# 270 Juni 2008

campus delicti
WOCHENMAGAZIN DES ASTA HEINRICH-HEINE-UNIVERSITÄT DÜSSELDORF

GRÜNDE DER NRW-TICKET EINFÜHRUNG
ab Seite 03

VERWENDUNG DER STUDIENBEITRÄGE
ab Seite 4

LIVE! LÄNDERSPIEL 12.06/16.06 SP SAAL
Deutschland - Kroatien/Deutschland - Österreich, ab 18 Uhr, s. Seite 16

02 –– INHALT EDITORIAL

EDITORIAL

# 270 Juni 2008
NRW-Ticket Einführung ........................................ Seite 03 Verwendung der Studienbeiträge ......................... Seite 04 Jubeltag für Studiengebührengegner in Hessen ... Seite 05 Jobbörse: Stellenwerk ............................................... Seite 06 Kö Bogen als Chance für die Stadt ......................... Seite 07 Interview ................................................................. Seite 09 Jesus Krawallinski ...................................................... Seite 11 Ankündigung ............................................................. Seite 14 Tag der Studierenden 2008 ...................................... Seite 17 Termine, Impressum ............................................... Seite 16

In dieser Ausgabe stellen wir euch sowohl einen ausgefallenen Schauspieler, als auch aktuelle Informationen bezüglich des NRWTickets und der Studiengebühren vor. Vor allem widmen wir uns der Verwendung und dessen Mitteln. Desweiteren haben wir aus aktuellem Anlass bezüglich der EM eine Leinwand im SP-Saal eingerichtet und laden alle Studierenden herzlich zu einem gemütlichen Fußballabend ein! Wir freuen uns über reichlichen Besuch und über ein hoffentlich spannendes und für Deutschland positiv ausgehendes Spiel! Euer Pressereferat !

Korrektur Bezüglich meiner Berichterstattung zur letzten SP-Sitzung (Studierendenparlament) ist mir ein inhaltlicher Fehler unterlaufen, welchen ich hiermit korrigieren möchte: In einem zu klärenden Tagespunkt gab es einen Antrag zur Finanzierungsunterstützung des diesjährigen „Antifa-Camp Rheinland“. Ich hatte versehentlich berichtet, dass dieser Antrag vom AStAinternen Antifa-Referat gestellt worden sei - die Wahrheit jedoch ist, dass dieser Antrag vom AntifaCamp selbst gestellt worden ist. Turap Yilmaz

03 –– NRW-TICKET

WIE KAM ES ZUR EINFÜHRUNG DES NRW-TICKETS?
Nachdem neulich im Rahmen der anstehenden hochschulpolitischen Neuwahlen Plakate aufgetaucht sind (aus Diskretionsgründen wird die verantwortliche Liste nicht genannt), auf denen die beiden AStA-Vorstandsmitglieder Rainer Matheisen (LHG) und Philipp Tacer (Juso-HSG) mit indianischem Federschmuck und dem Ausspruch „Mit fremden Federn geschmückt“ karikativ dargestellt sind, bedeutet es den beiden betroffenen Parlamentariern nun ein besonderes Anliegen, diesen offenbar falsch dargestellten Sachverhalt zu klären. Bei der Kontroverse handelt es sich um die Frage, auf wessen Konto der Verdienst der NRW-Ticketeinführung der HHU geht.
Im Gespräch hatten die beiden Vorstandsmitglieder nicht wenige Argumente, die dafür sprechen, dass die Juso-HSG in Kooperation mit der LHG entscheidend zur Einführung des NRW-weiten Tickets beigetragen hätten. Allen voran geht die Tatsache, dass seinerzeit erst der AStA-Vorstand die Frage um das Ticket auf die Tagesordnung des Studierendenparlamentes gesetzt hat. Rainer Matheisen betont: „Die Jusos und die LHG waren stets darum bemüht, das Semesterticket einzuführen“. Für deren Bemühen spreche auch, dass der AStA gemeinsam mit dem Öko-Referat eine Unterschriftenaktion durchgeführt haben, durch welche binnen einer Woche die Stimmen von über 2000 Studies gesammelt wurden, die sich für eine rasche Einführung des Tickets ausgesprochen haben. Und in der Tat hätte die Einführung rascher nicht sein können: Neben der Uni Bochum und der FA Dortmund ist an unsrer HHU das Ticket mit am schnellsten in Kraft getreten. „Düsseldorf hat sogar als einziger ein Hologramm auf dem Ticket. Dadurch braucht man kein Wisch mit sich zu schleppen, wenn man woanders kontrolliert wird als in Düsseldorf“, so Matheisen. „Wir als AStA-Vorstand haben damals auch zur studentischen Vollversammlung eingeladen“, merkt Tacer an. Auf dieser haben 99% der Studies für die Einführung des Tickets gestimmt. Ihr Engagement reiche durchaus über die Grenzen des universitären Zirkels hinaus: So hat der Düsseldorfer AStA nicht nur in solidarischer Vereinigung mit den anderen Asten die Bildung einer Verhandlungsdelegation des Landesastentreffs (alle Asten in NRW) mitgetragen, sondern auch als erster den Beschlussvertrag mit der Rheinbahn und dem Kompetenzcenter als Vertreter aller Verkehrsverbünde in NRW unterzeichnet. Dass die Jusos und die LHG letztlich auch die stimmliche Mehrheit im Studierendenparlament sind, sieht Philipp Tacer als klares Argument: „Die Einführung des NRW-Tickets durch uns zeigt, dass wir unsere Mehrheit im Studierendenparlament im Interesse der Studierenden einsetzen.“

