Klappentext:
Sich vollkommen eins fühlen mit anderen, der Natur, dem ganzen Universum und sogar mit materiellen Dingen, Begegnungen mit Göttern und Dämonen, Kontakt zum Jenseits, außerkör­ perliche Erfahrungen, verblüffende Erlebnisse mit Synchronizität, Hellsehen, Erinnerungen an frühere Leben und vieles mehr: Die Wissenschaft beäugt das alles ziemlich skeptisch. Doch Stanislav Grof, der international anerkannte Experte, Forscher und Mitbegründer der Transper­ sonalen Psychologie, ist da ganz anderer Meinung und belegt, dass Erlebnisse dieser Art eine reale und konkrete Kraft entfalten. In diesem Buch nimmt er uns mit in aufregende Gewässer. Wir tauchen ein in das Abenteuer außergewöhnlicher Bewusstseinserfahrungen, nach deren Lektüre wir uns fragen werden: »Aus welchem Stoff sind wir denn nun eigentlich gemacht?« In zahlreichen Geschichten berichtet Grof von Menschen, die solche ungewöhnlichen Erlebnisse hatten und wie sich ihr Leben dadurch positiv veränderte. Er erzählt auch von eigenen Erfahrungen, die ihm einen kurzen Einblick in kosmisches Bewusstsein gewährten, von LSDExperimenten und außergewöhnlichen Zuständen beim Holotropen Atmen oder spontan mitten im Alltag. Diese ihn prägenden Ereignisse haben seine persönliche und wissenschaftliche Weltan­ schauung nachhaltig verändert und machen ihn zu einem unkonventionellen Denker und Kenner anderer Dimensionen.

Stanislav Grof
Dr. med., Dr. phil., ist Psychiater mit mehr als 50-jähriger Erfahrung auf dem Forschungs­ gebiet außergewöhnlicher Bewusstseinszustände und gilt international als der maßgebli­ che Experte für Transpersonale Psychologie. Seine Forschungen über die klinische Anwendung von LSD und anderen psychedelischen Substanzen begannen am Psychiatrischen Forschungsinstitut in Prag und wurden nach der Übersiedelung in die USA (1967) am Maryland Psychiatric Research Center, an der Henry Phipps Clinic der Johns-Hopkins-Universität, Baltimore sowie am Esalen-Institut in Kalifornien fort­ gesetzt. Mit seiner Frau Christina Grof entwickelte er darüber hinaus das »Holotrope Atmen«, in dem eben­ falls die Erfahrung außergewöhnlicher Bewusstseins­ zustände möglich wird. Stanislav Grof ist Gründer und Präsident der International Transpersonal Association (ITA), die Konferenzen in den USA, in Südamerika, Europa, Indien und Australien veranstaltet; außerdem Professor für Psychologie am California Institute of Integral Studies (CIIS), San Francisco sowie an der Pacifica Craduate School, Santa Barbara. Er hält weltweit Vorträge, leitet Seminare für Holotropes Atmen und Transpersonale Psychologie. Seine zahlreichen populärwissenschaftli­ chen Bücher und profunden Fachartikel wurden in viele Sprachen übersetzt. Er lebt in Mill Valley/ Kalifornien. www.holotropic.com

Impossible - Wenn Unglaubliches passiert
kann für jeden, der auf der Suche ist, wichtige Antworten auf bisher ungelöste Fragen geben. Das Buch bietet die wunderbare Chance, über das gewöhnliche Bewusstsein hinauszureisen, und eröffnet eine neue Sicht auf die Reichweite menschlicher Existenz. Alles ist möglich!

Weitere Informationen zu diesem Buch und unserem gesamten lieferbaren Programm finden Sie unter www.koesel.de Kösel-Verlag München

Stanislav Grof

impossible -

Wenn Unglaubliches passiert
Das Abenteuer außergewöhnlicher Bewusstseinserfahrungen

Aus dem Amerikanischen von Karin Petersen, Berlin

Scan & OCR von Shiva2012

Kösel

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel »When The Impossible Happens. Adventures in Non-Ordinary Realities«. Sounds True, Inc., Boulder

Verlagsgruppe Random House FSC-DEU-0100 Das für dieses Buch verwendete FSC-zertifizierte Papier

EOS liefert Salzer, St. Pölten.

Copyright © 2006 by Stanislav Grof Copyright © für die deutsche Ausgabe 2008 Kösel-Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH Umschlag: 2005 Werbung, München Umschlagmotiv: Chris Johns / Getty Images Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck Printed in Germany ISBN 978-3-466-34516-8

www.koesel.de

Für Christina - meine Frau, Geliebte, beste Freundin, Mitarbeiterin und Mitsuchende -, mit der ich viele der Abenteuer in außergewöhnlichen Realitäten, die ich in diesem Buch beschreibe, gemeinsam erlebte, und die sah, wie das Unglaubliche geschah.

7

Inhalt
Vorwort Prolog Die Entdeckung kosmischen Bewusstseins: Meine erste LSD-Sitzung 11 22 22

Teil 1

Das Mysterium der Synchronizität: Im Zwielicht des Uhrwerk-Universums Die Macht der Tierwelt: Eine Gottesanbeterin in Manhattan Die sterbende Königin: Wenn Voraussagen im Traum sich hei Tag erfüllen Die Regenbogenbrücke der Götter: lm Reich der nordischen Sagen Das Spiel des Bewusstseins: Swami Muktananda und Siddha Yoga Der Guru im Lehen seiner Anhängerinnen und Anhänger: Ist der Siddha Yogi ein kosmischer Marionettenspieler? Der Tanz des weißen Schwans: Mit dem Geisterkanu der Salish in die Unterwelt reisen Die Entstehung des Films Brainstorm: Unser Hollywood-Abenteuer 63 31 39 42 49

83 96 102

8 Inhalt

Der Lauf des Wassers: Begegnungen mit Präsident Vaclav Havel Der Segen der Götter: Don Jose und die Regenzeremonie der Huichol Fine Lektion in Verzeihen: Peyote-Zeremonie mit Potawatomi-Indianern

110 118 127

Teil 2 Geburt und pränatales Leben erinnern: »Nach uns ziehend Wolkenglanz und Glorienschein« Eine schwierige Entbindung in der Mittagspause: Lenis Geschichte Der Geruch von frischem Leder: Kurts Geschichte Der Anblick der alten Eiche: Anne-Maries Geschichte Pränataler Besuch des Jahrmarkts im Dorf: Richards Geschichte Das Spermarennen gewinnen: Erfahrungen mit der zellulären Ebene des Bewusstseins 141 145 148 150 153 135

Teil 3 Wiederholungsbesuche in der Geschichte: Die Reichweite des menschlichen Gedächtnisses Ein Erlebnis aus dem russisch-finnischen Krieg: Ingas Geschichte Das kleine Mädchen mit der weißen Schürze: Nadjas Geschichte Erinnerungen der geraubten Generationen zurückbringen: Mariannes Geschichte Erinnerung an das Erlebnis eines Vorfahren oder Erfahrung aus einem eigenen früheren Leben? Renatas Geschichte

159 163 165 167

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gibt es kein Problem: Meisterstücke des koreanischen Schwertkünstlers Ein seltsames Vermächtnis der alten Mayas: Das Mysterium des KristalIschädels 223 232 235 237 240 243 251 260 268 274 286 295 306 310 .Inhalt 9 Teil 4 Haben wir schon einmal gelebt? Reinkarnation und die Akasha-Chronik Die Belagerung von Dun an Oir: Karls Geschichte Das karmische Dreiecksverhältnis: Eine Zeitreise in das alte Ägypten In den Katakomben der Pecherskaya Lavra: Ein früheres Leben im zaristischen Russland Wenn spirituelle Erfahrungen gefährlich werden: Wiederholungsbesuch bei der Hexenverfolgung in Salem 179 184 188 200 215 Teil 5 Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits: Die Welt des Paranormalen erforschen Ohne Augen sehen (Innere Sicht): Teds Geschichte Botschaften aus dem Astralreich: Richards Geschichte Ein Beweis für die Existenz des Jenseits? Walters Geschichte Rosenschnitt in Tante Annes Garten: Kurts Geschichte Luiz Gasparetto: Maler und Gemälde aus dem Jenseits Eine Party für Exu: Interview mit den Orixäs Das Tabu unserer eigenen Hellsichtigkeit: Sitzungen mit Anne Armstrong Ameisen der Großen Muttergöttin: Ein Besuch in Palenque Uluru und Alcheringa: Ein Abenteuer in der Traumzeit Versuchungen eines nicht lokalen Universums: Ein fehIgeschlagenes Experiment mit astraler Projektion Kanal sein für den Avatar: Meine Mutter. Sai Baba und das Holotrope Atmen Wenn alles eins ist.

der drei Jahrhunderte überlebte: Norberts Geschichte Die Schweinegöttin von Malekula: Ottos Geschichte Interview mit dem Teufel: Floras Geschichte Den Archetyp der Daphne verkörpern: Marthas Geschichte Heilung von Depressionen durch ein sephardisches Gebet: Gladys’ Geschichte Fruchtbare psychiatrische Ketzerei: Miladas Geschichte Magisches Sandspiel: Ein Kätzchen als Therapeut 361 365 373 339 342 348 357 333 Teil 7 Transpersonale Psychologie und MainstreamWissenschaft Wenn Wissenschaft zu Pseudo-Wissenschaft wird: Carl Sagan und seine von Dämonen verfolgte Welt Die Morgenlandfahrt: LSD für die (ehemalige) Sowjetunion Psyche und Kosmos: Was die Planeten uns über Bewusstsein verraten können Epilog Dank Bibliographie Kontakt zum Autor 377 379 390 397 411 420 427 431 .10 Inhalt Materie und Bewusstsein: Ketamin und die Wiederverzauberung der Welt Auf dem Inka-Pfad: Das Geheimnis der Trepanation entdecken 318 329 Teil 6 Unorthodoxe Psychiatrie: Überraschende Alternativen zu traditionellen Behandlungsmethoden Der Schmerz.

Die fünfzig Jahre. das in . waren für mich ein höchst bemerkens­ wertes Abenteuer der Entdeckung und Selbstentdeckung. transformativen und evolutionären Potenzials dieser Zustände. die nur wenige Zeitstunden dauerte. in der ich vor allem während der Kulminations­ phase eine überwältigende und unbeschreibliche Erfahrung mit kosmischem Bewusstsein machte. mein persön­ liches und berufliches Leben nachhaltig. Etwa die Hälfte dieser Zeit widmete ich der therapeutischen Arbeit mit psychedelischen Substanzen. einer Substanz mit bemerkenswerten psychoaktiven Eigenschaften.11 Vorwort V or fast einem halben Jahrhundert veränderte eine tiefgreifende Erfahrung. weckte in mir ein intensives. die der Schweizer Chemiker Albert Hof­ mann in den pharmazeutischen Labors der Firma Sandoz in Basel entdeckt hatte. wo ich am letzten psychedelischen Forschungsprogramm mitwirkte. Nur ein paar Monate nach meinem Abschluss an der medizinischen Hochschule meldete ich mich als junger Assistenzarzt in der Psychiatrie freiwillig für ein Experiment mit LSD. Diese Sitzung. USA. Seit der Zeit bestehen die meisten meiner klinischen Projekte und Forschungsunternehmen in der systematischen Untersuchung des therapeutischen. lebenslanges Interesse an außergewöhnlichen Bewusstseinszustän­ den. zunächst in der Tschecho­ slowakei am Psychiatrischen Forschungsinstitut in Prag und dann am Maryland Psychiatric Research Center in Baltimore. in denen ich Bewusstseinsfor­ schung betrieben habe.

dass wir uns mit allem. Wir machen die Erfahrung. dass wir uns in unserem alltäglichen Bewusstseinszustand nur mit einem kleinen Ausschnitt dessen identifizieren. Seit 1975 arbeiten meine Frau Christina und ich mit dem Holotropen Atmen. gemeinsam entwickelt haben. Kalifornien. die wir am Esalen-Institut in Big Sur. die wir in unserer alltäglichen Existenz annehmen) und Atman-Brahman (unsere tiefste Identität. Im Laufe der Jahre haben wir auch viele Menschen unterstützt. genauer gesagt. bei den Heilungszeremonien der Eingeborenenkulturen. die vergleichbar ist mit dem kosmischen schöpferischen Prinzip). holos. Sufi Dhikrs (intensive Anbetung Allahs. ganz.). einer tiefgreifenden Methode für therapeutische Zwecke und für die Selbsterforschung. In holotropen Bewusstseinszuständen können wir die engen Grenzen unseres Körper-Ichs transzendieren und unsere vollständige Identität zurückgewinnen. buddhistischer oder taoistischer Meditation. den Übergangsriten der australischen Ureinwohner und systematischen spirituellen Schulungswegen wie verschiedenen Formen von Yoga. Am besten erklären lässt sich der Begriff holotrop vor dem Hintergrund der hinduistischen Unterscheidung zwischen Namarupa (Name und Gestalt. bei denen außergewöhnliche Bewusstseinszustände spontan auftraten . . und trepein. Holotrope Erfahrungen spielen eine wichtige Rolle bei schamanistischen Initiationskrisen. eine wichtige Unterkategorie dieser Zustände. identifizieren können.d.Ü. Anm. Dieses zusammengesetzte Wort bedeutet wörtlich »ausgerichtet auf Ganzheit« oder »sich in Richtung Ganzheit bewegen« (vom gr. Dieser Begriff verweist darauf. dass sie außergewöhnliche Bewusstseinszustände enthalten oder. wer wir wirklich sind.12 Vorwort Amerika damals noch existierte. Der gemeinsame Nenner der Erlebnisse mit psychedelischen Substanzen besteht darin. wie Christina und ich das nennen.in psychospirituellen oder »spirituellen Krisen«. sich auf etwas zu oder in Richtung von etwas bewegen). die ich »holotrop« nenne. sogar mit dem schöpferischen Prinzip selbst. was Teil der Schöpfung ist.

haben sie ein äußerst heilsames. die mehr oder weniger direkt mit holotropen Bewusstseinszuständen zusammenhängen. Isis und Osiris. mich mit Anthropologen auszutauschen.Ü. In spirituellen Krisen kommt es spontan zu holotropen Zuständen. Jahrhunderts entwickelten erlebnisorientierten Therapien. und die Ursache dafür ist meistens nicht bekannt. Ich habe viel Zeit damit verbracht. Beschreibungen dieser Erfahrungen finden wir auch in der Literatur über die uralten Mysterien von Tod und Wiedergeburt. die energetische Blockaden löst. In der psychedelischen Therapie werden holotrope Zustände durch Verabreichung bewusstseinsverändernder Substanzen wie LSD. Mithra. Chorgesang. Adonis.Vorwort 13 kabbalistischen Übungen oder dem christlichen Jesusgebet (Hesychasm). Damit verbunden waren Kontakte mit zahlreichen nordamerikanischen. evokativer Musik (z. Wotan und vielen anderen Gottheiten. Parallel zu diesen Forschungen habe ich mich mit vielen Disziplinen beschäftigt. Ayahuasca und magischen Pilzen teilgenommen.B. kraftvolle Orchestermusik. Meskalin und Typtamin. südamerikanischen und afrikanischen Schamanen und Heilern. Sie können auch ausgelöst werden durch tiefgreifende Formen der in der zweiten Hälfte des 20. transformatives und sogar evolutionäres Potenzial. Dionysos. Ich hatte auch intensive Begegnungen . Anm.) und Körperarbeit.d.oder Amphetamin-Derivate herbeigeführt. und an den heiligen Zeremonien von Eingeborenenkulturen in vielen Teilen der Welt mit und ohne Einnahme von psychedelischen Pflanzen wie Peyote. Im Alltagsleben kann es in Nahtodsituationen zu holotropen Erfahrungen kommen oder auch spontan. Psilocybin. ohne jeden offensichtlichen Anlass. mitten im Alltag. Beim Holotropen Atmen verändert sich das Bewusstsein durch eine Kombination von schnellerer Atmung. Attis. intensives Trommeln. Wenn wir holotrope Zustände richtig verstehen und unterstützen. die im Mittelmeerraum und in anderen Teilen der Welt praktiziert wurden. mexikanischen. im Namen von Inanna und Tammuz.

Vajrayana Buddhismus. sondern . Ende der 1960er. Pioniere der Bewusstseinsforschung im Labor. mit der ich aufwuchs. die tiefgreifende Formen von erlebnisorientierter Therapie entwickelt haben. Siddha Yoga. Tantra und der christliche Benediktinerorden. In den ersten Jahren meiner Laboruntersuchungen und klinischen Forschungen mit Psychedelika prasselten täglich Erfahrungen und Beobachtungen auf mich ein. war die Thanatologie und die noch junge Disziplin der Erforschung von Nahtoderfahrungen sowie der psychologischen und spirituellen Aspekte von Tod und Sterben. dass das Problem nicht in meiner Beobachtungsfähigkeit oder meinem kritischen Urteil lag. wurde mir allmählich klar. darunter Vipassana. die an Krebs im Endstadium litten. bei dem wir die Auswirkungen der psychedelischen Therapie auf Menschen untersuchten.und zu Beginn der 1970er-Jahre nahm ich an einem umfassenden Forschungsprojekt teil.14 Vorwort mit Vertreterinnen und Vertretern vieler spiritueIIer Disziplinen. einige der größten Hellsichtigen und Parapsychologen unserer Zeit. dem ich viel Aufmerksamkeit widmete. dass ich das Privileg hatte. meine Ungläubigkeit in Bezug auf meine Beobachtungen und die Zweifel an meinem Geisteszustand erst einmal überwunden hatte. Ein weiteres Gebiet. Nachdem ich die anfängliche Erschütterung meines Denkens. Meine erste Begegnung mit holotropen Zuständen war sehr schwierig und sowohl intellektuell als auch emotional eine große Herausforderung. persönlich kennenzulernen und bei ihrer Arbeit zu erleben sowie Therapeutinnen und Therapeuten. welche holotrope Bewusstseinszustände auslösen. Zen. Und trotzdem erlebte ich diese scheinbar unmöglichen Dinge ständig. Ich sollte hier auch erwähnen. die im Kontext der wissenschaftlichen Weltanschauung. als unmöglich galten und die es eigentlich gar nicht geben sollte. Tatsächlich erlebte und sah ich hier Dinge. auf die mich meine medizinische und psychiatrische Ausbildung nicht vorbereitet hatte.

und brachte diese Meinung in einer Reihe von Fachbüchern zum Ausdruck. von denen meine Klientinnen und Klienten in der psychedelischen Therapie. dass die Daten aus der Forschung über holotrope Zustände eine kritische gedankliche Herausforderung für das wissenschaftliche Paradigma darstellen. Mein anfänglicher Verdacht. Die meisten dieser Informationen beruhten auf den außergewöhnlichen Erfahrungen. dass das Denken in diesen Disziplinen eine radikale Revision erforderte. denn ich hatte mit der Ehrfurcht und dem Respekt zu kämpfen.Vorwort 15 im engen Denken der zeitgenössischen psychologischen und psychiatrischen Theorien und des monistischen. verwandelte sich allmählich in Gewissheit. materialistischen Paradigmas der westlichen Wissenschaft. unterstützt und bestätigt durch Tausende von klinischen Beobachtungen. Ein entscheidender Faktor bei der Transformation meiner Sicht der Welt waren die holotropen Erfahrungen verschie­ . dass die akademischen Theorien über das menschliche Bewusstsein und die menschliche Psyche völlig unzureichend waren. wissenschaftlichen Autoritäten und beeindruckenden Referenzen und Titeln entgegenbrachte. Ich gelangte zu dem Schluss. Psychiatrie und Psychotherapie im Augenblick vorherrschend ist. von Inhalt und Reichweite der begrifflichen Umwälzung vergleichbar. Die Beobachtungen. das in Psychologie. die ich als Medizinstudent und Anfänger auf dem Gebiet der Psychiatrie dem akademischen Establishment. Natürlich war mein Weg zu dieser Erkenntnis nicht leicht. die mir von meinen Hochschullehrern und meiner Kultur vermittelt worden war. gingen auf viele verschiedene Gebiete und Quellen zurück. Jahrhunderts stellen mussten. welche die Weltanschauung in Frage stellten. wo ich keinerlei Zweifel mehr daran hatte. Schließlich kam ich an einen Punkt. der sich die newtonschen Physiker in den ersten dreißig Jahren des 20. die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an unseren Workshops und Trainings für Holotropes Atmen sowie Menschen in spirituellen Krisen berichteten.

Ich bin mir der Tatsache bewusst. von denen mir meine Frau Christina berichtete. Vor diesem Hintergrund entstand der Titel dieses Buches. meine skeptische und materialistische wissenschaftliche Weltanschauung aufzugeben und mir die östlichen spirituellen Philosophien und die mystischen Lehren der Welt zu eigen zu machen. die ich selbst erlebte. Das Abenteuer außergewöhnlicher Bewusstseinserfahrungen ist eine Sammlung von Geschichten über viele verschiedene Ereignisse in meinem beruflichen und persönlichen Leben. dass sie gar nicht hätten passieren dürfen. .als streng deterministisches. Das Beweismaterial. die mich zwangen. dass sie den Leserinnen und Lesern einen Geschmack von der Wiederverzauberung des Universums vermitteln. bekannten spirituellen Lehrern und Hellsichtigen sowie viele erstaunliche Zusammentreffen und Synchronizitäten. die diese Geschichten beschreiben. Impossible . wenn das Universum so beschaffen wäre.Wenn Unglaubliches passiert. über die Lektüre nicht ihre ganze reale und konkrete Kraft entfalten können. welche die westliche Wissenschaft als primitiven Aberglauben abtut. Der gemeinsame Nenner all dieser Ereignisse war die Tatsache. Im Laufe der Jahre geschahen auch in unserem Alltagsleben viele ungewöhnliche Dinge. das diese grundlegende Veränderung meiner Weltanschauung bewirkte. wie die traditionelle Wissenschaft es darstellt . die zu dieser Transformation beigetragen haben.16 Vorwort denster Art. dass die Lebenserfahrungen. die sie in meinem eigenen Leben bewirkt haben. beruhte jedoch nicht nur unmittelbar auf besonderen Bewusstseinszuständen. das regiert wird von Ketten von Ursachen und Wirkungen. Dennoch hoffe ich. sowie die Erlebnisse. Durch all diese Erfahrungen bekam ich auch großen Respekt vor dem rituellen und spirituellen Leben und den Heilungstraditionen der Eingeborenenkulturen. materielles System. Dazu gehörten bemerkenswerte Begegnungen und Erlebnisse mit Schamanen aus unterschiedlichen Kulturen.

dass Bewusstsein und Materie zwei getrennte Bereiche sind. dass jede und jeder von uns in der unbewussten Psyche nicht nur die Erinnerungen an die eigene Entbindung und das damit verbundene Trauma mit sich herumträgt. die das augenblicklich vorherrschende wissenschaftliche Bild von der Natur und von der Reichweite des menschlichen Gedächtnisses in Frage stellen. das den Grundpfeiler westlichen wissenschaftlichen Denkens darstellt.das höchst unwahrscheinliche Zusammentreffen von Ereignissen. die Grundlagen des newtonisch-kartesianischen Paradigmas und der monistischen materialistischen Weltanschauung. Die Arbeit mit holotropen Bewusstseinszuständen zeigt jedoch immer wieder eindeutig. dass sie existieren. die es bei seiner biologischen Geburt macht. die durch das Prinzip der linearen Kausalität.G.der DNA . dass unsere gesamte biologische Geschichte in einem Molekül . Es scheint nicht sehr plausibel zu sein. dass die materielle Welt mit der menschlichen Psyche in einen spielerischen Austausch treten kann. nicht erklärbar sind. Sie zerstören die von westlichen akademischen Kreisen vertretenen grundlegenden metaphysischen Annahmen. Teil 2. anstrengenden und schmerzlichen Erfahrungen zu verzeichnen. Indem Synchronizitäten uns zeigen. dass das Gehirn des Neugeborenen noch nicht weit genug entwickelt ist. 3 und 4 des Buches enthalten Geschichten. um die Erinnerungen an die stundenlangen. erschüttern sie allein dadurch.Vorwort 17 Teil 1 des Buches besteht aus Geschichten über das Phänomen. dass Materie das Primäre und Bewusstsein ihre bloße Begleiterscheinung ist und die Ereignisse in der Welt ausschließlich von Ketten von Ursachen und Wirkungen gesteuert werden. Jung als Synchronizität beschrieb . sondern auch Erinnerungen an das pränatale Leben und die frühe Existenz als Embryo. an die eigene Empfängnis und das Leben ihrer oder seiner menschlichen und tierischen Vorfahren. das C.gespeichert . Mainstream-Psychiater und -Neurophysiologen gehen davon aus.

Ü. vorstellbar machen. Begegnungen mit archetypischen Gestalten. die das traditionelle Forschungsmaterial der Parapsychologen sind Telepathie und Hellsichtigkeit. und ein physisches Medium. Erlebnisse mit Astralreichen. und außerkörperliche Erfahrungen. sowie Erinnerungen an vergangene Leben und die erlebnisbedingte Identifizierung mit Mitgliedern anderer Spezies. Jung es verstand. die das Einwirken von geistigen Kräften auf Materie zeigen (Siddhis). wie C. die ein materielles Substrat. das sie verzeichnet. bei denen das körperlose Bewusstsein seine unmittelbare Umgebung oder entfernte Gegenden präzise wahrnimmt. Teil 5 des Buches besteht aus Geschichten über Phänomene. weil sie auf Erinnerungen verweisen. dass die materialistische Wissen­ . das diese Informationen befördern kann. und diese Aufzeichnungen unter bestimmten Umständen in lebendige Erfahrungen umgesetzt werden können. die in den Archiven des kollektiven Unbewussten gespeichert sind. Viele Erfahrungen in holotropen Zuständen stellen jedoch für das begriffliche Denken ein noch viel größeres Problem dar. Die oben genannten Erinnerungen jedoch . oder sind in das Bewusstseinsfeld selbst eingebettet.an die Zeit als Embryo. Sie lagern offensichtlich in Bereichen. Das unvoreingenommene Studium dieser ungewöhnlichen Erfahrungen und Ereignisse legt die Schlussfolgerung nahe. die der Wissenschaft im Augenblick noch unbekannt sind. All diese Erfahrungen reichen eindeutig weiter als die Erlebnisstränge. Rasse und Biologie betreffen. für die keinerlei wie auch immer geartetes materielles Substrat existiert. Psychometrie.18 Vorwort werden kann. Channeling.d. Anm. Hierzu gehören zum Beispiel erlebnisbedingte Ausschnitte aus der menschlichen Geschichte. Rasse und Phylogenese (Entstehung der Lebewesen in der Vielfalt ihrer Arten im Laufe der Erdgeschichte. ist nicht vorstellbar.G. die Vorfahren. Kommunikation mit nicht inkarnierten Wesen und Geistführern. Vorfahren. Phänomene.) finden zumindest unter Bedingungen statt.

In diesem Teil berichte ich auch von verblüffend positiven Ergebnissen höchst unorthodoxer und kontroverser Behandlungsmethoden. Ein weiteres Beispiel besteht darin. vorschnell lächerlich gemacht hat. die mit Exorzismus vergleichbar ist. Ein Beispiel für eine derartige psychiatrische »Ketzerei« ist die Auffassung. In Teil 7 dieses Buches widme ich mich der Einstellung der traditionellen Wissenschaft zu Beobachtungen aus der Bewusstseinsforschung und der transpersonalen Psychologie. die für traditionelle Psychiaterinnen und Psychiater überhaupt keinen Sinn ergeben würden. Ein besonderer Abschnitt des Buches (Teil 6) ist der Beschreibung von Beobachtungen gewidmet. die ihn studieren. die augenblicklich als Manifestationen schwerer psychischer Erkrankungen gelten.Vorwort 19 schaft diesen gesamten Bereich sowie die Forscherinnen und Forscher. dramatische Verbesserungen bei einer Patientin erzielt. statt hier von psychotischen Schüben zu reden. Bei den radikalsten und ungewöhnlichsten der in diesem Teil des Buches geschilderten Fälle werden Psychedelika zur Aktivierung statt zur Unterdrückung psychotischer Symptome eingesetzt. die ihr Paradigma . mit denen wir therapeutisch entsprechend arbeiten können. die eine zukünftige radikale Revision der wissenschaftlichen Weltanschauung und ihrer grundlegenden metaphysischen Annahmen zur Folge haben könnten. oder durch Anwendung einer Methode. welche an den Grundauffassungen der Mainstream-Psychiater von psychotischen Schüben rütteln. Denn diese Beobachtungen enthüllen die Existenz von »anormalen Phänomenen« . dass wir Symptome als Ausdruck der Selbstheilungsversuche der Psyche betrachten. dass sich in außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen eine spirituelle Öffnung (»spirituelle Krise«) manifestieren kann. oder therapeutische Durchbrüche mit Hilfe von psychodynamischen Mechanismen bewirkt.

unkonventionellen Suche . aber typisches Beispiel für den Widerstand gegen die neuen wissenschaftlichen Daten. die von »ernsthaften« Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verspottet und lächerlich gemacht wird . dass diese Informationen den Kampf und die Schwierigkeiten von Menschen lindern.eine Disziplin. die ich in diesen Memoiren mitteile. Die zweite Geschichte schildert. wie mein eigener entschiedener Widerstand gegen die Astrologie . aufgeschlossene Leserinnen und Leser werden die persönlichen Geschichten. dies könne ihrem Ruf als Wissenschaftler schaden. die mit dem Aufbruch in neues. weil ich mir wünsche. und sie ihnen helfen mögen. so viele persönliche Informationen preiszugeben.einer Fülle von überzeugenden Beobachtungen weichen musste. der seine intellektuellen Uberzeugungen derart borniert und entschlossen verteidigt. Die dritte schildert. die sich ernsthaft auf den Weg der Selbsterforschung begeben. zu vermeiden. Ich teiIe die Irrungen und Wirrungen meiner persönlichen Suche hier deswegen so offen mit. unerforschtes Gelände verbunden sind. Hier geht es auch um die Erweiterung des traditionellen Psychologiestudiums auf die Bereiche Spiritualität. Die meisten Kliniker und Forscher würden zögern. auf den wir bei vielen Mitgliedern der akademischen Gemeinschaft stoßen. weil sie befürchten.2o Vorwort sprengen. Ich hoffe. was passiert. Wechselbeziehung zwischen Körper und Geist sowie Transformation. die Fehler und Fallgruben. Dazu gehört der brillante. Die erste hier erzählte Geschichte ist ein extremes. eigene Erfahrungen mit holotropen Bewusstseinszuständen zu machen. Dies ist ein sehr persönliches Buch. wenn traditionell ausgebildete Fachleute mit einer materialistischen Einstellung Gelegenheit bekommen. das viele intime Details aus meinem privaten und beruflichen Leben enthüllt. weltbekannte Wissenschaftler. als Zeugnisse meiner leidenschaftlichen. dass seine Haltung der eines religiösen Fundamentalisten vergleichbar ist.

Dr med. die in den tiefsten Winkeln der menschlichen Psyche verborgen sind. Wenn dieses Buch auch nur einem Bruchteil von Tausenden von Menschen. Stanislav Grof. die holotrope Bewusstseinszustände erleben und außergewöhnliche Realitäten erforschen. Dr phil. California August 2005 .Vorwort 21 nach dem Wissen und der Weisheit betrachten. Mill Valley.. habe ich das Opfer meiner Privatsphäre nicht umsonst gebracht. nützliche Informationen vermittelt und sie auf ihrem Weg unterstützt.

der in den pharma­ zeutischen Labors der Schweizer Firma Sandoz in Basel hergestellt wurde. Das war einer der ersten Tranquilizer. vergleich­ bar der. war .22 Prolog Prolog Die Entdeckung kosmischen Bewusstseins Meine erste LSD-Sitzung mit Sicherheit die wichtigste und einflussreichste meines Le­ bens. ließ sie mich beruf­ lich einen völlig anderen Weg einschlagen als den. inneren Transformati­ on und eines spirituellen Erwachens ein. die ich bis auf den heutigen Tag mit großer Leidenschaft und Entschlossenheit verfolge. Sie stellte die Weichen für eine Laufbahn. für den ich ausgebildet war und auf den ich mich vorbereitet hatte. betrachte ich diese Erfahrung als eine Initiation. Mitte der 1950er-Jahre betrieb man in der psychi­ atrischen Abteilung des medizinischen Fachbereichs an der KarlsUniversität in Prag. in der ich mein Medizinstudium abgeschlossen hatte und meine Laufbahn als Psy­ chiater begann.dauerte. Diese Geschichte führt uns zurück in die Zeit. Heute. Mein Vorgesetzter hatte gute Arbeitsbeziehungen zu San­ doz und erhielt von Zeit zu Zeit Gratisproben der Produkte dieses D ie Erfahrung.und der bedeutungs­ vollste Teil nur etwa zehn Minuten . fast fünfzig Jahre später. wo ich vom vierten Jahr meines Medizinstudiums an als studentische Hilfskraft gearbeitet hatte. Sie leitete auch den Prozess einer tiefen persönlichen. von der ich im Folgenden berichten werde. Auch wenn sie nur wenige Stunden . Forschungen mit Melleril. die den Einweihungskandidaten in uralten Mysterienspie­ len erwartet.

die bislang nie da gewesene Wirkungen zeigen würde. der sich. einer damals noch neuen. die jemals entdeckt wurde. musste er seine Arbeit im Labor mitten am Tag unterbrechen. Es war die stärkste psychoaktive Droge. eine sorgfältig abgewogene Dosis LSD zu nehmen. als ziemlich hoch. als er diese Substanz in seinem Labor synthetisch herstellte. da er sich für einen »konservativen Menschen« hielt.und 1960er-Jahre des letzten Jahrhunderts galt die Dosis. der durch LSD-25 ausgelöst worden war. dass sein abnormer Geisteszustand auf einem Rauschzustand beruhte. versehentlich selbst in einen Rausch versetzte. Übernachtung im Behandlungszentrum und anschließende Auswertungsinterviews. Er konnte nicht wissen. verbunden mit einer Flut von phantastischen Bildern und kaleidoskopischen Farbspielen. In der späteren klinischen Arbeit der 1950er. die Albert Hofmann nahm. weil er äußerst unruhig wurde und sich schwindelig fühlte. konnte er sich nicht vorstellen.Prolog 23 Unternehmens. experimentellen Substanz mit bemerkenswerten psychoaktiven Figenschaften. entdeckt worden. Drei Tage später beschloss Dr. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit bekam er für Testzwecke eine Lieferung von Lysergsäurediethylamid oder LSD25. Obwohl das eine vernünftige Vermutung war. Diese Einschätzung beruhte auf der Tatsache. Als das passierte. das etwa zwei Stunden anhielt. Bei diesem geplanten Selbstexperiment nahm er 250 Mikrogramm oder Gammas (1 Millionstel Gramm) LSD zu sich. als »Minidosis« betrachtete. dass Ergot-Alkaloide meistens in Milligramm-Dosierungen eingenommen werden. um seinen Verdacht zu bestätigen. . Diese körperlichen Befindlichkeiten entwickelten sich zu einem traumähnlichen Erleben. was er. Hofmann. Supervision durch zwei Begleitpersonen. Die erstaunlichen Wirkungen dieses Präparats auf die menschliche Psyche waren im April 1943 vom leitenden Chemiker bei Sandoz. Dr. dass er eine Substanz zu sich nahm. wie die Droge in sein System gelangt war. und entsprechende Sitzungen erforderten stundenlange Vorbereitungen. Albert Hofmann.

gebe ich hier eine kurze Beschreibung dieses historischen Experiments. Nachdem er zu Hause angekommen war.24 Prolog Weil es in vielen Geschichten dieses Buches um LSD geht. sterben zu müssen. die ihm ein Glas Milch brachte. den Verstand zu verlieren. und sie mussten mit dem Fahrrad fahren. Am Tag nach dem LSD-Experiment war er in einer ausgezeichneten körperlichen und geistigen Verfassung. Stolls Sohn. Hofmanns Bericht über diese Fahrradfahrt durch die Straßen von Basel unter Einfluss einer hohen Dosis LSD ist inzwischen zur Legende geworden. und bat seinen Assistenten. und Hofmanns Zustand hatte sich radikal verändert. und er fürchtete. war Albert Hofmann bereits nach einer Stunde nicht mehr imstande zu arbeiten und bat seinen Assistenten. Werner A. Weil die Benutzung von Autos aufgrund des Krieges strengen Restriktionen unterlag. Arthur Stoll vor. Werner Stolls frühe LSD-Studien zeigen. Stoll. Seine freundliche Nachbarin. Zufällig war Dr. Seinen bahnbrechenden Bericht über die Wirkung von LSD-25 auf »normale freiwillige Versuchspersonen« und psychiatrische Patienten veröffentlichte er I947. Er lag nicht mehr im Sterben. stand kein Wagen zur Verfügung. wiederbelebt und verjüngt. die sein Denken und seinen Körper völlig beherrschten. ihn nach Hause zu begleiten. praktizierender Psychiater in Zürich und zeigte großes Interesse daran. dass winzige Dosierungen dieser außergewöhnlichen Substanz . und dieser Artikel wurde in der wissenschaftlichen Welt über Nacht zu einer Sensation. Er fühlte sich körperlich so elend.in der Größenord­ . dass er sicher war. Er hatte seine eigene Geburt erlebt und fühlte sich wie neugeboren. erschien ihm als gefährliche Hexe. Er schrieb einen Bericht über seine außergewöhnlichen Erfahrungen und legte ihn seinem Chef Dr. einen Arzt zu rufen. Nachdem er 250 Mikrogramm LSD-25 eingenommen hatte. die ihn verzaubern wollte. fühlte er sich wie besessen von dämonischen Kräften. war der Höhepunkt der Krise bereits überschritten. die Wirkungen von LSD in einem klinischen Versuch zu erforschen. Als der Arzt eintraf.

Psychologen. ein intimes. Ich fand diese ungewöhnliche Ausbildungschance höchst aufregend und bat meinen Vorgesetzten Dr. Sozialarbeiter und Studenten der Psychiatrie eine einzigartige Gelegenheit zu sein. vor allem die von Schizophrenie. diese Substanz möglicherweise als revolutionäres. Vertreter der Firma Sandoz stellten jetzt Forschern und Therapeuten in der ganzen Welt Proben von LSD zur Verfügung und erbaten Feedback zu seiner Wirkung und seinem Potenzial. Sie wollten wissen. Leider beschloss die Belegschaft der psychiatrischen Klinik. Hier wies man daraufhin. George Roubicek um eine LSD-Sitzung. ob diese Substanz in Psychologie und Psychiatrie legale Anwendung finden konnte. dass Studenten aus verschiedenen Gründen nicht als frei­ . Krankenschwestern. dass die Erforschung dieser »experimentellen Psychosen« interessante Einsichten in die Ursachen von natürlich auftretenden psychotischen Zuständen liefern konnte. wirkungsvoller mit ihnen kommunizieren und sie folglich auch effektiver behandeln zu können. die mein persönliches und berufliches Leben grundlegend veränderte. dass Fachleute im psychischen Gesundheitswesen. schien für Psychiater. persönliches Wissen über die innere Welt ihrer Patientinnen und Patienten zu erwerben. Dr.für die Dauer von sechs bis zehn Stunden tiefgreifende Veränderungen im Bewusstsein seiner Experimentteilnehmer zu bewirken vermochten.Prolog 25 nung von Millionstel eines Gramms . um diese besser verstehen. die mit psychotischen Patienten arbeiteten. Deshalb ging man davon aus. unkonventionelles Hilfsmittel für ihre Ausbildung benutzen konnten. Die Möglichkeit. die Erfahrung einer reversiblen »experimentellen Psychose« zu machen. Stolls Pilotstudie zeigte einige interessante Ähnlichkeiten zwischen der LSD-Erfahrung und der Symptomatologie natürlich auftretender Psychosen auf. Der Beipackzettel der Firma Sandoz zu den LSD-Proben enthielt auch eine kleine Anmerkung. der rätselhaftesten unter den psychiatrischen Störungen.

als meine Sitzung stattfand. dass ich bei den LSD-Sitzungen vieler tschechischer Psychiater und Psychologen. Roubicek war jedoch zu beschäftigt. war einverstanden. bevor ich selbst die für einen Versuchsteilnehmer erforderlichen Qualifikationen erworben hatte. inwieweit man auf die Gehirnwellen im subokzipitalen (unterhalb des Hinterhauptsbeins. war er besonders fasziniert von dem Vorgang. Mein Bruder Paul. Erpicht darauf. die ich in ihren Sitzungen beobachtet hatte. vor. Anm. das heißt. wiederholt geweckt worden.d. grell aufleuchtendes Licht. war mein Appetit darauf durch die phantastischen Berichte der Menschen. um herauszufinden.26 Prolog willige Versuchsteilnehmer zu gelassen werden sollten. Dr. .Ü. erklärte ich mich einverstanden. dass ich die psychedelischen Sitzungen anderer Personen überwachte und Protokoll über ihre Erfahrungen führte. während und nach der Sitzung ein EEG machen zu lassen. Im Herbst 1956 konnte ich nach meinem Abschluss an der medizinischen Hochschule endlich selbst eine Sitzung nehmen. Dr. Anm. den er als »Antreiben« der Gehirnwellen oder »Einwirken« auf diese bezeichnete. Roubiceks spezielles Interesse galt der Erforschung der elektrischen Aktivität des Gehirns. um stundenlang die LSD-Sitzungen seiner Experimentteilnehmer zu begleiten und brauchte Hilfe. prominenter Künstler und anderer interessanter Menschen anwesend war. zu der Zeit Medizinstudent und sehr interessiert an Psychiatrie. Zu der Zeit. endlich selbst Erfahrungen mit LSD zu machen. Eine Bedingung für die Teilnahme an der LSD-Studie war die Einwilligung. meine Sitzung zu begleiten.) Bereich »einwirken«. sie zwingen konnte. die eintreffende Frequenz zu empfangen.Ü. mein EEG machen und meine Gehirnwellen »antreiben« zu lassen. Als ich dann an der medizinischen Hochschule meinen Abschluss machte und die Voraussetzungen für eine Sitzung erfüllte.) vielen verschiedenen Lichtfrequenzen ausgesetzt. Und so kam es. Zu diesem Zweck wurden die Versuchsteilnehmer mit Hilfe einer stroboskopischen Lichtquelle (schnell und kurz. Es gab keine Einwände dagegen.d.

Diese Erfahrung ging so tief und war so erschütternd. die mir einfielen. Einige ähnelten kunstvollen Bleiglasfenstern in gotischen Kathedralen. die moderne Computer hervorbringen können. Die Erlesenheit dieser Visionen erinnerte mich an Sheherazade und die Welt von Tausendundeine Nacht und an die erstaunliche Schönheit der Alhambra und von Xanadu. die mir auf dieser Ebene meiner Psyche zugänglich waren. bruchstückhaften Bildern zu produzieren. Es ist schwer. dass meine Psyche auf irgendeine Weise die Fähigkeit entwickelte. Roubiceks Assistentin und verkündete. Dann verschwanden diese Symptome. Es gab jedoch noch einen weiteren Aspekt meiner Sitzung. Ich konnte kaum glauben. der alles übertraf. Heute glaube ich. Benommenheit und Übelkeit. eine Reihe von wild wuchernden. Das waren damals die einzigen Assoziationen. kaleidoskopischen Sequenzen entfalteten. was da passierte. die sich in raschen. um aus meiner ersten Begegnung mit LSD eine wirklich unvergessliche Erfahrung zu machen.Prolog 27 Die ersten Wirkungen des LSD spürte ich etwa eine Dreiviertelstunde nach der Einnahme. Zunächst empfand ich ein leichtes Unwohlsein. es sei Zeit für das EEG- . und stattdessen sah ich eine phantastische Show von abstrakten und geometrischen Bildern in unglaublichen Farben. Nach etwa drei Stunden erschien Dr. dass sie mein bisheriges Interesse an der freudschen Psychoanalyse sofort verblassen ließ. den graphischen Darstellungen nicht linearer Gleichungen ähnlich. Im weiteren Verlauf der Sitzung bewegte sich meine Erfahrung von diesem Reich der köstlichen ästhetischen Genüsse weiter zur Begegnung und Konfrontation mit meiner unbewussten Psyche. Worte zu finden für die berauschende Fuge der Fmotionen. Visionen und erhellenden Einsichten in mein Leben und die Existenz überhaupt. Das atemberaubende ästhetische Fest und die reiche Fülle meiner psychologischen Einsichten hätten bereits für sich genommen gereicht. andere den Arabesken in muslimischen Moscheen. was ich in diesen wenigen Stunden alles erfuhr und lernte.

Mir kam auch kurz in den Sinn. die ich später entdeckte und im Laufe der Jahre las. In der Literatur über Astronomie. Die Assistentin hielt sich sorgfältig an ihre Anweisungen. Heute würde ich dieses Licht eher mit dem Dharmakaya oder dem ursprünglichen Klaren Licht vergleichen. von denen ich in spirituellen Büchern gelesen hatte. dann für kurze Zeit auf die Mitte des Alphabands. die psychiatrische Klinik und Prag verschwanden aus meinem Wahrnehmungsfeld und schließlich der ganze Planet. bewegte ich mich im Zentrum eines kosmischen Dramas von unvorstellbaren Ausmaßen. dass es so im Epizentrum der Atombombenexplosion von Hiroshima oder Nagasaki ausgesehen haben musste. brachte viele Elektroden auf meiner Kopfhaut an und bat mich. das Labor. Ich musste dabei an die mystischen Erfahrungen denken. des Thetabands und schließlich des Deltabands. Es gab zwischen mir und dem Universum keinerlei Grenzen oder Unterschiede mehr. was die Lichtblitze enorm verstärkte. dem unbeschreiblichen Leuchten. die ich in diesen bemerkenswerten zehn . Dann brachte sie ein riesiges stroboskopisches Licht über meinem Kopf in Position und schaltete es ein. Zu der Zeit war die Wirkung der Droge auf dem Höhepunkt. Mein Bewusstsein dehnte sich mit unvorstellbarer Geschwindigkeit aus bis in kosmische Dimensionen. das laut Tibetischem Totenbuch (Bardo Thödol) im Augenblick unseres Todes vor uns erscheint.28 Prolog Experiment. Ich hatte das Gefühl. mich hinzulegen und die Augen zu schließen. stieß ich auf Begriffe für einige der phantastischen Erfahrungen. dass ein göttlicher Blitzstrahl mein bewusstes Selbst aus meinem Körper katapultierte. in denen man Visionen von göttlichem Licht mit dem Glühen von »Millionen von Sonnen« verglich. Sie führte mich in eine kleine Kabine. Der Anblick eines Lichts von unglaublicher Leuchtkraft und übernatürlicher Schönheit warf mich fast um. Sie drehte die Frequenz des stroboskopischen Lichts allmählich von zwei auf 60 Hertz und wieder zurück. Die Assistentin. Und während das alles geschah.

Urknall. mein Leben dem Studium außergewöhnlicher Bewusstseinszustände zu widmen. die in der Psychoanalyse eine so entscheidende Rolle spielen . Und obwohl das LSD eine so tiefe Wirkung auf meine Psyche hatte. dass es an die Erfahrungen. Identifikation mit explodierenden Supernova und zusammenstürzenden Sternen und andere seltsame Phänomene. die im Reagenzglas eines Chemikers aus dem 20.glaubte. »ein Königsweg zum Unbewussten« sind. Obwohl ich keine angemessenen Worte für das hatte. die ich aus den großen mystischen Schriften der Welt kannte. dass psychedelische Erfahrungen .Prolog 29 Zeitminuten machte . Und ich beschloss auf der Stelle.in einem sehr viel größeren Maße als Träume. führte ich meine Erlebnisse ausschließlich auf die Wirkung des LSD zurück. Jahrhundert hergestellt worden war . um Freuds Worte zu benutzen. sehr nahe heranreichte. Mir wurde klar. . das ich mir vorstellen konnte.tatsächlich. das von der (ehemaligen) Sowjetunion beherrscht wurde und ein marxistisches Regime hatte. dass das Studium außergewöhnlicher Bewusstseinszustände im Allgemeinen und der durch psychedelische Substanzen ausgelösten Zustände im Besonderen das mit Abstand interessanteste Gebiet der Psychiatrie war. hegte ich keinerlei Zweifel daran.wie heute . Ich hatte das starke Gefühl. Ich ging aus dieser Erfahrung bis ins Innerste erschüttert hervor und war zutiefst beeindruckt von ihrer durchdringenden Kraft. was ich da erlebte. Dieser Tag markierte den Beginn meiner radikalen Abkehr vom traditionellen Denken der Psychiatrie und dem monistischen Materialismus der westlichen Wissenschaft. konnte ich den Witz und die Paradoxie der Situation sehen: Das Göttliche manifestierte sich und übernahm die Regie in einem seriösen wissenschaftlichen Experiment mit einer Substanz.und das in der psychiatrischen Klinik eines Landes. Reise durch schwarze und weiße Löcher. Da ich damals noch nicht . dass das Potenzial für mystische Erfahrungen ein natürliches Geburtsrecht aller menschlichen Wesen ist.

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Teil 1 Das Mysterium der Synchronizität Im Zwielicht des Uhrwerk-Universums .

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ins Blickfeld akademischer Kreise rückte. bevor er seine Ent­ deckungen veröffentlichte. Da dieses außergewöhnliche Phänomen in vielen Ge­ schichten. war der Schweizer Psychologe Carl Gustav Jung. eine wichtige Rolle spielt. der das Phänomen des Zusammentreffens von bedeutsamen Vorfällen. In Phasen von holotropen Bewusstseinszuständen . Der Wissenschaftler. dass er . mit der wir alle aufgewachsen sind. des Bewusstseins und der mensch­ lichen Psyche so wichtig ist. Da er sich der Tatsache bewusst war. in denen das scheinbar logische und voraussagbare Gewebe der Alltagsrealität.zur Erinnerung: holotrop bedeutet. Weil er von seinen Kollegen heftige Zweifel und scharfe Kritik erwartete. zu zerreißen scheint und wir erstaunliche und höchst unwahrscheinliche Zufälle erleben. zögerte er mehr als zwanzig Jahre. wollte er sicher sein. dass der unerschütterliche Glaube an einen rigiden Determinismus den Grundpfeiler der westlichen wissenschaftlichen Weltanschau­ ung bildete. dass uns an der Sicht der Welt.Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität 33 V iele von uns kennen aus ihrem eigenen Leben Situationen. will ich hier kurz erläutern. die ich in diesem Buch erzähle. ernsthafte Zweifel kommen. das aus komplexen Ketten von Ursachen und Wir­ kungen besteht. »sich auf die Ganzheit zubewegen« . das sich einer rationalen Erklärung wider­ setzt. warum es für das Verständnis des Wesens der Wirklichkeit.kann es so häufig zu solchen Brüchen in der linearen Kausalität kommen.

die der berühmte französische Astronom Flammarion über einen gewissen Monsieur Deschamps und einen speziellen Pflaumenpudding erzählte.34 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität seine ketzerischen Behauptungen mit Hunderten von Beispielen belegen konnte. Als er ihn beim Ober bestellen wollte. hatte sein Straßenbahnfahrschein die gleiche Nummer wie die Theaterkarte. erwähnt er anerkennend den österreichischen. gab ihm ein Monsieur de Fontgibu von diesem seltenen Pudding zu kosten. der an diesem Phänomen und seinen wissenschaftlichen Ausführungen Interesse zeigte. Während er ihn aß. nach der er gefragt hatte. die Kammerer beschrieh. die er kurz darauf kaufte. der zufällig gerade im selben Restaurant aß. musste er erfahren. dass die letzte Portion bereits von Monsieur de Fontgibu bestellt und verspeist worden war. lamarckistischen Biologen Paul Kammerer. Als einen der ersten Menschen. dessen tragisches Leben durch Arthur Köstlers Buch Der Krötenküsser. durch den er diese Köstlichkeit . In den folgenden zehn Jahren bekam er die Köstlichkeit nicht wieder zu Gesicht. bis er den Pudding eines Tages auf der Speisekarte eines Pariser Restaurants entdeckte. Bei einer der bemerkenswerten Überschneidungen von Ereignissen. Jung beginnt seinen Aufsatz mit Beispielen für das ungewöhnliche Zusammentreffen von Ereignissen. Der Fall des Biologen Paul Kammerer (Köstler 1974) bekannt geworden war. machte er die Bemerkung. Schließlich beschrieb er seine bahnbrechenden Beobachtungen in seinem berühmten Aufsatz mit dem Titel: »Synchronizität als Prinzip akausaler Zusammenhänge« (Jung 1967/ 1982). dass jetzt nur noch Monsieur de Fontgibu fehle. wie es manchmal im Alltag passiert. Als Deschamps noch ein Junge war. Außerdem überreichte man ihm die gleiche Zahlenfolge am selben Abend später noch einmal als Telefonnummer. Im selben Aufsatz gibt Jung aucb die amüsante Geschichte zum Besten. wo man diesen Pudding als besondere Spezialität servierte. Viele Jahre später wurde Monsieur Deschamps auf ein Fest eingeladen.

und ein alter. Kammerer und Flammarion beschrieben höchst unwahrscheinliche Zusammentreffen von Ereignissen. Naheliegender ist es.Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität 35 kennengelernt habe und der auch bei seiner zweiten Begegnung mit dem Pudding anwesend gewesen sei. der versehentlich hereinplatzte. völlig verwirrt wirkender Mann kam herein. Er definierte Synchronizität als »die Gleichzeitigkeit eines gewissen psychischen Zustands mit einem oder mehreren äu­ . den er jemandem abstatten wollte. erstaunliche Dimension dieses verblüffenden Phänomens. weil man ihm für den Besuch. eine falsche Adresse angegeben hatte. ist so gering. anormale Phänomen noch um eine weitere faszinierende Dimension. Beide schildern jedoch Ereignisse aus der materiellen Welt. und die Geschichte über den Pflaumenpudding entbehrt mit Sicherheit nicht eines gewissen Humors. Und die Wahrscheinlichkeit. Obwohl solche Zusammentreffen bereits für sich genommen höchst interessant sind. Jungs Beobachtungen hingegen eröffneten noch eine zusätzliche. Er gab zahlreiche Beispiele für das. denn hier wird die Welt in Form von Ketten von Ursachen und Wirkungen beschrieben. die in einem bedeutungsvollen Zusammenhang standen mit inneren Erfahrungen wie Träumen oder Visionen. dass diese Vorkommnisse eine tiefere Bedeutung haben und spielerische Schöpfungen einer kosmischen Intelligenz sind. was er »Synchronizität« nannte ein bemerkenswertes Zusammentreffen von Ereignissen in der allgemein akzeptierten Realität. sich vorzustellen. dass diese Ereignisse zufällig passierten. was oft der Fall ist. ln diesem Augenblick klingelte es an der Haustür. wenn diese Ereignisse einen gewissen Humor beinhalten. Diese Erklärung ist vor allem dann plausibel. Es war Monsieur de Fontgibu.G. Diese bemerkenswerten Überschneidungen von Ereignissen lassen sich mit dem Verständnis der materialistischen Wissenschaft vom Universum nur schwer in Einklang bringen. dass wir sie als Erklärung nicht ernsthaft in Betracht ziehen können. Jung dieses provozierende. ergänzte C.

die sie aufzeigte. verwischen sich die Grenzen zwischen subjektiver und objektiver Realität. den Gedanken der Synchronizität weiterzuverfolgen. Diese Frau hatte große Widerstände gegen die Psychotherapie. Durch die Tatsache. Er stand in einem regen intellektuellen Austausch mit Wolfgang Pauli. Solche Situationen zeigen. Gegen Ende seines Lebens war Jung von der wichtigen Rolle der Synchronizität in der natürlichen Ordnung der Dinge so überzeugt. bekam Jung großes Interesse an den Entwicklungen der relativistischen Quantenphysik und der radikal neuen Sicht der Welt. Jungs Interpretationen und die Vorstellung von transpersonalen Realitäten. Als die Therapie bei der Analyse eines ihrer Träume. dass das möglich ist. Jung war durchaus klar. Die berühmteste der vielen Synchronizitäten in Jungs eigenem Leben passierte in einer Therapiesitzung mit einer seiner Patientinnen. dass er sie in seinem täglichen Leben als leitendes Prinzip benutzte. einem Mitbegründer der Quantenphysik. mit denen diese Disziplin das deterministische Denken und die lineare Kausalität erstmals konfrontierte. hörte Jung ein Geräusch. als ob etwas oderjemand . der Jungs Klient und persönlicher Freund war. welche als sinngemäße Parallelen zu dem momentanen subjektiven Zustand erscheinen«.Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität ßeren Ereignissen. dass unsere Psyche mit einer scheinbar rein materiellen Welt in einen spielerischen Austausch treten kann. weil er mit den neuen Entdeckungen der Physik völlig im Einklang stand (Jung 1972). Während er sich mit diesem Phänomen auseinandersetzte. in eine Sackgasse geriet. Weitere Unterstützung für seine Ideen erfuhr Jung von niemand Geringerem als Albert Einstein. Unter Paulis Anleitung lernte Jung die revolutionären neuen Vorstellungen der modernen Physik kennen und damit auch die Herausforderungen. der Jung bei einem persönlichen Besuch ermunterte. dass seine Beobachtungen im Kontext des sich neu entfaltenden Bildes der Wirklichkeit viel plausibler und akzeptabler waren. in dem es um einen goldenen Skarabäus ging.

vergleichbar biologischen Instinkten.Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität 37 von außen leise ans Fenster klopfte.einem goldenen Skarabäus so ähnlich. vor allem auf sein Verständnis der Archetypen. Die Beobachtung von Synchronizitäten hatte einen tiefen Einfluss auf Jungs Denken und seine Arbeit. ins Zimmer zu gelangen. dass die grundlegende Matrix für diese Prinzipien im Gehirn verankert war und von Generation zu Generation weitervererbt wurde. . wie diese Breitengrade es aufzubringen vermochten. die sowohl der Psyche als auch der Materie Informationen übermitteln. Er öffnete das Fenster. lenkenden und organisierenden Prinzipien des kollektiven Unbewussten. Als er nachschauen ging. Er nahm an. im Wesentlichen aber innerpsychische Prinzipien. Aus diesem Grund schrieb Jung den Archetypen schließlich eine »psychoide« (psycheähnliche) Qualität zu. der ursprünglichen. holte den Käfer herein und zeigte ihn seiner Patientin. zwischen innen und außen beherrschte. Es handelte sich um ein äußerst seltenes Exemplar . dass Archetypen sowohl die Psyche als auch die materielle Welt transzendieren und autonome Bedeutungsmuster sind. dass sie eine Brücke schlagen zwischen innen und außen und auf die Existenz einer Zwielichtzone zwischen Materie und Bewusstsein verweisen. welche die westliche Wissenschaft mit ihrer strikten Trennung zwischen subjektiv und objektiv. Unter ihrem Bann sah er in den Archetypen anfangs transindividuelle. Diese ungewöhnliche Synchronizität wurde zum wichtigen Wendepunkt in der Therapie dieser Frau. Die Existenz von sychronistischen Ereignissen führte Jung zu der Erkenntnis. Er sah. der versuchte. Jung war in seiner beruflichen Laufbahn stark beeinflusst von der kartesianischen-kantschen Sicht. Die Entdeckung der Archetypen und ihrer Rolle in der menschlichen Psyche ist Jungs wichtigster Beitrag zur Psychologie. fand er auf der Fensterbank einen rosa schimmernden Rosenkäfer. Nie zuvor hatte Jung so etwas erlebt.

habe ich bei meinen Patientinnen und Patienten zahlreiche ungewöhnliche Synchronizitäten beobachtet. Für dieses Kapitel habe ich eine kleine. Aziz 1990. ist das wirklich Ehrfurcht gebietend. Mansfeld 1995). könnte man ihn mit dem doppelköpfigen Gott Janus vergleichen: Beide Gesichter des Archetyps vereint zu einem einzigen Kopf gemeinsamer Bedeutung« (Hoeller 1994). da auch hier an einem höchst unwahrscheinlichen Ort und zu einer höchst unwahrscheinlichen Zeit ein Insekt auftaucht. Nachdem Jungs Aufsatz über Synchronizität erschienen war.und Therapeutenkollegen und -kolleginnen gehört und selbst Hunderte von entsprechenden Erlebnissen gehabt. In den fünfzig Jahren. Die erste weist durchaus Parallelen zu Jungs Begegnung mit dem goldenen Käfer auf. hat dieser Gedanke in der Wissenschaft zunehmend an Bedeutung gewonnen und ist zum Thema vieler Artikel und Bücher geworden (von Franz 1992. Hoeller formuliert Jungs voll ausgereifte Auffassung der Archetypen ebenso kurz und bündig wie poetisch mit den Worten: »Manifestiert sich der Archetyp als synchronistisches Prinzip. viele Geschichten von Forscher. Zugleich psychisch und physisch.38 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität Stephan A. die ich jetzt Bewusstseinsforschung betreibe. repräsentative Auswahl der interessantesten Geschichten aus meiner Sammlung zusammengestellt. wenn nicht geradezu ein Wunder .ein unheimlicher Bewohner der Schwelle. .

Kalifornien. was Synchronizität bedeute. hatten Joe und seine Frau Jean Erdman in New York in Greenwich Village gelebt. die man bei dieser Gelegenheit meis­ tens zu hören bekommt. Bei seiner Rede erwähnte er auch flüch­ tig das Phänomen der Synchronizität. und bei schönem Wetter standen immer beide Fensterflügel offen. unterbrach Joe und bat ihr zu er­ klären. hielt unser Freund und Lehrer Joseph Campbell ei­ nen langen Vortrag über sein Lieblingsthema .G. Bevor sie in ihren späteren Lebensjahren nach Hawaii zogen. Statt Jungs Geschichte über den Skarabäus zu erzählen. die diesen Begriff nicht kannte. Der .die Arbeit von C. Ihre Wohnung lag im 14.Die Macht der Tierwelt 39 Die Macht der Tierwelt Eine Gottesanbeterin in Manhattan I n einem seiner vielen Workshops am Esalen-Institut in Big Sur. Eine der Teilnehmerinnen. Jung und dessen revolutionäre Beiträge zum Verständnis von My­ thologie und Psychologie. Nachdem er eine kurze. allge­ meine Definition und Beschreibung des Gedankens der Synchroni­ zität gegeben hatte. seinen Zuhörerinnen und Zuhörern eine bemerkenswerte Synchronizität aus seinem eigenen Leben zu erzählen. beschloss Joe.das eine bot eine Aussicht auf den Hudson River. und das andere zeigte zur Sixth Avenue. seine Erklärungen anhand eines konkreten Beispiels zu verdeutlichen. Stock eines Hochhauses am Waverley Place in der Sixth Avenue. Aus dem ersten Fenster hatte man einen schönen Blick auf den Fluss. beschloss Joe. Joes Arbeitszimmer hatte zwei Doppelfenster .

eines Stammes. im 14. vielleicht zwei-. Stock eines Hochhauses mitten in Manhattan. Wenn sie mit einem Mitglied dieser Spezies redete und ihm konkrete Fragen stellte. die die Wesenszüge des Narren und des Schöpfergottes in sich vereint. Mitten in seiner Arbeit verspürte Joe plötzlich den unwiderstehlichen und völlig irrationalen Impuls. Laut Joe hatten sie dieses Fenster in den ganzen vierzig Jahren. Zu der Zeit schrieb er gerade das Kapitel über die Mythologie der afrikanischen Buschmänner. und kletterte langsam weiter nach oben! Laut Joe wandte sie ihm den Kopf zu und schenkte ihm einen bedeutungsvollen Blick. The Way of the Animal Powers. der in der Kalahari-Wüste lebt. dreimal geöffnet. hatte sie etwas Unheimliches . ein großes Exemplar ihrer Gattung. Die Begegnung mit einer Gottesanbeterin ist so ziemlich das Letzte. und die Campbells öffneten es selten. was man in Manhattan erwartet. Obwohl die Begegnung nur wenige Sekunden dauerte. Nachdem er es geöffnet hatte. die sie dort wohnten. die Laurens van der Post über seine Kinderfrau Klara erzählte. Joe war völlig vertieft in seine Arbeit und sein Schreibtisch übersät mit Artikeln und Büchern zu diesem Thema. das zur Sixth Avenue zeigte. Doch da war sie. schaute er. dass Klara in seiner Kindheit hin und wieder mit einer Gottesanbeterin (Mantis religiosa) kommunizierte. An diesem Tag zu Beginn der 1980er-Jahre saß Joe in seinem Arbeitszimmer an seinem Opus magnum. Besonders beeindruckt war er von der Geschichte. schien das Insekt sie mit Bewegungen seiner Beine und seines ganzen Körpers zu beantworten. automatisch nach rechts. die eine Halbblut-Buschfrau war und ihn seit seiner Gehurt betreute. Eine der wichtigsten Gottheiten im Pantheon der Buschmänner ist die Gottesanbeterin. Van der Post erinnerte sich lebhaft daran. aufzustehen und einen der Flügel jenes Doppelfensters zu öffnen. ohne zu wissen warum.40 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität Blick aus dem anderen Doppelfenster war uninteressant. einer umfassenden Enzyklopädie der schamanistischen Mythologien der Welt.

und seinen unerklärlichen Impuls. würde glauben. dass die hier zusammentreffenden Ereignisse nicht mit statistischer Wahrscheinlichkeit zu erklären sind. ist die statistische Unwahrscheinlichkeit dieser Verkettung von Ereignissen wirklich astronomisch. der seiner Weltanschauung mit quasi-religiösem Eifer anhängt. Da die materialistische Weltsicht streng deterministisch ist und die Möglichkeit »bedeutungsvoller Zusammentreffen« nicht akzeptiert.Die Macht der Tierwelt 41 und hinterließ bei Joe einen tiefen Eindruck. .« Das Auftauchen einer Gottesanbeterin im 14. Die traditionelle Psychiatrie unterscheidet nicht zwischen tatsächlichen Synchronizitäten und psychotischen Fehlinterpretationen der Welt. den hohen Wangenknochen und der gelben Haut sah sie wie ein Buschmann aus. Auf Joes ungewöhnliche Begegnung mit der Gottesanbeterin trifft das mit Sicherheit zu. Er sagte. gelinde gesagt. Aber wenn wir den Zeitpunkt ihres Erscheinens berücksichtigen. zugeben muss. würde sie die bloße Andeutung ungewöhnlicher Synchronizitäten in den Berichten eines Patienten automatisch als »Realitätsverwirrung« und damit als Symptom für eine ernsthafte psychische Erkrankung interpretieren. der Zugang zu den Fakten hat. dass es echte Synchronizitäten gibt. bereits als solches ein ziemlich ungewöhnliches Ereignis. bei denen jeder. Es kann jedoch kein Zweifel daran bestehen. Mit ihrem »herzförmigen Kinn. Nur ein durch und durch materialistisch orientierter Mensch. Stock eines Hochhauses mitten in Manhattan ist. der mit Joes intensiver Vertiefung in die Mythologie der Kalahari-Buschmänner zusammenfiel. was er vor wenigen Minuten erst in Laurens van der Posts Geschichte gelesen hatte: Das Gesicht der Gottesanbeterin hatte etwas eigenartig Menschliches. dass so etwas reiner Zufall ist. das Fenster zu öffnen und die Begegnung aktiv zu suchen. er könne bestätigen.

42 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität Die sterbende Königin Wenn Voraussagen im Traum sich bei Tag erfüllen I m Jahre 1964 lud mich Joshua Bierer. deren Arbeit ich bislang nur aus ihren Schriften kannte. Joshua war die Organisatorin dieser Konferenz und koordi­ nierte das Programm. praktizierten aber jetzt in Joyces luxuriösem Haus in der bekannten Welbeck Street LSD-Psychotherapie. Mein Vortrag war Teil eines Symposiums über LSD-Psychotherapie. zu revolutionär war. mutigen Therapeutinnen und Therapeuten.Ü. Diese Methode. war verbunden mit engem Körperkontakt zwischen Therapeutin und Patientin wäh­ rend der LSD-Sitzung. Ich lernte dort zwei bemerkenswerte Frauen kennen: die britischen Therapeutinnen Joyce Martin und Pauline McCririck.) entwickelt. am Kongress für Soziale Psychiatrie in London teilzuneh­ men. In ihren Sitzungen verbrachten diese Pati­ enten mehrere Stunden in tiefer Regression und lagen auf einem . eine britische Psychiaterin.d. die ihren Patienten LSD gaben. mit mehreren Pionierinnen und Pionieren auf dem Gebiet der psychedelischen Therapie in Kontakt zu kommen. ein. Gemeinsam hatten sie die »fusion therapy« (Verschmelzungstherapie oder »anaklitische Therapie«. besonders geeignet für Patienten. wie sie das nann­ ten. die in ihrer Kleinkindzeit von den Eltern allein gelassen und abgelehnt wurden und keine emotionale Zuwendung erfuhren. eine psychedelische Behandlungsmethode. So hatte ich Gelegenheit. Anm. die selbst einigen der aufgeschlossenen. Beide hatten eine traditionelle Ausbildung in freudscher Psychoanalyse.

die ihr Kind tröstet. Ihre revolutionäre Methode spaltete die Gemeinde der LSD-Therapeutinnen und -Therapeuten.Die sterbende Königin 43 Sofa unter einer Decke. dass ein »Trauma«. die von Joyces und Paulines »Verschmelzungstherapie« fasziniert waren. Ich stellte den beiden Frauen viele Fragen nach ihrer unorthodoxen Methode. . Kinderärzte Kinderpsychiater anaklitisch gr. Mir wurde auch klar. Manche von ihnen sahen darin eine wirkungsvolle und konsequente Möglichkeit der Heilung von »Traumata aufgrund von Unterlassung«. und als sie sahen. anaklinein. dass ich aufrichtig interessiert war. das auf »Unterlassung« beruhte. Ich war beeindruckt. wie sehr ihre Patientinnen und Patienten von der körperlichen Zuwendung profitierten. luden sie mich in die Welbeck-Klinik ein. hat das für das betroffene Individuum in seinem späteren Leben schwerwiegende Folgen. nicht durch eine Redekur geheilt werden konnte. als ich herausfand. wie eine gute Mutter. dass Joyce und Pauline viel weniger mit Übertragungsproblemen * Säuglinge digung und und Kleinkinder die haben starke primitive und Bedürfnisse nach instinktiver nennen Befrie(von Sicherheit. die auf mütterliche Versäumnisse und negatives mütterliches Verhalten zurückgingen. damit ich ihre Patientinnen und Patienten kennenlernen und selbst Erfahrungen mit ihrer Methode machen konnte. Andere wiederum reagierten entsetzt auf die radikale »anaklitische«* Therapie und warnten vor den irreversiblen Schäden. Dazu gehört das Bedürfnis. während Joyce oder Pauline neben ihnen lag und sie im Arm hielt. streicheln. die sie in ihren psychedelischen Sitzungen bekamen. Ich gehörte zu denen. dass die Bezugspersonen das Kind halten. was so viel wie klammern oder anlehnen bedeutet). denn für mich war klar. trösten und mit ihm spielen und es im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit seiner Betreuer steht. die der enge Körperkontakt zwischen Therapeutin und Patientin in einem außergewöhnlichen Bewusstseinszustand dieser Beziehung zufügen würde. Werden diese Bedürfnisse nicht befriedigt.

realisierten die Patienten. sich emotional von ihren Müttern zu lösen und zu reifen Beziehungen überzugehen. Im Gegensatz dazu korrigierte die anaklitische Therapie laut Pauline die früheren Erfahrungen. die man ihnen in ihrer Kindheit vorenthalten hatte. die Aufmerksamkeit und Befriedigung zu bekommen. stattfand. Bei der Internationalen Konferenz über LSD-Psychotherapie. Menschen. die im Mai 1965 in Amityville. sind in der Lage. hier zeige sich eine Parallele zur Entwicklung von frühen Objektbeziehungen. zeigten Joyce und Pauline ihren faszinierenden Film über die Anwendung ihrer Methode in der psychedeIischen Therapie. so erläuterte sie. bleibt pathologisch gebunden und ist sein Leben lang voll verzweifelter Sehnsucht auf der Suche nach der Befriedigung seiner primitiven. dass die Therapeutin kein angemessenes Sexualobjekt für sie war. die in die Therapie kamen. Pauline lieferte eine sehr interessante und überzeugende Erklärung dafür. Die kalte Haltung der freudschen Analytikerinnen und Analytiker führe häufig zu einer Reaktivierung der aus den kindlichen Entbehrungen entstandenen emotionalen Verletzungen und löse bei den Patienten verzweifelte Versuche aus. infantilen Bedürfnisse. . hätten als Säuglinge und Kinder an mangelnder Zuwendung von Seiten ihrer Eltern gelitten. Pauline erklärte. außerhalb der therapeutischen Beziehung einen passenden Partner zu finden. dass ihr Ansatz in dieser Hinsicht weniger Probleme mit sich brachte als die orthodoxe freudsche Haltung. Wer hingegen emotional vernachlässigt wurde. Die meisten Patientinnen und Patienten. und waren jetzt imstande. Waren ihre emotionalen Wunden geheilt. Bei der anschließenden hitzigen Diskussion kreisten die meisten Fragen um das Thema Übertragung und Gegenübertragung.44 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität zu kämpfen hatten als der durchschnittliche freudsche Analytiker mit seiner distanzierten »Neutralität«. Long Island. indem sie die alten Sehnsüchte nach Verschmelzung und Anlehnung befriedigte. die in ihrer Säuglingszeit und Kindheit richtig bemuttert wurden.

»gute Brust« und »guter Schoß« .Die sterbende Königin 45 Nachdem ich von Joyces und Paulines LSD-Patientinnen und -Patienten in der Klinik in der Welbeck Street begeisterte Berichte gehört hatte. und ich wurde zum Fötus in einem guten Schoß. Pauline und ich wurden gute Freunde und sahen uns gelegentIich bei Fachtagungen oder meinen Besuchen in London. regredierte ich bis in die frühe Kindheit und identifizierte mich mit einem Säugling. Als Joyce Martin Ende der 1960er-Jahre starb. die sich subjektiv wie eine Ewigkeit anfühlten. Höhepunkt der Sitzung war die Verschmelzung mit der Großen Mutter Göttin. Zu der Zeit lebte ich jedoch nicht mehr in Europa. bekam ich großes Interesse. Mehr als drei Zeitstunden.gleichzeitig oder abwechselnd. und bat mich. Meine Sitzung mit Pauline war ein wirklich bemerkenswertes Erlebnis. Ich hatte ein Stipendium für die Johns-Hopkins-Universität bekommen und wohnte und arbeitete jetzt in Baltimore. eine weitere. der an der Brust einer guten Mutter saugt und den Kontakt mit ihrem nackten Körper spürt. zeigt. ähnlich hemerkenswerte Sitzung bei Pauline zu nehmen und zum zweiten Mal persönliche Erfahrungen mit der »anaklitischen Therapie« zu machen. selig im Fruchtwasser schwebend.Milch und Blut -. der ihre eigenen psychedelischen Sitzungen bislang begleitet hatte. dass ich diese Sitzung als äußerst heilsam empfand. erlebte ich beide Situationen . Dass Pauline für diese Sitzungen wiederholt über den Atlantik reiste und viel Geld. Ich muss wohl kaum erwähnen. verlor Pauline den Menschen. Dann ging die Erfahrung noch tiefer. die sich manchmal anfühlten wie heilige Elixiere. 1966 hatte ich anlässlich einer Konferenz über LSD-Psychotherapie in Amsterdam GeIegenheit. Im . Joyces Rolle zu übernehmen. Obwohl wir beide voll bekleidet waren und zwischen uns eine Decke lag. Zeit und Energie investierte. Ich war mit meiner Mutter über Strome von zwei nährenden FIüssigkeiten verbunden . die »anaklitische Methode« in Eigenerfahrung kennenzulernen. wie stark sie von dieser Arbeit überzeugt war. die an die Stelle der menschlichen Mutter trat.

. in dem eine alte Frau . Als der Tag anbrach und die Sonne in mein Schlafzimmer schien. die Königin liegt im Sterben!« Ich war eine der Personen. Das hatte ich noch nie erlebt. Mein Unbehagen stand in scharfem Kontrast zu der Begeisterung. die ich Pauline an diesem Tag geben würde. die Königin . Ich starrte sie verzweifelt an. Ich lag im Bett.in einem großen Bett mit vier geschnitzten hölzernen Säulen und reich verziertem Baldachin lag. irgendwann im Mittelalter. überwältigt von heftigen Emotionen. was ich nicht bereits schon einmal in . viele Menschen hasteten mit Fackeln in den Händen durch dunkle Gänge. in die mich die Aussicht auf eine psychedelische Sitzung meistens versetzte. Ich kam wieder auf den Boden. In den ersten Stunden von Paulines Sitzung passierte nichts Besonderes. nichts. die in Panik durch das Schloss rannten. Ich hatte das starke Gefühl. Ich hörte verzweifelte und erregte Stimmen. dass dieser Traum mit der Sitzung zusammenhing.eindeutig die Königin . denn ich wusste. Sie rang nach Luft.. Die Atmosphäre war geprägt von Aufruhr und Chaos. und ich war voller Befürchtungen. und ihr Gesicht war qualvoll verzerrt. die sterbende Frau war meine Mutter. die ich in Bezug auf unsere bevorstehende Sitzung empfand. sie stattfinden zu lassen. die laut riefen: »Die Königin . war mir sehr unbehaglich zumute. und damit kehrte auch die Zuversicht zurück. verschwand meine eigenartige Stimmung allmählich. und verspürte einen starken Widerwillen. Als ich frühmorgens aus diesem Traum erwachte. das heißt. Er spielte in einem düsteren Schloss oder vielmehr einer Burg.Teil 1: Das Mysterium der Synchr0nizität Umfeld einer dieser Sitzungen erlebte ich eine bemerkenswerte Synchronizität: Am Tag von Paulines Sitzung erwachte ich zwischen vier und fünf Uhr morgens aus einem sehr beunruhigenden Traum.. Nach einer atemlosen Hetze durch das Labyrinth der spärlich beleuchteten Gänge gelangte ich schließlich in ein Zimmer. sie erlebte die letzten Momente ihres Lebens. dachte über den Traum nach und versuchte meine unheimlichen Gefühle zu verstehen..

»Ich bin die Königin. war sie auf einmal alarmiert. ich singe hier: ›God save the Queen. Ihrer Meinung nach stammte ihre Erfahrung aus dem kollektiven Unbewussten oder möglicherweise auch aus ihrer eige- . durchlebte noch einmal ihre schwierige Geburt und machte Erfahrungen mit transpersonalen Elementen aus dem kol­ lektiven Unbewussten. hier geht es gar nicht mehr um meine Kindheit«.Die sterbende Königin 47 solchen Sitzungen miterlebt hatte. Stan. sodass ich Paulines körperlichen Zustand nicht besonders alarmierend fand oder mir Sorgen um sie machte. hatten wir einen König. fuhr sie fort. und ich liege im Sterben.« Zu der Zeit hatte ich schon häufig beobachtet. dass sie mir meinen Traum aus der letzten Nacht vor führte und die sterbende Königin. keine Königin.« Während sie das sang.. gingen ihre Erfahrungen natürlich tief. wie Menschen in psychedelischen Sitzungen ihren eigenen Tod erleben. Was mich jedoch erstaunte. »Stan. Paulines Sitzung nahm ein glückliches Ende. bei der es um eine königliche Parade ging. war. die hier eine so zentrale Rolle gespielt hatte. Sie erin­ nerte sich an hochemotionale Ereignisse aus ihrer Kindheit und Säuglingszeit. »Mein Gott. warum singe ich dann ›God save the Queen‹?« Plötzlich verzerrten sich ihre Gesichtsmuskeln zu einem Ausdruck von großer Qual. die britische Nationalhymne zu singen: »God save our gracious Queen.‹ Als ich Kind war. präzise verkörperte. das mehrere Tage anhielt. der geradezu unheimliche Ähnlichkeit mit dem Gesichtsausdruck der sterbenden Königin aus meinem Traum hatte. Auf ihr Todeser­ lebnis durch Identifikation mit der alten Königin folgten die Wie­ dergeburt und ein »psychedelisches Nachglühen«. Plötzlich begann sie. long live our noble Queen. god save the Queen . Sie war ganz offensichtlich verzweifelt und in großer Panik und rang heftig nach Luft. Da Pauline eine hohe Dosis LSD genommen hatte. an die ich mich genau erinnern konnte.. Nach etwa fünf Stunden stieß Pauline auf eine Erinnerung aus ihrer Kindheit.

warum ich den erstaunlichen Traum hatte. woher sie kam und was sie zu bedeuten hatte. und in denen ich als Fötus in einem guten Schoß und als Säugling an einer guten Brust symbiotisch mit ihr verschmolz? . Hin und wieder fällt mir diese bemerkenswerte Synchronizität ein. in dem ich Paulines Erlebnisse in der Sitzung vorausahnte.48 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität nen karmischen Chronik. Sie sah darin einen Zusammenhang mit ihrer lebenslangen Faszination vom Königtum und ihrer Vorliebe für teure und extravagante Kleidung und Schmuck. Hing diese seltsame Verbindung zwischen uns mit den psychedelischen Sitzungen zusammen. Ich konnte mir nicht erklären. die ich selbst bei Pauline genommen hatte. und ich frage mich.

die ich im Folgenden beschreibe.Die Regenbogenbrücke der Götter 49 Die Regenbogenbrücke der Götter Im Reich der nordischen Sagen B edeutungsvolle und vielversprechende Synchronizitäten kön­ nen Anzeichen für den Beginn eines tiefen spirituellen Erwa­ chens sein und dieses begleiten. Ende 1971 erhielt ich einen Anruf von Leni und Bob Schwartz. uns in die Irre führen. beide am Appa­ rat. Zu der Zeit hielt ich Ausschau nach einer Lebenspartnerin. Und doch kann das überwältigende Gefühl einer alles umfassenden Verbundenheit. besorgte Freunde unaufgefordert halfen. sind selbst die wunderbarsten Synchronizitäten keine Garantie dafür. sondern auch der Fokus oder das Zentrum dieses größeren Ganzen zu sein. ein gutes Ende nimmt. Wie die folgende Geschichte uns zeigt. das diese Synchronizitäten oft begleitet. dass die Situation. waren ganz aufgeregt und erzählten mir abwechselnd von ihrer . Leni und Bob. das Lenis exzellenten Geschmack verriet. Ihr Haus in Lower Man­ hattan. war ein beliebter Treffpunkt vieler kultureller Größen der damaligen Zeit. die zu meinem engsten Freundeskreis gehörten. wobei mir wohlmeinende. Vielleicht schenken uns diese Erlebnisse das über­ zeugende Gefühl. Die Ereignisse. nicht nur eingebettet zu sein in einen größeren kosmischen Zusammenhang von Bedeutung und Sinn. Doch manchmal werden sie auch zur Fallgrube. und wir sollten nicht naiv darauf vertrauen und da­ nach handeln. in der sie auftreten. von Joseph Campbell bis hin zu Betty Friedan. fanden etwa vier Jahre nach meiner Einreise in die Vereinigten Staaten statt.

eine schöne und kluge Frau. Nach mehreren Monaten beschloss ich endlich. dass wir beide uns kennenlernen sollten. Ihr beide habt so viel gemeinsam! Du wirst sie ganz bestimmt ins Herz schließen. lautete Joans Antwort. Texas. Sie lebt in Miami und heißt Joan Halifax. »Ich bin nächstes Wochenende nicht hier. wie unsere Begegnung verlaufen würde. Sie hat Feldforschung bei den Dogon in Afrika und in der südlichen Sahara gemacht und führt außerdem Untersuchungen über die Santeria und andere karibische Religionen durch. um von meiner Arbeit mit den Santeria zu berichten. Sie ist Anthropologin. und als sie den Hörer abnahm. Wären auch Sie daran interessiert? Ich könnte nächstes Wochenende nach Miami kommen. Ist es möglich. »Wir haben gerade einen ganz besonderen Menschen kennengelernt. und spielte mit dem Gedanken. »Ich werde auch in Dallas sein und die­ . Aber nach einer gerade beendeten. Ich wählte Joans Nummer. Gelegentlich wanderten jedoch meine Gedanken zu Joan. es zu wagen. sagte ich und staunte über dieses Zusammentreffen. lch fahre zum Treffen der American-Psychiatric-Association.« Ich schrieb mir Joans Namen und Telefonnummer auf und dankte Bob und Leni für ihre Bemühungen. um dort die Resultate unserer Forschungen über LSD-Psychotherapie mit Krehspatienten im Endstadium vorzulegen. dass wir uns treffen?« »Tut mir leid«. Ich wollte die jährliche Konferenz der American-Psychiatric -Association in Dallas. und ich stellte mir vor. Die Konferenz endete an einem Freitag.) war ich nicht bereit. besuchen.50 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität jüngsten Entdeckung. sondern in Dallas. sie anzurufen. und ich konnte auf dem Weg zurück nach Baltimore ohne weiteres einen Abstecher nach Miami machen und das Wochenende dort verbringen. Unsere gemeinsamen Freunde Bob und Leni Schwartz erzählen mir ständig. mich gleich in die nächste zu stürzen. stürmischen Beziehung (siehe Seite 191 ff.« »Das ist ja höchst interessant«. stellte ich mich vor und sagte: »Ich bin Stan Grof aus Baltimore.

Ich schaute mich um und setzte mich auf einen freien Sitz in meiner Nähe. die etwa drei Sitze links von mir in der Reihe vor mir saß. Fine ganze Weile wanderten Blicke zwischen uns hin und her. Ich wollte auf dem Rückweg in Miami Station machen. war das Licht bereits ausgeschaltet und der Film lief. Als ich ankam. Joan war nicht in ihrem Zimmer und hatte auch keine Nachricht hinterlassen. Als ich den Saal betrat. Wir waren also nicht nur beide zur selben Zeit in Dallas. hatte ich tatsächlich einen Stock tiefer das Zimmer direkt unter dem von Joan gebucht.Die Regenbogenbrücke der Götter 51 selbe Konferenz besuchen. ähnliche Interessen hatten. hatte die Konferenz bereits begonnen. Schließlich drehte sie sich zu mir um. wie Leni und Bob mir versicherten. als wir uns miteinander bekannt machten. Ich studierte das Programm und versuchte zu raten. Das Programm bestand aus vielen parallelen Veranstaltungen . zog eine Frau. zur Konferenz zu gehen und sie zu finden. was ungewöhnlich war. In welchem Hotel wohnen Sie?« »Im Baker-Hotel« . lautete Joans Antwort. Unsere Vermutung bestätigte sich. waren wir beide uns unserer Sache so sicher. beschlossen wir.acht. wenn ich mich richtig erinnere -. Da wir also im selben Hotel wohnten. Von sämtlichen Hotels in Dallas hatte auch ich mir genau das ausgesucht! Wie sich herausstellte. dass wir einfach aufeinander zugingen. Dabei ging ich davon aus. damit sich unsere Blicke treffen konnten. . Während ich mir den Film ansah. der im großen Vortragssaal eines der Konferenzhotels gezeigt wurde. und als der Film endete. dass sie Anthropologin war und wir. Nach einigem Zögern entschloss ich mich für einen Film. uns nach der Ankunft telefonisch in Verbindung zu setzen. die in verschiedenen Hotels stattfanden. immer wieder meine Aufmerksamkeit auf sich. welchen Vortrag Joan besuchen würde. denn sie musste sich ziemlich den Hals verrenken. sondern auch unsere erste Begegnung beruhte auf dem ungewöhnlichen Zusammentreffen mehrerer Ereignisse. Nach einer Weile sah ich um ihren Kopf herum tatsächlich so etwas wie eine Aura. Ich beschloss.

Am Sonntagabend empfanden wir so viel Nähe zueinander. Zu meiner großen Überraschung und Freude beschloss Joan plötzlich. und der Gedanke an Abschied war ziemlich schmerzlich. Am darauffolgenden Wochenende besuchte Joan mich in Baltimore. Aber im Rahmen all der bemerkenswerten Synchronizitäten. Denn ich hatte eine zehntägige Reise nach Island geplant. sich Urlaub zu nehmen und mich zu begleiten. Durch diese beiden Besuche vertiefte sich unsere Beziehung. das aus verschiedenen Gerichten der nordchinesischen Küche bestand und wahrscheinlich von durchschnittlicher Qualität war. dass wir uns in Zukunft so oft wie möglich sehen wollten.« Natürlich kehrten wir nach der Konferenz nicht getrennt nach Hause zurück. wo ich die Erste Internationale Transpersonale Konferenz besuchen wollte. Nach diesem verheißungsvollen Anfang entwickelte sich unsere Beziehung sehr schnell.« Und ihr Spruch sagte: »Nach langem Warten geht dein Traum endlich in Erfüllung. Wir redeten ohne Pause über unsere vielen verschiedenen Interessen und entdeckten. und wir hatten eine wunderbare Zeit miteinander. klangen die Botschaften wie stimmige Orakelsprüche aus dem uralten chinesischen I Ging. Mein Terminkalender für die nächsten Wochen stellte uns in dieser Hinsicht jedoch vor ernsthafte Probleme. Wir trafen uns auf dem Kennedy-Flughafen in New York und checkten . Am Wochenende nach unserer Begegnung in Dallas flog ich nach Miami. kam uns als etwas ganz Besonderes vor. sondern verbrachten das Wochenende zusammen in Dallas. dass Leni und Bob Recht hatten: Wir hatten wirklich viel gemeinsam. Nach dem Essen brachte uns der Kellner die obligatorischen Glückskekse.52 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität Unser Abendessen. In meinem Keks hieß es: »Dein Herz gehorte ihr vom Augenblick eurer ersten Begegnung an. die wir bereits erlebt hatten. denen wir ansonsten keine große Beachtung geschenkt hätten. um mehrere Tage mit Joan zu verbringen.

wie ich die Nachtflüge zurück nach Baltimore nannte. bis ich einschlief. der isländischen Luftfahrtgesellschaft.Ü. Nach einem guten Nachtschlaf wachte ich entspannt und erfrischt auf. Wir mie­ . Die Leckerei meines Freundes sah aus wie ein arabisches Dessert aus Tausendundeine Nacht und schmeckte auch so. für unseren Flug nach Reykjavik ein. meistens genau zu der Zeit. geschmolzene Butter. die er selbst herstellte. Die wichtigste Zutat war »Bhang Ghee« (Hanf Ghee. schlaflosen Flüge. Um uns den Nachtflug nach Reykjavik zu versüßen.Ü. wo das Frühstück serviert wurde. die in Big Sur heimisch war.) und den getrockneten Blättern und Blüten der Hanfsorte enthielt. Zu der Zeit gab ich viele Workshops am Esalen-Institut in Big Sur. Sie bestand aus gehackten Nüssen. Bei der Landung waren wir in einer euphorischen Stimmung. Später bekam ich von ihm das Rezept für dieses kulinarische Allheilmittel bei Jetlag und anderen mit Langstreckenflügen verbundenen Unannehmlichkeiten. zu kleinen Kugeln etwa in der Größe einer Walnuss gerollt. Ich musste also oft den »Express Rote Augen« nehmen. Anm. nahmen Joan und ich beide zwei dieser magischen Kugeln. bevor ich an Bord des Flugzeugs ging. Auch an vielen weiteren Tagen unseres Aufenthalts in Island waren wir in diesem besonderen Zustand.d. Sie erwies sich als perfekte Lösung für diese ungemütlichen. die einen Extrakt aus Sinsemilla (Hanfsorte. Wenn ich lange Nachtflüge vor mir hatte. aß ich diese Süßigkeit.Die Regenbogenbrücke der Götter 53 bei Loftleidir. sodass das Abendessen im Flugzeug zu einer Feinschmeckerorgie für mich wurde. die (wie schon weiter vorn erwähnt) unter Therapeuten als »psychedelisches Nachglühen« bekannt ist. getrockneten Feigen und Rosinen. Datteln. Kalifornien. Anm. und anderen Teilen der Vereinigten Staaten. Ein Freund hatte mir für diese Gelegenheiten eine besondere Süßigkeit geschenkt. hatte ich einen äußerst verfeinerten Geschmackssinn und mächtigen Appetit.d. Begann sie dann zu wirken.). Nach dem Essen legte ich meine Augenbinde an und hörte Musik.

Das Tagungszentrum von Bifrost lag in einer erstaunlich schönen vulkanischen Landschaft. um uns den anderen 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern anzuschließen. der Philosoph und Religionsforscher Huston Smith. dass bei der Bevölkerung der Gebiete hinter dem Polarkreis verblüffend häufig übersinnliche Phänomene auf­ . ziemlich weit voneinander und vom Hotel entfernt in einer Märchenlandschaft lagen. schneebedeckte Berge. Unterkünften für die Gäste und einer großen Sauna aus Holz. Es bestand aus einem Hauptgebäude. Walter Houston Clark. Für die Konferenz kamen viele ganz besondere Menschen zusammen. die uns zusammengebracht hatte. Die isländische Landschaft ist unglaublich . wurde zur unvergesslichen Erfahrung. Wir befanden uns mehrere Autostunden entfernt im Norden von Reykjavik. Fs war Ende Mai. weit hinter dem Polarkreis. hier in dieser wunderschönen isländischen Landschaft vor unserer Rückkehr nach Hause zu heiraten. Vulkankrater. Es ist bekannt. Anfang und Ende der Welt kamen hier zusammen.54 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität teten uns für die drei Tage vor Konferenzbeginn einen Landrover und erkundeten die Insel. und die Magie der weißen Nächte. ein Ferienhotel mit mehreren Dachhütten. kristallklare Bäche und riesige Wasserfälle. Alles schien wie aus uralten Zeiten. jede mit einem kleinen PrivatGeysir und eigenem Pool.majestätische. darunter Joseph Campbell und seine Frau Jean Erdman. Wir kamen uns beide noch näher und begannen mit dem Gedanken zu spielen. Unter den Teilnehmenden befanden sich auch mein Bruder Paul mit seiner Frau Eva und Joans und meine gemeinsame Freundin Leni Schwartz. wo die Erste Internationale Transpersonale Konferenz stattfinden sollte. verzaubert durch unser »psychedelisches Nachglühen«. fuhren wir nach Bifrost. üppig grüne Wiesen und Weiden. die. Wir fanden einen idyllischen Ort in den Bergen. Als der Aufenthalt in unserem kleinen Liebesnest zu Ende ging. und der isländische Mythenforscher Einar Palsson. funkelnde Gletscher. Professor für Religionswissenschaften.

um Joseph Campbell. richtig geraten zu haben.der ersten Frau. der ein unglaubliches. dass sie aufstand und wegging. Aber wir hatten keine Chance. erfuhr Einar zum ersten Mal von der symbolischen Bedeutung einiger Orte in Island und der magischen Symbolik der mit ihnen verbundenen Zahlen. Durch Joseph. Später fanden wir heraus. . dass wir mit dem Gedanken spielten. Sie war so sicher. Alle fanden die Aussicht auf ein Hochzeitsritual aufregend. die präkognitive oder telepathische Fähigkeiten besaßen. Wir lernten viele Menschen kennen. beschlossen sie. das ich immer geliebt hatte: Gösta Berling von Selma Lagerlöf . mit der Wünschelrute umgehen konnten oder Elfen und Feen sahen. seinen Helden. Unser Aufenthalt in Island bestätigte das. ein Buch zu verstehen. ihr zu erzählen. Meine Erfahrungen in Island halfen mir. Alltagsleben und mystische Reiche kunstvoll miteinander zu verweben. sagte sie und strahlte uns dabei an. was ihr mir erzählen wollt: Ihr überlegt. und schon kurz darauf begann die ganze Gruppe mit den Vorbereitungen für die Zeremonie. war vor allem zur Konferenz gekommen. der isländische Mythologe. Nach unserer Ankunft im Bifrost-Hotel tranken wir Tee mit Leni Schwartz. kennenzulernen. Wir beschlossen. geradezu enzyklopädisches Wissen über Weltmythologie besaß. hellsichtig waren. Auch von den Teilnehmern unserer Konferenz in Bifrost hatten viele außersinnliche Wahrnehmungen. hatte mich immer tief berührt. ihr unsere interessanten Neuigkeiten mitzuteilen. »Ich weiß.Die Regenbogenbrücke der Götter 55 treten. dass sie diese Neuigkeit sofort in der ganzen Gruppe verbreitete. in Island zu heiraten. hier zu heiraten«. für eine solide mythologische Grundlage unserer Eheschließung zu sorgen. Einar Palsson. Die faszinierende Fähigkeit dieser Autorin. die den Nobelpreis für Literatur erhielt. ohne unsere Bestätigung abzuwarten. Die beiden führten viele tiefe Gespräche. Als die beiden von der geplanten Hochzeit hörten. einen Ruf als Heiler hatten. der seit zwanzig Jahren nordische Mythologie studiert hatte.

dass wir heiraten wollten. und ihre Mutter besaß noch ein altes isländisches Kostüm. eine begabte Tänzerin und Broadway-Choreographin. wie es in alten Zeiten bei einem Anlass wie diesem stattgefunden haben mochte. Das köstliche Menü bestand aus vielen . Wir tranken Met. Angeleitet von Ingrid. Dann kämmten die Frauen der Gruppe Joan das Haar und kleideten sie an. In der konferenzfreien Zeit waren alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer damit beschäftigt. Ich traf mich mit den Männern aus der Gruppe. entwarf die Hochzeitszeremonie und probte sie mit der Gruppe. versuchten sie. ihr modernes Denken abzustreifen und das Gespräch so zu führen.56 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität Sie rekonstruierten ein uraltes Hochzeitsritual der Wikinger. Ingrids Vater war Bürgermeister von Reykjavik. und das Symbol für diese Vereinigung war der Regenbogen. und meine Freunde boten mir Unterstützung und Zuspruch an für das. um Abschied von meinem Junggesellendasein zu feiern. die Heilige Vereinigung von Vater Himmel und Mutter Erde. Für mich wählten wir eine wunderschöne handgestrickte isländische Jacke. was vor mir lag. hatte die Konferenz organisiert. Obwohl Joan und ich . das seit der Ankunft der Christen in IsIand nicht mehr praktiziert worden war.keiner Menschenseele verraten hatten. Die Verbindung von Bräutigam und Braut spiegelte hierosgamos wider. die der isländischen Tradition entsprechend für Braut und Bräutigam getrennt stattfand. Joe Campbells Frau Jean. sangen Lieder mit entsprechenden Texten. waren die Vorbereitungen für unsere Hochzeit in vollem Gange. Kostüme und Masken für das Hochzeitsritual anzufertigen und das Menü für das Bankett zu planen. Nach der Sauna versammelten wir uns alle miteinander im Speisesaal für das Festmahl. Ein isländisches Paar. Die beiden brachten das Gewand als Hochzeitskleid für Joan aus Reykjavik mit. wobei sie Lieder sangen und die Braut auf die Hochzeitsnacht vorbereiteten.außer natürlich uns gegenseitig . Geir und Ingrid Vilhjamsson. Unsere Hochzeit begann nachmittags mit einer Reinigungszeremonie in der Sauna. es passte ihr wie angegossen.

Dieses unglaubliche himmlische Schauspiel hätte bereits ausgereicht. in diesem zauberhaften Schauspiel ein äußerst verheißungsvolles Zeichen zu sehen. dass der Name des Ortes . der gute Wein und das seltsame Licht der weißen Nacht verschworen sich zu einer magischen Atmosphäre. als sei sie nicht aus dieser Welt . Da drängte es sich praktisch auf. Aber es gab noch weitere bemerkenswerte Synchronizitäten.Die Regenbogenbrücke der Götter 57 Gaben der Erde und einer Auswahl an Süßwasserfisch und Meeresfrüchten. schaute jemand aus dem Fenster und sah.in der alten isländischen Sprache »Regenbogenbrücke der Götter« bedeutete. und in dem uralten Hochzeitsritual der Wikinger. Vor dem Hintergrund des doppelten Regenbogens und beleuchtet vom magischen Licht der weißen Nacht.manche für sich allein. Dann legte jemand im Speisesaal eine entsprechende Musik auf. . Als wir nach dem Essen tanzten. dass es angefangen hatte zu nieseln und gleichzeitig ein riesiger doppelter Regenbogen in unglaublich leuchtenden Farben den Himmel schmückte. In unserer Stimmung lag es nahe.Bifrost .surreal. um der Hochzeit den Nimbus des Göttliches zu verleihen. andere in Paaren oder kleinen Gruppen. wirkte die Szene. wie in einem Film von Fellini. der Geschmack und der Anblick des Essens. Alle liefen hinaus in den Regen und tanzten auf dem nassen Rasen weiter. Während wir im Haus ausgelassen und dionysisch getanzt hatten. Die Menschen bewegten sich wie im Tai Chi . war der Regenbogen ein Symbol für die Vereinigung von Vater Himmel und Mutter Erde. wurde der Rhythmus unserer Bewegungen hier draußen nun entspannter und fließender und verlangsamte sich wie auf Anweisung eines unsichtbaren Taktmeisters. nach dem Joan und ich heirateten. Die Farben. in diesem Ereignis einen tieferen kosmischen Sinn zu sehen. Zu unserem Erstaunen erschien und verschwand der doppelte Regenbogen dreimal. Wir fanden heraus. die meditativ und zeitlos klang und völlig im Einklang war mit dem Rhythmus unseres Tanzens.

möglichst viel zu sehen. während wir näherkamen.58 Teil 1: Das Mysteriurn der Synchr0nizität Außerdem hatte der Regenbogen für mich eine tiefe persönliche Bedeutung. Nach stundenlanger. als würden wir ein Tor durchschreiten und eine andere Wirklichkeit betreten. Die Straße verlief schnurgerade. Ich hielt an. und wir drei saßen staunend da und bewunderten dieses unglaubliche Schauspiel. Natürlich durfte bei unserem ehrgeizigen Reiseprojekt auch der spektakuläre Südwesten der USA nicht fehlen. Instinktiv trat ich aufs Gaspedal. Wir reisten zwei Monate durch das Land und verbanden Besuche bei berühmten Vertretern der psychedelischen Forschung und der Bewusstseinsforschung mit Besichtigungen und Camping in den Nationalparks und in anderen landschaftlich schönen Gegenden. sengender Hitze war dies eine sehr willkommene Abwechslung für uns.000 Meilen zurück. Erpicht darauf. wie ein Pfeil schoss sie vor unserem Wagen auf den Horizont zu und kreuzte ihn genau am unteren rechten Ende des Regenbogens. legten wir in den acht Wochen über 17. Plötzlich erschien vor uns am Himmel ein zauberhafter Regenbogen. wo hauchzarte Schleier aus Regenbogenfarben wirbelnd um uns herumtanzten und zu Myriaden kleiner Diamanten explodierten. Doch der Regenbogen blieb am Himmel stehen und wurde. In diesem Augenblick war es. Hinter uns ging die Sonne unter und schmückte den Himmel mit einem prächtigen Schauspiel wunderschöner Farben. als es zu regnen begann. denn ich wollte möglichst dicht an den Regenbogen heranfahren. die mit einer weiteren interessanten Synchronizität zusammenhing. immer größer und leuchtender. Im ersten Jahr meines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten lud ich meine Eltern ein. bevor er wieder verschwand. Wir befanden uns plötzlich in einem Reich von unbeschreiblicher Schönheit. Während dieser Reise durchquerten wir am späten Nachmittag eines sehr heißen Tages auf dem Weg nach Santa Fe gerade die Wüste von New Mexiko. Für mich war dieses Ereignis die intensivste .

In U-Form verlief sie um die ganze Halle mit Ausnahme des Eingangs. Huston Smith leitete den Gottesdienst und traute uns. die ich in meinem Lehen ohne Einnahme einer bewusstseinsverändernden Substanz oder andere Methoden jemals machte. der unterirdischen Kammer für Zeremonien der amerikanischen Pueblo-Indianer. wieder am Horizont auftauchte. so erzählte er weiter. Im Grunde beschrieb dieser Mann mit seinen Worten unser Erlebnis auf dem Weg nach Santa Fe. der einer Kiva ähnelt. die es liebe.Die Regenbogenbrücke der Götter 59 ekstatische Erfahrung. deren Körper aus parallel verlaufenden Längsstreifen bestand. Ort und Rahmen für unsere Hochzeitszeremonie in Bifrost hätten nicht zauberhafter sein können. als die Sonne. Als Segensspruch verlas Walter Houston Clark Sarahs Schwur aus dem Alten Testament: »Ich werde dahin gehen. umarmen und küssen. stilisierte weibliche Figur. das Regenbogenmädchen würde die Menschen. Sie hielt den ganzen Abend an. eine bekannte und beliebte Gottheit seines Volkes. Das auffallendste Ausstellungsstück war hier eine dünne. Um drei Uhr morgens. da Regen in dieser trockenen Gegend so wichtig sei. Die Haupthalle besteht aus einem großen Raum. dies sei das Regenbogenmädchen. und . wo du hingehst. einhüllen. beschlossen wir am nächsten Tag. Die Navajo glaubten. der auf der einen Seite von ihrem Kopf und auf der anderen von ihrem kurzen Rock und ihren Beinen flankiert wurde. Nachdem wir gut und fest geschlafen hatten. Sie spiele in der Mythologie der Navajo eine bedeutende Rolle. wurden wir in einem alten Vulkankrater getraut. Der Navajo-Führer erklärte uns. So schenkte es ihnen eine ekstatische Freude. die nur eine Stunde unterging. und selbst am nächsten Morgen konnte ich noch spüren. wie sie in mir nachglühte. an die sie sich ihr Leben lang erinnerten. Joseph Campbell spielte Joans Ersatzvater und führte sie zu einem improvisierten Altar. Bis heute ist diese verheißungsvolle Erfahrung in meiner Erinnerung lebendig. das Museum für die Kunst der Navajo in Santa Fe zu besuchen.

die aus einem Gruppenschlafsaal und einem Finzelzimmer bestand. Die Gruppe musste am nächsten Tag früh aufbrechen. was noch schlimmer war. war für alle Beteiligten ein unvergessliches Erlebnis. und unsere Hochzeit bil­ . das erste einer ganzen Reihe von weiteren internationalen. dass diese kostbare Unterkunft Joan und mir als Hochzeitszimmer für die nächste Nacht dienen solle. und die höchst faszinierende isländische Landschaft trug zu dieser Stimmung entsprechend bei. Ich fühlte mich ernüchtert und bedrückt. dass irgendetwas nicht stimmte. Die Erregung und Ekstase des gestrigen Tages waren völlig verllogen. spürte ich. bereit zum Aufbruch. die in den letzten Tagen über uns hinweggeschwappt war. meine Zweifel für mich zu behalten.« Nach dem Austausch von Ringen nach Wikingerentwurf und Besiegelung unserer Vereinigung mit einem Kuss schritten wir durch das Spalier unserer Freunde. Und. Wir bekamen nur etwa eine Stunde Schlaf. Nach einem großartigen Tag in den Bergen und einer Übernachtung in der Hütte auf dem Gletscher kehrten wir nach Bifrost zurück. die den Wald von Birnam zum Schloss von König Duncan trägt. Unser Ziel an jenem Tag war eine primitive Unterkunft auf einem von Islands größten Gletschern. und nach außen hin wirkte alles weiterhin wunderbar. Die Gruppe beschloss einhellig. wachte ich auf. transpersonalen Konferenzen. denn wir wollten eine lange Wanderung zu einem von Islands spektakulärsten Gletschern machen. Nachdem ich eine Stunde gedöst hatte. Sowie ich die Augen öffnete. Fs gelang mir. Das Treffen in Island.60 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität deine Leute werden meine Leute sein. Die ganze Welle von Aufregung. die das Wikinger-Hochzeitsritual hei allen ausgelöst hatte. um dort die Konferenz mit einer Zeremonie abzuschließen. kam mir plötzlich illusorisch und trügerisch vor. die grün belaubte Zweige hielten und aussahen wie Macduffs Armee aus Macbeth. In der Gruppe hallten noch immer die Gefühle nach. die Heirat mit Joan schien mir plötzlich ein schwerer Fehler zu sein.

sich an unserem Projekt der psychedelischen Therapie mit Krebskranken im Endstadium zu beteiligen. wahrscheinlich aber nur. aber sie bekam dafür kein Geld. dass ihre Tochter Heiratspläne hatte. Ich bot ihr an. die unsere Beziehung belasteten. die ihr Haus in Miami verriet. Sie machte mehrere vergebliche Versuche. verstärkte die Spannungen zwischen uns. Joan kündigte ihre Arbeit am anthropologischen Fachbereich der Universität von Miami und zog zu mir nach Baltimore. weil sie Joans rebellischen Geist kannten und auf Schlimmeres gefasst gewesen waren. begannen sich meine düsteren Vorahnungen jedoch zu bestätigen. dass ich den Ansprüchen der neureichen Welt. denn das Maryland-Psychiatric-Research -Center hatte keine bezahlte Stelle zur Verfügung.und DPT(DipropyItryptamin)Sitzungen als Co-Therapeutin anwesend zu sein. als Flitterwochen gedacht. bei den LSD. nachdem Joan ihm von unserer Heirat erzählt hatte. Die ersten drei Fragen. vorstellte.Die Regenbogenbrücke der Götter 61 dete mit Sicherheit dessen Höhepunkt. John und Eunice. Glücklicherweise bot mir der Verlag Viking-Press ein Vorschusshonorar für zwei Bücher über LSD an. Sie akzeptierten mich zwar widerstrebend. Joan und ich waren kurz nach unserer Rückkehr mit zahlreichen verschiedenen Problemen konfrontiert. Als wir in die Vereinigten Staaten zurückkehrten.oder Forschungsstelle an der Johns-Hopkins-Universität oder an der Universität von Maryland zu bekommen. nicht entsprach. Es machte ihr Freude. lauteten: »Ist er ein Schwarzer? Ist er Kommunist? Trägt er einen Bart?« Er war erleichtert. die Joans Vater stellte. Bei einer Party in Leni . eine Lehr. Bei unserem Besuch wurde deutlich. wussten die beiden gar nicht. als sie alle drei Fragen mit Nein beantwortete. Auf dem Weg zurück von Island unterbrachen wir unsere Reise in Miami. Eine Reise nach Japan. wo Joan mich ihren Eltern. um ihnen die Neuigkeiten über unsere Hochzeit zu erzählen. Bevor Joan sie aus Island anrief. Der Verlust ihrer Identität als akademische Forscherin machte ihr emotional offensichtlich sehr zu schaffen.

