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Wind des Geistes

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„DER WIND DES GEISTES, der über die Erde weht, stürmisch, kalt und
bissig, wie es uns empfindsamen Menschen scheint, ist nichtsdestoweniger
der Wind des Geistes“ – dies war das Leitthema einer Ansprache,
die Gottfried de Purucker im Jahre 1940 hielt
„DER WIND DES GEISTES, der über die Erde weht, stürmisch, kalt und
bissig, wie es uns empfindsamen Menschen scheint, ist nichtsdestoweniger
der Wind des Geistes“ – dies war das Leitthema einer Ansprache,
die Gottfried de Purucker im Jahre 1940 hielt

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01/12/2014

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DIEHEUTIGENMÄNNERUNDFRAUEN,die älteren und jüngeren, bilden
eine Generation, die wir, wie ich glaube, treffend als eine verlorene
Generation bezeichnen können. Die Ursache, der Grund für unsere
geistige Ziellosigkeit und unser gestörtes Gefühlsleben liegt darin, daß
wir unser Verständnis für eine allgemeine oder universal anerkannte
ethische und intellektuelle Norm verloren haben und nicht mehr daran
festhalten. Das zeigt sich in dem Stimmenbabel, das uns überall umgibt,
an den hungernden Menschenherzen und auch an den begierig nach
Wahrheit suchenden menschlichen Seelen, die nicht wissen, wo diese
und eine Anleitung für sie zu finden ist: die Menschen suchen nach einem
wirksamen und befriedigenden inneren Licht, nach etwas, das uns bei der
Lösung der anstehenden Probleme als Richtschnur dienen kann. Wir sind
tatsächlich eine verlorene Generation, und es ist nicht nur die Jugend, die
‘verloren’ ist. Tatsächlich sind es sogar die Älteren, die noch verwirrter
sind als die Jugend von heute. Unsere ganze Generation ist blind,
wandert in der Dunkelheit und weiß nicht, wo sie nach dem ersehnten
Licht suchen soll; und das Stimmenbabel, das sich aus der gewaltigen
Menschenmenge erhebt, ist mit seinen lauten und verworrenen Forde-
rungen nach Allheilmitteln und Patentrezepten aller Art – politischen
und anderen – etwas Beängstigendes und Bezeichnendes.
Wenn man diesem turbulenten Babel – oft nur bloßem Geschwätz –
sein Ohr leiht, lauscht man vergeblich auf konstruktive Vorschläge, die
allgemein anwendbar sind. Selten nur kann man Stimmen vernehmen,
die mit der Autorität des Wissens sprechen. Ich will es wagen, die
Ursachen für diese Zustände zu nennen.
Wenn ein allgemeiner Streit oder Kampf anhebt und man sich mit
der Absicht in die Arena begibt, jene zu bekämpfen und zu überschreien,
die bereits dort streiten, dann sind die Chancen gering, daß das, was man
sagen will, Gehör findet; viel eher kommt man dabei selbst zu Schaden.
Das passiert, weil die Möchtegernreformer sich einfach auf die Ebene der
schreienden Streithammel begeben. Auf diese Weise kommt nichts

zustande, das von der Idee her universal und definitiv konstruktiv oder
attraktiv, neu und hilfreich ist oder das die Probleme erklärt und löst,
welche allgemein Störung verursachen. Man begibt sich lediglich selbst
in die Schlacht, versucht Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen, Stärke mit
Stärke, und dieses Vorgehen hat noch nie Erfolg gehabt, und es wird nie
welchen haben.