Turap Yilmaz

04 –– STUDIENBEITRÄGE

VERWENDUNG DER STUDIENBEITRÄGE
Im Studienjahr haben die NRW-Hochschulen durch die Studiengebühren zusätzliche Einnahmen in Höhe von rund 250 Millionen Euro erzielt, die angeblich für die Verbesserung der Qualität von Lehre und Studium zur Verfügung stehen. Bei der Landespressekonferenz am 9. Juni wurde der Bericht über Verwendung von Studienbeiträgen an Hochschulen in NRW vorgestellt. Die Studie arbeitet heraus, wie die Gelder innerhalb der Hochschulen eingesetzt wurden. Nach dem NRW Innovation Minister Prof. Dr. Andreas Pinkwart ist auf eine missbräuchliche Verwendung von Studienbeiträgen nicht zu stoßen. Was aber nicht zu übersehen ist, dass in dem Bericht, bei der Danksagung zur Begehung nur 2 Universitäten (Bochum und Paderborn), 2 Fachhochschulen (Bonn und Münster) und die Musik Hochschule Köln erwähnt wird. Studiengebühren mit Geld zurück Garantie? Es gibt zwar in NRW Prüfungsgremien unter hälftiger Beteiligung der Studierenden die als Anlaufstelle für Beschwerde über Mängel dienen, nur die Erläuterung vom Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks Herrn Achim Meyer von der Heyde hilft uns etwas weiter: „bei den Untersuchungen haben wir festgestellt dass die Prüfgremien der Universitäten nach unterschiedlichen Vorgaben prüfen, wir sollten uns bemühen eine einheitliche gesetzesgrundlage zur verschaffen“.

Cemil Tasdemir

Foto: Cemil Tasdemir

05 –– GEBÜHREN IN HESSEN

HESSEN MACHTS VOR JUBELTAG FÜR GEBÜHRENGEGNER
Studiengebühren zurückgenommen - Kehrtwende zu mehr Gerechtigkeit im Bildungssystem eingeleitet.
Es ist vollbracht. Mit dem heute mit der Mehrheit von SPD, Grünen und Linkspartei im hessischen Landtag verabschiedeten Gesetz zur Sicherstellung von Chancengleichheit an hessischen Hochschulen ist Hessen das erste Bundesland, welches Studiengebühren, Langzeit- und Zweitstudiengebühren wieder abschafft. Die den Hochschulen durch die Rücknahme entstehenden finanziellen Ausfälle werden zu hundert Prozent durch Landesmittel ersetzt. Nach zwei Semestern wird somit nun erstmals in einem Bundesland den unsozialen offenkundigen Auswirkungen der Gebühren Rechnung getragen. „Ein großer Erfolg für die Studierendenbewegung und für alle Gebührengegner!“, freut sich André Schnepper, Sprecher des bundesweiten Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren. „Der heutige Tag zeigt, dass die besseren Argumente am Ende doch den Ausschlag geben und eine andere Bildungspolitik in ganz Deutschland möglich ist. Wir freuen uns, dass die verfassungswidrigen Gebühren auf politischem Wege und nicht durch den Urteilsspruch der Gerichte zurückgenommen worden sind. Dieser Tag macht deutlich, dass es Alternativen zu Studiengebühren gibt, die man nicht wegdiskutieren kann.“ Dennoch erwarten die Gebührengegner das für den 11.06.2008 angekündigte Urteil des Staatsgerichtshofes mit Spannung. Schließlich geht es auch noch um die Frage, ob die bereits gezahlten Studiengebühren an die Studierenden zurückgezahlt werden müssen. „Aus unserer Sicht, verstoßen Studiengebühren eindeutig gegen die hessische Landesverfassung“, so Schnepper. „Aus diesem Grund müssen die bereits gezahlten Gebühren in vollem Umfang an die Studierenden zurückgezahlt werden.“ Die heutige Entscheidung dürfte auch Auswirkungen auf die Diskussion in den anderen Gebührenländern haben. Das bundesweite Aktionsbündnis gegen Studiengebühren und das LandesAstenTreffen NRW riefen umgehend nach dem heutigen Parlamentsbeschluss zu einer landesweiten Demonstration am 17.06.2008 in Düsseldorf auf. „Was Hessen kann, können wir schon lange“, unterstreicht Schnepper, Student an der Uni Münster, das Motto der Demo. - Pressemitteilung des Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren.

Ergänzung/Kommentar: Die Freude wird allerdings durch die Weigerung des geschäftsführenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch Koch getrübt das Gesetz zu unterzeichnen. Ein Formfehler, der dem Machtpolitiker schon bei der Abstimmung des Gesetzes bekannt war, nutzte Koch zur Begründung seiner Ablehnung zur Unterzeichnung. Der Formfehler ist beim Kopieren des Gesetzes entstanden, bei dem ein Absatz versehentlich unterschlagen wurde. Sicher wird die linke Mehrheit aus SPD, Grünen und Linke einen neuen Anlauf nehmen die Gebühren zu kippen. Dann wird Koch keine Möglichkeit haben die Unterzeichnung zu verweigern. Offensichtlich sitzt die Demütigung für Koch tief, er war von Beginn an ein Verfechter der Studiengebühren. Dass diese nun wieder gegen seinen Willen abgeschafft werden, ist für den Taktierer Koch offensichtlich nur schwer zu ertragen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Koch versucht die Auseinandersetzungen um die Abschaffung der Gebühren dazu zu instrumentalisieren, die Ausrufung von Neuwahlen zu rechtfertigen. Das wäre der CDU insofern mehr als recht, weil das linke Parteienspektrum Meinungsumfragen zu Folge keine Mehrheit mehr innehat und Koch voraussichtlich im Amt bleiben würde, wenn nun neu gewählt würde. So besteht die berechtigte Angst, dass die Auseinandersetzung um Studiengebühren für machtpolitische Spielchen instrumentalisiert wird. Klar ist auch: die Abschaffung der Gebühren kann nur mit linken Mehrheiten gelingen, diese zu bilden ist allerdings aufgrund der Zerstrittenheit des linken Parteienspektrums schwierig. Linus Wörffel