Grundlegend ist. Als unsere Ehe schließlich zerbrach und klar wurde.62 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität und Bob Schwartz’s Haus in New York City trafen wir zufällig einen alten Freund von mir. als Esalens Gäste nach Big Sur zu ziehen.vor allem. Joe merkte in seinen Vorträgen oft kritisch an. Das isländische Abenteuer war eine faszinierende Erfahrung mit archetypischen Energien. weil wir unsere Freunde von der Tagung in Bifrost und besonders Joe Campbell nicht enttäuschen wollten. die in unseren Alltag einbrechen und erstaunliche Synchronizitäten bewirken können. Nach einem kurzen Gespräch lud Michael uns ein. dass sich unsere Beziehung rapide verschlechterte. sind keine Garantie dafür. die ewig halten würde. Sie brachte mir jedoch eine wichtige Lektion bei: Ich lernte. nicht bedingungslos zu vertrauen. Ein Urlaub in Osterreich und Italien sowie der Umzug nach Esalen entlasteten unsere Beziehung vorübergehend. dass die Dinge sich zum Positiven entwickeln. an unserer Ehe festzuhalten . Michael Murphy. . Eine Zeitlang gaben wir uns alle Mühe. modernen Ehen fehle eine solide mythologische Grundlage und schilderte bei diesem Anlass unsere Hochzeit in leuchtenden Farben als Beispiel für eine mythologisch verankerte Ehe. die das Ego verzaubern und erhöhen. und die Unterschiede zwischen uns traten so deutlich hervor. bevor wir nicht wieder mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. dass wir uns unter dem Bann dieser Kräfte nicht zu voreiligen Handlungen verleiten lassen und keine wichtigen Entscheidungen treffen. gehörte der Umgang mit Joes Enttäuschung zu den schwierigsten Aspekten dieses Prozesses. der verführerischen Macht solcher Erfahrungen. die das Auftauchen archetypischer Kräfte begleiten. und für eine Weile atmeten wir auf. Die ekstatischen Gefühle. dass eine Scheidung unvermeidlich war. Es dauerte jedoch nicht lange. Mitbegründer des EsalenInstituts. und bot mir die Position eines dort ansässigen Dozenten an. da sie doch unsere wunderschöne Zeremonie gestaltet und mit uns Hochzeit gefeiert hatten.

be­ gonnen hatte und sich durch die Geburt ihrer Tochter Sarah zwei Jahre später intensivierte und vertiefte. war sie Schülerin und glühende Anhängerin von Swa­ mi Muktananda. Synchronizitäten zu erleben und zu beobachten. Als Christina und ich uns 1975 in Big Sur. Nathaniel. das bei der Geburt ihres ersten Kindes. Christina erlebte zu jener Zeit ein heftiges Erwachen ihrer Kundalini. dem bekannten Psychologieprofessor und psychedelischen For­ scher an der Harvard-Universität. der sich über acht Jahre erstreckte.Das Spiel des Bewusstseins 63 Das Spiel des Bewusstseins Swami Muktananda und Siddha Yoga beobachtet und auch persönlich erlebt. auch Schlangenkraft genannt. ihrer Natur nach weibliche Energie. begleitet von Ram Dass. Manchmal traten sie als einzelne Ereignisse auf. kennenlernten und schon bald darauf zusammenlebten und -arbeiteten. der den Weg eines spirituellen Suchers und Lehrers einschlug. Kalifor­ nien. die schöpferische kosmische. Laut yogischer Tradition ist die Kundalini. die verantwortlich M eine Frau Christina und ich haben im Laufe der Jahre bei unserer Arbeit viele bemerkenswerte Synchronizitäten . hatten wir jedoch massenhaft Gelegen­ heit. In einem bestimmten Zeitraum unseres Lebens. zu anderen Zeiten gehäuft und regelrecht in Serie. einem in­ dischen spirituellen Lehrer und Oberhaupt der uralten Linie des Siddha Yoga. Sie war ihm begegnet. Damals stan­ den wir in enger Verbindung mit Swami Muktananda. als er auf seiner ersten Tour um die Welt in Honolulu Halt machte.

Am dramatischsten manifestiert sich das Erwachen der Kundalini in Form der physischen und psychischen Anzeichen. ein Energiefeld. steigt durch Nadis Kanäle oder Röhren . in der yogischen Tradition hochgeschätzt und äußerst positiv dargestellt. die sich dreieinhalb Mal um den Lingam wickelt. dessen Kundalini voll erwacht ist und sich stabilisiert hat. Ihr entspricht auch der feinstoffliche Körper oder Energiekörper. Kriyas sind intensive Empfindungen von Energie und Hitze. die Chakren genannt werden. das den menschlichen physischen Körper sowohl erfüllt und durchdringt als auch umgibt. Auf ihrem Weg nach oben klärt sie alte traumatische Prägungen und öffnet die Zentren für psychische und spirituelle Energien. Diese schIafende Energie kann durch Meditation. Kundalini bedeutet wörtlich »die Zusammengerollte«. die an der Wirbelsäule im Körper nach oben strömen und begleitet sein können von heftigem Zittern sowie zuckenden und spastischen Bewegungen. Shakti genannt. Dieser Prozess. Mächtige Wogen von scheinbar unmotivierten Emotionen wie Angst. und die Kundalini-Energie wird meistens dargestellt als Schlange. Oft gehen diese Gefühle auch einher mit intensiven Lichterscheinungen oder dem Auftauchen archetypischer Wesen und der inneren Wahrnehmung verschiedener Töne und Klänge. Vermittlung eines erfahrenen spirituellen Lehrers (Guru) oder Ursachen unbekannter Art aktiviert werden. die Kriyas heißen. Traurigkeit oder Freude und Ekstase können dabei hochkommen und die Psyche vorübergehend völlig beherrschen.im feinstofflichen Körper aufwärts. Manche Men­ . Die aktivierte Kundalini. In latenter Form existiert sie am unteren Ende der Wirbelsäule im Bereich des Kreuzbeins. Das Erwachen der Kundalini fördert also die Heilung. ist jedoch nicht ungefährlich und erfordert die erfahrene Anleitung durch einen Guru. Wut. das Symbol der männlichen Schöpferkraft. die spirituelle Öffnung und die positive Transformation der Persönlichkeit.64 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität ist für die Erschaffung des Universums. bestimmte Übungen.

Christina erfuhr durch Freundinnen von seinem Besuch auf Hawaii und beschloss daraufhin. nehmen Yoga-Haltungen (Asanas) ein. an einem »Intensive« teilzunehmen. singen ihnen unbekannte Lieder oder heilige Anrufungen (Mantras). Dieses Erlebnis mit Muktananda verstärkte bei Christina das Erwachen der Kundalini. als Muktananda sie anschaute und ihre Augen sich begegneten. Nach dem Wochenend-Retreat stellte Christina Muktanandas Schülerinnen und Schülern ihre kleine Wohnung in Honolulu zur Verfügung.Das Spiel des Bewusstseins 65 schen machen bei diesem Prozess eindringliche Erfahrungen. das bereits vor ihrer Begegnung mit ihm eingesetzt hatte. äußern sich in Tierstimmen und bewegen sich entsprechend. Wellen von überwältigenden Emotionen und ein Zittern am ganzen Körper. Swami Muktananda stand in dem Ruf. Muktananda nahm ihr . der in seinen Schülerinnen und Schülern spirituelle Energie aktivieren konnte. und zwar dort. die bis 1982 dauerte. wo sich laut östlichen spirituellen Traditionen das »Dritte Auge« befindet. Es war der Beginn ihrer wichtigen Beziehung mit diesem bemerkenswerten Siddha-Yogi. machen bestimmte Gesten (Mudras). wo sie seit der Scheidung mit ihren Kindern Than und Sarah lebte. In einer der Meditationen bei diesem Retreat empfing Christina von ihm Shaktipat: Das ist der Sanskritname für die Ubertragung spiritueller Energie durch den Guru. die durch eine Berührung. einen Blick oder reine Gedankenkraft übermittelt wird. In diesem Moment traf sie aus den Augen des Gurus ein Blitzstrahl zwischen die eigenen Augen. die offensichtlich Erinnerungen aus vergangenen Leben sind. wie Muktananda seine Wochenendworkshops nannte. als er im Alter von 74 Jahren starb. Unwillkürliches und oft unkontrollierbares Verhalten unterschiedlichster Art vervollständigt das Bild: Die Betroffenen reden in verschiedenen »Zungen« . Bei Christina geschah diese machtvolle Energieübertragung. ein vollkommen erwachter Meister und vollendeter Kundalini-Yogi zu sein. Dieser Blick löste bei ihr intensive Kriyas aus.

hatte Freude an Sex und war bekannt für meine Arbeit mit LSD und anderen psychedelischen Substanzen. Anm. wo wir lebten. und wollte herausfinden. nach Oakland zu fahren und ihn kennenzulernen. ihrem Lehrer wieder zu begegnen. wie ich mich selbst oft witzelnd nannte. ob Swami Muktananda unsere Beziehung gutheißen würde. um sich für einige Monate in seinem Ashram in Oakland. um für uns beide eine persönliche Audienz (einen Darshan) mit ihrem spirituellen Lehrer zu organisieren. und Christina ergriff die Gelegenheit. wie mir schien. Ich war kein Vegetarier. entsprach ich nicht unbedingt den konventionellen indischen Kriterien für einen ernsthaften spirituellen Sucher. Kurz nachdem Christina und ich unser gemeinsames Leben in Esalen aufgenommen hatten. Als »transzendentaler Hedonist«. die sich als seine Anhänger verstanden. Telgte 2001.Ü. Ich hatte schon von Swami Muktananda gehört. war Sie unsicher. denn er löste bei mir gemischte Gefühle aus. aufzuhalten.).d. und Gelegenheit gehabt. versuchte Christina jede Gelegenheit zu nutzen. Nachdem sie aus Hawaii weggegangen war. einen flüchtigen Blick in das Manuskript seiner Autobiographie zu werfen. Eine spirituelle Biographie erschien (Siddha Yoga Verlag. Spiel des Bewusstseins. Wie ich später erfuhr.66 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität Angebot an. Zwei meiner Freunde waren zu Siddha Yoga übergetreten und verehrten Muktananda auf ziemlich unkritische Weise. das den Titel Guru trug und später als Paramahansa. Ich war nicht besonders erpicht darauf. Statt . besuchte ihre Räume und segnete sie als Siddha-YogaMeditationszentrum. Ich konnte ihre Bedenken natürlich gut verstehen. bevor ich Christina kennenlernte. kam Swami Muktananda in die Bay Area. Das Verhalten meiner Freunde hatte sich nach dem Besuch eines Intensivwochenendes mit Muktananda drastisch verändert und in Esalen viel Wirbel verursacht. Oakland liegt nur etwa drei Stunden Autofahrt entfernt von Big Sur. wie er dazu stand. in der Nähe von San Francisco. Sie waren mit Sicherheit nicht die beste Werbung für Muktananda und seinen Einfluss auf Menschen.

Während wir in Richtung Bay Area fuhren. Da horchte ich auf. ein Anhänger Shivas. und meine Neugier auf unsere Begegnung wuchs. unter anderem auch Bhang und Daturasamen einnahmen. erzählte mir Christina ein paar bemerkenswerte Geschichten über ihren spirituellen Lehrer. Bhakti Yoga aIs eine Form von hingebungsvoller Anbetung ist nie meine spirituelle Lieblingspraxis gewesen. Und ich konnte auch Karma Yoga ohne weiteres akzeptieren. Ich war auch sehr einverstanden mit Raja Yoga. dass dieser Darshan für Christina Sehr wichtig war. hielten mich meine Vorbehalte in Bezug auf die Praxis der Hingabe nicht davon ab. »Om Namah Shivaya« und andere hinduistische Anbetungen singen.Das Spiel des Bewusstseins 67 einen Workshop zu dem Thema zu machen. warteten wir im Auto auf den Darshan und setzten dabei unser Gespräch über Swami Muktananda fort. An einem Punkt erwähnte Christina. das sie im Prospekt von Esalen angekündigt hatten. um mich auf unsere Begegnung vorzubereiten. Da ich aber von Natur aus ziemlich neugierig bin. Und ich wusste. Und Shiva ist mein . Ich wusste. dass er aufgeben muss. einen Siddha-Yoga-Guru mit dem Ruf Muktanandas kennenzulernen. wo es vor allem um psychologische Experimente und direkte Erfahrungen mit dem Göttlichen geht. um sich in außergewöhnliche Bewusstseinszustände zu versetzen. bei dem der Schwerpunkt darauf liegt. bei dem der Intellekt durch spirituelle Übungen so weit an seine Grenzen gebracht wird. dass er Shaivite war. Bhakti Yoga jedoch rangierte auf meiner Werteskala ziemlich weit unten. fühlte ich mich sehr hingezogen zum Jnana Yoga. Vorzeitig angekommen. durch Dienen karmische Verdienste zu erwerben. Laut uralter indischer Tradition brauchen und suchen Menschen aufgrund ihrer unterschiedlichen Persönlichkeiten auch verschiedene Formen von Yoga. brachten sie beispielsweise kleine Trommeln und Zimbeln mit in ihr Seminar und wollten mit den Teilnehmern »Shree Guru Gita«. dass die Shaivites. Während Christinas Vorliebe ganz klar Bhakti Yoga galt. wo die Betonung auf der Hingabe an den Guru liegt.

hatte ich eine Vision von einem riesigen archetypischen Fluss. die bewusst und un­ . hingen mit dieser indischen Gottheit zusammen. als löste ich mich auf in eine Lichtquelle von unbeschreiblicher Intensität und erlesener Schönheit. dass mich sein Fuß zermalmte und wie ein Stück Exkrement im tiefsten Abgrund des Universums verschmierte. Es war.Shiva in seinem zerstörerischen Aspekt -. hatte ich eine erschreckende Vision von der hinduistischen Göttin Kali und erlebte die vollständige und bedingungslose Hingabe an die Macht des weiblichen Prinzips im Universum. die ich in meinen psychedelischen Sitzungen jemals machte. Ich gab Christina damals im Auto eine ziemlich ausführliche Beschreibung dieser beiden Erlebnisse. Es war eine vollständige Auslöschung dessen. denn die beiden tiefsten und bedeutsamsten Erfahrungen. In jenem Augenblick sah ich eine riesige Gestalt von Bhairava .68 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität wichtigster persönlicher Archetyp. In einer LSD-Sitzung. als ich noch in Prag lebte. Doch kaum war ich zu nichts geworden. Ich hatte das Gefühl. die die ganze Nacht über dauerte und in einem kleinen Tal der Redwood-Wälder neben einem Wasserfall stattfand. was offensichtlich die Quelle aller Existenz war eine enorme Kugel aus leuchtender Energie. Die ersten vier Stunden dieser Sitzung verbrachte ich im Geburtskanal und durchlebte noch einmal das Trauma meiner Geburt. Meine erste Begegnung mit Shiva hatte ich in einer meiner ersten LSD-Sitzungen. die sich vor mir auftürmte. Meine zweite Begegnung mit Shiva fand viele Jahre später bei einer Visionssuche in der Ventana-Wildnis in Big Sur statt. bedeckt mit Blut und den Geschmack von vaginalen Sekreten auf der Zunge. was ich bislang als meine Identität betrachtet hatte. ein vernichtender Tod meines Körpers und meines Egos. Fr floss zurück in das. dass ich die in alten indischen Schriften geschilderte Vereinigung von Atman und Brahman erlebte. der die Zeit und die Vergänglichkeit aller Schöpfung darstellte. Da begriff ich. Als ich aus dem Geburtskanal hervorkam. wurde ich zu allem.

wie ich später herausfand . Entwicklung und den Tod von Galaxien und Sternen. Als sich meine Aufmerksamkeit nach Sonnenaufgang allmählich von meiner Innenwelt löste und ich die unglaubliche Schönheit der Natur um mich herum wahrnahm. Wie in einem Film. Am deutlichsten erinnere ich aus dieser Sitzung eine Prozession von Dinosauriern in allen möglichen Gestalten und Größen. In seiner rechten Hand hielt er einen Stab aus Pfauenfedern. der sich unglaublich schnell abspult. woher sie kam. war ich tief beeindruckt von seiner ungewöhnlichen Erscheinung. Ich hörte verlockende Klänge und wusste sofort: Es war Dambaru. lch hatte Christina diese beiden Erfahrungen. die . den ich bei dieser unvergesslichen Erfahrung wie ein Leitmotiv des Flusses der Zeit fortwährend hörte. der der gesamten Schöpfung befahl. die mein Leben veränderten. da wurde es Zeit für unseren Darshan. der Evolution und Auslöschung ganzer Spezies und sah. wie Kulturen und Dynastien ihren Anfang nahmen. die Trommel von Shiva Bhairava. Gott des kosmischen Tanzes. eine große dunkle Brille und den Lunghi. sah ich die Geburt. den Fluss der Zeit betraten und darin verschwanden. eine orangefarbene Robe. Ich war Zeuge des Anfangs. Er trug eine dicke rote Pudelmütze. der seinen Tanz vom Universum aufführte. nachdem sie Millionen von Jahren existiert hatten. hare Om. dem Zerstörer. klang in meinen Ohren noch stundenlang der unwiderstehlich verführerische Gesang »Om hare Om. die. Als wir den Raum betraten und ich Swami Muktananda sah. Shri Om« nach. Dieser . aufblühten und sich ihrer Zerstörung stellen mussten. Und wie ein prächtiges. dorthin zurückzukehren. kreativ und destruktiv zugleich war. gerade zu Ende erzählt. Vor meinen Augen entfaltete sich die gesamte Geschichte des Universums und der Erde. kosmisches Hologramm schimmerte durch diese erstaunliche Szene die riesige Gestalt eines Shiva Nataraj.mit duftender Sandelholz-Essenz getränkt waren.Das Spiel des Bewusstseins 69 endlich intelligent.

Das kannte ich bereits von Klienten. sagte er plötzlich einen Satz. nachdem ich Christina von den Erlebnissen mit Shiva erzählte hatte. was er sehr selten tat. Er nahm seine dunkle Brille ab. Nach diesen ersten Ereignissen wuchs meine Neugier auf Munktananda beträchtlich und auch mein Interesse. Wie in einer Nahaufnahme sah ich seine stark erweiterten Pupillen. obwohl unser Thema vom beruflichen Stand­ . war so gering. wie seine Anhängerinnen und Anhänger ihn Iiebevoll nannten. Er konzentrierte sich auf meine Augen und untersuchte sie mit der Gründlichkeit eines Augenarztes. die so wichtig für mein Leben waren. neben ihm Platz zu nehmen. Baba. der mir einen Schauer über den Rücken jagte: »Ich kann wohl sehen. in dem bedeutungsvolle Synchronizitäten im jungschen Sinne verstärkt auftraten.« Ich war verblüfft über diese außergewöhnliche Synchronizität. und wandte sich mir zu. Es war absolut unmöglich. indem er dem Einweihungskandidaten damit auf den Kopf schlug.7o Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität Stab war Swami Muktanandas wichtigstes Werkzeug. Schwer vorstellbar war auch. Wie um seine Untersuchungsergebnisse zusammenzufassen. der Shiva begegnet ist. um Shaktipat zu übertragen. dass eine so spezielle Situation wie diese sich rein zufällig ergeben hatte. dass er diese Dinge durch die üblichen Informationskanäle erfahren hatte. die auf den Augäpfeln zu schwimmen schienen. Im Vergleich zu dieser dramatischen Eröffnung war das nachfolgende Gespräch zwischen uns zunächst etwas enttäuschend. die eine hohe Dosis LSD genommen hatten. Muktananda sagte diese Worte nur wenige Minuten. lud mich ein. Die Wahrscheinlichkeit. unverwandten Blick aus nächster Nähe. noch mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Es gab nur zwei mögliche Erklärungen: Swami Muktananda hatte auf paranormalen Wegen Zugang zu den Ereignissen in seiner Umgebung oder war selbst Teil eines Energiefelds. dass man sie praktisch ausschließen konnte. dass es sich hier lediglich um einen bedeutungslosen Zufall handelte. dass du ein Mann hist. und inspizierte mein Gesicht mit einem langen.

heim Anbau. »Ich weiß. Und dann wälzen sich die Yogis in Ekstase nackt im Schnee und Eis des Himalaja. die er viele Jahre später unter dem Namen Swami Chitvilasananda zu seiner Nachfolgerin bestimmte. dass ich mit LSD gearbeitet hatte. Brahmanen und Yogis. wie sie high werden. und kritisierte den nachlässigen und wenig ehrerbietigen Umgang der jungen Generation im Westen mit Marihuana und Haschisch.« Dann erläuterte er mir. Im Verlauf unseres Gesprächs fragte ich Baba auch nach Soma. wie man das richtig macht. den Erlebnissen. die Menschen im Siddha Yoga suchten. Ganja oder Charas respektvoll vorzugehen. Er war überzeugt. »Die Yogis kultivieren und ernten die Pflanze sehr bewusst und mit großer Achtung«. dass die Erfahrungen. die sie auslösten. sondern auch. der in der Rig Veda über . wie sie es bleiben können«. fuhr Swami Muktananda fort. »aber die wissen. teilte er mir durch seine Ubersetzerin mit. als berichtete er von eigenen Erinnerungen. ziemlich ähnlich waren. Präparieren und Rauchen oder Einnehmen von indischem Hanf (Cannabis indica) in Form von Bhang. Dann kommt sie in eine Chilam (eine spezielle Pfeife) und wird geraucht. dass Sie mit LSD gearbeitet haben«.Das Spiel des Bewusstseins 71 punkt aus ziemlich interessant für mich war.« Er begleitete seine Schilderung. Es gibt in Indien viele ernsthaft Suchende. wie wichtig es sei. Aber im Siddha Yoga zeigen wir Menschen nicht nur. aber die verpuffen wieder. »Mit LSD können Sie großartige Erfahrungen machen. der wusste. sagte er selbstbewusst. und dann getrocknet. dem heiligen Trank aus dem alten Indien. Sie hieß Malti und war eine junge indische Frau. äußerte sich über die Anwendung psychoaktiver Substanzen in der spirituelIen Praxis. wie man die Chilam raucht und in welche Ekstase die Yogis dadurch geraten. sagte er. »Wir machen hier etwas ganz Ähnliches. »Zuerst wird sie zwei Wochen in Wasser eingeweicht. Muktananda. die für ihre spirituelle Praxis heilige Pflanzen benutzen«. mit lebhaften Gesten und Grimassen. um sie von allen giftigen Bestandteilen zu reinigen.

Bislang war dieser Darshan offensichtlich überwiegend so etwas wie ein Fachgespräch gewesen. seinen Ashram zur Zeit seines Geburtstags zu besuchen und versprach. dass wir an diesem uralten Ritual teilnehmen konnten. die sich mit psychedelischer Forschung befassten. bei dem wir Informationen . das berühmte heilige Ololiuqui aus Mittelamerika. wo Sein Ashram stand. diese Pflanze sei Amanita muscaria. einer kleinen Stadt südlich von Bombay. die ebenfalls den Kriechgewächsen zugeordnet wird. sondern versicherte mir. Zu diesem Anlass hielten sie regelmäßig Zeremonien mit Soma ab. Am Ende unseres Gesprächs lud Baba auch Christina und mich ein. Tatsächlich stand er in regelmäßigem Kontakt mit vedischen Priestern. Er versicherte mir. das Geheimnis von Soma zu entdecken. diese Pflanze botanisch zu bestimmen und ihren aktiven Wirkstoff herauszufinden. weil sie mit Hilfe von Ranken wächst. war für mich eine große Überraschung. der behauptete. sondern ein »Kriechgewächs«. den Traum. enthielt die Samen der Purpurwinde (Ipomoea violacea). sondern schien Sinn zu machen.72 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität tausend Mal erwähnt wird und in der vedischen Religion eine ganz wesentliche Rolle spielt. Das überraschte mich nicht besonders. waS Soma war. Swami Muktananda könne mir mit Hinweisen helfen. dass es in Indien bis auf den heutigen Tag angewendet wird. Man stellte dieses Sakrament aus der gleichnamigen Pflanze her. Muktananda verwarf die Theorie des Mykologen Gordon Wasson. Und laut Baba kamen einige dieser Priester tatsächlich jedes Jahr aus den Bergen hinunter nach Ganeshpuri. dafür zu sorgen. denn ein weiteres wichtiges Präparat auf der psychedelischen Arzneimittelliste. Baba wusste nicht nur. Soma sei kein Pilz. Fliegenpilz. Zu der Zeit hatten viele von uns. die diese Substanz bei ihren Ritualen einsetzten. Doch was dann kam. Ich fand die Berichte über Soma faszinierend und hoffte. um seinen Geburtstag mit ihm zu feiern. deren Identität im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit geriet.

und wollten wissen.) gesagt? Findet Baba Drogen okay?« . während er mich gleichzeitig ziemlich heftig auf beide Wangen und dann auf die Stirn schlug und mich vor die Schienbeine trat. Ich lade euch beide als meine Gäste ein. Draußen vor der Tür hatten sich eine Menge Leute versammelt. die göttliche weibliche Energie. die neben ihm auf einem Tischchen stand. habe eine große Vorliebe für Süßes. Im Ashram standen überall Süßigkeiten herum. Shakti.« Bevor ich aus dem Zimmer ging. die mich mit Fragen überhäuften wie: »Worüber habt ihr geredet? Hat Baba irgendwas über Acid (LSD. Ich konnte dem Namen lediglich entnehmen. Doch dann nahm er plötzlich eine überraschende Wende. Als wir schon an der Tür waren. ob er irgendetwas Wichtiges zu diesem Thema gesagt hatte. servierte man demzufolge eine große Auswahl an phantastischen Süßspeisen. Wir bedankten uns bei Muktananda.« Zu der Zeit wusste ich gar nichts über Kaschmir Shivaismus.Das Spiel des Bewusstseins 73 über die »Technologien des Heiligen« austauschten. weil Baba verbreitet hatte. dass der Darshan beendet war. Muktananda fischte jetzt aus der Dose zwei süße Riegel. der Cafeteria. Bei den meisten von ihnen handelte es sich offensichtlich um Menschen. dass mein Gespräch mit Muktananda auch um psychedelische Substanzen gekreist habe. schaute er Christina und mich an und sagte: »Nun.Ü. d. wir veranstalten zwei Intensivwochenenden zu Kaschmir Shivaismus. die aufgrund ihrer Drogenerfahrungen zum Siddha Yoga gekommen waren. verabschiedeten uns und traten aus dem Darshan-Raum in die weitläufige Meditationshalle des Ashrams. Ohne jede Vorhereitung oder Vorwarnung griff Muktananda brüsk nach einer rosa Dose mit Mandelriegeln. Im Amrit. warf er mir einen bedeutungsvollen Blick zu und sagte: »Das wird für dich sehr interessant. Anm. Dann stand er auf und gab uns zu verstehen. Sie vermuteten. die auf uns warteten. Ich musste durch ein ganzes Spalier von Leuten laufen. wickelte sie geschickt aus und stopfte sie mir in den Mund. dass das irgendetwas mit Shiva und Kaschmir zu tun haben musste.

unwillkürliche Töne und heftige körperliche Reflexe kamen meine eigenen Reaktionen für mich völlig überraschend. dass Muktananda entsprechend mit mir gearbeitet hatte. Und obwohl ich aus der Literatur und von Christina wusste. Kaum hatte ich die Augen geschlossen. dass nur wirkungsvolle psychoaktive Drogen mein Bewusstsein nachhaltig verändern konnten. nicht besonders empfänglich für diese Dinge zu sein. den Rücken an die Wand gedrückt und die Augen geschlossen. Auf irgendeine Weise enthielt dieses kosmische Vakuum das Geheimnis des ganzen Seins und aller Schöpfung. Als ich die Augen wieder öffnete. Ich fühlte mich körperlich irgendwie merkwürdig. und mir war klar. Das fühlte sich in etwa an. die das Gefühl tiefen Friedens und tiefer Ruhe ausließ und auch die ungewöhnlichen metaphysischen Einsichten. befand ich mich in einem Zustand vollkommenen Nichts und vollkommener Leere. einer Leere von kosmischen Dimensionen.also intensive Emotionen. mit diesen Leuten in Kontakt zu treten. mir so am besten klar machen zu können. die damit verbunden waren. und hatte nicht erwartet. dass bemerkenswerte Reaktionen bei mir auftraten. der alle Polaritäten transzendierte und in dem ich die gesamte Existenz total verstand. Damals ging ich davon aus. dass Shaktipat Kriyas auslösen kann . stellte ich fest. Dort saß ich mit gekreuzten Beinen. Siddha Yogis haben den Ruf. Ich befand mich in einem Zustand. Ich glaubte jedoch.74 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität Ich verspürte nicht die geringste Neigung. Das istjedoch nur eine ziemlich oberflächliche Beschreibung dieser Erfahrung. dass seit dem Ende des Darshans mehr als eine Stunde vergangen war. und mein Kopf drehte sich. . Ich hatte das Gefühl. als habe man mich irgendwo mitten im interstellaren Raum zwischen Planet Erde und Alpha Centauri ausgesetzt. durch Shaktipat die außersinnlichen Kräfte von Menschen aktivieren zu können. Ich machte mich von der Menge frei. was da gerade mit mir passierte. entschuldigte mich und verzog mich in die hinterste Ecke der Meditationshalle.

zu denen Menschen in außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen Zugang bekommen können. die ich herangezogen hatte. die Rolle des Bösen im universalen Gewebe. den ich vor mehreren Jahren für eine der letzten Ausgaben eines kurzlebigen. Christina. das Journal for the Study of Consciousness. Er schien Passagen aus einem Artikel wiederzu geben. geschrieben hatte. das Mysterium des schöpferischen Prinzips im Kosmos. Reinkarnation und Karma. Der Artikel beruhte auf Beobachtungen in über 5000 psychedelischen Sitzungen. ein Mitglied des engeren Kreises um Muktananda. regelmäßig erscheinenden Magazins. Zu meiner Überraschung fand ich heraus. obskuren. Die Parallelen waren erstaunlich und betrafen sogar ganz bestimmte Bilder und Vergleiche. Gegen Ende der 1960er-Jahre. hatte ich beschlossen. Er begann mit einem Einführungsvortrag über Kaschmir Shivaismus. Der erste Intensivworkshop erwies sich als weitere Überraschung und war hochinteressant.das Wesen der Realität. Während der Swami seine Rede hielt. weil ich aufgrund der eigenartigen Synchronizitäten und dieser ungewöhnlichen Erlebnisse neugierig geworden war. weil sie diesen Guru verehrte. und ich bekam leichte Anwandlungen von Paranoia. als ich noch am Maryland-Psychiatric-Research-Center arbeitete. Ich konzentrierte mich auf die Abschnitte in den Berichten unserer Patientinnen und Patienten. und ich. den Swami Tejo hielt.Das Spiel des Bewusstseins 75 Wir freuten uns über Babas Einladung zu den Intensivwochenenden über Kaschmir Shivaismus und nahmen sie gern an. dass sich die individuellen metaphysischen Einsichten meiner Patienten verblüffend . die meine Kollegen und ich in Prag und Baltimore durchgeführt hatten. wuchs meine Verblüffung. in denen sie grundlegende Fragen der Existenz aufgriffen und Antworten darauf fanden . das Rätsel von Zeit und Raum und Ähnliches mehr. einen Text zu verfassen. die Beziehung zwischen Mensch und Göttlichkeit. in dem ich die ontologischen und kosmologischen Einsichten beschreiben wollte. die Erschaffung des Universums.

343. einen bestimmten Ort außerhalb von Shrinagar. Die Anfänge des Kaschmir Shivaismus können bis ins 8. Das war wirklich erstaunlich. unterschied sich radikal von der. Beeindruckend war auch. in dem ich diese Ergebnisse unter dem Titel »LSD and the Cosmic Game: Outline of Psychedelic Cosmology and Ontology« (LSD und das kosmische Spiel: Entwurf einer psychedelischen Kosmologie und Ontologie. denn zwischen den Ursprüngen dieser spirituellen Philosophie und den Einsichten meiner Patienten lagen mehr als ein Jahrtausend und Tausende von Meilen Abstand.Ü. der Landeshauptstadt. in der er Anweisung enthielt. welche die newtonsche-kartesianische materialistische Wissenschaft formulierte. dass viele Aspekte dieser Sichtweise in Einklang mit der Weltanschauung der relativistischen Quantenphysik und anderen revolutionären Fortschritten in den modernen Wissenschaften standen. Dort fand er in Stein gemeißelte. heilige Inschriften. dass er in Wirklichkeit den Kaschmir Shivaismus erläuterte und nicht Passagen aus meinem Text vortrug. Die ungewöhnliche Wahrnehmung des Kosmos und der menschlichen Existenz. 413). bevor mir klar wurde. Anm.d. Ich brauchte eine Weile. Der Artikel. war 1972 erschienen. umfassenden kosmischen Sicht darstellten. 26 Jahre später wurde er zur Grundlage für mein Buch Kosmos und Psyche. die meistens als das »neue« oder »neu auftauchende« Paradigma bezeichnet werden.76 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität ähnelten und verschiedene Teilaspekte einer einzigen. die später zu den Shiva Sutras wur­ . als ein kaschmirischer Weiser eine Vision hatte. Sie hatte jedoch erstaunliche Ähnlichkeit mit den spirituellen Systemen. Jahrhundert nach Christi Geburt zurückverfolgt werden. die sich aus dieser Analyse ergab. aufzusuchen.) erläuterte. also drei Jahre vor unserem Intensivwochenende in Oakland. An den Grenzen menschlichen Bewusstseins (1998). die Aldous Huxley als »ewige Philosophie« bezeichnete (siehe auch S. Und in seinem Einführungsvortrag für das Oakland Intensivwochenende schien Swami Tejo meine Ideen schamlos zu plagiieren.

die LSD-25 genommen hatten. um die Lösung dieses Rätsels herauszufinden. wie die Mainstream-Psychiater das nannten. dass es sich hier nicht um verschwommene Phantastereien aus der individuellen Psyche von Menschen handelte. wer sie verfasst hatte oder wie lange sie dort vor ihrer Entdeckung bereits existiert hatten. dass die Erfahrungen von Menschen aus dem 20. Welche Beziehung bestand zwischen den Wirkungen einer halbsynthetischen.Das Spiel des Bewusstseins 77 den. die ein Schweizer Chemiker durch einen merkwürdigen glücklichen Zufall entdeckt hatte. waren nicht neurochemisch bedingte. die in den Schriften einer uralten spirituellen Disziplin beschrieben wurden? Und welche Erklärung gab es für die Tatsache. und dazu gehörten auch die »Technologien des Heiligen«. . kaukasischen Amerikanern und Afroamerikanern. der durch Interaktion mit den neurophysiologischen Prozessen im Gehirn exotische Erfahrungen auslöste. schien die Antwort ziemlich offensichtlich: LSD war kein pharmakologischer Wirkstoff. vollständigen und umfassenden Sicht des Kosmos zusammenfügten? Ich brauchte eine Weile. und den philosophischen Einsichten. Die Erfahrungen. Jahrhundert. konsistenten. der Heiligen Schrift des Kaschmir Shivaismus. psychoaktiven Substanz. Niemand wusste. Zentraleuropäern slawischer oder jüdischer Herkunft. künstliche Phänomene und damit Symptome einer toxischen Psychose. so grundlegende Ahnlichkeiten mit Passagen aus den uralten kaschmirischen Texten aufwiesen. die sich tief in der menschlichen Psyche abspielen. die östliche spirituelle Disziplinen entwickelt hatten. Eolglich konnten diese Erfahrungen auch auf natürliche Weise und durch viele andere Methoden ausgelost werden. die diese Substanz aktivierte. aber als ich sie erst einmal hatte. sondern diese Einsichten sich zu einer einheitlichen. Diese bemerkenswerte Substanz war ganz klar ein unspezifischer Katalysator der Dynamiken. Es war schwer zu glauben. sondern echte Manifestationen der menschlichen Psyche selbst.

dass wir zukünftige Treffen der ITA in Indien abhalten sollten. Die so in Gang gesetzten inneren Erlebnisse sind ein weiterer Beweis dafür. und konnte die bemerkenswerten Ähnlichkeiten zwischen beiden bestätigen. dass die durch LSD und ähnliche Substanzen hervorgerufenen Phänomene keine chemisch bedingten. die spontanen Erfahrungen von Menschen. Kurz nach meiner ersten Begegnung mit Baba entwickelten Christina und ich das Holotrope Atmen. Die Konferenz fand dann im Februar 1982 im Oberoi-Hotel in Bombay statt. In diesen Jahren hatte ich reichlich Gelegenheit. Christina und ich hatten viele weitere persönliche Darshans mit ihm und nahmen an vielen Siddha-Yoga-Meditationen und Intensivwochenenden in verschiedenen Teilen der Welt teil. eine äußerst wirkungsvolle nichtpharmakologische Methode der Selbsterforschung und Therapie. künstlichen Produkte sind. Massachusetts. . In seinen letzten Lebensjahren vertiefte und intensivierte sich unsere Beziehung zu Swami Muktananda. die durch Psychedelika ausgelöst werden. die durch psychedelische Substanzen ausgelöst werden. Hier werden mit Hilfe simpler und natürlicher Mittel wie schneller Atmung. schlug er vor. Bei einem Darshan im Anschluss an die Konferenz der »International Transpersonal Association« (ITA) in Danvers. die wir im Kaschmir Shivaismus beschrieben finden. die Shaktipat empfingen. und bot uns dafür sowohl seine persönliche Unterstützung als auch Hilfe aus dem Kreis seiner Anhänger im Ganeshpuri Ashram an. Die durch diese Methode aktivierten Erfahrungen können sehr tief gehen und ähneln sowohl den Zuständen.78 Teil 1: Das Mysterium der Synchr0nizität Unsere Ereundschaft mit Swami Muktananda dauerte bis zu seinem Tod sieben Jahre später und wurde zu einem wichtigen Teil unseres Lebens. sondern ein authentischer Ausdruck der menschlichen Psyche. als auch denen. mit den Erlebnissen zu vergleichen. evokativer Musik und Aullösung von Energieblockaden durch eine bestimmte Form von Körperarbeit außergewöhnliche Bewusstseinszustände ausgelöst.

den parsischen Hohenpriester Dastoor Minocheer Homji. Christina und ich machten eine . wie versprochen. ein Sufi-Zikr der Halveti Jerrahi Derwische. weil er auf dem Weg nach Bombay erkrankte. der seine Eröffnungsansprache nicht halten konnte. Mitwirkende waren der Gehirnforscher Karl Pribram. mit der Zeremonie der Schwarzen Krone beschließen konnte. Als das Treffen beendet war. die Neurophysiologen Elmer und AIyce Green. einem traditionellen indischen Fest. wo er die meiste Zeit in Stille verbrachte und die Ubertragung der Siddha-Linie und sein eigenes Ableben systematisch vorbereitete. der Biologe Rupert Sheldrake. der wenige Monate vor der Konferenz gestorben war und sie nicht. und des Karmapa. Sie stand unter dem Motto »Uraltes Wissen und moderne Wissenschaft« und war ein Forum für den Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des neuen Paradigmas und spirituellen Lehrerinnen und Lehrern. die Familientherapeutin Virginia Satir. der damals aufsteigende Star des indischen klassischen Tanzes. Mutter Teresa. den Aurobindo-Gelehrten Karan Singh. den Benediktinermönch Pater Bede Griffith und die Rabbis Zalman Schachter-Shalomi und Shlomo Carlebach. Zu den Höhepunkten des Kulturprogramms gehorten ein Abend mit chassidischen Tänzen. Das Treffen war ein riesiger Erfolg. der Musiker Paul Horn und Alarmel Valli. zog er sich in seine Gemächer im Ganeshpuri-Ashram zurück. Am Tag nach der Konferenz lud Baba alle 700 Teilnehmende nach Ganeshpuri in seinen Ashram zu Bandara ein. Die spirituelle Welt war vertreten durch Swami Muktananda. trotz Abwesenheit des Dalai Lama. den taoistischen Meister Chungliang Al Huang. den türkischen SufiScheich Muzaffer Ozak Al-Jerrahi. der Experte für kindliche Entwicklung Joseph Chilton Pearce und viele andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das Programm hatte eine Starbesetzung.Das Spiel des Bewusstseins 79 einige Monate vor Babas Tod. wie sich herausstellen sollte. Babas Vortrag bei der Konferenz der lTA in Bombay war. sein letzter öffentlicher Auftritt. der Physiker Fritjof Capra.

8o Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität zweiwöchige Pilgerreise zu verschiedenen heiligen Stätten in Indien und kehrten dann nach Ganeshpuri zurück. ihm persönlich zu begegnen oder mit ihm zu sprechen. auf der man in die unterirdische Tigerhöhle stieg. als sich die Tür zu Babas privaten Räumen lautlos öffnete und er hereinkam. Die Meditationshalle war das spirituelle Herz des Ashrams. wo Muktanandas eigener Guru und mächtiger Siddha Yogi Nityananda in einer Hütte gelebt hatte. wo er unsere Meditation »anheizen« würde. . ging er auf Christina zu und presste etwa zwanzig Sekunden seine Daumen auf ihre Augäpfel. Doch meine Neugier überwog. dachte ich empört. darf meine Augen so behandeln wie Muktananda. Zwei Tage vor unserer Abreise änderte sich das überraschend. während die Bewohner und Besucher des Ashrams ihm ihren Respekt erwiesen und ihm Geschenke überbrachten. Wir hatten etwa fünf Minuten meditiert. denn der Tiger war Shiva geweiht. als ob wir keine weitere Gelegenheit bekommen würden. und so redete ich mir gut zu: »Hier passiert etwas sehr Interessantes. Eine der Türen führte zu Babas Schlafzimmer. ein weiterer beliebter Platz für Meditationen. Christina und ich trafen zur vereinbarten Zeit in der dunklen Meditationshalle ein und setzten uns auf ein großes Eell. Zweimal täglich erschien er im marmorgepflasterten Innenhof und saß dort in Stille. Noni. er würde meine Netzhäute durchbohren. Wir sollten um fünf Uhr morgens in die Meditationshalle kommen. um Muktananda nicht abzuwehren. dass Baba uns sehen wolle. dass ich das Gefühl hatte. Niemand. Seine Daumen drückten so fest zu. Ich empfand einen unerträglichen Schmerz und Druck im Kopf und musste mich zusammenreißen. Ohne ein Wort zu sagen. Dann kam er zu mir und tat das Gleiche. um dort unsere letzten beiden Wochen in Indien mit Baba zu verbringen. überbrachte uns die Botschaft. Es sah so aus. halte durch!« Und das tat ich. nicht einmal ein Siddha Guru. eine andere zu einer Treppe. Dort lag auch ein großes Tigerfell. sie war an dem Platz errichtet worden. Babas persönlicher Diener.

Wieder presste er beide Daumen auf unsere Augäpfel. Ein seliges Entzücken kosmischen Ausmaßes erfasste mich und endete in einem Zustand seliger Leere. vergleichbar dem. geschmückt mit mehreren Querstreifen aus Asche . Christina machte ähnlich tiefe Erfahrungen.dem Zeichen Shivas -. für die »zweite Runde«. dunklen Amethyst. lud uns Baba überraschend zu einem Darshan in seine privaten Räume ein. durch die alte Traumata heilten.geblieben sind uns nur die Erinnerungen an dieses bemerkenswerte menschliche Wesen und das Spiel des Bewusstseins. Ihr verrichtet meine Arbeit. Es war unsere letzte Begegnung mit Baba . dass er endgültig Abschied von uns nehmen wollte. das sich nach und nach in den Anblick eines mit Sternen übersäten Himmels verwandelte. Zu Beginn unseres Treffens schenkte er jedem von uns einen Meditationsschal und einen wunderschönen. Dann brach er sein Schweigen und sagte. hetonte er noch einmal. Es sei sehr wichtig. dass Baba uns um die gleiche Zeit in der Meditationshalle sehen wolle. ging aber diesmal noch einen Schritt weiter. Dann explodierte mein Kopf zu einem strahlenden Licht. Er drückte seine Stirn. auf unsere und blies heftig Luft in unsere Nasenlöcher. Dieses Mal löste das bei uns beiden positive Erlebnisse aus. Als wir schließlich aufbrachen.Das Spiel des Bewusstseins 81 Der Druck steigerte sich zu einer unerträglichen Intensität. wie er das nannte. Rückblickend wurde uns klar. . überraschte Baba uns mit den rätselhaften Worten: »Geht zurück und arbeitet weiter mit Menschen! Ich werde euch helfen. den ich erlebte. Erinnerungen an Missbrauchserlebnisse mit verschiedenen Männern in ihrem Leben kamen hoch. doch hei ihr gingen sie die ganze Nacht weiter. wir sollten den Amethyst in Gold fassen lassen und als Ring tragen. nachdem ich von Muktananda zum ersten Mal Shaktipat empfangen hatte.« Dann wies er uns an zu gehen. Am nächsten Tag überbrachte Noni uns die Botschaft. Sie empfand diesen Prozess als wichtige emotionale Verarbeitung. dass wir diese Ringe ständig tragen. das es verkörperte. kurz vor unserer Abreise. Am Morgen unseres letzten Tages im Ashram.

Die damit verbundenen hässlichen Intrigen wurden von der indischen und amerikanischen Presse weidlich ausgeschlachtet. und aufgrund dieser unverzeihlichen Fehler ihres Gurus verließen sie seinen Kreis. die im Rahmen der in­ dischen Kultur akzeptabel waren. . von westlichen Menschen jedoch missverstanden wurden. und führen sie zurück auf die dunklen Mächte.82 Teil i: Das Mysterium der Synchronizität Anhänger eines Gurus erklären Skandale. Einige seiner Anhängerinnen und Anhänger waren ent­ setzt. als es zwischen Chitvilasananda und Nityananda. Swami Muktanandas Licht muss sehr hell geschienen haben. den beiden Ge­ schwistern. er habe junge Mädchen sexuell miss­ braucht. zu heftigen Meinungsverschiedenheiten kam. aber der alte Zauber war verflogen. dass ein großes Licht auch große Schatten wirft. Wir haben auch wiederholt an Siddha-Ritualen teilgenommen. Wir haben uns von der Bewegung und ihrer Politik gelöst. in denen starke Kräfte wirkten und wir eine tiefe Verbindung zu der Energie ge­ spürt haben. die gegen Erleuchtung ankämpfen. denen er die Siddha-Yoga-Linie übertragen hatte. sind jedoch der SiddhaBewegung auf einer anderen Ebene verbunden geblieben. die wir »Shiva-Energie« nennen. denn seine Schatten waren beträchtlich und dunkel. Nach Muktanandas Tod spitzte sich die Lage noch weiter zu. die besagten. Christina und ich besuchten den Ashram in Ganeshpuri noch zweimal. oft damit. die sich laut Schätzungen auf über Hunderttausend beliefen. Für sie erwies sich Muktananda damit als Scheinheiliger. Baba er­ scheint uns weiterhin in unseren Träumen und verschiedenen an­ deren außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen. Andere schenkten diesen Gerüchten keinen Glauben oder versuchten sein Verhalten zu entschuldigen mit dem Hinweis auf fortgeschrittene tantrische Praktiken. Seine letzten Lebensmonate wurden geprägt durch häss­ liche Gerüchte. und die bereits existierende Kluft im inneren Kreis des Siddha Yoga und in der noch größeren Grup­ pe seiner Anhänger aus aller Welt. vertiefte sich dadurch noch. die im Umfeld ihres Meis­ ters passieren.

Ein Beispiel stammte von einem Mann. die in den verschie­ denen Ashrams regelmäßig angeboten wurden. dunkelhäutigen Mannes hängen lassen. wo er in verlassenen Minen nach restlichen Edelsteinen suchte. Wir hörten davon regelmäßig von Freunden und Bekannten. Zu jener Zeit wohnte er allein in einer baufälligen Hütte.Der Guru im Leben seiner Anhängerinnen und Anhänger 83 Der Guru im Leben seiner Anhängerinnen und Anhänger Ist der Siddha Yogi ein kosmischer Marionettenspieler? mit Swami Muktananda (Baba) und Siddha-Yoga war das er­ staunliche Auftreten von Synchronizitäten im Leben von Mukta­ nandas Schülerinnen und Schülern. die der Siddha-Yoga-Bewegung ver­ bunden waren. traten immer wie­ der Rednerinnen und Redner auf. die bemerkenswerte Geschichten über ihre Begegnungen mit Baba erzählten. beim Licht einer Kerze zu lesen. An den langen Abenden versuchte er. die ich bei meiner Einführung in die Welt des Sid­ dha Yoga erlebt hatte. Sie alle beschrieben in ihren Berichten phantastische Zusammentreffen von Ereignissen. Bei den Intensivwochenenden. Einer der früheren Bewohner hatte an der Wand der Hütte das Bild eines merkwürdig ausse­ henden. der eine rote Pu- E iner der ungewöhnlichsten Aspekte bei unseren Erfahrungen . ähnlich wie die. der eine Zeitlang in einer australischen Geisterstadt gelebt hatte.

Sadashiva. wurde sein Blick vom Gesicht des Mannes auf dem Foto gefesselt. die sich in den nächsten Tagen fortsetzten. der ihn zwischen seine Augen traf. stand mit einem Freund in solch einer Warteschlange.Ü. »Ich glaube. In den folgenden Jahren blieb er ein glühender Anhänger von Baba. Seine Schülerinnen und Anhänger bekamen ihren neuen Namen meistens. Lakshmi und so weiter.) hörte und erfuhr.d. Menschen aus dem Westen spirituelle indische Namen zu geben Yamuna. wo er kurz Kontakt zu ihnen aufnahm. auch wenn sein Name nicht auf dem Foto stand. um von Swami Muktananda ihren spirituellen Namen zu empfangen. Sie war etwas nervös und machte sich über ihre ängstlichen Erwartungen selbst ein wenig lustig. Durghananda. welche Namen Baba uns geben wird«. ein paar Worte zu ihnen sprach und ihnen eine Gabe oder Prasad überreichte. wo er von Shaktipat (Übertragung spiritueller Energie durch den Guru. »Er wird uns Creepa und Creepie (Kriecherin und Krie- . wenn sie beim Darshan in der Schlange zu ihrem Guru anstanden. schien aus den Pupillen dieses Mannes plötzlich ein Blitz hervorzuschießen. Zufällig handelte es sich dabei um eine Porträtaufnahme von Swami Muktananda. Während er ihm eine Weile in die Augen schaute. an einem Intensivwochenende teilzunehmen. Shivananda. Anm. Unsere Freundin. ich weiß. Er beschloss. Eine Reihe von weiteren Ereignissen dieser Art brachte diesen Mann schließlich in Babas Ashram in Melbourne. zu der Zeit eifrige Schülerin von Muktananda und Novizenanwärterin.84 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität delmütze trug und einen Stab aus Pfauenfedern in der Hand hielt. eine Freundin von uns. Das löste ganze Wellen von heftigen Emotionen und körperlichen Reaktionen in ihm aus. sagte sie grinsend. in wie vielen unterschiedlichen Formen es sich äußern kann. Eine von Muktanandas älteren Swamis. Als der Diamantenjäger an einem seiner einsamen Abende einmal den Kopf von seinem Buch hob. erzählte uns aus den Anfangsjahren ihrer Anhängerschaft die folgende Geschichte: Zu Muktanandas Lieblingsspielen gehörte es.

den sie nur wenige Minuten später bekam. Eine Erau aus Babas innerem Kreis suchte deshalb aus dem ortlichen Telefonbuch die Nummer eines Tierarztes heraus. Das Ergebnis dieses Erlebnisses und weiterer zufälliger Zusammentreffen war. machte sich eine Gruppe von Menschen aus seinem inneren Kreis immer vor ihm auf die Reise. Swami Muktananda verglich die Shakti-Energie. ohne Baba zu begegnen oder mit ihm in Kontakt zu kommen.Ü. Gebäude in einem besseren Zustand zu hinterlassen.Der Guru im Leben seiner Anhängerinnen und Anhänger 85 cher. die ihn bei seinen Streifzügen beschützen sollten. wo immer er sich gerade aufhielt. Der Tierarzt fuhr zum Ashram und untersuchte den Hund. um vor Ort ein Quartier für ihn zu finden. Auch er wurde schließlich ein eifriger Anhänger von Baba. Einer von ihnen schenkte Baba zwei große Hunde. ohne sich um den Ruf seiner jeweiligen Umgebung zu kümmern. Anm. Unter den Hunderten von Geschichten. damit er einen von Babas Hunden behandelte. die bei Shaktipat aktiviert wird und sich in den Kriyas äußert. galt als Karma Yoga. gern spazieren und machte sich furchtlos auf den Weg. Oft wählten sie für diesen Zweck heruntergekommene Gebäude in ärmlichen Gegenden und renovierten sie. den man rief. Obwohl er selbst keine Angst hatte. Auf dem Heimweg hatte er Kriyas . die wir an den Intensivwochenenden zu hören bekamen.« Zu ihrer Überraschung lautete der Name.) nennen. Während Babas Aufenthalt in Malihu wurde einer dieser Hunde sehr krank.d. als man sie vorgefunden hatte. »Kripananda« oder »Glückseligkeit der Gnade«. verdient eine besondere Beachtung. Baba ging. den Baba für die Dauer seines Besuchs bewohnte.Wellen von intensiven Emotionen. Wenn Swami Muktananda um die Welt reiste. um einen provisorischen Ashram daraus zu machen. dass er bereits wenige Tage später in der Meditationshalle saß und »Om Namah Shivaya« sang. und unter dem sie seitdem bekannt ist. oft witzelnd . Sie betrifft einen Tierarzt aus Malibu. bereitete er seinen Anhängern damit große Sorge. hei denen sein ganzer Körper zuckte.

die enorm ansteckend sei und die man sich leicht »einfangen« könne. ihm zu erzählen. Nachdem wir uns drei Stunden unterhalten hatten. Der Reporter hatte von diesem Thema nicht viel Ahnung und stellte Baba keine besonders interessanten Tragen. die zu Beginn der 1980er-Jahre passierten. und dort ein Interview mit ihm machen. philosophischen und spirituellen Aspekten von Tod und Sterben. Bei der ersten Geschichte geht es um eine ganze Reihe von Synchronizitäten. dass die Medienleute aus dem Ashram unzufrieden waren mit einem Interview. wurde Gabriel klar. dort Workshops zu halten und dann . dass Christina und ich in unserem Haus in Big Sur. das Baba zum Thema Tod gegeben hatte. Der Grund für seinen Besuch war. Es begann damit. Es gab jedoch ein Problem: Der Ashram würde nicht für unsere Reisekosten aufkommen. Ich sollte in den Ashram von Miami fahren. er sei in Big Sur auf der Durchreise und fragte. Kalifornien. wo sich Baba gerade aufhielt. und wir hatten zu jener Zeit nicht viel Geld. möchte ich gern einige Beispiele aus unserem eigenen Leben erzählen. von denen wir hörten. dass ich psychedelische Therapie mit Krebspatienten im Endstadium gemacht hatte und sehr interessiert war an den psychologischen. der zu Swami Muktanandas innerem Kreis gehörte. welche wirklich interessanten Eragen zum Thema Tod ein westlicher Psychiater und Bewusstseinsforscher einem Yogi gern stellen würde. Statt hier weitere Erfahrungen von Anhängern Babas wiederzugeben. sollte ich sie Baba lieber selbst stellen. einem Arzt. dass das Ganze nicht viel Sinn machte. Er holte sein Notizbuch hervor und bat mich.86 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität mit einer ganz ordinären Erkältung. Er erzählte uns. Außerdem waren wir gerade im Begriff. in die andere Hälfte der Welt nach Australien zu reisen. Statt Fragen für eine andere Person zu formulieren. Gabriel wusste. um etwas Wichtiges mit uns zu besprechen. ob er bei uns vorbeischauen könne. einen Anruf von Gabriel bekamen.

doch nach Miami zu flie­ gen. um an den Vorbereitungen für die Internationale Transpersonale Konferenz mitzuwirken. dass Esalen allen Mit­ gliedern seiner Belegschaft und den Teilnehmern der hier stattfin­ denden Seminare bei Bedarf Einzelsitzungen in Gestalttherapie anbot. Kurz nach unserer Entscheidung. . Deshalb erhöhte Esalen die Teilnehmerzahl für unseren Workshop. nicht mehr genug Platz haben würden. Fritz Perls (Begründer der Gestalttherapie. dass sie nicht an unserem Workshop teilnehmen konnten. Das Programm dort bestand meist aus vier parallel lau­ fenden Veranstaltungen. Und schließlich meldeten sich so viele Menschen an. Anm. was er über den Tod dachte. die auf dem Boden stattfand. Unmittelbar vor un­ serer Abreise nach Miami veranstalteten wir einen Workshop in Esalen. und für alle war die Teilnehmerzahl be­ grenzt. war für mich besonders verlockend. dass wir für die Atemarbeit. plötzliches Interesse an einem unserer Workshops hatte es bislang nie gegeben. Nach einer langen Diskussion beschlossen wir schließlich.Der Guru im Leben seiner Anhängerinnen und Anhänger 87 weiter nach Indien zu fliegen. häuften sich die Anmeldungen für unseren Workshop. und die Aussicht. Es lag nahe. zu hören. wenn wir allen zusagten. entdeckten wir. dennoch nach Miami zu fahren.) hatte eingeführt. Unsere Warteliste wuchs. Einer der parallel geplanten Workshops musste mangels Interesse ganz ausfallen. die 1982 dort stattfinden sollte. Mehrere Personen arbeiteten dann tatsächlich an ihrer Enttäuschung und ihrem Ärger darüber. wie die Anhänger von Muktananda solche Ereignisse zu nennen pflegten. und die beiden anderen wurden nicht voll. Als wir die Abrechnung für den Workshop bekamen. und wir mussten Leuten absagen. Begegnungen mit Baba waren im­ mer interessant. darin eine »Gnade des Gurus« oder Guru Kripa zu sehen. die zwei Rückflugtickets von Monterey nach Miami kosteten.Ü.d. dass sich die Differenz zwi­ schen unserem üblichen Honorar und diesem überbelegten Semi­ nar tatsächlich auf die Summe belief. Ein dermaßen großes.

dass Baba das Interview. Zu unserer freudigen Überraschung bekamen wir eine Zusage. ohne auch nur ein einziges Wort an uns zu richten. und fertigte uns mit einer herablassenden Geste ab. das am nächsten Tag stattfin­ den sollte.ein höchst ungewöhn­ liches. nur das hal­ be Intensivwochenende mitzumachen . Und wenn wir schon in Miami waren. ob wir das Intensivwochenende ganz oder nur halb bezah­ len mussten. die aussahen wie frisch aus der Drucker­ presse. machte ich nun ein Interview mit den Medienleuten des Ashrams zum Thema Transpersonale Psychologie. als wir uns ihm am Ende des ersten Tages in der Warteschlange mit einer Dankesgabe näher­ ten. das Liebesbekundungen und Be­ günstigungen mit völligem Desinteresse und kalter Distanz oder sogar persönlich abwertenden Kommentaren verband. Wir bestiegen ein Taxi und fuhren zum Flughafen.150 Dollar.Teil i: Das Mysterium der Synchronizität Als wir an einem Donnerstag im Ashram von Miami ankamen. Er fühlte sich nicht wohl und brauchte vor dem Intensivwochenende seine Ruhe. Die junge Frau am Eingang schenkte uns ein herzliches Lächeln und überreichte uns drei brandneue Fünfzig-Dollar-Scheine. doch jetzt stellte sich die Frage. wollten wir auch gern an dem Wochenende teilneh­ men. wollte Baba seinen Anhängern offensichtlich das Gefühl der eigenen Wichtig­ keit und Besonderheit nehmen und ihnen einen Dämpfer verset­ zen. dass der Guru uns eine Sonderbehandlung zuteil werden ließ. vor uns . er­ fuhren wir. nahezu ungebührliches Anliegen. »Baba will nicht. doch unser Flugzeug nach Melbourne ging bereits am späten Samstagabend. Wir baten Baba deshalb um Erlaubnis.« Alles schien darauf hinzu­ weisen. der vor uns in der Schlange stand. als wir die Meditationshalle betraten. abgesagt hatte. Dieses Gefühl verflog jedoch rasch. Eine weitere große Überraschung erwartete uns. »Hier ist euer Geld zurück«. Ihr seid seine Gäste. Er setzte sein Gespräch mit dem Mann fort. sagte sie. dass ihr bezahlt. Baba machte auch hier eine Ausnahme und erlaubte uns. Mit diesem »Wechselbad«. nur die Hälfte vom Gesamtpreis zu zahlen . Statt Baba zu befragen.

weil sie euch treffen möchten. Christiiina!« Der laute Ruf eines Stewards riss uns aus unserer melancholischen Stimmung. und in der Touristenklasse saß man ziemlich beengt. Irgendwie hatte sie etwas Besonderes. einquartieren können. klemmten wir uns in unsere unbequemen Sitze und ergaben uns etwas nie­ dergeschlagen unserem Schicksal. sie hätten uns für den ersten Tag und die erste Nacht im Haus ihrer engen Freunde.Der Guru im Leben seiner Anhängerinnen und Anhänger 89 den langen Flug nach Melbourne. ihr bei­ den müsst hundemüde sein«. Müde von einem langen Tag. sie habe eine junge Frau eingeladen. hätte ich euch in die erste Klasse gesetzt. während ihr in Melbourne seid. »Welche Überraschung! Wenn ich gewusst hätte. dass Greg und Annie beide enge Anhänger von Swami Muktananda waren. sagte sie entschuldigend. holten uns unsere guten Freunde und Gastgeber Muriel und Al Foote vom Flughafen ab. Sie hat Sterbebeglei­ tung gemacht wie ihr. vor allem. fragten wir uns. bis auf diese Frau. »Tut mir wirklich leid. wenn man wie wir lange Beine hatte. Beim gemeinsamen Frühstück sah Muriel plötzlich ganz klein­ mütig aus und erzählte uns. Aber ich habe für euch zwei Sitze in der Business Class. dass ihr mit dieser Maschine fliegt. Ich weiß. sogar im Badezimmer. dem berühmten australischen Opernsänger Greg Dempsey und seiner Frau Annie. Ich konnte sie alle abwimmeln. die sein ganzes Leben veränderte. entdeckten wir zu unserer Überraschung. Als wir schließlich in Melbourne ankamen. Als wir bei den Dempseys ein­ trafen.« Es stellte sich heraus. ob dies ein höchst unwahr­ scheinlicher Zufall war oder ein weiterer Wellengipfel im Ozean der Gnade unseres Gurus. Bei der Fahrt in die Stadt erzählten sie. mit uns zu frühstücken. Auf den nun bequemen Sitzen untergebracht. »Staaan. und sie klang so nett!« . dass dieser Ste­ ward vor einigen Jahren einen unserer Workshops besucht hatte und in den holotropen Atemsitzungen eine sehr positive Erfahrung machte. Über­ all im Haus hingen Fotos von Baba. »Viele Leu­ te haben mich angerufen. Das Flugzeug war voll.

weil wir »seine Arbeit taten«. und am nächsten Tag fuhren die Footes uns zum nahe gelegenen Black­ wood. Beim Frühstück hörten wir viele Geschichten über Baba und die wachsende Siddha-Yoga-Bewegung in Australien und ge­ wöhnten uns dabei an den australischen Akzent. war diese Frau. schien das Sinn zu machen. der die Ashram-Leute davon unterrichtete. Die Siddha-Magie schien weiter zu wirken. als sie gerade aus der Tür gehen wollte. wir sollten uns Ringe daraus machen lassen und diese immer tragen. Am Abend desselben Tages begann unser Workshop für Holotropes Atmen. Wie wir später herausfanden. uns zu unterstützen. schenkte er uns wahrscheinlich nicht zufällig gerade diese Steine. Wir verbrachten die Nacht in Greg und Annies Haus. ohne dass Muriel es wusste. Der Amethyst steht von alters her in dem Ruf. seinen Besitzer vor Vergiftungen zu schützen. Eine Teilnehmerin begann spontan »Om Namah Shivaya« zu tönen. ohne eine Ahnung zu haben. eine Verneinung. dass wir nach Melbourne ka­ men. wo ihr Haus und ihr Seminarzentrum standen. Keiner der Teilnehmenden wusste von unserer Verbin­ dung zu Swami Muktananda. wie sein griechischer Name besagt: »Methystos« bedeutet »vergiftet«. der Blauen Perle und der Blauen Person gemacht. Es war Baba. Da ich mit psychedelischen Substanzen arbeitete und Christina Alkoholprobleme hatte.90 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität Wie sich herausstellte. Von den 25 Menschen in der Gruppe hatten acht Erfahrungen mit dem Blauen Licht. Sie erzählte uns. und sie anwies. und der Buchstabe a steht für alpha privativum. was sie da eigent­ lich sang. und sie sei dann noch drangegangen. Ich habe bereits erwähnt (Seite 81). dass Baba bei unserem allerletzten Treffen jedem von uns einen wunderschönen. Ein weiteres interessantes Ereignis geschah zwei Jahre später. aus dem Siddha-Yoga-Ashram von Melbourne. . dunklen Amethyst schenkte und sagte. die im Siddha Yoga als äußerst verheißungsvolle und wichtige Schritte auf dem spiritu­ ellen Weg gelten. dass das Telefon geklingelt habe.

das 65. machten wir also Halt beim Juwelier und bestellten unsere Ringe. Die nachfolgenden sintflutartigen Regenfälle führten auf den unbefestigten Berghängen zu massiven Erdrutschen.) bis zum Ventana Inn. Ich. aber Christina hatte das starke Gefühl. war wochenlang gesperrt. an dem etwa dreißig Menschen teilnahmen. ver­ nichtete auf einer Strecke von etwa zwanzig Meilen die gesamte Vegetation der Gebirgszüge an der Küste. un­ serem ersten Stopp einer Workshop-Tournee durch ganz Europa. Anm. Babas Rat zu befolgen und unsere Amethyst-Steine in Gold zu fassen und Ringe daraus machen zu lassen. auch unsere. von der Hermitage des »Immaculate Heart« (Karmeliterkloster. Unser Start-Workshop in Paris war ein Wochenende für Holotropes At­ men.d. Der High­ way 1. dass wir Babas Vorschlag sofort in die Tat umsetzen sollten. Bei unserer nächsten Einkaufs­ fahrt nach Carmel. Wir waren zu jener Zeit knapp bei Kasse und konnten den Einkommensverlust der Honorare für mehrere Work­ shops nur schwer verkraften.000 Hektar der Ventana-Wilderness erfasste. Sämtliche Workshops in Esalen mussten ab­ gesagt werden. Es war nicht gerade der günstigste Zeitpunkt. Als wir zwei Wochen später nach Frankreich aufbrachen. die wegen der durch die Erdrutsche bedingten Umleitungen jetzt sieben statt die üblichen zwei Stunden dauerte. als ratio­ nalere Hälfte unseres Ehebundes. sie leide vor allem unter chronischen Bauchschmerzen. Das bedeutete schwere finanzielle Einbußen für Esalen und besonders für uns. In der anfäng­ lichen Vorstellungsrunde sagte Simone.Der Guru im Leben seiner Anhängerinnen und Anhänger 91 Kurz nach unserer Rückkehr aus Indien verwüsteten eine Reihe von Naturkatastrophen die Küste von Big Sur. eine unserer Teilneh­ merinnen. Wiederholte Un­ tersuchungen hätten keinerlei medizinische Ursachen erbracht. hätte das Projekt verschoben. holten wir unsere Ringe auf dem Weg zum Flughafen ab. Ein verheerendes Feuer. die sie in ihrem Alltag ziemlich beeinträchtigten. . die landschaftlich atemberaubend schöne Strecke zwischen dem Esalen-Institut und Monterey mit seinem Flughafen.Ü.

mit ihrer Forschungsreise zu beginnen. erzählte Simone uns. und auf ihrem Gesicht zeigte sich ein seliges Lächeln. mitten in die schmerzhafte Stelle. Erpicht darauf. um sich auszutauschen. Dann hielt sie den Atem an und lief purpurrot an. Sie erzählte mir. was passiert war. sie fühle sich zum ersten Mal seit Jahren schmerzfrei. Im weiteren Verlauf ihrer . Plötzlich stieß sie einen so grauenhaften Schrei aus. darunter auch wiederholte sexuelle Missbrauchserfahrungen mit einem Verwandten. entdeckte sie. ihren Bauch anzuspannen. fiel in eine tiefe Entspannung. Simone presste ihren angespannten Bauch gegen meine Hand. Nach etwa einer Stunde begann sie laut zu schreien und bat mich. Dann ermunterte ich sie. In solchen Situationen verstärken wir den Schmerz meist durch äußeren Druck und ermutigen die Betreffenden. und fragte mich. der Sache mit Hilfe der Atemarbeit auf den Grund zu kommen. der darum kämpfte. ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen. geboren zu werden.s Erste atmen könne. und ihr Gesicht verzerrte sich vor Schmerz immer mehr. fragte sie ihre Atempartnerin. Etwas später erzählte sie mir. ihre emotionalen Reaktionen auf diese Berührung mit Hilfe von Stimme und Körper ganz herauszulassen. ob sie a. dass ein Teil ihrer Unterleibsschmerzen mit den Qualen des Fötus zusammenhing. Während sie noch einmal die schwierige Passage durch den Geburtskanal erlebte. an der ich den Ring trug. Als die Gruppe abends zusammensaß. Ich bat Si­ mone. Dann ging die Erfahrung noch tiefer. und Simone erinnerte ihre biolo­ gische Geburt. zu ihr zu kommen. ob ich nicht etwas dagegen unternehmen könne. ihre Bauchschmerzen seien noch stärker geworden. wie ich ihn in meinem ganzen Leben noch nicht gehört hatte. Zu Beginn ihrer Atemsitzung durchlebte sie noch einmal meh­ rere Ereignisse aus der Zeit nach ihrer Geburt. die mit Bauch­ schmerzen verbunden gewesen waren.92 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität und sie hoffe. Dann atmete sie normal weiter. Ihre Sitzung war sehr intensiv und verbunden mit viel Weinen und körperlichen Kämpfen. und drückte mit der rechten Hand.

son­ dern auch mit der Farbe Blau. erzählte sie beim Austausch in der Gruppe. zeigten ihn mit seinem Lehrer. die noch überall in der Stadt an Säulen und Wänden zu sehen waren. weil ihre Schmerzen weiter Zunahmen. das unbeschreiblich schön war. dass Simone ihre Heilungserfahrung nicht nur mit dem Amethystring und Swami Muktananda verband. Er trug eine dunkle Brille und eine Wollmütze und hielt einen Strauß Pfauenfedern in der Hand. Und in dem Licht erschien das Bild dieses indischen Gurus. die Stadt besucht und ein Intensivwochenende veranstaltet. das ist er.« Ein paar Wochen vor unserem Eintreffen in Paris hatte Swami Muktanandas Nachfolger. mich ihm zu stel­ len. Ein ko­ mischer Kerl!«. »Der Schmerz nahm ständig zu und wurde absolut unerträglich. bestätigte sie und fügte dann hinzu: »Aber sein Auftauchen hing auch mit Ihrem Amethystring zusammen. An dem Punkt beschloss sie. bei de­ nen es um Gewalt und Missbrauch ging. Und dann auf einmal war es nicht mehr nur mein Schmerz es war der Schmerz aller Menschen! Im nächsten Augenblick ex­ plodierte alles zu einem tief blauen Licht.Der Guru im Leben seiner Anhängerinnen und Anhänger 93 Sitzung sah Simone Szenen aus der Menschheitsgeschichte. Simone sprach mich mehrere Jahre später in einem französischen Work­ shop erneut an und erzählte mir. Aber ich wollte nicht aufgeben und war entschlossen. spielen Visionen von Blauem Licht und der Blauen Person im Siddha Yoga eine wichtige Rolle und gelten als äußerst verheißungsvoll. und zeigte es Simone mit fragendem Blick. Wie ich bereits erwähnte. Das blaue Licht schien direkt aus diesem Ring zu kommen. holte ein Bild von Swami Muktananda hervor. »Ja. Christina griff in ihre Brieftasche. der junge Nityananda. den man hier in Paris überall auf Plakaten sieht. wie es damals für sie weiterge­ gangen war: Nach unserem Pariser Workshop waren ihre Schmer­ zen nicht mehr zurückgekehrt. was passierte. als Sie Ihre Hand in meinen Bauch drückten«. »Unglaublich. das sie zufällig bei sich trug.« Es war interessant. mich zu rufen. Die Poster. .

die normalerweise im Verbor­ genen blieben. Das verlieh ihm die übermenschliche Statur eines kosmischen Puppenspielers. was in ihrem Leben gerade geschah. mit denen sie die alltägliche Realität beeinflussen. Auf diesem Weg sei er Teil dieser Reiche geworden und damit auch der Mechanismen. Dieses Phänomen faszinierte mich. während seiner über vierzig Jahre langen Pilgerreise durch Indien und seiner rigo­ rosen spirituellen Suche habe er viele Erfahrungen mit höheren Dimensionen der Existenz gemacht. Er erzählte Ama auch. Er erklärte ihr. die seit mehr als fünfundzwanzig Jahren Babas Schülerin war. Und diese Visi­ onen von seinen Besuchen standen offensichtlich immer in einem engen Zusammenhang mit den konkreten Lebensumständen der betreffenden Personen. der das Leben seiner mehreren zehntausend Anhänger und Schüle­ rinnen überwachte und hinter der Bühne der materiellen Realität die Fäden lenkte. Er erschien seinen Anhängerinnen und Anhängern im Traum. dass Baba immer wusste.94 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität Es war wirklich erstaunlich. Und während er sein Bewusstsein ganz gezielt auf Farbe. . So koche er zum Beispiel liebend gern. erzählte er Ama. Doch seine harte spirituelle Suche habe ihn vor allem eins gelehrt: sich an erster Stelle auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und die einfachen Dinge im Leben zu schätzen. Baba habe über die großartige Phantasie seiner Anhänger gelacht. um notwendige Informationen einzuholen. Viele seiner Anhänger schlossen aus diesen erstaunlichen Parallelen. wie viele Synchronizitäten wir als Ba­ bas Anhänger selbst erlebten und in seinem Umfeld beobachteten. in der Meditation und in psychedelischen Sitzungen. herauszufinden. wie Baba selbst dazu stand. Sie war einver­ standen und erzählte mir dann. und tatsächlich aktiv entsprechende Situa­ tionen schuf. er könne sich bei Bedarf in der Medita­ tion innerlich auf die unterschiedlichsten Dimensionen konzen­ trieren. um ihr spirituelles Wachstum zu fördern. was viele über­ sinnlich begabte Menschen können. und so bat ich einmal Swa­ mi Ama.

erlebten Tausende seiner Anhängerinnen und Anhänger ihn als bewussten und aktiven Gestalter ihres Lebens.Der Guru im Leben seiner Anhängerinnen und Anhänger 95 Form. sagte er mit einem schelmischen Lächeln. dass er das Leben von Tausen­ den seiner ergebenen Schülerinnen und Schüler überwache und erstaunliche Synchronizitäten und spirituell bedeutsame Ereignisse für sie inszeniere. Geruch und Geschmack der Zutaten für sein Essen ausrich­ tete. . Ich mache es mir im Leben gern leicht«. Er amüsierte sich köstlich über die Vorstellung. »Das wäre mir zu viel Arbeit. die genau auf sie zugeschnitten waren.

Deutschland und im Nordamerika des 17. Nicht selten treten diese Erlebnisse je­ doch auch in beeindruckenden Serien oder gehäuft auf. Gelegentlich hatte sie auch Visionen von archetypischen Gestalten und Tieren. Von besonderer persön­ licher Wichtigkeit waren für sie Pfauen und weiße Schwäne . Manchmal regredierte sie dabei zum Kind und Kleinkind und machte die schmerzlichen Erfahrungen aus dieser Zeit noch einmal durch. Christinas spontane Erfahrungen waren immer sehr reich und enthielten zahlreiche Elemente aus verschiedenen Schichten des persönlichen und kollektiven Unbewussten. dann wieder er­ lebte sie das Trauma ihrer eigenen biologischen Geburt. Wir haben diese vermehrten Synchronizitäten in der psychedelischen Thera­ pie. bei denen es sich offensichtlich um Ausschnitte aus Erinnerungen an ver­ gangene Leben in Russland. von denen ich in der folgenden Geschichte erzähle. beim Holotropen Atmen und in psychospirituellen Krisen im Laufe der Jahre oft beobachtet und persönlich erlebt. Jahrhunderts handelte.g6 Teil v. Zu diesen Erlebnissen gehörten auch eindringliche Erfahrungen. die spontane oder induzierte holotrope Bewusstseinszustände erleben. spielten sich in einem unserer einmonatigen Seminare in Esalen ab. Die Ereig­ nisse. Das Mysterium der Synchronizität Der Tanz des weißen Schwans Mit dem Geisterkanu der Salish in die Unterwelt reisen V ereinzelte Synchronizitäten kommen im Leben von Menschen.die . extrem häufig vor. zu einer Zeit. als Christina ihre spirituelle Krise durchmachte.

verbunden waren. Michaels Entdeckungen über den Weg der Schamanen und ihre unglaubliche innere Welt begannen 1960. Er machte eine unbeschreibliche visionäre Reise durch gewöhnlich unsichtbare Dimensionen der Existenz. müsse er den heiligen Trunk des Scha­ manen probieren. als das »American Museum of Natural History« ihn einlud. die sie studier­ ten. eine einjährige Expediti­ on zum peruanischen Amazonas zu unternehmen. die als »visionäre Anthropologen« bekannt waren. die eine ganze Nacht dauerten.Der Tanz des weißen Schwans 97 Vögel. Sei­ ne Informanten sagten ihm. bei der er seinen eigenen Tod erlebte. ganz gleich. Peter Fürst. um Trancetänze. Dick Katz. Swami Muktananda. nahm er Ayahuasca. Ihren Ratschlag befolgend. von den Indianern »Seelenwein« oder »kleiner Tod« genannt. ob es dabei um die Einnahme von be­ wusstseinsverändernden Substanzen wie Peyote. Viel­ mehr nahmen sie an den Zeremonien der Kulturen. . Michael gehörte zu einer Gruppe von Forschern. einmonatigen Seminar hatte Christina eines Tages eine besonders intensive und bedeutungsvolle Vision von einem weißen Schwan. oder um andere nichtpharmakologische »Technologien des Heiligen«. ein bekannter Anthropologe und guter Freund. die eng mit Siddha Yoga und Christinas spirituellem Lehrer. außergewöhnliche Offenba­ rungen über die Natur der Wirklichkeit hatte und entsprechende Einsichten gewann. ein Gebräu aus dem Absud der Dschungel-Liane Banisteriopsis caapi und der Kawa-Pflanze. Christian Raetsch und Carlos Castaneda ihre anthropologische Feldforschung nicht mit der Haltung eines distanzierten akademischen Beobachters. aktiv teil. In dem bereits erwähnten. wenn er wirklich etwas über diese Menschen erfahren wolle. um die Kultur der Conibo-Indianer im Flussgebiet des Ucayali zu studieren. Im Gegensatz zu traditionell ausgerichteten Mainstream-Anthropologen betrieben Michael und seine Kollegen wie Barbara Meyerhoff. magische Pilze. Unser Gastreferent für den folgenden Tag war Michael Harner. Ayahuasca und Datura ging.

Anm. die er bei dieser visionären Reise hatte.Ü. um in Workshops damit zu experimentieren und sie westlichen Menschen beizubringen. und seine Erfahrungen mit Ayahuas­ ca außerdem Parallelen zu bestimmten Passagen aus dem Buch der Offenbarung aufwiesen. einem Stamm aus Ecua­ dor. dem Saft einer Brugmanisa-Spezies von Datura. Er beschloss. Bei unserem einmonatigen Workshop leitete Michael uns mit Hilfe der Methode des »Geisterkanus«.d.). einer Pflanze mit äußerst wirkungsvollen psychoaktiven Eigenschaften. die er zusammengestellt hatte.) geschrieben. Akachu. Diese und andere Erfahrungen machten aus Michael . zu einer Heilungsreise . einem Meisterschamanen.98 Teil l: Das Mysterium der Synchronizität Als er später feststellte. Drei Jahre später kehrte Michael nach Südamerika zurück. gelangte Michael zu der Überzeugung. und sein Schwiegersohn führten ihn zu einem heiligen Wasserfall tief im Dschungel des Amazonas und gaben ihm einen Trank aus Maikua. die Erlebnisse gut bekannt waren.Ü. Hier machte er eine weitere wichtige Initiationserfahrung. dass einem Ältesten der Conibo. eine Sammlung von zahlreichen schamanistischen Methoden aus aller Welt. die erforscht werden musste. die für seine Entdeckungen über den Weg des Schamanen von grundlegender Bedeutung war. die sich der Lehre schamanistischer Methoden für interessierte Studentinnen und Studenten widmete und schamanistische Workshops für die Öffentlichkeit anbot. Anm. bei dem er 1956 und 1957 gelebt und geforscht hatte. dass es tatsächlich eine verborgene Welt gab.d.einen fähigen Prak­ tikanten und Lehrer des Schamanismus. so viel wie möglich über Schamanismus in Erfahrung zu bringen.einem Anthropologen mit gutem akademischem Ruf . um Feldforschung bei den Jivaro zu betreiben. ein berühmter Schamane der Jivaro. Er gründete mit seiner Frau Sandra zusammen die »Foundation for Shamanic Studies« (Gesellschaft für schamanistische Studien. die der Indianerstamm der Salish im Nordwesten Amerikas praktiziert. Michael hatte ein Buch mit dem Titel Der Weg des Schamanen (Genf: Ariston Verlag 1981.

war das ein Zeichen dafür. bat Michael die Gruppenteilnehmer. würde er mit seiner Trommel das Tempo unserer Ruderschläge vorgeben und nach Seelentieren Ausschau halten. eilig zurückzurudern. Wir hatten mit Michael schon mehrmals das Geisterkanu der Salish bestiegen. dass er das gesuchte Tier gefunden hatte. Nachdem jetzt alle Vorbereitungen für die Heilungsreise ge­ troffen waren. und bat sie. sich mit einem bestimmten Tier zu identifizieren. so Michael. schwimmenden und fliegenden Bewegungen nach. klammernden. dass sie ein Geisterkanu bildeten. um Christinas Seelentier wiederzufinden. Würde ein bestimmtes Krafttier dreimal auftauchen. sich hinzulegen. bis sie das Gefühl hatten. miteinander verbundenen Höhlen. als Bootsmannschaft aus lauter Tieren in die Unterwelt zu fahren. Als jeder Kontakt mit einem bestimmten Tier aufgenommen hatte. Es dauerte nicht lange. sollten wir uns vorstellen. und Christina meldete sich. die sich unter weiten Teilen Kaliforniens erstrecken sollen. indem er seine Trommel schlug und die Teilnehmenden aufforderte. Er würde es dann packen und der Mannschaft des Bootes durch schnelles Trommeln das Signal geben.und Vogelstimmen. Das erste Mal hatten wir uns nicht besonders viel . sprangen durch die Gegend und ahmten alle möglichen kletternden. Er begann diese Zeremonie. Als Ziel für diese spezielle Phantasiereise wählte Michael die unterirdischen. dass es Zeit war. Mit seiner Trommel im Arm bestieg Micha­ el »das Boot«. ihm zu folgen. ob jemand in der Runde Heilung brauche. sich in einer Art Spindelform auf den Boden zu setzen und sich vorzustellen. Der Eingang war leicht zu finden. grabenden. Der Haupt­ raum von Esalen war erfüllt von vielen verschiedenen erkennbaren und nicht erkennbaren Tier. und die Leute krochen und krabbelten auf allen vieren. Dann fragte er.Der Tanz des weißen Schwans 99 an. Als Kapitän des Geisterbootes. winkte Christina. und in de­ nen heißes Wasser steht. sich zu bewegen und zu tan­ zen. denn die heißen Quellen in Esalen werden von dem Wasser aus diesen Höhlen gespeist.

Ihr Verhalten änderte sich so gründlich. Das Ganze klang nach einem unschuldigen Vergnügen . Christina wurde am ganzen Körper von heftigen Zuckungen erfasst. Doch gleich das erste Erlebnis mit dem Geisterkanu bewirkte bei uns allen einen Sinneswandel. Nach etwa zehn Minuten trommelte Michael deutlich schneller. hatte tiefe Auswir­ kungen auf ihre Persönlichkeit. um das Erbrochene darin aufzufangen. um uns wissen zu lassen.einer tollen Idee für ein Kinderspiel. und wir starteten zu unserer Reise in die Unterwelt. dass sie noch vor Ende des Monats eine der beliebtesten Personen in der Gruppe war. Wir anderen paddelten mit aller Kraft und stellten uns vor. Sie war darüber sehr unglücklich. Während Michael mit schnellen Trom­ melschlägen das Signal für die Rückkehr gab. hatte sie genau in dem Augenblick. und schon bald war der Rock voll. wo Michael ihr Seelentier erkannte und packte. . die durch ihr Verhal­ ten alle gegen sich aufbrachte. bei dem körperliche Phänomene wie dieses häufig auftreten. mit der sie zu tun hatte. Das war als solches nicht ungewöhnlich. eilig nach Mittelerde zurückzukehren. aber für reife Erwachsene vielleicht etwas albern. Sie hob ihren Rock. Dieses Ereignis.aoo Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität davon versprochen. denn sie befand sich mitten im Pro­ zess ihres Kundalini-Erwachens. sehr heftig reagiert. dass er Chris­ tmas Seelentier gefunden hatte. setzte die junge Frau sich plötzlich auf und musste sich unter stoßartigen Krämpfen mehrmals übergeben. mit denen wir uns identifizierten. Als das Phantasieboot durch die »Unterwelt« fuhr. Sie meldete sich freiwillig für eine Heilungsreise. An jener Gruppe nahm eine junge Frau teil. denn das Gleiche war ihr in ihrem Leben bislang in fast jeder Grup­ pe passiert. auf das später ähnliche folgten. Wir alle paddelten und stießen die Laute der Tiere aus. Durch dieses Erlebnis. Michael begann nun zu trommeln. das kaum eine halbe Stunde dauerte. hatten wir vor dieser Methode wirklich Respekt bekommen.

was ein lautes Geräusch erzeugte.Der Tanz des weißen Schwans 101 Michael hörte auf zu trommeln und gab uns damit das Zeichen. dass die Reise zu Ende war. Die Briefe­ schreiberin wollte Christina damit eine Freude machen. das die Kriterien für Synchronizität oder das »Prinzip akausaler Zusammenhänge«. dass der Schwan in ihrem Leben wie­ derholt eine große Rolle gespielt hatte und für sie ein sehr wich­ tiges persönliches Symbol war. klar erfüllte.G. in einem Tanz vor der Gruppe ihre Schwanenenergie zum Ausdruck zu bringen. Auf dem Foto saß Muktananda mit schelmischem Gesichtsausdruck in einer Hollywoodschaukel. Christina bekam einen Brief von einer Frau. .« Er bat sie. bildet all das zusammen zweifellos ein bedeutsames psychisches Muster. und dem Foto von Muktananda keine kausalen Zusammenhänge gab. und neben ihm stand ein großer Blumentopf in Form eines Schwans. die vor einigen Monaten an einem unserer Workshops teilgenommen hatte. dass Michael zu diesem Zeitpunkt nichts von Christinas innerem Prozess wusste und auch keine Ahnung davon hatte. dass Michael den Schwan als ihr Krafttier wählte. Muktanandas linker Zeigefinger wies auf den Schwan. noch eine Fortsetzung. dem üblichen Signal dafür. als Christina und ich zu unserem Briefkasten am Highway liefen. der Tatsache. Wichtig ist hier zu erwähnen. um unsere Post zu holen. In dem Umschlag befand sich ein Foto von Christinas spirituellem Lehrer Swami Muktananda. Er stellte seine Trommel ab. Auch wenn es zwischen Christinas inneren Erfahrungen. wie C. Dann flüsterte er ihr ins Ohr: »Dein Seelentier ist ein weißer Schwan. Jung es definiert hat. Daumen und Zeigefinger seiner rechten Hand schlos­ sen sich zu einem Kreis. Die Geschichte hatte am nächsten Morgen. presste seine Lippen auf Christinas Kreuzbein und blies mit aller Kraft dagegen. dass etwas genau den Punkt traf.

nahm im . während sie spät nachts noch im Labor arbeitet. als die schwer schuftende. D oug Trumbull. Während Michael Brace mit Hil­ fe dieser Erfindung die Beziehung zu seiner Frau Karen kitten wollte. Doug hatte für den Film 2001: Odyssee im Weltraum mit Stanley Kubrick zusam­ mengearbeitet und die Spezialeffekte für die Filme Andromeda. um bei einem Science-Fiction-Film. das Computer-Genie Michael Brace und die hochintelligente Forsche­ rin Lillian Reynolds. Blade Runner und Unheimliche Begegnung der dritten Art gemacht. und es später abspielen. Die Handlung nahm eine interessante Wende. um aufzunehmen. Lautlos im Weltraum. fühlten und dachten. kommerzielles und militärisches Po­ tenzial zunutze zu machen. Er traf gerade Vorbereitungen. planten andere Mitglieder des Forscherteams die Erfindung für fragwürdigere Zwecke einzu­ setzen und sich ihr sexuelles. von der er sich entfremdet hatte. kettenrauchende und koffein­ süchtige Lillian einen Herzanfall bekommt. Mit diesem Helm konnte man sich an die Psyche anderer Men­ schen anschließen. der menschliche Erfahrungen aufzeichnen und wiedergeben konnte. Regie zu führen. Bei dem faszi­ nierenden Plot des Films ging es um ein Wissenschaftler-Duo. den Metro-Goldwyn-Mayer unter dem Titel Brainstorm herausbringen wollte. Bis zuletzt neugierige Wissenschaftlerin. ein Zauberer von Spezialeffekten. was sie sahen.102 Teil i: Das Mysterium der Synchronizität Die Entstehung des Films Brainstorm Unser Hollywood-Abenteuer Jahr 1981 zu Christina und mir Kontakt auf. die zusammen einen Helm entwickelten.

Der Produzent war John Foreman. dass Christina und ich unter dem Titel The Inner Journey eine Dia-Show über ein Erlebnis mit Tod und Wiedergeburt zusammengestellt hatten. fragten sie uns. Als Doug Trumbull und John Foreman hörten.Die Entstehung des Films Brainstorm 103 beschließt sie. Die Einladung bot uns die Chance zu einem längeren Aufenthalt in Hollywood. Doug wollte dieses Erlebnis nicht nur mit den besten Spezialeffekten darstellen. Er hatte gehört. sondern sich dafür auch die wissenschaftlichen In­ formationen der modernen Bewusstseinsforschung über Tod und Sterben zunutze machen. Schauspieler und Crew besuchten eine von mir zusammenge­ stellte. Zu den Dar­ stellern gehörten unter anderem Natalie Wood. und es gelingt ihr. um ohne Drogen außergewöhn­ liche Bewusstseinszustände auszulösen. den Helm aufzusetzen und die Maschine kurz vor ihrem Tod zu starten. Die weitere Handlung des Films dreht sich um diese Aufzeich­ nungen von ihrem eigenen Tod. Er setzte sich mit uns in Verbindung und fragte uns. Die meisten Bilder zeigten Erfahrungen aus der psychedelischen Therapie. aber einige stammten auch aus den Sitzungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an unseren Trainings und Workshops für Holotropes Atmen. mit Dias bebilderte Sondervorstellung über die neue Karto­ graphie der Psyche. ob wir als Spezialberater für die visionären Erlebnisse in die­ sem Film in seinem Team mitwirken würden. bekannt für Filme wie Der große Eisenbahnraub und Butch Cassidy und Sundance Kid. wo wir die Entstehung eines Films miterleben würden. die auf Beo­ bachtungen aus der klinischen Forschung über psychedelische Therapie basierte. Christopher Wal­ ken. ob wir . Louise Fletcher und Cliff Robertson. die zu der Zeit ver­ fügbar waren. ihr Sterben aufzuzeichnen. dass wir eine Technik entwickelt hatten. die sich bei meinen Studien über außerge­ wöhnliche Bewusstseinszustände abgezeichnet hatte. denn Brainstorm handelte von einem faszinierenden Thema und hatte eine Starbesetzung. Wir fanden diese Aussicht sehr aufregend.

denen man es verabreicht. besser zu verstehen. verlieren nicht das Be­ wusstsein. erleben sie phantastische Abenteuer in anderen Wirklich­ keiten. Sie verwandeln sich in andere Personen. Als sie bei ei­ ner Atemsitzung Begleitperson war. Mitten in unserem Gespräch fragte sie mich plötzlich: »Stan. Für Natalie war es interessant. dass sie nicht spüren. wo das Nacktbaden in den berühmten heißen Quellen und dem offenen Swimmingpool einfach dazugehörte. Als ich eines Tages mit Natalie beim Mittagessen zusammen­ saß. der im Institut arbeitete und im Austausch dafür an Workshops teilnahm). was außergewöhnliche Bewusstseinszu­ stände betraf. kennst du eine Droge namens Ketalar?« Ketalar oder Ketamin ist ein starkes Anästhetikum. aber für unsere Hollywood-Freunde war es doch etwas ungewöhnlich. andere Lebens­ formen und sogar in nicht organische Gegenstände. denn vor einigen Jahren hatte sie als Hauptdar­ stellerin an dem Film Bob & Carol & Ted & Alice mitgewirkt . Esalen persönlich kennenzulernen.104 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität ihrem Team diese Erfahrung vermitteln könnten. Da Brainstorm um einen außergewöhnlichen Bewusstseinszustand kreiste. das ziemlich anders wirkt als die üblichen Betäubungsmittel. fiel das gar nicht weiter auf. Während sie operiert werden. durchaus keine Anfängerin war. der neben ihr atmete. begegnen ver­ . Ihr Aufenthalt in Esalen erfüllte bestimmt die bei diesem Filmprojekt geweckten Erwartungen. bot dies allen an der Produktion des Films Beteiligten die einmalige Chance. sondern ihr Bewusstsein löst sich so weit vom Körper.einer Parodie auf Esalen und ähnliche Zentren für die Entwicklung des menschlichen Potenzials. um was es hier ging. auch an den Sitzungen für Holotropes Atmen. Man bezeichnet Ketamin auch als »dissoziatives Anästhetikum«. dass sie. In Esalen. was mit ihm passiert. zog sich der mexikanische Gastgelehrte (ein Mitarbeiter von Esalen. Fünfzehn Mitglieder der Filmcrew nahmen an unserem fünf­ tägigen Workshop in Esalen teil. erfuhr ich. denn Patienten. splitternackt aus und blieb die restliche Sitzung so.

reiste die Hollywood-Crew aus Esalen ab und startete mit großer Begeiste­ rung die Dreharbeiten für Brainstorm. Grund dafür ist das Phäno­ men. Unter anderem hatte sie das sichere Gefühl.nämlich die Tatsache. Glücklich über die hier gemachten Erfahrungen. dabei zu sein. Es beruhigte sie. ob ihre seltsamen Erlebnisse nach Verabreichung dieser Substanz nicht ein Indiz für eine latente Geisteskrankheit gewesen sein konnten. Natalie machte damals eine tiefe Erfahrung. das Sonnensystem zu verlassen und außerirdische Welten und Zivilisation zu besuchen. In vielen Ländern haben Chirurgen Ketamin inzwischen generell abgesetzt. besuchen andere Universen und machen tiefe mystische Erfahrungen. gab man ihr dieses Medika­ ment ohne irgendwelche psychologische Erklärungen. das sie als »emergence syndrome« bezeichnen . das sich gut als futuristisches Forschungsinstitut für Brainstorm eignete und wo auch das ideale Wohnhaus für Michael Brace und seine Frau . intravenös eine starke Dosis Ketamin verabreicht bekommen hatte. wo sie ein Gebäude gefunden hatten. Auch viele Tierärzte benutzen Ketamin weiter. North Caroli­ na. Vorberei­ tungen oder Vorwarnungen. Es stellte sich heraus. Wir hatten Gelegenheit. dass ihre Patientinnen und Patienten nach dem Erwachen aus der Narkose von seltsamen Visionen berichteten. denn sie hatte sich gele­ gentlich gefragt. dass diese phantastischen Erfahrungen eine absolut normale Reaktion auf Ketamin darstellten. mehrere Tage bei den Außenaufnahmen in Raleigh. von mir zu hören. Manche Ärzte verabreichen dieses Mittel nur noch Kindern und älteren Men­ schen.Die Entstehung des Films Brainstorm 105 schiedenen archetypischen Gestalten und nicht inkarnierten Wesen. mit denen sie in dieser Hinsicht weniger Schwierigkeiten erleben. Sie empfand dieses sonderbare Bewusstseinsabenteuer als erschreckend und verwirrend und war davon völlig überfordert. die mit Kaiserschnitt zur Welt gebracht werden musste. Wie damals unter Chirurgen üblich. erleben Erinnerungen an frühere Leben. dass Natalie bei der Geburt einer ihrer Töchter.

Natalie in ihrem Wohnwagen zu be­ suchen.io6 Teil i: Das Mysterium der Synchronizität stand. das uns in Anbetracht der kurz darauf folgenden. In der Zeit hatten wir auch Gelegenheit. als die Person. der nicht mit der restlichen Crew nach Esalen hatte kommen kön­ nen. Beide liebten dieses Boot und gingen damit häufig auf . wo sie an­ wesend ist. Ursprünglich hatte Natalie Chris’ Sitzung begleiten wollen. Sie fand die Sitzung sehr hilf­ reich. In Anbetracht ihrer Bekanntheit und der Öffentlichkeit der Ereignisse war diese Entscheidung verständlich. Jetzt bedauerte sie jedoch. die von Chris Walken und Natalie Wood gespielt wurden. Sie stell­ te uns auch ihren Ehemann Robert Wagner vor. den eigentlichen Dreharbeiten und der Sichtung des täglich gedrehten Filmmaterials dabei. sich Chris anzu­ schließen und selbst eine Sitzung zu nehmen. Viele unserer Gespräche bei diesem Besuch kreisten um ein Thema. wo sie sich zwischen den Dreharbeiten ausruhte. tragischen Ereignisse rückblickend unheimlich und wie ein böses Omen vorkam: Christina bemerkte an einer Wand des Wohnwa­ gens das Bild einer wunderschönen Yacht. die Natalie und Robert gehörte. diese Gelegenheit verpasst zu haben. sondern war als Betreuerin und Beobachterin anwesend. sich den letzten Teil der Aufzeichnungen von Lillians Todeserfahrung anhört. und Natalie hatte das Gefühl. Als die restliche Crew in Esalen Erfahrungen mit der Atemarbeit machte. hatte Natalie nicht selbst geatmet. Als die Dreharbeiten an die Westküste verlegt wurden. sich mit diesem äußerst schmerzlichen Ereignis in ihrem Leben endlich versöhnt zu haben. eine Atemsitzung. Das hätte gut zur letzten Szene von Brainstorm gepasst. und wollte die Erfahrung nachholen. die Chris spielte. der zufällig gerade vorbeikam. Kurz nach Beginn der Sitzung jedoch beschloss Natalie. Während unseres Aufenthalts in Raleigh gaben wir Chris Walken. Es ging dabei vor allem um den Tod ihres Vaters. begleiteten wir die Crew in die Hollywood-Studios und waren bei den Probe­ aufnahmen für viele Szenen.

stand eine wichtige Entschei­ dung an. Die Filmpro­ duktion hätte dann anschließend das bereits existierende Filmma­ terial sichten und sich den Spezialeffekten zuwenden können und damit dem Part. das sie am Tag vor Thanksgiving erlebten. und die Familie umsegelte häufig die Inselgruppe von Hawaii. an dem wir am meisten beteiligt waren und der uns entsprechend interessierte. Leider mussten wir Hollywood verlassen und konnten nicht bis zum letzten Tag der Dreharbeiten bleiben. einen Herzanfall hat und in ihrem Labor stirbt. wurden sie unweigerlich an ihre eigene Sterblichkeit erinnert. düsteren Stimmung.Die Entstehung des Films Brainstorm 107 Tour. mit denen Christinas Stiefvater befreundet war und die für sie als Kind ebenfalls wichtig gewesen waren. von Louise Fletcher gespielt. Auch Nata­ lie und Robert. Als die Szene über Lillians Tod schließlich zur Zufriedenheit aller Beteiligten gedreht worden war.000 Dollar teure Yacht. so stellte sich heraus. Segeln hatte auch in Christinas Kindheit eine wichtige Rolle gespielt. Die beiden erzählten uns viel über die 250. ihre luxuriöse Innenausstattung. um die restlichen Dreharbei­ ten mit den Hauptdarstellern zu Ende zu bringen. Die Crew stand vor zwei Alternativen: Sie konnte erstens das verlängerte Thanksgiving-Wochenende nutzen. Am Ende dieses Tages waren alle in einer ernsten. in der Lillian Reynolds. und ihre Darstellung machte auf die restliche Crew einen tiefen Eindruck. wie sich Louise in Todesqualen wand. die sie mit diesem Schiff unternommen hatten. Zu dem Zeitpunkt waren die wichtigsten Aufnahmen mit den Hauptdarstellern bis auf drei Szenen abgeschlossen. Die zweite Möglichkeit war. Später erzählten uns Mitglieder der Brainstorm-Crew das dramatische Finale. denn ihr Stiefvater besaß ein großes Segelboot. Während sie stundenlang zuschauten. machten gern Urlaub auf Ha­ waii und kannten viele Menschen. ihre Entsalzungsanlage und die vielen Kreuzfahrten. die . Louise spielte ihre Rolle hervorragend. Sie verbrachten den ganzen Tag mit den Probeaufnahmen und Dreharbeiten für eine eindrucksvolle Szene.

und der Film wurde fertig. Das sollte sich für den Film und für Natalie persönlich als eine fa­ tale Entscheidung erweisen. Beim Versuch. Bekannten und Fans ein Schock. und maß­ gebliche Leute bei MGM betrachteten das als sicheres Todesurteil für den Film. ist. Natalie und Robert planten. dass Natalie irgendwann die anderen allein ließ und versuchte. und Natalie lud auch Chris Walken ein. Am nächsten Mor­ gen fand man ihren toten Körper auf dem Ozean treibend. Das Bild hatte große Ähnlichkeit mit einer Szene aus Natalies Film Die Augen der Laura Mars. sich zu einigen. Was danach passierte. ihre Freunde. Was man weiß. Nach fast zweijährigem Produkti­ onsstopp konnten die Dreharbeiten wieder aufgenommen werden. um dort die Nacht zu verbringen. Sie sollte das Ufer nie erreichen. Ihr tragisches Ableben hatte auch negative Folgen für Brainstorm. ihm gelangen keine fließenden Über­ . ist bis heute nicht eindeutig geklärt. wies aber schwere Mängel auf. die SantaCatalina-Insel zu erreichen.io8 Teil i: Oas Mysterium der Synchronizität Dreharbeiten zu unterbrechen. und der Belegschaft fiel es sehr schwer. nicht wirklich füllen. dass Alkohol den Gleichgewichtssinn beeinträchtigt. Unwi­ dersprochen gebliebenen Medienberichten zufolge kam es im Vor­ feld zu heftigem Alkoholkonsum. der Nata­ lies Körper aus dem Wasser trägt. das einen Mann zeigt. Die Befürworter eines freien Wochenendes gewannen mit einer Stimme Mehrheit. Die Zei­ tungen veröffentlichten ein Foto. fiel sie vermutlich ins Wasser und ertrank. das Beiboot zu bestei­ gen. Es ist bekannt. Doug Trumbull war verzweifelt und versuchte Brain­ storm mit allen Mitteln zu retten. Doug konnte die Lücken. das Wochenende freizumachen und in der folgenden Woche die restlichen Szenen zu drehen. Sie beschlossen abzustimmen. die durch die fehlenden Szenen entstanden waren. Die Meinungen waren geteilt. an dieser Kreuzfahrt teilzunehmen. das Wochenende auf ihrer Yacht in der Nähe der Santa-Catalina-Insel zu verbringen. Drei der wichtigsten Szenen mit Natalie als Flauptdarstellerin konnten nicht mehr gedreht werden. Natalies Tod war für ihre Familie.