Das soll nicht heißen, daß Stärke in menschlichen Beziehungen
immer ignoriert werden soll. Manchmal ist es notwendig, in weiser, aber
dennoch sanfter Form Stärke anzuwenden, aber stets ohne Gewalt und
nur, um Böses zu verhüten. Solche Anwendung von Stärke und Macht
sollte stets nur ein zeitlich begrenztes Ereignis oder Vorgehen sein, sie
sollte nur in unpersönlicher und redlicher Weise angewandt werden, für
einen guten Zweck und für das Allgemeinwohl. Gerechtigkeit für alle
wird niemals erreicht, indem man in die Kampfarena hinabsteigt und sie
dort ‘erkämpft’. Gerechtigkeit wird selten in Säcken gesammelt, wie man
so sagt, und nur sehr selten findet man sie tatsächlich vollständig auf einer
Seite einer strittigen Sache.
Unsere Generation ist intellektuell und moralisch verloren, weil sie
ihre Vision verloren hat. „Wo keine Vision herrscht, geht das Volk
unter” – sagt ein alter hebräischer Spruch, der auf einer umfassenden
Kenntnis der menschlichen Psychologie beruht, wie die Geschichte
beweist – ein sehr wahres Wort daher. Es ist stets eine Vision oder eine
Idee oder eine Reihe von Ideen, die die Menschen zur Höhe emporführt
oder hinab in den Abgrund. Plato hatte völlig recht: Ideen sind für den
Aufstieg oder den Untergang einer Zivilisation verantwortlich; bestehende
Institutionen werden durch sie aufgebaut oder vernichtet. Und es sind
einfach große universale Ideen und der Wille, ihnen zu folgen – Ideen und
Ideale, die alle Menschen als Wahrheit erkennen –, die den Menschen
heute fehlen. Nur weil den Menschen heute die Vision fehlt, d.h. ein
inneres Wissen über das Richtige, das zu tun ist, über einen klaren Weg
aus den Schwierigkeiten heraus, stehen die Nationen heute da, wo wir
jetzt stehen.

Wir stehen jetzt am Ende einer Zivilisationsform, die, wie seinerzeit
das Römische Reich, ihr Ende erreicht hat, ihren Zusammenbruch, und
wir stehen vor den einleitenden Auftakten des kosmischen Dramas, das
jetzt seinen Anfang nimmt. Es wird von der inneren Weisheit und von
dem hohen Gerechtigkeitssinn abhängen, der den Menschen innewohnt,

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ob unsere gegenwärtige Zivilisation in Blut und Verzweiflung untergeht
oder ob sie Atem holt und sich die Zeit nimmt, wieder zu gesunden; oder
ob sie mit dem Heraufziehen einer neuen intellektuellen und moralischen
Auffassung von Gerechtigkeit und Vernunft ihren Abstieg an dem
Abhang beendet und anfängt, neue Höhen zu erklimmen, die noch über
das Beste hinausragen, was wir als menschliche Rasse bisher erreicht
haben. Letzteres kann erreicht werden; es ist nur die höhere Natur des
Menschen, seine Intuition und sein Sinn für Gerechtigkeit und Vernunft,
nichts anderes, die das mit Sicherheit herbeiführen können: der
innewohnende Gerechtigkeitssinn, das eingeborene Rechtsgefühl und
die allgemeine Erkenntnis, daß Vernunft und nicht Gewalt den Ausweg
bildet – und zu Sicherheit, Frieden und Fortschritt führt.
Die Geschichte zeigt uns mit ihrer stillen, aber ungeheuer mächtigen
Stimme, daß es für uns absolut keinen anderen Ausweg gibt, daß es keine
andere vollständige Lösung gibt, oder eine solche, die für alle verschie-
denen Arten menschlicher Gemüter, für alle Arten menschlicher Charak-
tere, befriedigend ist. Freiheit für alle; jedes Volk sucht sein eigenes Heil
entsprechend seinen eigenen Vorstellungen, jedoch in ethischer Richtung,
begleitet von Vernunft und dem Wunsch, gerecht zu sein. Selbst ein
vorurteilsfreies Eigeninteresse, das den individuellen Vorteil immer
sofort erkennt, muß die allgemeinen Vorteile und Sicherheiten eines
solchen Plans erkennen. Alle stabilen menschlichen Institutionen sind auf
diese Intuitionen und Instinkte gegründet, und auf nichts sonst; wäre es
anders, dann wäre unser Sinn für Ordnung und Recht, unser hoher
Respekt vor nationalen und internationalen Gerichten eine gewaltige
kollektive Täuschung und eine schändliche und elende Farce. Doch alle
vernünftigen Menschen wissen, daß unsere Gesetze auf der Grundlage
von Gerechtigkeit und unparteiischem Urteil, gepaart mit unpersön-
lichem Mitleid, errichtet sind.
Ich gehöre nicht zu den düsteren Pessimisten, die behaupten, der
Mensch sei nur ein armer Wurm mit Instinkten, die aus seiner Ver-
bindung mit dem Staube stammen, und mit Intuitionen, die jeder
Grundlage entbehren, so daß er seine Probleme nicht befriedigend lösen
könne. Er kann sie absolut lösen, wenn er nur den Willen dazu hat, es zu
tun. Wir nähern uns tatsächlich dem Ende unserer Zivilisation und sind
fasziniert und halten unseren Atem an, während wir die Auflösungs-
erscheinungen beobachten; doch wir vergessen allzuoft, daß es eine fast

