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Über die Konsonanten

Die russischen Konsonanten sind entweder hart oder weich. Deswegen haben wir im Russischen immer mit so genannten harten und weichen Wortstämmen zu tun. Wie erkennen wir einen harten Konsonanten? Die Russen können es hören. Wenn wir unser Hören schulen, werden wir es auch können. In der Schriftsprache erkennen wir die harten Konsonanten daran, dass nach ihnen die Buchstaben а, э, ы, о, у und ъ oder die anderen Konsonanten geschrieben werden. Nach den weichen Konsonanten werden die Buchstaben я, е, и, ё, ю und ь geschrieben. Hart + а, э, ы, о, у, ъ Weich + я, е, и, ё, ю, ь So klingt für den Russen „ня“ weich und „на“ hart. Sieben Konsonanten sind nicht eindeutig hart oder weich. Beim Schreiben unterliegen sie der so genannten г, к, х – Regel: г, к, х, ч, ш, щ, ж dürfen nicht mit ы, я, ю geschrieben werden. Statt dessen werden sie mit и, а, у geschrieben. Daraus resultiert, dass die gesamte (!) russische Deklination parallele Bildungen aufweist: hart und weich. Und die Laute г, к, х, ч, ш, щ, ж werden immer für die gemischt aussehende Deklinationen sorgen . Es wäre ein Irrtum, die Buchstaben я, е, и, ё, ю, ь als “weichmachende” zu bezeichnen. (Übrigens tun dies viele Schulbücher!) Denn auch die Analphabeten, die Russisch sprechen, machen in ihrer Aussprache einen Unterschied zwischen den hart und weich ausgesprochenen Lauten. Das Phänomen der harten und weichen Lauten ist hochinteressant. Die russischen weichen Konsonanten sind weicher, und die harten sind härter als die mitteleuropäischen Konsonanten. Es fehlt die mittlere Positionierung der Zunge beim Sprechen.

Über die Konsonanten (2)
Die russischen Konsonanten werden in der Aussprache viel deutlicher als deutsche nach stimmhaft und stimmlos unterschieden. Das deutsche „b“ ist für das russische Ohr nicht stimmhaft genug. Für das deutsche Ohr besteht der besondere russische Akzent zum Teil darin, dass die Russen, die Deutsch sprechen, nicht genügend die Laute „b“, „d“, „g“ usw. abdämpfen. Und umgekehrt, der deutsche Akzent im Russischen äußert sich darin, dass diese Laute mit weniger Stimme ausgesprochen werden als es die Russen tun. Die Konsonanten, die die Paare bilden sind: stimmhaft stimmlos б п в ф г к д т ж ш з с Folgende Konsonanten sind nur stimmhaft: й, л, м, н, р Nur stimmlos sind: х, ц, ч, щ

Im Alphabeth verteilen sich die Konsonanten (mit kleinen Ausnahmen) folgendermaßen: Zuerst stehen die stimmhaften Konsonanten, die einen Paarkonsonanten haben: б, в, г, д, ж, з, dann die stimmhaften paarlosen Konsonanten: й, л, м, н, р, dann die stimmlosen, die ein Paar bilden: п, ф, к, т, ш, с, dann die stimmlosen Konsonanten ohne Paar: х, ц, ч, щ. ъ und ь zählen heute auch zu den Konsonanten. Sie sind keine Konsonanten. Ursprünglich waren sie reduzierte Vokale ohne eindeutigen Färbung. Heute sind es Zeichen, die uns zeigen, ob der vorangehende Konsonant hart oder weich ist. Man muss bemerken, dass in Wirklichkeit die Konsonanten х, ц und щ ein stimmhaftes Paar haben, nur dass es im Alphabet keine Buchstaben für diese Laute gibt. Diese Laute sind ursprünglich weniger im nördlichen und östlichen Teil Russlands verbreitet. Meist sind sie in südlichem und westlichem Teil zu hören. Dem stimmlosen х entspricht der Laut, den die Ukrainer im Wort „говорю“ aussprechen. Das ist ein „h“ mit viel „g“ drinnen. Als eine Dialekterscheinung gibt es diesen Laut in Sibirien, dort wo die Aussiedler aus den westlichen Teilen Russlands leben. Dem stimmlosen ц entspricht ein Laut „дз“, wie ihn die Weißrussen oft gebrauchen. Dieser Laut kann man auch oft in Sibirien in den Aussiedlerdörfern hören. Der Laut щ hat ein stimmhaftes Paar, der – wer hätte das gedacht! – in der Literatursprache gebraucht wird. Die Norm schreibt uns vor, das Wort “дождь” als „дожжь“ auszusprechen. Die moskauer Sprechweise tut es auch so. Die sibirische und die nördliche Sprechweise gebraucht dagegen entweder „дождь“ oder sogar «дошш». Der Laut ч in seiner stimmhaften Variante gibt es in Englisch (jet, jeans usw.) Im Russischen wird dieser Laut nicht gebraucht. Die Russen transliterieren diesen Laut als „дж“.

Der Aspekt (1)
Der vollendete und unvollendete Aspekt im Russischen und Deutschen. In der russischen Grammatik unterscheidet man zwischen vollendeten und unvollendeten Verben. Diesen Unterschied kennt die deutsche Grammatik nicht. Daraus folgen manche Schwierigkeiten beim Russisch lernen. Es wird geglaubt, dass es sich hier um ein Phänomen handelt, welches es im Deutschen gar nicht gibt. Aber es ist in der deutschen Sprache enthalten, nur es wird nicht wie im Russischen durch die grammatikalischen Mittel zum Ausdruck gebracht. Jedes Verb in jeder Sprache kann man unter dem Aspekt Prozess/Ergebnis betrachten. „Er saß lange am Tisch und schrieb ihr einen Brief.“ – Das Schreiben wird hier als ein Prozess aufgefasst. „Er schrieb ihr einen Brief und brachte ihn gleich zur Post.“ – Das Schreiben ist fertig, wird also in diesem Zusammenhang als ein Ergebnis verstanden. Grammatikalisch wird im Deutschen zwischen dem einem und dem anderen „schrieb“ kein Unterschied gemacht. Nur der Kontext zeigt uns, wie wir es zu verstehen haben. Anders ist es im Russischen. Im ersten Beispiel verwendet die russische Sprache ein unvollendetes Verb „писал“. Im zweiten Beispiel wird ein vollendetes Verb „написал“ verwendet. Das heißt, dass in allen Situationen, die einen Prozess beschreiben, im Russischen ein UNVOLLENDETES Verb verwendet wird. Und umgekehrt: wenn es um ein Ergebnis einer Handlung geht, wird ein VOLLENDETES Verb benutzt.

Ein deutsches Verb ist „aspektneutral“. Erst der Kontext gibt uns eine Konkretisierung in Bezug auf die Dauer und Abgeschlossenheit der Handlung. Das russische Verb ist von vornherein konkretisiert. Es ist in unvollendet/vollendet oder in imperfektiv/perfektiv klassifiziert. Bei den Muttersprachlern entwickelt sich schon bis zum sechsten/siebten Lebensjahr ein Gefühl für die Beschaffenheit des Verbs: ob dieses Verb etwas fortlaufendes, dauerndes, also ein Prozess ist. Wenn wir ein neues russisches Verb lernen, müssen wir immer darauf achten, ob es im Wörterbuch als unvollendet oder vollendet gekennzeichnet ist. Die Frage, warum im Russischen ein grammatikalischer Unterschied zwischen den Prozessverben und Nicht-Prozessverben durchgeführt wird, bleibt erst einmal unbeantwortet.

Die Adjektive
Im Russischen wie im Deutschen müssen sich die Adjektive in allem an die Substantive anpassen. Sie haben das gleiche Geschlecht, stehen im selben Fall und haben denselben Numerus wie ihr Substantiv. Es gibt männliche, weibliche, sächliche Adjektive und Adjektive im Plural. Die Letzteren werden nicht mehr nach männlich, weiblich und sächlich unterschieden. Die Grundform des russischen Adjektivs ist die männliche Form. Diese Form steht in jedem Wörterbuch. Von dieser Form können wir jeweils die weibliche, die sächliche und die Pluralform herleiten. Die männlichen Adjektive enden im Russischen auf -ый, -ой красный – rot белый – weiß большой – groß молодой – jung синий – blau летний – sommerlich Die auf -ый, -ой endenden Adjektive haben einen harten Stamm. Die auf -ий – einen weichen Stamm. Harte Adjektive bilden ihre Formen wie folgt: красный рюкзак – roter Rucksack красная сумка – rote Tasche красное окно – rotes Fenster красные розы – rote Rosen золотой месяц – goldener Mond золотая луна – goldener Vollmond золотое кольцо – goldener Ring золотые монеты – goldene Münzen Die Endung -ой ist immer betont! oder -ий:

Weiche Adjektive: летний вечер – Sommerabend летняя ночь – Sommernacht летнее утро – Sommermorgen летние каникулы – Sommerferien Dadurch, dass die Konsonanten г, к, х, ж, ш, ч, щ nicht eindeutig hart oder weich sind, entsteht der sogenannte gemischte Typ der Adjektive. Es beruht auf der sogenannten г, к, х-Regel, die besagt, dass die Buchstaben г, к, х, ж, ш, ч, щ nicht mit den Buchstaben ы, я, ю geschrieben werden dürfen und an ihrer Stelle die Buchstaben и, а, у geschrieben werden müssen. маленький, маленькая, маленькое, маленькие большой, большая, большое, большие хороший, хорошая, хорошее, хорошие An dieser Stelle überlassen normalerweise die Lehrer die Studierenden ihrem Schicksal mit dem mechanistischen Lernen. Wir können es versuchen, dieses Schicksal zu lindern, in dem wir das г, к, х – Phänomen näher betrachten. Gerade die Formen der Adjektive zeigen uns, dass sich die Laute г, к, х, ж, ш, ч, щ in einem Übergangsstadium befinden. Und zwar: die Laute г, к und х sind ursprünglich hart im Russischen und werden weicher. (So finden Sie in den alten Handschriften durchaus die Buchstabenfolge гы, wobei ы noch eine andere Gestalt hatte: ЪI. Siehe zum Beispiel das Wörterbuch von I. Sreznevsky. http://imwerden.de/pdf/sreznevsky_slovar_drevnerusskogo_jazyka_tom2_l-p.pdf Dort kann man unter anderem das Wort М Ъ Н О Г ЪI И – multus finden und viele andere Beispiele.) Dagegen werden die Laute ж, ш, ч und щ immer härter. Schon jetzt sagen wir „машына“, „жыть“ etc. Wir schreiben jedoch машина und жить. Die Verbindung „ ча“ und „чу“ klingen härter als die Verbindungen „тя“ und „тю“. Sie klingen jedoch weicher als „та“ und „ту“. Also, schematisch dargestellt, „wandern“ die Laute г, к und х in einer Richtung. Sie werden weicher. Und die Laute ж, ш, ч und щ bewegen sich in einer entgegengesetzten Richtung. Sie werden härter, wobei die Laute ж und ш schon weiter auf diesem Weg sind als ч und щ. Das erklärt uns, warum es die sächlichen Adjektive mit Endungen -шое und -шее gibt. Dagegen gibt es keine Adjektive auf -кее, -гее etc. Sie wären zu weich! Und es gibt keine Adjektive mit den Endungen – чой oder –щой, denn sie wären zu hart Hart -ый, -ая, -ое, -ые -ой, -ая, -ое, -ые Weich красный – rot молодой – jung

- ий, -яя, -ее, -ие Gemischt hart -гой, -гая, -гое, -гие -кой, -кая, -кое, -кие -хой, – хая, -хое, -хие -шой, -шая, -шое, -шие -жой, -жая, -жое, -жие -кий, – кая, -кое, -кие -гий,-гая, -гое, -гие -хий, -хая, -хое, -хие Gemischt weich -жий, – жая, -жее, – жие -ший, – шая, -шее, -шие -чий, – чая, -чее, -чие -щий, -щая, -щее, щие

синий – blau дорогой – teuer городской – städtisch глухой – taub большой – groß чужой – fremd русский – russisch пегий – beige тихий – still свежий – frisch хороший – gut горячий – heiß следующий – nächster

(следующий – ist ein Partizip. Die Partizipien werden aber genauso wie die Adjektive gebildet und dekliniert.)

