. So wird er zum Erwachen aus seinem logischen Schlafzustand aufgerufen. durch welches die Zen-Wahrheit dem Menschen aufgeht. wie sie T’OU-TZE im folgenden Gespräch erklärt: Ein Mönch fragt: ‹Was ist der BUDDHA?› T’OU-TZE antwortet: ‹Der BUDDHA. noch eine Verquikkung von beiden. Diese ist weder Transzendenz noch Immanenz. schwellend und steigend. Die Wahrheit ist so. Schauen. Machet sie plötzlich erwachen (aus der Sackgasse). Denn das Wortespalten führt von einer Verwicklung in die andere. wie alle Zen-Meister. ihn zu schlagen und ihn so an sich selber die Wahrheit des ‹Eins in Allem und Alles in Einem› fühlen zu lassen.› Der Mönch: ‹Was ist Tao?› T’OU-TZE: ‹Tao. Daher T’OU-TZES Radikalmittel.› Der Mönch: ‹Was ist Zen?› . den Mönch mit Worten zu widerlegen. nach rückwärts strömen!› Hier ist eine plötzliche Umkehr. ausgestochen. daß Menschen ohne Zahl ihr Spiel mit der rollenden Flutwoge treiben. ein plötzliches Erwachen notwendig. Denn alle verschlingt sie zuletzt und läßt sie untergehn. HSÜEH-TOU gibt einen Kommentar dazu in folgenden Versen: ‹Schade. ist. wie alle die Flüsse. Vielleicht der einzig wirksame Weg.gen. jemandem wie dem betreffenden Mönch die Verkehrtheit seines gedankenmäßigen Begreifens verständlich zu machen. und da wäre kein Ende. die aus seiner vorherigen Zustimmung logisch sich ergeben. Der Meister wußte.

Wir haben sie in ihrem sichtbaren Sinne anzunehmen und damit zufrieden zu sein. ist – und dies ist die endgültige Erfahrungstatsache. 12 . Mit Unterscheidung meinen die Zen-Meister nicht die Wahrnehmung und Anerkennung von Tatsachen. Nun noch ein anderes Beispiel zur Erläuterung. doch verachte er jegliche Unterscheidung. Was ist unter Nichtunterscheidung zu verstehen?› CHAO-CHOU sprach: ‹Über den Himmeln und unter den Himmeln bin ich allein der Eine Hochverehrte. des Zergliederns in Begriffe und endlich des Wiederkauens derselben in einem unfruchtbaren Kreislauf der Überlegung. so lassen wir sie einfach stehen und gehen Diese Mondo von T’OU-TZE.T’OU-TZE: ‹Zen. Ein Mönch fragte den CHAO-CHOU. CHAO-CHOUS Bejahung ist endgültig. Falls wir sie aus irgendeinem Grunde nicht annehmen können. In der Tat aber gibt es keinen anderen Weg. der vollkommene Pfad kenne keine Schwierigkeiten.› Der Mönch bemerkte: ‹Noch immer eine Unterscheidung!› Des Meisters Antwort war: ‹O dieser unnütze Bursche! Wo ist die Unterscheidung?› Der Mönch blieb sprachlos. den Sinn des Mönchs zu erleuchten. als die Bestätigung: was ist. HSÜEH-TOUS dichterische Kommentare und CHAO-CHOUS ‹Nicht-Unterscheidung› stammen aus dem Pi-yen-chi. einer Sammlung von Zen-Texten. einen Meister der T’ang-Zeit: ‹Es steht geschrieben. sondern das verstandesmäßige Fortschreiten des Nachdenkens über sie. Das Pi-yen-chi ist für ungeschulte Leser ein Buch mit sieben Siegeln. so wie sie sind. er ist das Echo selber. sie läßt keine Zweideutigkeit und keine Beweisführung zu.12› Der Meister antwortet wie ein Papagei.

in der. Der Meister schlägt zu oder scheint zu verhöhnen. kehren sie alle heim in ihre ursprüngliche Heimat.an einen anderen Ort. Wie ich schon zuvor bemerkte. In der Bezeichnungsweise der PrajnaSchule des Buddhismus ist Sunyata gleich Tathata. und Tathata oder die Sobeschaffenheit ist die Welt des Gesonderten. darf der Satz ‹Alles in Einem und Eines in Allem› nicht zuerst in die Begriffe ‹Eines› und ‹Alles› zerlegt und dann das Bindewort dazwischen gesetzt werden. ist die grundlegende Wahrheit des Buddhismus. und Tathata ist Sunyata: Sunyata oder Leere ist die Welt des Absoluten. wiederum. Das ist alles. Das. Einer der gebräuchlichsten Zen-Sprüche lautet: Weiden sind grün. ging weiter und bemerkte: ‹Das ist noch immer eine Unterscheidung!› Die Unterscheidung war aber in Wirklichkeit auf der Seite des Mönchs. sondern weil er damit seine Schüler aus dem Brunnenloch herausreißen will. Bambus gerade und Kiefern knorrig verwachsen sind. Daher verwandelte sich der ‹Eine Hochverehrte› in einen ‹unnützen Burschen›. Der Meister allein weiß. Hier ist keine Unterscheidung vorzunehmen. und Blumen sind rot. Der Mönch vermochte den Standort CHAO-CHOUS nicht zu fassen. Wenn sie ihm folgen. sondern das Ganze zu ergreifen und in ihm Ruhe zu finden. um unsere eigene Erleuchtung zu suchen. Hier hilft keine noch so lange Beweisführung und keinerlei Überzeugen mit Worten. was hier gefordert wird. was man ein intuitives oder erfahrendes Begreifen der Tatsache ‹Alles in Einem und Eines in Allem› heißen kann. die von allen seinen verschiedenen Schulen gelehrt wird. und nicht CHAO-CHOUS. wie er sie aus der logischen Sackgasse herausführen und ihnen einen neuen Weg öffnen kann: sie sollen ihm ganz einfach folgen. nicht weil er empört oder jähzornig ist. in das sie gefallen sind. . Die Welt des Gesonderten wird hier bejaht.

als wären es zwei. daß alle Dinge aus der Leere kommen und zu ihr heimkehren und daß dieses Hinausgehen und wieder Heimkehren nur eine einzige Bewegung ist. Es gibt keinen Pantheismus im Sumi-ye. organisch mit Zen verbunden sind. Diese dynamische Gleichsetzung als solche ist die Grundlage all unserer Erfahrung. und auf ihr beruht das ganze Spiel unseres tätigen Lebens. Jetzt vermögen wir einzusehen. sondern ebensosehr eine Erfahrungstatsache wie der gerade Wuchs des Bambus und das Rotsein einer Blume. die wir im Sumi-ye-Stil der ostasiatischen Malerei beobachten. Allein zu gleicher Zeit gehören sie alle der Leere an. bis zu dieser Grundlage hinabzugraben. Zen lehrt uns. freilich nicht in ihrem relativen. Vollendung und ähnliche Eigenschaften. Einfalt. anstatt nach außen in die Richtung des Verstandes zu gehen. Zen ist kein Nihilismus. Leere im absoluten Sinn ist nicht ein Begriff. . Wenn der Sinn des Menschen. wie es keinen in Zen gibt. sondern im absoluten Sinn. Geistigkeit. so erfaßt er. wie sie sind.Erfahrungstatsachen werden anerkannt. obgleich wir es so beschreiben müssen. Bewegung. Aus diesem Gesichtspunkt antwortet der Meister. wenn er gefragt wird: ‹Was ist Zen› zuweilen ‹Zen› und zuweilen ‹Nicht-Zen›. seine Aufmerksamkeit nach innen lenkt. wie der Grundsatz der Sumi-ye(Tusche-) Malerei aus der Zen-Erfahrung abgeleitet ist und wie Unmittelbarkeit. Denn es ist die Feststellung einer intuitiven oder wahrnehmenden Anschauung. den man auf dem Wege zergliedernder Überlegung erreicht.

denn Intuition ist der geradere Weg zur Wahrheit. daß Zen auf irgendeine Weise mit dem Geist der Kriegerklasse Japans in Verbindung stehen soll. und in seiner ganzen reichen Geschichte ist er nie in kriegerisches Handeln hineingezogen worden. ist eine Religion des Mitleidens. gestärkt. nicht rückwärts zu blicken. Weltanschaulich. ZEN UND DER SAMURAI Zen und kämpferische Gesinnung Es kann merkwürdig erscheinen. wenn er aus irgendeinem Grunde diese Laufbahn einmal betreten hatte. Wie kommt es also. hat es ihn doch passiv darin bestärkt. daß Zen den kämpferischen Geist des japanischen Rittertums gekräftigt hat? In Japan ist Zen vom Anbeginn seiner Geschichte mit dem Leben des Samurai aufs innigste verknüpft gewesen. so wendet es sich mehr als sittliche Forderung denn als weltanschauliche Lehre an den Geist des Samurai. sein blutiges Handwerk fortzuführen. welche Form immer er in den verschiedenen Ländern seiner Ausbreitung angenommen hat. Sittlich. wenn die Richtung des Weges einmal entschieden ist. Vom philosophischen Standpunkt aus tritt Zen für die Intuition und gegen den Verstand ein. der lehrt. Wenn es auch diesen niemals aktiv dazu aufgefordert hat. sittlich und weltanschaulich. Der Buddhismus. denn Leben und Tod sind für Zen nicht zweierlei Dinge. aber da Zen eine Religion des Willens ist. Sittlich und weltanschaulich also hat Zen eine große Anziehungskraft für die Kriegerklasse besessen. deren Sinn verhältnismäßig schlicht und keineswegs dem Philosophieren zugeneigt ist – gerade dies ist ja eine der wesentlichen .3. Zen hat ihn in zweierlei Weise. denn Zen ist ein Glaube. Jenes Nichtrückwärtsblicken entspringt letzten Endes auch seiner weltanschaulichen Überzeugung.

wenn sie überhaupt im Sinne des Kämpfers Eingang finden. EISAI sah sich in gewissem Umfang zu Kompromissen und zu einer versöhnlichen Haltung gegenüber Tendai und Shingon genötigt. und Kyoto war zu jener Zeit der Mittelpunkt der älteren buddhistischen Schulen. Dies ist wahrscheinlich eine der Hauptursachen für die enge Verbindung zwischen Zen und dem Samurai. gefühlsmäßig oder geistig. und diese asketische Richtung steht der kämpferischen Gesinnung nahe. In Kamakura aber. Drittens besteht eine historische Verbindung zwischen Zen und der japanischen Kriegerklasse. kann Zen ihnen diese Tugenden schenken. . Allein sein Wirken war mehr oder weniger auf Kyoto beschränkt. Wenn es not tut. selbstbewußt. denen er ausgesetzt sein kann. um den Feind zu vernichten. nämlich zu kämpfen und nicht nach rückwärts oder seitwärts zu blicken. Geradeaus marschieren. Verstandesmäßige Bedenken sind. daher auch in Zen eine wesensverwandte Einstellung erblicken mußte. Zweitens ist die Zen-Schulung einfach. Darum muß er unbelastet bleiben. selbstüberwindend. unmittelbar. EISAI13 (1141 – 1215) gilt allgemein als der erste buddhistische Priester. wenn er mit Erfolg in seinem Beruf sich betätigen will. Die Einführung eines neuen Glaubens war bei dem starken Widerstand derselben hier nahezu unmöglich. der Zen nach Japan gebracht hat. Tüchtige Kämpfer sind zumeist Asketen oder Stoiker. Gefühlsmäßige und körperliche Beschwerungen aber sind die schwersten Hemmungen. nur einen Gegenstand vor Augen haben. ist alles. 13 YOSAI soll. sei es körperlich. Der Kämpfer kann nur einen Gedanken.Eigenschaften des Kämpfers –. was von ihm verlangt wird. das heißt: sie besitzen eine eiserne Willenskraft. die richtige Aussprache des Namens sein. wie ich höre. starke Hindernisse für seine Vorwärtsbewegung.

bestanden keine derartigen Schwierigkeiten. weibisches Wesen und Entartung verloren. mit Atheismus oder Idealismus. So mußte denn Zen mit Notwendigkeit einen mannigfachen Einfluß auf die Kultur Japans gewinnen. mit jedem politischen oder wirtschaftlichen Dogma befreunden. Die Hojo-Regierung ist bekannt für ihre strenge Einfachheit. es macht lediglich den Versuch. Jahrhundert. Es kann sich mit anarchistischen oder faschistischen.dem Sitz der Hojo-Regierung. da sie von der Tradition auch im Religiösen nichts wissen wollten. Dieser letztere hatte seinen Einfluß als regierende Macht durch übermäßige Verfeinerung. und zwar durch eine bestimmte intuitive Art des Begreifens. Zen besitzt kein eigentliches Lehrgebäude oder philosophisches System aus starren Begriffen und logischen Lehrsätzen. Immerhin ist Zen im allgemeinen von einem gewissen revolutionären Kampfgeist beseelt. das selber sich gegen die Sippe der Taira und den Hofadel empört hatte. Die Gesinnung der Hojo-Leute war kriegerisch. da sie die Nachfolger des Minamoto-Geschlechts waren. so offenbart sich Zen wohl einmal als eine zerstörende . und wenn die Entwicklung in eine Sackgasse führt. solange seine intuitive Unterweisung durch sie nicht gestört wird. den Menschen aus den Fesseln von Geburt und Tod zu erlösen. Darum vermag es sich mit großer Schmiegsamkeit fast jeder weltanschaulichen oder sittlichen Lehre anzupassen. Formalismus und verwandten Ismen der Fall ist. die ihm allein eigentümlich ist. während der ganzen AshikagaZeit und auch noch unter den Tokugawa ausgeübt. sowie es häufig bei einem herrschenden Konventionalismus. Die führenden Köpfe dieser kräftigen Regierungsmacht erkoren sich Zen zum geistigen Leitstern.und Kriegsapparat. Es hat ihn seit dem 13. kommunistischen oder demokratischen Idealen. ihre sittliche Selbstzucht wie für ihren machtvollen Verwaltungs.

Es gelang ihm schließlich. Neben seinem unmittelbaren Verfahren. Zen für die Kriegerklasse und Jodo für die Menge. der dem Geschmack der feingebildeten Stände entspricht. das Ziel zu erreichen. Der Geist der Kamakura-Zeit stand in dieser Hinsicht im Einklang mit dem mannhaften Geiste von Zen. GOTTAN. Wir haben in Japan das Sprichwort: ‹Tendai ist für das Kaiserhaus. ist Zen eine Religion der Willenskraft. Er lud die japanischen Zen-Meister in Kyoto und auch einige chinesische Meister aus dem Reich der Südlichen Sung ein. Tendai und Shingon besitzen ein reiches Ritual. auch wenn sie der Erleuchtung durch Intuition bedarf. der seinem Vater YASUTOKI in der Regierung nachfolgte. unter dessen Anleitung TOKIYORI nach einundzwanzigjährigem Bemühen die endgültige Er- . Hojo-Regenten und Zen Der erste Zen-Anhänger aus dem Hojo-Geschlecht war TOKIYORI (1227 – 1263). nach Kamakura zu kommen. denn sein Glaube und seine Lehre sind sehr einfach. der chinesische Zen-Meister. dem Vorbild ihres Herren zu folgen. und ergab sich unter ihrer Leitung ernstlich dem Zen-Studium. und dieser Erfolg muß allen seinen Gefolgsleuten ein starker Ansporn gewesen sein.› Dies Sprichwort ist recht bezeichnend für die buddhistischen Schulen Japans. und Willenskraft ist das höchste Erfordernis des Kriegers.Kraft. Jodo wendet sich seinem Wesen nach mehr an die Bedürfnisse des niederen Volkes. ihre gottesdienstlichen Gebräuche werden in einem höchst zeremoniellen und prunkhaften Stil begangen. Shingon für den Adel. an das Ziel des Glaubens zu gelangen.

Zerbrach mit einem Hammerschlag.› HOJO TOKIMUNE (1251 – 1284) war sein einziger Sohn. setzte sich auf eine Strohmatte. Der wahre Weg glänzt ewig rein. wie sie den Meditationsübungen dient. Da treffen sich Shakyamum und Dipankara Buddha zum tiefsten Gespräch. mit vollkommener Wirkung den Einfall der Mongolen niederzuwerfen.leuchtung erfuhr.› Nach einer höchst erfolgreichen Regentschaft starb TOKIYORI im Jahre 1263 nur siebenunddreißig Jahre alt. Das Gedicht lautet: ‹Der Karma-Spiegel. verfaßte aus diesem Anlaß folgende Verse für seinen erlauchten Schüler: ‹Keine Buddhalehre habe ich mehr. der so hoch Ob siebenunddreißig Jahren stand. die Japan hervorgebracht hat. schrieb sein Abschiedsgedicht und erlosch in Frieden. von der ich jetzt noch zu dir sprechen könnte. daß die Stunde des Scheidens gekommen war. legte er sein Priesterkleid an. nicht Erlösung noch harrende Seele ist. Er erwies sich als einer der größten Männer. Ohne ihn wäre die Geschichte unseres Landes nicht. der jahrelang oder eigentlich wäh- . Als er 1268 das Erbe des Vaters antrat. Ihm gelang es. war er noch nicht achtzehn Jahre alt. Als er fühlte. Keinen Sinn hast du jetzt mehr. was sie heute ist. mir in der Hoffnung auf Erlösung zu lauschen: Wo nicht Predigt.

das der große Kriegsmann der Yüan erhebt! Denn es ist wie ein Blitz. Gelobt sei das Schwert. TOKIMUNES Grab ist heute noch in diesem Tempel. das die Nation befallen konnte. von 1268 bis 1284. 239 ff. und sein Leib in Gestalt eines vollkommen in sich gefestigten Heeres stand wie ein Fels gegen die wilde Wogenbrandung des Westmeers. tat er folgenden Ausspruch: ‹Im Himmel und auf Erden ist keine Ritze. abzuwehren. daß TOKIMUNE die Zeit. das drei Fuß lange. die Kraft und den Willen fand. die Welt und ich. Sein ganzes kurzes Leben war schlicht und völlig dieser Aufgabe geweiht. Es sieht so aus. denn mit der Vollendung dieser größten Tat der japanischen Geschichte schied er dahin. um das schlimmste Verhängnis. Die folgende Geschichte ist vielleicht nicht sicher überliefert. Froh bin ich.› 14 .rend seiner ganzen Regentschaft. sich unter der Anleitung chinesischer Meister der Zen-Unterweisung zu widmen. der die Frühlingswinde durchzuckt. Auch einige Briefe sind hier aufbewahrt. das Fortbestehen des Reiches bedrohte. mit welchem Fleiß und welcher Kraft er sich Zen ergeben hat. von den Mongolenkriegern bedroht wurde. als wäre TOKIMUNE ein Sendbote des Himmels gewesen. Noch wunderbarer an dieser fast übermenschlichen Gestalt will es aber scheinen. erhalten. meine Zen-Essays I. die Seelen der während des Mongoleneinfalls gefallenen Japaner und Chinesen zu versöhnen. dem Engakuji. daß alle Dinge leer sind. Er war damals Leib und Seele der Nation. die seine verschiedenen geistlichen Lehrer ihm geschrieben haben und aus denen hervorgeht. Er ließ Tempel für sie erbauen. der zugleich bestimmt war. noch in Südchina weilend. Als er. Sein unbezwingbarer Geist übersah in jedem Augenblick die Lage. in die man auch nur einen Stab hineinstecken könnte. darunter besonders einen für BUKKO KOKUSHI14. p. aber sie kann uns doch eine Vorstellung von Über sein Zen-Erlebnis vgl.

› Ein Gespräch dieser Art muß einmal zwischen TOKIMUNE und BUKKO stattgefunden haben. wie es dir ergeht. von denen du meinst. und es fällt mir schwer. nimm sie als Anlaß zu innerlicher Betrachtung. wenn du dein geliebtes Ich.seiner Einstellung zu Zen vermitteln. Denn als jener die bestimmte Meldung erhielt. von dir wirfst! Ich will dich wiedersehen. begab er sich zu BUKKO.› BUKKO: ‹Was immer für Dinge der Welt dich beschäftigen. das TOKIMUNE heißt.› TOKIMUNE: ‹Und wie kann dies vollbracht werden?› BUKKO: ‹Schließ allen Gedanken das Tor!› TOKIMUNE: ‹Wie kann ich die Gedanken aus meinem Bewußtsein ausschließen?› BUKKO: ‹Setze dich mit gekreuzten Beinen in Versenkung und schaue den Ursprung all deiner Gedanken an. . sie seien TOKIMUNES Gedanken.› TOKIMUNE: ‹Von allen Dingen ist mir Feigheit am tiefsten verhaßt. und eines Tages wirst du erkennen. dieser geliebte TOKIMUNE ist. den Lehrer der Nation (KOKUSHI).› TOKIMUNE: ‹Ich habe für so viele Dinge der Welt zu sorgen. TOKIMUNE soll einst BUKKO. dem Lehrer der Nation. Wie vermag man ihr zu entrinnen?› BUKKO erwiderte: ‹Schneide den Ursprung der Feigheit ab!› TOKIMUNE: ‹Und was ist ihr Ursprung?› BUKKO: ‹Es ist TOKIMUNE selbst. Wie kann sie denn aus mir selber kommen?› BUKKO: ‹Versuche. wenn du das vollbracht hast. daß die Mongolen mit Heeresmacht über das Meer von Tsukushi sich nahten. einen Augenblick der Muße für die Versenkung zu finden. wer dieses Ich. befragt haben: ‹Der ärgste Feind in unserem Leben ist Feigheit.

und seine Gedanken wurden von den in den verschiedenen Landesteilen stehenden Heeren ausgeführt.und sprach: ‹Das größte Ereignis meines Lebens ist nun gekommen. als wollte er in diesem Augenblick alle seine Feinde hinwegbrüllen. als Zen-Jünger erfaßte er die tiefste Wahrheit. er war seinem Kaiser ein treuer Untertan.› BUKKO fragte: ‹Wie willst du ihm entgegentreten?› TOKIMUNE rief: ‹Kwatsu!›. Historisch gesehen. eines Löwen Junges brüllt wie ein Löwe. in zwanzigjähriger Lenkung der Staatsgeschäfte des Rei- . BUKKOS Lobrede auf TOKIMUNE bei seinem Leichenbegängnis zieht die Summe seiner Persönlichkeit. er strebte ehrlich nach der Wohlfahrt des Volkes. das in Wahrheit die Erfüllung des großen Pranidhi-Gelübdes eines Bodhisattva gewesen ist: Er war seiner Mutter ein liebender Sohn. solch ein Werk zu vollbringen. die vom Festland herüberkamen. Er selbst verließ Kamakura nicht. als es keine schnelleren Verbindungen gab als Kurierposten.› So war TOKIMUNES Tapferkeit beschaffen. so daß die Übermacht der Eindringlinge zusammenbrach. mit der er den übermächtigen Feinden entgegentrat. Das war wirklich ein Wunder in jenen frühen Zeiten. aber seine Heere fern an den westlichen Küsten Japans befolgten seine Befehle genau und wirksam. Vielmehr entwarf er die Pläne zu allem. was die Aufgabe erforderte. war es jedoch nicht seine Tapferkeit allein. ‹Zehn Wunder gab es in seinem Leben. die diese größte Heldentat der japanischen Geschichte vollbracht hat. und sie erfolgreich zurückwarf. so wäre es ihm unmöglich gewesen. BUKKO war zufrieden und sprach: ‹Wahrlich. Hätte er nicht das unbedingte Vertrauen aller seiner Untergebenen besessen.

durften sie in ihr bürgerliches Leben wieder zurückkehren. brachte er es noch fertig.ches bezeigte er weder Freude noch Zorn. Das ist ohne Zweifel auf den geistigen Einfluß SHIMADZU NISSHINSAIS (1492 – 1568) zurückzuführen. empfand er keinerlei Stolz. die Tera-iri oder ‹Eintritt ins Kloster› heißt. Das Geschlecht der Shimadzu ließ auf dem Berg Koyasan ein großes steinernes Denkmal für alle Gefallenen im Krieg gegen Korea von 1591 bis 1598 errichten. Freunde und Feinde seien nach dem Tode mit gleicher Achtung zu behandeln. ein Enkel NISSHINSAIS. eine neue Art Strafe einführte. und indem er den Lehrern und Vätern (des Glaubens) Ehrfurcht erwies. stammt aus dem Buddhismus. Denn dieser lehrt. gedachte er des geistlichen Trostes für die Gefallenen (Japaner und Mongolen!)15. Interessant ist es. als er mit der Gewalt eines Sturmes die drohenden Wolken der Barbaren hinweggefegt hatte. Die Übeltäter mußten während ihres Klosteraufenthalts unter persönlicher Aufsicht des Leiters der Mönche die konfuzianischen Texte studieren. Und als er dann im Begriff war zu scheiden. Vom Standpunkt des Samurai aus wird auf das Ideal der Treue und Aufrichtigkeit der allerhöchste Wert gelegt: nun sind die Feinde ihrer Sache ebenso treu wie wir der unsern ergeben. von seinem Lager aufzustehen. sobald wir aus dem Einzeldasein zum andern Ufer jenseitigen Wissens gelangen. als er das Kloster Engakuji gründete. Wenn sie im Verständnis der Klassiker bemerkenswerte Fortschritte machten. zog es über seinen schwachen Körper und schrieb in voller Geistesklarheit sein Abschiedsgedicht. wo und wie immer es in echter Art sich bewährt. die sich schlecht aufführten. und dieses Gefühl ist hoch zu achten. strebte er nach der Erleuchtung – all dies beweist. mögen wir den verschiedensten Parteien und Grundsätzen anhängen. Ein solcher Mann ist wahrhaftig ein Der Gedanke. für seine Untertanen. daß SHIMADZU YOSHIHIRO. daß er nur um des Dharma willen unter uns erschienen ist. doch diese Zwistigkeiten verschwinden. Während wir in dieser Welt der Sonderungen leben. Daher das gleiche Gedächtnismal für Freund und Feind. 15 . nahm aus meinen Händen das Priesterkleid. eines der größten Gelehrten und Adligen der Feudalzeit. wir seien alle desselben Buddha-Wesens teilhaftig.

alle Weisen ihre stillschweigende Hilfe verbreiten und jede Stunde des Tages eine Ansammlung heilbringender Vorzeichen verkünden!› TOKIMUNE ist ein großer Geist im Sinne des BUDDHA und ein auf- .erleuchtetes Wesen oder ein Fleisch gewordener Bodhisattva zu nennen. ein Jünger des BUDDHA. ohne daß eine Lanzenspitze enthüllt werden muß. aber sein Zen-Studium muß ihm auch eine große Stütze gewesen sein in seiner Behandlung der Staatsgeschäfte wie im persönlichen Leben. Möchte das Volk die Wohltaten einer wohlmeinenden Verwaltung empfangen. sondern ein großer Staatsmann. so hat diese Feststellung eine besondere Bedeutung für die Kamakura-Zeit. bei Gelegenheit einer großen religiösen Feier. die unter Leitung des Abts im Kenchoji veranstaltet wurde. so daß es ein langes glückliches Leben für immer genießen darf! Möchte die Finsternis des menschlichen Herzens durch die Berührung der überirdischen Weisheit. erleuchtet werden! Möchten die Armen fürsorglich unterstützt und die von Gefahren Bedrängten gerettet werden durch ein weit geöffnetes Herz des Erbarmens! Möchten alle Götter kommen und uns beschirmen. als die Kriegsdrohung des ersten Mongoleneinfalls eben eingetroffen war. hat nur den einen Wunsch und das eine Gebet: Möge er in der kommenden Zeit der Wächter der Buddhalehre sein! Möchten die vier Meere unaufgerührt bleiben und kein Pfeil verschossen werden! Möchten alle bösen Geister in Unterwerfung verharren. dessen Ziel der Friede war. Zen sei für die Krieger. TOKIMUNE war nicht bloß ein kämpfender Feldherr. gegenüber dem Engakuji. der hoch zu erhebenden. lautet folgendermaßen: ‹TOKIMUNE. gewiß. Auch seine Frau war eine fromme Zen-Jüngerin und stiftete nach seinem Tod ein Nonnenkloster in den Bergen. Sein Gebet zum BUDDHA.› TOKIMUNE war zur Größe geboren. Wenn wir sagen.

dann in Kyoto eine feste Heimstätte fand und einen sittlichen und geistigen Einfluß unter der Kriegerklasse auszubreiten begann. Porzellan. die um ihrer Tugend. wandte sich der japanische Genius entweder dem Priestertum oder dem Kriegertum zu. Seiner Hilfe und seinem Vorbild ist es zu verdanken. der zwischen den japanischen und den chinesischen ZenPriestern eröffnet wurde. selbst Zimmerleute. Als Zen in Kamakura mehr und mehr Einfluß gewann. Unter der Führung so starker Charaktere wie TOKIYORI und TOKIMUNE ist Zen mit günstiger Verheißung in das japanische Leben und besonders in das Leben des Samurai eingepflanzt worden. bekannt ist. Diese fanden bald ernsthafte Jünger unter den Mitgliedern des Kaiserhauses. ging sogar über die Grenzen der gemeinsamen Glaubensinteressen hinaus: Bücher. als ‹der Weg des Kriegers›. Weisheit und Gelehrsamkeit willen berühmt waren. daß Zen in Kamakura. In diesen Zeiten. Manche Shogune aus dem Geschlecht der Ashikaga waren ebenfalls große Förderer des Zen-Buddhismus. Gewebe und viele andere Kunstwerke wurden aus China herübergebracht. Der ununterbrochene Strom des Austauschs.richtiger Jünger von Zen gewesen. an ihrer Spitze die Kaiser GODAIGO. in der Kamakura-Periode seinen Anfang. Bilder. HANAZONO und andere. . und Meister. das heute als Bushido. wo japanische Zen-Meister ihm eine mächtige Stütze wurden. Gewaltige Klöster wurden in Kyoto errichtet. Baumeister und Köche kamen mit ihren Priestern nach Japan. der später in der Ashikaga-Zeit sich so üppig entfaltet hat. Maurer. wurden als Gründer und spätere Äbte dieser Mönchsverbände gewonnen. Aus dem geistigen Zusammenwirken beider entstand mit innerer Notwendigkeit jenes Ideal. verbreitete es sich auch in Kyoto. und die meisten ihrer Heerführer folgten ihnen nach. So nahm der Handelsverkehr mit China. darf man sagen.

und es stellt fest. Allein zur rechten Erfüllung dieser Pflichten bedarf es zweier Dinge: das eine ist Selbstzucht durch sittliche Askese. besteht. das heißt sich ohne Zögern selber zu opfern. daß es ein unanfechtbarer. Sittensprüchen usw. hatte auch ein Zen-Priester beizutragen. Jahrhunderts unter NABESHIMA NAOSHIGE. der Sohnesliebe und wohlmeinender Gesinnung. Was Bushido. Anekdoten. letzten Endes bestimmt hat. das bedeutet wörtlich: ‹Unterm Laube verborgen›. dem Lehensherren von Saga auf der Insel Kyushu. bedarf es einer langen seelischen und geistigen Schulung. göttlicher Wächter über die Ehre des Samurai zu werden bestimmt war. daß keine große Tat je ohne Wahnsinn vollbracht worden ist. jeden Augenblick sein Leben hinzugeben. so wie wir es heute verstehen.An dieser Stelle möchte ich auf eine der inneren Beziehungen hinweisen. das neuerdings viel besprochen worden ist im Zusammenhang mit den Kriegsereignissen in China. das aus verschiedenen Aufzeichnungen. sondern auch in der weltanschaulichen Vorbereitung. das andere ist eine stete Bereitschaft zu sterben. Diese Ehre beruht in der Treue. Tokyo. Zur Zusammenstellung dieses Buchs. veröffentlidit worden. sobald dies gefordert wird. sich selber nicht in Szene zu setzen noch ins eigene Horn zu blasen. 16 . das heißt in heutiger Ausdrucksweise: ohne daß die gewohnte Bewußtseinsebene durchDer vollständige Text ist 1937 in zwei Bänden im Kyozaisha-Verlag. Um dies zu erfüllen. Das Buch legt den größten Wert auf die Bereitschaft des Samurai. Das Werk entstand um die Mitte des 17. sondern sich vor den Augen der Menge fernzuhalten und im stillen seinen Mitmenschen Gutes zu tun. denn es ist eine der Tugenden des Samurai. nicht allein in praktischer Übung. ist. Es ist unter dem Namen Hagakure16 bekannt. die zwischen der Gefühlsrichtung des Samurai und Zen bestehen. Es gibt ein Dokument.

kam mir der Gedanke. Der Meister sprach: ‹Soviel ich sehe. Wenn das Unbewußte berührt wird. so steigt es über die Begrenzung des Individuellen empor. Diese Kräfte mögen manchmal dämonischer Natur sein. Es gibt ein Ding.› ‹Es tut mir leid. Der Leibwächter sprach: ‹Zu meiner Beschämung muß ich bekennen. welcher Schule Ihr angehört. Bitte. worin. muß es so sein. bevor wir in das Verhältnis von Lehrer und Schüler treten.› Dieses entschiedene Bestreiten machte den Schwertmeister nachdenklich. Aber ganz sicher seid Ihr in irgendeinem Fache Meister. und seither habe ich – es sind jetzt einige Jahre – mich fortwährend . in dem ich mich als vollkommenen Meister ausgeben darf.› ‹Wollt Ihr mich verspotten? Ich bin der Lehrer des ehrwürdigen Shogun selber und weiß. wenn Ihr darauf besteht. mein Auge kann nicht trügen. daß ich die Kunst nie erlernt habe.› ‹Ja.brochen und die verborgenen tieferen Kräfte entfesselt worden wären. will ich Euch folgendes berichten. Um eine der Geschichten aus dem Hagakure anzuführen: YAGYUTAJIMA-NO-KAMI war ein großer Meister im Schwertkampf und unterwies den damaligen Shogun TOKUGAWA JYEMITSU in dieser Kunst. teilt mir mit. wenn ich Eurer Ehre zu nahe trete. als Samurai dürfe ich unter gar keinen Umständen mich vor dem Tode fürchten. scheint Ihr selber ein Meisterfechter zu sein. wenn ich auch nicht genau sehe. aber ich besitze wirklich keine Kenntnisse. Einer der Leibwächter des Shogun kam eines Tages zu TAJIMA-NOKAMI und bat ihn um Unterricht im Fechten. aber ohne Zweifel sind sie übermenschlich und vollbringen Wunder. Als ich noch ein Knabe war. Damit verliert auch der Tod seinen Stachel. und an diesem Punkte berührt sich die Schulung des Samurai mit Zen. und schließlich sagte er: ‹Wenn Ihr es sagt.

und zuletzt hat diese Frage aufgehört mich zu bekümmern. Ihr seid bereits Meister. Ist es vielleicht dies. wann diese tödliche Begegnung stattfinden werde. Denn das letzte Geheimnis der Schwertkunst liegt auch darin. worauf Ihr hinauswollt?› ‹Genau dies!› rief TAJIMA-NO-KAMI. Ich habe viele Hunderte meiner Schüler im Hinblick auf dieses Ziel unterwiesen. daß mein Urteil mich nicht betrog. der dieses Namens würdig war. ‹das ist’s. dessen Dasein ausschließlich dem Kampf geweiht ist. Wenn du in dieser Anschauung lebst. sondern auch deine menschliche Würde erhöht. Im Mittelalter konnte niemand vorhersagen. deine Pflicht im vollsten Umfang zu erfüllen: du bist treu deinem Herrn. DAIDOJI YUZAN. Jahrhunderts. Ihn muß er Tag und Nacht. Es freut mich. Ihr selber bedürft keiner technischen Übung mehr. vom Morgendämmern des ersten bis zur letzten Minute des letzten Tages im Jahre sich vor die Seele stellen. führt daher am Anfang seines Buches ‹Lehrbuch des Bushido› aus: ‹Der notwendigste und unentbehrlichste Gedanke des Samurai ist der an den Tod. für den Soldaten. vom Gedanken an den Tod erlöst zu sein. aber bis jetzt hat keiner von ihnen den höchsten Grad der Schwertkunst erreicht. und Kampf bedeutet Tod für einen der Kämpfer.mit der Frage des Todes herumgeschlagen. . ein gehorsamer Sohn deinen Eltern und kannst jede Art von Unheil vermeiden. noch dringlicher aber ist sie für den Samurai. und der Samurai. dann bist du fähig. Damit wird nicht nur dieses Leben selber verlängert. was ich meine.› Der Samurai und der Tod Die Frage des Todes ist eine große Frage für einen jeden von uns. Nacht und Tag. Ein Krieger und Schriftsteller des 17. Bedenke. hatte immer bereit zu sein.

wenn du ohne dein Ziel zu erreichen sterbest. als weil dein Sinn so erzogen und zu diesem Geschäft berufen ist. so sei das ein nutzloser Tod. Aus keinem anderen Grund. so wirst du dazu kommen. Tust du das. besonders das eines Samurai. daß du jeden Tag deines Lebens als den letzten ansiehst und ihn zur Erfüllung deiner Pflichten nutzest.› Der Verfasser dieses Lehrbuchs hat ganz richtig ausgesprochen. Wenn du am Scheideweg stehst. Weiter lesen wir folgendes im Hagakure: ‹Bushido bedeutet den entschlossenen Willen zu sterben. seinem Sohne MASATSURA empfohlen. wie ein Hund zu sterben. so daß das tägliche Leben ernster genommen wird. Laß die Vorstellung eines langen Lebens nie Gewalt über dich gewinnen. denn sonst wärest du fähig. Aus diesem Grunde hat MASASHIGE. Zens Verheißung einer Lösung dieses Problems ohne Ansprüche an Gelehrsamkeit oder sittliche Schulung oder ein besonderes Ritual muß für das verhältnismäßig unkomplizierte Gemüt des Samurai eine starke Anziehung bedeutet haben. so brauchst du keinen Plan mehr. Es bestand eine Art logische Verwandtschaft zwischen seiner psychologischen Einstellung und der unmittelbar praktischen Schulung durch Zen. zögere nicht. den Gedanken an den Tod allezeit im Herzen zu tragen. in Zerstreuungen aller Art dich selbst zu verlieren und deine Tage mit Schande zu beschließen. Es mögen manche sagen. den Weg des Todes zu wählen. dein .was für ein gebrechliches Ding das Leben ist. was unbewußt im Sinne des Samurai vor sich zu gehen pflegt. sich mit der Idee der Überwindung des Todes Zen zuzuwenden. wie es heißt. So lag es für jeden nüchtern denkenden Samurai nahe. Allein wenn du am Scheideweg stehst. Die Gewißheit des Todes lenkt auf der einen Seite die Gedanken über die Schranken dieses beschränkten Daseins hinaus und macht sie auf der anderen Seite schärfer.

sein Leben dafür hinzugeben. dein Leben ist ohne Tadel. als sie im Begriff Einer der größten Schwertmeister. Die Entscheidung ist Glaube und Schicksal. ohne das Ziel zu erreichen. kann man den Kampf niemals gewinnen. Das ist sehr zu bedenken. Wenn du dann dein Ziel verfehlst und am Leben bleibst.› Die Worte des Kommentars lauten: ‹ARAKI MATAYEMON (ein großer Schwertmeister der frühen Tokugawa-Zeit) erteilte seinem Neffen WATANABE KAZUMA folgende Belehrung. so mag das ein Hundetod sein.Ziel zu erreichen. in jedem Augenblick zu sterben. Falls du stirbst. daß man sich selber ganz und gar an die Aufgabe hingibt. Darum halte dir jeden Morgen und jeden Abend den Tod recht lebhaft vor Augen! Ist deine Entschlossenheit. Wir alle ziehen das Leben dem Tode vor. Ist eins und eins allein: Im Angesicht des Tods bereit zu sein. 1490 – 1572. von welcher Art sie sei. Über ihn weiter unten Näheres. fest und unerschütterlich. so gelangst du zur Meisterschaft des Bushido. den Gegner zu treffen.› NAGAHAMA INOSUKE sagt nach dem Hagakure: ‹Das Wesen der Schwertkunst besteht darin.) Ist der Feind ebenso bereit. 17 . Für Bushido kommt die Ehre zuerst. so bist du in Wahrheit ein Feigling. aber deine Ehre ist unbefleckt. (Solange man an die eigene Sicherheit denkt. unser Planen und Sinnen ist naturgemäß auf das Leben gerichtet. und deine Pflicht ist erfüllt. so stehen zwei Ebenbürtige einander gegenüber. der Tod des Wahnsinns.› Ein Kommentator fügt eine Strophe von TSUKEHARA BOKUDEN17 bei: ‹Das letzte Ziel der Zucht des Samurai Und jeder Zucht.

Aber in Wahrheit muß das Bewußtsein. Der prahlte mit seiner Gewandtheit in der Schwertkunst und erklärte sich für den besten Meister in ihr. das an Leben und Tod hängt. trifft er deine Knochen. einem jener Schwertmeister. so hau ihm in die Knochen. Wenn es heißt. daß alles vollendet ist. so schneid in sein Fleisch. bist du schon verloren. es gebe so etwas. Solange du im geringsten daran denkst. befand sich unter diesen ein wild dareinschauender Samurai. magst du glauben. Da gerade von TSUKEHARA BOKUDEN die Rede war. aber BOKUDEN träumte vor sich hin. so wie es der große Zen-Meister TAKUAN oben ausspricht. so sei bereit. das man Bewußtsein heißt. so nimm ihm das Leben!› An einer andern Stelle erteilt ARAKI den Rat: ‹Wenn du dabei bist.standen.› Das bedeutet. um große Taten zu vollbringen. nicht als einer Mordwaffe.› Weiterhin stellt das Hagakure fest: ‹Der Samurai taugt nichts. grimmig und hochmütig in jeder Weise. die wirklich den Sinn des Schwerts begriffen haben. das Schwert mit deinem Feinde zu messen. für den die Frage Tod oder Unsterblichkeit nicht mehr vorhanden ist. so möchte ich hier die beiden bekanntesten Vorfälle seines Lebens anführen: Als BOKUDEN einmal mit einer Anzahl Mitreisender in einem Ruderboot über den Biwa-See fuhr. bis er nicht über Leben und Tod hinausgehen kann. sondern als eines Werkzeugs der geistigen Selbstzucht. . in allen Dingen sei ein und dasselbe Bewußtsein. den Entscheidungskampf mit ihren Feinden zu beginnen: ‹Wenn der Gegner deine Haut ritzt. sobald dies Bewußtsein den Zustand der Nichtbewußtheit erreicht. aufgegeben werden. Die Mitreisenden lauschten begierig seinen ruhmredigen Worten. dein eigenes Leben vor ihm zu vergessen. wie du heil davonkommen könntest. schneidet er dir ins Fleisch. Das ist ein Zustand.

als wollte er dem Samurai auf die Insel folgen. ‹Wozu tragt Ihr dann selber ein Schwert?› ‹Das Schwert bedeutet Selbstlosigkeit. die nicht gar zu weit ablag. Das reizte den Bramarbas gar sehr. Das Schiff hielt also auf eine öde Insel zu.› Der Samurai geriet in eine grenzenlose Wut und rief mit brüllender Stimme: ‹Vermeßt Ihr Euch wirklich. Der Bramarbas schrie nun dem Bootsmann zu. Der Samurai war es zufrieden. besiegt). Allein BOKUDEN riet. da nahm er plötzlich dem Bootsmann das Ruder fort. Es sah so aus. ‹Zu welcher Schule gehört Ihr denn?› ‹Die meine heißt Mutekatsu-Schule› (das bedeutet ‹Ohne-HandSchule›. womit gemeint ist. BOKUDEN legte behaglich sein Schwert ab und übergab es dem Bootsmann. daß man den Gegner. Er trat auf BOKUDEN zu.› Das war für jenen erst recht eine Herausforderung. sie besteht darin. BOKUDEN aber meinte lächelnd: ‹Das ist meine Ohne-Schwert-Schule.als hörte er nichts um sich her. stemmte es gegen das Ufer und stieß das Boot ab. ohne Schwert gegen mich zu kämpfen?› ‹Warum nicht?› erwiderte BOKUDEN. ohne das Schwert zu berühren. andere nicht zu besiegen. sprang der Samurai an Land und zückte sein Schwert zum Kampf. stieß ihn an und sagte: ‹Ihr tragt ja auch zwei Schwerter. man steure besser zu einer etwas entfernteren Insel. nicht andere töten.› . Dieses entfernte sich ganz überraschend von der Insel und trieb sicher im tieferen Wasser dem Samurai davon. warum sagt Ihr kein Wort?› BOKUDEN antwortete ganz ruhig: ‹Meine Kunst ist nicht die Eure. aber auch selber nicht besiegt zu werden. Sowie es sich dem Strande näherte. er solle ans nächste Ufer fahren. denn am Ufer könnten Leute zusammenlaufen und in Mitleidenschaft gezogen werden.

nahm es herab und setzte es wieder an seine Stelle. denn ihre Provinzen – die eine im nördlichen. bemerkte er das Kissen über dem Vorhang. Aber er hieb es mit dem Schwert in zwei Stücke. daß eine leichte Berührung des Vorhangs. du bist tüchtig zur Schwertkunst. die andere im mittleren Japan – lagen nahe beieinander. Nun war der dritte Sohn an der Reihe. daß das Kissen herabfiel. Er wollte ihr Können prüfen. das Kissen dem Eintretenden gerade auf den Kopf fallen ließ. und zwar so. beide waren . Er trat rasch herein. um ihn aufzuheben. TAKEDA SHINGEN (1521 – 1573) und UESUGI KENSHIN (1530 bis 1578) waren zwei große Feldherren des 16. Er berührte den Vorhang.Eine andere merkwürdige und lehrreiche Anekdote wird von BOKUDEN erzählt. dessen Meisterschaft tatsächlich weit über bloßes Geschick im Spiel der Schwerter hinausging. aber der jüngste wurde aufs strengste getadelt. und sie hatten mehrere Male um die Vorherrschaft zu kämpfen. da er ein Unglück für die Familie sei. und das Kissen fiel ihm auf die Schultern. Er hatte drei Söhne. und sowie er sah. Die beiden werden gewöhnlich zusammen genannt. So steckte er ein kleines Kissen über den Vorhang am Eingang seines Zimmers. noch bevor es den Boden erreichte. als Japan durch innere Kriege zerrissen war. als er das Zimmer betreten hatte. Jahrhunderts. BOKUDEN traf folgende Entscheidung: ‹Mein ältester Sohn. Nun wurde der zweite Sohn gerufen. BOKUDEN rief zuerst den ältesten Sohn herein. den man beim Eintreten aufheben mußte. die alle in der Schwertkunst geübt waren.› Mit diesen Worten übergab er ihm ein Schwert. Sie waren als tüchtige Kriegsleute und gute Verwalter einander würdig. Als er kam. Zum zweiten sprach er: ‹Du hast noch fleißig zu üben›. faßte er es mit der Hand und brachte es sorgfältig wieder an seinen Platz. den Vorhang anzufassen.

In einer der erbitterten Schlachten von Kawanaka-jima wurde KENSHIN. so heißt es. er wollte mit einem Schlag das Los des Tages entscheiden und ritt deshalb selber in das Lager des Gegners. ungeduldig über das langsame Vorrükken seines Heeres. was die beiden furchtlosen Krieger mit ihren geschorenen Köpfen für Zen-Jünger waren. und mit der Antwort: ‹Eine Schneeflocke auf dem brennenden Ofen› parierte er die drohende Waffe mit einem eisernen Fächer. jeder Kampf müsse auf ehrlicher Grundlage. Allein SHINGEN war mit den Lehensherren dieses Bezirks verfeindet. ob er den benötigten Vorrat aus Echigo annehmen würde. und die Bevölkerung mußte ihren Salzvorrat aus dem südlich gelegenen Bezirk am Stillen Ozean beziehen. SHINGEN leide sehr unter Salzmangel für seine Untertanen. SHINGEN blieb völlig unbewegt. Kai ist von Bergen umschlossen. hörte davon und war über das feige Verhalten dieser Kriegsherren von der Küste empört. KENSHIN war auf folgende Weise dazu gekommen. Er war der Ansicht. war er großmütig genug. Er schrieb daher an SHINGEN und fragte. Als KENSHIN einst hörte.auch Zen-Anhänger. Zen allen Ernstes unter YEKIWOS Leitung zu studieren. Denn Echigo an der Japan-See brachte Salz genug hervor18. Als er dessen Feldherrn friedlich auf seinem Lagerstuhl mit wenigen Wachen um sich sitzen sah. aber die Geschichte zeigt treffend. der selbst mit SHINGEN im Krieg lag. Als YEKIWO eines Tages Die Salznot in der Provinz Kai war auf folgende Weise entstanden. und diese hatten vereinbart. nämlich auf dem Schlachtfeld entschieden werden. den er gerade zur Hand hatte. seinem Feind den nötigen Vorrat aus seiner eigenen Provinz zur Verfügung zu stellen. SHINGEN wußte den Edelmut seines großherzigen Gegners im Norden entsprechend zu schätzen. Dieses Mondo ist wahrscheinlich nicht historisch. die Salzlieferung nach Kai einzustellen. UESUGI KENSHIN. 18 . zückte KENSHIN sein Schwert und ließ es quer über SHINGEN Haupt niederfallen mit den Worten: ‹Was wirst du in diesem Augenblick sagen?› – eine richtige Zen-Frage.