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Wind des Geistes

gänzlich materielle Zivilisation war, in der die materiellen Dinge oft als
die einzigen Dinge von dauerhaftem Wert zählten. Es gibt keine neuen
Länder mehr, in die wir unsere jungen Leute zur Kolonisierung senden
können, denn diese Länder sind alle aufgeteilt oder besetzt. Die
Herrschaft der Gewalt und der materiellen Werte hat sich anstelle der
Regeln internationaler Gerechtigkeit und allgemeiner Menschenrechte
allgemein breitgemacht. Seit ungefähr 1800 Jahren gilt mehr oder weni-
ger die Regel: laßt jeden an sich reißen, was er will; laßt jeden festhalten,
was er kann. Das Verhalten der Völker der Erde beruhte zum großen
Teil auf dieser rein materialistischen und egoistischen Grundlage. Wir
säten den Wind, und wir ernten jetzt als eine Gruppe spirituell bankrot-
ter Völker den Wirbelsturm.
Ist es nicht an der Zeit, daß die vorausblickenderen und intelligenteren
Köpfe der Welt danach trachten sollten, daß Ruhe, Vernunft und un-
parteiische Gerechtigkeit fortan vorherrschen? Gibt es einen anderen
und besseren Weg aus unseren Problemen und Schwierigkeiten, als sie
weise zu lösen? Wenn die Menschen absichtlich nicht auf die Stimme der
Vernunft hören, wenn die Menschen Gerechtigkeit bewußt nicht
wünschen oder anwenden wollen, dann scheint es sicher, daß wir abwärts-
gehen; und unsere Zivilisation, unsere großen Städte und die zahlreichen,
im Laufe der Zeit ausgeführten Werke und Taten von Millionen
Menschen, werden sich in Staub und Trümmerhaufen verwandeln. Kein
Gott wird die Arena menschlichen Leids und absichtlicher Ignoranz
betreten und uns unglückliche Sterbliche aus dem Weltelend heraus-
ziehen, das wir uns größtenteils durch fanatischen Eigennutz und durch
unser willentliches Verlassen der Wege der Gerechtigkeit und des
Friedens selbst geschaffen haben. Wir müssen uns selbst retten, und
wenn wir dies in einer Weise tun, die den höheren Mächten gefällt, dann
werden wir damit einen unabweisbaren Appell um ihre Hilfe und ihre
Führung an sie richten, und wir werden diese empfangen. Herkules hilft
dem Fuhrmann wirklich, aber nur, wenn der Fuhrmann sich selbst hilft,
und zwar in der rechten Weise.
Es ist reinste Torheit und blanker ethischer und intellektueller
Unsinn anzunehmen, die Menschheit sei mit ihrem Schicksal jetzt am
Ende, nachdem das letzte Fleckchen Erde besetzt ist; daß es keine
Zukunft für diejenigen mehr gäbe, die nicht von Anfang an da waren.
Eine solche Annahme steht im Widerspruch zu allen Aufzeichnungen in