06 –– JOBS: STELLENWERK

JOBBÖRSE: STELLENWERK
Das Stellenwerk ist toll! Eigentlich ist das Stellenwerk eine Jobbörse, aber es kann noch mehr! Was kann das Stellenwerk denn Tolles? Das Stellenwerk ist eine von der Industrie und Handelskammer, der Verwaltung und dem AStA der Uni in‘s Leben gerufene Jobbörse, explizit für Studenten der Heinrich Heine Uni. Das Besondere ist, dass hier alle Bereiche auf einer Website gebündelt sind, die mit dem Thema Student, Job und Düsseldorf zu tun haben
Sonst sind Jobbörsen ja häufig auf eine Klientel spezialisiert. Da gibt es die für Akademiker, bei der man zwar einen tollen Job finden kann, sobald man sein Diplom in der Tasche hat, aber nie nach einem Job als Kellnerin für die Semesterferien suchen würde. Dafür würde man dann eher auf den Kleinanzeigenteil der Zeitungen aus dem Hausflur zurückgreifen. Aber vielleicht gibt es ja noch einen Job, für den man zwar keinen Abschluss braucht, der aber trotzdem etwas mit dem Studienfach zu tun hat? Mal an den Schwarzen Brettern gucken. Ist nix da? Hmm... vielleicht kann man ja mal die Rechtsanwälte in der Umgebung abklappern, vielleicht sucht dort ja jemand nach einem Aktensortierer. War was dabei? Spitze, so, dann den Job über die Semesterferien machen, aber dann auch langsam mal nach was Handfestem für „danach“ suchen. Na, da gibt‘ s ja zum Glück die zuerst genannten Jobbörsen- also rein in die Portale. Ach verdammt, dazu bräuchte man ja jetzt Internet, und das funktioniert immer noch nicht. Da gibt es doch bestimmt einen Informatik- Studenten, der das in einigen Sekunden lösen könnte. Mal die Bekannten abtelefonieren, vielleicht kennt ja irgendwer jemanden. Aaaaaaaaaahhh!!! Kennen wir alle, ist völlig normal der Zustand. Aber eigentlich gibt es keinen Grund, weshalb das so weitergehen sollte, denn entspannt ist etwas anderes. Das soll jetzt das Stellenwerk Düsseldorf leisten. Hier soll jede Art von Job angeboten werden. Ferienjobs genauso wie Jobs für Graduierte. Jobs, bei denen man mal in ein völlig neues Metier schnuppern kann, wie Samstags in einer Gärtnerei buddeln und Stellen als HiWi in der Uni. Aber alles Jobs, bei denen ein Mindestlohn von 10 € gezahlt wird. Was ich am Stellenwerk aber besonders mag, ist, dass es sowohl die Uni mit der Stadt vernetzt, als auch eine Uni-interne Plattform darstellt. Denn als Student kann man hier kostenlos Anzeigen schalten. Zum Beispiel, um jemanden zu finden, der einem das seit Monaten platte Fahrrad flickt. Oder jemanden, der einem endlich mal Statistik erklärt, oder jemanden, der einem die Möbel in die neue Wohnung schleppt, oder oder oder. Und nun der Clou- das Stellenwerk funktioniert natürlich nur, wenn wir es auch nutzen. Denn nur, wenn Unternehmen schnell jemanden finden, der auf ihre Anzeige reagiert, werden sie wieder beim Stellenwerk suchen. Und andersrum gilt es natürlich auch: man geht nur ein zweites Mal auf eine Jobbörse, wenn man beim ersten Mal Jobs gefunden hat. Also nutzt die Chance, dass wir uns an der Uni unser eigenes und gleichzeitig externes Jobforum aufbauen. Noch steckt das Stellenwerk in den Kinderschuhen, aber die Industrie- und Handelskammer macht das Stellenwerk im Moment bei den Unternehmen bekannt, so dass wir uns auch auf immer mehr Jobs von außerhalb einstellen können. Und je mehr wir uns dort engagieren, indem wir auf Jobangebote reagieren aber auch selbst dort suchen, wenn wir Hilfe brauchen, desto schneller wächst das Stellenwerk. Also bitte: nutzt das Stellenwerk! Es ist eine tolle Sache, und wenn ihr mal statt stellenwerk-duesseldorf.de stellenwerkhamburg.de eingebt, seht ihr, was man aus dieser Seite machen kann!