19 Zen-Essays I. unter der Anleitung dieses Mönchs mit großem Eifer sich Zen zu widmen. werden leben. was meinte Dharma mit seinem . und ihr werdet erfahren. und die den Tod verachten.› KENSHIN hinterließ seinen Gefolgsmännern später folgende Ermahnung: ‹Die am Leben haften.Ich weiß es nicht?’› KENSHIN war verblüfft und wußte nicht. Er wußte einiges über Zen und beschloß. Schaut hinein in das Innere. warum gebt Ihr mir heut keine Antwort. daß in euch etwas lebt. was er sagen sollte. so mußt du sogleich dein Leben wegwerfen und stracks in den Brunnen des Todes springen. p. Darauf fuhr YEKIWO fort: ‹Herr Oberbefehlshaber. Wer sein Leben nicht hingeben und den Tod nicht erwählen mag. so werdet ihr mächtiger. ‹Zollt Verehrung den Göttern und dem BUDDHA! Sind eure Gedanken im Einklang mit BUDDHAS Gedanken. . Ich selbst habe die Erkenntnis dieses Samadhi gewonnen und weiß. 175. Wenn eure Herrschaft über andere aus euren bösen Gedanken entspringt. werden sterben. wenn Ihr doch sonst so geläufig über Zen zu reden wißt?19› KENSHINS Stolz schwand dahin. das jenseits von Geburt und Tod besteht und weder im Wasser ertrinken noch im Feuer verbrennen kann. haltet es fest. Da wandte sich der Mönch plötzlich ihm zu und fragte: ‹Herr Oberbefehlshaber. was ich euch sage. so werdet ihr in Gefahren geraten und darin umkommen. den Mönch auf die Probe zu stellen. Er begann jetzt. Er trug die Kleidung eines gewöhnlichen Samurai wie alle anderen und wartete auf seine Gelegenheit. und YEKIWO pflegte ihm zu sagen: ‹Wenn du wirklich Zen erfassen willst. befand sich KENSHIN unter seinen Hörern. Auf das Innere kommt es an.› Auch SHINGEN spielte in seiner ‹Grundlegung› auf Zen und den Tod an. ist kein wahrer Krieger.über BODHIDHARMAS ‹Ich weiß es nicht!› predigte.

Sodann: Gebt euch dem Zen-Studium hin! Zen hat kein anderes Geheimnis als das ernstliche Nachdenken über Geburt und Tod. die zuweilen ein richtiges Spiel mit dem Tode trieben. Als alle geendet hatten. in das obere Stockwerk des Tempeltors zu steigen. Das Reich war politisch und sozial in Stücke zerschlagen. Ist das Denken gestillt. manche Beispiele edler Menschlichkeit hervorgebracht. die Widerspenstigen lebendig zu verbrennen. Die Mönche mit dem Abt an der Spitze versammelten sich schweigend und nahmen dem BUDDHA-Bild gegenüber ihre vorgeschriebenen Plätze ein. Nach SHINGENS Tod wurde sein Kloster am 3. die bei ihm Zuflucht gesucht hatten. .› Gerade im 16. Jahrhundert hat Japan. Wie wollt ihr nun im entscheidenden Augenblick das Rad des Dharma drehen? Ein jeder von euch gebe mir seine Antwort!› Darauf sprach ein jeder sich aus. Wie immer hielt der Abt seine Ansprache und sagte: ‹Wir sind jetzt von Flammen umgeben. der Abt des Yerin-ji in der Provinz Kai. Die Soldaten zwangen sämtliche Mönche und Kwaisen selbst. wie es dem Licht seines Verständnisses entsprach. von einem bestimmten Gesichtspunkt aus.› Diesen Zeugnissen ist unmißverständlich zu entnehmen. gab der Abt seine Auffassung kund. Das ergibt sich ebenso klar aus dem Verhalten der ZenMeister selber. Des Abts Worte waren diese: ‹Zum Frieden der Versenkung braucht es nicht Berg und Strom. Über das ganze Land standen die Lehensherren im Krieg gegeneinander. wird auch das Feuer erquickend und kühl. Es war ihre Absicht. SHINGENS Zen-Lehrer war KWAISEN. NOBUNAGAS Gegner auszuliefern. daß eine notwendige innere Verbundenheit zwischen dem Kriegerwesen und Zen besteht. und alle gingen ein in das Flammen-Samadhi. indem sie das Gebäude in Brand setzten. April 1582 von ODA NOBUNAGAS Truppen belagert. weil der Abt sich weigerte.

Beide waren persönlich tapfer und zitterten im Angesicht des Todes nicht. daß beide. Mannhaftigkeit bewährte sich in allen Lebenskreisen als das Höchste. aber beide sind unter ihren buddhistischen Benennungen besser bekannt. unwissend und verschlagen. Wie Schattenrisse stehen die Berge von Ecchu über den . Gleich den meisten gebildeten Japanern liebten sie die Natur und machten japanische und chinesische Gedichte. der Wildgänse geregelten Flug sieht man im Mondlicht. als er gegen eine Nachbarprovinz im Felde lag. Sie sind nicht einfach Kämpfer gewesen. sie besaßen eine vollendete literarische Bildung und eine tiefe Religiosität. aber diese Entscheidungskämpfe um die militärische und politische Vorherrschaft.Das Volk selber muß schwere Leiden durchgemacht haben. sie waren weise. trugen dazu bei. Eines der Gedichte KENSHINS. haben sich in dieser Zeit durchgebildet. und SHINGEN und KENSHIN sind typische Vertreter der Samurai-Oberherren gewesen. das er verfaßte. die geistigen und sittlichen Kräfte auf jede denkbare Weise und bis zum Äußersten zu stählen. Man darf sagen: die meisten Tugenden. die das Ideal des Bushido ausmachen. KENSHIN lebte ehelos und fleischlos wie ein buddhistischer Mönch. fromme Buddhisten waren. hat etwa folgenden Inhalt: ‹Die stärkende kalte Herbstluft weht über die Krieger im Lager. SHINGENS weltlicher Name war HARUNOBU und KENSHINS Name TERUTORA. Beide waren schon in der Jugend in buddhistischen Klöstern erzogen worden und ließen sich im Mannesalter als ‹Nyudo› – wörtlich: die den Pfad betreten – das Haupthaar scheren. die von der Kriegerklasse ausgefochten wurden. Es ist bedeutsam. sondern auch in der Regierung über ihre Untertanen. vorsorgend und einfallsreich nicht im Krieg allein. SHINGEN und KENSHIN. Die Nacht rückt vor.

Er fügte hinzu. der sich später von den Soldaten ODA NOBUNAGAS lebendig verbrennen ließ. die jetzt vielleicht unseres Feldzuges gedenken (da sie zum gleichen Mond emporschauen). die Kirschblüte zu bewundern. wie sehr hätte ich den herrlichen Anblick der Kirschblüte entbehrt! Vielleicht wäre das Kloster im nächsten Frühling.träumenden Wellen der Noto-Bucht – (Wie schön dieses Bild. nebenbei derselbe. Ich hoffe. sobald er von diesem Unternehmen zurückkehre. da ihn die Vorbereitung eines in wenigen Tagen zu eröffnenden Feldzugs zu sehr in Anspruch nehme. Aber der Abt. in dem Achala (Fudo Myowo) Verehrung genoß. den Abt zu sehen. habe er für diesmal keine Zeit. verfaßte SHINGEN folgende japanische Verse: ‹Hätte mein Freund mich nicht eingeladen. wolle er gern das Kloster besuchen. drängte: ‹Die Kirschbäume beginnen eben jetzt zu blühen. wenn ich es aufgesucht hätte. Als er einst einen Buddhatempel in einem abgelegenen Winkel seiner Provinz besuchte.› SHINGENS Naturgefühl war nicht geringer als das seines Gegners in Echigo.› SHINGEN war einverstanden: ‹Gegen die Kirschen kann ich meinen Kopf nicht durchsetzen. und auf die dringende Bitte des Abts muß ich Rücksicht nehmen. auf dem Heimweg auch dieses aufzusuchen.› Zum Preise der schönen Gelegenheit. SHINGEN lehnte zuerst die Einladung ab. und ich habe schon einen Ruheplatz für Euch herrichten lassen. und wie entzückt es mich!) wären wir nicht fern den Heimischen. von dem aus Ihr die ganze Pracht des Frühlings genießen könnt. sich an den Blüten und dem rein geistigen Gespräch mit dem Abt zu erfreuen. Ihr verschmäht es nicht. ganz im . bat ihn der Abt des nahen Klosters.

weiter zu blicken und ihn sachlich anzusehen. sprach sie den dringenden Wunsch aus. ihn blühen zu sehen. in der sie sich befinden mögen. Als das Urteil gesprochen wurde. aber sie entstand höchst wahrscheinlich in der Kamakura-Periode unter den Zen-Priestern und ihren Anhängern. aber gebildete Japaner sind der Meinung.20› Diese wunschlose Freude an der Natur. Es ist nicht ein bloß ästhetisches Gefühl. 20 . einen Augenblick der Muße und Abkehr zu finden. Es heißt. Die Gewohnheit. selbst in der äußersten Erregung. Der Kerkermeister war ein freundlicher Mann. sie habe dann voller Glück und Frieden den Tod erwartet. seine Blüte noch erleben zu dürfen. Diese Verse sind bekannt als ‹Abschiedsverse vom Leben›. Vielleicht entspringt es derselben Gesinnung. sah sie da einen Kirschbaum stehen und hegte Sehnsucht. Der Kirschbaum wurde unter dem Namen Asatsuma berühmt.Schnee begraben gewesen. sondem hat auch eine religiöse Bedeutung. ist zwar auch in der Feudalzeit nicht von allen Gebildeten unbedingt eingehalten worden. versammelte er seine Jünger um sich und richtete eine letzte Ermahnung an sie. Die Japaner sind darin erzogen und geübt worden. bevor sie scheide. die zum Tode verurteilt war und vor dem Frühling hingerichtet werden sollte. die den ganzen Menschen beschäftigt. er wußte was Furyu ist. bezeichnet man als Furyu. Wenn sie zu ihrem Fenster hinausblickle. ein Abschiedsgedicht zu hinterlassen. sie müßten fähig sein. und erfüllte ihren letzten Wunsch. Einst zur Tokugawa-Zeit lag im Kerker von Koishikawa eine Gefangene. wie sie SHINGEN und KENSHIN mitten in ihren Kriegszügen empfanden. wenn gebildete Japaner verschiedenster Berufe im letzten Augenblick ihres Lebens noch ein japanisches oder chinesisches Gedicht niederzuschreiben pflegen. Der Tod ist die ernsthafteste Angelegenheit. Als der BUDDHA in Nirwana einging. Die Liebe zur Kirschblüte scheint das andere Ich der Japaner zu sein. und Menschen ohne dies Gefühl für Furyu gelten als die ungebildetsten in Japan.

die statt einer Abschiedsunterweisung für ihre Anhänger die Summe ihrer Lebensweisheit aussprachen. bleibt immer unwandelbar in vollendeter Schönheit.› Aus den folgenden Berichten über den Tod der Kamakura-Krieger. besonders von den Zen-Buddhisten. aber was hinter ihr steht. aus der wir alle kommen. zu der alle heimkehren und in der wir alle leben und sind. welchen Einfluß Zen auf Bushido. UESUGI KENSHIN hinterließ die folgenden Gedichte. zu Puder und Farben zu greifen. um schön zu erscheinen. Ich stehe im dämmernden Mond. Vom Gewölk der Gebundenheit frei. ausgeübt hat.› Das bezieht sich auf die unbedingte Vollkommenheit der Wirklichkeit. Eine Welt von Wandlungen schwindet dahin und kehrt wieder. wie sie im Taiheiki im späten 14. was ist Leben. . Neunundvierzig Jahre sind vorbei wie ein Traum. vor allem im Hinblick auf die Einstellung zum Tode. was ist Tod? Jahrein und jahraus – es ist all nur ein Traum. wird ebenso wie aus dem Ende der Yerin-ji-Mönche sich klar ergeben. Jahrhundert zusammengestellt worden sind.Das ist wohl von den chinesischen Buddhisten nachgeahmt worden. das andere japanisch: ‹Selbst ein lebenslanges Glück ist nur eine Schale Sake. TAKEDA SHINGENS Abschiedsworte waren ein Zitat aus der ZenLiteratur: ‹Sie baut vor allem auf ihre angeborene Leibesschönheit und hat es nicht nötig. noch.› ‹Himmel und Hölle liegt fern zurück. Ich weiß nicht. eines auf chinesisch.

nachzufolgen. und ich gehe als getreuer Gefolgsmann. um ein Mönch zu werden? Es gäbe keine ärgere Schande. du warst noch nicht zum Dienst verpflichtet und standest in keiner so nahen Verbindung mit dem Herrn wie ich selber. Du aber bist noch jung. seines Vaters vernünftigem Rat zu folgen. Selbstmord zu begehen. Sieh zu. denn er sagte: ‹Wenn ich auch noch keine Dienstverpflichtung und keine persönliche Verbindung unserem Herrn gegenüber habe. des Letzten aus dem Hojo-Geschlecht. der dazukam. so laß mich dein Führer ins künftige Leben sein.› Noch bevor er die letzten Worte beendet hatte. das Los meines Herrn zu teilen. der einen mittleren Rang in der Samurai-Hierarchie von Kamakura bekleidete. wie du dem kommenden Verhängnis entrinnst. diene dem BUDDHA und bete für das Heil all unserer Seelen. seinem Beispiel zu folgen. Sein Bruder SHIRO. und wenn du dein Leben rettest. dessen Ende gewiß war. so wäre es etwas anderes. Als er im Begriff war. seiner weiteren Befehle ge- . so werde ein Mönch. Lebte ich jetzt schon im Stand des Mönchs. Keiner wird dich deswegen schelten.› SHIRO steckte sein Kurzschwert in die Scheide und ließ sich gehorsam vor seinem Vater nieder. da es auf allen Seiten vom Feinde umzingelt ist. rief er seinen ältesten Sohn SABUROZAEMON zu sich und sprach zu ihm: ‹Kamakura ist verloren.Unter den Gefolgsmännern HOJO TAKATOKIS. so bin ich doch als dein Sohn unter dem gütigen Schutz seiner Huld aufgewachsen. schnitt er sich den Leib auf und verschied. war einer namens SHIAKU SHINSAKON NYUDO. Aber sein Vater NYUDO tat ihm Einhalt und sagte: ‹Sei nicht so eilig! Du mußt die Reihenfolge einhalten und auf mich warten. machte sich eilends bereit. wie kann ich dich und unsern Herrn im Stich lassen und mich selber retten. Wenn du das Los unseres Herren teilen sollst.› SABUROZAEMON jedoch zeigte kein Verlangen. um seinem Herrn. Da ich im Haus eines Samurai geboren bin.

Das Philosophieren kann man . zu dem der Mensch gekommen ist. netzte seinen Pinsel und schrieb auf einen Streifen Papier sein Abschiedsgedicht: ‹Dies mein Schwert streck ich aus. den Zen unter seinen Krieger-Anhängern pflegte. Auf diesen setzte er sich mit gekreuzten Beinen in der Haltung eines Zen-Priesters. und SHIRO vollendete die Tat. Mitten im Feuerbrand Strömt ein erquickender Wind. und fragte ihn: ‹Wie soll sich ein tapferer Krieger in einem Augenblick wie diesem verhalten?› Der Zen-Meister erwiderte sofort: ‹Geh geradeaus und führe dein Schwert!› Der Krieger verstand sogleich. ob vernünftig oder unvernünftig. der zufällig auch der Lehrer HOJO TAKATOKIS war. Zen trug ihnen keine Argumente vor über die Unsterblichkeit der Seele oder über die Weisheit der Wege Gottes oder über einen sittlichen Wandel.wärtig. sondern es verlangte einfach von ihnen. beging er als tapferer Samurai den Selbstmord. was er meinte. indem er nach dem Ehrenkodex des Samurai seines Vaters Haupt abschnitt. jeden Schluß. Dies war der Geist.› Als er zu Ende geschrieben. Er selber bohrte sich dasselbe Schwert bis zum Griff in den Leib und sank tot nach vorwärts zu Boden Zur Zeit des Sturzes der Hojo lebte auch ein anderer Zen-Krieger namens NAGASAKI JIRO TAKASHIGE. Schneide den Wahn entzwei. Er kämpfte aufs tapferste und fiel vor den Augen seines Herrn TAKATOKI. geradeaus durchzuführen. rieb in aller Ruhe Tusche an. Der Vater hieß ihn jetzt einen Stuhl bringen. Er ließ einen Zen-Lehrer kommen.

‹ohne Bedauern›. hat es seinen Geist mit dieser Gesinnung erfüllt und ist bereit. In dieser Hinsicht ist Zen wahrhaftig die Religion des Samurai. Der Japaner besitzt vielleicht keine ihm eigentümliche Lebensanschauung. bemerkt treffend. wenn man dem Tod mit Unentschlossenheit und Zaudern entgegensieht. Auch wo dieses nicht besonders geschult ist für den Weg des Kriegers. Das hat sich oft erwiesen in allen Kriegen. die ihm eine gute scheint. wo dies vorhanden ist. werden selbst Unrecht und Verbrechen des Schuldigen milde beurteilt. daß gehandelt wird. ‹wie ein tapferer Held›. Isagiyoku bedeutet ‹kein Bedauern hinterlassen›. Ein Ausländer. Offenbar geht diese japanische Einstellung zum Tode trefflich mit der Zen-Lehre zusammen. und das wirksamste Handeln ist. er möchte fortgeweht werden wie die Kirschblüten im Wind. sobald der Weg klar ist. Zen sei der Charakter des Japaners. ‹mit reinem Bewußtsein›. die Japan bis heute zu bestehen gehabt hat. aber ganz gewiß hat er eine Todesanschauung. Der Japaner haßt es. die zuweilen höchst radikal erscheinen mag. Zen fordert. der über den japanischen Buddhismus geschrieben hat. . Ein ‹Isagi-yoku-Sterben› ist einer der liebsten Gedanken des japanischen Herzens. der Zen tief in sich eingeatmet hatte. Der Geist des Samurai. vorwärts zu gehen und nicht zurückzublicken. ‹bei voller Seelenstärke› und so weiter.ruhig den verstandesmäßig Eingestellten überlassen. Bei manchem Tode. sein Leben zu opfern für jede Sache. hat diese Gesinnung sogar dem gewöhnlichen Volke eingeflößt.

wenn er seiner Berufung treu sein will. Vom Samurai wird. Das Schwert wird auf . dann ist es einfach das Sinnbild der Kraft. Die Verehrung. das letztere hat im Hinblick auf Treue und Hingabe des Selbst eine religiöse Färbung. die ihm ganz allgemein und in verschiedener Weise zuteil wird. beweist dies. Im ersteren Fall kann das Schwert häufig nichts anderes als Zerstörung bezwecken. daß er sich über die Frage von Geburt und Tod.4. Denn so wendet sich die Zerstörung gegen den Geist des Bösen. das andere den Verzicht auf jeden Antrieb. ZEN UND DIE SCHWERTMEISTERSCHAFT Das doppelte Amt des Schwertes ‹Das Schwert ist die Seele des Samurai. von Entstehen und Vergehen erhebt und jeden Augenblick bereit ist.› Wenn also vom Samurai irgendwie die Rede ist. zuweilen einer dämonischen Kraft. der aus dem Selbsterhaltungstrieb entspringt. was dem Willen seines Trägers sich widersetzt. verlangt. Das erstere verbindet sich mit dem Geist der Vaterlandsliebe und des Kriegertums. Das Schwert hat somit ein doppeltes Amt zu erfüllen: das eine bedeutet die Vernichtung alles dessen. so muß auch vom Schwert gesprochen werden. es ist das Sinnbild seiner Treue und Selbstaufopferung geworden. Daher muß es von seiner anderen Bestimmung überwacht und geweiht werden. sein Leben hinzugeben. das heißt sich dem Schwerthieb des Gegners auszusetzen oder seine Waffe gegen sich selber zu kehren. Das Schwert gewinnt so eine ganz innerliche Verbindung mit dem Leben des Samurai. Sein gewissenhafter Träger ist sich dieser Wahrheit immer bewußt geblieben.

So wird es zur Verkörperung des Lebens und nicht des Todes. Achala (Fudo Myowo) trägt ebenso das Schwert und will damit alle feindlichen Kräfte. als er im Begriff stand. allein das heilige Schwert Manjusris ist nicht dazu da. die nur das Spiegelbild unseres Inneren ist. Dann erst wird er seine ursprüngliche Gestalt wieder annehmen und Vairochana Buddha sein. bis der letzte Schlupfwinkel des Feindes ausgebrannt ist. zunichte machen. wann und wie das eine oder das andere zu führen ist. wie soll er sich da verhalten?› Der Mei- . Es ist gegen uns selbst gerichtet. Manjusri ist positiv und Achala negativ eingestellt. irgendein lebendes Geschöpf zu töten. KUSUNOKI MASASHIGE (1294 bis 1336) kam eines Tages in ein Zen-Kloster zu Hyogo. denn wenn es diese Bestimmung erfüllt. dem Fortschritt und der Menschlichkeit entgegenstellen. zu wissen. Vairochana hält nicht das Schwert. sondern unsere eigene Gier. die sich dem Frieden. Der Bodhisattva Manjusri trägt ein Schwert in der Rechten und Sutra in der Linken. Zorn und Torheit. denn er selber ist das Schwert und thront einsam. gleichfalls befreit von Gier. und fragte den Meister: ‹Wenn ein Mann am Scheideweg zwischen Leben und Tod steht. Zen spricht von dem Schwert des Lebens und von dem Schwert des Todes.diese Weise gleichgesetzt mit der Vernichtung der Mächte. In dem folgenden Mondo hat ‹das eine Schwert› diese Bedeutung. dessen dienende Offenbarung er ist. alle Welten in seinem Inneren bergend. wird die äußere Welt. Zorn und Torheit. die für das geistige Wohl auf Erden wirkt. die der Herrschaft der buddhistischen Tugenden sich widersetzen. Das mag an den Propheten MOHAMMED erinnern. auf das übermächtige Heer ASHIKAGA TAKAUJIS zu stoßen. Und es vertritt jegliche Kraft. dem Recht. und es ist die Aufgabe eines großen Zen-Meisters. Achalas Zorn ist lodernd wie das Feuer und läßt nicht nach.

Das eine Schwert der Wirklichkeit wird niemals stumpf. und das Messer bleibt so auch nach langen Jahren des Gebrauchs ebenso scharf wie damals. sondern das Schwert. Es gleicht dem Metzgermesser CHUANG-TSES. da es zum erstenmal geschliffen war. und ihr werdet wissen. sondern ein Gegenstand. der magische Kräfte besitzt. ohne nach rückwärts und seitwärts zu blicken. die im Gegensatz zum Verstande sich nicht zergliedert und so den eigenen Durchgang versperrt. In der Feudalzeit Japans hat die Samurai-Kaste auf diesen Gedanken Wert gelegt. Erfasset ihn. doch glaube ich nicht. und Ein kaltes Schwert steht gegen den Himmel!› 21 . Es ist nicht ein Sinnbild. daß es hier eine so hochentwickelte geistige Bedeutung wie im Buddhismus gewonnen hat. wie ihr euch am Scheidewege verhalten sollt.ster antwortete: ‹Zerschneide die Zweiheit21 und richte das eine Schwert still in sich selber gegen den Himmel auf!› Dieses absolute ‹eine Schwert› ist weder das Schwert des Lebens noch das Schwert des Todes. genau zu bezeichnen. Es geht geradeaus. Sicher hegte sie eine hohe Verehrung für das Schwert: beim Tode des Samurai wurde es an seinem Lager aufgebahrt. als ob sie nur auf es warteten. aus dem diese Welt der Zweiheit entspringt und in dem aller Zwiespalt seine Einheit besitzt. es ist Vairochana Buddha selber. Das Schwert ist auch mit dem Shinto-Glauben verbunden. um sich zu lösen. wenn es noch so viele Opfer des Selbstwahns durchschnitten hat. Das Schwert bedeutet nunmehr die Kraft und Unmittelbarkeit der religiösen Intuition. Es trägt hier noch die Spur seines wörtlichen Ursprungs. was sie sich darunter vorstellte. doch ist es schwer. CHUANG-TSE möchte sagen: Die Gelenke trennen sich von selber. das die Gelenke zertrennt. und bei der Geburt eines Wörtlich: ‹Schneide die zwei Häupter ab.

Auch die Idee des ‹heiligen Schwerts› ist wohl auf diese Weise zu erklären. das tief zur Seele unseres Volkes spricht. in der er seine Arbeit verrichtet. daß der Schwertschmied. Körper. daß im japanischen Schwert etwas steckt. der ihrem Werk zuteil werden soll. In der Tat betrachtet es das Schwert nicht als ein Werkzeug der Zerstörung. Um ihn in die Werkstatt einzuladen. Es war wohl die Absicht. Im Vertrauen auf den Beistand des Gottes.Kindes hatte es seinen Platz im Zimmer. ist in Wahrheit ein Kunstwerk und muß etwas vom Geist seines Schöpfers widerspiegeln. Hier steckt noch ein Rest animistischer Vorstellungen.und Geisteskräfte an. Das Schwert. die Hilfe eines schirmenden Gottes anrief. damit die bösen Geister aus dem Raume abzuwehren. Das ist wohl der Grund. befinden sich der Schmied und seine Gehilfen in der höchsten inneren Spannung. MASAMUNE wirkte in der späten Kamakura-Zeit. Dann vollzieht der Schmied an sich selber die Reinigungsgebräuche und legt die Zeremonialkleidung an. die Sicherheit und Glück der abgeschiedenen oder der ankommenden Seele bedrohen konnten. Daher die Legende von dem Schwertschmied MASAMUNE und wie man seine Werke bewertet. sondern als einen Gegenstand der Begeisterung. das so geschaffen wird. umschließt der Schmied diese mit geweihten Seilen und verhindert damit das Eindringen böser Geister. strengen sie sich bis zur äußersten Grenze ihrer Seelen-. wenn er ein Schwert zu fertigen hatte. und seine Werke werden von allen Schwertkennern wegen ihrer hervorragenden . Während der Eisenbarren gehämmert und mit Feuer und Wasser geläutert wird. Die Legende vom Schwertschmied Masamune Es ist zu beachten.

Nachdem er einen langen Gang durchschritten hatte. doch war niemand darin. So durchschritt er ihn und trat in den nächsten. empfing ihn Herr MASAMUNE plötzlich mit gezücktem Schwert. der in einem unbedeutenden Landkloster lebte und der ihm empfohlen wurde. die persönlich und handgreiflich die Dhyana-Schulung zur Zen-Erkenntnis jener auf die Probe stellen wollten. hörte er von einem Mönch. Er wurde sofort in MASAMUNES Residenz geleitet. das seiner sittlichen Persönlichkeit entDATE MASAMUNES Zusammentreffen mit diesem Zen-Priester geschah auf folgende Weise. aber es heißt von ihm. Zen war der rechte Führer.Eigenschaften einhellig gepriesen. nicht überlegen. Der Mönch. als wolle er ihn erschlagen. packte MASAMUNE um die Hüften und schüttelte ihn kräftig. sondern eine praktische und unmittelbare Anleitung für ihr Berufsleben. ward ihm gesagt. Da sie Krieger waren. sich umsah. dessen Gedichte auf den Fuji-Berg an anderer Stelle angeführt sind. Der große Kriegsgott und Herr über den ganzen Nordosten Japans rief aus: ‹Du spielst ein gefährliches Spiel!› Der Mönch aber stieß ihn zurück und erwiderte: ‹Was für ein anspruchsvoller Mensch!› In alten Zeiten gab es manche solche Begegnungen zwischen Zen-Möndien und mächtigen Lehensherren. so suchten sie darin auf eine durchaus sachliche und keineswegs scholastische Weise sich zu üben. ist MASAMUNE22 vielleicht MURAMASA. war ein eifriger Zen-Jünger. doch auch hier begrüßte ihn niemand. MASAMUNE. folgte der Einladung und traf am vereinbarten Tage in der Stadt ein. die dem Tod jeden Augenblick auch in ihrem anscheinend friedlichen Leben zu Hause ins Gesicht sehen mußten. der Herr erwarte ihn in einem der folgenden Räume. dessen sie bedurften. doch schritt er weiter. Das erschien ihm seltsam. in dem die Seelentafeln seiner Ahnen bewahrt standen. seine Arbeiten hätten etwas das Herz Befeuerndes. Denn RIN-AN trat unter dem gezückten Schwert flugs einen Schritt vor. Er öffnete die Schiebetür und betrat den Raum. Sie brauchten keine sogenannte Philosophie oder Religion. lud er ihn auf seine Burg in Sendai. Was die Schärfe der Klinge betrifft. 22 . und als er die nächste Tür öffnete. einem seiner besten Schüler. sein Name war RIN-AN. und sagte: ‹Was hast du in diesem Augenblick zwischen Leben und Tod zu sagen?› Der Mönch zeigte keinerlei Schreck über diese ungewöhnliche Begrüßung durch seinen Oberherrn. Um seine Eignung zu prüfen. Als er einst nach einem tüchtigen Abt für den Zen-Tempel.

aber das MASAMUNE-Schwert ist menschlich. doch konnte er den Auftrag nicht ausführen ohne einen Gehilfen. Als die Reinigungsgebräuche vollbracht waren. Inzwischen bereitete er die geweihte Plattform genau nach den hergebrachten Vorschriften. einem der größten Schwertschmiede seiner Tage. entzweischnitt. das auf sie traf. Das erstere strebt nach Herrschaft und Gewalt. Und er sah. Das MURAMASA-Schwert ist Furcht erregend. daß die Blätter der Klinge auswichen. Das MASAMUNE-Schwert war nicht darauf aus. MASAMUNE grub seinen Namen fast nie in den Griff. zu töten. aber das MURAMASA-Schwert besaß nur diese Eigenschaft in der Vollkommenheit. Das Stück ist wahrscheinlich in der Ashikaga-Zeit entstanden. sprach er folgendes Gebet: ‹Das . der dem Werke gewachsen sei. obgleich dies unter den Schwertschmieden der Brauch war. wie es sich gegen die abgefallenen Blätter verhielt. seinem Schutzgott.springe. so fand er zu seiner Überraschung. so hielt er es in fließendes Wasser und beobachtete. er möge ihm jemand senden. das letztere hat etwas Übermenschliches. wenn man diesen Ausdruck gebrauchen darf. Die Legende berichtet: Wenn einer die Schärfe eines MURAMASA-Schwerts erproben wollte. der ihm an Können ebenbürtig war. es lag keine göttlich begeisternde Kraft in ihm. es war mehr als ein Schneidegerät. wie die Klinge jedes Blatt. KAISER ICHIJO (regierte 986 – 1011) bestellte einst ein Schwert bei KOKAIJI MUNECHIKA. Hielt er dann ein MASAMUNE-Schwert hinein. Sittliche und geistige Bedeutung des Schwertes Das No-Spiel Kokaiji gibt uns eine Vorstellung von der sittlichen und geistigen Bedeutung des Schwerts für den Japaner. MUNECHIKA fühlte sich hochgeehrt. Er betete zum Gott von Inari. die auf der Strömung herabschwammen.

dient nicht meinem eigenen Ruhm. . bete. von denen oben die Rede war: Treue. daß er das Werk mit Erfolg vollbringen möge. das Schwert sei die Seele des Samurai. als heilig und Verdienst befördernd in seinem Schatz bewahrt zu werden. Ehrfurcht. mit aller Hingebung und allem Ernst! Die Zeit ist gekommen. Wenn der Japaner sagt. die die kalte Fläche des Stahls belebt. Da eine göttliche Kraft bei der Herstellung des Schwerts beteiligt ist. so muß man an all die Tugenden sich erinnern. sie mögen herbeikommen und dem geringen MUNECHIKA ihre Hilfe gewähren. ein Schwert. Er soll ein geistiger Mann. dieses kam zur rechten Zeit aus der Esse hervor und wies alle Zeichen der Vollkommenheit und glückhaften Vorbedeutung auf. es geschieht nach dem erhabenen Befehl des Kaisers.Werk. Ich bete zu allen Göttern. dieses Gefühl in die Herzen ihrer Jünger zu pflanzen. der die Erde beherrscht. und das Werk wird getan. MUNECHIKA.› Eine geheimnisvolle Gestalt erschien ihm und half ihm. Selbstopferung. das Schwert zu schmieden. Vertraue auf die Götter. Darin liegt das Wesen des Samurai. Die großen Schwertmeister sind nicht müde geworden. der jetzt die höchste Anstrengung unternimmt. Indem er zum Himmel emporschaut und sich zu Boden wirft. Wohlwollen und Hingabe an den Glauben. bringt er den Göttern dieses Nusa dar als Zeichen seines ernstlichen Verlangens. nicht ein brutaler Mensch sein. an das ich gehe. hervorzubringen. deren Menge unzählbar wie der Sand des Ganges ist. so muß auch sein Eigentümer und Träger dieser Berufung entsprechen. das Eisen zu hämmern. Möge die Gottheit seiner aufrichtigen Gesinnung sich erbarmen!› Jetzt vernimmt man eine unbekannte Stimme: ‹Bete. Der Kaiser war mit dem Schwert zufrieden und hielt es für würdig. Seine Gesinnung soll im Einklang stehen mit der Seele. der Tugend seines erhabenen Gönners würdig.

die jene innere Verbundenheit zwischen Zen und dem Schwert noch besser erläutern. das heißt. so möchte ich noch einige weitere Stellen anführen. der als ‹Mushin› oder ‹Nicht-Bewußtsein› bezeichnet wird. die rein technische Beherrschung einer Kunst als nicht hinreichend. zugleich das Mittel. sondern er muß zugleich tief in ihren Geist eingedrungen sein. Und naturgemäß hatte er sich mit dem größten Eifer in der Kunst der Schwertführung zu üben. das eine längere zum Angriff und zur Verteidigung. wenn sein Herz in vollkommenem Einklang mit dem Prinzip des Lebens selber steht.Zen-Lehre und Schwertkunst Der Samurai trug zwei Schwerter. Hier steht zunächst TAKUANS Brief an YAGYU TAJIMA-NO-KAMI über die Verbindung von Zen und der Schwertmeisterschaft. Da er zu lang für eine genaue und vollständige Übersetzung ist. Er trägt die Überschrift: ‹Vom Unbewegten Begreifen. abgesehen von ihrem praktischen Zweck. die in der Tat mehr als irgend etwas anderes das Sinnbild seiner Würde und Ehre war. wie vielleicht auch in anderen Ländern. wenn er den geheimnisvollen Seelenzustand erreicht. habe ich ihn hier knapper zusammengefaßt. das andere kurze zur Selbstvernichtung. da er ebensosehr das Wesen der Zen-Lehre wie die Geheimnisse der Schwertkunst berührt. Wenn diese Tatsache auch in gewissem Umfang schon dargelegt wurde. ihn geistig und sittlich tüchtig zu machen. Dieser Geist aber ist erst dann erfaßt. aber alle seine Grundgedanken bewahrt. um einen Mann wirklich zu ihrem Meister zu machen. In Japan gilt. Er ist in mehr als einer Hinsicht ein gewichtiges Zeugnis. Die Übung in ihrem Gebrauch war. Er war unzertrennlich von der Waffe. wenn sie geboten war.› Einen ganz kurzen Abschnitt daraus habe ich schon in einem meiner Bücher über Zen mitgeteilt. In der bud- . Hier berührte sich die Gesinnung des Schwertträgers mit Zen.

Psychologisch gesprochen ist es ein Gemütszustand absoluter Passivität. denn du bleibst an einer Stelle eingehalten. ist dies nicht zu verwechseln mit der Fühllosigkeit und hilflosen Passivität einer unorganischen Masse. so bist du nicht mehr freier Herr deiner eigenen Bewegung. wie etwa eines Felsens oder eines Holzblocks. Aber wie TAKUAN auseinandersetzt. in dem die Seele sich uneingeschränkt einer fremden ‹Kraft› überläßt. wie deines Gegners Schwert auf dich zufährt. aber deine Aufmerksamkeit nicht an dasselbe gefesselt stockt.dhistischen Ausdrucksweise heißt dies die Überwindung der Zweiheit von Leben und Tod. ‹Unbewußt und dennoch bewußt› – dies verblüffende Paradox beschreibt allein diesen Seelenzustand. Hier wird der Mensch sozusagen zum Automaten. An diesem Punkt mündet eine jede Kunst in Zen. TAKUAN betont in seinem Brief an den großen Meister der Schwertkunst notwendig die Bedeutung von Mushin. Eine zentrale Lehre: Takuans Brief über das Unbewegte Begreifen Die Buddhalehre unterscheidet zweiundfünfzig Stufen der geistigen Entwicklung. sondern du folgst dem Schwert einfach bis zur Person deines Geg- . so hast du deinerseits keinen gebundenen Plan. das in gewisser Hinsicht dem Begriff des Unbewußten entspricht. wie du ihm begegnen willst. wo der Mensch an einer Stelle sich festgerannt hat und nicht mehr weiterkommt. Eine von diesen heißt ‹Einhalten›. Du hast in deinem Schwertspiel etwas Dementsprechendes: wenn dein Gegner zum Streich gegen dich ausholt und dein Sinn ganz auf sein Schwert gesammelt ist. Dies nenne ich ‹Einhalten›. was seine Bewußtheit betrifft. sondern stehst unter seinem Bann. Wenn du aber bemerkst.

Waffe. In jedem von uns steckt etwas. in jede denkbare Richtung zu gehen. Du darfst dich auch nicht um den Gegensatz zwischen dir und deinem Gegner kümmern. Unbewegt soll nicht bedeuten. daß dein Herz durch das Schwert hinweggerafft wird. Unbewegtes Begreifen ist das beweglichste Ding der Welt: es ist bereit. daß du überlegst. Sobald deine Aufmerksamkeit auf diese oder jene Weise gebunden ist. die Aufmerksamkeit bis zum äußersten Grad anspannen – das ist ganz recht für Anfänger. Möglichst auf seiner Hut sein. oder durch Persönlichkeit. Er ist das Sinnbild der Unbewegten Erkenntnis. verlierst du die Meisterschaft. und das heißt: ihn mit seiner eigenen Waffe schlagen. Daher darfst du auch an dich selber nicht denken. Ziel oder Bewegung. um der Schirmherr der Lehre gegen alle ihre Feinde zu sein. er bedräut die bösen Geister. und hat doch keinen Einhaltepunkt. er ist nicht wirklich vorhanden und haust irgendwo auf Erden. und seine Zähne sind grimmig. sonst gewinnt dieser einen Vorteil über dich. In der Zen-Lehre gibt es einen Satz. sondern er nimmt diese Erscheinungsform an. trägt ein Schwert in seiner Rechten und eine Fangschnur in seiner Linken. dich zu treffen. Gewöhnliche Menschen können die Bedeutung dieser Gestalt nicht begreifen. oder durch dein eigenes Schwert. kehr es um. .› Wenn deine Aufmerksamkeit auch nur einen Augenblick durch das Schwert in des Feindes Hand gefesselt ist. und du schlägst ihn damit.ners selbst. Dies gilt es zu üben. so gibst du gewiß dem Feind eine Blöße. die der Lehre Schaden tun möchten. der Gott des unbewegten Begreifens. Dieses ‹Einhalten› muß im Glauben so gut wie in deiner Fechtkunst überwunden werden. aber es führt dahin. daß man wie ein Felsblock oder ein Baumstamm ohne Begreifen verharrt. Fudo. das Unbewegtes Begreifen heißt. seine Augen brennend vor Zorn. der dasselbe meint: ‹Ergreif des Feindes eigenes Schwert. wie du es führen sollst.

Sowie ein Gegenstand vor dir erscheint. so bist du deinen Feinden auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. und jeder von ihnen zückt sein Schwert gegen dich. zum Beispiel bei dem Bogen. um seine Gegenwart in ihrem eigenen Wesen zu spüren. Wenn du Kwannon Bosatsu (den Bodhisattva Avalokitesvara) mit seinen tausend Armen erblickst. So kannst du mit allen gleich fertig werden. sonst könnte sie nicht sich anderen Stellen zuwenden. und jede will die Herrschaft gewinnen. kann er mit je- . die Aufmerksamkeit nicht auf eine Stelle heften und sie dort ‹einhalten› lassen. das heißt unser eigenes Herz. mit den übrigen neunhundertneunundneunzig etwas auszurichten. die er in Händen hält. Fudo vertritt das Unbewegte Begreifen. wenn sein Herz ‹einhielte›. ‹Unbewegt› bedeutet ohne Aufregung sein.aber die nach Erleuchtung streben. Wenn du sie aber beruhigen und niederschlagen willst. die ohne Unterlaß aufeinander folgen. so häuft sich die Menge der Unterscheidungen in deinem Herzen. Tust du aber dies. das auf dich zufährt. und es seine angeborene Regsamkeit bewahrt. Aber weil er es nicht ‹einhalten› läßt bei irgendeinem der Gegenstände. ihre Unwissenheit und Verworrenheit zu bekämpfen. so bleibt dein Herz erst recht in Verwirrung. den er in einer Hand trägt. aber du darfst nicht bei ihm ‹einhalten›. erfassen sie und bemühen sich. Das würde stimmen. das für immer gestillt und doch allezeit beweglich verharrt. Wenn deine Aufmerksamkeit auf eines allein sich heftet und nicht sogleich zu den ändern weitergeht. Du tust nicht ‹Einhalt› bei einem einzelnen. wirst du ihn ganz von selber wahrnehmen. so magst du dich fragen. so parierst du und bewegst dich von einem Schwert zum ändern. Bist du von Gegnern umringt. denn dann wäre er unfähig. Ebenso mußt du dein Herz frei machen. daß nicht ein einzelner Gegenstand es gefangen nimmt. wie er sie denn alle gebrauchen kann.

Aber in Wahrheit begreifen es die Weisen viel besser als die blinden Gläubigen und die Bilderfeinde. Als man ihn fragte. machte die Frage ihn ‹einhalten› und nachdenken. das alles sei nur Einbildung. dies sei eine wundertätige Gottheit mit tausend Armen und tausend Augen. so kannst du alle übrigen nicht mehr sehen. so entspringt alles aus einer grundlegenden Erfahrung. Darum kein ‹Einhalten› an irgendeiner Stelle. wenn Unbewegtes Begreifen in uns erwacht ist. Wer mit seinem bißchen Verstand sich brüstet. die Absicht ist nur. Zweigen und Blättern. In Wahrheit braucht Kwannon so viele Arme nicht. wie er es fertigbringe. einen jeden zum Besten. so werden wir jedes einzelne seiner Blätter wahrnehmen können. gebrauchen können23. Statt dessen wollen wir uns ohne vorgefaßte Meinung oder gefesselte Aufmerksamkeit dem Baume gegenüberstellen. Die ersteren sind in mancher Hinsicht besser als die letzteren – es kommt nur darauf an. Dieses Einhalten und Nachdenken brachte unter seinen Beinen große Verwirrung hervor. daß wir. Wenn das Unbewegte Begreifen in dir erweckt ist. verneigt sich vor Kwannon und bildet sich ein.dem von ihnen wirken. es gebe keine solche Wesen wie Kwannon. und jedes versuchte auf seine eigene Weise sich zu bewegen. So verlor der Tausendfuß sein Leben. Auch CHUANG-TSES Geschichte vom Chaos (Hun-lun) ist in diesem Zusammenhang beachtenswert. Das erinnert an die Geschichte vom Tausendfuß. die aus der gesamten Folge des Daseins herausgegriffen wird. daß wir die verborgene Wahrheit in diesen Bildern erfassen. kannst du ebensolche Wunder tun. Da steht ein Baum mit so vielen Ästen. Geht man auf die letzten Gründe zurück. so viele Beine zu gleicher Zeit und in Übereinstimmung miteinander zu bewegen. zu zeigen. Wer diese Wahrheit nicht erfaßt. 23 . erklärt. jegliche Zahl von Armen. Wenn dein Sinn bei einem der Blätter einhält.

so fängst du wieder mit eins an. ob er eine Seite oder die andere wählen soll. alles wird ihm selbstverständlich. das nichts vom BUDDHA und nichts vom Dharma weiß. Genauso steht es mit dem Lehrgang des BUDDHA-Jüngers. Erleuchtung ist letzten Endes ganz ähnlich der Unwissenheit selber In ihr gewinnst du deine ursprüngliche Unbefangenheit wieder. Die Weisen sind bis an das Ende des Erkennens gelangt. denn in ihr ist kein unterscheidender Verstand mehr. von der du ausgegangen warst. Darum ist er ganz frei von der Einstellung des ‹Hinhaltens›: wenn der Gegner zuschlägt. sondern eins. wie er das Schwert halten. und er fühlt sich nicht mehr sicher. Du bist frei von Ichwahn und frei von Heuchelei. Dann kannst du sagen. so meistert er endlich die Kunst. eins und zehn sind Nachbarn geworden. so pariert er einfach. er kümmert sich nicht mehr um das einzelne. so kann man dich einem einfältigen Kinde vergleichen. das den Seelenzustand des ‹Nicht-Denkens› (mushin oder munen) so sehr zu gewinnen hindert. dar- . die Unbewegte Erkenntnis sei gleich dem Nichtwissen – sie sind beide nicht zweierlei. der er früher gewesen ist.Wenn deine Unbewegte Erkenntnis erwacht ist. an der und jener Stelle ‹einzuhalten›. Es ist wie mit dem Zählen: wenn du bis zu zehn gelangt bist. wie er sich decken soll und so weiter. Wenn er jedoch Jahre hindurch seine Übung fortsetzt. der den Menschen schwanken läßt. und er ist wieder derselbe. Die Unwissenden haben ihre Erkenntnis noch nicht erweckt und darum ihre Ursprünglichkeit bewahrt. Bei deiner Schwertkunst weiß der Anfänger auch nicht. Sobald er aber die Kunst zu erlernen anfängt und vielerlei über sie erfährt. so kehrst du gewissermaßen zu der Stelle zurück. sein Sinn wird veranlaßt. Wenn du seinen höchsten Grad erreicht hast. so verliert er sogleich sein früheres Selbstvertrauen. Er ist jetzt schlechter daran als vorher. und also nirgendwo ein ‹Einhalten›.