Der einzige Ausweg

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den Annalen der Weltgeschichte. Wir müssen uns daran erinnern, daß
nichts, keine Einrichtung, unveränderlich ist, auf ewig gleich bleibt, und
daß die veränderlichen und ständig wechselnden Szenen der vergangenen
Menschheitsgeschichte – und das ist die sichere Wahrheit – versprechen,
daß die Zukunft ebenso reich an wechselnder kosmischer Szenerie und
Veränderung der menschlichen Interessen und Tätigkeitsfelder sein wird
wie die Vergangenheit. Die größten Völker der Erde waren nicht jene,
die territorial die größten Gebiete besaßen, sondern eben jene, die an
vorderster Stelle standen bei der Aufnahme von Ideen und bei der
Anwendung progressiver Ideen zum Aufbau menschlicher Einrichtungen,
die auf den Idealen unpersönlicher Gerechtigkeit und geschulter
Vernunft beruhten; Ideale, die sie für gewöhnlich proklamierten, denen
sie jedoch – leider – nicht immer folgten. Denn diese Ideale sind
spirituelle Qualitäten, die in der Tat universal sind.
Lassen Sie uns unsere Herzen mit ewiger Dankbarkeit gegenüber
den wachenden, wenn auch stillen, kosmischen Mächten erfüllen, so daß
die Horizonte, die jetzt vor uns liegen, für die Menschen aus allen
Erdteilen, ohne Rassen- oder Glaubensunterschiede, spirituelle und
intellektuelle Horizonte sind, hinter welchen sich uns unbekannte Regio-
nen von unendlich großer Ausdehnung erstrecken, die auf die Eroberung
durch den menschlichen Genius warten, wenn wir den Empfindungen
und Intuitionen der Seele die Zügel überlassen. Dann können Sie sehen,
was vor uns liegt, wenn wir Gerechtigkeit herstellen werden, die nicht von
Eigennutz motiviert ist, und wenn wir Ehrlichkeit und Wahrheitsliebe
unter uns wirken lassen!
Eine der Hauptursachen und vielleicht der Hauptgrund unserer
Schwierigkeiten nationaler und internationaler Art liegt darin, daß die
Menschen im allgemeinen – mit vielen großen Ausnahmen – immer noch
an Macht und Gewalt glauben und sie für den Weg zur Lösung unserer
Probleme sehen. Solche Methoden haben nie dauerhaften Erfolg
gebracht – und sie werden es nie tun. Gewalt gebiert Gewalt. Gewalt
wächst durch Gewalt. Haß erzeugt Haß, Selbstsucht gebiert weitere
Selbstsucht.

Es ist eines der Ziele, lassen Sie mich sagen, eine der Pflichten der
Theosophischen Bewegung, den Menschen die einfachen Regeln der
Vernunft zu zeigen; daß das Leben von den großen ethischen Instinkten
der menschlichen Seele beherrscht sein sollte, die nicht auf menschlichen

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Wind des Geistes

Konventionen gegründet sind, sondern auf die Ordnung der Struktur
und Arbeitsweise der Natur selbst. Aus diesen ethischen Empfindungen
entstehen die wegweisenden Regeln der Vernunft und unser Wille,
Gerechtigkeit zu üben. Sie lehren uns, daß der ‘Ausweg’ in uns selbst
liegt: nicht in unseren Armeen, noch in unseren Flotten, oder in den
schrecklichen Methoden gegenseitiger Vernichtung, die vom bösen
Geist des Menschen ersonnen wurden. Letztere sind nicht einmal
zeitweilige Heilmittel, sie bringen keine befriedigende Lösung der
Probleme. Bestenfalls sollte die Verteidigungsmaschinerie als Polizei-
macht verwendet werden. Dann würde ihre Anwendung gerechtfertigt,
weil sie dann für die Sache der Gerechtigkeit und nur mit Vernunft
eingesetzt würde.