Leider endete dieses Vor­ haben tragisch. sondern tatsächlich zuschlug und das Projekt zu­ nichte machte.spirituelle Erfahrungen nicht nur darstellen. mit Hilfe der besten derzeitig möglichen Spezialeffekte die Todeserfahrung so darzustellen. künstlerische Dar­ stellung blieb. das die Transpersonale Psychologie und die Bewusstseins­ forschung zusammengetragen haben. Aufmerksame Zuschauer entdeckten die logischen Fehler im Film sofort. als der Tod keine symbolische. von denen wir damals nicht einmal träumten. Es fehlten die Gelder. die visionären Sequenzen. großartigen Bildtechniken mit dem Wissen ver­ binden.da bin ich mir sicher . an denen wir mitarbeiteten. Aber am negativsten wirkte sich die Krise.Die Entstehung des Films Brainstorm 109 gänge. das bei uns den starken Wunsch hin­ terließ. könnten wir . dass unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse über dieses Ereignis dabei umgesetzt wurden. Würden wir die heutigen. die durch Natalies tragischen Tod heraufbeschworen wurde. sondern beim Publikum auch auslösen. Das Brainstorm-Projekt war ein aufregender Versuch. auf die Spezial­ effekte aus. um Dougs und unsere Lieblingspläne zu ver­ wirklichen. Doch die Dreharbeiten zu Brainstorm waren ein bemerkenswertes Erlebnis. . Die phantastischen Fortschritte auf dem Gebiet der Spezialef­ fekte durch die digitale Technologie eröffneten in dieser Hinsicht neue Wege. die Darstellung visionärer Zustände auf der Leinwand noch einmal zu versuchen und diesmal mit Erfolg.

spiegelt sich wider. die wir eigentlich gar nicht wollen und brauchen. Ich habe im Laufe der Jahre mit vielen Menschen gearbeitet. so haben sie entdeckt. was wir erreichen wollen. die das Trauma unserer Geburt in unserer Psyche hin­ terlassen hat. um es dann zielgerichtet und fest entschlossen zu verfolgen. Unser Streben nach äußeren Errungenschaften ist eine Projektion des tieferen und grundlegenderen Antriebs.iio Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität Der Lauf des Wassers Begegnungen mit Präsident Vaclav Havel Z u den bemerkenswerten Aspekten der erlebnisorientierten Tie­ fentherapie mit anderen Bewusstseinszuständen gehören die Auswirkungen auf die Art und Weise. In dieser Lebens­ haltung. zu­ nächst einmal zu definieren. wie wir uns im Leben bewe­ gen und mit Herausforderungen und Projekten umgehen.wie potenzielle Feinde . die die psychischen Kräfte. Hindernisse auf dem Weg . der dieses Rezept befolgt. unseren Geburtspro­ zess psychisch abzuschließen und uns spirituell wieder verbunden zu fühlen.oder Boxkampf. Deshalb sind wir von der spirituellen Welt wie abgeschnitten und fühlen uns ihr entfremdet. die dieser Strategie zugrunde liegen. dass wir die Prägungen. Als vor­ bildliches Vorgehen in technologischen Gesellschaften gilt hier.zu erkennen und zu bekämpfen. . Das heißt auch. nicht verarbeitet haben. Unser Hunger nach äußeren Eroberungen wird nie ge­ stillt. Das Leben eines Menschen. denn wir gieren nach Dingen. verstanden haben und transzendieren konnten. gleicht einem ständigen Ring.

was taoistische Lehrer Wu Wei oder »kreative Stille« nennen. Wenn wir uns in diesem taoistischen Bezugsrahmen bewegen so habe ich wiederholt beobachtet und erlebt -. ist ein Leben. versuchen wir uns einzufühlen in den Lauf der Dinge und herauszufinden. erreichen wir letzten Endes mit weniger Anstrengung mehr. die richtigen Menschen tauchen zur richtigen Zeit auf. Das Ergebnis befriedigt nicht nur uns. festgelegtes Ziel zu konzentrie­ ren. So gehen wir auch in den Kampfkünsten und beim Surfen vor. bringt uns diese Strategie selbst dann keine Zufriedenheit. und die erforderlichen finanziellen Mittel fließen uns unerwartet zu. son­ dern um Tun durch Sein. sondern dient auch den umfassenderen Zwecken der gesamten Gemeinschaft. sondern bezieht andere mit ein und verknüpft die Dinge miteinander.Der Lauf des Wassers 111 Für Menschen. Unser Handeln ist dann nicht egozen­ trisch und konkurrenzorientiert wie beim Verfolgen persönlicher Ziele. Statt auf ein Ziel oder Ergebnis konzentrieren wir uns auf den Prozess. Manche sprechen hier auch vom Lauf des Wassers. Statt uns auf ein bestimmtes. Dabei geht es nicht um ehrgeiziges und entschlossenes Bemühen. denn dieser Weg entspricht dem Verlauf des Wassers in der Natur. die keine wirkliche Erfüllung bringt und bringen kann. wie wir uns hier am besten einfügen können. das beherrscht wird vom Streben nach materiellen Zielen. mit dem Trauma der Geburt ins Reine zu kommen und uns spirituell wieder verbunden zu fühlen. Aus dieser neuen Perspektive betrachtet. die zu dieser Einsicht gelangt sind. eine ein­ zige »Tretmühle« oder »Hetzjagd«. Die systematische und verantwortungsbewusste Selbsterforschung kann uns helfen. »Zufällig« stoßen wir genau auf die notwendigen Informati­ onen. die unser Projekt unterstützen und uns bei unserer Arbeit weiterhel­ fen. Wenn wir dem Leben so begegnen. Solche günstigen und außergewöhnlichen Synchronizitäten passie­ . Wir bewegen uns auf das zu. kommt es oft zu höchst fruchtbaren Zusammentreffen und Synchronizitäten. wenn wir die angestrebten Ziele tatsächlich erreichen.

nutzten wir unseren Besuch. Michail Gorbatschow rief das Zeitalter von »Glasnost« und der »Perestroika« aus. Doch dann änderte sich die Situa­ tion in der damaligen Sowjetunion. als wichtiges Kriterium dafür. was gerade in meinem Heimatland passiere. die zu jener Zeit nicht ins Ausland reisen durften. Da das umfassende Ziel aller Aktivitäten der ITA darin bestand. Im November gab ich außerhalb von Kalifornien ein Seminar für Holotropes Atmen. das nächste Treffen der ITA in Russ­ land abzuhalten. und denen die finanziellen Mittel fehlten. eine Organisation zu dem Zweck. ob ich wisse. dass Christina und ich gelernt haben. das unsere Arbeit in der internationalen transperso­ nalen Bewegung betrifft. ein globales Netzwerk für das gegenseitige Verständnis und die Zu­ sammenarbeit zu schaffen. anregen und fördern. zwischen westlichem Pragmatismus und uralter Weisheit zu überbrücken. Die Situation war offensichtlich noch zu instabil und schwankend. die mich fragte. ob eine solche Konferenz in Russland möglich war. und wir absolvierten . Wir bemühten uns wirklich sehr.112 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität ren dann so häufig. 1977 gründete ich die »International Transpersonal Association« (ITA). sie als eine Art Kompass für unsere Projekte zu nutzen. dass wir »auf der richtigen Spur« sind. Ich möchte das gern anhand eines Beispiels aus unserem Leben verdeutlichen. die Kluft zwischen moderner Wissenschaft und einer spirituellen Sicht der Welt. um eine Konferenz in diesem Land zu riskieren. um zu prüfen. Die ITA sollte ernsthafte Bemühungen. Da bekam ich einen Anruf von Christina. und es schien plötzlich durchaus möglich. doch ohne Erfolg. sich uns anzuschließen. vermissten wir bei unseren internatio­ nalen Konferenzen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Län­ dern hinter dem sogenannten Eisernen Vorhang. ein umfassendes und ausbalanciertes Verständnis des Kosmos und der menschlichen Natur formulieren. Als Christina und ich vom sowjetischen Gesund­ heitsministerium offiziell nach Moskau eingeladen wurden. Unser Training war sehr intensiv.

als wir erwartet hatten. sagte sie. dass unser nächstes Treffen dort stattfinden solle. und niemand von uns hatte Zeit oder Interesse. Aufgrund meiner langen Abwesenheit verlor ich . dass die Jahre. befand ich mich als Stipendiat an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore. sofort ins Land zu­ rückzukehren.Der Lauf des Wassers 113 täglich drei Sitzungen. 1968. Ich hatte die Tschechoslowakei zur Zeit der Hauptbefreiungsbewegung verlassen. den Fern­ seher anzuschalten oder die Nachrichten zu lesen. »Wäre es nicht großartig«. Durch Briefe oder Telefonate mit mir hätten sie sich in Gefahr gebracht. »wenn wir die nächste ITA-Konferenz in Prag abhalten könnten?« Wenige Wochen später war die Tschechoslowakei ein freies Land. Die Folge war. mich als Abgesandten zu schicken.sämtliche Verbindungen. mir viel weniger Vorteile brach­ ten. aber ich beschloss. Nach dieser Invasion wurde ich von den tschechischen Autoritäten aufgefordert.außer zu engen Verwandten . In der Zeit konnte ich auch keinen offenen Kontakt mit Freunden und Kollegen dort pflegen. Die neue Situation war mir fremd. die »einen Sozialis­ mus mit menschlichem Antlitz« schaffen wollte. dieser Anordnung keine Folge zu leisten und in den Vereinigten Staaten zu bleiben. und der ITA-Vorstand beschloss. denn mein Aufenthalt in den Vereinigten Staaten galt als illegal. Es stellte sich jedoch heraus. Christina teilte mir nun mit. Da ich in Prag geboren bin. die ich in meinem Geburtsland gelebt hatte. Wir waren tief in die innere Arbeit einge­ taucht. dass ich mein Geburtsland mehr als zwanzig Jahre nicht besuchen durfte. schien es naheliegend. . als der Prager Frühling durch den Einmarsch der Sowjetarmee brutal un­ terdrückt wurde. dass die »Velvet Revolution« im Anrücken war und das kommunistische Regime in der Tschechoslowakei wahrschein­ lich zu Fall kommen würde. und ich hatte keine Ahnung. um einen geeigneten Platz für diese Kon­ ferenz zu finden und vor Ort entsprechende Vorbereitungen zu treffen. wo ich überhaupt anfangen sollte.

trank eine Tasse Tee und dachte über meine Mission nach. Nachdem wir eine Weile zusammenge­ sessen und uns gegenseitig über unser Leben auf den neuesten Stand gebracht hatten. um neue Wege der westlichen Wissen­ schaft zu erforschen. Er war auch Vorsitzender einer Gruppe von progressiven Wissenschaft­ lern. von meiner Arbeit erfahren. das Telefon klingelte. Vassily war ein brillanter russischer Wissenschaftler. verließ sie das Haus. einen jüngeren Psychiater-Kollegen. der Bewusstseinsforschung und der trans­ personalen Psychologie. Ivan Havel und Tomás waren auf dem Gymnasium Klassenkameraden und waren enge Freunde geblie­ ben. Am Apparat war Ivan Havel. setzte ich mich in einen Sessel. Ich öffnete die Tür und erkannte Tomás Dostál. um eine Nachbarin zu besuchen und ein paar Besorgungen zu machen. um mich willkommen zu heißen. Plötzlich unterbrach ein lautes Klingeln an der Wohnungstür mein Sinnieren. des Sowjetdissidenten Vassily Nalimov.114 Teil i: Das Mysterium der Synchronizität Meine Mutter holte mich am Prager Flughafen ab. Allein in der Wohnung. Tomäs war häufig zu Gast bei Familie Havel gewesen und kannte auch Ivans Bruder Václav persönlich. der . Vor mei­ ner Abreise in die Vereinigten Staaten hatten wir eine Zeitlang ge­ meinsam außergewöhnliche Bewusstseinszustände erforscht und uns in unseren psychedelischen Sitzungen gegenseitig »Modell« gesessen. Zu meinem Erstaunen erfuhr ich. ein prominenter Forscher auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz und Bruder des (damaligen) tschechischen Präsidenten Václav Havel. Ihr besonderes Interesse galt dem Denken des neuen Paradigmas. Tomás hatte durch einen Bekannten von meinem Besuch in Prag erfahren und stand vor der Tür. Ivan Havels Gruppe hatte durch einen Vortrag eines meiner Freunde. die in der kommunistischen Ära heimliche Treffen im Unter­ grund abgehalten hatten. und wir nahmen ein Taxi zu ihrer Wohnung. mit dem ich in alten Zeiten eng befreundet gewesen war. als er seine Wohnung verlassen wollte. dass bei Tomás zu Hause genau in dem Augenblick.

).).Ü.nämlich eine Gruppe von hochkompe­ tenten Akademikern. Eine solch unglaubliche Überschneidung verschiedener Ereignisse bot mehr als genug Anzeichen dafür. Ivan Havel wusste. Zu seiner Überraschung teilte Tomäs ihm mit.d.Der Lauf des Wassers 115 achtzehn Jahre in einem sibirischen Arbeitslager interniert war. Wie sich herausstellte. beschlossen Christina und ich. Der Titel eines der Bücher von Vassily Realms oj the Unconscious (Reiche des Unbe­ wussten. Durch diesen wunderbaren Verlauf der Dinge ermutigt. Anm. und in seinem Vortrag für die Prager Gruppe hatte er meine Arbeit ausführlich erläutert. um herauszufinden. die mit dem Hochschulbetrieb verbunden waren und lebhaftes Interesse am Thema der geplanten Konferenz zeigten. und rief ihn an. seine Wohnung zu verlassen. dass wir eher »mit dem Strom« als »gegen ihn schwammen«. ob er meine Adresse oder Telefon­ nummer hatte und den Kontakt zwischen der Prager Gruppe und mir herstellen konnte. war dem Titel meines ersten Buches. um für unser zukünf­ tiges Treffen die idealen Kontakte und damit auch die optimale Un­ terstützung zu finden . Christina und ich hatten Vassily und seine Frau Zhanna zur ITAKonferenz in Santa Rosa als unsere Gäste nach Kalifornien eingela­ den und uns mit den beiden angefreundet. Durch Vassilys Referat auf mich aufmerksam geworden. mich als Gastredner einzuladen. Anm. sehr verwandt. Denn unter für mich fremden Umständen hatte ich nicht mehr als zehn Minuten gebraucht. Vassilys Buch enthielt auch einen aus­ führlichen Bericht über meine psychedelische Forschungsarbeit. ich sei zufällig gerade zu Besuch in Prag und er wiederum sei im Begriff.d.Ü. unser Projekt weiterzuverfolgen. . dass Tomäs und ich alte Freunde waren. kam mir die spektakuläre Konstellation von Ereignissen in meiner Rolle als Abgesandter für die ITA-Konferenz sehr zugute. Realms of the Human Unconscious (deutsch: Topographie des Unbewussten. um mich aufzusuchen. bekam die Prager Gruppe nun Interesse.

n6 Teil i: Das Mysterium der Synchronizität

Auf demselben Weg bekam ich auch Kontakt zum damaligen Staatsoberhaupt, das zufällig auch noch ein aufgeklärter und tief spiritueller Politiker und für die transpersonale Sicht offenwar. Die Konferenz fand 1993 unter der Schirmherrschaft von Präsident Václav Havel in der Prager Smetana Konzerthalle und im städ­ tischen Gemeindehaus statt. Präsident Havel war der ideale Ehrengast für eine ITA-Konferenz. Er war kein gewöhnlicher Politiker, sondern wurde häufig als »Staatsmann« bezeichnet - ein Staatsoberhaupt mit einer umfas­ senden, spirituell begründeten globalen Sicht. Václav war ein be­ kannter Stückeschreiber gewesen, und seine Präsidentschaft war kein Resultat eines jahrelangen Kampfes um politische Macht. Viel­ mehr nahm er seine Ernennung nur sehr zögernd an, um der drin­ genden Bitte des Volkes nachzukommen. Er wanderte praktisch direkt aus dem kommunistischen Gefängnis ins Prager Schloss. Ei­ ner seiner ersten Schritte nach Amtseinweihung bestand darin, Seine Heiligkeit, den Dalai Lama, als Oberhaupt der Tibeter anzu­ erkennen und zu einem Besuch einzuladen. Er bemühte sich auch ernsthaft darum, die gesamte Waffenproduktion in der Tschecho­ slowakei zu stoppen. Wo immer er auftrat, beeindruckte er sein Publikum durch seinen eindringlichen Ruf nach einer spirituell be­ gründeten Demokratie und globaler Solidarität. Leider fiel der Beginn der ITA-Konferenz zusammen mit einer schweren Krise, welche die Zukunft der Tschechoslowakei be­ drohte. Der östliche Teil des Landes, die Slowakei, hatte beschlos­ sen, sich von den beiden westlichen Teilen, Böhmen und Mähren, abzuspalten. An dem Tag, als die Konferenz begann, hielt die tsche­ choslowakische Regierung eine Krisensitzung ab, die bis drei Uhr morgens dauerte. Präsident Havel, der die Konferenz eröffnen und die Gäste willkommen heißen sollte, konnte nicht zu uns kommen und musste statt dessen einen Vertreter schicken, der seine persön­ liche Botschaft überbrachte. Trotz dieser Komplikationen war die

Der Lauf des Wassers 117

Konferenz, an der erstmals auch Kolleginnen und Kollegen aus Osteuropa teilnahmen, sehr erfolgreich. Sie sollte sich als DAS Er­ eignis in der Geschichte der ITA erweisen, über das am meisten gesprochen wurde. Unsere Enttäuschung darüber, dass Präsident Havel die ITAKonferenz nicht besuchen konnte, wurde dadurch gemildert, dass wir später Gelegenheit zu einem privaten Gespräch mit ihm beka­ men. Bei unserem nächsten Besuch in Prag lud er uns zu einer persönlichen Audienz ins Prager Schloss ein. Er äußerte großes In­ teresse an der transpersonalen Psychologie, ihrer Geschichte und ihren wichtigsten Vertreterinnen und Vertretern. Die Idee der Syn­ these von moderner wissenschaftlicher Weltanschauung und einer spirituellen Sicht der Welt faszinierte ihn ganz offensichtlich. Be­ sonders am Herzen lag ihm die Frage, welche Implikationen das transpersonale Denken für Politik und Wirtschaft haben könnte. Für Christina und mich sind die zweieinhalb Stunden, die wir mit ihm verbringen durften, ein unvergessliches Erlebnis.*

*

Anmerkung

des

Kösel-Verlags:

Im

Oktober von Václav

2007

wurde mit

Stanislav dem

Grof

im Award

Rahmen 2007

der aus­

Dagmar-und-Václav-Havel-Foundation gezeichnet.

Havel

Vision

«8 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität

Der Segen der Götter
Don Jose und die Regenzeremonie der Huichol

wir Kontakt auf zu Prem Das, einem jungen Amerikaner aus San Jose, der in Esalen Halt machte, um hier Kunstwerke der Huichol-Indianer aus Nordzentralmexiko zu verkaufen. Die Bilder und Objekte waren inspiriert von den psychedelischen Visionen, wel­ che die Huichol bei ihren Peyote-Zeremonien hatten, darunter wunderschöne Garnbilder, die mythologische Motive zeigten, Au­ gen Gottes und Gebetspfeile. Er verkaufte auch reich bestickte Hemden, Hosen, Kleider, Gürtel und Armbänder. Zu der Zeit, als Prem Das regelmäßig nach Esalen kam, lebte er in Mexiko, in einem Huichol-Dorf in der Nähe von Tepic, der Hauptstadt des Bundesstaates Nayarit, und ging in die Lehre von Don Jose Matsuwa, einem außergewöhnlichen, einhundertjährigen Schamanen. Wie wir erfuhren, hatte Prem Das eine sehr interessante spiri­ tuelle Lebensgeschichte: Im Alter von 11 Jahren nahm er an einer Untersuchung teil, die von Ernest R. Hilgard im Labor der Hypno­ seforschung an der Stanford-Universität durchgeführt wurde. Auch wenn es Hilgard lediglich darum ging zu erforschen, wie Kinder auf Hypnose reagieren, machte Prem Das in einer der Sitzungen eine eindringliche mystische Erfahrung, die in ihm ein tiefes Inte­ resse an der spirituellen Suche weckte. Gegen Ende seiner Teen­ agerzeit reiste er nach Indien und studierte Yoga bei Haridas Baba, einem berühmten Guru, der vor allem durch sein Schweigegelübde

W

ährend unserer Anfangsjahre in Big Sur, Kalifornien, nahmen

Der Segen der Götter 119

bekannt wurde. Haridas Baba war es auch, der ihm den Namen Prem Das gab. Nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten reiste Prem Das nach Mexiko und sah bei einem Besuch in Tepic ein Garnbild der Huichol, das die Reise des Schamanen oder mara‘akame ins Sonnenreich zeigte. Der Pfad des Schamanen war dargestellt durch sieben Blüten, was Prem Das stark an das Chakrasystem der Yogis erinnerte. Fasziniert von diesem Bild, beschloss er herauszufinden, von wem es stammte, denn er war sicher, dass der Künstler einem Glaubenssystem anhing, das dem Kundalini-Yoga ähnlich war. Seine Suche brachte ihn in ein Huichol-Dorf, wo er Don Jose kennenlernte, der ihn als Lehrling annahm. Das wichtigste spiritu­ elle Medium der Huichol, das auch Don Jose als grundlegendes Unterrichtsmittel benutzte, war Peyote, ein psychedelischer Kaktus mit dem botanischen Namen Lophophora williamsii oder Anhalonium lewinii. Prem Das schilderte uns die tragische Situation der HuicholIndianer. Diese Menschen, Abkömmlinge der Azteken, lebten in kleinen Gemeinschaften, die zerstreut in den Canyons und Tälern der zerklüfteten Bergwelt der Sierra Madre in den Bundesstaaten Jalisco und Nayarit lagen. Sie lebten von dem Land, auf dem sie wohnten, und bauten an den steilen Berghängen Mais, Bohnen und Chili an. Die Huichol waren Vertreter und Hüter einer alten Tradi­ tion aus ihrer weit entfernten Vergangenheit noch vor der Zeit der spanischen Eroberer. Sie nannten sich Wixalika oder Heiler und glaubten, dass das Abhalten spezieller Zeremonien für die Heilung der Erde und die Erhaltung eines natürlichen Gleichgewichts von wesentlicher Bedeutung war. Die Huichol hatten sich der Invasion der spanischen Eroberer erfolgreich widersetzt und bemühten sich jetzt, ihre Kultur trotz der wachsenden Übergriffe ihrer mexika­ nischen Nachbarn lebendig zu halten. In den 1970er-Jahren richtete die mexikanische Regierung, entschlossen, alle Ureinwohner in die Mainstream-Gesellschaft zu

120 Teil i: Das Mysterium der Synchronizität

integrieren, Schulen, Kliniken und landwirtschaftliche Stützpunkte ein, um den Huichol den neuen Lebensstil beizubringen. Seit der Zeit landeten noch in den entferntesten Gegenden der Sierra auf provisorischen Landebahnen kleine Flugzeuge mit Touristen und Regierungsbeamten. Die Rancher, auf der Suche nach Weideland für ihre ständig wachsenden Viehherden, waren scharf auf die hohen, grasbewachsenen Bergplateaus und versuchten, sich diese Gebiete anzueignen. Christliche Missionare und religiöse Fanatiker bemühten sich, die »Heiden« zu bekehren. Die junge Generation der Huichol war den Verlockungen der Konsumgesellschaft mit ih­ ren Fernsehern, Transistor-Radios, Motorrädern und alkoholischen Getränken ausgesetzt. Die Modernisierung der mexikanischen Gesellschaft bedrohte auch das entscheidende Element im rituellen Leben der Huichol. Bislang war es bei den Huichol Tradition gewesen, ihr wichtigstes Heiligtum - Peyote - bei einer jährlichen Pilgerreise nach Wirikuta oder ins Land der Blumen, ihrer spirituellen Heimat am westlichen Rand des Catorce-Gebirges, zu sammeln. Sie unternahmen diese 300 Meilen lange Reise zu Fuß, und wer zum ersten Mal mitwanderte, musste mit verbundenen Augen gehen. In einer tausend Jah­ re alten Geschichte heißt es, Wirikuta sei das Land, in dem die Huichol erschaffen wurden und wo ihre Ahnen vom Cerro Quemado aus, dem verbrannten Hügel, die Geburt der Sonne beobachte­ ten. An diesem Ort hatte auch ihre erste Jagd auf Hirsche stattge­ funden. Die Huichol glaubten, dass Peyote in den Fußspuren des Hirschgeistes Kauyumare wächst, und sammelten den heiligen Kaktus, indem sie eine Jagd auf Rehe imitierten. Während der Pil­ gerfahrt nach Wirikuta nahmen sie rituell Peyote und sammelten Vorräte für ein ganzes Jahr. Da das Land teilweise in Privatbesitz übergegangen und eingezäunt worden war, verlor dieses Ereignis seinen heiligen Charakter, denn die Huichol waren jetzt gezwun­ gen, mit Lastwagen zu reisen und das Straßennetz zu benutzen.

Der Segen der Götter 121

Der jüngste Angriff der industriellen Zivilisation hatte dem Dorf, in dem Prem Das lebte, großen Schaden zugefügt. Seit undenklichen Zeiten hatten die Huichol Mais und Bohnen angebaut - eine Kom­ bination, die für eine perfekt ausgewogene Ernährung sorgt. Um die Produktion von Mais zu steigern, führte die mexikanische Re­ gierung Pestizide ein, nach deren Einsatz nur noch Mais auf dem Land wuchs, sodass die Huichol gezwungen waren, Bohnen auf dem Markt zu kaufen. Als sich der Preis für Bohnen plötzlich verdreifachte, konnten sie sich dieses Gemüse nicht mehr leisten. Die unterernährten Huichol-Kinder litten jetzt an zahlreichen gesundheitlichen Problemen, die auf diese Mangelernährung zu­ rückgingen. Als wir das hörten, beschlossen wir, den Huichol zu helfen, damit sie überleben und ihre Kultur und ihr spirituelles Leben erhalten konnten. Mit Prem Das’ Hilfe nahmen wir Kontakt zu HuicholSchamanen und -Künstlern auf, was sich für beide Seiten als pro­ duktiv erweisen sollte. Prem Das brachte aus Mexiko regelmäßig seinen Lehrer Don Jose und andere Schamanen mit, die als Gast­ dozenten an unseren einmonatigen Workshops mitwirkten. Sie hatten immer große Mengen an erstaunlichen Huichol-Kunstwerken dabei, die bei der Esalen-Gemeinschaft, bei Workshop-Teil­ nehmern und Besuchern sehr beliebt waren. Dieser Austausch war für unser Programm eine enorme Bereicherung und brachte genug Geld ein, um die Versorgung des Huichol-Dorfes mit den nötigen Bohnenvorräten zu sichern. Der größte Vorteil dieses Unternehmens war für uns jedoch, dass wir Don Jose kennenlernten, einen von seinem Volk hochge­ schätzten Schamanen oder Mara’akame, und Zeit mit ihm verbrin­ gen konnten. Während seiner Besuche in Big Sur war Don Jose regelmäßig Gast in unserem Haus. Er gehörte zu den außerge­ wöhnlichsten spirituellen Lehrern und menschlichen Wesen, die uns jemals begegnet sind. Als wir ihn zum ersten Mal trafen, war

122 Teil i: Das Mysterium der Synchronizität

Don Jose über 100 Jahre alt. Er hatte nur einen Arm, den anderen hatte er als kleiner Junge bei einem Fischereiunfall verloren. Die Verletzung durch eine Machete hatte ihn zwei Finger an der ver­ bliebenen Hand gekostet. Und trotzdem erntete er jährlich fünf Tonnen Mais, denn für ihn war tägliches Schwitzen die beste Ga­ rantie für eine gute Gesundheit und ein langes Leben. Seine Vitali­ tät war erstaunlich. Er lief die Berge so schnell hoch und wieder herunter, dass Prem Das, ein junger sportlicher Mann Ende zwan­ zig, kaum Schritt mit ihm halten konnte. Trotz seines Alters war er aktiv an Sex interessiert und machte den Frauen in unseren Grup­ pen regelmäßig Avancen. Die nächtlichen Zeremonien mit Don Jose, die bis zum Mor­ gen dauerten, waren ein unvergessliches Erlebnis. Er trug dabei einen großen Hut und seine Huichol-Tracht, beides reich bestickt und geschmückt mit verschiedensten geometrischen Mustern und den heiligen Symbolen seines Stammes: dem Hirschgeist Kauyumari; Urgroßvater Feuer Tatewari; Peyote-Kaktus Hikuri; dem doppelköpfigen Adler, Symbol für den Schamanen, der in alle Richtungen sehen kann; und viele andere. Don nahm vor der Zere­ monie immer den Kopf (oder Knopf) eines großen Peyote-Kaktus zu sich, was ihm half, die Grenzen der gewöhnlichen sinnlichen Wahrnehmung zu überschreiten und »mit dem inneren Auge und dem Herzen des Großen Geistes die gegenseitige Verbundenheit aller Dinge, sichtbarer wie unsichtbarer, zu sehen«. Trotz der erstaunlichen Menge an Peyote, die Don Jose zu sich nahm, führte er die rituellen Handlungen und Heilungen einwand­ frei und präzise durch, wobei er den mit Adler- und Truthahnfe­ dern geschmückten Gebetspfeil in seinen drei restlichen Fingern hielt und einen stundenlangen, eindringlichen Gesang anstimmte, der uns allen zu Herzen ging. Prem Das begleitete sein Lied mit einladenden rhythmischen Trommelschlägen oder auf einem selbst gebauten hölzernen Saiteninstrument. Die Gruppe schloss sich den beiden mit den kraftvoll klingenden Huichol-Rasseln an, die aus

Der Segen der Götter 123

Kürbis und trockenen Bohnen hergestellt wurden. Don Jose hatte die einzigartige Gabe, das Heilige und das Irdische in Balance zu bringen. Beim Trommeln und Singen war er sehr ernst und schuf eine feierliche, heilige Atmosphäre im Raum, aber in den Pausen gewann der Schelm in ihm die Oberhand. Er lachte laut und er­ zählte sich mit Prem Das höchst amüsante und oft ziemlich schmut­ zige Witze. Die ungewöhnlichste und beeindruckendste Zeremonie, die wir mit Don Jose erlebten, fand gegen Ende der 1970er-Jahre im Big House von Esalen statt, mitten in einer katastrophalen Dürreperio­ de in Kalifornien, die mehrere Jahre anhielt. Die ganze Zeit über war die Wasserknappheit im Land an einem kritischen Punkt. Die kalifornische Landwirtschaft war ernsthaft in Gefahr, und Men­ schen, die in luxuriösen Häusern lebten, konnten weder ihre Toi­ lettenspülung benutzen noch abwaschen. Zu Beginn der Zeremo­ nie schlug eine der Teilnehmerinnen scherzend vor: »Don Jose, wir haben in Kalifornien eine schreckliche Trockenheit. Vielleicht sollten wir eine Regenzeremonie abhalten.« Alle in der Gruppe hielten das für einen Witz, außer Don Jose. Nachdem er kurz über­ legt hatte, stimmte er dem Vorschlag zur Überraschung aller Anwe­ senden zu. Wer Don Joses Gesänge in der Sprache der Huichol nicht ver­ stand, für den schien sich diese Zeremonie nicht von all den ande­ ren zu unterscheiden, die wir zusammen abgehalten hatten. Bis auf wenige Pausen wurde die ganze Nacht hindurch kontinuierlich getrommelt und gesungen. Als die zweite Hälfte der Zeremonie begann, leitete Prem Das die Gruppe zum Hirschtanz an, und wir alle bewegten uns durch den Raum, indem wir Vorwärtsschritte mit vertikalen Kreisbewegungen um die eigene Körperachse kom­ binierten. In der Morgendämmerung holte Don Jose aus seinem Medizinbeutel eine große Abalone-Muschel und einen Kaninchen­ schwanz und lud uns ein, ihn hinunter ans Meer zu begleiten, um

« Als wir die Steinstufen zum Meer hinunterstiegen. das uns mitten in der verheerenden Trockenheit wie ein Wunder vorkam. tunkte den Kaninchenschwanz hinein und segnete und reinigte nach und nach alle Gruppenteilnehmer.. die in einer Reihe vor ihm standen. nicht zu glauben. verwandelte sich das Nieseln rasch in einen Regenschauer. Der schwere Wellenkörper prallte mit enormer Kraft gegen den Stein. und dass das Wasser ihm antwortete. Er legte seine Gaben neben seine Füße auf den Stein und begann zu singen. Keiner von uns hatte auch nur den geringsten Zweifel daran. lauteten die Kommentare der Leute zu diesem Phänomen. dass wir eine gute Zeremonie gemacht haben. indem es seine Gaben annahm. phantastisch«. während die Zeremonie in uns noch »nachhallte«.. sahen wir alle staunend. Es zeigt einfach. zu empfangen und dem Meer Dankes­ gaben für den guten Verlauf der Zeremonie darzubringen. der die Gaben vom Stein spülte. dass sich dieser bemerkenswerte Mara’akame mit dem Ozean ausgetauscht hatte wie mit einem lebendigen Wesen. Der Blick auf den Pazifischen Ozean. wie sich auf der Oberfläche des Wassers eine einzige riesige Welle bildete und schnell auf den Felsen zurollte. »Das ist kupuri. eine Reinigung. bildete aber an seiner Spitze einen spiralförmigen Kamm. Don Jose kletterte unten am Strand auf einen flachen Felsen. auf dem er stand.. Wir verließen das Big House und gingen zu den mit Zypressen bewachsenen Kliffs der atemberaubend schönen Küste von Big Sur. »Unfassbar. dass es angefan­ gen hatte zu nieseln. Don Jose füllte seine Abalone-Muschel mit Meerwasser. der im Morgenlicht vor uns lag. . »Das passiert immer. doch nachdem Don Jose ein paar Minuten singend gebetet hatte. der etwa drei Meter über dem Wasserspiegel lag. war um­ werfend. Als die ganze Gruppe regungslos dastand und das spekta­ kuläre Panorama betrachtete. bemerkte jemand.. Aber Don Jose blieb ganz ruhig. der Segen der Göt­ ter«.124/ Teil i: Das Mysterium der Synchronizität limpieza. Der Ozean war an diesem Tag ganz ruhig. sagte er. ohne dass Don Joses Füße nass wurden.

Wir waren nass bis auf die Haut. war der Himmel blau und keine einzige Wolke in Sicht. Die Tradition der Regenzeremonie kann nur erhalten bleiben. kam ich zu dem Schluss.Der Segen der Götter 125 Inzwischen schüttete es regelrecht. erzählte er uns eine ähnliche Geschichte aus seinem eigenen Leben. doch in Esalen mit seinem Kult von Körperarbeit und dazugehörigen Bädern war das ganz natürlich. aber sie sind nicht dumm. Wir staunten immer noch über das gerade Erlebte. Wieder oben auf dem Hügel angekommen. dass ihn das vergebliche Bemühen des Navajo-Schamanen. manche ganz ohne Kleider. Wie unsere Zeremonie fand auch sie während einer heftigen Dürrephase statt. und die Gruppe war in ekstatischer Stimmung. Es wäre unsinnig. Joseph gab zu. Als wir Joseph Campbell später von diesem Erlebnis berichte­ ten. sehr amüsiert hatte. auch das war eine Art Reinigung. Ohne sich von den vielen Widrigkeiten beeindrucken zu lassen. wenn diese Zeremonienmeister Erfolge vor­ . der mit großer Entschlossenheit scheinbar dumme und unsinnige Dinge tat. fuhr der Schamane jedoch vor den Augen aller Zuschauer fort. wenn sie fortwährend Schamanen ausbilden und diese eine Zeremonie nach der anderen abhalten würden. Als Joseph am Ritualplatz eintraf und die Zeremonie begann. Doch dann ballten sich dunkle Wölken am Ho­ rizont zusammen und zogen rasch in ihre Richtung. dass die positiven Auswirkungen dieser Regenzere­ monien uns eigentlich nicht überraschen dürfen. Und noch vor Abschluss der Zeremonie waren alle klitschnass. zu singen und zu trommeln. ohne da­ mit etwas zu bewirken. Er hatte vor einigen Jahren eine Einladung bekommen. Das mag manchem etwas exotisch Vorkommen. Die Ureinwohner mit ihren überlieferten Kulturen haben vielleicht keinen tech­ nischen Fortschritt vorzuweisen. im Navajo-Reservat in New Mexiko einer Regenzeremonie als Gast beizuwohnen. Als ich mir später Gedanken über den Glauben der Ureinwoh­ ner an diese Form von zeremonieller Magie machte. tanzten wir um den wunderschönen Euka­ lyptusbaum auf dem Rasen vor dem Big House.

dass der Schamane tatsächlich Regen macht. Die Beziehung zwischen Schamane und Regen bei diesen Ritualen muss allerdings nicht zwangsläufig eine kausale sein.126 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität weisen. Auch an­ dere Geschichten in diesem Buch haben uns gezeigt. . welch bedeu­ tungsvolle Rolle das Prinzip der Synchronizität gelegentlich in der universellen Ordnung der Dinge spielt. in dem Sinne.

die Eltern in ihrer eigenen Ursprungsfamilie erleiden. fügen ihnen so schwere emo­ tionale Verletzungen zu.Eine Lektion in Verzeihen 127 Eine Lektion in Verzeihen Peyote-Zeremonie mit Potawatomi-Indianern D a ich als Psychiater täglich mit den emotionalen Problemen konfrontiert bin. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen. So bleiben unverar­ . eindringlich bewusst geworden. die immenses Leid schufen. die Menschen durch verschiedene histo­ rische Feinde erlitten haben. die Menschen in ihrem Leben quälen. Ehefrau. ist eine der größten Herausforderungen der modernen Psychologie und Psy­ chiatrie. Die Traumata. Ein ähnliches Muster ist auf einer höheren Ebene im kollek­ tiven Leben wirksam und vergiftet die Beziehungen ganzer Länder und Nationen. Die Folge davon ist. Die Erinnerungen an den Schmerz und die Ungerechtigkeit. dass sie später ihre Rolle als Ehemann. Hemmungslose Gewalt und unersättliche Gier haben als gefährliche Schwächen der menschlichen Natur immer wieder zu unzähligen blutigen Kriegen und Revolutionen geführt. die im Verlauf der menschlichen Geschichte wie ein Fluch von einer Generation an die andere weitergegeben werden. sind mir die zahlreichen destruktiven und selbstzerstörerischen Verhal­ tensmuster. dass sie wiederum ihre eigenen Kinder emo­ tional verletzen. überleben im kollektiven Unbewuss­ ten der Nationen jahrhundertelang und prägen die gegenwärtigen Einstellungen und Beziehungen zueinander. Vater und Mutter nicht angemessen wahrnehmen können.

das uns von der Sowjetunion aufgezwun­ gen wurde. Jahrhundert stellte Deutschland für Großbritannien und Frankreich die größte Herausforderung dar. Diese Aversion übertrug sich sogar auf die zivilisierter ge­ stalteten Grenzen der freien Welt und ihre Zollbeamten. Japan und Ita­ lien als »Achsenmächte« Feinde der Vereinigten Staaten. Stacheldrahtzäune. Die Rolle.Wachtürme mit Maschinengewehren. Wäh­ rend des Zweiten Weltkrieges waren Deutschland. An der Oberfläche wechseln sich Bündnisse und vernichtende Aus­ einandersetzungen ab. Minenfelder und patrouillierende Soldaten mit Hunden. was damit zusammenhängt. Noch vor wenigen Jahrhunderten jedoch waren diese Länder Todfeinde.128 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität beitete und nicht verziehene Angriffe und Verletzungen Brutstätten für neue Gewalt. Da ich als Kind und Jugendlicher die Schrecken der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei und später das skrupellose stalinistische Regime erlebte. An einem Punkt der Geschichte war Spanien für England und Frank­ reich für Russland die größte Herausforderung: Spanien führte Krieg mit Holland. gehasst . während die Sowjetunion ein wichtiger Verbündeter war. doch die Erinnerungen an tiefe Wunden und die daraus entstehenden Vorurteile bleiben bestehen. die Nationen in der Entfaltung der menschlichen Geschichte spielen. Von früher Kindheit an habe ich Grenzen und alles. bin ich von diesen politischen Konstellationen persön­ lich besonders stark betroffen. und ihre Beziehungen untereinander unter­ liegen immer wieder ziemlich unberechenbaren Veränderungen. Visa und . Die Situation mit Deutschland war komplizierter: Westdeutschland war jetzt ein Bündnispartner und die DDR ein Mitglied des feindlichen Lagers. Japan und Italien wurden zu befreundeten Ländern und die Sowjetunion zum Erz­ feind der USA. Nach dem Krieg veränderte sich das politische Klima dramatisch. Im 20. Russlands Erzfeind war Schweden und so wei­ ter. doch die gegen­ seitigen Beziehungen blieben einigermaßen im Lot.

dass die Verwirklichung dieses Wunsches mit so komplexen Problemen verbunden ist. die uns voneinander trennen. die Möglichkeit. Mir ist jedoch klar.Eine Lektion in Verzeihen 129 Zollbestimmungen. die mich trotz der schwierigen Gesamtsituation auf eine bessere Zukunft für uns alle hoffen ließ. Sie bot Psychiatern. mit denen ich vor vielen Jahren einen au­ ßergewöhnlichen Bewusstseinszustand erlebte. noch immer Tränen in die Augen. die seelsorgerisch tätig waren. Ende der 1960er. treibt mir dieses Ereignis. in dem wir das Potenzial der psychedelischen Therapie erforschten. Ich habe oft von einem künftigen vereinten Europa geträumt. Psy­ chologinnen. für Ausbildungszwecke bis zu drei . in der die Menschheit alle rassischen. Es zeigte mir.bis zu Beginn der 1970er-Jahre wirkte ich im Maryland-Psychiatric-Research-Center in Baltimore an einem staatlich geförderten Untersuchungsprojekt mit. politischen und ökonomischen Spaltungen überwunden hat und eine globale Gemeinschaft bildet. wenn ich daran denke und darüber spreche. geschlecht­ lichen. dass er sich auf unserem Planeten kaum verwirklichen lässt. Eines unserer Teilprojekte im Forschungszentrum war eine Ausbildung für Ange­ stellte im psychischen Gesundheitswesen. wo der Hass zwischen Men­ schen jahrhundertelang von einer Generation an die nächste wei­ tergegeben wird. Obwohl seitdem mehr als dreißig Jahre vergangen sind. nationalen. wie tief die Probleme gehen. Nach dieser eher pessimistischen Einleitung möchte ich eine Epi­ sode aus meinem Leben erzählen. mit denen wir in unserer Welt konfrontiert sind. Ich stelle mir gern eine Zukunft vor. Dieses Erlebnis machte mir jedoch auch Hoff­ nung. Es geht hier um die tiefe Heilung und Wandlung innerhalb einer Gruppe von Menschen. Sozialarbeiterinnen und Priestern. in dem alle europäischen Nationen in friedlicher Koexistenz Zusammenleben. Später in meinem Leben erweiterte ich diese Vision auf den gesamten Planeten. kulturellen. dass wir diesen Fluch aufheben und die Grenzen auflösen können.

einer synkretistischen Religion. ich könne noch weitere Personen aus unserem Team mitbringen. Einer der Teilneh­ mer an diesem Projekt war Kenneth Godfrey. mit dem er eng befreundet war. die mir erlaubte. an ihrer Peyote-Zeremonie teilzunehmen. Nach meinem Eintreffen in den Vereinigten Staaten hatte ich nach einer solchen Möglichkeit gesucht. Ken und seine Frau waren beide ameri­ kanische Ureinwohner und der spirituellen Tradition ihres Volkes sowie den Ältesten ihres Stammes tief verbunden. bislang aber ohne Erfolg. die indianische und christliche Elemente miteinander verbindet und deren Sakrament der mexikanische. einem bekannten Potawatomi »Road Chief« bzw. Am folgenden Wochenende flogen wir zu fünft von Baltimore nach Topeka. Einige Tage später rief Ken mich an. ein Psychiater aus dem Vicar-Apostolic-Hospital in Topeka. hatte ich von der Kirche der amerikanischen Ureinwohner gelesen. doch in seinem Projekt war nicht vorgesehen. um den the­ rapeutischen Nutzen psychedelischer Substanzen mit ihrer An­ wendung in einem rituellen Rahmen vergleichen zu können. Ken war eben­ falls ein Pionier auf dem Gebiet der psychedelischen Forschung und führte mit seinen Patientinnen und Patienten entsprechende Sitzungen durch. bei John Mitchell nachzuforschen. Kansas. dass er selbst Sitzungen nahm. sondern bot mir auch an. Bei unserem Abschlussgespräch nach Kens dritter LSD-Sitzung fiel mir ein. Ken versprach. psychedelische Peyote-Kaktus ist. eine Gruppe zu finden. Als ich noch in der (damaligen) Tschechoslowakei lebte. selbst an einer Peyote-Zeremonie teilzunehmen. um mir gute Neuigkeiten mitzuteilen : John Mitchell lud nicht nur mich als Gast zu seiner Peyote-Zeremonie ein. er könne Kontakte zur Native-American-Church ha­ ben und mir helfen. Damals bekam ich großes Inte­ resse. Leiter heiliger Zeremonien.130 Teil 1: Das Mysterium der Synchronizität Sitzungen mit hochdosiertem LSD zu nehmen. Die Gruppe bestand aus unserer Musiktherapeutin . Ich war bei drei psychedelischen Sitzungen in unserem Institut sein Begleiter. und auf diese Weise wurden wir enge Freunde.

mussten die anderen Teilnehmer. konfrontierten uns die Ur­ einwohner mit der schmerzlichen Geschichte der Besetzung und Eroberung von Nordamerika durch weiße Eindringlinge .d. der ein paar Stunden dauerte. Anm. Doch bevor wir uns der Zeremonie anschließen konnten. die einer dramatischen Encountergruppe glich.) und bildeten den Platz für das Ritual. Wer den Stab in den Händen hielt . Der Hass dieses großen. dem psychedelischen Therapeuten Bob Leihy. zumindest an der Oberfläche.Eine Lektion in Verzeihen 131 Helen Bonny.so die Sitte der amerikanischen Ureinwohner konnte ein .dem Massenmord an den amerikanischen Indianern und der Vergewal­ tigung ihrer Frauen.Ü. dass wir uns der Grup­ pe anschlossen. Das Feuer wurde entzündet. und das heilige Ritual begann. legte sich der emotionale Aufruhr. uns erst einmal akzeptieren. versammelte sich die gesamte Gruppe in einem großen Tipi. der Ausbeutung ihres Landes. Die Sonne ging gerade unter. Professor für Religionswissen­ schaften. Nachdem endlich alles geregelt war. Walter Houston Clark. dem sinnlosen Abschlachten des Büffels und vielen weiteren Gräueltaten. die über diese weitere Verzögerung der Zeremonie nicht besonders glücklich waren. die vehement gegen unsere Anwesenheit protestierte. Von heftigen Emotionen begleitet. In Topeka mieteten wir uns am Flughafen einen Wagen und fuhren in die tiefste Prärie von Kansas. Wir nahmen die Peyoteköpfe zu uns und reichten den Redestab und die Trommel herum. Schließlich gab es nur noch eine Person. ihrer Schwester. dunklen und mürrischen Mannes auf Weiße war enorm. Es brauchte einige Zeit und sehr viel Überredungskunst von seinen Stammesfreunden. Nach diesem dramatischen Austausch. und die Indianer bekundeten einer nach dem anderen ihr Einverständnis mit unserer Teilnahme an ihrer Zeremonie. und mir. und das Ritual sollte bald beginnen. bevor er sich schließ­ lich widerstrebend einverstanden erklärte. Dort standen mitten im Niemandsland mehrere Tipis (kegelförmiges Indianer­ zelt. alles amerikanische Ureinwohner. Wir mussten uns einer schwierigen Prüfung unterzie­ hen.

an ihrer wunderschönen Zeremonie teilzunehmen. Der Hass schoss aus seinen Augen wie ein Laserstrahl. Jedes Mal. An einem Punkt seiner Rede . dass sie uns trotz all der Gräuel akzeptierten. die wir ihnen angetan hatten . Walter betonte vor allem die Tatsache. Er strahl­ te Wut und Feindseligkeit aus. Der Mann. und kurz vor Sonnenaufgang reichten wir Stab und Trommel ein letztes Mal im Kreis herum. Dieser Mann wurde zum wunden Punkt in meiner Welt.132 Teil l: Das Mysterium der Synchronizität Lied singen oder sich persönlich äußern. Die Wirkung des Peyote hatte meine Wahrnehmung der ganzen Situation enorm geschärft. ihn auch nur anzuse­ hen. ein paar abschließende Worte über ihre oder seine Erfahrungen und Eindrücke zu sagen. bei ihm landeten. Während alle anderen sich auf die Zeremonie einließen. Dabei hatte jede und jeder Gelegenheit. wenn Stab und Trommel. man konnte ihn aber auch einfach weitergeben. ver­ hielt sich der Mann. der aus seinem Ärger über unsere Anwesen­ . und es war für die Anwesenden sichtbar. die uns erlaubt hatten.nahm er auf mich Bezug und sprach von »Stan. Walter Houstons Rede war ungewöhnlich lang und sehr emotional.ihr Land besetzt und gestohlen. ihre Frauen vergewaltigt.ich weiß nicht mehr genau. den Büffel abge­ schlachtet. der Tschechoslowakei. Er brachte seine tiefe Wertschätzung für die Großzügigkeit unserer amerikanischen Ureinwohnerfreunde zum Ausdruck. dass er noch immer grollte. Der Morgen kam. saß mir beleidigt gegenüber und lehnte an der Tipistange. blieb er unbeteiligt und distanziert. der so weit weg ist von zu Hause und seinem Geburtsland. während der gesamten Zeremonie an die­ ser aufsässigen Haltung festzuhalten. in welchem Zusammenhang .« Sowie Walter das Wort »Tschechoslowakei« aussprach. ihre Leute umgebracht. und es war für mich geradezu schmerzlich. reichte er sie ärgerlich weiter. der mich ganz umhüllte und das Tipi erfüllte. Und es schien ihm nicht weiter schwer zu fallen. die im Kreis herumgingen. der uns nur widerstrebend aufgenommen hatte.

Nachdem ich ihm versichert hatte. die bekannt war für ihr weltberühmtes Bier und die Skoda-Automobilfabrik. mit der Tragödie seines Volkes nichts zu tun hatte. Es war klar. dass er mit seinen anfänglichen Worten noch nicht alles gesagt hatte. Die Tschechen waren mit Sicherheit nicht bekannt als Aus­ beuter des Wilden Westens. Er erklärte. da ich aus der ehemaligen Tsche­ choslowakei stammte. sondern die Rollen zwischen uns waren ge­ nau umgekehrt verteilt: Er war der Angreifer und ich das Opfer. Sein Hass auf mich während der heili­ gen Zeremonie war also völlig ungerechtfertigt gewesen. entschuldigte sich für sein Verhalten vor und während . Sein Hass auf mich war also nicht nur ungerechtfertigt. dass ich keinerlei feindse­ lige Gefühle gegen ihn hege.Eine Lektion in Verzeihen 133 heit die ganze Nacht lang keinen Hehl gemacht hatte. Als er Walters Bemerkung hörte. passierte etwas höchst Ungewöhn­ liches. umarmte mich mehrmals und bat mich um Verzeihung. uns den Rest der Geschichte zu erzählen: Im Zweiten Weltkrieg war er zur amerikanischen Luftwaffe eingezogen worden und hatte sich nur wenige Tage vor Ende des Krieges an einem ziemlich hinterhältigen und sinnlosen Luftangriff der Amerikaner auf die tschechische Stadt Pilsen beteiligt. Er sprang auf. kehrte an seinen Platz zurück und war imstande zu reden. die alle Ameri­ kaner waren. Er ging zu meinen Freunden aus Baltimore. wurde ihm klar. als hätten ihm diese Ereig­ nisse das Herz gebrochen. Schließlich war es ihm möglich. Nach etwa zwanzig Minuten beruhigte er sich. Er war in mein Land eingedrungen und hatte Menschen meines Volkes getötet. wobei er laut weinte und schluchzte. Der Mann wirkte so verzweifelt. Das war für ihn unerträglich. dass ich. Nach seinen ersten Erklärungen trat eine lange Stille ein. Er drückte seinen Kopf in meinen Schoß. Er kam noch einmal zu mir. er habe am Abend zuvor in uns allen nur »Bleichgesichter« und damit automatisch Feinde der amerikanischen Ureinwohner gesehen. raste quer durch das Tipi und warf sich vor mir auf den Boden. in der er innerlich heftig mit sich zu ringen schien. plötzlich höchst merkwürdig.

werden wir alle sterben. die die ganze Nacht lang in der Mitte des Zeltes gelegen hatten und durch das Ritual geweiht worden waren. über Rassen. Nationen und Kulturen Pauschalurteile zu fällen. die wir in einem außergewöhnlichen Bewusstseinszustand erlebten. nährt meine Hoffnung. wenn wir weiter an dem Hass festhielten. Wir alle sind Kinder des Großen Geistes. die uns sicherlich unser Leben lang in eindringlicher Erinnerung bleiben wird. Und es kann tatsächlich sein. Und ihm war klar ge­ worden. den die Taten unserer Vorfahren in uns ausgelöst hatten. umarmte sie und bat um Verzeihung. Seine Rede war eine würdige Fortsetzung des berühmten Briefes von Häuptling Seattle an die europäischen Kolonisten. All das geschah vor langer Zeit im Leben unserer Vorfahren. Während am Himmel lang­ sam die Sonne aufging. nahmen wir ein zeremonielles Frühstück zu uns. wir alle gehören zu Mutter Erde. Er sagte. dass irgendwann auf einer größeren Skala eine ähnliche Heilung in der ganzen Welt möglich sein wird. dieses Ereignis habe ihm gezeigt. Diese bemerkenswerte Synchronizität. Es bestand aus den Lebensmitteln. Wir sollten Menschen nach ihrem Sein beurteilen und nicht nach ihrer Zugehörigkeit. Ihr habt mir oder meinem Volk nichts angetan.134 Teil l: Das Mysterium der Synchronizität der Zeremonie. dass es falsch war. dass ich zu der Zeit auf der anderen Seite stand. Unser Planet ist in großen Schwie­ rigkeiten.« Inzwischen standen den meisten Anwesenden Tränen in den Augen. Mit uns nahmen wir diese unschätzbare Lektion in internatio­ naler Konfliktlösung zwischen verschiedenen Rassen. und wenn wir an altem Groll festhalten und nicht Zu­ sammenarbeiten. dass es für die Welt keine Hoff­ nung gäbe. Wir alle fühlten uns miteinander und mit der großen menschlichen Familie tief verbunden. Er schloss mit den Worten: »Ihr seid nicht meine Feinde. Dann verabschiedeten wir uns mit langen Umarmungen widerstrebend voneinander und machten uns auf den Weg nach Hause. Ihr seid meine Brüder und Schwestern. .

Anm.d.Teil 2 Geburt und pränatales Leben erinnern »Nach uns ziehend Wolkenglanz und Glorienschein«* * Eine Zeile aus einem Gedicht von William Wordsworth. . Ü.

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Teil 2: Geburt und pränatales Leben erinnern 137

ständen verschiedenen Ursprungs gehört die psychische Regression auf Geburtserlebnisse, wobei Menschen mit bemer­ kenswerter Intensität noch einmal sämtliche Emotionen, körper­ liche Empfindungen, Körperhaltungen und andere Aspekte dieses Prozesses durchleben. Die Tatsache, dass die Geburt in unserer un­ bewussten Psyche einen so starken Eindruck hinterlässt, ist für konventionelle Psychologen, Psychiater und Neurophysiologen überraschend, denn es stellt ihre tief verwurzelten Annahmen über die Grenzen des menschlichen Erinnerungsvermögens in Frage. Bei näherer Untersuchung zeigt sich jedoch, dass diese Annahmen auf unbegründeten Überzeugungen beruhen, die in scharfem Wi­ derspruch zu den wissenschaftlichen Tatsachen stehen. Aus traditioneller psychiatrischer Sicht können nur wirklich schwierige Geburten, die irreversible Schäden in den Gehirnzellen hinterlassen, psychische und psychopathologische Folgen haben. Es ist allgemein bekannt, dass längere Phasen von Sauerstoffman­ gel bei schwierigen und langen Entbindungen psychiatrische Pro­ bleme wie geistige Behinderungen oder Hyperaktivität nach sich ziehen können. Bestimmte Untersuchungen haben außerdem nachgewiesen, dass lange, schwierige und komplizierte Geburten, bei denen es zu häufigen Erstickungszuständen kam, die Tendenz zu wiederholtem kriminellem Verhalten zur Folge haben können.

Z

u den häufigsten Erfahrungen in holotropen Bewusstseinszu­

138 Teil 2: Geburt und pränatales Leben erinnern

Virusinfektionen der Mutter während der Schwangerschaft und eine komplizierte Entbindung mit langen Wehen und Sauerstoff­ mangel gehören auch zu den wenigen Risikofaktoren für Schizo­ phrenie, die konsistent angeführt werden. Doch erstaunlicherweise interpretieren die meisten akademisch ausgebildeten Psychiater diese Zusammenhänge ausschließlich mit Verweis auf physische Gehirnschäden, ohne die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass prä- und perinatale Verletzungen, ganz gleich, ob mit oder ohne Beschädigung von Gehirnzellen, ebenfalls starke psychotraumatische Auswirkungen auf das Kind haben können. Der Gehirnkortex des Neugeborenen ist noch nicht ganz myelinisiert, das heißt, seine Neuronen sind noch nicht vollständig umhüllt von schützenden und fetthaltigen Schichten der Substanz namens Myelin. Das gilt allgemein als einleuchtender Grund dafür, dass die Geburt psychologisch irrelevant ist, und das Gedächtnis diese Erfahrung nicht verzeichnen kann. Die Überzeugung der Mainstream-Psychiater, dass dem Kind diese extrem schmerzliche und anstrengende Prüfung nicht bewusst ist und der Geburtspro­ zess keine Spuren in seinem Gehirn hinterlässt, widerspricht jedoch nicht nur klinischen Beobachtungen, sondern auch dem gesunden Menschenverstand und einer grundlegenden Logik. Diese Überzeugung lässt sich sicherlich nicht ohne weiteres mit der Tatsache in Einklang bringen, dass allgemein anerkannte psychologische und physiologische Theorien dem frühen Aus­ tausch zwischen Mutter und Kind große Bedeutung beimessen. Dazu gehören Faktoren wie der Blickkontakt zwischen Mutter und Säugling unmittelbar nach der Geburt (»Bonding«), liebevoller Körperkontakt und die Qualität des Stillens. Es ist hinreichend be­ kannt, dass die »Prägung« durch diese frühen Erfahrungen einen entscheidenden Einfluss auf die künftige Beziehung zwischen Mut­ ter und Kind hat und das emotionale Befinden des Kindes sein ganzes Leben bestimmt. Das Bild vom Neugeborenen als unbe­ wusstem, empfindungslosen Organismus steht auch in scharfem

Teil 2: Geburt und pränatales Leben erinnern 139

Widerspruch zu der ständig wachsenden Literatur, in der schon die bemerkenswerte Sensibilität des Fötus in der pränatalen Phase beschrieben wird. Die Verleugnung der Tatsache, dass Menschen ihre Geburt erinnern, mit dem Argument, der Gehirnkortex des Neugeborenen sei noch nicht vollständig ausgebildet, macht noch weniger Sinn, wenn wir bedenken, dass viele weitaus weniger differenzierte Le­ bensformen, die überhaupt keinen Gehirnkortex aufweisen, sich erinnern können. Geradezu absurd und lächerlich wird die Behauptung, die Er­ innerung an die Geburt erfordere einen myelinisierten Neokortex, wenn wir die Untersuchungen berücksichtigen, für die der schwe­ dische Physiologe Eric Kandel im Jahr 2000 den Nobelpreis für Medizin bekam. Kandel erforschte den Erinnerungsmechanismus der Meeresschnecke Aplysia, eines Organismus, der nur eine geringe Anzahl von Nervenzellen besitzt und auf den Entwick­ lungsstufen der Evolution viel niedriger anzusiedeln ist als ein neu­ geborenes Kind. Außerdem ist aus der Biologie allgemein bekannt, dass selbst einzellige Organismen bestimmte primitive Formen eines protoplasmischen Gedächtnisses aufweisen. Diese offenkundigen logischen Widersprüche sind im Kontext eines wissenschaftlichen Denkens, das so stolz auf seine logische Stringenz ist, sicherlich überraschend. Für die oben beschriebenen Diskrepanzen lässt sich nur schwerlich eine andere Erklärung fin­ den als die tiefe emotionale Unterdrückung der Erinnerungen an die eigene Geburt. Die emotionalen und körperlichen Schmerzen und der Stress, die mit der Geburt eines Kindes einhergehen, sind mit Sicherheit größer als bei jedem postnatalen Trauma in der Kleinkindzeit und Kindheit, das die psychodynamische Literatur erläutert - mit Ausnahme extremer Formen von körperlichem Missbrauch. Das macht verständlich, warum Menschen diese Erin­ nerungen psychisch so stark unterdrücken und verleugnen.

140 Teil 2: Geburt und pränatales Leben erinnern

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben psychedelische Forscher und Kliniker viele verschiedene Formen von erlebnisori­ entierter Psychotherapie erforscht und auf diesem Weg überzeu­ gendes Beweismaterial dafür gesammelt, dass die biologische Ge­ burt das tiefste Trauma in unserem Leben und ein Ereignis von überragender, psychospiritueller Bedeutung ist. Selbst kleinste De­ tails dieses Erlebnisses werden in unserem Gedächtnis bis hinunter zur zellulären Ebene verzeichnet und haben weitreichende Auswir­ kungen auf unsere psychische Entwicklung. Haben wir die psy­ chischen Widerstände, uns diesem schmerzlichen und erschre­ ckenden Aspekt unserer persönlichen Lebensgeschichte zu stellen, erst einmal überwunden, scheint es nicht nur möglich, sondern auch höchst logisch, dass unsere unbewusste Psyche ein Ereignis dieser Größenordnung aufgezeichnet hat, und wir die Erinne­ rungen daran ins Bewusstsein bringen und noch einmal durch­ leben können. Wenn die Regression in holotropen Zuständen noch tiefer reicht, nämlich bis in frühe Stadien des embryonalen Lebens und sogar bis zum Augenblick der Empfängnis selbst, nehmen die ge­ danklichen Herausforderungen, vor die wir gestellt sind, enorm zu. Je näher wir dem Anfang des Lebens kommen, desto unreifer und primitiver ist das menschliche Nervensystem, bis es schließlich gar nicht mehr existiert. Und trotzdem gibt es reichlich empirisches Beweismaterial für Erinnerungen an die Morgendämmerung un­ serer individuellen Existenz. Als einziger Kandidat, der als materi­ eller Informationsträger in Frage kommt, bleibt uns dann nur noch das Zellgedächtnis. Auf den nächsten Seiten gebe ich aus der psychedelischen Therapie und aus holotropen Atemsitzungen einige Beispiele dafür, wie Menschen ihre Geburt, intrauterine Erfahrungen und ihre Empfängnis noch einmal durchleben.

Eine schwierige Entbindung in der Mittagspause 141

Eine schwierige Entbindung in der Mittagspause
Lenis Geschichte

ihre Namen. Bei dieser Geschichte jedoch mache ich eine Ausnah­ me, denn ihre Protagonistin, die inzwischen verstorbene Leni Schwartz, hat sie bereits in ihrem Buch Mit Liebe erwartet. Wir und unser Baby vor der Geburt (München: Kösel-Verlag 1985, Anm.d.Ü.) erzählt. Ich lernte Leni und ihren Mann Bob, die später enge und liebe Freunde von mir wurden, 1971 bei einem meiner Vorträge in Miami, Florida, kennen. Zu der Zeit, als ich Leni bei ihren LSDSitzungen begleitete, war sie fünfzig Jahre alt und eine hochbegabte Innenarchitektin. Aufgrund ihrer Erfahrungen in diesen Sitzungen, die ich gleich beschreiben werde, begann sie mit einem Psycholo­ giestudium und machte ihren Doktor in diesem Fach. Ihre Disser­ tation mit dem Titel Bonding Before Birth beruhte auf einer langfris­ tig angelegten Untersuchung über Paare, deren Entwicklung Leni in wöchentlichen Gruppensitzungen vom Zeitpunkt der Empfäng­ nis ihres Kindes an bis zur Entbindung und der ersten Zeit nach der Geburt verfolgte. Eine ihrer Sitzungen mit hochdosiertem LSD versetzte Leni bis in die Erinnerung an ihre biologische Geburt zurück. Über zwei Stunden erlebte sie, was ich die zweite perinatale Grundmatrix nenne, die Einleitungsphase der Entbindung, in der der Uterus

U

m die Privatsphäre meiner Klientinnen und Klienten zu schüt­ zen, ändere ich, wie in der psychiatrischen Literatur üblich,

142 Teil 2: Geburt und pränatales Leben erinnern

kontrahiert, der Gebärmutterhals aber noch nicht geöffnet ist (sie­ he auch S. 382). Sie gehört zu den schwierigsten Erfahrungen, die Menschen in einem holotropen Bewusstseinszustand machen kön­ nen, und ist mit extremen Herausforderungen verbunden. Im ty­ pischen Fall erlebt die betreffende Person große emotionale und körperliche Qualen und hat das Gefühl, dass es aus dieser nicht endenwollenden Situation keinen Ausweg gibt. Bei den extremsten Erlebnissen mit dieser Matrix können Menschen das Gefühl haben, sich in der Hölle zu befinden, und haben Visionen von Teufeln und höllischen Unterwelten. Im späteren Verlauf der Sitzung verlagerten sich Lenis Erfah­ rungen zu dem, was ich die dritte perinatale Grundmatrix nenne. Hier geht es um die nächste Phase der Entbindung, den Kampf des Fötus im Geburtskanal, nachdem sich der Gebärmutterhals gewei­ tet hat. Typisch dafür sind unter anderem gewaltige, aufeinander prallende Kräfte, Bilder von gewalttätigen, destruktiven und selbst­ zerstörerischen Szenen und eigenartige Formen von sexueller Erre­ gung, die sich als reiches Spektrum an perversen erotischen Bil­ dern manifestieren. Ist diese Phase erfolgreich abgeschlossen, kulminiert sie in der Erfahrung von psychospirituellem Tod und Wiedergeburt. In Lenis Sitzung passierte das jedoch nicht. Nachdem sie lange darum gekämpft hatte, geboren zu werden, fühlte sie sich plötzlich umgeben von einer ominösen Dunkelheit, die sie verschluckt hatte und gefangen hielt. Ihre Hoffnung, sich aus der Umklammerung des Geburtskanals zu befreien, schwand, und sie befand sich wie­ der in einer Situation, aus der sie keinen Ausweg sah. Die Wirkung der Droge nahm allmählich ab, und Leni hatte zu keiner Lösung ihrer prekären Lage gefunden. Nach der Sitzung war sie entmutigt und sah ihr Leben ziemlich düster. Wir beschlossen, eine Woche zu warten und dann eine weitere Sitzung zu machen, damit Lenis frustrierende Erfahrung zu einem klärenden Abschluss fand. Es dauert etwa eine Woche, bis nach der

Eine schwierige Entbindung in der Mittagspause 143

Einnahme von LSD die dadurch bewirkte pharmakologische Tole­ ranz gegen eine weitere Dosis der gleichen Substanz abgebaut wor­ den ist. Lenis nächste LSD-Sitzung begann erneut mit einer intensiven Erfahrung der zweiten perinatalen Grundmatrix, ver­ bunden mit Gefühlen von Hoffnungslosigkeit und Ausweglosig­ keit. Dieses Mal jedoch dauerte diese von Zauberhand verschwanden Lenis von ungewöhnlicher, fast göttlicher begleitet von einem überwältigenden Phase nicht lange, und wie Qualen. Ein goldenes Licht Leuchtkraft überflutete sie, Gefühl der Befreiung und

psychospirituellen Wiedergeburt. Bei dieser Sitzung traten die Elemente der dritten perinatalen Grundmatrix gar nicht auf. Leni erlebte einen raschen Übergang von tiefster Verzweiflung und Dun­ kelheit zum ekstatischen Entzücken der Wiedergeburt. Dieser merkwürdige Verlauf der Ereignisse stellte Leni vor ein Rätsel, und sie beschloss, ihre Mutter anzurufen und über ihre Geburt zu befragen, um zu verstehen, was da geschehen war. Sie tat das nur zögerlich, denn ihre Mutter war ziemlich konservativ, und Leni wusste, dass solche Gespräche nicht einfach für sie wa­ ren. Sie hatte zum Beispiel mit Leni vor deren Heirat nie über Se­ xualität gesprochen. Und natürlich hatte sie nie ein Wort über ihre Schwangerschaft mit Leni und deren Geburt fallen lassen. Leni wagte nicht, ihrer Mutter zu sagen, dass sie eine LSD-Sitzung genommen hatte; stattdessen sprach sie von einer »hypnotischen Rückführung«, bei der sie mit einer Erinnerung in Kontakt gekom­ men sei, die sich wie ihre Geburt angefühlt habe. Wie wir vorher vereinbart hatten, teilte sie ihrer Mutter jedoch keine spezifischen Einzelheiten über den Inhalt ihrer Sitzung mit. Die Äußerungen ihrer Mutter rückten Lenis Erfahrung in ein erstaunliches Licht. Sie teilte ihrer Tochter mit, sie sei, da es um ihre erste Schwangerschaft und Geburt ging, völlig unerfahren gewesen und habe nicht gewusst, was da auf sie zukomme. Über­ rascht und erstaunt nahm sie wahr, wie intensiv dieses Erlebnis war, aber alles schien gut zu gehen. Und dann geschah etwas Uner­

144 Teil 2: Geburt und pränatales Leben erinnern

wartetes. Der Gynäkologe und die Krankenschwester, die ihre Ent­ bindung begleiteten, verkündeten plötzlich, es sei Mittagszeit und sie würden eine Pause machen, um schnell »einen Happen zu essen«. Der Gynäkologe bat sie, die Beine zu schließen und in die­ ser Haltung zu warten, bis sie zurückkamen. Als gehorsame Patientin protestierte Lenis Mutter nicht gegen diese Anweisung. Gegen intensive Wehen ankämpfend, presste sie fest ihre Beine zusammen und wartete auf die Rückkehr ihrer Betreuer. Als der Arzt und die Schwester von ihrer Mittagspause zurückkehrten, mussten sie ihr lediglich erlauben, die Beine zu öffnen. Sowie sie das tat, schoss Leni buchstäblich aus dem Ge­ burtskanal ans Tageslicht. Nach dem Telefonat mit ihrer Mutter berichtete mir Leni von dieser überraschenden Erklärung für den ungewöhnlichen Verlauf ihrer Sitzungen und bereicherte damit meine lange Liste von Erinnerungen an die eigene Geburt, die von unabhängiger Seite bestätigt wurden, um eine weitere.

Der Geruch von frischem Leder 145

Der Geruch von frischem Leder
Kurts Geschichte

D

as zweite Beispiel stammt aus der holotropen Atemsitzung von Kurt, einem Psychologen, der an unserem europäischen

Training teilnahm. In der zweiten Hälfte seiner Sitzung regredierte Kurt bis zu seiner Geburt, die er so intensiv durchlebte, dass fünf Personen ihn am Boden festhalten mussten, weil er mit seinen heftigen Bewegungen in den Raum der Leute eindrang, die um ihn herumlagen. Immer wieder nahm er mit dem Kopf Anlauf und drehte sich mit spiralförmigen Bewegungen des ganzen Körpers von der Rücken- in die Bauchlage und wieder zurück. Nach diesen intensiven Kämpfen endete die Sitzung schließlich mit einem bemerkenswerten Durchbruch. Kurt fühlte sich wie neugeboren und emotional befreit. Beim Gruppengespräch rekonstruierten wir, was in der Sitzung passiert war. Kurt berichtete, er habe sich zu Beginn der Sitzung gefühlt wie ein schuppiges, wurmartiges Geschöpf, das gleitende Bewegungen machte. Plötzlich habe er an seinen Füßen und dem restlichen Körper etwas wahrgenommen, was er als störend und beengend empfand. Er wehrte sich dagegen, zunächst nur vorsich­ tig, dann aber mit zunehmender Kraft, weil er das sichere Gefühl hatte, um sein Leben kämpfen zu müssen. Er war fest entschlos­ sen, auf keinen Fall aufzugeben, selbst wenn die ganze Welt gegen ihn war. Mit lautem Gebrüll und heftigen, listigen Bewegungen kämpfte er verzweifelt gegen seine mächtigen Widersacher an.

146 Teil 2: Geburt und pränatales Leben erinnern

Während wir ihn am Boden festhielten, konnte er innere und äußere Erlebnisse nicht mehr auseinanderhalten, obwohl ich ihm mehrmals sagte, wir seien nicht seine Feinde, sondern wollten ihm da durchhelfen. Er brauchte eine Weile, bevor er begriff, was da passierte, und erkannte, dass er mit diesem Kampf noch einmal seine Geburt durchlebte. Das Gefühl der Hilflosigkeit löste heftigen und entschlossenen Widerstand bei ihm aus, an keinem Punkt jedoch Resignation. Er erzählte uns, dass er sich im täglichen Leben oft ähnlich verhalte. Nach langen Kämpfen erreichten Kurts hek­ tische Bewegungen und sein Gebrüll schließlich einen Höhepunkt und hörten dann abrupt auf. Er kämpfte jetzt nicht mehr, sondern ging über in eine Phase tiefer Entspannung. An diesem Punkt beschloss er, sich hinzusetzen, die Augen zu öffnen und sich umzuschauen. Ich sagte ihm, es sei dafür noch zu früh und bat ihn, sich hinzulegen und wieder auf seine inneren Erfahrungen zu konzentrieren. Plötzlich fiel ihm ein, dass er, wie er aus Erzählungen wusste, eine Frühgeburt war. Auf diesem Hinter­ grund ergab meine Bemerkung, es sei noch zu früh, für ihn einen Sinn. Er legte sich wieder hin und deckte sich mit einer Decke zu. Zusammengerollt wie ein Fötus, hatte er das Gefühl, entschädigt zu werden für die Zeit, die ihm im Mutterleib verlorengegangen war. Er fand diese Haltung befriedigend und schön und war zufrie­ den und glücklich. Plötzlich nahm er zu seiner großen Überra­ schung den intensiven und deutlichen Geruch von frischem Leder wahr. Wieder und wieder stieg ihm dieser Duft in die Nase, was Kurt äußerst angenehm fand. Am Ende der Sitzung war Kurt völlig entspannt. Das kannte er aus seinem sonstigen Leben nicht. Normalerweise fühlte er sich immer sehr getrieben und genoss es, schwierigen Herausforde­ rungen zu begegnen und Krisen zu meistern. Er erzählte der Grup­ pe, bislang sei er immer unglücklich gewesen, wenn er in seinem Leben keine Probleme lösen und keine Widersacher bekämpfen musste.

Der Geruch von frischem Leder 147

Dann kam er auf den starken und intensiven Geruch von Leder zu sprechen, der in der Sitzung so wichtig gewesen war. Nach seinem Gefühl hing dieser Geruch mit dem Zustand angenehmer Entspan­ nung zusammen, der für ihn, wie er immer wieder betonte, der verblüffendste und bemerkenswerteste Aspekt seiner Sitzung war. Er hatte keine Ahnung, warum es an diesem Punkt nach Leder ge­ rochen hatte, und fand die Geschichte äußerst rätselhaft. Beim Austausch in der Gruppe fragte er mich, ob ich ihm sa­ gen könne, warum der Geruch von frischem Leder bei seiner Ge­ burt offensichtlich eine so wichtige Rolle gespielt hatte. Ich versi­ cherte ihm, frisches Leder oder der entsprechende Geruch sei keine typische Begleiterscheinung der Geburt, und dieses Phänomen sei für mich neu. Meine Vermutung war, dass es irgendwie mit den konkreten Umständen seiner Geburt zusammenhing. Wir kamen mit diesem Thema jedoch nicht weiter. Da Kurt diese Ungewissheit nicht ertragen konnte, rief er später am Abend noch seine Mutter an, um mit ihr über seine Geburt zu sprechen. Wie sich herausstellte, hatte seine Mutter während ihrer Schwangerschaft in einem Ledergeschäft gearbeitet. Am Tag seiner Geburt war sie bis zum späten Abend dort beschäftigt und nähte Tiroler Lederhosen, die auf ihrem Schoß lagen. Auch sie war hin­ sichtlich der Geburt gänzlich unerfahren, denn Kurt war ihr erstes Kind. Der Geburtstermin war noch nicht herangerückt, und als sie einen Blasensprung hatte, glaubte sie, sie sei an der Blase erkrankt. Als ihr klar wurde, was da passierte, war Kurt bereits unterwegs. Die Entbindung passierte ziemlich schnell, und Kurt kam auf dem Fußboden neben der unfertigen Lederhose zur Welt, einge­ hüllt in den Geruch von frischem Leder, der die Werkstatt erfüllte. Auch die erste Zeit nach seiner Geburt war eng mit diesem Geruch verbunden, denn seine Mutter nahm ihre Arbeit an den Lederho­ sen kurz nach Kurts Entbindung zu Hause wieder auf. Dieses wich­ tige Detail überzeugte sowohl Kurt als auch die Gruppe davon, dass sein Geburtserlebnis eine authentische Erinnerung war.

148 Teil 2: Geburt und pränatales Leben erinnern

Der Anblick der alten Eiche
Anne-Maries Geschichte

ungewöhnlicher als die ersten beiden, denn er verweist auf die Möglichkeit, dass visuelle Wahrnehmungen der Mutter an den Fötus weitervermittelt werden können. Er handelt von Anne-Marie, einer dreißigjährigen Anthropologin, die in einer LSD-Sitzung mit hoher Dosierung ihre Geburt noch einmal erlebte. Auch wenn wir generell empfehlen, in den Sitzungen zu liegen, verspürte sie den unwiderstehlichen Drang, aufzustehen und schnell im Zimmer hin und her zu laufen. Eine Weile lachte sie auch übermütig und un­ kontrolliert, ohne zu wissen warum. Als sie sich dann schließlich hinlegen konnte, steuerte ihre Erfahrung sehr schnell auf einen Höhepunkt zu, und Anne-Marie erlebte den Augenblick ihrer Geburt. Beim Hervorkommen aus dem Geburtskanal sah sie eine wunderschöne, riesige Eiche. Das alles ergab nicht viel Sinn, und wie viele andere, die beim Wiedererleben ihrer Geburt auf spezifische Details stießen, be­ schloss auch Anne-Marie, ihre Mutter anzurufen, um herauszufin­ den, wie ihre Entbindung verlaufen war. Anne-Marie stammte aus einer sehr konservativen Familie. Ihre Mutter war äußerst purita­ nisch eingestellt und hatte Gespräche über Sexualität immer ver­ mieden. Es war das erste Mal, dass sie über Anne-Maries Geburt sprachen. Obwohl ihre Mutter zögerte, zu sehr ins Detail zu gehen, warf ihr Bericht ein interessantes Licht auf Anne-Maries LSD-Sit-

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er dritte Bericht über eine Geburtserfahrung ist sogar noch

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zung. Die Mutter erzählte, dass sie im Kreißsaal sehr ängstlich und nervös gewesen sei und den Drang verspürte habe, ständig hin und her zu laufen, um ihre Anspannung zu bewältigen. Sie bestätigte auch, dass der Arzt ihr eine hohe Dosis Stickoxydul gegeben hatte, das auch als »Lachgas« bekannt ist, weil es unkontrolliertes Ge­ lächter auslöst. Die Entbindung ging nur schleppend voran, und die Mutter hörte das Gespräch von zwei Praktikanten mit an, von denen der eine sagte: »Diese Mutter kann nicht pressen. Besser, sie lernt das möglichst schnell, sonst verliert sie ihr Kind noch.« Da geriet sie in Panik und beschloss, mit aller Kraft zu pressen. An dem Punkt kam ihr plötzlich eine lebhafte Erinnerung aus ihrer Kindheit in den Sinn. Als kleines Mädchen hatte sie viel Zeit bei einer wunder­ schönen Eiche verbracht, die in unmittelbarer Nähe ihres Eltern­ hauses stand. Oft lag sie unter dem Baum und stemmte ihre Beine gegen den Stamm. Während sie in ihrer letzten Wehenphase presste, stellte sie sich vor, es mit ihren Beinen genauso zu machen, wie sie es als Kind schon immer bei der Eiche getan hatte. Diese Mutter hatte sich also genau in dem Augenblick, als Anne-Marie geboren wurde, eine Eiche vorgestellt; und das gleiche Bild tauchte auf, als Anne-Marie ihre Geburt noch einmal durch­ lebte. Wenn wir uns große Mühe geben, fallen uns vielleicht mate­ rialistische Erklärungen dafür ein, dass Anne-Marie bei diesem Er­ lebnis unkontrolliert lachen und hin und her rennen musste. Die Übertragung des inneren Bildes der Eiche von der Mutter auf die Tochter legt jedoch die Vermutung nahe, dass wir für Geburtserin­ nerungen nach einem völlig anderen Mechanismus Ausschau hal­ ten müssen - einem, der kein materielles Substrat erfordert.

150 Teil 2: Geburt und pränatales Leben erinnern

Pränataler Besuch des Jahrmarkts im Dorf
Richards Geschichte

zu einer fortgeschrittenen Schwangerschaft in der Phase un­ mittelbar vor der Entbindung. Sie handelt von Richard, einem klugen und attraktiven jungen Mann, der auf die offene Station des psychiatrischen Forschungsinstituts in Prag überwiesen wurde, weil er an schweren, chronischen Depressionen litt. Er hatte meh­ rere Selbstmordversuche unternommen und versucht, sich mit hohen Dosen von Östrogen selbst zu kastrieren, um seine starken homosexuellen Impulse zu bekämpfen. Nach einer erfolglosen Therapie mit konventionellen psychiatrischen Methoden bewarb er sich freiwillig um eine Behandlung in unserem psychedelischen Therapieprogramm. In einer seiner Sitzungen machte Richard ganz offensichtlich eine authentische intrauterine Erfahrung. Sein körperliches Er­ scheinungsbild veränderte sich dabei völlig. Er wurde zum Fötus und sah ganz anders aus als der erwachsene junge Mann. Er fühlte sich sehr klein und empfand seinen Kopf im Vergleich zu seinem Körper und seinen Extremitäten als unverhältnismäßig groß. Er hatte das Gefühl, im Fruchtwasser zu schwimmen und mit seiner Mutter über Plazenta und Nabelschnur verbunden zu sein. Er nahm wahr, wie das Blut zwischen ihnen zirkulierte und Nahrung in seinen Körper beförderte, die ihn am Leben erhielt. Diese Vor­

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ie nächste Geschichte führt uns zeitlich noch weiter zurück bis

die offen­ sichtlich auf die Bewegung der Gase und Flüssigkeiten in den Gedärmen direkt neben dem Uterus zurückgingen. dass die Bauch. seligen Zustand durch merkwürdige Geräusche aus der Außenwelt gestört. dass er ein reifer Fötus im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft kurz vor der Entbindung war. die sich zuriefen und lachten. und erinnerten ihn an spezielle Klangeffekte. das durch die Beckenarterien seiner Mutter schoss. akustischen Muster verschmolzen und von merkwürdigen Geräuschen begleitet waren. wie die moderne Tontechnik sie für bestimmte Aufnahmen mit elektro­ nischen Mitteln erzeugt. Eine Zeitlang bemühte er sich herauszufinden. die zu einem einzigen wellenförmigen. Nach einer Wei­ le konnte er zwei getrennte Geräusche ausmachen. Aufgrund die­ ser und anderer differenzierter Erlebnisse kam er mit Hilfe seiner erwachsenen Urteilskraft zu der Schlussfolgerung. Plötzlich wurde er in seinem friedlichen. Schließlich gelangte er zu dem Schluss. alle Geräusche von außen derartig verfremdeten. als würden sie in einem weitläu­ figen hohen Raum ertönen oder durch eine Schicht von Wasser zu ihm dringen.Pränataler Besuch des Jahrmarkts im Dorf 151 gänge waren verbunden mit dem seligen Gefühl der symbiotischen Verschmelzung mit seiner Mutter. Das Blut. dass letztere durch das Blut verursacht wurden. die sich ver­ mischten. Gele­ gentlich hörte er auch hohle und röhrende Geräusche. Plötzlich kam ihm ein Gedanke: Das muss­ . die ein heiliges Band zwischen ihnen schuf. die offensichtlich von Trompeten stammten. Nach einiger Überlegung erkannte er. empfand er als mysteriöse und magische Flüssigkeit. woher die Ge­ räusche stammten und wer oder was sie erzeugte. Bei dem einem handelte es sich eindeutig um menschliche Stimmen. Sie hatten einen seltsam hallenden Klang. das zwischen ihnen floss.und Uteruswand und das Fruchtwasser. in dem der Fötus trieb. In regelmäßigen Abstän­ den mischten sich weitere Klänge darunter. Während all dieser Erlebnisse vernahm er deutlich zwei ver­ schiedene Herzschläge mit unterschiedlichen Frequenzen.

Trotz der eindringlichen Einwände und Warnungen ihrer Mutter verließ sie das Haus. ohne ihr von seiner LSD-Erfahrung zu erzählen. dass die Wehen bei ihr verfrüht ein­ setzten. Laut Bericht ihrer Verwandten waren der Lärm und Tumult des Jahr­ markts dafür verantwortlich. Richard sagte. Obwohl sie hochschwan­ ger war. .152 Teil 2: Geburt und pränatales Leben erinnern ten die Geräusche des Jahrmarkts sein. wurde ihm klar. dass seine Mutter diesen Jahrmarkt im fortge­ schrittenen Stadium der Schwangerschaft besucht haben musste. Als ich Richards Mutter nach den Umständen seiner Geburt befragte. und seine Mutter konnte sich nicht erinnern. sie ihm jemals erzählt zu haben. um an den Festlichkeiten teilzunehmen. wollte sie sich ihn um nichts in der Welt entgehen lassen. der zwei Tage vor seinem Geburtstag in seinem Heimatdorf immer stattfand. Als er all diese verschiedenen Puzzlestücke erst einmal zusammengesetzt hatte. er habe von dieser Geschichte noch nie gehört. berichte­ te sie mir unter anderem ganz unaufgefordert folgende Geschichte: Im relativ eintönigen Alltag ihres Heimatdorfes war der Jahrmarkt eins der wenigen aufregenden Ereignisse.

Aufgenommen hatte sie vier Jahre nach seinen Erlebnissen Lennart Nilsson mit Hilfe eines Elek­ tronenmikroskops im Karolinska-Institut in Stockholm.und Perinatale Psychologie. die passive Eizelle attackierte und in sie eindrang. bei der er seine Empfängnis wiedererlebte. Ich weiß noch. son­ dern dass das Ovum an der Vereinigung aktiv mitwirkte. Zu seiner Überraschung machte Graham in seiner Sitzung die Erfahrung. werden die Be­ richte über pränatale Erfahrungen in holotropen Bewusst­ seinszuständen immer phantastischer und unglaublicher. Und doch vermitteln sie uns manchmal neue Informationen. . einen faszinierenden Bildvortrag des australischen Therapeuten Graham Farrant besuchte.Das Spermarennen gewinnen 153 Das Spermarennen gewinnen Erfahrungen mit der zellulären Ebene des Bewusstseins W enn wir zeitlich noch weiter zurückgehen.) in San Diego. Kalifornien. dass er als Spermium nicht. Während Graham mit Hilfe des Videotapes seine Erfahrungen beschrieb. wie ich einmal bei einer Konferenz der »Association of Pre. Das Videotape über seine Sitzung zeigte auf einer geteilten Leinwand die ersten Filmaufnahmen.and Perinatal Psychology« (Ver­ ein für Prä. indem es eine Verlängerung seines Zytoplasmas aussandte und ihn ver­ schlang.Ü.d. wie es die Medizin in jener Zeit lehrte. die später verifiziert werden können. die von einer menschlichen Empfängnis jemals gemacht wurden. Er zeigte unter anderem Videoaufnahmen von seiner Sitzung in Primärtherapie. Anm.

darin bestand. das ich so eifrig verfolgte. dass das Ziel. regelmäßigen Pulsschläge auf dessen Schrittma­ cher zurückgingen. Sie stimulierten eine lange Geißel. und das Bild meines Körpers veränderte sich radikal. die sich wellenförmig bewegte und mich vorwärtsschleuderte. die unwider­ stehlich verlockend waren. die mit nichts vergleichbar war. Trotz der Tatsache. dass ich ein Spermatozoid geworden war und die mysteriösen. dass dieses Szenario meinem wissenschaftlichen Denken absurd und lächerlich vorkam. Mir wurde klar. zum Ei zu gelangen und es zu befruchten. Mit Hilfe meines erwachsenen Verstandes kam ich zu dem Schluss. Im folgenden gebe ich einen Auszug aus dem Protokoll einer Sitzung mit hochdosiertem LSD wieder. . die mich durch Raum und Zeit einem unbekannten Ziel entgegenschleuderten.154 Teil 2: Geburt und pränatales Leben erinnern konnten wir gleichzeitig sehen. der etwa dort angesie­ delt war. Offensichtlich wurde ich zu einem primitiven Organismus. wo sich sonst meine Wirbelsäule befand. die ein junger Psychiater machte. vergleichbar einer Amöbe. wie er sich auf der zellulären Ebene des Bewusstseins mit Ei und Spermium identifiziert. Ich hatte nur vage Vor­ stellungen von meinem Bestimmungsort. wie Nilssons Film seine erlebnisbe­ dingten Einsichten bestätigte. Nach der Erfahrung des Spermarennens und der Vereinigung der beiden Keimzellen bei der Empfängnis erlebte er noch einmal die Zell­ teilungen des befruchteten Eis und die vollständige Entwicklung des Embryos zum reifen Fötus: »Mein Bewusstsein wurde immer undifferenzierter. Nach einiger Zeit wurde mir überraschend klar. was ich in meinem Leben jemals empfunden hatte. Ich verspürte eine merkwürdige Aufregung. Ein Teil von mir. konnte ich der Verlockung nicht widerstehen. erzeugte rhythmische Pulsschläge. aber die Mission war of­ fensichtlich von höchster Wichtigkeit. der überzeugend beschreibt. dass ich an einem hektischen Superrennen teilnahm und da­ bei irgendwelchen chemischen Botschaften folgte.

Das Spermarennen schien auch von äußeren Kräften gesteuert zu werden. dass es sich dabei um mysteriöse karmische und astrolo­ gische Einflüsse handelte. Es enthielt jedoch noch viele zusätzliche Dimensionen. die mein intellektuelles Wissen über diese Vorgänge bei weitem übertrafen und auch über das hinausgingen. stellte offensicht­ lich einen komplizierten Mikrokosmos dar. trug sämtliche grundlegenden Züge des physiologischen Prozesses der mensch­ lichen Befruchtung. Natur­ geschichte und Mythologie schienen untrennbar miteinander ver­ knüpft zu sein und waren lediglich verschiedene Aspekte ein und desselben vielschichtigen kosmischen Gewebes. zu der ich geworden war. Die physiochemischen Konfigura­ tionen schienen eng verbunden zu sein mit ursprünglichen phylo­ genetischen Prägungen. war ich mir der Komplexität aller beteiligten Faktoren bewusst. dass sie mit der Geschichte und mit den Sternen zusammenhingen. Was da geschah. was ich mir mit Hilfe meiner Phantasie in meinem gewöhnlichen Bewusstseinszustand dazu hätte ausmalen können. die sein Ergebnis bestimmten. Mein Bewusstsein oszillierte und wechselte zwi­ schen dem eines Spermiums. ein ganzes Universum für sich. Genetik. Mythen und archetypische Bilder. . Die Spermazelle. Die ursprüngliche archetypische Struktur der DNA-Moleküle war durchsetzt von holographischen Bildern der verschiedensten Lebensformen. wie er an den medizinischen Hochschulen ge­ lehrt wird. Ich spürte die biochemischen Prozesse im Zellkernplasma und stellte mir die Chromosomen und selbst die molekulare Struk­ tur der DNA vor.Das Spermarennen gewinnen 155 mich auf dieses Rennen mit großer Ernsthaftigkeit und unter Ein­ satz all meiner Kräfte einzulassen. und schloss daraus. Biochemie. Ich spürte. das auf sein Bestimmungsziel zueilte. Erinnerungen an Vorfahren. Während ich mich als Spermazoid im Wettrennen um das Ei erlebte. die alle zusammen in ein und derselben un­ endlich komplexen Matrix existierten. An einem Punkt dieses Rennens identifizierte ich mich auch mit der Eizelle.

Dann kam der Höhepunkt in Form einer triumphalen Im­ plosion und der ekstatischen Verschmelzung des Spermiums mit dem Ei. Merkwürdigerweise schien sowohl das Spermium als auch die Eizelle ein und dasselbe Ereignis als individuellen Erfolg und ge­ meinsamen Triumph zugleich zu erleben. die auf die Empfängnis folgt. Es gab zahlreiche Aufgaben zu bewältigen. Die Aufgabe bestand offenbar darin. an dem zwei beteiligt waren. son­ dern auch für zwischenmenschliche Beziehungen generell. vom befruchteten Ei über die ersten Zellteilungen. der Zellteilungen und des Gewebewachs­ tums voll bewusst. aber starken Erwartung eines Er­ eignisses. und ich war beide Keimzellen auf einmal. Ich war mir des damit verbundenen bio­ chemischen Prozesses. He­ rausforderungen zu bestehen und kritische Phasen zu überwinden. führte zum Sieg und zur totalen Befriedigung beider. Beide hatten ihre Missi­ on erfüllt . dass es dem Flug eines Raumschiffs glich.das Spermium hatte das Ovum erreicht und war darin eingedrungen. In verdichteter und äußerst beschleunigter Form durchlebte ich die vollständige Embryogenese. Ein einziger Akt.156 Teil 2: Geburt und pränatales Leben erinnern und dem eines Eis in der vagen. Nach der Verschmelzung der Keimzellen ging meine Erfah­ rung im raschen Tempo des Spermarennens weiter. Morula. das höchst wünschenswert und wichtig war. An diesem Punkt kamen die beiden gespaltenen Einheiten des Bewusstseins zusammen. . Ich empfand diese Situation.nicht nur für das Zusammenwirken des Männlichen und des Weiblichen in der Sexualität von erwachsenen Menschen. Blastula und weiter bis zum voll entwickelten Fötus. Die Aufre­ gung über dieses Rennen wuchs mit jeder Sekunde. und das Ovum hatte das Spermium empfangen und sich einverleibt. in der beide nur gewinnen konnten. als ideales Modell . dass alle beteiligten Parteien am Ende zufrieden waren und das positive Erlebnis als persönlichen Erfolg erlebten. die Umstände so zu gestalten. und sein hek­ tisches Tempo steigerte sich dermaßen. das sich in Lichtgeschwindigkeit seinem Ziel näherte.

war ich überzeugt.« . der zugleich ein Triumph der schöpferischen Kraft der Natur war. Das explosionsartige Wachs­ tum des Embryos setzte enorme Kräfte frei und ein intensives gol­ denes Licht. die biochemische Energie zu er­ leben. dem pulsierenden Herzen des Embryos. Ich wurde zu den Kiemenbögen. die damit verbundenen Emotionen waren stark und überzeugend. den Säulen der Leberzel­ len.als individuellen Erfolg. Ich hatte das Gefühl. dass ich meine Inkarnation vollbrachte: Ich hatte ein Ren­ nen gewonnen. zwei außer­ ordentliche Meisterstücke hatte ich bereits geschaffen. einfach da­ durch. an dem sich Hunderte Millionen von Konkurrenten beteiligten. Auch das erlebte ich als eine große Errungenschaft . den Schleimhäuten der Gedärme und vielen anderen Teilen des sich entwickelnden Organismus. und die schwierige Aufgabe der Embryogenese erfolg­ reich abgeschlossen. Als ich in meinen gewöhnlichen Bewusstseinszustand zurück­ kehrte. dass ich meine fötale Entwicklung abgeschlossen hatte. dass diese Erfahrung nachhaltige und dauerhafte Auswirkungen auf meine Selbstachtung haben würde. die das rasche Wachstum von Zellen und Gewebe bewirkt. Auch wenn der Wissenschaftler in mir sich über diese einfältigen Gedanken amüsierte und herablassend darü­ ber lächeln mochte.Das Spermarennen gewinnen 157 Ich beobachtete und erlebte die Differenzierung von Gewebe und die Herausbildung neuer Organe. Ganz gleich. An einem bestimmten Punkt wusste ich sicher. wie mein Leben weiter verlaufen würde.

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Teil 3 Wiederholungs­ besuche in der Geschichte Die Reichweite des mensch­ lichen Gedächtnisses .

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die über das konkrete intellektuelle Wissen der Menschen. wie Mainstream-Psychiater meistens annehmen. in denen sie sich aufhielten. . Manche erlebten auch Ereignisse. Architektur. Viele meiner Klientinnen und Klienten berichte­ ten. Diese Erinnerungen an Vorfahren. ohne das Gefühl zu haben. dass es zwischen ihnen und den Protagonisten dieser Szenen eine biologische Ver­ bindung gab. weit hinausgingen. dass diese Erfahrungen keine Phanta­ sieprodukte oder eine symbolische Verarbeitung aktueller Pro­ bleme waren. die anderen Rassen und Nationen angehörten. Bei ihren Erlebnissen identifizierten sie sich oft mit Menschen. sie hätten in psychedelischen Sitzungen Ausschnitte aus dem Leben ihrer Vorfahren erlebt. Rasse und Kollektiv ent­ hielten oft präzise historische und kulturelle Informationen. Waffen. die noch weiter zurückreichten als der Zeitpunkt ihrer eigenen Empfängnis. Die Betreffenden lieferten korrekte Beschreibungen mit vielen spezifischen Details von Kostümen. All das schien darauf hinzuweisen. die sich in anderen historischen Zeiten und fremden Gegenden abspielten. stand ich vor einer noch grundlegenderen gedanklichen Herausforderung. dass wir in holotropen Be­ wusstseinszuständen tatsächlich Zugang zu Erinnerungen an unsere biologische Geburt und unser Leben als Embryo bekom­ men. Ritualen und anderen Aspekten der histo­ rischen Etappen und Länder.Teil'3: Wiederholungsbesuche in der Geschichte 161 S obald ich mir klar gemacht hatte. die sie erlebten.

. dass eine dieser Erfahrungen sämtliche Kriterien für ihre Verifizierung erfüllte . die uns helfen konnten.i62 Teil 3: Wiederholungsbesuche in der Geschichte sondern einzigartige und faszinierende Phänomene sui generis. Jung es beschrieben hat.G. Andere waren sehr genau und detailliert. sie zu über­ prüfen. also besonderer Art. Zur Einschätzung dieser Erfahrungen und für den Nachweis ihrer Authentizität war eine Bestätigung des so vermittelten Wis­ sens erforderlich. dass das Individuum zu den entsprechenden Informationen nicht auf üblichem Wege gelangt war. Doch ab und zu kam es vor. Wir mussten aufzeigen können. die diese Schilderungen enthielten. wie C. die mir im Laufe der Jahre begegnet sind. eindeu­ tige Informationen. Diese Beobachtungen waren starkes Beweismateri­ al für die Existenz eines kollektiven Unbewussten. Im Folgenden schildere ich ein paar Beispiele für einige bemerkenswerte Fälle dieser Art. doch gab es kein Archiv­ material oder andere Quellen. Viele der geschilderten Ereignisse hatten vor langer Zeit und in fremden Ländern stattgefunden. nicht konkret oder präzise genug. dass meine Kli­ entinnen und Klienten es nicht auf dem üblichen Informationsweg erworben hatten. Das war natürlich keine leichte Aufgabe. angemessene Quellen für die Überprüfung ihrer Richtigkeit von unabhängiger Seite und die Garantie. Manchmal waren die Informationen.klare.

D ie erste dieser Geschichten handelt von Inga. Sie konnte auch ganz deutlich wahrnehmen. vierzehn Jahre vor ihrer Emp­ fängnis. einer jungen . seine Emotionen und seine Gedanken. er­ weiterte sich ihre Erfahrung. was in ihrer unmittelbaren Um­ gebung passierte. Inga erlebte sich als jungen Soldaten. der zu Beginn des Zweiten Weltkriegs stattfand. die ich (wie schon erwähnt) als dritte perinatale Grundmatrix bezeichne. Ihre holotrope Atemsitzung ging sehr tief und kreiste um ihre biologische Geburt. Eine der Szenen in Ingas Sitzung war je­ doch ungewöhnlich und unterschied sich deutlich von den anderen. und Inga sah Szenen. Als sie den Kampf im Geburts­ kanal noch einmal durchlebte. der an einer Schlacht des Krieges zwischen Russland und Finnland teilnahm. Sie war völlig mit ihm identifiziert und spürte seinen Körper. in denen es um Aggression und um das Töten in verschiedenen Formen von Krieg ging. Dieses parallele Auftauchen von perinatalen Erfahrungen und Bildern der Gewalt aus dem kollektiven Unbewussten ist typisch und kommt häufig vor. Als sie/er sich einmal im Wald hinter einer Birke versteckte.Ein Erlebnis aus dem russisch-finnischen Krieg 163 Ein Erlebnis aus dem russisch­ finnischen Krieg Ingas Geschichte Frau aus Finnland. streifte eine Kugel ihre/seine Wange und ihr/sein Ohr. die in Stockholm einen unserer Work­ shops besuchte. Zu ihrer großen Überraschung wurde ihr plötzlich klar. dass sie tatsächlich ihr eigener Vater war und diese Schlacht aus seiner Sicht erlebte. die Entbindungsphase.

dass ihr Vater am russisch­ finnischen Krieg teilgenommen hatte. Er bestätigte auch. und ihre Beschreibungen dieser Szene und der Umgebung einschließlich der Birke trafen absolut zu. war sie sehr aufgeregt und fast ehrfürchtig. war ihm im Krieg tatsächlich pas­ siert. dass es sich hier um ein tatsächliches Ereignis aus dem Leben ihres Vaters handeln musste. dass er dieses Erlebnis besonders erwähnenswert fand.164 Teil 3: Wiederholungsbesuche in der Geschichte Diese Erfahrung war extrem lebendig. was sie erlebt hatte. gelangte sie zu dem Schluss. Nachdem sie sich mit der Gruppe über ihre Erfahrungen ausgetauscht hatte. Als Inga nach dem Telefonat mit ihrem Vater in die Gruppe zurückkehrte. Inga wusste nicht. weil er nicht so schwer verletzt worden war. war aber sicher. Rational war ihr klar. dass er über dieses Ereignis nie mit ihr oder anderen Familienmitglie­ dern gesprochen hatte. als sie ihm am Telefon von ihrer Erfahrung er­ zählte. und beschloss. authentisch und faszinie­ rend. Ihr Vater war total erstaunt. Alles. telefo­ nisch mehr darüber herauszufinden. dass er über dieses spezielle Erlebnis nie gesprochen hatte. . woher sie stammte und was sie damit an­ fangen sollte.

aber ihr war schmerzlich bewusst. das D as zweite Beispiel handelt von der Erinnerung einer Vorfahrin aus einer Zeit. Sie sollte ein gutes Mädchen sein. sich benehmen. auf der Veranda eines Fachwerkhauses saßen. alles falsch gemacht zu haben. und sie hatten das Kind streng ermahnt. An Einzelheiten konnte sie sich nicht erinnern. Offen­ sichtlich waren alle ins Gespräch vertieft. eine fünfzigjährige Psychologin. Zu ihrem großen Erstaunen wurde sie plötzlich zu ihrer Mutter als kleines Mädchen im Alter von 3 oder 4 Jahren. wie sie für die damalige Zeit (zu Beginn des 20. erlebte in ihrer LSD-Sitzung eine sehr realistische Szene aus der frühen Kind­ heit ihrer Mutter.Tanten und Onkeln -. Sie hatte das Gefühl. und fühlte sich von den übertriebenen Ansprüchen der Erwachsenen völlig überfordert.Das kleine Mädchen mit der weißen Schürze 165 Das kleine Mädchen mit der weißen Schürze Nadjas Geschichte mit ihrem Vater. dass gerade etwas sehr Unangenehmes und Beängstigendes pas­ siert war. Die Kleine hielt sich mit der Hand den Mund zu und war ängstlich und einsam wie ein verschrecktes Tier. Nadja. Aus ihrem Versteck überblickte sie eine Szene mit vielen Ver­ wandten . Jahrhunderts) ty­ pisch waren. die noch weiter zurückliegt als Ingas Erlebnis . Sie hatte gerade etwas gesagt. die in altmodischen Kleidern. und niemand beachtete sie. das ein steifes Sonntagskleid trug und sich unter einer Treppe ver­ steckte. das aus der Sicht der Erwachsenen eine Frechheit war.

aber nicht zu hören sein. und wie sehr sie sich nach Spielgefährtinnen gesehnt habe. . ein Thema. Es gab von dieser Szene keine Familienfotos. was sie da im Traum gesehen habe. die das bestimmt missbilligt hätte. Kaum hatte sie mit ihren Beschreibungen angefangen. die Erwachsenen jemals zufriedenzustellen. dass sie eine LSD-Sitzung genommen hatte.i66 Teil 3: Wiederholungsbesuche in der Geschichte Richtige sagen und sich nicht schmutzig machen. Ihr Bericht stimmte völlig überein mit Nadjas inneren Erlebnissen. über das die beiden bislang nie gesprochen hatten. Die Mutter fügte noch viele Ein­ zelheiten aus ihrer Kindheit hinzu. wie autoritär und streng ihre eigene Mutter (Nadjas Großmutter) gewesen sei. sie habe von der Kindheit der Mutter geträumt und wolle wissen. die für ihre Kindheit so typisch waren. die zu ihr führte. wandte sich Nadja nach der Sitzung an ihre Mutter. und schilderte die über­ triebenen Forderungen ihrer Mutter an sie in Bezug auf Sauberkeit und anständiges Verhalten. die Nadjas Erfahrungen in der LSD-Sitzung logisch ergänzten. Sie beschrieb das Haus genau so. wie Nadja es in ihrer LSD-Sitzung vor sich gesehen hatte. Sie fühlte sich ausgeschlossen und geächtet und schämte sich sehr. Auch die Kleider mit den steifen weißen Schürzen. und erwähnte auch die große Veranda und die Treppe. und das Haus war lange vor Nadjas Geburt abgerissen worden. lud Nadjas Großmutter sonntags oft die Verwandtschaft zu einem Familientreffen ein und kochte für alle. Neugierig geworden auf das. beschrieb die Mutter. da sie neben zwei viel älteren Brüdern das einzige Mädchen war. um entsprechende Einzel­ heiten aus deren Kindheit zu erfahren. Stattdessen erzählte sie ihr. ob wirklich passiert sei. wie ein­ sam sie sich in ihrer Kindheit immer gefühlt habe. Wie ihre Mutter er­ zählte. was da passiert war. nicht sagen. unterbrach ihre Mutter sie und erzählte weiter. Nadja wollte ihrer konserva­ tiven Mutter. Es schien ihr un­ möglich. Sie vertraute Nadja an.« Nadjas Mutter betonte. Diese Ansprüche waren gebündelt ent­ halten im Lieblingsspruch ihrer Mutter: »Kleine Kinder sollten zu sehen.

die ich zusammen mit Christina organisierte. und Marianne beschloss. warum so viele ihrer Träume und Alpträume sowie ihre Erlebnisse mit magischen Pilzen und LSD.Erinnerungen der geraubten Generationen zurückbringen 167 Erinnerungen der geraubten Generationen zurückbringen Mariannes Geschichte rungen aus dem Leben der Vorfahren geht es um eine Famili­ engeschichte. Internationalen Trans­ personalen Konferenz in Palm Springs. Geburtstag. es nie wieder zu erwähnen. Als sie dieses Geheimnis in der Schule preisgab. bereits selbst öffentlich vorgetragen. die mehrere Generationen zurückreicht. An diesem Tag erfuhr sie von ihren Eltern. Später grübelte sie auch darüber nach. Ich nenne hier ihren tatsächlichen Namen. eine australische Hebamme. dass sie ein Adoptivkind war. verspotteten die anderen Kinder sie. von australischen Aborigines handelten. die sie als Jugendliche und als Zwanzigjährige hatte. jedoch erst. die unser Training für Holotropes Atmen und Transpersonale Psychologie mit Abschluss absolvierte und diese Arbeit schließlich selbst prak­ tizierte. Ernsthaft nachzudenken begann sie über die Tatsache. die mit sehr intensiven Gefühlen verbun­ den war. dass sie ein Adoptivkind war. Mariannes erstaunliche Ahnenforschung begann an ihrem 13. B eim dritten Beispiel für persönliche Erfahrungen mit Erinne­ . Erforscht hat sie Marianne Wobcke. denn Marianne hat ihre Geschichte im Juni 2004 bei der 16. als sie bei ihrer Arbeit als Hebamme eine Erfahrung machte.