In Zen ist dieser Zwischenraum des ‹Hinhaltens› besonders verpönt. nicht von eines Haares Breite. die andere in der Methode. der sogleich deinem Gegner zum Vorteil wird. er folgt unmittelbar auf den Schlag. wie ein Ausfall zu machen ist.› Damit ist die Unmittelbarkeit der Antwort gemeint. Es gilt. die eine im letzten Begreifen. Nur die mit der ‹halben Erkenntnis› haben ihr Hirn vollgestopft mit Unterscheidungen. das Gemüt allezeit schwimmend zu halten. ob er herauskommen will oder nicht. Es gibt zwei Arten von Schulung. Hast du keine Kenntnis von ihnen. Wenn aber kein Zwischenraum. so entsteht im selben Augenblick ein Schall. wie das Schwert zu führen. das wir oft anwenden: ‹Es darf kein Haar breit dazwischen sein. sie sind wie zwei Räder an einem Wagen. Allein die Meisterschaft der Einzelmethoden ist ebenfalls notwendig.um brauchen sie nicht mehr zu ihm zurückzukehren. eine zerstörende Leidenschaft. wie einen Ball auf dem strömenden Fluß. Es gibt ein Wort. da ist keines Haares Breite zwischen den beiden Ereignissen. darauf gerichtet. wie gesagt. man heißt ihn Bonno (klesa). zwischen deines Feindes Hieb und deinem Gegenschlag belassen bleibt. der seinen eingeborenen Weg geht. für den keine vorgeschriebenen Regeln das Handeln beschränken: da gibt es nur den einen Sinn. Beide Formen der Schulung sind notwendig. In deinem Fall also mußt du wissen. welche Stellungen während des Kampfes man einzunehmen hat und so weiter. Die beiden sind gleichsam gute Nachbarn geworden. wie du deine Aufgabe anfassen sollst. so wird sein Schwert das deine sein. den letzten Sinn der Dinge zu begreifen. Der Schall kennt kein Überlegen. Wenn des Gegners Schwert auf dich niederfährt und dein Sinn hält dabei ein. Klatscht man in die Hände. . so entsteht ein Zwischenraum. sobald die Hände zusammenschlagen. so weißt du nicht. Die erste ist.

sondern das ‹Nie-Einhalten› des Gemüts in seiner Tätigkeit ist gemeint. wenn man auf Feuerstein schlägt. das ‹Tiefste Geheimnis› usw. ist der BUDDHA. nur um der Schnelligkeit willen. So bet’ ich. bei ihr übernachten zu dürfen. das ‹Wesen› von Zen. Es kommt hier auch nicht mehr so sehr auf die Schnelligkeit des Aufeinanderfolgens an.› Der wesentliche Punkt dieser Strophe ist das Nichteinhalten des Herzens. Wenn ein Mönch fragt: ‹Was ist der BUDDHA?› so erhebt vielleicht der Meister nur seine Faust. Das Entscheidende ist. da keine Relativität es ablenken kann. antwortete sie ihm mit folgenden Versen: ‹Da du ein Mann bist. das hier als weltliche Wohnung gedeutet wird. wird auch mit dem Springen der Funken verglichen. Es ist die ‹Substanz› der Dinge. Wenn deine Antwort nach einer Überlegung erfolgt. daß das antwortende Gemüt nicht irgendwo einhält. Wenn du schnell sein willst. so gehört sie zur Kategorie der ‹stö- . so hält dein Sinn bei dieser Vorstellung ein. du mögest nicht Einhalt tun Beim Gedanken an eine weltliche Wohnung. und du bist nicht länger Meister deiner selbst. Es gibt keinen leeren Augenblick zwischen dem einen und dem andern Geschehen – Schlag und Funke entsprechen sich beinahe zu gleicher Zeit. ob die Antwort glücklich oder unglücklich trifft. sondern stracks antwortet. Dies ‹Nichteinhaltende Gemüt› bleibt unbewegt. ist Gott. der aus der Welt entflieht. Als SAIGYO eine Buhlerin von Eguchi bat. ohne nur daran zu denken. bis die Antwort folgt. Wenn er gefragt wird: ‹Was ist der letzte Sinn der Lehre?› so ruft er vielleicht.Dies Keinen-Zwischenraum-Lassen. noch ehe der Frager seinen Satz beendet hat: ‹Ein blühender Pflaumenzweig› oder ‹Eine Zypresse im Klosterhof›.

und du wunderst dich. und du sagst sogleich ‹Ja› – dies heißt Unbewegte Erkenntnis. ist BUDDHA-Weisheit. was auf einen Anruf sofort erwidern läßt. wir müssen diese Einsicht im täglichen Leben verwirklichen. mag sie als Wort und Gedanke noch so geistreich sein. so werden wir nicht warm davon. Aber mit der Einsicht allein ist es nicht getan. sie zielen letzten Endes alle auf die Erfassung des ‹Einen Herzens›: (Ein Herz. haben wir noch keine wirkliche Einsicht in sei- . ist die Einsicht in das Wesen des Herzens. so wird das Herz gespalten. die ganze Zeit von Wasser zu reden. was solche Weisheit dir eingibt. und du überlegst. was gemeint oder beabsichtigt sein mag. und wir überlassen uns (zufolge dieser Zweiheit) aller Art von gutem und bösem Tun und werden zum Spielzeug des Karma.renden Leidenschaft›. Worte sind unzulänglich. Wenige haben diese Einsicht erlangt. auch Götter und Menschen. Versuchen wir es. Spricht man zu dir. daraus geht hervor. BUDDHA-Weisheit und Unbewegte Erkenntnis sind Namen für ein und dasselbe). die meisten von uns begreifen von seinem Wirken nichts. das Herz zu erklären. und was uns am meisten nottut. Tust du. Was hilft es uns. BUDDHAS und K’UNG-TZES Lehre haben das Wesen des Herzens erhellt. Das. aber solange wir es nicht in unserem täglichen Leben leuchten lassen. des K’UNG-FU-TZE sein mögen. Das Karma entspringt wahrhaftig aus dem Herzen. und es erscheint Ich und Nicht-Ich. wenn wir in Wirklichkeit durstig sind. Weise und Unwissende. Wenn man zu dir spricht. So verschieden die Lehren des Shinto. so bist du ein BUDDHA oder ein Gott. so heißt das dem Herzen Einhalt tun – das bedeutet Verwirrung und Unwissenheit. der Dichtkunst. daß du noch ein Mensch von gewöhnlicher Erkenntnis bist. Die Antwort muß unmittelbar wie ein Blitz erfolgen. an der alle Wesen teilhaben. Und soviel wir uns über das Feuer unterhalten mögen.

das ist ein ausgezeichneter Rat. immer daran zu denken und es im eigenen Ich wirklich zu machen. es ist noch die Stufe des Anfängers und entspricht der ehrfurchtsvollen Haltung des K’UNG-TZE oder auch der Belehrung des MENG-TZE. ihn niederzuschlagen. so hält es hier ein. Die Hauptsache ist. Wendet es sich auf die Stellungen des Gegners. dein Herz sicher in deinem Leib zu bewahren. so hält es bei diesem Gedanken ein. wenn es nicht im Leibe zurückgehalten wird? Antwort: Wenn es deiner rechten Hand sich zuwendet. so hält es in der Rechten ein und stört die freie Bewegung des übrigen Körpers. Das ist noch nicht der Gipfelpunkt. ist dies Verfahren recht unvollkommen. Wendet es sich auf den Gedanken. Wendet es sich auf den Gedanken. Wohin soll das Herz sich wenden (beim Schwertkampf)? Wendet es sich den Bewegungen des Gegners zu. Ich denke. so hält es ein. vom Gegner nicht erschlagen zu werden. daß es frei und ungehemmt wirke? Man hat schon gefragt: Wenn das Herz sich auf alle diese Einzelpunkte wendet. man hält es einfach im Leib zurück? Dadurch kann man den Bewegungen des Gegners folgen und entsprechend handeln. so hemmt eben dieser Gedanke. Wenn es den Augen sich zuwendet. Frage: Wohin soll das Herz sich also wenden. Wohin soll das Herz sich wenden. so hält es bei diesem Gedanken ein. und der Gegner gewinnt sicher die Oberhand – ist es nicht besser. Wendet es sich auf das Schwert des Gegners. so hält es dort ein und hemmt . so hält es bei diesen ein. Allein von der höchsten Stufe der BUDDHA-Schulung aus gesehen. das Wirken des Herzens. wenn man will. es dort zu bewahren. so hält es dabei ein.ne Wahrheit. Denn wenn du darauf bedacht bist. und du wirst in deinem Handeln gar sehr behindert. man solle das davoneilende Herz zu halten suchen.

so läßt es zuletzt die übrigen neun im Stich. Wohin soll also das Herz sich wenden.das Wirken des ganzen Körpers. Man muß zwischen dem ‹ursprünglichen› Herzen (honshin) und dem ‹oberflächlichen› Herzen (moshin) unterscheiden. dann wird das Herz den ganzen Leib bis zu den Finger. In allen Dingen müssen wir uns vor Einseitigkeit hüten. und alle andern Seiten kommen zu kurz. laß es an keiner von ihnen verharren! Verharrt es irgendwo. Mache dir keinen Gedanken. denn das Herz haftet genau da. Dazu gehört aber große und lange Übung. wohin das Herz sich wenden soll. Ist das Herz einmal in einem Teil des Körpers festgehalten. so gehorchen sie dem Herzen sogleich. keine Unterscheidung. Es kostet Zeit. wo es einmal ‹eingehalten› hat. keine Überlegung. Ebenso an jedem andern Teil des Körpers. so muß es von dieser Stelle fortgenommen und da zur Wirkung gebracht werden. Das ursprüng- . Das Herz also darf nicht an irgendeinen Körperteil überlassen werden. damit sie bei dir bleibe. Dieses Übertragen ist in der Tat keine leichte Aufgabe. auch wenn die Übertragung sofort geschieht. sollen die Augen umherschauen. Damit es an allen zehn Stellen wirkt. Der Gedanke an ein bestimmtes Tun lenkt das Herz auf eine Seite. Du darfst dein Herz nicht an einen Pfahl binden wie eine Katze. und so wird er mit vollkommener Wirkung arbeiten. Wenn die Hände bewegt werden sollen. denn das würde für alle andern eine Hemmung sein. so wird das Herz überall gegenwärtig und in seiner vollsten Fähigkeit die jeweilige Aufgabe erfüllen. so folgen sie dem Befehl des Herzens im Augenblick. wo es gebraucht wird.und Zehenspitzen erfüllen. damit die höchste Schlagkraft des Geistes und des Leibes erreicht wird? Meine Antwort lautet: Denke gar nicht daran. Das gilt von jedem Teil des Körpers. Du darfst dein Herz nicht an irgendeine einzelne Stelle binden. es muß mit voller Kraft in allen Körperteilen sich auswirken.

überlegt und unterscheidet. Es bleibt gegenwärtig. Wir unterscheiden auch zwischen Ushin ‹gegenwärtiges Herz› und Mushin ‹Nicht-Herz›. aber jederzeit bereit ist. Das Mushin-Herz ist das ursprüngliche Herz. Da kein ursprüngliches Herz mehr vorhanden ist. Das klingt seltsam. und damit ist das Strömen des ursprünglichen Herzens gehemmt. Es ist nicht wie ein Steinblock oder ein Holzklotz. wohin es gebraucht wird. Es hält an keiner Stelle ein. aber das oberflächliche ist wie Eis. man kann sich nicht einmal damit waschen. muß man es schmelzen. Unter gegenwärtigem Herzen versteht man ein Herz. Dafür durchdringt es das ganze Wesen und ist im höchsten Grade lebendig. Dieses ‹hält ein›. denn Einhalten würde die Gegenwart eines Etwas. Das ursprüngliche Herz gleicht dem Wasser. Wenn das Rad zu straff an der Achse sitzt. Wenn du von bestimmten Gedanken beses- . Wenn man es an einer Stelle ‹einhalten› und an ihr haften läßt. es ist allezeit flüssig. abzufließen. kein Überlegen und kein Unterscheiden kennt. die nicht zu straff noch zu locker ist. Mushin bedeutet. so ist der Körper behindert. und eben durch dieses Nicht-Herz-Haben bewegt sich das Herz von einem zum andern. das keine Festlegung.liche Herz erfüllt den ganzen Körper. so dreht es sich nicht mehr und kann seine Aufgabe nicht erfüllen. Wiederum gleicht es dem Rad. Um es zu gebrauchen. so nimmt es andere Gegenstände nicht mehr wahr. so verliert es seine Beweglichkeit und wird zum oberflächlichen Herzen. kein ‹Einhalten›. da ist Mushin nicht). das um eine Achse sich dreht. nicht irgendein Herz haben. das heißt ein Hemmnis bedeuten (und wo etwas Hemmendes ist. so daß es wieder durch den Körper in allen seinen Teilen strömen kann. das einseitig verhaftet ist ähnlich wie das oberflächliche Herz. aber in Wahrheit ist dieses ‹Nicht-Herz› gleich dem Wasser. das einen Teich füllt. Wenn das Herz auf einen Gegenstand geheftet ist.

das auf diese Weise ‹einhält› oder eingehalten wird. Das Herz. ist immer noch Denken. . und man kann ihn nie an einer Stelle festhalten. verhalten sich anders: sie gehen umher und handeln wie andere Menschen. dein Herz leer zu halten. so ist dein Herz in demselben Maß andern Gedanken verschlossen. Bist du in Anspruch genommen.sen bist. so kannst du nichts hören noch sehen. Wenn das Herz durch kein Ding angehalten wird. ist die Ursache von Geburt und Tod. S. Denkst du aber nur daran. Du kannst diesen MushinZustand nicht beschleunigen24. so kannst du alles aufnehmen. so kommt er von selber. O war ich erst jenseits von Denken und von Nichtdenken!› Drückt man einen leeren Flaschenkürbis auf das Wasser. Wenn dein Üben aber zur Reife gelangt. so tanzt er bei jeder Berührung auf und nieder. und auch das Wiedergeborenwerden nimmt hier seinen Ursprung. Hier liegt die Schwierigkeit in der Erlangung des Nicht-Herz-Zustandes. so hält es bei ihr ein und kann nicht weitergehen. 89 ff. das heißt offen. Alle Haftung und Verstrickung entsteht aus diesem ‹Einhalten›. hältst du aber dein Herz leer. daß man das Herz ohne Hemmung durch irgendeinen Gegenstand bewahren soll. ‹Halte dein Herz wach. was an dich herantritt – das heißt Mushin. So heißt es in einem alten Gedicht: ‹Auf Nichtdenken bedacht sein. aber ihr Herz hält nie ein und bewahrt 24 Vgl. Wenn es zu einer Tätigkeit sich bewegt. Mushin oder das ursprüngliche Herz zu verwirklichen. so ist es genauso lebendig wie der Flaschenkürbis. die Geschichte von Satori. so wird gerade dieser Herzenszustand dich daran hindern. Die Weisen. die das Geheimnis irgendeiner Kunst erfaßt haben. damit es nirgends hafte!› – Das steht im Prajnaparamita Sutra geschrieben und bedeutet.

so fällt jede Hemmung des Herzens von selbst von ihm ab und wird nicht mehr beachtet. Aber die Betrachter haften an ihnen. so ist der höchste Grad der Vollendung erreicht. sobald dein Herz sich nicht mehr darum bekümmert. Die Lehre des K’UNG-TZE von der Haltung der Ehrfurcht ist für die Anfänger im Tao bestimmt. Die Blumen blühen. daß du ein Schwert in der Hand hältst und daß einer vor dir steht. daß das Kätzchen im Haus und außer dem Haus frei umherstreifen darf und daß es sogar einem Vöglein. Sie betrachten die Blumen und bewundern ihre Schönheit. daß es nicht in die Irre schweift. das Herz zu bändigen. Die Haltung der Ehrfurcht geht darauf aus. das mit ihm gehalten wird. Solange es aber noch jede Minute in der Stunde bewacht werden muß. Dann ist das Erwachtsein des Herzens erreicht. Ist dies nach langen Jahren der Übung gelungen. Abendländischen Lesern mag dies seltsam klingen. weil dies ihr Wesen ist. Wendet man dies auf die Meisterschaft in der Schwertkunst an. und doch das Schwert in der wirksamsten Weise zu führen weiß. Das Endziel ist aber. aber sie halten dabei nicht ein.seine ursprüngliche Beweglichkeit. Du streckst ihn einfach zu Boden und denkst nicht daran. und um dieses Haftens willen sagt man. Es hat noch keine Freiheit. ihre Herzen seien befleckt. des Nicht-Herz-Seins. wie der Gegner zu treffen ist. das noch am Strick festgebunden ist25. kein Leid antut. und ohne Freiheit kann es in seiner vollen Kraft noch nicht wirken. und es gibt nirgends ein ‹Einhalten› mehr. sie sind im Zustand des Mushin. wenn du ihm gegenüberstehst. bis es sich an die neue Umgebung gewöhnt hat. gleicht es einem eben erst angenommenen Kätzchen. Da ist kein Gedanke an Ich und Du mehr – alles ist Leere. dessen Erfüllung wird erst in der BUDDHA-Lehre vom Nicht-Herzen erreicht. 25 . aber in Japan pflegt man ein junges Kätzchen oft eine Zeitlang anzubinden.

der ihn umwehte. 26 . galt ihm für nichts. Das Schwert. indem du dich umherbewegst. was sie von Ewigkeit war. erschien ihm nicht anders als ein Blitzstrahl. das gezückte Schwert und die schwertführenden Arme. Der Blitz zuckt. Dasselbe kann man auch von der Tanzkunst sagen. ausgelöscht zu werden. der Mensch. Aus solcher absoluten Leere entspringt die wunderbarste Entfaltung des Tuns. Er ist daher an dieser Stelle gekürzt und abgeschlossen. noch in China weilend. die mit ihm zusammenhängen. das sogenannte Ich. so ist dein Herz festgehalten. das im Begriff war. Als BUKKO KOKUSHI. das sein Leben bedrohte. galt ihm ebenso für nichts. ja sogar der Gedanke der Leere ist nicht mehr da. keine Stelle. Vollkommene Hingabe bedeutet ein vollkommenes Vergessen des Ich und aller Dinge. und dein Tanz ist verdorben. das der Yuan-Krieger über ihm gezückt hielt. In diesem Spiel der Leere gab es kein Herz. der ihn erschlagen wollte. und die Leere bleibt. das berührte ihn selber nicht mehr als der sanfte Frühlingswind. der Gründer des Engakuji. der Mensch stürzt. der Wind weht. das Schwert fährt nieder. das angehalten. verliert sich aber mehr oder weniger in Einzelheiten. der den Frühlingswind entzweischneidet›. du selbst.26 – TAKUANS Brief geht noch weiter. an der es eingehalten wurde. da sprach er von ‹dem Blitz. Das Schwert. Sowie du aber von dem Gedanken besessen bist. galt ihm für nichts. von einer Mongolenhorde mit dem Tode bedroht war. wie du deine Arme und Beine richtig und wirksam bewegen sollst. Du nimmst einfach den Fächer in die Hand und stampfst mit den Füßen auf. Daß ihn einer ermorden wollte.der Gegner.

Das Wesen von Mushin Zur Ergänzung von TAKUANS Ausführungen sei noch die folgende Geschichte mitgeteilt. worauf Satori ausrief: ‹Jetzt möchtest du mich gar umbringen. flog dem Tier an den Kopf und erschlug es. Das Tier las in seinem Herzen: ‹Nicht wahr. daß ich Gedanken lesen kann. worauf das Tier sprach: ‹Du wunderst dich offenbar. du möchtest mich lebend einfangen?› Der Mann erschrak sehr und wußte nicht. im Herzen des ‹Nicht-Herzens› zu lesen. das Tier mit einem Axthieb niederzustrecken. Da erschien ein Tier namens Satori. die nur den vollkommenen Meistern eröffnet wird.› Noch mehr verblüfft.› Der Baumfäller fühlte sich nun ganz verwirrt. daß er gegen das geheimnisvolle Tier überhaupt nichts ausrichten konnte. Es war ein Geschöpf von fremdartigem Aussehen. dieses Können geht über das . löste sich das Eisen der Axt vom Griff. Ein Holzfäller war einst eifrig damit beschäftigt. was mit dem Tier noch was mit sich selber anfangen. und da er einsah. dachte er daran. das in den Dörfern selten gefunden wurde. Wie er so arbeitete. in den abgelegenen Bergen Bäume zu fällen. ergriff seine Axt und begann mit aller Kraft wieder auf die Bäume einzuschlagen und an nichts anderes zu denken. Denn mit all seiner klugen Gedankenleserei hatte es nicht verstanden.› Der Baumfäller wußte nicht mehr. Die rein technische Übung ist nicht genug. Der Holzfäller hätte es gerne lebend eingefangen. Satori ließ ihn aber nicht in Ruhe. da sie den Zustand des ‹Nicht-Herz-Seins› deutlich macht. wie sie war. sondern folgte ihm und meinte: ‹Jetzt hast du mich also ganz aufgegeben. wollte er wieder an seine Arbeit gehen. Das Tier aber beachtete er gar nicht mehr. was er sagen sollte. Auf der höchsten Stufe der Schwertmeisterschaft gibt es eine Geheimlehre. Er nahm also die Sache einfach.

auch wo kein Wasser ist. und sein Wirken . die in Wahrheit nichts anderes bedeutet als die Zen-Lehre. Durch dieses Gleichnis kann man das Geheimnis des Herzens besser begreifen. und das geschieht durch den Zustand von Mushin. Wie heiter-still ruhn Hirosawas Wasser!› Aus diesen Versen kann man einen Einblick in das Wesen von Mushin gewinnen. aber der Grundgedanke ist. Eines der kaiserlichen Gedichte. das Herz jedoch hat keine Gestalt.Lehrlingsstadium nicht hinaus. der in Hunderten von Strömen sich spiegelt: das Mondlicht teilt sich nicht in viele Abbilder. den Mond zu Gast zu haben. auf die der Mond sich überall spiegelt. sondern das Wasser spiegelt es zurück. Mond und Wasser aber sind greifbare Dinge. Noch hegt der Teich den Wunsch. ‹Wiederum ist es gleich dem einen Mond. Wiederum ist es dem Mond gleichgültig. Das Mondlicht bleibt immer dasselbe. wo eine Wasserfläche ist. ob so viele Wasserflächen oder auch nur eine kleine Pfütze da ist. Einem Schriftsteller zufolge wird dies auf folgende Art erklärt. sein Bild irgendwohin zu werfen. die Lehre von Mushin: ‹Was versteht man unter dem Mond im Wasser?› Das wird von den verschiedenen Schulen der Schwertkunst verschieden erklärt. Die Geheimlehre ist unter den Meistern bekannt als ‹Der Mond im Wasser›. es abzuspiegeln. in dem es keine Spur von künstlichem Bestreben gibt und die Natur selber ganz unberührt sich auswirkt. daß man die Weise erfaßt. die am Teiche von Hirosawa verfaßt wurden. lautet: ‹Der Mond hat nicht die Absicht.

ist eine Kunst wie Malerei oder Musik und läßt sich nur als Kunst beurteilen. wie sie ein Symphoniekonzert unter einem großen Kapellmeister in einem Menschen aufwühlt. so hätte er sicher einen Einblick in die Unbewegte Erkenntnis gewonnen. die man nur mit den Tiefen vergleichen kann. Seine Erregung ist geistiger Art und rührt an Tiefen.› . mag man ihn billigen oder nicht. ich führe daher hier einen Teil der Anmerkung des Übersetzers und JUAN BELMONTES eigene Erzählung über den Stierkampf an. und man kann ihn nicht mit einem solchen vergleichen. von dem in TAKUANS Brief an YAGYU TAJIMA-NOKAMI die Rede war. Hätte der spanische Held eine buddhistische Schulung genossen. Dieser Bericht ist voll von höchst beachtenswerten Andeutungen. Der Stierkampf. mag man ihn lieben oder nicht. Bei diesem Kampf erlebte er jenen Gemütszustand.ist schwer zu erspüren. Die Sinnbilder enthalten nicht die ganze Wahrheit. versteht und liebt. Der Stierkampf besitzt offenbar viel Ähnlichkeit mit der japanischen Fechtkunst. der ihm den Ruhm des besten Kämpfers seiner Tage verschafft hat. Die Anmerkung des Übersetzers lautet zu einem Teil folgendermaßen: ‹Der Stierkampf ist nicht ein Sport.› ‹Unbewegte Erkenntnis› am Erlebnis eines Stierkämpfers erläutert ‹The Atlantic Monthly› vom Februar 1937 enthält den Bericht eines spanischen Stierkämpfers namens JUAN BELMONTE über seine Erfahrungen in dieser Kunst. sie können nur andeuten. der die Musik kennt.

die von den Plätzen aufgesprungen war. ohne daß die Zuschauer in meinem Bewußtsein überhaupt noch vorhanden waren. Pack mich! Dann stand ich wieder auf. ging ich ihm entgegen. was ich sonst mit dem Stier anfangen sollte. Bei dem letzten Stier gelang es mir zum erstenmal in meinem Leben. wie ich sooft schon des Nachts in den Hürden und auf der Weide für mich allein gekämpft hatte. breitete ihm die Muleta unter die Nase und setzte mein Selbstgespräch fort. und hatte keinen Gedanken außer meinem eigenen Glauben an mein Tun. so pflegte ich mit ihnen zu sprechen. kniete ich unter seinen Hörnern nieder und brachte mein Gesicht seiner Schnauze ganz nahe. man müsse kämpfen.JUAN BELMONTE beschreibt seinen Gemütszustand im entscheidendsten Augenblick seines Kampfs mit folgenden Worten: ‹Sowie mein Stier die Arena betrat. Wenn ich früher allein auf dem Lande mit den Stieren spielte. Man sagte mir später. die andern Stierkämpfer. mit Leib und Seele mich der reinen Freude des Kampfs hinzugeben. Stierchen! flüsterte ich ihm zu. mich selber und sogar den Stier. während der meine Muleta die Arabesken der Faena beschrieb. und an diesem Nachmittag hatte ich wieder eine lange Unterhaltung mit dem Stier. Ich begann zu kämpfen. als hätte ich eine Zeichnung auf einer Wandtafel zu entwerfen. und mit solcher Genauigkeit. Ich kämpfte einfach so. meine Schritte mit dem Umhang und meine Arbeit mit der Muleta an diesem Nachmittag seien eine Offenbarung der Kunst des Stierkampfs gewesen. die ganze Zeit über. und beim dritten Schritt hörte ich schon das Geschrei der Menge. Was hatte ich denn getan? Auf einmal vergaß ich die Zuschauer. Komm her. Ich weiß es nicht und kann nicht darüber urteilen. um ihn wieder zum Angriff aufzumuntern. Als ich nicht wußte. wie ich glaubte. .

genau wie ich geträumt hatte. das mir immer diesen tragischen Schluß suggeriert hat. Stierchen! Greif mich nur hübsch an! Es geschieht dir! nichts.› Aus diesem Gefühl der Verzweiflung heraus aber entdeckte BELMONTE etwas anderes. sich über ihn lustig zu machen – das alles erfüllte ihn. Weil du ein paarmal bei Novilladas (Anfängerkämpfen) ohne Picadores Glück gehabt hast. ich stellte mich genau zwischen die Hörner des Stiers und hörte nur wie ein fernes Murmeln den Beifallsjubel der Menge. Trotzdem fuhr ich jetzt fort. dachte ich. so außer mir selber. könnest du etwas ausrichten. – Siehst du mich. Ich stach zu. Wie war ich nur auf den Gedanken gekommen. Er bekennt: ‹Ich war ganz verzweifelt. Es muß eine Art unbewußtes Wissen um ein gewisses Ungeschick zum letzten Streich gewesen sein. ich sei zum Stierkämpfer geschaffen? Du hast dich selber zum Narren gehalten.Hierher. – Da bist du ja. die Faena. die ich so oft und mit so vielen Einzelheiten in meinen Träumen gesehen hatte. daß jeder Zug mit mathematischer Schärfe in mein Gehirn eingezeichnet war. Da im letzten Augenblick traf mich. In meinen Träumen hatte die Faena immer mit einem Unglück geendet. Ich war so berauscht. daß BELMONTES Gemüt vor seinem letzten Kampf mit dem Stier in einem höchst aufgeregten und verworrenen Zustand gewesen war: Gedanken an die Nebenbuhler. – Da bist du wieder. der Stier noch und verwundete mich am Schenkel. ein Gefühl der Minderwertigkeit und die Furcht. . traf mich dieser jedesmal am Bein. um den Stier zu töten. Verlangen nach Erfolg. die Zuschauer seien bereit. denn wenn ich vorging. Stierchen? – Was? Du bist müde? – Komm her! Pack mich! Sei kein Feigling! – Pack mich! So führte ich die ideale Faena aus. daß ich es kaum bemerkte.› Es muß noch hinzugefügt werden. und der Stier brach vor meinen Füßen zusammen. meine ideale Faena auszuführen.

Dieses Etwas war zuweilen schon in seinen Träumen dagewesen. vom Bogen ohne Sehne geschnellt. Das Gefühl der Verzweiflung trieb ihn an den Rand des seelischen Abgrunds.das bis dahin ganz ungeahnt in ihm geschlummert hatte. aber es war nie ans helle Tageslicht durchgebrochen. sondern in Wahrheit alles und jedes. um an den Lebensquell aller wahren Schöpferwerke zu gelangen. aus dem er mit einem letzten Sprung sich rettete. . In allen Kunstzweigen so gut wie im Zen-Buddhismus gilt dieses Hindurchbrechen durch die Krisis als entscheidend. so außer mir selber. daß ich es kaum bemerkte› – nicht nur es (nämlich seine Verwundung). es hatte tief in seinem Unbewußten geschlafen. als er den Stier herauskommen und ihm entgegentreten sah. Kein Pfeil ist mehr da – Jetzt aber gilt’s: Nimm dein Herz in die Hand! Schieß mit Macht und Gewalt!› Ein Pfeil ohne Schaft. Und das Ergebnis war: ‹Ich war so berauscht. Ein bekannter Zen-Meister der Kamakura-Zeit singt: ‹Der Bogen zerbrach. Die Unbewegte Erkenntnis war sein Führer. das heißt. muß ja den Felsen spalten. und er überließ sich gänzlich dieser Führung. Dies möchte ich vom Standpunkt der Religionspsychologie noch in einem besonderen Werk über Zen näher untersuchen. wie es einst in einer Geschichte der ostasiatischen Menschheit geschehen ist.

Rein technisches Können in der Schwertführung genügt zur vollen Eignung als Schwertmeister nicht. während ihr ursprünglicher Schöpfer behauptete. der in der zweiten Hälfte des 16. denn gegenwärtig gibt es eine Reihe verschiedener Vermächtnisse. nämlich den Zustand des NichtHerzens. dessen Sinnbild ein leerer Kreis ist. und hierin liegt ohne Zweifel eine Anspielung auf die buddhistische Lehre der ‹großen vollkommenen Spiegel-Weisheit›. das den Adepten als Meister dieser Schule beglaubigt. Jahrhunderts gewirkt hat.Die Geheimlehren der Fechtschulen Shinkage-ryu hieß eine der beliebtesten Fechterschulen im mittelalterlichen Japan. oberflächlich betrachtet. damit die ‹ursprüngliche Intuition› sich völlig auswirken kann – das ist der Zustand des ‹NichtHerzens›. Dieser muß die letzte Stufe geistiger Übung erreicht haben. dieser solle einen glänzenden Spiegel bedeuten. und ihre sogenannten Geheimlehren müssen einen beträchtlichen Umfang gewonnen haben. er habe das Geheimnis seiner Kunst unmittelbar von dem Gotte von Kashima empfangen. rein von allem Staub und Schmutz. . von der oben die Rede war. Sie war in der Ashikaga-Zeit aufgekommen und KAMI-IDZUMI ISE-NO-KAMI ihr Gründer. mit der Schwertführung gar nichts zu tun haben. Ohne Zweifel hat die Schule seither noch weitere Entwicklungsstufen durchgemacht. Des Fechters Herz soll sich vollkommen frei bewahren von selbstsüchtiger Leidenschaft und verstandesmäßiger Berechnung. Man nimmt an. Unter diesen Zeugnissen gibt es Sätze und Kurzgedichte. die sehr nach Zen schmecken und. das heißt der ‹Unbewegten Erkenntnis› TAKUANS. Das endgültige Dokument zum Beispiel. enthält nichts als einen Kreis. die der Meister seinen besten und würdigsten Schülern hinterlassen haben soll.

In Wahrheit wird auf ein Zen-Mondo angespielt. Das wäre zum mindesten lächerlich. Denken wir an diesen Vorfall.Es gibt unter manchen rein technischen Vorschriften in den geheimen Lehrzeugnissen der Shinkage-ryu-Schule einen Ausdruck. In der Zen-Schulung wird dieses Mondo häufig verwendet. der offenbar den wirklichen Sinn nicht entdeckt hat. zu ermitteln. P’ANG fragte: ‹Welcher Art ist der Mensch. meint. der nicht davor zurückschrecke. Er lautet: ‹Die Wasser im Westfluß›. was dieser besondere Ausdruck für eine organische Verbindung mit der tatsächlichen Schwertführung hat. das zwischen MA-TSU (gestorben 788) und seinem Laienschüler P’ANG CHÜ-CHIH in der T’ang-Zeit stattgefunden hat. der keine Gemeinschaft mit irgend etwas (oder irgend jemandem) hat?› ‹Ich sage dir’s›. ‹wenn du mit einem Schluck alles Wasser im Westfluß verschlungen hast. Da alle diese Geheimlehren mündlich überliefert werden sollen und da ich ihnen durchaus fern stehe. warum der Ausdruck ‹Die Wasser im Westfluß› Eingang in die Geheimlehren der Fechtschule gefunden hat. der anscheinend keine Beziehung zur Kunst in ihrem wörtlichen Sinne hat. P’ANGS Frage hat ihre große Bedeutung und ebenso MA-TSUS Antwort. Ein Kommentator. so bin ich nicht in der Lage. Allein soviel ich beurteilen kann. dies bezeichne einen abenteuerlich-gewalttätigen Gemütszustand.› Diese Worte sollen P’ANGS Herz geöffnet und ihm eine Erleuchtung geschenkt haben. und ohne Zweifel befanden sich unter den Fechtern der Feudalzeit manche Schwertmänner. muß er aus der Zen-Literatur abgeleitet sein und ist außer diesem Zusammenhang überhaupt nicht zu verstehen. erwiderte MA-TSU. die sich . den ganzen Fluß zu verschlingen. so können wir verstehen.

das heißt Kurzgedichte. die völlig frei von Gedanken und Erregung ist. Findet selbst der Tiger keine Stelle. Wie schon früher erwähnt. um den Zustand des absoluten ‹Nicht-Herzens› im Zusammenhang mit ihrer Kunst zu erreichen. Strömt den eigenen Weg. keine Spiegelung.dem Zen-Studium ergeben hatten. im Hinblick auf die Meisterschaft in der Schwertkunst. Aber Zuschlagen ist nicht Zuschlagen Und Töten ist nicht Töten. Doch keine Hand kann ihn fassen – Den Mond im Wasser: Das ist meiner Schule Geheimnis. wo es um Leben und Sterben geht.› . Zuschlagen sei einfach Zuschlagen. seine Krallen einzuheften.› ‹Kein Denken. ‹An einer Seele. von denen manche den Zen-Geist sehr deutlich spiegeln. Die Geheimlehren enthalten auch eine Anzahl Waka.› ‹Ein und derselbe Wind streift Über die Kiefern am Berg und die Eichen im Tal – Warum klingt ihr Rauschen denn so verschieden?› ‹Manche meinen. Vollkommene Leere – Aber etwas regt sich in ihr.› ‹Das Auge sieht ihn. ist der Gedanke an den Tod der größte Hemmschuh für den Sieg in einem Kampf.

der Mond. Der im Ursprung. wie sie MIYAMOTO MUSASHI als das letzte Geheimnis der Schwertkunst gelehrt hat. im Nicht-Ich wohnt. Der Zustand der Ichlosigkeit Ein moderner Autor. der hier auf die geistige Zucht gelegt wird. der über den Weg des Schwerts und seine Geschichte geschrieben hat27. bemerkt folgendes über den Grundsatz der Kunst: Im Kendo (Weg des Schwerts) ist das wesentliche Ziel über die Technik hinaus das geistige Element. das die Kunst durch und durch beherrscht. Der hohe Wert. MUSASHI ist nicht nur als Schwertmeister. Das bedeutet nicht etwa. Vor des Kampfes Beginn schon.› Dies deckt sich offenbar mit dem Grundsatz der ‹Leere›. Nichtspiegelung oder Nichtdenken heißt. verleiht der Kunst das Recht auf den Namen des Schöpferischen.‹Wolken und Nebel Sind doch nur Luftgestalten: Über ihnen strahlt ewig die Sonne. sondern auch als Sumi-ye-Maler groß gewesen. Gefühle und so weiter sein soll. . das nur nach langer und harter Übung der Kunst zu erlangen ist. der Munen oder Muso.› ‹Sieg gehört nur dem Einen. Absichten. Dies ist ein Zustand des Herzens. Der seines Ich nicht gedenkt. wenn man das Schwert in der Hand dem 27 HIROMASA TAKANO. daß man geradezu ohne Gedanken.

in der man keine ichbezogenen Gedanken. Weder der Mond noch das Wasser haben irgendeine vorgefaßte Absicht. das heißt den Titel eines buddhistischen Mönchs oder Priesters führt. daß in der Feudalzeit Japans ein Schwert.Gegner gegenübersteht. Der Mond ist nur einer. dürfte ebenfalls einem Geisteszustand der Ichlosigkeit entspringen. Wer dies begreift. Daher haben die Schwertmeister dies von altersher anerkannt. da erblickt man den Mond darin. Der Verfasser des genannten Buches teilt auch die interessante Nachricht mit. die Wirkung hervorzubringen. das unter der Gerichtsbarkeit des Kofukuji stand. Aber wo ein Streifen Wasser ist. daß beide als letztes Ziel die Überwindung der Zweiheit von Geburt und Tod anstreben. daß einst im Kofukuji-Tempel zu Nara ein berühmter Mönch gelebt hat. Der Ursprung dieser Sitte scheint darauf zurückzugehen. wo es Wasser gibt. man solle seine natürlichen Anlagen walten lassen in einem Bewußtseinszustand. MIYAMOTO MUSASHIS und SHUNZANS beweisen. Er war im Speerwerfen ge- . Dieser Zustand heißt auch ‹Ichlosigkeit› (muga). Er gehörte einem der Nebenklöster namens Jizo-in an. und die Großen unter ihnen haben ausnahmslos am Tore von Zen angeklopft. das die Kunst SAIGYOS oder BASHOS beherrscht. keine Bewußtheit des eigenen Vollbringens hat. Es bedeutet. Spiegelungen oder Gemütsbewegungen irgendwelcher Art ist. Das Wasser ist in einem Zustand des Nichtbewußtseins so gut wie der Mond. die wir den Mond im Wasser nennen.oder Speermeister häufig ‹Osho› (im Sanskrit Upadhyana) genannt wird. Man vergleicht es mit der Spiegelung des Mondes im Wasser. dessen Kunst ist vollkommen. aber seine Spiegelbilder sieht man überall. wie die Beispiele YAGYU TAJIMA-NO-KAMIS und TAKUANS. Endlich sind Zen und der Weg des Schwerts darin eins. der frei von Gedanken. Das sogenannte Sabi-Shiwori-Ideal.

während die Schwertmänner sie Musha-Shugyo oder ‹Kriegerschaft betätigen› genannt haben. fand er die Einwohner in großer Aufregung. So war er naturgemäß ein Osho für seine Schüler. Als KAMI-IDZUMI ISE-NO-KAMI in einer abgelegenen Berggegend durch ein kleines Dorf kam. indem sie Entbehrungen und Gefahren jeder Art auf sich nahmen und Übungen von jeder Art unter aller Art Meistern durchmachten. Ein Ereignis auf der Reise bringt ihn mit einem Zen-Mönch in Verbindung. unabhängig von ihrem Zusammenhang mit dem Buddhismus. das Kind umzubrin- .übt. Er drohte nun. daß er das ganze Land durchwandert habe. und alle Mönche des Jizo-in lernten die Speerkunst von ihm. die dieselbe Wanderschaft zu unternehmen hatten. der in derselben Art Übung begriffen war. Auch dies geschah nach dem Vorbild der Zen-Mönche. heißt Dojo. immerhin liest man über den Gründer von Shinkage-ryu. In alten Zeiten pflegten sie ganz Japan zu durchwandern. Ohne Zweifel ist auch dieser Name dem Zen-Buddhismus entlehnt worden. Die Halle. um sich in ihrer Kunst zu vervollkommnen. Dojo ist eigentlich der Name eines Ortes für religiöse Übungen. Ich weiß nicht. bevor sie an das Ziel der Erleuchtung gelangten. Ein verzweifelter Geächteter hatte sich in ein leeres Haus geflüchtet und einen kleinen Dorfknaben mit sich geschleppt. in der die Schwertkunst ausgeübt wird. und diese Bezeichnung wurde in der Folge auf alle Meister des Speers und des Schwerts übertragen. Noch etwas anderes haben die Schwertmänner vom Zen-Mönch übernommen. wie früh diese Sitte unter den Schwertmännern aufgekommen ist. das heißt der Ort der Erleuchtung. Diese Praxis hieß Angya oder Fußwanderung unter den Mönchen. seine ursprüngliche Bedeutung im Sanskrit ist Bodhimandala.

ISE-NO-KAMI begriff den Ernst der Lage. Da er einen Mönch in der Nähe vorübergehen sah. so daß er wie ein richtiger Mönch aussah. der in Zen häufig gebraucht wird. nutzte der vermeintliche Mönch den Augenblick. das der Zen-Mönch um den Nacken gehängt vor der Brust zu tragen pflegt – eine Art abgekürztes Kesa (Kashaya im Sanskrit). so bat ihn der Mann des Schwerts. ‹Ein Mann des Schwerts› ist nämlich ein Ausdruck. er muß schon eine gewisse Erkenntnis besessen haben.› Als der Verbrecher die Hand ausstreckte. . Es heißt. Das Mönchsgewand wurde seinem Eigentümer wieder zurückgegeben. um einen gereiften Zen-Priester zu bezeichnen. ein Sinnbild des Mönchtums.gen. wenn die Dorfleute versuchen wollten. ihm etwas zu essen zu bringen. ihn zu fangen oder ihm etwas zuleid zu tun. Nun ging er mit zwei Frühstücksschachteln auf das Haus zu und erzählte dem Geächteten. ihm für eine kurze Weile sein Mönchsgewand zu leihen. ISE-NO-KAMI habe es immer getragen. warf ihn zu Boden und machte ihn so zum Gefangenen. und hätten ihn beauftragt. ISE-NO-KAMI hat also guten Grund gehabt. Dieser lobte den andern hoch mit den Worten: ‹Du bist ein echter Mann des Schwerts› und übergab ihm das Kara. Darauf ließ er sich den Kopf rasieren. um sie in Empfang zu nehmen. Der wandernde Zen-Mönch dürfte kein gewöhnlicher Novize gewesen sein. packte seinen Arm. Dann fuhr ISE-NO-KAMI fort: ‹Da du selber Hunger haben wirst. so habe ich eine zweite Schachtel für dich mitgebracht. der wirklich die Grenzlinie von Leben und Tod überschritten hat. die Eltern des Kindes möchten nicht. das Kara als Geschenk des Mönchs ‹auf der Fußreise› in Ehren zu halten. Mit diesen Worten zog er eine der beiden Schachteln hervor und stellte sie vor den Mann. ohne Zweifel einen wandernden Zen-Mönch. daß es Hungers sterbe.

denn so groß seine praktische Nützlichkeit sein mag. Die Philosophie eröffnet sich nur dem Menschen. mag sein Verstand noch so wenig entwickelt sein. vermutlich. deren typische Handlung das Darbieten des Tees im Teeraum ist. in die Tiefen unseres Wesens einzudringen. Die Ausschaltung des Überflüssigen erreicht Zen in seinem intuitiven Erfassen der letzten Wirklichkeit und der Teekult in seiner Lebenskunst. und zu dem tiefsten Zustand des Seins. Zen bekämpft vor allem den Verstand. der Natur nahezukommen. daß man sich unter ein Strohdach zurückzieht und in einem Raum von kaum zehn Quadratfuß niederläßt. der aber mit künstlerischem Geschmack erbaut und eingerichtet sein muß. Auch Zen hat das Ziel. Sein Ideal. die die Menschheit ersonnen hat. der eine besondere Begabung für sie mitbringt. sie kann daher nie eine allgemeine Wertschätzung erlangen. alle künstlichen Verhüllungen abzustreifen.5. wird dadurch verwirklicht. Dazu ist jeder von uns imstande. so widerstreitet er dem Bemühen. um sich selber recht feierlich vorzukommen. der ursprünglichen Heimat oder gleichsam zu Vater und Mutter zurückkehrt. Die Philosophie mag Fragen jeglicher Art aufwerfen. denn nur durch jenes. Der Teekult ist die Bejahung der ursprünglichen Einfachheit. durch . die einem jeden unter uns zugänglich ist. ZEN UND DER TEEKULT Teekult als Symbol des ‹einfachen Lebens› Zen und dem Teekult ist das beständige Streben nach Einfachheit gemeinsam. um sie zu einer verstandesmäßigen Lösung zu bringen. aber sie wird uns niemals eine geistige Befriedigung geben können. was er meint zu besitzen. daß der Mensch alles von sich wirft. Zen oder im weiteren Sinne der Glaube bedeutet.

als diesen eine Krankheit befallen hatte. So ist EISAI als Vater der Teepflanzung und Teebereitung in Japan bekannt geworden. was wir sind. der sich hier ausgesprochen hat. der Tee besitze heilkräftige Eigenschaften und sei ein Mittel gegen mancherlei Krankheiten. den er aus seiner Pflanzung bereitet hatte. der Setzlinge des Teestrauchs aus China mitgebracht und sie in seinem Klosterland angepflanzt hat. den Zen-Meister. Dies ist die höchste Stufe des Einfachwerdens zu nennen. war DAI-O. Die Begründer von Teekultur und Teekult Der Tee ist in Japan schon vor der Kamakura-Zeit bekannt gewesen. Anscheinend hat er für die Ausführung der Teezeremonie keine Vor Schriften.ihn oder sie sind wir. dem damaligen Shogun MINAMOTO SANETOMO überreicht. und ohne dieses sind wir nichts. gegeben. zurückgehen. so erlaubt sie auch eine künstlerische Gestaltung. Er glaubte. Ist die Urform auf diese Weise einmal zum Symbol geworden. der Lehrer der Nation (1236 – 1308. er kehrte 1267 aus China zu- . Der Zen-Priester. Der Teekult stellt dafür mit einer einsamen Hütte unter einer Kiefer sein Sinnbild auf. weil die Dinge nicht auf etwas noch Einfacheres zurückzuführen sind. Die Teezeremonie ist eigentlich eine Art Unterhaltung für die Besucher des Klosters oder auch für dessen eigene Insassen untereinander. obgleich er diese während seines Aufenthalts in den chinesischen Zen-Klöstern kennengelernt haben muß. Angeblich hat er sein Buch vom Tee zugleich mit dem Tee. das heißt mit Ausschaltung alles Überflüssigen. allein der Anstoß zu einer weiteren Verbreitung soll auf EISAI (1131 – 1215). der sie in Japan einführte. Selbstverständlich muß das Prinzip der Gestaltung in vollkommener Harmonie mit dem Grundgedanken bleiben.

Tee hält den Geist frisch und wach. Auf DAI-O folgten verschiedene Priester. der ein großer Beschützer aller Künste war. könnte man dann nicht sagen. lebt daneben unabhängig von dem im großen Publikum modischen Verfahren weiter. so wie sie in den Zen-Klöstern geübt wurde. etwa ein halbes Jahrhundert nach EISAI. das nach den Kirchen- . Er besitzt Eigenschaften.rück). und zuletzt lehrte IKKYU (1394 – 1481). der Wein vertrete das Christentum? Wein wird von den Christen in großem Umfang getrunken. den Teekult mit dem Leben des gläubigen Buddhisten zu vergleichen. Die ursprüngliche Teezeremonie. So ist SHUKO der Begründer des Teekults geworden. daß man sich in den buddhistischen Klöstern des Tees in großem Umfang bediente und daß er zuerst durch die Mönche in Japan eingeführt worden ist. Später haben ihn SHO-O (1503 – 1555) und namentlich RIKYU weiter verbessert und dem. Tee als Sinnbild des Buddhismus Es ist mir oft der Gedanke gekommen. hat aber nichts Berauschendes. die von Gelehrten und Mönchen ihrer Lebensweise entsprechend besonders geschätzt werden müssen. der bekannte Abt des Daitokuji. Wenn man den Tee als ein Sinnbild des Buddhismus betrachtet. die Meister der Teezeremonie geworden sind. da so viele gemeinsame Züge sie verbinden. SHUKO (1422 – 1502). die endgültige Form gegeben. was heute Cha-no-yu heißt – gewöhnlich Teezeremonie oder Teekult übersetzt –. den Hergang einem seiner Schüler. dessen künstlerischer Genius ihn weiter ausgebildet und dem japanischen Geschmack angepaßt hat. Es liegt im Wesen der Sache. Er dient in der Kirche als Sinnbild für CHRISTI Blut. Er unterwies darin den damaligen Shogun ASHIKAGA YOSHIMASA (1435 – 1490).

entnehmen: ‹Hier sehen wir in der Tat das Ritual des Benehmens in seiner klassischen Ausbildung. Vergnügt und selig sieht man sie um das Weinfaß versammelt und die Gläser erheben. und wahrscheinlich aus diesem Grunde unterhielten die Mönche des Mittelalters Weinkeller in ihren Klöstern. sondern vor allem. aus Harmonie. in dem alle Dinge in idealen Beziehungen standen und das Volk alle Wohltaten einer vollkommenen Regierung genoß. nach der Seite des Gefühls hin bezeichnet. kann man einer Bemerkung des CHENG MING-TAO. Die Ogasawara-Schule des formvollendeten Betragens ist. dann macht er trunken. wenn man auf den Geist achtet.vätern für die Sünden der Menschheit vergossen wurde. eines konfuzianischen Gelehrten der Sung-Zeit. Daß die Mönche ein höchst geordnetes Betragen pflegten. Es läßt sich nun beobachten. daß der Teekult nicht nur in seiner tatsächlichen Entwicklung eine innerste Verbindung mit Zen besitzt. so wie es unter den ersten drei Dynastien ausgeübt wurde. aus den ‹Klosterregeln› des PAI-CHANG28 28 Ein großer Zen-Meister der T’ang-Dynastie (720 – 814). Bis zum heutigen Tage werden die Zen-Mönche als einzelne und in ihrem Zusammenwirken zur Ausführung der religiösen Zeremonien sorgfältig geschult. sie sind auch die wesentlichen Eigenschaften eines brüderlichen und geordneten Lebens. das heißt eben des Lebens in den Zen-Klöstern. Ihr Geist besteht. und derselbe Gegensatz besteht zwischen Buddhismus und Christentum. wie man glaubt. . Der Wein begeistert zuerst. Ehrfurcht. von dem jeder chinesische Philosoph und Staatsmann träumt.› Die alten drei Dynastien sind das goldene Zeitalter. der in der Zeremonie selber sich durchwaltend ausspricht. Reinheit und Stille. um den Kult mit Erfolg durchzuführen. Er bildet in vieler Hinsicht einen Gegensatz zum Tee. Diese vier Elemente sind unentbehrlich.

ruhevoll und recht zum Nachdenken geschaffen. Und der sanfte Wind. in der wir leben. aber trotz dieses primitiven Charakters hat dies kleine Gerät einen besonderen Zauber des Anmutigen. Der Weihrauch. während Anmut eher eine Gefühlsweise andeutet. die Glasur ist in der Regel nicht gleichmäßig über sie geflossen. ist immer gedämpft. Darum ist Zen zugleich auf die Antinomien des inneren und auf die Zucht des äußeren Lebens bedacht. Man nimmt eine Teeschale in die Hand: sie ist vom Töpfer in unregelmäßigen Formen wie zufällig gestaltet. eine Welt der gesonderten Formen ist und der Geist nur durch das Mittel der Form seinen Ausdruck finden kann. Stillen und Unaufdringlichen. über die Form hinauszuschreiten und den Geist zu erfassen. Teezeremonie und ‹geistige Anmut› Das Schriftzeichen für ‹Harmonie› bedeutet auch ‹Anmut des Geistes›. duftet nie streng und aufreizend. sondern mild und schmeichelnd. Die Fenster und Schiebewände sind wiederum eine Quelle des anmutvollen Zaubers. der durch die Nadeln der alten Kiefer über dem Teehaus streift.(HYAKUJO SHINGI) erwachsen. daran zu erinnern. Das Licht. Anmut des Geruchs. tönt harmonisch mit dem Sieden des Eisenkessels über . Die allgemeine Atmosphäre des Teeraums soll diese Art Anmut rings um sich her verbreiten – Anmut der Berührung. unterläßt sie es nie. der hier waltet. das sie dem Räume zuführen. der verbrannt wird. Anmut der Behandlung und Anmut des Klangs. Und während die Zen-Bildung darauf ausgeht. die im ganzen Hergang der Teezeremonie sich ausspricht. daß die Welt. und für mein Gefühl bezeichnet diese ‹geistige Anmut› am besten die Haltung. Harmonie bezieht sich mehr auf die Form.

davon ausgeht. und dies ist Anmut des Geistes. daß sie einen so ungewöhnlichen Nachdruck auf die Anmut des Geistes legt. andern nicht zu widersprechen› – dies sind die ersten Worte. von dieser grundlegenden Tugend des japanischen Wesens uns zu entfernen. die in einer solchen Umgebung heranwachsen. Empfindsame Gemüter. ‹Das Wertvollste ist Anmut des Geistes. Es ist sehr bezeichnend. das Wesentlichste. nehmen notwendig etwas davon in sich auf. die Blüten haben in der Regel nicht starke. daß eine solche Ermahnung. im ganzen das einer liebenswürdigen Veranlagung. die der Prinzregent an seine Untertanen gerichtet hat. zeichnet sich durch eine große Milde der klimatischen und meteorologischen Bedingungen aus. Wenn auch Japan in der jüngsten Zeit als eine kriegerische Nation – und dies zu Unrecht – bekannt geworden ist. Und die Japaner haben guten Grund. Das liegt vor allem an dem reichlich in der Luft vorhandenen Wasserdunst. Die so in Duft gehüllten Berge. nur das Frühlingslaub ist vom frischesten Grün. In der Tat ist dies die früheste Äußerung der japanischen Gesinnung. das sie von ihrem eigenen Wesen hat. Wälder und Dörfer bieten ein sanft verschwebendes Bild. wirtschaftlichen und Rassefragen . mit denen die sogenannte ‹Verfassung in siebzehn Hauptpunkten› beginnt. politischen. der sie geschaffen hat. sondern gedämpfte und zarte Farben.dem Feuer zusammen. Allerdings sind wir imstande. zu der unser Volk nach Jahrhunderten der Zivilisation erwacht ist. die ihre Insel einhüllt. so ist doch das Bewußtsein. Sie enthält eine Art sittlicher und geistlicher Ermahnung. denn schon die physische Atmosphäre. So spiegelt die ganze Umgebung die Gesinnung des Menschen. dies zu glauben. Diese Verfassung ist von PRINZ SHOTOKU im Jahre 604 verfaßt. sobald wir mit den Schwierigkeiten der sozialen. was immer ihre politische Tragweite sein mochte.