Ann- Kathrin Kotte

07 –– KÖ BOGEN

HEISSES EISEN IM HERZEN DER STADT
„Nutzt den Kö Bogen als Chance für die Stadt“, schrieb Oberbürgermeister Joachim Erwin wenige Tage vor seinem Tod in sein politisches Vermächtnis und forderte damit Politiker wie Bürger auf, das von ihm vorangetriebene Projekt der Neugestaltung des Jan-Wellem-Platzes zu verwirklichen.
Es sah zunächst nach keinem leichten Unterfangen aus, denn im Vorfeld hatte es bereits reichlich Ärger um das vom verstorbenen Oberbürgermeister als „Jahrhundertchance“ bezeichnete Großprojekt gegeben. Alles begann mit der Entscheidung zum Bau der neuen U-Bahn Trasse und der zu erwartenden Baufälligkeit der über den Platz führenden Hochstraße, im Volksmund „Tausendfüßler“ genannt. Die für 2014 erwartete Fertigstellung der seit Jahrzehnten immer wieder geplanten „Wehrhahnlinie“ bringt den Wegfall der gesamten oberirdischen Bahnanlagen in Ost-West Richtung mit sich. Damit wird die Bedeutung des Jan-Wellem-Platzes als zentraler Straßenbahnknoten endgültig enden. Bis in die 80iger Jahre hinein passierten hier täglich etliche Tramlinien in alle Richtungen stadteinund auswärts die Haltestellenanlage. Zusätzlich ist der Platz zentrale Endhaltestelle zahlreicher Buslinien. Mit Beginn des U-Bahn Zeitalters übernahm die Heinrich-Heine-Allee diese Funktion als Umsteigeknotenpunkt und einige Linien, vor allem jene auf die andere Rheinseite, wurden eingestellt und von den modernen Stadtbahnzügen übernommen. Von den ursprünglich vier Gleisen wurden zwei stillgelegt und teilweise gepflastert, teilweise mit Blumenkübeln versehen oder einfach ihrem natürlichen Schicksal überlassen. Von einem reizvollen Ambiente, das zum Verweilen einlädt, ist der jetzige Zustand jedenfalls weit entfernt. Was den „Tausendfüßler“ betrifft, so wird dieser heute eher als ein in Beton gegossenes Relikt betrachtet, aus einer Zeit als Hochstraßen noch der Inbegriff des Aufbruchs zur modernen Autostadt darstellten. Der schnelle Blick aus dem fahrbaren Untersatz in die Wäscheabteilung von P&C wird wahrscheinlich bald der Vergangenheit angehören, denn die schnelle Stadtüberführung ist stark in die Jahre gekommen und müsste in absehbarer Zeit aufwendig saniert werden. Während in anderen deutschen Städten wie Wiesbaden die Hochstraßen bereits Geschichte sind, soll sich nach dem Willen der Stadt nun auch in Düsseldorf die Abrissbirne diesem Problem auf ihre Weise „nähern“. Klar, dass da die Frage nach einer geeigneten Nachfolgelösung aufkommt, die zukunftsfähig sein soll. Und hier entstanden nun Pläne, die einen nicht unbedingt negativ an das saloppe Sprichwort „nicht kleckern, sondern klotzen“ erinnern. Anders gesagt: Wenn schon gebaut wird, dann richtig. Auf dem Gebiet des Tunnelbaus hat Düsseldorf auch reichlich Erfahrungen gesammelt. Mit dem großzügig angelegten Rheinufertunnel ist den Planern ohne Zweifel ein Kunststück gelungen, das seines Gleichen sucht und der Stadt eine neue traumhafte Promenade geschenkt hat. Gleiches soll nun auch am heutigen Jan-Wellem-Platz geschehen, oder besser gesagt unter ihm. Hierbei wird laut Informationen der Stadt in zwei Bauabschnitten bis Ende 2013 ein regelrechtes Tunnelsystem entstehen. Während der Planungsphase wurden mehrere Vorschläge eingereicht, die sich vor allem in der Lage der notwendigen Rampen und der Tunnellängen unterschieden. Wie auf der Internetseite der Rheinischen Post zu lesen, hatte Stadtarchitekt Edmund Spohr auch an eine zusätzliche Tunnellösung für die oberirdisch in Nord-Süd Richtung verlaufende Straßenbahntrasse gedacht. Diese und andere kühne Pläne werden aber nach derzeitigem Stand, wegen der zu erwartenden Kosten nicht verfolgt. Es ist vielmehr die Umsetzung folgender Lösung zu erwarten: Im ersten Abschnitt wird ab Ende 2008 mit dem Bau eines 300 Meter langen NordWest Tunnels von der Hofgartenstraße Richtung Heinrich-Heine-Allee begonnen und gleichzeitig mit einer 350 Meter langen Röhre in Süd-Nord Richtung von der Berliner Allee aus kommend wieder zur Hofgartenstraße. Über einen Abzweig wird es den Autofahrern in diesem Tunnel möglich gemacht sowohl in Richtung Heinrich-Heine-Allee abzubiegen als auch das Schauspielhaus und das Dreischeibenhaus unterirdisch zu erreichen. Dieser Teil der Arbeiten soll 2011 beendet sein. Ab Ende 2010 beginnt mit dem Abriss des Tausendfüßlers der zweite Bauabschnitt. Weitgehend dem Verlauf der Hochstraße folgend wird dann der ca. 650 Meter lange Tunnel Richtung Süden errichtet. Nach der Fertigstellung 2013 kann man wahlweise über Rampen auf der Berliner Allee oder in Richtung Hauptbahnhof auf der Immermannstraße wieder das Tageslicht erreichen. Etwa zur gleichen Zeit darf nach aktueller Planung mit der Fertigstellung des U-Bahnhofes „Schadowstraße“ gerechnet werden und die Bohrmaschine wird mit ihrer Arbeit das Tunnelnetzwerk im Untergrund vollenden. Doch dieses an sich bereits gewaltige Projekt, das mit über 200 Mio. Euro veranschlagt wird, bietet erst die notwendige Basis um den Kö Bogen in der geplanten Form entstehen zu lassen. Zwar hatte bereits im vergangenen Jahr die Trinkausbank seitens der Stadt den Zuschlag für die Bebauung

08 –– KÖ BOGEN

des Platzes erhalten, doch läuft nach dem Scheitern des Bürgerbegehrens gegen den Verkauf der Grundstücke noch eine europaweite Ausschreibung. Das Traditionsbankhaus möchte an der Hofgartenstraße seine Zentrale neu zusammenfassen und dazu zwei 26 Meter hohe Gebäudeblöcke errichten. Die Fassadengestaltung und Höhe soll dabei in der Tradition der Kö Architektur weitergeführt werden, was allerdings umstritten ist. (Die einzelnen Modelle sind bei www. rp-online.de zu sehen.) Der „Kö Bogen“ entwickelte sich zunehmend zur kontroversen Debatte. Anspruchsvoller und vielseitiger solle die Planung einer so einmaligen Gestaltungsmöglichkeit im Stadtzentrum sein, fordert laut RP der Bund der Deutschen Architekten. Ein Vorwurf: Die Stadt bricht die Bebauung übers Knie, verfolgt nur eine einseitige Planungsweise. Mittlerweile haben auch Architekturhochschulen in NRW die Witterung aufgenommen und

ihren Studenten die Aufgabe gegeben, innovative Vorschläge auszuarbeiten, wie das Areal aus der Sicht der jüngeren Generation gestaltet werden könnte. Vielen Kritikern ist zudem äußerst wichtig, dass auf dem heutigen Jan-Wellem-Platz nicht einfach ein weiterer Bürokomplex entsteht, der möglicherweise das Panorama im Hofgarten „erschlägt“. Es werden mehr Kultureinrichtungen, Probebühnen für die Oper oder Galerien mit Ausstellungsflächen angeregt. Der neue Platz soll möglichst viele Bürger anlocken, diese beispielsweise durch attraktive Cafés zum Verweilen einladen und ein Ziel werden, das zum Begriff wird und keinesfalls zu einem toten Nordende der Königsallee. Dem Ideenreichtum sind dabei scheinbar keine Grenzen gesetzt. Auch für die Hochstraße hat das letzte Stündlein vielleicht noch nicht geschlagen. Verkehrsplaner und Architekten träumen vom Erhalt des Tausendfüßlers als einem architektonischen Denkmal,