Ma­ rianne war als Hebammenschülerin begeistert bei der Sache und stürzte sich so eifrig darauf. Diese Erfahrung als Hebamme in der Ausbildung weckte in Marianne eine heftige Neugier bezüglich der Tatsache. versuchte sie unter anderem Blickkontakt mit ihr aufzunehmen. die nach einer Vergewaltigung schwanger geworden war. während der Familien­ dienst nach der Mutter suchte. Schließlich erfasste Marianne die Situation intuitiv. dass ihr davon übel wurde. Sie hockte sich in respektvollem Abstand zu der entbindenden Frau hin und gewährte ihr das Privileg. Sie reagierte auch negativ auf Mariannes Geruch. Marianne reagierte darauf tief betroffen und war ganz vernarrt in das Kind. Die Entbindung dieser australischen Aboriginefrau. Das Baby blieb drei Wochen auf der Säuglingsstation. dass sie immer wieder deren Grenzen verletzte. dass sie . Nicht vertraut mit der Tra­ dition der australischen Aborigines. um ihr Anrecht auf den Säugling anzumelden. was für Vollblut-Aborigines ein Tabu ist. Für sie stank Marianne so sehr nach Seife und Parfüm. drehte die Frau Marianne den ge­ krümmten Rücken zu und bedeckte Nase und Gesicht mit den Händen. Um sich zu schützen. die sich tatsächlich aus dem Staub gemacht hatte. der den Beginn ihrer eigenen Reise zum Erbe ihrer Ahnen markierte. alle Großmütter. ihr Kind in Ruhe und ohne Ein­ mischung von außen zu gebären. dass die Anwe­ senheit bei der Geburt dieses Kindes Mutterinstinkte bei ihr ausge­ löst hatte. trotzdem war sie über die Heftigkeit ihrer Emotionen erschrocken. Als drei Älteste. die ihr Baby schließlich im Stich ließ. auf die Station ka­ men. Ihre Vernunft sagte ihr. Bei ihrer ersten Entbindung be­ treute sie eine Vollblut-Aboriginefrau aus dem australischen Wes­ ten. diese Frau zu unterstützen.168 Teil 3: Wiederholungsbesuche in der Geschichte Im April 1991 begann Marianne im Toowoobma-Base-Hospital ihre Ausbildung zur Hebamme. hatte Marian­ ne zufällig gerade Dienst und überließ ihnen das Baby Anschlie­ ßend verfiel sie in einen heftigen Kummer. wühlte Marianne sehr auf.

das Mysterium ihrer Vergangenheit zu entwirren. Sie bekam migräneartige Kopfschmerzen. zögerte Marianne. wo sie aufgeben wollte. denn sie wusste ziemlich sicher. Mit Marys Hilfe brach Marianne zur abenteuerlichen Reise ihrer Selbsterforschung auf. Sie erlebte auf diesem Weg viele Enttäuschungen und landete oft in der Sackgasse. die in den Vereinigten Staaten bei uns eine Ausbildung mit Abschluss gemacht hatte. Schließlich schrieb sie an den Fa­ miliendienst. . dass sie nicht aus ihrem jetzigen Leben stammten. sich mit ihren Fragen an sie zu wenden. die offensichtlich mit ihrer schwierigen Geburt zusammenhingen. andere in ihren Träumen und in ihrem realen Alltagsleben. Da ihre Eltern auf dieses Thema nie wieder zu sprechen gekommen waren. Als sie die­ sen Teil ihrer Geschichte noch einmal durchlebte. eine Therapeutin.Erinnerungen der geraubten Generationen zurückbringen 169 selbst ein Adoptivkind war. Mary wurde Mariannes Begleiterin beim Holotropen Atmen und schließlich eine enge Freundin. die eine Zangengeburt gewesen war. ob diese Dinge ihr tatsäch­ lich passiert waren und sie sie möglicherweise aus ihrem Bewusst­ sein verbannt hatte. In den folgenden zehn Jahren kam Marianne bei ihrer Odyssee immer wieder an einen Punkt. selbst holotrope Atemsitzungen zu geben. als sie Mary Madden ken­ nenlernte. der Italienisch statt Englisch sprach. bildeten sich auf ihrer Stirn und an anderen Körperteilen spontan Blutergüsse. Sie versuchte verzweifelt. Nach einer Weile kam per Post ein Päckchen. Dazu gehörten auch Erinnerungen an wiederholten sexuellen Missbrauch als Kind und die Vergewaltigung durch einen Mann. das den Namen ihrer leiblichen Mutter und deren Alter zum Zeitpunkt von Mariannes Geburt enthielt sowie ein Buch mit dem Titel Keine Geheimnisse mehr. in dem sich ein kurzes Schreiben mit Daten zu ihrem Adoptivstatus be­ fand. manche in holotropen Sitzungen. Marianne war verblüfft über diese Erfahrungen. Neuen Antrieb bekam ihre Suche. auf der sie viele schwierige Er­ fahrungen machen sollte. was sie befugte. sich zu erinnern.

die sie innerlich verfolgten. So entstand schließlich eine Reihe von bemerkenswer­ ten Darstellungen. 1995 hatte Marianne ihren ersten entscheidenden Erfolg: Der Suchdienst der Heilsarmee entdeckte ihre Großmutter und mehre­ re Onkel. die wie sie Atemarbeit machten. Die spärlichen Angaben in die­ . dass Ältes­ te der Aborigines sie aufsuchten und ihr ganz konkret zeigten.Queenslands erstes. in Zusammenarbeit mit anderen Gruppen »Blue Care« ins Leben zu rufen . Sie war verwirrt und desorientiert. die in Sydney wohnten. Ihre Ver­ wandten wollten jedoch nichts mit ihr zu tun haben. staatlich gefördertes. die ihren dramatischen inneren Prozess doku­ mentierten und illustrierten. sei es in den Atemsitzungen. Ein halbes Jahr später schließlich erhielt sie einen distanzierten Brief von ihrer leiblichen Mutter. sie habe diese Krise nur mit Hilfe der liebevollen Un­ terstützung überlebt.170 Teil 3: Wiederholungsbesuche in der Geschichte In dieser schwierigen Phase ihrer Selbstfindung zog sich Marianne von ihrem Partner. verlor gelegentlich den Boden unter den Füßen und hatte keinen Lebenswillen mehr. unabhängiges Ausbildungsprogramm für Hebammen. Sie war überzeugt. die in Neuseeland lebte. die sie in der Gemeinschaft der Menschen erfuhr. Das inspirierte sie. spielten diese Menschen in vielen ihrer inneren Erfahrungen eine wichtige Rolle. Auch wenn sie bis zu diesem Punkt nur sehr wenige Kontakte zur Gemeinschaft der Aborigines hatte. Rückblickend be­ richtete sie. wie sie ihre Arbeit als Hebamme verbessern konnte. in Träumen oder spontan in ihrem Alltag. und über diese Menschen fand sie auch ihre leibliche Mutter. Familie und Freunden völlig zurück. dass sie sich in dieser schwierigen Zeit ohne diese Zuwendung ihrer Beglei­ terinnen und Leidensgenossen das Leben genommen hätte. und Marian­ ne war durch diese Abfuhr völlig am Boden zerstört. Erstaun­ lich eindringlich und deutlich stellte Marianne sich vor. Aber sie schrieb ihre Erlebnisse sorgfältig in ihr Tagebuch und zeichnete fleißig Bilder der Szenen. Mit der Suche nach ihrer leiblichen Mutter hatte sie in dieser Zeit kein Glück.

Nach vergeblichen Versuchen.Erinnerungen der geraubten Generationen zurückbringen 171 sem Schreiben waren eine überraschende Bestätigung von Ma­ riannes Erfahrungen. In einer ihrer Sitzungen erlebte sie sich als Vollblut-Aboriginefrau. diese Erleb­ nisse zu zeichnen und zu dokumentieren. Mariannes Suche war damit jedoch noch nicht zu Ende. Man nahm ihr ihre beiden Kinder weg. Die Familie setzte die junge Frau in ein Schiff nach Neuseeland. nach einer Therapiesitzung. nachdem ein Italiener. eine Abtreibung zu organisieren. Diesmal hatte sie Erfolg: Ihre Mutter kam ans Telefon. Nach die­ ser unerwarteten Bestätigung der Umstände ihrer Empfängnis und Geburt gingen ihre Erfahrungen in der holotropen Atemarbeit mit neuer Intensität weiter. meldete ihre Mutter sich nicht wieder bei ihr. den Kontakt fortzusetzen. was zu schweren Verbrennungen führte. Zu der Zeit war Mariannes Mutter ein Teenager und lebte in einer kleinen Stadt im äußersten Norden von Queensland. Eines Tages. ihre Vergangenheit zu vergessen. ver­ gewaltigt und geschlagen wurde. tauchte ihre Beine in Petroleum und zündete sie an. um neu anfangen zu können. um nicht verrückt zu werden. rief Marianne auf Mary Maddens Vorschlag hin die Vermittlung an und meldete ein Fern­ gespräch nach Neuseeland an. die von zwei uniformierten Männern zu Pferde gefesselt. . Ihre Mutter schrieb. einer traumatischen Zangenge­ burt. in der es wieder einmal um australische Ureinwohner ging. und ob­ wohl diese sich wiederholt bemühte. berührte und sah die Mutter ihr Kind nie wieder. der kein Englisch sprach. Nach Mariannes Entbindung. sie vergewaltigt hatte. steckte man sie in ein Heim für ledige junge Frauen. dass sie mit Marianne schwanger geworden war. Neben der brutalen Traumatisierung durch die Vergewaltigung musste sie auch noch Anschuldigungen und Vor­ würfe seitens ihrer Eltern ertragen. Marianne fuhr fort. In ihrem Brief wünschte sie Marianne alles Gute. wo sie sich bemühte.

ihre Urgroßmut­ ter sei eine Vollblut-Aboriginefrau gewesen. Es gab auch einen Polizei­ bericht über zwei Offiziere. . auf die er zufällig gestoßen war. eine Organisation der Aborigines. Das Mysterium schien sich endlich aufzuklären. Ein paar Monate später erhielt Marianne per Post eine Dokumentation über die Jahre 1895 bis 1918. und Marianne fasste wieder Hoffnung. Auf diese Weise kam sie nicht voran. Marianne fand auch bestätigt. Nachforschungen für sie an­ zustellen.172 Teil 3: Wiederholungsbesuche in der Geschichte Bei diesem Gespräch erzählte Mariannes Mutter. genauso. und bat um Unterstützung für die Bestätigung ihres Status als Ur­ einwohnerin. einer Organisation. emotionalen. Mariannes Adoptiveltern hatten sie während all dieser Ereig­ nisse kontinuierlich unterstützt. Ohne die Erlaubnis ihrer leiblichen Mutter konnte man ihr hier jedoch nicht weiterhelfen. die die illegale Tochter eines älteren Junggesellen und Landbesitzers im äußersten Norden von Queensland gewesen war. Dieser Mann bekannte. Dieser hatte eine Freistellung vom Protektionsgesetz für Aborigines beantragt. körperlichen und spirituellen Missbrauch. der das Leben dieser Frau gezeichnet hatte. und Mariannes Frustration wuchs. und aus dieser Verbindung waren zwei Mischlingskinder hervorgegangen. die um das Jahr 1900 herum zu Pferde ausrückten. die man ins »Nigger Camp« brachte. damit er das Misch­ lingskind zu sich nehmen und es bei ihm aufwachsen konnte. wie sie es in ihrer Atemsitzung erlebt hatte. Verzweifelt wand­ te Marianne sich an »Link Up«. Nach diesem Gespräch zog sich ihre leibliche Mutter jedoch erneut zurück und verweigerte jeden weiteren Kontakt. und eines Tages gab ihr Vater ihr eine Telefonnummer. um »die Eingeborene und ihre Kinder« festzunehmen. sich eine Vollblut-Aboriginefrau zur Geliebten genommen zu haben. in der man bereit war. welche bis ins Detail die Geschichte ihrer Urgroßmutter enthielt. und beschrieb den se­ xuellen. wo sie für andere arbeiten mussten. So kam Ma­ rianne in Kontakt mit »Community and Personal Histories«. dass die Füße ihrer Ur­ großmutter bei diesem Ereignis schwere Verbrennungen erlitten.

Erinnerungen der geraubten Generationen zurückbringen 173

Man vermittelte Marianne an einen Berater der Organisation »Sto­ len Generations« (Geraubte Generationen, Anm.d.Ü.). Die Zusam­ menarbeit mit ihm erwies sich als außerordentlich hilfreich und brachte eine nachhaltige Wende der Ereignisse. Im Juni 2003 begleitete ein Vertreter der Organisation »Link Up« sie nach Sidney, wo sie drei Tage Wiedervereinigung mit ihrer Großmutter und ihrem Onkel Robbie feierte. Die Gefühle, die Ma­ rianne empfand, als sie das Haus ihrer Großmutter betrat, lassen sich mit Worten kaum beschreiben. Ihre Großmutter nahm sie in die Arme, weinte und sagte zu ihrem Sohn: »Endlich ist unsere Kleine nach Hause gekommen.« Marianne fand heraus, dass ihre Großmutter, unmittelbar nachdem sich die Heilsarmee vor Jahren an sie wendete, einen Schlaganfall erlitten hatte. Als sie sich wieder erholt hatte, erinnerte sie sich nicht mehr an dieses Ereignis und wusste nicht, wo Marianne war und wie sie Kontakt zu ihr aufneh­ men konnte. Als tief spiritueller Mensch hatte sie täglich darum gebetet, dass Marianne zu ihnen zurückfinden möge. Mariannes leibliche Mutter hat nur begrenzten Kontakt zu ihrer Familie und weigert sich weiterhin, ihre Tochter anzuerken­ nen. Aber die Akzeptanz und Liebe ihrer Großmutter und ihres Onkels lassen Mariannes Schmerz über diese Ablehnung allmäh­ lich verheilen. Ihr Onkel Robbie schrieb kürzlich in einem Brief: »Ich habe mich immer wieder gefragt, warum unser Leben so anders geworden ist, seitdem du bei uns warst. Dann kam mir plötzlich der Gedanke, dass du, als du durch Großmutters Tür he­ reinkamst, unsere Familie vollständig gemacht hast. Als habe der Kreis sich endlich geschlossen. Wir haben dich von Herzen lieb.« Marianne fand schließlich doch noch nach Hause - und damit ist ihre Heldinnenreise zu Ende.

174 Teil 3: Wiederholungsbesuche in der Geschichte

Erinnerung an das Erlebnis eines Vorfahren oder Erfahrung aus einem eigenen früheren Leben?
Renatas Geschichte

Jahrhunderts. An diesem Fall wird deutlich, wie groß die gedank­ lichen Herausforderungen sind, vor die uns die Verifizierung der hier enthaltenen Informationen stellt. Die Hauptfigur dieser Ge­ schichte ist Renata, eine frühere Klientin von mir, die in Behand­ lung kam, weil sie an einer Krebsphobie litt, die sie sehr belastete. In ihrer LSD-Therapie durchlebte sie noch einmal verschiedene traumatische Erfahrungen aus ihrer Kindheit und setzte sich wie­ derholt mit der Erinnerung an ihre Geburt auseinander. Im fortge­ schrittenen Stadium ihrer Selbsterforschung veränderten sich ihre Sitzungen plötzlich dramatisch, und sie machte hier höchst unge­ wöhnliche, beispiellose Erfahrungen. In vier LSD-Sitzungen kam bei ihr fast ausschließlich Material aus einer bestimmten historischen Epoche hoch. Viele dieser Er­ lebnisse fanden im Prag des 17. Jahrhunderts statt, einer Zeit, die für die tschechische Geschichte von entscheidender Bedeutung war. Nach der verheerenden Schlacht am Weißen Berg im Jahr 1620, die den Verlauf des Dreißigjährigen Krieges in Europa mar­ kierte, verlor das Land seinen Status als unabhängiges Königreich

D

ie im vierten Beispiel geschilderte Situation reicht in der Ge­ schichte weit zurück und bringt uns an den Anfang des 17.

Erinnerung an das Erlebnis eines Vorfahren 175

und geriet unter die Hegemonie der Dynastie der Habsburger. Um den Nationalstolz zu brechen und die Kräfte des Widerstands zu zerschlagen, schickten die Habsburger Söldnertruppen aus, die die mächtigsten Adeligen im Land gefangen nehmen sollten. 27 be­ rühmte Aristokraten wurden in den Kerker geworfen und in einer öffentlichen Hinrichtung auf einem Schafott im Altstadtviertel von Prag geköpft. Diese historischen Sitzungen vermittelten Renata bemerkens­ wert viele Bilder und Einsichten in Bezug auf die Architektur, ty­ pische Kleidungsstücke und Kostüme sowie Waffen und zahlreiche alltägliche Gebrauchsgegenstände der erlebten Zeitepoche. Sie konnte auch einige der für diese Zeit typischen komplizierten Be­ ziehungen zwischen der königlichen Familie und den Vasallen be­ schreiben. Renata hatte diese Epoche der tschechischen Geschichte nie studiert und bislang auch kein Interesse daran gehabt. Ich musste in der Bücherei Geschichtsforschung betreiben, um bestäti­ gen zu können, dass ihre Informationen richtig waren. Viele von Renatas Erfahrungen stammten aus den verschie­ denen Lebensabschnitten eines jungen Edelmanns, der zu den ge­ nannten Aristokraten gehörte, welche die Habsburger köpfen lie­ ßen. In einer dramatischen Sequenz durchlebte sie schließlich mit heftigen Emotionen und bis in alle Einzelheiten die tatsächlichen Ereignisse, die mit der Hinrichtung verbunden waren, auch die Todesangst und das qualvolle Sterben des Adeligen. Renata identi­ fizierte sich in vielen Situation vollständig mit dieser Person. Sie konnte nicht herausfinden, in welchem Zusammenhang diese Sze­ nen zu ihrem jetzigen Leben standen, warum sie in ihrer Therapie hochkamen und was sie ihr sagen sollten. Nach gründlichen Über­ legungen gelangte sie zu dem Schluss, dass sie hier Ereignisse aus dem Leben eines ihrer Vorfahren durchlebte. Das alles geschah in der Anfangszeit meiner psychedelischen Forschungen, und ich musste zugeben, dass ich für eine Interpretation dieser Art von inneren Erlebnissen gedanklich noch nicht gerüstet war.

176 Teil 3: Wiederholungsbesuche in der Geschichte

Da ich zumindest annähernd verstehen wollte, was sich da ab­ spielte, versuchte ich zweierlei: Zum einen investierte ich viel Zeit und Mühe, um die in diesen Erfahrungen auftauchenden histo­ rischen Details zu verifizieren, und war zunehmend davon beein­ druckt, wie richtig sie sich erwiesen. Zweitens versuchte ich mit Hilfe der freudschen Methode des freien Assoziierens Renatas Ge­ schichten mit ihr zusammen so zu bearbeiten, als handle es sich um Träume. Vielleicht, so hoffte ich, konnten wir sie als symbo­ lische Verkleidungen von Kindheitserlebnissen oder von aktuellen Problemen in ihrem Leben entschlüsseln. Doch trotz dieser Bemü­ hungen ergaben diese Erfahrungen in Renatas Sitzungen aus psy­ choanalytischer Sicht nicht viel Sinn. Als in Renatas LSD-Sitzungen dann neue Inhalte auftauchten, gab ich diese Versuche schließlich auf. Ich dachte über die merkwürdigen Vorkommnisse nicht weiter nach und konzentrierte mich stattdessen auf aktuelle gedankliche Herausforderungen. Zwei Jahre später, als ich bereits in den Vereinigten Staaten lebte, bekam ich von Renata einen langen Brief mit der folgenden, unge­ wöhnlichen Einleitung: »Lieber Dr. Grof, wenn ich Ihnen im Fol­ genden die Ergebnisse meiner jüngsten persönlichen Nachfor­ schungen mitteile, halten Sie mich wahrscheinlich für völlig verrückt.« Dann beschrieb Renata, wie sie zufällig ihrem Vater wiederbegegnete, den sie seit ihrem 3. Lebensjahr, als ihre Eltern sich scheiden ließen, nicht mehr gesehen hatte. Nach einem kurzen Ge­ spräch lud ihr Vater sie zu einem Essen mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern ein. Nach dem Essen verkündete er, er wol­ le ihr etwas erzählen, das sie interessieren könne. Im Zweiten Weltkrieg gaben die Nazis einen Befehl aus, der sämtliche Familien in den besetzten Gebieten anwies, den deut­ schen Autoritäten ihren Stammbaum vorzulegen, um nachzuweisen, dass es in den letzten fünf Generationen keine Person jüdischer Abstammung in der Familie gegeben hatte. Das war eine ernste

Erinnerung an das Erlebnis eines Vorfahren 177

Angelegenheit, denn konnte eine Familie ihre »Reinheit« nicht be­ weisen, hatte das katastrophale Folgen für ihre Mitglieder. Als er sich mit dieser obligatorischen Ahnenforschung beschäftigte, fand Renatas Vater sie immer faszinierender. Nachdem er den verlangten Stammbaum für fünf Generation fertiggestellt hatte, setzte er seine Nachforschungen aus persönlichem Interesse weiter fort. Dank der akribisch geführten Archive der europäischen Ge­ meindehäuser, welche die Geburtsdaten sämtlicher Personen, die in ihrer Gemeinde geboren waren, seit unzähligen Generationen aufbewahrten, konnte er die Geschichte seiner Familie mehr als drei Jahrhunderte zurückverfolgen. Und so war er jetzt imstande, Renata die Früchte seiner jahrelangen Forschungen zu zeigen einen sorgfältig erstellten, komplexen Stammbaum ihrer Familie, der zeigte, dass sie Abkömmlinge eines der Adeligen waren, die nach der Schlacht am Weißen Berg in der Altstadt von Prag hinge­ richtet worden waren. Renata war erstaunt, dass die Informationen, zu denen sie in ihren LSD-Sitzungen Zugang bekam, auf so unerwartete Weise Bestätigung fanden. Nachdem sie mir in ihrem Brief von diesem ungewöhnlichen Ereignis berichtet hatte, schrieb sie, sie sei fest davon überzeugt, dass »sich emotional stark besetzte Erinnerungen den genetischen Code einprägen und über Jahrhunderte hinweg an zukünftige Generationen weitervermittelt werden können«. Renatas Brief endete mit dem Triumphruf: »Ich habe es Ihnen doch gesagt!« Für sie bekräftigten diese neuen, überraschenden Infor­ mationen von ihrem Vater, was sie aufgrund ihrer intensiven Erfah­ rungen bereits die ganze Zeit über vermutet hatte - sie war auf au­ thentische Erinnerungen an ein Erlebnis eines ihrer Vorfahren gestoßen. Wie bereits erwähnt, hatte ich selbst dieser Schlussfolge­ rung damals skeptisch gegenübergestanden. Nach meinem anfänglichen Staunen über dieses höchst unge­ wöhnliche Zusammentreffen von Ereignissen entdeckte ich in Re­ natas Bericht eine Reihe von schwerwiegenden Widersprüchen.

178 Teil 3: Wiederholungsbesuche in der Geschichte

Eine der Erfahrungen mit den historischen Ereignissen, die sie in ihren LSD-Sitzungen machte, betraf die Hinrichtung des jungen Adligen und sämtliche damit verbundenen Emotionen. Im 17. Jahrhundert jedoch, einer Zeit lange vor den revolutionären Durch­ brüchen der modernen Medizin (z.B. durch Stammzellenforschung, Spermienkonservierung, Anm.d.Ü.), gab es keine Möglichkeit, die Fortpflanzung einer Person über ihren Tod hinaus zu ermöglichen. Der Tod zerstörte sämtliche materiellen Kanäle, durch die Informa­ tionen über das Leben des Verstorbenen der Nachwelt hätten über­ mittelt werden können. Durch diese Erkenntnis wurde die Situation sogar noch kom­ plizierter - »die Handlung wurde verwickelter«. Einerseits hatte Renatas Erfahrung durch die Ahnenforschung ihres Vaters eine eindeutige Bestätigung von unabhängiger Seite erfahren. Anderer­ seits gab es kein materielles Substrat für die Speicherung, Über­ mittlung und das Wiederauffinden der entsprechenden Informati­ onen. Bevor wir jedoch die Informationen verwerfen, die in Renatas Geschichte die Authentizität der Erinnerungen an Erlebnisse eines Vorfahren beweisen, müssen wir einige weitere Fakten ernsthaft berücksichtigen. Keine und keiner der übrigen tschechischen Patientinnen und Patienten, die insgesamt über 2000 Sitzungen machten, hat diese historische Epoche jemals erwähnt. In Renatas Fall ging es in vier aufeinander folgenden LSD-Sitzungen fast ausschließlich um his­ torische Ereignisse aus dieser Zeit. Und die Wahrscheinlichkeit, dass die Überschneidung von Renatas innerer Suche mit der Ah­ nenforschung ihres Vaters ein bedeutungsloser Zufall war, ist so gering, dass man diese Alternative kaum ernsthaft in Erwägung ziehen kann. Wir stehen vor einer ungewöhnlichen Beobachtung, für die das augenblickliche materialistische Paradigma keine Erklä­ rung hat. Sie ist ein Beispiel für Beobachtungen aus der modernen Bewusstseinsforschung, die man erst kürzlich als »anormale Phä­ nomene« betitelt hat.

Haben wir schon einmal gelebt?
Reinkarnation und die Akasha-Chronik

Sie kommen extrem häufig vor und zwar sowohl in den psychede­ lischen Sitzungen meiner Klienten als auch in Sitzungen mit holotroper Atemarbeit und im Verlauf spontan auftretender psychospiritueller Krisen (»spiritueller Krisen«) von Menschen. Bei anderen treten sie unabhängig davon auf. mit denen wir therapeutisch gearbeitet haben. mit dem ich aufgewachsen bin. denen ich bei meinen Forschungen über holotrope Bewusstseinszustände begegnet . welche die düstere Realität von Vergänglichkeit und Tod nicht annehmen können. Außerdem widersprachen diese Erfahrungen dem Glaubenssystem. Im typischen Fall versetzen sie das betref­ fende Individuum in hochemotionale Situationen zurück. wenn sie ihre Geburt wiedererleben. sondern darin lediglich Produkte der Wunschphantasien von Menschen sah.Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? 181 bin. Viele Menschen machen ihre ersten Erfahrungen mit früheren Leben. Und das trotz der Tatsache. gehören mit Sicherheit Erfahrungen aus früheren Leben. die in verschiedenen Ländern der Welt und unterschiedlichen histo­ Z u den interessantesten Phänomenen. denn sowohl die MainstreamWissenschaft als auch die Theologen der bei uns vorherrschenden Religionen lehnen den Gedanken der Reinkarnation ab. Er gehört zu den seltenen Themen. dass ich anfangs die Idee von Reinkarnation und Karma nicht be­ sonders ernst genommen habe. über die materialistische Wissenschaft und Christentum sich einig sind.

dass diese Erfahrungen aus früheren Leben so viele typische Eigenschaften aufweisen. komplizierte emotionale und psychosomatische Symptome abklingen oder ganz verschwinden ließen und zwischenmensch­ liche Beziehungskonflikte lösten. Kleinkindzeit. in der sie . sondern verschie­ dene. Dazu gehörten zahlreiche verschiedene psychische Probleme und zwischenmenschliche Themen. Schon bald wurde mir bewusst. Rasse und Kollektiv.i82 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? rischen Epochen sowohl in der jüngsten als auch in ferner Vergan­ genheit angesiedelt sind. für welche die traditionellen psychotherapeutischen Schulen uns keine angemessenen Erklä­ rungen liefern können. oft präzise Einsichten in die Zeit und Kultur. Wur­ den diese karmischen Ereignisse der jeweiligen Person voll bewusst. Geburt und die intrauterine Existenz auf und konnten oft zuverlässig nachgeprüft werden. Der Inhalt dieser Erfahrungen ist meist völlig überraschend. Ich habe das in einem meiner früheren Leben erlebt. Sie traten auf einer kontinuierlichen Entwicklungslinie mit präzisen Erinne­ rungen aus Jugendzeit. vermittelten sie ihr oft tiefe Einsichten in verschiedenste. dass wir sie schwerlich als kindliche Phantasien abtun können. Häufig hingen sie eng zusammen mit den emotionalen und psychosomatischen Symptomen des Betreffenden sowie mit wichtigen Themen und Umständen seines jetzigen Lebens.« Oft bestand auch ein enger Zusammenhang zwischen den wichtigsten Personen und Ereignis­ sen in diesen Situationen und den augenblicklichen Erfahrungen des Betreffenden. wie auch die be­ reits erwähnten Erinnerungen an Leben von Vorfahren. dass Erfahrungen aus früheren Leben dem oder der Betreffenden nicht nur ein intellektuelles Verstehen vermittelten. Kindheit. Ich habe auch wiederholt beobachtet. Hier war ich schon einmal. Außerdem vermittelten diese Erfahrungen. bislang unverständliche und rätselhafte Aspekte ihres Alltagslebens. und trotzdem gehen sie einher mit einem merkwürdigen Gefühl von déjà vu oder déjà vecu: »Das passiert mir nicht zum ersten Mal.

dass die betref­ fenden Menschen sie durch die üblichen Kanäle empfangen hatten. die entweder ganz bestimmte Informati­ onen enthalten. oder mit bemerkenswerten Synchronizitäten ver­ bunden waren. Ich habe im Laufe der Zeit schätzen gelernt und begriffen. die Christina und mich betreffen. wie machtvoll und überzeugend diese erlebnisbedingten Phänomene sind. Im Folgenden schildere ich mehrere Beispiele für diese faszi­ nierenden Erfahrungen. Mit Ausnahme von Karls Geschichte geht es hier um Erfahrungen und Ereignisse im Zusammenhang mit Karma und Reinkarnation. In vielen Fällen machten die Qualität und das Wesen dieser Informationen es unwahrscheinlich. welche später von unabhängiger Seite bestätigt werden konnten. .Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? 183 angesiedelt waren.

als Christina und ich Karl kennenlernten und ihn bei seiner tiefen Selbsterforschung und Heilung begleiten durften. In der Primärtherapie machten diese Menschen immer wieder ver­ schiedene transpersonale Erfahrungen: Sie hatten archetypische Visionen. nachdem er bereits in Kanada in einer der abtrünnigen Primärtherapiegruppen an sich gearbeitet hatte. Für mich erfüllte sich dieser Traum.184 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? Die Belagerung von Dún an Òir Karls Geschichte Leben auch sein mögen. Janov. identifizierten sich mit verschiedenen Tieren und erin­ nerten sich an frühere Leben. der Traum jedes Forschers ist es. auf Fälle zu stoßen. Das waren die Gruppen. was mit Spiritualität zu tun hatte.) verlassen hatten. Anm. die die Primärtherapie als Methode schätzten.d. Viele Menschen. bei denen wichtige Aspekte dieser Erfahrungen durch unabhängige historische Untersuchungen bestätigt werden können. die das Primärinstitut in Los Angeles nach heftigen ungeklärten Meinungsverschiedenheiten mit Arthur Janov (dem Begründer der Primärtherapie. verließen sein Institut und gründeten ihre eigenen Gruppen. S o beeindruckend und überzeugend Erlebnisse aus früheren . Janovs eingleisiges Vorurteilsdenken aber ablehnten. Karl meldete sich für eines unserer einmonatigen Seminare in Esalen an. und inter­ pretierte diese Erfahrungen als eine »Abkoppelung vom Ur­ schmerz«.Ü. war ent­ schieden gegen alles. der jedoch kein Verständnis für die transpersonalen Ebenen des Unbewussten hatte.

erlebte Karl sich selbst als Priester und sah sich unter anderem in einer sehr bewegenden Szene mit Bibel und Kreuz in den Hän­ den. Einige zeigten Teile der Festung. Genau zu der Zeit besuchte Karl unseren Workshop in Esalen und wechselte von der Primärtherapie zum Holotropen Atmen. die sich offensichtlich in einem anderen Jahrhundert und in einem fremden Land abspielten. Dazwischen sah er immer wieder Bilder von Soldaten in den unterschiedlichsten Situationen. Obwohl er von Soldaten umgeben war.vom Schwert eines britischen Soldaten durchbohrt . wie er . auch wenn sich keine dieser Szenen vor dem Hintergrund seiner jetzigen Biographie sinnvoll entschlüsseln ließ. Militärba­ racken. stellten sich begleitend dramatische Szenen ein. beschloss er. Vor seinem inneren Auge sah er Tunnel. obwohl die Land­ schaft eher nach Schottland oder Irland aussah. welche offensichtlich alle zu einer Burg gehörten. und wieder andere stellten Karls eigene Erlebnisse dar. Nach einer Weile berührte sein innerer Prozess auch die perinatale Ebene. auch wenn er sie zu jener Zeit noch nicht verstand. Da er künstlerisches Talent hatte. Dabei entdeckte er an seinem Finger einen Siegelring und konnte die eingravierten Initialen deutlich sehen.über die Festungs­ . wurden im­ mer dramatischer und verwickelter. Er fertigte eine Reihe von Zeichnungen und sehr kraftvollen und impulsiven Bildern mit Fingerfarben an. diese merkwür­ digen Vorgänge darzustellen. Sie waren mit heftigen Emotionen und Körperempfindungen verbunden und standen of­ fensichtlich in einem tiefen und engen Zusammenhang mit Karls Leben. die auf einem Felsen hoch über einem Meeresstrand stand. Häufig ging es um heftige Kämpfe und blutige Metzeleien. Als er verschiedene Aspekte seiner biolo­ gischen Geburt wiedererlebte. die er in den Sitzungen innerlich erlebte. unterirdische Lagerräume. andere Schlachtenszenen. dass diese Soldaten offensichtlich Spanier waren. Es verwirrte ihn.Die Belagerung von Dün an Öir 185 Karl hatte mit seiner Selbsterfahrung in einer solchen Gruppe angefangen. darunter. dicke Mauern und Festungswälle. Die Szenen.

Das überraschte ihn. Aus der Entfernung. denn er konnte sich nicht daran erinnern. einem plötzlichen Im­ puls folgend. der seine Aufmerksamkeit gefesselt hatte. um sie auf dem Dia entdecken zu können. beschloss. dass sich an dem Ort. Unter diesen Bil­ dern befand sich auch eine Zeichnung seiner Hand mit dem Siegel­ ring. Während er weitere Puzzlestücke dieser Geschichte sammelte. ging er diese seltsame An­ gelegenheit rational und analytisch an. Als Karl dann. auf der Suche nach weiteren Anhaltspunkten die Geschichte von Dün an Öir zu studieren. und er musste genau hinschauen. So entdeckte er. diese Aussicht fotografiert zu haben. in den die Namensinitialen dieses Priesters eingraviert waren. Da er ein pragmatischer Mann war. sie schien ihm auch nicht besonders interessant zu sein. dass zwischen diesen selt­ samen Fotos und seinen Erlebnissen in der Primärtherapie und den holotropen Atemsitzungen ein Zusammenhang bestand. dass 1580 eine kleine Besatzungstruppe spanischer Soldaten im nahe gelegenen .186 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? mauern geworfen wurde und am Strand starb. erschlossen sich für Karl immer mehr Zusammenhänge zwischen verschiedenen Aspekten dieser Szenen und seinem gegenwärtigen Leben. die Ruinen einer alten Festung namens Dún an Òir oder Forte de Oro (Goldene Festung) befanden. waren sie mit bloßem Auge kaum zu erkennen. die er an Irlands Westküste aufgenommen hatte. Er vermutete. kam es zu einer entscheidenden Wende: Nach seiner Rückkehr schaute er sich die Dias an. und ihm fiel auf. Da er vermutete. das Drama des spanischen Priesters in ferner Vergangenheit könne die Quelle für viele seiner heutigen emotio­ nalen und psychosomatischen Symptome sowie seiner zwischen­ menschlichen Probleme sein. beschloss Karl. Urlaub in Irland zu machen. dass er von ein und derselben Landschaft elf Auf­ nahmen gemacht hatte. Zu seiner großen Überraschung fand er heraus. wo er zum Zeitpunkt der Aufnahmen ge­ standen und in welche Richtung er fotografiert hatte. aus der er die Aufnahmen machte. Er betrachtete die Landkar­ te und rekonstruierte.

war Karl noch nicht zufrieden. brachten sie sämtliche Spanier gnadenlos um und war­ fen ihre Leichen über die Festungswälle ins Meer und an den Strand. bis er ein spezielles Dokument über die Schlacht von Dún an Òir fand. spielte in diesem Konflikt die Rolle des Vermittlers und führte die Verhandlungen mit den Spani­ ern. ein Priester habe die spanischen Soldaten begleitet und sei mit ihnen zusam­ men umgebracht worden. aber die Briten hielten sich nicht an ihr Versprechen. . umzingelt und belagert wurden. Nachdem sich ihnen einige irische Soldaten angeschlossen hatten. sich hinter den Festungswällen von Dün an Öir zu verschanzen. Die Namensinitialen dieses Mannes wa­ ren identisch mit denen. um die Iren bei ihrem Aufstand gegen Desmond zu unterstützen. Als sie erst einmal in die Festung eingedrun­ gen waren. angeführt von Lord Grey. waren sie etwa 600 Mann. Er versprach ihnen freien Abzug aus der Festung. Trotz dieser absolut erstaunlichen äußeren Bestätigung der Geschichte. die er bei seinen inneren Forschungen so mühsam zu rekonstruieren versuchte. wenn sie das Tor öffneten und sich ergaben. bevor sie von einer größeren englischen Truppe. Darin hieß es. Ein Wal­ ter Raleigh. die Karl vor seinem inneren Auge auf dem Siegelring gesehen und in einem seiner Bilder gezeichnet hatte. Er setzte seine Studien in der Bücherei fort. der Lord Grey begleitete. Es gelang ihnen.Die Belagerung von Dun an Öir 187 Hafen von Smerwick gelandet war.

) oder Anziehungen und Reaktionen auf bestimmte Menschen und Situationen.i88 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? Das karmische Dreiecksverhältnis Eine Zeitreise in das alte Ägypten A ls ich 1967 in die Vereinigten Staaten auswanderte. die den Kontext für die Erfahrungen bildeten. Noch bemerkenswerter war die therapeutische Wir­ kung. merkwürdigen und uner­ klärlichen Idiosynkrasien (spezifische Überempfindlichkeiten eines Individuums gegen bestimmte Stoffe und Personen. Tief beeindruckt war ich auch von den Zusammenhängen zwischen ganz bestimmten wichtigen Aspekten dieser karmischen Erfahrungen und dem täglichen Leben meiner Klienten . des rituellen und spirituellen Lebens sowie von Kostümen. Das Wissen. die solche karmischen Erfahrungen hatten. dass mich wiederholt Klientinnen und Kli­ enten mit Erinnerungen an frühere Inkarnationen konfrontierten. wenn Menschen sich diese Erlebnisse bewusst mach­ ten. Waffen und militä­ rischen Strategien der Kulturen und historischen Epochen. Anm. ging weit über das intellektuelle Niveau und die Ausbildung meiner Klienten hinaus. Ich hatte derartige Erfahrungen bei ihnen öfter beobachtet und war verblüfft über Umfang und Qualität der Informationen. zu dem uns die­ se karmischen Ereignisse Zugang verschafften. Dazu gehörten Details der sozialen Strukturen.ihren emotionalen und psychosomatischen Problemen.d. die ans Licht kamen.Ü. . hatte ich damit zu kämpfen. Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen. wenn der Klient sie noch einmal ganz durchlebte und verarbeitete.

die uns zögern lässt zu akzeptieren.Das karmische Dreiecksverhältnis 189 Trotz dieses beeindruckenden Beweismaterials konnte ich einfach nicht akzeptieren. dass sich Kaukasier an Erlebnisse aus einem früheren Leben als Schwarze in Afrika. schien einfach zu grotesk. Die begriffliche Barriere.oder umgekehrt. Die Ereignisse in dieser Sitzung und in deren Umfeld überzeugten mich davon. dass das Gehirn des Neugeborenen imstande ist. weil sie nicht nur die Verbin­ dungslinie zu den Ahnen. dass Erfahrungen aus früheren Leben authentische Phänomene sind und nicht aus dem Geschehen unseres Alltags­ lebens abgeleitet werden können. die schwere Prüfung der Geburt zu verzeichnen. die DNA sein.das Gehirn des Neugeborenen ist schließlich ein höchst komplexes materielles System. Träger dieser Informati­ onen müssten die Chromosomen oder. war qualitativ eine völlig andere als die. die uns zu Ereignissen. Es kommt zum Beispiel durchaus vor. Den Weg dorthin bahnten mir die Erlebnisse in einer LSD-Sitzung. bevor ich meine Einstellung dazu ändern konnte. Wenn wir von der materialistischen Weltanschauung der west­ lichen Wissenschaft ausgehen. sondern auch zu rassischen Zugehörig­ keiten und erblichen Verwandtschaften überschreiten. müssten die Erinnerungen an Erlebnisse aus der Zeit unserer Vorfahren und anderer Rassen durch Spermium und Eizelle übermittelt werden. die vor unserer Emp­ fängnis stattfanden. Diese bemerkenswerten Erfah­ . ganze Szenen aus Zeiten zurückzuverfolgen. auf die ich hier stieß. die ich kurz nach meiner Ankunft in den Vereinigten Staaten nahm. Ob nun schon voll­ ständig ausgebildet oder nicht . Aber dass es möglich sein sollte. Doch bei Erinnerungen an frühere Leben fehlt sogar diese schwache materielle Brücke zur Vergangenheit. Ich musste erst selbst tiefe Erfahrungen mit vergangenen Leben machen. die oft Jahrhunderte vor der Empfängnis der betreffenden Person lagen. genauer. der einzigen ma­ teriellen Verbindung. dass wir es hier mit einem authentischen Phäno­ men zu tun hatten. zur Verfügung steht. als amerikanische Ureinwohner oder Asiaten erinnern .

mein Leben befriedigend zu gestalten. Die schwierige Beziehung meines Therapeutenkollegen Seymour endete abrupt. denn ich befand mich in einer Lebensphase. Das war für mich sehr frustrierend. Das fruchtete nicht wirklich. Die Hälfte davon bestand aus Dokumenten über meine psychedelischen Forschungen in Prag. Sie hielten nach po­ tenziellen Partnerinnen für mich Ausschau und luden mich stän­ dig zu entsprechenden Anlässen ein. mir weiterzuhelfen. waren verheiratet oder in anderer Form gebunden. Mehr war von meinem alten Leben in Europa nicht übriggeblieben. die traumhafte Meinungsfreiheit und all die neuen Dinge. Meine Einwanderung in die Vereinigten Staaten im März 1967 be­ deutete eine radikale Veränderung meiner persönlichen. und das neue begann auf vielen verschiedenen Ebenen gleichzeitig.190 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? rungen waren darüber hinaus mit erstaunlichen Synchronizitäten verbunden. total genoss. Als ich in Balti­ more eintraf. gelang es mir privat nicht besonders gut. in der ich das starke Bedürfnis nach einer Partnerschaft hatte und auch bereit war. und meine Freunde luden seine Ex-Freundin . politischen und kulturellen Umgebung. welche in meiner Sitzung nicht anwesend waren und folglich auch nichts davon wissen konnten. sondern bescherte mir eher einige frustrierende und peinliche Si­ tuationen. und sie bemühten sich sehr. die ich in meiner Umgebung entdeckte. Während ich mein engagiertes und begeistertes Kollegenteam in Spring Grove kennenlernte. beruf­ lichen. Alle Frauen in meiner Umgebung. hatte ich lediglich zwanzig Kilo persönliches Gepäck bei mir. mich auf eine Frau einzulassen. die Menschen betrafen. die das richtige Alter für mich hatten und meine Interessen teilten. Doch dann nahmen die Dinge plötzlich eine überra­ schende und sehr radikale Wende. Ein großes Kapitel meines Lebens war zu Ende gegangen. der Rest aus Kleidung und einigen persönlichen Gegenständen. Meinen Freunden und Kollegen in Spring Grove schien das noch mehr Sorge zu bereiten als mir.

Es dauerte nicht lange. Als Monica und er noch ein Paar waren. Ihre Stimmungen und ihr Verhalten wechselten von einem Tag zum anderen oder sogar von Stunde zu Stunde. obwohl ich sie norma­ lerweise als warnendes Zeichen genommen hätte. wäre mir aufgefallen. Ausweichma­ növern und Rückzug. Ich fühlte mich wie hineingesogen in diese Beziehung und konnte sie nicht objektiv und realistisch betrachten. Ihr ungewöhnlicher Charme. Sie war wie ich in Europa geboren.G. das ich von Monicas Ex-Freund übernommen hatte. und ich war rettungslos in sie verliebt. nichts. Ich sah kein Problem darin. Er und . Jung als »Animagestalt« bezeichnet. dass ich mit Monica einer Frau be­ gegnet war. das seien unbedeutende Einzelheiten. spon­ tane Zuneigungsbekundungen wechselten mit Kälte. die C. alleinstehend. Beim Einzie­ hen hatte ich Seymour seine alten Möbel und den Fernseher abge­ kauft. Als Monica und ich uns schließlich gegenüberstanden. Auch die Tatsache. Außerdem hasste mich Monicas Bruder Wolfgang vom ersten Augenblick an. Zwei ungewöhnliche äußere Umstände erschwerten die Situation offensichtlich noch: Seit meiner Ankunft in Baltimore wohnte ich in einem kleinen Einzimmer-Apartment. Hätte ich die Situation objektiver und analytischer zu sehen ver­ mocht.Das karmische Dreiecksverhältnis 191 Monica und mich zum Abendessen ein. was wir nicht gemeinsam bewältigen und überwinden konnten. dass Monica beträchtlich jünger war als ich. dass sie eine extrem traumatische Kindheit hatte und ihre bisherigen Partnerschaften dramatisch ver­ laufen waren. schön und intelligent. hatte sie ihn in diesem Apartment immer besucht. Monica und ich fingen eine leidenschaftliche und ungewöhnlich stür­ mische Beziehung an. ihr Witz und ihre Wortgewandtheit ließen sie auf jeder Party zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit werden. Jetzt traf sie sich in derselben Umgebung mit einem anderen Mann. beschloss ich zu ignorieren. Irgendwie konn­ te ich mir einreden. fühlte ich mich sofort zu ihr hinge­ zogen und tief mit ihr verbunden. Intensive.

mich für eine LSD-Sitzung anzumelden. ein Programm an für Menschen. und verstand die Botschaft. beschloss ich. in der ich gefangen war. dass diese Hierogly­ phen heilig waren. Wolfgang war demzufolge heftig gegen meine Beziehung mit Monica und behandelte mich wie einen Rivalen. diese verwirrende und unbefriedi­ gende Beziehung zu beenden. und ein Blitzstrahl von enor­ mer Intensität schlug auf der Oberfläche dieses Felsens ein und brannte mysteriöse. unserer Beziehung eine Chance zu geben.192 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? Monica hatten eine ungewöhnlich innige Beziehung mit eindeutig inzestuösen Zügen. Als sich die Schwierigkeiten in meiner Beziehung zu Monica zuspitzten. Wie ich bereits an früherer Stelle erwähnte. die uns beide verrückt machte. der aussah wie ein riesiger. Ich fühlte mich wie in einem Wechselbad und fand unser Hin und Her sehr frustrierend. um Klarheit für diese verwirrende Situation zu ge­ winnen. doch offen­ sichtlich war unsere Achterbahnfahrt. für Ausbildungs­ zwecke bis zu drei hochdosierte psychedelische Sitzungen zu neh­ men. Ich hatte mich sehr tief auf Monica eingelassen und war ent­ schlossen. die im psychischen Gesundheitswesen tätig waren. wo ich zu jener Zeit arbeitete. Dieses Angebot galt auch für die Mitglieder unseres thera­ peutischen Teams. . ural­ ter Meteorit. Verzweifelt versuchte ich mir Klarheit zu verschaffen über die verblüffende Dynamik. die sie vermittelten. geheimnisvolle Symbole in den Stein. und ich war unfähig. Der Himmel öffnete sich. und dies enthielt auch die Möglichkeit. durch nichts aufzuhalten. spürte ich. bot das Psychiatrische Forschungszen­ trum von Maryland. Obwohl ich sie nicht entziffern und lesen konnte. doch gleichzeitig übte Monica eine seltsam magnetische Anziehung auf mich aus. Diese in den Felsen geritzten merkwürdigen Hieroglyphen brannten weiter und gaben ein gleißend weißes Licht von sich. Etwa in der Mitte dieser Sitzung sah ich plötzlich einen dunklen Felsen von unregelmäßiger Form.

und ich wanderte in einem reich geschmückten Gewand durch die Halle eines alten ägyp­ tischen Palastes. Schließlich landeten wir auf dem Boden der Grube. Im selben Augenblick. Ich musste akzep­ tieren. sodass ich schließlich nachgeben und mich fügen musste. Beim Näherkommen der Gestalt erkannte ich. Ihre Bedeutung war mir so klar wie die Worte auf dem Werbeplakat einer Litfasssäule in Baltimore. waren Wolfgang. dass es Wolf­ gang war. vor dem es kein Entkommen gab. Monica und ich Geschwister. und der Mann. Zuerst versuchte ich die Verantwortung für Dinge. konnte aber dem gewaltigen psychischen Druck nicht standhalten. Knapp drei Meter vor mir blieb er stehen und sah mich hasserfüllt an. dass ich vor diesem Leben bereits eine lange Reihe von weiteren Leben gelebt hatte und laut karmischem Gesetz verant­ wortlich für mein Verhalten in diesen Leben war. Ich wusste intuitiv. was offensichtlich ein uraltes universelles Gesetz war. auch wenn ich mich nicht an sie erinnern konnte.Das karmische Dreiecksverhältnis 193 Sie lautete. hielt ich auf einmal Monica in den Armen. Ich wuss­ te instinktiv. Vom anderen Ende der großen Halle sah ich langsam eine Gestalt auf mich zukommen. wo ich mei­ nen Widerstand aufgab. Die Wände. so wurde mir klar. Monica verschwand aus meinen Armen. Dieser Abstieg dauerte eine Ewigkeit und schien kein Ende zu nehmen. von mir zu weisen. so wie ich sie am letzten Wochenende tatsächlich gehalten hatte. war in jenem Leben mein Bruder. dass ich der Sohn einer aristokratischen ägyp­ tischen Familie war. In dieser ägyptischen Inkarnation. an die ich keinerlei Erinnerung hatte. Wir schwebten in einem riesigen archetypischen Abgrund und stiegen in einer weitläufigen Spirale langsam nach unten. Als solcher hatte ich Monica geheiratet und besaß . dass dies der Abgrund der Zeitalter war und wir in der Zeit zurückreisten. Ich war der Erstgeborene. waren geschmückt mit wunderschönen Flachreliefs. die mich umgaben. in die auch Hieroglyphen gemei­ ßelt waren. der auf mich zukam.

kraft­ vollen Lichtbahnen . was ich zu geben habe! Bitte tue. . Ich bin ein Zeit­ reisender aus dem 20. Wir schwebten durch denselben Abgrund der Zeitalter nach oben und bewegten uns diesmal vorwärts in der Zeit. Ich stand in der Halle vor Wolfgang und spürte. das sich im Verlauf vieler Zeitalter in zahlreichen Variationen wiederholte. bewusstseinsverändernde Droge genommen habe. die mir äußerst lange zu dauern schien. dass mir eine große Last von den Schultern genommen war. in welcher Gestalt ich hier bin oder hierher gekommen bin. schickte ich ihm telepathisch die Botschaft: »Ich weiß nicht. die Monica. Wolfgang und mich in vielen früheren Leben zeigten.« Ich breitete meine Arme aus und teilte ihm auf dem gleichen Weg mit: »Hier bin ich. Wolf­ gang fühlte sich betrogen und empfand qualvolle Eifersucht und heftigen Hass auf mich.Laserstrahlen vergleichbar. Jahrhundert. wie sehr er mich hasste. das ist alles. In allen ging es um schwierige und destruktive Dreiecksverhältnisse. Sein Hass hatte jetzt die Form von zwei intensiven. Ich konnte deutlich sehen. die meinen Kör­ per verbrannten und mir extreme Schmerzen zufügten. dass diese Gefühle die Grundlage eines destruktiven karmischen Musters wa­ ren. und ich hielt wieder Monica in den Armen und spürte.« Wölfgang reagierte sehr aufgeregt auf mein Angebot und nahm es an. Ich bin sehr un­ glücklich über die Spannungen zwischen uns und möchte sie gern auflösen. verloren die Strahlen allmählich an Kraft und verloschen schließ­ lich ganz. wo ich eine hochwirksame. in denen wir uns gegenseitig schwer verletzten. Wolfgang und die Halle verschwanden. Es schien. Nach die­ ser qualvollen Folter. ein starker Wind. um uns beide aus dieser Gefangenschaft zu befreien. was immer du tun musst. die mein Status mit sich brachte.194 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? viele weitere Privilegien. Die Wände dieser archetypischen Grube öffneten sich und gaben den Blick frei auf Szenen aus verschiedenen historischen Epochen. Um die schmerzliche Situation aufzulösen.

produktiv und gelungen war. empfand ich eine unbeschreibliche Seligkeit und ein geradezu ekstatisches Entzücken. mit dem diese Situationen verbunden waren.Das karmische Dreiecksverhältnis 195 ein »karmischer Hurrikan«. wo sie sich betrank. zwischen 16 Uhr und 16. selbst wenn ich für den Rest meiner Tage nichts weiter erreichen würde. und befreite uns drei aus dieser fatalen. weil ich sichergehen wollte. Zunächst erzählte ich ihr bewusst nichts von meinen Erfahrungen. antwortete sie. beschloss ich herauszu­ finden. was sie an dem Tag. mit dem sie zur Zeit unseres Kennenlernens eine sexuel­ le Beziehung gehabt hatte. die für ein Leben voll­ kommen ausreichte! Monica war dabei so intensiv präsent gewesen. was sie am Nachmittag meiner Sitzung erlebt hatte. hatte Monica die Bezie­ hung zu Robert ohne mein Wissen fortgesetzt. dass ich sie nicht beeinflusste. dass sie aus dem Büro stürzte. Ich hatte das Gefühl. die damit endete. dass sie ihren Job los war. Sie war sicher. Auch als wir beide uns näherkamen. dass mein Leben.30 Uhr getan habe. dass du mich danach fragst«. »Merkwürdig. Als diese Sequenz endete. und ich wieder in die Gegenwart zurückkehrte. »Das war wahrscheinlich die schlimmste Zeit meines Lebens!« Dann beschrieb sie mir eine dramatische Auseinandersetzung mit ihrem Boss. Monica erkann­ te Robert. Als wir uns in der folgenden Woche wiedersahen. Robert war sehr reich und hatte ihr viele teure Geschenke gemacht. Ich fragte sie einfach. an dem ich in meiner LSDSitzung die karmische Sequenz aus Ägypten erlebte. In ihrer Verzweiflung landete sie schließlich in der Bar nebenan. da sie sich zwischen . Irgend­ wann ging die Tür auf. löste das Leid auf. schmerzlichen Abhängigkeit. darunter einen neuen Wagen und ein Pferd. blies durch die Jahrhunderte. und ein Mann kam herein. In diesem Zustand empfand ich die Auflösung und Befreiung von einem einzigen kar­ mischen Muster als eine Errungenschaft. dass ich sicher war. sie spürte die Auswirkungen meiner Erlebnisse ebenfalls.

um ihn zu umarmen und zu küssen. stellte sie Monica als seine Frau vor. er sei nicht liiert. eine Erektion zu bekommen und . denn Robert hatte die ganze Zeit be­ hauptet. Robert. Als wir zusammensaßen. Am Tag nach diesem Gespräch mit Monica bekam ich einen Anruf von Wolfgang. erzählte er mir. Sie rannte aus der Bar und setzte sich in ihren Mustang. wo sich in meiner LSDSitzung das karmische Muster auflöste. und nie Schwierigkeiten erlebt. Monica sah. dem allem ein Ende zu setzen. Es reichte ihr einfach. das ihn bedrückte. und ihr war alles egal. dass er in Begleitung einer eleganten Frau war. geschweige denn sich mit mir verabreden wollen. er wolle gern eine sehr intime und peinliche Angelegenheit mit mir besprechen. Die Psychoanalyse bezeichnet das Problem. als Huren-Madonnen-Komplex. sah Monica mich plötzlich innerlich vor sich. Das war eine absolut unerwartete und überraschende Wende der Dinge. An diesem Punkt hatte Monica das Gefühl. Sie drosselte das Tempo ihres Wagens und parkte am Straßenrand. Sie war entschlossen. Als sie jetzt Robert hereinkommen sah. darunter auch viele für eine Nacht. Bei heftigem Regen raste sie mit einer Geschwindigkeit von über 100 Stundenkilometern betrunken die Straße entlang. beruhigte sie sich. ging sie auf ihn zu. Als sie so weit zu sich gekommen war. Als ihr klar wurde. kehrte sie nach Hause zurück und legte sich ins Bett. Sie nahm das als Anlass. dass sie wieder einigermaßen sicher fahren konnte. über mich und unsere Beziehung nachzudenken. den Wagen. dem die Situation sichtlich peinlich war.196 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? uns nicht entscheiden konnte. der mich um ein Treffen bat. Er wich ihr aus und gab ihr lediglich die Hand. Für Monica war das ein Schock. dass es in ihrem Le­ ben immer noch einen Menschen gab. auf den sie sich verlassen konnte. den Robert ihr geschenkt hatte. Genau in dem Augenblick. denn Wolfgang hatte mich bislang nie angerufen. den Boden unter den Füßen zu verlieren. Er hatte in sei­ nem Leben eine ganze Reihe von flüchtigen und oberflächlichen sexuellen Beziehungen gehabt.

fand ich heraus. sagte er. sah ich mich unter einer sengenden Sonne im Wüstensand liegen. Die Sache sei ihm so peinlich. und er be­ schloss. Ich machte eine Hypnose-Sit­ zung bei meiner Freundin Pauline McCirick. und ich würde sterben. wenn er seine Impotenz nicht behandelte. Ich hatte ihre Bezie­ hung entdeckt und versucht. Sobald ich in Trance war. An einem Punkt sah . sie zu unterbinden. dass nur meine Schwester und ihr Liebhaber mich vergiftet haben konnten. man hatte mich vergiftet. Ich hatte qualvolle Schmerzen im Bauch. hatte er den Gedanken. Er gehörte also einer anderen sozialen Klasse an. mit mir über dieses Thema zu sprechen. als ich unsere ägyptische Begegnung ab­ schloss. weil ich so starke negative Gefühle in ihm auslöste. die Frau seiner Träume gefunden zu haben. Jetzt glaubte er. wann das gewesen sei. Wenige Wochen später fand ich auch das noch fehlende Puzz­ lestück der ägyptischen Geschichte. Er konn­ te jedoch nicht mit ihr schlafen und hatte sich im Bett mehrmals schmerzlich als Versager erlebt. und war zum ersten Mal in seinem Leben verliebt. Wolfgang war verzweifelt und hatte Angst. Als ich ihn fragte. Ich wusste. und seine Beziehung zu meiner Schwes­ ter war nach altem ägyptischen Gesetz illegal. diese Frau zu ver­ lieren. mich anzurufen und um Hilfe zu bitten. Ihr Geliebter war ein sehr attraktiver. Das ließ ihnen keine andere Wahl. der im königlichen Palast die wilden Tiere versorgte. Als ich ihm einfiel. dass er diesen Wechsel ge­ nau zu der Zeit erlebte. sportlicher Mann. zunächst verworfen. und mein ganzer Körper wand sich in Krämpfen. Laut ägyptischem Gesetz hatte sie mich als ihren ältesten Bruder heira­ ten müssen.Das karmische Dreiecksverhältnis 197 zu halten. Wie durch Zauberhand habe sich sein Hass auf mich aufgelöst. Mir war aus den Zusammenhängen klar. einer Psychoanalyti­ kerin aus London. Aber dann hatte sich seine Einstellung zu mir plötzlich radikal verändert. dass er nicht mit einem fremden Menschen darüber reden könne. aber ihre Zuneigung gehörte einem anderen Mann. als mich umzubringen.

das wusste ich. Jedesmal. Meine Suche gipfelte darin. und nicht wie ein Psychologe. verzehrenden Wut. Während ich dort lag und unter heftigen Schmerzen starb. Deshalb konnte ich mir diese ge­ heimen Lehren zum Zeitpunkt meines Todes nicht zunutze ma­ chen. mit einer blinden. um die . dass es Seymour war. er­ füllte mich die Erkenntnis. die direkt oder indirekt mit diesem Thema zusammenhingen . der Abläufe. Das machte Sinn. Ich starb allein in der Wüste.ob es nun die ägyptische Kultur und Geschichte. vergifteten auch mein Denken und umgaben mich mit einer Dunkelheit. Plötzlich sah ich. denn Seymour war extrem sportlich und trainierte mehrere Stunden am Tag Gewichtheben und Liege­ stütze. dass ich in meinem jetzigen Leben der kom­ promisslosen Suche nach diesen verlorengegangenen Lehren viel Energie gewidmet hatte. dass man mich betrogen und vergiftet hatte. Mit seinen enormen Muskelpaketen sah er eher wie ein pro­ fessioneller Bodybuilder aus. Meine Kanäle zu diesem Geheimwissen waren brutal zerstört worden. war meine Arbeit mit psychedelischen Substanzen. dass ich in meinem ägyptischen Leben die Mysterien von Isis und Osiris praktiziert und ihre Ge­ heimnisse gekannt hatte. dass ich LSD entdeckte und erste Erfahrungen mit kosmischem Bewusstsein machte. in der mein esoterisches Wissen verlorenging.198 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? ich den ägyptischen Liebhaber meiner Schwester vor mir und erkannte. offensichtlich eine Wiederentdeckung und Neuformulierung auch die uralten Mysterien kreisten. Im Licht dieser Einsicht betrach­ tet. wenn ich auf Informationen stieß. uralte Mysteri­ en oder andere Hinweise auf mystische Erfahrungen und esote­ risches Wissen betraf wurde ich ganz aufgeregt. Ich erinnerte mich daran. im jetzigen Leben Monicas ExGeliebter. die um psychospirituellen Tod und Wiedergeburt kreiste. mein ganzes Wesen war hasserfüllt. Das Gift und der Hass auf meine Schwes­ ter und ihren Geliebten. Doch durch das Wie­ dererleben dieser Situation gewann ich eine hochinteressante Ein­ sicht.

Monica und ich blieben während meines restlichen Aufent­ halts in Baltimore Freunde. als sei eine riesige Blase geplatzt. und keiner von uns verspürte den Drang. Ich fühlte mich.Das karmische Dreiecksverhältnis 199 In einer anschließenden Meditation strömten überraschend viele Bilder auf mich ein. und ich war plötzlich völlig klar im Kopf. Übergangslos empfand ich ein tiefes Gefühl von Befreiung und Frieden. eine Paarbeziehung einzugehen. an­ dere aus meinen Sitzungen. die Höhepunkte meiner Erfahrungen mit Monica und Wolfgang zeigten . unsere Liebesbeziehung fortzusetzen. Anspannung und Chaos verschwanden aus unserem Zusammensein. Intensität und Geschwindigkeit dieser Rückblende steigerten sich rasch. . Ich wusste. bis sie einen explosiven Höhe­ punkt erreichte. dass es für uns im jetzigen Leben nicht darum ging. das karmische Muster war jetzt vollständig aufgelöst.einige aus dem realen Leben. Wir hatten beide begriffen.

war ich fasziniert von fremden Ländern.200 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? In den Katakomben der Pecherskaya Lavra Ein früheres Leben im zaristischen Russland V on früher Kindheit an. Meine Begeisterung und Hoffnung währten jedoch nur kurze Zeit. versetzten meinen Kindheitsträu­ men von Reisen in die weite Welt einen schweren Schlag. Die tiefe Sehnsucht. schlossen sich die Grenzen unseres Landes erneut. Im folgenden Jahrzehnt wurden . Nach der Niederlage Deutschlands durch die Alliierten erlebten unser Land und seine Einwohner eine kurze erfreuliche Phase der Reisefreiheit. ausgedehntere Reisen. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten im Februar 1948. ihren Men­ schen und ihrer Kultur. andere Länder zu bereisen und die Welt zu erforschen. als sei ich. welche die Tschechoslowakei der Vorherrschaft der Sowjetunion unterstellte. ist immer ein wesentlicher Teil meiner Persönlichkeit gewesen. was diese Leidenschaft betraf. ihrer Geographie. Aber in meinen jungen J ahren schien es. Die Schönheit der Adria und der angrenzenden Gebirgszüge machte einen tiefen Eindruck auf mich und weckte meine Lust auf weitere. die sie mit sich brachte. Die deutsche Besetzung der Tsche­ choslowakei von 1939 bis 1945 und der Schrecken der Naziherr­ schaft. soweit ich zurückdenken kann. Im Sommer 1947 konnten mein Bruder und ich in dem kleinen Fischerdorf Trpanj auf der Halbinsel Peljesac in Jugoslawien fünf Wochen Ferien machen. zur falschen Zeit am falschen Ort geboren.

Denn als es um Kiews historische Stätten ging. das im Inneren eines großen Berges lag. Unser täg­ licher Kontakt war für mich eine willkommene Gelegenheit. Bei unseren Gesprächen zeigte es sich schnell. der größte am Schwarzen Meer. sodass sie der Nachwelt erhalten blieben. der Belohnung für viele Jahre Wartezeit und weitere Jahre. das einem riesigen Schweizer Käse glich. An den Wänden der Flure reihten sich offene Särge mit den Leichnamen sämtlicher Mönche. erwähnten meine russischen Freunde die »Pecherskaya Lavra«. Wir sprachen über viele Themen. doch eines machte besonders tiefen Eindruck auf mich. der Dozent an der Universität von Kiew war und mit seiner Familie ebenfalls in Mamaia Urlaub machte. . Diese idealen Bedin­ gungen genießend. dass meine neu­ en Freunde die Sowjetunion genauso hassten wie ich. die Sowjetunion selbst jedoch blieb viele Jahre für tschechische Touristen geschlossen. um so viel Geld wie möglich für den Wagen zu sparen. Sie hatten die Strecke von Kiew nach Mamaia in ihrem neuen Moskvitch zurückgelegt. Ein ständiger Luftzug und günstige klimatische Bedingungen mumifizierten die Leichen. ein russisch-orthodoxes Kloster. die dort im Laufe der Jahrhunderte gelebt hat­ ten. die das Innere des Berges in ein komplexes unterirdisches Labyrinth verwandelten. einen wolkenlosen Him­ mel und angenehme Wassertemperaturen. Hier lernte ich einen russischen Epidemiologen kennen. war berühmt für seine breiten. in denen sie einen spar­ tanischen Lebensstil pflegten. kilometerlangen Strände aus feinstem Sand. Dieser internationale Ferienort. meine Sommerferien in Rumänien zu verbringen. verbrachte ich täglich viele Stunden am Strand. für geringe Niederschläge. Dieses Kloster bestand aus einem verschlungenen System von Katakomben und Grotten. und hielt mich in der Zeit überwiegend in Mamaia auf. 1959 hatte ich Gelegenheit.In den Katakomben der Pecherskaya Lavra 201 die osteuropäischen Satellitenstaaten der (damaligen) Sowjetunion nach und nach für Reisende geöffnet. mein Russisch zu üben und Insidergeschichten über das Leben in der Sowjetunion zu erfahren.

Die Beziehung zwischen dem ukrainischen Volk und der Sowjetregierung war von Anfang an extrem angespannt. Während ich meine Freunde über das Kloster sprechen hörte. von denen die zweite von Josef Stalin und seinem Gefolgsmann Lazar Kaganovich angezettelt wurde. eine Kerzenfabrik. in deren Folge Millionen von Menschen star­ ben. dass es einen tiefen unbewussten Grund für diese intensiven Emotionen geben musste. die Pecherskaya Lavra zu besuchen und heraus­ zufinden. welche Bedeutung dieses spirituelle Zentrum für das ukrainische Volk hatte. sehr wohl gewusst. sollten vor allem den Geist der ukrainischen Bauern brechen und sie zur Kollektivierung der Landwirtschaft zwingen sowie eine Renaissance der ukrainischen Kultur verhindern. was dahinter steckte. Dazu gehörten auch zwei durch menschliches Verhalten verursachte Hungersnöte. ein Unternehmen für die Großproduktion von Ikonen und andere Einrichtungen gehörten. und mein Herz begann schneller zu schlagen. wenn auch widerstrebend. Seit 1922. als die Sowjetunion die Ukraine annektierte. und ich verspürte den starken Wunsch. heizten sowjetische Gräueltaten die Rebellion gegen die russische Vorherrschaft. Mir war klar. Mein Freund erzählte mir. denn sie waren sehr ungewöhnlich und untypisch für mich. Die Geschichten über die Pecherskaya Lavra faszinierten mich. zu dem auch »Uspensky Sobor«. die russischen Bolschewiken hätten bei ihrem entschlossenen Kreuzzug gegen die Religion. Diese künst­ lichen Hungersnöte. Sie verzichteten jedenfalls auf brutale Über­ griffe auf die dort lebenden Mönche und Nonnen und verhielten sich.202 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? Die Pecherskaya Lavra war ursprünglich Teil eines großen religi­ ösen Gebäudekomplexes. Diese Reaktionen erstaunten und verblüff­ ten mich. die noch aus zaristischen Zeiten stammte. weil sie Volksaufstände befürchteten. immer weiter an. ein prächtiger russisch-orthodoxer Tempel. lie­ fen mir kalte Schauer über den Rücken. . in der die Marxisten »Opium fürs Volk« sahen. einigermaßen tolerant.

An sämtlichen Orten. war ich sehr enttäuscht. die wir auf unserer Reise in die Sowjetunion besuchen würden. Leningrad und Moskau gehörten. Und soweit ich wusste. existierte die Pecherskaya Lavra noch. wurde zu einer ge- . ergriff mich eine große Ruhelosigkeit. nachdem die Deutschen Kiew eingenommen hatten. nahm ich an einer der ersten Rundreisen für Touristen teil. und der Verstoß gegen diese Regeln hätte schwere politische Konsequenzen gehabt.In den Katakomben der Pecherskaya Lavra 203 Zwei Jahre später. diesen mys­ teriösen unterirdischen Friedhof zu besuchen. weil ich Kiew besuchen und die Pecherskaya Lavra sehen wollte. Individuelle Besichtigungen auf eigene Faust waren streng verboten. Sie behaupteten. Ich nahm an dieser Reise vor allem deswegen teil. uns von der Gruppe zu entfernen. Als ich feststellen musste. über­ wachten uns offizielle sowjetische Touristenführer. So schlugen die Sowjets zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie zerstörten das spirituelle Symbol der Ukraine und lenkten die Wut der Ukrainer auf die Deutschen um. als die Sowjetunion ihre Grenzen für tsche­ chische Besucher öffnete. Kaum war unser Zug in Kiew angekommen. was mit Uspensky Sobor geschehen war. bevor sich die Sowjets aus Kiew zurück­ zogen. zu der auch Besuche in Kiew. sie hatte sowohl die Sowjetherrschaft als auch die deutsche Besetzung un­ beschadet überstanden. die wir bereisten. dass diese wichtige historische Stätte nicht zu den Sehenswürdigkeiten gehörte. Mein primäres Interesse galt der Pecherskaya Lavra und ihren Katakomben. Aber für mich und meine persönliche Suche war nicht so wichtig. hätten sie den Uspensky-Tempel mit Sprengstoff gefüllt und ihn in die Luft gejagt. die uns strenge Anweisungen gaben und uns nicht erlaubten. Mein leidenschaftlicher Wunsch. Uspensky Sobor sei im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen zerstört wor­ den und es gäbe dort nichts Interessantes zu sehen. Auf meine Nachfrage bekam ich von offizieller Seite zur Antwort. Meine rus­ sischen Freunde in Mamaia hatten mir jedoch etwas anderes erzählt.

dass ich . all das schon einmal gesehen und schon einmal hier gewe­ sen zu sein. beschloss ich schließ­ lich. der sein Leben relativ ausgeglichen und ohne größe­ re emotionale Aufregungen lebte. Sie schienen sich alle in tiefer Trance zu befinden. konnte ich mir ein Taxi organisieren und den Fahrer zum Kloster dirigieren. in denen das Kloster existierte. Durch dichte Wolken von duftendem Räucherwerk konnte ich Gruppen von Mönchen mit langen Bärten sehen. Das Gefühl. war überwältigend. wie der Weg vor mir verlaufen würde. mich selbständig zu machen und die Pecherskaya Lavra auf eigene Faust zu besuchen. und ihr betörender Gesang klang wie nicht von dieser Welt. an deren Wänden sich die Mumien sämtlicher Mönche reih­ ten. die aus dem tiefsten Inneren meines Wesens zu kommen schien. deren Hände eine seltsame Haltung einnahmen und nicht zum Gebet gefaltet waren. Ich wusste auf einmal. die in all den Jahrhunderten. die geschmückt waren mit kerzenbeleuchteten Ikonen.204 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? radezu zwanghaften Besessenheit. die eine starke Ausstrahlung hatten. hier gelebt hatten und gestorben waren. Auch das war für mich höchst ungewöhnlich und überhaupt nicht typisch. pergamentenen Haut waren gefaltet wie zu einem letzten Gebet. Nie zuvor hatte ich so etwas auch nur im Entferntesten erlebt. vertieft in einen monotonen Gesang. Da ich zu der Zeit fließend Russisch sprach. dass ich diesen Ort kannte. Einmal sah ich eine Mumie. Ich betrat es und wanderte durch das Labyrinth der Katakom­ ben. Mir wurde klar. Eine Welle von Emotionen stieg in mir auf. Manchmal öffneten sich die Flure zu kleinen Höh­ len. Ihre knochigen Hände mit der braunen. Obwohl das politisch sehr riskant war. dass ich mich selbst in einem seltsamen Be­ wusstseinszustand befand. Ich beendete meinen Ausflug und verließ den Ort eilig. Ich galt als ein ratio­ naler Mensch. Während ich durch die völlig dunklen Katakomben wanderte. wusste ich. Ich hatte keinerlei Zweifel daran. inner­ lich sehr aufgewühlt.

dem ausge­ zeichneten Wodka. die bis zu minus 30 Grad Celsius erreichte. Gemäß dem alten Rat. tue es den Römern gleich«. Nach meiner Rückkehr aus Russland spielte ich das Erlebnis in Kiew innerlich immer wieder durch und versuchte. um nicht noch tiefere Reaktionen zu riskieren und völlig in Verwirrung zu geraten. Seltsam unzufrieden kehrte ich in mein Hotel zurück und spürte deutlich. Lan­ ge beschäftigte ich mich jedoch nicht mit diesem seltsamen Inter­ mezzo in meinem Leben. Ande­ rerseits war ich angenehm überrascht. Mit großem Engagement wandte ich mich am Psychiatrischen Forschungsinstitut in Prag der LSD-Forschung zu. Ich leitete täglich zwei psychedelische Sitzungen und versuchte herauszufinden. . Mir war klar. dass mein illegaler Besuch in der Pecherskaya Lavra und die widrigen Umstände nicht gerade ideale Bedingungen für die tiefenpsychologische Verarbeitung mei­ ner Erfahrungen boten. Diese Erfahrungen stellten mich täglich vor so viele Herausforderungen und verstießen so beispiellos gegen das alte Paradigma. trank ich beeindruckende Mengen von Starka. wo man in heißem Wasser baden konnte und in das man von Sprungtürmen hechtete. dass mein Besuch nicht abgeschlossen war.In den Katakomben der Pecherskaya Lavra 205 floh. dass mein russisches Abenteuer darüber schnell in Vergessenheit geriet. Mein bemerkenswertestes Bewusstseinsabenteuer während meines restlichen Aufenthalts in Moskau war der Besuch der berühmtesten Attraktion der Stadt . der nach einem alten Rezept aus der Zarenzeit hergestellt wird. Ich verbrachte Silvester in Moskau und hatte Freude an den Kulturschätzen dieser Stadt. die selt­ samen Emotionen zu verstehen.einer Schwimmbad-Anlage mit mehreren Becken unter freiem Himmel. dass die Touristenführer meine Abwesenheit nicht bemerkt hatten. als ich feststellte. was bereits als solches ein kleines Wunder war. die es bei mir ausgelöst hatte. »wenn du in Rom bist. welchen Sinn die hier gemachten Beo­ bachtungen ergaben. auf denen man von der Eiseskälte eingehüllt wurde.

In den gemeinsam mit Joan geleiteten Sitzungen bat Dennys hyp­ notisierte Klienten. Ich wollte hier den Konflikt zwischen Sinnlichkeit und Spiritualität bearbeiten. Eine Quelle der emotionalen und psychosomatischen Symptome der Klienten waren offensichtlich häufig Ereignisse aus vergangenen Leben. das bekannt war für seine interessante Anwendung der Hypnosetherapie und uns vier Wochen besuchen kam. die auf der Rekonstruktion vollständiger früherer Leben basierten. Dr. Meistens fand ich das .206 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? Viele Jahre später fand diese Geschichte jedoch eine überraschende Fortsetzung. Sie hatte mehrere Bücher veröffentlicht. lud Joan Grant und Dennys Kelsey ein. das von ihrer Arbeit handelte. in der sie Erfahrungen aus anderen Zeiten und Ländern wiedererlebte. Joan war Französin und besaß die außer­ gewöhnliche Fähigkeit. Des­ halb gaben die Kelseys ihrem gemeinsam geschriebenen Buch. Ed. ausfindig zu machen. Zu der Zeit hatte ich die Tschechoslowakei bereits verlassen und arbeitete am Maryland-Psychiatric-Research-Center in Baltimore. die die Qualität von Erinnerungen an frühere Leben hatten. Joan besaß die bemerkenswerte Fähig­ keit. die sie in die Therapie gebracht hat­ ten. sich selbst zu hypnotisieren und in eine Trance zu versetzen.d. Der Direktor des Zentrums. in Einzelsitzungen selbst Erfahrungen mit ihrer Methode zu machen. der mir zu jener Zeit gerade zu schaffen machte. Anm. Life As Carola und So Moses Was Born. Ber­ lin 1987. ausgebildet in Hypnose. Albert Kurland. um die Quelle der Probleme. unter anderem Die Tochter des Pharao. so weit zurückzugehen. ein Paar aus Europa. Während des Aufenthalts der Kelseys im Zentrum hatten alle Mitglieder unseres Teams Gelegenheit.Ü. den Titel Many Lifetimes (Grant und Kel­ sey 1967) (deutsch: Wiedergeburt und Heilung. Dennys war ein britischer Psychiater. Sven Bergh.). sich auf die Erfahrungen der Klienten einzustimmen und ihnen bei der Lösung ihrer Schwierigkeiten zu helfen. wie es notwendig war.

halb nackt und mit dunkler. dem strengen. um herauszufinden. und die Menschen trugen schmutzige Lumpen. der in einem großen Garten vor einem hochherrschaftlichen Haus stand. Gelegentlich jedoch verspürte ich den starken Impuls. gekrümmten Fin­ gern.d. das einen Balkon besaß.Ü. Instinktiv wusste ich. Er stand vor einem glühenden Schmelzofen . ich war in Russland und Sohn einer aristokratischen Familie. und der Geruch von Dung hing in der Luft. um dort mein Leben ganz der spirituellen Praxis zu widmen. aber bunte bäuerliche Welt der Muzhiks (russische Landbe­ völkerung. Die Straßen im Dorf waren schlammig und voller Pfützen. mich zeitlich zurückzuversetzen. Ich schaute mir den Balkon näher an und bemerkte dort eine alte Frau mit verkrüppelten. Ich hörte Joans Stimme wie aus großer Entfernung zu mir sprechen. doch der Ort pulsierte vor Leben. Dann veränderte sich meine Umgebung. In einem sanften. die in einem Schaukelstuhl saß. Die ein­ fache. und ich sah mich in einem nahegelegenen Dorf eine Straße entlangwandern. worum sie mich bat. Ich betrat die dunkle. muskulöser Mann. Sobald ich mich in hypnotischer Trance befand. lockiger Körperbehaarung. mich aus dem Leben zurückzu­ ziehen und mir einen einsam gelegenen Ashram zu suchen. wo dieses Problem begonnen hatte. doch energischen Tonfall wiederholte sie immer wieder den Satz: »Schau zum Balkon!« Ich tat.in den Katakomben der Pecherskaya Lavra 207 Leben aufregend und konnte die vielen angenehmen Seiten des menschlichen Daseins begeistert genießen. woher sie wusste. primitive Werkstatt eines Schmiedes. Dennys hypnotisierte mich und bat mich. Durch kraftvolle Schläge mit einem schweren Hammer formte er . sie war meine Großmutter. langweiligen Leben meiner Familie zu entkommen. ohne mich zu fragen. erlebte ich mich als kleinen Russenjungen. Anm. Die Häuser hatten strohbedeckte Dächer.) war für mich eine aufregende Möglichkeit. und eine Woge von Liebe und Mitgefühl stieg in mir hoch. dass ich ein Haus betrachtete.ein riesiger. Ich wusste.

das auf dem Amboss lag. die beim Schmieden entstehen. so wurde mir klar. War das Arthritis. Nachdem ich begriffen hatte. das Wotan Siegfrieds Vater Sigmund gab. gefoltert von unerfülltem sexuellem Verlangen und verletzt durch wiederholte Zurückweisungen. dass mir das welt­ liche Leben keinen Platz mehr bot. Die Scham und Demüti­ gung. unkontrolliert zu zucken und zu tränen. warum ich so reagierte. die das erzwungene Zölibat in mir auslösten. Und jetzt pas­ sierte mir plötzlich in der Sitzung genau das Gleiche. Ich verspürte einen brennenden Schmerz in meinem rechten Auge. verbarg ich hinter dem falschen Stolz der Entsagung. flog mir ein Stück glühendes Eisen ins Auge und verursachte schwere Verbrennungen. meine rechte Gesichtshälfte zuckte. als sie mein bis zur Unkenntlichkeit ver­ branntes Gesicht sah und sich daraufhin von mir zurückzog und mich mied. In den Jahrzehnten. und ließ mich in der Pecherskaya Lavra zum Mönch weihen. Doch anders als in früheren Situationen wusste ich diesmal. das zerbrochene Schwert. Dabei begann mein rechtes Auge regelmäßig zu brennen. Ich machte noch einmal die Qualen des gespenstisch entstellten. verkrampften sich meine Hände. nur unver­ gleichlich heftiger. hatten mich immer stark berührt. in der Siegfried Nothung schmiedet.208 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? ein rot glühendes Stück Eisen. die ich in der Dunkelheit der Katakomben verbrachte. in der Wagner meisterhaft sämtliche Klänge ertönen lässt. hatten meine Finger an beiden Händen starke Verwachsungen erlitten. Als ich mich bewusst auf die Erinnerung an mein Leben in diesem Kloster einließ. Während ich den Schmied völlig fasziniert und wie gebannt anstarrte. Weitere emotional äußerst schmerzhafte Szenen folgten. und Tränen strömten mir über die Wangen. Diese Szene und die mächtige Musik. Ich erin­ nerte mich plötzlich an eine Szene aus dem ersten Akt von Wag­ ners Siegfried. verursacht durch die . flüchtete ich mich völlig ver­ zweifelt und entmutigt ins Klosterleben. Ich erlebte noch einmal das Entsetzen meiner Mutter. pubertierenden Jugendlichen durch.

Das galt als symbolischer Ausdruck für den gelungenen Abschluss eines guten. deformierte Krallen ver­ wandelt hatte. Und dass mir jetzt auch noch die Möglichkeit verwehrt wurde. In der Pecherskaya Lavra war es Sitte. ließen sich nicht zu der symbolischen Segensgeste falten. Ablehnung und Demütigung zu fliehen. in der seine tiefe Unzufriedenheit mit dem Leben zum Ausdruck kam? Ist es möglich. . die meinen erfolgreichen Abschluss des Klosterlebens wider­ gespiegelt hätte. Ich hasste dieses Leben im Klos­ ter und beneidete die glücklichen Menschen. Ich begann zu weinen. formal abzuschlie­ ßen. oder die hysterische Reaktion eines Neurotikers. und ihre Hände zum Gebet zu falten. Ich hatte mich aus der Welt zurückgezogen. überwältigt von einer Mischung aus Wut. Gott geweihten Lebens. mein ganzer Körper zuckte. ein Leben. und ich hätte ihn als Befreiung aus dem Gefängnis eines für immer entstellten Kör­ pers erleben können. dass ich mir für dieses psychosomatische Symptom die organische Krankheit zum Vorbild nahm. die auch die Hände meiner geliebten Großmutter verkrüp­ pelt hatte? Die letzte Szene meiner hypnotischen Rückführung zeigte meinen Tod. die sich an den Wänden der Katakomben reihten. die einen intakten. die Körper der Verstorbenen in offene Särge zu legen. in meinen letzten Stunden Frieden und Versöh­ nung zu finden. war mehr. und Tränen strömten mir aus den Augen. das mir so unbeschreiblich viel Leid gebracht hatte. Doch ein unerwartetes Hindernis nahm mir diese Möglichkeit. unkontrolliert zu schluchzen. Kummer und Selbstmitleid. um vor meinen Gefühlen von Scham. die irgendein patholo­ gischer Vorgang mit der Zeit in hässliche.In den Katakomben der Pecherskaya Lavra 209 ungesunden Lebensbedingungen. Er beendete ein Leben voller Leid. Ich begann. schönen Körper besaßen und das Leben in der Welt da draußen genossen. Mein Aufenthalt hier war keine freie Entscheidung. als ich ertragen konnte. Aber meine verkrüppelten Hände.

verrenkten Hände und massierte sie sanft und zärtlich. faltete Joan sie zur Gebetshaltung und umschloss sie mit ihren eigenen Händen. Seit der Sitzung mit den Kel­ seys habe ich mich nie wieder im Konflikt befunden zwischen Spi­ ritualität und dem lustvollen Genuss all dessen. »was unseres Fleisches Erbteil ist«. dass ich mit ihrer Hilfe mein unglückliches Leben in der Pecherskaya Lavra schnell zum Abschluss bringen und mich damit versöhnen konnte. die Christina und ich am Esalen-Institut in Big Sur leiteten. die ich unfreiwillig als Mönch verbrachte. bestätigte diese intuitive Gewissheit. Seligkeit und Liebe. die sich nun lösten. Ich spürte. und er gab Caroline. Sie nahm meine verspannten. Vor Be­ ginn der Sitzung beschrieb Caroline die unerklärliche Anziehung. dieses Thema abge­ schlossen zu haben. seinem Volk und seiner Kultur verspürte. dass ich hier eine tiefe Hei­ lung erlebte. als Gastdozent eingeladen. eine Gestaltsitzung. Wir hatten Dick Price. Sie wollte sich in ihrer Sitzung mit den schädlichen Folgen auseinandersetzen. Mein Leben. In den langen Jahren. Als meine Hände sich schließlich entspannten. Ich beendete die Sitzung in der Überzeugung. Jahre später jedoch tauchten einige Aspekte dieser Geschichte mitten in einem der einmonatigen Workshops. einer jungen Gruppenteilnehmerin. die ihr elfjähriger Aufenthalt in einem katho­ . die sie zu Russland. Sexualität und vieles ande­ re. damit sie diese Position beibehalten konnten. hatten sich in meiner Psyche und meinem Körper unglaublich viele negative Emotionen ange­ staut. Ich hegte keinerlei Zweifel daran. Sie lernte Russisch und sang gern russische Lieder.die Natur. Mitbegründer von Esalen und einer der ersten Schüler von Fritz Perls (Begründer der Ge­ stalttherapie). wie es sich nach dieser Sitzung gestaltete.210 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? An diesem Punkt schaltete sich Joan mit ihrer unglaublichen Intu­ ition ein. Allmählich traten an ihre Stelle Gefühle von tiefer Entspannung. was das Leben uns zu bieten hat . Essen. innerem Frieden. überra­ schend wieder auf. Arbeit.

die bei dem Gedanken an diese vertanen Ju­ gendjahre bei ihr hochkamen. Vor mir sah ich das unglaublich entstellte Gesicht einer jungen Frau. Als Carolines Sitzung beendet war. erzählte sie mir ihre unglaubliche Geschichte. Sie hatte vom Maryland-Programm gelesen. den man nach dem Unfall in der Werkstatt des Schmiedes nach Hause brachte.In den Katakomben der Pecherskaya Lavra 211 lischen Nonnenkloster auf ihre Sexualität. wo meine Mutter mit meiner Ent­ stellung konfrontiert war. das Augen­ lid zuckte unkontrolliert. der in meinem früheren Leben beim Anblick meines entstellten Gesichts das Herz brach. handelte es sich bei der Besucherin. in den Spiegel zu schauen. dass ich einen Moment lang glaubte. Als wir uns zusammensetzten. Während ich Caroline durch den Tränenschleier beobachtete. Mich überraschte jedoch. Als sie ihre enorme Wut und den Kummer zum Ausdruck brachte. sah ich sie zugleich als mei­ ne Mutter. psychedelische Sitzungen zu nehmen. um sich nach einer LSD-Sitzung zu erkundigen. als ich im Begriff war. wie heftig ich reagierte. und war gekommen. war ich völlig aufgewühlt. die den Raum genau in dem Augenblick betreten wollte. ihre Lebendigkeit und Lebenslust hatte. und Tränen strömten mir übers Gesicht. Wieder begann mein rechtes Auge zu brennen. dass ihr Leben und mein früheres Leben in Russ­ land sich so ähnlich waren. .und erstarrte. Ich wusste augenblicklich: Diese Gefühlsverwandtschaft beruhte darauf. Ich war innerlich immer noch so beschäftigt mit meinem russischen Leben. bis sie aussah wie meine Mut­ ter in der russischen Inkarnation. veränderte sich ihr Gesicht ständig. Plötzlich war ich wieder der russische Junge. Obwohl Caroline eindeutig Emotionen aus ihrem jetzigen Leben verarbeitete. um Carolines Freundin Victoria. Wie sich später herausstellte. das Krebs­ kranken die Möglichkeit bot. fühlte ich mich ihr zunehmend ver­ wandt. ihn zu verlassen. Erschüttert und verwirrt machte ich mich auf den Weg zum Mittagessen und ging auf die Tür zu. die den Schau­ platz genau in diesem Augenblick betrat. Ich öffnete sie .

Sie glaubte. denn in Victorias Sitzung ging es um ein breites Spektrum an Themen. In den folgenden Jahren schritt die Krankheit immer weiter fort. dass man im Krankenhaus die Na­ mensschilder verwechselt hatte und das überlebende Namen ihrer toten Schwester trug. Sie hatte sich zu ihrer mysteriösen Krankheit eine höchst selt­ same Theorie zugelegt. und kam in Kontakt mit dem Trauma ihrer Geburt und dem Tod ihrer Zwillingsschwester. ihr eine Sitzung mit hochdosiertem LSD zu geben.212 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? Sie wurde als eineiiger Zwilling geboren. sie selbst auszuprobieren. doch ihre Zwillingsschwes­ ter starb kurz nach der Entbindung. Als sie 4 Jahre alt toria aus dem Heckfenster eines fahrenden Wagens den Folgen dieses Unfalls fast gestorben. Diesem Umstand verdankte sie die wachsende Zerstörung ihres Körpers. litt unter schweren Depressionen und über­ legte ernsthaft. die ihr Gesicht in ein Flickwerk aus tiefen Narben und transplantierten Hautfetzen verwandelten. Kurz nach von ihren Verletzungen traten bei ihr Symptome einer Mädchen den war. Sie setzte sich mit dem Schmerz und dem Kummer ihres tragischen Zustands ausei­ nander. ob sie ihrem Leid nicht durch Selbstmord ein Ende setzen sollte. Zu ihrer großen Bestürzung fanden die Eltern später heraus. und Victoria hatte mehrere plastische Operationen. den sie als Kind hatte. Keine der bislang ausprobierten Behandlungsmethoden hatte ihren emotionalen Zustand nachhaltig verbessert. Als sie von den tiefen Wirkungen der psychedelischen Therapie las. fiel Vic­ und wäre an der Genesung sehr seltenen Form von Hautkrebs auf. Sie identifizierte sich stark mit dem geächteten Phantom der Oper. beschloss sie. Christina und ich erklärten uns einverstanden. Doch sie blieb nicht sehr lange bei . deren Namen sie trug. schaute sich noch einmal den Unfall an. Es war für uns alle eine inten­ sive und bedeutungsvolle Erfahrung. dass sie bei ihrer Nahtoderfahrung mit dem Jenseits Kontakt aufgenommen und die Identität ih­ rer toten Zwillingsschwester angenommen hatte.

wie mein jetziges Ich und Victoria sowie Victoria und Caroline in dieser Geschichte Zusammenhängen und welche Rolle Christina darin spielt. was uns betraf. sich mit ihrem jetzigen tragischen Leben und mit Gott zu ver­ söhnen. Victoria jedoch konnte von der neuen Lebenseinstellung. um genau zu verstehen. Ein paar Stunden später war unsere Wahrnehmung wieder auf dem norma­ len Level.d. Während die Verbindung zwischen meiner Identität in diesem Leben und dem unglücklichen Dasein als Mönch ziemlich eindeu­ tig ist. Das ging. ohne selbst wel­ che genommen zu haben. wie Victoria und der entstellte Mönch. wie Caroline und meine russische Mut­ ter.in den Katakomben der Pecherskaya Lavra 213 diesen Themen. das wir »contact high« (das Phänomen.) zu nennen pflegten. wie die Beziehungen zwischen den Hauptfiguren dieser Geschichte in dem früheren und im jetzigen Leben Zusammen­ hängen. Für mich stellte der Anblick von Victorias geheiltem. bin ich nicht auf weitere Teile dieses karmischen Puzzles gestoßen. vom durch Drogen ausgelösten »High« anderer Menschen angesteckt zu werden. bleibt jedoch rätselhaft und verschwommen. Obwohl Christina und ich dicht neben ihr saßen. . Obwohl seit unserer Sitzung mit Victoria inzwischen mehr als ein Vierteljahrhundert vergangen ist.Ü. Durch dieses außergewöhnlich tiefe Erlebnis hatte Victoria das Gefühl. eindeutig auf das Phänomen zurück. die sie in ihrer Sitzung gewonnen hatte. sondern verbrachte ihre Sitzung überwiegend in einem Zustand von Seligkeit und kosmischem Einssein. vieles mitnehmen. sahen wir ihre Narben nicht mehr. schönem Gesicht den endgültigen Abschluss meines Abenteuers mit dem früheren russischen Leben dar. Während sie diese tiefe ekstatische Freude erlebte. Anm. Victorias Gesicht war absolut glatt und wunderschön. Ich bin dieses ungewöhnliche Abenteuer innerlich wiederholt durchgegangen. schien sie eine Aura von leuchtender Kraft zu umgeben.

dass die mysteriösen Naturgesetze. ist diese tiefe Dynamik doch so weit verborgen. die mit außerordentlichen Synchronizitäten verbunden waren.214 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? Auch wenn die in dieser Geschichte beschriebenen Erfahrungen. die in der karmischen Welt wirken. . uns einen Einblick in das komplizierte unsichtbare Gewebe hinter un­ serer alltäglichen Realität gewähren. geschützt bleiben.

Schamanen aus vielen verschiedenen Teilen der Welt. Kalifornien. dass das Gelände. Dieses be­ zaubernde kleine Gebäude lag an dem Bach. Sie alle stimmten darin überein.Wenn spirituelle Erfahrungen gefährlich werden 215 Wenn spirituelle Erfahrungen gefährlich werden Wiederholungsbesuch bei der Hexenverfolgung in Salem C hristina und ich wohnten 1976 mehrere Monate im »Round House« des Esalen-lnstituts in Big Sur. mitei­ nander verbundenen Höhlen vulkanischen Ursprungs. kurz bevor es in den Pazifischen Ozean floss. die unter weiten Teilen Kaliforniens verliefen. Laut lokaler Sage entsprangen die heißen Quellen von Esalen unterirdischen. Noch beeindruckender war jedoch die energetische Ausstrahlung dieses Ortes. der das Grundstück von Esalen in zwei Hälften teilte. an dem außer- . Das Rauschen des Baches und das Tosen des Wasserfalls waren starke sinnliche Eindrücke. einen Wasserfall. indische Yogis und tibetische Meister. Wir haben im Laufe der Jahre viele Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten als Gastdo­ zenten in unsere Workshops nach Esalen eingeladen . auf dem das Round House stand. Das munter dahineilende Wasser des Baches kam oben vom Bergkamm und bildete. Mitglieder der Spiritistischen Kirche. ein Ort.Hellsichtige. ein »Kraftplatz« war. Aus einer Öffnung im Boden vor dem Haus schoss heißes Mineralwasser in Fontänen und plätscherte in einen kleinen privaten Pool.

schrieb sie der hohen Konzentration von negativen Ionen zu. sahen die Auswirkungen so aus. das sie als Erinnerung an eines ihrer früheren Leben empfand. an einem Balken festband und dann mit dem Kopf zu­ erst unter Wasser tauchte.216 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? gewöhnliche spirituelle Energien wirkten. Welche Gründe auch immer dafür verantwortlich sein moch­ ten. dass um den Teich lauter Birken standen. dass das Haus in unmittelbarer Nähe zum Ozean. das Leben im Round House hatte bei uns beiden tiefe Auswir­ kungen auf unsere Psyche. die darauf beruhte. dass es einer psychedelischen Sitzung gleichkam. waren diese Zustände ein Zeichen dafür. Während sie ihren Tod durch Ertrin­ ken noch einmal durchlebte. Wer die Wirkung dieses Ortes auf Menschen wissenschaftlich zu erklären suchte. die damals ihre spirituelle Krise durchmachte. und zwei Richter in zeremoniellen Roben verhörten sie und verurteilten sie zum Tod durch Ertrinken. An einem Wochenende machte sie so intensive Erfahrungen. unser kleines Feenreich läge irgendwo an einem archetypischen Ort jenseits von Zeit und Raum. Neuengland. und dabei floss . Sie erlebte. Oft glitt ich übergangslos in Trance. Für Christina. dem tosenden Wasserfall und den gigantischen Redwood-Bäumen lag. die beide Ufer des Baches säumten. und er­ lebte wiederholt außergewöhnliche Bewusstseinszustände. Sie konnte noch sehen. dass das Mädchen vom Teufel besessen war. Diese Erinnerung an ein früheres Leben gipfelte in Christinas Hinrichtung durch Ertrinken. schrie und würgte sie. In diesem Leben wohnte sie als heranwachsendes Mädchen in Salem. dass sich ihre inneren Prozesse erheblich verstärkten. Nach einer Zeit heftiger Ängste und unangenehmer Körper­ empfindungen hatte sie ein tiefes Erlebnis. vergaß unsere geographischen und historischen Koordinaten und hatte das Gefühl. die als christliche Fundamentalisten einem bigotten Wahn anhingen. Für ihre Nachbarn. Man kam hier ungewöhnlich leicht in einen meditativen Zustand. Sie klagten sie als Hexe an. wie man sie zu einem Teich trug.

frustriert. Christina hatte sich gegen diese Radikalkur ent­ schieden und ihre Beschwerden schließlich einfach akzeptiert. Als sie noch auf Hawaii lebte. Ich trug an dem Tag ein Flanellhemd. Deshalb hatten wir noch Zeit. regelrecht imprägniert war von getrocknetem Schleim. Nachspiel: Der Workshop nach San Francisco ging und ich in Boston einen Workshop für hatte diese Episode ein interessantes endete abends.Wenn spirituelle Erfahrungen gefährlich werden 217 ihr aus Mund und Nase sehr viel Schleim. Wir beschlossen. die gegen die geballten Anstrengungen wissenschaftlicher Experten resistent geblieben waren. dass Christinas Beschwerden. Man hatte sie mehrfach untersucht und getestet und viele Behandlungen ausprobiert. Marilyn Hershen anzurufen. bei dem es um Ignoranz. durch ein karmisches Erlebnis verschwanden. und unser Flug zurück erst am Spätnachmittag des folgenden Tages. eine Psychologin . uns die Stadt anzuschauen. dass ihre Nasennebenhöhlen-Entzündung verschwunden war. bei der die Nebenhöhlen ausgeschabt und gereinigt werden sollten. dessen Vorderseite. Jahre später. als Christinas Erlebnis ende­ te. inzwischen durch viele ähn­ liche Beobachtungen ernsthaft ins Wanken geraten. Glücklicherweise war mein Glaube an die über jeden Zweifel erhabene und streng bewiesene »wissenschaftliche Weltanschau­ ung«. Vor allem aus der Nase sonderte sie enorme Mengen an Sekreten ab. als Christina Holotropes Atmen gaben. weil ihre Be­ handlungsversuche nichts fruchteten. Es ent­ behrte durchaus nicht eines gewissen kosmischen Humors. Sonst hätte mich dieses Erlebnis in eine schwere Denkkrise gestürzt. die ich einmal vertreten hatte. Die Ärzte. darunter auch eine Reihe von Injekti­ onen für eine Desensibilisierung. Nach diesem inneren Erlebnis mit ihrer Verurteilung und ihrem Tod in Salem stellte sie zu ihrer großen Überraschung fest. schlugen schließlich eine Operation vor. reli­ giösen Fanatismus und die falsche Anklage wegen Hexerei ging. hatte Christina unter schweren Allergien und chronischer Nasennebenhöhlen-Entzündung gelit­ ten.