Im Teekult ist von der Anmut des Geistes im gleichen Sinne die Rede. Um diesen Punkt noch deutlicher zu machen. Im allgemeinen sind wir zu ichsüchtig und voller Widerspruchsgeist. DOGEN nachzufolgen und die Bedeutung der Selbstlosigkeit oder Sanftmütigkeit richtig einzuschätzen. wie sie PRINZ SHOTOKU empfohlen hat. um den allgemeinen Frieden zu schaffen.› Sanftmütigkeit oder Zartgefühl bedeutet hier nichts anderes als Anmut des Geistes. und Zen ist uns darin zu Hilfe gekommen. Widerstreben bedeutet Reibung. Wo kein Ich ist. da ist die Seele sanft und setzt dem. Er meinte: ‹Nicht viel außer Sanftmütigkeit. Gegenwärtig haben manche das Cha-no-yu in eine bloße Gelegenheit verwandelt. so muß Sanftmut des Geistes das erste sein. Wir sind zu sehr Individualisten und unfähig. wie sie sind oder wie sie auf uns zukommen. keinen Widerstand entgegen. was von außen in sie einströmt. ein Buddhaland in seiner kleinen Gesellschaft zu schaffen. und Reibung ist die Quelle aller Unruhe. wurde er gefragt. er schenkt uns die Mittel. Als DOGEN (1200 – 1253) nach einem Zen-Studium von einigen Jahren aus China heimkehrte. Es ist so: Anmut des Geistes oder Sanftmütigkeit ist die Grundlage unseres Daseins auf Erden. Wenn der Teekult den Ehrgeiz hat. sei der ZenMeister TAKUAN hier angeführt. was er dort gelernt habe. Zen-Meister Takuan über den Teekult ‹Der Grundsatz des Cha-no-yu ist der Geist einer harmonischen Vereinigung von Himmel und Erde. die Dinge anzunehmen. Hier haben wir uns vor Ansteckungsgefahren zu hüten. Aber vom geistlichen Standpunkt aus wissen Christen und Buddhisten.in Berührung kommen. mit Freunden zu- . Das will keineswegs Unempfindlichkeit heißen.

des Aufblühens und Welkens hindurchgehen. daß wir in diesem Raum uns der Bäche und Felsen erfreuen wollen. Bäume und Blumen in uns aufwecken. Daneben bilden sie sich auf ihre elegant ausgestatteten Teeräume etwas ein. ein paar Blumen anbringen und das notwendige Teegerät ordentlich bereitstellen. Drinnen wollen wir Holzkohle schichten. Bäume und Gebüsche pflanzen. über weltliche Angelegenheiten zu reden und schmackhaftes Essen und Trinken zu genießen. Das . indem sie durch die Verwandlung der Jahreszeiten. so lauschen wir in Ruhe dem Sieden des Wassers im Kessel. Lasset uns also einen kleinen Raum in einem Bambusgebüsch oder unter Bäumen erbauen. und vergessen alle Qual und Sorgen der Welt. Und das alles wollen wir im Einklang mit dem Gedanken tun. wenn er durch die Kiefernadeln streift. die im praktischen Leben als Harmonie der Beziehungen sich auswirkt. umgeben von seltenen Kunstwerken. das gleich dem Wind klingt. einen Kessel aufs Feuer setzen.sammenzukommen. den Tee in der formvollendetsten Weise darreichen und derer spotten. in denen sie. so wie wir in der Landschaft die Flüsse und Berge genießen und den verschiedenen Stimmungen und Gefühlen uns hingeben. Allein das ist weit entfernt vom ursprünglichen Sinn des Cha-no-yu. Dann gießen wir einen Schöpflöffel voll Wasser aus dem Kessel und gedenken an die murmelnden Wellen im Bergbach – so wird aller Staub von unserer Seele abgestreift. des Erscheinens und DahinSchwindens. Wenn die Gäste hier mit der gebührenden Ehrfurcht begrüßt sind. rings umher aber Bäche und Felsen anlegen. Der Grundsatz der Schicklichkeit ist die Ehrfurcht. die nicht so geschickt wie sie selber sind. die Schnee und Mondschein. Hier ist dann wirklich eine Welt der Einsiedler und der Heiligen auf Erden.

Man darf sagen. nicht aber von kriechender Unterwürfigkeit sein. so wird er ihnen mit großer Hochachtung begegnen und kein Gefühl seiner eigenen Bedeutung aufkommen lassen. daß man den Geist einer selbstverständlichen und harmonischen Vereinigung von Him- . daß es sich frisch und bereit fühlt. zu antworten. der nickt. von der Anlage des Bauwerks bis zur Wahl der Teegeräte. bewirkt. Solange dies Beisammensein dauern mag. die gesellschaftlich unter ihm stehen. und ist auch die Geisteshaltung. im Vermeiden eines verwickelten Rituals und alles Prunkenden gesucht werden. das über alles Begreifen geht. Der Weg des Cha-no-yu also besteht darin. das ihn ganz durchweht und die harmonische Verbundenheit aller. dem Kochen der Speisen.ist der Ausspruch des K’UNG-TZE. die man trägt. hat die natürliche Anmut des Benehmens und bleibt immer aufrichtig – das heißt Cha-no-yu. Dann will es sich bei niemandem einschmeicheln. und so weiter. Wenn einer zum Beispiel mit Männern von hohem Rang zusammenkommt. und des Tseng-tze. so bleibt es immer vom Geist der Ehrfurcht beherrscht. der Art der Bedienung. wo er die Anwendung der Schicklichkeit erklärt. der Kleidung. hat kein Begehren. aber sie können so kräftig zum Herzen sprechen. Wer von solcher Gesinnung erfüllt ist. dem Wechsel der Jahreszeiten und der Landschaftsbilder. immer aufmerksam und achtungsvoll gegen die andern. Darum muß der Grundsatz. Denn es ist im Teeraum ein Etwas gegenwärtig. Die Gerätschaften mögen alt sein. die er hervorbringt. schwebe unsichtbar hier oder in anderen Worten das geheimnisvolle Wesen der Soheit. die man beim Chano-yu pflegen soll. der den Teeraum beseelt und formt. sondern ist frei von Übermut. Wenn er mit Leuten zusammensitzt. die ihn betreten. so wird sein Betragen schlicht und natürlich. der lächelt. der Sinn des Kassyapa.

und beide unterhalten sich mit gleicher Hochachtung über Dinge. Felsen und Bäume wie draußen in der Natur verwandelt erscheinen. Pflanzen und den sogenannten unbeseelten . die von der Gesellschaft künstlich um uns aufgerichtet sind. die beiden am Herzen liegen. beiseitezusetzen und bei guter Gelegenheit einen freien.mel und Erde begreift. das in der Feudalzeit sich durchgebildet hatte. Wenn sie hier eingetreten sind. Flüsse. Es ist ein tief eingewurzeltes Bedürfnis des Menschen. seine Mönche haben bei allen Klassen der Gesellschaft freien Zugang und sind bei allen zu Hause. Wie tief ist die Freude. Für Zen gelten in der Tat keinerlei irdische Rangunterscheidungen. haben die Maßstäbe der Welt sich in Wind verflüchtigt: das Knie des gemeinen Mannes berührt das des Adligen. an dem die Berge. Im engen Teeraum von zehn Fuß im Quadrat werden Gäste verschiedenen gesellschaftlichen Ranges ohne jeden Unterschied bewirtet. ist der Gedanke der Gleichheit und Brüderlichkeit im Volke lebendig geblieben. daß ein angeborenes Gefühl für die Gleichheit und Würde der Menschen im gesellschaftlichen Leben Japans immer bewahrt geblieben ist? Dem strengen Gefüge einer gesellschaftlichen Hierarchie zum Trotz. die alldurchdringende Gegenwart der fünf Elemente am stillen Herdplatz empfindet. die Schranken. ja sogar mit Tieren. daß man das erquickende Wasser aus dem Brunnen der Erde schöpft und mit dem eigenen Mund den Duft und Geschmack der Wesen in sich aufnimmt. natürlichen Umgang von Herz zu Herzen mit seinem Nebenmenschen zu pflegen. dies harmonische Einssein von Himmel und Erde zu spüren!› Die Aufhebung gesellschaftlicher Schranken bei der Teezeremonie Haben wohl der Teekult und Zen dazu beigetragen.

Diese Einsicht weckt in uns die Sehnsucht. Dies alles sind negative Tugenden. Bescheidenheit und Schuldgefühl. daß wir so gut wie jeder andere sind. seien sie leiblicher oder verstandesmäßiger. über uns selber hinauszugelangen und selbst mit einem Wesen in Berührung zu kommen. Unser Wesen ist voller Widersprüche: auf der einen Seite fühlen wir. das in jeder denkbaren Hinsicht im Gegensatz zu uns selber steht. anderen nicht wehe zu tun. wenn sie aber zu sich selbst zurückkehrt. positiv gewendet leiten sie uns zur Ehrfurcht und zum Wunsche. bei der alle Engel zum Lobgesang sich vereinen. ist einer so gut wie der andere. wenigstens vom Standpunkt der Gesellschaft aus. Die Sehnsucht lenkt unsere Seele zu einem Gegenstand außerhalb von uns. so ist es ein Begreifen der eigenen Unwürdigkeit. Ehrfurcht als Wesenszug des Zen Ehrfurcht ist nach Grund und Wesen ein religiöses Gefühl – das Gefühl für ein Wesen. wenn er von der harmonischen Vereinigung von Himmel und Erde spricht. und niemand hat Anspruch auf ganz besondere Ehrfurcht.Wesen. Unter den heutigen demokratischen Verhältnissen. eine Einsicht in die eigenen Beschränkungen. gleichzeitig aber haben . das höher ist als wir armen sterblichen Menschen. Ohne Zweifel meint TAKUAN dies. Dieses Gefühl wird später erst auf die gesellschaftlichen Beziehungen übertragen und entartet schließlich zu bloßem Formenwesen. Darum heißen wir jeden Anlaß zu solcher Selbstbefreiung willkommen. Allein wenn man auf den ursprünglichen Sinn dieses Gefühls zurückgeht. so verwandelt sie sich in Selbstverleugnung. sittlicher oder geistiger Natur. mögen sie auch in manchen Teilen der Welt erst ganz neuerdings sich Geltung verschafft haben.

Zen kennt die Ehrfurcht. der im wesentlichen der Begründer des modernen Teekults gewesen ist. ‹der andern nie wehe tut›. das heißt in der innersten Kammer unseres Wesens ganz allein mit uns selber sind. daß jeder andere besser sei als wir selber – eine Art Minderwertigkeitskomplex. wenn wir ganz aufrichtig gegen uns. denn eines Tages widmete er RIKYU bei einer seiner Teegesellschaften folgende Verse: 29 Saddharma-pundarika Sutra. das uns zur Selbsterniedrigung gegen andere antreibt. nicht irgendeine vorgeschriebene Einstellung oder die äußere Form ihrer Gebärde. und mögen sie andern noch so bestechend scheinen. Es vergißt nie. alle die wilden Blumen des Feldes. Grandiosen und Pomphaften strebte. Was Zen wie jedes andere Tun fordert. die frei von allen äußeren Fallstricken. Zen mag alle geheiligten Standbilder im Tempel verbrennen. Im Mahayana-Buddhismus29 gibt es einen Bodhisattva Sadhaparibhuta. TOYOTOMI HIDEYOSHI war zu seiner Zeit der große Beschützer des Teekults und ein Bewunderer SEN-NO-RIKYUS (1521 – 1591). Obgleich er immer nach dem Aufwühlenden. S. englische Übersetzung von KERN. Vielleicht. 356. um sein eigenstes Dasein zu retten als die Wahrheit. ist die Wahrhaftigkeit des Herzens. lebt hier ein Gefühl. allen den Buddhas der dreitausend Welten darzubringen. um in einer kalten Winternacht sich Wärme zu schaffen. denn es kennt auch das Wehetun. in sich selber besteht. Auf jeden Fall liegt ein tief religiöses Verhalten des Herzens in der Ehrfucht. scheint er doch am Ende etwas vom Sinn des Teekults begriffen zu haben. die seine eigene köstliche Botschaft enthält. . einen windzerzausten und schmutzbefleckten armseligen Grashalm anzubeten. so wie sie sind.wir ein angeborenes Mißtrauen. so wie ihn RIKYU und seine Nachfolger pflegten. Zen mag die ganze Schrift zerreißen. Aber Zen versäumt nie.

‹Bereite den Tee mit Wasser. denken wir an den Tod. und wenn wir sterben. Dann wird es wahres Cha-no-yu heißen. geboren zu werden. lenken es ab und zerstreuen unsern Willen. RIKYU lehrt: ‹Die Kunst des Cha-no-yu besteht einfach darin. geschöpft aus des Herzens Tiefe. Tee zu bereiten und ihn zu schlürfen. das tief aus dem Brunnen des Herzens geschöpft wird.› HIDEYOSHI war in vieler Hinsicht ein rauher und grausamer Despot. sondern viele Dinge fließen mit hinein. die uns erröten machen. ihn für seine politischen Zwecke zu nutzen. unser Gehirn. Wollte man das Teewasser . die gar nirgendwo anders hinfließen können als in die Tiefe unseres Unbewußten. wenn er von dem Wasser sprechen kann. verlangen wir zu leben. so fließt nicht Wasser allein in sie. zu heiraten und Kinder auf die Welt zu bringen und am Ende ins Unbekannte wieder dahinzugehen. Dessen Grund unermeßlich ist. zu essen und zu trinken. Nichts kann einfacher aussehen als dies Leben zu leben. Man kann ebensogut sagen: Das Leben des Menschen besteht darin. Seine Verse zeugen vom Geist der Ehrfurcht. Dinge. das keine Reue hinterläßt. Aber wie viele von uns sind imstande. der ganz auf die gegenwärtige Aufgabe gesammelt sein sollte. gute und schlechte. beschäftigen so manche andere Dinge. nicht nur die Absicht. Solange wir eine Sache zu tun haben. oft völlig fremde und meist ganz belanglose. sondern unbedingt auf Gott allein vertraut? Solange wir leben. Dinge. aber in seiner Liebe zum Teekult dürfte doch etwas Echtes und Aufrichtiges liegen. Wasser zu kochen. wenn man es so auffaßt. diese Art tief wahrhaften oder besser gottberauschten Lebens zu führen.› Das ist allerdings einfach genug. Wenn wir Wasser in die Schale gießen.

untersuchen, so würde es allen Schlamm enthalten, der den Strom unseres Bewußtseins verwirrt und befleckt. Die Kunst ist vollkommen erst, wo sie aufhört, Kunst zu sein, das heißt, wenn sie die Vollkommenheit des Kunstlosen erreicht, wenn die innerste Wahrhaftigkeit unseres Wesens sich ausspricht – und das ist der Sinn der Ehrfurcht im Teekult. Ehrfurcht bedeutet also Wahrhaftigkeit oder Einfalt des Herzens.

Teekult als geistige Übung: Wichtigkeit der Reinheit ‹Reinheit› als unentbehrliches Element im Geist des Teekults kann man als den Beitrag der japanischen Sinnesart ansehen. Reinheit bedeutet Sauberkeit oder auch geordnetes Wesen, wie man es in allem und jedem beobachten kann, das mit dem Kult zusammenhängt. Frisches Wasser fließt in Fülle durch den Roji-Garten, und wo kein laufendes Wasser erreichbar ist, da steht beim Eingang ein steinernes Wasserbecken. Der Teeraum selber ist fleckenlos rein – das braucht man kaum zu erwähnen. Die Reinheit im Teekult kann uns auch an die taoistische Lehre von der Reinheit erinnern. Es liegt hier ein gemeinsamer Zug, denn das Ziel der Bemühung ist in beiden Fällen die Befreiung des Herzens von den Befleckungen der Sinne. Ein Teemeister meint: ‹Der Sinn des Cha-no-yu ist die Reinigung der sechs Sinne von allem Unreinen. Betrachtet man das Kakemono (Hängebild) im Tokonoma (Bildnische) und die Blume in ihrem Gefäß, so wird das Sehen gereinigt. Atmet man den Weihrauchduft ein, so wird der Geruchssinn gereinigt. Lauscht man dem Sieden des Wassers im Eisenkessel und dem Tröpfeln des Wassers aus dem Bambusrohr, so wird das Ohr gereinigt. Schmeckt man den Tee, so wird der Mund gereinigt.

Und berührt man die Teegeräte, so wird der Tastsinn gereinigt. Wenn alle Sinnesorgane auf diese Weise gereinigt sind, so ist das Bewußtsein selber von Befleckung gereinigt. Der Teekult ist vor allem eine geistige Übung, und jede Stunde des Tages geht mein Bestreben dahin, vom Geist des Teekults nicht abzuweichen, denn dieser zielt keineswegs auf bloße Unterhaltung.30› In einem von RIKYUS Gedichten heißt es: ‹Wenn Roji uns einen Durchgang bedeutet, Der über dies Erdenleben hinausführt, Wie kommt’s, daß die Menschen nur danach trachten, Den Staub des Herzens auf ihn zu streuen?› Hier wie in den folgenden Gedichten spricht er von seinem eigenen Seelenzustand, wenn er friedlich aus seinem Teeraum Umschau hält: ‹Im Hof liegen rings noch Die abgefallenen Nadeln Der alten Kiefer. Kein Staub ist aufgewühlt, Und still ist mein Herz.› ‹Der lichte Mond Hoch oben am Himmel Blickt über den Dachrand, Schaut auf ein Herz, Das keine Reue trübt.›
30

Von NAKANO KAZUMA im Hagakure.

In der Tat, nur ein Herz, das rein, heiter und frei von störenden Leidenschaften ist, kann die Einsamkeit des Absoluten genießen. ‹Der schneebedeckte Bergpfad, Der um die Felsen sich windet, Hat sein Ende gefunden. (Hier steht eine Hütte, Ihr Herr ist ganz einsam.) Er hat keine Gäste Und wartet auf keinen.› In einem Buche mit dem Titel Nambo-Roku, einem der allerbedeutendsten, ja heiligen Texte des Teekults, findet man folgende Stelle, die darauf hinweist, daß der höchste Sinn des Kults die Verwirklichung eines Buddhalandes der Reinheit auf Erden ist, sei es auch in noch so bescheidenem Maßstab, und die Vereinigung einer idealen Gemeinschaft in demselben, sei die Versammlung auch noch so vorübergehend und seien es auch nur wenige, die an ihr teilnehmen. ‹Der Geist des Wabi bedeutet, daß ein Buddha-Land der Reinheit gebildet wird, das frei von jeder Befleckung ist. Darum darf in diesem Roji und in dieser strohgedeckten Hütte kein Fleckchen Staub von irgendeiner Art vorhanden sein. Herr und Gäste müssen beide unbedingt aufrichtig gegeneinander sein. Keine weltliche Vorschrift von Rang, Rücksicht und Sitte darf hier gelten. Ein Feuer wird angefacht, Wasser wird gekocht und Tee wird gereicht – das ist alles, was es braucht, sonst hat die Welt hier gar nichts zu suchen. Was wir hier wollen, das ist einfach: dem BUDDHA-Herzen den reinsten Ausdruck geben. Wo man auf Zeremoniell und Brauch und dergleichen Dinge Wert legt, da schleichen sich weltliche Rücksichten mancher

Art ein, und Herr und Gäste sind leicht geneigt, einander gegenseitig zu bemängeln. Deshalb wird es immer schwieriger, Menschen zu finden, die den ganzen Sinn des Teekults begreifen. Wäre CHAOCHOU31 unser Wirt und der erste Zen-Patriarch BODHIDHARMA der Ehrengast, und dürften dann RIKYU und ich selber den Staub im Roji zusammenkehren – wäre das nicht eine wahrhaft glückliche Versammlung?› Man sieht, wie tief durchdrungen vom Zen-Geist dieser Ausspruch eines der Hauptschüler RIKYUS ist.

‹Sabi› und ‹Wabi› als Elemente des Teekults Als viertes Element der Teekults wird Sabi oder Wabi aufgeführt. Der Erklärung dieses Begriffs soll ein besonderes Kapitel gewidmet sein. Denn in Wahrheit ist dies der wesentlichste Faktor, der den Kult bestimmt, ohne ihn kann überhaupt kein Cha-no-yu, sei es wie immer, bestehen, und mit diesem Grundgedanken tritt auch Zen in eine noch tiefere Beziehung zu ihm. Ich habe oben den Ausdruck ‹Stille› für das vierte Element gewählt, das den Geist des Teekults ausmacht, aber dies ist vielleicht nicht das rechte Wort für alles das, was in dem chinesischen Zeichen Chu enthalten ist. Chu heißt im Japanischen Sabi, aber Sabi bedeutet viel mehr als nur Stille. Sein Äquivalent im Sanskrit, Santi, heißt allerdings Stille, Friede, Heiterkeit, und Chu wird im buddhistischen Schriftwesen oft verwendet, um Tod oder Nirwana zu bezeichnen. Allein wo das Wort im Teekult gebraucht wird, deutet es eher in die Richtung von Armut, Einfachwerden, Einsamkeit, und
Ein alter chinesischer ‹Nimm eine Schale Tee!›.
31

Zen-Meister,

berühmt

für

seinen

Ausspruch:

aber in Sabi wie in Wabi liegt ein Hinweis auf etwas Objektives. die man als Wabi bezeichnet. Wabi oder Sabi kann man daher als eine ästhetische Wertschätzung der Armut definieren. Und Wabi ist nicht einfach eine seelische Reaktion auf eine bestimmte Form der Umgebung. Ein chinesischer Dichter verfaßte einmal folgende Verse: ‹In den Wäldern drüben tief unter der Last des Schnees Sind letzte Nacht ein paar Pflaumenzweige aufgeblüht. ein Schüler IKKYUS und der Teemeister YOSHIMASAS. pflegte seine Jünger mit folgender Geschichte über den Geist des Teekults zu belehren. Wabi auf den Lebenszustand. kann man sagen. Um Armut zu schätzen oder alle Schickung einfach hinzunehmen. statt ‹ein paar Zweige› ‹ein Zweig› zu schreiben. der in der Regel mit Armut oder Mangel oder Unzulänglichkeit verbunden ist. und wo dieses fehlt. bedarf es eines stillen Gemüts.› Als er sie seinem Freunde zeigte. Es steckt ein ästhetisches Prinzip darin. So wie heute diese Ausdrücke gebraucht werden. Nur eben stille sein. Sabi beziehe sich mehr auf die einzelnen Gegenstände und die Umgebung als Ganzes. Der Dichter folgte dem Rat und pries den Freund als seinen ‹Ein-Zeichen-Lehrer›. Wenn es als künstlerisches Prinzip verwendet wird. da wird Armut zur Armseligkeit und Einsamkeit zur Verbannung oder zu unmenschlicher Ungeselligkeit. das Gefühl von Wabi oder Sabi zu erwecken. bedeutet es die Schaffung oder Nachbildung einer Umgebung mit der Absicht. Es muß immer etwas Gegenständliches vorhanden sein. ist weder Sabi noch Wabi.Sabi wird hier gleichbedeutend mit Wabi. riet ihm dieser. SHUKO. Ein einsamer Pflaumenzweig voller Blüten inmitten der schneebedeckten Wälder – dar- . das eine Stimmung erweckt.

› Äußerlich ist nichts Besonderes zu entdecken. man versucht zu prüfen. Wabi bedeutet Treue gegen sich selbst. Der unschätzbare Inhalt muß auf die echteste Weise vorhanden sein. von seinem Gespräch und seiner Bewirtung gleich entzückt. Ein Leben in Wabi kann also auf diese Weise definiert werden: unaussprechlich stille Freude. das heißt seine Wahrhaftigkeit gegen sich selber. wenn man ein edles Roß in einem strohgedeckten Stall entdeckt.› Das erinnert an die Zen-Redeweise: ‹Ein zerlumptes Mönchsgewand mit einem kühl erquickenden Wind füllen. und der Besucher genießt einen friedlichen Nachmittag. tief unter lauter Armut versteckt. Das Gold aber bleibt immer das gleiche. als wäre er gar nicht vorhanden. man tritt näher. wo hier auch nur eine Spur von Unwahrhaftigkeit sich einschleicht. und siehe da: eine Mine reinen Goldes schimmert aus dem Unerwarteten hervor. der in jedem Fall unschätzbar ist.in liegt die Idee des Wabi. Bei einer anderen Gelegenheit soll SHUKO diesen Ausspruch getan haben: ‹Es ist schön. ob es entdeckt wird oder nicht. aller Schein spricht gegen den Inhalt. hier sei etwas Außergewöhnliches. ist das Ganze zerstört und verloren. ein Freund tritt unerwartet ein. Ebenso ist es besonders schön. er muß da sein. Ist das nicht wahrhafter Teekult? . wenn man ein seltenes Kunstwerk in einem bescheiden eingerichteten Raume findet. Im Anfang darf man gar nicht auf den Gedanken kommen. ein frischer Blütenzweig aufgesteckt. Tee wird bereitet. er muß fast wie zufällig entdeckt werden. dann spricht ein gewisses Etwas uns an. jenseits von allem Zufall. Ein Meister lebt still in einer anspruchslosen Hütte. Es behält seine Wirklichkeit. Der Teekult versucht diese Idee künstlerisch auszudrücken. In dem Augenblick allerdings.

jetzt von müßiger Unterhaltung zu reden? Wir müssen zuerst Brot haben und einen kürzeren Arbeitstag. sondern nur dafür. bescheiden und ständig bemüht. damit die innere Angst und Sorge für kurze Zeit erstickt werde. die schönsten nur denkbaren Paläste voller Gold. es ist nicht unsere Bestimmung. In Wahrheit ist Omikami die Sonnengöttin der japanischen Mythologie. Er ist wahrlich ein höchst trefflicher Teemeister gewesen. in unseren bekümmerten und geängsteten Herzen ist kein Raum mehr.Nebenbei mag einer die Frage einwerfen: ‹Wie viele von uns sind denn in der heutigen Zeit in einer solchen Lage wie der Teemeister? Ist es nicht unsinnig. der ein Leben des Wabi führte. Dazu war er in jeder Weise bedürfnislos. ob das Leben zum Genuß von Muße und Bildung oder zum Suchen nach Vergnügungen und aufreizenden Erregungen da ist. und keiner durfte deshalb ein unrechtes Wort über ihn sagen.› In Wahrheit aber haben wir sogenannte moderne Menschen zuerst den Sinn für Muße verloren. der Verfasser scheint sie hier als männliche Gottheit anzusehen. das Leben wirklich zu genießen. Die Hauptfrage ist. daß wir uns selber dauernd zu Sklaven unserer materiellen Bedürfnisse und Bequemlichkeit hergeben. Ich hoffe. Ein anderer Teemeister schreibt: ‹In Amaterasu Omikami32 nimmt der Geist des Wabi seinen Anfang. Aufregungen um der Aufregung willen nachzulaufen. da er ein Leben des Wabi geführt hat …› Es ist bemerkenswert. Silber und kostbarer Steine zu errichten. Ist diese Frage entschieden und ist es dann nötig. daß dieser Schriftsteller Amaterasu Omikami als das Vorbild des Teemannes ansieht. so laßt uns ruhig die ganze Mechanik des modernen Lebens verneinen und ein neues beginnen. und dennoch lebte er in einer schilfgedeckten Hütte und nährte sich von ungesäubertem Reis. Als dem großen Herrscher seines Landes stand es ihm frei. 32 . Dies zeigt aber.

sondern einfach ein armer Kerl. sein Unglück. . Aber dann brütet er nicht über seine traurige Lage. Weit entfernt! Wabi bedeutet tatsächlichen Mangel. Dann strebt er nach nichts. was zu Wabi gehört. Er erklärt Wabi für das Wesen des Teekults. dem es schlecht geht. tatsächlich nicht in der Lage sein. hier sei wirklich Wabi lebendig. ja.wie der Teekult die ästhetische Wertschätzung ursprünglicher Einfachheit bedeutet. Sie geben viel Gold und Silber dafür aus. angemessen ist. sein Entbehren. es zum Erfolg zu führen – das ist Wabi. die wir fast alle in der Tiefe unserer Seele empfinden. Die wirklich begriffen haben. was Wabi ist. Solche Leute erbauen sich einen Teeraum. und von ihm könnte man sagen. auch wenn er nicht genug besitzt. sich selber genug zu sein. solange das Innere nicht irgendwie mit ihm übereinstimmt. der scheinbar allem. was nicht leicht erreichbar ist. Aus diesen Darlegungen wird der Begriff Wabi vielleicht deutlicher werden. Mit anderen Worten: dieser Kult ist der ästhetische Ausdruck einer Sehnsucht. weil er sich für unfähig hält. der Sehnsucht nach einer Heimkehr zur Natur. JOTAN war ein Enkel RIKYUS. nach dem Einssein mit der Natur selber. Dann meinen sie. das dem sittlichen Leben des Buddhisten entspreche: ‹Es wäre in Wahrheit ein großes Mißverständnis. kaufen seltene Kunstwerke und verkaufen ein Landgut dafür – und das alles nur. Wenn einer wirklich von seinem Weltleben absteht. tatsächlich ein Leben der Armut und des Verachtetseins. um ihren Gästen Eindruck zu machen. daß er in beschränkten Verhältnissen lebt. Dann hat er gelernt. er habe das echte Wabi-Leben begründet. soweit unsere Lebensweise sie uns gestattet. Dann weiß er gar nichts mehr davon. Dächte er aber immer noch an seine Armut. so wäre er kein Wabi-Mensch mehr. wollte man Wabi nach außen zur Schau stellen. sich jeden Wunsch zu erfüllen.

So entspricht Wabi dem sittlichen Paramita (Vollkommenheit) der Buddhisten …› In Wabi ist das Ästhetische mit dem Sittlichen und Geistigen verschmolzen. Trägheit. In der Tat haben die meisten alten Teemeister Zen mit großem Ernst studiert und die Erkenntnis. in dem man ein wenig Zeit findet. ihr Begreifen durch die Form des Teekults in die Praxis umzusetzen. ist sie doch ein Entrinnen. Religion kann zuweilen als ein Weg definiert werden. aber da es zu tief ins Jenseitige reicht und für gewöhnliche Geister unzugänglich bleibt. Heftigkeit. Wenn man Wabi erklärt. die am Leben gescheitert sind. so haben die Teemeister. Wahrscheinlich hat zum guten Teil ihr ästhetisches Bestreben sie auf diesen Weg geführt. Gelehrte mögen dagegen einwenden. Zorn. um dem Unsinn des Weltlebens zu entrinnen. die Zen studierten. wie es oben geschehen ist. und aus diesem Grund erklären die Teemeister ihren Kult für das Leben selbst und nicht bloß für ein Vergnügen. auf die Teekunst angewendet. Allein. sondern über das Leben hinausgelangen und das Unbedingte oder Unendliche erfassen. daß er nicht zu gegebener Zeit einmal irgendeine Art von Arznei oder Kräftigungsmittel nötig hätte? Sodann ist es einem jeden von uns bestimmt. aufzuatmen und zu sich selber zu kommen. die sie darin erreicht haben. daß er dahinscheiden . Unruhe und Torheit. Aber wer unter uns ist wirklich so gesund. Auf diese Weise ist Zen direkt mit dem Teekult verknüpft. wahre Religion wolle nicht dem Leben entfliehen. Wabi sei mehr oder weniger eine negative Eigenschaft und die Freude daran sei für Leute gemacht. und sei es noch so verfeinert. wenn man es praktisch nimmt. den Weg gefunden.sind frei von Gier. mag der Leser annehmen. Auch Zen als geistliche Übung hält es nicht anders. Das ist bis zu einem gewissen Grade richtig.

Sie erfuhr in der Tokugawa-Zeit eine große Entwicklung. wenn sie mit höchster Bereitschaft ihren Kriegsgeschäften oblagen. Wie ist das möglich? Einfach deshalb. Ich möchte mich hier auf die Literatur beschränken. der körperlich und geistig in voller Kraft steht. das Gedicht in siebzehn Silben. nie mit dem Gedanken an eine andere Lebensweise sich vertraut gemacht hat. In den früheren Zeiten voller Kriege und Unruhen haben die japanischen Kämpfer. so fühlten sie sich nicht nur an Leib und Seele erfrischt. sondern es waren ihnen höchstwahrscheinlich manche Dinge wieder ins Gedächtnis gerufen worden. und dessen Sinnbild war der Teeraum. wenn er von seinem Geschäft sich zurückzieht. bekannt ist. besonders auf jene Form der Literatur. So zogen sie sich auf eine Weile in den stillsten Winkel ihres Unbewußten zurück. Ihnen muß der Teekult genau das gegeben haben. daß sie ihren Nerven nicht immer die äußerste Wachsamkeit und Anspannung zumuten konnten und deshalb irgendwo und irgendwann einmal einen Weg des Entrinnens nötig hatten. insbesondere seit dem Auftreten BASHOS (1643 – 1694). klar erkannt. solange er mitten in der Arbeit stand. Diese kürzeste denkbare Form dichterischer Äußerung ist eine eigene Schöpfung des japanischen Genius. nicht mehr als zehn Fuß im Quadrat groß. was sie brauchten. einen Teil seiner Kraft zurückzuhalten. Basho und die Haiku-Dichtung Sabi ist in der Landschaftsgärtnerei und in der Teezeremonie ebenso festzustellen wie in der Literatur. Man kennt den so häufigen psychologischen Fall des tätigen Geschäftsmannes. die bleibender und wertvoller sind als der bloße Kampf.muß. die als Haiku. . weil er nicht gelernt hat. das heißt. Und wenn sie wieder heraustraten. aber plötzlich zusammenbricht.

soweit wir können. wird restlos erklärt. Er verbrachte sein Leben auf Reisen von einem Ende Japans zum andern. ein Rohrstock und eine Baumwolltasche waren dem Dichter genug. verschwindet das Dichterische. Wo die Wissenschaft regiert. nackten Tatsachen ins Auge zu sehen. Wo der Wüstensand sich ausdehnt. daß sie der Ahnung keinen Raum läßt. das ihm gefiel. daß es damals noch keine Eisenbahnen gab. alles wird bloßgelegt. siebzig oder achtzig Jahren ist uns vergönnt. ein leidenschaftlicher Naturfreund gewesen – eine Art Minnesänger der schönen Erde. damit wir den Schleier des Geheimnisses lüften. und was zu sehen ist. das auf der Reise entsteht. Wir sind gelehrt worden. allein ein gewisses Gefühl der Einsamkeit. da zieht die Phantasie sich zurück. wo es keine Geheimnisse gibt. . Man mag diese Feststellung sentimental schelten. denn das Leben ist schließlich auch eine Reise von einem Unbekannten zum andern. hier und da in einem Dörfchen zu verweilen. Ein Zeitraum von sechzig. so geht sein geistiger Sinn verloren.BASHO ist ein großer wandernder Dichter. Dichtung und Haiku aber gedeihen offenbar nicht. Ein Strohhut aus Bambus. Durchjagen wir zu eilig diesen Zeitraum. Der Fehler an der Wissenschaft ist es. um seine Wanderschaft anzutreten. führt den Menschen zum Nachdenken über den Sinn des Lebens. Wo uns keine Weichheit verbleibt. Der moderne Geist wissenschaftlicher Analyse läßt kein Geheimnis unentschleiert. Es war ein Glück. und sei er noch so kurz. Wird das Reisen zu leicht und bequem gemacht. und jedes Abenteuer zu genießen – wahrscheinlich zumeist nur die Mühen und Entbehrungen dieser einfachsten Reiseart. Die modernen Bequemlichkeiten sind für die Dichtung anscheinend nicht förderlich. gibt es kein Grünen und Wachsen mehr. daher ist unser Herz verknöchert. In den Tagen BASHOS war das Leben noch nicht so nüchtern und bedrückt.

und meine Waden mit Moxa (Punktiermethode) behandelt. sieht man aus einer der Vorreden zu seinen Reisetagebüchern: ‹Sonne und Mond33 sind ewige Wanderer. Es war mir. Vor alters gab es viele. ebenso die Jahreszeiten. Mein Herz war erfüllt von dem Mondlicht. der ganze Satz will besagen: ‹Die Zeit entflieht und reißt uns mit sich fort. aber einst ergriff mich die Sehnsucht nach einem wandernden Dasein. für solche Leute ist Reisen das tägliche Brot und ist wirklich ihre wahre Heimat. So hielt mich der Gedanke besessen. brach meine Wanderlust wieder gewaltsam hervor. und seit dem letzten Herbst ließ ich für eine Weile in einer gebrechlichen Hütte am Fluß mich nieder. Mein Herz hatte keinen Frieden mehr. Ich kann mich nicht mehr entsinnen. Die alten Spinnweben wurden ausgefegt und die Unterkunft ein bißchen wohnlich gemacht. und ich ergab mich dem Los einer einsamen Wolke. die Schnüre am Reisehut erneuert. die auf der Wanderschaft starben. dessen Versuchung ich nicht widerstehen konnte. Was für eine unwiderstehliche Wanderlust BASHO beseelte. die kommen und gehen. jahraus und jahrein. Wer sein Leben auf dem schwimmenden Boot verbringt und wer im Sattel der Pferde alt wird. das mich bald in Matsushima grüßen sollte. Schleunigst wurden die Gamaschen geflickt. die im Winde dahintreibt.› ‹Sonne und Mond› bedeutet hier die Zeit. Dann überließ ich die Hütte einem Freund und brach auf zur Wanderschaft nach dem Norden.so bleibt uns das Gefühl der ewigen Einsamkeit verloren. Eine Zeitlang verweilte ich am Ufer des Meers. das Grenzland von Shirakawa unter dem dunstigen Himmel des kommenden Frühlings aufzusuchen. wann es war. als wäre ein übernatürliches Wesen hinter mir her. Doch als das Jahr zu Ende ging.› 33 .

Nachdem er seine Laufbahn als Krieger am Kaiserhof aufgegeben hatte. Seine Stimmung ist die der Natur. doch liegt darin nicht das Gefühl des Verlorenseins oder das drückende des Alleinseins. wenn die Vögel müde vom Tag ihren Weg heimwärts suchen. Ich weiß nicht mehr. wer es gemalt hat. lautet: ‹Der windverwehte Rauch des Fuji. sondern die Ergriffenheit vom Geheimnis des Absoluten. ein Mann der Kamakura-Zeit. aber das Bild regt mancherlei Gedanken an. die Flüsse durchsichtiger. und am Abend. besonders an die geheimnisvolle Einsamkeit des Menschendaseins. Die Bäume werden kahl. der zum Fuji emporblickt. Zu Beginn des Herbstes. So singt BASHO: .BASHOS Vorläufer war SAIGYO (1118 – 1190). Er war buddhistischer Mönch. Fern schwindet er hin! Wer weiß das Los Meiner Gedanken. die mit ihm schweben?› BASHO war kein buddhistischer Mönch. die Berge scheinen dunkler und strenger. war sein Leben ganz dem Reisen und Dichten geweiht. aber ein Jünger von Zen. sinnt der einsame Wanderer über das Los des Menschen. ist die Natur die Verkörperung der ewigen Einsamkeit. Wer einmal Japan besucht hat. Das Gedicht SAIGYOS. der hat sicher irgendwo das Bild eines Mönchs im Wanderkleid gesehen. das hier illustriert wird. wenn hier und da ein Regenschauer einsetzt. Auch er war ein wandernder Dichter.

Wie nun BASHO von seinem Meister über die letzte Wahrheit der Dinge befragt wurde. Hier ist die Quelle des Lebens erfaßt.› Wir brauchen nicht alle Asketen zu sein. der Künstler sitzt da und achtet auf jede Stimmung seiner Seele. da sah er einen Frosch in den alten Teich hüpfen. Vor BASHO war das Haiku fast nur ein Spiel mit Worten gewesen und hatte die Beziehung auf das Leben verloren. aber ich möchte glauben. und das Ergebnis sind die vielen Gedichte von siebzehn Silben. wie das klatscht!› Man sagt. besuchte ihn dieser einmal und fragte: ‹Wie geht es dir so in der letzten Zeit?› BASHO: ‹Nach dem letzten Regen ist das Moos grüner als je. und ein Aufklatschen unterbrach die Stille. damit habe eine neue Epoche in der Geschichte der Haiku-Dichtung begonnen. Ein anderes seiner Haiku lautet: . Horch. Als BASHO noch unter seinem Meister BUCCHO Zen studierte. wo die Seele ihr eigenes Schicksal in der Stille betrachten kann. die er uns hinterlassen hat. die ringsum war. es lebe in jedem von uns eine ewige Sehnsucht nach einer Welt jenseits dieser Relativität der Erfahrung.› BUCCHO: ‹Welches Buddhawesen ist älter als das grüne Moos?› BASHO: ‹Ein Frosch springt ins Wasser. die noch vor dieser Welt der Sonderungen bestand. die mit dem fortwährenden Werden der Welt um ihn her sich wandelt.‹Ein Wanderer – So will ich heißen – Das ist Regen im Herbst.

befällt uns Schweigen. wozu ist dann so ein Bild überhaupt entworfen worden? Vielleicht würde . Manche Künstler gehen darin sogar so weit. denn Worte können es nicht mehr sagen. behaupten sie. es ist ihnen vollkommen gleichgültig. Ein Rabe hockt darauf – Das ist Abend im Herbst. Man braucht kein ellenlanges Gedicht von vielen hundert Versen zu machen. um dem Gefühl Ausdruck zu geben. je eher man sie mißversteht. so bliebe kein Raum für das Suggestive. die auf dem dürren Baumzweig kauert. oft ganz anders als der Künstler sie ursprünglich gemeint hat. die mehr oder weniger vom Zen-Weg berührt sind. mögen Vögel oder Berge oder Menschen oder Blumen oder was immer sein. ihre Gefühle mit möglichst wenig Worten oder Pinselstrichen auszudrücken. desto besser.› Einfachheit der Form bedeutet nicht immer Alltäglichkeit des Gehalts.‹Ein entlaubter Zweig. das solch ein Blick in den Abgrund aufweckt. auf welche Weise ihre Pinselstriche vom Betrachter ausgelegt werden. Würden sie zu ausführlich ausgesprochen. und durch jedes von ihnen können wir einen Blick in den Abgrund werfen. Auch siebzehn Silben sind vielleicht noch zu viel. Das ist in der Tat ein extremer Standpunkt. Auf jeden Fall streben die japanischen Künstler. Wenn das Gefühl seine höchste Steigerung erlebt. und eben dies Suggestive ist das Geheimnis der japanischen Künste. daß es gleichgültig wird. Die Striche oder Flecken mögen irgendeine Naturerscheinung bezeichnen. Es liegt ein großes Jenseits in der einsamen Krähe. Flecken und Flächen von verschiedenen Augen verschieden aufgefaßt werden. Denn wenn ihre Striche. Alle Dinge sind aus dem unbekannten Abgrund der Geheimnisse hervorgekommen.

sie tun nur einen Zug mit dem Pinsel. freilich nicht im modernen Sinn einer Erhöhung der Lebensbequemlichkeit. Sie wollten durch ihre Pinselzüge etwas andeuten. Felsen und Wassern. denn diese erscheint uns als Ursprung und Endziel alles künstlerischen Bemühens. wie es manche nennen). Ist das wirklich der Fall? Wir mögen noch so weit fortgeschritten sein in der ‹Zivilisation›. richtig erfaßt und gewürdigt wird. liegt keine Kunst darin. Oder wenn Kunst darin liegt. so streben wir doch immer nach Kunstlosigkeit. das heißt in der Verkünstelung. was hier als Geist des Ewig-Einsamen bezeichnet wurde. Ein Leben des Fuga geht von der Gleichsetzung und Einswerdung des eigenen Ich mit dem schöpferischen und künstlerischen Geist des Weltganzen aus. Fuga bedeutet im allgemeinen ‹Verfeinerung des Lebens›. was sie innerlich stark bewegt hat. ist es vielleicht eine sehr primitive. der ein Werk beseelt. nicht aber das Streben nach materieller Annehmlichkeit oder erregendem Genuß. . Nach BASHO ist das. Es bedeutet die wunschlose Freude am Leben und der Natur. Sie wußten vielleicht selber nicht. wie sie ihrer inneren Bewegung einen artikulierten Ausdruck geben sollten.› Jedenfalls ergibt sich daraus. da haben wir das innerste Wesen von Sumi-ye und Haiku. Wieviel Kunst ist hinter der scheinbaren Kunstlosigkeit der japanischen Kunst verborgen! Voller Bedeutung und Suggestivkraft und doch vollkommen kunstlos – wo der Geist des Ewig-Einsamen so sich ausspricht. denn wenn sie es tun.der Künstler hier bemerken: ‹Wenn nur der Geist. bedeutet die Sehnsucht nach Sabi oder Wabi. Regen und Mond. Ein Mensch des Fuga findet daher seine wahren Freunde in Blumen und Vögeln. Sie stoßen nur einen Schrei aus. Das ist vielleicht nicht Kunst. der Geist des Fuga (oder Furyu. daß die ostasiatischen Künstler der bloßen Form gleichgültig gegenüberstehen.