das zu einer grünen Brücke und Flaniermeile für Fußgänger und Radfahrer umgewandelt werden soll. Überrankt von Pflanzen und mit einem herrlichen Ausblick auf den Park und die Stadt soll er die Spaziergänger direkt in den Hofgarten führen. Auch wenn die Umsetzung solcher kreativen Ideen immer unwahrscheinlicher wird, der Stadtrat hat den Abriss des Tausendfüßlers bereits mehrmals beschlossen, wäre es wünschenswert solche innovativen Vorschläge in eine breite Diskussion einfließen zu lassen. Beendet scheinen die Kontroversen um den Kö Bogen jedenfalls noch nicht. Sicher ist, dass eine der größten Baulücken, die der zweite Weltkrieg in Düsseldorf hinterlassen hat, wieder geschlossen werden kann. Dabei beweisen die Verantwortlichen hoffentlich ein glückliches Händchen.

Frank Hardt

09 –– INTERVIEW

Der Abriss der medizinischen Fachbibliothek (Gebäude 17.12) zum 30.6.2008 ist eine beschlossene Sache. Die Entscheidung kam sehr plötzlich für die Mitarbeiter, diskutiert wurde über den baulichen Zustand des Gebäudes schon über mehrere Jahre hinweg. Die Verlagerung der Medezinbestände musste schnell und ohne Komplikationen für den Benutzer über die Bühne gehen. Franziska Kramer von der Campus Delicti führte ein Interview mit dem Fachreferent für Medizin Herrn Dr. Bracht und dem Leiter der Benutzungsabteilung Herrn Dr. Crass, um die Details über den Umzug und die Umstände zu erfahren.
Campus Delicti (C.D.): Warum hat sich das Rektorat für den Abriss des Gebäudes 17.12 entschieden? Herr Dr. Bracht: Es handelt sich um ein multifunktionales Gebäude indem auch ein Institut der HNO, eine Zweigstelle der Stadtbüchereien Düsseldorf, Pflegerwohnungen und die Apotheke untergebracht waren; die Bibliothek war zum Schluss der letzte Nutzer. Das Gebäude ist marode und dies ist auch seit 10-15 Jahren bekannt. Seit vielen Jahren befindet sich ein Baugerüst an dem Gebäude, einige Fenster sind mit Folien behängt, um Passanten nicht zu gefährden und die sanitären Anlagen sind in einem katastrophalen Zustand, für die Benutzer, sowie auch für die Mitarbeiter. Es war zwar prinzipiell schön dort zu arbeiten, aber die bauliche Situation wurde immer problematischer. Es hat schon einige Vorschläge gegeben, die katastrophalen Zustände in den Griff zu bekommen, bis man sich dann letztendlich für einen Abriss entschieden hat, da eine provisorische Lösung langfristig gesehen zu hohe Kosten verursachen würde. Eine Renovierung wäre fast so teuer wie ein Neubau. Das Geld sollte lieber in eine vernünftige Lösung investiert werden. C.D.: Weshalb hat man sich dazu entschieden die Bestände in die Zentralbibliothek zu verlagern und was gab es für Alternativen? Herr Dr. Crass: Der Beschluss des Abrisses der FB kam sehr plötzlich, und wir als Mitarbeiter sind kurzfristig vor die Entscheidung gestellt worden. Man hätte den Umzug natürlich auch in den Semesterferien vollziehen können, aber wir waren an die Beschlüsse gebunden. Es gab die Überlegung einer so genannten „Containerlösung“ mit Anbindung an den Bibliotheksgebäudeteil, der nicht zum Abriss vorgesehen ist. Allerdings hätte es sich dabei nur um ein Provisorium gehandelt mit hohen Mietpreisen. Deswegen hat man sich dazu entschlossen, die Bestände in die ULB zu verlagern. Mit der Firma Kühne konnte der Umzug innerhalb von drei Tagen abgehandelt werden, ohne dass die Bibliothek in dieser Zeit geschlossen werden musste. Ca. 20.000 Bücher befinden sich derzeit in der Lehrbuchsammlung und wurden als neues Fach in die Lehrbuchsammlung integriert. In der zweiten Etage der ULB befindet sich die Monographien und die Printzeitschriften ab Jahrgang 2000. C.D.: Welche Schwierigkeiten bzw. Umstände haben die Medizinstudenten und die Mitarbeiter wegen dem Umzug? Herr Dr. Bracht: Bei der Planung des Umzuges hat man versucht so wenig Komplikationen wie möglich für den Benutzer aufkommen zu lassen. Die Besserung der Öffnungszeiten gleicht die Unannehmlichkeit des 1,5 bis 2km weiten Weges von der Klinik zur ULB aus. In der Woche hat die ULB bis Mitternacht geöffnet, die FB dagegen nur bis 21 Uhr. Der Geisteswissenschaftliche Verbund stellt ca. 300 Lernplätze zu Verfügung. Neu ist hier auch die Verlängerung der Öffnungszeiten auf 22 Uhr in der Woche. In diesem Semester wird es zu keinen Engpässen kommen. Jedoch langfristig gesehen wird es wohl in fünf Jahren zu Problemen kommen, da die Bestände stetig wachsen und die Kapazität irgendwann ausgeschöpft ist. C.D.: Stimmt es, dass gleichzeitig eine Caféteria in der ULB untergebracht werden soll? Herr Dr. Crass: Eine Caféteria ist schon lange durch das Rektorat in Planung und steht uns schon bald bevor. Dieser Wunsch kommt vorrangig aus dem Benutzerbereich der Bibliothek und hat sich nach Verlängerung der Öffnungszeiten noch verstärkt. Diese Maßnahme bezieht sich allerdings auf die Büroräume, den alten Copyshop und den EDV-Raum. Wir haben kontinuierlich einen Personalabbau und somit sind keine Einschränkungen für den Benutzer oder Engpässe für den Benutzer zu befürchten. C.D.: Ist aktuell ein neues Gebäude in Planung? Herr Dr. Bracht: Zurzeit ist kein Gebäude geplant, jedoch ist ein Standort auf dem Klinikgelände bzw. in der Nähe des Klinikums für Studierende wie auch für wissenschaftliche Mitarbeiter und Mediziner interessant. C.D.: Wie verhält es sich mit dem zweiten Teil des Gebäudes (17.13) und dem Buchmagazin? Herr Dr. Bracht: Wir sind froh, dass das Magazin erhalten bleibt. Nur muss der Benutzer mit längeren Lieferzeiten rechnen, da der Weg nun weiter ist. Es werden täglich Betellungen ausgeholt, die man ab 12 Uhr mittags abholen kann. Diese stehen dann zwölf Stunden bis Mitternacht zur Verfügung. Die neuere Literatur ab 2000, die noch im Magazin steht, soll noch in die Zentrale überführt werden. Einige Bestände sollen elektronisch angeboten werden, nur bei Monographien sehe ich keine Möglichkeit diese elektronisch umzustellen. C.D.: Was wünschen Sie sich von den Beutzern und den Studierenden? Herr Dr. Crass: Die Studierenden sollten sich dafür stark machen, dass sie eine moderene udn attraktive Bibliothek auf dem Klinikgebäude brauchen und ihre Vorstellungen und Vorschläge äußern.