Der Aspekt (2): Der Aspekt und das Zeitensystem im Russischen
Wie wir wissen, werden die russischen Verben in der Grammatik in die perfektiven oder vollendeten und imperfektiven oder unvollendeten unterteilt. Für einen Muttersprachler geschieht diese Unterteilung gefühlsmäßig: Mit dem imperfektiven Verb verbindet er die Frage Что делать? (Was tun?) Das perfektive Verb ist für ihn mit der Frage Что сделать? (Was getan haben?) verbunden. In Bezug auf die beiden Gruppen hat ein jeder Muttersprachler ein deutliches Gefühl, wann und wie er irgendein Verb zu gebrauchen hat. Beim Unterrichten stehen wir, die Lehrer, vor der Aufgabe, dieses Gefühl dem Lernenden zu vermitteln. Das heißt, ich soll etwas in der anderen Sprache finden, was dem Lernenden ein ähnliches Gefühl vermittelt, welches ich beim Gebrauchen eines perfektiven oder imperfektiven Verbs habe. Logischerweise: wie viel Sie sich auch anstrengen werden, dieses Gefühl künstlich in Ihrem Kopf zu erzeugen, es wird nicht funktionieren. Im Kopf bekommen Sie höchstens einen Schatten eines Gefühls! Ein Gefühl (zum Beispiel für die vollendeten und unvollendeten Verben) wird sich in Ihnen bilden, wenn Sie viele Beispiele des richtigen Gebrauchs hören, lesen und nachsprechen. Ihr Kopf wird Sie dabei unterstützen, denn Sie werden ja einiges an den Regeln des richtigen Gebrauchs auch kennen lernen. Hier sind einige dieser Regeln. 1. Von einem Verb können wir höchstens drei Tempora bilden: Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Die imperfektiven Verben, Verben des unvollendeten Aspekts, bedienen diese drei Tempora.

Infinitiv Gegenwart Vergangenheit Zukunft Infinitiv Vergangenheit Zukunft

делать – machen, tun я делаю – ich mache, ich tue я делал – ich machte, ich tat я буду делать – ich werde machen, tun сделать – gemacht haben я сделал – ich habe es gemacht я сделаю – ich werde es gemacht haben

2. Die perfektiven Verben bedienen nur zwei Tempora: die Vergangenheit und die Zukunft.

3. Wenn wir ein Verb lernen, achten wir unbedingt darauf, ob dieses Verb perfektiv oder imperfektiv ist. Ein gutes Wörterbuch gibt Ihnen darüber Auskunft. 4. Die Verben делать /сделать bilden ein Aspektpaar und bedienen zusammen alle 5 im Russischen gebräuchlichen Tempora. Vergangenheit Gegenwart Zukunft он делал / он сделал он делает он будет делать/он сделает

6. Man darf nicht die vollendeten Verben mit dem Hilfsverb буду, будешь gebrauchen! An dieser Stelle enden die Regeln, die wir einfach lernen können, ohne uns um ein Gefühl für den richtigen Gebrauch eines Verbs zu kümmern. Im Folgenden werden wir uns eben um ein Gefühl für die vollendeten und unvollendeten Verben bemühen. Im Russischen ist es wichtig, aus welcher Sicht, unter welchem Aspekt wir die Handlung betrachten. (Aspekt heißt auf Russisch вид – Sicht). Genau gesagt, wir betrachten nicht die Handlungen, sondern wir haben schon entwickelte Gefühle gegenüber vollendeten und unvollendeten Verben, die wir dann gebrauchen, um eine bestimmte Sicht dem Zuhörer zu vermitteln. Wenn ich «Я читала книгу» sage, versteht mein Zuhörer, dass ich eine Zeit lang mit Lesen verbracht habe. Wenn ich «Я прочитала книгу» sage, weiß der Zuhörer, dass ich zu einem bestimmten Ergebnis gekommen bin, das Buch wurde nämlich fertig gelesen. Man könnte schon versuchen dieses zu definieren: Das unvollendete Verb bezeichnet eine Handlung aus der Sicht des Verlaufs der Handlung. Das vollendete Verb bezeichnet eine Handlung aus der Sicht ihrer Ergebnisse oder ihrer zeitlichen Begrenzung, zum Beispiel ob eine Handlung beginnt oder schon beendet ist. Nur werden Sie beim nächsten Verb wieder Verständnisfragen haben. Я читала эту книгу три часа. (Ich las dieses Buch drei Stunden lang.) Die Zeit der Handlung ist auf drei Stunden begrenzt. Warum wird hier kein vollendetes Verb gebraucht?!! Darum geht es ja, dass wir die Handlungen gar nicht betrachten, bevor wir ein Verb zu ihrer Beschreibung gebrauchen. Unbeirrt und unbewusst wählen wir das für uns und den Zuhörer richtige Verb! Also, was für ein Gefühl haben wir bei unvollendeten Verben? Das ist das Gefühl der Dauer. Wenn eine Handlung eine Zeit lang dauert, wenn sie sich wiederholt, wenn sie immer wieder statt findet… Bei den vollendeten Verben haben wir das Gefühl, dass etwas fertig geworden ist, dass die Zeitspanne zum Ende gekommen ist.

Wir haben hier mit einem gefühlten Unterschied zwischen Dauer und Nicht-Dauer zu tun! Das ist der Sinn des Aspekts im Russischen. Fragen Sie sich, was sich in einem Volk als Gemüt herausbildet, wenn dieses Volk alles innerlich, unbewusst oder halbbewusst auf die Qualität der Dauer oder Nicht – Dauer beim Sprechen prüft? Müssten nicht diesem Volk die Fragen nach dem Ewigen und Nicht-Ewigen sehr nahe stehen? Wundert es uns noch, dass gerade dieses Volk solche Dichter wie Lew Tolstoi hervorbringt? Wir müssten uns jedoch wieder unseren Regeln zuwenden. 7. Für die Wahl eines richtigen Verbs ist es wichtig, auf die Signalwörter zu achten. Man muss sagen, dass sich die Signalwörter nur für die unvollendeten Verben eindeutig feststellen lassen. Für die unvollendeten Verben часто /редко – oft/selten обычно – gewöhnlich долго – lange каждый день – jeden Tag всегда – immer никогда не – niemals иногда – manchmal

Über die Laute Г, К, Х, Ж, Ш, Ч, Щ und Ц
Diese Buchstaben und die mit ihnen verbundene Laute verdienen unsere besondere Aufmerksamkeit. Warum? Weil diese Buchstaben Ihnen das Leben mit dem Russisch-Lernen schwer machen. Je mehr wir über diese Buchstaben und ihre Laute wissen, umso leichter ist es für uns, viele Regeln nachzuvollziehen und sie sich zu merken. Jeder russischer Konsonant ist entweder hart oder weich. Das heißt, die Konsonanten bilden im Russischen zwei Reihen: eine weiche Reihe und eine harte Reihe. Wir haben als Laute н und н‘, л und л‘, м und м‘, б und б‘ usw. Für jedes Paar gibt es aber – zum Glück! – nur einen Buchstaben. Ein н steht sowohl für den weichen als auch für den harten Laut. Und dennoch sind es verschiedene Laute. Im Deutschen haben die Konsonanten eine mittlere Position. Nicht so im Russischen: das harte н ist viel härter und das weiche н ist merklich weicher, als das deutsche n. Wie schon früher gesagt, werden nach den harten Konsonanten die Vokalbuchstaben а, э, ы, о, у und das Zeichen ъ geschrieben. Nach den weichen Konsonanten werden die Vokalbuchstaben я, е, и, ё, ю und das Zeichen ь geschrieben. Der Buchstabe й steht für den einzigen Konsonanten in der ganzen Konsonantenreihe, der nur weich ist. Die Konsonanten Г, К, Х, Ж, Ш, Ч, Щ und Ц bilden nicht zwei eindeutige Reihen in Bezug auf hart und weich. Man kann sagen, dass für diese Laute der Prozess der Polarisierung in harte und weiche anders verlaufen ist, als bei den restlichen Konsonanten. Als г, zum Beispiel, in den Wortstämmen vorkam, die weich empfunden wurden, ist daraus ein ж geworden. Aus к ist ч hervorgekommen. Aus х ist ш geworden. Auch ц ist aus к entstanden.

Der Laut щ ist auch aus anderen Lauten gebildet. Das heißt, dass im Sprechen die Laute Г, К und Х hart bleiben sollten und die Laute Ж, Ш und Ч mit ihnen Paare bilden sollten. So erklärt sich, warum im Russischen eine Verkleinerungsnachsilbe im einem Wort einen Lautwechsel herbeiführt: рука – ручка, нога – ножка, ухо – ушко. (Arm-Ärmchen, BeinBeinchen, Ohr- Öhrchen) Allerdings, sind die Laute Г, К und Х doch nicht für immer hart geblieben. Sie „wandern“ in die Richtung, die ihnen lange verwehrt war. Es ist eine Tendenz in der Sprache zu bemerken, alle Laute in Paaren hart und weich zu haben. Diese Tendenz hat schon in Bezug auf Г, К und Х einen kleinen Erfolg erzielt: früher musste man diese Laute mit ы schreiben. Jetzt macht man es nur in den ausländischen Worten. Die Lautfolge кы, гы, хы ist nicht mehr im Russischen erlaubt. Dagegen „wandern“ die Laute ш, ж und ч in die andere Richtung: zum Hartwerden. Schon jetzt sprechen wir im Russischen jede betonte жи und ши Verbindung als жы und шы. In den unbetonten Lagen sprechen wir es weicher aus, als in der betonten, also niemals hart. Der Prozess des Hartwerdens ist in Bezug auf ш und ж noch nicht abgeschlossen. Von daher darf man auch nicht sagen, dass die Konsonanten ш und ж immer hart sind. Leider sagt man gewöhnlich, dass die Konsonanten ш, ж, ц immer hart sind. Und die armen russischen Kinder bekommen in der Unterstufe eingetrichtert, dass sie nicht ihrer eigenen feinen Wahrnehmung glauben sollen, sondern dem, was das Schulbuch sagt. Und alle Schulbücher bis in die Universitätsbücher wiederholen es: ш, ж, ц sind immer hart! Wenn es so wäre, dann hätte eine Rechtschreibreform solche Wörter wie мышь, рожь, тушь, гуашь schon längst verändern müssen, denn das Weichheitszeichen nach dem ш und ж hätte keinen Sinn mehr gemacht. Wir würden auch nicht mehr делаешь, пишешь usw. mit Weichheitszeichen am Ende schreiben. Ebenso würden wir auch nicht mehr хороший, хорошего schreiben, sondern vielleicht хорошого. Wir würden nicht mehr учительницей, sondern учительницой schreiben. Das Gleiche gilt auch für ч und щ. Sie sind auf dem Wege hart zu werden. Man darf diese Buchstaben niemals mit den Buchstaben ю und я schreiben, weil diese Laute schon als erhärtet erleben werden. Also bitte denkt und nehmt selbst wahr und glaubt nicht gleich jedem Schulbuch ohne es geprüft zu haben!