Das Wort als Ganzes bedeutet: ‹ein alter Mönch auf der Wanderschaft. lebt ein Etwas. Ist damit wohl ein dünnes. wird zum Freund der vier Jahreszeiten. dann wird er durch weltliche Wünsche entsetzlich abgelenkt und fühlt sich höchst unbehaglich. der dahinflattert wie ein dünnes Kleid im Wind›. das wir vorläufig einen Furabo34 heißen wollen. 34 . Es ist der Geist des Fuga. ra = dünnes Kleid. die alle ‹Furabo› oder Irrsinnige waren. SESSHU in seinen Tuschbildern und RIKYU in seinem Teekult gesucht hat. nimmt die Natur in sich auf. Wer ihn liebt. SESSHU und RIKYU ein. SOGI in seinen Renga (ebenso in einer Folge). das heißt Haiku). den SAIGYO in seinen Waka (Gedicht von 31 Silben). Manchmal hat er den Ehrgeiz andere darin zu übertreffen. BASHOS Vorwort lautet: ‹In diesem Leibe. wird Fu = Wind. außer daß er standhaft den einen Weg verfolgt. der aus einhundert Gliedmaßen und neun Öffnungen besteht. Was er auch sieht. Und am Ende ist er heute noch ein Nichtswisser und Garnichtskönner.BASHO reiht sich selber in der folgenden Stelle aus dem Vorwort eines seiner Tagebücher in die Gruppe solcher Künstler wie SAIGYO. Das ist der Weg. SOGI. soweit es um ihre Liebe zur Natur sich handelte. Ein einiger Geist wirkt in allen ihren Werken. zerfetztes Gewand gemeint. Wahrhaftig oft möchte er gern einen Rang in der Welt haben. bo = Mönch. denn das hielt er für seine Lebensaufgabe. Ein anderes Mal denkt er daran. Manchmal aber wird er es satt und möchte gern auch das wegwerfen. aber es (seine Liebe zum Haiku) hielt ihn wieder zurück. darauf auszugehen. das im Winde flattert? Dieser Bursche war lange Zeit ein begeisterter Verfasser von Kyoku (verrückten Sätzen. aber es (seine Liebe zu Haiku) unterdrückt solche Gedanken wieder. als Gelehrter sich niederzulassen und die Unwissenden zu unterrichten.

erscheint im Lichte des Mondes. Wer nicht im Lichte des Mondes denkt. ist nur ein niederes Tier. kehre heim zur Natur!› . was er auch sinnt. sei mehr als ein niederes Tier. Darum sage ich: Sei mehr als ein Wilder.ihm zur Blüte. nimm die Natur in dich auf.

und unter seinen vielen Kaufleuten scheint der Teekult bereits gepflegt worden zu sein. Sie waren bereit. RIKYU UND ANDERE TEEMEISTER Rikyu. hier einen ganz kurzen Abriß vom Leben des SEN-NO-RIKYU zu geben. daß der Teekult unserer Tage den Geist. wie sie nicht nur die Teemeister selber. unerhörte Preise für seltene Schalen oder Teedosen zu zahlen. die man bei den Teemeistern bemerkt. aus den Händen von RIKYUS Nachkommen. meist ausländische Geräte zur Teebereitung. die in dieser Hinsicht mit den ästhetischen Neigungen ASHIKAGA YOSHIMASAS übereinstimmten. Er ist der Begründer des Teekults. daß er die Bildung und Eignung zu dieser Kunst besitzt. Es kann sein. Ich will später ein paar Anekdoten aus der Geschichte des Teekults mitteilen. so wie er heute noch in Japan ausgeübt wird.6. und jeder Teemeister erhält sein Zeugnis. der Begründer des Teekults Es ist vielleicht angebracht. . Sakai in der Provinz Idzumo war damals als Hafen für den Handel mit dem Ausland eine blühende Stadt. sondern die Lehensherren aller Grade bezeigten. und die Besitzer solcher Gegenstände wurden von großen Herren. Er war eine Art Erholung für sie. besaßen sie vermutlich viele. Sehr wahrscheinlich geht die ungewöhnliche Vorliebe für seltene Kunstwerke. Aber das ist wohl unvermeidlich. und da sie reich waren. in denen man eine ungemeine oder fast unmäßige Liebe zu den Teegerätschaften ausgesprochen findet. der die früheren Meister erfüllt hat. Kaufleuten und Gebildeten beneidet. auf die Kaufleute von Sakai zurück. nicht genau übermittelt und nicht so viel von Zen mehr enthält wie in RIKYUS Zeiten. SEN-NO-RIKYU (1518 –1591) wurde als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns in Sakai geboren.

und ihm gelang es schließlich. politischen Einfluß und eine ungewöhnliche Künstlerschaft besaß. sehnte er sich doch in der Tiefe seines Herzens nach einem wirklichen Wabi-Dasein. daß die Feldherren. RIKYU muß als ein stiller und verschwiegener Zeuge an ihnen teilgenommen haben. daß sie ihn selbst mitten in ihren Kriegsgeschäften nicht entbehren mochten. Zen studiert. daß der Gedanke des Wabi. die folgenschwersten Staatsverhandlungen untereinander pflogen. Das ‹Teegespräch› diente oft als Vorwand zu politischen Geschäften. das heißt ein Bedürftiger. ODA NOBUNAGA war ein großer Gönner des Teekults und erwies RIKYU seine besondere Gunst. dem er im Teekult anhing. als Staatsmann und Feldherr alle Macht über Japan in seiner Hand zu vereinigen. HIDEYOSHI setzte RIKYU dreitausend Koku Reis dafür aus. sondern Reichtum. nämlich RIKYU. daß er als Teemeister in seine Dienste trat. Er war sich bewußt. und es ist recht wahrscheinlich. aus der Zen-Anschauung herkam. Während er im praktischen Leben kein Mensch des Wabi. einem der ‹Fünf Berge› Kyotos. wenn sie sich in ihren Raum von viereinhalb Matten zurückzogen. Nach NOBUNAGAS Tode wurde TOYOTOMI HIDEYOSHI auf RIKYU aufmerksam – er war der Nachfolger NOBUNAGAS. und daß er ohne Zen-Schulung in den Geist seiner Kunst nicht eindringen konnte. und im Alter von fünfzehn Jahren genoß er bereits das Ansehen eines der vollendetsten Meister des Kults. In jenen unruhigen Zeiten war der Teekult so sehr die Lieblingsunterhaltung der Feudalherren. Er war zu dieser Aufgabe wie geschaffen. unter dem er seither in der Geschichte bekannt ist. In dieser Eigenschaft begleitete er jenen sogar in seinen verschiedenen Feldzügen gegen seine Widersacher. Äußere Umstän- .RIKYU erlernte die Kunst schon in früher Jugend. war. RIKYU hat im Daitokuji. KAISER OGIMACHI verlieh ihm einen buddhistischen Ehrennamen.

Die scheinbaren Gründe. und aus unbekannten Gründen fiel er bei seinem despotischen Herrn in Ungnade. daß eine viel ernstere. das dem Teekult und der Verherrlichung des Wabi geweiht war. RIKYU war damals über siebzig Jahre alt. bereitete sich zum letzten Male den Tee. Die chinesischen Verse lauten in ungefährer Übersetzung: ‹Siebenzig Jahre des Lebens – Ha ha! und was für ein Trubel! Mit meinem geheiligten Schwert Töte ich Buddhas und Patriarchen!› Die japanischen besagen: ‹Ich erhebe das Schwert. zog er sich in sein Gemach zurück. das mein ist. Als er HIDEYOSHIS Befehl erhielt. ist da – Ich zück’ es zum Himmel. Das lang mir gehörte – Die Zeit ist gekommen. Selbstmord zu begehen. und es ist zu vermuten. Dies Schwert. wahrscheinlich politische Angelegenheit dahinter gesteckt hat. die für seine Todesstrafe vorgegeben wurden. Tag des 2. Jahr der Periode Tensho (1591). . ereignete sich am 28. genoß ihn schweigend und schrieb dann auf japanisch und chinesisch seine Abschiedsworte nieder.de wollten es anders: seinen Wünschen zum Trotz wurde er mehr und mehr in die Verwicklungen der Welt hineingezogen. Monats im 19. waren höchst belanglos.› Dies tragische Ende eines glänzenden Lebens. HIDEYOSHI befahl ihm.

Als er in den Teeraum kam. mögen sie nun geschichtlich oder erfunden sein. – Als HIDEYOSHI eines Tages im Frühling bei RIKYU zu Gast war. führte ihn dieser in ein ganz kleines Gemach. keine Spur von ihnen vor. das ist weniger als sechs Fuß im Quadrat. nur eindreiviertel Matten groß. da er trotz seiner Liebe zum Teekult im stillen zu ausschweifender Üppigkeit neigte.Rikyus Charakter Die nachfolgenden Geschichten. Die Blumen füllten sogar die ganze Türöffnung. werfen ein bezeichnendes Licht auf seinen Charakter: Als HIDEYOSHI von der wunderbaren Schönheit der Windenblüten in RIKYUS Garten hörte. sprach aber kein Wort darüber. Die Knospen und die geöffneten Blüten gaben. Er blieb eine Weile vor der Tür stehen und bewunderte die Pracht der Kirschblüten. streifte die Blüten ab und ließ sie durcheinander ins Wasser fallen. sie zu sehen. zeigte ihm eine flache goldene Schale mit Wasser und einen blühenden Pflaumenzweig und ersuchte ihn. die aus einem Gefäß von der Zimmerdecke herabhingen. wie man den Roji – den Hof vor dem Teeraum – keh- . siehe. voll erblühten Kirschblüten. Er verwunderte sich. eröffnen. über dem Goldgrund verstreut. ein wundervolles Bild. nahm den Zweig in die Hand. einzutreten. die man von RIKYU erzählt. Wie er im Begriff war. erklärte ihm sein Meister. – Eines Tages wollte HIDEYOSHI RIKYU in Verlegenheit bringen. ließ er RIKYU seinen Wunsch. die wirklich den ganzen Raum ausfüllten. da hing eine einsame blühende Winde. – Als RIKYU noch als Anfänger den Teekult erlernte. bemerkte er ein paar Zweige mit nickenden. da fand er keine Windenblüten. RIKYU besann sich keinen Augenblick. Wie er dann am nächsten Morgen RIKYUS Garten betrat. beides zusammenzustellen. Das gefiel HIDEYOSHI sehr.

ren müsse. Den Roji hatte aber der Meister selber schon rein gekehrt. Als RIKYU ihn betrat, war kein Stäubchen darin zu entdecken, aber er begriff sogleich, was der Meister meinte. Er schüttelte den Baum ein wenig, so daß ein paar Blätter auf den Boden fielen. Das gefiel dem Meister. – RIKYU besaß ein äußerst empfindliches Feingefühl für das Schöne vom Gesichtspunkt des Wabi oder Sabi. Die geringste Kleinigkeit, die dagegen verstieß, entging ihm nicht. Als RIKYU einst zu einem ersten Winter-Teegespräch irgendwo eingeladen war, begleitete ihn sein Schwiegersohn. Wie sie den Hof betraten, bemerkten sie, daß das Tor mit einer altertümlich aussehenden Tür versehen war. Der Schwiegersohn meinte, das habe den richtigen Sabi-Geschmack. RIKYU aber lächelte ein wenig sarkastisch: ‹Das schmeckt durchaus nicht nach Sabi, mein Sohn, es ist im Gegenteil eine sehr kostspielige Arbeit. Schau dir’s nur genau an! Eine Tür wie diese gibt es hier in der Gegend gar nicht. Sie muß aus einem fernen Bergtempel, weit von den menschlichen Wohnungen, stammen. Bedenke, was für eine Menge Arbeit es gebraucht haben muß, sie hierher zu schaffen, und die mußte der Hausherr teuer bezahlen. Hätte er begriffen, was echtes Sabi ist, so hätte er sich in der Nachbarschaft nach einer passenden Tür umgesehen oder sich eine machen lassen und hätte sie mit einem alten passenden Brett aus einem Schuppen zusammengeflickt Dann würde die Türe hier wirklich nach Wabi schmecken. Was wir hier vor uns sehen, ist kein echter Geschmack.› So erhielt der Schwiegersohn eine praktische Belehrung über die Kunst. – RIKYU war zu einem Cha-no-yu bei seinem ältesten Sohn geladen. Als er mit einem Freund im Roji stand, sagte er zu diesem: ‹Unter den Schrittsteinen ist einer ein klein bißchen höher als die andern. Mein Sohn scheint das nicht beachtet zu haben.› Diese Bemerkung

hörte sein Sohn und meinte bei sich selbst: ‹Ich dachte selber vor einiger Zeit daran. Mein Vater bemerkt doch alles im Augenblick!› Während dann die Gäste nach der ersten Schale Tee sich ein wenig ausruhten, schlüpfte RIKYUS Sohn heimlich in den Roji hinaus, grub ein wenig Erde unter dem Stein aus und brachte diesen so in die richtige Höhe. Um die Arbeit unsichtbar zu machen, sprengte er ringsum frisches Wasser. Als RIKYU später auf dem Heimweg über die Schrittsteine ging, entging seinem Auge die fein ausgeführte Veränderung nicht, und er sagte: ‹Sehr gut! DO-AN (das war seines Sohnes Name) muß meinen Tadel gehört haben, aber wie rasch hat er ihn zu Herzen genommen und ihm abgeholfen, noch bevor wir Abschied nahmen!› – Einst wurde RIKYU mit ein paar Freunden zum Tee gebeten. Der Hof stand voll herrlicher Bäume, der Boden war mit dem abgefallenen Laub der Kashi-Bäume bedeckt, und man hatte das Gefühl, als schritte man über einen Gebirgspaß. ‹Wie schön!› sagt RIKYU. Nach kurzem Nachdenken fuhr er jedoch fort: ‹Ich fürchte, der Meister wird den Gang kehren lassen, denn er hat noch keinen Begriff von Sabi.› Und wirklich, als sie nach der ersten Teereichung den Hof wieder betraten, fanden sie die Blätter nur allzu sorgfältig weggekehrt. RIKYU erklärte nun seinen Freunden, wie man bei einer solchen Gelegenheit verfahren müsse. Und später, als er einen seiner Schüler über die Pflege des Roji belehrte, führte er folgende Verse SAIGYOS als treffenden Ausdruck seiner Empfindung an:

‹Die Blätter der Kashibäume, Noch bevor sie die Farbe tauschten, Liegen alle herabgeweht Über dem Pfad zum Bergkloster, Über dem Pfad, einsam und öde.› (Daß Felsen oder Steinblöcke, Moose und Flechten einen Hauptbestandteil der japanischen Gartenkunst bilden, besonders wo sie mit dem Teekult verknüpft ist, scheint sehr beachtenswert. Denn sie erinnern an das Leben des Zen-Priesters in den Bergen und ebenso an den Grundsatz des Sabi, der alles beherrscht, was zum Teekult gehört. Die Verwendung von Steinen, so wie sie aus den Bergen, Tälern, Flußbetten und ähnlichen Umgebungen kommen, trägt sehr dazu bei, dem Roji jene Atmosphäre von Festigkeit, Einsamkeit und altertümlichem Wesen zu geben, die es erfüllen soll. Das Anwachsen von Moosen, deren die Kenner eine Fülle verschiedener Arten unterscheiden, auf den Felsen und dem Boden weckt den Eindruck einer Berggegend, die fern von dem Treiben der Stadt liegt. Diese Eindrücke sind wesentlich für den Teeraum, denn das Hauptziel des Teekults ist es, aller Geschäftigkeit und ihren Spuren zu entfliehen.) – Daß RIKYU der große Sachverständige für Wabi gewesen ist, geht aus folgender Geschichte hervor. Ein Teemann aus Sakai besaß eine Teedose von besonderer Art, die man als Unzan Katatsuki bezeichnet. Da diese Töpferarbeit unter den Teekennern sehr bekannt und geschätzt war, so war der Eigentümer entsprechend stolz auf sie. Eines Tages lud er RIKYU ein und benutzte diese Teedose. Allein RIKYU schien sich nicht viel um sie zu kümmern und verließ das Haus, ohne ein Wort darüber zu bemerken. Der Besitzer war tief betroffen, brach die Dose sogleich in Scherben, indem er sie gegen das Gotoku

(Dreifuß) schlug, und seufzte: ‹Wozu soll ich jetzt noch eine Töpferarbeit aufbewahren, die keinen Beifall bei RIKYU gefunden hat?› Ein Freund des Eigentümers sammelte später die Bruchstücke der Dose und kittete sie sorgfältig zusammen, um ihre ursprüngliche Gestalt wiederherzustellen. Er vollbrachte diese Arbeit mit großem Geschick und dachte, die geflickte Dose sei immer noch ein recht schönes Stück. So kam er auf den Einfall, RIKYU zum Tee einzuladen und die Töpferdose dabei zu verwenden, um zu sehen, was RIKYU darüber sagen würde. Als der Tee bereitet wurde, erkannte RIKYUS scharfes Auge sogleich die altbekannte Dose, die nun zusammengefügt war. Er fragte: ‹Ist das nicht die gleiche Dose, die ich vor kurzem anderswo gesehen habe? So wie sie jetzt repariert ist, ist sie wirklich zu einem WabiStück geworden.› Der Freund war von dieser Bemerkung hoch entzückt und gab die Dose ihrem früheren Eigentümer zurück. Nachdem sie oft ihre Besitzer gewechselt hatte, gelangte das einst zerbrochene und wieder zusammengeflickte Katatsuki in die Hände eines gewissen Feudalherrn. KYOGOKU ANCHI, einer der berühmtesten Teemänner des damaligen Kyoto, schätzte sie ganz besonders hoch. Ein Freund von ihm, der Arzt war, hörte dies, besuchte den Grafen und sprach ihm scheinbar ganz zufällig von KYOGOKU ANCHIS Wunsch, die Dose zu bekommen. Der Graf war belustigt und sagte im Scherz: ‹Wenn er zwei Ladungen Gold dafür zahlt, gebe ich sie wohl her.› Der Arzt nahm dies für Ernst und berichtete ANCHI darüber, der erklärte: ‹Wenn es so ist, so bitte ich dich, dafür zu sorgen, daß ich die Dose für zwei Ladungen Gold bekomme.› Als der Graf erfuhr, ANCHI sei bereit, den Preis zu zahlen, war er wie vom Donner getroffen und meinte: ‹Ich hatte von vornherein

KOBORI YENSHU aber hatte ein tieferes Verständnis und erklärte: ‹Gerade wegen dieser Unstimmigkeiten hat sie RIKYU so gefallen und ist ein berühmter Gegenstand für die Teemeister geworden. eine Vereinbarung zu treffen. Alle Teemänner nahmen Anteil und erboten ihre Dienste. und endlich gelang es mit viel diplomatischen Künsten. und die Kostbarkeit selber als ein freies Geschenk des Grafen an ANCHI fiel. darüber um Rat. Es gab ein langes Hin und Her zwischen ANCHI und dem Grafen. Der Arzt. wie sie ist. was tun. ANCHI war mit dieser Regelung sehr zufrieden. sie sollte noch etwas besser zusammengefügt werden. Allein er war mit der Dose selber nicht ganz zufrieden und glaubte. wenn sie ihn auch einen guten Teil seiner Mittel kostete. einen andern großen Teemeister und Kenner seiner Tage. Er bat KOBORI YENSHU. sie zu irgendeinem Preis der Welt herzugeben.› Nun war die Angelegenheit vollends verfahren. das wären nach heutiger Währung mindestens hunderttausend Yen. um die Sache beizulegen. wußte nicht. jedoch nicht als Preis für den umstrittenen Schatz. Am besten läßt man sie genau so. sondern zur Unterstützung der Armen und Bedürftigen in seiner Grafschaft. Jeder der beiden Beteiligten nahm es als Ehrensache auf und versteifte sich immer mehr auf seinen Standpunkt.gar nicht die Absicht.› – . der aus freien Stücken den Vermittler spielte. Zwei Ladungen Gold entsprachen nach dem damaligen Geldwert zwölftausend Ryo. wonach der Graf tatsächlich zwei Ladungen Gold erhielt.

Dieser Rücksprung in der Wand jedes Hauptraumes stammt ursprünglich aus der ZenArchitektur und war für ein heiliges Bild oder Bildwerk bestimmt. sondern wegen der historischen Erinnerungen. Auf jeden Fall ist das Blumengefäß ein unentbehrliches Stück des Tokonoma. ein ganz neuer Einfall. Als der Bambus austrocknete.Das Bambusgefäß des Rikyu Im japanischen Hausbau spielt die Wandnische (Tokonoma) aus verschiedenen Gründen eine wichtige Rolle. RIKYUS bescheidenes Bambusgefäß wurde von da ab ein geheiligter Schatz unter den Teemännern. Nach dieser Erinnerung hat RIKYUS Gefäß seinen Namen bekommen. um einen geeigneten Stamm zu finden. und seither ist es als Onjoji-Gefäß bekannt. die . Er bat RIKYU. eines aus Bambus zu schneiden. bekam er einen Sprung. und dieser Sprunng wurde zum Kennzeichen des Gefäßes. und seine Tempelglocke ist berühmt für den Sprung. den sie hat. Onjoji ist ein altes Buddha-Kloster am Biwa-See. ihm eins zu besorgen. Er besuchte die Bambushaine in der Nachbarschaft. Heute kann man jedes Kakemono darin aufhängen. denn bis dahin hatte man noch nie ein Blumengefäß dieser Art gekannt und verwendet. RIKYU kam auf den Gedanken. und einige Monate vergingen. nicht nur wegen seines künstlerischen Werts. HIDEYOSHI wünschte Teegespräche als eine Art Erholung für seine Feldherren zu veranstalten. machte er selber ein Gefäß daraus. allein es war kein passendes Blumengefäß für den Raum aufzutreiben. und als er gefunden war. die von Hojo befehligt wurde. und kein Teeraum wäre vollständig ohne dasselbe. Als TOYOTOMI HIDEYOSHI die Burg Odawara belagerte. aber die Ausstattung der Nische mit einem Blumengefäß und einem Weihrauchbehälter zeugt noch von ihrer früheren Geschichte. ohne daß etwas auszurichten war. leistete dieser den grimmigsten Widerstand.

hatte ihn das sehr bekümmert. noch ein Jahr zu warten. befahl aber seinem eigenen Beauftragten. die nun verlangt wurden. ein reicher Kaufmann aus Fukagawa. als JISEN in bedrängte Verhältnisse kam. aber wie er nun sah. einen Feudalherrn der Tokugawa-Zeit. JISEN schlug ihm das ab und bat ihn. daß FUYUKI ihm einst fünfhundert Ryo für das Bambusgefäß angeboten hatte. dem andern zu folgen und fünfhundert Ryo mit sich zu nehmen statt der vierhundertfünfzig Ryo. JISEN sei jetzt bereit. aber JISEN wollte sich nicht davon trennen. Noch später gelangte das Gefäß an den GRAFEN FUMAI. sondern ihm ohne Rücksicht auf einen Geldvorteil die schuldige Ehrfurcht zu beweisen. wünschte es für seinen eigenen Teeraum zu erwerben. Als ein gewisser IYEHARA JISEN sein beneideter Eigentümer war. was seinem Freund damals vorgeschwebt hatte. Als er einmal das Gefäß im . Das Gefäß im Tokonoma sollte der einzige Bambus sein. FUYUKIS Bote brachte dann das Gefäß mit gehöriger Ehrfurcht nach Yedo. In dieser Zeit gab er sich viele Mühe. zu verkaufen. und sandte einen Boten nach Yedo mit der Nachricht. FUYUKI sandte den Boten ohne Antwort zurück. in dem kein Bambus für irgendeinen Zweck verwendet war. Dann lud er SOJI ein und zeigte ihm seinen Schatz in der richtigen Umgebung. kam einst sein Freund NOMURA SOJI aus Nagoya nach Kyoto. es um fünfzig Ryo billiger. das heißt zu vierhundertfünfzig Ryo. FUYUKI.damit verknüpft sind. der zu sehen war. einen neuen Teeraum zu errichten. nur um das berühmte Gefäß zu sehen. war er ihm dankbar und wußte seine künstlerisch empfundene Ehrfurcht vor RIKYU und seinem Werk voll zu würdigen. Später. der dem Teekult ergeben war und ein sehr feines Gefühl für Sabi hatte. Als SOJIS Bitte das Jahr zuvor nicht erfüllt worden war. dachte er daran. Seine Absicht ging dahin. den Wert eines solchen Schatzes nicht herabzumindern.

Er. daß es leck ist. kaum mehr als zwanzig Jahre alt. daß Wasser aus dem Sprung tropfte und die Matte am Boden naß machte. SOTAN aufzusuchen.› – Der Maler Kano Tanyu Der Maler KANO TANYU (1602 –1674) ist. Er hatte sich schon zuvor ausgedacht. TANYU drängte ihn daher an diesem Tage nicht weiter. sie mit eigener Hand zu bemalen. eine solche Gelegenheit werde nicht wiederkehren. Allein der Teemeister wollte auf seine Bittte nicht eingehen. So nahm er seinen Pinsel hervor und begann sogleich mit der Arbeit. als er anfing. und er dachte. an dem er großen Anteil nahm. Als er nun die weißen Schiebewände in SOTANS neu errichtetem Teeraum sah. Die Schiebewände waren noch immer weiß.Teeraum anbrachte. denke ich. allen Verehrern der japanischen Kunst wohlbekannt. bemerkte sein Diener. studierte ihn unter der Anleitung SOTANS. ihn hier in Verbindung mit dem Teekult anzuführen. Es sollten ‹die acht Weisen als Trinker› wer- . fühlte er ein unwiderstehliches Verlangen. um sein Können zu beweisen. da er seinen jungen Schüler nicht für erfahren genug zu der Arbeit hielt. eines Enkels von RIKYU. Der Meister war abwesend. GRAF FUMAI aber erklärte: ‹Das Furyu (oder Sabi) dieses Bambusgefäßes besteht gerade darin. TANYU war noch jung. um seine Freunde zu bewirten. wahrscheinlich noch ausgesprochener als dieser. was für Bilder hier am Platze wären. Einige Zeit danach kam er einmal zufällig in SOTANS neuen Teeraum. Er fragte seinen Herrn. Der alte Ehrgeiz regte sich wieder. so mag es nicht unangebracht sein. ob er nicht eine Art Tropfenfänger dafür machen lassen wolle. der ein großer Verkünder des Wabi war.

wie es ausgeführt war. als er die Arbeit näher prüfte. Er wollte es daher in der größten Eile beenden. Nach dem Brande fand ein Bote aus Kyoto die Teedose zufällig an der Straße liegen. die als Tanemura bekannt und ein Gegenstand größter Bewunderung unter den Teemännern war. nämlich die Rechte und die Linke verwechselt waren. und das Bild war nahe daran. Er hätte sie für die Welt nicht hergegeben. Dieser war überrascht. Immerhin fand er. Später. von dessen Können er bisher nicht besonders viel erwartet hatte.den. als er jemanden sich nähern hörte. Einige Zeit darauf lud CHI- . wuchs seine Begeisterung. nachdem TANYU als der größte Maler seiner Zeit und der Liebling des Shogun IYEYASU im ganzen Reich berühmt geworden war. hin und verließ den Raum in dem Augenblick. Nun fehlten nur noch die Hände an einer Gestalt. die Dose aus der Zerstörung zu retten. Er las sie auf und verkaufte sie nach der Heimkehr an einen Kunsthändler in Kyoto. als SOTAN eintrat. befahl er einem seiner Diener. sich selber in Sicherheit zu bringen. Wie er weitermachte. fertig zu werden. warf der Diener den anvertrauten Schatz fort und lief davon. Wie aber mit dem Umsichgreifen des Feuers Gefahr für sein eigenes Leben entstand. es sei die ‹Tanemura Katatsuki›. Er warf sie. ein so gelungenes Werk aus dem Pinsel eines so jungen Künstlers zu erblicken. Der Bürgermeister MARINO CHIKASHIGE hörte von dem Fund und kaufte sie von dem Händler. Die Schritte kamen immer näher. fand sein altes Bild mit den falsch angebrachten Händen unter den Kunstfreunden besondere Beachtung. Als nun der große Brand des Meireki (1657) TANYUS Haus in Asche legte. Er sprach aber nicht viel darüber. so schnell es ging. Er merkte. da es sich bei sorgsamer Prüfung herausstellte. daß die Hände einer Gestalt falsch angebracht. es war der Meister selber. und das Bild blieb. TANYU besaß eine Katatsuki-Dose.

wie tief ihn der Verlust schmerze.› TANYU war über die Maßen erfreut und fand keinen Ausdruck für seine Gefühle. ihm die Dose zum gleichen Preis. den fraglichen Gegenstand dem Gast zu übergeben. den er dem Händler bezahlt hatte. KASHIGE . erwiesen sie sich als eines seiner größten Meisterwerke. nur ja nicht weiter von ihr zu reden. TANYU war einverstanden. Der Bürgermeister war edelmütig genug. und bat ihn. ihm zum Lohn für seinen guten Willen zwölf Ansichten des Fuji zu malen. bat ihn aber. Es war aber keine leichte Arbeit. und der Maler mußte viel Zeit und Geschick auf die Bilder verwenden. Als sie nach langen Mühen vollendet waren. und bemerkte ohne Arg: ‹Hier ist ein TanemuraDoppelstück.TANYU ein und setzte ihm Tee vor. Als er sich harmlos nach der Teedose erkundigte. zu überlassen. erzählte ihm TANYU. CHIKASHIGE befahl seinem Diener.

YAMABE-NO-AKAHITO im Mannyoshu. ist. 3 In den vorliegenden Übertragungen japanischer Gedichte ist kein Versuch gemacht. Die Versteilung soll mehr oder weniger die japanische andeuten. das er im Betrachter aufweckt. Einer der frühen Dichter Japans2 hat den Fuji folgendermaßen besungen3: ISHIKAWA JOZAN (1583 – 1672). DER ZEN-BUDDHISMUS UND DIE JAPANISCHE NATURLIEBE 1. Das Gefühl. Sie sind zumeist wörtliche Übersetzungen mit möglichst wenig Zusätzen. zu einem guten Teil darauf zurück. KUNST UND KOSMISCHES BEWUSSTSEIN Der Fuji als Gegenstand der Dichtung Die Liebe der Japaner zur Natur geht. scheint mir. um den Sinn für abendländische Leser etwas verständlicher zu machen. 1 2 . habe ich immer den schönsten Blick auf seinen Gipfel. Es liegt etwas geistig Reines und Erhebendes über ihm. wenn das Wetter nur leidlich ist. daß in der Mitte der Hauptinsel von Japan sich der Fuji-Berg erhebt. so möchte ich zuweilen annehmen. den originalen Rhythmus wiederzugeben. denn immer ist er mit fleckenlosem Schnee bedeckt und ‹hebt sich gen Himmel wie ein aufgestellter weißer Fächer› – um die Worte eines Dichters der Tokugawa-Zeit1 zu gebrauchen. So oft ich als Reisender auf der Tokaido-Strecke am Fuß des Berges vorüberfahre. und bewundere seine wundervolle Gestalt. nicht ein rein ästhetisches im Sinne künstlerischer Schönheit.II. die nötig sind.

Wahrlich. Die englische Übertragung ist von ASATARO MIYAMOTO. ein Gott wacht über Japan. der wenigstens dann und wann noch Rauchwolken ausstieß. Sieht man eine einsame Wolke über einem hoEin Unbekannter. empfindet. und siehe. Selbst des Himmels Wolken.› Dieses Gedicht auf den Fuji hat etwas Mystisches. ehrfürchtig staunend. Selbst die Vögel versuchen umsonst Über die schwindelnde Höhe zu stürmen.‹Zur Bucht von Tago Komm’ ich. wovon wir noch sprechen werden. dem Land des Aufgangs. Über Yamato. In seinen Tagen. muß der Fuji noch ein tätiger Vulkan gewesen sein. der tiefer als AKAHITO. Von reinem Weiß umhüllt Steigt der Fuji-Berg empor – Es ist als fiele Schnee auf uns hernieder. das heißt im 12. 4 . diese Steile zu überschweben.› Ein anderer Dichter4 des Mannyoshu. der Sänger der Nara-Zeit. schreibt: ‹Weit über Suruga und Kai Hebt der Fuji sein Haupt hoch empor. Jahrhundert. Wagen es nicht. sein Ruhm: Auf den Gipfel des Fuji in Suruga Schauen wir staunend und werden nicht müde. Hier ist sein heiliges Kleinod. der auch der Nara-Zeit angehört. Solch ein Anblick macht immer nachdenklich.

die nie ihn erblickt? Nie ist er zweimal der gleiche. So find’ ich nicht einen Weg. Scheint er verändert. so erhebt sich der Sinn über die Geschäfte der Welt.› ‹Wie soll ich den Fuji beschreiben Denen. Zuletzt wurde er Lehensherr der Landschaft Sendai im nordöstlichen Teil von Japan.› Der Dichter ist DATE MASAMUNE5 (1565 – 1636). 5 . Er war ein furchtloser Streiter und Sieger in mancher blutigen Schlacht. einer der berühmtesten Feldherren aus dem Zeitalter HIDEYOSHIS und IYEYASUS. Seinen Anblick zu schildern. HIDEYOSHI Er ist in der japanischen Geschichte bekannt als Absender einer Gesandtschaft an den Papst im Jahre 1613.hen Berggipfel schweben. die Natur zu bewundern und Gedichte über sie zu schreiben? Aber dies ist tatsächlich der Fall gewesen. daß solch ein tätiger Kriegsheld während der furchtbaren Kämpfe des 16. wie tief die Liebe zur Natur dem japanischen Herzen eingeboren ist. Sogar ein Krieger hatte dafür ein Gefühl. und wir erkennen daraus. und 17. wenn er so sich ausdrückt: ‹So oft ich den Fuji sehe. er erscheine mir Immer zum erstenmal. Nicht den Dichtern allein machte der Fuji tiefen Eindruck. in der er mit dem Einsatz des eigenen Lebens gekämpft hat. Und mir ist. Jahrhunderts in seinem Geiste noch Raum gefunden hat. Wer möchte glauben.

Wo immer von Japan gesprochen oder geschrieben wird. kann selbst HIROSHIGE (1797 – 1858) den wahren künstlerischen Rang seines Bildes nicht anschaulich machen. werden dem wirklichen Anblick niemals gerecht.› In unseren prosaischen Tagen sind die jungen Leute in Japan närrisch darauf versessen. Wie MASAMUNE singt. Denen. indem die Luftverhältnisse wechseln und je nachdem er von verschiedenen Seiten und aus verschiedener Entfernung erblickt wird. Man muß diesen Berg selber sehen. hohe Berggipfel zu erklettern nur um des Kletterns willen. er ist nie der gleiche. Ein anderer Dichter singt. wenn der Heilige Berg ihm genommen wäre. die ihn nie gesehen haben. Knechtschaft und Unwissenheit versunken –. Schön wahrlich Und nie verändert – Steht Fujis Gipfel. hat Gedichte verfaßt und die Künste gefördert. Bilder und Photographien. Seine Ära ist als die Momoyama-Periode ein Glanzpunkt der japanischen Kunstgeschichte. der Sproß einer Bauernfamilie – und zu jener Zeit waren die Bauern tief in Armut. um seinen Eindruck zu erleben. und sie heißen das ‹die Eroberung der Berge›. so künstlerisch sie sein mögen. Heute ist der Fuji gleichbedeutend mit Japan.selber. denn das Land der Aufgehenden Sonne würde gewiß viel von seiner Schönheit verlieren. freilich von einem anderen Gesichtspunkt aus als MASAMUNE: ‹Im blauen Himmel Oder im wolkenverhängten. Was . ist unvermeidlich auch vom Fuji die Rede. Das ist recht so. er wechselt immer seine Gestalt.

Größe und Erhabenheit zu erfüllen. Die Idee der Eroberung ist uns zuwider. die Natur dem Befehl und der Dienstbarkeit des Menschen und seiner selbstsüchtigen Bedürfnisse zu unterwerfen. sei er beseelt oder unbeseelt. ihn zu ‹erobern›. die hinter den vielfarbigen Wolken emporsteigt in ihrer Pracht. Und wir möchten der strahlenden Morgensonne unsere Verehrung darbringen. selbst den häufigen Erdbeben zum Trotz. sie ist uns kein Feind. jeder Art Wohltäter. das Meer und die Stürme zu seinen Dienern machen wollte. aus dem Westen eingeführt worden. mit einem tiefen Gefühl des Danks . glaube ich. aus dem Hellenismus. wenn auch darin nichts geistig Entwürdigendes läge. Das bedeutet nicht geradezu Sonnenanbetung. sie ist uns eine beständige Freundin und Gefährtin geblieben. niemals Anklang gefunden.für eine Entheiligung! Diese Mode ist ohne Zweifel mit mancher andern. Im Osten jedoch hat diese Idee. Der Gedanke der sogenannten ‹Eroberung der Natur› stammt. warum sollen wir nicht sagen: ‹Wir haben ihn zu unserem Freund gemacht?› Sich nach Gegenständen der Eroberung umzusehen ist nicht die Einstellung des östlichen Menschen zur Natur. Denn für uns ist die Natur immer freundlich und hilfreich gewesen. den der Mensch unter seine Gewalt bringen müßte. aber unsere Absicht ist nicht. Jawohl. Wir Menschen des Ostens haben die Natur nie als eine uns entgegenstehende Macht empfunden. nicht immer nachahmenswerten. Die Sonne ist die große Wohltäterin alles Lebens auf Erden. die unser Land erschüttern. Und wenn wir einen hohen Berg ersteigen. Auch die hebräische Weltanschauung läuft darauf hinaus. und es ist uns menschlichen Wesen nur angemessen. sondern uns mit seiner Schönheit. auf die wir uns unbedingt verlassen können. auch wir ersteigen den Fuji. der die Erde zum Knecht des Menschen. Im Gegenteil.

Es ist mit Stroh gedeckt und steht gewöhn- . den DENGYO DAISHI (767 – 822) mit seinem Tendai-Kloster und anderen Ordensbauten einst zum Heiligtum geweiht hat. in die Natur verliebt sind. Das Bild der Gleise. die niederen Tiere scheinen es nicht zu kennen. die bei Nacht elektrisch beleuchtet sind. im Nordosten der alten Hauptstadt von Japan. Das ist eigentlich kaum ein Bauwerk. Natur als Lebensraum Wollen wir uns überzeugen. Heute haben wir in Japan auf den meisten Bergen von allgemeinem Interesse eine Art Drahtseileinrichtung zum Aufstieg. Nichtsdestoweniger empört sich mein Gefühl. in dieser Weise kommerziell ausgebeutet wird.und der Achtung uns zu nahen. und es gibt vielleicht leicht Entrinnen vor ihnen. so sollten wir ihnen zusehen. denn es enthält nichts als einen Raum von vierundeinhalb oder sechs Matten (etwa zehn bis fünfzehn Quadratfuß). wenn ich zum Beispiel auf den Berg Hiei bei Kyoto steige. der Wirtschaft und des Kriegs bewahrt sehen möchte. das ich gern selbst in diesen Tagen der Wissenschaft. Daß der Berg Hiei. ich selber benutze sie auch. spiegelt das moderne Trachten nach schmutzigem Gewinn und leichter Vergnügung. ist ohne Zweifel ein Kummer für viele meiner frommen Landsleute. trotz ihrer heutigen Betonung des Eroberungsgedankens. und die Gipfel sind leicht zu erreichen. In der Ehrfurcht vor der Natur liegt ein echtes religiöses Gefühl. Denn dieses Gefühl ist uns allein geschenkt. Der materialistische Nützlichkeitsgeist des heutigen Lebens bringt solche Erfindungen hervor. sofern man dabei an westliche Größenmaße denkt. wenn sie ein Häuschen zum Studium oder besser zu beschaulicher Betrachtung sich irgendwo in den Bergwäldern erbauen. wie sehr die Japaner.

Von weitem gesehen ist diese Hütte nur ein ganz unbedeutendes Fleckchen in der Landschaft. das in Fetzen hängt. Er lebte in Gemeinschaft mit SHI-TE und hinterließ viele Gedichte. Eine Hütte. nur vielleicht eine Hängevase an einem Wandpfosten –. den summenden Insekten.lich unter einer mächtigen Kiefer. ist ein Naturgegenstand wie andere. daß auch er das nämliche Leben wie sie alle lebt. ein mondsüchtiger Zen-Mönch der T’ang-Zeit. den schwanken Blättern und dem murmelnden Quellwasser – selbst vom Fuji-Berg HAN-SHAN. Der Boden in diesem Raum der Beschauung ist nur wenig über die Erde erhöht. das man vor sich hat. bildet einen unlösbaren Teil der Natur. aus dem alles Leben hervorsprießt. Er ist gar nicht unterschieden von den singenden Waldvögeln. Einige ihrer breiten Blätter sind erst kürzlich vom Sturm zerschlissen worden. wie diese und alle die Bäume und Gewächse aus der Erde hervorkommen. und der Einzelmensch. aber sie scheint völlig ihr einverleibt zu sein. im Schutz ihrer ausgestreckten Äste. gibt dem stillen Betrachter das Gefühl. der in ihr sitzt. so sehen sie aus wie ein altes Mönchsgewand. nur eben soviel. Wenn der Hausherr drinnen ist – es gibt da keine raumfüllenden Möbelstücke. wenn er in dieser bescheidenen Klause sitzt. Und nicht bloß die Formen der Blätter sind so poetisch. sondern die Art. so hat er das Gefühl. Unter andern Gewächsen sieht er eine Gruppe Platanenbäume vor einem der seltsam geformten Fenster wachsen. von all den Naturdingen draußen vor der Hütte gar nicht abgesondert wäre. 6 . um die Feuchtigkeit abzuhalten und doch den gemeinsamen Urgrund zu fühlen. die in dieser Weise errichtet ist. Deshalb erinnern sie so an die ZenGedichte von HAN-SHAN6. Sie hat gar nichts Auffälliges und gehört irgendwie in das allgemeine Bild. als ob sie eigentlich von ihrer Umgebung.

In dieser Hinsicht spiegelt DOKWAN getreu den Charakter des Japaners. so kommt mir ein Gedicht von OTA DOKWAN (gestorben 1486). Und da ich schon wieder vom Fuji spreche. daher muß OTA DOKWANS Residenz schon recht stattlich gewesen sein. Die von Kiefern umsäumt ist.nicht. Jahrhunderts. wie er seinen Wohnsitz als Hütte (Ihori oder Iho im Japanischen) beschreibt? Er ist ja der Feldherr. an den wellenbespülten Strand und den schneegekrönten Fuji. in den Sinn. der sein Hauptquartier als erster an der Stelle des heutigen Tokyo errichtet hat.› Der Kaiser. lange bevor IYEYASU seine große Burg und Hauptstadt hier begründete. nach menschlichen Künsteleien schmeckenden Behausung nichts wissen. hatte den Berg in Wirklichkeit nie gesehen. Und des Fuji hoher Gipfel Steigt über dem Dachfirst empor. einem Feldherrn des 15. Hier ist eine vollständige Verwobenheit von Natur und Mensch und seinem Werk auf einfach-praktische Weise verwirklicht. dessen vorherrschende Eigenart die Liebe zur Natur ist. der über dem andern Ufer der Bucht emportaucht. strohgedecktes Landhäuschen als den Sitz eines von der Welt geschiedenen Einsiedlers verstehen. . worunter wir gewöhnlich ein armseliges. Als diesen KAISER GOTSUCHI-MIKADO über seinen Wohnsitz befragte. von dem er berichtet. Und ist es nicht merkwürdig. gab ihm der Feldherr folgende Verse zur Antwort: ‹Meine Hütte steht an der Bucht. Sein naturliebender Dichtersinn wollte von einer stolzen. der in Kyoto lebte. Dennoch nennt er sie ein Ihori. deshalb spricht der Krieger-Dichter besonders von ihm. Seine ‹Hütte› schmiegt sich ganz selbstverständlich unter eine Reihe von Kiefern.

wie groß die Ebene von Musashino war. und der Kaiser. auch wenn in dieser Bewunderung manches steckt. der wahrscheinlich aus dem rings von Bergen umschlossenen Kyoto nie herausgekommen war.› Das gefiel dem Kaiser gar sehr. die von Musashino. So befragte er DOKWAN. Erst wenn es in Trümmern liegt und seinem ursprünglichen. Jeder kunstvolle Aufbau. als daß es mit den umgebenden Naturdingen eine rechte Gemeinschaft bilden könnte. aber es fehlt ihm das Dichterische. ist eine der größten. mag neugierig gewesen sein. in der jetzt die Landeshauptstadt liegt. nimmt ihm viel von seinem künstlerischen Wert. Ferner hatte wohl KAISER GOTSUCHI-MIKADO von der MusashinoEbene. ausgesprochenen Zweck nicht mehr dient. zu hören. Obgleich gerade ein Sommerregen niederging Über die Ebene von Musashino – Viel weiter muß sie sein als die Regenwolken. so schenkte er dem hochbegabten Krieger-Dichter aus dem rauhen Osten das Gedicht: . besitzt es nicht viele Ebenen. was mit der historischen Bedeutung der Ruinen zu tun hat.Ein in großem Maßstab errichtetes Bauwerk ist ein zu auffälliges Ding. in der DOKWANS Burg lag. Vom praktischen Standpunkt mag es seinen Zweck vorzüglich erfüllen. und dieser erwiderte in Versen: ‹Keine Tautropfen sieht man rings um meine Hütte. der sich zu mächtig heraushebt. schon gehört. Da Japan ein sehr bergiges Land ist. wird es wieder zu einem Naturgegenstand und als solcher bewundert.

› DOKWAN gehört zu den im Volke beliebtesten Helden Japans. So zarte Worte dort blühend zu finden. was sie tun sollten. tritt uns ebensoviel dichterisches Gefühl und vielleicht mehr noch entgegen als in DOKWANS Fall.‹Ich hielt Musashino nur für eine Steppe. da das Shogunat der Ashikaga seinem Untergang sich näherte und das Land am Abgrund des Chaos stand. sie waren in großer Unruhe und wußten nicht. den Anblick des Berges in seinem Schneegewand gegen die schäumenden Wogen des blauen Meeres zu genießen. Er wurde von einem verräterischen Gegner durch einen Lanzenstich feige ermordet. Die Liebe des Japaners zur Natur ist hier greifbar aufgezeichnet. Allein in dieser Unentschlossenheit. Sein Abschiedsgedicht lautet: ‹Bis gestern war dieser mein Leib Gleich einem Henamushi-Beutel Ein Behälter irriger Haftungen – Zerriß er nun endlich zum letztenmal?› Dichtung und kosmisches Bewußtsein Der Dichter und Feldherr OTA DOKWAN hatte das Glück. Die Geschichte ist kurz die folgende: .und hergerissen. Aber die Herzen des Hausherrn und der Hausfrau in der zerfallenen Hütte von Ugetsu wurden zwischen dem Mond und den Tropfen des Herbstregens hin. Von nichts überwachsen als wilden Disteln. Zu seinem Unglück lebte er in jenem Zeitalter. was mit ihrer – diesmal wirklich armseligen – Hütte geschehen solle. Wie freudig überrascht es mich.

weil die Umstände im Hause nicht gut genug für ihn seien. dachten sie: ‹Unsere arme Hütte. die den Wanderer als BUDDHA Priester erkannte. das bedeutet ‹Regen und Mond›.Ugetsu. Ein altes Ehepaar wohnte darin. SAIGYO (1118 – 1190). und dieses war nicht zu hören. Der Grund war dieser: die alte Frau liebte das Mondlicht so sehr. Sollte die Hütte ohne Dach bleiben dem Monde zulieb? Oder sollte sie um des Regens willen wieder hergestellt werden? Der Herbst ist schon da. und zugleich bringen die herbstlichen Regenschauer soviel Freude. einen Fremden bei sich zu beherbergen. sein Weib aber. Der alte Mann wollte die Bitte des Mönchs nicht erfüllen. wäre es höchst ungastlich von Seiten des Hausherrn und der Hausfrau. das auf ein Ereignis aus SAIGYOS Wanderungen durch Japan zurückgeht. Die schönste Zeit für das Mondlicht kommt heran. Soll sie gedeckt oder nicht gedeckt werden?› . kam eines Abends zu einem einsam stehenden Haus und bat um Unterkunft für die Nacht. wenn man still in der Hütte sitzt und ihnen lauscht. und das Haus sah sehr zerfallen aus. Der alte Mann aber lauschte besonders gern dem Rieseln der Regentropfen auf das Dach. solange das Dach wie jetzt unausgebessert blieb. Allein die Tatsache blieb bestehen: die Hütte war nicht im rechten Zustand um einen Gast zu beherbergen. heißt ein No-Drama. wollte ihm gern ein Nachtlager gewähren. Solange diese Frage nicht entschieden ist. daß auf ihren Wunsch das zerrissene Dach nicht geflickt worden war. der Priester-Dichter der frühen Kamakura-Zeit.

das zur Hälfte fertig ist!› ‹Wenn Ihr Euch auf das Dichten versteht›. erhellte die fernen Felder und Berge und warf sein Licht auch ins Innere der Hütte. dann wollen wir Euch Unterkunft geben. Ein Wind hat sich erhoben.› SAIGYO erwiderte auf der Stelle: ‹Soll das Mondlicht hereintropfen? Soll der Regen aufplätschern? Unser Sinn ist gespalten.› . so gut es eben geht. Es ist ein Schauer von fallenden Blättern im Mondschein. Während die Nacht fortschritt.SAIGYO rief aus: ‹Das ist ein gutes Gedicht. Soll sie gedeckt oder nicht gedeckt werden? 7› Der Priester-Dichter wurde nun hereingebeten. aber der Himmel ist klar wie zuvor. (Doch bleibt das Dach ungeflickt) Denn ich denke des Monds. das gegen das Haus pocht. Und diese arme Hütte. Und ich bin feucht geworden. meinte das alte Ehepaar. es ist das dürre Laub. schien der Mond immer strahlender. 7 Es gibt von SAIGYO ein anderes Gedicht ähnlichen Inhalts: ‹In die Hütte träufelt der Regen. ‹so vollendet die Verse. Aber horch. es kommt ein Regenschauer! Die Bäume rauschen! Nein. der mich liebend besucht.

13. ist nicht nur beschreibend. . Das Gedicht. und das Gefühl des Alleinseins mit der Seele der Herbstnatur wurde noch stärker. Der mich im Bette wachhält? Nein. Das dem Winde nicht widersteht. wie er in Japan fällt –. in dem er dies ausspricht. das fallende Herbstlaub ist’s. Die Stimmung weckt ein Gefühl der Einsamkeit. der uns das innerste Geheimnis des Wirklichen zuraunt. Jahrhundert. das zu sinnender Beschaulichkeit verlockt. Hören wir SAIGYO noch einmal: 8 Von MINAMOTO-NO-YORIZANE. aber in der japanischen Literatur wie in der chinesischen Dichtung ist so viel vom Regen die Rede – besonders von dem sachten und gelinden Regen. Und ich still des Nachts in der Hütte sitze. weckte ihn des Nachts das Geräusch der fallenden Blätter. Auch auf SAIGYO machte sie tiefen Eindruck. Wenn er allein in seiner bescheidenen Einsiedelei irgendwo in den Bergen weilte.‹Wenn die toten Blätter in Scharen fallen.› Vom praktischen Standpunkt ist Regen ein unbequemes Ding. es spiegelt die ganze Stimmung der Jahreszeit: ‹Ist’s ein vorüberrauschender Schauer. Dann fällt es schwer zu unterscheiden: Schauert der Regen draußen Oder ist’s kein Regen?8› Der Blätterfall im Herbst hat oft das dichterische Empfinden der naturliebenden Japaner angeregt. die wie ein Schauer gegen das Dach und das Amado (Schiebetür) rieselten.

Unter seinen Gedichten ist das folgende am berühmtesten geworden. einen Rasenstreifen vielleicht und einen kleinen Teich vor dem sechs Matten großen Wohnraum.› Um die Poesie und Philosophie des Frühlingsregens wahrhaft zu begreifen. den Wolken gleich treiben wir durch Geburten und Tode! Den Pfad des Unwissens und den Pfad der Erleuchtung – wir wandeln sie träumend. ‹Fremd geworden dem Menschenwesen›. dem einst des Nachts in der Hütte ich lauschte. . DOGEN (1200 – 1253) war der Gründer des Soto-Zweiges im japanischen Zen-Buddhismus. was man zuweilen als kosmisches Bewußtsein oder kosmisches Gefühl bezeichnet und das ihn erschütterte. da zweifelte ich. nur einmal. es verdient in diesem Zusammenhang angeführt zu werden: ‹Ach.‹Ganz umfangen vom Frühlingsregen. Aber zur selben Zeit war ich mir bewußt. aber tief vertraut mit der Natur war unser Dichter. muß man in Japan leben und in einem strohgedeckten Häuschen. Bin ich allein in der einsamen Hütte Und fremd geworden dem Menschenwesen. In meinem Gedächtnis haftet nur eins.› In ‹Waiden› gibt THOREAU eine Andeutung von dem. und das war ein paar Wochen. nachdem ich in die Wälder gezogen war. ob die Nähe und Nachbarschaft der Menschen für ein heiteres und gesundes Leben nicht doch unentbehrlich sei. als er einmal dem fallenden Regen lauschte: ‹Ich habe mich nie einsam oder im mindesten von dem Gefühl des Alleinseins bedrückt gefühlt. Das Alleinsein wurde mir unbehaglich. auch nach dem Erwachen: Des Regens Rauschen.