Marilyn reagierte erstaunt. Wir waren ihr zu Beginn der 1980erJahre. sehr nahe gekommen. die man vor langer Zeit durch einen Steindamm vom Meer abgetrennt hatte. »Wo gehst du hin?«. das von Hexen handelt. Sie blickte sich um und wirkte enttäuscht. da sie die Stadt gut kannte. stellten wir fest. Wir parkten den Wagen und schlossen uns ihr an. als wir in Bombay zusammen eine große internationale Trans­ personale Konferenz organisierten. Marilyn war ganz aufgeregt vor Freude und bot uns an. Beim Essen erzählte Christina Marilyn von ihrer Erinne­ rung an das frühere Leben. schlug Marilyn ihr Lieblingsrestaurant vor. denn sie hatte in einer ihrer Meditationen im Siddhi-Yoga-Ashram ein ähnliches Erlebnis gehabt. sagte sie und begann um den Teich herumzuwandern. Natürlich fiel uns sofort Nathaniel Hawthorne ein mit seinem Buch Der scharlachrote Buchstabe. Marilyn. Als wir dort ankamen. erkundigte sich Christina bei Marilyn. Da Salem nur wenige Meilen entfernt lag. in dem es um die Hexenverurteilungen von Salem ging. dass es »Hawthorne Inn« hieß. »Hier müssen welche sein«. ob es in Salem einen Teich gäbe. sagte sie und setzte ihren Rundgang fort. Es sah aus. fragten wir sie. Als wir dort ankamen. »Ich sehe keine Birken«. wo wir mittags essen gehen könnten. den Tag mit uns zu verbringen und uns die Gegend zu zeigen. als sei dieser kleine See ursprünglich eine Bucht gewesen. Doch dann bog sie plötzlich falsch ab. Schließlich entdeckte Christina auf der anderen Seite des . die ihre Kindheit in Salem verbracht hatte. Als wir überlegten. das in der Nähe von Salem am Meer lag. verneinte diese Frage entschieden. Christina stieg wie benommen aus dem Wagen. Dieser ungeplante Abste­ cher brachte uns zu einem Teich in der Nähe des Ozeans. was sie selbst überraschte. die Stadt zwischen Mittagessen und dem Abflug nach Kalifornien zu besichtigen. die auch zu Swami Muktanandas innerem Kreis gehört hatte. schien es plötzlich naheliegend.218 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? und gute Freundin von uns.

auf der die Hexenprozesse beschrieben wurden. ln Danvers hatten wir 1978 eine große Konferenz der »International Trans­ personal Association« (ITA) veranstaltet. sagte Christina bestimmt. dass zwei Richter die Urteile von Salem verhängt hatten. »Aber die Urteile hat immer nur ein Richter gefällt«. Tituba war eine Indianerin aus einem Dorf der Arawak in Südamerika. in dem die Prozesse stattgefunden hatten. wo sie als Kind in Gefangenschaft geriet.« Wir kehrten zum Wagen zurück und beschlossen. mit dem Teufel im Bunde zu stehen. nach Barbados verschleppt und als Sklavin verkauft wurde. die man wegen Hexerei verurteilte. Bevor wir zum Wagen zurückkehrten. kaufte ich in einem Souvenirladen eine illustrierte Broschüre über Salem. Das war ein richtiger Schock für uns. heute Danvers hieß.Wenn spirituelle Erfahrungen gefährlich werden 219 Teiches eine Birke. Als wir am Gerichtsgebäude ankamen. dass Old Salem. in der auch die Geschichte der Hexenverurteilungen stand. »Seht ihr. stellten wir fest. Ihr Stamm war umgeknickt und die Krone ins Wasser getaucht. Auf dem Weg dorthin erzählte Christina Marilyn. in denen unwissende Nachbarn ein Werk des Teufels gesehen hatten. Doch neben dem Haupteingang stand eine große Tafel. Bei dieser Konferenz stellten wir zum ersten Mal unser Konzept der »spirituellen Krise« . dass die Mädchen. das Ge­ richtsgebäude zu besuchen. protestierte Marilyn. dass es ge­ schlossen war. wo viele dieser historischen Ereignisse stattfanden. »Es waren zwei Richter!«. »Das muss die letzte sein. die angeklagt war. las ich den beiden Frauen aus diesem Buch vor. dass Tituba den Mädchen schamanistische Künste beibrachte. Hier bestä­ tigte sich Christinas Erfahrung. häufig die Sklavendienerin Tituba besucht hat­ ten. sagte sie. Wir kamen zu dem Schluss. Die interessanteste Information in diesem kleinen Führer war. Während Marilyn uns zum Flughafen fuhr. da standen sie«. dass sie in den beiden Richtern aus ihrem früheren Leben ihren Ex-Ehemann und ihren Vater aus ihrem jetzigen Leben erkannt habe. Wir fanden heraus.

und sowie wir das Flugzeug betraten. die große Ähn­ lichkeit mit den Foltermethoden hatten. Sobald wir unsere Flughöhe erreicht hatten. Wir ließen uns in unsere Sitze fallen. Wir waren völlig verblüfft über diese unglaubliche Synchronizität. und um ihren Kopf wogte eine wirre Korona aus langen. Völlig beschäftigt mit diesem Drama. wo sich ihr früheres Leben abgespielt hatte. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen: Sie hatte sehr dunk­ le Haut. trug die Stewardess aus der ersten Klasse Gläser mit Rotwein und Weiß­ wein auf einem Tablett in die Touristenklasse. die in der Inquisition und bei den Hexenverfolgungen üblich gewesen waren. legten die Sicherheitsgurte an und begannen die ungewöhnlichen Ereignisse dieses Tages im Gespräch zu verarbeiten. wenn wir sie richtig verstehen und begleiten. Wir rannten durch die Sperre. Wir hielten diesen Vortrag in einem Saal. als Psychosen diagnosti­ zieren und oft mit drastischen Methoden wie Insulinkoma und Elektroschocks behandeln.220 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? vor. von dem aus man eine altmodische psychiatrische Klinik am anderen Ende des Tals sehen konnte. dass die­ se Krisen der spirituellen Öffnung. dessen Kernaussage war. Ohne dass Christina damals darum wusste. Bei unserem Vortrag in Danvers hatten wir dargelegt. . Und die Ursa­ che für ihr Leiden und ihren Tod in dieser karmischen Episode waren die Missverständnisse in Bezug auf außergewöhnliche Be­ wusstseinszustände und deren Fehlinterpretation. dass die Mainstream-Psychiater viele außergewöhnliche Bewusstseinszustände. stellten wir unser modernes Plädoyer für eine radikale Änderung der Einstellung zu außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen ausgerechnet an dem Ort vor. erreichten wir den Flug­ hafen in letzter Minute. tatsächlich heilsame und transformative Erlebnisse sein und die Entwicklung der davon betroffenen Menschen för­ dern können. schlossen sich die Türen hinter uns. die in Wirklichkeit Aus­ druck einer psychospirituellen Krise sind. die den übelsten Ruf im ganzen Land hatte. Man setzte dort immer noch Schocktherapien ein.

die in alle Richtungen abstanden. Dass diese Erinnerungen an Erlebnisse aus früheren Leben mit all ihren bemerkenswerten und typischen Eigenschaften existieren. »Wir haben aus der ersten Klasse ein paar Gläser Wein übrig«. also wortverwandt mit incarnation = Inkarnation. weil sie ihr wie ein Symbol für den gelungenen Abschluss dieser drama­ tischen Ereignisse in ihrem Leben vorkam. Die Stewardess kam auf uns zu und warf Christina einen langen. dein Mädel aus Barbados«. ist eine unbezweifelbare Tatsache. Später erzählte sie mir. »Da kommt Tituba. . diesmal trug sie auf ihrem Tablett Nelken. was an diesem Tag passiert war. dass sie mit dieser Frisur vor dem strengen Blick ihrer Vor­ gesetzten.: carnation. bestätigen kann. Anm. bedeutungsvollen Blick zu. dass es im theore­ tischen Rahmen der Mainstream-Psychiatrie und -Psychologie kei­ ne plausible Erklärung für diese Phänomene gibt. sagte sie. Klar ist auch.). der geistig aufgeschlossen und daran interessiert ist. habe sie das Gefühl gehabt. hatte bestehen können. Un­ fassbar. sagte ich witzelnd zu Christina. »Hätten Sie vielleicht gern eins?« Und als sei diese Frage von großer Bedeutung.d. Selbst wenn die beeindruckenden Fakten nicht unbedingt definitiv »beweisen«. die doch immer peinlich genau auf die äußere Erschei­ nung ihres Personals achteten. nach alledem. die jeder ernsthafte Forscher. das Beweismateri­ al zu überprüfen. Sie lächelte uns an und sagte: »Wir haben auch ein paar Blumen übrig. dass diese simple Entscheidung von großer karmischer Bedeutung sei. fügte sie nach einer kleinen Pause in einem ernsten Tonfall hinzu: »Möchten Sie roten oder weißen Wein?« Wir nahmen uns beide ein Glas und grübelten über diese wei­ tere eigenartige Synchronizität nach. Die Stewardess kam noch ein­ mal zu uns.Wenn spirituelle Erfahrungen gefährlich werden 221 ungekämmten Rastalocken.Ü. Sie wählte die weiße Nelke (engl.« Sie hielt Christina das Tablett hin und sagte ebenso ernst wie zuvor: »Hätten Sie gern eine rote oder eine weiße?« Christina zögerte ei­ nen Moment und nahm dann eine weiße.

1988). Nachdem ich Hunderte von diesen Erfahrungen aus früheren Leben miterlebt und selbst viele eigene gemacht habe. der sagt. muss ich Chris Bache zustimmen. das augenblickliche Paradig­ ma radikal in Frage zu stellen. entweder uninformiert oder borniert sind« (Bache .222 Teil 4: Haben wir schon einmal gelebt? dass wir den Tod überleben und uns als ein und dieselbe Bewusst­ seinseinheit oder individuelle Seele reinkarnieren. dass »das Beweismaterial auf die­ sem Gebiet so reich und außergewöhnlich ist. stellen sie für die traditionelle Wissenschaft eine enorme gedankliche Herausfor­ derung dar und haben das Potenzial. dass Wissenschaft­ ler. die das Problem der Reinkarnation als ernsthaftes Studienobjekt verwerfen.

Teil 5 Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Die Welt des Paranormalen erforschen .

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Im gesamten 20. ist.Ü. doch auch in der Literatur anderer Disziplinen wie An­ thropologie und vergleichender Religionswissenschaft finden wir viele Formen dieser Forschungsrichtung. Ein gemein­ samer Nenner der Erfahrungen und Ereignisse.Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits 225 I n diesem Teil des Buches schildere ich Ereignisse und Erfah­ rungen mit Phänomenen.(extrasensory perception. außersinnlich oder PSI bekannt sind. die wir mit Hilfe der existierenden wissenschaftlichen Theorien nicht erklären können. die nicht über die bekannten Kanäle und Kräfte erfolgen. Anm.d. weil sie sich auf die Erforschung von außersinnlichen Wahr­ nehmungen (ESP) . Ereignisse und Vorgänge spezialisiert hat. weil es hier um einen Wissens­ transfer oder eine Beeinflussung materieller Vorgänge geht. die als paranormal. Außersinnliche Phänomene können sich unter ganz gewöhnlichen Umständen manifestieren und beruhen nicht zwangsläufig auf einer Veränderung des Bewusstseins.) und weiterer Fähigkeiten. Aus der Sicht der traditionellen Wissenschaftler sind außer­ sinnliche Phänomene unmöglich. dass sie die üblichen Grenzen von Raum und Zeit überschreiten. Holotrope Zustände begünstigen ihr Auftreten jedoch deutlich. . Die systematische wissenschaftliche Erforschung außersinnlicher Phänomene geht vor allem auf Parapsychologen zurück. Jahr­ hundert war die Parapsychologie Gegenstand hitziger Kontrover­ sen. die wir zu dieser Kategorie rechnen.

die das Inte­ resse und die Aufmerksamkeit der Parapsychologen auf sich gezo­ gen haben. nonverbalen Hinweisen. Schließt diese Form der Wahrnehmung weit entfernte Orte ein. Bei außerkörperlichen Erfahrungen ist das vom Körper gelöste Bewusst­ sein imstande.226 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Um einen Rahmen für die Berichte in diesem Teil des Buches zu schaffen.d. Der Glaube an die Weiterexistenz nach dem biologischen Ab­ leben findet sich in allen alten Kulturen. ist das mögliche Überleben des Bewusstseins nach dem Tod. das die Parapsychologen fasziniert. Präkognition ist die präzise Vorausahnung zukünftiger Ereig­ nisse ohne objektive Hinweise. die dieses Objekt besitzt.) gründeten und die Para­ psychologie eine eigenständige Disziplin wurde. Ein weiteres Thema. ohne Hilfe der üblichen Kanäle Zugang zu Infor­ mationen über Vergangenheit. Psychometrie nennen wir den Vorgang. Früher haben die . vorindustriellen Gesell­ schaften und spirituellen Traditionen der Welt. bezeichnen wir sie als astrale Projektion. Der Begriff Psychokinese bezeichnet Situationen. bei dem durch gründlichen taktilen Kontakt (also durch Abtasten) mit einem Objekt Informationen über dieses Objekt oder Tatsachen und Ein­ drücke über die Person gewonnen werden. in denen materielle Objekte oder Prozesse durch psychische Kräfte beein­ flusst werden. kurz beschreiben und definieren: Telepathie ist der direkte Zugang zum Denkprozess einer anderen Person ohne Benutzung von Worten.Ü. Anm. möchte ich einige außersinnliche Ereignisse. Signalen oder anderen üblichen Kommunikationsmitteln. Gegenwart und Zukunft zu gewinnen und dabei räumliche oder zeitliche Grenzen oder beides zu über­ winden. Der Begriff Hellsichtigkeit bezeich­ net die Fähigkeit. seit 1882 zwei Gelehrte aus Cambridge die »Society for Psychic Research and Parapsychology« (Gesellschaft zur Erforschung para­ psychologischer Phänomene. sich im Raum zu bewegen und seine Umgebung präzise wahrzunehmen.

Ring 1982. ist in Wirklichkeit kein Glaube. die ihre eigene Vergäng­ lichkeit und den Tod nicht akzeptieren können. Er beruht vielmehr auf zahlreichen. Bruce Greyson und viele andere (Moody 2002. Herzanfäl­ len oder Herzstillstand während einer Operation konfrontiert sind. machen diese faszinierende Erfahrung. keine völlig unbegründete Wunschphantasie von naiven Menschen. Wir haben uns in diesem Buch bereits an früherer Stelle Beobachtungen und wissenschaftliche Forschungen über Erinnerungen an frühere Leben und die Frage der Reinkarnation angeschaut. Sabom 1987. Raymond Moody. warum dieser Glaube so universell verbreitet ist und sich beharrlich hält. Eine weitere wichtige Quelle für wissenschaftliche Informati­ onen zu der Frage. außergewöhnlichen Erfahrungen und Beobach­ tungen. dass das Bewusstsein den Tod zu überleben ver­ mag. wie er einem Menschen Vorkommen mag. dessen geistige Umgebung von der materialistischen Wissenschaft geprägt ist. die sich den rationalen Erklärungsmodellen der materialis­ tischen Wissenschaft nicht fügen. Greyson und Bush 1992) haben dieses Phänomen gründlich erforscht . Etwa ein Drittel der Menschen. die mit lebensbedroh­ lichen Situationen wie Autounfällen. Und mit Hilfe der Bewusstseinsforschung können wir auch verstehen. Der Gedanke. ob das Bewusstsein nach dem Tod weiterexis­ tiert. stellen sie die traditionelle Wissenschaft mit Sicher­ heit vor eine große theoretische Herausforderung. Auch wenn diese neuen Daten nicht als »Beweise« für die Weiterexistenz des individuellen Bewusstseins nach dem Tod gelten können. verhöhnt und lächerlich gemacht. ln der zweiten Hälfte des 20. Beweismaterial für die Weiterexistenz aufzu­ spüren. Jahrhunderts jedoch hat die Bewusstseinsforschung sehr viele Beobachtungen gesammelt. Kenneth Ring.Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits 227 Wissensgemeinschaft und akademische Kreise die Bemühungen der Parapsychologen. die diesen Gedanke nicht so ab­ wegig erscheinen lassen. Michael Sabom. Beinah-Ertrinken. ist die thanatologische Forschung über Nahtoderfahrungen (NDEs).

dem göttlichen Gericht. Rebirthing oder dem Holotropen Atmen auftauchen.insbesondere des dissoziativen Betäubungs­ mittels Ketamin . wie im Fall von Krisen. dass Menschen. Bei der vollständigen Form finden wir die außerkörperliche Erfahrung. die aus orga­ nischen Gründen von Geburt an blind sind. entweder als vereinzelte Vorkommnisse oder wiederholt. die eine psychische Öffnung begleiten.228 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits und den typischen Ablauf einer Nahtoderfahrung beschrieben. Besonders interessant sind sie für Thanatologen und andere Bewusstseinsforscher. Sie können auch in der spirituellen Praxis und bei tiefgreifenden Formen von erlebnis­ orientierter Psychotherapie wie Primärtherapie. bei der Nahtoderfah­ rung Bilder sehen. besonders wichtig. von denen einige später mündlich bestätigt wer­ den konnten (»wahre außerkörperliche Erfahrungen«. Bei Einnahme von psychede­ lischen Substanzen . .treten sie mitunter vermehrt auf. siehe Ring und Cooper 1999).Ü. bei dem das eigene Leben eine ethische Einschätzung erfährt. und Besuchen in zahlreichen. denn sie stellen ein Phänomen dar.d. Wahre außerkörperliche Erfahrungen (OOBEs) (Abkürzung für »out-of-body-experiences«. die Lebensrückschau und die Durchquerung eines dunklen Tun­ nels. Das Erlebnis gipfelt in der Begegnung mit einem strahlenden Lichtwesen. Seltener sind schmerz­ liche Nahtoderfahrungen. Anm. Wahre außerkörperliche Erfahrungen sind für die Frage. Ende der 1990er-Jahre ergänzte Kenneth Ring diese Beobach­ tungen mit seinen Untersuchungen um eine weitere interessante Dimension: Ring konnte aufzeigen. ob das Bewusstsein nach dem Tod weiterexistiert. dass das Bewusstsein unabhängig vom Körper agieren kann. Solche außer­ körperlichen Erfahrungen können aber auch mitten im Alltagsleben passieren.) passieren nicht nur bei Nahtoderlebnissen oder beim klinischen Tod. denn sie zeigen. oder anderen Formen von spirituellen Krisen. die Angst auslösen oder einem Inferno gleichen. verschiedenen transzendentalen Reichen.

Ein weiteres Interessengebiet der Parapsychologen. dass Men­ schen mit Nahtoderfahrungen dem Tod zwar nahe gekommen. aber nicht tatsächlich gestorben sind. von deren Tod der Sterbende bislang gar nichts wusste. das eng mit der Frage zusammenhängt. lautet. Sollen solche Erfah­ rungen interessantes Forschungsmaterial darstellen. Solche Erlebnisse wurden als Fälle von »Peak in Darien« bezeichnet (nach dem Buch von Frances Power Cobbe: The Peak in Darien. Bei Nahtoderfahrungen und Sterbebett-Visionen erscheinen häufig Tote. in dem die Autorin ihren Glauben an die persönliche Unsterblichkeit mit entsprechenden Erlebnissen aus­ führt. dem der Tod unmittelbar bevorsteht. Visionen von Ver­ storbenen besagen meist nicht viel. dass es das auch nach unserem Tod vermag.d. 1877.Ü. Hier müssen wir das entsprechende Beweismaterial be­ sonders sorgfältig und kritisch überprüfen. Die Toten (das »Empfangskomitee«) wol­ len denjenigen. dass das »Empfangskomitee« ausschließlich aus Verstorbenen besteht. Wenn aber unser Bewusst­ sein imstande ist. da­ runter auch Personen. ob das Bewusstsein nach dem Tod weiter­ existiert. unabhängig vom Körper zu agieren. lässt sich daraus logisch schließen. Anm. . Wir können sie leicht als Wunschphantasien oder Halluzinationen abtun. die das Gehirn sich aus Erinnerungen zusammenbastelt. sind Begegnungen und Kommunikation mit Verstorbenen.Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits 229 das sich für die wissenschaftliche Untersuchung und objektive Nachweisbarkeit besonders gut eignet. müssen noch einige weitere wichtige Faktoren hinzukommen. Der übliche Einwand gegen die Beweise. offensichtlich willkommen heißen und ihm den Übergang in die nächste Welt erleichtern. Deshalb haben Forscher auf dem Gebiet der außersinnlichen Phänomene sich häufig auf die Tatsache konzentriert.). Meistens handelt es sich dabei um Verwandte und Freunde des oder der Sterbenden. die diese Forschungsrichtungen für das Weiterexistie­ ren des Bewusstseins nach dem Tod erbringen. solange wir am Leben sind.

Botschaften aus einer anderen Welt (Moody 1996). In jüngster Zeit hat ein weltweites Netzwerk von Forschern gemeinsame Anstrengungen unternommen. so behauptet er. Von besonderem Interesse sind hier die quasi-experimentell gewonnenen Beweise für das Weiterexistieren des Bewusstseins nach dem Tod. Sprachmelodie. Scott Rogo und andere (Senkowski 1994. Ein weiteres Phänomen. Füller 1951. Mit einem großen Spiegel und schwarzem Samt gestaltete er daraufhin einen speziellen Raum (ein sogenanntes Psychomanteum). Stimme. Die besten Medien waren im­ stande. der. hellseherische Begegnungen mit verstorbenen Angehörigen begünstigt. deren Rich­ tigkeit objektiv bestätigt werden kann. Gesten. die ihnen bis­ lang unbekannt war. stellen ebenfalls wichtiges Forschungsmaterial dar. Hierbei übermittelt ein Individuum mit Hilfe von automatischem Schreiben.230 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Bestimmte Formen des kommunikativen Austauschs. In der Vorbereitungsphase für seine Forschungen sichtete Moody systematisch die existierende Literatur über Wahr­ sagerei mit Hilfe von Kristallen oder Glaskugeln (Beobachtungen entfernter Ereignisse mit Hilfe außersinnlicher Fähigkeiten) und ähnliche Vorgehen. Sprechen oder Handeln . George Meek. das in diesem Kontext erwähnt wer­ den muss. darun­ ter Ernest Senkowski. präzise wiederzugeben. Rogo und Bayless 1979). Faxgerät. Macy 2001 und 2005. Computer und Fernsehbildschirm zahlreiche paranormale verbale und Bilder von Verstorbenen empfangen zu haben. Mitteilungen Eine weitere interessante Innovation auf dem Gebiet der Kon­ takte mit Verstorbenen beschreibt Raymond Moody in seinem Buch Blick hinter den Spiegel. Sie behaupten. um die sogenannte »interdimensionale Transkommunikation« zu entwickeln. die auf dem hochkontroversen Phänomen der spiritistischen Sitzungen mit mentalen oder in Trance arbeitenden Medien basiert. individuelle Eigenarten und andere typische Züge der verstorbenen Person. mit Hilfe von elektronischen Medien wie Kassettenrecorder. Mark Macy. Telefon. ist das Channeling.

.Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits 231 Botschaften aus einer Quelle jenseits seiner Alltagspersönlichkeit. andere Lebensformen. Das reiche Material. ob diese Vermittlung nun durch andere Menschen. die der landläufigen Wissenschaft unbekannt sind. Diese Quelle gibt sich oft selbst als Wesen aus einem außerkörper­ lichen Reich zu erkennen. das hierarchische Spektrum dieser Wesenheiten rangiert von archetypischen Figuren (Gottheit oder Engel) und hochentwickelten übermenschlichen Wesen bis hin zu nicht inkarnierten oder sogar noch lebenden Menschen. betrachten wir dann als normale Fähigkeit der menschlichen Psyche. wird auch klar. dass es transpersonale Er­ fahrungen gibt. das die moderne Bewusstseinsforschung zu­ sammengetragen hat. archetypische Gestalten und Reiche oder verschie­ dene Zeitalter der menschlichen Geschichte erfolgt. Und wenn wir erst einmal generell akzeptieren. dass diese Erlebnisse uns fast im­ mer Zugang zu neuen Informationen vermitteln . besteht kein Bedarf mehr an einer Disziplin. Was bislang als »paranormal« galt. ganz gleich. Andererseits bedroht es die Existenz der Parapsychologie als eigen­ ständige Disziplin. die sich auf die Untersuchung einer relativ engen Auswahl von außersinnlichen Phänomenen spezialisiert hat.und das über Kanäle. die Parapsychologen üblicherweise untersuchen. Einerseits enthält es überzeugende Beweise für die Phänomene. dass die menschliche Psyche ohne Einschaltung der Sinne Zugang zu neuen Informationen gewinnen kann. hat für die Parapsychologie seltsam zwiespäl­ tige Implikationen. Die Qua­ lität dieser Übermittlungen variiert ebenfalls stark und bewegt sich zwischen trivialem Geschwätz und tiefen oder bemerkenswerten psychologischen oder spirituellen Mitteilungen. Denn wenn wir erst einmal akzeptieren.

der an inoperablem Krebs litt. Ted bat durch sie darum. die zu jener Zeit meine Frau und CoTherapeutin war. Nachdem sich Teds Harnvergiftung eine Woche lang täglich verschlimmert hatte. weil er etwas mit uns besprechen wollte. Ted reagierte nicht auf diese Versuche und murmelte nur gelegentlich Unverständliches vor sich hin.232 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Ohne Augen sehen (Innere Sicht) Teds Geschichte einem 26-jährigen afro-amerikanischen Lehrer. . dass ich und Joan. mit ihm Kontakt aufzu­ nehmen. ihn besuchen kommen. Im Verlauf seiner Krankheit nahm Ted drei Sitzungen mit hochdosiertem LSD. Dadurch kam es zu einem ge­ fährlichen Urinstau im Nierenkelch. Als wir auf der Intensivstation des Hospitals eintrafen. die er als große Hilfe für den Umgang mit seiner Krebserkrankung und seiner Angst vor dem Tod empfand. Während ich Lilly und die anderen Familienmitglieder tröstete und ihnen zu helfen versuchte. Es war ganz offensicht­ lich. dass sein Tod unmittelbar bevorstand. setzte E in interessantes Beispiel für eine wahre außerkörperliche Er­ fahrung in einer Nahtodsituation ist die Geschichte von Ted. rief uns seine Frau Lilly an. und er lag im Koma. und eines der Tochterge­ schwüre verstopfte Teds Harnleiter. die Situation zu akzeptieren. Mehrere Verwandte waren bei ihm und versuchten. das für ihn von höchster Wichtigkeit war. hatte sich Teds Zustand beträchtlich verschlechtert. sodass sich giftige Stoffwech­ selprodukte im Blut ansammelten. Später verschlechterte sich sein Zustand.

Später erfuhren wir. passierte etwas völlig Unerwartetes. Er schaute Joan an und überraschte sie mit der Bemerkung: »Du hast dich umgezogen. denn wir wollten abends noch ausgehen. All das geschah Jahre. das sie als brutalen Eingriff in eine besondere und intime Situation empfanden.Ü. Dieses Mal war er bei Bewusstsein und konnte sprechen. auf westliche Menschen zugeschnit­ tene Version der Anleitungen aus dem Bardo Thödol (dem Tibe­ tischen Totenbuch. wobei sie sich an ihre ganz persönliche. dass jemand. weil sein Bewusstsein oben unter der Zimmerdecke schwebte und er keine Verbindung zu sei­ nem Körper aufnehmen konnte. dass außerkörperliche Erfahrungen eine klinische Tatsache sind. Wir fuhren nach Hause. er jedoch nicht mit uns kommunizieren konnte. Anm. hoben Ted auf eine Trage und brachten ihn in den OP-Saal. Die zentrale Botschaft für Ted war. als ob alle Anwesenden Teds nahen Tod akzeptierten. noch einmal im Krankenhaus Zwischenstation zu machen. Alle im Raum waren schockiert über dieses Verhalten. und dass die Ärzte ihn beide Male wiederbelebten. dass er uns bei unserem ersten Besuch an diesem Tag zwar hatte kommen sehen. begrüßte er uns. geht ihr heute Abend noch aus?« Dann erzählte er uns. Als wir dort ankamen. wie es Ted ging. Ted doch noch zu ope­ rieren. dass Ted bei der Operation zwei Herzstillstände hatte. dass ihr mich heute zweimal hier be­ sucht«.) hielt. Danke. um zu sehen. ohne Angst vor seinem eigenen Leuchten zu haben.Ohne Augen sehen (Innere Sicht) 233 sich Joan zu Ted ans Bett und sprach freundlich mit ihm. Das Chirurgen­ team beschloss im allerletzten Augenblick.d. Auf dem Weg in die Stadt beschlossen wir. bevor die Thanatologie durch ihre For­ schungen nachwies. Ohne jede Vorwarnung stürmten plötzlich zwei Kranken­ pfleger ins Zimmer. . Als es so aussah. Wir konnten nicht glauben. um zu duschen und unsere Kleidung zu wechseln. »Hallo. die zum klinischen Tod führten. dass er sich auf das Licht zubewegen und damit verschmelzen solle. lag er auf der Intensivstation und erholte sich von seiner Narkose.

die er im Krieg getötet hatte. Dieses Eingehen ins Licht war ein heiliger Vorgang. hatte ich überhaupt keine Angst. die er in seinem Leben begangen hatte. was in seinem Zimmer geschah und Joans Stimme hören konnte. die er in seinem Leben jemals verletzt hatte. Ich habe es euch zu verdanken. hat sich am selben Ort abgespielt wie diese Reisen. Bis in kleinste Details be­ schrieb er uns die Kleidung.234 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits der im Koma gelegen hatte. Er hatte sogar be­ merkt. machte er zugleich weitere ungewöhnliche Erfahrungen: Während er wahrnahm. Ich hätte mich sonst sehr vor allem gefürchtet.« . Dabei war er sich der Gegen­ wart Gottes bewusst. Gleichzeitig sah er an der Zimmerdecke einen Film laufen. Während er seine Umgebung vollständig bewusst registrierte. obwohl seine Au­ gen die ganze Zeit geschlossen gewesen waren. dem Ted sich nä­ herte. seine Umgebung so präzise wahrnahm und sich an solche Feinheiten erinnerte. bevor wir gingen. der seine Lebensrückschau beobachtete und beurteilte. dass er die Menschen in seinem Zimmer genau wahrgenommen hatte. dass ich diesen Ort schon kenne. Er sah die Gesichter all der Men­ schen. die er als jugendlicher Raufbold verprügelte. dass Joan einmal Tränen über die Wangen gelaufen waren. die wir bei unserem ersten Besuch getragen hatten. aber da ich diese inneren Räume kannte. Er musste den Schmerz und die Qual sämtlicher Menschen erleiden. und auch der jungen Leute. und er empfand dabei einen tiefen inne­ ren Frieden. deshalb stellten wir Ted zu diesem Phänomen einige Fragen. sagte er zu uns. Es war ganz offensichtlich. um dann damit zu verschmelzen. »Ich bin so froh über die LSD-Reisen mit euch beiden«. »Was ich heute erlebt habe. folgte er innerlich ihren Anweisungen. Die anfäng­ liche Dunkelheit wich einem strahlenden Licht. was da mit mir passiert ist. eine lebendige Darstellung sämtlicher Übeltaten.

mit seinen Eltern in Kromeriz. Eine dieser Botschaften war sehr speziell. geschildert habe. ihrem Sohn Ladislav ginge es gut und er sei dort. Dieses Erlebnis war in Richards Sitzung wie ein Fremdkörper. bestens aufgehoben. wo er sich befände. die mit ihm kommunizieren wollten und ihn dabei heftig bedrängten. In einer seiner LSD-Sitzungen machte Richard eine sehr ungewöhnliche Erfahrung.Details also. der selbstmordgefährdet war. einer Stadt in Moravien. Er konnte diese Wesen weder sehen noch hören. spürte aber ihre Anwesenheit fast greifbar und empfing telepathische Botschaften von ihnen. dessen »pränatalen Besuch« auf dem dörflichen Jahrmarkt ich in diesem Buch schon auf Seite 150 ff. unheimlichen Astralreich abspielte. einem schwer depressiven. Plötzlich befand er sich in einem Raum mit schaurigem Licht. die wir beide nicht kannten und die für uns bedeutungslos waren. sodass ich sie auf­ schrieb. Kontakt aufzunehmen und ihnen mitzu­ teilen.Botschaften aus dem Astralreich 235 Botschaften aus dem Astralreich Richards Geschichte LSD-Therapie mit Richard. der bevölkert war von nicht inkarnierten Wesen. Es handelt sich hier um denselben Richard. denn es E ine meiner interessantesten Beobachtungen in Bezug auf die Weiterexistenz des Bewusstseins nach dem Tod stammt aus der . Die Botschaft enthielt auch den Namen und die Telefonnummer des Paares . die sich in einem seltsamen. homosexu­ ellen jungen Mann. Sie konnte später bestätigt werden. Eines der nicht inkar­ nierten Wesen beschwor Richard.

ist äußerst gering. . aber die Wahrscheinlichkeit.236 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und lenseits stand in keinerlei Zusammenhang mit seinen Problemen und sei­ ner Behandlung insgesamt. Das Ganze war sehr verwirrend und mysteriös. Zu meinem Erstaunen begann die Frau am anderen Ende der Leitung zu weinen. Er ist gestorben. ob ich mit Ladislav sprechen könne. einen Schritt zu tun. Ich nahm das Telefon. Wir haben ihn vor drei Wochen verloren. bei meinen Kollegen sicher zur Ziel­ scheibe ihres Spottes gemacht hätte. dass der verstorbene Sohn seinen Eltern eine Botschaft aus dem Jenseits schickte. Nach der Sitzung beschloss ich. erzählte sie mir mit gebrochener Stimme: »Unser Sohn ist nicht mehr bei uns. diese Mitteilung sei kein wirk­ licher Beweis dafür. hätten sie davon erfahren. dass es sich hier um einen bedeutungslosen Zufall handelt. wählte die Nummer in Kromeriz und fragte. Als sie sich beruhigt hatte.« Man könnte die Meinung vertreten. der mich.

wo sie in ihrem Wohnwagen am Atlantik die Ferien verbringen wollten. Vor seiner Abreise aus Baltimore hatte er von einem Freund eine Taucherausrüstung gekauft und ein paar Tauchstunden genommen. seinen Tod zu akzeptieren und zu verarbeiten. der Be­ gründerin der Parapsychology-Foundation. Pahnke. Walter hatte großes Interesse an Parapsychologie. der am Maryland-Psychiatric-Research-Center in Baltimore als Psychiater Mitglied unseres psychedelischen Forschungsteams war. unter an­ derem mit unserer gemeinsamen Freundin Eileen Garrett.Ein Beweis für die Existenz des Jenseits? 237 Ein Beweis für die Existenz des Jenseits? Walters Geschichte meinen engen Freund und Kollegen Walter N. Ihr letztes Bild von ihm war. Im Sommer 1971 fuhr Walter mit seiner Frau Eva und den drei Kindern nach Maine. vor allem an der Frage des Bewusstseins nach dem Tod. Eva fiel es unter diesen Umständen schwer. wie er E ine weitere ungewöhnliche Beobachtung dieser Art betrifft . Bei der gründlichen und gut organisierten Suchaktion fand man weder seinen Körper noch Teile seiner Taucherausrüstung. Er war außerdem der Initiator und die treibende Kraft für das LSD-Programm für Krebskranke im Endstadium am Maryland-PsychiatricResearch-Center in Catonsville. er arbeitete mit vielen bekannten Medien und anderen Menschen mit außersinnlichen Fähigkeiten zusammen. kehrte er nicht zurück. Als er eines Tages ganz allein und ohne Markierer tauchen ging.

Selbst Psychologin. dass er nicht mehr Teil ihres Lebens war. eigenes Leben zu beginnen. einem Freund von ihm das Buch zurückzu­ geben. eine psychedelische Sitzung zu nehmen. In der zweiten Hälfte der Sitzung hatte sie eine sehr beeindruckende Vision von Walter und führte einen langen und wichtigen telepathischen Dialog mit ihm. beschrieb das Zimmer und das Regal und sagte ihr. Eva auf diesem Weg zu bewei­ sen. Neugierig geworden. das er sich von ihm ausgeliehen hatte. ob das Ganze nicht einfach ein Pro­ dukt ihres eigenen Wunschdenkens war. liebe Freundin. Er teilte ihr den Namen des Freundes und den Titel des Buches mit. machten wir uns nach der Sit­ zung gleich auf den Weg zu Evas Haus. Gerade als sie sich fragte. ohne sich durch die Erinnerung an ihn zu binden. und bat mich. Und da dieses Kapitel ihres Lebens für sie nicht wirklich abgeschlossen war. dass ihr Austausch authentisch war. Er hatte in seinem Leben viel Kontakt mit medial begabten Menschen aus allen Teilen der Welt und verfolgte fasziniert die Vorstellungen des berühmten Zau­ . um herauszufinden. von dessen Existenz sie bislang nichts gewusst hatte. und ich sagte ihr gern zu. Sie konnte einfach nicht begreifen. Das war für Eva eine sehr tiefe und befreiende Erfahrung. ob diese erstaunliche Botschaft stimmte. fühlte sie sich nicht frei. Eva war eine enge. ein neues. wie sie das Programm an unserem Institut für Fachkräfte im psychischen Gesundheitswesen anbot. das nächste zu beginnen.238 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits energiegeladen und bei bester Gesundheit den Wohnwagen ver­ ließ. zwischen welchen Büchern es dort stand. erschien Walter noch ein­ mal kurz und bat Eva. war sie berechtigt zu einer LSD-Sitzung für Ausbildungszwecke. Eva konnte das Buch. Er erteilte ihr für jedes ihrer drei gemeinsamen Kinder spezielle Anweisungen und gab sie frei. sie dabei zu begleiten. weil sie hoffte. Sie beschloss. nach Walters An­ weisungen tatsächlich finden und zurückgeben. dadurch etwas mehr Klarheit für ihre Situation zu gewinnen. Es war sehr typisch für Walter.

die bewei­ sen.Ein Beweis für die Existenz des Jenseits? 239 berers Harry Houdini. Ich werde in deiner nächsten LSDSitzung erscheinen und mir mit meiner kalten. um den eigenen posthumen Mitteilungen mehr Gewicht zu verleihen. der mit seinen Experimenten die Existenz eines Jenseits beweisen wollte. »dass du deinen Beweis bekommst. Walter«. dass er die Buchrückgabe inszenierte.« Eileen. bekannt für ihren köstlichen Humor. . »Eileen«. ist es durchaus plausibel. entgegnete sie. als Walter versuchte. nachdem sie uns erzählt hatte. klammen Hand deinen Schwanz schnappen!« Da Walter selbst immer auf Beweise aus war. dass du mir. dass sie bald sterben würde. ein paar klare Zeichen gibst. schien Walters Anliegen nicht besonders ernst zu nehmen. »du musst mir versprechen. dass das Jenseits wirklich existiert. ein ähnliches Experiment mit Eileen Garrett zu verabreden. bat Walter sie. wenn du kannst. »Du kannst sicher sein. Ich war persönlich anwesend.

war er mit seiner wissenschaft­ lichen Orientierung das bei weitem skeptischste Mitglied unserer Ausbildungsgruppe. Waren das reale. einen Psychologen. schon einmal Kurts Geburts­ erlebnis beschrieben. seinen wissenschaftlichen Denkhorizont zu erweitern. der an unserem dreijährigen professionellen Training für Transperso­ . das er von seinen Hochschullehrern übernom­ men hatte. Ich habe auf Seite 145 ff. selbst D ie nächste Geschichte betrifft Kurt. welche normalerweise unsichtbar blieben? Oder reine Produkte menschlicher Einbildung? In seiner Ausbildung hatte er bei Kolleginnen und Kollegen zahl­ reiche. Seine Beobachtungen und eigenen Erlebnisse bei diesem Training hatten jedoch tiefe Auswirkungen auf das Glaubenssystem. das mit dem Geruch von frischem Leder ver­ bunden war. schwer ins Wanken geraten. ontologische Phänomene.240 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Rosenschnitt in Tante Annes Garten Kurts Geschichte nale Psychologie und Holotropes Atmen teilnahm. Bereits damals war seine Überzeugung. die auf die Exis­ tenz transzendentaler Bereiche verwiesen. Er hatte zu kämpfen mit der Frage nach der Natur transpersonaler Erfah­ rungen. verschiedene transpersonale Erlebnisse beobachtet. Als Kurt sich für diese Ausbildung anmeldete. dass unser Bewusstsein und unser psychisches Leben sich erst nach der Ge­ burt zu entwickeln beginnen. Die im Folgenden beschriebene Erfahrung konfrontierte ihn mit einer weiteren theoretischen Herausforderung und zwang ihn.

Also beharrte er weiterhin auf der Einstellung.Rosenschnitt in Tante Annes Garten 241 aber bislang keine derartigen Erfahrungen gemacht. als er bislang gedacht hat­ te. und die Möglichkeit. und dass er seinen geistigen Horizont erweitern musste. beschloss er am folgenden Wochenende einfach »aus Jux und Dollerei« seine Tante Anne zu besuchen und zu sehen. hegte er den Verdacht. Gegen Ende der Sitzung hatte er eine lebhafte Begegnung mit seiner Groß­ mutter. In einer seiner holotropen Sitzungen machte Kurt dann selbst eine intensive Erfahrung und erlebte anschließend eine bemer­ kenswerte Synchronizität. tatsächlich viele derartige Begegnungen gehabt hatte. wühlte ihn sehr auf. Wie er der Gruppe in der Nachbesprechung erläuterte. sich diese Begegnung aus alten Erinnerungen selbst zusammengebastelt zu haben. Kaum hatte er diese Bitte telepathisch geäußert. erhielt er folgende Botschaft: »Besuche Tante Anne und schau dich nach ab­ geschnittenen Rosen um. sie möge ihm beweisen. be­ trachtete er sie anschließend erneut mit der üblichen professio­ nellen Skepsis. Das überzeugte ihn davon. die seit vielen Jahren tot war. was passierte. Kurt war ihr in seiner Kind­ heit besonders nahe gewesen. da er mit seiner Großmutter. Zu seinem Erstau­ nen traf Kurt seine alte Tante bei der Gartenarbeit an. dass sein Erlebnis real war und nicht nur auf seiner Einbildung beruhte. Gegen Ende dieser Begegnung beschloss er. die man ihm an der medizinischen Hochschule beigebracht hatte: dass das alles »Hirngespinste« seien. Sie trug Gar­ tenkleidung und hielt in der einen Hand eine Gartenschere und in . dass er es einfach nicht als Wunschphantasie abtun konnte.« Immer noch skeptisch. Doch obwohl ihn diese Erfahrung emotional stark berührte. dass das menschliche Bewusstsein weiter reichte. berührte sein Herz so stark und war so überzeu­ gend. seine Großmutter zu bitten. als sie noch am Leben war. sich mit ihr tatsächlich wieder austauschen zu können. Aber dieses Treffen mit seiner toten Großmutter ging emotional so tief.

fiel Kurts Überraschungsbesuch ausgerechnet auf den einen Tag im Jahr. Ihre Einstellung beruht nicht auf wissenschaftlichen Beweisen. schlichtweg ignorieren. und ma­ chen sich oft lustig darüber. denn sie passt mit ihren eigenen. Ohne es gewusst zu haben. Materialistisch orientierte Wissenschaftler lehnen die Möglichkeit ab. grundlegenden metaphysischen Annahmen über die Existenz nicht zusammen.nicht möglich ist. weil sie Beobachtungen wie die oben geschilderte. die zeigen. ihre Rosen radikal zurückzu­ schneiden. dass ein Weiterexistieren nach dem Tod . Überall auf dem Rasen und den Wegen im Garten lagen abgeschnittene Rosen. von denen es viele gibt und für die das augenblickliche Paradigma keine angemessenen Erklärungen fin­ den kann.in welcher Form auch immer .242 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits der anderen eine Rose. dass das Bewusstsein nach dem Tod weiterexistiert. . Tatsächlich können sie ihre Schlussfolgerungen nur ziehen. an dem seine Tante beschloss.

Die Mehrzahl der Brasilianer. primitiven Aberglauben oder geisteskrank verwirft .nicht inkarnierte Wesen. Durch unsere Beschäftigung mit psychedelischer For­ schung und transpersonaler Psychologie hatten wir täglich Kontakt mit vielen Menschen. Besessenheit von Geistern. gütige oder zornige Gottheiten. Es war jedoch klar. der uns bei unserem ersten Besuch in diesem ungewöhnlichen Land traf. einschließlich der Mitglieder der gesellschaftlichen Oberklasse und der gebildeten Elite. UFO-Landungen und vieles mehr. die geistig sehr aufgeschlossen waren. akzeptierten offensichtlich die Existenz von Realitäten. erfolgreiche Operationen durch Geistchirurgen.Luiz Gasparetto 243 Luiz Gasparetto Maler und Gemälde aus dem Jenseits O bwohl Freunde uns bereits viel von Brasilien erzählt hatten. In vielen Fällen beruhte die Über­ . und für die Spiritualität ein wichtiger Aspekt ihres Alltagslebens war. All diese Phänomene schienen im Rahmen des brasilianischen Weltbilds völlig normal zu sein. waren wir in keinster Weise auf den Kulturschock vorbereitet. Bei unseren Begegnungen und Gesprächen mit brasilianischen Menschen hatten wir nun das Gefühl. dass diese Menschen im größeren Kontext der westlichen industriellen Zivilisation Ausnahmen darstellten .In­ seln im Ozean einer überwiegend pragmatisch orientierten Kultur. uns auf einem anderen Pla­ neten zu befinden. Geistheilung. die unsere europäisch-amerikanische Kultur ins Reich kindlichen Un­ sinns verweist und als Phantasien.

Aberglauben oder den Sensationsmeldungen der Boulevardpresse. zum Beispiel den Philippinen Tony Agpaoa und den Brasilianer Ze Arigó. Außerdem hängt ein bedeutender Anteil der Bevölkerung Kul­ ten wie Umbanda. Offensichtlich hing dies eng mit der Tatsache zusammen. Besonderes Interesse weckte bei uns der Spiritismus . Während unseres Aufenthalts in Sao Paulo hörten wir von Luiz Antonio Gasparetto. Die brasilianische Regierung hat diese Rituale legalisiert. dass er eine ganze Reihe von . Candomble und Macumba an. reiche Erfahrungen auf transpersonalem Gebiet zu machen. der seine medialen Fähigkeiten auf einzigartige Weise nutzte. Er war bekannt dafür. Der Spiritismus geht davon aus. einem in diesem Buch bereits erwähnten psychede­ lischen Getränk. dass sie existieren. der im 19. und sowohl Eingeborenen-Heiler (Ayahuasqueros) als auch die Mit­ glieder der Santo-Daime-Kirche und einer weiteren wichtigen Gruppe namens »Uniao do Vegetal« praktizieren sie regelmäßig. den »Chirurgen mit dem rostigen Messer«. die verbunden sind mit der Einnahme von Ayahuasca. dass die Brasilianer leicht Zugang zu holotropen Bewusstseinszustän­ den finden und somit Gelegenheit haben.eine faszinierende spirituelle Bewegung. einem Psychologen und Mitglied der Spiritis­ tischen Kirche. das im Amazonasgebiet seit Jahrhunderten als heiliges Sakrament und wirksames Medikament Anwendung fin­ det. dass der Geist von Verstorbenen mit lebenden Men­ schen kommunizieren und die materielle Welt durch medial be­ gabte Personen beeinflussen kann. Jahrhundert lebte und lehrte. auf persönlichen Erfahrungen und nicht auf unbegründeten Glaubensvorstellungen. Viele von ihnen nehmen zum Beispiel an Ritualen teil.244 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits zeugung. Die Spiritistische Kirche ist vor allem bekannt geworden durch ihre berühmten Geistchirurgen. die Elemente von afrikanischen Stammesreligionen mit Aspekten des Glaubens der brasilianischen Ureinwohner und der christlichen Religion kombi­ nieren. die auf den französischen Er­ ziehungswissenschaftler und Philosophen Allan Kardec zurück­ geht.

Es handelte sich hier nicht um Kopien existierender Gemälde. Rembrandts Porträts mit ihrem Spiel von Licht und Schatten. Frida Kahlos expressive Kompositi­ onen und viele weitere. um seine über 5000 »Ge­ mälde aus dem Jenseits« unterzubringen. verstorbenen Malerinnen und Malern channelte und Bilder in vielen verschiedenen und bekannten Stilrichtungen malte. sondern gaben frühere Phasen ihrer künstlerischen Entwicklung wieder. für den diese weithin be­ kannt waren. Kontakt zu ihm aufzunehmen und mit Luiz einen Besuch in seinem Haus in einem Vorort von Sao Paulo zu vereinbaren.Luiz Gasparetto 245 berühmten. sondern um neue Motive . attraktiver Mann mit dunklem Haar und ausdrucksstarken Augen. Wir kamen in den Genuss von Bil­ dern im Stil der großen Meister aus sämtlichen Epochen und Län­ dern. Er sah eher aus wie ein ganz gewöhn­ licher Akademiker als ein exzentrischer Individualist mit medialen Fähigkeiten und abenteuerlichem Ruf. Lässig gekleidet mit bequemen Hosen und einem weißen Hemd. Luiz war ein großer. Georgia O’Keefes Blumen.im leicht erkennbaren Stil einzelner Künstler und Künstlerinnen gemalt: Da gab es Monets üppige Blu­ mensträuße. Nachdem er Tee gekocht hatte. war er im Umgang mit uns höflich. Gelegentlich waren diese Bilder nicht im reifen Stil der verstor­ benen Meisterinnen und Meister gemalt. außer vielleicht die vielen Regale mit gro­ ßen Stapeln von Papier. Nichts an seiner äußeren Erscheinung oder der Einrichtung seines Hauses wies auf das hin. Toulouse-Lautrecs Tänzerinnen und andere Sonderlinge vom Moulin Rouge. Wie wir bald herausfinden sollten. Leonardo da Vin­ cis androgyne Gesichter. Picassos Stillleben und figurative Gemäl­ de. warmherzig und liebenswert. Mit Hilfe unserer brasilianischen Freunde gelang es uns. was uns hier erwartete. hatte Luiz diese Regale extra anfertigen lassen. zeigte uns Luiz seine bemer­ kenswerte Gemäldesammlung. Als wir Luiz später näher kennenlernten und . Henri Rousseaus naive Dschungelszenen mit wilden Tieren. Modiglianis schmale junge Frauen.

Die Geister der toten Meisterinnen und Meister erzählten ihm. Die Linie der Familie Gasparetto war in Brasilien berühmt für ihre paranormalen Talente. Andere waren ihm völlig fremd. Die Erfahrungen hatten seine Sicht der Welt verändert und seine Augen für deren zauberhafte Schönheit geöffnet. Manche dieser Wesen waren sehr berühmt. sie wollten ihr Werk noch einmal zeigen und die Botschaft über­ mitteln. Sie nahmen Kontakt zu Luiz auf. die sie durch automatisches Zeichnen umsetzte. als er dreizehn Jahre alt war. Es war Teil einer Reihe von experimentellen .246 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und jenseits Gelegenheit hatten. Regelmäßig erschienen sie ihm und lehrten ihn viel über die Existenz des astralen Reiches und den Sinn des Lebens. Während wir in dieser erstaunlichen Sammlung von großar­ tigen Werken schwelgten. Luiz’ Erlebnisse mit nicht inkarnierten Künstlerinnen und Künstlern begannen. und die Welt mit ihren Augen sehen. die Luiz zu channeln behauptete. um bestätigt zu finden. ihn häufiger bei der Arbeit zu beobachten. und er kannte sie und ihre Kunst. Ohne Anleitung der malen­ den Geister brachte er kein Bild zustande. um ihre Echtheit zu überprüfen. Sie hätten das bereits vor seiner Geburt geplant. Waren sie jedoch anwe­ send. und er forschte in kunsthistorischen Bü­ chern nach. eröffneten sie ihm. konnte er fühlen. Wir waren sehr beeindruckt von Luiz und seiner Kunst und beschlossen. Luiz wusste nie. Er war von Kind an medial begabt. was sie fühlten. dass er tatsächlich ihren frühen Stil aufgriff. um Menschen greifbare Beweise für die Existenz eines Jenseits zu geben. dass sie weiterexistierten. erzählte Luiz uns von seinem Leben und seiner Arbeit. Er konn­ te nicht einfach aus sich heraus malen. was sie als Nächstes tun würden. sein eigenes Talent zu entwickeln. Luiz’ Mutter besaß ebenfalls außersinnliche Fähigkeiten. Sie brachte ihrem Sohn vieles bei und unterstützte ihn darin. Er verglich diese Erlebnisse mit einem Orgasmus. ihn als Gastdozent für unser nächstes einmonatiges Seminar einzuladen. mussten wir manchmal in Bildmonographien der Maler nach­ schauen.

spirituellen indischen Lehrern. dass wir diese ver­ schiedenen Formen von Energie theoretisch und praktisch erforschen sowie vermitteln würden. Schizophrenie und visionärem Denken. emotional und spirituell betrachtet. Unser Budget erlaubte es uns. die für ihr Fach repräsentativ waren und zum Thema unseres Workshops eine spe­ zielle Beziehung hatten. der Heilung brachte. . von Fritjof Capra. wo wir auch lebten. uraltem Wissen und moderner Wissenschaft. Ein Bach grenzte es ab vom rest­ lichen Gelände. mexikanischen Schamanen und christlichen Mystikern. das seine Reisekosten decken würde. Luiz war zweifellos ein idealer Gastlehrer für dieses Programm. und er fand die Aussicht auf eine Reise nach Kalifornien aufregend. auf dem die heißen Quellen entsprangen. Landkarten des Bewusst­ seins. das auf einer wunderschönen. ihm ein Honorar anzubieten. heiliger Boden. Unsere einmonatigen Seminare fanden im »Big House« statt. von Zypressen bewachsenen Klippe über dem Pazifischen Ozean lag. Zu den eingeladenen Gästen gehörte ein großes Spektrum an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. amerikanischen Ureinwohnern. die wir am Esalen-Institut in Big Sur. Karl Pribram und Gregory Bateson bis hin zu tibetischen Lamas. Die einmonatigen Seminare beschäftigten sich mit Buddhismus und westlicher Psychologie. der vor dem Eintreffen der europäischen Siedler hier gelebt hatte. In dem kurzen Ankün­ digungstext im Prospekt von Esalen hieß es. Heilungsmethoden der Aborigines und moderner Medizin. Der Name des Esalen-Instituts ging auf einen India­ nerstamm zurück. wie wir damit arbeiten kön­ nen. höheren Formen von Kreativität und Grenzbereichen der Wissenschaft.Luiz Gasparetto 247 Weiterbildungen. Die The­ men waren ebenfalls breit gefächert. Diese Veranstaltungen gaben uns Gelegenheit. Das Thema des bevorstehenden Seminars war Energie: phy­ sisch. zweimal im Jahr durchführten. eigene Interessensgebiete zu verfolgen und dazu als Gastdozenten Menschen einzuladen. Für die Indianer war dieses Land.

auf dem Luiz malte. Unseren ersten unmittelbaren Eindruck von Luiz’ medialen Fähig­ keiten bekamen wir sofort nach seinem Eintreffen im Big House.« Das war ziemlich bemerkenswert. doch wir öffneten sie für die Esalen-Gemeinschaft. einen für Luiz und einen für Christina. bis auf eine Lampe mit roter Glühbirne. Auf seinem Weg nach Big Sur hatte Luiz in Los Angeles bei einer guten Freundin von mir Halt gemacht. In unserem gemeinsamen Monat gab er Teilnehmern an unserem Workshop Heilungssitzungen. sagte er. Ich kann sie hier überall spü­ ren. »Wisst ihr. Wir stellten einen Tisch und zwei Stühle in die Mitte des Raumes. der Psychologin und parapsychologischen Forscherin Thelma Moss. der an Esalens Lodge im Hauptgebäude grenzte. Unser ungewöhnlichstes Erlebnis mit Luiz war jedoch sein Auftritt in Huxely. Diese Veranstaltung war zwar Teil un­ seres Seminars. dass hier viele India­ ner gelebt haben und gestorben sind?«. dem großen Versammlungsraum. die Luiz Papier reichen sollte. die mit dem ersten zusammen ein Drei­ eck bildeten. in denen er seine bemer­ kenswerte paranormale Begabung noch weiter unter Beweis stellte. Er wanderte um das Haus herum und schritt suchend das Gelände ab. was er da tue. »Dieser Ort ist bevölkert von indianischen Geistern. nach Westen ausgerich­ tet.248 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits und auf dem sie ihre Toten bestatteten. die auf dem Tisch stand. Während Luiz’ De­ monstration in Thelmas engstem Freundeskreis waren im gesam­ ten Wohnblock für einige Zeit die Lichter ausgegangen. Bei anderen Gelegenheiten entdeckte man auf dem Land zwei weitere Bestattungsplätze. Während der Vorführung waren alle Lichter ausgeschaltet. Zu ihrem . Wir fragten ihn. Beim Bau des Fundamentes für das Big House stießen die Arbeiter daher auf viele Skelette von Esalen-Indianern in einer fötalen Position. denn bis zu diesem Au­ genblick hatte Luiz über die Geschichte von Esalen nichts ge­ wusst.

Gauguin. sie wollten gern aufstehen und die Bilder inspizieren. denn diese Musik fand er für seine Arbeit besonders inspirie­ rend. war der Fußoden um Luiz herum bedeckt mit 26 großen Gemälden. Monet und viele andere. die dicht neben ihm saß. denn so konnten wenigstens die Leute Luiz sehen. Die Menschen wurden unruhig. sondern schloss die Augen und legte den Kopf zurück oder beugte ihn zur Seite. Luiz begann zu malen und produzierte mit erstaunlicher Ge­ schwindigkeit ein großartiges Bild nach dem anderen. ohne überhaupt hinzuschau­ en. Für Luiz war die Veranstaltung jedoch offensichtlich noch nicht zu Ende. doch dann hätten seine Zuschauerinnen und Zuschauer ihn nicht bei der Arbeit beobachten können.Luiz Gasparetto 249 Erstaunen (dem der Gäste und von Luiz selbst) hatte das seine Arbeit aber in keiner Weise behindert. wählte die richtigen Farben und stellte im Dunkeln mehrere wun­ derschöne Bilder fertig.van Gogh. dass von seinen Händen eine enorme Hitze ausging. zuck­ ten Luiz’ Kopf und Körper ein paar Mal. Rembrandt. und das blieb die ganze Sitzung über so. Picasso. jedes im Stil eines anderen berühmten Malers . Das rote Licht war ein Kompromiss. Er saß eine Weile in stiller . Trotz des roten Lichts waren alle Bilder in den ihnen entsprechenden Farben gemalt. mit jeder Hand eines. Wenige Minuten. Ein Monet-Porträt malte er tatsächlich mit seinem rechten Fuß un­ ter dem Tisch von oben nach unten. Eine Demonstration von Luiz’ Fähigkeiten bei totaler Dunkel­ heit wäre auch hier in Esalen ein beeindruckendes Experiment gewesen. und er schien in Trance zu gehen. Er malte einfach weiter. Farben zu unterscheiden. Als sie endete. während seiner Sitzung Vivaldis Vier Jahreszeiten zu spie­ len. Luiz bat uns. Gleichzeitig spürte Christina. nachdem die Musik begonnen hatte. ihn aber hinderte es wirksam daran. Dabei benutzte er beide Hän­ de und malte manchmal zwei Bilder gleichzeitig. Meistens schaute er gar nicht auf das Blatt. Seine erstaunliche Vorführung dauerte eine gute Stunde.

die für die Geschichte von Esalen eine wichtige Rolle spielten und die Luiz gar nicht kannte. besonders aber von diesen Porträts zweier Menschen. doch konnte man nicht feststellen.). als Ida Esalen verließ. und in das wir einzogen. dass das »Porträt aus dem Jenseits« dieser Ida im mittleren Lebensalter bemerkenswert ähnlich war . war tief beeindruckt von Luiz’ Vorführung. Viele Jahre hatte sie in einem Haus von Esalen gewohnt. um aus Deutschland ein Foto von der 40-jährigen Ida zu beschaffen. wie Menschen ihn erin­ nerten oder von Fotos her kannten. war sie bereits eine alte Frau gewesen.« Auch Ida Rolf war eine Legende und ein Idol von Esalen. Als deutsche Physikerin hatte sie die bekannte Form von Körperarbeit entwickelt.250 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und jenseits Meditation und verkündete dann: »Hier ist ein Geist.ein weiterer Beweis für Luiz’ außergewöhnliches mediales Talent. südafrikanischen Therapeuten und Begründers der Gestalttherapie. nicht aus der Zeit unmittelbar vor ihrem Tod. dass Toulouse-Lautrec sein Porträt malt. Das Porträt von Ida war künst­ lerisch sehr interessant und zeigte eine weibliche Gestalt im mittle­ ren Lebensalter. Als Luiz das Bild beendet hatte. Deswegen investierte Dick viel Zeit und Mühe. Der von Ida Rolf. Als es schließlich eintraf.« Und dann malte er ein Bild des legendären. sondern zeigte auch unzweifelhaft alle typischen Züge von Toulouse-Lautrecs Malstil. Er möchte gern.d. Keiner aus der Gemeinschaft von Esalen wusste. Anm. wie Ida Rolf im Alter von vierzig Jahren ausgesehen hatte. das etwa anderthalb Meilen vom Hauptgebäude entfernt lag. Fritz sah auf seinem Porträt so aus. Dick Price. Es war nicht nur ein sehr genaues Porträt von Fritz. die ihren Namen trägt (Rolfing.Ü. sondern im Alter von vierzig Jahren. denn als sie hier aus Deutschland eintraf. Sie hätte auch gern ein Porträt von sich. ob es wirklich Ida war. der seine letzten Lebensjahre in Esalen verbracht hatte. sah man deut­ lich. ein Mitbegründer von Esalen. machte er keinerlei Anstalten aufzuhören. . der sich Fritz Perls nennt. Nach einem kurzen Moment des Innehaltens sagte er: »Hier ist noch ein weiterer Geist.

Kormorane. Auf ihrem Weg von Alaska nach Baja California und zurück zogen zweimal im Jahr mehrere Wochen lang Grauwale vorbei. Wir hatten beschlossen. mit einer atembe­ raubenden Aussicht auf den Ozean. In den Jahren. Esalen stellte uns im Austausch für eine bestimmte Anzahl von Workshops. und hin und wie­ der bereicherten Killerwale dieses außergewöhnliche zoologische I . Seelöwen und Delphinen beobachten. das auf einer steilen Klippe an der pazifischen Küste lag. die wir hier gaben. Pelikane und andere Seevögel vorbeifliegen und in rie­ sigen Feldern von Seetang auf dem Ozean schaukeln. Hier lebten wir im engen Kontakt mit der örtlichen Tierwelt. in der wunderschö­ nen kalifornischen Küstenlandschaft von Big Sur ein einfaches Leben zu führen. dass unsere Scheidungsprozesse uns beide viel Geld kosteten. wie der Autor und Dozent Duane Eigin das nannte. Wir sahen Möwen. in denen wir am EsalenInstitut in Big Sur lebten. die Christina und ich bei unserem ersten Besuch in Brasilien machten. Ein Grund dafür war. bei der das Auge im 200-GradWinkel schweifen konnte. und außerdem hatten wir uns bewusst für »selbst gewählte Einfachheit« entschieden. ein Haus zur Verfügung. waren wir finanziell sehr knapp. Wir konnten das spektakuläre Spiel von Robben.Eine Party für Exu 251 Eine Party für Exu Interview mit den Orixäs n der nächsten Geschichte schildere ich eine weitere außerge­ wöhnliche Erfahrung. statt in die Stadt zu ziehen und dort einen lukra­ tiveren Lebensstil zu pflegen.

in verschie­ denen Teilen Brasiliens Vorträge zu halten und eine Reihe von Workshops zu geben. deren Namen es trägt. Die Küste von Big Sur gehört mit Sicherheit zu den schönsten Landschaften der Welt. aber unser Einkommen durch die Workshops war nach Abzug der Miete für unser Haus ziemlich mager. Die Schattenseite dieses Lebens im Paradies war. Wir hatten geplant. dass unsere Einnahmen mindestens unsere Kosten deckten und wir keine zusätzlichen Ausgaben hat­ ten. Die Work­ shopleiter bekamen zwanzig Prozent des Geldes. Fritz Perls. um dort in Belo Horizonte die Vierte Internationale Trans­ personale Konferenz zu besuchen. um mit diesen Einnahmen unsere Reisekos­ ten zu decken. Bewusstsein und Denken in Grenzbereichen verbunden mit Namen wie Aldous Huxley. dass man hier nicht viel Geld verdienen konnte. Gregory Bateson. unsere Rei­ sen immer so zu arrangieren. Abraham Maslow. . Alan Watts. galt (wie schon erwähnt) bei den Esalen-Indianern. Big Sur war auch eine wichtige Zwi­ schenstation für eine weitere Gruppe unermüdlicher Migranten die zauberhaften Monarchschmetterlinge. was im weltweiten Vergleich mit Ab­ stand die schlechtesten Konditionen waren. Wir versuchten. Der Landstreifen. auf dem das Esalen-Institut steht. das Esalen von den Teilnehmern einnahm. als heilig und ist ohne Zweifel ein »Kraftplatz«. das legendäre »Mekka der Human Potential Bewegung«. Esalen stellte Unterkunft und Verpflegung. nach Esalen zu kom­ men und hier zu lehren. Moshe Feldenkrais und Ida Rolf. Trotzdem gab es für Gastlehrerinnen und -lehrer viele Gründe. So war die Situation. Außerdem ist Esalen. Aus den oben genannten wirtschaftlichen Gründen mussten wir uns in anderen Teilen der USA und im Ausland nach zusätz­ lichen Einkommensquellen umsehen.252 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und jenseits Schauspiel mit ihrem Anblick. als wir zum ersten Mal nach Brasilien flogen. weltweit bekannt als aufregendes Labor für mensch­ liches Verhalten.

Und wenn in Südamerika ein Fußballspiel stattfand. Wir mussten uns bei der kleinen Gruppe von Menschen. die sich um uns ver­ sammelt hatten. dass er den brasilianischen Umbanda-Kult erfor­ sche. was unter diesen Umständen fast schon ein Wunder war. die über die Filhos und Filhas de Santos (»Söhne und Töchter der Heiligen«) wachen. das Teil der Weltmeisterschaften war. Als er spürte. Diese Väter und Mütter der Heiligen sind Me­ . um uns Rio anzuschauen oder um andere Dinge zu unternehmen. Ge­ leitet werden die Umbanda-Gemeinschaften von Pais de Santos (»Väter der Heiligen«) oder Maes de Santos (»Mütter der Heiligen«). einen sehr populären synkretistischen.Eine Party für Exu 253 Aber wir stießen auf unerwartete Hindernisse. entschuldigen und ihnen absagen in dem schmerz­ lichen Bewusstsein. hatten wir mit unserem Workshop keine Chance. war auch Sergio. doch diese Teilneh­ merzahl war nicht ausreichend für den Workshop. Als wir mit ihm ins Gespräch kamen. Wir hatten also plötzlich viel Zeit. Unter den Menschen. Sergio betrieb seine Forschungen vor dem Hintergrund der jungschen Psychologie und wollte die archetypischen Abläufe beschrei­ ben. dass dies für uns auch beträchtliche finanzielle Einbußen bedeutete. dass wir Interesse an diesem Thema hatten. lud er uns ein. überschnitt sich unser Workshop in Rio de Janeiro mit einem Fußballspiel zwischen Brasilien und Peru. die am Workshop teilnehmen wollten. afro-brasilianischen Kult. so mussten wir feststellen. Der Umbanda-Kult entstand in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts und hat sich seitdem in ganz Brasilien verbreitet. erzählte er uns. Schließlich kamen fünf Per­ sonen zu unserem Wochenende für Holotropes Atmen. Ohne dass wir da­ von gewusst hatten. ein junger brasilianischer Psychologe. der Elemente der traditionellen afrikanischen Stammesreligi­ onen mit Aspekten des römisch-katholischen Glaubens und der Kulturen der brasilianischen Ureinwohner-Indianer kombinierte. ihn zu einer Umbanda-Zeremonie zu begleiten. die sich in diesen Ritualen manifestierten.

Die Medien fallen in Trance und verkörpern ihre jeweilige Gottheit. Als wir bei der Konferenz der ITA unser Interesse bekundeten. und ausgebildete Fachleute wie wir könnten da nichts Inte­ ressantes erfahren. stellte sich heraus.). hatte zwei Stockwerke und einen Keller. Oxum und Iemanjä (brasilianische Gottheiten. uns zunächst davon abraten wollen. Das Haus. wie Xango.Ü. Der zweite Stock stellte den Himmel dar. an einem Umbanda-Ritual teilzunehmen. Theoretisch wussten wir bereits einiges über Umbanda. und er uns über diesen Kontakt ohne weiteres eine Erlaubnis für den Besuch eines Rituals beschaffen konnte. der als Psychologe an der Universität von Belo Horizonte am Fachbereich Psychologie unterrichtete. Begleitet von Trommeln oder atabaques. einem be­ kannten amerikanischen Parapsychologen. beruhe Umbanda auf dem Aberglauben einfacher Men­ schen.d. die terreiros oder tendas heißen. die für jeden orixä in einem ande­ ren Rhythmus erklingen. Außerdem hatten wir bereits vor zehn Tagen bei unserem Besuch in Belo Horizonte Gelegenheit gehabt. Das verdankten wir den Vorträgen von Stanley Krippner.254 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits dien und speziellen Gottheiten westafrikanischen Ursprungs oder orixäs geweiht. dass sein Cousin die örtliche Umbanda-Gruppe leite­ te. Aus seiner professionellen Sicht. hatte unser brasilia­ nischer Gastgeber. Die Rituale finden in speziell dafür einge­ richteten Zentren statt. persönliche Eindrücke bei einem Umbanda-Ritual zu sammeln und dabei auch einen interessanten Einblick in die Komplexität akademischer Kreise in Brasilien be­ kommen. in dem das Ritual stattfand. so erzählte er uns. singen und chanten die Versammelten in Yoruba. Anm. der sehr an Anthropo­ logie interessiert war und in Esalen mehrmals als Gastdozent an unseren einmonatigen Seminaren mitgewirkt hatte. Als wir auf unserem Vorhaben beharrten. Decken und Wände waren in leuchtendem Weiß und Rosa bemalt und mit .

Zigarettenstummel und Flaschen mit Aquavit. Anm. und schon bald fielen die ersten Anwe­ senden in Trance. Er erwähnte sogar. zwischen denen man kleine Teiche angelegt hatte. in dem das Ritual stattfand. Am nächsten Tag erzählten wir unserem Gastgeber. Tat­ sächlich waren viele dieser Reaktionen denen vergleichbar. Wir konnten beobachten. Als er das hörte. rückte er allmählich mit der Wahrheit heraus. Wenn ein Mit­ glied seiner Familie emotionale oder psychosomatische Probleme hatte. Der etwas kitschige Eindruck. deshalb nahmen wir Sergios Einladung zu einem weiteren Umbanda-Ritual gerne an. sondern in eine Umbanda-CaMIdo (Cabildo = wörtlich »Stadtrat«. Am späten Nachmittag stiegen . seine Familie habe einmal einen Umbanda-Heiler ins Krankenhaus geschmug­ gelt. wie beein­ druckt wir von dem Umbanda-Ritual waren.Ü.d. Die Erfahrung in Belo Horizonte hatte unsere Neugier noch angestachelt. war üppig geschmückt mit Bäumen und Büschen in großen Töpfen. Die Gesänge und das Trom­ meln waren sehr kraftvoll. die zweifellos authentisch waren und ein starkes Heilungspotenzial besaßen. hochprozentigem Alkohol. den diese Einrichtung auf uns machte. als das Ritual begann. Der Keller symbolisierte die Hölle und war als Gegen­ pol zum Himmel entsprechend gestaltet: Die Wände waren in Schwarz und Dunkelrot gehalten. verflog. auf­ grund eigener Erfahrungen sei er persönlich von den UmbandaRitualen und ihrem Heilungspotenzial überzeugt. damit er dort für eines ihrer Mitglieder ein privates Ritual ab­ hielt.Eine Party für Exu 255 großen Rosen und Blumengirlanden aus dick vergoldetem Stuck geschmückt. und auf dem Fußboden häuften sich Gaben für die dunklen Gottheiten. die wir im Laufe der Jahre in psychedelischen Sitzungen und beim Holo­ tropen Atmen beobachtet hatten. schickte er es nicht in die freudsche Analyse oder in die Ver­ haltenstherapie. dass viele Menschen emotionale und körperliche Prozesse durchliefen. Er erzählte uns.). Das Erdgeschoss.

wie sie ein schwarzes Huhn schlachtete und verschiedene Gegenstände mit dem Blut des Tieres einschmierte. die Göttin der Meere. die nur ein Auge hatte. Dort stellte er uns einer alten. den wir bereits kannten.256 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und jenseits wir in seinen Wagen und fuhren von der City in die Außenbezirke der Stadt. waren wir überrascht. als »Mutter der Heiligen«. Sie war als Mae de Santos. Wir erkannten Xango. erklärte Sergio uns. dies sei ebo oder despacho. einer Gottheit in Gestalt einer sexuell attraktiven Frau. geschmückt mit farbigen Weihnachtslichtern. die Gott­ heit des Zorns. auf dem kleine Gipsfiguren stan­ den . die eine Teufe­ lin und einen Teufel darstellten. der Stätte für das Ritual. und Preto Velho. Vor einer der Wände befand sich ein dreiteiliger Altar. dem »Raum der Verkörperungen«. und wir brauchten ziemlich lange dorthin. Sergio zeigte uns zwei Figuren aus Eisen in Rot und Schwarz. die mit ihrem kurzen Kleid und dem spöttischen Lachen wie eine Prostituierte aussah. Er machte uns auch mit Pomba Gira bekannt. die in langen Schnüren kreuz und quer unter der Decke angebracht waren. Wir betraten den Platz durch eine dunkle Garage. hexenhaften Frau mit wirrem Haar vor. und Iemanja. Unser Ziel lag am äußersten Stadtrand. den gedrungenen. die sich hier paarweise zusam­ menfanden mit kleinen Skulpturen von katholischen Heiligen. ihren christlichen Gegenspielern. Dann brachte er uns zu einem großen angrenzenden Gelände. Während wir beobachteten. die neben der Heiligen Jungfrau Maria stand.Nachbildungen der orixás. mit Hörnern und betont gestalteten Sexualorganen. der einen Kopf­ schmuck aus Federn trug und Pfeil und Bogen schwang. waren wir hier in der Unterschicht gelandet. Während das Ritual in Belo Horizonte in Oberschichts­ kreisen stattfand. alten schwarzen Mann. der sich zusammentat mit dem Heiligen Georg. die führende Kraft bei dieser Zeremonie. Wir sahen auch Caboclo. eine . das gleich beginnen sollte. der mit einer Pfei­ fe zwischen den Lippen auf einem kleinen Stuhl saß. Als wir am Ritualplatz ankamen. den dunkelhäutigen Mann mit dem Lendentuch.

Es ging wild zu. den Göttern. Anm. Das änderte sich aber. wir . doch jetzt lüfteten die beiden ihre Röcke und zeigten ihre Unterwäsche. ver­ gleichbar mit dem christlichen Teufel. Sendbote zu Orixä. Gesten und Verhaltens­ weisen erkannten. sie verkörperten Pomba Gira. So heißt im Umbanda das Gespräch mit den Orixás. Ja. Trickster. zurückhaltende Frauen gewesen. Manche sähen in ihm eine Brücke zwischen Mensch und Orixá. Sergio erzählte uns. und wenn sie bei ihnen Grimassen. ob wir eine consultata wollten. Zwei Frauen fielen durch ihr provokatives. die typisch für einen bestimmten orixá waren. einen starken Schnaps mit 45 % Alkohol. der Probleme stifte und sich an der Verwir­ rung seiner Opfer labe. brüllten Obszönitäten durch den Raum und bedrängten Männer mit lüsternen Gesten. waren sie äußerst manierliche. ohne irgendwelche Anzeichen von motorischer Unsicherheit zu zeigen. deren Botschaften und Ratschläge das Medium den Ritual-Teilnehmern channelt. denn sie fand am Baräs-Tag oder Sankt-Antonios-Tag statt und war ein Fest zu Ehren von Exu (Geistwesen. Bevor sie in Trance fielen. Diese Zeremonie würde einen anderen Ablauf haben als die von uns bereits besuchte.). die Atmosphäre war aufgeladen und bizarr. zogen sie ihnen entsprechende Kostüme an.Ü. Es gelang Christina und mir jedoch. Wir verfolgten das Ganze wie zwei Anthropo­ logen. Sergio erzählte uns. Als die Trommeln und Gesänge einsetzten. Magier. Exu sei ein verantwortungsloser.Eine Party für Exu 257 zeremonielle Gabe. die den Beischlaf symbolisierten. begannen die Filhos und Filhas de Santos zu tanzen und fielen in Trance. wie jede von ihnen drei große Flaschen Aquavit hi­ nunterkippte. als die hexenhafte Mae de Santos mit einem bedeutungsvollen Grinsen auf uns zukam und fragte. die Feldforschung betrieben. Wir beobachteten. hinterhältiger Gauner. für andere sei er eine dunkle Naturgewalt. Mehrere Hel­ ferinnen und Helfer überwachten die »Gefallenen« auf dem Fuß­ boden. Abstand zu halten und relativ gelassen zu bleiben. obszönes Verhalten auf.d.

sie kaute und rauchte eine große Zigarre. auf einer Insel?« Wir staunten nicht schlecht. was? Mach dir einfach keine Sorgen um Finan­ zen. und sie sah mich mit einem spöttisch-neckenden Ausdruck an: »Es geht dir gut in Brasi­ lien. wie sie sind. waren wir aller­ dings nicht im Geringsten gefasst auf das. was uns nun erwartete. In dieser Phase konzentrierte sich der Pro­ zess auf ihren Unterleib und löste zahlreiche gynäkologische Be­ schwerden aus. fuhr sie mit krächzender Stimme fort. sehr traurig und aufgebracht«. Die Liebe zum Essen gehört zu meinen größten Schwächen. für die es keine medizinischen Gründe gab. »Es ist schwer. Wie sich herausstellen sollte. du wirst auf dieser Reise kein Geld verlieren!« Das war ein weiterer Volltreffer. die sich so obszön gebärdeten und große Mengen Aquavit konsumiert hatten. Außer­ dem hatte sie bei einem Gerichtsprozess gerade das Sorgerecht für ihre Kinder verloren. »Frau­ enleiden. Ohne eine Antwort abzuwarten. Die beiden lebten jetzt bei ihrem Vater auf Hawaii. Die Alte brachte uns zu einer der beiden Frauen. Der Blick der Frau wanderte zu mir. »Du bist traurig. wie . gackerte sie. was?«. das würde dir den Spaß verderben! Keine Angst. Christina befand sich auf dem Höhepunkt ihres Kundalini-Erwachens und hatte mit starken Energien zu kämpfen. fragte sie uns mit einem höhnischen Grinsen. stimmt’s? So weit weg. bis wir dicht vor dem Medium standen. Das Gesicht der Frau war seltsam ver­ zerrt. von deinen beiden Kin­ dern getrennt zu sein. griff sie Christina frech unter den Rock und berührte und drückte ihren Unterleib. »Ihr wollt also mit den Geistern sprechen?«. stimmt’s? Dir schmeckt das brasilianische Essen mit all seinen tollen Gewürzen. Und viel Ener­ gie!« Sergio übersetzte uns ihre in Portugiesisch abgegebenen Kommentare.258 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und jenseits wollten »mit den Geistern sprechen«. Sie schubste uns von hinten auf eine von ihnen zu. Diese Umstände waren für Christina eine ständige Quelle von Ärger und Depressionen. »Schmerzen und Blut. das an ihren Ex-Ehemann ging. denn wir witterten eine in­ teressante Erfahrung.

ließen alles. die der­ artige paranormale Fähigkeiten besaßen. Wir waren gerade in Bahia gewesen. seine Küche auszupro­ bieren. ich bräuchte mir um die finanzielle Seite unserer Brasilienreise keine Sorgen zu machen. kann ich es kaum erwarten. wo ich begeistert die ungewöhnlichen Mixturen aus afrikanischen und brasilianischen Gewürzen gekostet hatte. für uns in einem anderen Licht erscheinen. und der wusste nichts von dem. auf alle diese Dinge angesprochen zu wer­ den. dass sich unsere Ausgaben und Einnah­ men fast deckten. gelang es uns. was hier geschah. damit völlig richtig lag. Wenn ich in ein fremdes Land komme. Dass wir hier in einem unbekannten Vorort von Rio de Janeiro in einer grotesken Umge­ bung eine Party für Exu feierten. Die bemerkenswerten hellsichtigen oder telepathischen Fähigkeiten dieses Mediums. löste in uns sogar eine gewisse Paranoia aus. dass die Frau. . was die Frau in Trance für uns channelte. denn unsere einzige Verbindung zu dieser Umbanda-Gemeinde war Sergio. Plötzlich hatten wir viel mehr Respekt für das Ritual. Es war erstaunlich. und es schien uns authentischer und seriöser zu sein. Es zeigte sich. ohne Minus abzuschließen. die Pomba Gira channelte und mir beruhigend sagte. Obwohl uns der ausgefallene Workshop finanziell zurückge­ worfen hatte. Am Ende der Reise stellten wir fest. Und da unser Workshop in Rio ausfallen musste. umgeben von Menschen.Eine Party für Exu 259 Christina und meine Freunde wissen. machte ich mir insgeheim tatsächlich Sorgen um unsere finanzielle Situation. für das wir so durch­ sichtig waren. als wir bislang angenommen hatten.

begegneten Christina und ich vielen weiteren Menschen mit außergewöhnlichen paranormalen Fähigkeiten darunter Luiz Gasparetto. die zwanzig Jahre dauerte. der zum römischen Kolosseum Verbindung hatte und I n den Jahren. Uri Geller. Während unserer vierzehn Jahre am Esalen-Institut in Big Sur. medial begabte Menschen unserer Zeit kennen. Die überzeugendsten und beharrlichsten Beweise dafür. sie reichte bis zu ihrer Erinnerung an ein früheres Leben als Athlet. dass sie durch diese Experimente die Spur von Annes Kopfschmerzen zurückverfolgen konnten. Helen Palmer. als sie und ihr Mann Jim auf der Suche nach Heilung für ihre qualvollen Migräneanfälle erste Experimente mit Hypnose machten. Hugh und Charles Cayce. erhielten wir jedoch im Rahmen unserer langjährigen Freundschaft mit Anne Armstrong. Ihr therapeutischer Erfolg bestand darin. Ihre innere Ent­ wicklung begann. Joan Grant und andere. Annes bemerkenswertes mediales Talent kam im Verlauf ihrer »spi­ rituellen Krise« zutage. Keith Harray und Jack Schwartz. in denen ich am Maryland-Psychiatric-Research- .2öo Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und jenseits Das Tabu unserer eigenen Hellsichtigkeit Sitzungen mit Anne Armstrong Center arbeitete. lernte ich über meinen Freund Walter Pahnke viele bekannte. Kalifornien. dass wir auf paranormalem Weg Zugang zu Informationen über andere Menschen und die Welt bekommen können. da­ runter Eileen Garrett.

in denen sie ihre eigenen medialen Fähigkeiten entdecken konnten. Eine Lieblingsübung der Armstrongs war das »Gruppenscanning«. Anne und Jim kamen regelmäßig als Gastdozenten in unsere einmonatigen Workshops. Nach jahrelangen inneren Kämpfen begann Anne. das diese beiden Schritte miteinander kombi­ nierte. Sie konnte sogar in telefonischen Sitzungen präzise und zuverlässige Angaben machen. gemeinsame Forschungsreisen unter­ nommen. Ihre Spezialität war die Erforschung und Klärung zwischenmenschlicher Beziehungen. sie prak­ tisch anzuwenden. die für alle neu waren. um sich dann dazu zu bekennen und zu lernen. Dann forderte Anne ein Grup­ penmitglied auf. Für ihre »Readings«. weil seine Feinde ihn zwingen wollten. und ihre Angaben waren erstaunlich zu­ verlässig. meistens in der letzten Woche. eine wichtige. wie sie das nannte. Die Ehe der Armstrongs überlebte trotz dieser Entdeckung.Das Tabu unserer eigenen Hellsichtigkeit 261 heftig gefoltert wurde. Die Teilnehmer legten dafür kleine. unter anderem auch in Form von regelmäßigen Sit­ zungen in Holotropes Atmen. brauchte sie lediglich die Namen der Menschen. Zur großen Überra­ schung der beiden stellte sich heraus. Trotzdem hatte sie sofort Zugang zu intimen Informationen über die Gruppenmitglieder. Sie war dabei immer gut geerdet. dass Annes Flauptverfolger in dieser karmischen Erinnerung Jim war. und die beiden begaben sich zusammen auf eine spirituelle Forschungsreise. Bevor sie zu unserer Gruppe stießen. mit denen sie arbeitete. aus dem Hut blind den Namen der Person zu ziehen. die ein Gruppenreading bekommen sollte. zusammengefaltete Zet­ tel mit ihrem Namen in einen Hut. geheime Information preiszugeben. individuellen Readings für Gruppenmitglieder leitete sie die Teilnehmenden mit Jims Hilfe auch zu einer Reihe von Übungen an. als Medium zu arbeiten. hatten die Teilnehmer im Schnitt täglich zehn Stunden tiefe. Neben diesen überraschend aufschlussreichen und zutref­ fenden. Diese Person er­ . Anne kannte anfangs außer Christi­ na und mir niemanden in der Gruppe.

den ich unter Annes und Jims Anleitung unternahm. ihre Zweifel an den eigenen medialen Fähigkeiten loszulassen und alles aufzu­ schreiben. was ihnen zu der fragenden Person in den Sinn kam. einen Gegenstand in die Sitzung einzubringen. der für uns von emotionaler Bedeutung war. waren erstaunlich präzise. Annes Deutungen trafen immer den Punkt und waren oft wirklich bemerkenswert. die bislang gar keine medialen Fähigkeiten bei sich vermutet hatten. sodass wir anderen unsere eigenen Einsichten mit ihren verglei­ chen konnten. Im letzten Teil der Übung gab die Person. was Anne unglaublich leicht fiel. für das sie mediale Informationen und Unterstützung wünschte. das heißt. in die wir unsere Gegenstände legen sollten. Jetzt sollten wir dieses Objekt in der Hand halten und ein psychometrisches Reading machen. was an unseren Informationen zutreffend für sie war und was nicht. die von uns Informationen empfangen hatte. uns Feedback und teilte uns mit. auftauchende Bilder und Assoziationen korrekt zu interpretieren. Bei dieser Übung saß sich die Gruppe in zwei Reihen gegenüber. . Nachdem die Teilnehmer ihre Gedanken und Einsichten zu dem dargestell­ ten Problem geäußert hatten. Eine der größten Schwierigkeiten bei den Sitzungen bestand darin. Dann tauschte er die Taschen aus. und jeder nahm einen Gegenstand heraus. ohne dass die anderen Näheres darüber wussten oder den Gegenstand sahen. der einer Person aus der Reihe gegenüber gehörte. Doch auch die Bilder und Einsichten der Grup­ penmitglieder. Dann bekamen wir Anweisung. ohne dass die anderen sie zu sehen bekamen. Dazu gab Jim jeder Gruppenhälfte eine große Einkaufsta­ sche. Jetzt wies Anne die anderen in der Gruppe an. ohne sich zurückzuhalten oder Selbstzensur zu üben. machte Anne selbst ein Reading.262 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits läuterte dann ihr Problem. Ich möchte das verdeutlichen anhand eines eigenen psychometrischen Versuchs.

Und plötzlich kam mir ohne Vorwarnung oder Überleitung ein Witz in den Sinn. Mit der rechten Hand schrieb ich mei­ ne Assoziationen auf.Das Tabu unserer eigenen Hellsichtigkeit 263 alle Assoziationen und Bilder aufschreiben. Holzschnitzereien und Blumenkästen geschmückten Häusern. mit welcher Leichtigkeit und Fülle sie sich einstellten. Als genereller Überblick beginnend. die uns zu dem Gegen­ stand in den Sinn kamen. wandte sich an einen arabischen Händler. mit Wandgemälden. den ich kürzlich erst gehört hatte. der Nordafrika besuchte. konzentrierte sich diese Rückschau schnell und unge­ wöhnlich intensiv auf meine Erinnerungen an die Anatomie und Physiologie bösartiger Tumore. das lange ohne Wasser auskam. In diesem Kreis ertastete ich die Umrisse einer stilisiert dargestellten menschlichen Gestalt mit ausgestreckten Armen und Beinen. wie ich es in meiner freudschen Ausbil­ dungsanalyse gelernt hatte. an denen ich als Student Vor­ träge hörte oder Praktiken absolvierte. Von dort trug mich der Strom meiner Gedanken zu meinem Me­ dizinstudium und den Instituten. Ich war überrascht. Als Erstes erinnerte ich mich an die idyllischen deutschen Kleinstädte mit ihren Kopfsteinpflasterstraßen und malerischen. konzentrierte mich auf ihn und ließ meinen Gedanken freien Lauf. die ich auf meinen Europareisen besuchte. und über den ich lachen musste: Ein Abenteuerreisender. Dann gingen meine Assoziationen über zu meiner Arbeit mit Krebskranken im Endstadium am Maryland-Research-Center und verweilten dort eine Zeitlang. Ich zog einen kleinen runden Metallanhänger von knapp drei Zentimetern Durchmesser aus der Tasche. um ein Kamel zu kaufen. Er wollte die Sahara durchqueren und machte dem Händler klar. hielt ich den Anhänger in der linken Hand. Der Araber brachte ein . dass er ein wirklich gutes Kamel brauche. Annes Anweisungen folgend. der allseits bekannten Zeichnung des vitruvianischen Mannes von Leonardo da Vinci ähnlich.

Beide wären umgekommen. »Was haben Sie mir dafür ein Kamel verkauft?«. Kaum begann das Kamel zu trinken.264 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Tier. den das Tier bei diesem Schrei gewaltsam einsaugt. Dann brach er unverzüglich zu seinem Wüstenabenteuer auf. Ich wäre dort fast umgekommen!« »Das verstehe ich nicht«. Wenige Tage später weigerte es sich. muss der Erzähler den Schrei nachahmen. »Haben Sie den Ziegelstein-Trick mit ihm gemacht?« »Was meinen Sie mit ›Ziegelstein-Trick‹?«. Nach seiner Rück­ kehr von dieser unglückseligen Wüstendurchquerung suchte der Mann den arabischen Händler auf und verlangte wütend sein Geld zurück. schien das Tier dem Verdursten nahe zu sein. sagte der Händler und schüttelte den Kopf. »Nach wenigen Tagen ist es in der Wüste zusammengebrochen und keinen Schritt weitergegangen. . und brach in der Wüste zusammen. dass das Kamel nach eini­ gen Tagen immer schwächer und langsamer wurde. wenn der Händler seine Hoden zusammendrückt. wenn nicht eine Karawane vorbeigezo­ gen wäre. Es hechelte. Um sie zu veranschaulichen. musste er erleben. Obwohl er ihm den gesamten Wasservorrat für die Reise zu trinken gab. von dem er behauptete. die beträcht­ lich war. drückte er seine Hoden mit den Ziegelsteinen zusammen. die in die entgegengesetzte Richtung reiste und genügend Was­ servorräte bei sich hatte. Das rettete ihnen das Leben. sagte der Araber und führte das Tier zum nächsten Brunnen. auch nur einen Schritt weiterzugehen. den das Kamel ausstößt. Das Kamel gab einen tierischen Schrei von sich und schlürfte noch viele weitere Liter Wasser. fragte der unglückliche Reisende völlig ver­ wirrt. und seine trockene Zunge hing ihm aus dem Maul. Die Pointe dieses Witzes lässt sich schriftlich nicht so leicht vermit­ teln. Der Luftstrom. es sei sein kräftigstes und zuverlässigstes Kamel. welche Mengen an Wasser das Kamel nach dem »Ziegelstein-Trick« noch trinken muss. »Ich werde es Ihnen zeigen«. näherte sich ihm der Araber mit einem großen Ziegelstein in jeder Hand und wartete geduldig. Unangenehm überrascht. Sobald das Tier mit dem Trinken fertig war. schimpfte er. macht deutlich. und der Mann zahlte dafür die geforderte Summe.

). auf die diese Assoziation anspielte. Doch ich hatte mich geirrt! Wie sich herausstellte. New Jersey. stammte die Besitzerin des Anhängers. wie oft ich mit meinen Assoziati­ onen den Nagel auf den Kopf traf. die mit einer tiefgreifenden Methode der Selbsterforschung ar­ beitete. den ich für mein psychometrisches Experiment benutzte. Ich konnte kaum glauben. obwohl die Informationen so humorvoll verkleidet da­ herkamen. Unter Annes und Jims Anleitung fanden wir als nächstes die Besitzer unserer Gegenstände heraus und tauschten uns mit ihnen aus.d. Myra war in einer Kleinstadt aufgewachsen. »New Age«-Worskhops und Seminare zu besuchen.Ü. Ich war an unser mediales Spiel mit einer gesunden Skepsis herangegangen und fragte mich. unglaublicher medialer Volltreffer. Ein Nacktmarathon ist eine radikale Form von Therapie. Anm. Das Becken hatte eine gleichmäßige Tiefe von . Dieser Workshop.Das Tabu unserer eigenen Hellsichtigkeit 265 Dieser Witz war meine letzte Assoziation bei der psychometrischen Übung. Er geisterte noch minutenlang in meinem Kopf herum. ein Nacktmarathon. Myra hatte an einem WochenendWorkshop mit Bill Swartley teilgenommen. einer Grup­ pe. Der Kamelwitz erwies sich als weiterer. abgewandelte Form von Primärtherapie zurückging. die der kalifornische Psychologe Paul Bindrim in den 1960er-Jahren entwickelte. einem der Gruppenlei­ ter dieser Organisation. denn ich hatte mich noch nie für medial begabt gehalten. noch erstaunlicher und komischer als der Witz: Der An­ hänger war das Abzeichen des »Center for the Whole Person« (etwa: Zentrum für den ganzen Menschen. die vor meinem inneren Auge auftauchte. ob dabei über­ haupt etwas herauskommen würde. welche auf eine weitverbreitete. fand in der Nähe von Atlantic City. aus Deutsch­ land. Schlafentzug und Fasten mit experimenteller Gruppenarbeit im körperwarmen Wasser eines Swimmingpools. statt. die genauso aus­ sah wie die. Tatsächlich war die Situation. Als Ärztin hatte sie erst kürzlich ihr Interesse an alternativen Heilungsmetho­ den entdeckt und damit begonnen. Er kombinierte Nacktheit.

schoben sie einen Körper nach dem anderen mit dem Bauch nach oben wie im Spieß­ rutenlauf durch diese Gasse. In einer der Übungen bei diesem Nacktmarathon. wie aben­ teuerlustig und wagemutig Myra sein konnte. den Preis zu gewinnen.266 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits etwa anderthalb Metern. War die Reise beendet. die tiefe Emotionen auslösen sollte. Zu Beginn dieses Marathons zeigte Bill Swartley den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Abzeichen für sein Zentrum und verkündete. nackten Körper der einzelnen Teilnehmer. Die Genitalien beider Geschlechter und die Brüste der Frauen waren bei dieser Übung allen Blicken preisgegeben. Sie warf sich auf Bill Swartley und machte sich mit Mund und Zähnen über . wie man das nannte. stellte man sich am anderen Ende der Reihe wieder auf. und der oder die nächste trieb durch die Wassergasse. was er sich da selbst einbrockte. Der Workshopleiter war einer von ihnen. hatte er auch keine Ahnung. Es kam durchaus vor. der für das Wochenende ausgeschrieben war. War dieser Prozess abgeschlossen. sah Myra ihre Chance gekommen. Als die Gruppe Bill Swartley durch die Gasse schob. indem er an der Übung aktiv teilnahm. die das ungeheuer­ lichste Verhalten an den Tag legte. Bei vielen Menschen löste dieses rück­ sichtslose Eindringen in ihre Intimsphäre äußerst heftige Emoti­ onen aus. dass einzelne Teilnehmerinnen und Teil­ nehmer diese Situation nicht aushielten und emotional zusammen­ brachen oder »in den Prozess gingen«. Da Bill nicht wusste. In diesem Fall versammelte sich die restliche Gruppe um diese Person und unterstützte sie bei der Verarbeitung der hochkommenden Themen und Gefühle. am Ende des Workshops würde er mit diesem Anhänger die Person belohnen. An einem Ende beginnend. die sich im Becken ge­ genüberstanden. stellten sich die beiden Reihen wieder auf. inspizierte die Gruppe die im Wasser treibenden. was er nicht nur durch die eigene Nacktheit demonstrierte. Dazu bil­ deten die Gruppenmitglieder zwei Reihen. sondern auch.

Auch wenn sich die meisten meiner Assoziationen als erstaunlich zutreffend erwiesen. dass sie eine reichere Imagination besaß als wir. . was uns nicht so leicht fiel. sondern ihre Bilder und Assoziationen auch entschlüsseln und klar und zu­ sammenhängend formulieren konnte. Mehrere Monate nach unserem Workshop in Esalen diagnostizierten die Ärzte bei Myra eine Krebserkrankung. von der sich erst später zeigte. die um Krebserkrankungen kreisten.Das Tabu unserer eigenen Hellsichtigkeit 267 seine Hoden und seinen Hodensack her. der sie schließlich erlag. präzisen und klaren Aussagen formulieren können. Bei unserer Gruppensitzung hatten viele von uns Assozia­ tionen. waren weit mehr als lediglich Anspielungen auf Myras Arbeit als Ärztin. Die Erinnerungen an mein Medizinstudium und meine spätere berufliche Arbeit. Überraschenderweise enthielt meine psychometrische Deu­ tung auch eine Information. wie wichtig sie war. Doch der Hauptunterschied zwischen uns und Anne bestand nicht nur darin. die über die Persönlichkeit und das Leben der jeweiligen Besitzer des entsprechenden Gegenstands etwas aussagten. nachdem ich die Besitzerin des Anhängers erst einmal gefunden hatte und von ihr ein Feedback bekam. Natürlich wurde sie zur unangefochtenen Siegerin und erhielt den Anhänger. hätte ich meine inneren Bilder ohne Hilfe nicht übersetzen und sie zu kon­ kreten.

arbeitete zu jener Zeit am Psychiatrischen Kran­ kenhaus der McMasters-Universität in Hamilton. D . die Richtigkeit dieser Informa­ tionen über Gottheiten und mythologische Reiche anderer Kul­ turen und auch zahlreiche Epochen der menschlichen Geschichte. die auf diese Weise gewonnen wurden. Jungs Entdeckungen auf und bestätigen sie . Ontario. wieder einmal zusammenzukommen. wo wir die Ruinen der alten Maya-Städte besichtigen wollten. später zu verifizieren.G. In vielen Fällen ist es möglich. die Zeit nach der Konferenz für eine gemeinsame Reise zur Yucatan-Halbinsel zu nutzen. als mein Bruder Paul und ich den Fünften Weltkongress der Psychiatrie in Mexico City besuchten. dass uns transpersonale Erfahrungen in holotropen Bewusstseinszuständen »paranor­ malen« Zugang zu neuen Informationen über archetypische und historische Sphären des kollektiven Unbewussten verschaffen kön­ nen.dass nämlich die Psyche jedes Menschen nicht nur zum freudschen individuellen Unbewussten. Paul. welches das histo­ rische und mythologische Erbe der Menschheit bewahrt. selbst Psychiater wie ich.268 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Ameisen der Großen Muttergöttin Ein Besuch in Palenque ie nächste Geschichte macht deutlich. und ich lebte und arbeitete in Baltimore. Der Kongress war für uns eine willkommene Gelegenheit. Diese Beobachtungen weisen Parallelen zu C. sondern auch zu einem kollektiven Unbewussten Zugang hat. Die im Folgenden beschriebenen Ereignisse spielten sich Ende November 1971 ab. Wir beschlossen.

Obwohl ich körperlich noch nicht ganz wieder herge­ stellt war. eine der bemerkenswertesten Ruinen der Maya. Durch das hohe Fieber und die Mengen an Dai­ quiri. um die Erfor­ schung der kulturellen Auswirkungen von psychedelischen Sub­ stanzen fortzusetzen und zu vertiefen. Auf dem Rückweg entschieden wir. vor unserer Rück­ kehr nach Mexico City wieder weitgehend gesund zu werden. doch . sahen wir uns die Ruinen in der Umgebung an . doch da fühlte ich mich noch zu krank. Eigentlich hatte ich das Mittel in Chichén Itzá nehmen wollen. nicht verpassen. beschloss ich wider besseres Wissen. Uxmal und Tulúm. die Hauptstadt von Yucatan. Obwohl ich nur nachts ruhte. denn ich hatte an dieser Kultur seil meiner Jugend großes Interesse. dass Substanzen wie diese dem Menschen bemer­ kenswert tiefe Einsichten in die archetypische Dynamik heiliger Stätten verschaffen können. gelang es mir. Mir war zwar klar. die ich trank. Während dieser Besichtigungstouren zog ich mir eine Grippe zu und bekam starke Halsschmerzen. Ich wollte in dieser außer­ gewöhnlichen Umgebung eine Sitzung machen. in Villa Hermosa Halt zu machen und Palenque zu besuchen. bekamen meine Erfahrungen eine zusätzliche inte­ ressante Note. um die Entzündungen in Hals und Kehlkopf zu bekämpfen. wollte ich die Gelegenheit. Ich wusste aus früheren Erfahrungen. wie wichtig ein sicherer Rahmen und eine sichere Umgebung für psychedelische Erfahrungen sind. Ich kam in Kontakt mit Erinnerungen an frühere Leben und hatte einige intuitive. Unser Hotel in Merida als Ausgangsstation benutzend. MethylenedioxyAmphetamin (MDA) zu nehmen . die/das der Droge Ecstasy verwandt ist.Ameisen der Großen Muttergöttin 269 Nach Abschluss des Kongresses mieteten wir uns einen Wagen und erreichten nach langer Fahrt Merida. Ich wollte jedoch unsere Besuche bei den Monumenten der alten Mayas nicht abbrechen. interessante Einsichten in Bezug auf die von uns besuchten Stätten.eine psychedelische Substanz oder ein Entheogen. Dzibilchaltün.Chichén Itzá. die sich mir hier bot.

war ich noch zu der vernünftigen Einsicht fä­ hig. dass ich mit den Wirkungen der Droge an einem öffentlichen Ort zurechtkommen würde. ohne zu viel Aufmerksamkeit zu erregen. Meine Erfahrungen setzten erstaunlich plötzlich und dramatisch ein. sondern als blühende. Ob nun aufgrund meiner noch nicht ganz wiederherge­ stellten Gesundheit. heilige Stadt auf dem Höhepunkt ihres Glanzes. war ich sicher. Wellen von heftiger Angst durchfluteten mich. Plötzlich schien es. und nahm 125 Milligramm der Substanz. Mir fiel es zunehmend schwer. . dass von den mich umgebenden Din­ gen eine schreckliche Kraft ausging und sie sich auf höchst omi­ nöse Weise wellenförmig bewegten.die Wirkung der Droge war unver­ gleichlich stärker als in sämtlichen früheren Sitzungen. der speziellen Kräfte dieser Stätte oder macht­ voller astrologischer Transite . dass ich hier eine innere symbolische Erfahrung machte und mein Leben nicht tatsächlich in Gefahr war. Ich spürte die Anwesenheit rachsüchtiger Gottheiten der Mayas und deren Blutdurst. Ich schloss die Augen. Mein Wahrnehmungsfeld verdunkelte sich mehr und mehr. mich in den Ruinen wie ein bewundernder Besucher zu bewegen. als würde die Geschichte lebendig. Obwohl mich dieses Gefühl total packte. Ich verbarg meine Augen hinter dunklen Brillengläsern. doch war ich nicht nur Beobachter. was in meiner Psy­ che vor sich ging. Ich sah Palenque nicht in Ruinen vor mir liegen.270 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und jenseits Da ich bereits früher in eigenen Sitzungen Erfahrungen mit MDA gesammelt hatte. Ich war Zeuge eines Opferrituals. um herauszufinden. Mir wurde klar. und mir fiel auf. und ich empfand eine nahezu metaphysische Beklemmung. dass hier in Palenque Tausende von Menschen geopfert worden waren und das ganze Leid von Jahrhunderten im­ mer noch wie eine schwere dunkle Wolke über dem Platz hing. damit die anderen Besucher meine erweiterten Pupillen nicht sahen. Sie flehten um weitere Opfer und schienen mich als ihr nächstes heiliges Opfer zu betrachten.

Ich sonderte mich ein wenig ab von den anderen. dass ich zu diesen Geschöpfen wurde. angefüllt mit sämtlichen Emotionen. Du wirst diesen Platz nicht lebend verlassen. Ich glaubte laut und deutlich eine Botschaft zu vernehmen: »Du bist an dieser Stätte nicht als Tourist auf den Spuren der Geschichte.Be­ dauern über den Verlust ihres noch jungen Lebens. doch auch eine seltsame Hingabe an ihr Schicksal und sogar Aufregung und neugierige Erwartung auf die Erfahrung. geradezu metaphysischen Angst. ängstliche Er­ wartung und eine merkwürdig zwiespältige Einstellung zu ihren Scharfrichtern. die weitere Blutopfer verlangten. dass man den Opfern bei den Vorbereitungen auf das Ritual eine bewusstseins­ verändernde Droge gab. Ich hatte das starke Gefühl. durch deren Einnahme ihr Erleben auf eine andere Ebene rückte. Während ich erstaunliche Einsichten in die präkolumbianische Religion und die Rolle der Opferrituale in diesem System gewann. und selbst die Mauern der Gebäude schienen nach mehr Blut zu dürsten . schienen sich meine individuellen Grenzen völlig aufzulösen. sondern als heiliges Opfer. die diese Menschen jemals empfunden hatten .« Ich spürte die überwältigende Präsenz der Gottheiten. wie all die anderen. um mich besser auf meine inneren Erfahrungen konzentrieren zu können. die ihnen bevorstand. Weitere Szenen aus der Vergangenheit bombardierten mein Be­ wusstsein mit ungewöhnlicher Heftigkeit. und ich fühlte mich immer stärker verbunden mit allen Geschöpfen. Das ging so weit.Ameisen der Großen Muttergöttin 271 sondern erlebte mich zugleich als das heilige Opfer. Sofort schloss sich eine ähnliche Szene an und dann noch eine weitere. Meine Faszination wich schnell einer tiefen.meinem Blut. die in Palen­ que im Laufe der Jahrhunderte gestorben waren. Ich erlebte mich als enormes Gefäß. die hier in der Vergangenheit geopfert wurden. Ich war fasziniert von der Vielschichtigkeit meines Erlebens und der Fülle der damit verbundenen Einsichten. kletterte auf den Hügel und legte mich allein vor dem Sonnentempel auf den Boden. .

ich wollte glauben. wie ich konn­ te. was große Giftmengen durch die Bisse von Hunderten von mexikanischen Riesenameisen bei einem Men­ schen bewirkten. sodass meine Ängste in solchen Situationen bislang nicht wirklich überzeugend geworden waren. das in früheren Sit­ zungen fehlte. doch jetzt wusste ich einfach nicht. Die Ameisen brachten eine unbekannte Größe in die Gleichung ein . Mir wurde klar.die chemischen Bestandteile ihres Giftes und seine Vermischung mit der Substanz. sobald das Bewusstsein zum Normalzustand zurückkehrt. Ich . Ich fühlte mich wie in einer Baggerschaufel. dass MDA mich umzubringen vermochte. dass selbst die schlimmsten Ängste bei diesen Erfahrungen keine objektiv beste­ henden Gefahren widerspiegeln und sich meist auflösen. Bislang hatte ich be­ zweifelt. hielten mich in ihrem Bann gefangen. so schnell zu rennen. So überzeu­ gend die jetzige Erfahrung sich mir auch präsentierte. Die Gottheiten und die Mauern der Ruinen hatten mich fest im Griff. Während dieser Ereignisse flimmerten vor meinem inne­ ren Auge weitere Bilder aus der Geschichte von Palenque. und eine grauenhafte Panik erfasste mich: Mein Körper war über und über bedeckt mit Riesenameisen. es geschah wirklich. Ich be­ schloss. die Haut übersät mit kleinen roten Schwellungen Hunderter von Einstichen. Ich öffnete die Augen.272 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Ich hatte in meinen psychedelischen Sitzungen auch früher schon veränderte Bewusstseinszustände erlebt und wusste. aber ich schien nur wie in Zeitlupe voranzukommen. dass sie »einfach war wie alle anderen«. und mein Körper fühlte sich bleischwer an. Verzweifelt versuchte ich. Doch hatte sich die Zeit scheinbar derma­ ßen verlangsamt. dass sie fast ganz zum Stillstand gekommen war. dass durch diese unerwartete Komplikation ein neues Element in meine Erfahrungen kam. dessen Nervensystem durch MDA bereits stark aktiviert war. die ich genommen hatte. aus den Ruinen zu flüchten und mich dem Einfluss der Gottheiten zu entziehen. Das hier fand nicht nur in meiner inneren Welt statt. Doch das Gefühl eines drohenden Verhängnisses wurde immer realer.

denn ich hatte das Gefühl. dorthin zu ge­ langen. spirituell . die auf dem Glauben an diese mythischen Realitäten gründeten. bei dem ich das pulsierende Leben in den Straßen beobachten konnte. erreichte ich unter enormen Anstrengungen den Parkplatz. Ich fühlte mich leicht. Hatte unsere moderne Welt die Weltreiche. wie mir schien. Mehrere Jahre später erzählte mir Christian Raetsch. Während die Wirkung des MDA abklang. der Geschmack der Fruchtsäfte in den jugerias der Stadt all das waren wirklich ekstatische Erlebnisse. ekstatisch. als würde mein ganzes Wesen . bedeckten Hunderte von juckenden. bekannter Anthropologe und Ethnobotaniker. Die Nacht jedoch verbrachte ich überwiegend unter der kalten Dusche.von einer schweren Last befreit. Im selben Augenblick war es. nicht ero­ bert und als unglaubwürdig verworfen? Meine Annahme erwies sich als richtig. Meine Sinne waren wie gereinigt und weit offen: Der prachtvolle Sonnenuntergang wäh­ rend unserer Rückfahrt. Ich konzentrierte mich innerlich auf die Aufgabe. Nach einer Ewigkeit.körperlich. von den Ruinen mit einer dicken Kette abgetrennt. der mittel­ amerikanische Kulturen studiert und lange Zeit bei den LacandonMayas gelebt hatte. das Abendessen in einem kleinen Restau­ rant. .Ameisen der Großen Muttergöttin 273 konnte den Parkplatz mit den Autos der Besucher sehen. um die durch die Ameisenbisse hervorgerufenen Schmer­ zen und das Brennen zu lindern. wie neugeboren und pul­ sierend vor überschießender Lebenskraft. ein deutscher Freund. kleinen Stichen mei­ nen Körper und wurden für mich zur vorherrschenden Realität. psychisch. Da lag sie vor mir. dass Ameisen in der Mythologie der Mayas eine wichtige Rolle spielen und in engem Zusammenhang stehen mit der Erdgöttin und dem Prozess von Tod und Wiedergeburt. Die Absperrungskette kam mir in diesem Augenblick wie die Gren­ ze vor. die berechenbare. dass mein Leben davon abhing. hinter der die magische Welt der alten Götter und ihr Ein­ fluss endeten. rationale Welt meiner Alltagswirklichkeit.

seine isolierte Lage in der südlichen Hemisphäre. die wir beide im holo­ tropen Bewusstseinszustand empfingen . der riesige. die Weite seiner Wüste in der Mitte des Landes. Die Abori­ gines haben sich an die harten Bedingungen ihrer australischen I n dieser Geschichte schildere ich einige bemerkenswerte Aben­ . die im Umfeld ihrer spirituellen Krise auftraten. die in der Welt ihresgleichen sucht . Psycholo­ gen und Bewusstseinsforscher sind das Faszinierendste an diesem Kontinent seine Ureinwohner . beide aus der Familie der Kloakentiere. der Beutelteufel (auch Tasmanischer Teufel genannt). Doch für Anthropologen.274 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Uluru und Alcheringa Ein Abenteuer in der Traumzeit teuer in außergewöhnlichen Realitäten.000 Jahren in Australien und hat sich im We­ sentlichen zusammen mit diesem Kontinent entwickelt. das Beuteltier. malerische Ayers Rock mitten im Kontinent und besonders seine Tierwelt. Australien hat viele Gesichter.ich in einer psychede­ lischen Sitzung und Christina bei spontanen Erlebnissen. Diese Erfahrungen sind deswegen besonders interessant.das Känguru. die es zu einem einzigartigen und bemerkenswerten Land machen . weil wir von unabhängiger Seite eine Bestätigung der neuen Informationen über die archetypische und rituelle Welt der Aborigines bekamen. die Christina und ich bei unserem Besuch in Australien erlebten. das Schnabeltier und der Ameisenigel.die australischen Aborigines. Dieses bemerkenswerte Volk von Jägern und Sammlern lebt seit mindestens 50.