Aspekt (3) Vergangenheit
In diesem Artikel wird der Gebrauch von der vollendeten und unvollendeten Vergangenheit der Verben betrachtet. Die Formen делал/сделал werden repräsentativ für alle Verbpaare in der Vergangenheit stehen. Ein Muttersprachler erlebt einen Werdegang einer Tat, wenn er hört: Я делал, делал и, наконец, сделал! Das unvollendete Verb beschreibt den Prozess einer Handlung und das vollendete Verb bezeichnet ihr Ergebnis. Wichtig dabei ist nicht die objektive Abgeschlossenheit einer Tat, sondern die subjektive. Вчера я весь день писал реферат. – Gestern habe ich den ganzen Tag mein Referat geschrieben.

Ich möchte sagen, dass ich mich den ganzen Tag einer Tätigkeit gewidmet habe. Es war ein Prozess, der mich lange beschäftigt hat. Also verwende ich hier ein unvollendetes Verb, ein Verb, das dem Zuhörer das Gefühl der Dauer vermittelt. Der Zuhörer ist nicht informiert, ob das Referat auch fertig geworden ist. Deshalb wird auf so eine Mitteilung hochwahrscheinlich die Frage folgen: Ну и как? Всё написал? – Und? Hast du es fertig geschrieben? Jetzt verwende ich das vollendete Verb, weil ich das Ergebnis erfahren möchte. Да, я почти всё написал. Осталась только последняя часть. – Ja, ich habe fast alles fertig geschrieben. Es blieb nur der letzte Teil übrig. Wenn auch faktisch meine Arbeit noch nicht zu Ende getan ist, habe ich das Gefühl, dass alles im Großen und Ganzen fertig ist. Deswegen verwende ich hier ein vollendetes Verb. Noch ein Beispiel: Вчера мы весь день были на даче: сначала садили картошку, потом купались, загорали и пили чай. – Gestern waren wir auf unserer Datscha: erst setzten wir die Kartoffeln und dann badeten wir, dann lagen wir in der Sonne und tranken Tee. Objektiv gesehen, war die Kartoffelpflanzaktion abgeschlossen, bevor die Erzähler baden und teetrinken gegangen sind. Es ging aber dem Erzähler um ein subjektives Gefühl der Dauer der Beschäftigung. Dadurch, dass hier die unvollendeten Verben gebraucht wurden, entsteht beim Zuhörer das Miterleben eines schön verbrachten Tages. Wir werden diese Betrachtung im Späteren erweitern.

Das Kasussystem im Russischen (1)
Jedes Mal, wenn die Studierenden erfahren, dass es im Russischen 6 Fälle gibt, sagt jemand entrüstet: „Du lieber Gott, warum so viele?!“ Nun, die Antwort ist leicht: weil es im Russischen 6 verschiedene Zugänge zu einem deklinierbaren Wort (Substantiv, Adjektiv, Pronomen) gibt. Genau wie Sie in freier Natur einen Baum von verschiedenen Seiten betrachten können, werden die deklinierbaren Wörter von verschiedenen Seiten „angeschaut“ und verstanden. Was sind diese Zugänge zu einem deklinierbaren Wort im Russischen? Erster Fall – Nominativ: wir haben etwas vor uns – ein Subjekt, ein Gegenstand usw., von dem wir sagen, dass es selbst etwas macht. Мальчик бежит. Женщина читает. Дерево растёт. Книга лежит. Ein Junge rennt. Eine Frau liest. Ein Baum wächst. Ein Buch liegt.

Alle diese Personen und Gegenstände können wir mit den Personalpronomen он (er), она (sie), оно (es) ersetzen. Im Nominativ werden die Subjekte der Sätze als Ganzes angesehen. Nominativ, auch Namensfall genannt, benennt etwas, was als Ganzes verstanden wird. Der Name steht für eine Ganzheit. Nominativ im Russischen heißt Именительный падеж. (Имя – Name) Oft hat das Wort im Nominativ einen eigenen Stamm, der zwar nicht radikal und dennoch merklich verschieden von den übrigen Fällen ist.

Die anderen fünf Fälle haben einen gemeinsamen Stamm (mit einer Ausnahme, die in einem weiteren Artikel erklärt wird). Welchen Stamm? Das ist der Stamm, den wir Genitivstamm nennen können. Здесь работает отец. Hier arbeitet der Vater. Это комната отца. Das ist Vaters Zimmer. Der Stamm vom Nominativ ist отeц. Der Stamm aller fünf Fälle vom zweiten bis zum sechsten ist отц-. (Normalerweise wird dieses Bilden eines eigenen Stammes für die Fälle von 2. bis 6. als eine Unregelmäßigkeit abgetan, aber bei genauem Betrachten werden wir sehr viele Wörter finden, die diese Unregelmäßigkeit vorweisen.) Die Personalpronomen zeigen uns sehr deutlich die Unterscheidung des Nominativstammes vom Genitivstamm: я меня мне меня мной мне мы нас нам нас нами нас

Und nun versuchen wir die Fälle von 2. bis zum 6. im Russischen zu charakterisieren. Genitiv (Родительный падеж) Wenn der Nominativ ein gewisses Ganzes darstellt, dann bezeichnet der Genitiv einen Teil dieses Ganzen oder etwas, was zu seinem Umkreis gehört. Der Begriff des Umkreises ist ziemlich weit gefasst. Голова ребёнка, глаза девушки Подруга сестры, стол отца, дом друзей Около дома, для подруги Wir können den Nominativ schematisch als ein Punkt darstellen. Dann ist der Genitiv ein Kreis um diesen Punkt. Wenn der Russe sagt: «У меня есть…» (Ich habe), dann ist gerade dieser Umkreis gemeint. Interessant ist, dass der Genitiv gerne alles das bedient und bezeichnet, was sich von diesem Umkreis fort bewegt: из дома – aus dem Haus, от Лены – von Lena, с крыши – vom Dach. Gleichermaßen bezeichnet er die Bewegung an dem Umkreis vorbei: мимо парка – an dem Park vorbei. Auch die Abwesenheit der Person, des Gegenstandes etc. wird durch den Genitiv zum Ausdruck gebracht. Als wenn alles das, was mit dem Nominativ bezeichnet wird, hat sich entfernt und ist nicht mehr da. Dativ (Дательный падеж) Der Dativ bezeichnet die Bewegung zur Person, zum Gegenstand usw. Dabei ist es wichtig anzumerken, dass die Grenze des Umkreises nicht überschritten wird! Подойти к дому – sich einem Haus nähern. Der Dativ zeigt, dass eine Bewegung Richtung einer Person, eines Gegenstandes stattfindet: Звоним Ивану – wir rufen Iwan an, дарю Елене – ich schenke (etwas)

Elena. Dass die Grenze des Umkreises nicht überschritten wird, zeigen auch die Verbindungen mit der Präposition по: постучать по столу – an den Tisch klopfen. Die Bewegung auf der Oberfläche wird auch durch Dativ mit Präposition „по“ bezeichnet: гулять по городу – in der Stadt spazieren, плыть по воде – auf dem Wasser schwimmen. Die Bedeutung „entlang“ hängt zweifellos damit zusammen: по коридору – den Korridor entlang, по улице – die Straße entlang. Die durch den Dativ charakterisierte Bewegung versteht sein Ziel eben als Ganzes. Aus diesem Verständnis heraus kann man nachvollziehen, warum im Russischen solche Dativausdrucke möglich sind: Я дам вам по яблоку. – Ich gebe euch jedem ein Apfel. (Jeder Apfel hier wird als eine Ganzheit an den Empfänger weitergegeben) Oder: лекция по литературе – eine Vorlesung in Literatur. (Die Literatur wird als Ganzes behandelt) Akkusativ (Винительный падеж) Eine Bewegung zur Person, zum Gegenstand etc., die die Grenze des Umkreises überschreitet wird mit Akkusativ zum Ausdruck gebracht: въехать в город – in die Stadt hineinfahren. Auch die für Akkusativ typische Verwendung mit dem transitiven Verb ist auf dieser Basis entstanden: das Nichtbeachten der Grenzen eines Objektes: Я рву цветы. – Ich pflücke die Blumen. Die Verwendung des Akkusativs mit den Präpositionen под (unter) und за (hinter) zeigt, wie auch hier das Eindringen in den Umkreis eines Objektes erlebt wird: Я ставлю сумку под стол. – Ich stelle meine Tasche unter den Tisch. Мы зашли за дом. – Wir gingen hinters Haus. Instrumental (Творительный падеж) Der Instrumental beachtet wiederum die Grenzen des Umkreises. Das ist ein Fall, der gerade diese Grenze zum Erlebnis bringt. Durch Instrumental wird die Verbindungsstelle mit der anderen Person, mit dem anderen Gegenstand sichtbar. Я живу рядом с Виктором. – Ich wohne mit Viktor nebenan. Die empfundene Gemeinsamkeit mit dem Objekt im Instrumental wird durch einen sehr typischen russischen Ausdruck besonders sichtbar: Мы с братом. – Mein Bruder und ich. Durch den Instrumental wird eine gewisse Selbstständigkeit einer einzelnen Funktion der Person oder des Gegenstandes erlebt. Он работает менеджером. – Er arbeitet als Manager. Insbesondere sehen wir dieses in einem solchen Zusammenhang: По образованию он историк, но сейчас работает менеджером. – Seiner Ausbildung nach ist er ein Historiker, er arbeitet jedoch als Manager. Etwas in einer Funktion zu verwenden – das ist der Bereich, den der Instrumental bedient. Я пишу ручкой, а не карандашом. – Ich schreibe mit dem Kuli und nicht mit dem Bleistift. Im räumlichen Sinne wird Instrumental dort verwendet, wo der Abstand zum Objekt spürbar ist: над столом, под столом, перед столом, за столом – oberhalb des Tisches, unter dem Tisch, vor dem Tisch, am Tisch oder hinter dem Tisch. Präpositiv (Предложный падеж) Dieser Fall wird immer mit Präpositionen verwendet. Seine Funktion ist das „sich befinden“ an einem Ort zu bezeichnen. Я сейчас в доме. – Ich bin jetzt im Haus. Zu Anfang unserer Betrachtungen haben wir den Nominativ als ein Punkt dargestellt. Man kann sagen, jeder Name ist sprachlich gesehen ein Kern einer Sache. Der Präpositiv zeigt uns dem zu Folge, dass sich etwas direkt im Kern befindet. (Es ändert sich nichts daran, ob wir die Präposition „in“ oder „auf“ verwenden!) Diese Berührung mit dem Kern einer Sache erklärt uns auch die Tatsache, dass der Präpositiv die Verwendung die Präposition „o“ – über etwas (sprechen, denken, träumen etc.) verwaltet. Мы говорим о сыне. – Wir sprechen über (unseren) Sohn. Ein Wesenskern wird im Gespräch berührt. Also ist Präpositiv ein Fall, der bei einer Berührung mit dem Kern des

Objekts eingesetzt wird.