› .daß meine Stimmung etwas Ungesundes hatte. ein Bauer sein konnte. im Niederplätschern der Tropfen. ein unendliches. Ich ward mir so deutlich der Gegenwart eines mir verwandten Wesens bewußt. und ich ahnte schon meine Genesung voraus. empfand ich auf einmal eine so süße und wohltuende Vertraulichkeit in der Natur. und ich empfand: keine Stelle auf Erden wird je mir wieder ein Fremdes sein. unbeschreibliches Befreundetsein nahm auf einmal wie eine Lebensluft mich umfangen. daß der nächste Blutsfreund und die menschlichste Gegenwart nicht irgendein Mensch. während ich noch mit solchen Gedanken mich quälte. Und mitten unter einem sachten Regenfall. Die kleinste Tannennadel regte sich und schwoll mir liebend entgegen und wurde mein Freund. in jedem Geräusch und jedem Anblick rings um mein Haus. selbst in einer Umgebung. und seither habe ich nie wieder an sie gedacht. die wir rauh und düster zu schelten pflegen. und die eingebildeten Vorteile menschlicher Nachbarschaft wurden mir vollends zu nichts. Ich wußte nun.

STEIGERUNG DES JAPANISCHEN NATURGEFÜHLS DURCH ZEN Die Naturerfahrung als Hintergrund der japanischen Kultur Die Liebe zur Natur. daß Zen dem angeborenen Gefühl der Japaner für die Natur einen ungeheuren Ansporn gegeben hat. die das japanische Volk ursprünglich besaß. so erhielt die ästhetische und religiöse Empfindsamkeit der Japaner immer weitere Nahrung. denn niemand kann echte Schönheit entdecken und genießen. Und es ist nicht abzuleugnen. lag ohne Zweifel in seinem angeborenen ästhetischen Sinn für schöne Dinge. nicht nur indem es dasselbe bis zum höchsten Grad der Empfindlichkeit schärfte. Aber die Bewunderung des Schönen ist im Grunde ein religiöses Gefühl. sind immer frisch und grün. die Regentropfen. das sie in ihrer Umgebung erblickten. da sie ‹wurzellos› und ‹schattenlos› sind. die Kiefern. Das bedeutet: der schneegekrönte Gipfel des Fuji wird jetzt erblickt als aufsteigend vor dem Hintergrund der ‹Leere›. die auf das Dach meiner armseligen Hütte plätschern. die selbst unfühlende Gegenstände aus ihrem animistischen Gesichtspunkt betrachten.2. Und diese Nahrung kam zu ihnen in der Gestalt einer erhabenen sittlichen Schulung und einer höchst vergeistigten Intuition. und ferner. die den Klosterbezirk umrahmen. sondern indem es ihm zugleich einen metaphysischen und religiösen Hintergrund gab. der nicht religiös ist. wenn sie alle Dinge in der Natur als gleichermaßen mit Lebenskraft beseelt ansahen in der Weise primitiver Menschen. bringen mir den . Wenn im Anfang die Japaner schlicht und naiv sich zu dem Schönen hingezogen fühlten. je tiefer sie sich in der ZenLehre des Buddhismus bildeten.

Widerhall der alten Tage, da SECCHO und KYOSEI, SAIGYO und DOGEN über ihren Schall ihre Gespräche führten. Das Mondlicht, das in den leeren Raum HAN-SHANS und des alten Ehepaars im Haus Ugetsu ‹träufelte›, wird heute abend auch dein Hotel mit all seinen modernen Bequemlichkeiten besuchen. Du sagst vielleicht, das Universum bleibe immer das gleiche, mit oder ohne Zen. Ich aber verkündige feierlich, daß ein neues Universum geschaffen wird in jedem Augenblick, da Zen aus seiner strohgedeckten Einsiedelei von viereinhalb Matten hinausblickt. Das mag allzu mystisch klingen, aber ohne die volle Erkenntnis dieses Sachverhalts wäre nicht eine Seite in der Geschichte der japanische Dichtung, der japanischen Kunst und des japanischen Handwerks geschrieben worden. Nicht nur die Geschichte der Künste, sondern die Geschichte des sittlichen und geistigen Lebens der Japaner würde ihre tiefere Bedeutung verlieren, wenn man sie von der Zen-Weise, das Leben und die Welt zu deuten, abtrennen wollte. Und ohne diese wäre es dem japanischen Volk schwerlich gelungen, dem beispiellosen Ansturm der modernen Wissenschaft, der Maschinen und des kommerziellen Industriewesens zu widerstehen. Im folgenden möchte ich den Zen-Geist erläutern, wie ihn RYOKWAN (1758 – 1831) gelebt hat, ein buddhistischer Mönch, der sein anspruchsloses Dasein im frühen 19. Jahrhundert in der Provinz Echigo verbrachte. Daß er ein Mönch war, kann die Wahrheit meiner Behauptung, Zen sei tief in das Leben des japanischen Volkes eingedrungen, keineswegs, wie man glauben möchte, abschwächen. Denn alle, die mit ihm in Berührung kamen, das heißt die ganze Gemeinschaft, in der er sich bewegte, lobten sein Leben und erblickten etwas von bleibendem Wert darin. Um die Windrichtung zu beurteilen, genügt es, einen einzigen Grashalm anzusehen. Wenn wir

den einen RYOKWAN kennen, so kennen wir hunderttausende RYOKWANS in japanischen Herzen.

Der Mönch Ryokwan als Verkörperung japanischen Zen-Geistes RYOKWAN war ein Zen-Mönch und gehörte der Soto-Schule9 an. Seine Hütte stand im nördlichen Teil unseres Landes und blickte auf das Japanische Meer. Vom gewöhnlichen Standpunkt der Welt aus gesehen, war er ein ‹großer Narr› und ein Mondsüchtiger, es fehlte ihm, was man gesunden Menschenverstand heißt und wovon wir Weltmenschen zuviel besitzen. Aber er war sehr beliebt und geachtet unter seinen Nachbarn, Streitereien und andere lästige Zufälle, die oft unser tägliches Leben verdüstern, waren sogleich beigelegt, wenn er unter ihnen erschien. Er war ein vollendeter Dichter in chinesischer und japanischer Sprache und auch ein großer Künstler der Schrift. Leute aus den Dörfern und aus der Stadt liefen ihm um eine Schriftprobe nach, und es fiel ihm schwer, solche Bitten abzuschlagen, denn sie wandten mancherlei Listen an, um ihre Wünsche erfüllt zu sehen. Ich sagte, er war ein Mondsüchtiger und ‹ein großer Narr› – das ist der Schriftstellername, den er sich selber beilegte. Aber er hatte ein sehr empfindsames Herz für alles Menschliche und Natürliche. In der Tat war er die verkörperte Liebe – eine Offenbarung des Kwannon Bosatsu10. Seine Einsiedelei auf einem Berg fern von dem Dorfe wurde einmal (oder zweimal) von einem Einbrecher heim9

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Von DOGEN in der Kamakura-Zeit (1185 – 1392) begründet. Der Bodhisattva Avalokitesvara.

gesucht. Dieser Mensch muß völlig fremd in der Gegend gewesen sein, sonst hätte er nie daran gedacht, in dieses Mannes Obdach seinen Raub zu suchen. Natürlich fand er nichts, was er hätte davontragen können. Er war sehr enttäuscht. Dies rührte RYOKWANS Herz, und er schenkte ihm die Kleider, die er anhatte. Der Einbrecher schlich eilends davon und ließ das äußere Amado offen, durch das nun der volle Mond sein Licht in RYOKWANS Raum ergoß. Da erwachte der Dichter in ihm: ‹Der Einbrecher schleppt mir den Mond nicht fort: Strahlend scheint er zum Fenster herein! O wie jenseitig klar ist sein Glanz!› Ein anderes Gedicht von ihm lautet: ‹Wo, so frag ich, wird er die Nacht verbringen, Die eiskalte, frostige Nacht, Da es auch noch zu stürmen beginnt – Ein Wandrer, allein in der finsteren Welt?› Auch dieses soll der menschenfreundliche Einsiedler nach einem andern unwillkommenen Besuch eines Fremdlings verfaßt haben. Der Heimgesuchte muß aber auch selber unter der Frostnacht in der einsamen Hütte gelitten haben. Gewiß kam er am nächsten Morgen mit fließender Nase und zitternd vor Kälte zu seinem Elternhaus, um Bettdecken zu erbitten. Auch gegen die Bettler war er gütig. Wenn er von seinem eigenen Bettelgang nach Hause ging, war er imstand, alles, was er bei sich hatte, einem unglücklichen Mitmenschen zu überlassen, den er zu-

fällig antraf. Bei solch einer Gelegenheit muß er diese Verse gemacht haben: ‹Wäre mein schwarz gefärbtes Gewand Weit und breit genug, Möchte’ ich wohl alle Armen der Welt Mit meinen Ärmeln bedecken.› Er kannte fast gar keine Bedürfnisse für sich selber. Als einer der Lehnsherren aus den benachbarten Bezirken einst seine Hütte aufsuchte, um ihn mit sich in seine eigene Stadt zu nehmen und vielleicht einen Tempel für seine Unterkunft und Religionsübung zu erbauen, blieb der Bettler-Dichter eine Weile ganz still. Wie er dann höflich um Antwort gebeten wurde, schrieb er dies: ‹Was mein Herd braucht, Schenkt mir der Wind – Ich sammle die abgefallenen Blätter.11› So beglückt in seiner Armut, war der Zen-Dichter ein großer Lobgänger der Armut. Seine Gedichte, besonders die chinesischen, sind voll solcher Empfindungen. Er scheint ein glühender Bewunderer des HAN-SHAN aus der T’ang-Zeit gewesen zu sein, denn seine Verse erinnern sogleich an die hohe geistige Luft, in der HAN-SHAN sich bewegte. Hier ein Gesang auf die Armut:

Das will sagen, daß alle seine Bedürfnisse von den mütterlichen Händen der Natur befriedigt werden und daß er kein Verlangen hat, seine Freiheit für den Dienst eines Lehnsherrn zu verkaufen.
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in Lumpen Und wieder in Lumpen – das ist mein Leben: Zum Essen pflücke ich Kräuter vom Wegrand. vergess’ ich den Heimweg – Dies Torenleben hab’ ich zu meinem gemacht. da kein Forschen ferner mehr möglich. In der Gegenwart ist keine Heimat.› . Laß deine neumodischen Einbildungen fahren! Ehrlich und ganzen Herzens forsch’ und spiegle dich in dir selber! Forschend und spiegelnd. Wenn ich Blumen sehe. nirgends ist fester Halt.› Die Lehren Ryokwans Welche Lehren hatte er in BUDDHAS Bruderschaft empfangen? Einige seien hier mitgeteilt: ‹Die Vergangenheit ist schon vorüber. Denn dies ist die Zeit. Bis der Augenblick kommt.‹In Lumpen. spiegelnd und forschend. Seit ich in Buddhas Bruderschaft eintrat. Alles wandelt sich immer. da du siehst. Namen und Worte sind selbstgeschaffne Verwirrung –Was vergeudest du so dein Leben müßig den Tag lang? Gib deine alt-vermoderten Ansichten auf. Das Zukünftige ist noch nicht da. daß all dein Leben ein Wahn gewesen. Im Mondlicht sitz’ ich versunken die ganze Nacht durch. Zur Hütte wird Stroh und Bambus gesammelt.

wohin mit Ja oder Nein – So treib’ ich im Karma dahin. wohin es auch führen mag? Kurz. Noch irgendein Wohin zu ersinnen. ‹Woher kommt mein Leben? Wohin wird es enden? In meiner Hütte sitz’ ich allein Und sinne ruhevoll. . Ich weiß nicht. bevor er dazu kam.› Was ist nun das praktische Ergebnis dieser Philosophie des ‹Garnichts-Wissens› und ‹Das-Karma-seinem-eigenen-Wirken-Überlassens›. doch mit Ernst. gerade groß genug für ihn selber. Mit all meinem Denken weiß ich kein Woher. was bedeutet RYOKWANS Leben absoluter Passivität oder Abhängigkeit oder Leere? Seine Binsenhütte war in der Tat höchst anspruchslos. sein ‹Torenleben› in den ewigen Strom des Karma münden zu lassen.Man sieht hieraus. wie fleißig RYOKWAN sich dem Studium des Buddhismus ergeben hatte. das bedeutet ein halbes Sho (weniger als ein Viertel) Reis – soviel wie ein erwachsener Mensch zum Unterhalt für einen Tag nötig hat. So ist auch meine Gegenwart Ewiger Wechsel – alles in Leere! In dieser Leere schwebt das Ich eine Weile Mit seinem Ja und seinem Nein. Daher ihr Name Gogo. vollkommen befriedet.

‹Meine einsame Hütte, Gogo-an genannt, Gleicht an Gestalt einer Hängeglocke. Sie steht von mächtigen Kryptomerien rings umgeben, Ein paar Gedichte schmücken innen die Wand, Zuweilen liegt auf dem Kochtopf dicker Staub, Oft steigt vom Herde kein Rauch empor. Der einsame Wandrer ist ein Mann aus dem Dorf im Osten, Der manchmal an die Tür pocht, wenn der Mond hell strahlt.› ‹Eines Winterabends war ich überwach, Nahm einen Stab und trat aus der Tür. Die Grillen sangen unter den alten Ziegeln, Das tote Laub fiel dicht von den schauernden Bäumen. Ferne hört ich den Strom murmeln und ziehn. Langsam hob sich der Mond über den höchsten Berg: Alles zusammen ergriff mich zu tiefer Beschauung, Nach einer Weile erst fand ich: mein Kleid war durchnäßt und schwer vom Tau.›

Die Liebe Ryokwans zu Pflanze, Tier und Kind Dieser Apostel der Armut und Einsamkeit – oder soll man ihn besser einen großen Naturmystiker heißen? – hatte ein warmes Herz für die Natur und alle Naturwesen, Pflanzen und Tiere. Da er in seinen Gedichten auf einen Bambushain anspielt, der seine Hütte umgab, so müssen viele Bambusschößlinge dort aufgewachsen sein. Er liebte sie sehr, und ich denke nicht bloß als Nahrung, sondern weil sie so gerade aufschössen, so frisch und grün das ganze Jahr hindurch blieben. Ihre Wurzeln haften fest im Boden, aber der Stamm

ist hohl, ein Sinnbild der Leere. RYOKWAN liebte diesen Charakter am Bambus. Einst, so heißt es, begann ein jung aufkeimender Schößling den Boden seiner Kammer zu durchbrechen. RYOKWAN verfolgte sein Wachstum mit liebevollem Anteil. Zuletzt sah er, wie der Bambus zu hoch für den Raum wurde, und wollte deshalb das Dach entfernen. Er nahm eine Kerze, um ein Loch hindurchzubrennen. Hielt er das wohl für den bequemsten Weg, um zum Ziele zu kommen? Vielleicht hegte er gar keine überlegte Absicht, sondern wollte nur der jungen Pflanze Platz schaffen, und da ihm gerade die Kerze zur Hand war, nahm er sie zu Hilfe. Unglücklicherweise fing das Dach in größerem Umfang Feuer, als er erwartet hatte, und das ganze Bauwerk – mit Einschluß des Bambus, nehme ich an – brannte nieder. In der Tat: ein Höhepunkt der Torheit, dies Anbrennen des Dachs um eines Bambusschößlings willen – wenigstens von unserem praktischen Standpunkt aus! Und doch bin ich geneigt, diese Torheit zu verzeihen oder vielmehr zu bewundern. Es liegt etwas so Echtes oder, möchte ich sagen, so Göttliches in seinem Mitgefühl für den Bambussproß. Etwas Derartiges liegt ja in jeder Handlung echter Liebe. Wir Menschen, die wir in praktischen und schmutzigen Rücksichten aller Art befangen sind, haben die Fähigkeit verloren, jedem reinen Impuls eines Freundschaftsgefühls zu folgen. Wie oft unterdrücken wir mit kalter Überlegung einen solchen Impuls! Vielleicht sind unsere Impulse nicht immer so völlig selbstlos, wie es bei unserem mondsüchtigen Dichter der Fall war, und dies mag uns als bewußte Rechtfertigung dienen, sie zu unterdrücken. Dann aber sollte unser Leben erst von allem Unreinen befreit sein, bevor wir gegen RYOKWAN etwas einwenden dürfen. RYOKWANS Liebe zu den Kieferbäumen erhellt auch aus seinen Gedichten. Er scheint kein großer Redner oder Schreiber gewesen zu

sein, aber alles, was sein empfindsames Herz berührte, wurde in seinen Gedichten aufgefangen, die je nach seiner jeweiligen Stimmung in verschiedenen Formen entstanden, bald auf chinesisch, bald im klassischen Japanisch von einunddreißig Silben oder in der kürzeren siebzehnsilbigen Form, bald in der Art des Volkslieds oder im vielsilbigen Stil des Mannyoshu. Er beherrschte alle diese Stilarten vollkommen, hielt sich aber nicht streng an literarische Regeln, sondern wahrte sich oft seine Freiheit auch ihnen gegenüber. Die andere Lieblingskunst, mit der er seinem Innenleben Ausdruck gab, war die Schrift. In unserem Zusammenhang sind seine Schöpfungen als Schriftsteller besser geeignet, die innerlichen Gefühle, die ihn bewegten, uns erfassen zu lassen. So singt er von einem alten Kiefernbaum in Kugami: ‹In Kugami Dem Otono gegenüber Steht eine einsame Kiefer Gewiß seit vielen Geschlechtern. Wie voll göttlicher Würde Ragt sie gen Himmel! Des Morgens Geh ich an ihr vorüber, Des Abends Trete ich unter sie. Stehend schau’ ich empor Und werd es nicht müde: O du einsame Kiefer!›

Es muß wohl etwas tief Bezauberndes an diesem uralten Baume gewesen sein. Jedes alte Baumgewächs weckt ja ein Gefühl des Geheimnisses im Beschauer, das ihm eine ferne Welt zeitloser Ewigkeit nahe bringt. In Iwamuro gab es eine andere Kiefer, die RYOKWANS Mitleid tief ansprach. Es muß ein junger Baum gewesen sein, der keine stattlichen Äste weit aussandte. Es regnete heftig, und RYOKWAN erblickte ihn ganz durchnäßt. ‹In Iwamuro Mitten in den Feldern Steht eine einsame Kiefer. Wie leid’ ich mit der einsamen, Die ganz allein steht, Ganz ertrunken im Regenschauer. Wär sie ein Menschenwesen, Ich gäbe ihr eine Regenhülle, Ich hülfe ihr mit einem Regenhut. Wahrlich, Mitleid verdient die einsame Kiefer.› Japan ist das Land der Kiefern und Kryptomerien. Diese machen den stärksten Eindruck, wenn sie in Gruppen oder langen Reihen beieinander stehen, jene sind am schönsten, wenn sie einzeln sich erheben. Die japanische Kiefernart, die Matsu heißt, breitet ihre Äste unregelmäßig aus, und ihr Stamm ist gewunden. Eine einzelne alte Kiefer, die seit langen Jahren vor unserem Zimmer wächst, ist solch ein tröstlicher Anblick für den Gelehrten oder den Mönch. RYOKWAN empfand natürlich Mitleid mit dem Baum im Felde, den der Regen durchnäßte, aber bei SAIGYO stand der Baum in einer andern Um-

ungeliebt. vielleicht auch der Flöhe. der Stechmücken und so weiter. setzte sie auf Papierbogen und legte diese in die Sonne. Er hatte ein zärtliches Mitgefühl mit allen Wesen. Ein merkwürdiger. und der Mann selber war anders in seinem Wesen. wirst du nicht einsam sein?› RYOKWAN.› ‹Müde. Die Geschichte ist für seine Einstellung zu anderen Lebensformen bezeichnend. o du Kiefer! Denn mein Los ist’s. Man sah ihn oft an einem der ersten warmen Tage im Winter. Daher lautet SAIGYOS Gedicht: ‹Noch lange künftige Zeiten Steh hier.gebung. Eine nach der andern holte er sie aus seinen Unterkleidern heraus. der von ihm berichtet wird. Wenn ich weiterwandern muß. O Kiefer. Bevor es am Abend wieder kühler wird. sprossend wie heut. war auch ein Freund der Läuse. wie er seinen Läusen zu einem Sonnenbad und zu Bewegung in frischer Luft verhalf. hier immer zu stehen. wenn auch nicht gerade anmutiger Zug. jedenfalls damals in einer anderen Stimmung. zu leben Ungekannt. Und gedenk unserer Freundschaftstage Nach meinem Tode noch. ist seine Fürsorge für die Läuse. pflückt er sie wieder weg und versetzt sie in seinen Fudokoro (Gewandtasche) zurück mit den Worten: . der die Bäume so liebte.

daß sie zum Teil wegen dessen lästiger Anwesenheit Perücken auf den Köpfen trugen und selbst diese Perücken oft voller Nissen steckten. Läuse.‹O Läuse. in Gegenwart anderer Leute. Die in den Herbstfeldern singen. auch erwarten darf. Mein Fudokoro wäre wahrlich Für euch die Musashino-Ebene. Januar 1935. Wäret ihr Grillen. siehst du irgendwelchen Kot oder Speichel am Boden. ganz selbstlose Liebe zu solchen Geschöpfen hat etwas tief Rührendes. besonders Versteckspiele und Temari (Handball). aber ich hörte. Eines Abends war an ihm die Reihe. Zecken und dergleichen. GEORGE WASHINGTON habe in seinem 14. der der eines Kindes war. was man ja bei seinem Charakter. der folgende bedeutsamen Vorschriften enthielt: ‹Töte kein Ungeziefer. Läuse. Er bemerkt ferner. so deck ihn mit dem Fuß geschickt zu. Lebensjahr einen Paragraphen über ‹Anstandsregeln› abgeschrieben. daß in England Herren und Damen der höchsten Stände nicht frei von Ungeziefer gewesen seien. so nimm ihn heimlich weg. Ein Gelehrter bemerkt: ‹Noch bis tief im 18. der ihn wegtut!› RYOKWAN liebte die Kinder sehr. haftet er an den Kleidern deiner Gefährten.› Der Gegenstand ist leider nicht eben erbaulich. sich zu verstecken. Unsere modernen Ideen von Hygiene und Reinlichkeit sind gegen das Beherbergen von Wesen dieser Art. es sei noch nicht allzulange her. und wenn er an deinen eigenen Kleidern klebt. Er spielte gern mit ihnen. wie Flöhe. Jahrhundert betrachtete man Läuse als ein unvermeidliches Übel›12. so bedank dich bei dem. und er verbarg 12 HANS ZINSSER in ‹The Atlantic Monthly›. aber RYOKWANS echte. .

Es wurde dunkler. Die Geschichte klingt so übertrieben. es war der. gingen heim. Früh am nächsten Morgen kam ein Bauer aufs Feld und hatte als erste Arbeit den Strohschober fortzuräumen. so zu handeln.sich sorgfältig in einem Strohschober auf dem Feld. wenn wir es auch nicht bemerken oder vielmehr nicht zugeben wollen. sich vor seinen jungen. arglosen und gelegentlich auch boshaften Freunden zu verstecken. Moden und Überlieferungen. Unser heutiges Leben steht unter so vielen und mannigfaltigen Regeln herkömmlicher Sitte. beweist zur Genüge seine Bereitschaft. was macht Ihr denn hier?› Der mondsüchtige Dichter antwortete: ‹Pst. aber die Tatsache. sprich nicht so laut. durch und durch rein ist . und die Kinder. die ihn nicht finden konnten. Sehen wir nun. daß man das Dach verbrennen müsse. rief er: ‹O RYOKWAN SAMA. sonst finden mich die Kinder!› Hatte er wirklich die ganze Nacht unterm Stroh auf die Kinder gewartet? War er gar nicht auf den Gedanken gekommen. In Wahrheit sind wir Sklaven von Vorstellungen unnd Meinungen. Wir leben im Zustand regelrechter Sklaverei. sein Gedankengang war vielleicht ein anderer. das. die Ideologie des modernen Menschen als Glied einer Gemeinschaft bilden. die Jungen könnten ebenso unzuverlässig und enttäuschend sein wie die Erwachsenen? Aber solche Überlegungen entsprechen unserm menschlichen Denken in dieser Welt des Unwirklichen. die den psychologischen Hintergrund oder wie man es heute nennt. Aus reiner Einfalt verbrachte er die ganze Nacht im freien Feld mit dem einzigen Gedanken. um den Bambusschößling zu behüten. daß man ihre Echtheit bezweifeln möchte. jeden Augenblick in dieser Weise zu handeln. Als er RYOKWAN darin fand. wie RYOKWAN sich ganz dem Hang seines Gefühls überläßt. wie WHITMAN uns anrät. um dem üblichen Sprachgebrauch zu folgen. daß sie so verbreitet wurde. Wir sind nie imstande.

das Drehen der Hände und der rhythmische Zusammenklang der Stimmen – so einfach das ist. ein solches Spielen sei unter der Würde von Erwachsenen. tanzen. Der sogenannte ‹Weg der Götter› deutet darauf hin. der uns allen angeboren ist. wie ihn sein Gefühl für eine einsame Kiefer oder den aus dem Boden brechenden Bambusschößling enthüllte. er oder vielmehr sie tanze wirklich gut. Es heißt. als wären wir in eine andere Welt versetzt. als junge Frau verkleidet. tat er. Wenn kleine Mädchen Temari und Otedama spielen. weil die Bemerkung mit Absicht recht laut gemacht wurde. so hilft es vielleicht RYOKWANS einfachem und arglosem Gemüt. sich so in der Bewegung Luft zu machen. wird das Gewinnen durch Absingen kindlicher Reime abgezählt.von allen egoistischen Flecken. Als einer der Tänzer aus der Nähe RYOKWAN erkannte und eine Bemerkung machte. weist ebenfalls auf jenen freien spielenden Geist hin. Daß er so gern Temari und Otedama mit Kindern spielte. dem wir aber nicht seinen Lauf lassen. Ich weiß zwar nicht genau. welche Be- . als ob er’s nicht höre. so fühlen wir uns so erquickt. Zen und die Rückkehr zur Natur In jedem unter uns lebt eine Sehnsucht nach der Rückkehr zu einer einfacheren Lebensform. er habe später seinen Freunden mit offensichtlichem Stolz davon erzählt. die auch eine einfachere Art bedeutet. In seiner Liebe zu den Kindern finden wir denselben Zug seelischer Unabhängigkeit und Unmittelbarkeit. Gefühle zu äußern und Wissen zu gewinnen. weil wir uns einbilden. Einst fand man ihn unter den Bauern. Das Aufprallen des Temari. Aus diesem Grund tanzte er auch gern bei festlichen Gelegenheiten einen ganz schlichten Volkstanz.

In dieser Hinsicht ist das Kind den Engeln. direkt und ohne Vorbedacht sein in der Reaktion auf unsere Umgebung. daß wir keinerlei Gedanken an Gewinn. Allein es handelt sich hier nicht . die das Benehmen der Erwachsenen tadellos. daß sie darunter eine Rückkehr. Natürlich sein bedeutet also wieder zum Kinde werden. auf dem die Götter gewandelt und gelebt haben sollen. der Natürlichkeit und des unmittelbaren Lebensgefühls. Das praktische Ergebnis eines solchen Betragens mag für den Geschmack der sogenannten gebildeten. Verdienst oder andere Folgen unseres Tuns hegen. Warum haben wir ihn verloren? Darin liegt ein großes und grundlegendes religiöses Problem. nicht die Wirkung unseres Handelns auf andere oder auch auf uns selber vorausberechnen und unser Leben so führen. Dies war ein Weg der Freiheit. Wertschätzung. Es lebt unter keinem derart künstlichen und von Menschen gemachten Zwang. wir möchten natürlich sein. bevor der Mensch auf die Erde kam. es kennt keine Bedenken und Überlegungen. so meinen wir vor allem: frei und unmittelbar sein im Ausdruck unserer Gefühle. den Göttern gleich. kultivierten und höchst verfeinerten Weltmenschen nicht immer erfreulich sein.deutung die Verkündiger des Kamigarano-michi dieser Bezeichnung geben möchten. allem Herkommen und allen Vorschriften entsprechend gestalten. In gewissem Sinn ist das Kind ein Bündel egoistischer Triebe. Seine Lösung gibt den Schlüssel zum Verständnis mancher Seiten des Zen-Buddhismus und auch der japanischen Liebe zur Natur. eine Bewahrung oder Erneuerung des Weges verstehen. ja. aber in ihrem Ausdruck ist es vollkommen ‹natürlich›. doch scheint es mir ziemlich sicher. was ihre praktische und weltliche Wertschätzung oder Minderwertigkeit angeht. Es kennt keinerlei gesellschaftliche Fiktionen. wenn auch nicht unbedingt in seiner Verstandeseinfalt oder in seiner Gefühlsroheit. Wenn wir sagen.

was durchaus nicht Zügellosigkeit heißen will. das in Wahrheit viel tiefer gründet als ein bloß sittliches und intellektuelles Dasein. Die Idee einer Absicht liest der menschliche Verstand aus bestimm- . Solange wir auf der Ebene des zweckbestimmten Daseins verharren. sondern um die Echtheit der Motive.um derartige praktische Überlegungen. alles Elends und allen Streits. Freiheit bedeutet Absichtslosigkeit. die jeden Vorgang des Lebens beherrscht. und Engel werden zuweilen als Säuglinge mit Flügeln dargestellt. was unser heutiges Dasein ganz besonders hemmt und verwickelt macht. Wenn wir in unseren Regungen und Bewegungen welcher Art auch immer noch einer Absicht bewußt sind. die man bei den primitiven Völkern der prähistorischen Welt vorfindet. Darin liegt etwas tief Religiöses. Rückkehr zur Natur bedeutet daher nicht etwa eine Rückkehr zu der natürlichen Lebensweise. haben wir keine Freiheit. In solcher Weise frei zu sein von allen bedingenden Regeln oder Vorstellungen. die auf der Erde umgehen. Das. Wo keine Verkrümmtheit und keine Verkümmerung des Herzens ist. Denn wir fühlen uns mit ihnen niemals völlig befriedigt und suchen nach etwas. Und Unfreiheit ist der Grund aller Sorgen. Darum malen auch die Zen-Künstler mit besonderer Vorliebe HAN-SHAN und SHI-TE oder PUTAI mit seiner Kinderschar. Diese Vorstellung ist ganz in der Ordnung. soweit sie unsere sittliche. verstandesmäßige und erdgebundene Existenz betrifft. aber dieses unser Dasein umfaßt und bedeutet viel mehr als alle diese Betrachtungsweisen. wirtschaftliche. Sie bedeutet ein Leben der Freiheit und Selbstbefreiung. das Nichtberechnende des Gefühls und die Unmittelbarkeit des Reagierens. sind wir keineswegs frei. da sprechen wir von einem natürlichen und kindlichen Gemüt. ist die Vorstellung der Zweckbestimmtheit. ist das Wesen des religiösen Lebens.

und häßliche Menschenhände werden nur allzu sichtbar. Sowie die Zweckbestimmtheit in unser Leben eintritt. der Chemie oder wer weiß was für Wissenschaften entdeckt . ist es aus mit der Kunst. das uns zu ihr hinzieht. und die Natur ist ein vollkommenes Beispiel der Kunst. Wo in einem sogenannten Kunstwerk eine Absicht zu deutlich sich ausspricht. sind Blumen als Blumen rot oder gelb und Blätter als Blätter grün. sei es im Berge Fuji. Allein vom religiös-ästhetischen Gesichtswinkel gesehen. und werden zu sittlichen Wesen. Es liegt nichts Verborgenes. der Dynamik. insofern keinerlei Absicht erkennbar ist.ten Bewegungsabläufen heraus. In der Blume können wir. der mit uraltem. Mehr als das: wir kennen jeden Teil ihres Mechanismus und den Zweck. sei es in den Wogen. das heißt Absichtslosigkeit. Sie ist ein völlig von uns geschiedener Gegenstand. Wir bewundern eine Maschine. Soheit in der Kunst besteht in ihrer Kunstlosigkeit. und es wird zur Maschine oder zur Reklame. zu dem er gemacht ist. hören wir auf. den Gesetzen unterworfen. makellos reinem Schnee bedeckt. So ist es auch in der Kunst. religiös zu sein. als von Nützlichkeitsvorstellungen besessene Wesen. In dem ganzen Gefüge gibt es nicht das geringste Geheimnis. Die Schönheit entflieht. Darin nähert sich die Kunst der Religion. unserm Befehl zu gehorchen. ihre Bestimmung zum Samen ablesen und im Samen die Bewahrung der Lebenskraft für kommende Jahre. die seit dem ursprunglosen Anbeginn der Zeiten über den Stillen Ozean rauschen. keine selbsttätige Schöpferkraft in ihr beschlossen. die von der Physik. der bereitsteht. die aufs Sorgfältigste und feinste ausgedacht ist und mit genauester Wirkung arbeitet. Alles ist vollkommen erklärbar. hoch in den Himmel emporsteigt. aber wir haben kein Gefühl. und darin hat kein Gedanke an Nützlichkeit oder Zweckmäßigkeit oder Lebensgesetzlichkeit auch nur den geringsten Platz.

Es mag scheinen. Was hat das NirwanaBild mit der japanischen Liebe zur Natur oder mit dem Zen-Buddhismus zu schaffen? mag man einwenden. Das Bild von Buddhas Nirwana – auch ein Ausdruck japanischen Naturgefühls Bevor ich zum Schluß komme. Da . möchte ich noch über das Bild von BUDDHAS Nirwana ein paar Worte sagen. Hier von Identifikation. sehen möchte. denn dies wäre eine mechanische und logische Vorstellung. so wie es allgemein in Japan dargestellt wird.worden sind. als ob dieses Thema nicht gerade hierher gehöre. zu ermitteln. und hier liegt der Gesichtswinkel. so möchte ich hier einen oder zwei Punkte im Hinblick auf die Szene von BUDDHAS Nirwana herausheben. die historische Entwicklung der Nirwana-Darstellung. ist eine Entweihung. da es ferner für den Japaner ganz allgemein einen besonderen Zauber besitzt. hat eine recht bedeutungsvolle Beziehung auf die buddhistische Einstellung zur Natur. die nur aus ein paar Strichen von eines Künstlers Pinsel besteht – und sei sie scheinbar noch so flüchtig hingeworfen – weckt doch ein allertiefstes Gefühl in uns und zwingt den ganzen Menschen in ihren Bann. Hier aber hat Zen sein Reich. so wie sie uns heute vorliegt. Es ist mir nicht gelungen. Was ich aber in diesem Bilde. unser ganzes Wesen in sie ein und empfindet jeden ihrer Pulsschläge wie unsern eigenen. Aber eine Tuscheskizze. die auf jenen Lebensvorgang nicht angewandt werden kann. wenn wir die Natur ins Auge fassen. Und da das Bild mit den Zen-Klöstern in Japan eng zusammenhängt. von Gleichsetzung zu reden. Ebenso geht. aus dem Menschen wie RYOKWAN die Welt überblicken.

Ist er nicht ein schlagender Beweis für die Tatsache. der umringt von seinen Jüngern friedlich verscheidet. entschwindet alles. ohne irgendein Zeichen der Trauer. der liegende BUDDHA ist ganz voller Ruhe. Der BUDDHA liegt da.die Überlieferung die erste Idee oder besser die erste Urheberschaft des Bildes dem WU TAO-TZE. so ist es wahrscheinlich zuerst in China entstanden. dem das Blut aus dem Haupt und aus den Seiten quillt. als läge er im Frieden schlummernd auf seinem Lager. Das eine Hauptelement des Nirwana-Bildes ist natürlich die Mittelfigur des BUDDHA. Man betrachte die Tiere hier. dem berühmten Maler der T’ang-Zeit. Der aufrechte CHRISTUS stellt einen gewaltigen Geist des Kampfes dar. indem sie das Leben des Dharma leben? . was dem Geist der Befriedung widerstreitet. Für mein Gefühl ist gerade dieser Zug in dem Bilde von der allerschwersten und tiefsten Bedeutung. Es muß etwas in ihm liegen. Gewiß aber ist es in Japan in das religiöse Bewußtsein des Volkes tief eingedrungen. sondern daß er und die Natur eins sind. zuschreibt. in Japan gewonnen. das mit großer Kraft zu uns allen spricht. nicht nur mit sich selbst befriedet. besonders unter den Zen-Anhängern. Wenn wir ihn anschauen. sondern mit der ganzen Welt und allen beseelten und unbeseelten Wesen in ihr. Man vergleiche dies Ende mit der Kreuzigung CHRISTI. Er ist aufrecht ans Kreuz gestreckt mit einem Ausdruck von äußerstem Leiden und Qual. während der BUDDHA aussieht. die Götter hier. daß der Buddhist nicht im Krieg mit der Natur liegt. Ich kann freilich im Augenblick nicht beurteilen. die Bäume hier. wie weit und wie stark es in die Vorstellungswelt des chinesischen Volkes eingegangen ist. aus unserem Bewußtsein. Dies Bild hat eine innerste Verbindung mit dem buddhistischen Leben. die über sein Scheiden weinen.

so entdeckt er in ihnen die unsägliche Glorie und Herrlichkeit des BUDDHA-KSHETRA. die ihnen auf so mancherlei Weise gedient haben. Wenn er dem Rufen eines Bergvogels lauscht. die ausgejätet werden. ist es dem Genius der Zen-Mönche und -Künstler der Sung-Zeit zu verdanken. Das Nirwana-Bild ist dafür ein erhabenes Beispiel und wirft auf die japanische Psychologie ein helles Licht. ihre Meisterwerke in dem oder jenem Stil zu schaffen. läßt den Buddhisten sogleich in der umgebenden Natur sich zu Hause fühlen. um besseren Pflanzen Platz zu machen. Wie mir erzählt wird. Selbst wenn er seinem Feind entgegentritt und im Dienst einer größeren Sache ihm das Leben nimmt.Dieser Gedanke und das wahrhafte Gefühl. wie tief die Liebe zur Natur bei den Japanern durchdrungen ist von religiöser Erkenntnis und Empfindung. Sie stiegen von ihrem transzenden- . so betet er für ihn. Aber als Zen den beherrschenden Einfluß auf das religiöse Bewußtsein der Chinesen und der Japaner gewonnen hatte. Aus diesem Grunde wird der sogenannte Ritus der Seelen Versöhnung für die Windenblüten gefeiert. Man erkennt hier. der sie bis dahin gekennzeichnet hatte. ein und dasselbe Leben im Dharma zu leben. daß sein eigenes Verdienst ihm zur künftigen Erlösung verhelfen möge. Bis dahin waren Buddhas und Bodhisattvas als Wesen gedacht worden. daß auch die Buddhas und Bodhisattvas zusammen mit den Tieren und Pflanzen auf dem Bilde dargestellt wurden. oder für die armen Tiere jeder Art. teilnahmlosen oder besser unnahbaren Ausdruck. die über menschliche Gefühle erhaben und wahrhaft übernatürliche Wesen seien. oder selbst für die abgenutzten Pinsel der Maler. wenn er die Lotosblumen im Teiche betrachtet. da nahm er den Glaubensgestalten jenen erhabenen. die zu verschiedenen Zwecken um der Menschen willen geschlachtet werden. so erkennt er die Stimme seiner Eltern.

Der Meister. der einen großen Teil von Kyoto zu Beginn des 16. unter anorganische Felsen und Berge. Als CHO-DENSU an dieser großen Aufgabe arbeitete. Es mißt ungefähr 39 X 26 Fuß. um ihr Lager gegen den Wind zu schirmen. Ist . zur Zeit eines BürgerKrieges. und Pflanzen öffneten ihre Ohren. und es wird berichtet. Und. dem es gerade an mineralischem Ultramarin fehlte. wunderbar genug. Das berühmte Nirwana-Bild des Zen-Klosters Tofukuji in Kyoto ist von einem der dortigen Mönche geschaffen worden. zu bringen. Es gibt auch eine Legende von der Entstehung dieses berühmten Werkes. so nickten Steine mit ihren Häuptern. dazu verwendet.› Die Katze fehlt aus unbekannten Gründen im allgemeinen auf den bis dahin entstandenen Nirwana-Bildern. und um sein Wort zu halten. Aus diesem Grund nehmen an BUDDHAS Nirwana alle Gestalten der Wesen einen so innigen Anteil. die ich brauche. Jahrhunderts in Trümmer legte. die für die buddhistische Lebensphilosophie bezeichnend ist. Der Künstler freute sich über die Maßen. eines der größten japanischen Meister. hätten die Krieger des Hosokawa-Geschlechts dieses Nirwana-Bild des CHO-DENSU (1352 – 1431). pflegte ein Kätzlein ihn aufzusuchen und zu seinen Füßen das Fortschreiten des Gemäldes zu beobachten. wie wir es auf dem Bilde beobachten.talen Sockel herab. sagte im Scherz zu ihm: ‹Wenn du imstande bist. am folgenden Morgen brachte ihm das Kätzlein den gesuchten Farbstoff und führte ihn überdies an die Stelle. das dafür in ganz Japan ein besonderes Ansehen gewann. Daher CHO-DENSUS Bemerkung. so male ich dein Bild in das Nirwana. wo er im Überfluß zu finden war. ebenso auch unter gewöhnliche Tiere und Gewächse. Es ist eines der umfangreichsten Hängebilder seiner Art in Japan. um sich unter uns gewöhnliche Wesen zu mengen. Wenn sie redeten. mir die Farbe. malte er das Kätzlein in sein NirwanaBild.

Die Winde ist. Eine ganze Menge wechselnder Bedingungen muß sehr gründlich berücksichtigt werden. die zugleich die des ganzen japanischen Volkes ist. daß sie eine bestimmte künstlerische Aufgabe erfüllt. wenn man schöne große Blüten aus den Ranken züchten will. in denen ein tiefes Gefühl für Dinge der Natur bei unseren Dichtern und Künstlern zum Ausdruck kommt. daß die Winde jeden Morgen frisch erblüht . oder auf solche. die auf eine Ordnung jenseits dieser flüchtigen und immer sich wandelnden Welt hindeuten. diese Pflanze so zu ziehen. Eine Eigentümlichkeit ist es. wo nur ein Gartenhag. Denn sie bedeutet Bewegung. Diese Wandelbarkeit selber ist häufig gerade der Gegenstand der Bewunderung. und Wettbewerbsausstellungen werden im Frühsommer überall im Lande veranstaltet.das nicht eine seltsame Geschichte? Sie macht die buddhistische Einstellung zur Tierwelt recht deutlich. daß diese Dinge sich nicht ausschließlich auf Gegenstände beschränken. wird es unserem Zwecke dienlicher sein. eine Mauer oder eine Hecke steht. Und es ist bezeichnend. eine der verbreitetsten blühenden Pflanzen in Japan. Naturgefühl und Künstler Die ganze japanische Literatur ist voll von Geschichten dieser Art. wie allen bekannt. sie ist mit der Tugend des Nichthaftens verbunden. wenn wir noch einige Züge aus der japanischen Kulturgeschichte mitteilen. Aber in der Regel blüht die Winde überall in großer Fülle den ganzen Sommer durch. Aber anstatt noch mehr solcher Geschichten anzuführen. die kennzeichnend für den Buddhismus und eine Seite des japanischen Wesens ist. Fortschritt und ewige Jugend. Für den Gärtner ist es eine richtige Kunst. die man allgemein als schön betrachtet.

immer Fließendes ist: wird sie nicht empfunden und bewundert. Ein anderes Gedicht lautet: . So prächtig die Blumen am Morgen sind. wendest du den Blick. das alle Dinge. solange sie von Leben erfüllt ist. Wer will die Ranken kurzlebig schelten? Sie blühen und blühen doch fort und fort. Dafür ist die Windenblüte ein Beispiel: ‹Jeden Morgen. keine Zukunft. denn sie kennt keine Vergangenheit. so welken sie schon vor dem Mittag dahin. sondern allein die Gegenwart. Sind die Blüten jung und frisch.› Schönheit ist immer lebendig. daß Schönheit etwas Momentanes. Ich weiß nicht. durchströmt. ob diese Neigung zum vorübereilenden Augenblick in der Psychologie des Japaners ihm im Blute liegt oder in gewissem Umfang aus der buddhistischen Weltanschauung stammt. Die Windenblüte muß man in ihrem ersten Erwachen bei Sonnenaufgang bewundern. Strahlend im ersten Erwachen zum Leben. so ist die Schönheit schon dahin. Auf diese Weise haben die Japaner durch die Zen-Lehre gelernt.und keine Blüten vom gestrigen Tag bewahrt. Zauderst du. die Natur zu lieben und mit dem Leben ständig in Berührung zu bleiben. ebenso auch den Lotos. Diese flüchtige Pracht hat der japanischen Phantasie reiche Anregung gegeben. so wird sie zur bloßen Erinnerung und hat ihre Lebendigkeit verloren. Tatsache ist aber. auch die Menschen. wenn die Sonne aufgeht.

daß sie gar nicht daran dachte. am Morgen zum Nachbarhaus eilte. So bitt’ ich um Wasser.› . um den sie vermutlich sich geschlungen hatten. sowohl in der Kiefer wie in der Windenblüte. Die Bedeutung dieses Augenblicks ist nicht nach den tausend Jahren der einen oder dem kurzen Tag der andern bemessen. weil die Winden mit ihren Blüten den eigenen Brunnen überwucherten. Jeder Augenblick pulst voller Leben. die Haiku-Dichterin aus der Provinz Kaga. Die so schön sich entfaltende Windenblüte hatte etwas Heiliges für sie – wenn es auch nur eine ganz gewöhnliche Sorte war. um ihrer praktischen Bedürfnisse willen daran zu rühren.‹Die Kiefer hat ein Leben von tausend Jahren.› Darin liegt kein Fatalismus. Als CHIYO (1702 – 1775). Sie hätte die Ranken ja leicht und bequem von dem Seil oder dem Brunnenstock ablösen können. sie liegt im Augenblick selber. um ihr Wasser zu schöpfen. Die Dichterin erfaßte im Augenblick einen Strahl dieser Heiligkeit. Schönheit als solche kann also nicht durch den Gedanken an ein unabwendbares Schicksal oder ihre Flüchtigkeit beeinträchtigt werden. da war ihr Herz so voll von der Schönheit der Blumen und von zärtlichem Mitgefühl für das Gewächs. Aber der Gedanke kam ihr gar nicht in den Sinn. Die Winde blüht nur einen einzigen Tag – Und doch haben beide ihr Schicksal erfüllt. und auch wir vermögen von dieser Eingebung in ihrem Siebzehnsilber etwas zu spüren: ‹Mein Trog ist gefangen Von der Windenblüte. Denn dieser ist in beiden das Unbedingte.

das frisch im Morgentau schimmert. Dieser Sprung ist eine ebenso gewichtige Angelegenheit wie Adams Sturz aus dem Paradies. Der Frosch ist genauso wichtig wie der Adler oder der Tiger. Jede seiner Bewegungen ist unmittelbar mit dem Urquell des Lebens verbunden. allein für den Japaner und besonders für den buddhistischen Japaner gibt es nichts Unbedeutendes. Nur wenn er sich zu der gleichen Höhe aufschwingt. aber wenn er auf einem Blatt des Lotos oder Basho hockt. denn auch in ihm liegt eine Wahrheit. Reitet auf einem Basho-Blatt Und regt sich unruhig. sondern kann für den Alltagsgeschmack sogar häßlich sein.› Hier wird ein stilles Sommerbild gemalt in der Gestalt eines grünrückigen Amphibiums. die das Ge- . vom Regen durchnäßt. So entstand BASHOS Gedicht auf einen Frosch. und wir sind über unser irdisches Geschäft so hinausgehoben. dann weckt er des Haiku-Dichters Einbildungskraft.Was man eine göttliche Eingebung nennen kann. und in ihr und durch sie kann man die tiefste religiöse Wahrheit lesen. kann er die volle Bedeutung der Äußerung erfassen und einen Blick in das Geheimnis tun. der in den alten Teich seines Gartens sprang. Der Frosch gilt für gewöhnlich nicht als ein schönes Geschöpf. zuckt oft wie ein Blitz in unserem Bewußtsein auf. ‹Ein einsamer Frosch. daß die einfache Äußerung unseres Erlebnisses dem Außenstehenden merkwürdig faktisch und prosaisch erscheinen kann. Manche Leute mögen einen solchen Eindruck als zu unbedeutend für eine dichterische Bemerkung ansehen. das in dem Gefühl des Dichters für die Natur verborgen liegt. sobald wir ein Stück Natur erblicken – es braucht nicht einmal schön.

