© Uwe Fengler

Er ist schon da

Da liege ich nun auf dem weißen Laken und atme den Duft eines mir unbekannten Waschmittels ein. Meine Frau sitzt neben mir, hält meine Hand. Eben hat sie mir das Urteil der Ärzte, die versuchen mich zu behandeln, mit geteilt. Und nun weiß ich, das es mit mir zu Ende geht. Ein bisschen Leben mehr hatte

ich mir schon erhofft. Mit meinen 67 Jahren kann ich mir nun aber nicht mehr viel Leben ausdenken. Der Tumor in meinem Kopf ist einfach zu groß und für viel Hoffnung bleibt neben ihm einfach kein Platz mehr. Nicht mehr zu operieren haben sie einfach festgestellt. Ich möchte aufstehen. Sie sagt mir, das es besser sei zu liegen, aber ich will ihm nicht in diesen weißen und hoffnungslosen Laken begegnen. Ich will ein Mann sein und ihm entgegen gehen. Und wenn ich ihm

gegenüber stehe werde ich weit ausholen und zuschlagen. Das wollte ich ihm schon immer geben. Einen Schlag mitten in sein hässliches und knochiges Gesicht. Und als er das Zimmer betritt und mich breit grinsend anlächelt, ergebe ich mich und sinke in seine ausgebreiteten Arme. Niemand lächelt in diesem Moment, selbst die einsame Qualle, hat jetzt keine Ahnung

mehr, wo der Weg hin führt.
© Uwe Fengler

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