Schematische Darstellung der russischen Fälle. Die wichtigsten Präpositionen
Diese Darstellung soll das russische Kasussystem als ein Ganzes vorstellen. Wenn man dieses System eben als ein System erfasst, kann es beim Erlernen der Sprache hilfreich werden. Nominativ – Именительный падеж Wie im Deutschen hat der Nominativ im Russischen die Funktion der Benennung. Der Nominativ wird als eine Grundform eines deklinierbaren Wortes verstanden.

Eine Benennung, ein Begriff kann in sich eine Fülle der Details zusammenfassen. Und dennoch: nicht diese Details, sondern die Tatsache, dass sie zusammen gefasst sind, macht eine Benennung aus. Deswegen können wir den Nominativ als einen Punkt darstellen. Beispiel: ein Haus Um den Punkt herum können wir uns einen Umkreis vorstellen. Das sind die Einzelheiten, die Details, die zu einem Begriff gehören. Beispiel: die Türen, Fenster, Zimmer usw. Sobald ein Begriff in der Sprache nicht im Nominativ verwendet wird, kommt dieser Umkreis ins Spiel.

Im Russischen spielt dasjenige, was wir hier einen Umkreis nennen, eine große Rolle. Jeder Fall beschreibt uns ein anderes Erleben vom Umkreis eines Begriffes. Das finden wir in den Funktionen der Fälle und ihrer Präpositionen gespiegelt. Genitiv- Родительный падеж Der Genitiv im Russischen zeigt, dass alles was zum Umkreis gehört, eben ein Teil eines Ganzen ist. Diese Funktion hat auch der Genitiv im Deutschen. Дверь дома – die Tür des Hauses, окна дома – die Fenster des Hauses, жители дома – die Bewohner des Hauses. Im Deutschen sehen wir, dass die Genitivwendungen immer mehr mit zusammengesetzten Nominativen ersetzt werden: Haustür, Hausfenster, Hausbewohner. Im Russischen dagegen bleiben die Genitivwendungen aktiv. Im Russischen erfordern alle Zahlen außer 1, 21, 31 usw. eine Genitivform der gezählten Substantive (Genitiv der Menge). Пять журналов bedeutet buchstäblich „fünf der Zeitschriften“. Im Deutschen werden die Sachen “einzeln” gezählt. Im Russischen werden sie immer in eine Relation zum Ganzen gebracht. Man kann sagen, dass im Deutschen eine Tendenz der Verselbstständigung einzelner Begriffe zu beobachten ist. Im Russischen ist es umgekehrt: die Rolle des Umkreises wird sehr stark wahrgenommen. Der Genitiv hat die meisten Präpositionen und übernimmt eine der wichtigsten Sprachfunktionen – die des Besitzanzeigens. In der Wendung У меня есть – russisch für „ich habe“ – kann man sich dasjenige, was wir den „Umkreis“ genannt haben, bildhaft vorstellen. Die Präpositionen у – bei возле – neben около – neben близ – in der Nähe вне – außen внутри – innen среди – mitten против – gegen

напротив – gegenüber во время – während zeigen gerade, wie alles, wovon gesprochen wird, sich innerhalb der Umkreislinie befindet. Ferner bezeichnet der Genitiv im Russischen alles, was sich vom Zentrum zur Peripherie bewegt, oder gar hinter die Grenze des Umkreises bewegt. из – aus из-за – von hinten heraus из-под – von unten heraus с – herunter; seit (zeitlich) кроме – außer от – von до – bis (räumlich); vor (zeitlich) Auch die Abwesenheit von dem, was der Nominativ bezeichnet, wird durch den Genitiv zum Ausdruck gebracht. Ларисы сегодня нет. Eine Besondere Gruppe der Präpositionen bedient den Genitiv der Ursache. Hier kann man eine Bewegung von der Peripherie zum Zentrum und ein Erleben des zusammenfassenden Umkreises sehen. из-за – wegen для – für ради – um … willen Dativ – Дательный падеж Der Dativ im Russischen wird dort gebraucht, wo die Grenze zwischen einer und der anderen Einheit erlebt wird. Die Grenze des Umkreises steht für die Souveränität des Objektes. Insbesondere im Vergleich mit Akkusativ kann man es deutlich beobachten. Я даю ребёнку книгу. – Ich gebe dem Kind ein Buch. Diesem Satz liegt zu Grunde die Vorstellung, dass das Kind das Buch auch nehmen kann. Ohne diese Annahme ist weder die Handlung selbst, noch ihre sprachliche Gestaltung sinnlos. Das heißt, alles Schenken, Geben etc. hat ein Pendent: ein Empfangen, ein Nehmen usw. Der Dativ bezeichnet eine Bewegung bis zur Grenze vom Umkreis. Entsprechend sind auch die Präpositionen von diesem Fall: к – zu навстречу – entgegen вопреки – entgegen, trotz благодаря – dank согласно – gemäß Die Präposition по – entlang, auf, an – zeigt, dass für den russischen Dativ ein Erleben der Grenze,

der Oberfläche ein Anliegen ist. Das kann man vom Deutschen gar nicht sagen. Deutsch entwickelt keine besondere Präposition, um ein Erleben einer Grenzoberfläche oder ein Erleben einer Bewegung auf dieser Grenzoberfläche zum Ausdruck zu bringen. Akkusativ – Винительный падеж Der Akkusativ im Russischen wie auch in anderen Sprachen bedeutet ein Überschreiten der Grenze, ein Aufheben der Souveränität und ein Beherrschen des Objektes. Der Akkusativ bezeichnet eine grenzüberschreitende Bewegung zum Zentrum oder durch den Umkreis. Die Präpositionen von Akkusativ: на – auf в – in под – unter за – hinter про – über, von о – an (etwas stoßen) через – durch сквозь – durch, hindurch Instrumental - Творительный падеж Der Instrumental ist ein sehr besonderer Fall. Er bezeichnet eine qualitative Veränderung, die mit dem Objekt geschieht. Я работаю учителем. – Ich arbeite als Lehrer. Dasjenige, was ich durch den Beruf bin, ist qualitativ anders. In unserer Darstellung der äußere Kreis zeigt diese Veränderung. Die Verwendung der Präposition c – mit führt im Russischen zur Bildung einer höheren Einheit als die durch den Nominativ genannte. Ein Russe sagt: Мы с братом. Und er meint dabei: „mein Bruder und ich“. Die Präpositionen vom Instrumental sind: над – oberhalb под – unterhalb перед – vor за – hinten с – mit между – zwischen рядом с – nebenan Präpositiv – Предложный падеж Der Präpositiv wie auch der Instrumental bezeichnet keine Bewegung. Er bezeichnet ein Sich Befinden an Ort und Stelle. Der Wesenskern eines Objekts ist für den Präpositiv von Bedeutung.

Der Präpositiv wird dort eingesetzt, wo sich die gedankliche Tätigkeit um ein Wesen herum entfaltet. Я думаю о доме. – Ich denke an mein Haus. Es bedeutet, dass ich innerlich, mit meinen Gedanken und Gefühlen in meinem Haus bin. Die Präpositionen von Präpositiv: в – in на – auf о – über, von при – bei

Die Modalverben und ihr Gebrauch mit vollendeten und unvollendeten Verben
Grundsätzliches: Mit den Modalverben werden häufiger die vollendeten (die perfektiven) Verben verwendet. Завтра я хочу позвонить сестре. Morgen will ich meine Schwester anrufen. Сегодня мне нужно написать статью. Ты можешь мне помочь? Heute muss ich einen Artikel schreiben. Kannst du mir helfen?

Das Modalverb bringt eine konkrete persönliche Situation zum Ausdruck, die Modalitäten, unter welchen die Handlung stattfindet: ich will es, ich muss es, ich darf es usw. Wird ein vollendetes Verb mit einem Modalverb verwendet, so intensiviert sich die ganze Aussage. Und wenn dagegen ein Modalverb mit einem unvollendeten Verb verwendet wird, bekommt eine Aussage einen allgemeinen Charakter: В отпуске я хочу отдыхать: купаться, загорать, читать книги и ходить гулять. Im Urlaub will ich mich ausruhen: baden, mich sonnen, Bücher lesen und spazieren gehen. Diese Aussage bringt zum Ausdruck eine Wiederholung von Handlungen, ohne einen konkreten Zeitplan oder Zeitpunkt zu bestimmen. In diesem Beispiel können wir das Modalverb «хочу» durch das Hilfsverb «буду» ersetzen. 1. wollen хотеть/захотеть (die vollendete Form bedeutet „einen Wunsch bekommen“) я хочу/захочу ты хочешь/захочешь он хочет/захочет мы хотим/захотим вы хотите/захотите они хотят/захотят он хотел/захотел, она хотела/захотела, оно хотело/захотело, они хотели/захотели Eine positive Aussage wird meistens mit vollendetem Verb gebildet. Мы хотим купить билеты в театр. Wir möchten die Eintrittskarten fürs Theater kaufen.

