P. 1
Janko Roettgers Mix Burn RIP

Janko Roettgers Mix Burn RIP

5.0

|Views: 169|Likes:
Published by BensonParis
"Das Ende der Musikindustrie"; "Hätte die Musikindustrie die digitale Zukunft frühzeitig Willkommen geheißen, dann hätte es Napster und Kazaa nie gegeben." Tim O'Reilly in Mix, Burn & R.I.P.; Netzausgabe unter den Bedingungen der Creative Commons Public License;
"Das Ende der Musikindustrie"; "Hätte die Musikindustrie die digitale Zukunft frühzeitig Willkommen geheißen, dann hätte es Napster und Kazaa nie gegeben." Tim O'Reilly in Mix, Burn & R.I.P.; Netzausgabe unter den Bedingungen der Creative Commons Public License;

More info:

Published by: BensonParis on Jan 23, 2008
Copyright:Attribution Non-commercial

Availability:

Read on Scribd mobile: iPhone, iPad and Android.
download as PDF, TXT or read online from Scribd
See more
See less

09/06/2012

pdf

text

original

Eine sehr optimistische Annahme. Die Klage gegen Napster hatte mit-
nichten zu einem Erliegen der P2P-Szene geführt. Als die Tauschbörse im
Frühjahr 2001 damit begann, die Inhalte der großen Labels auszufiltern,
sahen sich zigtausende von MP3-Fans nach Alternativen um. Profitieren
konnten davon nicht nur Kazaa und Gnutella, sondern vor allen Dingen
auch eine junge P2P-Firma namens Musiccity. Deren Gründer Steve
Griffin hatte zuvor vergeblich versucht, die Welt des Golf-Sports mit der
des Cyberspace zu verknüpfen. Doch anscheinend gab es nicht genügend
Kunden für Golf-Caddies mit GPS-Empfängern – also sattelte er um.
Anfang 2001 nahm Griffin rund 30 so genannte Open-Napster-Server in
Betrieb.

Napsters Protokoll war rund ein Jahr zuvor per Reverse Engineering
entschlüsselt worden. Seitdem hatten immer wieder Filesharing-Fans
eigene Napster-Server aufgesetzt, die nicht mit dem Netzwerk der Firma
verbunden waren. Der Vorteil: Die Server ließen sich mit der gewohnten
Software der Tauschbörse nutzen, waren aber nicht von der Firma und
ihren gerichtlichen Problemen abhängig. Musiccitys Serverfarm sollte
schnell zu einem der größten Open-Napster-Netzwerke werden. Nach-
dem Napster zum Filtern gezwungen wurde, liefen Griffins Server prak-
tisch ununterbrochen am Rand der Leistungsgrenze. Im April 2001 lizen-
zierte er deshalb Kazaas Tausch-Software von den Fasttrack-Entwick-
lern Friis und Zennstrom und begann, sie unter dem Namen Morpheus
zu vermarkten.4

Enttäuschte Napster-Nutzer machten Morpheus schnell

zum beliebtesten P2P-Programm.

52Auf der Suche nach der Jukebox

Als Napster dann schließlich den Betrieb ganz einstellte, existierten
mit Morpheus und Kazaa bereits Alternativen, die ihren Nutzern weit
mehr boten als das Original. Der Tausch war nicht mehr allein auf MP3s
beschränkt. Auch Bücher, Software und ganze Filme fanden in diesen
Netzwerken ihren Weg von Festplatte zu Festplatte. Die Downloads
waren zudem schneller und zuverlässiger als im Napster-Netz, und das
MP3-Angebot war größer denn je. Im September 2001 verkündete die
Marktforschungsfirma Webnoize, dass über die vier größten P2P-Netz-
werke bereits mehr Dateien ausgetauscht würden als je zuvor über Naps-
ter. Zwei Monate später war bereits allein das Fasttrack-Netzwerk mit
Kazaa und Morpheus größer als Napster.
Die Plattenfirmen reagierten darauf Anfang Oktober 2001 mit einer
Klage gegen Kazaa und seine Lizenznehmer Grokster und Musiccity.
Unterstützt wurden sie dabei von acht großen Hollywood-Studios, die
ihre Rechte durch den Tausch von Blockbustern über das P2P-Netz ver-
letzt sahen. »Wir können nicht still sitzen, während diese Angebote wei-
terhin illegal operieren, insbesondere zu einem Zeitpunkt, an dem neue
legitime Angebote starten«, erklärte dazu RIAA-Präsidentin Hillary
Rosen.5

Anders als im Verfahren gegen Napster hatten die Plattenfirmen die-
ses Mal jedoch mit einer ganzen Reihe von Schwierigkeiten zu kämpfen.
Die dezentrale, komplexe Architektur machte es schwer, konkrete juris-
tische Angriffspunkte zu finden. In einem internen Papier musste die
RIAA zugeben, nicht besonders viel über die interne Funktionsweise des
Netzwerks zu wissen. Die Autoren des Strategiepapiers empfahlen des-
halb, direkt mit Friis und Zennstrom zu verhandeln. Die beiden seien
»zwei junge Technologie-Entwickler, deren primäres Interesse in der
Entwicklung ihrer Technologie« liege, hieß es darin etwas ungelenk.6
Deshalb könne man versuchen, sie durch eine Klage unter Druck zu set-
zen und sie zu einer Kooperation gegen Musiccity und Grokster zu über-
reden.

You're Reading a Free Preview

Download
scribd
/*********** DO NOT ALTER ANYTHING BELOW THIS LINE ! ************/ var s_code=s.t();if(s_code)document.write(s_code)//-->