Ihre faszinierende rituelle und spirituelle Welt und ihre komplexe Mythologie sind eng verbunden mit dem Land. sie ge­ nauer kennenzulernen.in der Wüste ein äußerst seltenes Ereignis -. kleine Dinge auf große Entfernungen hin zu erkennen. Diese Berichte hatten zusammen mit unserem eigenen Wissen über die Mythologie. Geräusche oder Rauchsignale miteinander kommunizieren können. indem sie in halbnomadischen Gruppen le­ ben. Eine erste Gelegenheit dazu bot sich. Die intuitive Naturverbundenheit der Abori­ gines ist ebenso erstaunlich. Und doch hatten sie schon immer ein außerordent­ lich reiches Innenleben. und rennen genau zum richtigen Zeitpunkt zu diesem Ort. die sich Hunderte von Mei­ len entfernt befinden. um das kostbare Nass aufzu­ fangen. die mit den Aborigines gelebt und sie studiert haben. dass sie Verbrechen auf­ klären und Verbrecher identifizieren und aufspüren können sowie auch verlorengegangenes Vieh und Wertsachen.Uturu und Alcheringa 275 Umgebung angepasst. lokaler Regenschauer niedergeht . Forscherinnen und Forscher. in ihrem Zen­ trum in Blackwood in der Nähe von Melbourne einen Workshop durchzuführen. dass wir Vorbereitungen treffen wollten für eine Konferenz der »Inter­ . der bei ihnen alcheringa oder Traumzeit heißt. die Bilder und die Musik dieser außerge­ wöhnlichen Menschen ein großes Interesse in uns geweckt. Wir haben viele Geschichten über die bemerkenswerten au­ ßersinnlichen Fähigkeiten der Aborigines gehört und gelesen. die sich äußerlich nicht von den Menschen des Steinzeitalters unterscheiden. wenn einige Meilen entfernt ein kurzer. In anderen Geschichten heißt es. die schildern. be­ richten. wie diese Menschen ohne physische Hilfsmittel wie Bo­ ten. als uns unsere Freunde Alf und Muriel Foote einluden. dass sie viel Zeit in einem bemerkenswerten Bewusstseins­ zustand verbringen. Auch haben sie ein unglaubliches Talent. in dem diese Menschen zu Hause sind. Sie können Gedanken. Sie wissen zum Beispiel. Gefühle und Ideen präzise an Freunde und Verwandte übermitteln. Ein weiterer Grund für unseren Besuch war.

als wir uns das vorgestellt hatten. die in Phillip Island nahe der australischen Küste stattfinden sollte.die einzigartige geologische Formation in der Mitte des Kontinents -. denn sie hatten in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Fremden gemacht und waren diesen gegenüber sehr auf der Hut. brauchbare Kontakte zu knüp­ fen. uns einen Wagen zu mieten. Außerdem verteilen sie sich auf zahlreiche so ge­ nannte »skin groups«. als wir erwartet hatten. mussten wir diese Fahrt auf eigene Faust unternehmen. Es war grundsätzlich schwierig. »kulturelle Vermittler« zu finden. den die Aborigines Uluru nennen und als ihren »kosmischen Berg« betrachten. . so fanden wir heraus. Wie sich heraussteilen sollte. waren sehr bemüht. Während unseres Aufenthalts in Blackwood erkundigten wir uns mit unseren Freunden nach Möglichkeiten. Die Abori­ gines. fehlgeschlagen waren. und statt für die Fahrt zum Ayers Rock ein kleines Flugzeug zu benutzen. Die Entfernung zwischen Alice Springs und Uluru beträgt fast 500 Kilometer. die wir fanden. Wir hatten bereits in Kalifornien beschlossen. bei unserer Rei­ se auch Zentral-Australien zu besuchen und den Ayers Rock . diese Menschen zu schützen. möglichst eng in Kontakt kommen. Wir wollten mit der ehrfurcht­ gebietenden roten Wüste. Das gestaltete sich viel schwieriger. Die wenigen. beschlos­ sen wir.276 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und jenseits national Transpersonal Association« (ITA). von denen jede ihre eigene Mythologie. Die mehreren hunderttausend Aborigines sprechen untereinander über 200 Sprachen. Aborigines ken­ nenzulernen und mit ihren Ältesten in Kontakt zu kommen. gestaltete sich unsere Begegnung mit der Kultur der australischen Ureinwohner völlig anders. Sie fand eher in Form von tiefen inneren Erlebnissen als von äußeren Kontakten statt. und die Fahrt bei sengender Hitze dauerte viele Stunden. die Kontakte zu den verschiedenen Aborigine-Gruppen hersteilen. die den größten Teil Australiens aus­ macht. Wir flogen von Melbourne nach Alice Springs. waren keine homogene Gruppe. Da all unsere Versuche. Ri­ tuale und strengen Heiratsregeln besitzt.

die wenige Meter von der Straße entfernt ein Sonnenbad nahm. Vibrationen in der Erde ablagern . Kamelen und anderen Tieren am Straßenrand. wo sie stattfinden. die sich über Hunderte von Kilometern erstreckt. aber auch eintönig. der unter der Erdoberfläche kilometerweit ver­ läuft. die wie Echos der Ereignisse sind. guruwari oder auch Kraft des Samens genannt. Das so entstandene energetische Mus­ ter. Dieses spektakuläre Sandsteingebilde von etwa 10 Kilometern Durchmesser thront auf einer roten Wüs­ te. Ayers Rock oder der Uluru ist der weltweit größte Monolith und von fast ovaler Form. auch die Fußabdrücke der mythologischen Wesen. Uns westlichen Beobachtern erscheint die Landschaft zwar wunderschön und Respekt einflößend.ähnlich wie Pflanzen in ihren Samen ein Bild von sich hinterlassen. noch einen Spaziergang zu machen. Die Sonne ging gerade unter. Gele­ gentlich bemerkten wir gebleichte Skelette von Dingos. Eine weitere willkommene Ablenkung auf unserer Reise war die Begegnung mit einer riesigen Waran-Eidechse (Varanus giganteus). In einiger Entfer­ .Uluru und Alcheringa 277 Die Aborigines nehmen im Wüstengebiet viele interessante Einzel­ heiten wahr und verbinden damit eine Fülle von mythologischen Geschichten. die dabei mitwirkten. Als wir nach vielen Stunden Fahrt durch die Wüste erschöpft dort ankamen. Sie gehen davon aus. Wir mieteten uns dort ein Zimmer und beschlossen. um eine gute Aussicht auf den Berg zu haben. Die Landschaft birgt und reflektiert in ihrer Gestalt neben diesen Vibrationen. Es gilt als Gipfel eines Berges. ist unlösbar mit der Landschaft verbunden und verleiht ihr eine tiefe mythologische Bedeutung. um einen ersten Eindruck von un­ serer Umgebung zu gewinnen. dass bedeutsame Ereignisse dort. dass das Fleisch dieser Tiere bei den Aborigines als Delikatesse gilt. durch die sie her­ vorgerufen wurden. Später erfuhren wir. entdeckten wir zu unserer großen Freude nur etwa 200 Meter von dem majestätischen Monolithen entfernt ein kleines Motel. und wir liefen weit in die Wüste.

das von meinen Forschungen in der (damaligen) Tschechoslowakei übriggeblieben war. dass dieses Naturwunder bei Sonnenauf. innerlich schnell in die Traumzeit und zum Anfang der Welt befördert zu werden. einen absolut zauberhaften Anblick. ich könne sie wecken. der »meine Drachenschnur festhielt«. Und doch zweifelte ich nicht im Geringsten daran. doch was ich hier innerlich vor mir sah. überstieg al­ les. und mein Bewusstseinszustand durchlief sehr rasche und tiefe Veränderungen. diese einzigartige Gelegenheit zu nutzen und mich auf eine innere Reise zu begeben.und -Untergang in seiner ganzen atemberaubenden Schönheit erstrahlt. begann die Substanz zu wirken. Es ist bekannt.278 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits nung vom Motel bot das Panorama von Uluru. wenn ich jemanden brauchen sollte. Nachdem ich etwa 45 Minuten still meditiert hatte. wie wir das nannten. Das Motel an die­ sem verheißungsvollen Ort bot den perfekten Rahmen für eine psychedelische Erfahrung. Ich hatte das Gefühl. Sie sangen mysteriöse Lieder und . Ich sah die Erdoberfläche. flach. wo ich als leitender Forscher ein Programm für psychedelische Forschung durchgeführt und unbegrenzt Zu­ gang zu dieser Substanz hatte. Christina. Obwohl ich nach der langen Fahrt durch die Wüste etwas müde war. auf der viele mythische Gestalten von sehr un­ terschiedlicher Gestalt eintrafen. Sie bot mir an. wollte sich mir bei diesem Aben­ teuer nicht anschließen. dass meine Erfahrungen im mythischen Reich der Aborigines absolut authentisch waren. der mit seinem kräftigen Orange einen scharfen Kontrast zum tiefblauen Himmel bildete. beschloss ich. Ich besaß einige flüchtige Kenntnisse der australischen Mythologie. Ich hatte noch etwas LSD bei mir. nichtssagend und ohne be­ stimmte Merkmale. Ich nahm 400 Mikrogramm LSD und machte es mir auf meinem Motelbett bequem. die zu der Zeit in Folge ihres Kundalini-Erwachens sehr offen war und viele spontane innere Erlebnisse hatte. was ich jemals darüber gelesen oder gehört hatte.

sondern ein riesiges. weil sie in mir einen unwillkommenen Eindringling sahen. wie wir sie kennen. ihnen die Gründe für mein verwegenes Eindringen darzulegen. dass es in der Mythologie der Aborigines auch Riesen gab. der irgendwo jenseits von Zeit und Raum. Ich erklärte ihnen. vulkanischem Magma glich. Berge. ein erschreckendes. Hier war er nicht die anorganische geologische Masse. die meine besondere Auf­ merksamkeit erregten. Sie drohten mich zu vernichten und forderten mich auf. existierte. Er war gefüllt mit einer Substanz. Täler und Wasserlöcher ins Leben zu rufen. monströses Reptil. kriechendes Geschöpf. konnte ich meine Reise durch das Große Träumen (oder die Traum­ zeit) ungehindert fortsetzen. und die das Tier von Zeit zu Zeit in riesigen Mengen ausspie. Anfangs spielte ich die Rolle des Beobachters und war ledig­ lich Zeuge dieser phantastischen Aufführung von Szenen aus der Traumzeit. manche sahen aus wie Schlangen oder andere Tiere. . menschenähnliche Geschöpfe.der einzige Beweggrund meines Kommens sei die Suche nach Wissen. Plötzlich aber veränderte sich das: Die Bewohner der Welt der Traumzeit wandten sich jetzt gegen mich. erlaubten sie mir schließlich den Zugang zu ihrem Reich Einzige Bedingung war. dass ich mich den hier herrschenden Re­ geln vollständig unterwarf.Uluru und Alcheringa 279 schienen mit ihren Gesängen die Landschaft zu formen und Felsen. hörte ich ohrenbetäubende Donnerschläge und konnte in seinen Rachen blicken. die stru­ delndem. Als es sein gewaltiges Maul öffnete. Nachdem die mythischen Wesen mich dieser strengen psychologischen und spirituellen Prüfung unterzogen hatten. Ich hatte nie zuvor gehört. Vor meinen Augen erhob sich aus dem Urgrund aller Existenz die majestätische Masse des Uluru. Unter ihnen befanden sich mehrere riesige. Einige von ihnen waren von menschlicher Gestalt. als die er in unserer Welt erscheint. Nachdem ich diesen schwierigen Engpass überwunden hatte. ich sei mit viel Respekt und Demut und in freundlicher Absicht zu ihnen gekommen .

28o Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Doch wenn ich das Racheninnere dieses Tieres mit vulkanischem Magma vergleiche. oder die prima materia der Alchimisten war sie das universelle Prinzip von Schöp­ fung und Zerstörung. die ich auf meiner nächtlichen Reise erlebt hatte. dass ich zum win­ zigen Kängurufötus in ihrem Schoß geworden war und meine Ge­ burt erlebte. Plötzlich bemerkte ich. Wie auch heiße Lava besaß sie das Potenzial. Es handelte sich hier offensichtlich um die archetypische Substanz. Diese Reise war dermaßen anstren­ gend. Die folgende Klettertour zu ihrem Beutel und der Kampf um ihre nährenden Zitzen jedoch waren eine extreme Feuerprobe und ein wirklicher Übergangsritus. und die nährende Milch. Die Morgendämmerung brach schon an. Doch schließlich kam ich an. neugierig auf die Abenteuer. zu zerstö­ ren oder zu erschaffen. Und bevor ich mich von dieser erschütternden Begegnung mit dem ursprünglichen Uluru erholt hatte. hyle. wie ich sie in früheren psychede­ lischen Sitzungen erlebt hatte. relativ leicht. stand schon ein weiteres riesiges Geschöpf vor mir: die Große Muttergöttin in Gestalt eines weiblichen Kängurus. Wie die ursprüngliche Materie der Alten Griechen. Dieses eks­ tatische Einssein mit der Känguru-Gottheit war meine letzte wich­ tige Erfahrung in dieser Sitzung. hatte ich das Gefühl. jedoch auf einer viel tieferen und breiteren Skala. die allen vulkanischen Aktivitäten zugrundeliegt. Die Reise durch den Geburtskanal verlief im Vergleich zu meiner menschlichen Geburt. dass ich mehrmals das Gefühl hatte. Ich erzählte ihr kurz einige Höhepunkte meiner Er­ . und Christina wachte auf. das Ziel nie zu erreichen und auf dem Weg dorthin zu sterben. schmeckte wie Ambrosia und ließ mich die Härten meiner aufreibenden Reise vergessen. die in Strömen aus der Brustwarze der Großen Mutter Känguru floss. Während ich dieses ehrfurchtgebietende Schauspiel betrachtete. Zeuge des höchsten Mysteriums des Kosmos’ zu sein. beschreibe ich diese mysteriöse Substanz nur äußerlich.

dem ich mich die Nacht zuvor unterzog. Sie fotografierten sich und unter­ hielten sich dabei mit lauten Stimmen. sich zu fügen. dass sie vor einem un­ durchdringlichen Kraftfeld stand und ihre Klettertour nicht fort­ setzen konnte. um über das Erlebte nachzudenken. war umwerfend. und dann beschlossen wir. eigene tiefe Erfahrungen gemacht und rituelle Mu­ . meinen Auf­ stieg fortzusetzen und den Gipfel zu erklimmen.« Ich hielt mich nicht sehr lange dort oben auf und begann mit dem Abstieg. die ein T-Shirt mit der stolzen Aufschrift trug: »Ich habe Ayers Rock bestiegen. schlug das Wetter plötzlich um. das Recht auf diesen Aufstieg erworben hatte. Der Weg war ziemlich steil. Ich jedoch war noch nicht wieder ganz zu meinem gewöhnlichen Bewusstseinszustand zurückgekehrt und verspürte große Entschlossenheit. um uns von dort oben den Sonnenaufgang anzuschauen und die Aussicht auf die umliegende Wüste zu genießen. ich mir aber mit dem Übergangs­ ritus. Christina hatte plötzlich das Gefühl. empfing ich aus einer unbekannten Quelle die Botschaft. von der aufgehenden Sonne in orangerotes Licht getaucht. Sie erzählte mir. die man hier für Besucher angebracht hatte. Es war. Als wir etwa ein Drittel der Strecke zum Gipfel zurückgelegt hatten. und wir mussten uns immer wieder an den Ketten festhalten. dass das Besteigen des Felsens bei den Abori­ gines als besonderes Privileg galt. Die Aussicht auf die weite Wüste. Mehrere Touristen erreichten nach mir den Gipfel. tief in Meditation versunken. Unter ihnen befand sich eine Frau. als wollten unsichtbare Hände sie vom Fel­ sen schieben. denn ich wollte mit Christina Zusammensein und sehnte mich nach Stille. den Ayers Rock zu besteigen. Während ich ge­ gen den Wind ankämpfte.Uluru und Alcheringa 281 fahrung. innerlich sehr offen und empfäng­ lich wie sie war. Sie beschloss. zum Fuß des Berges zurückzukehren und dort auf mich zu warten. und immer wieder erfassten uns heftige Windböen. Ich fand Christina unten in einer kleinen Höhle. sie habe.

ob sie von einer corroboree. erklärte sie. dass . den restlichen Tag damit zu verbringen. Christina waren. stammten. um staunend die köstlichen Wunder­ werke der Natur zu betrachten. einer Zeremonie der Aborigines. Die Oberfläche des riesigen Felsens war stark verwittert zu einer Fülle von bizarren Kliffs und tiefen Höhlen. Es war verständlich. zu denen Frauen keinen Zugang hatten. Aber da waren nirgendwo Aborigines. Diese Situation blieb bestehen bis zum Oktober 1985. den wir im Motel erwarben. die sie bei ihrem Aufstieg machte. aus der die Töne zu kommen schienen. die Umgebung zu erkunden.‹« Wir beschlossen. dass die Aborigines hier in der Gegend. auf dem Uluru steht. während sie auf mich wartete. Später fanden wir im Motel heraus. keine Zeremonien mehr abhielten. Wir brachen also auf und hielten häufig. »Für die Abori­ gines war der Gipfel ein Platz für männliche Initiationsrituale. die sie für Ritualstät­ ten hielt. seitdem der Uluru zur Touristenattraktion geworden war. und war in die Richtung gegangen. auch einige interessante Einsichten in Bezug auf die Erfahrungen gekommen. »Ich verstehe jetzt. Durch die Launen des Wetters hatten sich aus der oberen Schicht des weichen Sandsteins unzählige. Du hast hier nichts zu suchen. Unser Reiseführer enthielt genaue Beschreibungen der wichtigsten Strukturen in der Felsoberfläche sowie der Mythen. als die Aborigines den Rechtsanspruch auf das Land erhielten. dass Uluru die Imagination der Abori­ gines so eindringlich und tief beschäftigt hatte.282 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits sik und Gesänge gehört. wie sie durch ein Ereignis in der Traumzeit entstanden waren. um das herauszufinden. die für die Aborigines damit verbunden waren. Ich empfing eine eindeutige Botschaft: ›Du bist eine Frau. warum ich den Felsen nicht besteigen konnte«. phan­ tastische Formationen gebildet. um Ayers Rock herumzufahren und mit Hilfe des kleinen Reiseführers. Sie hatte sich gefragt. Diese Mythen verzeichneten jede dieser deutlich sichtbaren For­ menkombinationen und erzählten. Christina zeigte mir einige besondere Plätze. Staunend stellten wir fest.

die durch jahrelanges Hatha Yoga abgehärtet war. Hier stand. waren zeremonielle Stätten. der ich oben auf Uluru begegnete. der ihre übersinnlichen Wahrnehmungskräfte verstärkte und ihr bemer­ kenswerte Einsichten in die heiligen Stätten dieses Ortes verschaff­ . ohne dass sie von den uralten Tabus auch nur etwas ahnte. Ich dachte über die Touristen nach. Ihr schien nicht weiter schwerzufallen. was Christina unmöglich war. den Aufstieg fortzu­ setzen. zu denen wir durch unsere inneren Erfahrungen in der letzten Nacht und am frühen Morgen dieses Tages Zugang bekommen hatten. die in der Traumzeit auftauchten. sondern etwas viel Mysteriöseres. Unter den Gestal­ ten. Tieferes. die in Bussen hierher ka­ men. In ihrem außergewöhnlichen Bewusstseinszustand. Die Broschüre bestätigte darüber hinaus Christinas Vermutungen: Die Plätze. an denen sie Musik und Ge­ sänge gehört hatte. waren auch fast drei Meter große Riesen. wie ich sie in meiner Sitzung gesehen hatte. hatte Christina richtig geortet. Auch die Plätze für männliche Initiationsriten. dass die Mitglieder der Stämme dieser Gegend. den Uluru als riesiges. Der Aufstieg zum Uluru war ein jährliches Ritual und eine Ehre.Uluru und Alcheringa 283 diese kleine Broschüre viele der Informationen bestätigte. die für Frauen verboten waren. an denen die Abo­ rigines heilige Rituale durchführten. Doch nicht der Wind. Vor allem fragte ich mich. mangelnde körperliche Kräfte oder fehlender Mut hinderten Christina. die wir bei unserer Rundtour um den Felsen sahen. auch als Anangu bekannt. was in der jungen Frau mit der triumphierenden Aufschrift auf dem TShirt vorgegangen war. die nur ausgewählten Stammesmitgliedern zuteil wurde. hatte als Initiationshöhle für Übergangsriten gedient und trug den Na­ men »Känguru-Beutel«. Für sie war Uluru lediglich eine Sehenswürdigkeit und sein Besteigen eine sportliche Übung. genauso. welches das Prin­ zip von Schöpfung und Zerstörung verkörperte. Eine der Höhlen. die Pitjantjatjara und Yankunytjatjara. Sie konnte sich dort oben bewegen. urwüchsiges Reptil darstellten.

war Christina innerlich noch immer tief mit ihren Erfahrungen beschäftigt. sondern diese Vögel waren auch von großer Bedeutung für Christinas spirituelle Reise. Wenn wir spontan in außergewöhnliche Bewusstseinszustän­ de gelangen oder uns diese Zustände durch bewusstseinsverän­ dernde Techniken erschließen. die für uns normalerweise nicht sichtund hörbar sind. lüftet sich der Schleier. Sie waren immun geworden gegen die numinösen Aspekte der Exis­ tenz. Christina staunte und wurde beim Anblick der Tiere ganz aufgeregt. um kalte Getränke und ein paar Snacks zu kaufen. dass der Einfluss. sodass sie blind werden für die verborgenen Dimensionen der Wirklichkeit. Als wir Uluru verließen. die in der Wüste liegen. als wir in Collin Springs eintrafen. in den Christina vom Uluru gezogen worden war. Die meisten saßen in einem großen Käfig. Es war ganz offen­ sichtlich so. Wir gingen da­ von aus. Doch auf Christinas Zustand schien das keine wahr­ nehmbaren Auswirkungen zu haben. sich mit zunehmender Entfernung davon abschwächen würde. war sie offenbar auch empfänglich für die Tabus. brach schließlich.284 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits te. die für die Eingeborenen dieses Landes Gebote darstellten. um schließlich ganz zu ver­ schwinden. doch mehrere Pfauen liefen frei auf dem Grundstück herum. entdeckten wir die Vögel. Der Anblick von Pfauen mitten in der australischen Wüste war nicht nur ziem­ lich ungewöhnlich. einer kleinen Oase in der Wüste. und wir öffnen uns für Realitäten. Der Bann. wo wir Halt machten. dass die industriellen Zivilisationen die intuitiven Fä­ higkeiten ihrer Mitglieder verkümmern lassen. Aber das war nicht der Fall. . Als wir uns auf dem Gelände die Füße vertraten. Im Rückspiegel unseres Wagens wurde der orangerote Felsen immer kleiner. die der Besitzer des Anwesens hielt. den dieser Kraftplatz auf sie hatte. Für unsere Rückkehr nach Alice Springs nahmen wir eine andere Strecke und verbrachten die Nacht in einer der Farmen.

auf die ich neugierig war und die ich gern probieren wollte. Wir verbrachten die Nacht auf einer gastfreundlichen Ranch in der Wüste. die für ihre Gäste einen Swimmingpool mit warmem Wasser hatte und ihnen zum Abendessen Grillgerichte servierte. Brot zu kaufen und die Pfauen damit zu füttern. Swami Muktananda.). Anm. seinen Schülerinnen und Schülern spirituelle Energie zu übertra­ gen und sie zu aktivieren. sich an ihre eigene spirituelle Tradition anzuschließen: ihren Lehrer. Außerdem war der Pfau ein wichtiges Symbol des Christinas primärer spiritueller Disziplin. technologische Gesellschaft in Zeiten unserer inneren Forschungsreisen humorvoll nannten. Das war das Ende meiner Reise in die Traumzeit. Zu meiner großen Freude entdeckte ich auf der Speisekarte die gegrillten Larven des Holzbohrers (Schmetterlingsart. wie wir unsere moderne. das heißt. Am nächsten Tag kehrten wir nach Alice Springs zurück und landeten wieder in der »großen. benutzte ihr Lehrer. Christina beschloss. Yoga. oft einen mit Pfauenfedern geschmückten und mit Sandelholzöl parfümierten Stab. Pfauen ein zentrales Element gewesen.Ü. eine Delikatesse der australischen Aborigines. Den Vögeln bewusst und meditativ Brot zu reichen. Indien und alles. was für sie damit ver­ bunden war. um Shaktipal zu geben. . gab ihr das Gefühl. Wie bereits diesen die sie Siddha in der Geschichte auf Seite 69 f. erwähnt. in ihren gewöhnlichen Bewusstseinszustand zurückzukehren und ihre Reise in die Welt der Aborigines abzuschließen.Uluru und Alcheringa 285 Bei den meisten ihrer wichtigsten und tiefsten inneren Erfahrungen waren Tieren malte. weiten Welt«. und die mit verbundene Symbolik tauchte oft in den Bildern auf.d. Siddha Yoga. Gleichzeitig half ihr dieses kleine Ritual offensichtlich. das sich weniger spektakulär und spirituell gestaltete als Christinas Pfauen-Ritual.

war eine tiefe Erfahrung mit dem Phänomen. die später in das neue Maryland-Psychiatric-Research-Center umzog. Kurz nachdem ich in den Vereinigten Staaten eintraf und Mitglied der Belegschaft wurde. das in der spiritu­ ellen Literatur (und auch in diesem Buch auf Seite 226) als astrale E Projektion bezeichnet wird. Wie ich bereits er­ wähnte. das ich im Laufe meiner über 50-jährigen inneren Forschungsreise erlebte. die ich 1967 in der Forschungsabtei­ lung des Spring-Grove-State-Hospitals machte. die wir als »psychedelische Therapie« bezeichnen. diese einzigartige Gelegen­ heit für mich zu nutzen. Die Studien in Spring Grove beruhten auf einer Methode. Psychologen und anderen Fachkräften im psychischen Gesundheitswesen.286 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Versuchungen eines nicht lokalen Universums Ein fehlgeschlagenes Experiment mit astraler Projektion ines der ungewöhnlichsten Bewusstseinsabenteuer. da­ . das auf dem­ selben Gelände in Baltimore errichtet wurde. Sie trat auf in einer psychedelischen Sit­ zung mit hoher Dosierung. Dabei verabreichte man den Probanden eine hohe Dosis LSD (400 bis 600 Mikro­ gramm) und legte ihnen eine Augenbinde und Kopfhörer an. beschloss ich. ermöglichte eines der hier durchgeführten Forschungs­ programme Psychiatern. für Ausbildungszwecke bis zu drei psychedelische Sitzungen mit hoher Dosierung zu nehmen.

akzeptabel und sogar plausibel. Wie ich erwartet hatte. ähnelte den Erfah­ rungen. die aus dem baptistischen Süden der USA kam und eine warme. Und doch un­ terschieden sich meine Erfahrungen in den ersten Stunden nicht von denen. In dieser Welt waren Wunder möglich.Versuchungen eines nicht lokalen Universums 287 mit sie sich ganz auf ihre inneren Erfahrungen konzentrierten. Eine mehrstündige Vorbereitungssitzung diente vor allem dem Zweck. Meine Begleiter waren der Psychologe Sandy Unger. die ich bei meinen früheren Prager Experimenten ge­ macht hatte. Die dabei ver­ wendete Dosis von 400 Mikrogramm entsprach dem. Eine alternative Methode. vor allem von eu­ ropäischen Therapeutinnen und Therapeuten praktiziert. der die Spring-Grove-Studien entwickelt und geplant hatte. bestand aus einer Reihe von Sitzungen mit psychedelischen Substanzen in niedrigerer Dosierung.) bezeichnen. ging die Erfahrung sehr tief. ungewöhnlichen inneren Zu­ stand. vermischt mit Ehrfurcht vor dem Mysterium der Existenz.d. welche die ersten Christen gemacht haben mussten. Was ich da erlebte. Ich begann in diesem inneren Zustand über das Wesen und den Ursprung von Zeit und Raum und die damit verbundenen Rätsel und Paradoxe nachzudenken. und Nan­ cy Jewell. Er war geprägt von heiterer Gelassenheit. Seligkeit und na­ iver Einfachheit. zum Beispiel das Mysterium . Anm. Die Experimentteilnehmer standen während der Sitzungen unter ständiger Supervision eines männlich-weiblichen Zweier­ teams. bestehend aus einem Therapeuten und einer Kranken­ schwester. mütter­ liche Ausstrahlung hatte. seiner Betreuerin und seinem Betreuer zu schaffen. eine Krankenschwester in den mittleren Jahren. Aber irgendwann in der zweiten Hälfte dieser Sitzung geriet ich in einen sehr seltsamen. eine gute Verbindung und Arbeitsbeziehung zwischen dem Klienten.Ü. so mein Gefühl. die psycholytische Therapie. was psyche­ delische Therapeuten ganz richtig als »single overwhelming dose« (einmalige hohe Dosierung.

stellte ich mir vor. Plötzlich wurde mir klar. Ich sagte zu mir: »Dies ist nicht Baltimore. tat­ sächlich identisch mit meinem Zielort war. dass ich noch immer unter dem Einfluss meiner alten Vorstellungen von Raum und Zeit stand. Nachdem ich die Richtung bestimmt und die Ent­ fernung abgeschätzt hatte. dass ich einmal geglaubt hatte. Ich befand mich an einem seltsamen Ort. war sehr überzeugend. Direkt hier und jetzt befinde ich mich in der Wohnung meiner Eltern in Prag. erlebte ich merkwürdige und bizarre Dinge. Drähten. mir selbst klarzumachen. Ich musste lachen. Mit enormer Geschwindigkeit bewegte ich mich durch den Raum.« Als ich so an die Sache heranging. Nach einer kurzen Phase der Verwirrung be­ griff ich. voll­ gestopft mit Kabeln. dass der Ort. ob ich in die Tausende von Kilometern entfernte Prager Wohnung meiner Eltern reisen konnte. an dem meine Sitzung stattfand.288 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits von Ewigkeit und Unendlichkeit. dass ich es mit einem Experi­ ment testen wollte. Röhren. denn das Gefühl. Dieses Gefühl war so überzeugend und überwältigend. dies ist Prag. dass mein Bewusstsein in dem Fernsehapparat einge­ schlossen war. herauszufinden. warum das Experiment nicht klappte.bestand darin. Plötzlich realisierte ich. wie ich zu meinem Zielort flog. als ich daran dachte.so erkannte ich . Ich dachte weiterhin in Begriffen wie Rich­ tung und Entfernung und ging entsprechend an die Aufgabe heran. kam aber zu meiner Enttäuschung nirgendwo an. dass es im Reich des Geistes keinerlei Grenzen gab. Jetzt war für mich ziemlich offensichtlich. elektrischen Widerständen und Kondensatoren. die lineare Zeit und der dreidimensionale Raum seien absolute und zwingende Dimensi­ onen der Wirklichkeit. Ich beschloss. dass ich durch die Grenzen von Zeit und Raum nicht gebunden war und mich im Raum-Zeit-Kontinuum frei und unbehindert bewegen konnte. Ich konnte nicht verstehen. Die richtige Methode . und Zeit und Raum willkürliche Konstrukte der Psyche waren. dass solche Raumreisen möglich sein mussten. der in der Wohnung meiner Eltern in einer Zim­ .

Die Uhr an der Straßenecke zeigte sechs Zeitstunden Differenz zu der Zeit in Baltimore. konnte ich mir dieses Detail in meinem Kopf selbst zusammengebastelt haben.). In meiner Vorstellungswelt war die Fernsehtechnik das einzige Medium. denn mir wurde klar: Dieses Experiment war ein symbolischer Witz. und die Situation war für mich ebenso real wie jede andere in meinem Leben auch.Versuchungen eines nicht lokalen Universums 289 merecke stand. änderte sich meine Erfahrung drama­ tisch.d. Obwohl ich damit den tatsächlichen Zeitunter­ schied zwischen den beiden Zonen vor Augen hatte. Nur in der Form konnte mein Verstand das akzeptieren. und ich spazierte in das Prager Wohnzimmer meiner Eltern.Ü. Natürlich stell­ te die Geschwindigkeit der dabei entstehenden elektromagne­ tischen Wellen für diese Form der Übermittlung eine Einschrän­ kung dar. Im selben Augenblick. dass ich in Bezug auf Raum. damit ich sie zum Hören und Sehen benutzen konnte. Nach einer Weile musste ich lachen. Da mein Verstand von dieser Zeitverschiebung wusste. Die Tür zum Schlafzimmer meiner Eltern stand halb offen. Dem menschlichen Denken und Bewusstsein jedoch waren selbst durch die Lichtgeschwindigkeit keine Grenzen aufer­ legt. An diesem Punkt spürte ich die Wirkung der Droge überhaupt nicht. wo dieses Ex­ periment stattfand. überzeugte mich das nicht als Beweis dafür. Ich legte mich im Wohnzimmer aufs Sofa. der mich humorvoll da­ raufhinweisen sollte. Ich bastelte am Lautsprecher und an der Bildröhre herum. Ich warf einen Blick hinein und sah die beiden in ihren Betten liegen und hörte sie atmen. dass mein Bewusstsein sämtliche Grenzen welcher Art auch immer zu überwinden vermochte. Zeit und Materie immer noch in meinen alten Überzeugungen befangen war. um über meine Erfahrung . dass meine Erfahrung real war. um Dinge an entfernten Orten erleben zu können. Anm. wo ich erkannte und glauben konnte. das keine Rück­ seite hat. Ich trat ans Wohnzimmerfenster und schaute hinaus. Der Fernseher stülpte sich nach außen wie ein dreidimensio­ nales Möbiusband (ein dreidimensionales Objekt.

zwischen zwei Realitäten festzu­ hängen. ob ich in meiner Sitzung in Baltimore eine astrale Projek­ tion auf Prag erlebte. der gerade geträumt hatte. der träum­ te. Ich brauchte weitere überzeugende Beweise.290 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und jenseits nachzudenken. stieg plötz­ lich eine überwältigende Welle von Angst in mir hoch. Mir fiel der chinesische Philosoph Chuang Tzu ein.ich würde ein Bild von der Wand nehmen und später meine . Ich war gefangen in einer tückischen Schleife. abgelehnt. ein illusorisches Produkt meines starken Wunschdenkens. wartete ich auf die Antwort der Behörden bezüglich meines gegen diese Ablehnung eingelegten Widerspruchs. Eine Zeitlang konnte er nicht sagen. was ich erlebte. Schließlich beschloss ich. um die Frage be­ antworten zu können. ob das.unfähig. die beide gleich überzeugend waren. in dem er ein Schmetterling gewesen war. dass es sich hier um dasselbe Sofa handelte. ob er ein Mensch war. wo mir das einfiel. Kurz davor hatten die tschechischen Autoritäten meinen Antrag auf eine Reise dorthin. meine realen histo­ rischen und geographischen Koordinaten bestimmen zu können. oder in Prag aus einer Sitzung zurückkam. meine Reise in die Vereinigten Staaten. Ich hätte nicht sagen können. im üblichen Sinne »objektiv real« war. die Zusammenarbeit mit dem Team in Baltimore und die psychedelische Sitzung dort ja nur eine visionäre Reise. Mir war klar. Als ich meine letzte Sitzung in Prag machte. Vielleicht waren die positive Antwort auf meinen Wider­ spruch. einen Test zu ma­ chen . auf dem ich vor meiner Abreise in die Vereinigten Staaten meine letzte psychedelische Sitzung erlebte. in einem raum-zeitlichen Teufelskreis . ein Schmetterling zu sein. in der ich eine Reise in die Vereinigten Staaten erlebt hatte. der aus einem Traum erwachte. In dem Augenblick. Mit großer Wucht und Überzeugungskraft kam mir ein alar­ mierender Gedanke: Vielleicht hatte ich ja die Tschechoslowakei nie verlassen und beendete gerade meine psychedelische Sitzung in Prag. wo man mir ein Stipendium angeboten hatte. ein Mensch zu sein. Lange hatte ich das Gefühl. oder ein Schmetterling.

Verzweifelt versuchte ich herauszufinden. Diesmal winkten eher die Verlockungen von Macht als die von Reichtum.Versuchungen eines nicht lokalen Universums 291 Eltern fragen. Konferenzen von mächtigen Politikern und den Vertretern von multinationalen Konzernen. schwarzer Magie. die Geld uns bieten kann. Ich sah Roulettekugeln mit schwindelerregender Schnelligkeit kreisen. zu verstehen.Monte Carlo. dass ich mich hier auf ein höchst riskantes und gefährliches Unternehmen einließ. Ich spürte die Verlockungen von Reichtum. als sei ich im Begriff. Plötzlich fühlte ich mich attackiert von bösen Mächten und bedrohlicher. Innenansichten von militärischen Kommandozentralen und den Denkfabriken der Spitzenwissenschaftler. warum es mir so ab­ grundtief gefährlich vorkam. doch waren sie ebenso verführe­ risch und berauschend. der so gewagt war. Der Gedanke an ihn verfolgte mich regelrecht. einen Schritt zu tun. die hinter dem Vorhang die Geschichte der Menschheit lenkten. internationale Gipfeltreffen von Staats­ oberhäuptern. Mir war. aber bevor ich den Rahmen berühren konnte. was da vor sich ging. Ich hielt inne und bemühte mich verzweifelt. dass ich damit meine Seele aufs Spiel setzte. Dann sah ich vor meinem inneren Auge Versammlungen von geheimen Organisationen. Gruppen von Bakkarat-Spielern beo­ bachteten die auf den Lottotafeln aufflackernden Zahlen und ver­ teilten fieberhaft ihre Karten. der Lido in Venedig. Luxus und der grenzenlosen Möglichkeiten. die Grenzen von Zeit und Raum zu überwinden. sah. ob zu diesem Zeitpunkt in ihrer Wohnung etwas Un­ gewöhnliches passiert sei. wie sich die Hebel der Spielautomaten hektisch auf und ab bewegten und Würfel auf den grünen Filzbe­ lag eines Spieltisches rollten. Und mit einem Mal stand mir mein eigenes Vorurteil . der seine Seele für grenzenlose Möglichkeiten verkauft. Dabei fiel mir Goethes Faust ein . Las Vegas. Reno. Ich streckte die Hand nach dem Bild aus. packte mich das alarmierende Gefühl. Bilder der berühmtesten Casinos der Welt blitzten vor meinen Augen auf .der Su­ cher.

äußerst verlockend. in die nächste Börse oder in die nächste Lottoannahmestelle gehen. und meine Welt wäre ein einziges Füll­ horn voll überquellender Möglichkeiten. die Zeit und Raum uns aufer­ legten. dass ich auch in Bezug auf das Ergebnis meines Tests höchst ambivalente Gefühle hatte. Plötzlich wusste ich genau. die unser Ego uns auf­ erlegt. gab es für mich keine Geheimnisse mehr. Doch meine Angst vor den ethischen Konse­ quenzen meiner spirituellen »Unreife« war nur ein Teil des Bildes. Ich müsste dann lediglich ins nächste Casino. in denen die Auto­ ren davor warnen. bevor wir die Grenzen überwunden haben. würden mir auch grenzenlose finanzielle Mittel zufließen und ich könnte alles erwerben. Es ging hier eindeutig um weit mehr als um ein isoliertes Experiment. mit übernatürlichen Kräften herumzuspielen. Ich erinnerte mich an spirituelle Schriften. Doch andererseits war klar. dass ich meinen Egoismus noch nicht überwunden hatte und dass ich den Verlockungen von Geld und Macht nicht widerstehen konnte. Die Bilder sollten mir zeigen. Die Versuchung. mich aus der Sklaverei von Zeit und Raum zu befreien. dass ein positives Ergebnis dieses Experiments weitreichende und schwere Konse­ quenzen haben würde. . Ich könnte dann den Gipfeltreffen politischer Führungskräf­ te lauschen und hätte Zugang zu hochgeheimen Entdeckungen. Wenn ich die Grenzen eroberte. dass Raum und Zeit willkürliche Phänomene waren. Zwar schien mir die Mög­ lichkeit. was mit Geld zu kaufen war.das war das eigentlich Gefährliche an dieser Situation. und spirituell gereift sind. mit dem ich den Beweis erbrachte. paranormale Fähigkeiten für meine per­ sönlichen Ziele zu nutzen und Missbrauch zu betreiben mit dem gerade entdeckten Potenzial . was sie damit meinten. wie ich es mir bislang nicht einmal erträumt hatte. Ich könnte das Weltgeschehen in einem Maße mitbestimmen. Wenn ich die Herrschaft über Zeit und Raum gewann. Ich hätte Zugang zu grenzenlosen Ressourcen. Mir wurde klar.292 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits absolut klar und deutlich vor Augen.

Ich sah mich außerstande. dass es möglich ist. würden ungültig werden. ausgelöst durch eine hochwirk­ same psychedelische Substanz. Und gleichzeitig ließ ich mir mit dieser Haltung die Möglichkeit offen. als ich unter diesen Umständen ertra­ gen konnte. dass die Wirklichkeit. auf die ich mich bislang verlassen und mit denen ich mich in dieser Welt zu Hause gefühlt hatte. wie ich sie kannte. Die Welt. unberechenbarer Gefahren von unvorstell­ baren Ausmaßen. Meine neue Welt wäre voll potenzieller. deren Gesetze mir fremd und unheimlich waren. würde in Folge dieses einen Experi­ ments mein ganzes Universum zusammenbrechen. Ich hatte keinerlei Zweifel . wer und wo ich wann war. die phy­ sische Umgebung über eine Entfernung von Tausende von Kilome­ tern hinweg zu manipulieren. schien mir erschreckender. und herumirren in einer total neuen. Im selben Augenblick. Zeit und Raum zu überwinden. beängstigenden Wirk­ lichkeit. was mich in einen Zustand äußerster metaphysischer Verwirrung stür­ zen würde. diese Episode als eine Phantasiereise zu betrachten. die Frage nach der Objektivität und Realität dieser Erfahrung offen zu lassen.Versuchungen eines nicht lokalen Universums 293 Wenn ich die Bestätigung erhielte. dass es mir tatsächlich möglich gewesen war. Es gäbe für mich keine Privatsphäre mehr. wie ich sie bislang kannte. dieses Experiment bis zum Ende durchzuführen. wo ich LSD genommen hatte. befand ich mich wieder in dem Zimmer in Baltimore. Alle Landkar­ ten. eine Illusion war. So konnte ich mit dem Gedanken spielen. Türen und Wände würden mich nicht mehr schützen. und beschloss. Nach wenigen Stunden war ich zu meinem normalen Be­ wusstseinszustand und damit in die vertraute »objektive Realität« der materiellen Welt zurückgekehrt. Die objektive Bestätigung der Tat­ sache. wo ich das Experiment aufgab. Und wenn ich diese Kräfte besaß. würde aufhören zu existieren. verfügten wahrscheinlich auch viele andere darüber. Ich würde nicht mehr wissen.

294 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits mehr daran. von Brahman. Jahr­ hundert hat die relativistische Quantenphysik diese Sicht der Wirklichkeit durch wichtige Beweise untermauert. dass ich mutiger wäre. In den uralten indischen Lehren heißt es. die phänomenale Welt sei leela. geschaffen von Absolutem Be­ wusstsein. der mit diesem Test verbunden war. Im 20. kann das ein unbe­ schreibliches metaphysisches Erschrecken auslösen und uns in pa­ nische Angst versetzen. dass sie erhalten bleibt. zu wissen. Ich habe mir nie verzie­ hen. dass ich die einzigartige und phantastische Möglichkeit. lässt mich bezweifeln. dass ich tatsächlich in die Vereinigten Staaten einge­ reist war und mich in Baltimore befand. . Mein Erlebnis mit dieser astralen Projektion nach Prag hat mir gezeigt. Die Erinnerung an den metaphy­ sischen Schrecken jedoch. Und sie betrachten unsere Wahrnehmung der materiellen Welt als kosmische Illusion oder maya. wie stark unsere Ver­ pflichtung auf diese Illusion ist und wie sehr wir uns emotional dafür engagieren. wer wir sind« verletzt. nicht wahrgenommen habe. wie tief verwurzelt unser Glaube an eine objektiv existie­ rende und voraussagbare materielle Welt ist. das Phänomen der astralen Projektion experimentell zu überprüfen. sollte ich in Zukunft noch einmal eine ähnliche Chance bekommen. das göttliche Spiel. Werden unsere Vorstel­ lungen vom Wesen der Realität plötzlich erschüttert und Alan Watts »Tabu.

Kanada nicht mehr frei hin und her reisen. Sai Baba und das Holotrope Atmen nde der 1960er-Jahre erlebte die (damalige) Tschechoslowakei eine Liberalisierungswelle. August des folgenden Jahres machte der militärische Einmarsch der Sowjets die Hoffnungen der tschechischen und slo­ wakischen Menschen auf Freiheit und Demokratie brutal zunichte. indem wir uns häufig schrieben und gelegentlich außerhalb der Tschechoslowakei zusammentrafen. ähnlichen Befreiungsbewegungen in Russland. Was für uns als legaler Besuch in den USA begann. Vorangegangen waren dieser Bewegung die zwanzig Jahre von Michail Gorbatschows »Perestroika« und »Glasnost«. Am 21. die 1968 im berühmten »Prager Frühling« gipfelte. die für die tschechischen Autoritäten illegal war. Führende tsche­ chische Politiker engagierten sich für ein bislang nie dagewesenes Experiment: Sie wollten den so genannten »Sozialismus mit menschlichem Antlitz« schaffen. wurde durch diese Umstände zu einer Immigration. die schließ­ lich zur Auflösung der Sowjetunion führten. E . 1967 konnten mein Bruder Paul und ich die Tschechoslowakei verlassen und auf dem nordameri­ kanischen Kontinent ein neues Leben beginnen: Paul in Kanada und ich in den Vereinigten Staaten. Paul und ich konnten jetzt zwischen der Tschechoslowakei und den Vereinigten Staaten bzw.Kanal sein für den Avatar 295 Kanal sein für den Avatar Meine Mutter. Wir blieben jedoch in Kontakt mit unseren Eltern.

die keinen produktiven Beitrag zur Gesellschaft leisteten. denn der Boden war überwachsen von wilden Rosen. Dieser Charakterzug meiner Mutter spielt für die Geschichte. Obwohl also meine Eltern eine Reiserlaubnis hatten. und mussten für sie keine Rente mehr zahlen oder für andere sozi­ ale Begünstigungen aufkommen. Unsere Eltern konnten also Paul und mich in Amerika besuchen und sich mit uns in Westeuropa treffen. konnten wir das Stück Land zwischen unserem Haus und dem Ozean in einen schönen Gemüsegarten um wandeln.296 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Da unsere Eltern beide Rentner waren. Das Gärtnern war für uns ein ständiger Kampf. Das war ziemlich harte Arbeit. Als Christina dann hier einzog. eine wichtige Rolle. da die Natur immer wieder versuchte. durften sie ins Ausland rei­ sen. Deshalb war es ihr immer ein großes Bedürfnis. anderen zu geben. die ich nun erzählen werde. indem sie auf andere Weise zu unserem Leben beisteuerte. Men­ schen im Land festzuhalten. um mit mir zu leben und zu arbeiten. das auf den Klippen stand und einen Ausblick auf den Pazifischen Ozean bot. sich erkenntlich zu zeigen. und es fiel ihr bei weitem leichter. konnten sie keine harte Währung kaufen. Das kommunistische Regime hatte kein Interesse daran. sich dieses Land zurückzuerobern. die ich dort hielt. ein bezau­ berndes Haus zu Verfügung. Sie waren bei ihren Auslandsauf­ enthalten völlig auf unsere finanzielle Unterstützung angewiesen.wie bereits in diesem Buch erwähnt . Pflanzen mit Stacheln und Dornen und der tückischen Gifteiche. denn dann konnten sie deren Wohnungen konfiszieren. Disteln und Ginster. brachte meine Mutter je­ doch in emotionale Konflikte. wenn wir dort reisten. Das war für Paul und mich ein Leichtes.für eine bestimmte Anzahl von Workshops. die in der kommunistischen Welt Mangelware waren. stellte mir das Esalen-Institut . Sie war ein äußerst großzügiger Mensch. als selbst etwas anzunehmen. . Als ich 1973 nach Big Sur in Kalifornien zog. Tatsächlich legten sie diesen Bürgern sogar eine Ausreise nahe.

Meine Mutter war ebenfalls Neuling auf diesem Gebiet und besaß nicht das notwendige Wissen.. befand sie sich tagelang in einem solch kritischen körperlichen Zustand. der uns das Leben im Paradies zur reinsten Hölle machen konnte. dass sie auf den ganzen Körper übergreift. die mit dem Harz der Blätter und Äste der Gifteiche in Berührung kommen. was sie für nutzloses Unkraut hielt. erzählen vom Horrorerlebnis zweier naiver und argloser Touristen an der Ostküste . dass sie intensive Visionen hatte. bis diese Beschwerden wieder abklingen. Meine Mutter litt an zahlreichen Allergien. Die meisten Menschen. deren nässende Pusteln einen qualvollen Juckreiz auslösen.entschlossen. kann dies Lungenödeme ver­ ursachen. denen bei ihrer Reise durch Kalifornien das Toilettenpapier ausging und die für diese Zwecke zu den Blättern der Gifteiche griffen . und ihre Reaktion auf den Kontakt mit der Gifteiche war grauenhaft. Alle. entdeckte sie schnell. um sich vor diesem Gewächs zu schützen. kannten die Gifteiche gut. Atmet man Rauch von brennenden Ästen der Gifteiche ein. Ohne sich mit uns abzusprechen. In ihrer anfänglichen Unwissenheit lernten viele von uns die verheerende Wirkung der Gifteiche durch schmerzhafte Erfah­ rung am eigenen Leib kennen.. unseren Garten und seine unmittelbare Umgebung von allem zu befreien. die noch die Tradition der mündlichen Geschichten-Überlieferung aus der Gegend von Big Sur pflegen. die in Big Sur lebten. Ihr ganzer Körper war mit rotem Hautausschlag und nässenden Pusteln bedeckt. Meistens dauert es drei bis vier Wochen. der Juckreiz unvorstellbar qualvoll.Vater und Sohn -. reagieren mit Hautausschlägen. Nachdem sie mit dem Gewächs in Berührung gekommen war. den botanischen Quäl­ geist. Alte Menschen. stürzte sie sich auf dieses Projekt . . dass unsere kleine Pflanzung über dem Pazifik eine energische Gärtnerhand brauchte.Kanal sein für den Avatar 297 Als uns meine Mutter nach dem Tod meines Vaters zum ersten Mal allein in Big Sur besuchte. In schweren Fällen ist die Wirkung so heftig.

Durch meine intensive Arbeit mit Krebspatienten im Endstadium und meine Kenntnisse der Literatur über Thanatologie war mir sehr bewusst. Sie befand sich in einem geradezu ekstatischen Zustand. und ihre Augen strahlten. dass meine Mutter er­ lebte. Stundenlang saß ich am Bett meiner Mutter. zu ihm ins Jenseits zu kommen. sagte sie begeistert. die ich von mei­ nen Beobachtungen am Sterbebett von Menschen kannte (siehe auch Seite 229). wie er. Zufällig hatte ich mehrere Ampullen Kortison im Haus. sich auf die große Veranda vor unserem Haus zu setzen und sich von dort aus den Sonnenaufgang über der Ventana-Wildnis anzuschauen und die Aussicht auf den Pazifischen Ozean zu genießen. und alle Farben leuchten. in europäischen Städten vor der Benutzung von Taxis als Trans­ portmittel üblich war.298 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Mitten in der Nacht kamen tote Verwandte zu ihr zu Besuch . Auch mein toter Vater erschien ihr. der nächsten Möglichkeit zur ärztlichen Behandlung. dass die Erscheinungen meiner Mutter den Visionen von »Empfangskomitees« ähnelten. »Stan. Er traf in einem altmodischen Fiaker ein. und beschloss. Bei Tagesanbruch be­ schloss sie. du wohnst an einem unglaub­ lichen Ort!«.ihre Eltern und ihr Bruder. und meine Sorge um sie wuchs. was ich bei meiner Arbeit mit psychedelischen Substanzen und in jüngster Zeit in holotropen Atemsitzungen Hunderte von Malen beobachtet hatte . ein wirkungsvolles Mittel gegen die Gifteiche. ihr dieses Medikament intramuskulär als letzte Hilfsmaßnahme zu verabreichen. wie sich das Licht auf den Wellen spiegelt!« Dies waren eindeutige Anzeichen dafür. Innerhalb einer Stunde verbesserte sich jedoch der Zustand meiner Mutter wie durch Magie. Er trug einen Smoking und einen Zylinder­ hut und wollte sie überreden. »Die Luft hier ist so klar. von zwei Pferden gezogen. Hast du schon mal das Funkeln in den Ästen die­ ser Pinien bemerkt? Und schau.eine tiefe spirituelle Wiedergeburt! . Sie gewann ihre körperlichen Kräfte zurück und wurde klarer im Kopf. bevor wir die Fahrt zum Carmel-Hospital antraten.

In Indien gilt Sathya Sai Baba als Inkarnation von Sai Baba aus Shiridi in Maharashtra. Wir hatten Gelegenheit. der ein berühmter indischer Heiliger war. in der das Göttliche sich in menschlicher Gestalt inkar­ niert hat. was offensichtlich Siddhis in Aktion waren: Mit raschen Armbewegungen produzierte Sai Baba große Mengen Süßigkeiten. Er steht auch in dem Ruf. an mehreren Orten gleichzeitig erscheinen zu können. Er ist in der ganzen Welt bekannt für seine Siddhis. Und das alles in einem Gewand mit kurzen Ar­ . Din­ ge zu materialisieren . welche Erfahrungen sie in der kritischen Nacht machte. Dazu gehört auch die Fähigkeit. Viele Menschen glauben. er sei der Avatar der moder­ nen Zeit. womit er seinen Anhängern die Stirn einrieb. nachdem ich ihr eine Kortisonspritze gegeben hatte: Kurz nach der Injektion hatte sie eine eindringliche Vision von einem indischen Heiligen. Er griff in ihren Körper und voll­ brachte eine Wunderheilung. begegneten Christina und ich Sai Baba persönlich in Puttaparthi. und Hände voll von visuddhi. dass sein Eingriff für ihren körperlichen und emotionalen Zustand die entscheidende Wende brachte. roten Robe erkannte sie ihn unschwer als Sathya Sai Baba. aus nächster Nähe mitzuerleben. das heißt über­ natürliche Taten. die er an die anwesenden Kinder ver­ teilte. um den Verlauf des Weltgeschehens zu beeinflussen. dass Sai Baba und nicht das Kortison sie von der Schwelle zum Tod zurückgeholt hatte. Unser einwöchiger Aufenthalt dort fiel in die Weihnachtsferien und damit in die Zeit. Als wir 1980 durch Indien reisten. in denen sich die Macht seines Geistes über die materielle Welt manifestiert. An sei­ nem üppigen Haar und der langen. Sie war fest davon überzeugt.Kanal sein für den Avatar 299 Am folgenden Tag erzählte uns meine Mutter ausführlich. in der Sai Baba sich vor allem westlichen Menschen zuwendet. wo er in einem palastähn­ lichen Wohnsitz residiert. die visuddhi heißt. Sie hatte keinerlei Zweifel daran.von Goldringen und kleinen Götterfiguren bis hin zu großen Mengen heiliger Asche. eine der seltenen Erscheinungen in der menschlichen Ge­ schichte.

-Regierung tätig gewesen. Sri Aurobindo. Rabindranath Tagore und andere spirituelle Lehrer gelesen. Al kehrte als glühender Anhänger von Sai Baba nach Kalifornien zurück und verbreitete entschlossen seine Botschaft. Ende der 1960er-Jahre begleitete ich sie auf ihre Bitte hin bei drei LSDSitzungen mit hoher Dosierung. Als er von Sai Baba hörte. die indische Staatsbürgerschaft an­ nahm und Sai Babas »rechte Hand« wurde. weiter für das Militär zu arbeiten. was die Asche betraf. der die indische Philosophie im Westen bekannt gemacht hatte.300 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits mein. um ihn anschließend in einen goldenen zu verwandeln. Das Wissen meiner Mutter über Sai Baba stammte von Al Dru­ cker. in dem heimliche Zaubertricks schwierig waren . die es ihm aus ethischen Gründen versagte. Akupunkteur und Seminarleiter in Esalen arbeitete.S. ob die Behauptung stimmte. gab er seinen Beruf auf und kam nach Esalen. dass er später nach Indien zog. Sie gehörte zu einer Gruppe tsche­ chischer Anhänger von Paul Brunton.vor allem. und zwar als Experte für das Berechnen von Raketenflugbahnen. Das Interesse meiner Mutter an östlicher Religion und Philoso­ phie bestand schon längere Zeit. einem britischen Philo­ sophen und Autor. dieser Mann könne Dinge materialisieren. der unter anderem vor seinen Augen einen silbernen Ring materialisierte. Er erzählte ihr viel über Sai Baba und lieh ihr Bücher von ihm. die sich für sie als sehr tiefe. denn als Physiker faszi­ nierte Al dieses Phänomen. Er selbst fühlte sich Sai Baba so stark verbunden. Al war früher als Mathematiker und Physiker für die U. Sie hatte auch Sri Ramana Maharshi. Aufgrund einer tiefen spiritu­ ellen Erfahrung. einem breiten Spektrum an psychologischen . Sie weckten bei ihr auch das Interesse an Tiefenpsychologie. selbst nach Putta­ parthi zu fahren und sich anzuschauen. beschloss er. Meine Mutter und Al freundeten sich an. Tatsächlich wurde er bei seinem Besuch in Puttaparthi persön­ lich Zeuge vieler außergewöhnlicher Taten von Sai Baba. spiri­ tuelle Erfahrungen erwiesen. der zu jener Zeit als Rolfer.

dass sie diese Arbeit liebte. schrieben wir uns regelmäßig.sowohl eige­ ne als auch in der Rolle der »Begleiterin« für andere Menschen. zu denen ich sie einlud. weiterzumachen. Wissenschaftler des neuen Paradigmas und transpersonale Psycho­ logen einluden. entschied sie. Doch ihre Briefe wurden immer trauriger und pessimis­ tischer. und schon bald gehörten zu dem . mit einigen Freunden und Be­ kannten. Durch erste Erfolge bei diesem Pionierunternehmen ermutigt. die dort gehalten wurden. Sie schrieb mir. wie ihr Freundeskreis nach dem Tod meines Vaters erbarmungslos zusammenschrumpfte . Ich bekam viele Berichte über die Krankheiten und Ope­ rationen von Verwandten und Bekannten . das Holotrope Atmen auszuprobieren. Dann änderte sich der Tonfall ihrer Briefe plötzlich. Meine Workshops in Skandinavien und der Schweiz. Sie schilderte mir. Arthritis und Rückenoperationen. die ein wichtiger Bestandteil unseres Programms waren. eine unvermeidliche Ent­ wicklung. Ich wusste zwar. waren für sie weitere Gelegen­ heiten. Wäh­ rend ihres Aufenthalts in Esalen nahm sie an unseren einmonatigen Workshops teil. dass sie beschlossen habe.bei einem Menschen. Sie hatte große Freude an den theoretischen Vorträgen. zu denen wir als Gastdozenten spirituelle Lehrer.Kanal sein für den Avatar 301 Methoden zur Erforschung der unbewussten Motive für mensch­ liches Handeln und zur Behandlung emotionaler Störungen. Hin und wieder enthielten die Briefe meiner Mutter Todesanzeigen. Die Neuig­ keiten über die holotrope Atemarbeit verbreiteten sich in ihrem Umfeld durch Mundpropaganda. wohin dieses Interesse sie führen würde. mit der Atemarbeit Erfahrungen zu machen . Als meine Mutter nach Prag zurückgekehrt war.Schlaganfälle. darunter auch frühere Patienten von mir. besonders fasziniert war sie jedoch von den holotropen Atemsitzungen. der auf die Achtzig zugeht. Herzan­ fälle. die das Hinscheiden wei­ terer Nachbarn und Bekannter verkündeten. hatte aber zu der Zeit kei­ ne Ahnung.

am psychiatrischen Fachbereich der Karls-Universität für Medizin in meiner alten Alma Mater einen Vortrag und ein Seminar über das Holotrope Atmen zu halten. Stattdessen erzählte sie mir jetzt von den Erlebnissen. Elan und große Lebensfreude. mit dieser neu­ en Methode Erfahrungen zu machen und sie selbst zu lernen. die sie in den holotropen Atemsitzungen be­ obachtete.302 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits wachsenden Kreis der Klienten meiner Mutter auch junge Psychia­ ter und Psychologinnen. Einmal schrieb sie mir stolz. die am Seminar teilnahmen. der unter der Leitung meine Mutter stattfand. Sie holte sich in ihren Briefen auch praktischen Rat für bestimmte Situationen. sie hätten vor mehreren Wochen einen ähnlichen Workshop in der Slowakei besucht. Bei dieser Ge­ legenheit lud man mich ein. . Geburtstag feierte. hatte sich die Situation in Tschechien so weit geändert. weil sie es monoton und langweilig fand. Dieses Seminar über Holotropes Atmen mit anschließender theoretischer Diskussion sei speziell für slowakische Psychiater und Psychologen gewesen. Als meine Mutter ihren 85. Sie erzählten mir. die erpicht darauf waren. als hätte sie ein neues Leben angefangen. neue Daseinsberechtigung. immer dieselben Stücke zu spielen. Es war ganz deutlich. Plötzlich empfand sie eine inten­ sive. dass sie sich in der Welt jetzt so radikal anders bewegte. dass in ihrer Gruppe jetzt vierzig (meist junge) Menschen seien. dass ich nach Prag reisen und diesen besonderen Tag mit ihr begehen konnte. die ihr bei der holotropen Atemar­ beit begegneten. meinen Ohren nicht zu trauen: Bevor sie meinen Vater kennengelernt und geheiratet hatte. Die Berichte über Altern. Ich glaubte. Doch trotz ihres großen Talents und ihrer technischen Brillanz trat sie nicht gern öffentlich auf und litt unter Lampenfieber. Zwei der Psychiater. Ständig fragte sie mich nach neuer Musik für die Sit­ zungen. war meine Mutter eine begabte und erfolgreiche Konzertpianistin gewesen. reisten extra aus der Slowakei an. Die Vorstellung. Krankheiten und Tod verschwanden aus den Briefen meiner Mutter. dass sie für Psychiater und Psychologen ein Fachseminar abhielt.

sagte meine Mutter etwas kleinlaut. antwortete meine Mutter und schwieg eine ganze Weile.Kanal sein für den Avatar 303 ohne eine entsprechende Ausbildung zu haben. bei der du Fragen beantwortet hast. Offenbar wollte sie noch etwas sagen und suchte nach den passenden Worten. Schweigend saß ich ihr in meinem Sessel gegenüber und wartete geduldig. sobald wir mit dem Essen fertig waren. »Es hat ihnen of­ fensichtlich gefallen. Wie lief denn das für dich? Waren darunter auch schwierige methodische Fragen?«.« »Die slowakischen Kollegen. Aber dann war die Antwort plötzlich da. die in meinem Workshop in der psychiatrischen Klinik waren. dass wir nur voll ausgebildeten Begleitern mit Zer­ tifikat erlauben. »Wenn ich es richtig verstanden habe. wer denn sonst?« »Er«. fragte ich höchst erstaunt. sagte sie schließlich schuldbewusst. »Sai Baba!« . sie kam nicht von mir. »Wunderbar«. so ganz stimmt das auch nicht«. wovon sie sprachen. der erlebnisorientierte Workshop sei ein großer Erfolg gewesen. »Das war keine große Sache«. sagten mir. du hättest die Antworten nicht selbst gegeben?«. bohrte ich weiter.« »Du glaubst. um wahr zu sein! Aber meine slowakischen Kollegen versi­ cherten mir. fragte ich. war zu phantas­ tisch. vielleicht weil sie wusste. der keinen Raum für Zweifel ließ. »Wenn nicht du. und meine Mutter habe bei der anschließenden Diskussi­ on sämtliche theoretischen und praktischen Fragen zur Zufrieden­ heit aller Anwesenden beantwortet. sagte meine Mutter in einem Tonfall. hast du kürzlich für slowakische Psychiater und Psychologen einen Workshop für Atemarbeit geleitet. im Anschluss an das Se­ minar habe es noch eine Diskussion gegeben. ehrlich gesagt. Wie lief es denn?«. Ich glaube aber. Ich war ziemlich verblüfft und brachte noch am selben Abend nach dem Essen mit meiner Mutter das slowakische Seminar zur Sprache. öffentliche Workshops zu leiten. »Ei­ gentlich hatte ich oft keine Ahnung. »Na.

wartete meine Mutter ein paar Sekun­ den und bekam dann Anweisungen von Ebenen. Das Seminar in der Slowakei war nur eine von vielen ähnlichen Situationen. indem sie einfach eine Hand auf ihren Körper legte und ein paar Worte in Tschechisch zu ihr sprach. Das Gleiche passierte regelmäßig bei der Körperarbeit in den Atemsitzungen. Es war eine der größten Gruppen.304 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Seit Sai Baba ihr in Big Sur erschienen sei. Musste bei den Teilneh­ mern körperlich interveniert werden. die wir je leiteten. eine junge russische Gynäkologin. ihr Körper zuckte. Eine der Teilnehmerinnen. Das war 1992. setzte sie diese dann bei der Körperarbeit um . an einen schwierigen Punkt. spüre sie in ihrem Alltag oft seine Gegenwart. Ihre Interventionen waren für die Beteiligten oft ungewöhnlich und überraschend. Sie war extrem aktiv. mit denen sie normalerweise nicht in Kontakt war. Mein Bruder Paul hatte einmal Gelegenheit mitzuerleben. und sie trat mit den Füßen in alle Richtungen. welch ausgezeichnete Begleiterin unsere Mutter bei den Atemsitzungen war. die die rus­ sische Ärztin gar nicht verstand. auf dem Boden liegen zu bleiben. .und war damit meistens und zur großen Zufriedenheit der Gruppenteilnehmer erfolgreich. als wir vor dem Treffen der »International Transpersonal Association« (ITA) in Prag einen Workshop für Holotropes Atmen gaben. damit sie ihre Erfahrungen besser verarbeiten konnten. so erzählte sie weiter. vor allem beim Ho­ lotropen Atmen. Ohne zu zögern. ein kräftiger Mann und ausgebildeter Psychi­ ater. mit 330 Teilnehmenden aus 36 ver­ schiedenen Ländern der Welt und 35 Begleiterinnen und Beglei­ tern . drehte und wendete sich. Als Mutter. zu dieser Zeit 85 Jahre alt. war in der Sitzung kaum zu bändi­ gen und brachte sich körperlich in Gefahr.darunter auch Paul und meine Mutter. kam sie zu den beiden und beru­ higte die junge Frau. das sah. schnellte vom Boden hoch. und er konn­ te sie selbst durch Einsatz seines gesamten Körpergewichts nicht dazu bringen. Dabei kam Paul. Auf Pauls Vorschläge in fließendem Russisch reagierte sie nicht.

Sie ist für mich immer noch ein großes Vorbild dafür. liebten sie. weise alte Frau. für das sie eine ihrer Spezialitäten. die meine Mutter in Prag gegründet hatte. eine Süßspeise. zubereitet hatte.ein paar Tage. .Kanal sein für den Avatar 305 Die Menschen in der Gruppe. Später. nachdem sie ihre letzte Sitzung in Atemarbeit gegeben hatte. und etwa eine Stunde. absolvierten zwölf Mitglieder ihrer Gruppe in den Vereinigten Staaten und Europa das gesamte Trai­ ning und machten ihr Zertifikat als offizielle Begleiter für Sitzungen in Holotropem Atmen. zum Kaffee­ trinken eingeladen hatte. nach dem Sturz des kommunistischen Regimes. nachdem sie zwei Freunde. vielleicht sogar eine archetypische. wie ein Mensch in Würde und Anmut altert und sein Leben dem Dienst an anderen widmet. Sie war für sie wie eine Mutter. Meine Mutter starb plötzlich . einen Arzt und seine Frau.

Vorträge über Buddhismus hielt. Vipassana-Lehrer und buddhistischer Mönch. Lama Govinda wohnte mit seiner Frau Li während zwei der sechs Wochen in Esalen und hielt in dieser Zeit täglich einen Vortrag über tibetischen Buddhismus. gibt es kein Problem Meisterstücke des koreanischen Schwertkünstlers Psychologie« in Esalen wies eine Starbesetzung und ein be­ merkenswertes Programm auf.eine Phase intensiver Meditation. persönliche Darshans gab und ein neuntägiges Sesshin leitete . Die Co-Leitung hatte Jack Kornfield. den koreanischen Zen-Meister Seung Sahn Nim und Kobun Chino. Reb Anderson. und Joseph Campbell gab der Gruppe mit einer Reihe von Bildvorträgen eine Einführung in die buddhistische My­ thologie. Der Religionswissenschaftler und Philosoph Huston Smith sprach über Buddhismus. Eine weitere Attraktion war die Mitwirkung der tibetisch-buddhistischen. spirituellen Lehrer Chögyam Trungpa.306 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Wenn alles eins ist. der den Teilnehmern die Grundlagen der Einsichtsmeditation vermittelte. Der Zen-Buddhismus war vertreten durch den Abt des ZenZentrums von San Francisco. welche zum festen Bestandteil dieser sechs Wochen zählte. ein enger Freund von uns. der die Zen-Kunst U nser sechswöchiger Workshop »Buddhismus und westliche . Psychologe. Tarthang Tulku und Sogyal Rinpoche.

Am meisten Aufmerk­ samkeit erregte jedoch in unserer Gruppe und bei der restlichen Esalen-Gemeinschaft Kwan Ja Nim. Kwan Ja Nim begann seine Vorführung mit einem Schaukampf.. und wir sahen. Dann zog einer der Schüler. wie gut der Schwertmeister seine prächtige Waffe beherrschte. und platzierte den zweiten auf die gleiche Weise zu dessen Fü­ . am Kopf des anderen Schülers ab. das er zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger seiner linken Hand hielt. Dann legte er auf den Bauch seines polnischen Schülers eine Serviette sowie einen Apfel und schnitt die Frucht mit einem raschen Schwerthieb durch. Der Apfel zerfiel in zwei Hälften. und seine Vorführung versprach so Außergewöhnliches. geschmückt mit schönen Gravuren.Wenn alles eins ist. drei große Wassermelonen und einen Beutel aus dickem schwarzem Samt herbei. Kwan Ja Nim demonstrierte uns die Schärfe des Schwertes. Er kam mit Seung Sahn Nim und in Be­ gleitung von zwei Schülern nach Esalen. gibt es kein Problem 307 des Bogenschießens vorführte. dass das Schwert auf der Serviette eine kleine Kerbe hinterlassen hatte. dass wir beschlossen. mit einer Wassermelone bestückt. Einen Stuhl stellte er.. beeindruckt davon. bei dem er und seine beiden Schüler zunächst mit Schwertern und danach mit langen Stäben kämpften. Sie fand auf der großen ovalen Rasenfläche vor dem Büro von Esalen statt. ein koreanischer Kampfkünst­ ler und Schwertmeister. sondern auch öffentlich zugänglich zu machen. sein Hemd aus und legte sich auf den Rasen. indem er ein Haar durchschnitt. sie nicht nur der Gruppe. Wir hatten bereits von seinen erstaunlichen Fähigkeiten gehört. beruhigt euch wieder .. Die Menge johlte und klatschte. ein schlaksiger junger Mann aus Polen. Der taoistische Lehrer Chungliang Al Huang gab den Workshopteilnehmern eine Einführung in Tai Chi Chuan und chinesischer Kalligraphie. wartet!« Jetzt trug der kleinere Schüler zwei Stühle. Kwan Ja Nim dämpfte die Begeisterung der Gruppe: »Das war nur zum Aufwärmen .. Der andere Schüler brachte ein großes Schwert.

Inzwischen schritt Kwan Ja Nim die Menschenreihe ab. Ein . in zwei Hälften. Kwan Ja Nim gab einen gräss­ lichen Kriegsschrei von sich. schwarzer Samt. Wie bereits bei der Apfelvorführung zeigte die Ser­ viette auch jetzt nur eine leichte. Sein Schwert in der rechten Hand dicht vor dem Körper haltend. Die Zuschauer beobachteten ihn gespannt und wagten kaum zu atmen. und ließ seine Zuschauer den schwarzen Beutel aus Samt sehen und betasten. machten den Stoff völlig blickdicht. die sich am Rasenrand eingefunden hatte.308 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits ßen. der vertrauensvoll dalag. Vor ihm angekommen. Er nahm die formale Haltung eines Kriegers ein. Die Melone fiel in zwei Hälften zu beiden Seiten des Körpers auf den Rasen. Zwei Lagen dicker. Dann kappte Kwan Ja Nim die Enden der beiden Wassermelonen auf den Stühlen und brachte sie in eine stabile. Mit einem wei­ teren mächtigen Hieb spaltete er anschließend die dritte Melone auf dem Bauch des Schülers. die am Kopf und zu Füßen seines Schülers standen. nahm er den Griff des Schwertes in beide Hände und hieb mit verbundenen Augen die Wassermelonen auf den Stühlen. zog sich den schwarzen Beutel über den Kopf und be­ festigte ihn mit Hilfe der in die Öffnung eingenähten Schnur um seinen Hals. griff sein Schwert mit der rechten Hand und hielt es aufrecht vor sich. welch prächtige Waffe Kwan Ja Nims Schwert war und was es anzurichten vermochte. So blieb er minutenlang regungslos und absolut still stehen. Wir alle hatten gesehen. Plötzlich begannen zu ein und demselben Zeitpunkt sämt­ liche Hunde von Esalen zu jaulen. der uns alle in Alarm­ bereitschaft versetzte. Die dritte Wassermelone unterlegte er mit einer Serviette und drapierte sie auf dem Bauch des jungen Mannes. Nach diesen Vorbereitungen entfernte er sich etwa fünf Meter von seinem polnischen Schüler. vertikale Position. der auf dem Rasen lag. Die Menge raste und johlte. benutzte er seine linke Hand als Drehachse und ruderte auf seinen Schüler zu. kaum sichtbare Kerbe. so wurde dabei deutlich. der sich mit dem winselnden Chor der Hunde zu einem Missklang vermischte.

»Meditiert einfach und wartet. Das außer­ ordentliche Meisterstück. das Schwert. Kwan Jan Nim reagierte mit einem herzhaften. An den außergewöhnlichen Dingen. wird deutlich. bis alles eins ist .übernatürliche Kräfte entwickeln. Jene. »Konnten Sie Ihre Umgebung mit verbundenen Augen sehen.« In östlichen spirituellen Schriften heißt es. wo nur die geringste Abweichung schwere Verletzungen oder sogar den Tod seines Schülers zur Folge hätte haben können. gelangten zu der Überzeugung. Alle wollten wissen. die Melone und der Schüler dann gibt es kein Problem. gehörte seine Kunst mit Sicherheit in diese Kategorie. So präzise und sicher. dass der Geist imstande ist. die diese Menschen vollbringen können. die Kwan Ja Nim ohne Hilfe der Augen bewältigte. wie Kwan Ja Nim mit verbundenen Augen sein Schwert führte. gibt es kein Problem 309 winziger Fehler. gesunden Lachen.Tantra-Meister . hätten eine tödliche Verletzung zur Folge haben können. weil Sie außersinnliche Fähigkeiten haben?« »Haben Sie sich ein dreidimensionales Bild der gesamten Szene eingeprägt und sich ständig bewusst gemacht?« Die Men­ schen bombardierten ihn mit Fragen. die siddhis heißen. grenzte an ein Wunder! Kwan Ja Nim zog sich den Beutel vom Kopf und erbot sich. . die Materie zu beherrschen.Wenn alles eins ist. wie er sein Schwert­ kunststück zustande gebracht hatte. die Kwan Ja Nims Vorführung in Esalen miterlebten. eine minimale Abweichung auf der fünf Meter lan­ gen Strecke. sondern das Ergebnis einer langen. sagte er mit einer wegwerfenden Geste. das wir da zu sehen bekommen hatten. dass sein Meisterstück nicht auf gewöhnlichem Wege zu erreichen war. dass fortgeschrittene Yogis und vor allem Siddhas . schwie­ rigen Schulung sein musste. Fragen zu beantworten.der Schwertmeister. »Nein«.

einem jahrhundertealten Stück Leinen. die Kraft besitzt. die er im Laufe der Jahre aufgesogen hat. dass der Schwarze Stein. des höchsten Heiligtums und Pilger­ schreins des Islam bestehen. Zubehör für Ritua­ le. indem er sie in sich aufnimmt. denen man außergewöhnliche Kräfte zuschreibt . religiösen Traditionen.besondere Eigen­ schaften. Waffen. Amulette. Der Schwarze Stein. anthroposo­ phischer Literatur und in der Weltmythologie finden wir zahl­ reiche Hinweise auf unterschiedlichste. Viele Muslime glauben. Ringe. An den Gräbern der Märtyrer sollen »Blinde und Krüppel ihre Gesundheit wiedererlangen.Steine oder Fossilien. sei früher einmal von blendend weißer Farbe gewesen und habe sich durch die vielen Sünden. Laut Hindu-Tradition zum Beispiel haben die salagram . sie könnten Wunder vollbringen. Tote wieder zum I . deren natürliche Form wichtigen tantrischen Sym­ bolen gleicht oder entsprechende Bilder enthält . so heißt es.310 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Ein seltsames Vermächtnis der alten Mayas Das Mysterium des Kristallschädels n schamanistischen Sagen. Betende von ihren Sünden zu befreien. Im Christentum sagt man von den Reliquien der Heiligen wie den weinenden oder blutenden Statuen der Jungfrau Maria so­ wie dem Leichentuch von Turin.Fetische. Kristalle oder Steine und Pflanzen. sowohl von Menschen her­ gestellte als auch natürliche magische Gegenstände. aus dem die Ecksteine der Kaaba. das den Abdruck eines Gekreuzigten zeigt -. schwarz gefärbt.

Obsidian. den ich Anfang der 1970er-Jahre am Esalen-Institut hielt. brachte ihm jedoch. falls er ihn verlor. von denen viele aus prähistorischen Zeiten stammen. Laut Legende verlieh der »Schicksalsspeer« . Die seltenen Exemplare. auch die bemerkens­ werten Wirkungen beschrieben werden. außergewöhnliche Bewusstseinszustände erlebt. Onyx. die sie verraten. Bei einem Workshop. Es gibt sie in ganz verschiedenen Größen und aus unterschiedlichen Materialien . die Gaius Cassius Longinus angeblich dem gekreu­ zigten Jesus in den Körper stieß . Es handelte sich hier um die per­ fekte Nachbildung eines menschlichen Schädels. in denen neben den unvergleichlichen künstlerischen Fähigkeiten. Türkis. Für die Azteken und Mayas hat der menschliche Schädel eine große symbolische Bedeutung und ist deshalb in der präspanischen Kunst von Mittelamerika ein verbreitetes Motiv. Rubin. haben dabei besondere Aufmerksamkeit erregt. Lapis. Saphir. das nach dem britischen Lord E A. Gold. die aus einem einzigen Stück natürlichem Quarzkristall gefertigt ist. leicht trübe Bereiche oder andere Unreinheiten im . die in Lebensgröße aus Quarzkristall hergestellt wur­ den. Weitere Beispiele für mythologische Gegenstände mit übernatürlichen Kräften sind König Artus’ Schwert Excalibur und der Heilige Gral.Silber.Ein seltsames Vermächtnis der alten Mayas 311 Leben erweckt und Menschen. Malachit. Bronze. einem außergewöhnlichen Kunstwerk aus der Tradition der Mayas. Wer den Schädel eine Weile beobachtete und sich dabei auf die mil­ chigen Stellen. Topas und Quarzkristall. die Welt zu erobern. Angeblich haben dabei viele Menschen in Gegenwart dieses mysteriösen Kunst­ werks tiefe. die sie auf Menschen ha­ ben können. Archäologen ha­ ben zahlreiche Nachbildungen von menschlichen Schädeln ausge­ graben. den sofor­ tigen Tod.seinem Besitzer die Macht.die Waffe. die davon besessen sind. Mitchell-Hedges und seiner Ad­ optivtochter Anna benannt ist. erfuhr ich vom Mitchell-Hedges-Schädel. der Teufel ausgetrieben werden«. Sie sind The­ ma vieler Bücher und Texte.

Sie leiteten von unten Licht in die Augenhöhlen und endeten in zwei Mini­ aturlinsen. In den 1970er-Jahren zog er die Aufmerk­ samkeit vieler Wissenschaftler. und die Au­ genhöhlen leuchteten rot. Angst einjagten.312 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Inneren des Kristalls konzentrierte. Die beiden Höcker am unteren Schädelrand. Menschen. die weit über seine Oberfläche hinausreichte und sogar beweglich war und ihre Größe veränderte. Diese Menschen hatten Visionen von komplexen historischen Ereignissen oder begegneten verschiedenen mythologischen We­ sen. die man diesem Objekt zuschrieb. denen die merkwürdigen Wirkungen. starken Energien. Journalisten und anderer Autoren . In seltenen Augenblicken soll der Totenkopf auch von einer weißglühenden Aura umgeben gewesen sein. begleitet von kriyas . Weitere Erlebnisse tischem Entzücken. was oft heftige Emotionen auslöste. Zu den berichteten Wirkungen gehörte auch das Erwachen der Kundalini. Vibrationen und Wahr­ nehmungsverzerrungen. Bei richtiger Beleuchtung glühte der Schädel blassgrün. sein Alter. Der Schädel wies darüber hinaus einige bemerkenswerte op­ tische Besonderheiten auf: Die Jochbeine des Gesichts dienten als »Lichtröhren«. fiel in Trance und erstarrte oder geriet in große Erregung. die das Licht bündelten und ins Innere des Schädels warfen. Manche dieser Menschen landeten schließlich tatsächlich in der Psychiatrie. nannten ihn den »Schädel des Verhängnisses«. Eine Aura des Mysteriösen umgab den Schädel und inspirierte viele Menschen zu Spekulationen über seinen Ursprung. hatten die Form von kleinen Pyramiden.ganzen Wellen von unmotivierten Emotionen sowie unwillkürlichen Tönen. die von ekstatischem Ent­ zücken bis hin zu großem Entsetzen reichten. ähnlich wie moderne Lichtleitfasern. seine Herstellung und seine bemerkenswerten Wirkungen auf die menschliche Psyche. die auf dem Atlaswirbel ruhten. visionären Zuständen reichten von mys­ und außersinnlichen Phänomenen bis hin zu psychotischen Schüben.

Auf der Härteskala der Zehn-Punkte-Skala des Geologen Friedrich Moh rangiert er bei 7 und damit nur drei Punkte hinter dem Diamanten. Wie ich herausfand. ohne auf der makellos glatten Oberfläche Werkzeugspuren zu finden. doch bislang ist nichts Derartiges bekannt. Dorland hatte ihn mit einem Binokular-Mikroskop untersucht. Er entdeckte. Quarzkristall ist ein extrem hartes Material. Dorland spielte mit dem Gedanken. Anm. Er war zu dem Schluss gelangt. wuchs mein Interesse. . Er studierte ihn seit fünf Jahren und verbrachte jede wache Minute seines Lebens mit ihm. dass es ihn eigentlich gar nicht geben konnte. hätte es die Entstehung des Schädels nicht hinreichend erklärt. Dorland war geradezu besessen von dem Kristallschädel. Und selbst wenn. schmelzen kann. dass den Mayas ein so modernes technisches Gerät zur Verfügung stand. ihn selbst zu studieren und Erfahrungen damit zu machen. Und die Herstellung des Schädels in Hand­ arbeit mit Sand und Wasser hätte Generationen gedauert. dass die Mayas bei der Bearbeitung des Kristalls möglicherweise eine Art Paste verwendet hatten. dass die technischen Probleme bei der Herstellung dieser Skulptur so be­ trächtlich gewesen sein mussten. d. uralten Geheimrezept herstellten. weil der Schädel gegen die Körnung des Steins gemeißelt war. Kein Messer kann ihm Kratzer zufügen. wie sie zum Beispiel ein Schneid­ brenner erzeugt. Frank Dorland. lebte der Verwalter und Kurator des Schädels. am Panoramic-Highway in Mill Valley. dass man Kri­ stall bei hohen Temperaturen. Kalifornien.Ü. Nachdem ich all diese Gerüchte über den Mitchell-HedgesSchädel gehört hatte.Ein seltsames Vermächtnis der alten Mayas 313 auf sich. die sie nach einem überlieferten. Jede Bearbeitung mit einem Meißel hätte mit Sicherheit Spuren auf der Oberfläche hinterlassen und im Kristall Risse gezogen. doch ist es höchst unwahr­ scheinlich. Ich besuchte ihn und lauschte mehrere Stunden seinen Erzählungen über den Schädel. vor allem. Die Mayas kannten weder Karborund (ein Schleifmittel.) noch Schleifstein.

ihnen für ein Duplikat des Schädels eine halbe Million Dollar zu zahlen. die er schließlich vor allem »be­ drückend« und »unheimlich« fand. ob diese Einflüsse von anderen Planeten. Ka­ lifornien. aus anderen Dimensionen oder sogar anderen Zeiten stammten . dass Individuen aus einer fortgeschrittenen Zivilisation mit großen geistigen Kräften und einer überlegenen Intelligenz den Schädel hergestellt hatten.314 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Dorland zeigte mir einen detaillierten Bericht der Untersuchungen. Quarz mit seinen vielen Unreinheiten und kleinen Wasserablagerungen in der inne­ ren Struktur war viel zu schwierig zu bearbeiten. Er dachte. Er erzählte mir von seiner letzten Erfahrung nur wenige Wochen vor unserem Treffen: Mitten in der Nacht war er aufgewacht. eine Erklä­ rung für die Herstellung des Schädels zu finden. Dorland hatte im Laufe der Jahre selbst viele merkwürdige Er­ lebnisse mit dem Schädel gehabt. Er kam zu dem Schluss. Er hatte sogar den Ver­ dacht. Die Experten des Instituts waren zu dem Schluss gelangt. verriegelte die Tür und verbrachte den Rest der Nacht in . die man im Kristall-Labor von Hewlett-Packard in Santa Clara. Vom Treppenabsatz aus sah er unten im Wohnzimmer einen großen Jaguar herumspringen. weil er im Erdgeschoss seines Hauses merkwürdige Geräusche gehört hatte. Doch war er sich nicht sicher. dass man mit keiner der ihnen bekannten modernen Technologien eine exakte Replik der menschlichen Schädelform aus einem Stück Quarzkristall herstellen könne. erstarrte er vor Schreck. Dorland rannte zurück in sein Schlafzim­ mer. Nachdem er jahrelang vergebens versuchte hatte. dass uns möglicherweise die Schöpfer des Schädels durch dessen Augen immer noch beobachteten und Einfluss auf uns neh­ men konnten. Als er nachschauen ging. dachte sich Dor­ land immer phantastischere Theorien aus. Sie lehnten sogar Dorlands Angebot ab. der dort großes Chaos anrichtete.der Vergangenheit oder vielleicht der Zukunft. man könne mit Hilfe des Schädels möglicherweise über die Grenzen von Raum und Zeit hinweg oder aus parallelen Universen kommunizieren. durchgeführt hatte.

Doch sie war auf jeden Fall für ihn »der Tropfen. Kanada. ein sagenhaftes Vermögen geerbt hatte. Als er sie damals adoptierte. hatte sie als zehnjähri­ ges. Nach seinem Tod wollte sie Menschen mit einer Unterkunft und Verpflegung versorgen. Am Morgen stellte er fest. die sie und ihr Pflegevater in verschiedenen Teilen der Welt erlebt hatten . Zu unserer gro­ ßen Überraschung stellten wir fest. den Königin Marie Antoinette einmal benutzt hatte. Wir saßen im Büro des Motels. hungriges und heimatloses Waisenmädchen in diesem Teil Kanadas gelebt. einem sehr reichen britischen Adeligen. ihren toten Vater zu ehren. sie anzurufen und zu fragen. das Kunstwerk an Miss MitchellHedges zurückzugeben. der das Fass zum Überlaufen bringt«. Das war sehr ungewöhnlich. Zu den einzigartigen Kunstwerken. Sie erklärte uns. fahren müssen. . die es schmückten. was in jener Nacht wirklich gesche­ hen war.Segeltouren zu exo­ tischen Plätzen. beschlossen mein Bruder Paul und ich bei meinem nächsten Besuch in Kanada. Fangfahrten auf Haie und andere große Fische. dass in seinem Wohnzimmer ein ziemliches Durcheinander herrschte und viele Möbel umgefallen waren. ähnlich wie ihr Vater es getan hatte. wür­ de ich also nach Kitchener in Ontario. Nach einigem Kopfzerbrechen fasste er den schmerzlichen Entschluss. Faszi­ niert von Frank Dorlands Berichten. da sie doch von Lord MitchellHedges. das sie nach dem Tod ihres Adoptivvaters gekauft hatte und seit­ dem betrieb. Anna MitchellHedges brachte uns eine große Sammlung von Zeitungsausschnit­ ten mit Berichten über die Abenteuer. gehörten ein großer Silberbecher aus dem Besitz König Ludwigs von Bayern sowie ein Spiegel mit reich verziertem Rahmen.Ein seltsames Vermächtnis der alten Mayas 315 einem geradezu metaphysischen Entsetzen. wo Anna Mitchell-Hedges seit dem Tod ihres Pflegevaters lebte. Wenn ich den Schädel sehen wollte. dass sie in einem Motel lebte. ob wir sie vielleicht aufsuchen dürften. das sei ihre Art. Dorland fand nie heraus. das mit Sicherheit ein kurioser Ort war.

Kurz nach unserem Besuch bei Anna musste ich nach New York City. doch den Schädel bekamen wir leider nicht zu sehen. Ihrer Meinung nach besaß dieses Kunstwerk zu starke Kräf­ te. wo er vergraben lag. Anna ging jeden Zeitungsausschnitt einzeln mit uns durch und erzählte uns die faszinierenden Geschichten. Laut Bericht hatte Anna ihn an ihrem siebzehnten Geburtstag in den Ruinen gefunden.6 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Tigerjagden. wischte sie unsere Fragen mit einer Handbewe­ gung weg. Wir fanden heraus. Als wir Genaueres wissen wollten. um dort einen Vortrag zu halten. Ein Grund dafür war wahrscheinlich ihr starker »Elektrakomplex«. da kein Mann an ihren außergewöhnlichen Vater heranreichen konnte. Sie wollte über diese Dinge offenbar nicht sprechen. denn ich wollte meine Suche unbedingt zu einem erfolg­ reichen Abschluss bringen.31. dass ich mir ein Taxi zum besagten Museum nahm. der Stadt der gefallenen Steine. Aufenthalte bei südamerikanischen Indianern und Ausgrabungen an historischen Stätten aus der Zeit vor der spa­ nischen Eroberung. Er war nicht mehr in Kitchener. dass Anna ihn kurz vor unserem Besuch dem Museum-of-the-American-Indian in New York City gestiftet hatte. die Anna damit verband. Sie hatte nie geheiratet. Zu meinen ersten Unterneh­ mungen gehörte. Hier kam auch der Kristallschä­ del auf mysteriöse Weise zum Vorschein. Der Nachmit­ tag mit Anna Mitchell-Hedges in ihrem Motel in Kitchener war ein faszinierendes Erlebnis. bildeten eindeutig den Mittel­ punkt ihres jetzigen Lebens. und brauchte einen unpersönlichen Eigentümer. Diese Zeitungsartikel und die Erinne­ rungen. der im Laufe der Jahre zu einer mythischen Figur wurde. Der interessanteste Artikel berichtete von der Ausgrabung in Lubaantun. . um sich im Privatbesitz eines einzelnen Menschen zu befinden. von denen hier berichtet wurde. die Lord MitchellHedges bei seiner Suche nach Atlantis im Dschungelgebiet von Bri­ tish Honduras (Belize) entdeckte.

Er stand in einer Vitrine. dass ich mich wie alle anderen Besucher auch an die Museumsre­ geln zu halten hätte. dessen Spur ich schon so lange verfolgte. bei Dr. der weltweit größten Autorität für die Kunst der amerikanischen Indianer und Kurator des Museums. sodass er nicht sehr deutlich zu sehen war. Viele Jahre später sublimierte ich meine Frustration über diese Abfuhr. eine Nacht allein und in stiller Meditation mit dem Schädel verbringen und ihn dafür aus der Vitrine nehmen zu dürfen. in deren Glaswänden sich das Licht und die anderen Objekte spiegelten. die ihn umgaben. Außerdem zogen Scharen von Besuchern durch das ziemlich beliebte Museum und sorgten für weitere Ablenkungen. indem ich mein Interesse an dem Kristallschädel in die ersten Entwürfe für einen Science-Fiction-Roman mit dem Titel Der Ruf des Jaguars einfließen ließ. . Das war mit Sicherheit kein günstiges Umfeld für konzentrierte Wahrsagerei mit einem Kristall. Dockstader nicht viel Verständnis für mein unorthodoxes Anliegen. das mys­ teriöse Kunstwerk. Seine energische Absage setzte meiner Verfol­ gungsjagd auf den Kristallschädel ein definitives Ende. die Erlaubnis einzuholen. Ich beschloss. Leider hatte Dr. Frederick Dockstader.Ein seltsames Vermächtnis der alten Mayas 317 Dort sah ich dann endlich den Mitchell-Hedges-Schädel. Auf meine Referenzen als Psychiater und Bewusstseinsforscher ging er nicht weiter ein und beharrte darauf.

die er verschiedene psychoaktive Substanzen einnehmen ließ (LSD. die im Handel unter verschiedenen Namen (verschreibungspflichtig!) geführt wird. die mit psychedelischen Pilzen gar­ . Damit wollte er bei seinen Klienten tiefe Erlebnisse mit dem Ego-Tod und psychospiritueller Wiedergeburt auslösen. Die Wirkungen dieses Präparats sind so ungewöhnlich. Es handelt sich bei dieser Substanz um Ketamin. bekannt für seine abenteuerlichen Experimente mit psychede­ lischen Drogen.318 Teil 5: Außersinntiche Wahrnehmungen und Jenseits Materie und Bewusstsein: Ketamin und die Wiederverzauberung der Welt I m Herbst 1972 lernte ich eine der merkwürdigsten psychoaktiven Substanzen kennen. machte unser Team am Maryland-Psychiatric-Research-Center auf die bemerkenswerten psychoaktiven Eigen­ schaften von Ketamin aufmerksam. Peyote. für die der deutsche Pharmakologe Louis Lewin den Begriff Fantastica prägte. um ihnen dann schockierende Filme mit ge­ walttätigen oder sexuellen Inhalten zu zeigen. dass sie selbst in der Gruppe der psychedelischen Substanzen oder Drogen. Salvador Roquet. dass er ihnen bei einer Party in seinem Haus (ohne ihr Wissen) belegte Häppchen servierte. ein umstrittener mexikanischer Psychiater. Salvador hatte seine Kolleginnen und Kollegen in Mexico City auch dadurch gegen sich aufgebracht. mit denen ich in meinen fünfzig Jah­ ren Bewusstseinsforschung jemals Erfahrungen gemacht habe. Datura und andere). eine Sonderstellung einnehmen. Salvador pflegte Sitzungen mit großen Gruppen von Menschen abzuhalten. Psilocybin.

Heute verabreicht man es in vielen Ländern bei kurzen chirurgischen Eingriffen immer noch.Materie und Bewusstsein 319 niert waren. Ketamin sei ein »dissozi­ atives Anästhetikum«. Bei seiner Präsentation für unsere Belegschaft machte Salvador Roquet uns jedoch mit einer völlig neuen Sicht­ weise dieser Substanz bekannt. verwandt dem Phencyclidin. Die Einnah­ me dieses Mittels führe nicht zu einem Bewusstseinsverlust. ein ungewöhnlich sicheres Betäu­ bungsmittel zu sein. das »emergency syn­ drome« sei keine Nebenwirkung von Ketamin. son­ dern bewirke. sondern Teil seiner faszinierenden. Das medizinische Personal könne nicht deshalb chirurgische Eingriffe beim Patienten vornehmen. Ketamin ist ein kurzfristig wirkendes Anästhetikum. Auch das »emergency syndrome« . »emergency syndrome« getauft.war ihnen bekannt. grundlegenden Wirkung.). Calvin Ste­ vens von der Wayne-State-University entdeckte Ketamin 1961. vor allem Kindern und älteren Menschen. um an unserem LSD-Ausbildungsprogramm für Fachleute teilzunehmen. Er erklärte. das sich in seinem Wirkmechanismus von sämtlichen anderen Anästhetika radikal unterscheide. weil dessen Bewusstsein wie . Jahrelang stand es in dem Ruf. die es auf den Schlachtfeldern von Vietnam in großen Mengen verabreichten. die man routinemäßig mit Tranquilizern behandelte . ln späteren Jahren nahm seine Benutzung rapide ab. vor allem wegen der eigenartigen psychischen Erlebnisse. Er kam nach Baltimore. Zu großer Popularität als Anästheti­ kum gelangte es durch die Mediziner. für die das »emer­ gency syndrome« kein größeres Problem zu sein scheint. einem Beruhigungsmittel für Tiere. Atmung und den Schluckre­ flex nur minimal unterdrückt. dass Chirurgen dieses Mit­ tel als generelles Anästhetikum einsetzen. da es Kreislauf.eine ungünstige Komplikation bei Verabreichung von Ketamin. Die Mitglieder unseres Teams hatten bereits vor Salvadors Be­ such von Ketamin gehört und wussten. von de­ nen Patienten nach dem Erwachen aus der Narkose berichteten (siehe auch die Geschichte auf Seite 104 f. dass das Bewusstsein sich vom Körper löse.

keine Angst mehr vor dem Tod zu haben.in außerirdischen Zivilisationen und Paralleluniversen. dass es für das Instrumentari­ um der psychedelischen Substanzen eine wichtige Ergänzung dar­ stellte. sie hätten den Bardo besucht . . konnte kein Zweifel daran bestehen. Salvadors Klienten. Unsere persönlichen Erfahrungen bestätigten Salvadors Darlegungen voll und ganz. sie seien auf diesen Reisen Gott begegnet. darunter auch bei mir. Auch wenn es völlig anders wirkte als LSD. Die Pati­ enten erlebten phantastische Reisen in einem großen Spektrum von anderen Realitäten . Zufällig hat­ te Salvador ausreichende Mengen der Substanz bei sich und bot uns Interessierten entsprechende Trainingssitzungen an. die Ketamin auslöste. Pflanzen und Mineralien. große Neugierde und den starken Wunsch. wie zum Beispiel Schwindel. machten tiefe mystische Erfahrungen. schie­ nen viel mehr zu wiegen als seine Nachteile. Manche be­ richteten auch. und viele von ihnen glaubten. im Reich der Tiere. sondern weil es seinen Körper verlassen habe. Salvadors Vortrag weckte bei mehreren Mitgliedern unseres Teams. Beeinträchtigung der körperlichen Koordination und Nuscheln. Die erstaunlichen Erfahrungen. Ich setzte im Laufe der Jahre meine persönlichen Experimente mit Ketamin fort und habe nicht aufgehört zu staunen über die mit dieser Substanz gemachten Erfahrungen und die tiefen Einsichten.320 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und jenseits bei der Einnahme von konventionellen Betäubungsmitteln ausge­ löscht sei.und behaupteten. der sich ernsthaft mit Bewusstseinsfor­ schung beschäftigte.das Reich zwischen den einzelnen Inkarnationen . in der astrophysischen Welt und der Mikrowelt. in anderen Ländern und historischen Epochen sowie den archetypischen Dimensionen vie­ ler verschiedener Kulturen. die Ketamin nicht als Anästhetikum. sondern zu therapeutischen Zwecken und zur Unterstützung ihrer philosophischen und spirituellen Suche nah­ men. selbst Erfahrungen mit Ketamin zu machen. Ketamin war eindeutig eine faszinierende Substanz und hochinteressant für jeden.