Они захотели осмотреть Петергоф и поехали на экскурсию. Es kam ihnen in den Sinn, den Peterhof anzusehen und sie machten eine Exkursion dahin. Eine negative Aussage dagegen wird mit einem unvollendeten Verb gestaltet. Мы не хотим покупать билеты в театр. Wir möchten keine Eintrittskarten fürs Theater kaufen. Они не захотели осматривать Петергоф и остались дома. Sie wollten gar nicht den Peterhof anschauen und blieben daheim. 2. können Für „können“ gibt es im Russischen zwei Verben: мочь und уметь Das Verb мочь bedeutet „können“ im Sinne „eine Möglichkeit haben“ und wird sowohl in einer positiven wie auch in einer negativen Aussage mit einem vollendeten Verb gebraucht. мочь/смочь я могу/смогу ты можешь/сможешь он может/сможет мы можем/сможем вы можете/сможете они могут/смогут он мог/смог, она могла/смогла, оно могло/смогло, они могли/смогли Я могу прийти. Ich kann kommen. Я не могу прийти. Ich kann nicht kommen. Я смогу прийти. Ich werde kommen können. Я не смогу прийти. Ich werde nicht kommen können. Das Verb уметь bedeutet „können“ im Sinne „eine (erworbene) Fähigkeit haben“ und wird immer (!) mit unvollendetem Verb gebraucht. уметь я умею ты умеешь он умеет мы

Die Modalverben und ihr Gebrauch mit vollendeten und unvollendeten Verben (Fortsetzung)
3. müssen Ist es nicht bezeichnend, dass im Russischen kein eigentliches Verb für „müssen“ gibt! (Es gibt auch keinen ausgeprägten Unterschied zwischen „müssen“ und „sollen“, wie im Deutschen.) Die Russen benutzen diverse Konstruktionen, die das „müssen“ zum Ausdruck bringen, aber kein eigentliches Verb! быть должным

Präsens: он должен она должна оно должно они должны Präteritum: он должен был она должна была оно должно было они должны были Futur: я буду должен/должна ты будешь должен/должна он будет должен/должна мы будем должны вы будете должны они будут должны Diese Konstruktion ist mit Hilfe vom Verb быть (sein) und Kurzpartizip gebildet. (Manche Kollegen halten es für ein Kurzadjektiv, das es kein Verb “должить” gibt.) Daraus erklärt sich, warum diese Formen nach männlich, weiblich, sächlich und Plural sortiert sind. Da es im Präsens keine Formen für das Verb „быть“ gibt, werden die Kurzpartizipien direkt mit dem Subjekt prädikativ (statt eines Verbs also) gebraucht. Сегодня Андрей должен купить хлеб и масло. Heute muss Andrej Brot und Butter kaufen. Вчера он должен был купить билеты на поезд . – Gestern sollte die Zugfahrkarten kaufen. Завтра он будет должен весь день пробыть в университете. – Morgen wird er den ganzen Tag in der Uni verbringen müssen. Eine ähnliche Konstruktion ist быть обязаным – verpflichtet sein он обязан она обязана etc. обязывать/обязать bedeutet “jem. verpflichten etwas zu tun” Вы обязаны мне рассказать, что произошло! – Ihr musst mir schon erzälen, was passiert ist! Folgende Wendung bedeutet “ich muss, weil ich es brauche”. Präsens: мне нужно (нужно – ein prädikatives Adverb) Das Subjekt ist im Dativ! (мне, тебе, ему, ей, нам, вам, им нужно) Präteritum: мне нужно было Futur: мне нужно будет Мне нужно сходить в магазин. – Ich muss einkaufen gehen. Мне нужно было позвонить ему. – Ich musste ihn anrufen.

Завтра нам нужно будет заказать книгу. – Wir müssen morgen ein Buch bestellen. Oft wird an Stelle “нужно” das Wort “надо” verwendet. Beide Wörter sind verwandt und bedeuten etwa das Gleiche. Тебе не надо было с ним спорить! – Du solltest nicht mit ihm diskutieren! Für alle Konstruktionen gilt: In einer positiven Aussage verwendet man ein vollendetes Verb, wenn das gesagte konkret, einmalig etc. ist. Я должен тебе кое-что сообщить. – Ich muss dir etwas mitteilen. Мы обязаны это сделать! – Wir müssen dies tun! Мне нужно тебя кое о чём спросить. – Ich muss dich etwas fragen. (Bei спрашивать hätte Ihr Gesprächspartner einen leichten Schauder, da er sich eine endlose Fragerei vorstellen würde!) Wenn die Aussage einen allgemeinen Сharakter haben soll, dann nimmt man ein unvollendetes Verb. Я должен следить за своим здоровьем. – Ich muss auf eigene Gesundheit achten. Мы обязаны делать домашние задания. – Wir müssen (immer) Hausaufgaben machen. Тебе нужно заниматься спортом! – Du sollst Sport treiben! In einer negativen Aussage verwendet man immer das unvollendete Verb. Я ничего не должен тебе сообщать. – Ich muss dir gar nichts mitteilen. Мы не обязаны этого делать. – Wir müssen nicht das tun. Мне не нужно тебя спрашивать. – Ich muss (gar) nicht dich fragen.

Личные местоимения – Die Personalpronomen
Die Deklination im Überblick. Singular: N G D A I я меня мне меня мной ты тебя тебе тебя тобой о тебе он его ему его им она её ей её ей

P обо мне Plural: N G D A мы нас нам нас

о нём о ней

вы вас вам вас

они их им их

I P

нами о нас

вами о вас

ими о них

Betrachten wir die Tabelle. Auffallend ist, die Nominativformen des jeweiligen Pronomens haben einen anderen Stamm, als die Formen der übrigen Fälle. die Personalpronomen bilden insgesamt zwei Gruppen: 1. Person und 2. Person Singular und Plural sind anders organisiert als 3. Person Singular und Plural. In der ersten Gruppe sehen wir die Formen, die ähnlich gebildet sind: Die Formen der 1. Person “reimen sich” mit den Formen der 2. Person sowohl im Singular wie auch in Plural. меня – тебя, нас – вас usw. Die Formen der Personalpronomen der 3.Person haben keinen „gereimten“ Partner. Sie beginnen mit einem Vokal. Wenn diese Formen mit einer Präposition gebracht werden, dann bekommen sie den Buchstaben «н» vorgesetzt: о нём, о ней, о них. Es gilt für alle Formen der 3. Person mit allen Präpositionen: у него, для неё, с ней, за ним usw. Wichtig zu wissen: manche Personalpronomen der 1. Person Singular beginnen mit zwei auf einander folgenden Konsonanten. Dies bewirkt, dass die mit ihnen gebrauchten Präpositionen vokalisiert werden : ко мне, со мной, передо мной, подо мной, надо мной, обо мне. 6. August 2012

Die Modalverben und ihr Gebrauch mit vollendeten und unvollendeten Verben (Fortsetzung 2)
4. dürfen Es gibt kein Verb im Russischen, welches das Dürfen zum Ausdruck bringt. Stattdessen wird eine Dativkonstruktion mit einem Adverb benutzt. Eine positive Aussage wird mit dem Adverb можно gestaltet. „можно“ ist mit dem deutschen „möglich“ verwandt. Es hat zwei Bedeutungen: „es ist möglich, man kann“ in einem unpersönlichen Satz „es ist erlaubt“ in einem persönlichen Satz. В центре города можно хорошо пообедать в новом русском ресторане. - Im Stadtzentrum kann man in einem neuen russischen Restaurant gut zu Mittag essen. Я больше не болею и мне уже можно выходить на улицу. – Ich bin nicht mehr krank und darf schon nach draußen gehen. In einem persönlichen Satz wird das Subjekt im Dativ verwendet: Wird „можно“ mit einem vollendeten Verb verwendet, dann hat der Zuhörer das Gefühl der Einmaligkeit der Handlung: Можно (мне) спросить? – Darf (ich) fragen? und

Можно(мне) выйти? – Kann (ich) rausgehen? Durch das vollendete Verb wird für den Zuhörer der besondere Wert der Handlung betont. Здесь можно хорошо отдохнуть. – Hier kann man sich gut erholen. Wird „можно“ mit einem unvollendeten Verb verwendet, dann hat der Zuhörer das Gefühl, dass eine Handlung lange dauert oder eine Regelung immer gilt: Там можно гулять, собирать грибы, дышать свежим воздухом. – Dort kann man spazieren gehen, Pilze sammeln, frische Luft tanken. Здесь можно пользоваться компьютером. – Hier darf man einen PC benutzen. Wenn etwas nicht erlaubt oder nicht möglich ist, wird im Russischen das Adverb нельзя verwendet. Wird mit нельзя ein vollendetes Verb gebraucht, dann hat es die Bedeutung „nicht möglich“. Mit einem unvollendeten Verb hat es die Bedeutung „nicht erlaubt“. Нельзя точно сказать, когда они познакомились. – Man kann nicht genau sagen, wann sie sich kennengelernt haben. Здесь нельзя курить. – Hier darf man nicht rauchen.

Die Deklination der Adjektive
Jeder Lernende wird vor die rein rechnerisch riesige Aufgabe gestellt, vier Adjektivformen (männlich, weiblich, sächlich, Plural) mal sechs Fälle mal vier Weichheitsstufen der Stämme, also 144 Formen der Adjektive sich zu merken. Wie soll das nun gehen?!! Keine Panik! Erstens: Die Zahl der Adjektivformen reduziert sich dadurch, dass die männlichen und sächlichen Adjektive in allen Fällen bis auf Nominativ und Akkusativ dieselben Formen haben. Zweitens: Zum Glück ist die Sprache nicht nach den mathematischen sondern nach den poetischen Prinzipien aufgebaut. Die Deklination lernt man so ähnlich wie ein Gedicht. Und zwar man lernt die Endungen und einige wenige Gebrauchsbeispiele dazu. Wir beginnen mit den weiblichen Adjektiven. Harter Stamm: N G D A I P N G D A I P новая новой новой новую новой новой синяя синей синей синюю синей синей

Weicher Stamm:

Betrachten wir die Endungen, so ergeben sich für uns zwei „Gedichte“:

-ая -ой -ой -ую -ой -ой

-яя -ей -ей -юю -ей -ей

(Das können Sie auch meinetwegen singen!) Wenn vor der Endung Г, К, Х, Ж, Ш, Ч oder Щ steht, dann wenden Sie bitte die Г, К, Х-Regel an. Analysieren Sie die Endungen der harten und weichen Stämme in Vergleich, so finden Sie, dass die Laute wie folgt ein Pendant bilden: a–я о–е у–ю Die Laute links werden für die harten Stämme gebraucht. Die Laute rechts setzt man bei den weichen Stämmen ein. Für die männlichen und sächlichen Adjektive und für die Adjektive in Plural gilt Folgendes: Die ihnen entsprechenden Personalpronomen dienen als Endungen der weichstämmigen Adjektive! Wie? So: Männliche Personalpronomen N G D A I P он его ему его им о нём

Männliche Adjektive, weich N хороший G хорошего D хорошему A хорошего I хорошим P хорошем Männliche Adjektive, hart N G D A I P новый нового новому нового новым новом

Analysieren Sie die Endungen der harten und weichen Adjektive, so sehen Sie, dass die Endungslaute ein Pendant wie folgt bilden: ы–и

о–е Die Laute links werden bei den harten Adjektiven verwendet. Die Laute rechts kommen bei den weichen Adjektiven vor. Fazit: erst lernen wir die Deklination der männlichen Personalpronomen. Dann setzen wir diese Pronomen als Endungen für die weichstämmigen Adjektive. Möchten wir die hartstämmigen Adjektive entwickeln, so ändern wir in den Endungen и auf ы und е auf о. Gelernt! Das gleiche Prozedere wird für die Pluraladjektive stattfinden. Personalpronomen im Plural: N они G их D им A их I ими P о них Pluraladjektive, weich N G D A I P N G D A I P хорошиe хороших хорошим хороших хорошими хороших новые новых новым новых новыми новых

Pluraladjektive, hart:

Es bleibt nur anzumerken, dass die angegebenen Formen für die männlichen und Pluraladjektive in Verbindung mit den belebten Wesen (Personen und Tieren) gelten. Wie man sieht, sind da die Akkusativformen den Genitivformen gleich! In Verbindung mit den Sachen haben die Adjektive eine etwas andere Form: Der Akkusativ ist dann dem Nominativ gleich. Nun kommen die Beispiele: Für die belebten Wesen (Personen und Tiere): Singular: N G D A I P Это он – наш хороший старый друг. Это комната его, нашего хорошего старого друга. Мы звоним ему, нашему хорошему старому другу. Мы любим его, нашего хорошего старого друга. Мы часто встречаемся с ним, с нашим хорошим, старым другом. Мы много думаем о нём, о нашем хорошем, старом друге.