Unsere Probleme werden nie durch unser wahnsinniges Wettrüsten
gelöst, das mit allgemeinem Mißtrauen, mit Furcht und Angst verbunden
ist und mit einer Steuerüberlastung der Völker, die ihre Kräfte übersteigt
und sie die Zustände beinahe hassen läßt, unter welchen sie leben müssen.
Es ist die alte Torheit, die jetzt von allen erkannt wird, zu behaupten, daß
durch die Anhäufung von Waffen und durch die Erfindung neuer
entsetzlicher Zerstörungsinstrumente und durch zunehmende Anwen-
dung zerstörerischer Gewalt der Krieg nach und nach so schrecklich
würde, daß die Menschen aus furchtbarer Angst davor zurückschrecken.
Von allen Torheiten und dummen Argumenten ist dies das Schlimmste,
das die leidenden Menschen befallen hat.
Man wird Kriege auch nie aufhalten, indem man sich zu Vereinigun-
gen oder Gesellschaften zusammenschließt und sich verpflichtet, den
Kriegsdienst abzulehnen und ihn im Krieg zu verweigern. Diese Haltung
ist meiner Ansicht nach völlig falsch. Wir mögen den idealistischen Mut
und die idealen Gedanken der jungen Männer und Frauen bewundern,
die dies, wie es scheint, tun. Aber sie übersehen, daß sie mit ihrer Ankün-
digung selbst eine Art Kriegserklärung an ihre eigene Regierung und
Heimat abgeben, und wenn es Krieg geben sollte, verursachen sie
dadurch Unordnung und innere Streitigkeiten untereinander.
Lassen wir die Jugend der verschiedenen Völker aller Länder das
Beispiel für Treue und Loyalität geben, jede Jugend ihrer eigenen
Regierung, womit sie die Stärke und den Wert des moralischen Ideals der
Staatsbürgerschaft beweist. Lassen wir jedoch andererseits die Jugend
den ihr innewohnenden Idealismus und die Ritterlichkeit, die die Welt

Der einzige Ausweg

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dringend benötigt, zum Ausdruck bringen, indem sie laut und ein-
dringlich ihre Stimme erhebt und sich machtvoll für die allgemeine
Gerechtigkeit und Vernunft entscheidet auf dem Boden der bestehenden
Gesetze. Auf diese Weise wird die Stimme der Jugend überall gehört,
öffentlich und nichtöffentlich, denn das Pochen auf ihre Rechte als
zukünftige Generation, die alsbald die Last der älteren Generation
übernehmen muß, wird viele aufgeschlossene Ohren berühren, mehr als
gezählt werden können. Novus ordo saeclorum! [Neuordnung der Zeiten!
(der Übersetzer)]

Ich würde eine vollständige Abrüstung der Völker begrüßen, herbei-
geführt durch gegenseitige Verhandlungen und Verträge, ersetzt durch
eine internationale Flotte, deren Offiziere und Mannschaften turnus-
mäßig von Seeleuten und auch von Menschen vom Land der verschiede-
nen Völker gestellt und für diese Arbeit geschult werden. Ich würde
gerne sehen, daß die Armeen der Welt auf relativ kleine nationale
Polizeieinheiten reduziert würden. Die Aufgabe der internationalen
Flotte bestünde in der polizeilichen Beaufsichtigung der Meere, in der
Unterbindung von Piraterie und der Sicherung der Meere und der
Wasserwege an den Küsten für den Handel der Völker der Erde. Es gibt
nichts, was diese doppelte Errungenschaft des aufbauenden Geistes
verhindern könnte – höchstens eine Psychologie, die jeder verabscheut
und die alle fürchten: eine Psychologie, die sich lediglich dazu ausgebil-
det hat, eine Gewohnheit menschlichen Denkens zu sein.
Man kann nur hoffen und bitten, daß die führenden Menschen in der
heutigen Welt, die die Schicksale der Völker mehr oder weniger in ihren
Händen halten, aufhorchen und auf den Herzschlag und den nicht zum
Ausdruck gebrachten wachsenden Willen der Völker nach einer dauer-
haften Lösung ihrer Probleme hören. Wenn sie das tun, werden die
Namen dieser Menschen in die Geschichte eingehen; sie werden weniger
durch Standbilder und steinerne Denkmäler in Erinnerung bleiben, ihre
Namen werden vielmehr bleibend im immerwährenden Gefüge der
menschlichen Herzen verewigt. Ihr Andenken wird in künftigen Jahr-
hunderten weiterbestehen wie das Feuer der Liebe und Dankbarkeit, das
in den Menschenherzen brennt.
Ich wiederhole noch einmal: eine Bruderschaft der Menschen,
gegründet auf Vernunft und Gerechtigkeit und tätig für das Allgemein-
wohl, für den Fortschritt aller, ist nicht nur durchführbar, sondern auch

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praktisch, und eines Tages wird sie unumgänglich sein. Warum also nicht
JETZT die Fundamente dafür legen!

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