Franziska Kramer

10 –– INTERVIEW

Der Stv. AStA-Vorsitzenden Gaios Tsutsunashvili(LHG) steht dem Abriss der medizinischen Fachbibliothek kritisch gegenüber und appelliert an die Studierenden sich für einen Neubau einzusetzen.

Campus Delicti(C.D.): Wie siehst du den aktuellen Zustand in der ULB? Gaios Tsutsunashvili(G.T.): Schon vor der Verlagerung der Bestände aus der Fachbibliothek der Medizin in die ULB war die Zentralbibliothek überfüllt. Ich habe in Erfahrung bringen können, dass sich die Lage noch verschlimmert hat, nach dem die Fachbibliothek Medizin in die ULB umgezogen ist. Besonders während der Klausurphase kann man kaum Lernplätze vorfinden. C.D.: Derzeit zahlen die Studierenden unserer Uni 500 Euro Studiengebühren pro Semester. Sollte ein Teil in die Verbesserung der Lage in der ULB investiert werden? G.T.: Ich bin der Meinung, dass man die Studiengebühren u.a. auch dafür

verwenden sollte. Schließlich würde dies die Lernbedingungen an unserer Uni deutlich verbessern. Außerdem beansprucht das Rektorat die Hälfte der Beitragsmittel für sich. Ziel ist es, die Infrastruktur an unserer Uni zu verbessern und derartige Missstände zu beheben! C.D.: Welche Lösungsvorschläge hättest du? G.T.: AStA macht sich für den möglichst baldigen Neubau der FB Medizin stark, damit aus solchen „Zwischenlösungen“ keine dauerhafte Maßnahmen werden, denn momentan sieht es danach aus. Das Rektorat hat den Abriss der FB Medizin beschlossen, ohne konkrete Baupläne vorgelegt zu haben. Sie liegen auch

heute immer noch nicht vor. Und ich habe den Eindruck, wenn wir uns nicht weiter für den baldigen Neubau einsetzen, so wird dies über mehrere Jahre, wenn nicht über Jahrzehnte hinaus verzögert. Dies wird einerseits die Studierenden erheblich belasten und andererseits macht es den Studienort Düsseldorf bestimmt nicht attraktiver!

Franziska Kramer

(von links nach rechts): Leiter der Benutzerabteilung Herr Dr. Crass, Leiter der FB Medezin Herr Dr. Bracht, Franziska Kramer, Gaios Tsutsunashuili.

11 –– JESUS KRAWALLINSKI

JESUS KRAWALLINSKI
Es sollte die Rückkehr auf die Bühne werden: Klaus Kinski tritt am 20. November 1971 in der Berliner Deutschlandhalle nach beinahe zehnjähriger Abstinenz wieder als Rezitator auf die Bühne. Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre feierte er mit seinen Rezitationsabenden beispiellose Erfolge. Sein Auftritt mit dem neuen Testament unter dem Titel „Jesus Christus Erlöser“ sollte jedoch unplanmäßig verlaufen. Der gleichnamige Film, zusammengeschnitten aus Originalaufnahmen von damals, bietet nun die Chance, das Spektakel selbst zu sehen.

Ende 1971 ist der Stern Kinskis im Kino schon im Abstieg begriffen. Die Erfolge, die der Mime ab Beginn der 60er Jahre in den Edgar-Wallace-Filmen und den Italo-Western feiern konnte, neigen sich dem Ende zu, als die italienische Filmindustrie Anfang der 70er Jahre in die Krise gerät. Der Spaghetti-Western, wie er geringschätzig genannt wird, wird in der Gunst der Zuschauer zunehmend durch die Martial-Arts-Filme aus Fernost abgelöst. Die Italiener halten mit einer immer größeren Flut von zunehmend billiger und schlechter produzierten Filmen entgegen. Kinski, der Ende der 60er Jahre noch Topgagen verbuchen konnte, die er ebenso schnell durch seinen aufwändigen Lebensstil verpulverte, ist ab Beginn der 70er gezwungen, sein Geld durch einen immer volleren Drehplan herbeizuschaffen. Hinzu kommt, dass Kinski nicht mehr gern für größere Filme verpflichtet wird. Einerseits passt er nicht mehr richtig in den Italo-Western, der sich zunehmend in den komischen Bereich entwickelt, den die neuen Stars wie Bud Spencer und Terence Hill repräsentieren, andererseits hat Kinski es sich durch sein exzessives, exzentrisches Auftreten mit breiten Teilen der italienischen Filmlandschaft verscherzt. Kinski muss realisieren, dass es in Italien nicht mehr weitergeht. Er ist gezwungen, seinen luxuriösen Lebenswandel aufzugeben. Zwar wollte Kinski nicht nach Deutschland zurückkehren, das Land, welches er vor einem halben Jahrzehnt verlassen hatte, um im damals blühenden Filmparadies Italien Topstar zu werden, denn eine Rückkehr glich in seinen Augen dem Eingeständnis eines Scheiterns,