Plural:

N G D A I P

Это они – наши хорошие старые друзья. Это комната их, наших хороших старых друзей. Мы звоним им, нашим хорошим старым друзьям. Мы любим их, наших хороших старых друзей. Мы часто встречаемся с ними, с нашими хорошими, старыми друзьями. Мы много думаем о них, о наших хороших, старых друзьях.

Für die Sachen: Singular: N G D A I P N G D A I P Это он – мой новый синий автомобиль. Это гараж для него, моего нового синего автомобиля. Я иду к нему, к своему новому синему автомобилю. Я очень люблю его, свой новый синий автомобиль. О, как я ухаживаю за ним, за своим новым синим автомобилем! Я уже написал целый роман о нём, о своём новом синем автомобиле. Это они – синие и белые цветы. Это грядка для них, для синих и белых цветов. Мы рады им, синим и белым цветам. Мы любим их, синие и белые цветы. Мы часто ухаживаем за ними, за синими и белыми цветами. Мы много думаем о них, о синих и белых цветах.

Plural:

Полногласие и неполногласие
Zwei Strömungen bilden die Grundlage der modernen russischen Sprache: eine nördliche und eine südliche. Manche Wörter treten in zweierlei Gestalten auf. Zum Beispiel gibt es im Russischen город und град. Beide Wörter bedeuten “eine Stadt”. Nur das Wort град tritt entweder als ein Wortteil auf: Ленинград, oder es bleibt ein selbstständiges Wort im gehobenen poetischen Stil. (Die verwandten Wörter im Deutschen: Stuttgart, Garten u.a.) Die nördliche oder nord-östliche Strömung entwickelte den so genannten Volllaut (полногласие). In unserem Beispiel ist es город. Die südliche oder süd-westliche Strömung entwickelte den Gegensatz zum Volllaut, den Nicht-Vollaut (неполногласие), also град. Wie man sieht, wird der Laut r auf unterschiedliche Weise vokalisiert: einmal -oro- und einmal -ra-. (Im Deutschen finden wir dann -ar.) Eine weitere Möglichkeit der Vokalisierung ist die durch den Laut e: -ere- im Volllaut und -re- im Nicht-Volllaut. Im Deutschen würde dann, sofern wir es überhaupt finden können, die Verbindung -er sein. Das Gleiche beobachten wir in Bezug auf die Vokalisierung des Lautes l: -olo-/-la- oder -olo-/-le-. Im Deutschen finden wir -il an dieser Stelle: молоко/млеко – Milch Hier sind einige Beispiele, die dieses Phänomen zeigen: Nördliche Strömung (полногласие) Südliche Strömung (неполногласие)

сторона (Seite) молоко (Milch) середина (Mitte) ворота (Tor) золото (Gold) голова (Kopf) беречь (hütten) берег (Ufer) холодный (kalt) короткий (kurz) молодой (jung)

страна (Land) Млечный путь (Milchstraße) среда (Mittwoch) вратарь (Torwart) злато (Gold, gehobener Stil) главный (Haupt-) небрежный (nachlässig) vergl.: bergen брег (Ufer, gehobener Stil) vergl.: Berg прохладный (kühl) краткий (kurzgefasst) младший (jüngerer) vergl.: mild

G K H Regel
г, к, х-Regel besagt, dass die Buchstaben г, к, х, ж, ш, ч, щ nicht mit den Buchstaben ы, я, ю geschrieben werden dürfen und an ihrer Stelle die Buchstaben и, а, у geschrieben werden müssen.

Die russischen Fälle im Vergleich mit den Fällen anderer Sprachen Ein Blick auf die Intentionen der Sprachen
Wie wir gesehen haben, kann man die russischen Fälle als ein System, als ein Ganzes verstehen. Vielleicht sind Ihnen dabei ein paar Fragen entstanden: Was hat uns denn als eine Grundlage für diese Ganzheit gedient? Was war sozusagen der gemeinsame Nenner für alle russischen Fälle? Kann man auch die Fälle der anderen Sprachen als ein System betrachten? Nun, wir haben gesagt, dass jeder Nominativ eigentlich einen Punkt mit einem zunächst unsichtbaren Umkreis darstellt. Das ist ja auch logisch, denn unsere Begriffe sind ja verbunden. Jeder Begriff zieht den anderen an sich. So entsteht der Umkreis eines Begriffes, der für gewöhnlich mit einem Nominativ bezeichnet ist. Ein Beispiel: Der Begriff „Kaffee“ hat einen unsichtbaren Umkreis: Tasse, Löffel, Zucker und vieles mehr. (Wichtig anzumerken ist, dass sowohl der Punkt wie auch der Umkreis in unserer Betrachtung Substantive sind!) In den Fällen kommt dann der Umkreis zum Vorschein und zwar auf unterschiedliche Weise. Ein Fall fixiert sozusagen eine besondere Erscheinung des Umkreises. Das gilt übrigens für alle Sprachen, die die Deklination, also die Fälle haben. Nur sind die Deklinationssysteme der verschiedenen Sprachen nicht identisch. Warum das? Offensichtlich durch die innere Empfindung, innere Wertung des Umkreises eines Begriffes. Gerade dieses bewirkt den wesentlichen Unterschied zwischen den Sprachen und zwischen den Volksmentalitäten. Was genau mit dem Umkreis eines Begriffes passiert, bestimmt die „Färbung“ der Sprache, ihren spezifischen

Eindruck, den sie hinterlässt, wenn wir ihr als einer Fremdsprache begegnen. Wenn wir uns über die Spezifik einer Sprache bewusst werden, können wir uns ihre Formen leichter merken und richtig gebrauchen. Außerdem ist es faszinierend, in die innere „Werkstatt“ einer Sprache zu schauen. Im Folgenden möchte ich die Deklinationssysteme der drei Sprachen Estnisch, Deutsch und Russisch miteinander vergleichen. In allen drei Sprachen benennt der Nominativ einen Begriff und der Genitiv weist daraufhin, dass ein weiterer Begriff zu dem ersten, dem mit dem Nominativ bezeichneten, gehört. Hier endet die Ähnlichkeit der Deklinationssysteme dieser Sprachen. Im Estnischen beobachten wir etwas sehr interessantes. Das Estnische hat 14(!) Fälle. Am leichtesten können wir das Besondere des estnischen Systems am Beispiel der Personalpronomen zeigen: Nominativ: mina- ich Genitiv: minu – mein 3. Fall (entspricht etwa dem Akkusativ) mind- mich Alle übrigen Fälle werden von dem Genitivstamm gebildet, indem verschiedene Nachsilben diesem Stamm hinzugefügt werden: minuga – mit mir, minule- mir, minuta- ohne mich usw. Das bedeutet, dass das Estnische streng genommen nur drei Fälle plus 11 Abwandlungen des Genitivs hat. Die Nachsilben werden nur „angehängt“. Sie haben ihre eigene Bedeutung und sind nicht auf einen Unterschied zwischen männlich, weiblich und sächlich ausgerichtet. (Im Estnischen gibt es gar kein Genus bei den Substantiven, Adjektiven u.a. Nicht einmal bei den Personalpronomen! „Ta“ bedeutet „er“, „sie“ und „es“, je nach Bedarf.) Ein Begriff im Estnischen tritt also in ziemlich sachlich geregelte Verhältnisse mit seinem Umkreis. Zwischen den Begriffen – so könnte man eigene Empfindung beschreiben – bestehen lineare Beziehungen. (Schön von einem zum anderen.) Dank solchen linearen Beziehungen entsteht für die Sprache kein qualitativer Unterschied, ob eine Sache, zum Beispiel, mit oder ohne die anderen Sachen existiert. Obwohl sie sinngemäß in die eigenen Fallkategorien eingeordnet werden, sind sie sprachlich gesehen eine Variante des Genitivs. Also: im Estnischen ist der Fall Genitiv sehr wichtig, da er so gut wie alle Rollen des Umkreises übernimmt. Weil es eben nur ein Fall ist, der in 12 verschiedenen Sinngebungen erscheint, können wir nicht von qualitativen Veränderungen innerhalb des Umkreises sprechen. Man könnte sagen, dass die estnische Sprache gerade deswegen archaisch und urwüchsig wirkt. Das Gefühl der Familien- oder Volkszugehörigkeit wird im Estnischen durch die Sprache selbst kultiviert . (Genitiv ist ja ein Zugehörigkeitsfall.) Im Deutschen formiert sich – langsam aber sicher – auch ein System von drei Fällen, wie im Estnischen. Allerdings ein wesentlich anderes System. Der Genitiv verschwindet aus der Sprache, jedenfalls aus der Umgangssprache. Teilweise übernimmt der Nominativ seine Rolle. Wir sagen nicht mehr „die Tür des Zimmers“ oder „die Gemeinschaft der Klasse“. Es wird an dieser Stelle „die Zimmertür“ oder „die Klassengemeinschaft“ gesagt. Man kann leicht bemerken, dass die deutsche Sprache liebend gerne immer neue Nominative – und das oft auf Kosten des Genitivs – erfindet. (Auch Adjektive und Partizipien werden gerne substantiviert. Selbst Verbe wandern in die Klasse der Substantive, was im Russischen, zum Beispiel, gar nicht ohne Weiteres geht!) Andererseits übernimmt der Dativ die Funktionen des Genitivs. (So könnte ich auch „die Funktionen vom Genitiv“ sagen.) Also: schon bald werden nur noch drei Fälle im Deutschen übrig geblieben sein.