aber solange er lebt. zart und äußerst gebrechlich. es birgt einen religiösen Sinn. flattert von Blüte zu Blüte und badet sich in der heiteren Sonne. Der Tempel ist meistens ein stiller Ort. weiße Geschöpf. unbewegliche Glocke sich niederläßt. oft findet man ihn friedlich träumend am Rand einer mächtigen Tempelglocke. und seine Glocke ist ungeheuer groß im Vergleich mit dem Schmetterling. kleine.› Auch darin liegt ein Stückchen menschlicher Verspieltheit und süßen Gefühls. es gewinnt seine Be- . das auf die dunkle. sein Leben währt kaum einen Sommer lang. Des Menschen Leben ist keineswegs mehr wert als das des Schmetterlings. scheint er sein Dasein im höchsten Maß zu genießen. Aber das Haiku ist nicht bloß beschreibend. Sogar in den Farben besteht ein Gegensatz – das zierliche. Schleicht die Schnecke gleichgültig weiter. ‹Von einem Kätzchen Beschnüffelt.heimnis der Schöpfung enthüllt. in dem eine gewisse Verspieltheit aufleuchtet und doch zugleich ein tiefer philosophischer Gedanke verhüllt ist: ‹Auf die Tempelglocke Ließ er sich nieder und schläft – O dieser Schmetterling!› Zunächst ist der Gegensatz bedeutsam: der Schmetterling ist nur ein kleines und flüchtiges Geschöpf. der den Sinn auf das Ewige lenkt. schwere. Noch ein anderes Haiku.

die während der Tokugawa-Zeit eine wundervolle Blüte erlebte. Käfern. das in die kleinstmögliche Zahl von Silben gepreßt wird. und alle wissenschaftlichen Berechnungen sind auf den Kopf gestellt. . wenn es mit etwas viel Bleibenderem und Allerhaltendem verbunden ist. Diese Ungewißheit des Kommenden ist allen Formen des Lebens verhaftet. ganz besonders aber in der HaikuDichtung. liegt in der völligen Ahnungslosigkeit des Schmetterlings. Und wir wissen: das Haiku ist für den japanischen Menschen eines der beliebtesten Mittel. Fischen. entdecken wir die Seele Japans in durchsichtiger Klarheit gespiegelt. In dem Gefühl. Das Spielerische aber. Hunden. zu Felsen. Bergen und Bächen. Läusen. und der Mönch wird die Glocke schlagen und eine Folge schrecklicher Donnerklänge ihr entlocken. Katzen. Gewächsen aller Art. daß plötzlich etwas geschehen könnte. so zerstört der Mensch sich selber. mit Vögeln. Die Mittagstunde kommt heran. aber seine Begierde setzt sich durch. Schildkröten und so weiter. Anspielungen auf solche Natureindrücke begegnen uns überall in der japanischen Literatur. Der Mensch sucht ihr durch die sogenannte Wissenschaft zu entgehen. Flöhen.deutung nur. das dem Dichter BUSON vorschwebte. seine philosophischen Intuitionen und seine dichterische Naturbewunderung auszudrücken. Wenn die Natur ihn nicht zerstört. Es zeigt uns. was den tiefsten Grund seines Daseins erschüttert. Es steckt eine große Lebensweisheit hinter dem epigrammatischen Ausspruch BUSONS. Grillen. Das Haiku befaßt sich mit Vorliebe mit den kleinen Lebewesen wie Fliegen aller Art. Fröschen. mögen sie beseelt oder unbeseelt sein. wie dichterisch oder intuitiv seine Empfänglichkeit gegenüber der Natur und all ihren Gegenständen ist. Es steht auch in engster Beziehung zu Gemüsepflanzen.

um die japanische Liebe zur Natur und ihre Beziehung zum Geist des Zen-Buddhismus deutlich zu machen. wir hätten die Geheimnisse der japanischen Seele begriffen. Teekult und Naturgefühl Wahrscheinlich ist das beste Mittel. Dieser Gegenstand ist überaus interessant. seine Geschichte. Wo eine Flucht unregelmäßig angeordneter Schrittsteine endigt. und in der Formung dieser Gesinnung finden wir den japanischen Instinkt für die Natur sittlich. sie sind vielmehr im Lauf der Zeit fast unbewußt aus der künstlerisch geschulten Gesinnung der Teemeister herausgewachsen. so dürfen wir sagen. so sei er für eine andere Gelegenheit vorbehalten. steht eine ganz unansehnliche strohgedeckte Hütte. daß das Haiku den Geist BASHOS. die von ihm ausstrahlt. die im Bau des Teeraums oder Teehauses sich kundgeben. verkörpert und daß der Geist BASHOS nichts anderes als der Zen-Geist ist. wo der sogenannte Teekult nach einer Reihe festgelegter Regeln vollzogen wird. der der Hauptsitz des Teekults ist. seine Voraussetzungen. Diese Regeln sind keineswegs willkürlich aufgestellt worden. seine geistigen Hintergründe alles wissen und auch mit der sittlichen Atmosphäre. Wenn wir erst über den Teekult. nied- . seines Schöpfers in der neueren Zeit. ästhetisch und geistig durch die Zucht der ZenPhilosophie herangebildet. seine Praxis. eine Betrachtung der verschiedenen Vorstellungen. Ich möchte hier nur einen Teeraum in einem der Nebenklöster des Daitokuji beschreiben.Ich brauche kaum darauf hinzuweisen. jenes Zen-Tempels. da er aber eine sehr ausführliche Behandlung beansprucht. vertraut sind. der sich in siebzehn Silben ausspricht.

um durch sie hindurchzuschlüpfen. Die Tragpfosten sind nicht blank geglättet. der durch den Kiefernhain geht. Nun bemerken wir ein altertümliches Kakemono (Hängerolle) in der Nische mit ein paar Schriftzügen oder einer Tuschmalerei (Sumi-ye). Das Innere ist ein kleiner. und die Kenner vergleichen es sehr treffend mit einem leisen Wind. . sondern von dem schweren Eisenkessel. Das Summen kommt eigentlich nicht vom Kochen des Wassers. der in keiner Weise üppig oder auffallend ist. muß der Besucher sich alles Drum und Dran entkleiden. um eine Schale Tee miteinander zu schlürfen und dabei alle Sorgen der Welt zu vergessen. aber wie eine kleine weiße Schwertlilie. wird die Schönheit der bescheidenen Blume durch die Umgebung hervorgehoben und zieht die Aufmerksamkeit der ganzen Versammlung von Gästen auf sich. Jetzt lauschen wir dem Summen des kochenden Wassers im Teekessel. Es sind nur vier oder fünf eigens eingeladen. die sie sonst bedrücken mögen. Ein Weihrauchgefäß verbreitet einen Duft von Wohlgeruch. die Decke niedrig. sondern nur eine Art Öffnung. indem unser Auge sich dieser Umgebung anpaßt. Das Blumengefäß in der Nische enthält nicht mehr als einen einzigen Blütenzweig oder Blütenstengel. von ungleicher Höhe und Konstruktion. Nach einer kleinen Weile wird der Raum allmählich heller. Den Eingang bildet nicht eine Tür. Dieses ist in einer viereckigen Aushöhlung des Bodens angefacht. sondern meist aus unbearbeitetem Holz. die ein Samurai in der Feudalzeit überall bei sich zu tragen pflegte. der auf einem dreifüßigen Rahmen über dem Feuer steht. der eigentümlich beruhigend auf die Nerven wirkt. das heißt sein Langschwert und sein Kurzschwert ablegen.rig und anspruchslos im höchsten Maß. die unter einem Felsblock und umgeben von dunklen Kiefern blüht. halbdunkler Raum von ungefähr zehn Fuß im Quadrat.

in dem der Mensch sich über die Schranken der Relativität erheben und einen Blick auf Ewiges tun darf? Meine Antwort ist in CHAO-CHOUS Einladung seiner Zen-Schüler zu einer Schale Tee enthalten. der ihn fragte: ‹Bist du immer hier gewesen?› Und der Mönch antwortete: ‹Nein. und die Japaner machten wirklich zuviel Gerede über alltägliche Belanglosigkeiten. Bedeutet es wenig. Meister. an dem Schlürfen eines derartigen Getränks könne wahrhaftig nichts liegen. so fühlt sich der Sinn merkwürdig über die Zufälle des Lebens hinausgehoben. Meister. Man kann der Meinung sein. auf die der Mönch antwortete: ‹Ja. stellte er ihm die gleiche Frage. so bin ich gewiß: die Zen-Meister und die Tee-Meister werden ruhig und heiter bei ihrem Zen.Es trägt viel zu der heiteren Stille des Raumes bei. ihrem Wabi oder Sabi bleiben. der Kaufmann von dem Gedanken an das Geldverdienen. wo es doch im heutigen Leben so viel ernsthaftere Dinge zu bedenken gebe. ihrem Tee.). denn hier hat der Mensch das Gefühl. ich bin schon einmal .› CHAO-CHOU sprach: ‹Nimm eine Schale Tee!› Als ein anderer Mönch zu ihm kam. wenn man in dieser Welt der Eitelkeit und des Streits einen noch so bescheidenen Winkel findet. Der Krieger ist von seinem täglichen Geschäft des Kämpfens erlöst. Jh. als säße er allein in einer Berghütte. wo eine weiße Wolke und die Musik der Kiefern seine einzigen trostreichen Gefährten sind. die von den Teegeräten in dem Raum angeregt werden. Wie immer man zu dieser Frage sich stellen mag. das ihn sonst nicht zur Ruhe kommen läßt. Wenn man in dieser Umgebung mit guten Freunden eine Schale Tee zu sich nimmt und dabei gewöhnlich über die Sumi-ye-Skizze in der Nische oder über Kunstfragen plaudert. Einst kam ein Mönch zu CHAO-CHOU (9. Denn sie sind von dem Wert ihres Tuns fest überzeugt.

Der sogenannte Teekult dürfte uns auch etwas sehr Gewichtiges zur Kulturgeschichte des japanischen Volkes zu sagen haben. kein anderer dürfte mich so schlagen.hier gewesen. Der Mönch. . ‹Was meint wohl CHAO-CHOU?› ‹Gar nichts. Nun wandte sich MU-CHOU an einen der ihm aufwartenden Jünglinge: ‹Was denkst du über CHAO-CHOU?› Der verneigte sich ehrfurchtsvoll vor ihm. sondern voll ernster Konsequenzen. suchte später den Jüngling auf und fragte ihn: ‹Was meinte dein Meister.› CHAO-CHOU sprach: ‹Nimm eine Tasse Tee!› Später erkundigte sich der Inju (das Oberhaupt der Mönche): ‹Wie kommt es. davon reden und befragte einen Mönch. er weiß nicht einmal. Meister›. und CHAO-CHOU sprach: ‹Nimm eine Schale Tee!› Noch später hörte MU-CHOU. und der Meister schlug ihn. der von CHAO-CHOU kam. ein anderer Meister. ob sie nun schon lange hier sind oder nicht?› CHAO-CHOU rief: ‹O Inju!› Der Inju erwiderte: ‹Ja. der von CHAO-CHOU kam und ihm Auskunft gab. daß Ihr die Mönche ganz gleich behandelt.› Nach alledem ist das Schlürfen einer Schale Tee keine gleichgültige Angelegenheit.› Mit diesen Worten schlug der Meister den Mönch. es ist nur sein alter Trick!› MU-CHOU sprach: ‹Der arme CHAO-CHOU. daß du ihm einen Schöpfeimer voll Mist über den Kopf geschüttet hast. als er dich kürzlich schlug?› Sprach dieser: ‹Wäre er nicht mein Meister. Meister.

Wie immer bisher sind die Übertragungen ziemlich wortgetreu. Manche meinen. Dies Gefühl ist nicht unbedingt mit Zen verbunden. in denen keine kunstvolle Gedankenführung noch eine verstandes- .3. daß wie in der Sumi-ye-Malerei der japanische Geist auch in der Dichtung es fertiggebracht hat. Nebenbei möchte ich darauf hinweisen. seine Gefühle mit der kleinstmöglichen Zahl von Worten auszudrücken. das ästhetische Feingefühl der japanischen Seele zu vertiefen und es schließlich in einer religiösen Intuition zu verwurzeln. mit nur ebenso vielen Erläuterungen. Wie alle Gedichte. können auch die japanischen nicht mit allen Feinheiten der Empfindung und allen literarischen Kunstgriffen in einer fremden Sprache wiedergegeben werden. Aus dem Waka von einunddreißig Silben ist das Haiku von siebzehn geworden. er habe den höchsten Grad des verstandesmäßigen Denkens noch nicht erreicht. ja in Wahrheit allen Naturerscheinungen ergeben ist. und aus diesem Grunde gebe er sich mit der kürzesten dichterischen Form der Waka und Haiku zufrieden. wie ich schon früher bemerkte. die einem mystischen Begreifen der Natur entspringt. Das bedeutet. JAPANISCHE KIRSCHBLÜTEN-DICHTUNG ALS AUSDRUCK JAPANISCHER NATURLIEBE Die folgenden Verse auf die Kirschblüte sind ziemlich willkürlich aus der japanischen Dichtung gepflückt. um zu zeigen. Zen hat zu einem guten Teil dazu beigetragen. wie leidenschaftlich das Volk Japans den Blumen. der japanische Geist habe noch keine klare Grenze zwischen Philosophie und Leben oder zwischen Vorstellungen und unmittelbarer Erfahrung gezogen. aber. gleichgültig in welcher Sprache. um den Sinn der originalen Worte in ihrem abendländischen Gewand verständlich zu machen.

daß er die bedeutsamsten Beziehungspunkte auszuwählen weiß. Nehmen wir ein paar Beispiele. Wir müssen uns aber auch daran erinnern. alle dichterischen Assoziationen. Die Regenzeit ist in Japan sehr . mit der stärksten Wirkung in sich heraufzubeschwören. daher sei mit einem solchen Ausdrucksmittel keine große Dichtung zu schaffen. Das dichterische Genie des letzteren beruht darin. er muß daher mit den leiblichen und seelischen Verhältnissen wohl vertraut sein. philosophischen und historischen Grundlagen. Eines aber wenigstens möchte ich zur japanischen Dichtung bemerken: Infolge ihrer Kürze verzichtet sie darauf. macht ein Haiku als Ausdruck seines Gefühls gegenüber dem Mond.gerechte Entwicklung höchst veredelter Gefühle sich durchführen lasse. ein Dichter des 18. Andere stellen fest. jetzt aber leise und unverhofft hinter den Kiefernwipfeln erscheint. die in seinen Silben enthalten sind. von den Gedanken. aus denen sie erblüht ist. Der Sinn der japanischen Dichtung wartet noch in verschiedenen Richtungen auf eine gerechte Untersuchung. der japanische Wortschatz sei arm und beschränkt. der sich infolge der andauernden Frühlingsregen Nacht um Nacht vor ihm verborgen gehalten hat. Diese Auslassungen hat der Leser selbst zu ergänzen. durch die er den Leser veranlassen kann. in denen der Dichter lebt. nicht zum wenigsten nach den psychologischen. RYOTA. aber alle Verallgemeinerungen enthalten nur eine teilweise Wahrheit. daß das Geheimnis des Haiku nicht unbedingt auf der bloßen Suggestion beruht. Jahrhunderts. Erlebnissen und Umgebungen ausführlich zu sprechen. die zur Abfassung eines Gedichts geführt haben oder aus ihm weiter entwickelt werden können. Diese kritischen Bemerkungen mögen bis zu einem gewissen Grade richtig sein. Das muß eine äußerst frohe Überraschung für ihn gewesen sein.

dunsterfüllte Erde fließt. die das Mondlicht an einem Frühlingsabend lieben. der weiß was der erste Schnee im Jahr bedeutet und auch.trübe und lästig für Menschen. in der Nacht. Da. wie ein heimlicher Lauscher Hinter den Kiefern: der Mond!› Das Haiku ist.13› TENTOKUS menschenliebendes Herz entlockte ihm folgendes Haiku. Jeden Abend schlaf ich im Regengeriesel ein. ‹Es ist Juni und Regenzeit. Da auf einmal hängt oben der volle Mond Und der Kiefern Schatten unten im Garten. was ein FäßchenEnglische Übersetzung von BASIL HALL CHAMBERLAIN in seinem Aufsatz: Basho and the Japanese poetical Epigram. während seine chinesische Übersetzung in vier Zeilen von je fünf Charakteren eine genauere Vorstellung vermittelt: ‹Sommer ist’s. Für den Japaner aber. ohne Zweifel für die meisten abendländischen Leser unverständlich. und dumpf meine Strohhütte. so wie es dasteht. 13 . alles lösender Schein weit über die neblige. wenn sein sanfter. weicher. Fäßchenaufklauber!› Das ist allem Anschein nach Unsinn. das heute zum Sprichwort geworden ist: ‹Heut kam der erste Schnee! Auch du eines Menschen Kind.

so hätte er gewiß einen ‹Gesang vom Hemd› geschrieben. als um diese Zeit die meisten Bäume noch kahl sind. sie währt nur eine Woche ungefähr. Der Junge ist auch eines Menschen Kind. Der Junge war sicher nicht warm angezogen. Wäre TENTOKU ein HOOD gewesen. aber am selben Tag pflegen auch die wohlhabenden Leute auszugehen und mit ihren Freunden ein kleines Sakegelage in einer Vorstadtschenke und ihrem schönen Garten zu veranstalten. aber hier bedarf es oft einer Erläuterung. Der Dichter war höchstwahrscheinlich auch unterwegs zu solch einer Gesellschaft. Das Waka hat einunddreißig Silben und kann daher etwas mehr aussprechen als ein Haiku.aufklauber in der Feudalzeit war. Der erste Schneefall erfolgt gewöhnlich am ersten kalten Wintertag. Die erste (A) befaßt sich vornehmlich mit Wind und Regen. die oft zu früh die Blütenblätter zerstreuen. Es ist ja keine ausdauernde Blüte. dann sehen Berghänge und Flußtäler aus wie ein einziges Blütenmeer. sobald er sich ausführlicher ausdrücken wollte. Wenn das Waka sich nicht zu einer größeren Anzahl von Worten entwickelt hat. Die nachstehenden Gedichte auf die Kirschblüte sind in vier Gruppen eingeteilt. ist dieses Haiku wahrhaft ergreifend. zu dem sogenannten Prosagedicht seine Zuflucht nahm. warum muß er leiden. Das fällt um so mehr ins Auge. . liegt es daran. wahrscheinlich in Lumpen – und barfuß. daß der japanische Dichter. da sah er einen armen Jungen die kleinen Sakefäßchen aufsammeln. um die nur angedeuteten Gedanken in den rechten Zusammenhang zu rücken. Das erregte des Dichters Mitgefühl. wenn so manche andere vom selben Alter in müßigem Reichtum schwelgen? Der Gerechtigkeitssinn empört sich. die man auf die Straße geworfen hatte. Wir haben mehrere Formen davon in unserer Literatur. Früh im April ist sie mit einem Schlag aufgebrochen.

und wir sind glücklich. . wenn die Kirschen in voller Blüte stehen. daß der Winter hinter uns liegt. Die dritte Gruppe (C) spielt auf den Sinn dieses Blühens an. Es ist ein wahrhaft wunderbares Bild. auf welche Weise immer die Dichter ihn deuten mögen. daß sie für das Volk unserer Heimat das Sinnbild des Frühlings ist. liegt sicher daran. hat diese Jahreszeit ihren Gipfelpunkt erreicht. Wenn die Kirschen blühen. Die letzte Gruppe (D) drückt ihre Sehnsucht aus. wenn zum Beispiel der ganze Berg Yoshino von der üppigen. so gerät die ganze Bevölkerung von Tokyo oder Kyoto außer sich vor Freude. daß die Kirschblüte bald kommen möge. erquickender Sonnenglanz in der dunstigen Luft über sie ausgebreitet. die Tage werden länger. meist rosenfarbenen Blütenpracht bedeckt ist. Was die Japaner so viel an sie denken macht.Die zweite Gruppe (B) besingt den herrlichen Anblick. Ist dann ein warmer.

Mönch SOSEI (10. Jahrhundert) Ich glaubte. Wo keinem Wind der Durchlaß gewährt sei.› . Zerschlissen die Fäden. und verstand sich auf Furyu. Als er ABE SADATO in der sogenannten Kleiderfeste besiegt hatte. sandte er ihm folgende Spottverse : ‹Ach. dies sei das Tor am Grenzpaß. der die Blüten entblättert? Kann einer mir’s sagen? In seinem Hause will ich ihn suchen Und meine Klage ihm singen. antwortete SADATO sogleich: ‹Wie schade darum! Zu lange getragen.› 14 Um wenigstens als Dichter nicht geschlagen zu werden. besonders als Bogenschütze. der Bergpfad ist überschüttet Mit abgefallenen Kirschblütenblättern! MINAMOTO YOSHIIYE (1051 – 1108)14 YOSHIIYE aus dem Haus der MINAMOTO war ein großer Krieger. deine Kleiderfeste Ist endlich in Lumpen zerfallen. (Anspielung auf den Namen Na-ko-so) Doch ach.A Wo bleibt eine Zuflucht vor dem Sturm.

so heiter. Ich schelte den Wind und die Welt nicht. Die so friedvoll. bevor ihre Zeit kam. so in sich beseligt? FUJIWARA TOSHINARI (1114 – 1204) Laßt uns den Wind nicht ungerecht schelten. Denn im fernsten Winkel von Yoshino Ist keine Kirschblüte mehr zu erblicken. ihr Kirschenblüten. Wenn er die Blüten so grausam entblättert – Vielleicht verlangt es sie selber. dahinzuscheiden. 15 . Diese neue Sammlung von Waka-Gedichten enthält die besten Beispiele aus der Zeit des abgedankten Kaisers GOTOBA und wurde 1205 unter persönlicher Aufsicht des Kaisers herausgegeben. daß ihr so schleunig entblättert! Warum folgt ihr des Frühlings Seele nicht.Wie schade. Mönch JIYEN (1155 –1225) Nirgends ist jetzt mehr der Frühling. FUJIWARA SADAIYE (1162 –1241)15 Einer der Zusammensteller des Shin Kokinshu.

Und der ganze Berg ist ein einziges Leuchten MINAMOTO YORIMASA Meines Herzens Sehnsucht. . Heut ist sie endlich erfüllt! TOYOTOMI HIDEYOSHI (1536 16 – 1598)16 Über seine Liebe zum Teekult siehe S. Sind dort auf dem Gipfel Kirschblüten oder sind’s Wolken?› MINAMOTO YORIMASA (1104 – 1180) Am Berge die Bäume wiesen kürzlich noch keine Spur. Nun aber stehn sie in voller Pracht. Daß sie Kirschblüten trügen.B Die Jahre vergingen. Wie freudig wallt mir die Seele! FUJIWARA YOSHIFUSA (804 – 872) Dort kommt ein Holzsammler Und steigt den gewundenen Bergpfad herab: ‹Sag mir. Jahre um Jahre gehegt. alt bin ich geworden – Es ist nicht zu leugnen – Doch wenn ich rings die Kirschblüten sehe. 113 pass. mein Freund. Die Kirschen von Yoshino blühen zu sehen.

die auf dem Erdball wohnen. wo er steht. Brechen all die Bergkirschenblüten hervor. denk ich der alten Tage der Götter – (der Tage des Friedens). Zu unserem Lande kommen. ISHIKAWA YORIHIRA (1191 – 1859) Der Yoshino-Berg liegt hinter Nebeln – Ich weiß nicht. HATTA TOMORI (1799 –1874) . Die Kirschen in voller Blüte zu sehen! KAMO NO MABUCHI Die langen Frühlingstage wählten sie als die schönsten. Wie ich sie anschaue. Ist nichts als ein Meer von blühenden Kirschen. gewiß. Nun feiern die Kirschen selig die Blütenzeit. Aber soweit ich nur schauen kann.Wie strahlend. Zum Berge von Yoshino kommen. KAMO NO MABUCHI (1697 –1769) O möchten doch alle. und doch wie friedlich und heiter Des Frühlings Seele ist! Aus seiner Seele.

ganz mit der Natur zu leben und in ihr aufzugehen.› In Japan und China wird der Tod des BUDDHA am 15. Monats im ersten Jahr der Kenkyu-Periode (1190). sein Verständnis für die Natur und sein brennendes Verlangen. Daher SAIGYOS Wunsch. Wenn es Vollmond ist. zu der auch die Kirschen blühen. ein besseres Bild. Tag des 2. OCHIAI NAOBUMI (1861 –1903) SAIGYO. So stünd ich. Der zweite Monat entspricht ungefähr der zweiten Hälfte des März und der ersten des April nach unserem Kalender. ich möchte unter den Kirschblüten sterben Im blühenden Frühlingsmonat. daß er sich folgendermaßen aussprach: ‹Mein Gebet ist. SAIGYOS Liebe zu den Kirschen ging so weit. Monats (nach dem Mondjahr) begangen. RIKYU. Tatsächlich hat sich BASHO selber in die gleiche Reihe mit SAIGYO gestellt. Seine Anhänglichkeit an die Kirschen ging noch über das Grab hinaus. aber sein tiefsinniger Geist. denn seine Bitte war: . um diese Zeit. Er gehört der Zeit vor Zen an. BASHO und vielen andern. sondern auch für die des buddhistischen Einflusses auf die japanische Kultur ein unauslöschlicher Name. zu sterben. Tag des 2.Trüg ich ein altes Schwert und scharlachfarbene Rüstung. Inmitten der Bergkirschbäume in ihrer Pracht. SAIGYOS Gebet wurde erhört. ist nicht nur für die Geschichte der japanischen Literatur. bringen ihn in die engste Verbindung mit SESSHU. von dem schon oft in diesem Werk die Rede war. denn er starb am 16.

bald brechen sie hervor. und kein Japaner. Auf welchen Bergesgipfeln Die Kirschen zuerst erblühn: Wie sehnt es mich nach ihrem Anblick!› Gleich den meisten Japanern war er auch ein großer Liebhaber des Monds. die sie bewundern?› ‹Das Jahr rückt vor. wie sehr er in sie wie in andere Wesen der Natur verliebt war: ‹Unbekannt und ungeachtet lebe auch ich in der Welt. Das Mondlicht hat eine besondere Anziehungskraft für die japanische Phantasie. Der Japaner liebt das Sanfte und Zärtliche. Das liegt zu einem guten Teil an den Wetter. Wenn auch ein Erdbeben ihn zuweilen erschüttert. Wenn Menschen in Zukunft meiner gedenken!› Unter anderen Kirschblütengedichten SAIGYOS finden sich folgende.‹Bringet dem Buddha Kirschblüten dar. Warum entschwinden die Kirschblüten denn So ungerührt den Augen der Menge. was dieser Art ist. zu wissen. sitzt er doch gern still im Mondlicht und läßt sich von seinen blassen. das Halbdunkel. So wart’ ich müßig auf sie den ganzen Tag unter Bäumen. die zeigen. der überhaupt ein Waka oder ein Haiku verfassen möchte. kann am Monde vorbeigehen. wie könnten Blumen des Frühlings vergessen? Gewiß. die leisen Andeutungen und alles.› ‹Tief im Herzen verlangt’s mich. bläulichen Strah- .und Luftverhältnissen des Landes.

Nur des Mondes befreundetes Licht. das Land der Reinheit ist ja nichts anderes als die überweltliche Spiegelung einer solchen ästhetisch-geistigen Hingabe. und das rührt besonders an das Gemüt des Japaners. Er ist im allgemeinen der scharfen Helle. ‹Keine Seele besucht meine Hütte. deren er sogar nach dem Tode nicht vergessen kann oder der zuliebe es ihm schwer wird. aus dem Leben zu scheiden. vereinigt er sich mit dieser Mondseele. Das Mondlicht ist gerade leuchtend genug. Der über die Wälder hervorspäht. ob er sonst schon an gar nichts Irdischem mehr haftet.len umfangen. aber in unserer feuchten Luft erscheinen alle Dinge darin nicht zu sehr ausgesprochen.› ‹Eines Tages werde ich. Aus dieser Welt hinscheiden I Doch ewig verlangt mein Herz Nach dem Mond. die ein Trost für die Seele sind. nach dem Mond!› . dem Aufreizenden und dem Allzudeutlichen abgeneigt. ach. ein gewisser geheimnisvoller Duft durchdringt alles. Wahrlich. Während SAIGYO allein in seiner Bergklause sitzt.

die alte Hauptstadt. Abend brach ein: Unter dem Kirschbaum dort such’ ich mein Bett Und bin die Nacht bei den Blüten zu Gast. wie die Kirschen in Blüte stehn Und Blumenblätter leis niederschweben. . Shiga. DATE CHIHIRO (1803 – 1877). Sie blühen und wehen dahin. Mönch NOIN (10. TAIRA NO TADANORI. Nur die Bergkirschen allein Blühen strahlend wie immer. Jahrhundert). liegt ganz in Trümmern.C Zum Dorf in den Bergen am Frühlingsabend Komm ich und lausche der Tempelglocke Schau. Und es bleibt nur Regen und Wind – Die Kirschenblüte ist schon vorüber! Doch ihre Seele ist nie entblättert. TAIRA NO TADANORI (1143 –1183).

Zieht es mein Herz sehnend zum weißen Gewölk.D ‹Wenn die Kirschen anfangen zu blühen. Das die Berghäupter am Frühlingsmorgen umschwebt. . Ich hör’ ihn kommen. ‹Sattelt mein Roß. Wenn in Yoshino die Kirschblüte sich naht. SAKAWADA MASATOSHI (1580 –1643). geschwind!› MINAMOTO NO YORIMASA. So melde mir’s gleich!› Der Mann aus den Bergen vergaß es nicht.

auf dem Zen einige wichtige Fragen der Religion und Philosophie behandelt. wie sie lauten soll.Was für eine Frage soll ich denn an Euch richten?’ KUEISHAN schlug vor: . es wird vernichtet. wird dann wohl das (innerste. Darauf bemerkte KUEI-SHAN: . es verschwindet wie alles andre.Wenn du es nicht weißt. geheimnisvolle) Dies auch vernichtet?› TAI-SUI: ‹Ja. noch zu begreifen.› Dieses Mondo wird von YÜAN-WU (Sung-Zeit) in seinem Pi-yenchi folgendermaßen kommentiert: ‹Der Fa-chen TAI-SUI war ein Schüler des TAI-AN und stammte aus der Stadt Yen-t’ing in T’ung-chuan.Auf diese .’ SUI erwiderte: . verschwindet es wie alles andere?› TAI-SUI: ‹Ja. versah er den Dienst des Huo-tou (Feuer-Haupt) und hatte die Obhut über das Herdfeuer. Er studierte Zen unter mehr als sechzig Meistern. Während er bei KUEI-SHAN verweilte.Du bist nun schon einige Jahre hier bei mir. du weißt noch nicht. so frag einfach: Was ist der BUDDHA?’ SUI aber legte schnell seine Hand auf des Meisters Mund und hielt ihn zu.› Mönch: ‹Wenn ja. mir eine Frage zu stellen. 1 Unter der T’ang-Dynastie fragte ein Mönch den TAI-SUI: ‹Wenn der Kalpa-Endbrand ausbricht und alle die Welten verzehrt. näher aufzuklären. folgen hier zwei Beispiele mit dem Kommentar eines Zen-Meisters.ANHANG I Fragen der Religion und Philosophie Um den Weg. Eines Tages fragte ihn KUEI-SHAN: . doch scheint es.

’ Später kehrte TAI-SUI in seine Geburtsstadt heim und errichtete am Fuß des Peng-kou eine kleine Bude. der den Boden für dich fegt. wo ein Kloster erbaut wurde. es verschwindet wie alles andere. Wenn am Ende eines Kalpa der Weltbrand ausbricht. Zerstörung und Verschwinden. das Dies verschwinde wie alles andere. Fragen wir: Was ist mit dem Dies dieser Fragestellung in Wirklichkeit gemeint? Manche geben ihm eine verstandesmäßige Auslegung und sagen: Dies ist die ursprüngliche Natur aller Wesen.Wenn der Kalpa-Endbrand ausbricht.Wenn der KalpaEndbrand alle die Welten verzehrt. die wahre Bedeutung zu erfassen. werden alle Welten vernichtet. Bestehen. so versuch keine Frage zu stellen!’ In späterer Zeit gab es einen Mönch. in der er drei Jahre lang den Vorüberwandernden Tee ausschenkte.’ Der Mönch fragte weiter: . es wird vernichtet. Einer der Mönche fragte ihn einst: .öffnen’.Ja.’ Das wird von vielen mißverstanden. SUI antwortete: . die unfähig sind. wird dann das Dies vernichtet oder nicht?’ . Darauf berief man ihn. wohin geht es dann wirklich? Hätte hinwiederum TAI-SUI gesagt: Das Dies verschwindet nicht wie alles andere. Wenn TAI-SUI erklärt. um den TAI-SUI (den Berg als Abt) zu .Weise wirst du nicht einmal einen finden. der das Oberhaupt von Hsü-Shan fragte: . worin die physische Entwicklung des Weltalls als ein Durchgang durch vier Perioden beschrieben wird: Entstehen. wird Dies auch vernichtet werden oder nicht?’ Diese Frage stammt aus einer buddhistischen Schrift.Verschwindet es dann wie alles andere?’ SUI sprach: Ja. Jener Mönch verstand aber den letzten Sinn der Schriftworte nicht. was dann? Darum spricht ein alter Meister: Willst du in Wahrheit das Wesen treffen. so steigt er auf bis zum dritten Dhyana-Himmel.

In der Tat. verneigte sich ehrfurchtsvoll in der Richtung des Berges und sprach: . Jener erste Mönch konnte TAI-SUI nicht begreifen und war darüber sehr bekümmert. was zu TAI-SUI über das Schicksal des Dies verhandelt worden war. T’OU-SHAN fragte ihn: .Von TAI-SUI im Lande Shu. und dieser schlug ihn. eile dich und kehre zu TAI-SUI zurück!’ Der Mönch wanderte wieder nach Shu.Wo kommst du her?’ Mönch: . war des Meisters Antwort. ob man sagt. verbrannte Weihrauch.Weil Dies und alle Welten das gleiche sind’.Was hat TAI-SUI zu sagen?’ Der Mönch berichtete alles. oder. Dies wird nicht vernichtet – das Ergebnis ist das gleiche. T’OU-SHAN erhob sich von seinem Sitz. mit Hilfe des dortigen Meisters die Frage zu lösen. Darum begab er sich zum T’OU-SHAN und hoffte.Warum nicht?’ .› Der Mönch neigte sich vor dem Meister. Jeder Satz ist genug.Nein. YÜAN-WUS Kommentar dazu lautet: .› 2 Ein Mönch stellte PAI-CHANG die Frage: ‹Was ist das wunderbarste Ereignis auf Erden?› PAI-CHANG antwortete: ‹Hier sitze ich ganz für mich selbst.Ein Buddha ist im westlichen Shu erschienen. um den Atem stocken zu machen.’ Wieder fragte der Mönch: . fand er zu seinem Jammer seinen alten Meister bereits in Nirwana eingegangen.Der Meister sprach: . es wird nicht vernichtet.’ T’OU-SHAN: . und als er TAI-SUI erreichte. ob man sagt Dies wird vernichtet.

Der Mönch verneigte sich. wenn es not tut. sein Leben zu wagen. daß sie sich nicht gebührt? Wenn wir zu diesem Punkt kommen.’ Das wird man verstehen. zögert nicht. Das ist keine gewöhnliche Verneigung. vom höchsten Gipfel aus zwischen Schwarz und Weiß.‹Wer ein Auge hat. was sie in sich tragen. zu unterscheiden. all dem Ausdruck zu geben. Aber gute Freunde tun manchmal. so ist alles mit einem Zug in Ordnung gestellt. Aber dieser Mönch trotzte der Gefahr und faßte ihn am Bart. der sich vor ihm verneigte.Was ist das wunderbarste Ereignis auf Erden?’ Er besitzt das Auge der Unterscheidung. finden wir. Fragen wir: Was meint der Mönch mit seiner Verneigung? Hat sie sich gebührt? Und wenn. sie hüten sich. woran liegt es. was dem Manne. Rein und Trüb zu unterscheiden. daß der alte Meister PAI-CHANG durch das listige Betragen des Mönchs sich nicht täuschen ließ. Es war ein Glück. Er entdeckte sofort. als wollte er den Löwen in seiner Höhle reizen. ihm zu antworten: . er weiß seinen Leib herumzuwerfen. wirst du nie ein Tigerjunges fangen. daß ein geübter Geist dazu gehört. durch den Sinn ging und gebrauchte seinen Stock mit der rechten Wirkung. Des Mönchs Verneigung ist gleich. Auf die Verneigung antwortet der Stock. als ob sie einander nicht kennten. Darum seine Frage: .Hier sitze ich ganz für mich selbst. so ist alles ausgewischt und keine Spur mehr übrig. daher nimmt sich PAI-CHANG die Mühe. ihn zu schlagen? Hat sich aber die Verneigung nicht gebührt. Wäre es ein . der Mönch kennt PAI-CHANG durch und durch. Denn solange du dich nicht in des Tigers Höhle wagst. PAI-CHANG ist ein großer Meister und gleichsam ein geflügelter Tiger. wenn man auf die Zeit vor der Frage des Mönchs zurückgehen kann. was veranlaßt PAI-CHANG. wenn er einatmet. Hieraus sehen wir: wenn der Meister ausatmet.

so gäbe es kein Zen. sondern es liegt im Wesen der Sache. so erklärt der eine Meister. die sie nur finden können. wenn das ganze Weltall der Vernichtung anheimfällt.Geringerer als PAI-CHANG gewesen. Zen begreifbar (das heißt erlebbar) zu machen. und da sie ein und dasselbe sind. so wird keines von beiden vernichtet. Hätten sie wie die Philosophen den logischen oder dialektischen Weg eingeschlagen. Seine zweite Erklärung. das Dies habe das gleiche Los wie alles übrige – das können wir dahin verstehen. Wir mögen fragen: ‹Warum ist Zen in seiner Darlegung dieses besonderen Standpunkts nicht ausführlicher und verhüllt ihn vielmehr. Nun kann . In Wahrheit tun sie ihr Bestes. Nehmen wir das erste Mondo über das Schicksal des Dies. so hätte er bei dem Mönch nichts ausrichten können. Aber da ist ein anderer Meister. denn er sagt. um sich auf die lebenswichtigste und durchdringendste Weise. der dieser Behauptung scheinbar widerspricht.› Für alle. wenn er nach dem Warum gefragt wird. wie es uns scheinen muß!› Die Antwort wird lauten: Zen will uns keineswegs mit Absicht sozusagen in die Irre führen. auszudrücken. daß die vom Leib unterscheidbare Seele mit dem Verschwinden des letzteren selber verschwinde. Aber eines wenigstens werden sie hier bemerken. aus dem es anschaut und urteilt. lautet: Die Seele ist der Leib. daß es gar keinen andern Weg gibt. nämlich daß Zen dem gewöhnlichen Weg des Räsonierens nicht folgt oder daß Zen einen anderen Standpunkt hat. den alle aufeinanderfolgenden Meister in China und Japan beschritten haben. die Seele folge dem Los des Leibes nicht. bleiben die obigen Mondo und Kommentare vollkommen rätselhaft. die in die Geheimnisse der Zen-Behandlung dieser religiös-philosophischen Probleme nicht eingeweiht sind. und der Leib ist die Seele. als eben diesen.

Das zweite Mondo schneidet all diese logischen Verwicklungen und geistigen Kümmernisse kurzerhand ab.› Jener Philosoph ist ein schwachmütiger Bursche. das Dies werde nicht vernichtet. wie es im allgemeinen die meisten Philosophen ebenso wie die Leute auf der Straße tun. zu der wir nach mühevollem Erwägen gelangen. äußerst bekümmert. Sobald eine Frage aufgeworfen wird. so folgt daraus das Problem: ‹Wird das Dies vernichtet?› oder ‹Wird das Dies nicht vernichtet?› Heißt es. . daß man dieses Wunder ganz fest erfaßt und gar keine weiteren Fragen stellt. wir haben sie in dem gleichen Sinn aus vollem Herzen und ohne Zögern anzunehmen. und Zen ist vollkommen befriedigt. Seele und Leib. so ist der Frager über das Schicksal seiner kostbaren Seele oder von irgend etwas. Mein und Dein zu unterscheiden. um zu einem wahrhaften Begreifen der Sache zu kommen. Der beste Weg. Heißt es aber wiederum. PAI-CHANG gibt uns hier die ganze Wahrheit ohne jede Zurückhaltung. Das ist gewiß nicht die Schlußfolgerung. das ihm sehr teuer ist. Und auf Grund dieses Irrtums von Anbeginn werden wir in eine endlose Folge von logischen Schwierigkeiten verwickelt. Der Zen-Meister hat mit solchen dialektischen Witzeleien nichts zu schaffen.man den Gesichtspunkt dieses Meisters so auffassen: Es ist von Grund auf ein Irrtum.› Ist das nicht die wunderbarste Tatsache von der Welt? Zen verlangt nur. Sinn und Welt. denn PAI-CHANG ist auf die positivste Weise bejahend und schlüssig: ‹Ich sitze hier ganz für mich selber. er gibt geradenwegs seinen endgültigen und unwiderruflichen Wahrspruch: ‹Ich sitze hier ganz für mich selber. Denn in Wahrheit ist hier gar keine Frage möglich. der erklärt hat: Cogito ergo sum. ist ‹gar nicht zu fragen› – und hier ist Zen. das Dies wird vernichtet. so ist er ebenso bekümmert über sein Woher und sein zukünftiges Wohin.

so war es diesem Prinzen zu verdanken. Jahrhundert studiert und kommentiert hat. es mag eher wie eine Folge paradoxer Aussprüche erscheinen. der von den Buddhisten mit Recht als der Vater des Glaubens in Japan verehrt wird. Wenn der Buddhismus in Japan feste Wurzeln gefaßt und den Charakter unseres Volks in mehr als einer Hinsicht geformt hat. von dem die Rede ist. Bauherr. das im Zen-Studium sehr viel benutzt wird. Er war groß nicht nur als frommer buddhistischer Denker. und da es die grundlegenden Erkenntnisse nicht nur von Zen. Auch da noch findet man hier keine logische Gedankendarstellung. damit den Gegenstand. Das Sutra. daß man mit dem Inhalt des Yuima-kyo sich vertraut macht. von dem wir handeln. . verständlicher machen und abklären zu können.3 Es gibt ein Mahayana-Sutra. sondern des gesamten Buddhismus darlegt. die SHOTOKU TAISHI im frühen 7. allein da wir mehr an die Auseinandersetzung mit Worten gewöhnt sind. von denen wir schon einzelne angeführt haben. Für Zen-Jünger sind zwar die sogenannten Mondo. ‹verständlicher› und treffen das Wesentliche schärfer. Es war einer von den drei ersten Mahayana-Texten. als Ordner der sozialen Verhältnisse und als künstlerischer Schöpfer auf den verschiedensten Gebieten. so möchte ich es hier in seinen Grundzügen wiedergeben und hoffe. so wird ein Abriß des Sutra sicher von Nutzen sein. sondern ebenso als Staatsmann. Erzieher. heißt Yuima-kyo (im Sanskrit Vimalakirti-Sutra). So ist es vielleicht der beste Weg sich der Zen-Philosophie zu nähern. das sein Andenken unsterblich erhält. Das Horyuji bei Nara ist sein Denkmal.

Sie hatten alle zum mindesten einmal früher eine solche Erfahrung gemacht. das heißt ‹geschickten Mittel› oder ‹Geheimniswege› (Upayakausalya). sich mit dem großen MahayanaDenker und Heiligen auszusprechen. ein wohlhabender Haushalter in Vaisali zur Zeit des BUDDHA. Nur so viel läßt sich sagen. Es ist nicht genau ermittelt. Er war in der Philosophie des Mahayana gründlich bewandert. erregte seine fleckenlose Lebensführung allgemeine Bewunderung. wollte er auch einen seiner Jünger zu YUIMA senden. die großen Adelsherren. und keinem war es gelungen. wann das Sutra in Indien verfaßt worden ist. ein jeder war schmählich von ihm widerlegt worden. ihn aufzusuchen. Als der BUDDHA dies erfuhr. Eine Zeitlang schien er kränklich zu sein. Die Kenntnis seiner Lehre wird unserem Verständnis für den Buddhismus sehr nützlich sein. Das war eines seiner Hoben. sei- . Die Hauptgestalt des Sutra ist YUIMA. daß keiner von ihnen der Aufgabe gewachsen sei. Dank seiner tiefen philosophischen und religiösen Erkenntnis und wohl auch seinem dramatischen Aufbau und seinem hohen literarischen Rang hat dieses Sutra einen großen geistigen Einfluß ausgeübt. war ein großer Menschenfreund und ein sittenstrenger Anhänger des Buddhismus. sondern auch in China. den Wunsch des BUDDHA zu erfüllen. daß es vor der Zeit NAGARJUNAS entstanden ist. Die ganze Stadt Vaisali. die Brahmanen.Das Yuima-kyo wurde von KUMARAJIVA im Jahre 406 zum erstenmal ins Chinesische übersetzt. das heißt um den Beginn der christlichen Zeitrechnung. Obschon er in der Welt als Laie lebte. Allein sie alle lehnten es ab. und erkundigte sich ängstlich nach seinem Ergehen. durch die er seine Umgebung über die Flüchtigkeit des Menschenlebens belehren wollte. und entschuldigten sich damit. nicht nur in Japan. die Beamten und das Volk aller Klassen beeilte sich.

Solange du diesen Zustand der Vergeistigung nicht erreicht hast. denn es zeigt sich hier. denn für ihn sind alle Dinge gleich. um Almosen zu bitten. heißt schon Unterscheidung. um mein Almosen zu erbitten. Almosen zur Nahrung mußt du empfangen. Es ist vielleicht von Interesse.› Als SUBHUTI aufgefordert wurde. allen Buddhas und Bodhisattvas Opfer darzubringen mit der Schale voll Reis. Am Gedanken haften. die du von den Armen zu sammeln trachtest in der Meinung. Er nimmt alle Daseinsformen an. daß man etwas empfange. um die Hinayana-Jünger des BUDDHA zu schlagen: Der große KASSYAPA wanderte einst umher. von Gut und Böse. bist du nur ein unnützer Verbraucher der Nahrung. Erhebe dich über die Vorstellungen von Ich und Nicht-Ich. welcher Art Überlegungen YUIMA vorbringt. der nicht an ihr hängt.nen Standpunkt gegen seine Gedankengänge zu verteidigen. zu ihm zu gehen: ‹Als ich einst in das Haus des alten Weisen kam. wie sie sind. YUIMA aufzusuchen. Und stünde er mitten in jeder Art von Verhaftungen der Welt. . und haftet doch nicht an ihnen. so wirst du erst fähig sein. dein Herz von unparteiischer Liebe erfüllt sein. ein oder zwei Beispiele solcher religiös-philosophischer Gespräche zwischen YUIMA und den Jüngern BUDDHAS anzuführen. so muß dein Sinn von jeder Unterscheidung befreit. füllte er meine Schale mit Reis und sprach: .Nur ein solcher ist würdig dieser Speise. Gutes zu tun. Wenn du gehst. YUIMA begegnete ihm und sprach: ‹Du brauchst nicht mit Absicht den Reichen aus dem Wege zu gehen. bekannte er folgendes und erklärte sich für unwürdig. von Gewinn und Verlust. so ist er doch frei von ihnen. um Almosen unter den Armen zu sammeln. die du von deinem Spender empfängst. du gebest ihnen so eine Gelegenheit. als ob du überhaupt nichts empfingest.