Doch zu der Zeit. erlebte ich mich als Kissen in einer Zimmerecke im Big House. Wiedererleben der Geburt. Ich wusste nie. das sich. Manche dieser Erfahrungen sind ziemlich di­ rekt. mensch­ licher Psyche und Materie verschafften. Kalifornien. meine körperliche Erscheinung hatte vollends die Form dieses Gegenstandes angenommen. Am nächsten Tag konnte ich meine Wahrnehmungen bestätigt finden.Materie und Bewusstsein 321 die sie mir über die Wechselbeziehung von Bewusstsein. Bei anderer Gelegenheit hatte ich ein ähnliches Erlebnis.). Bei meinen Experimenten mit anderen psychedelischen Substanzen hatte ich meistens zumindest eine un­ gefähre Vorstellung davon. Ich möchte dafür ein paar Beispiele geben. archetypische Erlebnisse usw. Und das erlebte Spektrum reichte von extrem sublim und erstaunlich bis zu völlig banal und trivial. das zu Esalen gehörte und wo alle Gruppenveranstaltungen unseres einmonatigen Semi­ nars stattfanden. als wir gerade einen unserer einmonatigen Work­ shops in Esalen hielten. andere gestalten sich bizarr und absurd. wie sich mehrere Gruppenmitglieder miteinander austauschten. Eines Abends nahm ich Ketamin in unserem Haus in Big Sur. Ich sah bis in alle Einzelheiten. mich etwa anderthalb Kilometer von unserem Haus entfernt im Big House aufzuhalten. astrale Projekti­ onen zu vermitteln. wie wir gleich sehen werden. noch erstaunlicher . Die Erfahrungen mit Ketamin wa­ ren wie Besuche in einem kosmischen Disneyland. da ich es zusammen mit Christina hatte. was kommen und um welches Thema es bei diesem »Trip« gehen würde. selbst im breitesten Sinne. Die Wirkungen von Ketamin waren höchst unberechenbar. in welcher Phase meiner Selbsterfor­ schung ich mich befand und wie die nächste aussehen würde (Er­ forschung der eigenen Biographie. Ein guter Ausgangs­ punkt ist das großartige Potenzial von Ketamin. In dieser Sitzung machte ich unter ande­ rem die Erfahrung. als ich während der Sitzung Zeuge dieser Begegnungen war.

das über dem Geländer hing. eines Atomreaktors in einem U-Boot unter dem ark­ tischen Eis. von Granit. Aus dieser Perspektive war ich Zeuge sämtlicher Ereignisse in diesem Raum und konnte die Menschen. . von hölzernen Pfählen . die sich zu jener Zeit im Bad aufhielten. weil sie unorganisch sind. dass ich ein nasses Hand­ tuch war. Ozeane. brennenden Kerzen. Wie diese beiden Beispiele deutlich machen. der Wüste. Am folgenden Morgen sprachen wir mit den beteiligten Leuten und konnten unsere ge­ meinsame Erfahrung auf diese Weise bestätigen. die wir im Allgemeinen für unbewusst halten. die animistische Weitsicht vieler Eingeborenenkulturen zu verstehen. einer Metallbrücke. die mit seinen Bewegungen beim Skifahren verbunden waren. Zu meinen vielen denkwürdigen Erfahrungen dieser Art gehört die Identifizierung mit dem Bewusstsein des Ozeans.322 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und jenseits gestaltete: Mitten in einer gemeinsamen Ketamin-Sitzung im Schlafzimmer unseres Hauses in Big Sur befand ich mich plötzlich im Baderaum von Esalen und stellte fest. stellten wir erstaunt fest. sich experimentell mit verschiedenen Din­ gen und Abläufen zu identifizieren. Sie helfen uns. für die nicht nur sämt­ liche Tiere und Pflanzen. Zu meiner Liste gehört sogar die Identifizierung mit einem Skistiefel am Fuß eines Langläufers und all den wechselnden. Berge. über die schwere Lastwagen fuh­ ren. genau erkennen. und wir nur höheren Lebensformen ein Bewusstsein zuschreiben. von wo man auf den Ozean blickte. Als ich Christina am Ende der Sitzung diese bizarre Erfahrung erzählte. von Edelsteinen und Gold. Doch Ereignisse wie diese treten in Ketamin-Sitzungen ebenso häufig wie authentisch und überzeugend auf. körperlichen Spannungszuständen. ist ein ungewöhn­ licher und typischer Aspekt von Ketamin-Erfahrungen die überra­ schende Möglichkeit. dass sie genau das Gleiche erlebt hatte. des Feuers einer Fa­ ckel. Flüsse und andere Teile der anorganischen Natur ein Be­ wusstsein haben.mit Schlägen von riesigen Hämmern in die Erde getrieben -. sondern auch Sonne und Sterne.

warum ich überhaupt Ketamin genommen hatte. die ich mir als Mensch noch nicht einmal in meiner Phantasie hätte ausdenken können. Anfangs erlebte ich sie als Teil meiner Umgebung von außen. Die obigen Beispiele stehen in starkem Kontrast zu mehreren wei­ teren Ketamin-Sitzungen. Im Fol­ genden schildere ich eine diese Sitzungen: Die Atmosphäre war dunkel. Ich brauchte eine Weile. Hier sah ich endlose Bilder von Backsteinmauern.Materie und Bewusstsein 323 Genauso häufig identifizierte ich mich mit anderen Lebensformen. in einer anderen zum riesigen Flachland-Gorilla.eine fleischfressende Pflanze. Sie schien sowohl in chemischer Hinsicht zersetzend und vergiftet als auch in einem metaphysischen Sinne gefährlich und böse zu sein. aber allmählich zog sie mich in ihren Bann. eine Raupe zu sein. die sich in einen Kokon ein­ spann und in einer amorphen Flüssigkeit auflöste. die absolut trivial und geradezu langwei­ lig verliefen. Sie kreisten um fossile Brennstoffe. In mehreren Fällen bescherte mir der Wirkmechanismus dieses Mit­ tels bemerkenswerte Einsichten in die Welt der Delphine und Wale. Bei einer beson­ ders eindrucksvollen Erfahrung dieser Art war ich eine Venusfliegenfalle . Ein weiteres Beispiel war das absolut authentische und glaubwür­ dige Erlebnis. as­ phaltierten Flächen und Straßen oder hässlichen. der sein Revier behauptete. In einer bestimmten Zeit meines Leben waren die Sitzungen mit Ketamin mehrmals hinter­ einander so scheußlich und abstoßend. die für das Leben auf unserem Planeten ein Fluch sind. fluoreszierenden Farben in den Vororten einer großen Stadt und fragte mich. dass ich . diese Substanz nie wieder zu nehmen. dass ich beschloss. aus der sie in Gestalt eines Schmetterlings wieder auftauchte. um zu begreifen. In einer meiner Sitzungen mit Ketamin wurde ich zur Kaulquappe und erlebte deren Metamorphose zum Frosch. verhängnisvoll und ominös. bis ich tatsächlich identisch mit ihr war. die eine Fliege fing und verdaute und dabei Geschmackserlebnisse hatte.

sich vorzustellen. dass ich gleichzeitig ein metaphysisches oder archetypisches We­ sen von unvorstellbaren Ausmaßen und voll übler Absichten war. Ich war Zeuge unzähliger politischer Intrigen. Psychologie. wurde mir klar. die alle durch die Gier nach »Öldollars« motiviert waren. das in riesigen unterirdischen Höhlen lagerte. diesem »Recyling«. die dieser Rohstoff versprach. in denen Che­ mie. in der Welt zu explodieren. Das destruktive. dass das Umschwenken der Wirtschaft auf Sonnenenergie und andere erneuerbare Ressourcen für die Zukunft . die gierig auf die astronomischen Profite waren. der um die schwin­ denden Vorräte eines Rohstoffs ausgefochten wurde. Geschichte. Biologie. wie der mit dieser Materie unlösbar ver­ bundene Tod sich als das Böse und das Morden derjenigen manifes­ tierte. die auf ihre Gelegenheit wartete. Geologie. plutonische Potenzi­ al existierte in Erdöl weiter als monströse Zeitbombe. Ich wurde überflutet von faszinierenden Einsichten. Mythologie.324 Teil 5: Außersinniiche Wahrnehmungen und Jenseits Erdöl war. sah ich. Ökonomie und Politik Zusammenflüssen. welcher für das Überleben und den Wohlstand der Industrienationen notwen­ dig geworden war. wirtschaftlicher Schurkenstreiche und hinterhältiger diploma­ tischer Machenschaften. Trotzdem war das Element des Todes aus diesem Ablauf nicht eliminiert. Plötzlich verstand ich Dinge. Während ich diese Identifikation mit Erdöl als physischem Stoff intensiv erlebte. das sich in ein Mineral verwandelt hat. über die ich bislang nie nachge­ dacht hatte. wie diese Verknüp­ fung von Ereignissen zum Weltkrieg führte. Es war nicht weiter schwer. Mir war ganz klar. das Bewusstsein von Erdöl von innen zu erleben. Damit war es dem unausweichlichen Zyklus von Tod und Wiedergeburt entkommen. dem die restliche lebende Materie unterworfen ist. Während ich das Gefühl hatte. Erdöl war ein Fett biologischen Ursprungs. Ich sah auch die unzähligen Leidtragenden der Kriege um Erdöl auf dem Opferaltar dieses üblen Monsters liegen. sondern hatte sich lediglich verlagert. darunter auch seinen penetranten Geruch.

ökologischen Bewusstsein hervor und ich hatte ein sehr klares Gefühl dafür. nach dem Namen eines bekannten deutschen Chemiekonzerns. die durch Her­ bizide starb. die in kleb­ rigen Fliegenfallen hängenblieb. war ebenso selbstzerstörerisch wie mörderisch und kriminell. Ich nannte das Bewusstsein. Ich wurde zu jedem Juden. welche die begrenzten Vorräte an fossilen Brennstoffen plünderte. das diese Erfahrungen vermittelte. Auch wenn die Ausbeutung fossiler Brennstoffe im historischen Kontext der indus­ triellen Revolution verständlich war . jeder Fliege. nachdem man ihre tödlichen Konsequenzen erkannt hatte. Ich machte nicht nur Erfahrungen mit zahlreichen verschie­ denen Industriegiften als solchen. Diese kurzsichtige Politik war unvereinbar mit der kosmischen Ordnung und der zyklischen Natur des Lebens. und jeder Pflanze. war grundlegend falsch. Das war eine unglaubliche Lektion. die allem Leben auf diesem Planeten höchst wahrscheinlich drohte der Tod durch industrielle Umweltvergiftung. sondern identifizierte mich auch mit den Bewusstseinszuständen der vielen Lebensformen. die man mit Insektenspray vernichtete. In einer langen Reihe von scheußlichen und äußerst unange­ nehmen Erlebnissen wurde ich durch Bewusstseinszustände der Erdöl verarbeitenden chemischen Industrie geschleust. Es bestand aus einer schier endlosen Folge von inneren Zuständen. und mir war unbegreiflich. Eine eingleisige Politik. dass dies für Ökonomen und Politiker nicht offen auf der Hand lag. in welche Richtung die wirtschaftliche . in denen ich die lebensfeindlichen Eigenschaften von Anilinfarbstoffen. jeder Ameise und Küchenschabe.Materie und Bewusstsein 325 unseres Planeten ausschlaggebend war. der in den Gaskammern der Nazis umkam. Und hinter alldem lauerte die düstere Zukunft.sie fortzusetzen. ätzenden Lösungsmitteln. Pestiziden und Giftgasen er­ lebte. mit deren giftigen Abfällen die Erdölindustrie dann die Umwelt verschmutzte. Ich ging aus dieser Sitzung mit einem tiefen. die un­ ter Erdölprodukten litten. Herbiziden.

durch die wir das Element des räumlichen Fluges mit einer ab­ strakten Darstellung der Evolution des Bewusstseins verbanden. dass ich beschloss. . Mein letztes Selbsterforschungsexperiment mit Hilfe von Ketamin zeigte mir jedoch die andere Seite des Spektrums. meine Werte und meine Orientierung im Leben teilten. uns dem Unbekannten zu stellen. bei der wir he­ rausfanden. nahm ich ihre Gegenwart mit Hilfe außersinnlicher Kanäle deutlich wahr. die Fallgruben des industriellen Zeitalters erforschte. damit das Leben auf unserem Planeten erhalten blieb. dass ich mit Ketamin keine weiteren Erfahrungen machen wollte. Durch diese Sitzungen.326 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits und politische Entwicklung gehen musste. Obwohl ich sie nicht sah. beschlossen wir jedoch. auch diese Grenze überschreiten zu können. Wir hatten das Gefühl. das ohne die geringsten inneren Widersprüche eine klare Aufgabe ver­ folgte. Wir machten eine komplexe Entwicklung durch. Schließlich gelang es uns offenbar. an dem ich beschloss. wo wir uns einig und wo wir unterschiedlicher Mei­ nung waren. gelangte ich an einen Punkt.vergleichbar einem einzigen Wesen. ein völlig einiges Netzwerk zu schaffen . in denen ich. Es war so ekstatisch und ungewöhn­ lich. doch waren die Folgen ab­ solut nicht voraussagbar und potenziell gefährlich. wie gerade geschildert. diese Tür nicht hinter mir zuzuschlagen. wie ich das nannte. um dann Reibungspunkte mit Hilfe eines nahezu alchemistischen Verfahrens der Auflösung und Neutralisierung zu beseitigen. ähnlich wie die Lichtgeschwin­ digkeit im einsteinschen Universum. Diese Bewegung beschleunigte sich ständig. bis sie offensichtlich eine absolute Grenze erreicht hatte. Im Folgenden schildere ich kurz den Inhalt dieser Sitzung: Ich spürte die Anwesenheit von vielen Freunden. Und dann wurde dieses Kollektiv zu einer Art »Raumschiff im Bewusstsein«. Wir erfanden eine Bewegung. die mein In­ teresse für Transpersonale Psychologie. Weil sich diese Freundesgruppe durch einen großen Abenteuergeist auszeichnete.

weißes Licht zu einem reichen Farbspektrum zu brechen . Wir befan­ den uns offenbar im Inneren eines riesigen Diamanten. sich überlagernde Gitter explodierten in einem flüssigen Me­ dium von unglaublicher Reinheit zu sämtlichen Farben des Spek­ trums. existierte als reines Bewusstsein jenseits von Raum und Zeit. . warum der tibetische Buddhismus auch Vajrayana heißt . Statt sich durch Raum und Zeit zu bewegen. Ich begriff. Nachfolgend erlebten wir offensichtlich eine Art Reinigung. was unsere Erfahrung auf eine Art und Weise. in der die Zeit fest­ friert.Materie und Bewusstsein 327 Es gelang uns.und Druckverhältnissen entsteht. einem Element.verwie­ sen auf seine metaphysische Bedeutung. Die Zeit stand still. denn Bernstein ist die materielle Verkörperung einer Situation. in andere Dimensionen verlagerte. Dauerhaftigkeit. Der angemessenste Begriff. wie zum Beispiel Pflanzen und Insekten. über Millionen von Jahren hinweg unverändert er­ halten geblieben. den ich als das Bewusstsein von Bernstein erkannte. Alle anderen Eigenschaften des Diamanten . die Grenze zu überschreiten und weiter vorzudrin­ gen. war »Diamantenbewusstsein«. In dieser mineralisierten organischen Substanz (Harz) sind zahlreiche verschiedene Lebensformen. Beständigkeit und die Fähigkeit. Dieser Zustand barg die schöpferische Energie und Intelligenz des ganzen Universums. der mir für solch ekstatisches Entzü­ cken einfiel.Diamantenfahrzeug. und wir befanden uns in einem inneren Zustand. auf dem alles Leben beruht und das unter extremen Temperatur. Schönheit. Dabei schien relevant zu sein. Unzählige feine. Wie der ultimative Computer enthielt dieser Diamant in reiner. die jeden Zusammenhang mit organischem Leben auslöschte. schien sich das Bewusstsein jetzt enorm auszudehnen. Transparenz. dass Diamanten aus reiner Kohle bestehen. die sich schwer beschreiben lässt. Das machte durchaus Sinn.Glanz. Die Erfahrung wurde kristallklar und unglaublich schön. abstrakter und unendlich verdichteter Form sämtliche In­ formationen über Leben und Natur.

Noch eine weitere Eigenschaft von Ketamin verdient in diesem Zusammenhang Erwähnung: Christina und ich haben Ketamin mehrmals bei unseren Reisen in andere Länder genommen .und entdeckt. wie ich es mir nur vorstellen konnte. dass wir uns in einem Zustand höchster Erfüllung befanden.in Peru. die diese Kulturen. ihre Mythologien.328 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und Jenseits Ich schwebte in dieser Energie als dimensionsloser Bewusstseins­ punkt. sie waren ebenfalls völlig form­ los. wo an diese Substanz leicht heranzukommen ist . Ich spürte. Brasilien. nichts als dimensionslose Punkte. der sich ein Gefühl von individueller Identität bewahrte und sich zugleich völlig auflöste und eins mit allem war. Indien und Bali. die ich mit der merkwürdigsten und ungewöhnlichsten psychoaktiven Substanz machte. die ich je kennenlernte. So weit einige wenige Beispiele für die Erfahrungen. Wir hatten die Quelle aller Existenz erreicht und damit unsere höchste Bestimmung. . Ich nahm auch die Gegenwart meiner Freunde wahr. ihre Kunstwerke und ihre Kunst prägt. Wir waren dem Himmelreich so nahe. die Psyche ihrer Menschen. dass die dadurch ausgelösten Erfahrungen uns in Kontakt brachten mit der archetypischen Welt. die diese Reise mit mir zusammen unternommen hatten.

wo wir uns von dem langen Flug und unserem Jetlag erholen konnten. der uralten Hauptstadt des Inka-Reichs. die Welt ihrer Götter und ihrer glanzvollen Künste. Wir entdeckten auch. Hier eröffnete sich uns eine einzigartige Gelegenheit. die ich in meinem Leben jemals machte. damit in Cuzco. Wir kauften eine Flasche. wie sich später herausstellte. Diese Sitzung sollte jedoch. Nach unserer Ankunft in Cuzco nahmen wir die Substanz abends in unserem Hotel. Die erste war das gastfreundliche Hotel Bolivär in Lima mit seinen bequemen Betten. ein kleines Restaurant direkt um die Ecke mit einer ausgezeichneten baskischen Küche. eine der schwierigsten Erfahrungen werden. die Geheimnisse der Inka-Gesellschaft zu erforschen. Sie trugen raffinierte Kopfbedeckungen und Tuniken aus farbigen Federn. fand ich mich umgeben von vier muskulösen Inka-Krieger-Priestern in ih­ ren rituellen Gewändern. Die zweite war das Casa Vasca. Sowie die Wirkung einsetzte. Dazu gehörte auch Ketajet. Ich . dass man in der Inka-Apotheke gegenüber vom Bolivár ohne Rezept fast jedes Medikament bekam. der großen Badewanne und dem alt­ modischen Charme. zu experi­ mentieren.Auf dem Inka-Pfad 329 Auf dem Inka-Pfad Das Geheimnis der Trepanation entdecken B ei unseren Besuchen in Peru hatten wir zwei Anlaufstellen. Die Ohren und den ganzen wei­ teren Körper schmückte Geschmeide aus schwerem Gold. ganz aufgeregt bei dem Gedanken. das war die südamerikanische Handelsbezeichnung von Ketamin.

dass das betroffene Individuum diese Prozedur überlebte. übertrafen die Schmer­ zen. Ich konnte mich noch an das merkwürdige und unerklärliche Unbehagen erinnern. wo eine ganze Reihe von trepanierten Schädeln zu besichtigen war. diese Trepa­ nationen seien Beweise für die medizinische Kunst der Inkas. Der Initiand musste beweisen. was da mit mir ge­ schah. vergleichbar den zahlreichen verschiedenen Eingebo­ renenritualen in anderen Kulturen. sondern ein Über­ gangsritual. wie groß die Macht des menschlichen Geistes war. wie der Sonnentanz der Lakota-Sioux-Indianer oder die Harnröhrenspaltung bei den australischen Aborigines. die man den Initianden zur Vorbereitung auf diese Tortur gegeben hatte. Bei unserem Aufenthalt in Lima hatten wir das anthropolo­ gische Museum besucht. Es handele sich dabei höchstwahrscheinlich um chirurgische Eingriffe zur Entfernung von Tumoren oder anderen pathologischen Befun­ den. der Welt der Materie standzuhalten. das diese durchlöcherten Hirnschalen in mir weckten. Das Knochenbild im Bereich der Wunden wies darauf hin. die ich hier erlebte. der diese Prozedur selbst erlitt. der wie ein Hoher Priester aussah. Dann trat ein besonders reich geschmückter Mann. Dieser Eingriff war unter anderem auch eine Prüfung. . Ich brauchte eine Weile. die mit unerträglichen Schmer­ zen verbunden waren. Auch wenn ich die Dro­ genwirkung anders empfand als die von Ketamin. mit Hammer und Meißel auf mich zu und hämmerte unbarmherzig auf meinen Schädel ein. bei der getes­ tet wurde. Auf den Hinweisschildern stand. Das hier war keine chirurgische Operation. was wahrschein­ lich auf eine Art Medizin zurückging.und Fußgelenken. um zu begreifen. der an mir vorgenommen wurde. was ich mir jemals hatte vorstellen können.330 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und jenseits spürte ihren eisernen Griff an meinen Hand. Jetzt erlebte ich mich höchst realistisch und überzeugend als jemanden. Trotz dieser Qualen jedoch wurde ich überflutet von er­ staunlich aufschlussreichen Einsichten in den Eingriff. alles.

wie mir schien . Sowie ich begriff. er sei von den Resultaten sehr beeindruckt gewesen. damit dessen Energie zum inneren Wesen des Initianden Vordringen konnte. Bart Hughes. Doch zu meiner großen Verblüf­ fung fand mein Leiden damit kein Ende. Die pharmakologische Wirkung der Droge nahm ab. Einige Jahre zuvor hatten Christina und ich bei einem Besuch in England Gelegenheit zu einem langen Ge­ spräch mit Lord James Neidpath und seiner Frau Lady Amanda Neidpath. gab ich mir große Mühe. Er erzählte mir von einem Holländer namens Dr. doch die unerträglichen Schmerzen blieben. extremes physisches Leid gelassen zu ertra­ gen. der 1962 eine Bewe­ gung gründete. dass eine Selbst-Tre­ panation höhere Bewusstseinszustände fördere. den ich in einem Amster­ damer Antiquitätengeschäft getroffen hatte. Er hatte diese Operation bei sich selbst mit einem Elektrobohrer durchgeführt. Mir fiel dabei der junge Mann ein. die stoische Haltung zu bewahren. Der junge Mann war seinem Beispiel gefolgt und behauptete. Schließlich .nach einer Ewigkeit. Doch hauptsächlich sollte die Trepanation das Hindernis zwi­ schen dem eigenen Gehirn und dem Sonnengott als höchster Gott­ heit der Inkas beseitigen. die sich beide aus den gleichen Gründen einer Trepana­ tion unterzogen hatten. Ab und zu schaute ich auf die Uhr. indem sie die Blut­ zirkulation im Gehirn anregt. Christinas Sitzung hatte den für Ketamin üblichen Verlauf genommen. Ich rief meinen Verstand zur Hilfe und machte mir klar. aber der kleine Zeiger schien sich kaum vorwärtszubewegen. die auf dem Glauben beruhte.war seit meiner Einnahme der Substanz eine Stunde verstrichen.Auf dem Inka-Pfad 331 dass er imstande war. die von den Initianden erwartet wurde. Beide priesen die Auswirkungen dieses Eingriffs auf ihr Bewusstsein. und nachdem wir uns über unsere Erlebnisse ausge­ . dass die Wirkung von Ketajet etwa 50 bis 60 Minuten anhalten würde und ein Ende meiner Qualen ab­ zusehen war. was es mit dieser Prozedur auf sich hatte.

Es war ein schöner. der berühmten. und ich geriet in einen ekstatischen Zustand. sonniger Tag. was in Quechua »Junger Berg« heißt . Auch auf der Fahrt mit der Bahn nach Machu Picchu hielten meine Schmerzen an. hatten ihre Sache nicht besonders gut gemacht. Wir erreichten den Bahnhof. belohnte uns aber mit einer phan­ tastischen Aussicht auf die Ruinen von Machu Picchu. nachdem er die Zugangsstraße mit den vielen Serpentinen bewältigt hatte. . den Huayna Picchu zu besteigen. Der Weg war steil und lang. als hätte ich dort tatsächlich einmal gelebt. Ich sah Christina beim Frühstü­ cken zu und konnte selbst keinen Bissen herunterbringen. Für den folgenden Tag hatten wir einen Ausflug nach Machu Picchu geplant. von wo uns ein kleiner Lieferwagen zum Eingang der alten Fes­ tungsstadt brachte. war es. »den Alten Berg«. Ich fühlte mich so zu Hause an diesem Ort. Die Arbeiter. und jeder Schritt auf der Treppe nach unten fühlte sich an wie ein weiterer Meißelschlag des Hohen Priesters. Nach dem Mittagessen streiften wir in den Ruinen umher und beschlossen dann. uralten Festungsstadt der Inkas. Ich jedoch lag mit quälenden Schmer­ zen im Bett und konnte nicht einschlafen. und die Besichtigung der uralten Stadt hoch oben in den Anden wurde ein unvergessliches Erlebnis. Plötzlich. Ich durchlitt sämtliche Kopfschmerzen. der einen Ausblick auf die historische Stätte bie­ tet. etwa auf halber Strecke nach Machu Picchu. hörten die Schmerzen auf. als träfe mich ein weiterer Meißelschlag. schlief sie ein. die die Gleise zusammen­ schweißten.der Name für den steilen Hügel. Als es Zeit für unser zeitiges Frühstück wurde. Mir war übel.332 Teil 5: Außersinnliche Wahrnehmungen und jenseits tauscht hatten. Wenn die Räder über eine Nahtstelle rumpelten. Offensichtlich ging mein Übergangsritual weiter und würde nie ein Ende finden. die Menschen im Verlauf der Geschichte jemals gepeinigt hatten. kleideten wir uns an und gingen in den Speisesaal. Der Besuch dieses magischen Ortes nach meinem Erlebnis mit dem Ritual der Trepanation gehört bis zum heutigen Tag zu den eindrucksvollsten Erlebnissen meines Lebens.

Teil 6 Unorthodoxe Psychiatrie Überraschende Alternativen zu traditionellen Behandlungsmethoden .

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denn sie deckten therapeutische Mechanismen auf. als unbeschrie­ benes Blatt. dass psychogene Störungen ihren Ursprung in verschiedenen Phasen der postnatalen Lebensgeschichte nehmen.Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie 335 seinszustände haben uns viele außergewöhnliche Einsichten in die Vielschichtigkeit der menschlichen Psyche sowie in das We­ sen und die Struktur emotionaler und psychosomatischer Stö­ rungen gebracht. die der psychiatrischen Fachwelt bislang unbekannt waren. Aus dieser Sicht betrachtet. und unsere Persönlichkeit wird geprägt durch die Ab­ läufe in der Kleinfamilie und emotional relevante Ereignisse in un­ seren ersten Lebensjahren. Ge­ nerell geht man übereinstimmend davon aus. Sie eröffneten uns auch überraschend neue Per­ spektiven für die Behandlung dieser Zustände. für die man in der Anatomie. Störungen. Das augenblicklich in der klinischen und akademischen Psy­ chiatrie vorherrschende Modell der Psyche ist begrenzt auf die postnatale Biographie und das individuelle freudsche Unbewusste. gelten als Folgen psychotraumatischer Erfah­ rungen in der Kleinkindzeit. und ihre Beschaffenheit und Schwere D ie Beobachtungen aus der Forschung über holotrope Bewusst­ . Laut Freud gilt das Neugeborene als tabula rasa. sind die Ereignisse vor der Geburt und auch der Verlauf der Geburt selbst psychologisch irrelevant. Physiologie und Biochemie des Gehirns keine organischen Ursa­ chen finden kann. Kindheit und im späteren Leben.

benutzt eine reiche Palette an Psychopharmaka. sondern sich auch den ihnen zugrunde liegenden Faktoren zuwenden und positive Veränderungen in der Persönlichkeitsstruktur fördern. Leider bietet uns das augenblick­ liche Modell der Psyche nur ein begrenztes Spektrum an therapeu­ tischen Mechanismen. Sie will nicht nur die Symptome lindern. intellektuellen und emotionalen Einsichten. wie das Erinnern vergessener und unter­ drückter traumatischer Ereignisse oder ihre Rekonstruktion mit Hilfe des freien Assoziierens und von Träumen. dass psychopathologische Symp­ tome und Syndrome psychogenetischen Ursprungs durch trau­ matische Erlebnisse in der postnatalen Biographie nicht angemessen erklärt werden können. die regelmäßig sig­ nifikante Elemente aus den perinatalen und transpersonalen Be­ reichen der Psyche mit einschließt. Die zudeckende Therapie. indem es sie um zwei neue Gebiete ergänzte . um Symptome zu unterdrücken. mit zahlreichen verschiedenen psychotherapeutischen Methoden zur Wurzel des Problems vorzudringen. in welcher Zeit das ursprüngliche Psychotrauma stattfand. ohne sich mit den Ursachen zu beschäftigen. die augenblick­ lich bei ambulanten und klinischen Behandlungen vorherrscht. Es hat auch gezeigt. hat das Studium holotroper Zustände die Kartographie der Psyche enorm erweitert.»zudeckende« und »aufdeckende« Behandlungsmethoden. dass diese Zustände eine vielschichtige und dynamische Struktur haben. an der sie leiden. Sie kann Patienten subjektive Erleichterung ver­ schaffen. die der Stö­ rung. der Analyse der Übertragung und korrek­ tiven Erfahrungen in zwischenmenschlichen Beziehungen. Beobachtungen aus der erlebnisorien­ tierten Tiefenpsychologie haben gezeigt. . zugrunde liegen. Wie wir bereits gesehen haben. Die konventionellen therapeutischen Maßnahmen bei psycho­ genen.das Perinatale und das Trans­ personale. Die aufdeckende Therapie versucht. emotionalen und psychosomatischen Störungen fallen in zwei breit gefasste Kategorien .336 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie Aufschluss darüber geben.

dass sie archetypischen Wesen aus einer ihnen bislang völlig fremden Kultur begegnen oder sich mit den vollständigen Manifes­ tationen archetypischer Gestalten konfrontieren. In diesem Teil des Buches gebe ich einige Beispiele für Situationen. höchst effektiven therapeutischen Mechanismen. welche die . mit denen sich Psychiatrie und Psycho­ therapie auseinandersetzen müssen. Dazu gehören auch höchst ungewöhnliche therapeutische Me­ chanismen wie das Identifizieren mit einem Baum oder das Singen eines sephardischen Gebets. warum sich verbale. die wir damit zu heilen versuchen. verlangt eine Heilung manchmal. Die interessanteste und sowohl theo­ retisch als auch praktisch wichtigste Beobachtung aus der Arbeit mit holotropen Zuständen ist. dass Menschen ihre Geburt sowie ein­ dringliche Erfahrungen aus vergangenen Leben noch einmal durch­ leben. könnte für sich genommen ziemlich entmutigend sein. erreichen wir mit diesen Methoden nicht die tieferen Wurzeln der Zustände. dass perinatale und transpersonale Erfahrungen ein starkes Heilungspotenzial besitzen und zwar selbst dann. Sie eröffnet auch den Zugang zu neuen. wenn sie im Kontext von Episoden auftreten. Wie wir sehen werden. Die Entdeckung. in denen durch Mechanismen. die auf diesen tiefen Ebenen der Psyche wirksam werden und oft zu einer drama­ tischen Heilung und positiven Wandlung der Persönlichkeit führen. Glücklicherweise zeigt aber die Arbeit mit holotropen Zuständen nicht nur auf. biographisch orien­ tierte Methoden als Werkzeuge für den Umgang mit schweren kli­ nischen Problemen im Allgemeinen als ziemlich enttäuschend er­ wiesen haben. Da sie gedanklich und praktisch begrenzt sind. bemerkenswerte therapeu­ tische Wirkungen erzielt wurden.Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie 337 Diese Entdeckung erklärt. wie tief die Probleme reichen. dass emotionale und psy­ chosomatische Störungen bedeutende perinatale und transperso­ nale Komponenten haben. darunter auch dä­ monischen. die auf der perinatalen und trans­ personalen Ebene der Psyche ansetzen.

dass diese Episoden . die einer Dämpfung durch Medikamente weit überlegen sind.338 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie Psychiatrie als Manifestationen schwerer psychischer Erkran­ kungen betrachtet . 2002).als Psychosen. dass zufällige Synchronizitäten gelegentlich zu überraschenden thera­ peutischen Ergebnissen führen können. Der jungsche Psychologe John Weir Perry hat viele erfolg­ reich behandelte Fälle dieser Art in einer Reihe von Büchern be­ schrieben (Perry 1974. Und doch wäre es falsch gewesen. ihnen einen entsprechenden diagnos­ tischen Stempel aufzudrücken. Es gibt genug Beweismaterial dafür. Auf der Grundlage unserer Erfahrungen mit solchen Zustän­ den sind Christina und ich zu der Überzeugung gelangt. In diesem Buchteil finden Sie auch die Geschichten zweier Frauen. In einer weiteren Fallgeschichte beschreibe ich ein höchst unkonventionelles therapeutisches Ver­ fahren. die im Augenblick noch als Psychosen diagnostiziert und mit dämpfenden Medika­ menten behandelt werden. positiven Veränderung der Persönlichkeit und ei­ ner spirituellen Öffnung führen können (Grof und Grof 1991. dass viele spontane Episoden mit holotropen Zuständen. die psychotischen Symptomen zugrunde liegen. die zeigt. 1976). deren Symptome ein traditioneller Psychiater als Anzei­ chen für eine psychische Krankheit betrachten würde. in Wirklichkeit psychospirituelle oder spirituelle Krisen sind. Beendet wird dieser Buchteil mit einer hu­ morvollen. dass die Beschleunigung psychodyna­ mischer Prozesse. Hier zeigt sich.zu einer heilsamen.richtig verstanden und angemessen begleitet . . in leichtem Tonfall erzählten Geschichte. durch Anwendung psychedelischer Therapie zu therapeutischen Ergebnissen führen kann.

der drei Jahrhunderte überlebte 339 Der Schmerz.Ü.Ü. der drei jahrhunderte überlebte Norberts Geschichte rigen Psychologen und Geistlichen. Wiederholte medizinische Untersuchungen einschließlich Röntgen hatten jedoch keine organische Ursache für seine Beschwerden er­ bracht. der an einem unserer fünf­ tägigen Workshops am Esalen-Institut teilnahm. Anm. Dabei handelt es sich um eine viel­ schichtige Konstellation von traumatischen Erinnerungen aus verschiedenen Schichten des Unbewussten .) nenne. unter denen er sehr litt. Eine Reihe von verabreichten Injektionen mit Procain (lokales Anästhetikum. welches das Wiedererleben und Integrieren der Geburtstraumata und von Erinnerungen aus ver­ gangenen Leben bergen. das ich »Systeme ver­ dichteter Erfahrung« .d. Norberts Geschichte zeigt auch das therapeutische Potenzial. Bei der Vorstellungsrunde in der Gruppe vor der ersten holo­ tropen Atemsitzung klagte Norbert über starke chronische Schmer­ zen in seiner linken Schulter und im Brustkorb.) hatte ihm nur kurzfristig und I n der folgenden Geschichte geht es um Norbert. Sein Fall kann als typisches Beispiel für das Phänomen gelten. und alle bisherigen Behandlungsversuche waren erfolglos geblieben.Der Schmerz. einen 51-jäh­ .COEX-Systeme .biographisch. perinatal und transpersonal die bestimmten emotionalen und psycho­ somatischen Symptomen zugrunde liegt.(von »Condensed experiences«.d. Anm. und die sein Leben inzwischen erheblich beeinträchtigten.

wären auf die ver­ zweifelten Rufe der Kinder nicht die Erwachsenen herbeigeeilt. um ihn zu erforschen. dass sich die Verspannungen in seiner Schulter und seinem Brustkorb gelöst hatten und er völlig schmerz­ frei war. bei seinem inneren Prozess zu blei­ ben und die Gründe für seine negativen Gefühle zu erforschen. die diesmal zurück­ führte zu seiner biologischen Geburt. die alle mit dem Schmerz in seiner Schulter zusammenhingen und mit einem Ge­ fühl des Erstickens verbunden waren. dass die Musik ihn »umbrachte« und er sie nicht ertragen konnte. grub er zusammen mit seinen Freunden am Strand einen Tunnel. erlebte Norbert noch einmal eine weitere heftige und beängstigende Szene.340 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie vorübergehend Erleichterung verschafft. Als die Atemarbeit tiefer ging. und hatte fast drei Stunden heftige Schmerzen in Brust und Schulter. Zu Beginn des Holotropen Atmens wollte Norbert impulsiv den Raum verlassen. Sowie der Tunnel fertig war. dass sich seine Erfahrungen auf drei verschiedenen Ebenen abgespielt hatten. Seine Entbindung war sehr schwierig verlaufen. solange die pharmakolo­ gische Wirkung des Medikaments anhielt. ihn zu bewegen. weil seine Schulter längere Zeit hinter dem . Nach dieser stürmischen Phase beruhigte und entspannte er sich und wurde friedlich. Auf der obersten Schicht durchlebte er noch einmal eine beängstigende Situation aus seiner Kindheit. hustete. mit seiner Sitzung fortzufahren. schrie wiederholt und laut und in den unterschiedlichsten Stimmlagen. würgte. Es kostete viel Über­ redungskunst. denn er hatte das Gefühl. Er wäre fast erstickt. Schließlich stimmte er zu. die unerträglich wurden. kroch Norbert hinein. Während die anderen Kinder um ihn herumsprangen. bei der er fast ums Leben gekommen wäre: Als er etwa sieben Jahre alt war. Rückblickend berichtete Norbert. brach der Tunnel zusammen und begrub Nor­ bert bei lebendigem Leibe. Ganz überrascht stellte er fest. Er kämpfte mit aller Macht. als ginge es um sein Leben. um ihn in letzter Minute zu retten.

der jetzt zum ersten Mal seit vielen Jahren schmerz­ frei war. Er fiel vom Pferd. Wie sich heraussteilen sollte. Zwanzig Jahre sind jetzt seit dieser denkwürdigen Sitzung ver­ gangen. Er sah militärische Uniformen und Pferde vor sich und begriff.Der Schmerz. die seine inneren Erlebnisse bewirkten. . Im letzten Teil der Sitzung veränderte sich Norberts Erleben dra­ matisch. schwebte hoch über dem Schlachtfeld und beobachtete die Szene aus der Vogelperspektive. war diese Befreiung von jah­ relangen Schmerzen. und während er da am Boden lag. Seine gebrochenen Rippen verursachten ihm qualvolle Schmerzen. Christina und ich freundeten uns mit Norbert und seiner Frau an und trafen uns auch nach dem Workshop weiter mit ihnen. Dabei verspürte er plötzlich einen scharfen Schmerz und begriff. und er würgte an dem Blut. in dem Norbert sich selbst in einer früheren Inkarnation wiedererkannte. ohne dass Norberts Symptome zurückgekehrt sind. tram­ pelten Pferde über ihn hinweg und quetschten seinen Brustkorb zusammen. Nach dem Tod des schwer verwundeten Soldaten. Nach einer Phase extremer Qualen löste sich Norberts Be­ wusstsein von seinem sterbenden Körper. Wie in der Szene zuvor er­ lebte er auch diesmal sowohl Erstickungsgefühle als auch heftige Schmerzen in der Schulter. von Dauer. der drei Jahrhunderte überlebte 341 Schambein seiner Mutter steckenblieb. dass seine Schulter von einer Lanze durchbohrt wor­ den war. das in seine Lungen drang. dass er sich mitten in einer gewaltigen Schlacht befand. Er konnte sie sogar als eine der Schlachten in Cromwells England festmachen. kehrte sein Bewusstsein in die Gegenwart zurück und verband sich mit seinem Körper.

Para­ diesen und Höllen. das für die Erfahrungen dieser Patienten typisch ist. In meinem Buch Topographie des Unbewussten habe ich aufge­ zeigt. wie beispielsweise himmlischen Reichen. die das wissenschaftliche Denken in industriellen Zivilisationen beherrscht . die als psychotisch etikettiert werden. In Wirklichkeit ist es unvor­ stellbar. die diese Erfah­ .dass nämlich Materie Priorität vor Bewusstsein hat. kreisen oft um Visionen von Gottheiten dämonischen Erscheinungen sowie Besuche in mytholo­ gischen Sphären. die klar auf der Hand liegt und an der es keinerlei vernünftige Zweifel geben kann. Für Mainstream-Psychiater handelt es sich bei solchen Erfahrungen um Produkte eines Gehirns. Auch wenn akademische Kreise diese Sicht oft als wissen­ schaftliche Tatsache präsentieren. dessen Funktion gestört ist aufgrund von pathologischen Vorgängen unbekannten Ursprungs. dass die Einsichten und Offenbarungen.342 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie Die Schweinegöttin von Malekula Ottos Geschichte D und ie Erfahrungen psychiatrischer Patienten. dass das reiche Panoptikum an ästhetisch exquisiten Bil­ dern und faszinierenden philosophischen Gedanken. die man irgendwann einmal genauer erforschen und vollständig begreifen wird. handelt es sich hier in Wirklichkeit um eine höchst unplausible Behauptung. durch pathologische Pro­ zesse hervorgerufen wird. An erster Stelle spiegelt sie die grundlegende metaphysische Annahme des monistischen Materialismus wider.

Dämonen. Wir können auch phan­ tastische Landschaften und jenseitige Reiche aufsuchen. die inte­ grale Bestandteile dieser Schichten der menschlichen Psyche sind. son­ dern dem kollektiven Unbewussten entspringen. dass die Bilder des Kosmos. an das wir alle angeschlossen sind.Die Schweinegöttin von Malekuta 343 rungen vermitteln. sondern auf unmittelbaren Erlebnissen mit anderen Wirklichkeiten. dass solche Erlebnisse in der Regel ziemlich präzise Elemente aus den Mythologien der zahlreichen verschiedenen Weltkulturen wie­ dergeben. Aldous Huxley als »ewige Philosophie« bezeichnete.G. welches diese Er­ fahrungen als pathologische Produkte eines kranken Gehirns betrachtet. nicht auf Aberglaube oder primitivem »ma­ gischen Denken« beruhen. das dem offiziellen Dogma widerspricht. das die jungsche Sichtweise stützt. Jung und seine Anhänger haben nachgewiesen. Es gibt überzeugendes wissenschaftliches Beweismateri­ al. oft verblüffende Ähnlichkeiten mit den großen spirituellen Traditionen des Ostens und Westens aufweisen. legendären Helden. Die psychedelische Forschung und die holo­ trope Atemarbeit haben genügend Beweismaterial zusammengetra­ gen. die nicht zum Bildungswissen der betreffenden Individuen gehörten. Ein besonders überzeugender Beweis . Tiefe persönliche Erfahrungen mit solchen Reichen helfen uns be­ greifen. tiefe Einsichten in die Weltanschauung der Kulturen vermitteln. C. dass der Kosmos von mythologischen Wesen bevöl­ kert und von zahlreichen glückseligen und zornigen Gottheiten unterschiedlichster Art regiert wird. dass diese Er­ fahrungen keine Produkte eines pathologischen Gehirns sind. wie schon erwähnt. darunter auch solche. die. die wir in vorindustriellen Ge­ sellschaften finden. In diesen Zuständen können wir persönlich einen direkten Zugang zur archetypischen Welt der Götter. zu übernatürlichen Wesenheiten und zur inneren Führung im kollektiven Unbewussten bekommen. Die jungschen Beobachtungen zeigen eindeutig. Holotrope Bewusstseinszu­ stände können uns. die glauben. wodurch auch immer sie ausgelöst werden.

dass er sie nicht »richtig hinkriegte«. er verspüre den unwiderstehlichen Drang. und seine Frustration darüber. die diese Erfahrungen machen. der unter großem Druck steht. neue und präzise Erkenntnisse über eine Vielzahl von verschiedenen archetypischen Wesen und jenseitigen Reichen verschaffen können. bewacht von einer furchterregenden Schweinegöttin. wenn er sie richtig aufs Papier bekam. was er da zeichnen wolle.344 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie für die Authentizität dieser Erfahrungen ist die Tatsache. Er sagte. dass er seine Sitzung nur dann zu einem gelungenen Abschluss bringen konnte. diese geometrischen Mus­ ter zu zeichnen. zeichnete er ungewöhnlich rasch eine ganze Reihe von komplexen abstrakten Mustern. wuchs. Tiefe und Qualität dieser Informationen über die jeweils auftau­ chenden Mythologien gehen oft weit über den Bildungshorizont der Individuen hinaus. die ich in meiner klinischen Praxis erlebte. ihm einige Blatt Papier und Zeichenstifte zu bringen. . Die Inhalte. ja geradezu verzweifelt aus und zerriss und zerknüllte seine komplizierten Zeichnungen. in den Sitzungen zu liegen und die Augen geschlossen zu halten. öffnete Otto die Augen. Auf dem Höhepunkt sei­ ner Erfahrungen sah er einen ominösen Eingang in die Unterwelt vor sich. ein be­ stimmtes geometrisches Muster zu zeichnen. Obwohl ich meine Klienten generell anweise. betrifft Otto. wie andere transpersonale Phänomene auch. Er war sehr enttäuscht von seinen Bildern. setzte sich auf und bat mich. In einer seiner psychede­ lischen Sitzungen erlebte Otto eine eindringliche Sequenz von psychospirituellem Tod und Wiedergeburt. Eines der interessantesten Beispiele dieser Art. Als ich ihn fragte. dass sie uns. konnte er es mir nicht erklären. Wie jemand. einen meiner Prager Kli­ enten. den ich wegen Depressionen und pathologischer Angst vor dem Tod (Thanatophobie) behandelte. sobald sie fertig waren. Dabei sah er äußerst unzufrie­ den. An diesem Punkt verspürte Otto plötzlich den starken Impuls. um sich ganz auf ihre inneren Erfahrungen konzentrieren zu können. und war sicher.

in New York City einen Vortrag zum Thema »Das Groteske in der Kunst« zu halten. zu verstehen.Ü. die sie gemalt hatten. Wir widmeten die­ sen Versuchen ziemlich viel Zeit. in dem ich die Ergebnisse meiner Prager Forschungen zusammengefasst hatte.bis ich viele Jahre später in die Vereinigten Staaten übersiedelte. bildete aber die Grundlage für fünf spätere Bücher. Auf seine Bitte hin schickte ich ihm ein Manuskript. Religion and Science« (Gesellschaft für Kunst. den viele für den größten Mythologen des 20. In Bezug auf Ottos Kindheit oder sein augenblickliches Leben ergab diese Sequenz einfach keinen Sinn. wenn nicht gar überhaupt halten.) und wurde nie veröffentlicht. Unter den Konferenzteilnehmern be­ fand sich Joseph Campbell. um mit Hilfe der Methode des freien Assoziierens die unbewussten Motive für Ottos merkwürdiges Verhalten herauszufinden.d. Es war ziem­ lich umfangreich. in denen ich unterschiedliche Aspekte meiner Arbeit erläuterte. Sie blieben mir ein völliges Rätsel .d. Er war fas­ ziniert von meinen Beschreibungen der Geburtserlebnisse von Pa­ tienten und von den Bildern. Religion und Wissenschaft. Kurz nach meinem Eintreffen in Baltimore lud mich die »Society for Art. Anm. Anm. Zu jener Zeit stand ich noch stark unter dem Einfluss meiner freudschen Ausbildung und versuchte mein Bestes.Ü. . Dann schwenkte sein innerer Prozess allmählich in andere Richtungen um. trug den Titel Agony and Ecstasy in Psychiatric Treatment (Schmerz und Ekstase in der psychiatrischen Behand­ lung. doch ohne großen Erfolg. und ich machte mir über diese Erfahrungen keine großen Gedanken mehr. Begleitend dazu zeigte ich auch Dias von Bildern meiner Klientinnen und Klienten. Bei meinen Darle­ gungen erforschte ich das Problem des Grotesken und berief mich dabei auf meine Beobachtungen aus der psychedelischen For­ schung. um was es da ging.) ein. Jahrhunderts.Die Schweinegöttin von Malekula 345 Dieses Thema war für Otto offensichtlich von größter emotionaler Bedeutung. und er bemühte sich sehr.

zu bestimmen und zu erläutern. New York. Christina hatte sich unabhängig von mir mit ihm ange­ freundet.« Diese Gott­ heit. das seinen kulinarischen Vorlieben ent­ sprach. traf ich Joseph regelmäßig. die verschlin­ gende Muttergöttin der Malekulaner aus Neu Guinea. die hier auftauchenden mythologischen The­ men und Symbolismen. »Wie faszinierend«. denn er war häufig zu Besuch in Esalen. vier Tagen hatte Joseph von der Verpflegung in Esalen. Er liebte das Material über psychedelische For­ schungen. Joseph hatte einen bemerkenswerten Intel­ lekt und besaß ein geradezu enzyklopädisches Wissen über die Weltmythologien. die er als »Kaninchenfutter« bezeichnete. als sie am Sarah-Lawrence-College in Bronxville. meist genug und bekam Lust auf ein gutes Steak und Glenlivet-Whiskey. vor allem mein Modell der perinatalen Grundmatrizen (BPM). erscheine in Form einer . und ich erzählte sie Joseph. Christina und ich luden ihn regelmäßig zu einem selbst ge­ kochten Abendessen ein. so fuhr er fort mir zu erläutern. die universelle Natur und Allgegenwart des Motivs von Tod und Wiedergeburt in der Mythologie zu verstehen (siehe auch Seite 382).346 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie Nach den ersten Treffen wurden wir gute Freunde. Meistens fiel es Joseph nicht schwer. bei ihm studierte. Bereits nach drei. bei denen ich ihm von meinen Beobachtungen der verschiedenen archetypischen Erlebnisse von Teilnehmern an un­ seren Workshops für Holotropes Atmen erzählte. Bei einem dieser Gespräche fiel mir die oben beschriebene Episode aus Ottos Sitzung ein. den er liebte. die Christina und ich organisierten. das ihm half. sagte er und fuhr ohne zu zögern fort: »Das war ein­ deutig die kosmische Mutter der Nacht des Todes. die ich weder erkannt noch verstanden hatte. Als ich nach Kalifornien zog. Im Laufe der Jahre führten wir viele faszinierende Ge­ spräche. und Joseph spielte fortan eine sehr wichtige Rolle in meinem persönlichen und beruflichen Leben (wie es weiter vorn in diesem Buch schon an­ klang). und hielt dort auch eigene Workshops. nahm als Gastdozent an den einmonatigen Seminaren teil.

von deren Bewältigung die posthume Reise seiner Seele abhing. Dieser Stamm pflegte ein ganzes System von raffinierten Ritu­ alen. auf das ich bei meinen Forschungen in Prag gestoßen war. denn die Meisterschaft in dieser Kunst galt als wesentlicher Schlüssel für die Reise ins Jen­ seits. Daher widmeten sie den Zeichenübungen mit diesen La­ byrinthen enorm viel Zeit in ihrem Leben. Die Malekulaner glaubten. dass jemand. Die komplexen rituellen Abläufe sollten den Malekulanern helfen. Blieb die Frage offen. perfekt zu zeichnen. . Generell gesehen machte es natürlich Sinn. die Abhängigkeit von ihren menschlichen Müttern und schließlich auch von der verschlingenden Muttergöttin zu über­ winden. eine Aufgabe lösen musste. und warum die Begegnung mit der Schweinegöttin von Malekuia Teil seiner Therapie war. das Muster.Die Schweinegöttin von Malekuia 347 furchteinflößenden weiblichen Gestalt. dass sie dieser Gottheit bei ihrer Totenreise begegnen würden. das als heilig galt. dessen Hauptsymptom die patholo­ gische Angst vor dem Tod war. die selbst Joseph nicht beantworten konnte: warum dieses spezielle mythologische Motiv offenbar in engem Zusammenhang mit Ottos schwierigen emotionalen Symp­ tomen stand. So konnte Joseph mit seinem erstaunlichen lexikalischen Wissen über Mythologie dieses schwierige Rätsel lösen. War die Seele eines Verstorbenen nicht imstande. die eindeutig die Züge eines Schweins trug. bei denen es um das Züchten und Opfern von Schweinen ging. das die Schweinegöttin von ihm verlangte. Laut Tradition der Malekulaner saß sie am Eingang zur Unterwelt und bewachte ein verschlungenes labyrinthisches Muster. verwehrte sie ihm den Eintritt ins Jenseits.

dass Erfahrungen mit holotropen Be­ wusstseinszuständen in Form von archetypischen göttlichen Wesen. Nahtoderfahrung durch Ertrinken. blutigen Revo­ lutionen. die sich in diesen Zuständen manifestieren.348 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatri< Interview mit dem Teufel Floras Geschichte ch habe bereits erwähnt. begegnen bei den dadurch ausgelösten inneren Erlebnissen sehr häufig zornigen Gottheiten und dämonischen Kräften. bösen Wesen. dass die Erscheinungen des Bösen. Eine sorgfältige Untersu­ chung zeigt. enorm machtvollen. Völkermord und anderen menschlichen Tragödien und Gräueltaten.sei es Sauerstoffmangel bei der Geburt oder pränataler Stress. Menschen. Holotropes Atmen machen oder eine spirituelle Krise erleben. himmlischen Reichen und paradiesischen Visionen uns Zu­ gang zu normalerweise verborgenen. lebensbedrohliche Er­ eignisse oder körperlicher und sexueller Missbrauch. in engem Zusammenhang mit extrem schwierigen und schmerzlichen traumatischen Erfahrungen im au­ genblicklichen oder früheren Leben des betroffenen Individuums stehen . I . Auf der kol­ lektiven Ebene sind bösartige archetypische Wesen und Motive offensichtlich die treibenden Kräfte hinter Kriegen. furchterregenden Un­ terwelten und Höllenreichen manifestiert. numinosen Dimensionen der Wirklichkeit verschaffen können. die Psychedelika genommen haben. die sich in Gestalt von dunklen Energien. Häufig jedoch enthüllen sie auch die Schattenseite des Universums.

die ich am Maryland-Psychiatric-Research-Center in Baltimore gegen Ende der 1960er-Jahre behandelte.Interview mit dem Teufel 349 Das Ausmaß an Schmerz. Im therapeutischen Kontext können diese Geschehnisse eine erstaunlich heilsame und transformative Wirkung haben. Ich bin im Laufe meines Berufsle­ bens dämonischen Phänomenen in vielen verschiedenen Formen und Abstufungen begegnet. das sich menschliche Wesen gegenseitig zufügen und im Verlauf ihrer Geschichte erleben. ein holländischer Mikrobiologe und Erfinder des Mikroskops. einer Patientin. ist wirklich über­ wältigend. die an unserem For­ . fasste diese Tatsache mit einem Satz zusammen: »Das Leben lebt vom Leben . Es hatte jedoch keine Kli­ nikbetten. das mit seinen nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen einge­ richteten Labors und Behandlungsräumen auf dem Grundstück des Spring-Grove-State-Hospital stand. Es gehört zu den schwierigsten Herausforderungen der spirituellen Reise. vierstöckiges Gebäude. spastische Krämp­ fe in verschiedenen Körperteilen. Der englische Dichter Alfred Lord Tennyson nannte die Natur »rot in Zahn und Kralle«. doch waren sie nie so dramatisch und extrem wie bei der Begleitung von Flora. eine veränderte Stimme. für den Beobachter wahrnehmbaren Anzeichen. plötz­ liches heftiges Erbrechen und vieles mehr. aber das ist Gottes Wille. die Existenz bewusst in ihrer Gesamtheit zu begrüßen und ihre dunkle Seite in ihrer ganzen Tiefe anzunehmen. Doch die Schattenseite der Existenz erstreckt sich nicht nur auf die menschliche Gesellschaft. Die Patientinnen und Patienten. in dem sie stattfanden. Häufig gehen innere Begegnungen mit dem Bösen einher mit äußeren. Sie ist untrennbar verknüpft mit dem gesamten Gewebe des Lebens. Dazu ge­ hören merkwürdige Grimassen. bösartige Blicke. Antonie van Leeuwenhoek.es ist grausam.« Lebende Organismen können nur auf Kosten anderer lebender Organismen überleben. Zum besseren Verständnis dieser Ereignisse muss ich zunächst kurz den Kontext schildern. Unser For­ schungszentrum war ein brandneues.

die mehr Glück im Leben haben. mit dem Wagen über Klippen zu fahren oder frontal mit anderen Autos zusammenzustoßen. Flora wies die komplizierteste und schwierigste Kombination von Symptomen und Beschwerden auf. wie unsere Einladung zustande gekommen war. Psychotherapie und Beschäftigungs­ therapie. darunter auch Beruhi­ gungsmittel. die mir in meiner psychia­ trischen Praxis jemals begegnet sind. Während dieses Treffens verstanden wir nach und nach. Sie war süchtig nach Heroin und nahm Aufputsch.350 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie schungsprojekt teilnahmen. Antidepressiva. Deswegen kam es für uns überraschend. waren auf den Stationen der staatli­ chen Klinik untergebracht. doch ohne Erfolg. Ein Psychiater von Spring-Grove stellte den Fall von Flora vor. und ich zu einem Teamtreffen des Spring-Grove-State-Hospital eingeladen wurden. die seit über zehn Monaten auf der ge­ schlossenen Station untergebracht war. Mit sechzehn Jahren betei­ ligte sie sich als Mitglied einer Bande an einem bewaffneten Raub­ überfall. Man hatte hier mit ihr sämtliche verfügbare Therapien ausprobiert. als eines Tages Dr. Als Fahrerin des Fluchtautos saß Flora vier Jahre im staatlichen Gefängnis und wur­ de dann für die restliche Zeit ihrer Verurteilung auf Bewährung entlassen. Nun drohte Flora eine Überweisung auf die Station für chronische Fälle. Leiter der klinischen Dienste. bei dem ein Nachtwächter getötet wurde. In den folgenden stürmischen Jahren wurde sie zur Alkoholikerin und mehrfachen Drogenabhängigen. wo sie ihr restliches Leben mit chronischen Psychotikern und geriatrischen Patienten würde ver­ bringen müssen. Die Beziehung zwischen den Belegschaften der beiden Institutionen war etwas distanziert und angespannt. einer 28-jährigen al­ leinstehenden Patientin. Ihre schweren Depressionen waren von heftigen Selbstmordtendenzen begleitet. . denn das Klinikpersonal sah in uns so etwas wie Ver­ wandte. Charles Savage.und Beruhigungsmittel in ho­ hen Dosierungen. Häufig verspürte sie den Impuls.

um »dem allem ein Ende zu bereiten«. Flora war les­ bisch und hatte in ihrem ganzen Leben noch nie mit einem Mann geschlafen. die wir unseren Patienten geben konnten. die wir Flora gaben. eine Freundin und Mitbewohnerin schwer verletzt. vor allem bei einem so schwierigen Fall. nicht nur aufgrund der Heftigkeit und Komplexität der vorliegenden psychiatrischen Probleme. Savage und mich. denn sie hatte. wenn sie emotional erregt war. bei der man mit einem intrakraniellen Eingriff (in den Schädel. Anm. die zu der Zeit gerade im Land tobte. gewalttätige Phantasien und Impulse sowie starke Selbstmordtendenzen. durch den Vertrag. Vor dem Hintergrund der au­ genblicklich vorherrschenden Negativhaltung zu Psychedelika würde man für alle Folgewirkungen der LSD-Sitzungen. tic douloureux genannt.) ihren Trigeminus-Nerv durchtrennen würde. Außerdem war die Anzahl der LSD-Sitzungen. Sie hatte Zugang zu Waffen. Wir fan­ den das eine extrem schwierige Entscheidung.Ü. Und das war natürlich ein großer Nachteil. als sie ein Gewehr säubern wollte und dabei unter Einfluss von Heroin stand. d. ob wir seine Patientin in unser Programm für LSD-Psychotherapie aufnehmen würden. Ein Neurochirurg von der Johns-Hopkins-Universität hatte zur Beseiti­ gung dieses Symptoms eine Gehirnoperation vorgeschlagen. den uns das National-Institute-of-Mental-Health (NIMH) diktiert hatte. das oft auftrat. dass sie gericht­ lich in die Klinik eingewiesen worden war. Wegen ihrer sexuellen Neigungen hatte sie mit schweren inneren Konflikten und Schuldgefühlen zu kämpfen und gelegent­ lich Selbstmord erwogen. die Droge oder unsere Behandlung verantwortlich machen. sondern auch wegen der Hysterie in Bezug auf LSD. Am Ende der Fallbesprechung in Spring Grove fragte Floras Psychiater Dr. auf drei begrenzt.Interview mit dem Teufel 351 Sie litt auch an hysterischem Erbrechen. Noch komplizierter wurde die Situation dadurch. Das qualvollste Symptom war für sie jedoch ein schmerzhafter Gesichtskrampf. Wie erwähnt besaß Flora bereits eine kriminelle Vergangenheit. ohne die bisherige Krankengeschichte unserer Patientin .

welche eine Nahaufnahme des . Floras erste beiden LSD-Sitzungen mit hoher Dosierung unter­ schieden sich nicht groß von vielen anderen. und Flora drohte ein lebenslanger Aufenthalt auf der Station für chronisch/psychisch Kranke. Auch bei ihrer dritten LSD-Sitzung passierte in den ersten bei­ den Stunden nichts Besonderes. und Flora durchlebte wiederholt Sequenzen ihres Kampfes im Geburtskanal. das wir damit auf uns nahmen. Andererseits hatte man alle konventionellen Möglichkeiten ausgeschöpft. die ich bislang beglei­ tet hatte. Sie konnte ihre heftigen Selbstmordtendenzen und die schmerzhaften Gesichtskrämpfe nun in Zusammenhang mit bestimmten Aspekten ihres Geburtstraumas bringen und viele intensive Emotionen und körperliche Verspannungen loslassen. Flora begann zu weinen und klagte. Nach reiflicher Überlegung beschlossen wir. der mich an die letzte Szene aus dem Film Rosemarys Baby erinnerte. Sie musste sich einigen Situationen aus ihrer stürmischen Kindheit stellen. in denen es um Alkoholismus. Das wussten wir. die schmerzhaften Krämpfe in ihrem Gesicht würden unerträglich. den Versuch zu wagen und sie in das LSD-Programm aufzunehmen. Sie sprach nun mit einer tiefen männlichen Stimme und war insge­ samt so anders. Aber dann nahm die Sitzung plötzlich eine überraschende Wende. der am besten als »Maske des Bösen« zu beschreiben ist. Ihre Geburt war sehr schwierig ver­ laufen. Sie machte ähnliche Erfahrungen wie in den beiden vorangegangenen Sitzungen. dass ihre verzweifelte Situation das Risiko recht­ fertigte. dass ich an ihr kaum noch Ähnlichkeiten mit ih­ rem früheren Aussehen entdecken konnte. Doch insgesamt schien der therapeutische Gewinn all dieser An­ strengungen minimal. Gewalt und Inzest in ihrer Ursprungsfamilie ging.352 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie zu berücksichtigen. Ihr Blick war von einer unbeschreiblichen Bösartigkeit. denn wir hatten das Gefühl. Vor meinen Augen verstärkten sich diese Be­ schwerden und ließen ihr Gesicht zu einem grotesken Ausdruck erstarren.

Auf der einen Seite hatte ich mit diesen Ängsten zu kämpfen und auf der anderen den Impuls. wenn ich ihm nicht gehorchte. Er behauptete. Es folgte ein ganzer Schwall von weiteren erpresserischen Drohungen. eine Gestalt an und stellten sich als Teufel vor. Ich geriet emotio­ nal ziemlich unter Druck und verspürte eine geradezu metaphy­ sische Furcht. mich mit dieser Er­ scheinung des Bösen auf einen aktiven psychischen Kampf einzu­ lassen. die unheimliche Atmosphäre zu beschreiben. Die erpresserischen Drohungen bekamen noch mehr Gewicht durch die Tatsache. sie gehöre ihm. Die Anwesenheit des Bösen war ganz greifbar zu spüren. und drohte jedem mit Strafe. mich von Flora fernzuhalten und jeden Versuch. ihr zu helfen. die jetzt wie Klauen aussahen. Es fällt mir schwer. Auch er­ wischte ich mich dabei. »Er« wandte sich direkt an mich und befahl mir. Als ich ihnen später erzählte. Ich überlegte fieberhaft. vervollstän­ digten dieses Bild. die ihren Körper und ihre Stimme in ihrer Gewalt hatten. aufzugeben. staunten sie. bei denen er mir ausmalte. meinen Kolleginnen und Kollegen und unserem Projekt bevorstand. realistisch und überzeugend. Dann nahmen die Kräfte. die bei die­ ser Szene im Raum entstand. was in dieser Sitzung über sie durch­ gesickert war. was mir. denn weder die Patientin noch ich hät­ ten von diesen ganz speziellen Details ihres Privatlebens auf üb­ lichem Wege erfahren können.Interview mit dem Teufel 353 Säuglings zeigt. viele jedoch auch meine Kolleginnen und Kollegen in Spring Grove. Auch wenn ich bereits in früheren LSD-Sitzungen hin und wieder Manifestationen des Dämonischen erlebt hatte. wie ich vorgehen sollte. dass sie konkrete Informationen enthielten. der es wagen sollte. ernsthaft Überlegungen anzustellen wie . in sein Gebiet einzudringen. Floras spastisch verkrampften Hände. so doch nie dermaßen extrem. zu denen die Patientin in ihrem Alltag unmöglich Zugang haben konnte. der vom Teufel empfangen wurde. Einige dieser Informationen betrafen mich persönlich.

dass es in der spiritu­ ellen Literatur über Erscheinungen des Bösen immer hieß. wie dieser merkwürdige Zustand einge­ setzt hatte. dass uns beide. mich lediglich in dem Glauben bestärkten. ruhig und zentriert zu blei­ ben. und ihr Gesicht nahm wieder seinen üblichen Ausdruck an. Ich beschloss. Flora und mich. konzentrierte mich auf ihr entstelltes Gesicht und versuchte es mir so vorzustellen. Ich fragte mich ernsthaft. dass zu unserer therapeutischen Einrichtung unbedingt ein Kreuz gehören müsse. Wesentlich war also. hier ein mächtiges metaphysisches Wesen vor mir zu haben. eine schützende Hülle aus weißem Licht umgab. hielt ich Floras verkrampfte Hand. was auch immer mir vor Augen kam.außer in eigenen psychedelischen Sitzungen . die ich .je­ mals erlebte. Wie ich schon bald erfuhr. Diese Situation dauerte länger als zwei Zeitstunden. Unwillkürlich fiel mir dabei eine Szene aus dem Film Star Trek ein. In ih­ rem späteren schriftlichen Bericht führte sie zunächst die ersten Stunden der Sitzung auf. dass wir in Situati­ onen wie diesen Zeugen der Manifestation eines jungschen Arche­ typus wurden. dass meine Emotionen. Während ich auf das Licht meditierte.354 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie die. in der es um einen außerirdischen Eindringling im Raumschiff Enterprise ging. konnte Flora sich überhaupt nicht erinnern. Der Wech­ sel geschah ebenso abrupt. und das Kreuz hier eine angemessene archetypische Abwehr gewesen wäre. was in diesen zwei Stunden geschehen war. Nach meinem subjektiven Zeitgefühl waren das die längsten zwei Stun­ den. wie ich es sonst kannte. Daraufhin verordnete Dr. McCoy der gesamten Belegschaft Tranquilizer. dass sie Licht verabscheuen. ob ich mit . Mir wurde bald klar. eine meditative Haltung einzunehmen und zu Visualisieren. um dann fortzufahren mit den Ereignis­ sen nach ihrer »Besessenheit«. Mir fiel ein. so wurde mir dadurch klar. der sich an den Emotionen der Besatzung labte. Nach diesen zwei Stunden entspannte sich Floras Hand. sei es Angst oder Aggression. Mein Verstand sagte mir.

empfand den Koitus aber als schmerzhaft und unangenehm. Flora begann auch. Auch wenn es in den folgenden Jahren in ihrem Leben ziemlich auf und ab ging. Nichts schien dafür zu sprechen. musste sie nicht wieder in die Klinik zurück oder in die psychia­ trische Einrichtung überwiesen werden. den der Arzt von der Johns-Hopkins-Universität vorgeschlagen hatte. Die Gesichtskrämpfe traten nur noch äußerst selten auf. die Flora in der Sitzung zwei Stunden beibehalten hatte. Floras Selbstmordtendenzen verschwanden. ihr dieses ma­ kabre Thema bewusst zu machen. Die hier verkörperten Kräfte schienen sich in der »Maske des Bösen«. Zu meiner großen Überraschung war diese Sitzung ein erstaun­ licher therapeutischer Durchbruch. Diese sexuelle Neuorientie­ rung war jedoch oberflächlich und nicht von Dauer. die fast ihr ständiges Zu­ hause geworden wäre. In meiner über 50-jährigen Praxis als Psychiater habe ich kei­ ne weitere dermaßen dramatische und anhaltende Besserung erlebt . Flora strahlte und fühlte sich wunderbar. erschöpft zu haben. Die gelegentlich wiederkehrenden Schmer­ zen waren so geringfügig. Die Ehe endete nach drei Monaten. Heroin und Beruhigungsmitteln auf und schloss sich begeistert einer kleinen religiösen Gruppe in Catonsville än. abgesagt werden. was ich in ihrer Amnesie beobachtet hatte. und entschied mich schließlich dagegen. diesmal jedoch mit erheblich weniger Schuldgefühlen. Sie gab den Konsum von Alkohol. Ihr Zustand besserte sich so weit. dass sie aus der Klinik entlassen werden konnte und in Baltimore einen Job als Taxifahrerin annahm. und sie lernte ihr Leben neu zu schätzen. Flora konnte zwar mit ihrem Mann schlafen. und Flora nahm ihre lesbischen Beziehungen wieder auf.Interview mit dem Teufel 355 ihr besprechen sollte. Also konnte der neurochirurgische Eingriff. dass Flora noch nicht einmal Medika­ mente einnehmen musste. mit heterosexuellen Beziehungen zu expe­ rimentieren und heiratete schließlich.

dass nach vielen Jahren des Studi­ ums und der Praxis von Medizin und Psychiatrie die dramatischste therapeutische Heilung. die auf den Entdeckungen der modernen Wissenschaft beruhen. ist für mich nicht ohne Ironie und einen gewissen kosmischen Humor. Die Tatsache.356 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie wie in Floras Fall. nicht durch offiziell anerkannte. die mir je im Leben begegnete. Diese Besserung beruhte auf einer Behandlung. psychiatrische Behandlungsmethoden erfolgte. die eher einer mittelalterlichen Teufelsaustreibung oder den Praktiken eines Medizinmanns glich als einer der respektablen und rationalen the­ rapeutischen Methoden. .

Den Archetyp der Daphne verkörpern 357 Den Archetyp der Daphne verkörpern Marthas Geschichte Z u dem reichen Spektrum an transpersonalen Phänomenen ge­ hört auch die Identifizierung mit anderen Lebensformen. Sie fasste das in die Worte: »Mein Körper fühlt sich irgendwie schrecklich verkehrt an.« Diese Beschwerden be­ gannen nach Vorfällen. der ein gut aussehender junger Mann war. dass diese Erfahrungen manchmal in einem tie­ fen Zusammenhang stehen mit den verschiedensten emotionalen und psychosomatischen Problemen. ergeb­ nisloser Behandlung mit verschiedenen Psychopharmaka und an­ deren konventionellen Methoden in das experimentelle Programm der LSD-Psychotherapie aufgenommen wurde. Marthas psychiatrische Diagnose enthielt Begriffe wie »bizarre hypochondrische Beschwerden« und »Borderline-Psychose mit vagen Verzerrungen der Körperwahrnehmung«. empfand aber starke Widerstände gegen . dass diese unbewussten Erfahrungen den Betroffenen voll bewusst werden. Martha war selbst sehr attraktiv und hatte viele Verehrer. Gelegent­ lich wird deutlich. Die verblüf­ fendsten Symptome bestanden in merkwürdigen Empfindungen in den Beinen und im übrigen Körper. die nach monatelanger. die Martha selbst als »wiederholte sexuelle Belästigung« durch einen ihrer Mitarbeiter bezeichnete. In diesen Fällen erfordert die Heilung. Das zeigt sich in der Fallgeschichte von Martha. einer 32-jährigen Klientin von mir. unter anderem mit Pflanzen und ihren botanischen Prozessen. die Martha nur schwer be­ schreiben konnte.

358 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie eine verbindliche Beziehung oder Ehe. Schließlich beruhigte sich Martha und war einverstanden. dass dieses höchst eindringliche Gefühl der Identifizierung mit ver­ schiedenen Aspekten der Natur in psychedelischen Sitzungen sehr häufig auftrete und keine Gefahr darstelle. sagte sie. Durch die Verabreichung solcher Medikamente mitten in einem »schlechten Trip« . dass Martha sie unerträglich fand. Das Schlimmste.unter Mainstream-Fachleuten leider ein verbreitetes Vorgehen . Sie kreisten um ihre traumatischen Kindheitserlebnisse und verschiedene As­ pekte ihrer Geburt. »Es ist absolut verrückt«. wenn ich weitermache. mit ihrer LSD-Sitzung fortzu­ fahren. die geprägt war vom wiederholten Missbrauch durch einen älteren Cousin. wie glaubhaft und überzeugend die­ se Sorge auch sein möge. sei. Das verhindert eine positive Lösung der zugrunde liegenden Probleme und damit auch einen erfolgreichen Abschluss der Sitzung.stagniert das Erleben meist in einer schwierigen Phase. dass sie sich selbst als Baum erlebe. warum sie mit der Sitzung nicht fortfahren wollte. Marthas erste LSD-Sitzungen verliefen relativ normal. »Aber ich glaube. was wir in der psychedelischen Therapie um jeden Preis zu vermeiden suchen. ihr ein Beruhi­ gungsmittel zu injizieren. doch diesmal waren sie für . Die merkwür­ digen Empfindungen in ihren Beinen verstärkten sich und wurden schließlich so heftig. Sie wollte ihre Sitzung daraufhin abbrechen und bat mich. verstärkten sich die merkwürdigen Empfindungen in ihrem Körper und ihren Beinen wieder. dass sie sich nicht in ei­ nen Baum verwandeln würde. Als sie die Augen schloss und ihre Aufmerksamkeit nach in­ nen richtete. Ich erzählte ihr. Im Gespräch mit Martha konnte ich herausfinden.« Ich versicherte ihr. verwandle ich mich in einen Baum. was ihr passieren kön­ ne. Sie führte ihre sexuellen Schwierigkeiten auf ihre Kindheit zurück. In einer ihrer späteren Sitzungen veränderten sich ihre inneren Erlebnisse plötzlich dramatisch.

die als Quelle von physischer Energie alles Leben auf unserem Planeten versorgt. der Quelle der Kräfte von Kreativität und Logos im Universum.d. Und der Boden. wurde schließlich auch zur kos­ mischen Sonne. Ihr Gesicht zeigte einen ekstatischen Ausdruck.Grundlage und Geheimnis des Lebens auf unserem Planeten. erkannte sie. Anm. Jetzt spürte Martha den Austausch von Wasser und Mineralien in den winzigen Feder­ wurzeln und Wurzelhaaren des Baumes. mythologischen Gestalt von Mutter Erde. Als sie diese Gefühle zuließ. Sie spürte die Zellaktivität im Kambi­ um (teilungsfähig bleibendes Pflanzengewebe.) und spürte. Der Baum selbst bekam eine mythologische Bedeutung und war jetzt der Baum des Lebens. empfing deren Licht und erlebte in ihren Zellen den mysteriösen Prozess der Photosynthese .Den Archetyp der Daphne verkörpern 359 Martha erträglich. dass sie die Sitzung jetzt tatsächlich genoss. das völlig normale und sehr authentische Erleben eines Baumes war. das tief in die Erde reichte. der phantastischen. Ihre Einsichten beschränkten sich jedoch nicht auf die bota­ nischen Aspekte dieses Lebens als Baum. Ihr Körper wur­ de zum Stamm des Baumes. sondern hatten auch eine zutiefst göttliche Qualität und eindeutig mythologische und spiri­ tuelle Dimensionen.Ü. Martha hatte das Gefühl. den ihr diese Erfahrung vermittelte. streckte ihre Arme zum Kimmei und behielt diese Haltung lange bei. wie präzise der Einblick in die Anatomie und Physiologie des Baumes war. Sie hatte eine starke Vision von der Sonne. und es war ganz offensichtlich. Ihre Füße und Zehen wuchsen und verzweigten sich zum Wurzelgeflecht. was sie bislang als seltsame Empfindungen und verzerrte Wahrnehmung ihres menschlichen Körpers betrachtet hatte. wurde zu Gaia. wie die Säfte durch das System der Venen im Splintholz strömten. dass ihre Finger wuchsen und sich zum Geäst mit reichem Blattwerk verzweigten. . So entwickelte sich Marthas Erfahrung. dass das. Sie staunte. Sie stand auf. Was Martha zunächst als astronomische Son­ ne wahrnahm. in dem der Baum wuchs.

betete Daphne zur Erde und zu ihrem Vater um Rettung und ver­ wandelte sich daraufhin in einen Lorbeerbaum. Viele Bewunderer bedrängten sie. Im weiteren Verlauf der Sitzung machte Martha eine Erfahrung. auch den Gott Apollo. zu heiraten und eine Familie zu gründen. sie aber wies alle ab. Nach dieser Sitzung verschwand Marthas verzerrtes Körperbild. machte das viel Sinn. die ihr die tiefere. Nach der griechischen Mythologie weihte Daphne ihr Leben der Göttin Artemis und wei­ gerte sich wie diese.j6o Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie die schwierig und beängstigend begonnen hatte. archetypische Bedeutung ihrer Symptome ent­ hüllte: Sie identifizierte sich mit Daphne. einer jungen schönen Nymphe. Vor dem Hintergrund von Marthas Widerständen gegen eine Heirat und der Tatsache. und sie öffnete sich für den Gedanken. zu heiraten. Als dieser sie verfolgte. zu einem eksta­ tischen und mystischen Erlebnis. dass ihre Symptome nach den unge­ wollten Annäherungsversuchen ihres höchst attraktiven Mitarbei­ ters begonnen hatten. . Tochter des Flussgottes Peneus.

oder Elektrakomplex Zusammenhängen. bekam diese aufgeregte Freude über Freuds Theorien und seine therapeutische Methode durch meine späteren klinischen Erfahrungen einen erheblichen Dämpfer. Psychiatrie zu studieren. wie ihre emotionalen und psychosomatischen Symptome mit postnatalen Themen wie oralem Kannibalismus. glaube ich heute. Diese theoretischen Einsichten führten jedoch nicht zu entsprechend beeindruckenden klinischen Resultaten. Reinlichkeitserziehung. Bei meinen Erfahrungen mit der therapeu­ tischen Anwendung holotroper Zustände ist es jedoch genau an­ ders herum: Wir beobachten nach tiefen psychedelischen Erlebnis­ sen und holotropen Atemsitzungen oft dramatische therapeutische A . Ich habe in meiner psychiatrischen Praxis mit vielen Patien­ tinnen und Patienten gearbeitet. dass die meis­ ten seiner theoretischen Gedanken dem Test der Zeit nicht stand­ gehalten haben und grundlegend revidiert werden müssen. Gegen sein therapeutisches Vorgehen hege ich inzwischen sogar noch stärkere Vorbehalte. die nach jahrelanger Psychoanaly­ se ganze Vorträge darüber halten konnten. Urszenen und Ödipus. Ob­ wohl ich Freud immer noch als großartigen Pionier auf dem Gebiet der Tiefenpsychologie bewundere.Heilung von Depressionen durch ein sephardisches Gebet 361 Heilungvon Depressionen durch ein sephardisches Gebet Gladys’ Geschichte uch wenn die begeisterte Lektüre von Sigmund Freuds Vorle­ sungen zur Einführung in die Psychoanalyse mich inspiriert hat.

obwohl sie keine deutliche Linderung ihrer Morgendepressionen erbrachte. Doch trotz der intensiven Körperarbeit in der Endphase ihrer Sit­ zung gelangte Gladys zu keinem befriedigenden Abschluss. höchst ungewöhnlich. ohne auch nur die geringste Idee zu haben. . im Gegensatz zu reaktiven Depressionen (die durch äußere Lebensumstände hervorgerufen werden). Wie sie der Gruppe zu Beginn des Workshops mitteilte. was in der Therapie von Depressionen ein wichtiger Schritt ist. litt sie seit etwa vier Jahren an Anfällen von schweren Depressionen. bei denen sie mit traumatischen Situati­ onen aus ihrer Kindheit und Kleinkindzeit konfrontiert war. denn typisch für diesen Zustand sind starke emotionale und physische Energieblockaden. Das ist für eine Sitzung. Ein eindringliches Beispiel dafür ist die Geschichte von Gladys. in denen sie selbst atmen. In ihrer ersten eigenen Sitzung hatte Gladys tiefe Erlebnisse. Aus traditioneller Sicht sind das typische Symptome für endogene (wörtlich: »innerlich ausgelöste«) Depres­ sionen. einer jungen Frau. Diese täg­ lichen Anfälle begannen immer morgens und dauerten in der Regel mehrere Stunden. Ihre zweite Sitzung am übernächsten Tage reichte noch tiefer in ihr Unbewusstes und bestand fast ausschließlich darin. Anziehen. in der wir systematisch auf eine Verarbeitung des Erlebten hinarbeiten. Zähneputzen. Sie hatte zu dieser Sitzung ein gutes Gefühl. auch nur die grundlegendsten Aufgaben zu bewältigen . die an einem unserer fünftägigen Workshops in Esalen teilnahm.Duschen. Sie durchlebte auch noch einmal mehrere Phasen ihrer biologischen Geburt. In dieser Zeit war es für sie ein einziger Kampf.362 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie Veränderungen. und sie »begleiten« zwei Sitzungen von anderen Gruppenmitgliedern. wa­ rum und wie diese zustande kamen. Bei unserem fünftägigen Workshop für Holotropes Atmen ma­ chen die Teilnehmenden im typischen Fall zwei eigene Sitzungen. dass sie ihre Geburt noch einmal durchlebte. die von heftigen Ängsten begleitet waren. Diese Vorgänge aktivierten bei Gladys erstaunliche körperliche Kräfte.

und begannen so­ fort.Heilung von Depressionen durch ein sephardisches Gebet 363 Am nächsten Morgen stellten sich ihre Depressionen wie üblich ein. unser Programm umzustellen. zur Methode des Holotropen Atmens oder zur Theorie stellen konnten. sich dem Fluss der Musik hinzugeben. in welchem Zustand Gladys war. Fast eine Stun­ de zitterte Gladys. dass sie weinten. Damit fuhr sie eine ganze Weile fort. eindringliche Form an.eine Gruppendiskussion. mangelnde Initiati­ ve und Apathie zu empfinden. in der Gladys sich äußerte. was Gladys innerlich erlebte. waren die meisten Teilnehmenden so berührt. was dabei für sie hochkam. Als Gladys ihren Gesang been­ . Wir ermutigten sie. Doch kannten und verstanden wir die Sprache nicht. erlebnisorientiert mit ihr zu arbeiten. gab laute Töne von sich und schien mit unsichtbaren Gegnern zu kämpfen. die Laute einfach kommen zu lassen. selbst wenn die Worte für sie keinen Sinn ergaben. Ihre Be­ wegungen nahmen allmählich eine extrem stilisierte. dass sie in dieser Phase ihre schwierige Geburt noch einmal durchlebte. Später erzählte sie. Manche begannen zu meditieren und legten die Hände zusammen wie zum Gebet. bei der die Teilnehmer Fragen zu ihrem Pro­ zess. tief zu atmen. Statt die üblichen Flemmungen. und alles anzunehmen. Als wir sahen. beschlos­ sen wir jedoch. Wir baten sie. Schließlich setzte Gladys sich auf und sang eine betö­ rende. waren aber ausgeprägter und nahmen auch eine andere Form an als bislang. Ursprünglich hatten wir für die Morgensitzung ein offenes Forum geplant . ohne sie zu zensieren oder zu beur­ teilen. sich wiederholende Melodie. sich in die Mitte der Gruppe zu legen. Ohne die Worte zu verstehen oder zu wissen. Im weiteren Verlauf wurden ihre Schreie artikulierter und klangen wie die Worte einer unbekannten Sprache. würgte und hustete. war Gladys erregt. doch ging die Erfahrung diesmal noch tiefer als in ih­ ren vorangegangenen Sitzungen. und ihre Worte waren jetzt deutlich vernehmbar. in welcher Form auch immer. die wie ein Gebet klang. Gladys’ Gesang hatte auf die Gruppe eine extrem starke Wir­ kung. die wir abspielten.

die mir in meiner psychiatrischen Laufbahn je­ mals begegnet sind. ein argentinischer Psychoanalytiker aus Buenos Aires. Sie wird auch Ladino oder Judenspanisch genannt und setzt sich aus mittelalterlichem Spanisch und dem Hebräischen zusam­ men. Wie ein merkwürdiger Zufall es wollte. Und doch sind dieses Erlebnis und seine nach­ haltige Wirkung auf Gladys sowohl ihr als auch uns bis zum heutigen Tag ein Mysterium geblieben. war sie völlig ruhig und legte sich wieder auf den Boden.einer Sprache. Ich weine und werde immer wei­ nen. ließ Gladys ihre Depressionen hinter sich und stabilisierte sich psy­ chisch so weit. was sie tat. Gladys hingegen war nicht jüdisch und konnte weder Hebräisch noch Spanisch. als persönliches Hobby jahrelang Sephardisch studiert. sagte sie. Sie hatte noch nie von Ladino gehört und wusste nicht. Über eine Stunde verharrte sie regungslos in einem Zustand von Seligkeit und Ekstase. der aus einer jüdischen Familie stammte. . dass sie gut damit leben konnte. die er zufällig kannte. der auf die Gruppe einen so tiefen Eindruck gemacht hatte. in welcher Sprache sie ge­ sungen hatte. Carlos übersetzte uns die Zeilen von Gladys’ monotonem Gesang. der an der Gruppe teilnahm.« Mit diesem dramatischen Finale. Wir sind Gladys nach diesem Workshop in Esalen noch zweimal begegnet und wissen von ihr. Sie verstand nicht. wusste. Die wörtliche Übersetzung lautete: »Ich leide und werde immer leiden. Als sie später von ihrer Erfahrung berichtete. und wusste laut eigener Aussage auch nicht. Carlos jedoch. genau das zu tun. dass Gladys in per­ fektem Sephardisch gesungen hatte . Ich bete und werde immer beten. hatte Carlos. sie habe den unwiderstehlichen Drang verspürt. was das war und dass eine solche Sprache überhaupt existierte. was da passierte. Sie machte eine der tiefgehendsten Hei­ lungserfahrungen. dass sich ihre Depressionen nicht wieder eingestellt haben. in dem sie der Gruppe das sephardische Gebet vorsang.364 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie dete.

Mit diesen Pati­ entinnen und Patienten habe ich eine Reihe von LSD-Sitzungen gemacht. Wir müssen dieses therapeu­ tische Vorgehen aber nicht auf Zustände beschränken. Bei der extremen Ketzerei.Fruchtbare psychiatrische Ketzerei 365 Fruchtbare psychiatrische Ketzerei Miladas Geschichte wort erläutert. in der es um Milada geht. die ich in meiner beruflichen Lauf­ bahn begangen habe. sondern konnten es auch bei vielen Individuen anwenden. bin ich mit dieser Strategie sogar noch einen Schritt weiter gegangen. die entsprechende Symptome mit Tranqui­ lizern unterdrückt. bei denen das Schwergewicht auf der spirituellen Dimension liegt. Ein Beispiel dafür ist die folgende Geschichte. »diese Prozesse bewusst zu durchleben«. diametral entgegengesetzt war. Bei meiner Arbeit am Psychiatrischen For­ schungsinstitut in Prag habe ich bei mehreren Patienten mit der Diagnose Psychose eine Vorgehensweise angewendet. Bei diesem neuen Herangehen an spontan auf­ tretende holotrope Bewusstseinszustände ersetzen wir die wahllose Unterdrückung von Symptomen mit Psychopharmaka durch psy­ chologische Unterstützung und ermutigen den Betroffenen. die der kon­ ventionellen Therapie. U nser'Modell der »spirituellen Krise« habe ich bereits im Vor­ . um ihren Prozess zu aktivieren und zu vertiefen und das in ihm enthaltene Heilungspotenzial für eine positive Lösung ihrer Konflikte zu nutzen. deren außerge­ wöhnliche Erfahrungen keine eindeutig spirituellen Elemente ent­ hielten.

Im fünften Mo­ nat ihrer Analyse musste sie in die Klinik eingewiesen werden. Sie hatte beim Nestor der tschechischen Psychoanalyse eine psychoanaly­ tische Langzeittherapie angefangen und machte bei ihm dreimal wöchentlich eine Sitzung von jeweils 45 Minuten. versprach ihr eine wunderbare gemeinsame Zukunft. gab ihr Ratschläge und machte ihr ganz konkrete Vorschläge. organisch-neurotische und hysterische Übertragungssymptome aufwies. hatte sie in diesen Situationen orgastische Gefühle von kosmischen Aus­ maßen. Dabei beschrieb er ihr bis ins Detail seine leidenschaftlichen Gefühle für sie. der verheiratet war und Kinder hatte. eine 38-jährige Psychologin. so sagte sie. Ein paar Wochen später begann sie zu halluzinieren und hörte die Stimme ihres eingebildeten Geliebten. dass ihrer beider Scheidungen in die . dass ihr heimlicher Geliebter trotz körperlicher Abwesenheit auf magische Weise mit ihr schlief. Ein wichtiger Aspekt ihrer klinischen Symptomatologie war ein erotomanes Wahnsystem. bevor sie mit der LSDBehandlung begann. dass diese Zuneigung nicht einsei­ tig war. dürfe nach außen hin nicht sichtbar werden. die viele besessen-zwanghafte. Ihr Chef. sondern sie mussten es hin­ ter der Fassade ihrer formalen sozialen Kontakte verbergen und innerlich erleben. sondern ihr Chef ihre Leidenschaft erwiderte. jahrelang an einer komplizierten psychischen Störung gelitten. hatte. zu­ mindest am Anfang nicht. die sie so interpre­ tierte. Milada verliebte sich heftig in den Leiter ihrer Abteilung und fühlte sich sexuell unwiderstehlich zu ihm hingezogen. könne seine Gefühle für sie einfach nicht offen ausdrücken. Obwohl sie beim Koitus mit ihrem eigenen Ehemann nie einen Orgasmus bekam. In den Abend. Sie war sicher. weil sie akute psychotische Symptome entwickelte. Dieses starke erotische und spirituelle Band zwischen ihnen. Ihr Chef vermittelte ihr jetzt.366 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie Milada.und Nacht­ stunden erlebte Milada heftige sexuelle Gefühle. Allmählich veränderte sich dann der Inhalt ihres Austauschs.

Milada hereinzulassen. Als Milada anfing. Dazu kam. der ein sehr kalter Mensch gewesen war und den sie niemals wirklich erreichen konnte. Sie setzte sich auch intensiv mit ihrer komplizierten Ehe auseinander. Tatsächlich verwickelte sie sich mit der Frau ihres Chefs. Eines Tages verließ sie morgens ihren Mann. Nachdem man sie in der Klinik monatelang erfolglos mit Tranquilizern und Antide­ pressiva. Die erotomanen Wahnvorstellungen.und Gruppentherapie behandelt hatte. um mit ihren Kindern und mehreren Koffern in die Woh­ nung ihres Vorgesetzten zu ziehen. die um ihren Chef kreisten. musste sie in die Kli­ nik eingewiesen werden. der sie so­ wohl emotional als auch körperlich missbrauchte. Nach zwölf LSD-Sitzungen mit einer mittleren Dosis waren ihre psychotischen Symptome ganz verschwunden. unter dem Einfluss ihrer Wahnvorstel­ lungen und Halluzinationen aktiv zu werden. konnte sie viele au­ genblickliche emotionale Probleme zurückverfolgen bis zu deren Quelle in ihrer unglücklichen Kleinkindzeit und Kindheit. Ihr Mann war ein unsensibler und grausamer Mensch. in eine heftige körperliche Auseinandersetzung. Während sie noch einmal traumatische Erinnerungen aus ver­ schiedenen Phasen ihres Lebens durchlebte. In den folgenden Sitzungen arbeitete sie eine Reihe von komplizierten neurotischen und psychosomatischen Problemen durch. inter­ pretierte sie als eine Übertragung der Gefühle für ihren Vater. Einzel. die sich weigerte. seine politische Karriere zu verfolgen und überhaupt keine emotionale Stütze für sie. das aus regelmä­ ßigen LSD-Sitzungen bestand. begann sie ein experimentelles therapeutisches Programm.Fruchtbare psychiatrische Ketzerei 367 Wege geleitet worden seien und sie demnächst Zusammenleben könnten. dass die beiden gemeinsamen Kinder Anzeichen für schwere emotionale Störungen zeigten und eine professionelle Behandlung brauchten. und Milada war ihr früheres irrationales Verhalten jetzt völlig einsichtig. . Als glühendes Mitglied der Kommunistischen Partei war er völlig damit beschäf­ tigt.

Einmal verbrachte ich eine Woche in Amsterdam. und wir kommunizierten sogar verbal. dass wir in manchen dieser halluzinierten Ge­ spräche »die Psychotherapie fortsetzten«. waren so heftig und gingen so tief. bei der ihr Zwillingsbruder starb. Dazu gehörten auch täglich ein mehrstündiges Bad und Körperübungen sowie Handarbeiten wie Stricken und Sticken. . dass sie weiterhin psychotherapeutische Sitzungen mit mir habe. Wir »besprachen« verschiedene Aspekte ihres Lebens. die seit vielen Monaten nicht mehr aufgetreten waren. Die Emotionen und körper­ lichen Empfindungen bei ihrer schwierigen Geburt. Als sie ihr Geburtserlebnis beendete und mit dem Tod des Egos ab­ schloss. dass Mi­ lada diese Sitzungen ein »psychologisches Hiroshima« nannte. Interessant war. Im Verlauf der LSDPsychotherapie hatte Milada eine Übertragungspsychose entwi­ ckelt. Der einzige Unterschied bestand darin. wie sie für den Prozess von Tod und Wiedergeburt typisch sind. plötzlich voll­ ständig wieder einstellten. wie es bei den meisten neurotischen Patienten der Fall war. sondern um mich. Sie hatte ein reiches Spektrum an Erlebnissen. und fühlte sich mit mir innerlich ständig verbunden. Sie glaubte jetzt. erwartete ich eine eindeutige Verbesserung ihres Zustands. und sie setzte in die Tat um. In der Zeit phantasierte Milada. was meine illusorische Stimme ihr vorschlug. so­ wohl in den LSD-Sitzungen als auch in der Zeit dazwischen. und Milada durchlebte noch einmal ver­ schiedene Aspekte ihrer schwierigen biologischen Geburt. Zu meiner großen Überraschung musste ich jedoch beobach­ ten.368 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie Dann verlagerten sich ihre Erfahrungen in den LSD-Sitzungen in den perinatalen Bereich. Sie stand in einem ständigen inneren Gedankenaustausch mit mir. die in der Klinik des Psychiatrischen Forschungsinstituts in Prag unterge­ bracht war. dass ihre erotomanen Phantasien und Erlebnisse jetzt nicht mehr um ihren Chef kreisten. wo ich eine Konferenz über LSD-Psychotherapie besuchte. dass sich ihre ursprünglichen psychotischen Symptome. unter meinem hypnotischen Einfluss zu stehen.

Anm. ich habe beschlossen. und bat sie.d. die sich lieben. mich nicht mehr mit »Doktor Grof« anzureden. meinen Nachnamen zu tragen. Wiederholt versicherte ich ihr. Ich ermunterte sie. habe sie ihre Frage mit den Worten weggewischt: »Lassen Sie mich in Ruhe. was sie da tue. lange auf Ze­ henspitzen gestanden. die ich ihr abends und nachts gab. die ich ihr gab. üblich ist. Eine Zeitlang nahm Milada viele Stunden am Tag bizarre Hal­ tungen ein. Unter anderem bezog sich Milada jetzt auch auf »hypnogame Sitzungen« (Wortschöpfung der Patientin. ich umarme ihn (womit sie mich meinte).« Es blieb natür- . ihre Scheidung sei bereits in die Wege geleitet. wie sie unter Verwandten. Ich erlaubte Milada auch. engen Freunden und Menschen. Aus dem Kontext ihrer LSD-Sitzungen wurde klar. Die sexuellen Empfindungen und Beischlafhalluzinationen. Einmal. sagte ihr. bei denen sie manchmal auf dem Bett lag. Hochzeit. Das Tschechische bringt den Unterschied zwischen en­ gen. habe sie. dass Miladas magisches Wunschdenken auf der tiefsten Ebene ein Übertragungsphänomen war. damit sie lernte. ihre Sexualität zu genießen und ihre Therapie schneller vorankam. mit ihren beiden Kindern in meine Wohnung zu ziehen. manchmal stand.). interpretierte sie jetzt als Lektionen.Fruchtbare psychiatrische Ketzerei 369 Schließlich erzählte ich ihr in diesen halluzinierten Gesprächen. zusammengesetzt aus den Wörtern Hpynose und gamos = gr. das therapeutische Versteckspiel aufzugeben und ihr Geliebter und Ehemann zu werden. sondern »Stanya« (eine Koseform meines Vornamens) zu nennen und die informelle grammatikalische Version der zweiten Person zu benutzen. das die frühe symbiotische Bezie­ hung zu ihrer Mutter widerspiegelte. die Arme weit ausgestreckt und zusammengeschlossen. statt den ihres Ehemannes. sie zu lieben. vertrauten und eher formalen Beziehungen sprachlich zum Ausdruck (wie auch das französische »tu« und »vous«. erzählten mir die Krankenschwestern. die sie zu dieser Zeit hatte.Ü. bedeutet also wörtlich: »Heirat durch Hypnose«. das deut­ sche »du« und »Sie« oder das spanische »tu« und »Usted«). Als sie Milada fragten.

hinge in diesen Zeiten ganz entschei­ dend von ihrer Körperhaltung ab. habe mich genau auf die richtige Größe verkleinert und ihre Arme im rich­ tigen Abstand zum Boden ausgestreckt. ihr wöchentlich LSD zu geben. so erläuterte sie uns. Ihr emotionaler und psychosomatischer Zu­ stand. die dadurch entstanden. Wie Milada nahmen auch sie stundenlang merkwürdige und oft bizarre Körperhaltungen ein.370 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie lieh nicht aus. In einer Hinsicht unterschied sich Miladas »Katatonie« jedoch signifi­ kant von der schizophrener Patienten: Wir konnten sie verbal im­ mer erreichen und bewegen. dass sie den Uterus . embryonale Krisen und die äußeren Schwierig­ keiten zurückführte. Außerdem begriff sie. Milada. In manchen Haltungen fühlte sie sich ekstatisch und selig und war eins mit dem ganzen Kosmos. die an einem Symptom litten. das »wächserne Biegsamkeit« (flexibilitas cerea) heißt. und bot eine faszinierende Erklärung dafür an. Das empfand sie als eine Wiederholung ihrer pränatalen Situation. so erzählten sie mir neckend. dass ihr übel wurde und sie eine geradezu metaphysische Angst verspürte. In diesen Sitzungen ging es fast ausschließlich um negative Erfahrungen transpersonaler Natur. was sie da tat. Auf der Grundlage früherer Erfahrungen mit anderen Klien­ tinnen und Klienten fuhr ich trotz Miladas hartnäckiger psycho­ tischer Symptome fort. dass die Schwestern mich zur Zielscheibe ihrer Witze machten. die ich auf der Station für chronisch Kranke bei katatonischen Schizophrenen zu sehen bekam. Ein wichtiger Schwerpunkt dabei waren schwierige intrauterine Erinnerungen. sich vernünftig zu unterhalten. die Milada auf den emotio­ nalen Stress und die Krankheiten ihrer Mutter während der Schwangerschaft. wo sie mit ihrem Zwillingsbruder um den Schoß der Mutter kämpfen musste. diese Positionen aufzugeben. indem wir einfach ein Gespräch mit ihr anfingen. Dann nahm sie eine normale Körperhaltung ein und war imstande. In anderen war sie so heftig depressiv. Äußerlich glichen Miladas Körperhaltungen denen.

die durch die stürmische Ehe ihrer Eltern heftig in Mitlei­ denschaft gezogen worden waren. dass ihre bemerkenswerte Besserung anhielt.Fruchtbare psychiatrische Ketzerei 371 mit ihrem Zwillingsbruder teilen musste. Sie distanzierte sich von ihrer psychotischen Welt und präsentierte mir interessante psychologische Einsichten in die­ se. Statt holotrope Erfahrungen auszulösen. Sie war voller Le­ bensfreude. traf ich mich bei einem meiner Besuche mit ihr und konnte dabei feststellen. deren vorherrschendes Element das Gefühl war. lebte als alleinstehende Frau und versorgte ihre beiden Kinder. mit dem Kosmos eins zu sein. In der letzten Behandlungsphase trat in einer von Miladas Sit­ zungen ein höchst ungewöhnliches Phänomen auf: Das LSD hatte eine paradoxe Wirkung. wandte sie sich ganz formal an mich. Sie empfand sich als göttliches Kind im Schoß der Großen Muttergöttin. Viele Jahre später. reichte die Scheidung von ihrem Mann ein. Milada konnte die emotionalen Krisen im Leben ihrer beiden Kinder be­ wältigen. Zu meiner Überraschung war ihre Persönlichkeit nach dieser Sitzung völlig neu strukturiert und zeigte keines der vorigen psychotischen und neurotischen Symp­ tome mehr. brachte es Milada zurück in den Normalzustand. kehrten die Symptome der Übertragungspsychose jedoch zurück. Sie konnte wieder arbeiten. Sobald das Mittel wirkte. Selbst als ihre Tochter Selbst­ . In der folgenden Sitzung befand sie sich stundenlang in einer tiefen Ekstase. Diese Erinnerungen wa­ ren oft begleitet von schwierigen karmischen Sequenzen und ar­ chetypischen Erfahrungen mit dämonischen Kräften. nach der Befreiung der Tschechoslowakei. Nach ihren eigenen Worten konnte sie sich und die Welt jetzt anders empfinden als jemals zuvor. wie es in der Tsche­ choslowakei zu der Zeit für die Beziehung zwischen Arzt und Pati­ entin üblich war. schätzte Natur und Kunst auf eine ganz neue Weise. Als die Wirkung der Droge nachließ. hatte eine völlig andere Einstellung zu ihren Kindern und konnte ihre früheren unrealistischen Ambitionen und Phantasien aufge­ ben.

brach Milada emotional nicht völlig zusammen und musste nicht in die Klinik eingewiesen werden. indem sie sich vor einen Zug warf.372 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie mord beging. wie ich es in meiner über 50-jährigen Praxis nie wieder erlebt habe. weiterhin ihren Alltag zu bewältigen. gelang es ihr. Auch wenn sie tiefe Trauer über den Tod ih­ rer Tochter empfand und mit Schuldgefühlen zu kämpfen hatte. machte Milada diese Ausbildung und erwarb ein Zertifikat als Begleiterin. Als wir unser Training für Holotropes Atmen und Transperso­ nale Psychologie nach der Befreiung der Ostblockländer auch in diesem Teil der Welt durchführen konnten. . Ein hochkon­ troverses und geradezu ketzerisches therapeutisches Vorgehen hat­ te so dramatische Verbesserungen im Leben dieses Menschen bewirkt.

die verstorbene Dora Kalff. so zum Beispiel. Anfangs dachte ich. diese Tatsache ver­ weise auf eine spezielle Beziehung zwischen Synchronizitäten und holotropen Bewusstseinszuständen. einer ungewöhnlichen therapeutischen Technik. Auch im Umfeld des Sandspiels. doch im Laufe der Zeit ge­ langte ich zu dem Schluss. Dieses Phänomen tritt auch extrem häufig in der therapeutischen Arbeit mit Menschen auf. Synchronizitäten stark zunehmen. die eine spiritu­ elle Krise durchmachen. wenn die Teilneh­ menden ihre Partner für die Sitzungen wählten oder sogar schon auf dem Weg zum Workshop. weil wir praktisch bei jedem unserer Be­ suche in der Schweiz zu Gast in ihrem schönen alten Haus in Zolli­ kon in der Nähe von Zürich waren. Wir haben in unseren Workshops oft beobachtet. dass es be­ reits vor Beginn der holotropen Atemsitzungen zu bemerkens­ werten Synchronizitäten kam. Christina und ich hatten häufig Kontakt zu Dora. die unsere liebe Freundin. die holotrope Bewusstseinszustände auslösen. haben wir be­ merkenswert oft Synchronizitäten erlebt.Magisches Sandspiel 373 Magisches Sandspiel Ein Kätzchen als Therapeut w ir haben wiederholt erlebt. unter Doras Anleitung eigene Erfahrungen mit dem Sandspiel . dass durch therapeutische Me­ thoden wie die psychedelische Therapie oder das Holotrope Atmen. Beide bekamen wir Gelegen­ heit. entwickelte. dass es eher auf den transpersonalen Rahmen und das entsprechende Umfeld zurückzu führen ist als auf einen speziellen Bewusstseinszustand.

eine Szene zu gestalten. Nachdem wir selbst erlebt hatten. benutzten wir im­ mer einen Raum als Sandspielzimmer.G. Das Sandspiel ist denkbar einfach. der sehr viel älter war als sie. sondern jede Therapeutin trägt ihre eigene Auswahl zusammen. die sichtbar in Regalen stehen.6 x 1 Meter). In Doras Regal standen viele erstaunliche Dinge aus aller Welt. die er frei auswählt. besuchte sie mit ihren Kindern gern ein kleines Dorf. das könne ihr Freude machen. Jung selbst. Man braucht dafür einen Kasten in vorgeschriebener Größe (etwa 0. Tiere. Jung schlug ihr daraufhin vor. Wie es der Zufall wollte. und eine große Samm­ lung von Gegenständen. Ge­ genstände aus der Natur wie Steine oder Muscheln sowie mytholo­ gische Gestalten und Symbole. und sie erzählte ihm. weil er glaubte. verliebten Christina und ich uns regelrecht in das Sandspiel und bauten es in die einmonatigen Workshops ein. und gab ihr ein paar grundlegende Anweisungen dafür.374 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie zu machen und durften dabei auch ihre erstaunliche Utensilien­ sammlung benutzen. dass sie nach einer Aufgabe für sich suche. das auch für Jung und seine Verwandten ein beliebter Ferienort war. dessen eine Hälfte mit sauberem Sand gefüllt wird. Der Klient hat die Aufgabe. wo unsere Seminare stattfanden. wie tief es ging. Das Spielzeug hatten wir . die wir in Esalen veranstalteten. Damals war Dora verheiratet mit einem hollän­ dischen Baron. und lebte mit ihm in Holland. Bäume und typische Wohnstätten aus verschiedenen Ländern. Im Big House. Nach dem Tod ihres Mannes kehrte sie mit ihren Kindern in die Schweiz zurück und suchte verzweifelt nach einer neuen Perspektive und Richtung in ihrem Leben. mit der therapeutischen Anwendung des Sandspiels zu experimen­ tieren. hatte sie die Idee zum Sandspiel von C. Dazu ge­ hören menschliche Figuren verschiedener Rassen und Berufe. Dort lernten Dora und Jung sich kennen. Wie Dora uns erzählte. die Sand­ oberfläche zu formen und mit Hilfe der Figuren und Gegenstände. Man benutzt für das Sandspiel keine feste Standardsammlung von Dingen.

Als sie uns alle zusammengetrommelt hatte. überladene Szene. Sie schleppte uns mit ins Big House und die Treppe hoch in das Sandspielzimmer. . Es war für alle in der Gruppe offensichtlich.Magisches Sandspiel 375 zum Teil selbst gesammelt. und sie machte sich auf die Suche nach Cecil. drehte. eine wilde Pirouette und rannte durch die gegenüberliegende Tür wieder aus dem Zimmer. während sie ihren Namen brüllte. gestaltete sie eine komplexe. war Cecil Burney. Als Mary mit dem Sandspiel an der Reihe war. der als Gastdozent in die Gruppe kam. mir und Al Drucker. sich mit einer typischen Bewegung oder Geste vorzustellen. dass wir mitkommen und uns ihr phantastisches Sandspiel an­ schauen müssten. Dinge zu verbergen. Eine der bemerkenswertesten und witzigsten Synchronizitäten. die wir im Zusammenhang mit dem Sandspiel erlebten. Sie hatte »die unglaublichsten Or­ gasmen«. ihr Sexualleben und die sexuelle Potenz ihres 70-jährigen Ehemannes pries. oder es stammte aus dem Reisegepäck unserer Gastdozenten. malte »die großartigsten Mandalas« und so weiter und so fort. Christina. dass diese über­ triebene Selbstbeweihräucherung nichts als ein verzweifelter Ver­ such war. die ihr idealisiertes Leben und ihre romantisch verklärte Ehe darstellte. Außer in den seltenen Fällen. die Teilnehmer bat. ein jungscher Psychologe und einer von Doras älteren Schülern. wo Dora mit ihrem Sohn Martin selbst zu Besuch kam. die in Wirklichkeit ganz anders aus­ sahen. passierte bei einem unserer einmonatigen Workshops. Als Emmett Miller. in dem eine Teilneh­ merin namens Mary sämtlichen Gruppenmitgliedern »die Knöpfe drückte«. rannte durch eine of­ fene Tür in den Raum. bestand sie darauf. einem Rolfer und Akupunk­ teur aus Esalen. unser Sandspieltherapeut vor Ort. machte bei der Atemarbeit »phantastische Erfahrungen«. wobei sie ihre Ehe. Sie war geradezu manisch und redete ununterbrochen. ein Hypnotiseur. um uns ihre unvergleichliche Schöpfung zu zeigen. Ihr eigenes Werk versetzte sie in große Aufregung. lief Mary nach draußen.