Dabei spielt der Nominativ, dadurch dass er den Tätigen benennt, eine Rolle des Aktiven. Der Akkusativ dagegen übernimmt die Rolle des Passiven. Der Dativ ist dann mittendrin, er ist ein Vermittler. Er ist immer dort im Einsatz, wo eine Interaktion – ein Geben und ein Nehmen, ein Schenken und ein Bekommen und so weiter – stattfindet. Was bedeutet es, dass der Genitiv aus dem Deutschen verschwindet? Offensichtlich wird dasjenige, was wir Umkreis genannt haben, im Sprachbewusstsein der Deutschen als etwas Umständliches empfunden. Der Punkt, die Benennung selbst, die innere Konzentrierung des Begriffes wird mehr gewichtet als die möglichen Verbindungen und Beziehungen eines Begriffes mit den anderen. Diese Beziehungen werden in den Hauptbegriff hereingenommen. Es gibt einen gefühlsmäßigen Unterschied zwischen folgenden zwei Aussagen: Er machte die Tür des Zimmers auf. Er machte die Zimmertür auf. Je weniger Literatur im Spiel ist, desto wahrscheinlicher nehmen wir eben das Wort „Zimmertür“ in unseren Gebrauch. (So würden wir doch nie sagen: Wir brauchen eine neue…. Tür des Zimmers!) Also: der unmittelbare Umkreis eines Begriffes wird im Deutschen als etwas Umständliches empfunden, von daher vermeidet man die Genitivbildungen und gebraucht dafür Nominativ oder Dativ. Durch die Intention zur Konzentrierung der Begriffe – also zum Zusammenführen mehrerer Begriffe zu einem Zentrum – wirkt die deutsche Sprache als etwas stark Ordnendes. Diese Sprache ermöglicht den Ausdruck komplizierter Zusammenhänge mit einem Wort, was seinen Höhepunkt in der deutschen Philosophie gefunden hat. Im Russischen haben wir eine dritte Version eines Deklinationssystems. Im Russischen spielt gerade das vielfältige Erleben des Umkreises eines Begriffes eine wesentliche Rolle. Zwar ist der Genitiv im Russischen ein sehr wichtiger Fall, weil er die meisten Präpositionen und Funktionen hat. Aber im russischen Deklinationssystem spielen auch die anderen Fälle eine gewichtige Rolle. Im Deutschen sagt man: „Ein Glas Wein bitte!“ Die Russen würden es nie so ausdrücken: „Бокал вино, пожалуйста.“ Wir werden auch nicht einfach «Вино, пожалуйста!» sagen. Hier wird unbedingt ein Genitiv gebraucht: „Бокал вина, пожалуйста.“ Und warum? Weil durch den Genitiv eine wesentliche Veränderung durchgeführt wird. Wir haben ein Gefühl, dass wir nicht den ganzen Wein der Welt oder auch nur eines Restaurants austrinken möchten. Wir brauchen nur einen Teil des vorhandenen Weins! Der Nominativ im Russischen wird als ein Ganzes, manchmal auch als ein großes Ganzes erlebt. Der Genitiv ist für die russische Sprache unverzichtbar, weil er die Größe einer Sache mindert und sie dadurch „verträglicher“ macht. Wenn ein Deutscher das Wort „Meeresufer“ sagt, dann ordnet er eigentlich das Meer dem Ufer zu oder unter. Das Ufer ist dann wichtiger als das Meer. Ein Russe verkleinert zwar das Meer, wenn er «берег моря» sagt, aber im Hintergrund erlebt er weiterhin die Größe des Meeres. Will er das Ufer dennoch wichtiger machen, dann wird er «морской берег» sagen, also ein Adjektiv verwenden. Das macht einen wesentlichen Unterschied zwischen diesen zwei Sprachen aus. Die Abmilderung oder Minderung einer Größe mit einem gleichzeitigen Miterleben dieser Größe – das ist die Aufgabe des Genitivs im Russischen. Gerade deswegen bezeichnet der Genitiv auch die Entfernung, das Nichtvorhandensein einer Sache. Мы уехали из города. – Wir fuhren aus der Stadt weg. (Eine Stadt war für uns eine Größe, in der wir drin waren und von der wir uns entfernt haben.) und

Его сегодня нет. – Er ist heute nicht da. (Eine Person ist immer eine Größe. Durch den Genitiv ist ihr Wegbleiben zum Ausdruck gebracht.) Also: der Genitiv im Russischen ist für die Bewegung weg vom Zentrum zuständig. Der Dativ hat zwar auch die Funktionen eines Mittlers, wie im Deutschen. Er hat aber eine weitere wichtige Aufgabe zu erfüllen: eine Bewegung auf einer Oberfläche, wenn Sie zum Beispiel mit der Hand über die Tischplatte streichen, wird im Russischen durch den Dativ beschrieben. „вести рукой по столу“. Ein Umkreis eines Begriffes hat im Russischen keine Unendlichkeit. Es gibt eine Grenze und – wenn wir das Ganze uns nicht flächig, sondern räumlich vorstellen – eine Oberfläche einer Sphäre. Nicht das Sich Befinden auf der Oberfläche – die Bewegung auf der Oberfläche wird im Russischen durch den Dativ mit einer Präposition „по“ gestaltet. Interessanterweise gibt es auch etliche Verben, die einen Dativ ohne jegliche Präpositionen erfordern. Я радуюсь каникулам! – Ich freue mich über die Ferien. Wir können uns hier die Ferien als eine Sphäre vorstellen. Diese Sphäre wird durch unsere Freude „umfasst“ und man bewegt diese Sphäre innerlich in sich. Das empfindet, unbewusst natürlich, ein Russe, wenn er solche und ähnliche Sätze sagt. Der Akkusativ ist im Russischen im Unterschied zum Deutschen ein Mischfall: er hat die Merkmale des klassischen Akkusativs, wie im Deutschen, ist also ein Passivfall. Anderseits ist der Akkusativ seinen Funktionen nach dem Genitiv sehr nah. Viele Verben erforderten früher den Genitiv. Jetzt können wir eine Tendenz beobachten, nach der der Akkusativ den Genitiv verdrängt. Der Instrumental ist eine Besonderheit im Russischen. Durch den Instrumental wird immer eine qualitative Vergrößerung eines Begriffes dargestellt. Mein Bruder und ich – so sagt ein Deutscher. Beide Subjekte sind souverän und gleichwertig, wie wir aus dem Gebrauch der Konjunktion „und“ erkennen. Im Russischen ist es viel wichtiger, dass wir beide – mein Bruder und ich – eine Einheit bilden, die größer ist, als jeder von uns getrennt. Ein Russe sagt: «Мы с братом». Wortwörtlich: wir mit meinem Bruder. Я работаю учительницей. Ich arbeite als Lehrerin. Durch meine Arbeit bin ich zu etwas qualitativ anderem geworden, als ich sonst bin. Der Instrumental bringt also im Russischen eine qualitative Vergrößerung des Ursprungsbegriffes zum Erleben. (Ja klar, erlebt wird es nur unbewusst! Dasjenige, was wir hier machen, ist dass wir uns unsere Erlebnisse zum Bewusstsein bringen.) Und schließlich lässt uns der Präpositiv, wenn wir uns nur darüber bewusst werden, etwas sehr Interessantes erleben. Wenn wir den Präpositiv im Russischen verwenden, dann befinden wir uns außerhalb des Umkreises, einer Sphäre, und können von dort aus, von allen Seiten die Sphäre umfassend, zum Zentrum hin fühlen. Die Präposition „o“ in Verbindung mit einer geistigen Tätigkeit – denken, träumen, erinnern, sich sorgen oder sich streiten, diskutieren, sprechen, schwatzen usw. an, von und über etwas – wird im Russischen durch den Präpositiv zum Ausdruck gebracht. „Я думаю о тебе“ ist gefühlsmäßig etwas ganz anderes als „Ich denke an dich“. Es gilt auch für den Gebrauch des Präpositivs mit den anderen Präpositionen. Мы живём в этом городе. – Wir wohnen in dieser Stadt. Ein Deutscher fühlt sich an Ort und Stelle, wenn er diesen Satz sagt. Und ein Russe fühlt sich mit einer Stadt umgeben, wenn er den gleichen Satz ausspricht. So kann man auf Grund dieser Überlegungen einiges von dem, was man die russische Mentalität nennt, verstehen. Das Gefühl für die größeren Einheiten, der Zentralismus, als ein Hinfühlen von

der Peripherie zum Zentrum, das unbewusste Erleben der Größe und Besonderheit jeder einzelnen Sache, was zweifellos für eine künstlerische Veranlagung der Russen spricht – das alles wird allein durch die Sprache, durch ihre unbewusste Wirkung auf das Volk entwickelt. Ich danke ihnen für Ihre Geduld!

Die Verben der Fortbewegung 1.
(Eine erweiterte Version eines früheren Artikels, der nicht mehr vorhanden ist) Wie Sie wissen, unterscheidet man im Russischen die vollendeten und unvollendeten Verben. Die vollendeten Verben deuten auf die Ergebnisse einer Handlung. Deswegen bilden die vollendeten Verben auch kein Präsens. Die unvollendeten Verben sind für das Präsens zuständig und sie bedeuten die Handlungen, die entweder hier und jetzt oder immer wieder, regelmäßig stattfinden. Eine Gruppe der Verben, nämlich die Verben der Fortbewegung – gehen, fahren, rennen, führen, tragen, fliegen, schwimmen etc. – bildet Extraformen im Präsens für die Handlungen, die hier und jetzt stattfinden, und für die Handlungen, die regelmäßig, öfters stattfinden. gehen: идти – hier und jetzt gehen, ходить – regelmäßig, öfters gehen, zum Beispiel, in die Schule, in die Universität, zu einem Training etc. fahren: ехать - hier und jetzt fahren, ездить – regelmäßig, öfters fahren Wichtig ist zu bemerken, alle diese Verben sind unvollendet! Die Verben идти und ехать bezeichnen eine Bewegung zu einem Ziel, entweder hin oder zurück. Deswegen werden sie auch „zielgerichtet“ genannt und mit diesem Symbol markiert: → Die Verben ходить und ездить bezeichnen eine Bewegung, die mindestens zwei Ziele erfasst: hin und zurück oder mehrere Ziele bei einem Stadtgang (Dann wird unbedingt die Präposition по + Dativ verwendet). Sie werden in der Fachliteratur “nicht zielgerichtet“ genannt, was mir irreführend erscheint. Korrekt wäre sie „mehrfach zielgerichtet“ zu nennen. Markiert werden sie mit diesem Symbol: ↔ Logischerweise erfordern diese Verben mit Präpositionen в und на immer den Akkusativ!! Hier und jetzt zu einem Ziel mit Signalwörtern: сейчас, сегодня, в понедельник, в обед … идти → я иду ты идёшь он идёт мы идём вы идёте они идут

! Präteritum: он шёл, она шла, оно шло, они шли Regelmäßig ↔ mit Signalwörtern: всегда, иногда, иногда, часто, редко, регулярно…. Hier und jetzt, aber zu mehreren Zielen. → Signal – Präposition ходить ↔ und → я хожу мы ходим по + Dativ

ты ходишь он ходит Beispiele: – – – – – –

вы ходите они ходят

Куда ты идёшь? Wohin gehst du? Я иду в магазин. Ich gehe in den Laden. Ты всегда ходишь в этот магазин. Gehst du immer in diesen Laden? Нет, не всегда. Но я часто хожу в этот магазин. Nicht immer, ich gehe jedoch öfters dahin. Что он делает? Was macht er? Ничего! Ходит по комнате. Nichts! Läuft im Zimmer herum.