doch die große Wahl hatte er nicht. Die Idee, mit dem neuen Testament auf Tour zu gehen, hatte er bereits zehn Jahre zuvor gehegt. Sogar ein Vertrag über Auftritte und die Aufzeichnung einer Schallplatte hatte es schon gegeben, doch diesen Vertrag ließ Kinski seinerzeit platzen. Nun kam ein neues Angebot: 1 Million Deutsche Mark für eine Tournee mit dem neuen Testament. Für Kinski eine Menge Geld. Der Auftakt der Tournee sollte in Berlin stattfinden. In der Zwischenzeit hatte Kinski auch schon einen weiteren Vertrag unterzeichnet: der junge deutsche Filmemacher Werner Herzog, zu jener Zeit noch relativ unbekannt, wollte Kinski unbedingt für einen gemeinsamen Film verpflichten, „Aguirre – Der Zorn Gottes“. Schon Ende der 60er Jahre hatte Herzog versucht, mit Kinski Kontakt aufzunehmen. Er kam aber erst gar nicht dazu, Kinski ein Angebot zur Zusammenarbeit zu machen, denn Kinski, zu jener Zeit auf dem Höhepunkt seines Ruhmes in Italien, hatte schlicht und ergreifend keinen Bock auf einen Regisseur aus Deutschland der zu jener Zeit, obgleich begabt, noch keinen wirklichen Erfolg zu verbuchen hatte. Wenige Jahre später änderte sich die Lage. Die Tournee mit dem neuen Testament und die Verpflichtung als Hauptdarsteller in Herzogs Film „Aguirre“, das Drehbuch hatte Herzog speziell auf Kinski hin ausgearbeitet (dieser bezeichnete es später als „analphabetisch primitiv“), sollten ein Neustart für Kinskis ramponierte Karriere werden. Kinski kam zu spät. Wenige Wochen zuvor war das Musical „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber

gestartet und wurde zum Megahit. Die Hippie-Kultur fand zunehmend Freude an der Figur Jesus. Als Kinski sich, 45jährig mit langer Mähne, Schlaghose und Blumenhemd, nun anschickte, mit dem neuen Testament aufzutreten, geriet er zwischen die Fronten. Zum einen gab es diejenigen, die seine Rezitationstournee als das Aufspringen auf die seinerzeit populäre Jesus-Welle verstanden, zum anderen gab es zahlreiche Leute, die Kinski in keinster Weise mit der Botschaft von Jesus zur Deckung bringen konnten. Ein millionenschwerer Star mit zahlreichen Skandalen und gutdokumentierten Ausbrüchen, der den Aufruf von Jesus zur Enthaltsamkeit, Friedfertigkeit und Mitmenschlichkeit zum Vortrage bringt, das war für viele zu viel. Kirche, Presse und Hippies waren sich in ihrer Ablehnung einig. Dazu war durch vergangene Auftritte bekannt, dass es äußerst leicht war, Kinski durch Zurufe zum Ausrasten zu bewegen. So kamen viele am 20. November 1971 in die Deutschlandhalle, um Kinski toben zu sehen. Es dauert keine 5 Minuten, bis Kinski, durch die ersten massiven Zwischenrufe gestört, den ersten Wutanfall erleidet. Es soll auch im weiteren Verlauf des Abends so bleiben: Kinski tritt immer wieder entnervt von der Bühne ab, um nach einiger Zeit zurückzukehren und aus noch vollerem Herzen vorzutragen. Tumulte, Diskussionen, Ausraster Kinskis. Zweierlei fällt auf: zum einen, dass Kinski es mit seinem Vortrag sehr ernst gemeint hat, er ist passagenweise derart aufgewühlt und durch den Gegenwind des Publikums angeschlagen, dass er mit Tränen und Schaum im Mund-

12 –– JESUS KRAWALLINSKI

winkel spricht, schreit, tobt. Zum anderen die unglaubliche Diskutierwut des Publikums. 1971 war eine ganz andere Zeit. Ständig unterbrechen Störer mit Einwürfen das Programm, treten auf die Bühne, um zu diskutieren, beschimpfen Kinski als Faschisten. Eine aufgedrehte Zeit, in der die Atmosphäre des Straßenkampfes und des Aufbegehrens gegen Autoritäten jeglicher Art allgegenwärtig war. Umso schmerzhafter für Kinski, der sich mit dieser Atmosphäre sicherlich identifiziert hat, dass sich genau diese nun gegen ihn gewandt hat. Kinski, der im Vortrag vor allem die Sicht auf den Revolutionär und Aufrührer Jesus wendet, erscheint als widersprüchliche Figur. Er predigt nicht nur von Dingen, die im Gegensatz zu dem stehen, wofür er selbst steht, er duldet bei all seiner Liebe zum Ungehorsam und zur Aufruhr keinerlei Auflehnung gegen sich selbst. In diesen

Momenten ist Kinski absolut autoritär. Er verlangt seinem Publikum absolute Ruhe und ein Höchstmaß an Konzentration ab und möchte der unbestrittene Chef im Ring sein. Das Resultat ist, dass Kinski und das Publikum sich gegenseitig aufheizen und provozieren. Von den 3.000 Zuschauern, die gekommen waren, sind am Ende des Abends nur wenige hundert übrig geblieben, die sich das Programm Kinskis zu Ende anhören. Nach einem weiteren Auftritt in Düsseldorf (Philippshalle) wird die Tournee aufgrund der Pleite des Veranstalters abgebrochen. Kinski ist ob der Ablehnung und der Verhöhnung seiner Person in der Presse psychisch angeschlagen und nimmt die Dreharbeiten an „Aguirre – Der Zorn Gottes“ mit Herzog auf. Die größten internationalen Erfolge, die der beginnenden Hass-Liebe Kinski/Herzog und deren gemeinsamer Arbeit an fünf

Filmen entspringen, stehen noch bevor. Der Dokumentar-Film „Jesus Christus Erlöser“ erhält von der CAMPUS DELICTI“-Redaktion das Prädikat besonders wertvoll. Er erzählt nicht nur etwas über den Ausnahmekünstler Kinski, sondern auch eine Menge über die Stimmung Anfang der 70er Jahre. Eine ähnlich intensive Konfrontation zwischen Publikum und Performer kann man lange suchen. Überdies entfaltet Kinski gerade in der Konfrontation eine Manie, die sich genau auf der dünnen Grenzlinie zwischen Genie und Irrsinn, unfreiwilliger Komik und bemitleidenswertem Hineinsteigern in eine Rolle bewegt.