Mildtätigkeit ist keine Ursache des Segens. mit den Dämonen zu wandeln und zu wirken.O MAITREYA.’ Da es sich so verhält. Nun möchte ich gern wissen. Sind sie zur Hölle verdammt. Wenn es das gegenwärtige ist. Sie sind wahrhaft befreit und darum ohne Furcht. (Das heißt. so ist das Künftige noch nicht da. Sagst du. Wenn du nicht fähig bist. was dieses eine einzige Leben in Wahrheit bedeutet. so hast du kein Recht auf diese Speise. kein Zögern und kein Widerstreben kennst. wohin sie gehen. so geh mit ihnen. daß ich nicht geeignet bin. Die Weisen allein sind ohne Haftung. Ist es dein vergangenes. sehe ich ein. hatte er dies zu berichten: ‹Als ich vor Zeiten im Tushita-Himmel weilte und vor dem Herrn des Himmels und seiner Heerscharen über ein Leben der Nichtwiederkehr sprach. sie sind nichts als Namen. Wenn es das zukünftige ist.’ Als ich das vernahm. hat der Buddha Shakyamuni dir geweissagt. daß du die vollkommene Erleuchtung im Lauf eines einzigen Lebens erlangen wirst. die Gegenwart hat keinen festen Punkt in der Zeit. dann darfst du auch diese Speise annehmen.Lausche nicht dem Buddha und sieh ihn nicht an. war ich wie vom Donner getroffen und wollte vor ihm davonlaufen ohne meine Schale. dein zukünftiges oder dein gegenwärtiges Leben? Wenn es ein vergangenes ist. so ist es . so ist das Gegenwärtige ortlos. Aber er sprach: .› Noch ein Beispiel für viele. Sie gehen über das Erkennen hinaus und wissen. was Wirklichkeit ist.Alle Dinge haben nur ein scheinbares Dasein. sondern folge deinen Irrlehrern und gehe. erschien mir YUIMA und redete folgendermaßen zu mir: . Die Spender erwerben sich kein Verdienst. Als die Reihe an MAITREYA kam. hinzugehen und nach seinem Ergehen zu fragen. so handelnd. wie ich vernehme. dies ist gegenwärtig. so ist das Vergangene vergangen und ist nicht mehr. und wenn du.

fünfhundert Sravakas und Hunderttausenden von Herrschern der Götter zog er in Vaisali ein. nicht nur die Weisen und Heiligen. da erkannten die zweihundert Herren der Götter auf einmal das Kshanti im ungeborenen Dharma. nach der Lehre des BUDDHA nicht unter die Begriffe von Geburt.› In dieser Weise lehnten es die Jünger BUDDHAS in dieser Versammlung einer nach dem anderen ab. Nach des BUDDHA Wort sind alle Wesen aus Soheit (Tathata) und leben in Soheit. so werden auch alle andern ihrer teilhaftig. sondern blieb allein in seinem Gemach von zehn . Wo willst du. wenn es in Wahrheit weder Erreichen noch Nichterreichen. sondern ein jeder unter uns – und auch du selber. bei dem alten Denker von Vaisali irgend etwas auszurichten. weder Leib noch Seele gibt?’ O du Erhabener. so müssen alle fühlenden und unfühlenden Wesen ebenfalls der Erleuchtung gewiß sein. Wenn der BUDDHA dir verheißen hat. daß du die vollkommene Erleuchtung erlangst und in Nirwana eingehst. dein Leben der Nichtwiederkehr lassen. Darum bin ich nicht geeignet. als YUIMA diese Rede im Tushita-Himmel sprach. der voll tiefer Bedeutung war. Und in dieser Erleuchtung gibt es keinerlei Unterscheidung.schon vorüber.) Da dieses sich so verhält. YUIMA wußte dies wohl. o MAITREYA. Alter und Tod. seinen Wunsch zu erfüllen. und wenn einer von uns die Erleuchtung erlangt. wie es in diesem Augenblick von einem jeden unter uns gelebt wird. ist diese Soheit eine und dieselbe. so fällt das sogenannte gegenwärtige Leben. Begleitet von achttausend Bodhisattvas. o MAITREYA. er entblößte sein Gemach von jeglicher Einrichtung und ließ nur eine Liegestatt darin. Denn solange wir aus Soheit und in Soheit bestehen. Auch hatte er keinen von all seinen Dienern um sich. Am Ende aber nahm MANJUSRI den Auftrag an. auf die er sich selber niederlegte.

und wenn sie vom Leiden geheilt sind. wie der Hausherr für all die Bodhisattvas und Jünger. und mein Sehen ist Nicht-Sehen. deshalb leide ich. ob SARIPUTRA um des Dharma willen oder um des Ruhesitzes willen gekommen ist.Fuß im Quadrat. so werde auch ich geheilt sein. Wir sagen. und doch ist kein Sehen zwischen den beiden. du bist wahrhaftig willkommen. als schiede ich nicht.› Während das Gespräch zwischen YUIMA und MANJUSRI in dieser Richtung weitergeht. SARIPUTRA bemerkt. Aber dein Kommen ist Nicht-Kommen. als käme ich nicht. die mit MANJUSRI gekommen sind. Das Gespräch des Bodhisattva mit diesem verschlagenen Weisen und Heiligen. Ruhesitze bereiten will. Ein Bodhisattva nimmt ein Leben von Geburt und Tod allen Wesen zuliebe auf sich. denn ich bin im Auftrag des BUDDHA hier. einem der verständnisvollsten Hörer (Sravaka) aus der Gefolgschaft des BUDDHA. gibt es auch Leiden. Denn mein Kommen ist von nirgendwo. Weil alle fühlenden Wesen leiden. daß . begann folgendermaßen: YUIMA: ‹O MANJUSRI. daß YUIMAS Gemach leer von jeder Einrichtung ist mit Ausnahme der Liegestatt. und dies ist die Ursache meiner Krankheit. um nach deinem Befinden zu fragen. YUIMA liest SARIPUTRAS Gedanken und fragt. Aber lassen wir dies eine Weile beiseite. und scheide. Geht es dir besser? Wie bist du krank geworden? Und bist du nun geheilt?› YUIMA: ‹Aus der Torheit entsteht das Begehren. Solange es Geburt und Tod gibt. wir sähen einander. dessen Erkenntnis unter den Jüngern des BUDDHA ohnegleichen war. ereignen sich ein oder zwei Zwischenfälle mit Sariputra. die hier versammelt sind.› MANJUSRI: ‹Du hast recht. und mein Scheiden geht nirgendhin. Ich komme. und verwundert sich. Nachdem er versichert hat.

sich niederzulassen.er um des Dharma willen gekommen ist. Das scheinbar so kleine Gemach YUIMAS hat Raum für alle diese Sitze. aber die Sravakas sind nicht imstande. Da er gewahr wird. Alle Besucher werden eingeladen. von denen jeder so hoch ist wie der Berg Sumeru. wo man die besten Ruhesitze findet. der dem SARIPUTRA widerfährt und der für die ganze Gedankenrichtung des Sutra höchst bezeichnend ist. zu den Stühlen emporzusteigen. denn ein einzelnes Senfkorn kann unmöglich alle Weltberge in sich aufnehmen. so erwächst daraus jede Art sittlicher und geistiger Hemmung. wie klein das Gemach ist. da dieser auf seiner geistigen Pilgerschaft jedes denkbare Buddhaland in allen tausend Welten besucht hat. bietet seine Begegnung mit einer Himmelsfürstin. Daher kommt kein Ende des Leidens in diesem Leben. und man wird unrettbar verwickelt in die Maschen der Widersprüche und des Entweder-Oder. verwundert sich SARIPUTRA wiederum. wie das geschehen kann. daß man irgend etwas sucht noch an irgend etwas haftet. Sie befand . YUIMA läßt sogleich zweiunddreißigtausend Ruhesitze aus diesem Buddhaland kommen. Jeder von diesen kunstvoll geschmückten Sitzen ist hoch und breit und jedem erhabenen Bodhisattva als Thron angemessen. Schildkröten. belehrt ihn YUIMA. Denn solange es irgendein Suchen oder Haften gibt. YUIMA wird von MANJUSRI belehrt. Das Suchen nach dem Dharma beruht nicht darin. Einen anderen Zwischenfall. und eine einzelne Pore der Haut (Romakupa) kann unmöglich die vier Weltmeere mit allen Fischen. in dem diese ganze Schar eingeladen ist. wie man das Dharma suchen soll. sich niederzulassen. Die Bodhisattvas nehmen bequem ihre Plätze ein. denn sie sind allesamt zu hoch für sie. Krokodilen und so weiter in sich einziehen.

› Nachdem die Unterhaltung in dieser Art weitergegangen ist.› SARIPUTRA: ‹Wie lange bist du schon in diesem Gemach?› Die Göttin: ‹So lange. Warum soll ich mich also verwandeln?› Diese Gespräche sind jedoch nur Seitenwege. das heißt Advaita. Sieh die Bodhisattvas an! Da sie gänzlich frei von diesem Mangel sind. . zeigt SARIPUTRA sein Erstaunen über die tiefe Erkenntnis dieser himmlischen Schönheit und fragt sie zuletzt. Die Blüten glitten an den Leibern der Bodhisattvas herab. Die Göttin erwidert sogleich: ‹Seit zwölf Jahren habe ich nach der Weiblichkeit meines Wesens gesucht. Nachdem ein jeder seine Auffassung ausgesprochen hat. aber ich habe sie nicht gefunden. blieben aber an denen der Sravakas und auch an SARIPUTRAS Leibe haften. sich zu äußern. bittet YUIMA MANJUSRI. diesen Begriff zu bestimmen. zurückkehren. können die bösen Geister selber dem Wesen nichts anhaben. haftet keine Blüte an ihnen. YUIMA bittet jeden der versammelten großen Bodhisattva. Er versuchte sie abzustreifen. aber vergebens. zu YUIMA und MANJUSRI. warum er das tue. Ihre Unterhaltung dreht sich um die Frage der Nicht-Zweiheit. wie du selber erlöst bist. Wenn alle aus der Unterscheidung geborenen Gedanken entfernt sind.› Die Göttin: ‹Sprich nicht also! Diese Blüten sind frei von Unterscheidung.sich unter der Versammlung und lauschte dem großen Zwiegespräch zwischen YUIMA und MANJUSRI. und wir müssen zu den Hauptgestalten des Sutra. Antwortete SARIPUTRA: ‹Das ist nicht in Übereinstimmung mit dem Dharma. warum sie sich nicht in eine männliche Gestalt verwandle. Aber infolge deiner eigenen Unterscheidung haften sie an deinem Ich. Dann ließ sie einen Regen himmlischer Blüten auf die Hörer sich niedersenken. Die Göttin fragte ihn.

verkündet YUIMA. o YUIMA! Das ist in Wahrheit der Weg. obgleich es nur ganz wenig ist. Er versetzt sich in den Zustand der Beschauung und durchdringt kraft seiner Zaubermacht alle Welten. . Darauf bemerkt MANJUSRI: ‹Wohlgetan. kein Zeichen zu erblicken.› MANJUSRI fragt dann: ‹O YUIMA. die so zahlreich sind wie der Sand an den zweiundvierzig Gangesströmen. So gelangt er in ein Buddhaland. aber es folgt noch eine letzte Episode. stofflicher Nahrung. und verwundert sich. der über dasselbe gesetzt ist. Die Mahlzeit besteht freilich nicht in der Einnahme von roher.MANJUSRI spricht: ‹Soviel ich verstehe: wo kein Wort mehr zu sagen. da wir alle uns über den Gegenstand ausgesprochen haben?› YUIMA schweigt und spricht kein einziges Wort. ihm von seiner Speise etwas abzugeben. daß allen Versammelten ein übernatürliches Mahl sogleich aufgetragen wird. Die Bitte wird gewährt.› In dieser Frage des Advaita gipfelt das Yuima-Sutra. was SARIPUTRAS Sinn beschäftigt. den köstlichen Duft zu schmecken. und bittet den BUDDHA. das Duftland heißt. Es ist ein ätherisches Essen. wie YUIMA alle die Bodhisattvas und anderen Wesen in seinem Gemach von zehn Fuß im Quadrat bewirten will. wahrhaft wohlgetan. und was ist deine Meinung jetzt. das keine Worte und keine Zeichen erklären können. um jedes Hungergefühl zu stillen. und YUIMA kehrt mit dem Mahl für die Versammlung zurück. daß die Zeit des Mahles herankommt. bei dem es genug ist. und wo von irgendeiner Frage gar keine Rede mehr sein kann – da betritt man das Tor von Advaita. Der geschäftige SARIPUTRA denkt daran. das in all diesen erhabenen Wesen entstehen mag. keine Wahrnehmung mehr aufzunehmen ist. Da er erkennt. das Tor von Advaita zu durchschreiten. und alle Anwesenden werden satt von der Speise.

Sravakas. über das der Buddha Akshobya (der Unbewegliche) die Herrschaft hat. der Belehrung des BUDDHA zu folgen. Die Versammlung ist von seinem Anblick entzückt und wünscht. in diesem Land des Akshobya wiedergeboren zu werden. Dies Land heißt Abhirati. mit Gewächsen und Blumen und mit seinen Bewohnern beiderlei Geschlechts. Man erblickt es mit dem dort thronenden Buddha Akshobya. vor dem BUDDHA. . das Land der vollkommenen Freude. allen Arten von Göttern und Nagas und anderen geistigen Wesen. die zum Tushita-Himmel empor und auch zu unserer Welt hinabführen. mit seinen Gebirgen und Strömen und Meeren. mit seinen Bodhisattvas. Das Sutra schließt mit dem üblichen Segenswunsch des BUDDHA für das Fortwirken des Dharma auf dieser Erde und dem Gelübde aller in der Versammlung Anwesenden. Auf des BUDDHA Ersuchen bringt YUIMA durch ein Wunder das ganze Land vor die Augen der Versammelten. aus dem YUIMA herkommt.Danach erscheinen sie allesamt. der große Denker und Heilige YUIMA mit ihnen. Eine besondere Eigentümlichkeit dieses Buddhalandes ist es. der ihnen nun von dem Lande berichtet. daß es mit drei Reihen von Treppen versehen ist.

und ihr Haar ist weiß. um die Zen-Lehre zu verbreiten. Was wir bemerken. das unter den zweihundert beliebtesten ausgewählt ist. denn sie tut harte Arbeit. und wir erklären es für schön – denn naturgemäß sollte das Werk der Liebe schön sein. ‹Yamauba› ist eines von den buddhistischen Stücken. Die meisten unter uns bilden sich ein. Es birgt die sittlichen Ideale. die vor allem aus Zen geschöpft sind. sieht abgemergelt aus. durch und durch gesättigt mit tiefen Gedanken. Da es in früheren Zeiten vor allem von der SamuraiKlasse gepflegt wurde. Das folgende Stück. ohne daß wir es merken und ohne daß sie darüber murrt. wie ein Bauernweib. vertritt das Prinzip der Liebe. Liebe sei etwas. zart und bezaubernd sein müsse. Es ist vielfach falsch gedeutet worden. hat ein besonderes Interesse für Zen. Wahrscheinlich ist es von einem buddhistischen Priester verfaßt. und die meisten Liebhaber des No begreifen den wahren Sinn des Stückes nicht. . wörtlich ‹die alte Bergfrau›. von den Sorgen um andere ist ihr Gesicht voller Falten. die religiösen Glaubensformen und die künstlerischen Bestrebungen des Volkes in sich. Aber die Liebe selber. Gewöhnlich sind wir ihrer nicht bewußt und treiben die ganze Zeit Mißbrauch mit ihr. ist das oberflächliche Ergebnis ihrer Arbeit. das schön von Erscheinung. Aber das ist sie in Wahrheit nicht. die heimlich in jedem von uns lebendig ist.ANHANG II Das No-Spiel Das Studium des No-Spiels ist in Wahrheit das Studium der japanischen Kultur überhaupt. jung. das harte Arbeit verrichtet. ist es mehr oder weniger in eine Atmosphäre feierlicher Strenge gehüllt. Yamauba.

so dürfen wir nicht davor zurückschrecken. als der Drache selber vor ihm erschien. die sie freilich gern erträgt. sie als wirkliche Gegenwart zu erblicken. das heißt vom Gesichtspunkt ihrer unermüdlichen Arbeit. . keine Rast. in die tiefsten Schlupfwinkel unseres Bewußtseins einzudringen. Der Verfasser des Stücks ‹Yamauba› machte diese Vorstellung zur Hauptgestalt seines Werks und ließ sie als unbekannte und unsichtbare Macht hinter der sichtbaren Natur und Menschheit sich auswirken. Wir singen von Yamauba. aber sie bleibt eine Redensart. Ihr Leben ist eine Folge von Mühsal. so sind wir in Verlegenheit und wissen nicht. die sie lösen soll. wir scheuen davor zurück. Die Sage von Yamauba muß den Japanern seit alten Tagen vertraut gewesen sein. Wir reden gern von solch einer Macht in unserer Philosophie. sie wandere umher von Berg zu Berg und schaue nach den Bauern und Bergbewohnern. damit er das mythische Wesen wahrheitsgetreuer darstellen könne. Sind wir jedoch entschlossen. der alten Frau aus den Bergen. Wir gleichen dem Maler. wie Zen es uns anrät.Sie hat soviel verwickelte Probleme. wenn sie in die Dörfer hinunterstieg. aber wenn sie in eigener Person vor uns tritt und uns das Innere ihres Daseins enthüllt. die Wirklichkeit mit beiden Händen zu ergreifen. Theologie und Literatur. Die Liebe in dieser Gestalt. so hatte sie doch ein wohlmeinend-herzliches Wesen und hinterließ Segen auf ihren Spuren. keine Erholung. aber in äußerstem Schrecken das Bewußtsein verlor. ist recht passend verkörpert in Yamauba. Sie wandert von einem Ende der Welt zum andern und kennt keine Ruhe. der gern Drachen malte. Wenn sie auch meist als gealtert dargestellt wurde. Sie war ursprünglich vielleicht kein häßliches altes Weib. was wir anfangen sollen. Man glaubte.

Wir sind ja auf dem Weg zu Buße und Einkehr. Die No-Spiele sind schwer zu übersetzen. Laß uns den Wagen hier lassen und zu Fuß über den Bergpaß von Agero weiterziehen. das Unmögliche zu versuchen.› Tänzerin: ‹Man berichtet viel von dem Reinen Lande im Westen. den Tempel Zenkoji in der Provinz Shinano aufzusuchen.› . daß ihr die Leute diesen Beinamen gegeben hatten.Mit dieser vorangeschickten Bemerkung wird das Stück Yamauba verständlich werden. der die Literatur dieser Zeit kennzeichnet. aber hier sind wir wenigstens auf dem geraden Wege zum Tempel Amidas. zu wandern. der die Grenze von Ecchu und Echigo bildet. vielleicht sind sie überhaupt nicht übersetzbar. Dienerin: ‹Endlich haben wir die Grenze von Ecchu und Echigo erreicht. denn verdienstlicher ist es. und ich habe nicht den Ehrgeiz. Das Stück beschreibt diese Wanderschaft in dem üblichen farbenreichen Stil. Laß uns hier ein wenig ausruhen und über die Weiterreise Erkundigungen einziehen. sie machte sich daher in Begleitung ihrer Dienerin auf die lange und mühselige Reise über die Berge des nördlichen Japan. dessen Sinn von ausländischen wie von japanischen Schriftstellern gröblich mißdeutet worden ist. weil sie das Lied von Yamauba so wundervoll sang und tanzte. Eines Tages kam sie auf den Gedanken. das jenseits von tausend Millionen von Buddhaländern gelegen ist. über dem der BUDDHA im letzten Augenblick unseres Erdenlebens erscheinen wird. mit denen sie auf das üppigste umkleidet ist: In der Hauptstadt lebte einst eine Tänzerin. bekannt als Hyakuma-Yamauba. Im folgenden wird daher nur ein nackter Abriß der Handlung ohne die literarischen Ausschmückungen gegeben. Zuletzt kamen beide an den Fluß Sakai. uns zu begrüßen.

die von Berg zu Bergen wandert. Verbringt die Nacht in meiner armseligen Hütte mit mir!› Dies Anerbieten nahmen sie mit großer Freude an. und in dieser Absicht hatte sie den Tag seine Schritte zur Nacht beschleunigen machen. Weib: ‹Es hilft euch nichts. Diese standen vor einem Rätsel. denn sie begriffen nicht. sie sei eine Art böser Geist. der in den Bergen haust. Ihr Lied handelt von Yamauba. so weißt du vielleicht doch nicht. wer ihr seid. Was sollen wir tun?› Während sie so in Unruhe waren. wer sie waren. die Sängerin das Lied von Yamauba singen zu hören. erschien vor ihnen ein Weib und sprach: ‹Ihr Wanderer.Dienerin: ‹Wie seltsam! Es ist noch nicht Abend. doch bricht schon das Dunkel herein. so ist sie niemand anders als ich selber. Du meinst vielleicht. ist niemand anders als HyakumaYamauba selbst. deren Ruhm eben jetzt die ganze Hauptstadt erfüllt. das in den Bergen lebt. sprach das fremde Weib eine Bitte aus: sie wünschte. Nachdem sie sich niedergelassen hatten. Wenn man unter Yamauba ein altes Weib versteht. und wenn sich wirklich dein Herz zu ihr neigt. Laßt mich denn der wunderbaren Weise lauschen! Wenn du schon von Yamauba singst. kehrt bei mir ein! Ihr seid hier auf dem Paß von Agero fern von den Wohnungen der Menschen. und der Abend bricht schnell herein. damit sie ihre einsame Herberge den Wanderern auftun konnte. wie ihre Wirtin so genau wissen konnte. Die mir gegenübersitzt. darauf kommt es nicht an. daß ihr vor mir verbergen wollt. Du singst von ihr. Diesen Wunsch hatte sie lange gehegt. Ob sie ein Geist oder ein menschliches Wesen ist. wer sie in Wahrheit ist. warum soll nicht ein Opfer dem BUDDHA gebracht und Gebete für ihre Erleuchtung und Erlösung gesprochen werden? Bring heut dein Lied und deinen Tanz dem .

› Tänzerin: ‹Das ist wirklich ein Wunder! Du bist in Wahrheit Yamauba selbst?› Weib: ‹Die einzige Absicht. und diesem Etwas müssen wir unmittelbar ins Auge sehen. Und wenn die Wirklichkeit vor uns tritt. um zum wahren Urgrund unseres Lebens zu gelangen. warum ich dich zu sehen wünschte. war’s. so sind wir entsetzt oder machen den Versuch. dem Wehgeschrei der Realisten zum Trotz. gern mit Vorstellungen statt mit Wirklichkeiten spielen. sie unsern vorgefaßten Vorstellungen anzugleichen.) Zwischenspiel Während die Tänzerin und ihre Dienerin ihre Vorbereitungen zu dem Auftreten trafen. ihrer Wirtin gefällig zu sein. denn wir sind alle unverbesserliche Idealisten. sie wolle sich in ihrer ursprünglichen Gestalt offenbaren und die ganze Nacht zusammen mit ihr singen. Sing mir.BUDDHA dar. ihr Singen und Tanzen zu beginnen. zu fassen ist. um das ‹die alte Bergfrau› sie so dringlich gebeten hatte. warum mein Name gepriesen wird. dein Lied von Yamauba!› Die Tänzerin aus der Hauptstadt erklärte sich nun bereit. Als sie im Begriff war. verkündete ihr das seltsame Weib. o meine Freundin und Tänzerin. nachdem ich über so viele Berge gewandert. von dem alle Tugend ausgeht! Das ist der Grund. Das ist in gewissem Umfang berechtigt. besonders wir Philosophen und Verstandesmenschen. hörten sie diese mit sich selber reden und ihre Wor- . Aber wir dürfen nicht vergessen. sei es Idealismus oder Realismus. um mit eigenen Ohren zu hören. daß wir. was unter keiner Kategorie. Darauf verschwand sie. daß ich vor euch erscheine. (Hier möchte ich anmerken. daß es etwas gibt.

Sie erschrecken vor ihr. von der Rolle zu singen.te waren ungefähr diese: ‹Wie tief ist das Tal! Wie bodenlos der Abgrund! Hier sehe ich Menschen. Aber sie beruhigt sie. denn sie enthüllt sich nur. die sich ihres guten Karmas der Vergangenheit erfreuen. die in ihrer Gestalt versinnbildlicht ist. dort sehe ich Menschen. sie kommen aus der nämlichen Quelle. Was ist denn wirklich. In Wahrheit ist schwer zu unterscheiden. was Yamauba selber über sich und was die Sängerin über sie berichtet. die sich drüben erheben? Wer gab den smaragdgrünen Wassern ihre Farbe. das von Yamauba selber und der Sängerin aus der Hauptstadt gesungen wird. . Die Ströme fließen wie gewundene Schlangen durch die Täler. die ‹die alte Bergfrau› im Drama der Welt Tag für Tag vor aller Menschen Augen und dennoch ungesehen spielt. Nun folgt eine Art Vorspiel zu dem Lied von Yamauba. die in der Sonne glänzen?› Die uralte Frau taucht nun in ihrer wahren Gestalt aus dem Dikkicht der Wälder vor ihnen auf. die Felsen stehen wie Wogen. das wir nur an der Oberfläche erblicken. welche Art Arbeit sie im Hintergrund des Daseins verrichtet. damit sie erkennen sollen. Ihre Stimmen vermischen sich. und nichts ist vor uns verborgen. die sich im Meer erheben. und der Leitgedanke ist. das Kummer oder Freude verdient? Fernhin wollen wir blicken in das Reich der jenseitigen Weisheit. Gut und Böse sind aber nur Namen. Ihre Stimme ist der Menschen Stimme. ihr Gesicht ist rötlich wie die Farbe von Dachziegeln. und dort erkennen wir die Welt der Sonderungen vor unsern Augen. Wer hat die purpurdunklen Bergzüge ausgehauen. und die äußere Wirkung ihrer geistigen Stärke wahrnehmen. daß sie keine Angst haben sollen. ihr Haar ist silberweiß. die unter dem bösen Karma der Vergangenheit leiden. ihre Augen leuchten wie ein Paar Sterne.

› Dies führt zur Beschreibung von Yamaubas Wohnstatt. wo ein gewaltiger Wasserfall fern jenseits der Bergeswogen hinabstürzt. ‹Hier ist meine Behausung inmitten der hohen Gipfel und über den tiefen Schluchten. bis er im leeren Raum dahinstirbt. daß es rauscht wie der Wasserfall. Der Berg ist eigentlich nur eine Anhäufung von Staubkörnchen. So laßt uns singen von dem nie erlebten Erlebnis! O daß unsere Worte zu sagen vermöchten. wenn die Blumen erblüht sind und der Mond in seiner Fülle steht. Sie sagen. Das Meer ist nichts als eine Ansammlung von Tautropfen im Moose. ‹Die Dichter haben schöne Worte für den Frühlingsabend. so voller Mühsal und voller Kummer – es wurzelt im Dharma. und die Ufergrotten erfüllt der Widerhall. Wenn sie gegen die Felsen schlagen. und es entsteht die grenzenlose Wasserflut mit ihren anschwellenden Wogen. Die Begegnung von Hyakuma-Yamauba und Yamauba selber ist mehr wert als das. erzittern alle Täler und Höhlen von ihrem Donnerklang. so fällt sein Bild über die endlos kräu- . die als Berg im Meere versinnbildlicht ist. zwischen Einbildung und Wirklichkeit. jede Bewegung entspringt aus dem Dharma.Das Lied beginnt mit der Anspielung auf das seltene Zusammentreffen zwischen der Tänzerin und der Uralten. Auch Yamaubas Wandern von Bergen zu Bergen. was es in Wahrheit bedeutet! Lasset uns singen wie Vögel. aber sie sammeln sich ins Unendliche. zwischen Spiel und Leben. laßt unsere Ärmel flattern wie Blütenblätter oder Schneeflocken im Wind. ein Augenblick von ihm sei tausend Goldstücke wert. und sein Gipfel verliert sich in den Wolken. die mit den Flügeln schlagen. aber er steigt höher und höher bis zu vielen tausend Fuß empor. Jeder Laut. laßt uns die Pauke schlagen. Wenn der Mond der Soheit aufsteigt am andern Ende des Horizonts.

doch lebe ich unter ihnen in meinen Verwandlungsgestalten. Wenn ich zum höchsten Gipfel des Dharma-Wesens emporschaue. und Form ist Leere. ist sein schweres Rauschen stark genug. Ihr mögt mich fragen. Nicht gehöre ich zur Welt der Menschen. das Rauschen der Bäume in meinem Rücken. da hat auch Yamauba ihr Dasein. Erleuchtung ist unter Leidenschaft und Verlangen zu suchen. Hier bin ich erschienen nach dem Karma meines Willens in der Form einer Bergfrau. so lausche ich oft. und nehme die tiefe Stille rings in mich auf. so gemahnt es mich an den Abgrund der Unwissenheit. Wenn ich hinabblicke in die grundlose Tiefe des gähnenden Tals dort unten. wie ein einsamer Vogel oder ein wandernder Holzfäller singt. Leere ist Form. Des BUDDHA geheiligte Lehren sind in die Welt vermischt. noch habe ich irgendein Haus oder Heimat. Wo der BUDDHA ist. Die frischgrünen Blätter der Weiden und die vielfarbigen Blumen grüßen den Frühling. und ich begreife. so denke ich unseres endlosen Suchens nach der erhabensten Wahrheit. das heitere Mondlicht vor mir. kein Schlagen der Verbrecher zu vernehmen ist. und wo Wesen sind. die dem Menschentreiben am fernsten sind. in dem kein Lärm und Streiten zu hören. die Welt aus dem Traum ihrer Trugbilder zu erwecken. Wenn ich allein in den Bergen sitze. als säße ich einsam in einem alten Gerichtshof. Das ist der . Mitten darin. woher ich komme. wie unerschöpflich meine Aufgabe ist. weile ich. sind Gut und Böse nur Namen.selnden Wellen wie schimmerndes Silber. aber in Wahrheit gibt es kein Woher meines Kommens. in dem alle Wesen versinken. Vom Standpunkt des unbedingten Einsseins gesehen. da sind Wesen. Wenn ein Wind durch die Wälder hinter meiner Behausung streift. Mit den Wolken schwebe ich von Bergen zu Bergen und drücke meine Fußspur in die Enden der Erde.

Sag also. Kehrst du zurück in die Hauptstadt. von Berg zu Bergen so fortzuwandern. so magst du singen vom Anteil. immer bleibt es mein Los. Wenn ich in der Welt und mit der Welt weile. so hafte ich damit noch immer an der Welt. und schwer beladen im Schatten der Blütenbäume ein wenig der Rast genießen. so helfe ich manchmal den Bauern. es ist Zeit. Im Mondlicht wandre ich mit ihnen. als lenkte sie niemand und liehe unsichtbare Hände. Wenn im späten Herbste der Frost die Rinde der Erde versteinert. o Tänzerin aus der Hauptstadt. daß Yamaubas Hand mit jedem Schlage der ihren sich regt. ich teile die Bürde und begleite sie bis in die Dörfer. selbst alltäglicher und leichtfertiger Weisen Sang. Sie ahnen nicht.Weg der Welt und des Dharma. Manchmal helfe ich den Weberinnen. die in die Bergwälder steigen. Selbst im Schatten eines Baumes beieinanderzusitzen oder Wasser aus dem gleichen Flusse zu schöpfen. wenn ich das wünsche. . Leb wohl. Reisig zu sammeln. Alle Töne. wo eine friedevolle Nacht nach des Tages Arbeit sie erwartet. und aus jedem Haus im Dorf hört man das Klopfen und Stopfen von Tuch oder Seide im Mondlicht. mag das Werk noch so mühselig sein. hört man draußen die Nachtigall flöten zum Klang der Räder und Tritte: flink geht die Arbeit und ganz von selber voran. was du willst. führen am Ende zur Enthüllung der Buddha-Herrlichkeit hin. dankt jeder nur dem Karma seines vergangenen Daseins – wieviel mehr denn wir beide! Kein Zufall ist’s. ohne daß sie es merken. Wenn sie den Webstuhl ans Fenster rücken und das Schiffchen zu werfen beginnen. Freilich. daß wir scheiden. den Yamauba an alledem hat. so denken die Hausfrauen an warme Kleider gegen den schnellen Anbrach des Winters. daß du Ruhm gewannst durch dein Singen von mir.

hier weilte sie noch eben zuvor. Bald darauf hören sie aus einiger Entfernung das Berglied Yamaubas. Über die Berge schwebt sie dahin. der alle Berge mit Weiß umfängt. nirgend mehr. Von Berg zu Berg will ich schweifen. mein liebendes Haften an allem Wesen hat eine Weile Yamaubas Gestalt mich annehmen lassen.leb wohl!› Damit nimmt Yamauba von Hyakuma und ihrer Dienerin Abschied. Ewig von Bergen zu Bergen. im Frühling die Bäume sehen in der schweren Last ihrer Blüten. niemand weiß wohin: ‹Lebt wohl. . Ewige Wiedergeburt ist mein Los. und so ward ich zum Gegenstand deiner Kunst. Ist sie entschwunden ins Land Nirgendwo. schwindend. Jetzt ist sie nicht mehr zu sehen. wandernd und wandernd. im Winter hinschweben im Schneefall. ihr Lied. lebet wohl! Ich kehre heim zu meinen Bergen. die ihren Augen entschwunden ist. wo es am strahlendsten schimmert.› Siehe. im Herbst im Mondeslicht wandern. Durch die Täler noch hallt.

Nach seinen Andeutungen geschah ihm dabei wohl die befreiende Einsicht. daß das mit seinen Ängsten und Wünschen in diese Welt verstrickte ‹Ich› nichts als eine Illusion der Sinne ist. daß die grundlegenden Begriffe in der altindischen Literatursprache des Sanskrit auftauchen und die meisten und wichtigsten Quellen über das Zen chinesisch geschrieben sind. Chr. der Abkürzung von Ch’an-na. . die Beschwichtigung aller Unruhe des Gedankens und ist die Vorstufe der eigentlichen ‹Erleuchtung›. sondern mündlich tradiert und erst nach etwa vier Jahrhunderten von den Anhängern seiner Lehre niedergeschrieben worden. sie in Worte zu fassen. nicht viel gesprochen. 560–480 v. das seinerseits den Laut des Sanskritwortes Dhyâna darstellen soll. die er unter einem Feigenbaum erfahren hat. als mystische Erfahrung entzog sie sich jedem Versuch. BUDDHAS Predigten sind während seines Lebens nicht aufgezeichnet. Wer über Zen liest.ENZYKLOPÄDISCHES STICHWORT ‹GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DES ZEN› Das Wort ‹Zen› ist die japanische Wiedergabe des chinesischen Ch’an.) hat über die ‹Erleuchtung›. bildet daher den Hauptpunkt der buddhistischen Lehre. Vergehens und Wiedererstehens durch dieses ‹Wissen› von der Nichtverschiedenheit unseres wirklichen Seins von dem absoluten Sein beendet werden kann. Dhyâna bedeutet die buddhistische Meditation. Damit ist der Weg gekennzeichnet. daß der schmerzvolle Kreislauf des Werdens. GAUTAMA BUDDHA (ca. den das Zen von Indien über China nach Japan gegangen ist. darf sich also nicht wundern. GAUTAMAS stark in altindischer Tradition wurzelnde Überzeugung.

BODHIDHARMAS kraftvolle Persönlichkeit wie auch die Eigenart seiner Lehre offenbaren sich am einprägsamsten in dem – aus einer späteren Zeit stammenden – Bericht seines Zwiegesprächs mit dem frommen KAISER WU des kleinen Staates Liang. Buddhapredigten ich abschreiben und Mönche ich weihen ließ. hat im sechsten Jahrhundert die von Legenden umwobene Gestalt des dort missionierenden Inders BODHIDHARMA die erlösende Meditation in den Mittelpunkt seines Wirkens gestellt. bei dem sich der Einzelne – im Unterschied zum ‹Kleinen Fahrzeug› (Hînayâna) – um die Erlösung aller Wesen bemüht. Sie sind wie Schatten. Sein Wesen ist Leere und Stille. Nachdem dann der Buddhismus in der Form des weltoffenen ‹Großen Fahrzeugs› (Mahâyâna). wunderbar und rund. im ersten nachchristlichen Jahrhundert als echte Religion auch nach China gedrungen war. sie besitzen keine eigene Wesenheit›. gleichsam verdeckt worden. die noch eng mit der Wiedergeburt verknüpft sind. die der Gestalt folgen.Unterschiede in Überlieferung und philosophischer Auslegung führten zur Begründung zahlreicher Lehrmeinungen und Schulen. Darauf fragte der Kaiser von neuem: ‹Welches ist der höchste Sinn der heiligen Wahr- . Der Kaiser: ‹Worin bestehen dann wahre Verdienste?› Der Meister: ‹Es ist das reine Wissen. Dem praktischen Sinn der Chinesen leuchtete diese Seite des Buddhismus eher ein als der dialektische Streit der gelehrten Schulen. Solcherlei Verdienst läßt sich nicht durch weltliches Tun erlangen›. Der Kaiser sagte: ‹Man vermag kaum aufzuzeichnen. Welche Verdienste habe ich mir dadurch erworben?› Der Meister (BODHIDHARMA) erwiderte: ‹Gar keine!› Der Kaiser: ‹Weshalb?› Darauf der Meister: ‹Das sind nur wertlose Verdienstgründe. wieviele Tempel ich bauen. und durch das scholastische Gestrüpp ist das Herzstück von BUDDHAS Lehre. die mystische Erleuchtung.

daß es ein Ich gar nicht gibt. Und wie sollte BODHIDHARMA angeben können. der Buddhaschaft aller Dinge identifiziert werden. der mir so zu entgegnen wagt?› Der Meister: ‹Ich weiß es nicht!› Dieses Gespräch gibt den Kernpunkt des Zen wieder. Die schnelle Verbreitung. Jhr. das die beiden ‹Schöpfer› des Taoismus LAO-TSE (vermutlich 5.) in seinem ‹Wahren Buch vom südlichen Blütenland› poetisch zu umschreiben suchten. das unsagbar bleibt. der Welturgrund. unaussprechbaren Wahrheit des Buddhismus. das verborgene. ‹Der Stempel des gläubigen Herzens›. Jhr. Die letzte Wahrheit liegt jenseits aller Gegensätze. Sehr aufschlußreich hierfür ist die berühmte Hymne des ZenMeister SENG TS’AN (gest. was er selber sei? Besteht das erleuchtende Wissen doch gerade in der Erkenntnis. Bald konnte von den Zen-Meistern das Wort ‹Tao›. unschwer mit der letzten.heit?› Der Meister: ‹Offene Weite – nichts von heilig!› Der Kaiser: ‹Wer ist das. erklärt sich auch dadurch. vorchri.) in seinem ‹Buch vom Weg und Sinn› (Tao-teking) und CHUANG-TSE (4. Zen und Taoismus hielten beide nichts von dieser Welt mit ihren Begriffen und Widersprüchen. die der Buddhismus und vor allem Zen in China gefunden haben. selbst Begriffe wie Heilig und Unheilig. daß die altchinesische Weisheitslehre des Taoismus den Boden gut vorbereitet hatte. 606). der ‹Weg›. das in BODHIDHARMA seinen ersten ‹Patriarchen› sieht. Gut und Böse führen nur vom Wesentlichen ab. wahre Sein. Sie beginnt: . vorchr.

Die letzte Wahrheit ist nicht mitteilbar. Doch wer nicht liebt und nicht mehr haßt. sich ‹nicht auf Schriftzeichen begründet›. In welch praktischen Formen dies geschieht. kurzes ‹Löwengebrüll› oder ein grober Stockschlag. der die letzte Schale sprengen soll. Wer dicht vor Augen sie haben will. nur abhold jedem langen Wählen. Einer der kraftvollsten Zen-Meister war HUI-NÊNG (638–713). nach dem BUDDHA eines Tages seinen Jüngern. dem es wohl vor allem zu danken ist. schweigend eine Blume gezeigt habe.Der Höchste Weg ist durchaus nicht schwer. worauf BUDDHA ihm die Weitergabe seiner Lehre übertragen haben soll. spielt die ‹Übertragung von Geist zu Geist› eine besondere Rolle: die Persönlichkeit des bereits erleuchteten Meisters steht dem suchenden Schüler führend und helfend zur Seite. Nicht selten ist es zur rechten Zeit ein überraschendes. er lächelte BUDDHA still entgegen. Jeder muß sie selbst erfahren. lasse von allem Willfahren und Widerstreben. sondern das Innere des Menschen als die alleinige Quelle der rechten Erkenntnis ansieht. Nur ein Haar breit von ihr getrennt. In Zen-Kreisen verweist man bald auf einen frommen Bericht. wenn Zen nun wundersam . hängt von der Art des Meisters ab. Allein MAHÂKÂSHYAPA begriff diese Gebärde spontan. alle dogmatische und philosophische Spekulation verneint. dem erscheint sie frei in hellem Licht. Da Zen die Autorität der buddhistischen Schriften. ähnlich wie ein leichtes Klopfen an ein fast reif gebrütetes Ei das Hühnchen ausschlüpfen läßt. ist man ihr wie der Himmel von der Erde so fern. statt zu predigen.

den Geist zur Beruhigung zu bringen. Dhyâna. Zen. diese Erfahrung mit Worten zu beschreiben oder gar zu analysieren. das bisher mehr von den gebildeten Schichten gepflegt wurde. die ‹Weisheit›. Er betonte die ‹Plötzlichkeit› der Erleuchtung. die von der letzten Wirklichkeit gar nicht verschiedene eigene Natur intuitiv zu schauen. sie ist die Vorstufe der höchsten buddhistischen Tugend. wie schon angedeutet. Langes meditierendes Sitzen führt zudem oft zu Quietismus. die dem angestrengt Ringenden irgendwann aufgeht. das Aufleuchten der letzten Erkenntnis abgestellt. so fürchtete HUI-NÊNG.aufblühte und bald alle anderen buddhistischen Schulen überflügelte. Durch die originelle und vitale Frische seiner Predigten trug HUI-NÊNG wesentlich dazu bei. hat nur die Funktion. was seiner eigenen Veranlagung und im Grunde auch chinesischer Mentalität besser entsprach. Auf HUI-NÊNG. Die Meditation. die Kraft. nur zu leicht zur Annahme eines ja gar nicht vorhandenen Subjekt-Objekt-Verhältnisses. Jeder Versuch. Alles wird nun mit größter Entschiedenheit auf die Erleuchtung. mißlingt mit Notwendigkeit. Entscheidend war nach HUI-NÊNG vielmehr Prajñā. die etwa durch langanhaltende Meditation zurückgewonnen werden könne. gleichwie man einen trüben Spiegel wieder reinzuwischen vermag. Eine solche Vorstellung bewegt. aber er begriff das Wesentliche mit so mächtiger Intuition. populär zu machen. daß ihn der Abt zur Überraschung aller zu seinem Nachfolger ernannte. HUI-NÊNG war im Kloster des damals führenden Zen-Meisters nur als einfacher Arbeiter zugelassen und offenbar ganz ohne Gelehrsamkeit. HUI-NÊNG vermied bewußt. Prajñā. den Schöpfer des chinesischen Zen. um . von einer ‹ursprünglichen Reinheit› des Menschen zu sprechen. folgte in den nächsten Jahrhunderten eine Menge höchst origineller Meister. aber offenbar handelt es sich.

aus der dann zu irgendeinem Zeitpunkt das konkrete Erlebnis der ‹Erleuchtung› befreit. machte es nun in den Klöstern gleichwohl notwendig. Diese Kung-an sind in ihrer Mehrzahl so beschaffen. daß der Buddhismus – wenn auch zunächst in dem Gewand anderer Schulen – als der Träger der überlegenen Festlandskultur bereits seit Mitte des sechsten Jahrhunderts begonnen hatte. den Zen fortan erfuhr.die überwältigende. die Mönche methodisch anzuleiten. die auf indische Yogapraktiken zurückgeht. denen lakonische. ja. Die außerordentliche Wirkung des Zen auf Japan vermag man wohl nur zu begreifen. ergriff und faszinierte im China des neunten bis dreizehnten Jahrhunderts vor allem auch die Dichter und Maler. pflegte man eine besondere Sitztechnik. Ziel ist nicht die Weltflucht. Fuß zu fassen. und so entwickelte man das System der Kung-an. daß sie mit dem Verstand unmöglich eindeutig oder auch nur annähernd beantwortet werden können. sich jedem logischen Begreifen versagen. Der Geist der offenen Weite und Freiheit. Aber weder diese Sitztechnik noch die Problemstellungen der Kung-an sind der eigentliche Zweck des Zen. die also zur Offenbarung des letzten Geheimnisses führen sollen. Im Gegenteil. Zen steht mitten im Leben. Sie provozieren aber gerade durch dieses Dilemma eine gewaltige geistige und psychische Spannung. zumeist paradoxe Aussprüche berühmter Zen-Meister zugrunde liegen. ja geradezu umstürzende reine Erfahrung des Weltzusammenhangs des letzten Seins. Zur Förderung der Bemühungen um die Kung-an. geradezu erlöst. Mit Hilfe von einge- . wenn man bedenkt. Problemstellungen. ja. Es ergreift alle Arten des praktischen Seins. er beschwingte ihre Phantasie und brachte unvergleichlich schöne Werke hervor. Der wachsende Zulauf. der Zen durchpulst.

dann aber bald durch einheimische Künstler wurden prachtvolle Tempel erbaut. begründete nach zweimaligem Aufenthalt in China die auf den ZenMeister LIN-CHI (jap. Am Kaiserhofe selbst. In dieser Abwendung von allem auf die Sinne wirkenden Glanz sind sich die beiden nun plötzlich aufblühenden buddhistischen Erneuerungsbewegungen. Die erste Berührung der japanischen Buddhisten mit der chinesischen Zen-Tradition war schon um die Mitte des siebenten Jahrhunderts erfolgt. Aussprache RINZAI) zurückgehende Rinzai- . dem allesbeherrschenden Zentrum der damaligen Kultur. zumal des einfachen Ritterstandes. die ‹Schule des Reinen Landes› und die Zen-Schule. ein freier und mächtiger Geist. in eine schlichte Frömmigkeit. gleich. Der Mönch EISAI (1141–1215). Im zwölften und vor allem dreizehnten Jahrhundert kam es dann zu einem gewaltigen Einstrom des Zen. Im übrigen wurde die Meditation auch bei den anderen buddhistischen Schulen von Anfang an als eine unter anderen religiösen Übungen gepflegt. während Zen die Erlösung aus eigener Kraft anstrebte. Der dabei entfaltete dekorative Prunk sprach die starke künstlerische Veranlagung der Japaner mächtig an und bildete sie weiter. bei denen man wundervolle Feste feierte und deren Mönche die geistigen Lehrmeister des Volkes wurden.wanderten Chinesen und Koreanern. Dieser aristokratisch-ritualistische Buddhismus verwandelte sich mit dem Niedergang der höfischen Kultur und dem Aufstieg niederer Volksschichten. Sie unterscheiden sich nur darin. welche die zeremonielle Seite der Lehre ausbaute. daß die erstere alles auf die Gnade des übersinnlichen Buddha des Unermeßlichen Lichtes und die durch ihn vermittelte Hinübergeburt ins ‹Paradies des Reinen Landes› setzte. der im dreizehnten Jahrhundert die politische Macht an sich riß. gedieh seit dem neunten Jahrhundert vor allem eine buddhistische Richtung.

gedankenleere Meditation zu erlangen suchte. die Sitztechnik. In den kriegerisch verworrenen Zeitläuften war die Meditationswelt des Zen ein helles Licht. Zen wurde vor allem von den Rittern willkommen geheißen. Von der Mitte des vierzehnten bis zum Ende des fünfzehnten Jahrhunderts war dann eine Zeit erholsamen Friedens. EISAI stand noch stark im Bann anderer buddhistischer Schulen und wollte zunächst nichts weiter. Mit seinen schöpferischen Impulsen der Unmittelbarkeit und Intuition befruchtete es die ungewöhnliche ästhetische Sensibilität. seiner Konzentration des Gedankens und Empfindens. in den Erscheinungen dieser immer gleich wesenhaft schönen Welt das geheimnisvoll Ganze zu sehen. als durch die dem Zen eigene strenge Selbstdisziplin die absinkende Mönchszucht stärken. Und so geschah es auch. Nun durchdrang das Zen mit seiner Liebe zum schlicht Natürlichen. das tägliche Leben. Der Unterschied zwischen den beiden Schulen Rinzai und Sôtô besteht im wesentlichen darin. daß fünfzig Jahre nach seinem Tode das Zen in Japan machtvoll aufblühen werde. seinem heißen Bemühen. in der das ‹wahre Selbst› erlebt wird. wobei das Zazen. nicht nur ein Mittel zur Erleuchtung. während das Sôtô-Zen das Ziel der Erleuchtung durch stillsitzende. daß das Rinzai-Zen die Problemstellungen der Kung-an (jap. das die Menschen zur Entfaltung ihrer eigenen Kräfte ermutigte. mit seinem Selbstbewußtsein und der überlegenen Haltung gegenüber Leben und Tod entsprach es dem Bushidô der Ethik des furchtlosen Ritterstandes. und DOGEN (1200–1253) nach einem fünfjährigen Studium in China die sich auf den Zen-Meister TUNG-SHAN LIANG-CHIEH berufende Sôtô-Schule. sondern bereits die eigentliche Form ist. Er war aber überzeugt. . Kôan) in den Mittelpunkt stellte.Schule. die Japan seit jeher gekennzeichnet hat.

Benl . bei aller Beziehung zur deutschen und französischen Philosophie. ist nicht ohne Grund wohl der wirkungsvollste Pionier japanischer Kultur. Professor DAISETZ SUZUKI. Der 1945 verstorbene ‹erste originäre und weltliche Philosoph Japans› NISHIDA wurzelt. In der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts trat durch einen chinesischen Zen-Mönch eine weitere Schule neben Rinzai und Sôtô. Im achtzehnten Jahrhundert schuf der geistvolle Rinzai-Meister HAKUIN (1685 bis 1768) durch Erziehung von Mönchen und vor allem von Laien die Grundlage. welche heute die Rinzai-Schule trägt. O. der große Zen-Meister unserer Tage. tief im Zen.Vom Beginn des sechzehnten Jahrhunderts an begann das Zen als religiöse und kulturelle Macht langsam zu ermatten.

1870 geboren. wo er zunächst Professor an der Adelsschule. O. Dozent an der Kaiserlichen Universität in Tôkyô und ab 1921 Professor an der Ôtani-Universität in Kyôto war. TAISETSU (DAISETSU). auch außerhalb Japans ostasiatische Weisheit zu vermitteln. Auf zahlreichen Auslandsreisen hielt er Vorträge über Zen. erregte 1900 durch seine Übersetzung und Interpretation des Mahâyâna-śraddhotpâda-śastra (Lehrtext über die Entstehung des Glaubens an das Mahâyâna) die Aufmerksamkeit wissenschaftlicher Kreise und wandte sich hinfort vor allem dem Studium der alten chinesischen Zen-Meister zu. besuchte aber dann die Kaiserliche Universität Tôkyô. durch frühen Tod des Vaters zur Aufgabe des Studiums gezwungen. half dort bei der Herausgabe einer wissenschaftlichen Zeitschrift. TAISETSU SUZUKI starb 1966 in Tôkyô. Benl . Er ging 1897 nach Chicago. 1909 reiste er nach Europa und kehrte 1910 nach 14jähriger Abwesenheit nach Japan zurück. war zunächst Englisch-Lehrer an Volksschulen.ÜBER DEN VERFASSER SUZUKI. Was Europa heute von Zen weiß. Ein Besuch im Zen-Tempel Engakuji entschied über sein weiteres Leben: er widmete sich der wissenschaftlichen Erforschung und der Praxis des Zen und entschloß sich. verdankt es vor allem Professor SUZUKIS Interpretation.

2nd Series: Kyôto 1933. London 1950 Die große Befreiung. London 1930 Essays in Zen Buddhism. London 1953 A Manual of Zen Buddhism. Kyôto 1935. New York 1949. München-Planegg 1955 . London 1949 Leben aus Zen. 3rd Series: Kyôto 1934.Wichtigste Veröffentlichungen: Studies in the Lankâvatâra Sûtra. 1st Series: London 1927. Leipzig 1939 The Zen Doctrine of No-mind. London 1950.

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