Das Gleiche gilt für das Verbpaar ехать und ездить- fahren ехать → я еду мы едем ты едешь вы едете он едет они едут ездить ↔ und → я езжу мы ездим ты ездишь вы ездите он ездит они ездят Präteritum der unvollendeten Verben der Fortbewegung Im Präteritum bedeuten die einfach zielgerichteten Verben (→) eine Bewegung, die gleichzeitig mit der anderen stattfand. Die mehrfachzielgerichteten Verben (↔) bedeuten eine Bewegung hin und zurück. Ins Deutsche werden sie mit „war, warst“ etc. übersetzt. – Куда ты вчера ходил? Я видел тебя, когда я шёл в библиотеку. Wo warst du gestern. Ich sah dich, als ich in die Bibliothek ging. – Вчера я ходил в китайский ресторан. Ich war gestern im chinesischen Restaurant. На каникулах мы ездили в Италию. In den Ferien waren wir in Italien. Когда мы ехали туда на машине, было очень жарко. Als wir dorthin fuhren, war es sehr heiß. Mit der Präposition по bedeuten die mehrfachzielgerichteten Verben (↔) auch im Präteritum eine Bewegung zu den mehreren Zielen. – Что вы вчера делали? Was habt ihr gestern gemacht? – Ездили по городу. Хотели купить новую лампу. Fuhren auf der Suche nach einer neuen Lampe in der Stadt herum. Vollendete und unvollendete Verben der Fortbewegung • Als ein Infinitiv verwendet Die Verben der Fortbewegung haben auch vollendete und unvollendete Formen. Die einfach zielgerichteten Verben (→) bilden die vollendeten Formen mit Hilfe der Vorsilbe по-: идти /пойти (gehen/losgehen) ехать/поехать (fahren/losfahren) Die mehrfach zielgerichteten Verben bilden ihre vollendeten Formen mit Hilfe der Vorsilbe c- oder der Vorsilbe по-:

ходить/сходить (gehen/hin und zurück gehen) ездить/съездить (fahren/ hin und zurück fahren) ходить /походить (herumgehen/einwenig herumgehen) ездить/поездить (herumfahren/einwenig herumfahren) Beispiele: В воскресенье я хочу пойти на выставку. Am Sonntag will ich eine Ausstellung besuchen. На каникулах мы хотим поехать в Австрию. In den Ferien möchten wir nach Österreich fahren. Die unten stehende Beispiele sagen genau das Gleiche aus. Der einziege Unterschied liegt darin, dass die folgenden Beispiele etwas definitiver, entschlossener klingen. В воскресенье я хочу сходить на выставку. На каникулах мы хотим съездить в Австрию. Die Verben походить, поездить und ähnliche werden oft mit dem Adverbium немного verwendet. Он хотел немного походить на свежем воздухе. Er wollte einwenig an der frischen Luft laufen. А ты не хочешь с нами немного поездить по городу? Willst du nicht einwenig mit uns in der Stadt bummeln? • Als ein Futur verwendet Wie Sie wissen, bedeuten die Präsensformen der vollendeten Verben eine Handlung in der Zukunft. Завтра я пойду к врачу. Morgen gehe ich zum Arzt. Завтра я сначала схожу к врачу, а потом пойду в библиотеку. Morgen gehe ich zuerst zum Arzt und dann in die Bibliothek. Die vollendete Form von einem einfach zielgerichteten Verb (→) bedeutet im Futur eine Handlung mit einem offenem Ende. Dagegen bedeutet dieselbe Form von einem mehrfach zielgerichteten Verb (↔) eine zu Ende vollbrachte Handlung. In der Umgangssprache können wir oft hören: Пойду схожу в магазин. Ich gehe in den Laden (und vollbringe es). Поеду съезжу к Сергею. Ich fahre zu Sergej (und vollende dies). Пойди сходи посмотри, что там такое. Gehe und schau, was da los ist (und vollbringe es). Schauen wir auf die Es klingt sehr urtümlich Russisch, wenn einer so etwas sagt. • Als Präteritum verwendet Die vollendeten einfach zielgerichteten Verben bedeuten im Präteritum eine angefangene Handlung mit einem offenen Ende. Dieselbe Form von einem mehrfach zielgerichteten Verb bedeutet eine vollbrachte Handlung. Она пошла в магазин. Sie ist einkaufen gegangen. Она сходила в магазин и стала варить обед. Sie war einkaufen und fing an, das Mittagessen zu Kochen. Es bleibt nun zu klären, wo ist der Unterschied zwischen solchen Aussagen: Мы ходили в кино. Мы сходили в кино.

Beide Aussagen bedeuten das Gleiche: Wir waren im Kino. Die erste Aussage ist eine einfache Mitteilung. Die zweite betont mit den Sprachmitteln die Vollendung der Tatsache, dass wir im Kino waren. Nach so einer Aussage müsste ein Bericht erfolgen, über alles, was danach geschah. Und noch ein Beispiel: На каникулах мы ездили в Чехию. In den Ferien waren wir in Tschechien. Мы очень хорошо съездили туда. Es war eine gute Reise. Auf keinem Fall dürften wir sagen: Мы хорошо ездили в Чехию.

Nichts im Genitiv. Negativpronomina im Russischen
Nein, das ist kein Spaß. Im Russischen wird tatsächlich sehr häufig die Genitivform des Wortes „nichts“ gebraucht. „Nichts“ im Russischen ist ein Negativpronomen und dementsprechend hat es sechs Deklinationsformen. N G D A I P ничто ничего ничему ничего ничем ни о чём

Wie schon die Präpositivform zeigt, kann dieses Negativpronomen mit einer Präposition gebraucht werden. Die Präposition steht dann zwischen ни und einer entsprechenden Deklinationsform des что. Die gesamte Konstruktion wird in drei Worten geschrieben. N G D A I P ничто ничего ничему ничего ничем ни о чём ни до чего ни к чему ни про что ни с чем ни в чём

Die Negativpronomen werden häufig gebraucht. Oft sind es feste Redewendungen, die immer in bestimmten Situationen gesprochen werden. 1. Die Nominativform ничто wird selten gebraucht. Ничто не вечно под луной. Nichts in der Welt ist ewig. Меня ничто уже не удивляет. Mich wundert gar nichts mehr. 2. Die Genitivform ist dagegen sehr aktiv in der Sprache. Как дела? – Ничего. Wie geht es? –Es geht so. Простите, я помешал? – Ничего-ничего! Habe ich Sie gestört? – Es macht nichts! Ничего себе! Wow! Diese Wendungen sind idiomatisch. Ihre Grammatikkonstruktion ist nicht erklärlich. Die anderen Wendungen sind etwas mehr „durchsichtig“. Я ничего не понимаю! Ich verstehe gar nichts!

Ничего мы не купили! Wir haben nichts gekauft! Ничего не поделаешь! Mankannnichtstun! Ничего не говори! Sag‘ nichts! Водитель ничего не видел из-за снега. Der Fahrer hat wegen dem Schnee nichts gesehen. Alle diese Wendungen sind folgendermaßen aufgebaut: ничего + не + Verb Das Negativpronomen spielt in diesen Wendungen die Rolle des direkten Objektes. Eigentlich sollte an dieser Stelle die normale Akkusativform verwendet werden. ________________________________________________________________________________ __ Die Besonderheit der russischen Sprache besteht jedoch darin, dass in einer POSITIVEN Aussage als ein DIREKTES Objekt eine Akkusativform und in einer NEGATIVEN Aussage eine Genitivform gebraucht wird. Und zwar immer! ________________________________________________________________________________ __ Wenn das Objekt nicht direkt, sondern mit einer Präposition verwendet wird, dann erscheint die eigentliche Form des Akkusativs: Он ни во что не верит. Er glaubt an nichts. Она ни про что не рассказала. Sie erzählte über keines von diesen Vorkommnissen. 3. Die Dativform ist in folgenden Wendungen vertreten: Не верь ничему! Glaube nichts davon! Ничему не удивляйся! Wundere dich über nichts! Он ничему не рад. Nichts kann ihn erfreuen. Тебе это ни к чему! Du brauchst es nicht! 4. Die Akkusativformen erscheinen nur in Verbindung mit den Präpositionen: Мы вчера ни во что не играли. Wir spielten gestern gar keine Spiele. Ни за что на свете! Um nichts in der Welt! Она рассердилась на нас ни за что, ни про что! Sie erzürnte ohne Grund. 5. Die Instrumentalformen sind in diesen Wendungen vertreten: Ему ничем нельзя было помочь. Nichts konnte ihm helfen. Нас ничем уже не удивить. Nichts kann uns mehr überraschen. Он остался ни с чем. Er ging leer aus. Это ни с чем нельзя сравнить! Diesem gibt es kein Vergleich! С чем ты будешь кофе? – Ни с чем. Просто кофе. Womit möchtest du deinen Kaffee? Ohne alles. Nur Kaffee. 6. Die Präpositivwendungen: Не спрашивай ни о чём! Frage gar nichts! Он ни в чём не виноват! Er hat gar keine Schuld. А я здесь ни при чём! Ich habe damit nichts zu tun!

Präpositiv Die wichtigsten Funktionen und Formen
Die Funktionen: 1. Ortsangaben mit den Präpositionen в, на, при: Я родился в большом городе. Ich bin in einer Großstadt geboren. Вчера мы были в университетской библиотеке. Gestern waren wir in der Unibibliothek. Они отдыхали на Канарских островах. Sie machten Urlaub auf den Kanarischen Inseln. При нашем университете есть языковой центр. Wir haben ein Sprachenzentrum an unserer Universität. 2. Zeitangaben mit den Präpositionen в, на, при: Я поступил в университет в две тысячи десятом году. Ich trat im Jahr 2010 in die Uni ein. На этой неделе мы уезжаем в Крым. Wir fahren in dieser Woche auf die Krim. При Петре Первом в России начались реформы. Zur Zeit des Peters des Großen begannen in Russland die Reformen. 3. Angaben über den Gegenstand des Gespräches, Gedanken etc. mit Präp. o: Мы часто говорили о планах на будущее. Wir sprachen oft über unsere Zukunftspläne. Они всегда спорят о политике! Sie streiten sich immer über die Politik. О чём ты думаешь? Woran denkst du? 4. Angaben über Transportmitteln: - На чём ты ездишь в институт? -Womit fährst du in die Uni? - На велосипеде. -Mit dem Fahrrad. 5. Angaben über die Bekleidung einer Person. - Он пришёл на концерт в джинсах! -Er kam zum Konzert mit einer Jeans gekleidet! - В чём?! Не может быть! - Womit?! Kann nicht sein! - На Наташе сегодня очень красивое платье! - Natascha hat heute ein schönes Kleid an! - На ком? - Wer?

– На Наташе! - Natascha! 6. In den Wendungen: В чём дело? Was ist los? Что ты в нём нашла?! Was hast du in ihm gefunden?! Не вижу в этом ничего плохого! Ich sehe darin gar nichts Schlechtes! и др. Die Formen: Präpositiv-Fragewörter : Substantiv: О ком? О чём? Adjektiv: О каком? О какой? О каких? Possessivpronomen: О чьём? О чьей? О чьих? Präpositiv der Personalpronomina: обо мне, о тебе, о нём, о ней, о нас, о вас, о них Präpositiv der Possessivpronomina: о моём, о моей, о моих о твоём, о твоей, о твоих о его о её о нашем, о нашей, о наших о вашем, о вашей, о ваших об их Präpositiv der Substantive: он она стол – на столе комната – в комнате календарь – в календаре кухня – на кухне музей – в музее аудитория – в аудитории санаторий – в санатории площадь – на площади Präpositiv der Adjektive: здание – в здании море – на море окна – на окнах санатории – в санаториях аудитория – в аудиториях площади – на площадях здание – в зданиях окно – на окне кухни – на кухнях оно столы – на столах они

он/оно о новом синем карандаше

она

они

о новой, синей о новых синих ручке ручках и карандашах