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Wind des Geistes

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„DER WIND DES GEISTES, der über die Erde weht, stürmisch, kalt und
bissig, wie es uns empfindsamen Menschen scheint, ist nichtsdestoweniger
der Wind des Geistes“ – dies war das Leitthema einer Ansprache,
die Gottfried de Purucker im Jahre 1940 hielt
„DER WIND DES GEISTES, der über die Erde weht, stürmisch, kalt und
bissig, wie es uns empfindsamen Menschen scheint, ist nichtsdestoweniger
der Wind des Geistes“ – dies war das Leitthema einer Ansprache,
die Gottfried de Purucker im Jahre 1940 hielt

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01/12/2014

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THEOSOPHIEWIRKTMITEINERMAGIEAUFUNS, die bei weitem herr-
licher ist, als nur die unbestrittene und wundervolle Wahrheit über
unsere essentielle Göttlichkeit. Sie wandelt uns schwache und oft böse
Menschen zu Göttern. Sie lehrt uns, uns selbst für andere zu vergessen –
für die Welt. Sie läutert so unsere Naturen und unsere Herzen und unser
Denken von Persönlichem und Begrenztem, so daß wir mit der Zeit
dahin geführt werden, sogar uns selbst zu vergessen und im Universalen
zu leben.

Für mich ist das der verlorene Grundton unserer modernen Zivilisati-
on, die sich wie rasend um die Befriedigung unseres Egoismus dreht.
Wenn wir in das Gedankenleben der Welt und unserer Mitmenschen
Ideen, Denkprinzipien, ein sich daraus ergebendes Verhalten und Lehren
religiösen, philosophischen und wissenschaftlichen Charakters und
Wertes einfließen lassen, die die Menschen lehren und sie zu lernen
befähigen, daß sie sich selbst vergessen und für andere leben, dann werden
wir meiner Meinung nach mehr getan haben, als sie die zweifellos erhabene
Wahrheit ihrer Einheit mit dem Göttlichen gelehrt zu haben – einer
meiner liebsten Gedanken und Lehren. Denn selbst diese Lehre kann eine
Atmosphäre von Egoismus, von spiritueller Selbstsucht, an sich haben.
Wenn unsere traurige und leidende Welt, am Rande einer Katastro-
phe befindlich – diese Welt als die einzelnen Männer und Frauen
betrachtet –, diese eine einfache Lektion des Selbstvergessens, die Schön-
heit, die unermeßliche Genugtuung des Herzens und des Verstandes
lernen könnte, die aus dem Selbstvergessen entstehen, aus dem Leben für
andere, für die Welt, dann glaube ich ehrlich und von ganzem Herzen,
daß neunundneunzig Prozent der menschlichen Schwierigkeiten gelöst
wären. Dann würde Politik der Antrieb für menschliche Heldentaten sein
und nicht für Selbstsucht und Zerstörung. Menschenfreundliche Werke
würden in der Welt als das Edelste angesehen, weil sie von der Weisheit
eines erweckten Herzens geleitet würden. Denn kein Mensch kann klar-
sehen, wenn er sich um die eigene Achse seines persönlichen Selbst dreht.

Aber wenn die Vision universal wird, wird er verstehen, weil der ganze
Umkreis in seinen Horizont, seine Reichweite und sein Blickfeld rückt.
So wundervoll die Lehren sind, die wir als individuelle Menschen in
der Theosophie studieren können, und so bedeutend der Nutzen sein
wird, den wir aus diesen Lehren ziehen werden – habe ich daher nicht
recht, davon überzeugt zu sein, daß diese Lehren fürwahr etwas noch
weitaus Höheres mit sich bringen?Nämlich daß wir unseren höchsten
und erhabensten Gipfel des Erfolgs erreichen, wenn wir uns selbst
vergessen. Finden wir nicht dieselbe wundervolle Wahrheit im Herzen,
als Essenz und zentrale Idee, in jeder großen Religion der Vergangenheit,
vorausgesetzt wir befreien sie von den dogmatischen Auswüchsen, die
sich die Gehirne schwächerer Menschen ausdachten?
Bedenken Sie, daß wahre Theosophie eine Angelegenheit des
Herzenslebens und des Herzenslichtes ist, wie auch eine Angelegenheit
tiefgründigen, intellektuellen Verständnisses. Viele Menschen verstehen
dies jedoch nicht und betrachten Theosophie lediglich als eine intellek-
tuelle Philosophie, die nur ein Teil davon ist.
Wenn wir das in der Theosophie gelehrte, selbstlose Leben als das
schönste ansehen, weil es universal und allumfassend ist, können wir dann
noch ein wirklich selbstloses Leben führen, wenn wir die nächstliegenden
Pflichten nicht beachten? Anders ausgedrückt: wenn ein Mensch so sehr
danach verlangt, der Welt zu helfen, daß er hinauszieht und seine Pflich-
ten vergißt, die er bereits übernommen hat, tut er dann, was menschlich
ist? Lebt er das selbstlose Leben? Oder folgt er einem verborgenen,
selbstsüchtigen Verlangen nach persönlichem Fortschritt? Handelt er
wenigstens folgerichtig? Selbstlosigkeit bedeutet, niemals eine Pflicht zu
vernachlässigen. Wenn Sie dies jedoch tun, werden Sie durch eine Über-
prüfung entdecken, daß Sie einem Begehren, einem selbstsüchtigen
Gedanken folgen. Indem Sie jede Pflicht ganz und gar erfüllen und dabei
Frieden und Weisheit erlangen, führen Sie ein Leben in größter Selbst-
losigkeit.

Der Lohn des Selbstvergessens169

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