Cecil«. und während ih­ rer Abwesenheit war ein Kätzchen hereinspaziert und hatte den Sandkasten als Katzenklo benutzt.« . bei einem Abendessen über Syn­ chronizitäten.376 Teil 6: Unorthodoxe Psychiatrie Als wir dort ankamen. war sie am Boden zerstört. Als Mary das sah. was ihr da gerade passiert war. das ihr Leben viel realistischer und ehrlicher darstellte als die erste Szene. bekannt für seinen scharfen Humor und sei­ ne verbale Schlagfertigkeit. einen di­ cken Haufen Scheiße. Beim Verlas­ sen des Zimmers hatte sie die Tür offen gelassen. So entstand ein völlig anderes Sand­ spiel. wo das Sand­ spiel die größte Verzerrung der Wirklichkeit darstellte. stieß einige der Hauptpersonen um und hinterließ dort. Sie musste die Katzenscheiße und den verschmutzten Sand aus dem Kasten entfernen und einige der Figuren waschen. »Mir sagt das Folgendes. Dabei dachte sie gründlich nach über das. Es sprang in den Kasten. war sie wie vom Blitz getroffen. Unter den Anwesenden war auch der Anthropo­ loge Michael Harner. Sie nahm einige der Figuren ganz weg und tauschte andere aus. Michael und Cecil verwickelten sich oft in Wortgefechte. und sie blieb allein zurück mit ihrer ruinierten Sandspielszene. Wir gingen. ohne auch nur eine Sekunde zu verlieren. Australien. schoss Michael los. Ein paar Monate später sprachen wir während der ITA-Konferenz in Phillip Island. und es brach ihr das Herz. Bei dieser Gelegenheit erzählte Cecil Burney von Marys Sandspiel. »diese Katze ist ein besserer Therapeut als du.

Teil 7 Transpersonale Psychologie und MainstreamWissenschaft .

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dass die Transpersonale Psychologie ex­ trem viele Angriffsflächen bot. zu denen die moderne Bewusstseinsforschung gelangt war. Jahrhunderts häuften sich die pro­ vozierenden Beobachtungen der Bewusstseinsforschung. dass es weder mit der traditionellen Psychologie und Psychiatrie noch mit dem newtonschen-kartesianischen Paradigma der westlichen Wissenschaft vereinbar war. Der Vorwurf. ging mit anderen Kulturen sensibel um und begegnete den rituellen und spirituellen Traditionen aus uralten Kulturen und Eingeborenen-Gesellschaften mit dem Res­ pekt. und die Grundaussagen der Transpersonalen Psychologie stießen in akademischen Kreisen auf Ungläubigkeit und heftige theoretische Widerstände. wie sie Ende der 1960er-Jahren geboren wurde. Eine Folge davon war.Wenn Wissenschaft zu Pseudo-Wissenschaft wird 379 Wenn Wissenschaft zu PseudoWissenschaft wird Carl Sagan und seine von Dämonen verfolgte Welt I n der zweiten Hälfte des 20. Wie umfassend und gut be­ gründet dieses neue Gebiet als solches auch war: Es stellte eine so radikale Abwendung von dem in professionellen Kreisen üblichen akademischen Denken dar. die das alte Paradig­ ma sprengten und für welche die akademischen Wissenschaften keine Erklärungen finden konnten. Die Transpersonale Psychologie. unwissen­ . Sie akzeptierte und integrierte auch ein großes Spektrum an anormalen Phänomenen und Beobachtungen. irrational. den sie vor dem Hintergrund der Erkenntnisse verdienten.

was sie als Bild der Wirklichkeit präsentieren. das wis­ senschaftlich bewiesen und über jeden Zweifel erhaben ist. die nicht wahrnahmen. sind dem Fanatismus eines religiösen Fundamentalismus nicht un­ ähnlich. . Diese Vorreiter und Vorreiterinnen entwickelten und begrüßten die trans­ personale Sicht der menschlichen Psyche nicht deswegen. sondern weil sie die alten Denkmodelle auf dem Hintergrund ihrer Erfahrungen und Beobachtungen eindeutig unzureichend fanden. den eine ganze Reihe von metaphy­ sischen A-priori-Annahmen stützen sollen. Als außeror­ dentlicher Vertreter seines Faches gelangte er durch seine Mitwir­ kung bei den meisten Missionen mit unbemannten Planetensonden. weil sie die Grundaussagen der traditionellen Wissenschaft ignorierten. Ihre Haltung entbehrt jeglicher soliden wissenschaftlichen Grundlage. die sich gegen jede Form von Spiritualität im Allgemei­ nen und die Transpersonale Psychologie im Besonderen wenden.380 Teil 7: Transpersonaie Psychologie und Mainstream-Wissenschaft schaftlich oder sogar »verrückt« zu sein. Ein hervorstechendes Beispiel für diese Art Wissenschaftler war Carl Sagan. die die augenblickliche wis­ senschaftliche Weltanschauung als richtige und definitive Beschrei­ bung der Wirklichkeit betrachteten und an dieser Sicht entschlossen und stur festhielten und taub waren für sämtliche Gegenbeweise. dass diese neue Bewegung auf einem enorm umfangreichen Beobachtungsmaterial und ent­ sprechenden Daten beruhte. als ein Koloss auf wackligen Beinen. Der Widerstand hingegen kam zu großen Teilen von Vertre­ tern der akademischen Gemeinschaft. Inhalt und Heftigkeit der Reaktionen einiger Mainstream-Wissen­ schaftler. kam vor allem von Wis­ senschaftlern. Bei näherer Untersuchung erweist sich jedoch das. Diese Kritiker ließen auch die Tatsa­ che außer Acht. Professor für Astronomie und Raumfahrtwissen­ schaft an der Cornell-University in New York City. Sie ignorieren und verzerren sämtliches existierende Beweismaterial und schotten sich ab gegen beobachtete Tatsachen und logische Argumente. dass viele der Pioniere dieser revolutionären Bewe­ gung beeindruckende akademische Referenzen aufwiesen.

Komitee zur wissenschaftlichen Untersuchung paranormaler Be­ hauptungen. Suche nach außerirdischen Intelligenzen. Anm. Unsinn zu entlarven (Sagan 2000).Ü).) an und nahm die Dienste des Magiers James Randi in Anspruch. und die von Pioneer 10. was in seinen Augen irrational. Er hat auch zusammen mit Frank Drake die goldene Tafel entworfen.Ü. Anthropologie und vergleichender Religionswissenschaft zu Gehör kam. ins All befördert wurde. der in weiten Kreisen Anerkennung fand.d. einer leidenschaftlichen Straf­ predigt gegen die Irrationalität und ihre Gefahren. Anm. was ihm an Beobachtungen von zahlreichen verschiedenen Experten aus anderen Disziplinen wie Parapsycho­ logie. dass sämtliche paranormalen Behauptungen nichts als Lug und Trug seien.Wenn Wissenschaft zu Pseudo-Wissenschaft wird 381 bei der Gründung des SETI-Projektes (Searchfor Extraterrestrial In­ telligence. schloss sich der Zeitschrift The Sceptical Inquirer (Der skeptische Fragende.d. Um sein Ziel zu erreichen und die Kultur von der Verschmut­ zung durch Okkultismus und Aberglaube zu säubern. dem ersten Raumfahrzeug. Statt jedoch seinen beruflichen Erfolg und den guten Ruf auf seinem Fachgebiet zu genießen. Kurz vor seinem Tod durch Leukämie wurde aus seinem Science-Fiction-Roman Contact ein Film mit dem glei­ chen Titel gedreht.d. Thanatologie. mit der Erdenbürger außerirdischen Zivi­ lisationen eine Botschaft übermitteln wollten.Ü. Anm. startete Carl Sagan aus unbe­ kannten Gründen mit erstaunlicher emotionaler Heftigkeit und Entschlossenheit einen Feldzug gegen alles. wurde Carl Sagan Gründungsmitglied einer Organisation namens CSICOP (Committee for the Scientific Investigation of Claims of the Paranormal. der ihm helfen sollte zu beweisen. Dabei nahm er die Position eines Schiedsrichters ein. . unwissenschaftlich und okkult war. das das Sonnensystem verließ. der mit großer Autorität uner­ bittlich verurteilte.) und als Redakteur der hochgelobten amerikanischen TV-Serie Cosmos zu weltweitem Ruhm. All diese Bemühungen gipfelten in Sagans Buch Der Drache in meiner Garage oder die Kunst der Wissenschaft. psychedelischer Forschung.

Die dritte perinatale Grundmatrix hängt zusam­ men mit der schwierigen Passage durch den Geburtskanal. der Gebärmutterhals aber noch nicht geöffnet ist. sowie sich der Gebärmutterhals genügend geweitet hat. die oftmals von einem übernatür­ lichen Licht und himmlischen Erscheinungen berichteten. Hier schildere ich. die den Fötus in der Phase der Geburt be­ fallen. und die den fortschreitenden Phasen der kindlichen Geburt entsprachen. machte diese Beobach­ tung den Visionen der Mystiker. Carl war besonders fasziniert von meiner Beschreibung der vierten perinatalen Matrix.382 Teil 7: Transpersonale Psychologie und Mainstream-Wissenschaft Mein erster Kontakt mit Carl war ein begeisterter Brief. Das Wiedererleben der Geburt bei vollem Bewusstsein wird also von den Betreffenden als psychospiritueller Prozess von Tod und Wiedergeburt erfahren. die im typischen Fall verbunden ist mit Visionen von strahlendem Licht und zahlreichen archetypischen Gestalten. Dabei konnte ich vier erlebnisorientierte Grundmuster unterscheiden. wie mei­ ne Patienten in der LSD-Therapie oft eine tiefe Regression erleben. Und bei der vierten perinatalen Grundmatrix wiederholt sich schließlich der Augenblick der Geburt selbst und die unmittelbar anschlie­ ßende Wiederverbindung mit der Mutter. gründ­ lich den Garaus. die er in einem Artikel formuliert hatte. Ich bezeichnete sie als perinatale Grundmatrizen (BPM) . die dieser Prozess durchlief. den die Zeitschrift Atlantic Monthly (Sagan 1979) 1979 veröffentlichte. Die erste perinatale Grundmatrix verweist auf die pränatale Exis-tenz im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft vor dem Einsetzen der Entbindung. den ich kurz nach der Veröffentlichung meines Buches Topographie des Un­ bewussten (Grof 2002) von ihm erhielt. die be­ ginnt. bei der sie mit intensiven Emotionen und Körperempfindungen die Erinnerung an ihre biologische Geburt durchleben. . die sich in diesem Licht zeigen. wo der Uterus kontrahiert. Die zweite perinatale Grundmatrix bezeichnet die Erfahrung des klaustrophobischen Schreckens und der Hoffnungslosigkeit.siehe auch Seite 141 f. Nach seiner Meinung.

beginnt: »Der Kosmos ist al­ les.Wenn Wissenschaft zu Pseudo-Wissenschaft wird 383 Er zog den Schluss. Carls Interpretation der perinatalen Visionen. die es begleiten. für die ich zahlreiche klinische Beispiele gab. das ins grelle Licht des Opera­ tionssaals hineingeboren wird und seine Geburtshelfer und die Schwestern in ihren weißen Kitteln sieht. aus meinen Beobachtungen seine eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen. Dieses Material stellte tatsäch­ lich eine der Quellen für die Transpersonale Psychologie dar . stand in scharfem Widerspruch zu meiner eigenen Beschreibung dieses Phänomens. Carl wiederholte dieses Argument später in seinem Buch Auf­ bruch in den Kosmos (Sagan 1982). wie Menschen diesen psychospirituellen Prozess von Tod und Wiedergeburt durchliefen. was die Mystiker für gött­ liches Licht und Engelwesen hielten. Nachdem ich praktisch Hunder­ te von Malen beobachtet hatte. ausführlichen Be­ schreibungen von spirituellen Erfahrungen widmete. in Wirklichkeit um Erinne­ rungen des Neugeborenen handelte. wo er diesem Thema unter dem Titel »Das amniotische Universum« ein ganzes Kapitel widmet. Es war natürlich sein gutes Recht. Die Fehlinterpretation dieser Situation als einer göttlichen ging also auf die Tatsache zu­ rück. was ist oder jemals war oder jemals sein wird« (Sagan 1996). sein Hauptwerk. wurde mir klar. dass ich die zweite Hälfte meines Buches To­ pographie des Unbewussten. dass er meine eigene Interpretation abtat und mich als Entlarver des Mystizismus auf einen Sockel stellte. auf das er sich bezog. dass es sich bei dem. die er meinem Buch entnahm.einer . ontologisch real sind und nicht auf unseren Erfah­ rungen in der materiellen Welt beruhen. Eine ganz andere Sache war es jedoch. Damit ignorierte er auch die Tatsache. dass die Sicht des Neugeborenen. und damit auch sein Er­ kenntnisvermögen. dass das Wiedererleben der Geburt ein Tor zum jungschen kollektiven Unbewussten ist und die archetypischen Visionen. Dieses Thema ist von größter theoretischer Wichtigkeit in Hinblick auf Carls provoka­ tive Äußerung über die Natur der Wirklichkeit. mit der er sein Buch Unser Kosmos. noch nicht voll entwickelt sind.

was für unsere Diskussion wichtig ist?«. »Was glauben Sie. die die Transpersonale Psychologie begründet hatten. sich selbst ein unabhängiges Urteil zu bilden. die ich an die Öffentlichkeit brachte. Spiritualität zu legitimieren. Dabei zitierte er auch den Fall des deutschen Pferdes »der kluge Hans«. sorgfältig zu handhaben. Er betonte. fragte er. Ich nahm seine Einladung an und traf mich mit ihm in Boston in seinem Hotelzim­ mer. um ein Treffen. die Informationen. Betrüger und Hochstapler Menschen in die Irre geführt hatten. Als die Transpersonale Psychologie mit ihren Bemühungen. die nicht imstande waren. dessen Besitzer behauptete. antwortete ich. Schließlich bat Carl mich als letztes existie­ rendes Mitglied einer kleinen Gruppe von Fachleuten. »Die Frage nach dem ontologischen Status von transpersona­ len Erfahrungen«. Carls Frau Ann Druyan und der Harvard-Psychiater und -Forscher John Mack teil. die man in Italien aus­ gegraben und als versteinerten Riesen ausgegeben hatte. »zum Beispiel solchen. bei de­ . An diesem Treffen nahmen auch meine Frau Christina. Wissenschaftler dürften nur ausgereifte. den Betrug um eine Figur. Er wollte sich offen mit mir konfrontieren und die theoretischen Grundlagen meiner Disziplin mit mir diskutieren. rein wissenschaftliche Wahrheiten an Menschen wei­ tergeben. Dann zählte er eine Reihe von Beispielen dafür auf. und noch einige weitere Vorfälle dieser Art.384 Teil 7: Transpersonale Psychologie und Mainstream-Wissenschaft Disziplin. es könne Rechen­ aufgaben lösen. mit dem wir beide befreundet waren. auch in akademischen Kreisen an Ein­ fluss gewann. wie Gauner. Zu Beginn unserer Sitzung erinnerte Carl mich an meine Ver­ antwortung als ausgebildeter Mediziner und Psychologe und er­ mahnte mich. wurde sie Carl und der CSICOP-Gruppe zunehmend ein Dorn im Auge. die eine Synthese von echter Spiritualität und Wissen­ schaft herzustellen sucht. da das Laienpublikum die Worte gebildeter Menschen mit akademischen Titeln ernster nehme als die anderer Informanten.

das meinen Sie? Na. die unserem Bewusstsein normalerweise nicht zugäng­ lich sind?« »Geben Sie mir Beispiele!«. und 184 ff. und eines hatte eine obskure archetypische Vision von der schrecklichen Muttergöttin der Malekulaner in Neu-Guinea zum Inhalt (siehe Ottos Geschichte auf Seite 342).Wenn Wissenschaft zu Pseudo-Wissenschaft wird 385 nen Menschen sich mit anderen Personen oder Lebensformen identifizieren. »Ach. sagte er. Sind all das Halluzinationen und Phantasien. drängte er mich und wirkte ver­ blüfft und verwirrt.). Rassen. bei zwei Erfahrungen dieser Art ging es um historische Er­ eignisse (siehe die Geschichten von Renata und Karl auf Seite 174 ff. dieses wunderbare Organ. ihren Körper verlassen. Drei dieser Bei­ spiele betrafen die Identifizierung mit Tieren (Adler. Visionen von archetypischen Wesen und Dimensionen haben oder sich an Ahnen. das ist leicht zu erklären. die keinerlei Grundlage in der Realität haben. »Amerikanische Kinder sitzen im Durchschnitt etwa sechs Stunden vor dem Fernseher. Wal und Löwe). kar­ mische Ereignisse und phylogenetische Erlebnisse erinnern. Ich beschrieb ihm mehrere Erfahrungen. Vieles davon vergessen sie wieder. darunter auch wissenschaft­ liche wie Nova oder den Discovery Channel. das ist ja kein großes Mysterium«. Während er sich meine Geschichten anhörte. Sie schauen sich viele verschiedene Sendungen an. speichert . aber ihr Gehirn. die weit über das Wissen hinausgingen. das sie sich in ihrem jetzigen Leben auf dem üblichen Weg angeeignet hatten. oder aber authentische Vorfälle von Verbunden­ heit mit realen Dimensionen und damit Quellen für wichtige Infor­ mationen. die Menschen in au­ ßergewöhnlichen Bewusstseinszuständen gemacht hatten. bei de­ nen sie sich mit verschiedenen Aspekten der materiellen Welt ver­ bunden fühlten oder mit historischen und archetypischen Dimensionen des kollektiven Unbewussten in Berührung kamen und dadurch Zugang zu Informationen gewinnen konnten. gewann Carl sei­ ne Fassung zurück und spielte sich jetzt als autoritärer Lehrer auf.

Menschen.« Ich war frustriert. Nach der faszinierenden Studie. dass das menschliche Bewusstsein bei außerkörperlichen Erfahrungen in Nahtodsituationen imstande ist.386 Teil 7: Transpersonale Psychologie und Mainstream-Wissenschaft alles. der Naturwissenschaften studiert hat wie kann ein gebildeter Mensch das anders sehen? Da ich das Gefühl hatte. sowohl seine unmittelbare Umge­ bung als auch weit entfernte Orte ohne Vermittlung der Sinne wahrzunehmen. Da dieses Thema durch Bestseller. können wir auf keinen Fall Zugang zu Informationen bekommen. Fernseh-Talkshows und sogar Hollywood­ filme große Teile der Öffentlichkeit erreicht hatte. Wenn meine subjektiven Erfahrungen scheinbar neue Infor­ mationen enthielten. die Kenneth Ring . Aber. worauf es mir ankam. die Tod und Sterben erforscht. müssen sie irgendwann und ir­ gendwo in diesem Leben empfangen haben. die unabhängig voneinander bestätigt hatten. glaubte ich da­ mit gut verdeutlichen zu können. was nicht zuvor in der sinnlichen Wahrnehmung war). dass wir auf eine Sackgasse zusteu­ erten. berief ich mich auf die Thanatologie. Carl kam mir hier mit dem alten Diktum der britischen empiristischen Philosophie. um scheinbar neue wichtige Informationen hervorzubringen. Anders als viele weitere transpersonale Phänomene lassen sich diese Erlebnisse sehr leicht objektiv nachweisen. die uns mit solchen Informationen kommen. die zeigten. Das sollte jedem klar sein. irgendwo. musste ich diese irgendwann. wie Sie ja wissen. In den letzten Jahrzehnten hatten Forscher auf diesem Gebiet einige faszinierende Beobachtungen zusammengetragen. dass Menschen in Nahtodsituationen ihren Körper ver­ lassen. die unser Gehirn nicht durch Sinneseindrücke verzeichnet hat. ir­ gendwie in diesem Leben durch Sinneseindrücke erworben haben. In außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen wird dieses Wissen dann benutzt. das zum verbreiteten Dog­ ma der monistischen materialistischen Wissenschaft geworden ist: »Nihil est in intellectu quod non anteafuerit in sensu« (Der Verstand enthält nichts. Ich verwies auf die zahlreichen thanatologischen Untersu­ chungen.

so berichtete er. Als es genauer wissen wollte. Nachdem ich Carl diesen Fall beschrieben hatte.« Ich schüttelte den Kopf. In Kens Worten machten die­ se Menschen »wahre außerkörperliche Erfahrungen«. Nicht nur. Wie lautet Ihre Erklärung für Erlebnisse wie das. um sich die medizinischen Geräte aus der Nähe anzusehen. die er mit seinen Patienten betrie­ ben hat.Wenn Wissenschaft zu Pseudo-Wissenschaft wird 387 in seinem Buch Mindsight (Ring und Cooper 1999) vorstellt. das ich . wie er sich dieses Ereignis im Rahmen der Weltanschauung. erklärte. schwebte es nach unten. die sich parallel zu den Eingriffen des chirurgischen Teams bewegt hatten. In diesem Zusammenhang zitierte ich auch ein Beispiel aus dem Buch Erinnerungen an den Tod von Michael Sabom. dass diese Menschen in solchen Situation zum ersten Mal in ihrem Le­ ben sehen konnten . Er schwieg eine Weile und sagte dann bestimmt: »Das ist natürlich gar nicht passiert. die aus or­ ganischen Gründen von Geburt an blind waren. bis in alle Einzelheiten beschreiben konnte. ist selbst das außerkörperliche Bewusstsein von Menschen. »Was meinen Sie damit: Das ist gar nicht passiert? Der Herzchirurg Michael Sabom berichtet von diesen Ereignissen auf der Grundlage der Forschungen. Ich erzählte Carl. der die Nahtoderfahrungen seiner Patienten erforscht hatte (Sabom 1987). seine Umgebung wahrzunehmen (siehe auch Seite 228). dass einer von Saboms Patienten die Wiederbelebungsversuche. konn­ te ihm dieser zu seiner großen Überraschung den Ablauf der Wie­ derbelebungsversuche genau beschreiben. die man bei seiner Operation un­ ternommen hatte. In dem Interview. Sein körperloses Bewusstsein. fragte ich ihn. was sie sahen. als es zu einem Herzstillstand kam. konnte auch ein­ hellig von anderen bestätigt werden. einem Herzchi­ rurgen.sondern das. was da vorging. habe diesen Vorgang zunächst von der Decke des OPSaals aus beobachtet. imstande. darunter auch die Be­ wegungen der kleinen Zeiger an den Messgeräten. der er sich verschrieben hatte. weil ich glaubte. das Michael Sabom mit diesem Patienten nach dessen gelungener Wiederbelebung machte. meinen Ohren nicht zu trauen.

die Astrologie zu entlarven. Das ist ein PR-Trick!« Ich war schockiert. dass dieses Phänomen zufällig war. sich die Daten. Bis­ lang kannte niemand diesen Kerl. um auf sich aufmerksam zu machen. »Es gibt viele Herzchirurgen in dieser Welt. lag bei eins zu fünf Millionen. Er glaubte so sicher zu wissen. wurden noch bestätigt durch den Skandal um CSICOP und den sogenannten »Marseffekt«. fragte ich. Also dachte er sich eine sensati­ onelle Geschichte aus. der an seinen pseudo-wissen­ schaftlichen Überzeugungen entschlossen festhielt. als den Gedanken zuzulassen. um was es da geht?«. das für keinerlei Beweise zugänglich war. dass seine Sicht der Welt nicht wissenschaftlich. die ursprünglich darauf ange­ legt waren. »Ich werde es Ihnen sagen«. dass er gründlich nachdachte und um eine Ant­ wort rang. genauer anzuschauen. Meine Erfahrungen mit Carl. Damit war unsere Diskussion tatsächlich in eine Sackgasse geraten. Ich begriff. Es war Carl anzusehen. brach er schließlich sein langes Schweigen. sondern pseudo-wissenschaftlich war. Carl war offensichtlich eher bereit. wiesen die französischen Statistiker Michel und Louise Gauquelin nach.388 Teil 7: Transpersonale Psychologie und Mainstream-Wissenschaft Ihnen gerade beschrieben habe? Was glauben Sie denn. Die statistische Wahrscheinlichkeit. dass er sein Glaubens­ system möglicherweise revidieren oder modifizieren musste. dass in Geburts­ horoskopen berühmter Sportler mit statistisch signifikanter Häu­ figkeit Mars im Aszendenten oder Zenit auftaucht (Gauquelin 1973). . dass er nicht die geringste Neigung verspürte. damit es mit den neuen Daten übereinstimmte. Carls letzte Worte brachten meinen Respekt für ihn ernsthaft ins Wanken. die seine Sicht in Frage stellten. die Integrität und geistige Gesundheit seiner wissenschaftlichen Kollegen in Fra­ ge zu stellen. wie das Universum aussah und was hier möglich war. Sie trat auf als unerschütterliches Dogma. Dieses Mal war die Pause noch länger. Bei Untersuchungen. Zu ihrer eigenen Überraschung war ihre Studie damit eher eine Untermauerung astrologischer Voraussagen als deren Wider­ legung.

George Abeil und Marvin Zelen. indem er einen Artikel mit der Überschrift »Star­ baby« veröffentlichte. Und noch ein weiterer zur Astrologie konvertierter Wissenschaftler befand sich darunter: Hans Eysenck. stand auch Michel Gau­ quelin als Mitwirkender im Programm. Als Rawlins klar wurde. Nachdem man die Ergebnisse der Gauquelin-Studie veröffent­ licht hatte. die über diesen Bericht erbost wa­ ren. Mitbegründer von CSICOP und Mitglied des ge­ schäftsführenden Vorstands (Rawlins 1981). deckte diesen Betrug schließlich auf. statt zuzugeben. beim Weltkongress der Astrologie in Luzern auf der Grundlage meiner Forschungen einen Vortrag über die psychologische Wichtigkeit des Geburtstraumas und über die perinatalen Grundmatrizen zu halten. Paul Kurtz. dass Ehr­ lichkeit wichtiger sei als diese pauschale Hexenjagd auf das Para­ normale. dass die Organisa­ tion vor allem ihre ideologische Position untermauern wollte.Wenn Wissenschaft zu Pseudo-Wissenschaft wird 389 In späteren Jahren untersuchten die Gauquelins anhand von fünf Planeten und elf Berufen astrologische Voraussagen und gelangten zu bedeutsamen. bekannt für seine heftige Kritik an der freudschen Psychoanalyse. Dennis Rawlins. . statt die Wahrheit herauszufinden. kam er zu dem Schluss. dass ihre Ergebnisse die der Gauquelins im Wesentlichen bestätigten. indem sie zuerst eine kritische Antwort formulierten und später ihre eigene Untersuchung durchführten. Nach einer Reihe hitziger Auseinandersetzungen fälschten sie schließlich ihre eigenen Daten vorsätzlich. in diese Kontroverse. Als man mich 1984 einlud. verwickelten sich drei CSICOP-Mitglieder. positiven Ergebnissen: Ihre Daten wurden später von anderen Forschern durch unabhängige Untersuchungen be­ stätigt.

und die einzige Theorie der Neurosen. Wir fanden jedoch heraus. beruhte auf I. Schlaf­ therapie. die man hier akzeptierte. . das offiziell pharmakologisch reines LSD herstellte. Die Behandlung beschränkte sich auf die Verabreichung einer Mischung aus Brom und Koffein. eine interessante und lehr­ reiche Reiseroute zusammenzustellen.P Pawlows Experimenten mit Hunden. Neben der Schweiz war die (ehemalige) Tschechoslowakei damals das einzige Land. 1964 wurden mein Mitarbeiter Zdenek Dytrych und ich im Rahmen eines Austauschprogramms für sechs Wochen in die (ehe­ malige) Sowjetunion eingeladen. Als Stu­ dienleiter des psychedelischen Forschungsprogramms hatte ich unbegrenzt Zugang zu dieser Substanz.390 Teil 7: Transpersonale Psychologie und Mainstream-Wissenschaft Die Morgenlandfahrt LSD für die (ehemalige) Sowjetunion V on 1960 bis 1967 arbeitete ich am Fachbereich für das Studi­ um zwischenmenschlicher Beziehungen des Psychiatrischen Forschungsinstituts in Prag. Die Art von Tiefenpsychothe­ rapie. Die sowjetische Psychiatrie wurde zu jener Zeit von der kommunistischen Ideologie beherrscht. Es war also gar nicht so einfach. In diesen Jahren war mein Hauptver­ antwortungsbereich die Erforschung des therapeutischen und heu­ ristischen Potenzials psychedelischer Substanzen. um dort die sowjetische For­ schung auf dem Gebiet der Neurosen und der Psychotherapie zu studieren. die wir erforschten und die der Schwerpunkt unseres Inte­ resses war. existierte in der Sowjetunion praktisch nicht. Hypnose und Tranquilizer.

vor. praktizierten eine oberflächliche Form von dynamischer Psychotherapie. in der man die experimentellen Neurosen von Mantelpavianen erforschte. mussten das aber strikt für sich behalten. ihnen LSD-Sitzungen zu geben. Freuds Bücher waren in der ehemaligen Sowjetunion verboten.S. Wir beschlossen. der Leiter des Moskauer »Instituts für Psychiatrie der U. Die Mitarbeiter der Abteilung für das Studium von Neurosen. auf unsere Reise in die Sowjetunion 300 Am­ pullen LSD-25 mit je 100 Mikrogramm mitzunehmen. Straumit. Die Psychologen und Psychiater dieser Abteilung. absolut legal.R. Schließlich war Leningrad eine wunderschöne Stadt und allein die Eremitage mit ihrer unglaublichen Kunstsammlung Grund genug. die unter der Lei­ tung von Professor Myasischev ihre eigene Form von dynamischer Psychotherapie praktizierte. und planten für unsere Reise einen vierwöchigen Aufenthalt in dieser Einrichtung ein. auch die höchst uninteressante Ein­ richtung des Akademikers Andrei Snezhnevsky zu besuchen. geleitet von Dr. Sie waren in der tschechoslowakischen pharmazeutischen Industrie herge­ stellt worden und standen zusammen mit Medikamenten wie Tetracyline Antibiotika.S. Und angesichts der politischen Situati­ on war es Pflichtprogramm. Akade­ mie für medizinische Wissenschaften« und Chefideologe der So­ wjetpsychiatrie war. wo wir uns die große Affenfarm am Schwarzen Meer anschauen wollten. Petersburg) eine Gruppe gab. bevor LSD durch den Harvard-Skandal stigmatisiert wurde. waren zwar interessiert an der Psychoanalyse. Georgien. vor allem die jungen. ihr einen Be­ such abzustatten! Unsere Reiseroute sah auch einen Zwischenstopp in Suchumi. Insulin und Aspirin auf der Liste der offiziell zulässigen Drogen.Die Morgenlandfahrt 391 dass es am psychoneurologischen Bechterew-Institut in Leningrad (dem heutigen St. Unser Vorgehen war damals. Beim ers­ ten Teamtreffen am Bechterew-Institut berichteten wir von unserer Arbeit mit Psychedelika und boten interessierten Belegschaftsmit­ gliedern an. .

die ideale. Der Biochemiker Lapin un­ tersuchte die Auswirkungen von Psilocybin. Am Tag meines Vortrags gab ich Doktor Straumit. sodass mein Vortrag für ein großes Publikum zugänglich war. einer LSD-ähnlichen Substanz.392 Teil 7: Transpersonale Psychologie und Mainstream-Wissenschaft weil sein Modell der Psyche den Menschen als Wesen darstellte. zukünftige kommunistische Ge­ sellschaft zu schaffen. eine LSD-Sitzung. auf die Blutgefäße von Kaninchenohren. an meiner Prä­ sentation mitzuwirken und dem Publikum am Ende meiner Rede . dem Leiter der Abteilung. Es gab al­ lerdings einiges an Grundlagenforschung im Labor. denen Informationen über das öf­ fentliche Weltgeschehen durch strenge Zensur vorenthalten wur­ den. indem es ihren Kampf zur Absetzung der herr­ schenden Klasse auf unbewältigte ödipale Konflikte zurückführte. den Belegschaftsmitgliedern LSD-Sitzungen zu geben und uns die erwähnte Eremitage anzuschauen. die geheimen Winkel ihrer Psyche auf Wegen zu erforschen. Die Bechterew-Gruppe musste sehr vorsichtig sein. Und es gab Ge­ rüchte. dass der KGB bei Verhören und Gehirnwäschen Meskalin und LSD einsetzte. Mein Kolle­ ge und ich füllten unsere Zeit in Leningrad damit aus. In der damaligen Zeit existierten in der Sowjetunion überhaupt keine klinischen Forschungsprojekte mit Psychedelika. Außerdem hielt ich im Auditorium des Bechterew-Instituts einen öffentlichen Vortrag über LSD-Psychotherapie. mit solchen Ketzern zu paktieren. die zum Teil sogar am Bechterew-Institut stattfand. Außerdem degradierte es die proletarischen Revolutionäre. In jenen Jahren sprach ich fließend Rus­ sisch. Er bestand darauf. Die Russen. um nicht be­ schuldigt zu werden. und so war das Auditorium bei meinem Vortrag brechend voll. therapeu­ tische Einzel. die nicht das Stigma des Freudianismus trugen. waren begierig auf alles Wissen von außen. ohne übersetzt werden zu müssen. Die Mitglieder des Therapeutenteams fanden die Aussicht. das von egoistischen Grundinstinkten getrieben wird und damit nicht in der Lage ist. sehr aufregend.und Gruppensitzungen am Bechterew-Institut zu besuchen.

Während unseres Aufenthalts in Le­ ningrad gingen nämlich Gerüchte über die historische »Operation Sunshine« im Jahr 1958 um.Die Morgenlandfahrt 393 von seinen Erfahrungen zu berichten. Er prophezeite. da die Vereinigten Staaten sich auf diesem Weg militärische Vor­ teile verschaffen konnten. dass es der Nautilus. Das war der Beginn der goldenen Ära der para­ . Mein Vortrag sollte am frü­ hen Nachmittag stattfinden. 1959. mitten im Kalten Krieg. dass die Nutzbarmachung der bei au­ ßersinnlichen Wahrnehmungen wirkenden Kräfte der Entdeckung der Atomenergie vergleichbar sein würde. und der Vortrag war ein eindeutiger Erfolg. die aufgrund einer dicken Schicht Polareis von den üb­ lichen elektronischen Kommunikationskanälen abgeschnitten war. Dr. gelang. Kurz vor unserer Ankunft in Leningrad erwähnte Leonid Vasilyev. Vasilyevs Erläuterungen lösten große Aufregung aus und sie zogen nicht nur die Aufmerk­ samkeit der Fachwelt. und als er unseren Zuhörern davon erzählte. sich mit ihrer Basisstation telepathisch zu verständigen. Bereits ein Jahr nach seinem Vortrag lei­ tete Vasilyev an der Universität von Leningrad ein Speziallabor für Parapsychologie. war er noch in der Phase des in diesem Buch schon erwähnten »psychedelischen Nachglühens«. ein international anerkannter Physiologe und Inhaber des LeninPreises. Straumit machte tiefe und bedeut­ same Erfahrungen. verbreiteten fran­ zösische Journalisten die sensationelle Geschichte. bei der das amerikanische U-Boot Nautilus unter dem arktischen Eis als erstes Schiff den Nordpol durchquert hatte. Seine klar formulierten Darstel­ lungen machten auf das Publikum einen tiefen Eindruck. diese amerikanische Erfolgsgeschichte bei einer Konferenz von sowjetischen Wissenschaftlern zur Würdigung der Erfindung des Radios. sondern auch die von militärischen Kreisen auf sich. Die Sowjetregierung war alarmiert durch diese Informationen. Aufgrund des Zeitpunkts unseres Russlandbesuches wurden wir nebenbei auch Zeugen einer hochinteressanten politisch-wis­ senschaftlichen Entwicklung.

Der persönliche Austausch bei unserem vierwöchigen Aufent­ halt in Leningrad. der in der Republik Belarus geboren wurde. Da . hinterließen wir unseren Leningrader Kolleginnen und Kollegen ziemlich viele restliche LSDAmpullen. subtropische Küste von Georgien kehrten wir nach Prag zurück. ließ zwischen uns intensive freund­ schaftliche Bande entstehen. die unter der Schirmherrschaft des sowjetischen Militärs und der sowjetischen Geheimpolizei stand und ein Jahresbudget von schätzungsweise 20 Millionen Rubeln erhielt. wurde die Parapsychologie für die nationale Sicherheit wichtig und musste auch in den USA von der Regierung unterstützt werden. an der ich Psychotherapie lehrte.394 Teil 7: Transpersonale Psychologie und Mainstream-Wissenschaft psychologischen Forschung in der damaligen Sowjetunion. verstärkt durch die psychedelischen Sitzungen der Belegschaft und die lebhaften Partys. um regelmäßig einmal im Jahr das Bechterew-Institut zu besuchen und dort wie auch wir zuvor die therapeutischen Einzel. damit sie ihre inneren Forschungsreisen fortsetzen konnten. Er nutzte seine hervorra­ genden Russisch-Kenntnisse.und Gruppensitzungen zu beobachten. ein amerikanischer Psychiater. als ich mein Stipendium an der Johns-Hopkins-University in Baltimore antrat. Von dieser Ent­ wicklung profitierten jedoch auch die amerikanischen Parapsycho­ logen.und einem Abstecher an die wunderschöne. um nach Moskau und Suchumi weiterzureisen. Einer dieser Gastred­ ner war Dr. ein interessantes Nachspiel: Die Henry-Phipps-PsychiatricClinic. Isidor Zifferstein. Das war zu jener Zeit etwas mehr als die gleiche Summe in US-Dollars. denn da die Sowjets sich auf dieses Gebiet konzentrierten. veranstaltete mittwochs regelmäßig Vorlesungen von Gastdozenten. bei denen nach einem alten zaristischen Rezept hergestellter »Starka« oder »StarinnayaWodka« unsere Zungen löste.von dem wir kultu­ rell eindeutig mehr profitierten als fachlich . Unsere Erlebnisse in Leningrad hatten drei Jahre später. Nach unserem Besuch in Moskau . Als wir Abschied nahmen.

Sie erwähnten Bücher wie Aldous Huxleys Romane Schöne Neue Welt und Eiland und Hermann Hesses Die Morgenlandfahrt . unterließ ich es. wurde Dr. Lange Zeit hatte er dem Bechterew-Institut einmal im Jahr einen Besuch abgestattet. Zifferstein eine plausible Erklärung für seine mysteriösen Beobachtungen zu liefern. Stattdessen sprachen die jungen Psychologen und Psychiater jetzt ständig über orientalische Philosophie. dass die Aufdeckung des möglichen Zusammenhangs zwischen den psychedelischen Sitzungen der Belegschaft und der veränderten Interessenlage am Institut unangenehme Konsequenzen für diese Menschen haben konnte. den russischen Physio­ logen aus Leningrad. Da ich wusste.und das lange vor der »Perestroika« und »Glasnost«. erzählte Dr. Die The­ rapeuten hatten versucht. Bei seinem letzten Besuch jedoch blieb das zu Ziffersteins Überraschung aus. der den Nobelpreis gewonnen hatte.-Experten für sowjetische Psy­ chotherapie. über das er auch Artikel schrieb. Doch bei seinem letzten Besuch fand er dort eine für ihn völlig neue und überraschende Situation vor. die ihn ziemlich verblüfft hatte. Nachdem er wie üblich die Arbeit der Leningrader Schule von Professor Myasischev erläutert hatte. Bei früheren Besuchen kreisten die meisten seiner Gespräche mit der Belegschaft um Iwan Petrowitsch Pawlow.S. Die Henry-Phipps-Klinik war eine der Stationen auf seiner Vortragsreise.Die Morgenlandfahrt 395 das Bechterew-Institut die einzige Einrichtung in der Sowjetunion war. um Vorträge zu diesem Thema zu halten. ver­ schiedene Schulen von Yoga und Zen-Buddhismus. Dr. in der man eine psychotherapeutische Schule mit einer defi­ nierbaren therapeutischen Methode praktizierte. . Ziffer­ stein schon bald zum offiziellen U. Ziffer­ stein uns von einer Beobachtung. Er reiste demzufolge in den Vereinigten Staaten umher. ihre theoretischen Vorstellungen und therapeutischen Vorgehensweisen mit Berufung auf Pawlows Werk zu rechtfertigen. Das ge­ dankliche Klima am Institut hatte sich radikal verändert.

. öffnen sie sich für die spiri­ tuellen Philosophien des Ostens und die mystischen Traditionen der Welt und sehen darin eine angemessenere Alternative zur wis­ senschaftlich-materialistischen Weltanschauung. die ich in meiner Arbeit immer wieder erlebt habe: Wenn intelligente Psychiater und Psychologen mit guten akademischen Referenzen die Gelegenheit bekommen.396 Teil 7: Transpersonale Psychologie und Mainstream-Wissenschaft Für mich waren diese Umstände einfach ein weiterer Beweis für die Entwicklung. die ihnen für die­ se inneren Welten keine hinreichenden Erklärungen liefern kann. mit holo­ tropen Zuständen zu experimentieren.

die ich in den fünfzig Jahren . Die Vorstellung. darunter auch ihre babylonischen. dass die Sterne Einfluss auf Bewusstseinszustände haben sollten . In derselben Sendung trat auch ein slowakischer Kollege von mir auf. war die Entdeckung der Vorhersagekraft der Astrologie. Akupunktur und das I Ging ge­ öffnet hatte. selbst als ich mich schon lange für östliche spirituelle Philosophien. E ine der größten Überraschungen. absurd und lächerlich. Eugene war sehr interessiert an Astrologie. damit ich das psychedelische Forschungsprojekt. Die Entdeckungsreise zur Astrologie dauerte viele Jahre.geschweige denn auf das Weltgeschehen schien mir. Meine erste Begegnung mit ihr fand 1966 bei einem Gastauftritt in einer tschechoslowakischen Fernsehsendung statt. im Gespräch erläuterte. zu der mich der Ver­ anstalter einer Talk-Show einlud. die meine jahrelangen For­ schungen auf dem Gebiet des menschlichen Bewusstseins beharr­ lich überlebten. der Psychiater Eugene Jonás.Psyche und Kosmos 397 Psyche und Kosmos Was die Planeten uns über Bewusstsein verraten können meiner Bewusstseinsforschung erlebte. Gegen die Astrologie je­ doch hatte ich sehr starke Bedenken. das ich am Psychiatrischen Forschungsinstitut in Prag leitete. Die Arbeit mit holotropen Be­ wusstseinszuständen und persönliche Erfahrungen damit erschüt­ tern meist unser materialistisches Weltbild und öffnen uns für die unterschiedlichsten spirituellen Lehren. die er seit über fünfundzwanzigjahren studierte.

die er in einem uralten Buch über vedische Astrologie gefunden hatte. sondern bezeichnete seine Arbeit als Studium »kosmobiologischer Einflüsse«.398 Teil 7: Transpersonale Psychologie und Mainstream-Wissenschaft assyrischen. war zu stark. be­ schlossen wir. Ich fand das alles sehr interessant. viele Jahre. um Eugenes Vorschläge aufzugreifen und mich ernsthaft auf dieses Gebiet einzulassen. war es ihm gelungen. Bei einem Forschungsprojekt. das Geschlecht des Fötus auf der Grundlage des Horoskops seines Empfängnistermins in sieb­ zehn aufeinanderfolgenden Fällen korrekt vorauszusagen. Mit Hilfe von Hinweisen. bevor es möglich wurde. wie ich hier beto­ nen muss. Eugene und ich hatten Gelegenheit. In unserer gemeinsamen Fernsehsendung erläuterte er seine Untersuchungen über kosmobiologische Einflüsse auf die weib­ lichen Fortpflanzungsfunktionen. vor Beginn der Show im Sitzungssaal miteinander zu plaudern. das Geschlecht des Fötus mit Hilfe von Ultraschall zu bestimmen. das Geschlecht des Fötus zu bestimmen und das gele­ gentliche Versagen der Empfängnisverhütung nach der Knaus-Ogino-Methode zu erklären. Während des Es­ sens erzählte Eugene mir von seiner Begeisterung und Leidenschaft für Astrologie und wollte mich davon überzeugen. nach der Sendung essen zu gehen. ägyptischen und indischen Spielarten. . die auf meine wissenschaftliche Ausbildung zurückging. Um die mar­ xistische Zensur nicht auf sich aufmerksam zu machen. Und das. doch meine Skepsis gegen die Astrologie. bei denen er sich aus­ schließlich auf deren Geburtshoroskope und augenblickliche Tran­ site berief. versuchte er. Die Tref­ ferquote dieser Ergebnisse war enorm. dass die Ge­ burtsastrologie und die Astrologie der Transite für unsere psyche­ delische Forschung äußerst nützliche Werkzeuge sein könnten. Später konnte er mir tatsächlich interessante Rückmeldungen zu einigen meiner LSD-Patienten geben. und nachdem wir uns ge­ genseitig unsere Forschungsprojekte kurz vorgestellt hatten. benutzte er den Begriff »Astrologie« jedoch nicht. das er zu­ sammen mit den Universitäten von Bratislava und Heidelberg durchführte.

der in Esalen seine Dissertation über LSD-Psychotherapie schreiben wollte. sodass wir die prinzipiellen Lehren der Astrologie selbst überprüfen konnten.d. und so zog ich nach Kalifornien um. Er hatte von meinen Forschungen gehört und war gekommen. dass sie für ihn zur lebenslänglichen Leidenschaft und Berufung wurde. und unsere anfängliche Arbeitsbeziehung entwickelte sich schnell zu einer engen Freundschaft. Und damit begann das nächste Kapitel meines Interesses an Astrologie. und er­ läuterte uns die grundlegenden typischen Eigenschaften der plane­ tarischen Archetypen. Anm. machte man mir (wie in diesem Buch schon erwähnt) 1973 das Angebot. . Rick entwickelte ein so starkes Interesse an Astrologie. Nachdem ich am Maryland-Psychiatric-Research-Center in Baltimore sieben Jahre psychedelische Forschung betrieben hatte. In Esalen war zu der Zeit nur ein kleines Arbeitszim­ mer im Keller des Hauses frei. als Eugene sie mir damals nahebringen wollte. um die Korrelationen zwischen Planetentransiten und den Ereignissen in seinem Leben im Blick zu behalten. einem Har­ vard-Studenten.Psyche und Kosmos 399 Auch wenn unsere Begegnung aus mir keinen Liebhaber der Astro­ logie machte. seinem Dissertationskomitee beizutreten. der Jahre später zu keimen be­ gann. um mich zu bitten.) unter dem Arm herum. Rick und ich waren nach die­ ser praktischen Einführung beide vom Wert der Astrologie über­ zeugt. das er täglich oder sogar stünd­ lich konsultierte. selbst Transite zu berechnen. In Esalen lernten Rick und ich Arne Trettvik kennen. säte sie einen Samen. Arnes Strategie war erfolgreich. brachte er uns bei.Ü. Arne vermittelte uns Astrologie ganz anders. als Wissenschaftler am Esalen-Institut in Big Sur zu arbei­ ten und zu leben. der der Astrologie sein Leben gewidmet hatte. Statt uns seine Beobachtungen lediglich mit­ zuteilen. Arne spazierte stän­ dig mit dem American Ephemeris Book (dtsch: Ephemeriden = Ta­ bellen über den Stand der Gestirne in einem bestimmten Zeitraum. Rick zog dort ein. in dem wir lebten. Ein paar Monate später kam ich in Kontakt mit Richard Tarnas.

Rick hat dann mit Hilfe seines as­ trologischen Fachwissens und seiner bemerkenswerten Kenntnisse über Kulturgeschichte die mit diesen Erfahrungen verbundenen astrologischen Einflüsse untersucht. aus psychedelischen Sitzungen. Workshops und Trainings für Holotropes Atmen. welche die Astrologen mit den vier äußeren Planeten des Sonnensystems in Zusammenhang bringen. dass es zwischen Wesen und Inhalt holotroper Bewusst­ seinszustände und den Planetentransiten der Menschen. das die wichtigsten Grundaussagen der Astro­ logie auf eine ganz spezifische Weise bestätigt.spiegeln die positiven Aspekte das Wiedererleben von Phasen ungestörter Exis­ . die diese Zustände erleben. systematische Korrelationen.der erlebnisbe­ dingten Muster. benutzte dabei nun aber die Astrologie als wichtiges Werkzeug. die mit den einzelnen Phasen der biologischen Geburt verbunden sind . Der erste klare Hinweis auf diese erstaunlichen Zu­ sammenhänge zwischen Astrologie und meinen Forschungen über holotrope Zustände war die Erkenntnis. also Entspre­ chungen gibt.erstaunliche Ähnlichkeiten mit den vier Archetypen aufweisen. dass meine Beschrei­ bungen der Phänomenologie der bereits auf Seite 382 beschrie­ benen vier perinatalen Grundmatrizen (BPMs) . mystischen Erfahrungen. spirituellen Krisen und psychotischen Zusammenbrüchen interessante klinische Beo­ bachtungen zusammenzutragen. und sie wurde zum integralen Bestandteil meiner Untersuchungen.400 Teil 7: Transpersonale Psychologie und Mainstream-Wissenschaft Ich selbst machte mit meinen Forschungen über außergewöhnliche Bewusstseinszustände weiter. Dabei wurde deutlich. Auf diese Weise haben wir mit der Zeit überzeugendes Beweis­ material gesammelt. Im Laufe der Jahre entwickelten Rick und ich uns zum be­ währten Team und ergänzten uns gegenseitig. Bei der ersten perinatalen Grundmatrix (BPM I) . Meine Beschreibungen der perinatalen Grundmatrizen beruhten auf un­ abhängigen klinischen Beobachtungen. die ich viele Jahre sammel­ te. bevor ich über Astrologie auch nur das Geringste wusste. Meine Aufgabe war es.

Die präzisen astrologischen Entsprechungen zu den erlebnis­ bedingten Aspekten der dritten perinatalen Grundmatrix (BPM III) sind besonders überraschend. der Unfähig­ keit. begleitet von Erfahrungen wie Auflösung von Grenzen. Wahndenken. Diese Matrix bringt auch Gefühle von Unzulänglichkeit.eindeutig den Archetypen wider. überhaupt etwas zu genießen. Unterdrückung. sondern psychotischer Natur und führt zu Verwirrung. der auf regres­ sive Erfahrungen mit pränatalen Störungen verweist.sind die be­ sessene Beschäftigung mit Alter und Tod.Psyche und Kosmos 401 tenz im Mutterleib. Hier ist die Auflösung von Grenzen nicht mystischer.und Nikotinvergiftung und Sucht und damit all den Eigenschaften. den die Astrologen mit Neptun verbinden. Das Gleiche gilt für den nega­ tiven Aspekt der ersten perinatalen Grundmatrix. Diese Matrix steht auch in einem psychodynamischen Zusammen­ hang mit Alkohol. Hierher gehören der unerbittliche Drang elementarer Triebe. welche die Astrologen als Schattenseiten des Neptun-Archetypen beschreiben. Sie ist verbunden mit Skeptizismus und einer äußerst pessimistischen Lebenseinstellung. Beklemmungen und das Gefühl zu verhungern. schwierige Prüfungen und harte Arbeit. kosmisches Einssein. Typisch für die zweite perinatale Grundmatrix (BPMII) . dem Gefühl von chemischer Vergiftung und paranoiden Realitätswahrnehmungen. Unterlegenheit und Schuld mit sich. das Aufeinanderprallen . Überwindung von Raum und Zeit sowie Wahrnehmung der mystischen Wirk­ lichkeitsdimensionen . Die Astrologie schreibt all diese Eigenschaften der negativen Seite des Saturn-Ar­ chetyps zu. ozeanische Ekstase. Depressionen. weil der Uterus kontra­ hiert und der Gebärmutterhals noch verschlossen ist . und dem Verlust der Verbun­ denheit mit der göttlichen Wirklichkeitsdimension. die typisch für das Endstadium der biologischen Geburt sind. einer erschütternden Sinnkrise. denn diese Matrix beruht auf einer ungewöhnlichen Kombination von Elementen.die auf der Geburtsphase »kein Ausgang« beruht.

Weiter gehören hierher Erfahrungen mit der Wichtigkeit von Leben und Tod. Sexualität. wenn man bedenkt. wo die Betroffenen wichtige Transite in den entsprechenden Planeten hatten. Im Laufe der Jahre konnten wir diese Tatsache durch Tausende von spezifischen Beobachtungen bestätigen. Die Entdeckung dieser großen Ähnlichkeiten zwischen der as­ trologischen Beschreibung der fünf planetarischen Hauptarche­ typen und der Phänomenologie der perinatalen Grundmatrizen war bereits als solche und für sich genommen ungewöhnlich. Befreiung und die Überwindung bisheriger Einschränkungen. tatsächlich die typischen Eigenschaften des Helden Prometheus aus der griechischen Mythologie wider (Tarnas 1995). Tod. brillante geistige Einsichten.sowohl die städtische. Motive wie Vulkanausbrüche.402 Teil 7: Transpersonale Psychologie und Mainstream-Wissenschaft gewaltiger Energien. der mit Uranus assoziiert wird. die plötzliche Weiterentwicklung zu neuen Wahrnehmungs. Dies ist der einzige Planet. Aus astrolo­ gischer Sicht sind all dies Attribute des Archetyps Pluto. dionysische Ekstase. Wie Rick in einem Aufsatz speziell zu diesem Thema überzeugend gezeigt hat. dass die erleb­ nisbedingte Konfrontation mit diesen Matrizen in holotropen Zu­ ständen immer zu der Zeit passierte. reinigendes Feuer und die Unterwelt . Typische Themen für ihn sind die unerwartete Lösung schwieriger Situationen. prometheische Erschei­ nungen. Aufgrund dieser über­ . Wiedergeburt. Und die Phänomenologie der vierten perinatalen Grundmatrix (BPM IV) schließlich ist eng verwandt mit dem Archetyp des Ura­ nus. dass meine Beobachtungen aus einer völlig anderen Quelle stammten als die astrologischen Zuordnungen. dessen archetypische Bedeutung hauptsächlich auf die Wesenszüge seines mythologischen Namens­ vetters zurückgeht. Auslöschung und die Beschäftigung mit Exkre­ menten. sexuelle und mythologische.und Bewusstseinsebenen. Noch er­ staunlicher jedoch war Ricks spätere Entdeckung. spiegelt der Archetyp. das Durchbrechen und Überwinden von Grenzen. Geburt. kriminelle als auch die psychologische.

die eine spirituelle Krise durchmachen. dass wir unser Verständnis von der mensch­ lichen Psyche und vom Wesen der Wirklichkeit radikal revidieren müssen. auf der Grundlage zukünftiger Transite präzise Voraussagen zu machen. ist für die Planung psychedelischer und holotroper Sit­ zungen ein Werkzeug von unschätzbarem Wert. um es mit den neuen Daten in Einklang zu bringen.Psyche und Kosmos 403 raschend präzisen Korrelationen hat sich die Astrologie . Wir müssen vielmehr drastische Revisionen vornehmen und die meisten grundlegenden metaphysischen Annahmen und . denn sie liefert genaue Hinweise für ansonsten unverständliche Er­ fahrungen und den Zeitpunkt ihres Auftretens.insbe­ sondere die Astrologie der Transite . das den Schlüssel zum Verständnis von Wesen und Inhalt sowohl spontan auftre­ tender als auch künstlich erzeugter holotroper Zustände liefert. Die moderne europäisch-amerikanische Zivilisation steht un­ ter enorm starkem Einfluss der materialistischen Wissenschaft. Deshalb müssen Menschen holotrope Zustände meist jahrelang er­ forschen und gründliche. eigene Erfahrungen damit machen. sind die Ent­ sprechungen primär von theoretischem Interesse und können als Grundlage für langfristige Forschungsprojekte dienen. nicht durch theo­ retisches Flickwerk und ein gelegentliches oberflächliches Zurecht­ rücken mit Hilfe von unwesentlichen ad hoc-Hypothesen gerecht werden. be­ vor sie sich aus dem Bann dieser Weltanschauung befreien und akzeptieren können. Wir können dem breiten Spektrum an Beobachtungen aus holotropen Zuständen und Astrologie. dass dieser Prozess so schwierig ist und auf heftige Widerstände stößt. Und die Möglich­ keit. Vergangenheit und Zukunft zum Inhalt haben. Eine Unter­ suchung augenblicklicher Transite kann extrem nützlich für die Arbeit mit Menschen sein. die Gegenwart. die die Vergangenheit betreffen. die für unser bisheriges Denken eine große Herausforderung darstellen.für die Bewusstseinsforschung als das lange gesuchte Puzzlestück erwiesen. Bei Erfahrungen. Es überrascht also nicht.

404 Teil 7: Transpersonale Psychologie und Mainstream-Wissenschaft Überzeugungen der materialistischen Wissenschaft durch neue Prämissen ersetzen. Ein weiterer Aspekt. multidimensionale Struktur von emotionalen und psychosomatischen Störungen. der im Licht der neuen Entdeckungen radikal revidiert werden muss. besonders tiefgrei­ . die Existenz und der therapeutische Nutzen einer inneren Heilungsintelligenz und anderes mehr.Ü. In vielen geschichtlichen Etappen bilden zwei oder mehr Planeten wichtige Konstellationen am Himmel. Aus astrologischer Sicht spiegelt dieses Schwanken des kli­ nischen Bildes die ständig wechselnden Beziehungen zwischen den Planeten und entsprechenden archetypischen Einflüssen wider. die ich im Laufe der Jahre in meinen Büchern erläutert habe: das stark erweiterte Modell der Psyche. Kliniker und Theoretiker. das ihre Pati­ enten zeigen. und trotzdem äußern sich Psychiater und Psychologen weiterhin frustriert darüber. die viel komplexere.) vorlie­ gen. ist die Rolle der Medizin in der Psy­ chiatrie und ihr Einfluss auf die klinische Praxis .d. Die konkreten Implikationen für Psychologie und Psychiatrie gehen weit über jene hinaus. nur unzureichend übereinstimmen.vor allem auf die Diagnostik. In Amerika haben wir im Augenblick bereits die vierte revi­ dierte Version des offiziellen Diagnostic and Statistical Manual (DSMIV) (Diagnostisches und statistisches Handbuch. wenn es die äußeren Planeten von Jupiter bis Pluto betrifft. und das hat. die versu­ chen. dass diese Arbeit sehr frustrierend ist. dass die Beschreibung der diagnos­ tischen Kategorien und das aktuelle klinische Bild. der Gedanke des inneren Radarsystems. Anm. stellen fest. ein festes Klassifizierungssystem für psychiatrische Diagno­ sen zu entwickeln. unterliegen sie ständigen Veränderungen. Da die Erfahrungen von Klienten zu einem gegebenen Zeitpunkt sowohl in gewöhnlichen als auch in holotropen Bewusstseinszu­ ständen tiefe Entsprechungen zu den archetypischen Feldern der zu der Zeit stattfindenden Planetentransite aufweisen.

UFO-Phänomene wie Landungen und Ent­ führungen. in der diese planetarischen Hauptaspekte die gan­ ze Welt beeinflussen. In dieser Zeit gewann die jungsche Psychologie zunehmend an Anerkennung.Ü. einer gefährlichen Supermacht. Dabei handelte es sich um eine Periode der gründlichen. So fiel zum Beispiel der gesamte Zeitraum von 1960 bis 1972 mit einer Konjunktion von Pluto und Uranus zusammen . instrumenteile Transkommunikation (ITC) (eine Reihe von elektronischen Verfahren. der feministischen Bewegung. Anm. generell aber gewaltlosen. der Bewegung für die Bürgerrechte. Anm. Das archetypische Feld. das diese Planeten bilden. der Befreiung der osteuropäischen Länder so­ wie der friedlichen Auflösung der Sowjetunion. radikalen Innovationen in Musik und Kunst. und viele spirituell orientierte Bücher fanden ihren Weg auf die Bestsellerlisten. Jahrhundert. grundlegenden psychospirituellen Revolution dionysischer Art: mit ihren typischen Erscheinungen wie sozialen Umwälzungen. technolo­ gischen Errungenschaften. der sexuellen Revolution. Das war mit Si­ cherheit eine sehr passende. haben sie auch eine individuelle Bedeutung . beschert der entsprechenden Etappe ganz bestimmte Erlebnisse und prägt ihren Zeitgeist (deutsch im Origi­ nal.d. Nahtoderfahrungen.Mythologie. Zu der Zeit.die ein­ zige derartige Konjunktion im 20. den Studentenunruhen und einer reichen Gegenkultur. archetypische Kombination für die Zeit einer ständigen.Ü. um mit dem Jenseits zu kommuni­ zieren. Transpersonale Themen .).) und virtuelle Realitäten . und viele wurden zu Lieblingsthemen der Filmemacher (Tarnas 2007).d. Ganz im Gegensatz dazu beruhte der archetypische Hauptein­ fluss in den gesamten 1990er-Jahren auf einer Konjunktion von Neptun und Uranus.Psyche und Kosmos 405 fende und langfristige Auswirkungen. spirituellen und sozialen Veränderungen oder »sanften Revolutionen« wie der deutschen Wiedervereinigung.fesselten die Aufmerk­ samkeit der Fachwelt und der Öffentlichkeit.

und die persönlichen Transite. Diese Übereinstimmung spiegelt sich in der Tendenz zu bestimmten emotionalen und psychosoma­ tischen Störungen wider. die die Erfahrungen des Klienten prägen. Aber das ist noch nicht das Ende der Geschichte. transtemporalen pathologischen . wird durch ein komplexes Zusammenspiel zahlreicher verschiedener Faktoren bestimmt: das Horoskop des Forschers und seiner Transite zur Zeit seiner Beobachtungen. Dabei zeigte sich schon bald. die durch die Aspekte in ihren eigenen Horoskopen mit ihren eigenen Transiten zur Zeit ihrer Beobachtungen gefärbt war.).d. da sie in deren Geburtshoroskopen wichtige Transite zu bestimmten Planeten bilden. In den Jah­ reskursen. dass diagnostische und statistische Handbücher wie das amerikanische DSM-IV (Dia­ gnostic and Statistic Manual of Mental Disorders. die unbegrenzt gültig waren. dass diese Pioniere die Psyche ihrer Klienten nicht objektiv studieren und da­ raus generelle Schlussfolgerungen ziehen konnten. die keine organische Ur­ sache haben. die Rick Tarnas und ich in San Francisco am »California Institute of Integral Studies« (CHS) halten.406 Teil 7: Transpersonale Psychologie und Mainstream-Wissenschaft für Einzelne. die eine universelle Gültigkeit beanspruchen. Das könnte als ein möglicher Grund dafür gelten. Deswegen bekommen Psychiater in einer bestimmten historischen Etappe nicht die gleichen Phänomene zu sehen wie ihre Kollegen in früheren oder späteren Zeiten. die präzise Be­ schreibungen von feststehenden. problematisch sind. die den jeweiligen Zeitgeist bestimmen. Das Bild von der Psychiatrie als einer Disziplin. die weltweiten planetarischen Aspekte. Anm. Vielmehr sahen sie die Probleme ihrer Klienten durch ihre subjektive Wahrnehmungsschablone oder verzerrte Sicht. erläutern wir die wich­ tigsten Schulen der Tiefenpsychologie und analysieren die Horo­ skope ihrer Begründer. Jede Erforschung emotio­ naler und psychosomatischer Störungen.Ü. Mit Ausnahme von organisch begründeten Störungen hat die Psychiatrie es bei ihren Studien und Untersuchungen also nicht mit feststehenden Phänomenen zu tun.

Diese Sicht der Wirklichkeit be­ . ist eine Illusion. die mit der Astrologie vereinbar ist und sich deren Erkenntnisse zu eigen machen kann? Nicht ohne Kämpfe und innere Konflikte bin ich im Laufe der Jahre zu der Schlussfol­ gerung gelangt. Das führt uns zu einer hochinteressanten Frage: Gibt es eine umfassende Weitsicht. Die Zusammenhänge. sind so kom­ plex. An den Grenzen menschlichen Bewusstseins (2000) beschrieben und in zusammengefasster Form auch in einem Kapitel meines letzten Buches Psychologie der Zukunft. dass es tatsächlich eine Weitsicht gibt. Ich habe diese Weitsicht in meinen Buch Kosmos und Psyche. Sie steht jedoch in diametralem Gegensatz zu dem Glaubenssystem. verwickelt. psychiatrische Störungen mit Hilfe von Beziehungen und Werkzeugen zu beschreiben. Sie liefern überzeu­ gende Beweise dafür. welche die Astrologie aufdeckt. die sowohl mit meinen Erfahrungen und Beobachtungen aus der Bewusst­ seinsforschung als auch mit der Astrologie vereinbar ist und beides erklären kann. kreativ und phantastisch. Erfahrungen der modernen Bewusst­ seinsforschung (2002) dargestellt. die diese hervorgebracht hat. sinn­ vollen Ordnung beruht und eine überlegene kosmische Intelligenz existiert. Das ein­ zig gültige praktische Vorgehen besteht unter diesen Umständen darin. Dabei müssen wir auf jeden Fall auch die globalen planetarischen Aspekte sowie das Horoskop und die Transite des Forschenden selbst als Korrektiv mit einbeziehen. dass die Schöpfung auf einer tiefen. das in der modernen westlichen Zivilisation vor­ herrschend ist.Psyche und Kosmos 407 Zuständen und ein ganzes Arsenal an speziellen Heilungsmetho­ den und Interventionen aufweisen kann. mit denen wir die Situation zu jedem gegebenen Zeitpunkt analysieren und unter Berücksichtigung der Phänomenologie der Erfahrungen des Klienten und seiner planeta­ rischen Transite charakterisieren können. dass keinerlei Zweifel an ihrem göttlichen Ursprung bestehen kann.

Als er von meinem Interesse an Astrologie erfuhr. Psychologie und Psychotherapie und zahlreichen weiteren Disziplinen nutzen zu können. sagte er zu mir: »Ich verstehe nicht. dem Haupt­ vertreter des »wissenschaftlichen« Widerstands gegen die Astrolo­ gie. ist es plausibler. Das zeigte sich auch in meinem Gespräch mit Carl Sagan (siehe Seite 384 ff. wie Sie als intelligenter und gebildeter Mensch an diesen Unsinn glauben können. göttliches Spiel. die sich selbst erschaffen hat. dass die Wissenschaftler versuchen. Abstand und Gravitationsfeldern durch. Die gedankliche Öffnung für eine solche Sicht birgt die Chance. Ur­ alte hinduistische Schriften vermitteln uns eine ähnliche Sicht des Kosmos und bezeichnen die Ereignisse in der Welt der Phänomene als Leela. statt deren unversöhnlichen Rivalen. Wie sich in wachsendem Maße heraus­ stellt. habe ich mehr Einfluss auf Sie als Pluto. Und dann können wir in dieser Disziplin eine nützliche Ergänzung der Wissenschaft sehen.). . ist diese Sichtweise des Universums auch kompatibel mit zahlreichen revolutionären Fortschritten in der Wissenschaft des neuen Paradigmas. sondern als unendlich komplexes Spiel von »Absolutem Bewusstsein«. Astrologie ist totaler Humbug! So wie ich hier vor Ihnen stehe. Wenn der Kosmos die Schöpfung einer überlegenen Intelligenz ist und keine Supermaschine. auf die Astrologie die Prin­ zipien der linearen Kausalität anzuwenden. das großartige Potenzial der Astrologie als klinisches Werkzeug und Forschungsinstrument in Psychiatrie.408 Teil 7: Transpersonale Psychologie und Mainstream-Wissenschaft ruht auf Erfahrungen und Einsichten aus holotropen Zuständen und stellt das Universum nicht als materielles System dar. die Astrologie als eine der vielfältigen verschiedenen Ordnungen zu betrachten. die Teil des universellen Gesamtgewe­ bes sind. Der wichtigste Unterschied zwischen dem Denken der Mainstream-Wissenschaftler und dem der Astrologen besteht darin.« Als hochintelligenter Mensch führte Carl im Kopf schnelle Be­ rechnungen mit Masse.

der wiederum auf eine überlegene kosmische Intelligenz zurückgeht. dass die Planeten keinen signifikanten Einfluss auf die menschliche Psyche oder die Ereignisse auf der Erde ausüben können. das auf einem meisterhaften Entwurf beruht. dass die Astrologie keinen Sinn ergibt. Es ist wichtig zu betonen. Ihm fehlte jedoch die Vorstellungskraft. Sie gehen nicht von physischen Ketten von Ursache und Wirkung aus. welche Ereignisse in der materiellen Welt demnächst wahr­ scheinlich auf uns zukommen werden. würde bei allen gut aus­ gebildeten Astrologen Zustimmung finden. sondern von synchronistischen Beziehungen. dass astrologische Voraussagen ar­ chetypisch und nicht konkret sind. eigene For­ anzuschauen. voll­ kommen deterministisches System aufzugeben und stattdessen ein Universum vor uns zu sehen. Jeder ernst zu nehmende Kritiker muss die Theorie und Praxis der Astrologie kennen und ein entsprechendes chologie besitzen. der hier möglicherweise wirkt. können wir aus den Planeten-Konstellationen ablesen und Voraus­ sagen. dass sie mit dem wissen­ schaftlichen Mainstream-Denken unvereinbar ist. Die Weitsicht der Astrologie über­ nehmen heißt.Psyche und Kosmos 409 die ihn zu dem einleuchtenden Schluss brachten. Wir können über Astrologie nicht auf der Basis der Tatsache urteilen. das Bild vom Universum als mechanisches. wenn wir von einer physischen Einwirkung der Planeten auf die menschliche Psyche und das Weltgeschehen ausgehen. Der nächste schungen anzustellen und sich sächlichen Beobachtungen mit Wissen über archetypische Psy­ Schritt wäre dann. inwieweit die tat­ den astrologischen Voraussagen . sich einen anderen Mechanismus zu denken. Und weil diese archetypischen Dyna­ miken die Ereignisse in der materiellen Welt steuern und prägen. Carls Fazit. Aus astrologischer Sicht finden wir im universellen Schema der Dinge systematische Entsprechungen zwischen den Bewe­ gungen und Winkelbeziehungen der Planeten und den Dynamiken der archetypischen Welt vor.

Befasst ein aufgeschlossener Forscher sich einge­ hend mit solchen Untersuchungen.410 Teil 7: Transpersonale Psychologie und Mainstream-Wissenschaft übereinstimmen. materialistische Weltanschauung der akademischen Wis­ senschaft.davon bin ich überzeugt .am Ende die Astrologie überleben und nicht die monis­ tische. . dann wird .

streng deterministisches System. aber repräsenta­ tive Auswahl der Ereignisse. Die Geschichten. Bewusstsein und Intelligenz gel­ ten hier als mehr oder weniger zufällige Nebenprodukte der Mate­ rie. Dieses Paradigma geht davon aus. teilte auch ich das von der westlichen materialistischen Wissenschaft entworfene Bild vom Universum und der menschlichen Psyche. die für diese Wandlung ausschlagge­ bend waren. zu denen es in der Evolution von träger. das akademische Kreise und meine Kultur vertraten. und damit im Wesentlichen als Zufallstreffer. das Universum sei ein mecha­ nisches. haben meine persönliche und meine wissenschaftliche Weltan­ schauung gründlich verändert.Epilog 411 Epilog in denen ich holotrope Bewusstseinszustände erforschte. sind eine kleine. Diese Weltanschauung beruhte auf der metaphysischen Annahme. Leben. anorganischer Masse nach Milliarden von Jahren in einem unwesentlichen Bereich eines gigantischen Uni­ versums kam. Als ich 1956 am medizinischen Fachbereich der Karls-Univer­ sität in Prag meinen Abschluss machte. dass dem Universum und der Natur keine leitende Intelligenz und kein meisterhafter Ent­ M eine Erfahrungen und Beobachtungen in den fünfzig Jahren. in dem die Materie das primäre Element darstellt. die ich für dieses Buch zusammengetragen habe. so­ wohl eigene als auch die von Tausenden von anderen Menschen. .

dass unser menschliches Verhalten letzten Endes auf grundlegende ani­ malische Triebe zurückgeht. Nach dieser Weltanschauung besteht der Kernmechanis­ mus der Evolution im Überleben des Stärkeren und der militanten Strategie egoistischer Gene. Unser ethisches Verhalten beruht auf Angst vor Strafe. das sich durch el­ . politischen und militärischen Geschehen manifestiert. Aus dieser Sicht betrachtet. und diese haben sich zufällig zu Zellen organisiert. äs­ thetische Interessen stellen eine psychologische Abwehr gegen mächtige anale Impulse dar und so weiter. hat sich das Universum im We­ sentlichen selbst erschaffen. Das erklärt und rechtfertigt offenbar auch menschliche Verhaltensweisen. Das Universum gilt als gigantisches. Ohne gesellschaftliche Restriktionen. Strafinstanzen und das Über-Ich.behaupteten. Teilchen von anorganischer Materie haben sich zufällig zu organischen Gebilden zusammengeschlos­ sen. vollständig deterministisches mechanisches System. deren Pioniere . von Chemie und Biolo­ gie bis hin zu Psychologie entdecken. das sich sowohl im persönlichen Leben als auch im kollektiven wirtschaftlichen. die zahlreiche wissenschaftliche Disziplinen von der Astronomie bis hin zur relativistischen Quantenphysik. sind Liebesgefühle nichts weiter als eine Reaktion auf unseren angebore­ nen Aggressionstrieb oder ein desexualisiertes Interesse an unseren Eltern. Die unglaubliche Komplexität von Formen.412 Epilog wurf zugrunde liegen. Aus dieser Sicht betrachtet. ist demnach im Grunde ein sinnloses Spiel von materiellen Teilchen. regiert vom Prinzip von Ursache und Wirkung.Sigmund Freud und seine Anhänger . die man für typisch hält . Die ge­ samte darwinistische Evolution von einzelligen Organismen bis hin zu menschlichen Wesen wird demnach gesteuert von zufäl­ ligen genetischen Mutationen und dem Prinzip der natürlichen Auslese.das Verfolgen egoistischer Interessen in Konkurrenz mit und auf Kosten von anderen. Dieses düstere Bild der menschlichen Natur wurde noch un­ terstrichen durch die Erkenntnisse der Tiefenpsychologie.

Bud­ dhismus und Sufismus. pri­ mitivem magischen Denken. Sowohl meine beruflichen Beobachtungen als auch meine persön­ lichen Erfahrungen im Laufe der letzten fünfzig Jahre . Einfältigkeit. vor allem denen der großen östlichen spirituellen Philosophien. die Aldous Huxley »ewige Philosophie« nannte.haben dazu geführt. welcher Art auch immer.die in ihren Grundlinien den in diesem Buch beschriebenen Erlebnissen ent­ sprechen . . Freud und seine Anhänger sahen in religiösen Glaubenssyste­ men und spirituellen Interessen. Sämtliche unmittelbaren Erfahrungen mit spirituellen Dimensionen der Wirklichkeit galten in diesem Rah­ men als Manifestationen ernsthafter Geisteskrankheiten. die auf einer gründ­ lichen. Obwohl ich mit beträcht­ lichen intellektuellen Widerständen zu kämpfen hatte.Epilog 413 terliche Verbote und Befehle entwickelt.oder Elektrakomplexe zu­ rückgeht. Es ist eher den Denksyste­ men verwandt. wie zum Beispiel zahlreiche Schulen von Yoga. Primärprozessen und besessen­ zwanghaftem Verhalten. Und wieder war es Sigmund Freud. Diese pauschale Verneinung der Legalität jeglicher Form von Spiritualität unterschied nicht zwischen primitivem Volksglauben und hochentwickelten religiösen Systemen. wie Freud es in seinem Aufsatz Das Unbehagen in der Kultur so wortgewandt beschreibt (Freud 1984). das auf die Unterdrückung von analen Impulsen und unverarbeitete Ödipus. nichts weiter als die Widerspiegelung von Aberglaube. jahrhundertelangen Erforschung von Psyche und Bewusst­ sein beruhen. würden wir unsere Sexua­ lität wahllos und promiskuös ausleben und hemmungslos töten und stehlen. dass ich die oben geschilderte Weltanschauung und deren grundlegende metaphysische Annah­ men inzwischen ernsthaft in Frage stelle. sieht mein Verständnis vom Universum sowie von der menschlichen Psyche und Natur inzwischen völlig anders aus. der diese Sicht durch Schriften wie Die Zukunft einer Illusion (1993) sowie Totem und Tabu (1991) verbreitete.

denke ich heute radikal anders. dass wir emotionale und psychosomatische Stö­ rungen. postnataler Biographie und des freudschen indi­ viduellen Unbewussten hat sich für diese Zwecke als peinlich un­ zulänglich erwiesen. Physiologie.414 Epilog Nach meiner augenblicklichen Sicht der Wirklichkeit ist Bewusst­ sein ein grundlegender Aspekt der Existenz und der Materie gleich­ gestellt oder möglicherweise sogar übergeordnet und nicht ihr zu­ fälliges Nebenprodukt. das traditionelle Psychiater als »Psychopa­ thologie« bezeichnen. Kol­ lektiv und phylogenetische Erfahrungen sowie karmische Erleb­ nisse und archetypische Abläufe umfasst). vor dem Hintergrund postnataler biogra­ . Genauer gesagt. Und jede individuelle menschliche Psyche ist ein integraler Bestandteil vom kosmischen Gesamtbe­ wusstsein und stimmt in ihren wesentlichen Zügen mit diesem überein. dass das Universum auf allen Ebenen und in allen Dimensionen von einem kosmischen Bewusstsein und einer überlegenen kreativen Intelligenz (anima mundi) geschaffen wurde und durchdrungen ist. die aus einzelnen Bausteinen (Elementarteilchen und -Objekten) besteht. Ich glaube heute. in dem alles sinn­ voll miteinander verbunden ist. die keine organische Grundlage haben (psychogenetische Psychopathologie). Die neue Landkarte musste außer der Ebene der postnatalen Biographie noch zwei weitere Bereiche mit einbe­ ziehen: den perinatalen (verbunden mit dem Trauma der Geburt) und den transpersonalen (der Erinnerungen an Ahnen. musste ich das Mo­ dell. das die traditionelle akademische Psychiatrie und Psychologie heute benutzen. Für mich ist der Kosmos keine gigantische Supermaschine mit newtonschen Eigenschaften. stark erweitern. sondern ein einheitliches Feld. um die Beobachtungen und Erfahrungen in holotropen Zuständen verstehen zu können. Rasse. Das Denken in Begriffen von Bio­ logie. ein organisches Ganzes. Mir ist ganz klar geworden. Auch über das Gebiet.

Die Wurzeln dieser Stö­ rungen reichen sehr viel tiefer und beziehen bedeutsame Aspekte der perinatalen und der transpersonalen Ebene mit ein. bei Erinnerungen an ver­ gangene Leben. radikale Alternative auf . neuen therapeutischen Mechanis­ men.und Transformationsprozess anleitet.die Mobilisierung der ei­ genen.die ontologische Realität der gewöhnlich im Verborgenen . Vor dem Hintergrund des verblüffenden Mangels an Übereinstim­ mung von Psychologen und Psychiatern über die grundlegendsten theoretischen Themen und die daraus resultierende. warum sie bestimmte Symptome entwickelt und was diese Symptome zu bedeuten haben. die im tiefen Unbewussten wirksam werden (beispielsweise beim Wiedererleben der eigenen Geburt. erstaunlich hohe Anzahl verschiedener. kann anfangs sehr entmu­ tigend sein. wie die Psyche funkti­ oniert. Solche Erkenntnisse dienen dann als Grundlage für die Entwicklung verschiedener Behandlungsme­ thoden. die den Heilungs. sie wird jedoch mehr als wiedergutgemacht durch die Entdeckung der mächtigen. Kindheit und im späteren Leben nicht angemessen erklären können. wie tief die Wurzeln von emotionalen und psychosomatischen Problemen reichen.Epilog 415 phischer Traumata in der Kleinkindzeit. Ein ähnlich aufregender Aspekt dieses neuen Verständnisses der menschlichen Psyche ist die Entdeckung ihrer inneren Hei­ lungsintelligenz. intellektuell verstehen zu lernen. dass sie . kosmischen Einheitserlebnissen und vielen wei­ teren Erfahrungen). ln der traditionellen Psychotherapie besteht das Ziel darin. miteinander konkurrierender psycho­ therapeutischer Schulen ist dieses Vorgehen jedoch höchst proble­ matisch. die Therapeuten bei ihren Patienten anwenden können. inneren Intelligenz der Klienten.im Gegensatz zur akademischen Wissen­ schaft . Die Arbeit mit holotropen Zuständen hingegen zeigt uns eine überraschende. Am überraschendsten und aufregendsten an der neuen Welt­ anschauung ist. Die Erkenntnis.

Es han­ delt sich hier um eine philosophische Perspektive. Neuere Forschungen betonen außerdem die Wichtigkeit einer »emotionalen Intelligenz« und meinen damit die Fähigkeit. Die neue Weitsicht. unser Leben so zu le­ ben.generell eine wichtige Vorbedingung für ein gelungenes Leben ist. vernünftig zu überlegen und uns mit unserer materiellen Umgebung angemessen auseinander­ zusetzen . zu denken. keinen psychopathologischen Stempel aufdrückt. die auf persönlichen Erfahrungen beruht. was wir »spirituelle Intelli­ genz« nennen können. dass diese Aussage eine authentische Spiritualität meint. dass darin ein tiefes philosophisches und metaphysisches Ver­ ständnis der Wirklichkeit und unseres eigenen Wesens zum Aus­ druck kommt. Wir müssen hier jedoch betonen.die Fähigkeit zu lernen und zu erinnern.416 Epilog bleibenden spirituellen Dimensionen der Existenz erkennt und an­ erkennt und Menschen. Aus dieser Sicht ist die ernsthafte spirituelle Suche ein wichtiger und völlig legitimer Schritt. die damit Erfahrungen machen. Darüber hinaus bestätigen Beobachtungen aus der Erforschung holotroper Zustände die Grundsätze der er­ wähnten ewigen Philosophie. welche spontan bei Menschen auftaucht. dass unsere Lebensqua­ lität letzten Endes abhängt von dem. wie wir unser Leben führen. Es ist wohl keine Frage. uns auf unser menschliches Umfeld adäquat einzulassen und uns in zwischenmenschlichen Beziehungen kompetent zu verhalten (Goleman 1997). ist kein zufälliges Konstrukt oder ein Resultat von Spekulationen. er­ lebnisorientierte innere Arbeit in dieser Form hat tiefe Auswirkungen auf die Art und Weise. die besagen. Die intensive. und nicht die dogmatischen Ideologien der organisierten Religionen. dass Intelligenz . welches wir bei der systematischen spirituellen . die sich von den Prägungen durch ihr Ge­ burtstrauma und ihre ersten Lebensjahre befreien konnten und tie­ fe transpersonale Erfahrungen gemacht haben. die ich hier kurz umrissen habe. Spirituelle Intelligenz ist die Fähigkeit.

In bud­ dhistischen Schriften heißt diese Form von spiritueller Weisheit prajna paramita (transzendentale Weisheit). Das wiederum bewirkt eine bemerkenswerte Abnahme von Aggression zu Gunsten von innerem Frieden. die in ihren spontan auf­ tretenden spirituellen Krisen angemessene Unterstützung beka­ men. Der Gedanke des »Intelligent Design« ergänzt die wissenschaftlichen Entde­ ckungen über die Evolution des Kosmos und des Lebens und ist keine primitive und einfältige Alternative zu diesen. alltägliche Aspekte des Lebens wie Essen. Anders als die Dogmen der organisierten Kirche ist spirituelle Intelligenz .Epilog 417 Suche durch persönliche Erfahrungen gewonnen haben. dass sie weniger auf Vergan­ genheit und Zukunft als vielmehr auf den gegenwärtigen Augen­ blick ausgerichtet sind und mehr Lebensfreude empfinden . Bei Menschen. einige wenige gingen den schamanistischen Weg. Ich hatte das Privileg. führt das meist zu einer Reduktion irrationaler Triebe und Ambitionen. konnte ich oftmals tiefe positive Veränderungen beobachten. einige machten psychedelische Sitzungen oder praktizierten andere Formen von erlebnisorientierter Psychotherapie.sie können simple. Typisch für diese Menschen ist. das Lie­ . die ihren psychospirituellen Tod und ihre Wie­ dergeburt erleben und die konkrete Erfahrungen mit Erinnerungen an positive postnatale oder pränatale Erlebnisse machen.imstande.durch erlebnis­ orientierte Selbsterforschung erworben . Manche von ihnen meditierten regelmäßig. diesen Prozess im Laufe der Jahre bei vielen Menschen zu beobachten. die Weitsicht der materialistischen Wissenschaft über den Haufen zu werfen. Eine systematische und verantwortungsvolle Selbsterforschung durch holotrope Zustände fördert die emotionale und psychoso­ matische Heilung und eine positive Persönlichkeitstransformation. Selbstakzeptanz und Toleranz gegenüber anderen Menschen. Und ebenso effektiv wehrt sie fundamentalistische Missverständ­ nisse und Verzerrungen der spirituellen Botschaft ab. die ernsthaft auf der spirituellen Suche waren. Auch bei Menschen.

wird schließlich zu einer philosophischen Suche nach dem Sinn des Le­ bens und zur spirituellen Entdeckungsreise. Dieses Phä­ nomen beruht darauf. mystische und allumfassende Spiritualität entwickeln. Ein weiteres wichtiges Resultat dieser Entwicklung besteht darin. was uns Gefühle wie Staunen. Was als psychologische Erforschung der unbewussten Psyche für therapeutische Zwecke beginnt. dass wir nahezu bis in unsere Zellen hinein ein Bewusstsein davon haben. politische Überzeugungen oder die religiöse Ausrich­ tung betreffen. Dabei wird deutlich. Mitgefühl und inneren Frieden schenkt. Natur und Musik mehr genießen und mehr Befriedigung daraus ziehen. Rasse. dass diese Menschen eine universelle. dem Gemeinwohl zu dienen. Durch Erleb­ nisse von kosmischem Einssein und mit der eigenen Göttlichkeit können wir uns in wachsendem Maße mit der gesamten Schöp­ fung identifizieren. Hautfarbe. dass die Grenzen im Universum willkürlich sind und jede und jeder von uns mit dem gesamten Lebensnetz identisch ist. Kulturen und historischen Epochen stattfinden und bringen uns sogar in Berührung mit mythologischen Reichen und archety­ pischen Wesen aus dem kollektiven Unbewussten. Weitere transpersonale Erlebnisse verschaffen uns einen bewussten Zugang zu Ereignissen. die nicht konfessionsge­ bunden ist. . Tieren und Pflanzen. dass wir der Natur nichts antun können. ganzen Gruppen von Menschen.418 Epilog besspiel. Menschliche Unterschiede sind für uns dann eher interessant und bereichernd als eine Bedrohung. Liebe. Dieser Prozess der spirituellen Öffnung und Transformation vertieft sich meist durch transpersonale Erfahrungen wie Identifi­ zierung mit anderen Personen. ganz gleich ob sie nun Geschlecht. Eines der verblüffendsten Resultate verschiedenster transper­ sonaler Erfahrungen ist auch das spontane Auftreten und die Ent­ wicklung einer tiefen humanitären und ökologischen Anteilnahme sowie des Bedürfnisses. ohne uns selbst zu verletzen. die in anderen Län­ dern.

das unserer Spezies angeboren ist. Wenn wir mit un­ seren alten. nutzen. Und so ließe sich das enorme kreative Poten­ zial. wird die Menschheit wahrscheinlich nicht überleben. einer sozialen. die diese Transformation erleben. den großen Herausforderungen. wie es ihn in der gesamten Geschichte der Menschheit bislang nicht gegeben hat. Nichts Geringeres als die Zukunft des Lebens auf diesem Planeten steht dabei auf dem Spiel. tiefe in­ nere Transformation erleben. politischen oder religiösen Gruppierung. wenn sie entsprechende Kreise zöge. ideologischen. empfinden sich eher als Planetenbewohner und nicht als Bürger eines bestimmten Landes oder Mitglieder einer bestimmten Rasse. extrem selbstzerstörerischen Strategien weitermachen wie bisher. Wir befinden uns heute in einem dramatischen Wettlauf mit der Zeit.Epilog 419 Menschen. Würden aber genügend Menschen die oben geschilderte. pro­ duktiv zu begegnen. um eine bessere Zukunft zu schaffen. . dann wüchsen unsere Chancen. mit denen wir konfrontiert sind. Natürlich würde eine solche Transformation unsere Lebenschancen erheblich vergrößern.

420 Dank Dank Abenteuer in meiner inneren Welt und meiner Alltagsrealität. im kollektiven Unbewussten objektiv existieren und sich übereinstimmend bestätigen lassen. außer im Geist schwer gestörter psychiatrischer Patienten. von der Wirklichkeit und der menschlichen Psyche teilten und bestätigten. die durch psychede­ lische Substanzen und zahlreiche drogenfreie Methoden ausgelöst wurden oder mitten im Alltag spontan auftraten. D ieses Buch zeichnet ein reiches Bild der bemerkenswerten . die laut mei­ ner Kultur und der Aussagen meiner Berufskollegen gar nicht exis­ tieren. bevor ich zu der Gewissheit gelangte. die das neue Verständnis vom menschlichen Bewusstsein. Ich musste jahrelange intellektuelle Kämpfe ausfechten. In den meisten Fällen war für diese Bestätigung erforderlich. die Gelegenheit hatten. Diese Suche hat mich in Reiche und Dimensionen der Realität geführt. wenn ich sie allein hätte unternehmen müssen. dass die normalerweise unsichtbaren Wesen. solche Realitäten in außerge­ wöhnlichen Bewusstseinszuständen persönlich zu erleben. denen ich begegnete. die ich im Laufe der fünfzig Jahre erlebte. Es war ex­ trem hilfreich. und die Gebiete. geistig aufgeschlossenen Individuen zu begegnen. die ich bei meinen inneren Reisen besuchte. Diese Reise der Entdeckungen und Selbstentdeckung. wäre unvergleichlich schwieriger ge­ wesen. in denen ich außerge­ wöhnliche Bewusstseinszustände erforschte. die vol­ ler Herausforderungen war. dass es Indi­ viduen gab.

Die Zahl dieser Menschen nahm im Laufe der Jah­ re kontinuierlich zu.und . das heißt auf der Grundlage ihrer eigenen Forschungen und persönlichen Erfahrungen zahlreiche Aspekte des neuen Ver­ ständnisses der Wirklichkeit. wo wir von Ende der 1960er. das aus meiner Arbeit hervorging. die unab­ hängig. bestätigt haben. und den Mitgliedern unseres Forschungsteams gegenüber empfinde. Bill Richards und seiner verstorbenen Frau Ilse. oder die zumindest offen dafür waren. von unschätzbarem Wert. der mir ein Stipendium für Experi­ ment und Forschung verschafft hatte und mir später die Position eines Assistenzprofessors für Psychiatrie anbot. und heute sind es zu viele.Dank 421 das sich beim Studium außergewöhnlicher Bewusstseinszustände abzeichnete. deren Unter­ stützung für mich von besonderer Wichtigkeit und Bedeutung war. Rieh Yensen. die ich Albert Kurland. Leiter des psychiatrischen Fachbereichs an der Johns-Hopkins-University. Ich bin zutiefst dankbar für die Ermutigung und Unterstützung. die mich in ihrem Berufs. Als brillanter Wis­ senschaftler mit untadeligen akademischen Referenzen war Joel geistig sehr aufgeschlossen und höchst interessiert an der neuen Sicht der menschlichen Psyche und Realität. um sie hier alle anerkennend aufzuführen. Bob und Karen Leihy.bis zu Beginn der 1970er-Jahre das letzte in den Vereinigten Staaten noch erhalten gebliebene psychedelische For­ schungsprojekt durchführten. Seine intellektuelle und ad­ ministrative Unterstützung war für unser Team am Maryland-Psychiatric-Research-Center in Catonsville. die sich in der psy­ chedelischen Forschung abzeichnete. Direktor des Maryland-Psychiatric-ResearchCenter. die ich von ähn­ lich gesinnten Kolleginnen und Kollegen erfahren habe. So nenne ich nur einige. die richtigen Worte zu finden für die Dankbarkeit. vor allem Sandy Unger. Sidney Wolf. dem verstorbenen Franco di Leo und Nancy Jewel. Es fällt mir schwer. Unmittelbar nach meinem Eintreffen in den Vereinigten Staa­ ten war es Joel Elkes. Maryland. Charles Savage. dem verstorbenen Walter Pahnke.

die Begründer zahlreicher verschiedener Schulen erlebnisbedingter Psychotherapie und be­ kannte spirituelle Lehrerinnen und Lehrer. als Dozent am Esalen-Institut in Big Sur. die meisten Pioniere und Pionierinnen der Wissenschaft vom neuen Paradigma. Bewusstsein und menschlicher Natur. dass die meisten Referentinnen und Referenten bei diesen Konferenzen. was uns Gelegen­ heit gab. zu lehren und zu wohnen. Zutiefst dankbar bin ich auch Michael Murphy. Meine Frau Christina und ich führten in Esalen dreißig einmonatige Workshops durch. die hier unterrichteten. die sich abzeichneten. diese bemerkenswerten Menschen als Gastdozentinnen und -dozenten einzuladen. persönlich kennenzulernen. erlebnisbedingten Methode der Selbsterfor­ schung und Therapie. Mein Aufenthalt in Esalen von 1973 bis 1989 war für mich eine äußerst positive und bestätigende Erfahrung.Nord. einer tiefgreifenden. Besonders ermutigend war. dem einzigartigen Zentrum für die Erforschung des menschlichen Potenzials. Dank des erstaunlich reichen Programms an Workshops.422 Dank Privatleben mit offenen Armen aufnahmen. die das Institut anbot. Ihre Familien wurden für mich zu einem zweiten Zuhause. hatte ich Gelegenheit. Esalen bot uns auch einen idealen Rahmen für die Entwicklung des Holotropen Atmens. konnten Christina und ich eine Reihe von großen transpersonalen Konfe­ renzen veranstalten. die hier zu Besuch kamen. Australien und Asien. die in verschiedenen Teilen der Welt stattfan­ den . Mit Hilfe der Verbindungen. die wir in Esalen zu den Lehre­ rinnen und Lehrern knüpften. Die Starbesetzung dieser Treffen und ihr reiches interdisziplinäres Pro­ gramm waren eine weitere Bestätigung für die neue Sicht der Wirk­ lichkeit und das neue Verständnis von Psyche.und Südamerika. die diese neue Sicht teilten. der mich einlud. einen soliden Ausbil­ . das er zusammen mit Dick Price gründete. uns mit ihren Lehren bekannt zu ma­ chen und mit diesen Menschen anzufreunden. Europa. Kalifornien.

Dank 423 dungshintergrund hatten. ein brillanter Astrologe und archetypischer Psychologe. Rick Tarnas. außergewöhnlich intelligent waren und beeindruckende akademische Referenzen vorweisen konnten. enorm geholfen. Jack und Liana Kornfield. ein weiterer enger Freund. Ram Dass. der sich als Psychiater auf die Erforschung affektiver Störungen spezialisiert hat. die Astrologie schätzen und würdigen zu lernen. begeisterter Fan sowie aufrichtiger und ernst zu nehmender . Anregungen. gründlichen Intellekt. regelmäßig getroffen hat .mehr als jede andere . die . nützlicher Hin­ weise und kritischer Kommentare gewesen. seit wir von Big Sur nach Mill Valley gezogen sind. Un­ sere gemeinsamen Essen. der sich. eine Disziplin. Michael und Sandra Harner. Meditationen und unser Informations­ austausch über zahlreiche.Angeles Arrien. die wir im Laufe der Jahre zusammen geleitet haben. verschiedene Themen sind für mich eine Schatzkiste voller neuer Ideen. Sehr dankbar bin ich Michael Marcus. John Buchanan. Ver­ trauter. Er ist immer mein enger Freund. Bestätigung und Unterstützung von Ervin Laszlo und Ralph Metzner erfahren. Bokara Legendre. Mein Bruder Paul. Unabhängig davon habe ich auch viel Inspiration. Bokara Legendre und Betsy Gordon für ihre Freund­ schaft und die großzügige Unterstützung.meine gedanklichen Grenzen und meinen intellektuellen Horizont erweitert hat. Frances Vaughan und Roger Walsh. die auf unserer generellen Übereinstimmung in Bezug auf die grundlegenden Aussagen der transpersonalen Sicht und spiritu­ ellen Weltanschauung beruhen. Kursen und Workshops. wissenschaftlicher Leidenschaft und außer­ ordentlicher Großzügigkeit. Mein besonderer Dank gilt dem Kreis unserer engsten Freunde und Mitsuchenden in der Bay Area. die sie unserer Arbeit im Laufe der Jahre zuteil werden ließen. repräsentiert eine einzigartige Mischung aus ausgezeichnetem. hat mir in zahlreichen Diskussionen. Vor allem aber boten uns diese Zusammenkünfte viel Unterstützung und Bestätigung. Janet Zand.

Mein besonderer Dank geht an Tav und Cary Sparks.424 Dank Kritiker gewesen. der der Welt bemerkenswerte Werkzeuge für die Erforschung der menschlichen Psyche geliefert hat . Psilocin und diese Gelegenheit die Entdeckungen berufliches Leben Monoethylamin von Lysergic Acid. in unserem Leben eine ent­ scheidende Rolle gespielt. Tav war viele Jahre lang mein Reisege­ fährte und Co-Leiter und Cary die Seele all unserer gemeinsamen Projekte. die seine Gaben mit dem Verantwortungsbewusstsein und Respekt nutzen. Ich möchte nutzen. um ihm meine tiefe Dankbarkeit für all auszudrücken. welche diese außergewöhnlichen Werkzeuge ver­ dienen. son­ dern auch ein bemerkenswertes menschliches Wesen. Die normalerweise unsichtbaren. nicht nur. Ich habe im Laufe der Jahre eine große Zuneigung und tiefe Bewunderung für ihn entwi­ ckelt. die er in mein persönliches und und das Leben unzähliger anderer Menschen brachte. unsere lieben Freunde. hatten wir alle das Gefühl. die über zwanzig Jahre unsere Mit­ arbeiter waren.LSD. Beide haben als Co-Direktoren des Grof Transper­ sonal Training (GTT) und Mitorganisatoren von Workshops und internationalen transpersonalen Konferenzen. verbrachte. in der Schweiz. Psilocybin. die wir in verschie­ denen Teilen der Welt veranstalteten. Als er vor wenigen Monaten einen Tag mit der Gruppe unserer Teilnehmer am Ausbildungstrai­ ning in Gruyeres. Ich hatte das Privileg. gesegneten und produktiven Leben strahlt er noch immer eine erstaunliche Vitalität. weil er ein erstaunlicher Wissenschaftler ist. Albert persönlich zu kennen und ihm bei zahlreichen Gelegenheiten zu begegnen. sondern . keinem wissenschaftlichen Vortrag zu lauschen. Neugier und Liebe für die gesamte Schöpfung aus. Nach einem über hundertjährigen erfüllten. außergewöhnlichen Dimensi­ onen der Wirklichkeit wären mir verborgen geblieben ohne die Epoche machenden Entdeckungen und das Lebenswerk von Al­ bert Hofmann.

Meine Liste wäre unvollständig. Christina für ihre Geduld und ihr Verständnis zu danken und mich bei ihr zu entschuldigen. waren die Quelle der außerordentlichen Beobachtungen. besten Freundin. die wir überall in der Welt zusammen durchgeführt haben. Mir ist bewusst. Christina spielt in zahlreichen dieser Geschichten eine wichtige Rolle und war prä­ sent.Dank 425 Darshan bei einem spirituellen Lehrer zu haben. was sie zu meinem Leben und zu unseren gemeinsamen Projekten beigetragen hat. Wir hatten kei­ nerlei Zweifel daran. Buch. hat völlig selbstständig Sounds True gegründet. Unter anderem hat sie das Spiritual EmergenceNetzwerk (SEN) gegründet.und Musikverlag. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen. einzigartige Beiträge zum Verständnis der Beziehung zwischen Sucht. deren unbeirr­ bares Verfolgen ihrer Disziplin die Erkenntnis der wunderbaren göttlichen Ordnung mit sich brachte. dass Albert . Video-. die für die Veröf­ fentlichung der Originalausgabe dieses Buches eine wichtige Rolle gespielt haben: Tami Simon. die den Stoff für viele der Geschichten in diesem Buch lieferten. die ich sehr bewundere und schätze.wie Albert Einstein und Isaac Newton . meiner Frau. Abhängigkeit und spiritueller Su­ che geliefert und zusammen mit mir das Holotrope Atmen entwi­ ckelt. Mein besonderer Dank geht an zwei Menschen. dass das Schreiben dieses Buches und vieler weiterer früherer Bücher unser Privatleben oft beeinträchtigt hat.zu den großen Wissenschaftlern gehört. einen Audio-. »wenn das Unglaubliche passierte«. der von einem Ein-Personen-Betrieb in . Geliebten. Er wird mir mein gan­ zes restliches Leben lang Vorbild und leuchtendes Beispiel sein. die der Welt der Materie und der natürlichen Phänomene zugrunde liegt. die ich von ihr im Laufe der Jahre bekommen habe und für all das. Mitarbeiterin und Mitsuchenden meinen tiefen Dank aussprechen würde für all die Inspiration. wenn ich nicht Christina. Die Workshops und Trainings für die Atemarbeit.

. die ich meinen Leserinnen und Lesern hier erzähle. und für ihren Rat und ihre hilfreichen Vorschläge. mit der sie das Manuskript lektoriert hat. die ihre eigenen technischen Einrichtungen besitzt und über fünfzig Personen be­ schäftigt. Dankbar bin ich auch Alice Feinstein für das Fachwissen und die Begeisterung. alternativen Heilungsmetho­ den. Ich weiß es sehr zu schätzen. das vorlie­ gende Buch im Rahmen ihres neuen Verlagsprojektes herauszu­ bringen. die passendste Form finden kann. Durch die Aufnahmen von Sounds True konnten Hunderttausende von Hörerinnen und Hörern Bekanntschaft schließen mit dem Gedankengut spiritueller Lehrerinnen und Pioniere der Wissenschaft des neuen Paradigmas. wie ich für die Geschichten.426 Dank nur einem Raum zu einer Firma angewachsen ist. Bewusstseinsforschung und transpersonaler Psychologie. dass Tami beschlossen hat.

Fischer Taschenbuch-Verlag 1991.: Das Unbehagen in der Kultur.: Die Psychologie der Zukunft: Erfahrungen der modernen Bewusstseinsforschung. Jung’s Psychology of Religion and Synchronicity. Fra­ gen der Gesellschaft. Ders.: Totem und Tabu. N. Grant.G. Reincarnation and the Web of Life.: Cosmic Influences on Human Behavior.: Topographie des Unbewussten: LSD im Dienst der tiefenpsychologischen For­ D. 1997. von: Wissen aus der Tiefe. Grof. C. München: DroemerKnaur 1992.G. In: Freud.: »Distressing Near-Death Experiences.: C. Greyson. R. Albany: State University of New York Press 1990. S. 1969.: Lifecycles. M. New York: Aurora Press 1985. Gauquelin. Ursprünge der Illusion. Franz.: Studienausgabe.: Die Zukunft einer Illusion. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag schung. J. Stuttgart: Klett-Cotta 2002. Ders. und Kelsey. S. . Wettswill: Edition Astroferra 2002. Bache. Ders. D. Füller. Fischer Taschenbuch-Verlag 1993. Über Orakel und Synchronizität.: Many Lifetimes. Bd. IX. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch-Verlag 1994.: Ghost of 29 Megacycles. J. London: Souvenir Press 1951. B. Goleman. New York: Paragon House 1994. Freud. und Bush. M.: Emotionale Intelligenz.Bibliographie 427 Bibliographie Aziz.« Psychiatry 55 (1992):95.D. S.

Ders. Ders. Frankfurt am Main: Fischer 2000.: Die stürmische Suche nach dem Selbst.A.: Roots of Renewal in Myth and Madness.: Tao des Zufalls. V. Februar 1953. die am Himmel gesehen werden. Talking to the Other Side with the New Technology of Spiritual Contact. C. Grof. Hrsg. S. Physik und Synchronizität. S.: Spirituelle Krisen. Englewood Cliffs. Chancen der Selbstfindung.: »The miraculous side of instrumental transcommunication. Der Fall des Biologen Paul Kämmerer.G.: Der Krötenküsser. Olten: Walter Verlag 1972.: Kosmos und Psyche. New Mexico 2005. Wheaton. New American Library 2001. IL: Quest Books 1994. ln: Carl Gustav Jung: Briefe.H.428 Bibliographie Ders. . In: Carl Gus­ tavjung.: Abductions.W: The Far Side of Madness. München: Diederichs Verlag 1998. Ebd. Hoeller. Ders. Köstler. Von Aniela Jaffe.« Vortrag bei der Siebten Internationalen Konferenz über Wissenschaft und Bewusstsein im Hotel La Fonda. J. R. M. Ders. Ders. Macy. Von Dingen.: The Gnostic Jung and the Seven Sermons to the Dead. Band 8.: Ein moderner Mythos. A. Jung. 1994. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt-Taschenbuch-Verlag 2002. 1999. München: Gold­ mann 1996. München: Kösel-Verlag 1990. Perry. Mansfield. C.: Miracles in the Storm.: Passport to the Universe. Santa Fe. Praktische Hilfe für spirituelle Krisen. Dies. Band 10. und Grof. Band 2.A. Gesammelte Werke. Reinbek: Ro­ wohlt Verlag 1984. 1995. An den Grenzen menschlichen Bewusstseins. Ders. Philosophie. Mack. München: Kösel-Verlag 1991. J. Olten: Walter Verlag 1995.N..: Leben nach dem Tod. NJ: Prentice Hall 1974. Die Erforschung einer unerklärlichen Erfahrung.: Synchronizität als ein Prinzip akausaler Zusammenhänge. San Francisco: Jossey-Bass Publications 1976. 1946-1955. Botschaften aus der anderen Welt.: Blick hinter den Spiegel. Moody.: Brief an Carl Selig vom 25.

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com Tel.: 001-415 383 8779 Fax: 001-415 383 0965 . PMB 516 Mill Valley.Kontakt zum Autor 431 Kontakt zum Autor Für Informationen über das Holotrope Atmen und über das Aus­ bildungstraining zur Begleiterin/zum Begleiter wenden Sie sich bitte an: Grof Transpersonal Training 38 Miller Ave.holotropic. CA 94941 / USA Internet: www.com E-mail: gtt@holotropic.

« Stanislav Grof . was uns Gefühle wie Staunen. Liebe. Eine spannende Reise durch den Kosmos. hin zum unglaublichen Potenzial menschlicher Existenz! » Durch Erlebnisse von kosmischem Einssein und mit der eigenen Göttlichkeit können wir uns in wachsendem Maße mit der gesam­ ten Schöpfung identifizieren.Dieses aufregende Buch Realität ist anders. als wir denken! enthält Geschichten über außergewöhnliche Bewusstseins­ erfahrungen sowie frappierende Erkenntnisse aus der Transpersonalen Psychologie und lässt uns die Welt mit neuen Augen sehen. Mitgefühl und inneren Frieden schenkt.

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