Linus Wörffel

Zum Diskutieren keine Lust, O-Ton: „Halt die Schnauze damit du jetzt hörst was ich sage.“

13 –– JESUS KRAWALLINSKI

Kinski: „Ich bin nicht der offizielle Kirchen-Jesus.“

Verlief nicht ganz planmäßig: Kinskis Auftritt als „Jesus Christus Erlöser“

14 –– ANKÜNDIGUNGEN

15 –– LESUNG

16 –– ANKÜNDIGUNGEN

17 –– ANKÜNDIGUNGEN

18 –– TAG DER STUDIERENDEN

19 –– TAG DER STUDIERENDEN

20 –– TAG DER STUDIERENDEN

21 –– TERMINE IMPRESSUM

Donnerstag, 12.06.
hochschulradio düsseldorf, ab 18h auf 97,1 MHz (und 91,2 MHz im Kabel): „politur“, das neue Hochschul-Magazin Linkes Zentrum „Hinterhof“, Corneliusstr. 108, ab 19h vegane VoKü. / Film ca. 20.30. Länderspiel im SP-Saal: ab 18.00 Uhr gibt es die Möglichkeit, sich das Spiel der deutschen Elf gegen Kroatien im SP-Saal des AStA anzuschauen. Alle Studis sind herzlich eingeladen, bei der Live-Übertragung via Beamer und Leinwand die deutsche Mannschaft anzufeuern. Bier kann mitgebracht oder zum Selbstkostenpreis von 50 Cent erworben werden.

Endrunde der Feldhockeymeisterschaft auf dem Gelände des deutschen Hockeyclubs. Karten gibt es bei www.dticket.de oder an den Vorverkaufsstellen. Weitere Informationen hierzu unter: www.hockeyliga.de SPILLES Metal Meeting Gersten- und HopfenGebräu in gepflegter Death/ Black/ Speed/ Thrash/ Power/ True/ Heavy-Metal/ Death Progressive/ Progressive Metal und Medival-Atmosphäre Eintritt: 1 Euro

campus delicti
HERAUSGEBER
Presse- und Öffentlichkeitsreferat des AStA der Heinrich-Heine-Uni Gebäude 25.23. | Raum U1.46 Universitätsstraße 1 40225 Düsseldorf Tel. 02 11 / 8 11 - 32 90 Fax 02 11 / 8 11 - 23 73 pressereferat@asta.uni-duessldorf.de

REDAKTION
Linus Wörffel Stefanie Söhnchen Stefan Finger Turap Yilmaz Francisca Kramer Henning Krumbach Frank Hardt

Sonntag, 15.06.
Stadtsparkassen-Radschläger-Turnier 2008. Ab 11 Uhr an der unteren Rheinwerft südlich der Schulstraßenbastei. Ab 11 Uhr findet diese Traditionsveranstaltung statt. Stahlwerk: Ab 11 Uhr, 4 Euro Eintritt, findet die DVD Börse für alle filmbegeisterten statt. Preisgünstige Angebote internationaler DVDs, Videos, Merchandisingartikel, die Angebote in gängigen Läden bei weitem übersteigen. Es lohnt sich!

Freitag, 13.06.
Jeden 2. Monat im zakk! 22.00 Uhr: BALKAN BEATZ! Die Gypsy World Sound Party mit dem DJ-Team „Schwarze Katze, Weisser Kater“. Special Guest ist DJ Gypsy Tim mit dem Sound von Orient und Okzident. Eintritt: 6.-EUR Bücherbummel auf der Kö. Ca. 120 Düsseldorfer Buchhandlungen Antiquariate, Verlage und Institutionen machen am Wochenende täglich von 10 - 20 Uhr Lust aufs Lesen bei Deutschlands größtem „Open-Air“ Bücherfestival. Der Bücherbummel geht von 12.06 - 15.06. Philo-Party im SP-Saal! BWL Party in der PhilFak!

LAYOUT
Irina Chersteniuc Konstantin Kosin

FREIE MITARBEITERINNEN
Maret Zepernick Ann-Kathrin Kotte (Referat für Studienfinanzierung/Soziales) Cemil

DRUCK

Montag, 16.06.
Länderspiel im SP-Saal: ab 18.00 Uhr gibt es die Möglichkeit, sich das Spiel der deutschen Elf gegen Österreich im SP-Saal des AStA anzuschauen. Alle Studis sind herzlich eingeladen, bei der Live-Übertragung via Beamer und Leinwand die deutsche Mannschaft anzufeuern. Bier kann mitgebracht oder zum Selbstkostenpreis von 50 Cent erworben werden.

Tupper, ASten-Druckerei

ERSCHEINUNGSWEISE
wöchentlich donnerstags auf dem Campus der HHU oder online unter: http://asta.uni-duesseldorf.de

AUFLAGE
1500 Stück

V.I.S.D.P.
der AStA-Vorstand

Samstag, 14.06.
Japan Tag mit Feuerwerk (ca. 23 Uhr) Weltgrößtes Kultur- und Begegnungsfest dieser Art mit Bühnenprogramm, Sportdarbietungen und Kimono-Modenschau. Es werden Rund 1000 000 Besucher erwartet. Ort: Altstadt/Rheinufer.

Dienstag, 17.06.
SP-Saal im AStA-Gebäude hinter der Unibibliothek, ab 21h: Local Heroes Konzert AStA-Kulturreferat

Mittwoch, 18.06.
Geb. 23.03.01.63, 18-20h: AK Bildungspolitik, Macht. Staat. Gesellschaft. Offenes Seminar zur Staatstheorie. Eine materialistische Annäherung.

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